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Staat Informationen : Mauretanien

Informationen:


Mauretanien ([ma͜ureˈtaːniÌŻÉ™n], amtlich arabischÂ Ű§Ù„ŰŹÙ…Ù‡ÙˆŰ±ÙŠŰ© Ű§Ù„Ű„ŰłÙ„Ű§Ù…ÙŠŰ© Ű§Ù„Ù…ÙˆŰ±ÙŠŰȘŰ§Ù†ÙŠŰ©Â al-DschumhĆ«riyya al-Islāmiyya al-MĆ«rÄ«tāniyya ‚Islamische Republik Mauretanien‘, französisch Mauritanie) ist ein Staat im nordwestlichen Afrika am Atlantik. Die PrĂ€sidialrepublik grenzt an die Staaten Algerien im Nordosten, Mali im Osten und SĂŒdosten, Senegal im SĂŒdwesten sowie im Norden und im Nordwesten an den Landesstreifen der Westsahara, der von der Frente Polisario zur Demokratischen Arabischen Republik Sahara ausgerufen wurde. Das Land besteht mit Ausnahme einer Dornbuschsavannenzone von der Hauptstadt Nouakchott entlang der SĂŒdgrenze aus WĂŒste. Nach einem Putsch am 8. August 2008 herrschte kurzzeitig eine MilitĂ€rdiktatur. 2009 fanden wieder PrĂ€sidentschaftswahlen statt, ebenso 2014 und 2019.

Geographie

Landesnatur

Die OberflĂ€chengestalt Mauretaniens bietet ein recht gleichförmiges Bild. An die im SĂŒden zwischen SenegalmĂŒndung und Cap Timiris gelegene flache AusgleichskĂŒste, im Norden buchten- und inselreiche SteilkĂŒste schließt landeinwĂ€rts ein ausgedehntes Tiefland an, das mit seinen SanddĂŒnenfeldern den westlichen Rand der Sahara bildet. Ein kurzer Steilanstieg leitet zu dem weithin ebenen Hochland (300–500 m ĂŒ. M.) im zentralen Landesteil ĂŒber. Hier liegen die Sandsteinplateaus von Adrar, Tagant und AffollĂ© sowie einzelne Inselberge, darunter der Kediet Ijill, mit 915 m die höchste Erhebung des Landes. Zentral in der Sahara, auf der Grenze zwischen den Verwaltungsregionen Tiris Zemmour und Adrar, ist das Naturwunder Guelb er Richat gelegen. Gegen Osten senken sich die ĂŒberwiegend von Geröllfeldern bedeckten HochflĂ€chen zu dem abflusslosen, sandgefĂŒllten Becken El Djouf. Einziger stĂ€ndig wasserfĂŒhrender Fluss Mauretaniens ist der Senegal, der die Staatsgrenze zum gleichnamigen Nachbarland bildet.

Klima

Im Bereich des nördlichen Wendekreises gelegen hat Mauretanien grĂ¶ĂŸtenteils trockenheißes WĂŒstenklima. AbkĂŒhlung bringt nur der kalte Kanarenstrom vor der KĂŒste, wodurch es im KĂŒstengebiet hĂ€ufig zu Nebelbildung kommt. In der NordhĂ€lfte des Landes fallen die NiederschlĂ€ge unter anderem im Winter, allerdings selten mehr als 100 mm pro Jahr, im Ă€ußersten SĂŒden sind es 300–400 mm, hauptsĂ€chlich von Juli bis Oktober. Die durchschnittlichen Januartemperaturen liegen bei 20–24 °C, die Julitemperaturen bei 30–34 °C, wobei sommerliche Maximalwerte bis 50 °C erreicht werden.

Flora und Fauna

Gras- und BuschflĂ€chen sowie Akazien markieren den Übergang von der WĂŒstensteppe zur Dornsavanne des Sahel. In den Oasen wachsen vor allem Dattelpalmen, in der Überschwemmungssavanne des Senegal auch Raphiapalmen, AffenbrotbĂ€ume und Bambus. Im KĂŒstenland gibt es ausgedehnte SalzsĂŒmpfe.

Tiere der Savanne sind Antilopen, Elefanten und HyĂ€nen; die WĂŒstensteppe bietet noch fĂŒr Gazellen, Strauße, Warzenschweine, Leoparden und Falbkatzen ausreichend Nahrung. Auch gibt es in den DĂŒnen zahlreiche Skorpione und Schlangen.

Des Weiteren wurden in Mauretanien Nilkrokodile entdeckt, welche meist an Gueltas leben und die geringe Niederschlagsmenge so gut es geht nutzen, um sich in der Trockenperiode in kĂŒhle Felsspalten unter der Erde zurĂŒckzuziehen. Dabei fahren sie ihren Stoffwechsel auf ein Minimum herunter und verfallen in eine Starre, die es ihnen erlaubt, monatelang ohne Wasser und Nahrung zu ĂŒberleben.

Zwischen 1990 und 2000 hat der Waldbestand um 2,7 Prozent abgenommen.

Nationalparks

In Mauretanien gibt es zwei Nationalparks:

  • Nationalpark Banc d’Arguin (1976 ausgewiesen)
  • Nationalpark Diawling (1990 ausgewiesen)

Bevölkerung

Der frĂŒher hohe Anteil an Nomaden ist stark zurĂŒckgegangen. 1957 lebten noch 90 Prozent der Bevölkerung als Nomaden in Zelten, grĂ¶ĂŸere StĂ€dte gab es nicht. Dagegen wohnten 2020 bereits 55 Prozent der Bevölkerung in den StĂ€dten. Vier FĂŒnftel der Einwohner leben auf 15 Prozent der LandesflĂ€che, vorwiegend im SĂŒden.

Mehr als andere StĂ€dte reflektiert Nouakchott die durch schnelle und nicht kontrollierte Urbanisierung verursachten Probleme. Anfangs als kleine zentrale Verwaltungsstelle mit etwa 30.000 Einwohnern im Jahre 1959 errichtet, erreichte sie schon im Jahre 1970 mehr als 40.000 Einwohner und wuchs in den 1970er Jahren um 15 bis 20 % pro Jahr. Dieses schnelle Wachstum hĂ€lt auch am Anfang des 21. Jahrhunderts an: 2013 hatte die Stadt knapp eine Million Einwohner. Der daraus resultierende Mangel an Wasser und an Wohnraum ist ein großes Problem. Die meisten der Neuankömmlinge landen in sogenannten Kebbas (Vorstadtvierteln), die im nĂ€heren Umfeld der Hauptstadt entstanden sind. Im Jahre 1983 schĂ€tzte ein französischer Forscher, dass mehr als 40 % der Bevölkerung von Nouakchott in den Kebbas lebte und der Anteil noch weiter steigen werde. Die Regierung Mauretaniens versuchte, dieses Problem zu lösen, indem sie all denen Boden und Saatgut sowie Transportmöglichkeiten anbot, die zur RĂŒckkehr in die lĂ€ndlichen Regionen bereit wĂ€ren. Die Realisierung des ambitionierten Programmes erwies sich aber in Anbetracht dauerhafter DĂŒrre als schwierig.

Das Bevölkerungswachstum betrug 2020 2,7 Prozent. Die Einwohnerzahlen schwanken stark zwischen den Angaben des nationalen Statistikamtes und den Angaben der UN (der Unterschied betrug 2020 mehr als eine halbe Million). Knapp 40 Prozent der Bevölkerung waren nach SchĂ€tzungen fĂŒr 2020 jĂŒnger als 15 Jahre, das Medianalter der Bevölkerung lag bei geschĂ€tzten 20 Jahren. Ausgehend von einem hohen Niveau von fast 7 Kindern pro Frau, sinkt die FertilitĂ€tsrate sinkt seit den 1960er Jahren kontinuierlich, liegt aber immer noch bei 4,5 Kindern pro Frau.

Es ist eine wesentliche Anzahl an AuslĂ€ndern – mehr als 15 % der ArbeitskrĂ€fte in den modernen Wirtschaftsbereichen – notwendig, um die Nachfrage an qualifizierten ArbeitskrĂ€ften zu decken. Gleichzeitig verließen mehr als 600.000 Mauretanier ihr Land auf der Suche nach BeschĂ€ftigung in Westafrika, im Mittleren Osten und in Westeuropa.

Volksgruppen

In Mauretanien treffen arabische, berberische und schwarzafrikanische Völkergruppen zusammen, die sich stark miteinander vermischt haben, so dass Prozentangaben zu einzelnen Ethnien kaum möglich sind. Etwa 70 Prozent der Bevölkerung sprechen Hassania. Sie gehören zu den arabisch-berberischen Mauren. Etwa die HĂ€lfte dieser Hassania-Sprecher wird als Bidhan oder Weiße Mauren bezeichnet und gehört zu den beiden oberen Schichten der traditionell stark hierarchisch gegliederten mauretanischen Gesellschaft, den Hassani (Kriegern) und Marabout (Islamgelehrten). Die andere HĂ€lfte heißt Haratin. Diese durchschnittlich etwas dunkelhĂ€utigeren Menschen haben Vorfahren, die ehemals Sklaven waren. Die ĂŒbrigen 30 Prozent der Gesamtbevölkerung teilen sich mehrere schwarzafrikanische Völker (zusammen Soudans), die ĂŒberwiegend entlang des Senegalflusses im SĂŒden leben. Eine Ă€hnliche Einteilung schĂ€tzt fĂŒr 2010 grob 30 Prozent (weiße) Mauren, 40 Prozent dunkelhĂ€utige Mauren und 30 Prozent Schwarze. Zu den schwarzafrikanischen Völkern gehören die ĂŒberwiegend Ackerbau treibenden Tukulor und die Fulbe, traditionell Rinderhirten. Beide werden wegen ihrer gemeinsamen Sprache Pulaar als Halpulaaren zusammengefasst. Kleinere Volksgruppen sind die SarakolĂ©, Wolof und Bambara. Etwa 5000 EuropĂ€er (meist Franzosen) leben im Land.

Der Kompromiss zwischen den verschiedenen Kulturen Mauretaniens ist wichtig fĂŒr den Zusammenhalt der Nation. Traditionell wird das Land – auch geographisch – gemĂ€ĂŸ diesen Volksgruppen in das sogenannte Ard al-BÄ«dān, was „Land der Weißen“ bedeutet, und Ard as-SĆ«dān, „Land der Schwarzen“, unterteilt. Diese oft benutzten Begriffe werden jedoch nicht pejorativ gedacht. Die Einteilung ist mehr wirtschaftlich-traditionellen als ethnischen Ursprungs. In der Tat gehören viele Schwarzafrikaner der nomadischen Welt an, die Benennung „Mauren“ beziehungsweise „BÄ«dān“ gilt all jenen nomadischen Gruppen, die kulturell arabisiert wurden – ungeachtet ihres ethnischen Ursprungs, also inklusive der „Mauren“ mit schwarzafrikanischem Hintergrund. Die Kategorie „Schwarzafrikaner“ (nĂ©gro africains) fasst sĂ€mtliche nicht-arabischsprachigen Mauretanier zusammen. Eine von schwarzen Nationalisten propagierte, noch weiter ausgedehnte Zuordnung schließt als „Schwarzmauretanier“ (nĂ©gro-mauritaniens) auch die arabisch sprechenden Haratins mit ein, mit der Absicht, eine grĂ¶ĂŸere Front gegen die „weißen“ Mauretanier bilden zu können. Heute gilt der Islam als Bindung zwischen den verschiedenen Ethnien und ist die einzige vom Volk anerkannte Legitimierung eines jeden Gesetzes.

Im Jahre 2017 waren 3,8 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Die meisten AuslÀnder kommen aus Mali, dem Senegal und Frankreich.

Sprachen

Alleinige Amtssprache ist heute das Arabische; das wÀhrend der Kolonialzeit offiziell gesprochene Französisch hat sich als Arbeits-, Handels- und Bildungssprache erhalten. Französisch ist neben Arabisch Unterrichtssprache.

Gesprochen wird ĂŒberwiegend Hassania, die maurische VarietĂ€t des Arabischen. Die westatlantischen Sprachen Pulaar und Wolof sowie die Mande-Sprache Soninke sind ebenfalls anerkannte Nationalsprachen. Außerdem werden noch die Berbersprachen Imeraguen und Zenaga gesprochen, die aber fast ausgestorben sind.

Religion

Inzwischen sind annÀhernd 100 Prozent der Bevölkerung sunnitische Muslime, die der malikitischen Rechtsschule angehören. Die winzige Minderheit der mauretanischen Christen, vorwiegend Katholiken, spielt im öffentlichen Leben keine Rolle.

Bildung

Obgleich allgemeine Schulpflicht fĂŒr 6- bis 11-JĂ€hrige besteht, werden nur rund 75 % der Kinder eingeschult. Etwa 46,5 % der Bevölkerung sind trotz steigenden Grundschulbesuchs Analphabeten (2017). Die durchschnittliche Schulbesuchsdauer der ĂŒber 25-JĂ€hrigen betrug 2020 nur 4,7 Jahre, die erwartete Schulbesuchsdauer der nachwachsenden Generation liegt bei 8,6 Jahre. Das Land gab 2013 nur 2,9 % der ohnehin kleinen Wirtschaftsleistung fĂŒr Bildung aus. FrĂŒher war das Schulsystem in einen (dominierenden) arabischsprachigen und einen (kleineren) französischsprachigen Zweig aufgeteilt. Seit 1999 findet der gesamte Unterricht im ersten Grundschuljahr auf Arabisch statt, aber Französischunterricht wurde fĂŒr alle SchĂŒler und Studenten verbindlich. Naturwissenschaftliche FĂ€cher werden an den UniversitĂ€ten grundsĂ€tzlich auf Französisch unterrichtet.

Das Land besitzt seit 1983 die UniversitĂ€t Nouakchott, die École Normale Superieure de Nouakchott und die Chinguetti Modern University.

Gesundheit

Die Lebenserwartung bei der Geburt betrĂ€gt etwa 65 Jahre (2020). 2018 betrugen die Gesundheitsausgaben 54 US-Dollar pro Kopf (KaufkraftparitĂ€t). Öffentliche Gesundheitsausgaben betrugen 2018 4,6 % des BIP. Die SĂ€uglingssterblichkeit betrug 5,2 % der Lebendgeburten, die Kindersterblichkeit 7,6 %. Im frĂŒhen 21. Jahrhundert gab es 11 Ärzte auf 100.000 Einwohner.

Das grĂ¶ĂŸte und modernste Krankenhaus ist das 2001 fertiggestellte Centre Hospitalier National de Nouakchott (Nationalkrankenhaus) in der Landeshauptstadt. Wegen seiner ökologisch angepassten Bauweise erhielt 1995 das Regionalkrankenhaus in KaĂ©di (HĂŽpital de KaĂ©di) einen Architekturpreis.

Verschiedene ethnische Gruppen Mauretaniens praktizieren in unterschiedlichem Ausmaß die weibliche GenitalverstĂŒmmelung. Aus den Ergebnissen der mauretanischen Bevölkerungs- und Gesundheitsstudie (EDSM – EnquĂȘte DĂ©mographique et de la SantĂ©) von 2000/01 schließt die GTZ, dass 71 % der Frauen und MĂ€dchen davon betroffen sind. Ein Gesetz von Dezember 2005 stellt nunmehr „einen Eingriff an den Geschlechtsorganen eines Kindes weiblichen Geschlechts“ unter Strafe, „wenn diesem daraus ein Schaden entstanden ist“. Die Association des Imams et des OulĂ©mas verhĂ€ngte 2006 eine Fatwa gegen weibliche GenitalverstĂŒmmelung. AIDS ist im Gegensatz zu den meisten anderen LĂ€ndern Afrikas kein großes Problem in Mauretanien. 2020 waren weniger als 0,3 % der Bevölkerung betroffen.

Aufgrund der unsicheren ErnĂ€hrungssicherheit im Land waren 2012 knapp 20 % der Kinder unter fĂŒnf Jahren untergewichtig.

Geschichte

FrĂŒheste Nachweise einer Besiedlung durch nomadische Berber und schwarzafrikanische Völker finden sich schon um 10.000 v. Chr. Der Landesname ist vom saharischen Stamm der Mauren abgeleitet. Daher rĂŒhren auch die Namen der Römischen Provinzen an der afrikanischen MittelmeerkĂŒste, Mauretania Tingitana und Mauretania Caesariensis, die mit dem heutigen Land Mauretanien geografisch nichts zu tun haben.

Als im 7. Jahrhundert arabische Krieger den Islam in den Maghreb trugen, Ă€nderte sich am Leben der Völkergemeinschaft sĂŒdlich der Sahara noch nichts. Der Islam verbreitete sich entlang der Handels- und Karawanenrouten durch die Sahara, blieb aber ĂŒber Jahrhunderte hin eine Religion der „fremden HĂ€ndler“, bis sich auch die Oberschicht in den afrikanischen Stadtgemeinschaften fĂŒr diese Religion interessierte und sich zum Islam bekehrte. Auch als die großen Reiche Westafrikas im 11. Jahrhundert zum Islam konvertierten und vom Tschadsee (Kanem-Bornu) und dem Niger (Gana, Songhai, Mali) aus der Islam weiter in das Gebiet eindrang, blieb das von den traditionellen Religionen animistisch geprĂ€gte Leben der Landbevölkerung erhalten. Muslime hatten – wie etwa aus dem Niger-Bogen berichtet wird – ihre eigene Stadt abseits der Königsstadt, sie fĂŒhrten ein eigenstĂ€ndiges Leben innerhalb der Königreiche, und wenn sich der Herrscher mit seiner Familie zum Islam bekehrte, dann war damit nicht auch gleichzeitig die Islamisierung des gesamten Staates verbunden. Chinguetti galt als siebtheiligste StĂ€tte des Islams und war lange Zeit das religiöse Zentrum eines großen Gebietes und ein Treffpunkt der Pilger auf ihrem Weg nach Mekka.

Zu Beginn des 11. Jahrhunderts grĂŒndeten islamisierte Mauren das Almoraviden-Reich, das sich in seiner Glanzzeit im 11. und 12. Jahrhundert auch das Reich von Gana einverleibte und bis zum Ebro in Spanien reichte. Dieses Reich brach 1147 zusammen; der Norden Mauretaniens blieb lose mit Marokko verbunden, der SĂŒden mit Mali. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts begannen dann die nomadischen Kunta-Araber, erneut die Lehre des Islam zu predigen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts begann die Qadiriyya-Bruderschaft, zu der auch die Kunta-Araber gehörten, den Islam im gesamten westlichen Sudan weiter zu verbreiten. Erst in dieser Zeit wandelte sich der Islam von der bloßen „Herrschaftsreligion“ zur Religion des Einzelnen, aber nichtislamische HerrscherhĂ€user regierten in alten Moslemhochburgen bis ins 18. Jahrhundert hinein. Dann begann eine Reform des Islam bei den Fulbe und anderen StĂ€mmen, die zugleich mit einer Ideologisierung und Radikalisierung einherging.

Kolonialzeit

Da die KĂŒste des Landes schlecht zugĂ€nglich war und die KolonialmĂ€chte ĂŒber Jahrhunderte keine Kunde von den vorhandenen BodenschĂ€tzen hatten, zeigten sie bis Ende des 19. Jahrhunderts kaum Interesse an Mauretanien (vgl. Arguin). An der Wende zum 20. Jahrhundert begannen die Franzosen von SĂŒden her mit der Unterwerfung des Landes, das fĂŒr sie vor allem strategische Bedeutung als Bindeglied zwischen west- und nordafrikanischen Besitzungen hatte. 1904 wurde das Gebiet französisches Territorium im Rahmen Französisch-Westafrikas (AOF), 1920 französische Kolonie, doch gelang es den Franzosen erst 1934, letzte AufstĂ€nde im Norden zu unterdrĂŒcken. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Mauretanien im Rahmen der französischen Entkolonialisierungspolitik Überseeprovinz und damit Mitglied der Union française.

Entsprechend der Loi Lamine GuĂšye von 1946 hatten alle BĂŒrger bei Wahlen zum französischen Parlament und auch bei lokalen Wahlen ein Wahlrecht. Das passive Wahlrecht wurde in dem Gesetz nicht ausdrĂŒcklich erwĂ€hnt, war aber auch nicht ausgeschlossen. Bei den Wahlen zum Pariser Parlament gab es in Französisch-Westafrika, wozu Mauretanien gehörte, kein Zweiklassenwahlrecht wie in anderen französischen Kolonien, fĂŒr alle örtlichen Wahlen jedoch schon. Bis 1955 gab es im Osten des Landes noch Gebiete, die den EuropĂ€ern unbekannt waren: In diesem Jahr durchquerte der Franzose ThĂ©odore Monod als erster EuropĂ€er die Landschaft El Djouf. Am 23. Juni 1956, noch unter französischer Verwaltung, wurde die loi-cadre Defferre eingefĂŒhrt, die das allgemeine Wahlrecht bestĂ€tigte. Die ersten Wahlen fanden 1957 statt. 1959 wurde Mokhtar Ould Daddah Regierungschef.

UnabhÀngigkeit

Trotz marokkanischer AnsprĂŒche auf Mauretanien erhielt das Land am 28. November (Nationalfeiertag) 1960 seine UnabhĂ€ngigkeit. Am 20. Mai 1961 wurde das aktive und passive Frauenwahlrecht in den nun unabhĂ€ngigen Staat ĂŒbernommen. Ould Daddah, der sich auch „Vater des Vaterlandes“ nennen ließ, war von 1961 an darĂŒber hinaus StaatsprĂ€sident sowie von 1964 an GeneralsekretĂ€r der aus mehreren Parteien gebildeten Einheitspartei Parti du Peuple Mauretanien (PPM). Die seit etwa 1970 bestehenden Streitigkeiten der angrenzenden LĂ€nder um den Besitz der einstigen spanischen Überseeprovinz Spanisch-Sahara (Westsahara) endeten im Jahre 1976 nach dem RĂŒckzug Spaniens aus dem Territorium mit der Annexion durch Marokko und Mauretanien. Die saharanische Guerillabewegung Polisario fĂŒhrt seither einen Kampf um die Herstellung eines eigenen Staates. FĂŒr Mauretanien hatte dieser Konflikt katastrophale wirtschaftliche Folgen, die schließlich 1978 zum Sturz Ould Daddahs und zum Verbot der PPM fĂŒhrten. Im August 1979 gab Mauretanien alle AnsprĂŒche auf das Westsahara-Territorium auf. In den darauffolgenden Jahren erlebte Mauretanien mehrere UmstĂŒrze und Regierungsumbildungen. Es regierten nacheinander die Obristen Mustafa Ould Salek (1978–1979), Mohamed Mahmoud Ould Louly (1979–1980) und Mohamed Khouna Ould Haidalla (1980–1984). Am 12. Dezember 1984 gelangte Oberst Maaouya Ould Sid’Ahmed Taya an die Macht. Anfang 1991 kĂŒndigte er eine demokratische Umgestaltung des Landes an. GemĂ€ĂŸ einer im Juli 1991 verabschiedeten Verfassung fanden 1992 freie Parlaments- und PrĂ€sidentschaftswahlen statt, die allerdings von der Opposition angefochten wurden.

MilitÀrputsch 2005

Aufgrund der dauerhaften Stagnation und der unterbliebenen Reformen kam es immer wieder zu Putschversuchen gegen Taya, die schließlich am 3. August 2005 Erfolg hatten. An diesem Tag besetzte eine Gruppe von Offizieren, die sich MilitĂ€rrat fĂŒr Gerechtigkeit und Demokratie (Conseil Militaire pour la Justice et la DĂ©mocratie CMJD) nennt, das Armee-Hauptquartier, den Sitz des staatlichen Hörfunks und des Fernsehens sowie die Ministerien und den PrĂ€sidentenpalast in Nouakchott und erklĂ€rte PrĂ€sident Taya fĂŒr abgesetzt. Die Putschisten hatten einen Auslandsaufenthalt Tayas anlĂ€sslich des BegrĂ€bnisses von König Fahd in Saudi-Arabien genutzt und die Verfassung außer Kraft gesetzt. Taya ist nicht nach Mauretanien zurĂŒckgekehrt, sondern hat nach Zwischenaufenthalten in Niger und Gambia Aufnahme in Katar gefunden. Die Putschisten bestimmten den langjĂ€hrigen bisherigen Polizei- und Geheimdienstchef, Oberst Ely Ould Mohammed Vall, zum neuen FĂŒhrer des Landes. Die neue MilitĂ€rregierung kĂŒndigte an, innerhalb von zwei Jahren demokratische VerhĂ€ltnisse in Mauretanien einzufĂŒhren. Oberst Vall wurde zum Vorsitzenden des 17-köpfigen MilitĂ€rrates und damit zum Staats- und Regierungschef ernannt. Am 5. August wurde Mauretanien „bis zur Wiederherstellung der verfassungsmĂ€ĂŸigen Ordnung“ vorĂŒbergehend aus der Afrikanischen Union (AU) ausgeschlossen.

Bei einem Verfassungsreferendum im Juni 2006 war von der Bevölkerung eine neue demokratischere Verfassung gebilligt worden. Die erste Runde der Parlamentswahlen fand am 19. November bei einer Wahlbeteiligung von 69,5 %, die zweite Runde am 3. Dezember 2006 statt. Die Mitglieder der MilitĂ€rregierung hatten im Vorfeld der Wahlen versprochen, selbst nicht fĂŒr öffentliche Ämter zu kandidieren. Fast die HĂ€lfte der Sitze wurde von unabhĂ€ngigen Kandidaten gewonnen, darunter viele Mitglieder der frĂŒheren Regierungspartei, die nicht mit dem gestĂŒrzten Regime in Verbindung gebracht werden wollten, sowie Islamisten, deren Parteien verboten worden waren. Opposition und zivilgesellschaftliche Gruppen hatten der MilitĂ€rregierung im Vorfeld der Wahlen vorgeworfen, die etablierten Parteien zu schwĂ€chen und unabhĂ€ngige Kandidaturen zu fördern, um auf diese Weise einen grĂ¶ĂŸeren Einfluss auf den politischen Prozess zu bewahren. Wahlbeobachter bezeichneten die Wahlen als frei und fair. Am 21. Januar und am 4. Februar 2007 wurde der Senat in indirekten Wahlen durch 3688 LokalrĂ€te bestimmt.

Bei den PrĂ€sidentschaftswahlen am 11. MĂ€rz konnte keiner der 20 Kandidaten die notwendige absolute Mehrheit erreichen. Der als Kandidat der MilitĂ€rregierung geltende frĂŒhere Finanzminister Sidi Mohamed Ould Cheikh Abdallahi, der 15 Jahre im Ausland gelebt hatte, erreichte bei einer Wahlbeteiligung von 70,2 % mit 24,8 % der Stimmen das beste Ergebnis, knapp vor dem Kandidaten der oppositionellen CFCD, Ahmed Ould Daddah, mit 20,7 %. Daddah ist ein Halbbruder des ersten PrĂ€sidenten Mauretaniens nach der UnabhĂ€ngigkeit, Mokhtar Ould Daddah. Seit 2000 hatte sich Daddah zum wichtigsten Gegner des gestĂŒrzten PrĂ€sidenten Taya entwickelt und war mehrfach inhaftiert worden. DrittstĂ€rkster Kandidat wurde der frĂŒhere Zentralbankchef Zeine Ould Zeidane. WĂ€hrend die beiden Kandidaten der schwarzafrikanischen Minderheit mit acht bis knapp zehn Prozent erstaunlich gut abschnitten, blieben die beiden Kandidaten des islamistischen Lagers mit knapp zwei bis knapp acht Prozent deutlich hinter den Erwartungen zurĂŒck. Die Stichwahl am 25. MĂ€rz endete bei einer Wahlbeteiligung von 67,4 % mit dem Sieg Abdallahis, der auf 52,9 % der Stimmen kam, nachdem Zeidane und weitere Kandidaten ihren AnhĂ€ngern seine Wahl empfohlen hatten. Daddah erkannte seine Niederlage an. Am 19. April berief Abdallahi Zeidane zum neuen MinisterprĂ€sidenten.

Wahlen 2006

Nach den Parlamentswahlen 2006 errang die Coalition des Forces du Changement DĂ©mocratique (CFCD) insgesamt 41 Sitze, die frĂŒhere Regierungspartei Parti RĂ©publicain, DĂ©mocrate et Social (PRDS) nur sieben und sonstige Parteien sowie unabhĂ€ngige Kandidaten insgesamt 47 Sitze. Im Senat stellen die UnabhĂ€ngigen 38 und die CFCD 15 Sitze.

Nach dem MilitÀrputsch 2008

Am 6. August 2008 kam es zu einem neuen MilitĂ€rputsch gegen den PrĂ€sidenten und den Regierungschef des Landes. MilitĂ€rs hatten beide Politiker in der Hauptstadt Nouakchott in ihre Gewalt gebracht. Zuerst informierte das französische Außenamt, dass eine Gruppe mauretanischer GenerĂ€le den Regierungschef, Yahya Ould Ahmed El Waghef, festgesetzt habe. Augenzeugen berichteten gegenĂŒber auslĂ€ndischen Pressevertretern von Truppenbewegungen in Nouakchott. Demnach stellten die Radio- und Fernsehsender ihre Sendungen ein. Die MilitĂ€r-Junta wurde gefĂŒhrt von vier hochrangigen Offizieren, die kurz zuvor entlassen worden waren, weil sie sich gegen eine zunehmende Hinwendung zu islamistischen KrĂ€ften wendeten. Der selbsternannte „Staatsrat“ aus elf Angehörigen der Armee wird vom ehemaligen Kommandeur der PrĂ€sidentengarde, General Mohamed Ould Abdel Aziz, angefĂŒhrt. Zuvor forderten erst 69 der 95 Abgeordneten im Parlament den RĂŒcktritt des PrĂ€sidenten Abdallahi.

PrÀsidentschaftswahlen 2009 bis 2019

Am 18. Juli 2009 fanden das erste Mal seit dem Staatsstreich wieder PrĂ€sidentschaftswahlen statt. Es gab neun Kandidaten, darunter auch der frĂŒhere Junta-Chef Aziz. Die Wahl wurde von 250 internationalen Beobachtern ĂŒberwacht. Am 20. Juli verkĂŒndete das Innenministerium, Abdel Aziz habe 52,6 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen können. Dieser wurde damit Wahlsieger. Die vier aussichtsreichsten Konkurrenten warfen Aziz Wahlbetrug vor.

Bei der zweiten PrĂ€sidentschaftswahl nach dem Staatsstreich, die im Juni 2014 stattfand, kam nach dem amtlichen AuszĂ€hlungsergebnis Mohammed Ould Abdel Aziz auf mehr als 80 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag diesmal bei mehr als 56 Prozent. Aziz hatte vier Gegenkandidaten, wobei die grĂ¶ĂŸeren Oppositionsparteien zum Boykott der Wahl aufgerufen hatten.

Politik

Politisches System

GemĂ€ĂŸ der Verfassung von 2006 ist Mauretanien eine Islamische PrĂ€sidialrepublik. Das Staatsoberhaupt wird alle fĂŒnf Jahre direkt vom Volk fĂŒr maximal zwei Amtszeiten gewĂ€hlt. Es ernennt und entlĂ€sst die Regierung.

Bei den PrĂ€sidentschaftswahlen am 22. Juni 2019 wurde Mohamed Ould Ghazouani mit 52 % im ersten Wahlgang zum Nachfolger von Mohamed Ould Abdel Aziz gewĂ€hlt, dessen zweite Amtszeit endete. Beide sind Mitglied der Union fĂŒr die Republik (Union pour la rĂ©publique, UPR) und gelten als enge politische Vertraute. Wahlbeobachter stellten zwar UnregelmĂ€ĂŸigkeiten fest, bewerteten die Wahl dennoch als friedlich und insgesamt zufriedenstellend. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes gelang ein gewaltloser Übergang. Seit der Wahl distanziert sich der neue PrĂ€sident immer weiter von seinem VorgĂ€nger und isoliert ihn von politischem Einfluss. Gleichzeitig pflegt Ghazouani einen inklusiveren Politikstil, indem er sich hĂ€ufiger mit Vertretern der Zivilgesellschaft und der Opposition abspricht. Im August 2019 ernannte er IsmaĂŻl Ould Bedda Ould Cheikh Sidiya (UPR) zum Premierminister, dessen Regierung nach nur einem Jahr zurĂŒcktrat. Nachfolger wurde Mohamed Ould Bilal.

Das Parlament besteht aus der Nationalversammlung, deren 157 Mitglieder alle fĂŒnf Jahre in einer Mischung aus Mehrheits- und VerhĂ€ltniswahl gewĂ€hlt werden. Vier Abgeordnete werden von Mauretaniern im Ausland gewĂ€hlt. MĂ€nner und Frauen besitzen ab 18 Jahren das Wahlrecht. An der letzten Wahl im September 2018 nahmen fast 100 Parteien teil, einschließlich oppositioneller Parteien, die vorherige Wahlen boykottierten. Die regierende UPR erzielte eine Mehrheit von 89 Sitzen. GrĂ¶ĂŸte Oppositionspartei ist die islamistische Partei Tawassoul. Wahlbeobachter der Afrikanischen Union kritisierten zwar Ungereimtheiten, die aber die GĂŒltigkeit der Wahl nicht in Frage stellten.

Bis 2017 existierte noch ein Zweikammerparlament. Der Senat wurde aber im Zuge eines Verfassungsreferendums abgeschafft. Dessen 56 Mitglieder (drei Vertreter der Auslandsmauretanier) wurden alle sechs Jahre indirekt gewÀhlt.

Menschenrechte

Der Islam ist Staatsreligion. Es gilt islamisches Recht (Schari’a). Ein Muslim, der zu einer anderen Religion ĂŒbertritt, wird nach Artikel 306 des Strafrechts wegen Glaubensabfall (Ridda) mit der Todesstrafe bedroht, die bislang aber nicht verhĂ€ngt wurde.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wies in ihrem Jahresbericht 2010 besonders auf unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸige Gewalt und systematische Folter gegen Demonstranten, HĂ€ftlinge und die Zivilbevölkerung hin. Bei Amnesty International gingen auch 2009 Berichte ĂŒber harte und willkĂŒrlich verhĂ€ngte Strafmaßnahmen ein. Die GefĂ€ngnisse sind ĂŒberfĂŒllt.

Eine UN-Sonderberichterstatterin, die sich mit modernen Formen der Sklaverei einschließlich ihrer Ursachen und Folgen beschĂ€ftigt, besuchte Mauretanien im Oktober und November 2009. Sie lobte die BemĂŒhungen der Regierung und der Zivilgesellschaft, die Sklaverei abzuschaffen. Gleichzeitig unterstrich sie aber, dass ein Ansatz zur BekĂ€mpfung sĂ€mtlicher Formen der Diskriminierung und der Armut gefunden werden mĂŒsse, der auf mehr Ganzheitlichkeit, Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit beruhe. Dieser Ansatz mĂŒsse zudem die gesamte Gesellschaft umfassen. Die Sklaverei ist seit 1980 offiziell abgeschafft, wird aber nach wie vor im ganzen Land praktiziert. Nach SchĂ€tzungen der Anti-Sklaverei-Organisation SOS Esclaves gab es in Mauretanien 2010 600.000 Sklaven. Der Anteil von Sklaven an der Gesamtbevölkerung ist der höchste der Welt. Die Sklaverei in Mauretanien besteht trotz ihrer mehrmaligen offiziellen Abschaffung – zuletzt 2007 – weiter fort und betrifft die Nachfahren von vor Generationen versklavten und bis heute nicht freigelassenen Menschen, davon ĂŒberwiegend Schwarze. Darunter auch viele Kinder. Der Anteil arbeitender Kinder unter den Zehn- bis FĂŒnfzehnjĂ€hrigen lag im Jahr 2019 bei geschĂ€tzten 20 %.

Ein UN-Sonderberichterstatter, der sich mit den modernen Formen des Rassismus beschĂ€ftigt, Ă€ußerte sich besorgt ĂŒber die anhaltende Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung Mauretaniens in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Elite der weißen Mauren hatte lange die meiste politische Macht inne, wĂ€hrend Hunderttausende schwarze Mauren bis heute in Sklaverei leben und die Soudans unterdrĂŒckt wurden. Konflikte zwischen weißen Mauren und Soudans gipfelten 1989, als nach Übergriffen zehntausende Soudans ĂŒber die Grenze nach Senegal flohen. 2007 unterzeichnete die neue Regierung Mauretaniens ein Abkommen mit Senegal, um die RĂŒckkehr dieser FlĂŒchtlinge zu ermöglichen.

Mauretanien hat zwar im Jahr 2000 das Abkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) unterzeichnet, aber trotzdem kommt es immer wieder zu gezielten Übergriffen. So misshandelten am 19. April 2009 SicherheitskrĂ€fte zahlreiche Frauen, unter ihnen ehemalige Ministerinnen, Abgeordnete und Menschenrechtsverteidigerinnen, mit Tritten und SchlĂ€gen. Dabei setzten sie Stöcke und GĂŒrtel ein. Die Frauen hatten sich vor der Vertretung der Vereinten Nationen in Nouakchott zu einem Sitzstreik versammelt. Die ehemalige Bildungsministerin Nebghouha Mint Mohamed Vall und ihre Tochter wurden von der Polizei geschlagen. Eine weitere Frau, die ebenfalls geschlagen wurde, verlor das Bewusstsein und musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Die Situation von Homo- und Bisexuellen und Transgender in Mauretanien ist bedrohlich; sie werden verfolgt, bedroht und mit dem Tode bestraft.

MilitÀr

Die Mauretanischen StreitkrĂ€fte umfassen 15.870 Soldaten. Das MilitĂ€r ist gegliedert in die TeilstreitkrĂ€fte Heer, Luftwaffe und Marine. Mauretanien gab 2016 knapp 4,1 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 136 Millionen US-Dollar fĂŒr seine StreitkrĂ€fte aus.

Außenpolitik

Mauretanien ist Mitglied der Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union (AU), der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), der Union des Arabischen Maghreb (UAM) und der Arabischen Liga. Es war einer der wenigen Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga, die diplomatische Beziehungen zum Staat Israel unterhielten. Israel hatte in der Hauptstadt Mauretaniens eine Botschaft, bis diese nach vorangegangenen Protesten gegen den Gazakrieg 2009 auf Druck der Arabischen Liga geschlossen und bisher nicht wieder eröffnet wurde.

Verwaltungsgliederung

Mauretanien gliedert sich in 15 Regionen, drei davon bilden die Hauptstadt Nouakchott. Die folgende Liste gibt neben den Namen der Regionen die zugehörigen HauptstÀdte in Klammern an.

Die Regionen untergliedern sich weiter in DĂ©partements.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Mauretanien ist eines der Ă€rmsten LĂ€nder der Welt und leidet unter Landflucht, unzureichender Infrastruktur in den StĂ€dten, schlechten VerkehrsverhĂ€ltnissen und einer unsicheren politischen Lage, die Investitionen aus dem Ausland entgegensteht. Die grundlegenden Wirtschaftszweige Mauretaniens sind die Landwirtschaft, der Fischereisektor und der Erzbergbau. An erster Stelle bei den BodenschĂ€tzen steht der Abbau von Eisenerz im Raum F’dĂ©rik/ZouĂ©rat, in kleinerem Rahmen findet bei Akjoujt der Abbau von Kupfer und Gold statt. Seit 2006 wird vor der KĂŒste im Atlantik Erdöl aus dem Chinguetti-Ölfeld gefördert. Mit herkömmlichen Methoden werden im Senegaltal vorwiegend fĂŒr die Selbstversorgung Hirse, HĂŒlsenfrĂŒchte, Reis und Mais angebaut; die AnbauflĂ€che beschrĂ€nkt sich auf nur 0,2 % der StaatsflĂ€che. Mit Hilfe neuer Staudammprojekte am Senegalfluss sollen neue BewĂ€sserungsgebiete erschlossen werden. Viehwirtschaft mit Schafen, Ziegen, Rindern und Kamelen war bis 1960 der Hauptwirtschaftszweig und wird von Nomaden und im SĂŒden von halbnomadischen Ackerbauern betrieben.

Die KĂŒstengewĂ€sser Mauretaniens sind sehr fischreich, ihre RegenerationsfĂ€higkeit ist jedoch durch ĂŒbermĂ€ĂŸige FĂ€nge gefĂ€hrdet. Ab 1975 begann der staatlich gelenkte Aufbau einer eigenen Fischereiwirtschaft, mit der ein Weg aus der wirtschaftlichen Krise durch DĂŒrrejahre und Westsaharakonflikt gefunden werden sollte. Die Fischereizone wurde auf 200 Meilen ausgedehnt. Durch Joint Ventures mit auslĂ€ndischen Fischereiunternehmen, die der mauretanische Staat ab 1979 einging, ĂŒbertrafen die Erlöse aus der Fischereiwirtschaft in den 1980er und 1990er Jahren die Einnahmen aus dem Eisenerzexport. Eine eigene Flotte erwies sich dabei als weniger rentabel als die Konzessionsvergabe an europĂ€ische, russische und chinesische Fischereiunternehmen.

Die Landwirtschaft trug 2017 22,5 %, die Industrie 37,8 % und der Dienstleistungssektor 39,7 % zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, das in diesem Jahr um 3,8 % gewachsen war. BeschÀftigt waren 2014 in der Landwirtschaft allerdings 50 % der ErwerbstÀtigen und nur 1,9 % in der Industrie. Importiert wurden 2017 Waren im Wert von 2.190 Mio. US-$, und zwar vor allem Erdölprodukte und industrielle Erzeugnisse, Exportprodukte waren Eisenerz, Fisch und Fischprodukte, Gold und Kupfer. 21 % der Importe bezog Mauretanien aus Belgien, 11,5 % aus der VAE, 9,2 % aus den USA und 7,5 % aus China. Die Exporte umfassten 1.606 Mio. US-$ und gingen zu 31,2 % nach China, 14,4 % in die Schweiz, 10,1 % nach Spanien und 8,2 % nach Deutschland. Die Inflationsrate betrug 2017 2,1 %, die Arbeitslosenquote lag 2016 bei 11,7 %. Die UnterbeschÀftigungsrate ist sehr hoch.

Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegte Mauretanien Platz 137 von 138 LĂ€ndern (Stand 2016–17). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegte das Land 2017 Platz 131 von 180 LĂ€ndern.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (KaufkraftparitÀt) angeben.

Infrastruktur

Das gesamte Straßennetz umfasste 2010 etwa 10.628 km, von denen 3.158 km asphaltiert sind.

Die einzige Eisenbahnlinie fĂŒhrt von einem Bergwerk bei F’dĂ©rik im Norden des Landes quer durch die Sahara zur Hafenstadt Nouadhibou. Die hier verkehrenden ZĂŒge zĂ€hlen zu den lĂ€ngsten und schwersten der Welt. Über 200 Waggons werden von bis zu vier Lokomotiven gezogen. Die Ladung: bis zu 21.000 Tonnen Eisenerz. Der grĂ¶ĂŸte Feind der Bahnstrecke ist der Sand. Alle hundert Kilometer ist ein Entsandungstrupp stationiert, dessen Aufgabe es ist, die vom Sand zugeschĂŒtteten Gleise wieder freizuschaufeln. Der Sand ist so aggressiv, dass die Gleise und auch die Verschleißteile des Zuges nur ein Sechstel der normalen Lebenszeit haben.

Der einzige regelmĂ€ĂŸig aus dem Ausland angeflogene internationale Flughafen liegt in Nouakchott. Nouadhibou und die Oasenstadt Atar verfĂŒgen ĂŒber internationale FlughĂ€fen mit unregelmĂ€ĂŸigen oder saisonalen Verbindungen ins Ausland.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 1.430 Mio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 1.143 Mio. US-Dollar gegenĂŒber. Das entspricht einem Haushaltsdefizit von 8,1 % des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 2016 99,6 % des BIP.

Kultur

Die Kultur der Mauren ist von der ehemals dominierenden nomadischen Lebensweise geprĂ€gt. Die hoch entwickelte kunsthandwerkliche Tradition brachte SchmuckstĂŒcke und HaushaltsgegenstĂ€nde (HolzschĂŒssel gdah) hervor, die fĂŒr das Leben im Zelt (chaima) und zum Transport mit Kamelen (Reitsattel rahla) bestimmt sind. Im Zelt wird das GepĂ€ck auf einem Gestell (amchaqab) aufbewahrt. Das Armlehnkissen surmije wurde vom Zelt in die AufenthaltsrĂ€ume der WohnhĂ€user ĂŒbernommen. Zentren des Kunsthandwerks sind Boutilimit (Silber- und Lederwaren) und Mederdra (Holzschnitzereien und Schmiedekunst) in der Verwaltungsregion Trarza.

Die anspruchsvolle Musik der Bidhan gehört historisch zur herrschenden Schicht der Hassani (Kriegerkaste) und ist von der arabischen Musik beeinflusst. Die komplexe Musiktheorie orientiert sich an den musikalischen Möglichkeiten der Binnenspießlaute tidinit, die nur von MĂ€nnern gespielt wird. Frauen spielen als einziges Melodieinstrument die Bogenharfe ardin. Das ĂŒbliche Rhythmusinstrument der Frauen ist die Kesseltrommel t'bol. Professionelle Musiker gehören traditionell zur Musikerkaste Iggāwen (Sing. iggÄ«w), die nach ihrer gesellschaftlichen Funktion als GeschichtenerzĂ€hler zu den westafrikanischen Griot gezĂ€hlt werden. In der heutigen stĂ€dtischen Musikszene ist die tidinit weitgehend durch die lauter klingende E-Gitarre ersetzt.

Die arabisch-westafrikanisch beeinflusste Volksmusik der Haratin und Handwerker (maÊżllemÄ«n) unterscheidet sich von der Musik der Bidhan. Ihre Musikinstrumente zur privaten Unterhaltung sind die einsaitige Kalebassenspießlaute gambra (vgl. gimbri) und die einsaitige Streichlaute rbāb (vgl. ribāb). Hinzu kommen verschiedene Flöten und Perkussionsinstrumente, etwa die Kalebassenrassel daghumma. Die Musik der schwarzafrikanischen Soudans orientiert sich an den Musikstilen von Mali und Senegal.

Durch das trocken-heiße WĂŒstenklima muss GemĂŒse meistens teuer nach Mauretanien importiert werden, deshalb steht es nur selten auf dem Speiseplan der mauretanischen KĂŒche. Auch Fische und MeeresfrĂŒchte kommen eher selten auf den Tisch, obwohl Mauretanien am Atlantik liegt. Beliebte Fleischsorten sind Rind, Lamm und Huhn, aber auch Tauben und Antilopen werden gerne gegessen.

In Mauretanien gilt Couscous als Nationalspeise. Weitere typische mauretanische SpezialitĂ€ten sind Maru we-llham (Reis mit Fleisch) und Al mechwi (Fleisch im erhitzten Sand gegart). Beliebte GetrĂ€nke sind Tee, der meistens stark gesĂŒĂŸt ist, sowie Milch, Dickmilch und Zrig, ein gekĂŒhltes GetrĂ€nk aus Joghurt oder Milch, Wasser und Zucker. Eine Kochkultur konnte sich in einem nomadischen Alltag, der von der Suche nach Weideland, Wasser und stets von Mangel geprĂ€gt war, nicht entwickeln. Die ErnĂ€hrungsgrundlage in der WĂŒste sind Kamelmilch oder Kuhmilch und Datteln. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitete sich die Teekultur aus Marokko ĂŒber das gesamte Land und grĂŒner Tee mit Pfefferminze wurde zum NationalgetrĂ€nk.

Literatur

  • Ursel Clausen (Hrsg.): Mauretanien – eine EinfĂŒhrung. Deutsches Orient-Institut, Hamburg 1994, ISBN 3-89173-037-3. 
  • Robert E. Handloff (Hrsg.): Mauritania. A Country Study. (Area Handbook Series) United States Government Printing Office, Washington 1990, ISBN 978-0-16-019797-0
  • Anthony G. Pazzanita: Historical Dictionary of Mauritania. Scarecrow Press, Lanham (Maryland) 3. Aufl. 2008, ISBN 978-0-8108-5596-0
  • Regina Wegemund: Politisierte EthnizitĂ€t in Mauretanien und Senegal – Fallstudien zu ethnisch-sozialen Konflikten, zur Konfliktentstehung und zum Konfliktmanagement im postkolonialen Afrika. Institut fĂŒr Afrika-Kunde, Hamburg 1991, ISBN 3-928049-08-9. 
  • Schwerpunktthema Mauretanien. inamo 61, FrĂŒhjahr 2010
  • Odette du Puigaudeau: Barfuss durch Mauretanien. Zwei wagemutige Abenteurerinnen durchqueren die WĂŒste. Piper, MĂŒnchen 2006, ISBN 978-3-89405-279-9 (Französische Erstausgabe 1936)
  • Peter Schille, Fotos: Wilfried Bauer: Sahel: Die ewige DĂŒrre. In: Geo-Magazin. Hamburg 1978,10, S. 92–118. Informativer Erlebnisbericht vom SĂŒden Mauretaniens mit Karte: "Todesstreifen quer durch Afrika: Die Sahelzone" ISSN 0342-8311
  • Robert Randau: Die Erfindung Mauretaniens - Xavier Coppolani 1866–1905. mit einem Vorwort von Ulrich Rebstock. Hrsg.: Helmut WĂŒst. Edition Hamouda, Leipzig 2014, ISBN 978-3-940075-98-7. 

Weblinks

  • LĂ€nderinformationen des AuswĂ€rtigen Amtes zu Mauretanien
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Mauretanien
  • Ulrich Rebstock: Democracy, islamicity, and tribalism in Mauritania. (PDF; 3,1 MB) In: Thomas Bierschenk (Hrsg.): Islam und Entwicklung in Afrika. Köppe, Köln 2007, S. 51–65 (Sonderdrucke aus der Albert-Ludwigs-UniversitĂ€t Freiburg)
  • Marc Perrenoud: Mauretanien. In: Historisches Lexikon der Schweiz.

Einzelnachweise


 

Region Regionen (0)

Abk Name O
MR.AD Adrar  
MR.AS Assaba  
MR.BR Brakna  
MR.DN Dakhlet Nouadhibou  
MR.GO Gorgol  
MR.GD Guidimaka  
MR.HC Hodh ech Chargui  
MR.HG Hodh el Gharbi  
MR.IN Inchiri  
MR.NO Nouakchott  
MR.TG Tagant  
MR.TZ Tiris Zemmour  
MR.TR Trarza  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Mauritania

Name englisch: Mauritania
Hauptstadt: Nouakchott
Kfz: RIM
ISO: MR
ISO3: MRT
Fläche: 1030700 km²
Tld: .mr
Wärung Einheit: MRO
Währung: Ouguiya
Vorwahl: 222

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 27.2944447
südlichster Punkt: 14.721273
westlichster Punkt: -17.0701337
östlichster Punkt: -4.8333343


 
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