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Staat Informationen : Spitzbergen

Informationen:


Spitzbergen ist eine zu Norwegen gehörende Inselgruppe im Nordatlantik wie im Arktischen Ozean. Im norwegischen Sprachgebrauch heißt die Inselgruppe seit dem Spitzbergenvertrag von 1920 Svalbard (deutsch „KĂŒhle KĂŒste“). Im deutschen Sprachgebrauch ist dieser Name nicht verbreitet und die Inselgruppe wird gemeinhin Spitzbergen genannt, was zugleich der Name der Hauptinsel des Archipels ist.

Spitzbergen wurde ab etwa 1900 in erster Linie wegen der Ausbeutung seiner reichen Kohlevorkommen besiedelt. In neuerer Zeit gilt Spitzbergen als „grĂ¶ĂŸtes Labor der Welt“ fĂŒr Arktisforschung, zu dem auch ein Startplatz fĂŒr Forschungsraketen gehört (SvalRak). Die Inselgruppe ist gemĂ€ĂŸ dem Spitzbergenvertrag eine demilitarisierte Zone.

Geografie

Die ĂŒber 400 Inseln und SchĂ€ren liegen nördlich des Polarkreises zwischen 74 und 81 Grad nördlicher Breite sowie zwischen 10 und 35 Grad östlicher LĂ€nge. Es soll noch einige weitere Inseln geben, deren Existenz aber bisher nicht an vorgegebener Position nachgewiesen werden konnte. Möglicherweise wurden sie aufgrund mangelnder Orientierungsmittel mit anderen Inseln verwechselt oder von einem Gletscher bedeckt.

Die grĂ¶ĂŸten Inseln sind Spitzbergen (norwegisch Spitsbergen), Nordostland (Nordaustlandet), BarentsĂžya, EdgeĂžya und Prins Karls Forland, die vergleichsweise nahe beieinander liegen und sich insgesamt ĂŒber rund 450 km (243 sm) in nord-sĂŒdlicher und 330 km (178 sm) in west-östlicher Richtung erstrecken.

Zur Inselgruppe Spitzbergen gehören des Weiteren auch die 240 km (130 sm) sĂŒdlicher gelegene BĂ€reninsel (BjĂžrnĂžya) sowie die östlich gelegenen Inseln Hopen, König-Karl-Land (Kong Karls Land) und im Ă€ußersten Nordosten KvitĂžya. Nördlich von Nordostland liegt der Archipel der Siebeninseln (SjuĂžyane), zu dem mit RossĂžya die nördlichste Insel Spitzbergens gehört.

Die Inselgruppe bildet insgesamt den nordöstlichen Abschluss der Grönlandsee, den nördlichen des EuropĂ€ischen Nordmeers und den nordwestlichen der Barentssee. Im Norden liegt das Nordpolarmeer. Grönland und Norwegen sind jeweils mehr als 600 km (325 sm) und der Nordpol ĂŒber 1000 km (590 sm) entfernt. Im Osten liegt 190 km (100 sm) von Nordaustlandet bzw. 65 km (35 sm) von KvitĂžya entfernt die russische Victoria-Insel. Nach weiteren 170 km (90 sm) beginnt die russische Inselgruppe Franz-Josef-Land, sĂŒdlich davon liegt die Doppelinsel Nowaja Semlja.

WĂ€hrend die KĂŒsten Spitzbergens im Sommer in der Regel eisfrei sind, kann das Packeis im Winter bis zur SĂŒdspitze der Inselgruppe reichen.

Die höchste Erhebung von Spitzbergen ist der Newtontoppen mit einer Höhe von 1713 Metern, dicht gefolgt vom Perriertoppen mit 1712 Metern, dem Ceresfjellet mit 1675 Metern, dem Chadwickryggen mit 1640 Metern und dem Galileotoppen mit 1637 Metern. Alle fĂŒnf Berge liegen im Nordosten der Hauptinsel Spitzbergen im Gebiet Ny-Friesland.

Die KĂŒsten der Inseln sind stark zerklĂŒftet und von Fjorden durchsetzt. Das Boot ist ein wichtiges Verkehrsmittel, besonders im Sommer, wenn die sumpfige Tundra nicht auf dem Landweg durchquert werden kann. Mehr als 60 Prozent der LandflĂ€che von Spitzbergen sind von Gletschern bedeckt. Einer von ihnen, der Austfonna, ist der nach FlĂ€che grĂ¶ĂŸte Gletscher Europas.

Die Inselgruppe ist tektonischen AktivitĂ€ten ausgesetzt, die gelegentlich zu kleineren Erdbeben fĂŒhren. Am 6. MĂ€rz 2009 ereignete sich das bisher stĂ€rkste Beben mit der StĂ€rke 6,5 auf der Richterskala. Dieses Erdbeben war zugleich das stĂ€rkste in ganz Norwegen seit Beginn der Aufzeichnungen (ca. 100 Jahre).

Einige der Gesteinsformationen auf der Inselgruppe entstanden vor mehr als 600 Millionen Jahren in SĂŒdpolnĂ€he.

Klima

Das Klima um Spitzbergen ist arktisch. Es ist das ganze Jahr kĂŒhl bei zwar regelmĂ€ĂŸigen, aber geringen NiederschlĂ€gen. Die KĂŒstenregionen sind im Sommer nur fĂŒr etwa sechs Wochen schneefrei, die Fjorde frieren im Winter nur zeitweise zu. Bei kĂŒhlen Sommern sind die Winter trotz der nördlichen Lage sehr mild, da der Westspitzbergenstrom, ein AuslĂ€ufer des Golfstromes, entlang der WestkĂŒste relativ warmes Wasser ins Nordpolarmeer transportiert. Er ist der Hauptgrund dafĂŒr, dass die Inselgruppe ĂŒberhaupt bewohnbar ist.

Im Sommer, der Anfang Juni sonnig beginnt und im September mit Nebel, Regen und Schnee endet, liegen die Temperaturen zwischen −2 °C und 17 °C. Im Winter ist es zwischen −25 °C und 5 °C kalt, und es gibt hĂ€ufig Schneefall und Nebel. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei −6,7 °C.

Spitzbergen liegt weit nördlich des Polarkreises. In Longyearbyen dauert die Polarnacht vom 26. Oktober bis zum 16. Februar. Von Mitte November bis Ende Januar bleibt die Sonne mehr als sechs Grad unter dem Horizont, es tritt also nicht einmal eine DÀmmerung ein. Im Sommer geht die Sonne vom 20. April bis zum 26. August nicht unter. Die jÀhrlichen Sonnenstunden betragen 1150 Stunden, wobei die meisten auf die Zeit zwischen Mai und Juli fallen.

Auswirkungen der globalen ErwÀrmung

Durch die Klimakrise haben sich auf Spitzbergen spĂŒrbare klimatische VerĂ€nderungen ergeben. Zwischen 1970 und 2020 ist die Durchschnittstemperatur auf Spitzbergen um 4 Grad Celsius gestiegen, in den Wintermonaten um 7 Grad. Am 25. Juli 2020 wurde mit 21,7 Grad Celsius fĂŒr das Spitzbergenarchipel eine neue Rekordtemperatur gemessen, welche zugleich die höchste je im europĂ€ischen Teil der Arktis gemessene Temperatur darstellt; zudem wurden im Juli 2020 vier Tage in Folge Temperaturen ĂŒber 20 Grad gemessen. Wie in weiten Teilen der Arktis lĂ€sst sich auch auf Spitzbergen die gefĂŒrchtete Eis-Albedo-RĂŒckkopplung feststellen: Durch die substanzielle Eisschmelze wandeln sich EisflĂ€chen in offenes Wasser, dessen dunkle OberflĂ€che mehr Sonnenenergie absorbiert statt sie als zuvor helles Eis zurĂŒckzustrahlen; dadurch erwĂ€rmen sich diese GewĂ€sser und weiteres Eis in der Umgebung schmilzt immer schneller, wodurch weitere offene GewĂ€sser entstehen usw. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird auf Spitzbergen ein Temperaturanstieg zwischen 7 und 10 Grad erwartet.

Fauna

An grĂ¶ĂŸeren LandsĂ€ugetieren kommen nur das Spitzbergen-Ren, der EisbĂ€r und der Polarfuchs vor. Der EisbĂ€r, dessen Population im Gebiet der Inselgruppe auf rund 3500 Tiere geschĂ€tzt wird, ist eigentlich ein maritimes Tier, da er sich hauptsĂ€chlich auf dem umliegenden Meereis aufhĂ€lt. Er wandert mit der Packeisgrenze der KĂŒste entlang, da sich dort seine bevorzugte Beute, die Robben, findet. Trotzdem muss auf der ganzen Insel jederzeit und ĂŒberall mit dem Auftauchen des Beutegreifers gerechnet werden. Das zeigt auch das Auftauchen eines EisbĂ€ren im Ortsteil Nybyen im Juni 2010. Zum Schutz von Kreuzfahrttouristen gibt es EisbĂ€renwĂ€chter, die die Kreuzfahrer auf LandausflĂŒgen begleiten. Seit 1973 stehen die EisbĂ€ren auf Spitzbergen ganzjĂ€hrig unter Schutz. Es ist verboten, EisbĂ€ren anzulocken oder aktiv aufzusuchen.

Die hier lebende Unterart der Rentiere, das Spitzbergen-Ren, ist kleiner als seine Verwandten in anderen Gebieten der Arktis. Es kommt nur auf der Inselgruppe Spitzbergen vor. Der Polarfuchs ist das kleinste der verbreiteten SĂ€ugetiere. Wegen des weißen Polarfuchsfells wurde er eine Zeit lang intensiv mit Fallen bejagt.

Im Zuge der Errichtung von Farmen zur Versorgung der sowjetischen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln wurde die OsteuropĂ€ische Feldmaus aus der Ukraine eingeschleppt und hat sich etabliert. Die Feldmaus wurde um Longyearbyen schon gesichtet, vermutlich ist sie durch Schiffe eingeschleppt worden. Moschusochsen wurden in den Jahren 1925, 1926 und 1929 eingefĂŒhrt und entwickelten sich anfangs gut, starben jedoch im Jahre 1985 wieder aus. Ähnlich verliefen Versuche, den Schneehasen anzusiedeln. Andere LandsĂ€ugetiere sind sehr selten oder fehlen.

Die Zahl der MeeressĂ€uger war vor dem Beginn des groß angelegten Walfangs bedeutend höher. Lange Zeit waren große Fangflotten unterwegs, die erst Grönlandwale und Nordkaper und spĂ€ter auch verschiedene Furchenwale bejagten. Narwale gab es schon immer nur wenige in diesem Gebiet, und die Anzahl der Weißwale, die noch im 19. Jahrhundert in den Fjorden der Inselgruppe gefangen wurden, ist heute stark dezimiert. Das Gleiche gilt im verstĂ€rkten Maß fĂŒr Walrosse, die vollstĂ€ndig von den westlichen KĂŒsten vertrieben wurden. Andere Robben, die auf Spitzbergen vorkommen, sind die Sattelrobbe, die Ringelrobbe, die Bartrobbe und vereinzelt auch die KlappmĂŒtze.

Die Vogelwelt ist arm an Arten, lediglich 30 brĂŒten auf den Inseln. Am hĂ€ufigsten sind die Alkenvögel, die in riesigen Kolonien brĂŒten. Dazu gehören die Dickschnabellumme, die Gryllteiste, der Krabbentaucher (ca. 1 Million Brutpaare), der Papageientaucher und die Trottellumme. Außerdem kommen verschiedene Möwenarten vor (Dreizehenmöwe, Eismöwe, Elfenbeinmöwe u. a.), alle vier europĂ€ischen Raubmöwen, der Eissturmvogel, verschiedene Limikolen (am hĂ€ufigsten der MeerstrandlĂ€ufer), die KĂŒstenseeschwalbe, ThorshĂŒhnchen, und der Sterntaucher. An Entenvögeln brĂŒten die Kurzschnabelgans, die Ringelgans, die Weißwangengans, die Eiderente und selten die Prachteiderente auf Spitzbergen. Im Landesinneren kommt das Alpenschneehuhn vor, die einzige Vogelart, die auch den Winter hier verbringt. Als einzige Singvogelart besiedelt die Schneeammer die Inselgruppe.

Folgende Vogelarten, von denen fast alle auch hier brĂŒten, kommen auf dem Archipel vor:

  • Sterntaucher
  • Eistaucher
  • Eissturmvogel
  • Kurzschnabelgans (kommt nicht auf der BĂ€reninsel vor)
  • Weißwangengans (nicht auf der BĂ€reninsel)
  • Eiderente (ebenfalls kein Vorkommen auf der BĂ€reninsel)
  • Prachteiderente (selten, nicht BĂ€reninsel)
  • Eisente (nicht BĂ€reninsel)
  • Alpenschneehuhn (einzige Vogelart, die nicht im Winter fortzieht, nicht BĂ€reninsel)
  • MeerstrandlĂ€ufer
  • SteinwĂ€lzer (nicht BĂ€reninsel)
  • ThorshĂŒhnchen (nicht BĂ€reninsel)
  • Sandregenpfeifer (nicht BĂ€reninsel)
  • Schmarotzerraubmöwe
  • Falkenraubmöwe (nicht BĂ€reninsel)
  • Spatelraubmöwe (nicht BĂ€reninsel, brĂŒtet nicht auf Spitzbergen)
  • Heringsmöwe (nur BĂ€reninsel)
  • Eismöwe
  • Dreizehenmöwe
  • Elfenbeinmöwe (nicht BĂ€reninsel)
  • Schwalbenmöwe (selten, nicht BĂ€reninsel)
  • Rosenmöwe (selten)
  • Krabbentaucher (mit 1 Mio. Brutpaaren hĂ€ufigster Brutvogel)
  • Gryllteiste
  • Papageitaucher
  • Tordalk (nur BĂ€reninsel)
  • Trottellumme (nur BĂ€reninsel)
  • Dickschnabellumme (sehr große Kolonien, manche, wie am Alkefjellet, mit mehr als 100.000 Brutpaaren)
  • KĂŒstenseeschwalbe (nicht BĂ€reninsel)
  • Schneeammer (einziger Singvogel, nicht BĂ€reninsel)

In SĂŒĂŸwasseransammlungen leben unzĂ€hlige kleine Krebstiere, wobei die Art Lepidurus (Apus) glacialis, die an Kaulquappen erinnert, besonders ins Auge fĂ€llt.

Flora

Die Pflanzenwelt ist typisch fĂŒr die hiesige Tundrenvegetation. Die meisten der hier vorkommenden 130 BlĂŒtenpflanzen findet man auch im skandinavischen Gebirge und auf Nowaja Semlja. Es gibt Steinbrecharten, Fingerkraut, Weiße Silberwurz und viele Wiesenpflanzen wie GrĂ€ser, Löwenzahn und Wollgras. Es gibt mehrere Weidenarten, von denen jedoch nur die Polarweide (Salix polaris) hĂ€ufig ist. DarĂŒber hinaus ist die seltene Zwergbirke (Betula nana) der einzige „Baum“, der jedoch wie auch sĂ€mtliche Weidenarten nur am Boden kriecht und noch nicht einmal als Busch bezeichnet werden kann.

Moose bilden an vielen Stellen zusammenhĂ€ngende Decken, die in den Senken im Landesinneren bedeutende Ausmaße erreichen. Den reichsten Bewuchs findet man entlang der Fjorde, die oft wolkenfrei sind, so dass das Sonnenlicht lange Zeit den Boden erreicht. Das umliegende Meer ist reich an Algen, die auch im Polarwinter unter der Eisdecke leben. Besonders auffĂ€llig sind Braunalgen, die bis zu drei Meter lang werden können. In SĂŒĂŸwassertĂŒmpeln leben Kieselalgen und Armleuchteralgen (Charophyceae). Schneealgen leben auf dem Schnee und fĂ€rben ihn grĂŒn oder rot. Diese FĂ€rbung tritt vor allem im Sommer in der NĂ€he von Vogelkolonien auf, da der Kot der Tiere Stickstoff liefert.

An den KĂŒsten wird eine große Menge von Treibholz angespĂŒlt, das vorwiegend aus Nadelgehölzen, die von den sibirischen Strömen ins Nordpolarmeer transportiert wurden, besteht.

Bevölkerung

Der norwegische Hauptort der Inselgruppe ist Longyearbyen auf der Insel Spitzbergen. Dort befindet sich auch die UniversitĂ€t UNIS. Daneben gibt es die russische Siedlung Barentsburg. Ny-Ålesund ist eine norwegisch-internationale Ansiedlung mit Forschungsstationen. Eine polnische Forschungsstation steht am Hornsund. In Svea arbeiten Grubenarbeiter, die aber als Pendler dort keinen festen Wohnsitz haben. Weitere Wissenschaftler und Techniker betreuen die meteorologische Station und den Funksender in Herwighamna auf der BĂ€reninsel. Die russische Kohlegrube in Pyramiden wurde 1998 stillgelegt, die Siedlung selbst (zu Spitzenzeiten bis zu 1000 Einwohner) hat man im Jahr 2000 aufgegeben. Ebenfalls aufgegeben wurde die ehemalige sowjetische Siedlung Grumant. Insgesamt hat Spitzbergen heute etwa 2700 stĂ€ndige Einwohner, daraus folgt eine Bevölkerungsdichte von etwa 0,04 Einwohnern pro kmÂČ. Besonders die Bevölkerung in Longyearbyen ist international, durch den Austausch der Studierenden halbjĂ€hrlich bis jĂ€hrlich gibt es viele ZuzĂŒge und WegzĂŒge. Neben Norwegern, Schweden, Finnen und DĂ€nen gibt es eine grĂ¶ĂŸere Gruppe von Deutschen und anderen WesteuropĂ€ern sowie hin und wieder US-Amerikaner, aber auch ThailĂ€nder vornehmlich im Hotelservice. Die Einwohner sind so verteilt:

  • Longyearbyen: ca. 2100 permanente Einwohner
  • Barentsburg: 434 permanente Einwohner aus Russland (Stand Juli 2014)
  • Kap LinnĂ©, Isfjord Radio und Hotel: 3 Personen
  • Kap Wijk (Isfjord), Trapperstation: 1 Person
  • Svea: vormals 225 Pendler, keine festen Anwohner - aufgelassen
  • Hornsund, polnische Forschungsstation: 10 Personen
  • Pyramiden: 10–12 Personen fĂŒr den Hotelbetrieb
  • Ny-Ålesund: 25 permanente Bewohner, dazu im Sommer etwa 100 Gastforscher
  • AkselĂžya und Kap Schollin (Van Mijenfjord), Trapperstation: 1 Person
  • BĂ€reninsel (BjĂžrnĂžya), norwegische Wetterstation: 9 Personen
  • Hopen, norwegische Wetterstation: 4 Personen

Geschichte

Entdeckung Spitzbergens

Schon 1194 wurde in norwegischen Schriften Svalbardi fundinn („die kalte KĂŒste gefunden“) erwĂ€hnt. Es wird vermutet, dass damit Spitzbergen gemeint war, es könnte jedoch auch Jan Mayen oder Grönland gewesen sein. Als eigentlicher Entdecker gilt Willem Barents, der die Inselgruppe am 19. Juni 1596 sichtete, wĂ€hrend er auf der Suche nach der Nordostpassage war. Die Entdeckung dieser Passage hĂ€tte der aufstrebenden Kolonialnation der Niederlande neue Wege nach Osten ermöglicht, die nicht von Spanien oder Portugal kontrolliert wurden. Nach Barents sind der Ort Barentsburg und die Barentssee benannt. Er selbst benannte das Land nach den spitzen Bergen an der WestkĂŒste. Spitzbergen ist heute der Name der grĂ¶ĂŸten Insel der Inselgruppe, er wird aber im deutschen Sprachgebrauch auch fĂŒr die ganze Inselgruppe verwendet.

Barents fuhr anschließend weiter nach Osten, wurde aber vom aufkommenden Eis zur Überwinterung auf Nowaja Semlja gezwungen. Das war die frĂŒheste ĂŒberlieferte Überwinterung so weit im Norden. Barents selber starb jedoch im FrĂŒhling 1597 dort, bevor seine Mannschaft gerettet wurde.

Die Walfangperiode

Barents und nach ihm Henry Hudson (1607) fanden enorme Mengen an Walen, besonders von Grönlandwalen, Robben und Walrossen vor. In der Folgezeit wurden daher zahlreiche Fangexpeditionen durchgefĂŒhrt, die zu einer sehr schnellen Dezimierung der Wal- und WalrossbestĂ€nde fĂŒhrten. Diese haben sich bis heute nicht nennenswert erholt. Walprodukte, besonders das aus dem Blubber gewonnene Walöl, waren in dieser Zeit in Europa, das gerade dabei war, zur Weltmacht aufzusteigen, Ă€ußerst gefragt. Die Ausbeutung der Nordpolarmeere, besonders durch England, Frankreich und die Niederlande, ermöglichten diesen die Verbesserung ihrer Stellung gegenĂŒber Spanien und Portugal, die ihren Reichtum aus den Überseekolonien bezogen. Durch den reichen Jagdertrag aus dem Gebiet um Spitzbergen bekam die Suche nach der Seestraße nach Osten immer geringere PrioritĂ€t.

AnfÀnglich gab es oft Streitigkeiten zwischen den Schiffen der verschiedenen LÀnder. Daraufhin wurde 1619 entschieden, die HÀfen zwischen den Nationen aufzuteilen. Britische Fangschiffe waren hauptsÀchlich zum Ende des 18. Jahrhunderts und am Anfang des 19. Jahrhunderts westlich von Spitzbergen unterwegs. Im Jahre 1788 gab es zum Beispiel 255 britische Fangschiffe. Zwischen 1669 und 1778 reisten 14.167 niederlÀndische Schiffe zur Inselgruppe, die zusammen 57.590 Wale fingen. Der niederlÀndische Hauptort war Smeerenburg.

Konzentrierte sich bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts der Walfang auf die KĂŒstengebiete und die Fjorde Spitzbergens, verlegte er sich danach in die offene See hinaus, da die ErtrĂ€ge im ufernahen Gebiet bereits merklich zurĂŒckgegangen waren. Die KĂŒste beheimatete noch einige HĂ€fen, an denen sich die Schiffe trafen, und die GrĂ€ber fĂŒr jene, die das Abenteuer im Nordatlantik nicht ĂŒberlebten. Viele dieser GrĂ€ber sind noch heute an den Ufern zu finden, wegen des Permafrostbodens sind die Skelette noch ziemlich gut erhalten. Die Tranbrennöfen hingegen wurden abgerissen oder zerfielen, die noch brauchbaren GerĂ€tschaften wurden abtransportiert.

Fuchs- und Robbenjagd

Nachdem zur Mitte des 18. Jahrhunderts der Walfang ziemlich abrupt eingestellt werden musste, da die ErtrĂ€ge ausblieben, verlor die Inselgruppe vorĂŒbergehend praktisch jede Bedeutung. Bereits zuvor war Spitzbergen als Ausgangspunkt fĂŒr den Walfang nur noch Nebenschauplatz, da wie erwĂ€hnt im offenen Meer gejagt wurde und oft auch die Verarbeitung der Tiere bereits auf See stattfand. Nur einige russische Pomoren verblieben auf Spitzbergen. Diese machten vor allem in der ersten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts unter dem Protektorat des Zaren Peters des Großen Jagd auf Weißwale, EisbĂ€ren, PolarfĂŒchse, Walrosse und Robben, mit deren Fellen sie Handel betrieben. Die russischen FelljĂ€ger waren die ersten, die systematisch auf Spitzbergen und damit in der langen Polarnacht ĂŒberwinterten. Erst fĂŒr 1795/96 gibt es erste Berichte ĂŒber eine norwegische Überwinterung, die allerdings auch von Russen begleitet wurde. Weitere ÜberwinterungsaktivitĂ€ten norwegischer JĂ€ger gab es offenbar erst 1822 wieder. Bis 1892 wurden insgesamt 21 Überwinterungen gezĂ€hlt, nur 14 davon jedoch freiwillig. Neben den Fellen von Fuchs, Rentier und EisbĂ€r war das Walross das Hauptziel der JĂ€ger. Nach 1892, bis zur Evakuierung von Spitzbergen im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges, nahmen die Überwinterungen deutlich zu, obwohl die ErtrĂ€ge aus den Fellen deutlich geringer waren als jene aus der Robbenjagd. Vermutlich war aber das erwartete Ansehen, das einem durch eine Überwinterung zuteilwurde, hinreichende Kompensation dafĂŒr.

Die Zeit der Naturwissenschaften

WĂ€hrend der Zeit bis etwa 1900 dominierten naturwissenschaftliche Expeditionsreisen, besonders zu kartografischen Zwecken (siehe unten dazu auch den Abschnitt Geschichte der Kartografie von Spitzbergen). Langsam entwickelte sich das Bewusstsein, dass die Polarregionen fĂŒr das VerstĂ€ndnis fundamentaler physischer, biologischer und geologischer VorgĂ€nge auf der Erde zentral sind. Die Forschungen befassten sich besonders mit Meteorologie, Geomagnetismus und Polarlichtern. 1882/83 fand das Erste Internationale Polarjahr statt, in dessen Verlauf elf Nationen insgesamt vierzehn Forschungsstationen errichteten, zwölf davon in der Arktis. Die Forschungsstation auf Spitzbergen wurde vom schwedischen Meteorologen Nils Ekholm geleitet und befand sich im bereits zehn Jahre zuvor auf Anregung Adolf Erik Nordenskiölds von der schwedischen Bergbaugesellschaft AB Isfjorden errichteten Svenskhuset (Schwedenhaus) bei Kap Thordsen am Isfjorden. Die dort wĂ€hrend des Winters gesammelten Daten waren sehr wertvoll fĂŒr die Forschung. Nennenswerte Probleme hatte das Forschungsteam nicht, was fĂŒr eine Überwinterungs-Expedition im 19. Jahrhundert nicht selbstverstĂ€ndlich war. Ein Beispiel ist die Tragödie, die sich im Winter 1872/1873 im Svenskhuset abspielte. 17 norwegische RobbenjĂ€ger waren an einer Bleivergiftung durch den Verzehr von Dosennahrung gestorben, wie eine Forschungsexpedition von 2008 bewies.

Deutsche Expeditionsreisende dieser Zeit waren unter anderen 1870 Karl Graf von Waldburg-Zeil in Begleitung von Theodor von Heuglin, die bedeutsame Grundlagenforschung fĂŒr die Kartografie dieser Region und fĂŒr die Nautik betrieben, die umfangreichen Aufschluss ĂŒber die Strömungs- und EisverhĂ€ltnisse in diesem Teil des Nordmeers erbrachte.

Im Jahr 1897 startete Salomon August AndrĂ©e von der Insel DanskĂžya eine Ballonexpedition Richtung Norden. Diese Expedition war weniger wissenschaftlich ambitioniert, sondern vielmehr von dem Wunsch getragen, den Nordpol erreichen zu wollen. Der Versuch misslang, die drei Teilnehmer fanden im Laufe ihres RĂŒckmarschs ĂŒber das Packeis auf der Insel KvitĂžya den Tod, wo sie erst 1930 entdeckt wurden.

Die Zeppelin-Studienexpedition nach Spitzbergen diente der Vorbereitung einer Forschungsfahrt mit einem Luftschiff und erfolgte im Sommer 1910 als Schiffsexpedition mit dem Dampfer Mainz.

1912 steckte die deutsche Reederei Norddeutscher Lloyd im nordwestlichen Bereich von Spitzbergen LĂ€ndereien ab, um diese fĂŒr touristische Zwecke fĂŒr ihre seit 1908 stattfindenden Polarfahrten mit Passagierschiffen zu nutzen. Der Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 ließ das Projekt hinfĂ€llig werden.

Bergbauperiode

Um die Jahrhundertwende wurde Spitzbergen wieder wirtschaftlich interessant, denn es fanden sich weitreichende Kohlevorkommen, die noch dazu sehr leicht abzubauen waren, da die Flöze teilweise bis an die OberflÀche drangen.

John Munroe Longyear grĂŒndete 1906 die erste stĂ€ndige Grubensiedlung. Sie wurde spĂ€ter nach ihm Longyear-City genannt, woraus im Norwegischen Longyearbyen wurde, die heutige Hauptstadt der Inselgruppe. In der Zeit zwischen 1900 und 1920 entstanden mehrere Bergbauunternehmungen in Norwegen und in anderen Staaten, die Kohlegruben auf Spitzbergen eröffneten oder zumindest gedachten, das zu tun. Spitzbergen galt als No-Mans-Land, die ĂŒbliche Vorgehensweise, wie man sich ein StĂŒck vom Kuchen abschnitt, war das Ausstecken eines eigenen Claims. Genaue Regeln darĂŒber gab es jedoch nicht, weshalb es auch oft zu Streitigkeiten kam. Das Ersetzen fremder Claim-Anspruchsschilder durch eigene war hĂ€ufig. Das Spitzbergen-Museum in Longyearbyen besitzt eine ansehnliche Sammlung solcher alter Claim-Annexionsschilder. Die meisten der in dieser Zeit gegrĂŒndeten Bergbaufirmen existierten nur sehr kurz. Sie wurden entweder von anderen Firmen ĂŒbernommen oder gingen in Konkurs, weil der Abbau nicht wirtschaftlich war. Beispielsweise begann die englische Firma The Spitsbergen Coal and Trading Company Bergbau in Advent City, wo der Abbau jedoch schon wenige Jahre spĂ€ter aufgegeben wurde. Das ganze Material (inklusive der HĂ€user) wurde nach Hiorthamn einige Kilometer nach SĂŒden verlegt, wo die A/S De Norske Kulfelter Spitsbergen operierte. Diese Firma wiederum wurde spĂ€ter an die Norske Kulfelter AS verkauft.

1916 ĂŒbernahm die norwegische Store Norske Spitsbergen Kulkompani die Grubenanlagen und Steinkohlevorkommen in und um Longyearbyen vom Det Norske Spitsbergensyndikat, das kurz zuvor die Anlagen von der amerikanischen The Arctic Coal Company von John Longyear erworben hatte. Heute ist sie die grĂ¶ĂŸte Bergbaufirma auf Spitzbergen und gehört dem norwegischen Staat. Daneben wird in Barentsburg von der russischen Firma Trust Arktikugol Kohle abgebaut. Das dritte noch existierende Bergbauunternehmen jener Zeit ist die Kings Bay A/S, die aber heute nur noch die Infrastruktur fĂŒr die Forschung in Ny-Ålesund zur VerfĂŒgung stellt, selber aber keinen Bergbau mehr betreibt. Die grĂ¶ĂŸte Mine auf Spitzbergen liegt in Svea, ursprĂŒnglich eine schwedische GrĂŒndung, die spĂ€ter auch von der Store Norske ĂŒbernommen wurde. Ebenfalls eine schwedische GrĂŒndung ist die Siedlung Pyramiden, in der seit 1926 die Russen Kohle förderten. Seit 1998 der Bergbau dort aufgegeben wurde, ist Pyramiden eine Geisterstadt. Auch das russische Grumant, 1951/1952 die grĂ¶ĂŸte Siedlung auf Spitzbergen, ist heute verlassen.

1920 wurde der Spitzbergenvertrag geschlossen, womit insbesondere die GebietsansprĂŒche formell geregelt wurden. 1925 erlangte Norwegen aufgrund dieses Vertrages die SouverĂ€nitĂ€t ĂŒber Spitzbergen, muss aber allen BĂŒrgern der unterzeichnenden LĂ€nder, die sich auf Spitzbergen niederlassen wollen, die gleichen Rechte einrĂ€umen. Auch darf Norwegen keinen Gewinn aus auf Spitzbergen erhobenen Steuern erzielen, weshalb die Einkommensteuern sehr niedrig sind und ĂŒberhaupt keine Mehrwertsteuern oder Steuern auf Tabakprodukte und Alkohol erhoben werden. Die Preise fĂŒr Lebensmittel und WohnflĂ€che sind dennoch, wegen der Transportkosten, vergleichbar hoch.

Weiterhin war und ist Spitzbergen Ausgangspunkt fĂŒr Reisen zum Nordpol. Max Raebel besuchte 1908 den Archipel und fĂŒhrte geologische, botanische, meteorologische und geographische Untersuchungen durch, er traf hier 1910 Ferdinand Graf von Zeppelin, der eine Polarexpedition mit einem Luftschiff plante. Erst Roald Amundsen erreichte mit einem Luftschiff von Ny-Ålesund aus dann im Jahr 1926 vermutlich als erster den geographischen Nordpol der Erde, 14 Jahre nachdem er bereits den SĂŒdpol bezwungen hatte.

Die dramatische Suche und Rettungsaktion nach der von Umberto Nobile gefĂŒhrten Nordpol-Expedition mit dem Luftschiff Italia im Mai 1928 machte die Inselgruppe weltweit bekannt. Amundsen, der sich auch an der Suche beteiligt hatte – obwohl Nobile die Expedition allein gestartet hatte, weil er sich mit Amundsen zerstritten hatte –, kam in der Folge bei einem FlugzeugunglĂŒck in der NĂ€he der BĂ€reninsel ums Leben.

Zweiter Weltkrieg

Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion wurde Spitzbergen im August 1941 von den Alliierten evakuiert und die Infrastruktur von Longyearbyen und Barentsburg von kanadischen Einheiten der Royal Engineers wÀhrend der Operation Gauntlet zerstört. Die geförderten KohlenvorrÀte von etwa 400.000 Tonnen und eingelagerterer Treibstoff wurden in Brand gesetzt, damit sie nicht dem Feind in die HÀnde fallen konnten.

Ab September 1941 operierten auf West-Spitzbergen im Lilliehöökfjord Wettertrupps der Wehrmacht der Kriegsmarine und der Luftwaffe wie das Unternehmen Knospe, um Wetterbeobachtungen sowohl fĂŒr den operativen wichtigen Zugang zum russischen Nordmeer als auch fĂŒr die strategische Wettervorhersage in Mitteleuropa durchzufĂŒhren.

In anderen Regionen wurden zur metrologischen Datenerfassung von der Luftwaffe und der Kriegsmarine automatische Wetterstationen eingerichtet, die selbststĂ€ndig die Wetterlage erfassten und ihre Ergebnisse an die Wetterdienste der Wehrmacht sendeten. Die Wetterstation WFL 21 der Kriegsmarine, Codename Gustav, befand sich im Nordwesten der Insel Spitzbergen am Billefjord. U 737, das gegen die alliierten NordmeergeleitzĂŒge eingesetzt wurde, war mit dem Ausbringen von WetterfunkgerĂ€ten betraut, automatischen Stationen, die selbstĂ€ndig Wetterdaten erheben und weitergeben konnten. Unter dem Kommando von Oberleutnant zur See Paul Brasack griff U 737 zudem alliierte Wetterbeobachtungseinrichtungen auf Spitzbergen an. Die Einrichtung der Luftwaffe, Kröte genannt, war in der Mitte der Insel, an der sĂŒdlichen KĂŒste des Van Mijenfjord aufgebaut.

Am 14. Mai 1942 landete eine norwegische Einheit und besetzte Longyearbyen wieder fĂŒr den Rest des Krieges, musste jedoch vor deutschen KrĂ€ften beim Unternehmen Sizilien zeitweilig ausweichen.

Am 8. September 1943 zerstörte ein deutscher Gefechtsverband, bestehend aus den Schlachtschiffen Tirpitz und Scharnhorst und neun Zerstörern mit eingeschiffter Infanterie, wÀhrend des Unternehmens Sizilien die Siedlungen. Es gab Tote und Verletzte, Longyearbyen wurde nahezu vollstÀndig zerstört.

Im September 1944 wurde mit dem Unternehmen Haudegen eine Wetterstation der Kriegsmarine unter Leitung des Meteorologen Wilhelm Dege eingerichtet. Sie konnte durch die UmstÀnde der Kapitulation jedoch erst im September 1945 nach Kriegsende auf Nordostland von den Norwegern aufgelöst werden.

SĂ€mtliche Überbleibsel menschlicher Kultur aus der Zeit vor 1946 sind als KulturdenkmĂ€ler eingestuft und unterliegen dem Denkmalschutz. Sie dĂŒrfen nicht verĂ€ndert werden. Das gilt zum Beispiel fĂŒr die Überreste von Grubenbahnen und HĂŒtten, die sich in den verlassenen Minensiedlungen finden.

Hin und wieder werden auch heute noch alte Munition und Landminen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gefunden, die dann vom norwegischen KampfmittelrÀumdienst beseitigt werden.

Nachkriegszeit und Moderne

Spitzbergen war nach 1945 entmilitarisiert, aber trotzdem von Bedeutung, da es nahe der GIUK-LĂŒcke liegt. Zur AufklĂ€rung russischer U-Boote wurde in dieser geografischen LĂŒcke das Sonarsystem SOSUS installiert.

Nach dem Krieg nahmen mehrere Bergbaugruben die Arbeit wieder auf, insbesondere die in Longyearbyen, Sveagruva, Barentsburg, Pyramiden, Grumant und Ny-Ålesund. 1962 wurde Grumant aufgegeben, bald nach der Kings-Bay-AffĂ€re auch der Bergbau in Ny-Ålesund. Schließlich ist seit 1998 auch Pyramiden bis auf ein paar TouristenfĂŒhrer verlassen.

Die grĂ¶ĂŸte Umstellung der Lebensweise auf Spitzbergen brachte die Eröffnung des internationalen Flughafens in Longyearbyen im Jahr 1975, mit dem die Inselgruppe ganzjĂ€hrig vom Festland aus erreichbar wurde, was die Abgeschiedenheit, besonders wĂ€hrend der Wintermonate, deutlich reduzierte. Auch dauert die Reise von TromsĂž aus nun nur noch gut zwei Stunden, statt mehrerer Tage wie frĂŒher per Schiff. Dadurch hat besonders auch die Zahl der Touristen deutlich zugenommen. Diese sind heute, neben Forschung und Bergbau, Haupteinnahmequelle der Bevölkerung auf Spitzbergen.

Zur Aufrechterhaltung der norwegischen Hoheit ĂŒber Spitzbergen patrouilliert die norwegische KĂŒstenwache mit der KV Svalbard rund um den Archipel. Die staatliche russische Bergbaugesellschaft Arktikugol hat in Barentsburg fĂŒr Verbindungs- und VersorgungsflĂŒge einen eigenen Mil Mi-8 Hubschrauber stationiert, der jedoch nur fĂŒr innerbetriebliche FlĂŒge eingesetzt werden darf.

Spannungen verursachen auf Spitzbergen zuweilen die russischen Übertretungen der geltenden Vereinbarungen. So war Dmitri Rogosin 2015 mit einem Einreiseverbot fĂŒr die EU belegt, als er auf der Insel landete. Im April 2016 nutzten tschetschenische SpezialkrĂ€fte, die unter dem unmittelbaren Kommando von Ramsan Achmatowitsch Kadyrow standen, nach einer AusbildungsĂŒbung nahe dem russischen Forschungslager Barneo am Nordpol den Flughafen von Longyearbyen. Kadyrow begrĂŒĂŸte die RĂŒckkehrer seiner Speznas persönlich auf dem Flughafen von Grosny. Bei der GroĂŸĂŒbung Sapad 2017 des russischen und belarussischen MilitĂ€rs wurde auch eine Besetzung von Spitzbergen geĂŒbt.

Geschichte der Kartografie von Spitzbergen

Bei dem seit spĂ€testens 1194 bezeugten altnordischen Namen „Svalbard“, der „Kalte KĂŒste“ bedeutet, ist nicht gesichert, dass damit die Inselgruppe bezeichnet war. Es könnte auch Ostgrönland oder Jan Mayen gewesen sein.

Willem Barents benannte bei seiner Entdeckung das Land nach seinen spitzen Bergen Spitzbergen, niederlĂ€ndisch spitse Bergen, daher die niederlĂ€ndische Originalbezeichnung Spitsbergen, wie sie auch im Spitzbergenvertrag verwendet wird. Dazu legte er acht weitere Namen fĂŒr Teile der Inseln fest. Barents Entdeckung war der Startpunkt fĂŒr die sogenannte „Walfangperiode“ auf Spitzbergen, die etwa von 1600 bis 1710 dauerte. Diese Periode war vorwiegend durch dĂ€nische und englische AktivitĂ€ten geprĂ€gt. Giles & Rep veröffentlichten im Jahr 1710 die erste Karte Spitzbergens, auf der die KĂŒstenlinien vollstĂ€ndig verzeichnet wurden. VorlĂ€ufig diente Spitzbergen vorwiegend als Ausgangspunkt fĂŒr den Walfang, womit besonders die KĂŒstenlinie fĂŒr die Kartographie zentral war. Die Karte enthielt auch schon eine ganze Reihe von Ortsnamen, die jedoch sehr willkĂŒrlich gewĂ€hlt waren. Die Namen attributierten zu allem Möglichen:

  • LĂ€nder und Gebiete aus den HeimatlĂ€ndern der JĂ€ger
  • Landmarken fĂŒr die Navigation, HĂ€fen
  • Landschaftsformen
  • Personen
  • Pflanzen
  • Religion, Heilige
  • Tiere

Viele dieser Namen waren in den jeweiligen Sprachen der WalfĂ€nger verfasst, was spĂ€ter zu absichtlichen oder unabsichtlichen Übersetzungen in andere Sprachen (vorwiegend ins Norwegische) fĂŒhrte. Dabei entstanden Fehler oder MissverstĂ€ndnisse, so dass die abgeleiteten Namen eine neue Bedeutung erhielten.

Nachdem der Walfang nach 1710 praktisch zum Erliegen gekommen war, da der Grönlandwal fast ausgerottet war, blieb Spitzbergen bis 1858 weitgehend unbewohnt. Bis auf einige russische JĂ€ger, die auf den Inseln FĂŒchse, Rentiere, Walrösser, Robben und EisbĂ€ren jagten, war das Interesse der Menschen an der Inselgruppe gering. Aus dieser Zeit sind entsprechend keine neuen Flurnamen ĂŒberliefert. Einige englische, französische oder schwedische Expeditionen fielen in diese Zeit, ihre Nachwirkung war jedoch ebenfalls sehr gering.

Das Jahr 1858 markiert einen wichtigen Meilenstein in der Entdeckungsgeschichte von Spitzbergen. Ab diesem Datum fanden fast dauernd Expeditionen zur Inselgruppe statt, mit rein naturwissenschaftlichem Hintergrund. Fast alle europĂ€ischen LĂ€nder organisierten solche Expeditionen oder beteiligten sich daran, darunter Norwegen, Schweden, Deutschland, England, die Schweiz, Österreich, Monaco und Schottland.

Die dabei neu entstandenen Karten enthalten auch neue Namen, diese sind jedoch zwischen den verschiedenen Kartografen nicht einheitlich und hĂ€ufig durch Übersetzungsfehler entstellt. Der erste, der versuchte, diese Ungereimtheiten zu bereinigen, war Adolf Erik Nordenskiöld. Seine wichtigste Karte von Spitzbergen wurde 1875 publiziert. Als Dank fĂŒr UnterstĂŒtzung oder Beteiligung an der Expedition begann er, neue Namen aus den Personennamen dieser UnterstĂŒtzer zu bilden, was viele weitere Entdecker nach ihm genauso handhabten.

Als Kartograf von Spitzbergen ist auch August Petermann in Erscheinung getreten. Nachdem er die deutsche Besiedlung in Afrika unterstĂŒtzt hatte, regte er zwei Arktisexpeditionen an, die 1868 und 1870 unter der Leitung von Carl Koldewey zunĂ€chst nach Spitzbergen, dann nach Ostgrönland fĂŒhrten. Petermann verwendete fĂŒr seine Karten auch Namen von deutschen Entdeckern Afrikas. Seine Publikationen erschienen um 1870.

Nach der Jahrhundertwende fanden verschiedene Fahrten statt, die vorwiegend oder ausschließlich die Kartographie zum Ziel haben. Zu den wichtigsten UnterstĂŒtzern dieser Projekte gehörte Albert I. von Monaco, der im Jahr 1899 selbst nach Spitzbergen gereist war. 1906/1907 finanzierte er die Expedition von Gunnar Isachsen, der auch spĂ€ter noch mehrfach den Archipel bereiste. Auch Adolf Hoel leistete wĂ€hrend seiner Reisen einen wesentlichen Beitrag zur Kartographie Spitzbergens.

Als weitere wichtige Kartografen Spitzbergens gelten Sir William Martin Conway, der erstmals ausfĂŒhrliche Karten des Landesinneren zeichnete, was zur EinfĂŒhrung zahlreicher neuer Namen fĂŒhrte, sowie Gerard De Geer. Letzterer versuchte, möglichst konsistente Regeln fĂŒr die Namensgebung der geografischen Punkte festzulegen. ZusammenhĂ€ngende Namen sollten fĂŒr zusammenhĂ€ngende Gebiete verwendet werden (beispielsweise die Vornamen einer Königsfamilie), Namen in der einheimischen Sprache sollten bevorzugt werden, um falsche Übersetzungen zu vermeiden (falls nötig mit latinisierter Transkription). Auch vermied er bewusst lange, komplizierte Namen, da diese im tĂ€glichen Gebrauch abgekĂŒrzt und damit verfĂ€lscht wurden. Allzu allgemeine Namen sollten vollstĂ€ndig vermieden werden, wie etwa Tierarten fĂŒr geografische Bezeichnungen (bereits verbreitete Namen wie BjĂžrnĂžya – BĂ€reninsel – blieben natĂŒrlich). Bei ihrer Kartografie beeinflussten sich De Geer und Isachsen gegenseitig, Isachsen verwendet jedoch bevorzugt französische Namen, De Geer englische. Dabei entstanden erneut durch Übersetzungsfehler bedingte, unlogische Namenskombinationen wie Mt Vortefjell (fjell ist das norwegische Wort fĂŒr Berg) oder Glacier VerdebrĂŠ (brĂŠ bedeutet Gletscher auf norwegisch).

Die vollstÀndigsten Karten dieser letzten wichtigen Entdeckerperiode wurden um 1923 publiziert. In diesem Jahr demonstrierte die Junkers-Spitzbergen-Expedition, der die ersten Luftbilder des Archipels zu verdanken sind, die Vorteile der Landaufnahme aus der Luft.

Politik

Spitzbergen wird direkt von einem ReprĂ€sentanten der norwegischen Regierung geleitet. Er trĂ€gt den Titel Sysselmann und ist gleichzeitig Polizeichef, Hilfsrichter und Inhaber anderer offizieller Funktionen. Er soll auch die Rechte und Pflichten sicherstellen, die Norwegen laut Spitzbergenvertrag obliegen. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wurde in mehreren politischen VorstĂ¶ĂŸen die Selbstverwaltung durch die Bevölkerung gestĂ€rkt. Im Oktober 2007 fanden auf Spitzbergen erstmals Wahlen fĂŒr ein lokales Parlament statt. Zur Geschichte der VerselbstĂ€ndigung der Verwaltung siehe den Geschichtsabschnitt im Artikel Longyearbyen.

Die Hoheitsrechte innerhalb der 200-Meilen-Zone werden von Norwegen beansprucht, was allerdings umstritten ist, auch weil in der Arktis BodenschÀtze vermutet werden. Mehrere andere LÀnder erheben Anspruch auf die Abbaurechte im Nordpolarmeer.

Die Landung des in der Folge der Annexion der Krim auf europÀischen Sanktionslisten stehenden russischen Vize-MinisterprÀsidenten Rogosin im Jahr 2015 und eines russischen Truppentransporters im Jahr 2016 wurde als Provokation empfunden.

Infrastruktur

Spitzbergen ist durch den 1975 eröffneten internationalen Flughafen in Longyearbyen mit Norwegen und anderen LĂ€ndern verbunden. WĂ€hrend der Polarnacht sind die fĂŒnf wöchentlichen FlĂŒge von und nach TromsĂž faktisch die einzige Verbindung zum Festland. Der grĂ¶ĂŸte Arbeitgeber der Inselgruppe, die norwegische Bergbaugesellschaft Store Norske Spitsbergen Kulkompani, hat zwei eigene Flugzeuge, die fĂŒr Transporte zwischen Sveagruva und Longyearbyen sowie Ny-Ålesund eingesetzt werden. In Ny-Ålesund und Sveagruva gibt es jeweils VerkehrslandeplĂ€tze, in Barentsburg und Pyramiden gibt es je einen Hubschrauberlandeplatz, weitere gibt es an im GelĂ€nde verteilten Feldtankpunkten. Bis zur Eröffnung des Flughafens wurde ein Verkehrslandeplatz im Osten von Longyearbyen benutzt.

Im Sommer kommen verschiedene Forschungs- und Touristenschiffe in die HĂ€fen. Nur in unmittelbarer NĂ€he der Ortschaften gibt es befestigte Wege. So erfolgen die Transporte mittels Flugzeug, Schiff, Motor- oder Hundeschlitten. Das Kennzeichen der wenigen Kraftfahrzeuge auf Spitzbergen beginnt mit ZN.

In Longyearbyen befindet sich die einzige Bank des Inselarchipels, diese ist zugleich die nördlichste Bank der Welt. Am 21. Dezember 2018 erfolgte der erste Bankraub der Arktis durch einen arbeitslosen russischen StaatsbĂŒrger, er erbeutete 9000 Euro, konnte die Insel aber nicht ungesehen verlassen, es folgte die Überstellung an ein norwegisches Gericht in TromsĂž.

FĂŒr die umfangreichen Forschungsprojekte auf Spitzbergen, vorwiegend das UNIS und die Satellitenstationen in der Umgebung von Longyearbyen, wurde ein 20-Gbit/s-Unterwasserkabel, das Svalbard Undersea Cable System, vom norwegischen Festland aus gelegt. Somit sind in allen grĂ¶ĂŸeren Siedlungen Spitzbergens schnelle InternetanschlĂŒsse verfĂŒgbar.

FĂŒr Spitzbergen und Jan Mayen existiert die eigene lĂ€nderspezifische Top-Level-Domain (ccTLD) .sj. Sie wird derzeit nicht verwendet, ist aber fĂŒr potenzielle zukĂŒnftige Nutzung reserviert. Sie wird von der Firma UNINETT Norid AS verwaltet, die auch fĂŒr die norwegische Domain .no sowie fĂŒr die Domain der Bouvetinsel .bv zustĂ€ndig ist.

Wirtschaft

Da Norwegen aufgrund des Spitzbergenvertrags von SĂšvres vom 9. Februar 1920 keine EinkĂŒnfte aus Spitzbergen beziehen darf, bleiben die eingezogenen Steuern auf der Inselgruppe. Das hat zur Folge, dass das Steuerniveau im Gegensatz zu anderen norwegischen Gebieten sehr niedrig ist. Die Einkommensteuer liegt unter 20 %, eine Umsatzsteuer existiert ĂŒberhaupt nicht. Das wird jedoch dadurch kompensiert, dass viele Produkte, insbesondere Frischwaren wie GemĂŒse und Obst, aufgrund der hohen Transportkosten deutlich teurer als auf dem Festland sind.

Außerdem beinhaltet der Vertrag, dass die Inseln zwar zu Norwegen gehören, gleichzeitig aber alle Vertragsparteien das Recht haben, die BodenschĂ€tze auszubeuten – diese Fragen waren mit der Entdeckung von Kohlevorkommen akut geworden. Von diesem Recht machen von den 39 LĂ€ndern, welche den am 30. Juni 1925 in Kraft getretenen Spitzbergenvertrag bisher unterzeichnet haben, heute nur Norwegen und Russland (Arktikugol) Gebrauch. Die Kohleförderung ist gemessen am Weltmarktpreis relativ teuer und damit unwirtschaftlich.

Heute arbeitet die Bevölkerung (hauptsĂ€chlich Norweger und Russen) der dĂŒnnbesiedelten Insel in der Forschung, im Tourismus oder im Bergbau, vorwiegend in den StĂ€dten Longyearbyen, in Sveagruva und Barentsburg. Die drei Ortschaften sind untereinander nicht durch Straßen oder Wege verbunden.

Auf Spitzbergen befindet sich auch ein Raketenstartplatz (SvalRak). Außerdem existieren zahlreiche Satelliten-Bodenstationen, vor allem fĂŒr polare Erdbeobachtungssatelliten (SVALSAT und TUBSAT-Bodenstationen in Longyearbyen, BIRD-Bodenstation in Ny-Ålesund).

Pflanzensamenbank

Am 26. Februar 2008 wurde eine Pflanzensamenbank eingeweiht, die von der norwegischen Regierung mit UnterstĂŒtzung der EU, der Nordic Gene Bank und dem Global Crop Diversity Trust (GCDT) errichtet wurde. Die Svalbard Global Seed Vault ist eine internationale Organisation zur weltweiten Erhaltung von Nutzpflanzen, welche die ErnĂ€hrung der Weltbevölkerung sicherzustellen helfen soll. Im Samenbunker auf Spitzbergen lagern die Samenproben 120 Meter tief im Permafrost-Felsmassiv bei −18 °C. Insbesondere soll die Erhaltung der Sortenvielfalt von Nutzpflanzenarten wie Reis, Weizen oder Gerste sichergestellt werden, geschĂŒtzt vor genetischer Verunreinigung, Naturkatastrophen, Pflanzenepidemien oder gar vor Verlusten durch Atomkriege. Es wurde mit einem Bedarf von 4,5 Millionen Pflanzensamenproben der weltweiten Nutzpflanzen gerechnet, die KapazitĂ€t reicht fĂŒr 2,25 Milliarden Samen. Eine Probe enthĂ€lt durchschnittlich 500 Samen. Im Oktober 2017 lagerten dort ĂŒber 933.000 Samenproben von 5.384 Arten aus 992 Gattungen, davon allein 70.000 Reissorten und 15.000 Bohnensorten. Die Samen kommen aus der ganzen Welt. 175 LĂ€nder planten, Samenproben nach Spitzbergen zu schicken. EigentĂŒmer der Proben bleiben die einreichenden Saatgutbanken im Ausland. Bis Anfang 2018 gab es nur eine einzige Anforderung zur RĂŒckfĂŒhrung von Proben, und zwar durch das International Center for Agricultural Research in the Dry Areas nach Syrien im Jahr 2015.

Tourismus

Longyearbyen lebt vom Tourismus, der mittlerweile eine GrĂ¶ĂŸe von jĂ€hrlich 70.000 Touristen erreicht hat, davon die meisten mit Kreuzfahrtschiffen. Hauptsaison ist wĂ€hrend des Lichtwinters zwischen MĂ€rz und Anfang Mai, wenn noch genĂŒgend Schnee fĂŒr Schlittentouren liegt und schon ausreichend Tageslicht vorhanden ist, sowie im Sommer zwischen Anfang Juli und Mitte August. Ab Mitte April geht die Sonne in Longyearbyen nicht mehr unter. In der Zwischensaison von Anfang Mai bis Juli nimmt der Touristenstrom wieder ab, weil Schmelzwasser die TĂ€ler weitgehend unpassierbar macht.

Der Tourismus findet hauptsĂ€chlich um Longyearbyen statt oder auf Schiffen, die die Inselgruppe umrunden und dabei auch LandgĂ€nge anbieten. Liegt Schnee, wird verbreitet auf Schneemobile als Transportmittel zurĂŒckgegriffen, fĂŒr den Tourismus auch auf Hundeschlitten. Pyramiden ist verlassen und soll zukĂŒnftig als Ausgangspunkt von Trekkingtouren dienen. Barentsburg dient vor allem dem Bergbau und TagesausflĂŒgen, Ny-Ålesund der wissenschaftlichen Forschung und wird stundenweise von Kreuzfahrern angelaufen.

Spitzbergen gehört zur trocken-kalten Klimazone (Polargebiet), die VerhĂ€ltnisse sind daher nicht mit denen in Skandinavien zu vergleichen. Wanderungen haben Expeditionscharakter. Es existieren keine Straßen oder Wanderwege und keine Wegmarkierungen und dementsprechend auch keine BrĂŒcken ĂŒber die zahlreichen im Sommer offenen WasserlĂ€ufe. Sommer wie Winter muss mit den Gefahren von schnell wechselndem Wetter oder unwegsamem GelĂ€nde gerechnet werden und NotausrĂŒstung sollte griffbereit sein.

Um sich gegen Angriffe von EisbĂ€ren schĂŒtzen zu können, ist durch den Sysselmann jedermann angehalten, außerhalb von Ortschaften mit geeigneten Abwehrmitteln ausgerĂŒstet zu sein. Dabei wird das FĂŒhren großkalibriger BĂŒchsen empfohlen. EisbĂ€ren sind geschĂŒtzt und dĂŒrfen nur in Notwehr getötet werden. Man ist verpflichtet, vor dem Waffengebrauch zu versuchen, den EisbĂ€ren mit geeigneten Mitteln, wie beispielsweise einer Signalpistole, abzuschrecken oder abzulenken. Es ist verboten, EisbĂ€ren anzulocken oder sie aktiv aufzusuchen. Lager sollten mit einem BĂ€renzaun geschĂŒtzt sein. In der Vergangenheit kam es mehrfach zu TodesfĂ€llen bei der Begegnung mit EisbĂ€ren. Zuletzt starb ein 38-jĂ€hriger niederlĂ€ndischer Angestellter des Campingplatzes von Longyearbyen, der in der Nacht auf den 28. August 2020 in seinem Zelt angegriffen worden war. Davor wurde am 5. August 2011 ein 17-jĂ€hriger britischer SchĂŒler tödlich verletzt, nachdem ein EisbĂ€r in dessen Zelt eingedrungen war. Mehrere Begleiter des SchĂŒlers wurden ernsthaft verletzt. Davor starb im Jahr 1995 ein Mann auf der KiepertĂžya in der sĂŒdlichen Hinlopenstraße infolge eines EisbĂ€renangriffs. Insgesamt wurden auf Spitzbergen seit 1970 sechs Touristen von EisbĂ€ren getötet.

Im Verwaltungsgebiet 10 können Touren ohne Genehmigung unternommen werden. Dieses Gebiet umfasst im Wesentlichen Nordenskiöld-Land (mit Longyearbyen), BĂŒnsow-Land, Dickson-Land und den Kongsfjord. FĂŒr Touren außerhalb des Verwaltungsgebiets 10 benötigt man eine Genehmigung des Sysselmannes. Eine Versicherung fĂŒr einen Search-and-Rescue-Einsatz ist eine Voraussetzung fĂŒr die Genehmigung. Arktistaugliche AusrĂŒstung und Bewaffnung sind immer erforderlich – grundsĂ€tzlich mit Iridium und RettungsgerĂ€tfunkstelle als Notfunkbake. Außerhalb von Longyearbyen gibt es keine Straßen oder Wanderwege.

Die Richtlinien ĂŒber das Entleihen von Waffen bei AusrĂŒstern in Longyearbyen wurden im Jahr 2009 verschĂ€rft.

Aktuelle Gefahrenlagen rund um Spitzbergen und Longyearbyen können unter einem Blog des Sysselmann abgerufen werden.

Medien

Auf Spitzbergen existieren mit Svalbardposten eine eigene norwegische Wochenzeitung und ein lokaler Fernsehkanal, Longyearbyen TV. Bedingt durch die in allen grĂ¶ĂŸeren Siedlungen Spitzbergens vorhandenen InternetanschlĂŒsse (siehe Infrastruktur) ist ein internationaler Medienzugang gewĂ€hrleistet.

Siehe auch

  • Geschichte Norwegens
  • Liste norwegischer Inseln
  • Jan Mayen

Literatur

  • Thor B. Arlov: Svalbards historie. H. Aschehoug & Co., Oslo 1996. ISBN 82-03-22171-8.
  • Wilhelm Dege: Im Vorfeld des Nordpols. Fahrten und Abenteuer auf Spitzbergen. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 1957.
  • Christian Kempf: A Journey to Svalbard Polar Territory Eigenverlag, OrlĂ©ans 1999.
  • Hugo NĂŒnlist: Spitzbergen. Gipfel ĂŒber dem nördlichen Eismeer. Erlebnisse und Ergebnisse der Schweizer Spitzbergen-Expedition 1962. Orell FĂŒssli, ZĂŒrich 1963.
    • Englisch: Spitsbergen. The story of the 1962 Swiss-Spitsbergen expedition. Aus dem Deutschen von Oliver Coburn. Kaye, London 1966.
  • Andreas Umbreit: Spitzbergen mit Franz-Joseph-Land und Jan Mayen. Stein, Welver 2007, ISBN 3-89392-282-2.
  • Horst-GĂŒnter Wagner: Klimatologische Beobachtungen in SĂŒdostspitzbergen 1960 Steiner, Wiesbaden 1960.
  • Norsk Polarinstitutt (Hrsg.): The Place-Names of Svalbard. Oslo 2001, ISBN 82-90307-82-9.
  • Norsk Polarinstitutt (Hrsg.): Cruise Handbook for Svalbard. Oslo 2009, cruise-handbook.npolar.no (englisch).
  • Spitzbergen-Expedition 1999. Deutscher Alpenverein, Sektion Regensburg, Regensburg 1999.
  • Manfred Hausmann, Fotos: Klaus D. Francke: Spitzbergen – Konkurrenz um eine kalte Schönheit. In: Geo-Magazin. Hamburg 1978/9, ISSN 0342-8311, S. 60–82 (informativer Erlebnisbericht, u. a. mit politischen HintergrĂŒnden).

Belletristik

  • Die österreichische Malerin und Autorin Christiane Ritter verbrachte mit ihrem Mann Hermann Ritter und einem Jagdkollegen den Winter 1934/35 auf Spitzbergen und schrieb das Buch Eine Frau erlebt die Polarnacht.
  • Der deutsche PĂ€dagoge Wilhelm Dege, der als Wehrmachtssoldat wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs auf Spitzbergen einen Wettertrupp geleitet hatte, veröffentlichte mit JĂ€ger in Nacht und Eis (Reutlingen 1953) einen Abenteuerroman ĂŒber PelztierjĂ€ger, die auf West-Spitzbergen ĂŒberwintern.
  • Der deutsche Schriftsteller Bernd SpĂ€th, der auf Spitzbergen zwischen 1982 und 1995 fĂŒnf arktische Expeditionen absolvierte und 1983 als erster Deutscher die Nordspitze der Insel ĂŒber das Inlandeis erreichte, veröffentlichte zu Spitzbergen drei Romane und einen Band mit arktischen ErzĂ€hlungen.
  • Die norwegische Schriftstellerin Anne B. Ragde verfasste den Roman Mord in Spitzbergen.
  • Die drei Staffeln umfassende britische Krimiserie Fortitude, ausgestrahlt zwischen 2015 und 2018, spielt in einer fiktiven 800-Einwohner-Siedlung namens Fortitude auf der Inselgruppe Spitzbergen.
  • Die norwegische Journalistin Line Nagell YlvisĂ„ker, seit 2006 in Longyearbyen lebend, schrieb das Buch "Meine Welt schmilzt. Wie das Klima mein Dorf verwandelt". Es erschien in deutscher Übersetzung 2021 bei Hoffmann und Campe (Hamburg). Darin schildert sie die Folgen des Klimawandels fĂŒr den Ort und die gesamte Inselgruppe.

Weblinks

Karten, Fotos und Videos

  • TopoSvalbard – Interaktive Karte des Norwegischen Polarinstituts
  • Svalbard 2009 – Fotoserie von einem Field Trip
  • Terra X: Verschollen vor Spitzbergen – Video (31. Januar 2010, 3:15 Uhr, 43:29 Min.)
  • Longyearbyen September 2012 – Video mit EindrĂŒcken von Longyearbyen
  • [1] The Svalbard Treaty Explained: Geopolitics in the Arctic
  • Longyearbyen Community Guidelines

Andere

  • Spitzbergen.de – Umfangreiche Spitzbergen-Infoseite
  • Das UniversitĂ€tszentrum in Longyearbyen mit zahlreichen Informationen ĂŒber die Insel (englisch)
  • Offizielle Seite des norwegischen RegierungsbevollmĂ€chtigten fĂŒr Spitzbergen (norwegisch und englisch)
  • Visitsvalbard – Portal (englisch)
  • Svalbard Global Seed Vault – Pflanzensamenbank in Spitzbergen (englisch)
  • Geowissenschaftliche Spitzbergen-Expedition (SPE) 1990–1992 mit Beschreibung von Spitzbergen bei der UniversitĂ€t der Bundeswehr MĂŒnchen
  • Spitzbergen Exkursion der UniversitĂ€t Bochum 2012
  • Peter Neuber: Arktisches Trekking – 
 am Beispiel Svalbard / Spitzbergen auf der Website europeonline-magazine.eu.
  • Regulations relating to large nature conservation areas and bird reserves in Svalbard as established in 1973. In: regjeringen.no. Ministry of Climate and Environment, 4. April 2014.
  • Svalbard auf der Website Yr.no, Norwegian Meteorological Institute and NRK.

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

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Name englisch: Svalbard
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Kfz:
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ISO3: SJM
Fläche: 62049 km²
Tld: .sj
Wärung Einheit: NOK
Währung: Krone
Vorwahl: 47

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 80.834053
südlichster Punkt: 70.827446
westlichster Punkt: -9.07814
östlichster Punkt: 33.497093


 
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