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Staat Informationen : Bosnien und Herzegowina

Informationen:


Bosnien und Herzegowina (bosnisch/kroatisch/serbisch-lateinisch Bosna i Hercegovina [ˌbɔsnaixɛrÊŠeˈɥoːvina], serbisch-kyrillisch Đ‘ĐŸŃĐœĐ° Đž Đ„Đ”Ń€Ń†Đ”ĐłĐŸĐČĐžĐœĐ°, AbkĂŒrzungen: BiH/БОЄ; auch Bosnien-Herzegowina oder fĂ€lschlich verkĂŒrzt Bosnien genannt) ist ein sĂŒdosteuropĂ€ischer Bundesstaat. Er besteht geografisch aus der Region Bosnien im Norden, die rund 80 Prozent des Staatsgebiets einnimmt, und der kleineren Region Herzegowina im SĂŒden. Politische Teilgebiete des Bundesstaates sind die Republika Srpska, die Föderation Bosnien und Herzegowina sowie der Distrikt Brčko als Sonderverwaltungsgebiet.

Das Staatsgebiet liegt östlich des Adriatischen Meeres auf der Balkanhalbinsel und befindet sich nahezu komplett im Dinarischen Gebirge. Nachbarstaaten sind im Norden und Westen Kroatien, im Osten Serbien, und Montenegro im SĂŒdosten. Die bosnisch-herzegowinische Bevölkerung betrug 2013 gut 3,5 Millionen (siehe Bosnier und Herzegowiner). Hauptstadt und grĂ¶ĂŸte Stadt des Landes ist Sarajevo, weitere GroßstĂ€dte sind Banja Luka, Tuzla, Zenica, Bijeljina und Mostar.

Überblick

Der Staat ging in seiner heutigen Form aus dem Abkommen von Dayton (1995) hervor und ist laut diesem Rechtsnachfolger der Republik Bosnien und Herzegowina, die unmittelbar nach einem Referendum Anfang 1992 gegrĂŒndet wurde und wĂ€hrend des Bosnienkrieges das einzige international anerkannte von insgesamt vier Staatsgebilden auf dem Territorium Bosnien-Herzegowinas war. Der Vertrag von Dayton beendete den Krieg im Land und schuf einen einheitlichen, jedoch stark dezentralisierten (föderalistischen) Staat. Heute besteht Bosnien und Herzegowina aus den beiden EntitĂ€ten Föderation Bosnien und Herzegowina (mehrheitlich von Bosniaken und bosnischen Kroaten bevölkert) und Republika Srpska (mehrheitlich von bosnischen Serben bevölkert). Das Sonderverwaltungsgebiet Brčko wurde nachtrĂ€glich aus zu beiden EntitĂ€ten zugehörigen Anteilen der Vorkriegs-Großgemeinde Brčko geschaffen und fungiert heute als Kondominium beider EntitĂ€ten, verwaltet sich jedoch selbstĂ€ndig.

An Bosnien und Herzegowina grenzen insgesamt drei Staaten. Im Osten Serbien, im SĂŒdosten Montenegro, sowie im Norden, Westen und SĂŒdwesten Kroatien. Des Weiteren hat der Staat bei Neum im Neum-Korridor einen kurzen, unter 25 Kilometer langen KĂŒstenstreifen an der Adria.

Bosnien und Herzegowina ist Mitglied des MitteleuropĂ€ischen Freihandelsabkommens, der Vereinten Nationen, der Organisation fĂŒr Islamische Zusammenarbeit (Beobachterstatus), des Europarates, Teilnehmer der Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und des Kooperationsrates fĂŒr SĂŒdosteuropa. Des Weiteren ist das Land seit 2010 offizieller Beitrittskandidat fĂŒr eine NATO-Mitgliedschaft und potentieller Beitrittskandidat der EuropĂ€ischen Union.

Geographie

Bosnien und Herzegowina liegt im westlichen Teil der Balkanhalbinsel und ist in weiten Teilen durch eine bewaldete Mittelgebirgslandschaft geprĂ€gt, wobei die höchsten Berge Höhen von fast 2400 Metern ĂŒber dem Meeresspiegel erreichen. Ein Teil des Berglandes, insbesondere in den westlichen Landesteilen und der Herzegowina, ist verkarstet. Das hier anfallende OberflĂ€chenwasser gelangt nicht in die großen Flusssysteme, sondern versickert grĂ¶ĂŸtenteils. Im SĂŒden sowie in der nördlich gelegenen Save-Niederung gibt es auch flachere Regionen, die landwirtschaftlich genutzt werden. Ebenfalls im SĂŒden befindet sich die 20 Kilometer lange Adria-KĂŒste bei Neum.

Grenzen

Bosnien und Herzegowina hat eine insgesamt 1538 Kilometer lange Außengrenze zu seinen drei Nachbarstaaten. Davon entfallen

  • 932 Kilometer auf Kroatien, welches das Land in einem Bogen nördlich und westlich umgibt; diese Grenze ist Teil der EU-Außengrenze,
  • 357 Kilometer auf Serbien im Osten und
  • 249 Kilometer auf Montenegro im SĂŒdosten.

Der einzige Zugang zum Meer ist der Neum-Korridor, ein Gebietsstreifen, der das kroatische Staatsgebiet auf einer Breite von etwa 7,5 Kilometern unterbricht. Der sĂŒdliche Teil Kroatiens mit der Stadt Dubrovnik ist ĂŒber den Landweg bislang nur ĂŒber das Gebiet Bosnien-Herzegowinas bzw. von Osten aus Montenegro zu erreichen. Ab 2022 soll die PeljeĆĄac-BrĂŒcke eine Straßenverbindung zwischen den beiden Teilen Kroatiens schaffen, die den Neum-Korridor umgeht.

Bosnien und Herzegowina ist aufgrund seiner zentralen Lage die einzige ehemalige jugoslawische Teilrepublik, die ausschließlich von anderen ehemaligen Teilrepubliken umgeben ist.

Geomorphologie

Die höchstgelegenen Gebiete des Landes befinden sich im SĂŒdosten, an der historischen Grenze zwischen Bosnien und der Herzegowina. Der Gipfel des sĂŒdlich von Foča an der montenegrinischen Grenze gelegenen Maglić-Massivs ist mit 2386 Metern der höchste Punkt. Der Rest des Landes ist vorwiegend von Mittelgebirgslandschaft geprĂ€gt.

Klima

Bosnien und Herzegowina liegt im Übergangsgebiet zwischen mediterranem und kontinentalem Klima. Die Winter können sehr kalt werden und Temperaturen bis zu −20 Grad Celsius sind keine Seltenheit. Die Sommer sind aufgrund der Lage des Landes ĂŒberwiegend sehr heiß und trocken.

Landschaftszonen

Das Land lÀsst sich nach den Klimazonen in drei Landschaftszonen einteilen.

Die pannonische Tiefebene

An der Nordgrenze hat Bosnien und Herzegowina Anteil an der Pannonischen Tiefebene, die sich hier im Bereich der Save-Niederung erstreckt.

Die dinarische Gebirgsregion

Die Dinarische Gebirgsregion, auch „Bosnische Dinariden“ genannt, erstreckt sich von SĂŒdosten des Landes quer ĂŒber die Mittelregion bis hin zum Nordwesten. GeprĂ€gt wird diese Landschaft von zahlreichen Bergen, die weniger verkarstet, sondern mit WaldoberflĂ€chen bedeckt sind. In dieser Landschaftszone befinden sich unter anderem StĂ€dte wie Sarajevo, Zenica und Bihać. Diese Gebiete sind im Sommer meist sehr warm mit bis zu 35 °C und im Winter kalt, wobei die Temperatur auch auf −15 °C sinken und viel Schnee fallen kann.

Die adriatische KĂŒstenregion

Die Herzegowina ist zumeist Teil der adriatischen KĂŒstenregion. Die von mediterranen EinflĂŒssen geprĂ€gte Herzegowina besteht hauptsĂ€chlich aus Karst bzw. verkarsteten GebirgszĂŒgen. Der Fluss Neretva, der aus der nordöstlichen Herzegowina durch Mostar in Richtung AdriakĂŒste fließt, ist der grĂ¶ĂŸte und bekannteste dieser Region.

GewÀsser

Die wichtigsten FlĂŒsse des Landes sind Save und Drina, die Bosnien und Herzegowina im Norden und Osten begrenzen, sowie die Bosna, welche im Landesinneren entspringt und in die Save mĂŒndet. Fast das gesamte Gebiet Bosniens gehört zum Einzugsgebiet der Save bzw. des Schwarzen Meeres, wĂ€hrend die FlĂŒsse der Herzegowina – zum Teil unterirdisch – in die Adria entwĂ€ssern.

Die TĂ€ler der grĂ¶ĂŸeren FlĂŒsse Bosniens erstrecken sich fast ausschließlich in Nord-SĂŒd-Richtung, was fĂŒr die Siedlungs- und Verkehrsgeschichte des Landes von Bedeutung ist. Zu den grĂ¶ĂŸeren FlĂŒssen zĂ€hlen die Una und Sana, der Vrbas und die Neretva. Abgesehen von der Save an der Grenze zu Kroatien ist kein Fluss in Bosnien und Herzegowina schiffbar.

Bosnien und Herzegowina liegt im Blauen Herz Europas.

Bosnien und Herzegowina hat wenige bedeutende Seen. Die meisten großen StillgewĂ€sser wurden kĂŒnstlich angestaut. Große Stauseen gibt es an Drina (z. B. Zvorniksee), Neretva (Jablaničko jezero), Vrbas und TrebiĆĄnjica (Bilećko jezero). Auch der Modračko jezero bei Lukavac im Kanton Tuzla ist ein Stausee.

Landnutzung

Nur ein knappes FĂŒnftel der LandesflĂ€che ist fĂŒr den Ackerbau geeignet. Diese FlĂ€chen befinden sich vor allem entlang der Save, am Unterlauf der Neretva und in den Poljen der Herzegowina.

Natur

Die Tier- und Pflanzenwelt des Landes ist artenreich und vielfÀltig. Die Flora und Fauna des Landes profitiert von der geringen Bevölkerungsdichte und den unbewohnten Landstrichen. Um die 60 Prozent der FlÀche von Bosnien und Herzegowina sind bewaldet, besonders das Gebirge ist sehr waldreich. Durch die schwere ZugÀnglichkeit ist die Natur auch wenig bedroht. So konnte der Lebensraum vieler seltener Tiere und Pflanzen erhalten werden.

Flora

Viele bedrohte Pflanzenarten haben in den Hochgebirgen des Landes einen Lebensraum. Im Nationalpark Sutjeska am gleichnamigen Fluss befindet sich der Perućica-Urwald – einer der grĂ¶ĂŸten, die noch in Europa erhalten sind. Im Bereich des Dinarischen Gebirges gilt eine Höhe von 500 bis 1000 Metern als Niedrigzone. In diesem Bereich sind Eichen- und Buchenbewaldung typisch. In der Höhe von 1500 Metern kommt eine Buchen-, Fichten-, Tannen- und Kieferbewaldung vor. Ein Baum, der in fast allen Gebirgen des Landes vorkommt, ist die Waldkiefer. Eine Mischung aller dieser Baumarten findet man vor, wenn bewaldete Bereiche schon in niedriger Höhe beginnen und sich nach oben fortsetzen. In diesem Falle spricht man von einer Illyrischen Florenprovinz.

Man kann in allen Bereichen der Hochzone GebirgsgewĂ€chse wie beispielsweise Windröschen, Thymian und Katzenkraut antreffen. Sie sind wie die klassische Alpenflora auf Bergen des Landes zu finden. Eine Besonderheit sind die durch HöhleneinbrĂŒche entstandenen Dolinen. Auf den großen FlĂ€chen der Dolinen findet man typische Pflanzen einer kĂ€lteren Gebirgslandschaft, wĂ€hrend auf den RĂ€ndern mittelmeertypische Pflanzen wachsen. Ein gutes Beispiel fĂŒr die Flora des Landes ist das Gebirge BjelaĆĄnica. Man trifft am Fuße des Berges verschiedene Laubbaumarten wie Eichen, Trauben- bzw. Wintereichen, Weißdorn und Schwarzbuchen an. In den höheren Regionen herrscht ein Mischwald mit Buchen und Tannen.

Der Walnussbaum ist in SĂŒdosteuropa heimisch und in der Niedrigzone weit verbreitet. Die Hochgebirge weisen ĂŒberwiegend Wacholder auf, welcher außerordentlich widerstandsfĂ€hig gegen KĂ€lte ist. Im FrĂŒhling kann man eine große Zahl an Blumen finden. Typische Vertreter sind Veilchen, Enziane, Narzissen, Kamille, BĂ€rlauch, duftende SchlĂŒsselblumen, Natternköpfe und StiefmĂŒtterchen. Viele bereits weitrĂ€umig ausgestorbene Blumen haben sich in Bosnien und Herzegowina eingebĂŒrgert, wie beispielsweise die OrchideengewĂ€chse am ProkoĆĄkosee. Manche kalkhaltige Böden bieten ideale Bedingungen fĂŒr OrchideengewĂ€chse wie z. B. fĂŒr das rote Waldvöglein oder die Berghyazinthe. Wegen des warmen Klimas gedeihen in dieser Region auch LiliengewĂ€chse. Zum Beispiel wachsen in Bosnien und Herzegowina einige seltene Vertreter der Gattung Tulipa, wie z. B. die Tulipa biflora, die von Kroatien bis Albanien verbreitet ist oder die Tulipa orphanidea, welche eine Seltenheit ist und von der unberĂŒhrten Natur profitiert.

Zudem weist das Land eine beachtliche Anzahl an Endemiten auf. Das Lilium carniolicum var. bosniacum ist im zentralen Bosnien auf kalkhaltigen Böden endemisch. Lange war seine Klassifikation unklar, was dazu fĂŒhrte, dass man es als Unterart bzw. VarietĂ€t zu den PyrenĂ€en-Lilien oder als Synonym zu den Lilia chalcedonica zĂ€hlte. Erst nach molekulargenetischen Untersuchungen wurde es schließlich der Krainer Lilie zugeordnet. Eine Pflanze, die auch lange ohne eindeutige Zuordnung war und in Bosnien gedeiht, ist Lilium jankae. Das Vorkommen reicht bis hin zu den Rhodopen.

Fauna

Aale kann man z. B. in Hutovo Blato antreffen. Hutovo Blato ist ein Naturpark, zu dem viele kleine Seen und SĂŒmpfe gehören. Auch eine große Anzahl anderer Wassertierarten, besonders zahlreiche Krebsarten, kommen vor.

Von vielen verschiedenen Schlangenarten, die man in Bosnien und Herzegowina antreffen kann, sind zwei giftig. Zu den giftigen gehören die EuropĂ€ische Hornotter und die Kreuzotter. Die Vierstreifennatter ist eine der ungiftigen Arten. Neben Schlangen lebt auch eine große Anzahl anderer Reptilien wie z. B. Echsen in Bosnien und Herzegowina.

Die faszinierende Vogelwelt hat sich in den bosnischen Gebirgen gut erhalten. Der GrĂŒnspecht ist in den LaubwĂ€ldern und der Schwarzspecht in den NadelwĂ€ldern des Landes heimisch. GĂ€nsegeier sind in einigen Bergen wie z. B. der BjelaĆĄnica beheimatet. Zu den wichtigsten Greifvögeln des Landes gehören die Steinadler sowie die Falkenarten. Der Steinadler ist in KĂŒstennĂ€he und in den vielen vorkommenden Gebirgen beheimatet. Der Turmfalke ist in ganz Bosnien und Herzegowina anzutreffen. Der Lannerfalke kommt in einigen wenigen Brutpaaren in Herzegowina vor. Auch sind unzĂ€hlige Insekten- und KĂ€fergattungen im Land vertreten.

Das grĂ¶ĂŸte Tier des Landes ist der vom Aussterben bedrohte BraunbĂ€r, von dem rund 2800 Exemplare in Bosnien und Herzegowina leben.

Bevölkerung

Die StaatsbĂŒrger Bosnien und Herzegowinas werden als Bosnier bezeichnet. Damit sind Bosniaken und Kroaten wie auch Serben gemeint, die in Bosnien und Herzegowina beheimatet sind. Dagegen werden mit dem Begriff Bosniaken ausschließlich die bosnischstĂ€mmigen Muslime bezeichnet. Alle zĂ€hlen zu den „drei konstituierenden Völkern“ des Landes und sind offiziell gleichberechtigt.

Die Lebenserwartung betrug im Zeitraum von 2010 bis 2015 76,3 Jahre (MĂ€nner: 73,7, Frauen: 78,8 Jahre). Die FertilitĂ€tsrate pro Frau lag 2016 bei 1,28 Kinder pro Frau und war damit eine der niedrigsten der Welt. Die Bevölkerung sinkt seit den 1990er Jahren infolge des Krieges, aufgrund von Auswanderung und wegen der niedrigen Geburtenrate. FĂŒr 2050 wird noch mit knapp 3 Millionen Einwohnern gerechnet. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung wĂ€re dann mit ĂŒber 50 Jahren eines der höchsten der Welt.

Entwicklung der Bevölkerung

Quelle: UN

Volksgruppen

Die VolkszĂ€hlung 2013 ergab einen Anteil von 50,1 Prozent Bosniaken (grĂ¶ĂŸtenteils Muslime), 30,8 Prozent Serben (grĂ¶ĂŸtenteils Orthodoxe) sowie 15,4 Prozent Kroaten (grĂ¶ĂŸtenteils Katholiken). Der Rest der Bevölkerung gehört entweder einer der 17 offiziell anerkannten Minderheiten wie Roma und Juden an oder gab keine ethnische Zuordnung an. Die ethnische Selbstzuordnung der Bosnier basiert hauptsĂ€chlich auf ihrer Religionszugehörigkeit und der teils damit verbundenen kulturellen Unterschiede. Eine sprachliche Trennung gibt es innerhalb Bosniens nicht, da alle Volksgruppen ijekavisch-neuĆĄtokavische Dialekte des Serbokroatischen sprechen. Seit den Jugoslawienkriegen bezeichnen sie ihre Sprache jedoch in der Regel analog zur ethnischen Zugehörigkeit als Bosnisch, Kroatisch oder Serbisch und verwenden den entsprechenden schriftsprachlichen Standard.

Im Jahre 2017 waren 1,1 % der ansÀssigen Bevölkerung im Ausland geboren.

Sprachen

Die Einwohner Bosniens und der Herzegowina sprechen meist ijekavische VarietĂ€ten der ĆĄtokavischen Dialektgruppe, die sich untereinander kaum unterscheiden. In der geschriebenen Form werden gemĂ€ĂŸ der offiziellen Aufteilung der Bevölkerung in drei konstituierende Völker – Bosniaken, Kroaten und Serben – die eng miteinander verwandten Standardsprachen Bosnisch, Serbisch und Kroatisch verwendet. Je nach Sichtweise werden diese Sprachen auch zusammenfassend als Serbokroatisch bezeichnet.

Die drei Standardsprachen lassen sich insbesondere hinsichtlich ihrer Schrift unterscheiden. So wird Serbisch in Bosnien und Herzegowina vorwiegend in kyrillischer und in geringerem Maße auch in lateinischer Schrift geschrieben, Kroatisch dagegen ausschließlich mit dem lateinischen Alphabet. Bosnisch kann in beiden Schriftsystemen geschrieben werden, das lateinische wird jedoch im Allgemeinen bevorzugt. Im zeitlichen Umfeld des Bosnienkrieges kam die kyrillische Schrift bei bosnischen Serben vermehrt zur Anwendung, was vor allem in der gewĂŒnschten Abgrenzung von den anderen beiden Bevölkerungsgruppen begrĂŒndet liegt. So war die kyrillische Schrift in der Republika Srpska zwischenzeitlich konsequenter in Gebrauch als in Serbien selbst.

Sprachlich sind die Unterschiede zwischen den drei Varianten sehr gering; sie beschrĂ€nken sich auf einen kleinen Teil des Wortschatzes und betreffen gewisse Lautungen. So enthĂ€lt die bosnische Standardsprache (ebenso wie die serbische Sprache) mehr Wörter osmanischer beziehungsweise tĂŒrkischer Herkunft wie etwa majmun (Affe).

Neben den ƥtokavischen Dialekten sind bei den kleineren Volksgruppen, z. B. den Roma, eigene Sprachen in Gebrauch.

Religionen

In Bosnien und Herzegowina gibt es seit Jahrhunderten ein Nebeneinander verschiedener Religionen und Glaubensrichtungen. Die meisten Einwohner werden formell einer der zwei großen monotheistischen Religionsgemeinschaften (Christentum und Islam) zugerechnet: Muslime (nach dem Zensus 2013 ca. 50,7 %, meist ethnische Bosniaken), mehrheitlich serbische orthodoxe Christen (2013 ca. 30,7 %) sowie mehrheitlich kroatische römisch-katholische Christen (ca. 15,2 %). FĂŒr viele Einwohner ist diese Zuordnung aber seit der jugoslawischen Zeit eher Ausdruck einer kulturellen, historischen oder familiĂ€ren Verbundenheit als einer tatsĂ€chlichen ReligiositĂ€t. Nach der VolkszĂ€hlung von 2013 sind 0,3 % Agnostiker und 0,8 % Atheisten. 2,3 % der Gesamtbevölkerung des Landes gehören anderen Gruppen wie dem Protestantismus an, gaben nichts an, oder gaben keine Antwort.

1991 waren noch 42,8 Prozent Muslime, 30,1 Prozent Serbisch-Orthodoxe und 17,6 Prozent Katholiken. 5,7 Prozent bezeichneten sich als Atheisten; die restlichen 3,8 Prozent zÀhlten zu anderen Glaubensrichtungen oder waren konfessionslos.

Im Jahr 2008 lebten rund 1000 Juden in Bosnien und Herzegowina, etwa 900 Sepharden und 100 Aschkenasi. Die grĂ¶ĂŸte Gemeinde ist die von Sarajevo mit etwa 700 Mitgliedern. 1400 der 2000 im Bosnienkrieg aus Sarajevo vor allem nach Israel geflĂŒchteten Juden haben immer noch die bosnische StaatsbĂŒrgerschaft. 600 von ihnen möchten laut einer von 2012 bis 2014 dauernden Forschungsarbeit wieder nach Sarajevo zurĂŒckkehren. Laut der Befragung sehen die Juden Bosnien und Herzegowina nach Israel als fĂŒr sie zweitsichersten Staat der Welt an und bewerten die Sicherheitslage mit einer Schulnote von 1,3.

Siehe auch: Bosnische Franziskanerprovinz

Schulwesen und Bildung

Es besteht Schulpflicht bis zur neunten Schulklasse. Die Absolventen können sich im Anschluss daran fĂŒr eine dreijĂ€hrige Berufsausbildung oder fĂŒr eine drei- bis vierjĂ€hrige Sekundarschulausbildung an Gymnasien, kirchlichen Schulen, Kunstschulen, technischen Schulen oder Lehrerbildungsinstituten entscheiden. Der Zugang zu den UniversitĂ€ten steht nach Bestehen einer AufnahmeprĂŒfung den Absolventen einer Sekundarschule sowie – eingeschrĂ€nkt – Absolventen von Berufsschulen offen.

Die ZustĂ€ndigkeit der Kantone (innerhalb der Föderation) und der Republika Srpska fĂŒr die Kultur- und Bildungspolitik fĂŒhrt zu einem zersplitterten Bildungssystem mit teilweise ethnozentrisch bestimmten LehrplĂ€nen. In Gebieten mit ethnisch gemischter Bevölkerungsstruktur werden SchĂŒler hĂ€ufig nach Volksgruppen getrennt unterrichtet. UniversitĂ€ten gibt es in Sarajevo, Ost-Sarajevo (Pale), Banja Luka, Mostar (die kroatisch dominierte SveučiliĆĄte Mostar und die bosniakisch dominierte UniversitĂ€t „DĆŸemal Bijedić“), Tuzla, Zenica und Bihać.

2015 konnten 98,5 Prozent der Bevölkerung lesen und schreiben.

Geschichte

Bosnien und Herzegowina besteht aus zwei historischen Regionen, die aber keine Beziehung zu der heutigen Einteilung in EntitĂ€ten haben: Bosnien und die Herzegowina. Der Landesname Bosnien leitet sich vom Fluss Bosna ab, der nahe der Hauptstadt Sarajevo entspringt. Der Name Herzegowina geht auf den von Stjepan Vukčić Kosača verwendeten Herrschertitel Herceg = Herzog (Hercegovina=Herzogsland) zurĂŒck.

Vorgeschichte

Die Region wurde sehr frĂŒh von Menschen besiedelt. ArchĂ€ologische Funde zeugen von den ersten Hochkulturen in Bosnien. Die Butmir-Kultur ist eine archĂ€ologische Kultur des Neolithikums in der Region von IlidĆŸa. Sie besaß eine einzigartige Keramik und gehört zu den am besten erforschten Kulturen Europas aus der Zeit von ca. 5500 bis 4500 v. Chr. Die besterforschte Siedlung der Butmir-Kultur liegt am Rand des Ortsteiles OkoliĆĄte der Gemeinde Visoko. Dort konnte durch zahlreiche Ausgrabungen zwischen 1966 und 2008 eine Siedlung der Butmir-Kultur in ihrer Entwicklung ĂŒber 500 Jahre (5200 bis 4700 v. Chr.) vollstĂ€ndig erfasst und dokumentiert werden. Die geborgenen GegenstĂ€nde befinden sich heute im Nationalmuseum von Bosnien und Herzegowina.

SpĂ€ter waren die Illyrer prĂ€gende Bewohner im Gebiet des heutigen Bosnien und Herzegowina und die ersten, ĂŒber die historische Informationen vorliegen. In der Antike war Bosnien lange Teil des Römischen Reiches in der Provinz Illyrien. Die Illyrer besiedelten die westliche HĂ€lfte der Balkanhalbinsel und damit auch Bosnien in der Bronzezeit (um 1200–1100 v. Chr.). ArchĂ€ologische Forschungen haben gezeigt, dass die StĂ€mme vor allem Viehzucht und weniger Ackerbau betrieben. Auch Bergbau (Silber) wurde in Bosnien schon durch die Illyrer betrieben.

Mittelalter

Im 7. Jahrhundert wurde die Region von slawischen Völkern besiedelt. Bereits im 9. Jahrhundert wurde Bosnien erstmals urkundlich als eine Region (Banat) erwĂ€hnt. Aus dem Banat Bosnien entstand ein Königreich, das erst ab dem 12. Jahrhundert als gefestigtes Territorium zu fassen ist. SpĂ€testens in der Zeit kurz vor 1250 setzte sich das FĂŒrstenhaus Kotromanić durch.

Osmanisches Reich

1463 wurde Bosnien von den Osmanen erobert. Durch die Einwanderung der Osmanen nach Bosnien entstanden viele Moscheen und es kam vermehrt zu Konversionen der christlichen Bevölkerung zum Islam, was dazu fĂŒhrte, dass Bosnien aufgrund des höheren Anteils an muslimischer Bevölkerung einen Sonderstatus im Osmanischen Reich genoss. Im Jahre 1527 wurde das Eyalet Bosnien gegrĂŒndet, welches das Gebiet des heutigen Gesamtstaates Bosnien-Herzegowina, Teile Kroatiens, Montenegros, sowie den Sandschak von Novi Pazar umfasste, woraus um 1580 letztendlich das Paschalik Bosnien resultierte. Gebrochen und wieder abgeschĂŒttelt wurde die osmanische Macht durch den Massenaufstand der bosnischen Bevölkerung 1876/78.

Habsburgermonarchie und Erster Weltkrieg

1878 stellte der Berliner Kongress nach dem Sieg der Russen ĂŒber die Osmanen die osmanischen Provinzen Bosnien und Herzegowina unter österreichisch-ungarische Verwaltung; zusĂ€tzlich erhielt Österreich-Ungarn Garnisonsrecht im Sandschak von Novi Pazar. Die formale Annexion durch die Habsburger Doppelmonarchie im Jahre 1908 löste die Bosnische Annexionskrise aus. SelbstĂ€ndigkeitsbestrebungen hatten es auch wegen der ethnischen und religiösen Mischung schwer. Das darauf beruhende Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand 1914 in Sarajevo durch den bosnisch-serbischen Studenten Gavrilo Princip löste die Julikrise aus, die schließlich zum Ersten Weltkrieg fĂŒhrte. Daher wird es als ein wesentlicher Auslöser des Ersten Weltkrieges angesehen. Nach Kriegsende wurde das Land Bestandteil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (ab 1929: Königreich Jugoslawien).

Königreich Jugoslawien (1918–1941)

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg wurde Bosnien und Herzegowina Teil des Königreichs Jugoslawien. Im neu gegrĂŒndeten sĂŒdslawischen Vielvölkerstaat herrschte der aus Serbien stammende König Petar I. (Petar Karađorđević). Im Gesamtstaat selbst war die politische Stimmung ab Mitte der 1920er Jahre angespannt, weil vor allem Slowenen und Kroaten nach einer eigenen politischen UnabhĂ€ngigkeit strebten, wĂ€hrend Belgrad den neu gegrĂŒndeten Staat serbisch dominieren wollte. In Bosnien und Herzegowina war die Situation dementsprechend, hier allerdings zwischen den bosnischen Muslimen, Kroaten und Serben.

Der Staat zeichnete sich durch Zentralismus aus; der Autonomiegedanke hinsichtlich nichtserbischer Ethnien und nichtchristlicher Religionen blieb weitgehend unterdrĂŒckt; die ethnischen und die konfessionellen bzw. religiösen Spannungen blieben bestehen und verschĂ€rften sich zum Teil noch. Der einflussreichste bosnische Politiker in dieser Zeit war der PrĂ€sident der Jugoslawischen Muslimischen Organisation, Mehmed Spaho (1883–1939).

1939 kam es zu einem Abkommen (sporazum) zwischen serbischen und kroatischen Vertretern, welches die Einrichtung einer weitgehenden kroatischen Autonomie unter Einbeziehung von Teilen Bosniens und der Herzegowina vorsah. Im FrĂŒhjahr 1941, wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges, wurde das Land von Truppen des Deutschen Reiches und Italiens besetzt. Bosnien-Herzegowina wurde ein Teil des faschistischen Vasallenstaates namens UnabhĂ€ngiger Staat Kroatien.

Der erfolgreiche Widerstand der von Josip Broz Tito gefĂŒhrten jugoslawischen Partisanen gegen die Besatzer und ihre VerbĂŒndeten gipfelte in den AVNOJ-BeschlĂŒssen vom 29. November 1943 in Jajce, in denen der Grundstein fĂŒr eine neue Föderation sĂŒdslawischer Völker unter der FĂŒhrung der Kommunistischen Partei Jugoslawiens KPJ gelegt wurde.

Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (1945–1992)

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand mit der GrĂŒndung der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien ein Bundesstaat mit den sechs Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Mazedonien und Serbien mit den Autonomen Provinzen Kosovo und Vojvodina. Die Sozialistische Republik Bosnien und Herzegowina war flĂ€chenmĂ€ĂŸig die drittgrĂ¶ĂŸte Teilrepublik. Ökonomisch betrachtet lag Bosnien-Herzegowina in Jugoslawien hinter den Teilrepubliken Slowenien, Kroatien sowie Serbien, da es hauptsĂ€chlich auf den industriellen Sektor und teils auf landwirtschaftlichen Betrieb ausgelegt war, im Kontrast zu Slowenien und Kroatien, die vor allem auf den Tourismus ausgelegt waren.

UnabhÀngigkeit und Bosnienkrieg

Nach dem 14. Kongress des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens im Jahr 1990 wurde die Kommunistische Partei Jugoslawiens aufgelöst. Damit endete nach 45 Jahren de facto die Herrschaft der Kommunistischen Partei in Jugoslawien. Slowenische und kroatische Politiker schlugen eine Umgestaltung des Landes vor. Sie wollten den Sozialismus beseitigen und eine westlich orientierte demokratische Regierung ins Leben rufen. Da alle VorschlĂ€ge von serbischer Seite abgelehnt wurden und fĂŒr ein System nach dem Prinzip „ein Mann – eine Stimme“ propagiert wurde, kam es wĂ€hrend des Kongresses zu heftigen Streitigkeiten. Deshalb erklĂ€rten Slowenien und Kroatien im Jahr 1991 ihre UnabhĂ€ngigkeit, so dass Jugoslawien nunmehr nur noch aus den Teilrepubliken Serbien, Montenegro, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina bestand. Am 29. Februar/1. MĂ€rz 1992 stimmten in Bosnien und Herzegowina bei einem von der serbischen Bevölkerung weitgehend boykottierten Referendum 99,4 % der Abstimmenden fĂŒr eine staatliche SouverĂ€nitĂ€t, bei einer Wahlbeteiligung von 63 %. So erklĂ€rte das Land am 2. MĂ€rz 1992 seinen Austritt aus dem jugoslawischen Staatsverband und seine UnabhĂ€ngigkeit unter dem offiziellen Namen Republik Bosnien und Herzegowina (Republika Bosna i Hercegovina) in den Grenzen der vorherigen Teilrepublik. Die internationale Anerkennung erfolgte am 17. April 1992, jedoch erkannten die serbischen Vertreter die UnabhĂ€ngigkeit nicht an und grĂŒndeten in den von ihnen kontrollierten Gebieten die „Serbische Republik Bosnien und Herzegowina“ (Srpska republika Bosna i Hercegovina), die der VorgĂ€nger der heutigen Republika Srpska ist. Der nunmehr ausbrechende und ĂŒber drei Jahre andauernde Bosnienkrieg zwischen der Armee der Republik Bosnien und Herzegowina (ARBiH), der Armee der serbischen Republik (VRS), dem Kroatischen Verteidigungsrat (HVO) und weiteren Akteuren forderte insgesamt etwa 100.000 Todesopfer.

Nachkriegszeit

Am Ende des Bosnienkrieges stand der 1995 in Dayton (USA) paraphierte und in Paris am 14. Dezember unterzeichnete Dayton-Vertrag, der den nunmehr föderal organisierten Staat Bosnien und Herzegowina schuf, bestehend aus den beiden EntitĂ€ten Föderation Bosnien und Herzegowina und Republika Srpska. Die innenpolitische Situation war jedoch weiter von den Folgen des Krieges und den anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen den drei Volksgruppen bestimmt (siehe Internationale Konflikte der Nachfolgestaaten Jugoslawiens). Zwar bestehen in der Regel keine Konflikte zwischen den bosnischen NormalbĂŒrgern, allerdings steckt das Land weiterhin in einer politischen Krise, da verschiedene Vorstellungen ĂŒber die Zukunft des Staates bestehen. Vor allem bosniakische Politiker möchten den Gesamtstaat wieder zentralisieren und mittelfristig in die EuropĂ€ische Union integrieren; kroatische Vertreter setzen sich fĂŒr ein neues Wahlrecht und teilweise fĂŒr die Schaffung einer dritten (kroatischen) EntitĂ€t ein und die Vertreter der Republika Srpska fordern eine weitere Dezentralisierung des Staates oder sogar die Abspaltung der Republika Srpska. Keines der drei Modelle fand bisher eine politische Mehrheit im Gesamtstaat.

Im Februar 2014 kam es zunÀchst in Tuzla und spÀter in zahlreichen weiteren StÀdten des Landes zu teils gewalttÀtigen Protesten, die sich gegen die schlechte wirtschaftliche Situation und die Korruption in Politik und Verwaltung richteten.

Politik

Politisches System

Das politische System wird von Wissenschaftlern und Journalisten hĂ€ufig als „kompliziertestes Regierungssystem der Welt“ bezeichnet. Der Gesamtstaat, die EntitĂ€ten und die 10 Kantone haben jeweils eigene legislative und exekutive Strukturen. Dazu unterliegt das Land noch einem internationalen Mandat, siehe Abschnitt Gliederung des Staates.

Faktisch ĂŒbt einen Teil der Staatsgewalt der Hohe ReprĂ€sentant – seit August 2021 der Deutsche Christian Schmidt – als Vertreter der internationalen Gemeinschaft aus, was damit begrĂŒndet wird, dass infolge des im Krieg entstandenen gegenseitigen Misstrauens unter den Verantwortlichen der Volksgruppen nach wie vor eine Blockadehaltung vorherrsche. Außerdem sind nach wie vor rund 1000 auslĂ€ndische Soldaten im Rahmen der EUFOR-Operation „Althea“ in Bosnien und Herzegowina stationiert.

Die volle rechtliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Geschlechter und damit das aktive und passive Frauenwahlrecht wurden erstmals in der Verfassung von 1946 (nach einer abweichenden Quelle fĂŒr das aktive und passive Frauenwahlrecht: 31. Januar 1949) garantiert.

Politische Indizes

Parteien

Die Parteienlandschaft von Bosnien und Herzegowina ist durch die innere Spaltung zersplittert. WĂ€hrend die Regierungsparteien relativ ĂŒberschaubar sind, befinden sich viele unterschiedliche Parteien in der Opposition.

Zu den stÀrksten bosniakischen Parteien zÀhlen die SDA und SBIH, wobei die SBIH sich als einheitliche Partei Bosnien-Herzegowinas bezeichnet. Auf serbischer Seite dominiert die Partei des Sozialdemokraten Milorad Dodik SNSD, wÀhrend bei den Kroaten die HDZ 1990 und HDZ BIH bei den meisten Wahlen ins Parlament gewÀhlt worden sind.

Wahlen 2006 und Beitrittsverhandlungen mit der EuropÀischen Union

Die Wahlen am 1. Oktober 2006 galten als zukunftsweisend, weil die internationale Gemeinschaft 2007 den Hohen ReprĂ€sentanten abziehen und Bosnien und Herzegowina in die volle SouverĂ€nitĂ€t ĂŒberfĂŒhren wollte. Im Nachhinein wurde dieses Vorhaben zunĂ€chst um ein weiteres Jahr verschoben. In das StaatsprĂ€sidium wurden der Bosniake Haris SilajdĆŸić von der Partei fĂŒr Bosnien und Herzegowina (SBiH), der Serbe NebojĆĄa Radmanović vom Bund der UnabhĂ€ngigen Sozialdemokraten (SNSD) und der Kroate Ćœeljko KomĆĄić von den multi-ethnischen Sozialdemokraten gewĂ€hlt. KomĆĄić schlug in einem Kopf-an-Kopf-Rennen seinen Kontrahenten von der nationalistischen Kroatischen Demokratischen Union in Bosnien und Herzegowina (HDZ BiH). Nationalistische kroatische Gruppen hatten daraufhin protestiert, KomĆĄić könne nicht kroatische Interessen vertreten, da in erster Linie Mitglieder anderer Volksgruppen fĂŒr ihn gestimmt hĂ€tten. Die bosnisch-serbische Partei SNSD hatte vor den Wahlen erneut ein Referendum fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit der Republika Srpska gefordert, falls die Forderungen nach einer stĂ€rkeren Zentralisierung nicht aufhörten. SilajdĆŸić setzte sich fĂŒr eine VerfassungsĂ€nderung ein, die ein Zusammenwachsen Bosniens in einen „funktionsfĂ€higen“ Staat ermöglichen solle. Dies wird teilweise so interpretiert, dass er die Existenz der EntitĂ€ten infrage stellte. Im Januar 2008 bekrĂ€ftigte der Vorsitzende des SNSD, Milorad Dodik, die Zugehörigkeit der Republika Srpska zum Gesamtstaat und seinen Willen, diesen aufrechtzuerhalten. Im Jahr 2010 hatte Dodik jedoch mehrfach von einer möglichen Abspaltung der serbischen LandeshĂ€lfte gesprochen beziehungsweise davon, dass er dem Fortbestand Bosniens keine Chancen einrĂ€ume.

Ende Februar 2008 beschlossen EU-Vertreter gemeinsam mit Gesandten der USA und Russlands, den Hohen ReprĂ€sentanten auf unbestimmte Zeit im Land zu lassen. Am 16. Juni 2008 wurde das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EuropĂ€ischen Union abgeschlossen, das als wichtige Vorstufe fĂŒr den angestrebten Beitritt zur EU gilt. Die Unterzeichnung wurde von einer Polizeireform abhĂ€ngig gemacht. Die Polizei beider Landesteile wurde aufgerufen intensiver miteinander zu kooperieren, insbesondere um weitere Kriegsverbrecher zu ĂŒberfĂŒhren. Seit 2003 agiert die European Union Police Mission (EUPM) in Bosnien und Herzegowina. PrimĂ€r ist sie fĂŒr die BekĂ€mpfung des organisiertem Verbrechens und fĂŒr die Beratung hinsichtlich der Polizeireform zustĂ€ndig.

Wahlen 2010 und verzögerte Regierungsbildung

Bei den allgemeinen Wahlen am 3. Oktober 2010 wurden zu Mitgliedern des StaatsprĂ€sidiums gewĂ€hlt: Ćœeljko KomĆĄić (bosnisch-kroatisches Mitglied), Bakir Izetbegović (bosnisch-bosniakisches Mitglied) und NebojĆĄa Radmanović (bosnisch-serbisches Mitglied). Bei dieser Wahl bestanden jedoch Zweifel, ob der Sieg in zwei FĂ€llen nicht durch Wahlbetrug zustande kam. Die Wahlkommission hatte eine NeuauszĂ€hlung der ungewöhnlich vielen als ungĂŒltig gewerteten Stimmen bei der Wahl des serbischen und des bosniakischen Mitglieds des StaatsprĂ€sidiums angeordnet. Nach NeuauszĂ€hlung wurden alle drei gewĂ€hlten Mitglieder des StaatsprĂ€sidiums bestĂ€tigt und in der konstituierenden Sitzung am 10. November 2010 wurde NebojĆĄa Radmanović zum ersten Vorsitzenden des StaatsprĂ€sidiums gewĂ€hlt.

Neben dem StaatsprÀsidium wurden das aus zwei Kammern bestehende gesamtstaatliche Parlament, die Parlamente der Bosniakisch-Kroatischen Föderation und der Republika Srpska, der PrÀsident des serbischen Teilstaates, seine beiden VizeprÀsidenten sowie in der Föderation die Parlamente der zehn Kantone gewÀhlt.

Nach den Wahlen im Oktober 2010 verhinderten Konflikte unter den fĂŒhrenden bosniakischen, serbischen und kroatischen Parteien die Bildung einer Regierung. Erst nach fast 15 Monaten, in denen u. a. der Internationale WĂ€hrungsfonds und die EuropĂ€ische Union ihre Kreditzahlungen ausgesetzt hatten, einigten sich die sechs großen Parteien der drei Volksgruppen Ende Dezember 2011 auf eine neue Regierung. WĂ€re die Einigung nicht vor dem 1. Januar 2012 zustande gekommen, hĂ€tten sĂ€mtliche Zahlungen aus dem Staatshaushalt eingestellt werden mĂŒssen. Medienberichten zufolge sollen sich die politischen Vertreter auch auf den Haushalt 2012 und einige EU-konforme Gesetze geeinigt haben. Anfang Januar 2012 wurde Vjekoslav Bevanda von der Kroatischen Demokratischen Union in Bosnien und Herzegowina (HDZ BiH) vom Parlament zum neuen MinisterprĂ€sidenten gewĂ€hlt.

Wahlen 2014 und Regierungsbildung 2015

Bei den Wahlen am 12. Oktober 2014 traten 51 politische Parteien, 14 andere BĂŒndnisse und 15 unabhĂ€ngige Kandidaten an. Die Wahlbeteiligung lag bei 54,14 Prozent, etwa 2 Prozentpunkte weniger als 2010.

Ins StaatsprĂ€sidium wurden gewĂ€hlt: Bakir Izetbegović als bosniakisches Mitglied mit 32,87 %, Dragan Čović als kroatisches Mitglied mit 52,2 % sowie Mladen Ivanić als serbisches Mitglied mit 48,71 %.

In den Wahlen fĂŒr das gesamtstaatliche Parlament gewannen die Sitze aus der Föderation folgende Parteien: SDA (27,87 %, 9 Sitze), DF (15,33 %, 5), SBB (14,44 %, 4), HDZ BiH Koalition (12,15 %, 4), SDP (9,45 %, 3), HDZ 1990 (4,08 %, 1), BPS (3,65 %, 1) und A-SDA (2,25 %, 1). Die Sitze der Republika Srpska gehen an SNSD (38,46 %, 6 Sitze), SDS (33,64 %, 5), PDP-NDP (7,76 %, 1), DNS (5,72 %, 1) und SDA (4,88 %, 1).

Bildung der gesamtstaatlichen Regierung 2015

Erst knapp sechs Monate nach der Wahl wurde die neue gesamtstaatliche Regierung gebildet und von einer FĂŒnfparteienkoalition des Abgeordnetenhauses bestĂ€tigt. Vorsitzender des Ministerrats und damit Regierungschef wurde Denis Zvizdić von der SDA. Die HDZ bekam drei der neun Ministerposten, obwohl sie bei den Wahlen nur 7,5 Prozent der Stimmen erhielt. Die multiethnische Demokratska Fronta (DF) stellte trotz 9,2 Prozent nur einen Minister. Außenminister wurde der Serbe Igor Crnadak. Die serbischen Parteien, die in der Regierung saßen, gelten als reformorientiert und nicht separatistisch. Die in der Republika Srpska fĂŒhrende SNSD wurde auf Gesamtstaatsebene ausgegrenzt.

Wahlen 2018 und Regierungsbildung 2019

Bei den Wahlen am 7. Oktober 2018 erlangten 14 Parteien bzw. BĂŒndnisse Sitze im Abgeordnetenhaus. Die Wahlbeteiligung lag bei 54,02 Prozent. In das dreiköpfige StaatsprĂ€sidium wurden als bosniakischer Kandidat Ć efik DĆŸaferović, als kroatischer Kandidat Ćœeljko KomĆĄić, und als serbischer Kandidat Milorad Dodik gewĂ€hlt. Erst 14 Monate spĂ€ter, im Dezember 2019 wurde eine neue Regierung mit den Koalitionspartnern SDA, SNSD, SBB, HDZ und DF im Parlament bestĂ€tigt. Die Regierungsbildung hatte sich vor allem deshalb in die LĂ€nge gezogen, weil sich politische KrĂ€fte in der Republika Srpska gegen die Unterzeichnung eines Arbeitsprogramms mit der NATO stemmten. Regierungschef (Vorsitzender des Ministerrats) wurde Zoran Tegeltija (SNSD, Allianz der UnabhĂ€ngigen Sozialdemokraten).

Menschenrechtssituation

Bosnien und Herzegowina hat die UN-Frauenrechtskonvention und das Zusatzprotokoll zur Frauenrechtskonvention ratifiziert. Die Todesstrafe ist abgeschafft. Die Internationale Helsinki-Föderation fĂŒr Menschenrechte stellte in ihrem Bericht 2008 fest, dass Diskriminierung in einigen Lebensbereichen wie bei der BeschĂ€ftigung stattfindet. Auch sei die Situation der Verteidiger der Menschenrechte alarmierend. Attacken gegen Journalisten seien eskaliert. Bei dem ersten Queer Festival zum Thema Menschenrechte und SexualitĂ€t im September 2007 sei einer Organisatorin mit dem Tod gedroht und acht Teilnehmer seien geschlagen worden. Vor dem Festival hĂ€tten Politiker, Geistliche und einige Medien eine Kampagne gegen die Veranstaltung gestartet.

Unter Berufung auf BH Journalists sprach der Report 2008 von 54 FĂ€llen, in denen die Rechte von Journalisten oder die Pressefreiheit verletzt worden waren. Es seien 25 FĂ€lle registriert worden, in denen Journalisten angegriffen oder bedroht wurden, auch mit dem Tod.

MilitÀr

Bis Ende 2005 lag die Verteidigungspolitik bei den beiden EntitĂ€ten. Seit 2006 unterstehen die StreitkrĂ€fte der StaatsprĂ€sidentschaft und dem 2004 geschaffenen Verteidigungsministerium der Staatsebene. Die gemeinsame Armee besteht aus bis zu 10.000 aktiven Berufssoldaten und einer etwa halb so starken „aktiven Reserve“. Neben den formal integrierten operativen Strukturen bestehen jeweils ein bosniakisches, serbisches und kroatisches Regiment, die die Traditionen der drei TeilstreitkrĂ€fte ARBiH, HVO und VRS fortfĂŒhren sollen. Die allgemeine Wehrpflicht wurde am 1. Januar 2006 aufgehoben. Angestrebt wird die Integration der StreitkrĂ€fte in europĂ€ische und euroatlantische Strukturen und die Beteiligung an UN-EinsĂ€tzen. 2006 trat Bosnien und Herzegowina der NATO-„Partnerschaft fĂŒr den Frieden“ bei. Im Oktober 2010 wurde ein aus 45 Mitgliedern bestehendes militĂ€risches Kontingent zur UnterstĂŒtzung der International Security Assistance Force (ISAF) nach Afghanistan entsandt. Die TruppenstĂ€rke hat sich bis 2012 auf 53 Soldaten erhöht.

Verwaltung

Gliederung des Staates

Die politische Gliederung des Staates ist komplex. Seit dem Dayton-Vertrag (auch bekannt als Dayton-Friedensabkommen) besteht Bosnien und Herzegowina aus zwei EntitĂ€ten: der Föderation Bosnien und Herzegowina (Federacija Bosne i Hercegovine) mit 2.371.603 Einwohnern (62,55 %) und der Republika Srpska mit 1.326.991 Einwohnern (35 %). Beide EntitĂ€ten verfĂŒgen jeweils ĂŒber eine eigene Exekutive und Legislative. Der Distrikt Brčko um die gleichnamige nordbosnische Stadt mit 93.028 Einwohnern (2,45 %) untersteht als Kondominium beider EntitĂ€ten direkt dem Gesamtstaat. Die Föderation Bosnien und Herzegowina setzt sich aus zehn Kantonen zusammen, die ĂŒber eigene ZustĂ€ndigkeiten verfĂŒgen. Zu statistischen Zwecken ist auch die Republika Srpska in Regionen eingeteilt, die jedoch keine verwaltungstechnische Bedeutung haben. Die unterste Verwaltungsebene nehmen die 142 Gemeinden (općine bzw. opĆĄtine) ein.

Kantone der Föderation Bosnien-Herzegowina

Der gesamtstaatlichen Ebene waren zunĂ€chst nur die Außenpolitik, die Geldpolitik sowie die Außenwirtschaftsbeziehungen zugeordnet. In den vergangenen Jahren wurden die Kompetenzen des Zentralstaats um weitere Aufgaben ergĂ€nzt (Verteidigung, Zoll und indirekte Steuern, Verfolgung und Aburteilung von Kriegsverbrechern und BekĂ€mpfung der SchwerkriminalitĂ€t).

Neben den Regierungen und Parlamenten der beiden EntitĂ€ten gibt es eine gemeinsame Regierung und ein gemeinsames Parlament (Abgeordnetenhaus mit 42 Sitzen und Kammer der Völker mit 15 Sitzen) fĂŒr den Gesamtstaat. Die drei Volksgruppen haben je einen Vertreter in einem dreiköpfigen StaatsprĂ€sidium. Die Bosniaken und Kroaten wĂ€hlen ihre beiden Vertreter in der Föderation, die bosnischen Serben ihren in der Republika Srpska. Der Vorsitz des StaatsprĂ€sidiums wechselt alle acht Monate. Die EinschrĂ€nkung, dass nur Angehörige der drei konstituierenden Völker fĂŒr das StaatsprĂ€sidium kandidieren dĂŒrfen, wurde vom EGMR als Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot und das Recht auf freie Wahlen gewertet.

StÀdte

Große Landesteile sind nur dĂŒnn besiedelt. Vereinfacht dargestellt konzentriert sich der Großteil der Bevölkerung im Raum Sarajevo sowie in den TĂ€lern der grĂ¶ĂŸeren FlĂŒsse, v. a. der Bosna.

Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte in Bosnien und Herzegowina sind (Einwohnerzahlen fĂŒr die Großgemeinden):

Wirtschaft

Allgemeine Entwicklung

Im frĂŒheren Jugoslawien gehörte Bosnien und Herzegowina zu den wirtschaftlich schwĂ€cheren Regionen. Nach dem Ende des Bosnienkriegs kam es zunĂ€chst zu einem kontinuierlichen Wirtschaftswachstum. Die strikte Geldpolitik, die einen festen Wechselkurs der Konvertiblen Mark zum Euro beinhaltet, trug zur StabilitĂ€t der WĂ€hrung bei. Das Bankwesen wurde reformiert, wobei auslĂ€ndische Banken 85 Prozent der Banken kontrollieren. Die offiziell angegebene Arbeitslosenquote liegt bei 28,2 Prozent und die Jugendarbeitslosigkeit sogar 67,6 % wobei diese Rate durch einen großen grauen Wirtschaftssektor reduziert wird. Die EinfĂŒhrung einer Mehrwertsteuer im Jahr 2006 hat die Staatseinnahmen erhöht.

Die Exporte sind noch wenig diversifiziert; Mineralien und Holz machen 50 Prozent aller Exporte aus. Das hohe Leistungsbilanzdefizit konnte bisher durch Transferleistungen von Bosniern, die im Ausland leben, ausgeglichen werden. Haupthandelspartner von Bosnien und Herzegowina ist die EuropĂ€ische Union mit einem Anteil von etwa 50 Prozent. Österreich ist wertmĂ€ĂŸig der grĂ¶ĂŸte auslĂ€ndische Investor vor Slowenien. Als problematisch fĂŒr die wirtschaftliche Entwicklung werden der große und ineffiziente öffentliche Sektor, bĂŒrokratische Hindernisse fĂŒr Unternehmer und der fragmentierte Arbeitsmarkt, der die ethnische Teilung des Landes widerspiegelt, angesehen. Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Bosnien und Herzegowina Platz 103 von 137 LĂ€ndern (Stand 2017–2018). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz 92 von 180 LĂ€ndern.

Die globale Finanzkrise wirkt sich in einer starken Rezession aus. Sie betraf zunĂ€chst den RĂŒckgang bei den Exporten und nachfolgend einen drastischen Einbruch auch bei der Inlandsnachfrage. Einige große Industriebetriebe mussten ihre Produktion vorlĂ€ufig einstellen. Im ersten Quartal 2009 wurden aus der Föderation RĂŒckgĂ€nge der Industrieproduktion um 10 Prozent gemeldet, wĂ€hrend in der Republika Srpska noch ein Anstieg um 13 Prozent registriert wurde (begĂŒnstigt hauptsĂ€chlich durch die Inbetriebnahme eines großen erdölverarbeitenden Betriebes). Viele bedeutende industrielle Bereiche in beiden EntitĂ€ten berichteten ĂŒber RĂŒckgĂ€nge in der GrĂ¶ĂŸenordnung von 20 Prozent.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes betrug im Jahr 2015 ca. 14,21 Milliarden Euro, das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 3.749 Euro. Bosnien und Herzegowina hat sich mittlerweile weitgehend von der Finanzkrise erholt. 2014 wuchs die Wirtschaft um 1,05 %. 2015 wurde eine Wachstumsrate von 2,1 % verzeichnet. In den nĂ€chsten Jahren wird ein jĂ€hrliches Wirtschaftswachstum von ĂŒber 3 % erwartet.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar angeben.

WĂ€hrung

Die Konvertible Mark (AbkĂŒrzung KM, im internationalen Zahlungsverkehr AbkĂŒrzung BAM (nach ISO 4217)) ist seit 22. Juni 1998 in ganz Bosnien und Herzegowina gĂŒltiges Zahlungsmittel. Die KM ist im festen VerhĂ€ltnis 1,95583:1 zum Euro gebunden und entspricht somit dem Wert der frĂŒheren D-Mark.

Laut Gesetz mĂŒssen alle Rechnungen im Inland mit der Konvertiblen Mark ausgewiesen werden. Dennoch wird verbreitet auch der Euro, sowie je nach Region die kroatische Kuna oder der serbische Dinar angenommen, obwohl dies offiziell nicht erwĂŒnscht ist.

Staatshaushalt

Laut SchĂ€tzungen der CIA umfasste der Staatshaushalt 2016 Ausgaben von umgerechnet 7,975 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 7,681 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 1,7 % des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 2016 nach SchĂ€tzungen des IMF 44,3 % des BIP.

Die Staatsausgaben (in % des BIP):

  • Gesundheit: 10,9 % (2009)
  • Bildung: k. A.
  • MilitĂ€r: 1,4 % (geschĂ€tzt fĂŒr 2011)

Tourismus, SehenswĂŒrdigkeiten

Der Tourismus konnte sich auch kriegsbedingt nur langsam entwickeln. Seit einigen Jahren kommen immer mehr Touristen nach Bosnien und Herzegowina – insbesondere nach Mostar und Sarajevo.

Wichtige Reiseziele

  • Stari most (BrĂŒcke von Mostar), UNESCO-Welterbe
  • Stari most u ViĆĄegradu (BrĂŒcke von ViĆĄegrad), UNESCO-Welterbe
  • Vrelo Bune (Buna-Quelle), eine der stĂ€rksten und grĂ¶ĂŸten Quellen Europas
  • Jajce, mit Burg, 17 Meter hohem Wasserfall und den Plivaseen
  • Kravice vodopad (Kravica-WasserfĂ€lle), unter Naturschutz stehend
  • Međugorje (Zwischenbergen), weltbekannte PilgerstĂ€tte
  • Bosanske piramide (Bosnische Pyramiden), pyramidenĂ€hnliche Berge
  • Nacionalni park Kozara (Nationalpark Kozara), Denkmal fĂŒr die Opfer der Schlacht von Kozara im Zweiten Weltkrieg
  • Nacionalni park Sutjeska (Nationalpark Sutjeska): Zum Park gehört einer der zwei letzten UrwĂ€lder Europas (Perućica), der höchste Gipfel des Landes (Maglić), der 75 Meter hohe Wasserfall Skakavac und die Schlucht der Sutjeska.
  • Hutovo Blato, grĂ¶ĂŸtes Naturreservat fĂŒr Sumpfvögel in Europa

Weitere sind die Burg und Festungsmauern von Počitelj, das mittelalterliche Schloss von Travnik, die Befestigungsanlage und das Amphitheater von Banja Luka, die Seen Blidinjsko jezero, ProkoĆĄko jezero und Ć atorsko jezero, zahlreiche mittelalterliche Grabsteine (Stećci) vor allem in der Herzegowina, die Raftingangebote auf den FlĂŒssen Neretva, Una, Vrbas und Drina, der Adria-KĂŒstenort Neum mit der höchsten durchschnittlichen Jahrestemperatur des Landes sowie die von US-PrĂ€sident Bill Clinton eingeweihte GedenkstĂ€tte in Potočari fĂŒr die Opfer des Massakers von Srebrenica.

Sarajevo

In Sarajevo und Umgebung befinden sich zahlreiche SehenswĂŒrdigkeiten. Die LateinerbrĂŒcke beispielsweise war Ausgangspunkt des Ersten Weltkrieges, da hier das Attentat auf Franz Ferdinand von Österreich und dessen Frau verĂŒbt wurde. Das Bosmal City Center (118 m) und der Avaz Twist Tower (142 m) wurden 2001 bzw. 2009 fertiggestellt und sind aktuell die höchsten GebĂ€ude auf der Balkanhalbinsel. Des Weiteren sehenswert sind die komplette Altstadt BaơčarĆĄija mit dem tĂŒrkischen Wasserbrunnen Sebilj und die Vijećnica, das alte Rathaus der Stadt. Weiterhin gibt es in der Stadt viele prĂ€chtige historische Moscheen (z. B. Gazi-Husrev-Beg-Moschee, grĂ¶ĂŸte historische Moschee des Landes) und KirchengebĂ€ude.

In der nÀheren Umgebung liegen zudem die Wintersportgebiete Bjelaƥnica und Jahorina, wo auch schon die Olympischen Winterspiele 1984 ausgetragen wurden.

An die Belagerung der Stadt wĂ€hrend des Bosnienkrieges erinnern der Sarajevski ratni tunel (Sarajevo-Tunnel), das Historijski muzej Bosne i Hercegovine (Historisches Museum von Bosnien und Herzegowina), die „Rosen von Sarajevo“ und die noch zahlreich vorhandenen Zerstörungen und Einschusslöcher an GebĂ€uden, vornehmlich am Stadtrand.

Die Stadt bietet darĂŒber hinaus noch weitere Museen, die sich der geschichtlichen Aufarbeitung der Stadt und des ganzen Landes widmen. Dazu zĂ€hlen etwa das Nationalmuseum und das Museum von Sarajevo.

Minenlage

Beim Verlassen befestigter Wege besteht in vielen Landesteilen Gefahr durch Landminen. Bosnien-Herzegowina ist neben dem Kosovo und Kroatien das am stĂ€rksten verminte Gebiet in Europa. Selbst 2009 galten noch rund 1573 Quadratkilometer der StaatsflĂ€che – vor allem in den WĂ€ldern und Gebirgsgegenden – als minengefĂ€hrdet, wĂ€hrend die Siedlungen und landwirtschaftliche FlĂ€chen in der Regel bereits gerĂ€umt wurden. Von Kriegsende 1996 bis 2017 wurden 605 Menschen bei MinenunfĂ€llen getötet (darunter 74 MinenrĂ€umer) und 1131 verletzt. FĂŒr die Beseitigung bekannter Minenfelder sind die bosnische Armee sowie zivile RĂ€umfirmen verantwortlich.

Infrastruktur

Energiesektor

Beide EntitĂ€ten besitzen in der Energiepolitik wie in vielen anderen Bereichen eine weitgehende Autonomie. So gibt es zwei Energieministerien, die jeweils unterschiedliche Gesetze und Verordnungen erlassen. Die landesweite Stromregulierungsbehörde DERK hat auf EntitĂ€tsebene jeweils eine Regulierungskommission. Der Markt wird unter drei Stromkonzernen aufgeteilt. Die EP RS beliefert die Republika Srpska, die EP BiH und die EP HZHB versorgen die Föderation. Dabei gibt es keine Trennung zwischen der Stromerzeugung und -verteilung. In der Föderation Bosnien und Herzegowina sind die Unternehmen EP BiH und EP HZHB fĂŒr beides zustĂ€ndig, und in der Republika Srpska arbeiten Gesellschaften, die zum Konzern EP RS gehören, an der Stromverteilung. Zur StromĂŒbertragung gibt es den gesamtstaatlichen unabhĂ€ngigen Netzbetreiber NOS BiH und das fĂŒr den ElektrizitĂ€tstransfer zustĂ€ndige Unternehmen Elektroprenos-Elektroprijenos Bosne i Hercegovine a.d., das ebenfalls landesweit tĂ€tig ist.

Elektroenergie wird in Bosnien und Herzegowina primÀr durch Kohle- und Wasserkraftwerke erzeugt. Die Kohlereserven belaufen sich auf ca. 4 Mrd. Tonnen, das Wasserkraftpotenzial wird auf 6800 MW geschÀtzt, wovon bisher nur 35 % ausgeschöpft werden. Die geplanten Investitionen im Energiesektor bis 2020 belaufen sich auf 3,9 Mrd. Euro (Stand 2009).
Die PrimĂ€renergieerzeugung in Bosnien und Herzegowina wurde 2007 zu 9,4 % durch erneuerbare Energien gedeckt. Etwa 50 % der gesamten LandesflĂ€che ist mit Wald bedeckt, was auf ein großes Biomassepotenzial hinweist. ExpertenschĂ€tzungen zufolge könnten 9.200 GWh aus Biomasse erzeugt werden. Im Jahr 2009 beschrĂ€nkte sich die Nutzung der Biomasse auf etwa 4,2 % und ausschließlich auf die Beheizung von Haushalten. In Gebieten ohne FernwĂ€rmenetz betrug der Verbrauch von Biomasse in Form von Holz und Holzkohle bis zu 60 % des gesamten Energieverbrauchs.

Verkehr

Straße

Das gesamte Straßennetz umfasste 2010 etwa 22.926 km, wovon 19.426 km asphaltiert sind.

Seit 2001 ist mit der Autobahn 1 von der Adria bis nach Budapest die erste von derzeit fĂŒnf geplanten Autobahnen in Bosnien und Herzegowina im Bau. Diese soll von Ploče in Kroatien ĂŒber Mostar, Sarajevo, Zenica und Doboj wiederum auf kroatisches Gebiet fĂŒhren und einen Teil des europĂ€ischen Verkehrskorridors 5C bilden. Insgesamt wird diese Autobahn auf ca. 360 km durch Bosnien und Herzegowina fĂŒhren. Das Jahr der vollstĂ€ndigen Fertigstellung ist jedoch unbekannt. Weitere vier Autobahnverbindungen befinden sich in der Planungsphase und wurden bisher nicht nummeriert. Politische Differenzen zwischen den beiden EntitĂ€ten von Bosnien und Herzegowina, u. a. ĂŒber die Nummernvergabe, verhindern eine Einigung.

Eisenbahn

Es gibt in Bosnien und Herzegowina zwei Bahngesellschaften: einerseits die Eisenbahngesellschaft der Föderation Bosnien und Herzegowina und andererseits die Eisenbahngesellschaft der Republika Srpska.

Der Eisenbahnverkehr findet im Wesentlichen auf zwei Hauptachsen statt:

  • Eine Nord-SĂŒd-Strecke verlĂ€uft vom kroatischen Knotenbahnhof Strizivojna-Vrpolje an der Bahnstrecke Zagreb-Belgrad ĂŒber Ć amac, Doboj, Zenica, Sarajevo und Mostar in die kroatische Hafenstadt Ploče.
  • Die wichtigste Ost-West-Strecke verlĂ€uft vom kroatischen Sisak ĂŒber Novi Grad und Banja Luka nach Doboj und mĂŒndet dort in die vorgenannte Strecke ein.

Diese Hauptachsen werden ergĂ€nzt durch die von Novi Grad ĂŒber Bihać und Martin Brod nach Knin verlaufende Una-Bahn sowie eine von Doboj nach Tuzla fĂŒhrende Strecke, an die eine Strecke ĂŒber Brčko nach Kroatien sowie eine Strecke ĂŒber Zvornik nach Serbien anschließen.

Daneben gibt es eine Reihe von Werks- und Minenbahnen, die zum Teil noch mit Dampf betrieben werden.

Das Eisenbahnnetz von Bosnien und Herzegowina wurde im Bosnienkrieg stark beschÀdigt. Seit einigen Jahren gibt es wieder eine Bahnverbindung von Zagreb nach Sarajevo, im Februar 2010 wurde wieder eine tÀgliche Verbindung zwischen Belgrad und Sarajevo aufgenommen.

Alle der noch von der k.u.k.-Monarchie errichteten Schmalspurstrecken („Bosnische Schmalspur“) wurden schon um 1970 aufgelassen und grĂ¶ĂŸtenteils abgebaut. Eine Ausnahme bildet die Werksbahn der Kohlenmine Banovići – hier standen noch im Jahr 2011 Dampflokomotiven im gelegentlichen Einsatz.

Im Jahr 2005 wurde ein Erneuerungsprogramm beschlossen. Unter anderem sollen spanische Talgo-SchnellzĂŒge sowie eine grĂ¶ĂŸere Anzahl von GĂŒterwaggons beschafft werden.

Luftfahrt

Zurzeit gibt es vier internationale FlughÀfen:

  • Flughafen Sarajevo
  • Flughafen Mostar
  • Flughafen Banja Luka
  • Flughafen Tuzla

Schifffahrt

Der Hafen Neum ist der einzige Zugang Bosnien und Herzegowinas zum Mittelmeer.

Kultur

Musik

Ein traditioneller Musikstil ist die Sevdalinka – bosnische Volksmusik, deren Charakter stark von osmanischen EinflĂŒssen geprĂ€gt wurde. Die Volksmusik enthĂ€lt darĂŒber hinaus Merkmale der Musik der Sinti und Roma und anderer Volksgruppen. Ein bekannter Vertreter der Sevdalinka war bis zu seinem Tod Safet Isović. Die Sevdalinka kommt generell allerdings nur bei der Ă€lteren bosnischen Bevölkerung und teilweise der in Montenegro und Serbien wohnenden Ă€lteren Bosniaken gut an. Besser kommt dagegen die sogenannte Narodna muzika an, die eine Mischung aus der ehemaligen jugoslawischen Volksmusik, Pop und teilweise Techno-Musik bildet. Diese ist generell in den serbokroatischsprachigen LĂ€ndern seit ihrer Entstehung (ca. 1980) die Beliebteste.

Bekannte Musiker im internationalen Raum aus Bosnien-Herzegowina sind neben Goran Bregović und seiner ehemaligen Band Bijelo dugme die SĂ€nger Zdravko Čolić, Lepa Brena und Dino Merlin sowie die Rapper Edo Maajka und Frenkie. Die Rock/Pop-Gruppen Zabranjeno PuĆĄenje, Plavi orkestar, Indexi, Crvena jabuka und Hari Mata Hari sowie die Heavy-Metal-Band Divlje Jagode gehörten neben Bijelo dugme zu den bekanntesten und beliebtesten Jugoslawiens. Das musikalische Zentrum dieser modernen bosnischen Musik war Sarajevo.

Film

Seit Kriegsende haben einige bosnische Filme auch internationale Preise bekommen. Darunter waren Ničija Zemlja (deutsch Niemandsland, englisch No Man’s Land) von Danis Tanović aus dem Jahr 2001, der einen Golden Globe Award und einen Oscar erhielt, sowie der Film Grbavica, der auf der Berlinale 2006 einen Goldenen BĂ€ren bekam. Des Weiteren erntete der Film Welcome to Sarajevo mit Woody Harrelson großes Kritikerlob. Der Film befasst sich mit der Belagerung Sarajevos Anfang der 1990er Jahre. Der Regisseur Emir Kusturica (Schwarze Katze, weißer Kater; Das Leben ist ein Wunder) stammt aus Sarajevo. Bei der Berlinale 2016 erhielt der Film Smrt u Sarajevu von Danis Tanović den Silbernen BĂ€ren.

Das Sarajevo Film Festival ist jedes Jahr im August filmischer und kultureller Höhepunkt und zieht immer mehr Touristen aus dem Ausland an.

Medien

Die drei wichtigsten Tageszeitungen in Bosnien und Herzegowina sind Dnevni avaz (deutsch Tagesstimme) und Oslobođenje (deutsch: Befreiung), die beide in bosnischer Sprache in Sarajevo erscheinen, und Nezavisne novine (dt. Die unabhĂ€ngige Zeitung), die in Banja Luka in serbischer Sprache und lateinischer Schrift erscheint. Zudem gibt es eine Reihe von politischen Wochenzeitungen wie Slobodna Bosna (dt. Freies Bosnien) oder Dani (dt. Tage). Beliebt sind auch Zeitschriften, die ĂŒber aktuelle AffĂ€ren oder Stars der Volksmusik berichten, wie Express oder Svet (dt. Die Welt; eine gleichnamige und gleichformatige Zeitung erscheint auch in Serbien).

Bosnien und Herzegowina hat ein dreigliedriges öffentliches Rundfunk- und Fernsehsystem, mit einem nationalen Fernseh- und Radiosender der Anstalt BHRT (BHTV 1 und BH Radio 1) und je einem EntitÀts Fernseh- und Radiosender, der RTVFBiH (FTV und Radio F.) in der Föderation und der RTRS (RTRS TV und RTRS RRS) (kyrillisch: PTPC) in der Republika Srpska. Einige private Sender wie BN TV, OBN oder NTV Hayat sind im ganzen Land zu empfangen. Sehr beliebt ist Kabelfernsehen, das Sender aus den NachbarlÀndern und dem deutschsprachigen Raum einspeist. Seit dem 11. November 2011 sendet der neue Fernsehsender Al Jazeera Balkans aus Sarajevo, zunÀchst sechs Stunden tÀglich in der Landessprache.

Im Jahr 2019 nutzten 70 Prozent der Einwohner Bosnien und Herzegowinas das Internet.

Sport

In Sarajevo und Umgebung wurden 1984 die Olympischen Winterspiele ausgetragen. In Bosnien und Herzegowina sind Fußball und Basketball die beliebtesten Sportarten. Im Fußball entwickelte sich das Land stetig weiter und verbesserte sich. FĂŒr die Fußball-Europameisterschaft 2004 hĂ€tte sich Bosnien und Herzegowina beinahe qualifiziert, im letzten Spiel gegen DĂ€nemark fehlte nur ein Sieg gegen den direkten Konkurrenten, das Spiel endete aber letztendlich 1:1, womit sich DĂ€nemark fĂŒr die Europameisterschaft 2004 qualifizierte. Bei der WM-Qualifikation 2014 setzte sich die Nationalmannschaft dann durch und nahm an der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien teil. Die Mannschaft unter dem damaligen Trainer Safet SuĆĄić verlor allerdings zwei der drei Gruppenspiele und beendete die WM auf dem 3. Gruppenplatz. BerĂŒhmte Spieler der Nationalmannschaft sind Edin DĆŸeko, Miralem Pjanić, Vedad IbiĆĄević und viele weitere. Die Basketball-Nationalmannschaft hat sich fĂŒr bislang sechs Europameisterschaften qualifizieren können, zuletzt 2011. Der wohl bekannteste Basketballer der Nation ist Mirza Teletović, der fĂŒr die Milwaukee Bucks in der NBA aktiv ist.

Bei den Paralympischen Spielen 2004 in Athen gewann die bosnisch-herzegowinische Volleyballmannschaft die Goldmedaille.

Einen Erfolg auf internationaler Ebene fĂŒr Bosnien erreichte die Schach-Nationalmannschaft mit dem zweiten Platz bei der Schacholympiade 1994 in Moskau.

Essen und Trinken

Die LandeskĂŒche hat viele SpezialitĂ€ten zu bieten, z. B. Bosanski Lonac, Ćevapi, Lokum („TĂŒrkischer Honig“), Pita (Pide) in allen Variationen von GemĂŒsearten. Daneben gibt es Sogan Dolma, Somun, Japrak, Baklava, Halva, Burek, Sarma und vieles mehr. Sie ist stark von der TĂŒrkischen KĂŒche beeinflusst. TĂŒrkischer Kaffee, der in einem speziellen KaffeekĂ€nnchen aufgekocht wird, sowie selbstgebrannter Pflaumenschnaps (Ć livovic) sind verbreitete GetrĂ€nke.

Feiertage und Feste

Neben religiösen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern (bei den Kroaten und Serben), und den islamischen Festen Ramazanski Bajram (am Ende des Ramadan) und Kurban Bajram (zur Zeit der Pilgerfahrt nach Mekka), gelten folgende Feiertage in Bosnien und Herzegowina:

  • Neujahr (Nova Godina): Der 1. und 2. Januar sind Nationalfeiertage, Silvester wird prĂ€chtig gefeiert und der 13. Januar (Serbisches Neujahr nach dem julianischen Kalender)
  • Tag der Arbeit (Prvi maj): Der 1. und 2. Mai sind nationale Feiertage, der Tag der Arbeit wird als Anlass fĂŒr große öffentliche Feiern genutzt

In der Föderation werden außerdem folgende Feiertage begangen:

  • UnabhĂ€ngigkeitstag (Dan nezavisnosti): 1. MĂ€rz – erinnert an den Abschluss des Referendums zur UnabhĂ€ngigkeit am 29. Februar/1. MĂ€rz 1992
  • Nationalfeiertag (Dan drĆŸavnosti): 25. November – erinnert an die Ausrufung der Volksrepublik Bosnien und Herzegowina in Mrkonjić Grad am 25. November 1943

In der Republika Srpska werden der 1. MĂ€rz und der 25. November nicht gefeiert, dafĂŒr der 9. Januar als Tag der Republik (Dan Republike) sowie der 21. November (Tag des Dayton-Abkommens).

Daneben gibt es in den verschiedenen, hauptsĂ€chlich von Kroaten bewohnten Gemeinden und Dörfern lokale Feiertage, die sich am christlichen Kalender orientieren (z. B. Namenstage Heiliger, „kleine Ostern“ etc.). Ein besonderer Feiertag ist der Namenstag des Schutzpatrons eines jeden Ortes. Neben einer sehr gut besuchten Messe und evtl. einer Prozession gibt es in den meisten HĂ€usern und auf PlĂ€tzen Feierlichkeiten, zu denen auch die Einwohner der Nachbarorte kommen.

Siehe auch

  • Bosnien und Herzegowina und die EuropĂ€ische Union

Literatur

Literarische WĂŒrdigungen finden sich im Gesamtwerk des LiteraturnobelpreistrĂ€gers Ivo Andrić, besonders in seinem Hauptwerk Die BrĂŒcke ĂŒber die Drina. Zsolnay 2011, ISBN 978-3-552-05523-0.

  • Erzherzog Rudolf: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Band 22 Bosnien und Herzegowina, k.k. Hof- und Staatsdruckerei 1901, online
  • Sanda Cudic: MultikulturalitĂ€t und Multikulturalismus in Bosnien-Herzegowina: eine Fallstudie zu Herausbildung, Bedeutung und Regulierung kollektiver IdentitĂ€t in Bosnien-Herzegowina (= EuropĂ€ische Hochschulschriften, Reihe 31, Politik, Band 438). Lang, Frankfurt am Main / Berlin / Bern / Bruxelles / New York / Oxford / Wien 2001, ISBN 3-631-38184-0 (Dissertation Uni Gießen, 2000, 290 Seiten).
  • Friedrich JĂ€ger: Bosniaken, Kroaten, Serben: ein Leitfaden ihrer Geschichte, Lang, Frankfurt am Main / Berlin / Bern / Bruxelles / New York / Oxford / Wien 2001, ISBN 3-631-37503-4.
  • Rusmir Mahmutćehajić: The Denial of Bosnia. Pennsylvania State University Press, University Park 2000, ISBN 978-0-271-02030-3.
  • Erich Rathfelder: Schnittpunkt Sarajevo. Bosnien und Herzegowina zehn Jahre nach Dayton: Muslime, Orthodoxe, Katholiken und Juden bauen einen gemeinsamen Staat. Schiler, Berlin 2006. ISBN 3-89930-108-0.
  • Franz Schaffer (Hrsg.): Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina: neue Staaten am Rande Mitteleuropas; Ergebnisse eines Seminartages an der UniversitĂ€t Augsburg im Mai 1996, Angewandte Sozialgeographie, Nr. 37, Lehrstuhl fĂŒr Sozial- und Wirtschaftsgeographie, UniversitĂ€t Augsburg, Augsburg 1997, ISBN 3-923273-37-1.
  • Ernst Klaus Schmidt: Bosnien-Herzegowina: eine politisch-wirtschaftsgeographische Analyse der Entwicklungsmöglichkeiten, TĂŒbingen 2009, DNB 99870914X (Dissertation Eberhard Karls UniversitĂ€t TĂŒbingen, Geowissenschaftliche FakultĂ€t, 2009, 460 Seiten (online, PDF, kostenfrei, 460 Seiten, 7,1 MB)).
  • Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus (Übersetzung, Kommentare und ErgĂ€nzungen von Georg Liebetrau), Book-on-Demand G. Liebetrau, Seuzach [Begonienstr. 7] 2004, ISBN 3-8334-0977-0.
  • Dominik Tolksdorf: Die EU und Bosnien-Herzegowina. Außenpolitik auf der Suche nach KohĂ€renz (= MĂŒnchner BeitrĂ€ge zur europĂ€ischen Einigung, Band 23), Nomos, Baden-Baden 2012, ISBN 978-3-8329-7408-4 (GekĂŒrzte und aktualisierte Fassung der Dissertation Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen 2010).

Weblinks

  • CIA World Factbook: Bosnien und Herzegowina (englisch)
  • Webseite des StaatsprĂ€sidiums (u. a. englisch)
  • Webseite der Regierung (Ministerrat) (u. a. englisch)
  • Christian Steiner, Nedim Ademović (Hrsg.): Verfassung von Bosnien und Herzegowina. Kommentar Konrad-Adenauer-Stiftung, Sarajewo, 2012. ISBN 978-9958-9963-3-7.
  • Verfassungsgerichtshof fĂŒr Bosnien und Herzegowina
  • Offizielle Tourismus-Website von Bosnien und Herzegowina (u. a. deutsch)
  • LĂ€nderinformationen des AuswĂ€rtigen Amtes
  • LĂ€nderdaten des Statistischen Bundesamtes
  • Gesetz- und Verordnungsblatt fĂŒr Bosnien und die Hercegovina 1878–1918
  • Bosnia and Herzegovina Country Report zum BTI 2016 (englisch)
  • Rainer Schwochow: Sichere HerkunftslĂ€nder: Verschlusssache: Bosnien-Herzegowina – deutschlandfunk.de, Das Feature, 30. Mai 2017

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (2)

Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Föderation Bosnien und Herzegowina 45.227329 42.606133 15.741915 19.044165  
Republika Srpska 45.275925 42.561399 16.183722 19.626961  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Bosnia and Herzegovina

Name englisch: Bosnia and Herzegovina
Hauptstadt: Sarajevo
Kfz: BIH
ISO: BA
ISO3: BIH
Fläche: 51129 km²
Tld: .ba
Wärung Einheit: BAM
Währung: Marka
Vorwahl: 387

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 45.2766262
südlichster Punkt: 42.5564068
westlichster Punkt: 15.7223665
östlichster Punkt: 19.621935


 
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