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Staat Informationen : El Salvador

Informationen:


El Salvador (deutsche Aussprache […õl zalvaňądoňź…źŐĮ], spanische Aussprache [el salő≤aňą√įo…ĺ]; spanisch ‚Äěder Erl√∂ser‚Äú, ‚Äěder Heiland‚Äú) ist ein Staat in Mittelamerika. Er grenzt im Nordwesten an Guatemala, im Nordosten an Honduras und liegt am Pazifik. El Salvador ist das kleinste Land der Region Zentralamerika, weist zugleich deren h√∂chste Bev√∂lkerungsdichte auf und liegt in einem Erdbebengebiet.

Geographie

Mit einer Fl√§che von 21.041¬†km¬≤ ist El Salvador ungef√§hr so gro√ü wie Hessen. Die K√ľstenlinie zum Pazifik und zum Golf von Fonseca im S√ľden erstreckt sich √ľber eine L√§nge von 307¬†km. Als einziges Land in Mittelamerika hat El Salvador keinen direkten Zugang zum Karibischen Meer.

El Salvador ist gepr√§gt durch eine Kette von Vulkanen, die das Land grob in drei Regionen unterteilt: den s√ľdlichen K√ľstenstreifen, die zentralen Hochebenen und T√§ler sowie die n√∂rdlichen Berge. Der h√∂chste Berg ist der El Pital (2730¬†m) an der Grenze zu Honduras. Der h√∂chste Vulkan ist der Santa Ana im Westen mit einer H√∂he von 2365¬†m. Der l√§ngste Fluss ist der R√≠o Lempa mit einer Gesamtl√§nge von 422¬†km, davon 320¬†km auf Staatsgebiet.

Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2005): San Salvador (525.990 Einwohner), Soyapango (329.708 Einwohner), Santa Ana (176.661 Einwohner), San Miguel (161.880 Einwohner), Mejicanos (160.317 Einwohner), Santa Tecla (124.694 Einwohner) und Apopa (112.158 Einwohner).

→ Siehe auch: Liste der Städte in El Salvador

Bevölkerung und Sprachen

Die korrekte deutsche Bezeichnung f√ľr einen Einwohner bzw. eine Einwohnerin El Salvadors lautet Salvadorianer/Salvadorianerin.

Ca. 90 % der Bevölkerung sind Mestizen, 9 % europäischer Abstammung und 1 % Indigene. Noch bis in die 1930er-Jahre gehörten ca. 20 % der Bevölkerung indigenen Völkern an. In der Zeit der Matanza ab 1932 wurde das Sprechen indigener Sprachen und das Tragen traditioneller Kleidung zu einem Überlebensrisiko. Die Indigenen waren gezwungen, ihre Identität und Sprache zu verleugnen. In El Salvador gibt es heute keine indigenen Sprachen mehr, die von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben werden.

Eine der wichtigsten Sprachen war fr√ľher Nawat, die heute nur noch von sehr wenigen Menschen gesprochen wird. Im ethnischen Sinne werden immerhin noch etwa 200.000 Menschen als Pipil eingestuft, des Weiteren einige Tausend als Lenca und Cacaopera, deren Sprachen bereits ausgestorben sind. Bei der Volksz√§hlung 2007 bezeichneten sich nur 11.488 Menschen als Indigene, 97 Personen gaben Nawat als Muttersprache an, die meisten davon in den Municipios Santo Domingo de Guzm√°n und Cuisnahuat, beide im Departamento Sonsonate. Mit dem Aussterben des Nawat w√§re El Salvador nach Uruguay das zweite Land auf dem amerikanischen Festland, in dem keine indigenen Sprachen mehr gesprochen werden.

Aufgrund der traumatischen Erfahrungen der Indigenen kann davon ausgegangen werden, dass es noch einige Sprecher gibt, die ihre indigenen Sprachkenntnisse nicht offenlegen. In den letzten Jahrzehnten haben Immigranten aus Guatemala dar√ľber hinaus die Maya-Sprache der Kekch√≠ mitgebracht, deren tats√§chliche Sprecherzahl in El Salvador jedoch schwer einzusch√§tzen ist.

48 % der Bevölkerung El Salvadors leben unterhalb der Armutsgrenze.

2008 lebten in den USA 1,1 Millionen Einwanderer aus El Salvador. Sie stellen dort die sechstgrößte Einwanderergruppe. El Salvador hat selbst nur einen sehr niedrigen Ausländeranteil und ist vorwiegend ein Auswanderungsland. Im Jahre 2017 waren 0,7 % der Bevölkerung im Ausland geboren.

Gem√§√ü einer Umfrage des US-amerikanischen Meinungsforschungsinstitutes Gallup vom Dezember 2012 z√§hlten die Einwohner des Landes mit zu den gl√ľcklichsten Menschen auf der Erde. Dagegen ergab eine in der Zeitung La prensa grafica ver√∂ffentlichte Umfrage von Di√°logo Interamericano aus dem Jahr 2014, dass jeder vierte Salvadorianer insbesondere wegen der ausufernden Kriminalit√§t auswandern m√∂chte. 40¬†% der M√§nner und 31¬†% der Frauen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren ziehen einen solchen Schritt in Erw√§gung.

Gesundheit

El Salvador hat mit 2,0 Kindern pro Frau nach Costa Rica die niedrigste Geburtenrate in Mittelamerika (Stand 2019). Die Lebenserwartung lag 2015 bei rund 69 Jahren f√ľr M√§nner und rund 78¬†Jahren f√ľr Frauen. Die gesunde Lebenserwartung betr√§gt rund 59¬†Jahre f√ľr M√§nner und rund 65¬†Jahre f√ľr Frauen. Es gibt in El Salvador ca. 25.000 mit HIV infizierte Menschen, darunter ca. 9.000 Frauen. Das entspricht rund 0,6¬†% der Bev√∂lkerung √ľber 15 Jahren. 2016 waren 24,6¬†% der Bev√∂lkerung stark √ľbergewichtig (adip√∂s).

Die √Ąrztedichte lag 2018 bei 28,7 √Ąrzten pro 10.000 Einwohnern.

Verbot des Ausbringens von Agrochemikalien

El Salvador ist einer von nur zwei Staaten weltweit, die die Anwendung bestimmter Agrochemikalien landesweit und ausnahmslos verboten haben. Der Grund ist eine extreme H√§ufung eines besonderen Typs von t√∂dlicher Niereninsuffizienz bei Landarbeitern. Nachdem ein diesbez√ľglicher Beschluss der Konferenz der mittelamerikanischen Gesundheitsminister vom M√§rz 2013 keine Folgen zeigte, hat das Land das Verbot im September dieses Jahres im Alleingang durchgesetzt. Das Verbot gilt f√ľr Glyphosat, wichtigster Handelsname Roundup, sowie f√ľr Paraquat und Endosulfan. Das Problem der t√∂dlichen Kombination von Schwermetallen mit Pestiziden ist an der gesamten amerikanischen Pazifikk√ľste bekannt, ferner aus Indien und Sri Lanka, wobei letzteres ebenfalls ein Verbot f√ľr Glyphosat erlassen hat.

Totales Abtreibungsverbot

El Salvador hat eines der sch√§rfsten Abtreibungsgesetze weltweit. Es stellt jede Form von Schwangerschaftsabbruch als Gewaltverbrechen unter Strafe. Dies gilt selbst bei Vergewaltigungen, Eileiterschwangerschaften oder bei starken Missbildungen der F√∂ten. √Ąrzte sind verpflichtet, Frauen bei Verdacht auf Schwangerschaftsabbruch zu melden. Kritiker bem√§ngeln, dass auch Frauen, die keinen Abtreibungsversuch unternommen, aber eine Fehl- oder Totgeburt erlitten h√§tten, riskierten, wegen Abtreibung zu einer langen Haftstrafe verurteilt zu werden.

Bildung

Die Zahl der Sch√ľler pro Lehrer ist hoch. Im l√§ndlichen Raum ist Analphabetismus weit verbreitet. In El Salvador stieg die mittlere Schulbesuchsdauer von 3,7 Jahren im Jahr 1990 auf 6,5 Jahre im Jahr 2015 an. Die H√∂here Schule umfasst drei Schuljahre. Das Land besitzt folgende √∂ffentliche und private Universit√§ten und Hochschulen:

  • Universidad Centroamericana ‚ÄěJos√© Sime√≥n Ca√Īas‚Äú (UCA) in Antiguo Cuscatl√°n, La Libertad (privat)
  • Universidad de El Salvador in San Salvador, Santa Ana, San Miguel, San Vicente und San Luis Talpa (√∂ffentlich, gegr. 1841)
  • Universidad Don Bosco (privat, Salesianer Don Boscos)
  • Universidad Cat√≥lica de El Salvador in Santa Ana
  • Universidad ‚ÄěFrancisco Gavidia‚Äú in San Salvador (privat)
  • Universidad Polit√©cnica de El Salvador (privat)
  • Universidad Tecnol√≥gica de El Salvador (privat)
  • Universit√§t ‚ÄěDr. Jos√© Mat√≠as Delgado‚Äú (UJMD) in La Libertad (privat)
  • Escuela Superior de Econom√≠a y Negocios, (ESEN), Nuevo Cuscatl√°n, La Libertad (privat)

Religion

50¬†% der Bev√∂lkerung sind Katholiken, weitere 31¬†% Protestanten. Letztere bekennen sich zu einer Vielzahl verschiedener protestantischer Konfessionen, die zun√§chst von europ√§ischen und seit dem 20.¬†Jahrhundert zunehmend auch von nordamerikanischen Missionaren verbreitet werden. Die meisten von ihnen geh√∂ren den schnell wachsenden evangelikalen Gemeinschaften an. Deren Wachstum begann in den 1980er-Jahren, als katholische Priester und Laien, vor allem Anh√§nger der Befreiungstheologie, die Regierung kritisierten und soziale Reformen forderten. F√ľr die Beh√∂rden war laut Aussage des Weihbischofs von San Salvador, Gregorio Kardinal Rosa Ch√°vez, ‚Äěein Katholik damals verd√§chtig‚Äú. Die meisten Protestanten leben in den St√§dten. In einigen St√§dten sind 40¬†% der Bev√∂lkerung protestantisch. Rund 10¬†% der Bev√∂lkerung geben heute an, konfessionslos zu sein.

Nachfolger des 1980 ermordeten Erzbischofs von San Salvador, √ďscar Romero, wurde der Salesianer Arturo Rivera y Damas (1923‚Äď1994). Papst Johannes Paul¬†II. ernannte 1995 Fernando S√°enz Lacalle zum Erzbischof der Erzdi√∂zese San Salvador. Im Dezember 2008 ernannte Papst Benedikt¬†XVI. Jos√© Luis Escobar Alas zu dessen Nachfolger. Neben dem Erzbistum San Salvador gibt es in El Salvador derzeit sieben weitere Bist√ľmer: Chalatenango, San Miguel, Santa Ana, Santiago de Maria, San Vicente, Sonsonate und Zacatecoluca.

Geschichte

Am 15. September 1821 erlangte El Salvador die Unabh√§ngigkeit von der einstigen Kolonialmacht Spanien und geh√∂rte danach, bis zu deren endg√ľltigem Auseinanderbrechen im Jahr 1839, der Zentralamerikanischen Konf√∂deration (Confederaci√≥n de Centroam√©rica) an .

1882 beseitigte die Regierung von El Salvador per Gesetz das letzte verbliebene indigene Gemeindeland und erm√∂glichte so die Ausbreitung der Kaffeeplantagen. So befanden sich um das Jahr 1900 90¬†% der G√ľter des Landes in den H√§nden von 0,01¬†% der Bev√∂lkerung. Der Gro√üteil der Bauern war landlos und lebte in √§u√üerster Armut.

1930 √ľbernahm der Verteidigungsminister des Landes, General Maximiliano Hern√°ndez Mart√≠nez, durch einen Putsch die Macht. 1932 lie√ü Mart√≠nez einen vom Vorsitzenden der neu gegr√ľndeten Kommunistischen Partei El Salvadors, Agust√≠n Farabundo Mart√≠, geleiteten Aufstand √ľberwiegend indigener Pipil-Bauern im Westen des Landes blutig niederschlagen. Neben Farabundo wurden etwa 30.000 Menschen get√∂tet. La Matanza ‚Äď ‚Äědas Massaker‚Äú gilt als das Ende der Existenz der indigenen V√∂lker El Salvadors. Es hei√üt, Menschen seien einfach auf Grund des Unterscheidungsmerkmals get√∂tet worden, dass sie Nahuatl (Pipil) sprachen oder ‚Äěindianische‚Äú Kleidung trugen.

1939 wurde das aktive Frauenwahlrecht f√ľr Frauen √ľber 25 Jahre (falls verheiratet) bzw. √ľber 30 Jahre (falls ledig) eingef√ľhrt. Der Wahlgang war f√ľr Frauen freiwillig, f√ľr M√§nner dagegen Pflicht. Ab 1959 besa√üen alle Salvadorianer √ľber 18 Jahre unabh√§ngig vom Geschlecht das aktive Wahlrecht.

1969 gab es einen Krieg mit Honduras, den sogenannten ‚ÄěHundert-Stunden-Krieg‚Äú, der als ‚ÄěFu√üballkrieg‚Äú in die Geschichte einging. Ausl√∂ser waren Spannungen um Landwirtschaftshelfer aus El Salvador, die seit L√§ngerem von der Regierung Honduras' f√ľr die wirtschaftlichen Probleme verantwortlich gemacht wurden. Der Krieg dauerte vier Tage vom 14. Juli 1969 bis zum 18. Juli 1969 (100¬†Stunden) und kostete 3.000 Menschen das Leben, 6.000 wurden verletzt. Der Konflikt wurde unter Vermittlung der Organisation Amerikanischer Staaten durch ein Friedensabkommen beigelegt.

Seit 1970 gab es die maoistische Guerilla FPL unter Salvador Cayetano Carpio (Comandante Marcial). Bei den Pr√§sidentschaftswahlen am 20. Februar 1972 wurden die beiden Kandidaten des Oppositionsb√ľndnisses Jos√© Napole√≥n Duarte vom Partido Dem√≥crata Cristiano (PDC) und Guillermo Manuel Ungo vom Movimiento Nacional Revolucionario (MNR) offensichtlich um ihre Stimmenmehrheit betrogen. Am 2. M√§rz 1972 erschoss das Ej√©rcito Revolucionario del Pueblo (ERP) zwei Soldaten der Guardia Nacional in San Salvador. Dem ERP wurden Mitglieder aus PDC Zusammenh√§ngen zugeschrieben. Im Klima des Misstrauens konnte der Einfluss der paramilit√§rischen Organisation ORDEN nicht ausger√§umt werden. Am 25. M√§rz 1972 wurde Duarte verhaftet und gefoltert, wobei er drei Finger verlor. Er wurde des Hochverrats beschuldigt und zum Tode verurteilt. Auf internationalen Druck sagte ihm Pr√§sident Arturo Armando Molina Exil zu und schob ihn nach Venezuela ab.

Im Oktober 1979 f√ľrchteten die salvadorianischen Milit√§rs nach dem Sturz des nicaraguanischen Pr√§sidenten Somoza ein √§hnliches Schicksal. Deshalb wurde der Pr√§sident der Milit√§rpartei, Partido de Conciliaci√≥n Nacional, Carlos Humberto Romero auf einer USA-Reise geschasst und eine politisch sehr weite Junta gebildet, welcher der fr√ľhere Oppositionsf√ľhrer Jos√© Napole√≥n Duarte vorstand und der anfangs auch die MNR angeh√∂rte. Trotz hoher wirtschaftlicher Wachstumsraten versch√§rften sich die wirtschaftlichen Probleme f√ľr gro√üe Teile der Bev√∂lkerung. Gr√ľnde daf√ľr waren u.¬†a. die Mechanisierung der Landwirtschaft als Folge der Gr√ľnen Revolution und Landvertreibungen, verursacht durch den Bau ausgedehnter Wasserkraftstauseen. Diese Erscheinungen sollten durch eine Landtransferbeh√∂rde (ISTA) gemildert oder ihnen zumindest ein quasirechtlicher Rahmen gegeben werden. 1983 wurde eine Verfassung erlassen, welche in Artikel 105 das Landeigentum auf 245¬†ha beschr√§nkte. Das √ľberz√§hlige Land sollte mit Entsch√§digungen an Genossenschaften transferiert werden. Teile der 14 Grundeigent√ľmerfamilien El Salvadors versuchten, die Landreform mit Terror durch Todesschwadronen aufzuhalten. Der Mord an Erzbischof √ďscar Romero, einem der prominentesten Kritiker des Milit√§rregimes, am 24. M√§rz 1980, wurde weltweit publik. In diesem ‚Äěschmutzigen Krieg‚Äú wurden viele kirchlich, politisch oder gewerkschaftlich organisierte Menschen Opfer der Todesschwadronen.

Die brutalen Repressionen des Milit√§rregimes trieben die Opposition in den bewaffneten Widerstand. Von 1980 bis 1991 kam es zu einem B√ľrgerkrieg in El Salvador, der rund 70.000 Tote, vorwiegend unter der Zivilbev√∂lkerung, Tausende von Versehrten und Zerst√∂rungen in Milliardenh√∂he verursachte. Die bewaffneten Kr√§fte der Guerilla setzten sich aus einzelnen Verb√§nden von Kommunisten, Christen und Gewerkschaftern zusammen, die sich zu einem marxistisch orientierten Zusammenschluss revolution√§rer Bewegungen, dem FMLN, zusammenschlossen. Die US-Regierung unterst√ľtzte die Milit√§rdiktatur in El Salvador. Neben Milit√§rberatern wurde von den USA in gro√üem Stil Milit√§rger√§t an die Junta geliefert, selbst nachdem von US-Soldaten trainierte Regierungssoldaten mit dem Massaker von El Mozote eine der schlimmsten Gr√§ueltaten in der Geschichte Lateinamerikas begangen hatten.

Der soziale Gegensatz zwischen dem kleinen Teil der Bev√∂lkerung, der einen Gro√üteil der Ressourcen besa√ü, und der verarmten Mehrheit der Bev√∂lkerung blieb letztlich auch nach dem Ende des B√ľrgerkrieges erhalten.

Nach dem Friedensabkommen von Chapultepec wurde die Rebellenarmee FMLN 1992 demobilisiert. Ebenfalls wurde die Halbierung der Armee und die Schaffung ziviler, demokratischer, den Menschenrechten verpflichteter Institutionen beschlossen. Die Erf√ľllung des Friedensabkommens wurde international wie national √ľberwacht.

Entscheidend f√ľr die erfolgreiche Umsetzung war die Tatsache, dass das Friedensabkommen weder Sieger noch Besiegte kannte und g√ľnstige au√üenpolitische Rahmenbedingungen, wie der Zerfall der Sowjetunion und das Ende des Ost-West-Konflikts herrschten. Seit dem Ende des B√ľrgerkrieges hat sich die politische Landschaft von einem autorit√§ren System zu einem demokratischen Staat hin entwickelt. Pr√§sidenten und Regierungen wurden bis 2009 zwar stets durch die rechtskonservative ARENA gestellt, jedoch konnte die FMLN zun√§chst bei Kommunalwahlen erheblich an Einfluss gewinnen. 2009 gewann sie schlie√ülich zun√§chst die Parlamentswahlen und sp√§ter die Pr√§sidentschaftswahlen mit 51¬†% der Stimmen.

Die nach dem Friedensabkommen verf√ľgte Generalamnestie wurde im Juli 2016 aufgehoben.

Politik

Die sozialen Probleme blieben nach dem Ende des B√ľrgerkrieges weiterhin gro√ü. Innerhalb der Zivilgesellschaft besteht wie in anderen L√§ndern Lateinamerikas ein gro√ües und nicht mit Europa vergleichbares Wohlstandsgef√§lle. Aufgrund der grassierenden Bandenkriminalit√§t gilt El Salvador als eines der gef√§hrlichsten L√§nder der Welt. Obwohl die Mordrate 2016 im Vergleich zum Vorjahr mit 6656 T√∂tungsdelikten gefallen ist, gab es noch 5278 T√∂tungsdelikte, was einer Rate von rund 80 Get√∂teten pro 100.000 Einwohnern entsprach. Die Rate fiel nochmals in den Jahren 2017 und 2018.

Die rechtskonservative ARENA (Alianza Republicana Nacionalista de El Salvador) und die aus der linken ehemaligen Guerilla hervorgegangene FMLN (Frente Farabundo Mart√≠ para la Liberaci√≥n Nacional) bildeten seit dem Ende des B√ľrgerkriegs ein Zweiparteiensystem im salvadorianischen Parlament (Asamblea Legislativa de la Rep√ļblica de El Salvador). Sie stellten bis zur Wahl von Nayib Bukele im Jahr 2019 abwechselnd den jeweiligen Pr√§sidenten.

Korruption behindert das einwandfreie Funktionieren der demokratischen Institutionen und die volle Wahrung der B√ľrgerrechte f√ľr alle Einwohner des Landes.

Im Juli 2016 entschied der Oberste Gerichtshof, dass ein 1993 erlassenes Amnestiegesetz, das Menschenrechtsverletzungen, die w√§hrend des B√ľrgerkriegs begangen wurden, au√üer Strafe setzte, verfassungswidrig war. In seinem Urteil stellte das Gericht fest, dass die Regierung verpflichtet sei, Kriegsverbrechen zu untersuchen und Wiedergutmachung zu leisten.

Politische Indizes

Präsidentenwahlen

Die Pr√§sidentschaftswahl 2019 fand am 3. Februar statt. Der anf√§ngliche Au√üenseiter Nayib Bukele (GANA), Ex-B√ľrgermeister San Salvadors, gewann mit 53,8¬†% der Stimmen vor dem Unternehmer Carlos Calleja (ARENA), Ex-Au√üenminister Hugo Mart√≠nez (FMLN) und dem Unternehmer Josu√© Alvarado (VAMOS). Dieses Wahlergebnis bedeutet einen Neuanfang au√üerhalb des bisherigen Zweiparteiensystems.

Sánchez Cerén konnte aufgrund der gesetzlichen Begrenzung auf eine Amtszeit nicht erneut als Präsident kandidieren.

Wahlen zur Asamblea Nacional

Die vorletzten Parlamentswahlen fanden im M√§rz 2018 statt. Bei den letzten Parlamentswahlen davor im M√§rz 2015 zur Legislativversammlung von El Salvador erhielt die Arena mit 38,77¬†% die meisten Stimmen (35 Sitze), gefolgt von der FMLN mit 37,28¬†% (31 Sitze) und der ‚ÄěGran Alianza de Unidad Nacional‚Äú (GANA) (9,26¬†%, 11 Sitze). Au√üerdem sind der konservative ‚ÄěPartido de Concertaci√≥n Nacional‚Äú (PCN) mit 6,77¬†% (6 Sitze) und der christlich-demokratische ‚ÄěPartido Dem√≥crata Cristiano‚Äú (PDC) mit 2,47¬†% (1 Sitz) im Parlament vertreten.

Anmerkung: ARENA im Jahr 2012 zusammen mit der ‚ÄěPartido de la Esperanza‚Äú (PES). CD steht f√ľr die Partei ‚ÄěCambio Democr√°tico‚Äú.

Bei den Parlamentswahlen am 28. Februar 2021 gewann die von Staatspr√§sident Nayib Bukele gef√ľhrte, erst 2018 gegr√ľndete Partei Nuevas Ideas zwei Drittel der Sitze (56 von 84).

Außenpolitik

In Lateinamerika geh√∂rt El Salvador zu den L√§ndern mit einer sehr engen au√üenpolitischen Anbindung an die Vereinigten Staaten. Die USA sind der gr√∂√üte Handels- und Investitionspartner und die √úberweisungen der sehr gro√üen salvadorianischen Gemeinde in den USA stellen 17¬†% des Bruttonationaleinkommens dar. Eine sehr wichtige Komponente hat zudem die sicherheitspolitische Zusammenarbeit der beiden L√§nder. Im Gegensatz zu der politisch links stehenden Allianz der ALBA-Staaten m√∂chte das Land den Freihandel ausbauen und dabei mit den USA kooperieren. El Salvador gilt dabei als bedeutende Kraft bei dem Ausbau der regionalen Integrations- und Freihandelssysteme und das Generalsekretariat des Zentralamerikanischen Integrationssystems SICA hat seinen Sitz in San Salvador. In Zentralamerika bildet El Salvador zusammen mit Guatemala und Honduras das sogenannte ‚Äěn√∂rdliche Dreieck‚Äú, das sich einer vertieften Zusammenarbeit im Bereich der Justiz, Wirtschaft und Politik verschrieben hat, mit dem Ziel einer umfassenden Integration zur Steigerung des allgemeinen Wohlstands in allen drei L√§ndern. Stark gef√∂rdert und unterst√ľtzt wird diese Allianz dabei von den Vereinigten Staaten, auch im Hinblick auf die eigenen Sicherheits- und migrationspolitischen Interessen. El Salvador ist zudem Beobachterstaat in der Pazifik-Allianz, in der das Land Potenzial f√ľr seine zuk√ľnftige wirtschaftliche Entwicklung sieht.

Die Europ√§ische Union und ihre Mitgliedstaaten genie√üen in El Salvador einen guten Ruf und gelten als Vorbild f√ľr die wirtschaftliche und politische Integration in Zentralamerika. Aufgrund der gro√üen geographischen Distanz stehen die Beziehungen allerdings im Schatten zu denen mit den USA. Seit 2007 besteht ein Assoziierungsabkommen zwischen den Staaten Zentralamerikas und der EU, dessen Handelsteil seit dem 1. Oktober 2013 angewendet wird. Auch aufgrund des √úbergewichts der USA ist El Salvador an einer Vertiefung der Beziehung mit der EU interessiert.

Das Land unterhielt lange Zeit enge Beziehungen zu der Republik China (Taiwan) und gehörte zu den wenigen verbliebenen Ländern, die die Volksrepublik China nicht anerkennen. 2018 wurden die diplomatischen Beziehungen zur Republik China abgebrochen und mit der Volksrepublik China aufgenommen.

Militär

Die Streitkr√§fte El Salvadors ist die Fuerza Armada de El Salvador. Sie verf√ľgten 2019 √ľber rund 22.000 Soldaten und im Jahr 2021 √ľber ein Budget von 270 Mio. $, welches damit 1,2¬†% des BIP entspricht.

Kriminalität

Infolge des Friedensvertrags von 1992 wurden viele ehemalige Mitglieder von Guerillagruppen und rechten paramilitärischen Organisationen arbeitslos. Rund 1.000.000 Waffen waren im Umlauf, sodass die Sicherheitslage im Land weiterhin prekär ist.

El Salvador weist weltweit die h√∂chste Rate gewaltsamer T√∂tungen auf und liegt dabei seit 2014 vor Honduras. Im Jahr 2015 kamen 105 Menschen pro 100.000 Einwohner durch T√∂tungsdelikte ums Leben. (Zum Vergleich: Die weltweite Rate liegt bei 6,2 pro 100.000.) Die Gefahr von Gewaltverbrechen ist √ľberaus hoch, die Hemmschwelle beim Gebrauch von Schuss- oder Stichwaffen ist niedrig. Es gibt in El Salvador eine sehr hohe organisierte Bandenkriminalit√§t. Diese Banden rekrutierten sich urspr√ľnglich aus R√ľckwanderern unter den 1 bis 2 Millionen salvadorianischer Migranten, die nach dem B√ľrgerkrieg in die Region von Los Angeles ausgewandert waren und dort illegal lebten. Die Beh√∂rde der Vereinigten Staaten f√ľr internationale Entwicklung gab die Zahl der 1998 bis 2005 weitgehend ohne Absprache mit den Regierungen nach Zentralamerika √ľberf√ľhrten Strafgefangenen mit ca. 40.000 an. Das Ministerium f√ľr Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten bezifferte die Zahl der zwischen 2001 und 2010 nach El Salvador √ľberf√ľhrten Straft√§ter mit 40.429. Viele von ihnen fanden weder Familienstrukturen noch soziale Bedingungen vor, die ihre Integration erm√∂glicht h√§tten. Den sich aus den Zur√ľckgef√ľhrten bildenden oder bereits vorher in Los Angeles existierenden Banden wie z.¬†B. der Mara Salvatrucha (auch MS-13), die vom US-Kongress zur internationalen kriminellen Vereinigung erkl√§rt wurde und ihr Hauptquartier in El Salvador hat, und der rivalisierenden M-18 geh√∂ren (gesch√§tzt) 25.000 Kinder und Jugendliche an. Als Aufnahmepr√ľfung wird ein Kreis gebildet, in den das neue Mitglied sich stellen muss und daraufhin verpr√ľgelt wird.

Der Drogenkonsum hat nach dem Krieg erheblich zugenommen. Jugendbanden in Heeresst√§rke beherrschen ganze Stadtviertel, vor allem im Viertel Mejicanos der Hauptstadt, aber auch auf dem Lande und erpressen Schutzgelder. Auch die Kinderprostitution nimmt zu. Das Familienleben ist nach dem Krieg sehr zu Schaden gekommen, die V√§ter sind oft in die USA migriert. Die Arbeit im Drogenhandel erscheint den R√ľckkehrern oft als einzige Besch√§ftigung. F√ľr √ľber 60.000 junge M√§nner und Jugendliche stellt die Bandenkriminalit√§t offensichtlich die einzige M√∂glichkeit dar, ihre Grundbed√ľrfnisse zu decken. Dabei nicht mitgez√§hlt sind die Familien, die in diesen Strukturen finanziell gefangen sind.

Zur Eskalation kam es 2003, wof√ľr viele Beobachter den Wahlpopulismus der konservativen ARENA-Partei und die von ihr proklamierte Politik der harten Hand (Mano dura) verantwortlich machten. Die Bandenmitglieder wurden als Terroristen verfolgt. Die Verwendung von Tattoos, die die Zugeh√∂rigkeit zu Banden wie M-13 oder M-18 zum Ausdruck brachten, wurde kriminalisiert. Auch 12-j√§hrige Kinder wurden bestraft. Innerhalb eines Jahres wurden 20.000 Personen festgenommen, mussten aber zum gr√∂√üten Teil 2004 wieder freigelassen werden, da das zugrunde liegende Gesetz f√ľr verfassungswidrig erkl√§rt wurde. Nach Ger√ľchten im Jahr 2004, dass al-Qaida die Bande M-13 infiltriere, richteten die Sicherheitsdienste der USA Sonderarbeitsgruppen f√ľr El Salvador ein und sandten zus√§tzliches Verbindungspersonal in die Region, das die einheimischen Kr√§fte bei der Bek√§mpfung der Banden unterst√ľtzte. Auch die ARENA-Partei fordert weiterhin eine Militarisierung des Kampfes.

Im M√§rz 2012 schlossen inhaftierte Bandenf√ľhrer ein von der OAS unterst√ľtztes Stillhalteabkommen mit der Regierung, wonach die Zahl der T√∂tungsdelikte um 60¬†% sank. Seit 2013 verzichten die Maras in einigen Stadtvierteln auf das Tragen von Waffen und den Drogenhandel. In dieser Situation setzte im Oktober 2012 das Finanzministerium der Vereinigten Staaten M-13 auf die Liste transnationaler terroristischer Organisationen. Die genauen Gr√ľnde daf√ľr sind unbekannt: Die Obama-Administration hatte sich nicht auf eine eindeutige Linie hinsichtlich der Bandenkriminalit√§t festgelegt. 2013 startete USAID ein 42-Millionen-US-Dollar-Programm zur Bek√§mpfung der Bandenkriminalit√§t, insbesondere vom M-13, durch eine Mischung von ‚ÄěRepression und Pr√§vention‚Äú. Da auch im Nachbarland Honduras die bewaffnete Repression der Bandenkriminalit√§t durch staatliche Organe verst√§rkt wurde, wurde ein √úbertreten der dortigen Banden auf salvadorianischen Boden bef√ľrchtet.

Seit Sommer 2013 steigt die Emigration unbegleiteter Jugendlicher in die USA wieder an. Von Oktober 2013 bis Juni 2014 √ľberquerten 57.525 unbegleitete salvadorianische Jugendliche ‚Äď das sind ca. 0,8¬†% der gesamten salvadorianischen Bev√∂lkerung ‚Äď die US-amerikanische Grenze und wurden dort festgesetzt. Von Mai auf Juni entspricht das einem Anstieg um ca. 23¬†%.

Seit dem zweiten Halbjahr 2013 kam es auch besonders h√§ufig zu √úberf√§llen auf Personen, zum Teil mit Todesfolge, nachdem sie Geld in Banken oder am Geldautomaten abgehoben hatten. Als besonders gef√§hrlich m√ľssen insbesondere die gro√üen St√§dte San Salvador, Santa Ana und San Miguel und auch die Departamentos La Paz, La Libertad und Sonsonate angesehen werden. Von der Benutzung √∂ffentlicher Busse wird dringend abgeraten. (Stand: 10. August 2014)

Die Mordrate stieg 2014 im Vergleich zu 2013 um 57¬†% von 2492 offiziellen T√∂tungsdelikten auf 3912. Darunter waren 39 Polizisten. Im M√§rz 2015 erreichte die Mordrate ein Zehn-Jahres-Hoch: 481 Menschen wurden in diesem Monat umgebracht. Allein Anfang April 2015 erfolgten 73 T√∂tungen in drei Tagen. Als Grund f√ľr den Rekord sehen Experten den Zusammenbruch eines Waffenstillstands verfeindeter Gangs.

Im Sommer 2015 kam es zu einer weiteren Eskalation. Die Mordrate erreichte im Juni die Zahl 677 (mehr als 22 im Tagesdurchschnitt), im ersten Halbjahr waren es 2865 Morde, also √ľber 50 Prozent mehr als im Vorjahr, im gesamten Jahr sogar 6656. Allein in den drei Tagen vom 16. bis zum 18. August 2015 wurden 125 Morde registriert. Auch die gezielte T√∂tung von Polizisten, oft in deren Freizeit, erreichte mit 41 F√§llen im laufenden Jahr 2015 einen Rekordwert. Immer √∂fter wurde die Armee f√ľr Polizeiaufgaben eingesetzt; etwa 300 Bandenmitglieder wurden von Januar bis August 2015 get√∂tet. Die Pl√§ne zur sozialen Pr√§vention und der Dialog im Rahmen des ‚ÄěNationalen Rats f√ľr Sicherheit und b√ľrgerliches Zusammenleben‚Äú wurden damit in den Hintergrund gedr√§ngt. 2015 sa√üen (ebenso wie noch 2019) 13.000 Menschen in den √ľberf√ľllten Gef√§ngnissen ein, in denen es zu zahlreichen Morden kam.

Einige Beh√∂rdenvertreter seien in die Aktivit√§ten der Banden verwickelt gewesen. Die FMLN-F√ľhrung hat die Arena-Partei einer Destabilisierungskampagne bezichtigt. Sie versuche, Unruhe in den Streitkr√§ften zu sch√ľren. Die Beh√∂rden intensivierten 2016 ihren Kampf gegen Banden wie die Mara Salvatrucha (MS-13) und die Barrio 18 und wurden von Menschenrechtsaktivisten f√ľr die zunehmend t√∂dlich verlaufenden Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskr√§ften und mutma√ülichen Bandenmitgliedern kritisiert.

Verwaltungsgliederung

Das Land ist in 14 Provinzen (Departamentos) aufgeteilt:

Jedes Departamento ist wiederum in Municipios unterteilt. Diese untergliedern sich in Cantones und diese wiederum in Caseríos.

Wirtschaft

Währung

Im Januar 2001 wurde der US-Dollar als offizielle Landesw√§hrung eingef√ľhrt. Die bisherige W√§hrung, der Col√≥n, war zwar weiterhin g√ľltig, trat aber praktisch nicht mehr in Erscheinung. Am 8. Juni 2021 verabschiedete das Parlament mit den Stimmen der Regierungspartei Nuevas Ideas von Pr√§sident Nayib Bukele ein Gesetz zur Einf√ľhrung der Kryptow√§hrung Bitcoin als zus√§tzliche offizielle Landesw√§hrung. Dieser Vorgang ist weltweit einmalig. Es wurde eine Frist von 90 Tagen festgesetzt, damit die Zentralbank und die Finanzmarktaufsicht die Umstellung umsetzen. Das Gesetz trat am 7. September 2021 in Kraft. Die Verwendung von Bitcoin ist demnach nicht Pflicht. H√§ndler m√ľssen aber Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren, sofern sie technisch dazu in der Lage sind. Auch Steuern k√∂nnen mit Bitcoin bezahlt werden. Auf den Tausch von Bitcoin wird keine Kapitalertragsteuer erhoben. Es gibt keinen festen Wechselkurs zum US-Dollar, der Markt entscheidet. Wer die von der Regierung unterst√ľtzte Cyberwallet-App Chivo erstmals herunterl√§dt, erh√§lt ein Startguthaben im Wert von 30 US-Dollar (rund 25 Euro), in etwa das Dreifache eines durchschnittlichen Tagesverdienstes. Die Regierung hat auch rund 200 Chivo-Geldautomaten installieren lassen. Eines der Hauptbedenken in El Salvador gegen die Bitcoin-Verwendung besteht darin, dass die kurzfristige Volatilit√§t des Bitcoinkurses zu Problemen f√ľr diejenigen f√ľhren k√∂nne, die sich ihr Gehalt in Bitcoin auszahlen lassen. JPMorgan bef√ľrchtet zudem, dass erh√∂hte t√§gliche Nutzung und verringerte Liquidit√§t eine √úberlastung des gesamten Bitcoin-Netzwerks bewirken k√∂nnten.

Allgemeine Entwicklung der Wirtschaft

Der monatliche Mindestlohn liegt bei 300 US-Dollar pro Person im Handels-, Industrie- und Dienstleistungssektor (Stand: 2018).

Das Jahr 2001 war f√ľr El Salvador infolge der Erdbeben, des historischen Verfalls der Kaffeepreise und des terroristischen Attentats vom 11. September in den USA (mit denen ca. 60¬†% des Au√üenhandels abgewickelt werden) ein ‚ÄěKatastrophenjahr‚Äú.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) f√ľr 2017 wird auf 28,0 Milliarden US-Dollar gesch√§tzt. In Kaufkraftparit√§t betr√§gt das BIP 57 Milliarden US-Dollar oder 8900 US-Dollar je Einwohner. In der Krise 2009 schrumpfte es um 3,1¬†%, 2010 lag die Wachstumsrate bei 1,4¬†%, in den Jahren danach bei ca. 1,5 bis 2¬†%. Das geringe Wachstum wird durch das Bev√∂lkerungswachstum mehr als absorbiert. In den letzten Jahren wurden in El Salvador verschiedene wirtschaftsliberale Reformen durchgef√ľhrt. Im Ease of Doing Business Index der Weltbank verbesserte sich das Land von Platz 112 im Jahr 2012 auf Platz 73 im Jahre 2018. Das Wirtschaftswachstum stieg bis 2017 auf 2,4¬†%. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt El Salvador Platz 108 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz 66 von 180 L√§ndern.

Zwar ist die Industrialisierung El Salvadors im Vergleich zu anderen L√§ndern Zentralamerikas fortgeschritten. Hauptexportg√ľter sind nach wie vor Kaffee, Zucker, Shrimps, Baumwolle, Gold und Chemikalien, in steigendem Umfang jedoch Textilien, die von etwa 80.000 Besch√§ftigten in steuerbefreiten Betrieben hergestellt werden. Die 23.000 Kaffeeproduzenten sind infolge des Preisverfalls teils hoch verschuldet.

Importiert werden vor allem Maschinen, Nahrungsmittel, Textilien, Fahrzeuge sowie Roh√∂l. 66¬†% der Exporte gehen in die USA, 46¬†% der Importe kommen von dort. Die gr√∂√üte Devisenquelle sind jedoch die √úberweisungen der ca. 2,6 Millionen legal oder illegal im Ausland ‚Äď meist in den USA ‚Äď lebenden Salvadorianer. Stammten 1978 noch 80¬†% der Deviseneinnahmen aus dem Export von landwirtschaftlichen G√ľtern, kommen heute 70¬†% der Einnahmen aus den R√ľck√ľberweisungen der im Ausland lebenden Salvadorianer (3,3 Mrd. $ 2006). Nach einem starken krisenbedingten R√ľckgang 2009 wurden allein im April 2011 wieder 309 Mio. US-Dollar von in den USA lebenden Salvadorianern in die Heimat √ľberwiesen.

Die Krise 2008/2009 f√ľhrte zu einem Arbeitsplatzverlust von ca. 3¬†%, wovon √ľberwiegend M√§nner betroffen waren. 2009 arbeiteten nur noch rund 18¬†% der Arbeitskr√§fte im Agrarsektor (gr√∂√üter Teil davon Kaffee), ferner u. a. 17¬†% in der verarbeitenden Industrie (meist in der Textil- und Nahrungsmittelindustrie), 29¬†% in Handel, Tourismus und Gastst√§tten, 11¬†% im Bildungs-, Gesundheitssystem und in sozialen Diensten. 40¬†% der Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren arbeiten nach Sch√§tzung der ILO in unqualifizierten oder gef√§hrlichen T√§tigkeiten. 110.000 Kinder von 5 bis 14 Jahren sollen arbeiten, meist in der Landwirtschaft. Gleichzeitig haben einige Branchen der salvadorianischen Industrie und Dienstleistungswirtschaft Rekrutierungsschwierigkeiten aufgrund mangelnder Englisch- und Maschinenbedienungskenntnisse.

Seit 60 Jahren hat El Salvador mit mehreren Entwicklungsmodellen experimentiert, von denen keines die gew√ľnschten Ergebnisse brachte. Das Entwicklungsprogramm der UNO (UNDP) schl√§gt daher in seinem neuen Bericht zur menschlichen Entwicklung die Einf√ľhrung eines Modells vor, dass das Wohlergehen des Volkes als oberstes Ziel hat. Diesem Bericht mit dem Titel ‚ÄěDe la pobreza y el consumismo al bienestar de la gente. Propuestas para un nuevo modelo de desarrollo‚Äú zufolge kann sich das Land nicht entwickeln und wird weiterhin nur mittelm√§√üige Leistungen erbringen, wenn es nicht mit dem gegenw√§rtigen Modell bricht. Die Studie zeigt auf, dass alle bisherigen Wirtschaftsmodelle (Agroexporte, Importsubstitution durch Industrialisierung, F√∂rderung der Textilexporte und Auslandsinvestitionen) immer von niedrigen L√∂hnen der Arbeiter als dem wichtigsten Bonus des Landes auf den internationalen M√§rkten ausgingen und damit die Unterbesch√§ftigung zur vorherrschenden Form der Subsistenz der Mehrheit der Bev√∂lkerung machten. Es flie√üen kaum Investitionen in die Landwirtschaft. Vor allem die kleinb√§uerliche Landwirtschaft verliert gegen√ľber den Plantagen an Boden.

Nach der Doktrin der Harvard-Schule muss f√ľr die Einwerbung von ausl√§ndischem Kapital mit Vorrang die Infrastruktur (Stra√üen, H√§fen, Stromnetz) ausgebaut werden. Doch auch nach Abschluss des Abkommens √ľber die zentralamerikanische Freihandelszone (CAFTA) im Jahre 2006 mit den USA ist der Umfang ausl√§ndischer Direktinvestitionen kaum gestiegen. Von 2004 bis 2009 fiel die Zahl der Arbeitspl√§tze in der verarbeitenden Industrie um ca. 10¬†%, die im Bausektor von 2007 bis 2009 um ca. 30¬†%. Erst seit der Krise 2008/2009 flie√üen mehr Investitionen in den Dienstleistungsbereich, z.¬†B. in Tourismus, Finanzwirtschaft und Call-Center.

Derzeit ist mehr als die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung unterbeschäftigt (44,3 %) oder arbeitslos (7 %). Unter jungen Menschen ist die Arbeitslosenquote etwa doppelt so hoch wie unter Erwachsenen. Ca. 38 % der Bevölkerung leben nach giz-Angaben unter der Armutsschwelle von 2 US-Dollar pro Tag.

Die Wirtschaft wuchs zwischen 1960 und 2009 im Jahresschnitt nur um 2,76 % und damit weniger als in allen anderen Ländern Zentralamerikas außer Nicaragua. Das Bruttoinlandsprodukt nahm im Schnitt um 1,1 % jährlich zu. Bei einer so geringen Wachstumsrate braucht das Land 29 Jahre, um das derzeitige Pro-Kopf-Einkommen Costa Ricas zu erreichen.

Spar- und Investitionsquote sind wegen der hohen Konsumbereitschaft gering. In den letzten Jahren konsumierte das Land mehr als es produzierte, z.¬†B. 2009 wurden f√ľr 100 Dollar, die produziert wurden, Waren und Dienstleistungen im Wert von 102,4 Dollar konsumiert. In diesem Ranking nimmt El Salvador den dritten Platz in der Welt ein. Staatliche Unterst√ľtzungsgelder haben einen Umverteilungseffekt zuungunsten der √Ąrmsten. Die 10¬†% √Ąrmsten bekommen zusammen nur 6,2¬†% der staatlichen Transferleistungen (Subventionen der √∂ffentlichen Verkehrs, der Strom- und Gaspreise), w√§hrend die 10¬†% Reichsten insgesamt 11,2¬†% der Transferleistungen erhalten.

Die gr√∂√üte Gewerkschaft ist die CNTS ‚Äď Confederaci√≥n Nacional de Trabajadores Salvadore√Īos mit 58.748 Mitgliedern.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (Kaufkraftparität) angeben.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von 6,318¬†Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von 5,443 Mrd. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergab sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 3,3¬†% des BIP.
Die Staatsverschuldung betrug 2016 16,0 Mrd. US-Dollar oder 59,9 % des BIP mit steigender Tendenz.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • 6,6¬†% Gesundheit
  • 3,1¬†% Bildung
  • 5,0¬†% Milit√§r

Kultur

Bildende Kunst

No√© Canjura ging fr√ľh nach Mexiko, wo er Diego Rivera und sp√§ter von Gauguin beeinflusst wurde. Die zweite H√§lfte seins Lebens verbracht er in Frankreich, wo sich am Werk der franz√∂sischen Realisten des 19. Jahrhunderts und an den barocken Realisten orientierte. Der international bekannteste lebende Maler El Salvadors ist C√©sar Men√©ndez (* 1954).

In Concepción de Ataco sind viele Hauswände mit Wandmalereien versehen.

Musik

Die Menschen El Salvadors sind vorwiegend Mestizen. Ihre Kultur spiegelt dieses Erbe der Mayas wider. Daneben hat sich eine v√∂llig neuartige Musikszene herausgebildet, die eine Mischung aus mittelamerikanischen Rhythmen und europ√§ischen Einfl√ľssen in Szene setzt. Die so genannte Nueva Cancion entwickelte sich vor etwa 50 Jahren. Die Texte bringen h√§ufig den Missmut √ľber so manche politische und wirtschaftliche Entwicklung zum Ausdruck. El Salvador verf√ľgt √ľber das Orquesta Digital de Carlos Anaya, das sowohl klassische als auch moderne Popmusik in digitaler Form als Instrumentalversionen zum Besten gibt, und einen Nationalchor.

Literatur

Medien

Radio Nacional de El Salvador ist die älteste Rundfunkstation des Landes.

Literatur

  • Klaas Dykmann: El Salvador. Die Menschenrechte im Visier: Die Auseinandersetzung vom Beginn des B√ľrgerkrieges bis zum Amnestiegesetz. LIT, Hamburg 1999, ISBN 3-8258-4194-4.
  • Hauke Hartmann: Die Menschenrechtspolitik unter Pr√§sident Carter: moralische Anspr√ľche, strategische Interessen und der Fall El Salvador. Campus, Frankfurt am Main u. a. 2004, ISBN 3-593-37508-7.
  • Daniela Ingruber: Friedensarbeit in El Salvador. Eine kritische Bestandsaufnahme. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-86099-289-9.
  • Aldo Lauria-Santiago, Leigh Binford (Hrsg.): Landscapes of Struggle: Politics, Society, and Community in El Salvador: Politics, Society and Community in El Salvador. University of Pittsburgh Press, Pittsburgh 2004, ISBN 0-8229-4224-0.
  • Michael Kr√§mer: El Salvador. Vom Krieg zum Frieden niedriger Intensit√§t. 2. Auflage. ISP, K√∂ln 1995, ISBN 3-929008-09-2.
  • Mary Kreutzer, Thomas Schmidinger: Niederlagen des Friedens. Gespr√§che und Begegnungen in Guatemala und El Salvador. Verlag Monika Wahler 2002, ISBN 3-9808498-0-5.
  • Jan Suter: Prosperit√§t und Krise in einer Kaffeerepublik. Modernisierung, sozialer Wandel und politischer Umbruch in El Salvador, 1910‚Äď1945. Vervuert 1996.
  • Virginia Q. Tilley: Seeing Indians: A Study of Race, Nation, and Power in El Salvador. University of New Mexico Press 2005.
  • Heidrun Zinecker: El Salvador nach dem B√ľrgerkrieg. Ambivalenzen eines schwierigen Friedens. Frankfurt am Main, Campus 2004, ISBN 3-593-37459-5.

Galerie von Standorten in El Salvador

Weblinks

  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in El Salvador
  • Webseitenindex von El Salvador
  • cibera ‚Äď Virtuelle Fachbibliothek Ibero-Amerika / Spanien / Portugal

Einzelnachweise


 

Region Regionen (0)

Abk Name O
SV.AH Ahuachap√°n  
SV.CA Caba√Īas  
SV.CH Chalatenango  
SV.CU Cuscatl√°n  
SV.LI La Libertad  
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SV.UN La Uni√≥n  
SV.MO Moraz√°n  
SV.SM San Miguel  
SV.SS San Salvador  
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Flagge: El Salvador

Name englisch: El Salvador
Hauptstadt: San Salvador
Kfz: ES
ISO: SV
ISO3: SLV
Fläche: 21040 km²
Tld: .sv
Wärung Einheit: USD
Währung: Dollar
Vorwahl: 503

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 14.4505567
südlichster Punkt: 13.1554312
westlichster Punkt: -90.1268106
östlichster Punkt: -87.6837516


 
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