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Pflanze Details
Der Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der StorchschnÀbel (Geranium) innerhalb der Familie der StorchschnabelgewÀchse (Geraniaceae).
Der Wald-Storchschnabel ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 60, selten bis zu 70 Zentimetern. Der meist gabelig verzweigte StĂ€ngel ist im unteren Bereich kurz anliegend behaart. Die oberen StĂ€ngelteile, die BlĂŒtenstiele, die BlĂŒten und die KelchblĂ€tter sind mit DrĂŒsenhaaren besetzt (Indument).
Die unteren bis mittleren LaubblĂ€tter sind wechselstĂ€ndig am StĂ€ngel angeordnet und in Blattstiel sowie -spreite gegliedert. Die krĂ€ftig grĂŒnen Blattspreiten sind fĂŒnf- bis siebenteilig bis unterhalb die Mitte fiederspaltig gelappt, mit breiteren, im unteren Teil tief eingeschnittenen, im oberen grob gezĂ€hnten Abschnitten. Die 6 bis 15 Zentimeter breiten Abschnitte enden in vielen Blattzipfeln.
Die BlĂŒtezeit reicht von Mai bis Juni oder in der Schweiz von Juni bis Juli. Die drĂŒsig behaarten BlĂŒtenstiele stehen nach der Anthese bis zur Reife der FrĂŒchte aufrecht.
Die zwittrige BlĂŒte ist bei einem Durchmesser von 22 bis 30 Millimetern radiĂ€rsymmetrisch und fĂŒnfzĂ€hlig mit doppelter BlĂŒtenhĂŒlle. Die fĂŒnf KelchblĂ€tter besitzen eine 2 bis 4 Millimeter lange Spitze. Die dunkel-blĂ€ulich- bis rötlichpurpurfarbenen BlĂŒtenkronen haben eine weiĂe Mitte, je nördlicher man diese Pflanzenart in Nordosteuropa antrifft, desto hĂ€ufiger findet man auch Formen mit rosafarbenen oder weiĂen BlĂŒten. Die fĂŒnf KronblĂ€tter sind 12 bis 18 Millimeter lang am oberen Ende gerundet und nicht ausgerandet. Es sind zwei Kreise mit je fĂŒnf fertilen StaubblĂ€ttern vorhanden. Die StaubblĂ€tter sind lanzettlich und an ihrer Basis nicht verdickt. Der Griffel endet in fĂŒnf Narben.
Die Frucht hat die typische storchschnabelartige Gestalt und ist mit Schnabel 2,5 bis 3,5 Zentimeter lang.
Die Chromosomengrundzahl betrÀgt x = 14; es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl 2n = 28 vor.
Das Verbreitungsgebiet von Geranium sylvaticum erstreckt sich von Europa ĂŒber Westasien und dem Kaukasusraum bis Zentralasien sowie Westsibirien. Es gibt Fundortangaben fĂŒr Belgien, Deutschland, Ăsterreich, Liechtenstein, die Schweiz, Italien, Korsika, Frankreich, Andorra, Spanien, Gibraltar, das Vereinigte Königreich, Irland, Island, die FĂ€röer-Inseln, DĂ€nemark, Norwegen, Schweden, Finnland, den europĂ€ischen Teil Russlands, Belarus, Estland, Litauen, Lettland, die Ukraine, die Krim, Polen, Ungarn, Tschechien, die Slowakei, Serbien, Kroatien, Bulgarien, RumĂ€nien, Albanien, Griechenland, die TĂŒrkei, den nördlichen Iran, Ciskaukasien, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Dagestan, Hakasija, Tuwa, Krasnoyarsk, Westsibirien sowie Kasachstan.
Der Wald-Storchschnabel gedeiht in prĂ€alpinen sowie in kĂŒstennahen nordischen Bereichen. Der Wald-Storchschnabel wĂ€chst meist in montanen bis subalpinen Wiesen und Hochstaudenfluren, Wald- und GebĂŒschsĂ€umen, aber auch bei Hecken, in Wiesen, an Ufern und Felsstandorten. In den AllgĂ€uer Alpen steigt er im Gipfelbereich des Rauheck in Bayern bis in eine Höhenlage von 2300 Metern auf. Im Kanton Wallis erreicht er eine Höhenlage von 2500 Metern.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w (feucht aber mĂ€Ăig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 2+ (unter-subalpin und ober-montan), NĂ€hrstoffzahl N = 4 (nĂ€hrstoffreich), KontinentalitĂ€tszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
Geranium sylvaticum ist in Mitteleuropa eine schwache Charakterart der Klasse der subalpinen Hochstaudenfluren (Betulo-Adenostyletea); kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der VerbĂ€nde Goldhaferwiese (Polygono-Trisetion) als Trennart, Gierschgesellschaften (Aegopodion), Mesotherme Saumgesellschaften (Trifolion medii) oder Hartholz-AuenwĂ€ldern (Alno-Ulmion), dort in der Assoziation Grauerlen-Auewald (Alnetum incanae) vor. Er ist eine Begleitart der Assoziation Hasen-Laserkraut-Saum (Bupleuro longifolii-Laserpitetum latifolii) im Verband der xerothermen Saumgesellschaften (Geranion sanguinei). Diese montane Saumgesellschaft erstreckt sich in Hochlagen von der SchwĂ€bischen Alb bis zum Steigerwald. Neben den namensgebenden Charakterarten BreitblĂ€ttriges Laserkraut und LangblĂ€ttriges Hasenohr bestimmen Wald-Witwenblume, Berg-Distel, BlaugrĂŒne Segge, Hasenlattich, GroĂe Bibernelle und Ochsenauge das Bild der Assoziation.
Die Erstveröffentlichung von Geranium sylvaticum erfolgte 1753 durch Carl von LinnĂ© in Species Plantarum, Tomus II, S. 681. Das Artepitheton sylvaticum bedeutet âim Wald wachsendâ. Synonyme fĂŒr Geranium sylvaticum L. sind: Geranium aconitifolium sensu Knaf, Geranium aconitifolium subsp. venosum Pers., Geranium albiflorum sensu Korsh., Geranium alpestre Schur, Geranium angulatum Curtis, Geranium argenteum Geners. non L., Geranium batrachioides Hocq. non Cav., Geranium caroli-principis PanĆŁu, Geranium caeruleo-purpureum Gilib. nom. inval., Geranium eglandulosum (Äelak.) Dalla Torre, Geranium fastigiatum (Fr.) Gliemann, Geranium knollii Rchb., Geranium krylovii Tzvelev, Geranium lemanianum Briq., Geranium losae Sennen, Geranium praealpinum Beck, Geranium pratense subsp. sylvaticum (L.) Bonnier & Layens, Geranium purpureo-caeruleum sensu Ledeb., Geranium sylvestre Bab., Geranium uralense Kuvaev, Geranium venosum sensu B.D.Jacks., Geranium sylvaticum subsp. lemanianum (Briq.) Schinz & R.Keller,
Der Wald-Storchschnabel ist seit 1623 in Kultur. Er wird in NaturgĂ€rten und Staudenrabatten angepflanzt und gedeiht in sonnigen bis halbschattigen Standorten. Die Vermehrung erfolgt durch Aussaat und Teilung. Es gibt mehrere Sorten, wie z. B. âAlbumâ, die sich durch weiĂe BlĂŒten auszeichnet. Eine weitere Sorte, âMeranâ, besitzt dunkelblaue BlĂŒten. Die Sorte âMayflowerâ hat blauviolette BlĂŒten mit weiĂem âAugeâ in der BlĂŒtenmitte. Diese, aber auch andere Sorten und Arten, werden im Handel bisweilen auch als Garten-Storchschnabel bezeichnet.
Im Schwarzwald sollen die BlĂŒten zum BlaufĂ€rben von Ostereiern verwendet worden sein. Auf Island soll das schon in vorchristlicher Zeit gewesen sein. In Norwegen wurde aus Pflanzenteilen ein gelber Farbstoff gewonnen.
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Fotos: Geranium sylvaticum (2)