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Pflanze Details
Der Huflattich (Tussilago farfara) ist die einzige Pflanzenart der Gattung Tussilago aus der Familie der KorbblĂŒtler (Asteraceae). Er gehört jedoch nicht zur Gattung der echten Lattiche (Lactuca). Der Name -lattich geht auf das lateinische lapaticum zurĂŒck, mit dem man ursprĂŒnglich verschiedene groĂblĂ€ttrige Pflanzen bezeichnete und das sich ĂŒber laptica und lattica zu Lattich wandelte. Huflattich gehört zu den ersten FrĂŒhjahrsblumen, deren BlĂŒten vor der Entwicklung der LaubblĂ€tter erscheinen. 1994 war er in Deutschland die Heilpflanze des Jahres und ist auch bekannt als Breit-, Brust- oder Eselslattich, Latten, Lette, Ackerlatsche, Wanderers Klopapier, Kuhfladen, Esels- oder Rosshuf (lateinisch Ungula caballina, auch Farfara), Eselstappe, FohlenfuĂ, Hufblatt und Zieglerblume.
Der Huflattich wĂ€chst als ausdauernde (perennierende) krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 30 Zentimetern. Die langgestielten und grundstĂ€ndigen LaubblĂ€tter erreichen etwa 10 bis 20 Zentimeter Breite. Sie sind gezĂ€hnt und herz- oder hufförmig. Durch die weiĂfilzige Blattunterseite ist das stark-nervige Adernetz nicht deutlich sichtbar. Anfangs ist auch die Blattoberseite weiĂwollig-filzig, verkahlt aber rasch. Die BlĂ€tter, deren leicht bitterer Geschmack zusammenziehend wirkt, haben einen schwachen Geruch.
Die BlĂŒtezeit reicht von Februar bis Mai; im Gebirge (selten auch in tieferen Lagen ein 2. Mal) im August. Zeitig im FrĂŒhjahr erscheinen zunĂ€chst nur die korbförmigen BlĂŒtenstĂ€nde, die etwa 300 weibliche gelbe ZungenblĂŒten und 30 bis 40 mĂ€nnliche gelbe RöhrenblĂŒten enthalten. Die ZungenblĂŒten stehen mehrreihig, sind etwas lĂ€nger als die HĂŒlle und kaum 0,5 Millimeter breit. Erst nach deren VerblĂŒhen folgen die BlĂ€tter. Zur BlĂŒtezeit sind die StĂ€ngel lediglich mit braunen oder rötlichen, behaarten SchuppenblĂ€ttern dicht besetzt. VerblĂŒhte StĂ€ngel strecken sich betrĂ€chtlich und sind bis kurz vor der Reife der âSamenâ deutlich ĂŒberhĂ€ngend nickend, danach aufrecht. Dies begĂŒnstigt die Ausbreitung durch Luftbewegungen (Anemochorie). Die BlĂŒten duften schwach honigartig und schmecken Ă€hnlich wie die BlĂ€tter, jedoch etwas sĂŒĂer. Die zahlreichen HĂŒllblĂ€tter des BlĂŒtenkorbs sind lineal-lĂ€nglich, stehen einreihig, sind grĂŒn und mehr oder weniger rot ĂŒberlaufen.
Die AchÀnen sind 3 bis 11 Millimeter lang, lÀnglich walzenförmig, kahl, gestielt; ihr Pappus ist mehrreihig und besteht aus langen seidig-glÀnzenden Haaren, die drei- bis viermal so lang sind wie die AchÀne.
Die Chromosomenzahl betrÀgt 2n = 60.
Die BlĂ€tter des Huflattichs sind leicht mit den sehr Ă€hnlichen BlĂ€ttern der WeiĂen Pestwurz (Petasites albus, synonym: Tussilago alba) zu verwechseln. Die HuflattichblĂ€tter sind jedoch im Allgemeinen kleiner als die der WeiĂen Pestwurz und haben schwarze BlattrandzĂ€hne. Bei der Pestwurz sind die LeitbĂŒndel im Querschnitt des Blattstiels unregelmĂ€Ăig und nicht U-förmig angeordnet wie beim Huflattich.
Der Huflattich treibt aus einem Rhizom mit kriechenden, bis zu 2 Meter langen unterirdischen AuslÀufern. Die Huflattichwurzeln reichen bis in 60 bis 80 Zentimeter, selten bis 250 Zentimetern Tiefe.
Die BlĂŒtezeit erstreckt sich von Februar bis April. Der Huflattich gehört somit zu den ersten FrĂŒhjahrsblumen und wird von Bienen, KĂ€fern und Schwebfliegen bestĂ€ubt. Auch SelbstbestĂ€ubung kommt vor. Die Samenausbreitung erfolgt (wie beim Gewöhnlichen Löwenzahn) durch Schirmflieger ĂŒber den Wind. Auch ĂŒber Klettausbreitung und Ameisen werden die Samen weitergetragen. Jedes Köpfchen entwickelt im Durchschnitt 130 reife AchĂ€nen.
Der Huflattich dient mehreren in ihrem Bestand gefĂ€hrdeten Schmetterlingsarten als Futterpflanze, darunter den Raupen des Alpen-WĂŒrfeldickkopffalters (Pyrgus cacaliae), der GroĂen Bodeneule (Rhyacia lucipeta) und der Gelblichen Alpen-Erdeule (Xestia ochreago). Larven der Fliege Acidia cognata minieren in den BlĂ€ttern von Huflattich und Pestwurzen.
Der Huflattich wird von den Rostpilzen Puccinia poarum var. poarum (mit Spermogonien und Aecien) und Coleosporium tussilaginis (mit Uredien und Telien) befallen. Er ist auch eine Wirtspflanze der Pestwurz-Sommerwurz (Orobanche flava).
Der Huflattich ist in Europa, Nord-Afrika und in Asien heimisch. In Nordamerika gilt er als eingebĂŒrgert (invasive Pflanze).
Er besiedelt wechselfeuchte oder mĂ€Ăig feuchte helle Standorte und scheut saure Böden. Im Gebirge kommt er bis in Höhenlagen von etwa 2300 Metern vor. In den AllgĂ€uer Alpen steigt er am Hochrappenkopf in Bayern bis zu 2115 m Meereshöhe auf. Bei Bormio erreicht er sogar die Höhenlage von 2400 Meter, in Tirol am Scarljoch 2500 Meter und in GraubĂŒnden im Val del Fain 2640 Meter.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+ (feucht), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3 (montan), NĂ€hrstoffzahl N = 3 (mĂ€Ăig nĂ€hrstoffarm bis mĂ€Ăig nĂ€hrstoffreich), KontinentalitĂ€tszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
Huflattich ist nach Gerhard Madausâ Lehrbuch der biologischen Heilmittel von 1938 die einzige Pflanzenart, die selbst auf reiner Braunkohle gedeihen kann. Des Weiteren gilt er als Zeigerpflanze fĂŒr staunasse Bereiche.
Unter bestimmten Bedingungen kann der Huflattich zur alles beherrschenden Charakterart einer besonderen Pflanzengesellschaft werden, der Huflattichflur (Poo-Tussilaginetum Tx. 1931). Diese wird dem Verband der halbruderalen Halbtrockenrasen (Convolvulo-Agropyrion) untergeordnet. Von Natur aus eine Pionierpflanze auf mindestens wechselfeuchten, lehmigen oder tonigen Rohböden, findet der Huflattich durch menschliches Zutun zum Beispiel an StraĂenböschungen, Sandgruben, Baustellen, Erdablagerungen und SteinbrĂŒchen manchmal Bedingungen, die zu MassenbestĂ€nden fĂŒhren. Im Sommer wachsen hier vor allem RispengrĂ€ser (Poa). Da die Huflattichflur meist als Folge der TĂ€tigkeit des Menschen entsteht, wird sie in der Regel bald von anderen Pflanzengesellschaften verdrĂ€ngt. Nur an natĂŒrlichen Standorten wie Bach- und Flussufern bleibt sie lĂ€nger stabil. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der Huflattich auf den TrĂŒmmern der StĂ€dte (z. B. in Stuttgart und anderswo) die vorherrschende Pflanze in der zweiten Besiedlungswelle nach der Welle der EinjĂ€hrigen.
Die Erstveröffentlichung von Tussilago farfara erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 865. Tussilago farfara ist die einzige Art der Gattung Tussilago. Die Gattung Tussilago gehört zur Tribus Senecioneae in der Unterfamilie Asteroideae innerhalb der Familie Asteraceae.
Der heutige Gattungsname Tussilago ist erstmals in der Naturalis historia (26, 30) des Plinius belegt und eine Ableitung von lateinisch tussis âHustenâ mit dem auch bei anderen Pflanzennamen vorkommenden Suffix -(il)Ägo. Das Art-Epitheton farfara ist aus dem Lateinischen entlehnt (Plautus fragmentum inc. 50 farfari, Poenulus 478 farferi, Plin. Nat. hist. 24, 135 farfarum âHuflattichâ), der weitere Ursprung ist unklar; wahrscheinlich daraus umgebildet ist farfugium (Plin. Nat. hist. 1, 24, 85 farfugio), das als Zusammensetzung aus far âGetreide, Mehlâ und fugio âfliehenâ bzw. fugo âin die Flucht schlagenâ erscheint und daher als âGetreidescheucheâ gedeutet wird. Der deutsche Name bezieht sich, wie die alte lateinische Bezeichnung ungula caballina (Pferdehuf, im Mittelalter auch âPferdeklaueâ), auf die hufförmige Gestalt der BlĂ€tter. Ein lateinischer Name der Pflanze ist auch Bechium (von griechisch ÎČÎźÏÎčÎżÎœ; vgl. altgriechisch ÎČÎźÎŸ, ÎČηÏÏÏ âHustenâ).
Der Huflattich gehört nicht zur Gattung der echten Lattiche (Lactuca), deren Name vom hohen Gehalt dieser Pflanzen an Milchsaft (lateinisch lac âMilchâ) herrĂŒhrt. Der Name -lattich geht auf das lateinische lapaticum (auch lappacium) zurĂŒck, mit dem man ursprĂŒnglich verschiedene groĂblĂ€ttrige Pflanzen bezeichnete und das sich ĂŒber laptica und lattica zu Lattich wandelte. Huflattich wurde im Mittelalter auch als Lappacium rotundum und Bardana maior bezeichnet.
Inhaltsstoffe sind unter anderem Polysaccharide, Schleimstoffe, Sterole, Bitterstoffe und Gerbstoffe.
Der Huflattich gilt als bedeutsame Heilpflanze bei Hustenreiz und wirkt schleimlösend als Muzilaginosum. Arzneilich wirksamster Teil sind die BlĂ€tter (Droge: Farfarae folium). Der Huflattich gehört zu den Ă€ltesten Hustenmitteln. Schon Dioskurides, Plinius und Galenos empfehlen den Rauch der angezĂŒndeten BlĂ€tter gegen Husten. Auch Hildegard von Bingen weist auf die Heilkraft des Huflattichs bei Erkrankung der Atmungsorgane hin. Die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes sah eine Wirksamkeit von HuflattichblĂ€ttern gegeben bei âakuten Katarrhen der Luftwege mit Husten und Heiserkeitâ sowie âakuten, leichten EntzĂŒndungen der Mund- und Rachenschleimhautâ, was die Zulassung als Arzneimittel in Deutschland begrĂŒndete. Zubereitungen aus HuflattichblĂ€ttern und -blĂŒten enthalten mutagene und potentiell karzinogene Pyrrolizidinalkaloide (PA). Nach aktuellem Erkenntnisstand dĂŒrfen HuflattichblĂ€tter-haltige Arzneimittel â egal in welcher Darreichungsform â einen Grenzwert von 1 ÎŒg PA pro maximal deklarierter Tagesdosis nicht ĂŒberschreiten. Der in der Kommission E-Monographie genannte Grenzwert von 10 ÎŒg PA ist damit nicht mehr gĂŒltig. Dies bedeutet, dass nur geprĂŒfte Heilpflanzendrogen aus kontrollierten Kulturen mit reduziertem PA-Gehalt angewendet werden sollten. Im Fall von Huflattich wurden PA-freie Sorten herausselektioniert, was die Herstellung von Huflattich-Arzneimitteln prinzipiell wieder erlaubt; die Pflanze findet jedoch derzeit keine Verwendung in der Medizin. Auch in PrĂ€paraten der Paramedizin ist kein Bestandteil der Tussilago farfara nachweisbar.
Die groĂen BlĂ€tter des Huflattichs sind unterseits weich behaart und werden daher von Naturfreunden auch als Toilettenpapier benutzt.
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Fotos: Tussilago farfara (2)