Pflanzen Kriechender Günsel Ajuga reptans Guldengünsel
Pflanze zu Favoriten
0
Pflanze gefällt 0 Benutzern

Foto Fotos (1 von 1)

Diashow hier starten
Voriges Bild anzeigen
Nächstes Bild anzeigen
  • Simetsberg

Info Pflanze Details

Informationen:


Der Kriechende Günsel (Ajuga reptans), auch Guldengünsel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Günsel (Ajuga) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Der Kriechende Günsel ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 30, selten bis zu 50 Zentimetern erreicht. Sie besitzt ein kurzes, kräftiges Rhizom und lange Ausläufer, die sich nur an den Endknoten bewurzeln. Nur eine im Gebirge auftretende Varietät (Ajuga reptans var. alpina) hat keine Ausläufer. Der meist aufrechte Stängel ist vierkantig, unten rot-violett überlaufen und im oberen Bereich ringsum oder nur zweizeilig flaumig behaart.

Die Laubblätter sind in grundständigen Rosetten und gegenständig am Stängel verteilt angeordnet. Die Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der Blattstiel nimmt ein Viertel bis die Hälfte der Blattlänge ein. Die Blattspreite ist bei einer Länge von 4 bis 8, selten bis zu 12 Zentimetern sowie einer Breite von 1 bis 3, selten bis zu 5 Zentimetern eiförmig-spatelig und oberseits glänzend. Die Blattspreiten sind meist wellig bis seicht gekerbt oder fast ganzrandig und runzelig. Sie sind beiderseits oder nur unterseits kurz rau behaartig. Es sind wenige Stängelblätter vorhanden, manchmal trägt schon das unterste, spätestens aber das drittunterste Paar Blüten.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von April bis Juni, selten blühen einzelne Pflanzenexemplare auch noch später. Drei bis sechs Blüten sind in Zymen angeordnet, die zu zweit einen Scheinquirl bilden. Vier bis 8 Scheinquirle, von denen die untersten entfernt stehen und die oberen zusammengedrängt sind, bilden zusammen einen scheinährigen Blütenstand. Die Tragblätter sind einfach. Der Blütenstiel ist nur kurz.

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist glockig, mehr oder weniger rau behaart und zur Fruchtzeit nur wenig vergrößert. Die Kelchzähne sind dreieckig und etwa so lang wie die Kelchröhre. Die Blütenkronen sind meist blau gefärbt mit helleren Streifen, seltener rosafarben oder weiß (Albino). Eine Besonderheit der 1 bis 1,5 Zentimeter langen Blütenkronen ist die scheinbar fehlende, aber tatsächlich vorhandene aber winzige Oberlippe. Die Kronröhre ist lang und gerade, sie ist außen flaumig behaart und hat innen tief unter den Staubblättern einen weißen Haarkranz. Die Kronoberlippe ist kurz zweispitzig. Die Unterlippe ist halb so lang wie die Kronröhre, tief dreilappig mit ausgerandetem Mittellappen. Die Staubblätter sind fast gleich lang und besitzen gelbe Staubbeutel.

Typisch für Lippenblütler werden vierteilige Klausenfrüchte gebildet, die in vier einsamige Teilfrüchte zerfallen (Bruchfrucht). Die Klausen sind bei einer Länge von etwa 2 Millimetern eiförmig, sehr fein netzig und haben eine fast die ganze Innenseite einnehmende, vom Elaiosom bedeckte Anheftungsfläche.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32.

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von Ajuga reptans erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 561. Synonyme für Ajuga reptans (L.) sind: Ajuga vulgaris Rouy, Ajuga vulgaris subsp. reptans (L.) Rouy, Bugula reptans (L.) Crantz, Teucrium reptans (L.) Salisb.

Vorkommen

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Kriechenden Günsels erstreckt sich von Europa bis zum Kaukasusraum und bis zum nördlichen Iran. In Nordafrika kommt er in Algerien und in Tunesien vor. In Europa kommt er in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Island und Finnland. In Nordamerika, in Venezuela und Neuseeland ist Ajuga reptans ein Neophyt.

Der Kriechende Günsel gedeiht in Mitteleuropa auf frischen, nährstoffreichen, neutralen bis mäßig sauren, humosen Lehmböden auf Wiesen, in Laubwäldern, an Waldrändern, unter Hecken und in Gärten. In Mitteleuropa wächst er oft in Arrhenatheretalia-Gesellschaften, aber auch in Fagetalia-Gesellschaften. Er ist ein Nährstoff- und Frische-Zeiger und eine Licht- bis Halbschatten-Pflanze. In den Alpen kommt er im Kanton Wallis bis in Höhenlagen von etwa 2000 Metern vor. In den Allgäuer Alpen steigt er auf dem Südwestgrat des Diedamskopfs in Vorarlberg in eine Höhenlage von bis zu 1800 Meter auf.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).

Ökologie

Blütenbesucher sind hauptsächlich langrüsselige Bienen und Hummeln, aber auch Schwebfliegen und Schmetterlinge.

Inhaltsstoffe

Wichtige Inhaltsstoffe sind:

  • Iridoidglycoside: 8-O-Acetyl-Harpagid (Hauptmenge in dieser Gruppe), Harpagid, Ajugol, Ajugosid, Reptosid
  • Phenolsäuren: Kaffeesäure, p-Cumarsäure, Ferulasäure
  • Phenylethanoid-Glycoside: Teupoliosid
  • Flavonoide und deren Glycoside: Quercetrin (ein Glycosid des Quercetins), Luteolin, Apigenin
  • Polyphenole: z. B. Tannine
  • Neo-Clerodan-Diterpenoide
  • Anthocyane: Cyanidin
  • Phytoecdysteroide

Nutzung

Zierpflanze

Kriechender Günsel wird auch als Bodendecker unter lichten Sträuchern und Bäumen verwendet, besonders die Variante mit metallisch glänzendem dunkelrotem Laub. Durch die langen Ausläufer wächst er oft auch in den Rasen und wird dann meistens als „Unkraut“ betrachtet. Außerdem gibt es Zuchtformen, die z. T. geflecktes Laub haben oder weniger ausbreitungsfreudig sein sollen.

Heilpflanze

Der Kriechende Günsel wirkt antibakteriell, antioxidativ, appetitanregend, blutdrucksenkend, entzündungshemmend, gallenflussanregend, leberstärkend, schmerzlindernd, wundheilend, verdauungsfördernd und zusammenziehend.

Ein Aufguss aus getrockneten blühenden Pflanzenteilen des Kriechenden Günsels soll getrunken gegen Rheuma, Magengeschwüre, Angina und Durchfall helfen, äußerlich angewendet gegen Hautentzündungen, Hämorrhoiden und Schleimhautentzündungen.

Für Heilzwecke werden die voll aufgeblühten oberirdischen Teile des Kriechenden Günsels gesammelt, die frisch oder getrocknet (Ajugae herba) verwendet werden können. Vor allem, wenn man die gesammelten Pflanzenteile trocknen möchte, sollte man sie so schonend wie möglich ernten (nicht quetschen), da es sonst beim Trocknen zur Oxidation und damit zum Verlust von Iridoid-Wirkstoffen kommt, was sich durch Schwarzfärbung während der Trocknung zeigt.

Heute wird der Kriechende Günsel für Heilzwecke selbst in der Volksheilkunde kaum noch genutzt. Dies ist erstaunlich, da der Kriechende Günsel noch vor ein paar Jahrhunderten eine bedeutende Heilpflanze war (vgl. Abschnitt Geschichte unten) und sein Potential als Heilpflanze durch aktuelle Untersuchungen belegt wird.

Die Bedeutung, die der Kriechende Günsel in früheren Zeiten als Heilpflanze hatte, zeigt sich besonders auffällig in der folgenden Zitierung aus Nicholas Culpepers The Complete Herbal aus dem 17ten Jahrhundert, die dort einer Beschreibung der Verwendung des Kriechenden Günsels als Wundheilmittel vorangestellt ist:

Nach alten Vorschriften soll die Pflanze am besten vor Sonnenaufgang bei Neumond Ende Mai oder im Juni gesammelt werden.

Essbare Wildpflanze

Zur Verwendung in der Küche können die jungen Blätter, die knospenden oder aufgeblühten Blütentriebe oder die Blüten genutzt werden. Der Grundgeschmack der Pflanze ist sehr streng, chicoréeartig, bitter. Sehr gut schmecken die noch geschlossenen, knospenden Blütenstände. Man sollte sie ernten, bevor sich der Blütenstand in die Höhe reckt und sich die ersten Blüten öffnen. In diesem Stadium (zapfenähnliche Form) haben sie einen angenehm chicoréeartigen Geschmack.

Trivialnamen

Weitere Trivialnamen für den Kriechenden Günsel sind oder waren, zum Teil auch nur regional: Apfelblätter (Ens), Bilibluama (St. Gallen bei Chaster), Bimu (mittelhochdeutsch), Blawellen (Zillertal bei Fügen), Braunellen (Zillertal bei Fügen), Buggeln (Bern), Consel (mittelhochdeutsch), Cunseln (mittelhochdeutsch), gülden Günsel, gulden Güntzel (mittelhochdeutsch), blauer Gukguk (Altmark, Schlesien), Gunsel (bereits mittelhochdeutsch), Guntzel, Gutzegagel, Heilkräutlein (Schwaben), Hundzung (mittelhochdeutsch), St. Kathrinamaja (St. Gallen bei Sargans), Kriechgünsel, Lorenzkraut (Schlesien), blow Meyblume, Melcherdözen (Salzburger Alpen), Melcherstözen, Riesli (Toggenburg), Sappenkraut, Steingünsel, Wiesengünsel (Schweiz), Wiesenkräutlein, Wisskrut (mittelhochdeutsch), Wundkrut (mittelhochdeutsch), Wundecrut (mittelhochdeutsch), Wuntcrut (mittelhochdeutsch) und Zapfenkraut (Schlesien).

Geschichte

Grimms Wörterbuch gibt für „Günsel“ folgende Erklärung:

„Gunsel, günsel, auch gunzel, günzel, ein Heilkraut, Ajuga reptans. Aus mittellateinisch, lateinisch consolida, das von consolidare ‚festmachen‘ hergeleitet ist und die dieser Pflanze zugeschriebene zusammenschweißende Kraft bezeichnet.“

Vom 13. bis 16. Jahrhundert wurden unter anderem auch folgende Heilpflanzen als consolida (lateinisch; „Festmacherin“) bezeichnet, wobei eine exakte Zuordnung nicht immer möglich ist:

  • Kleine Braunelle, Wald-Sanikel und Gänseblümchen (Consolida minor).
  • Kriechender Günsel (Consolida media, Consolida aurea, Consolida mediocris).
  • Echter Beinwell (Symphytum officinale) und Rundblättriges Wintergrün (Consolida, Consolida maior).
  • Gewöhnlicher Feldrittersporn (Consolida regalis).

Der Kriechende Günsel wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Elsässer Handschriften als „klein guntzel“ bezeichnet:

Hieronymus Brunschwig übernahm diese Indikationen auch in sein Kleines Destillierbuch und nannte den Kriechenden Günsel „güldin gunsel“. Vom Kleinen Destillierbuch gelangten die Beschreibungen des Kriechenden Günsels in die Kräuterbücher der Väter der Botanik (Otto Brunfels, Hieronymus Bock und Leonhart Fuchs). Diese glaubten den Kriechenden Günsel im «chamaipitys» (χαμαίπιτυς) des Dioskurides wiederzuerkennen.

Historische Abbildungen

Literatur

  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5. 
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5. 
  • Gunter Steinbach (Hrsg.), Bruno P. Kremer et al.: Wildblumen. Erkennen & bestimmen. Mosaik, München 2001, ISBN 3-576-11456-4.
  • Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.

Einzelnachweise

Weblinks

  • Ajuga reptans L., Kriech-Günsel. auf FloraWeb.de
  • Steckbrief und Verbreitungskarte für Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns.
  • Thomas Meyer: Günsel  Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
  • Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 561. eingescannt (Erstveröffentlichung).
  • Datenblatt bei Flora Vascular.


Quelle: Wikipedia

Kommentar Meinungen und Kommentare


Fotos Fotos: Ajuga reptans (1)

  •   Simetsberg   1 Markierung auf diesem Bild   Die Koordinaten für dieses Bild sind:
    47.569035 , 11.29635
      Diashow hier starten
Ordnung:
Lamiales
Lippenblütlerartige
Familie:
Lamiaceae
Lippenblütler
Gattung:
Ajuga
Günsel
Blütenfarbe:
violett
giftig: k.A.
geschützt: k.A.
essbar: k.A.
Heilpflanze: k.A.

erstellt von Tom Hofer
- erstellt von Tom Hofer am 04.02.2026
Ajuga reptans ( Kriechender Günsel,Guldengünsel )
Ajuga reptans ( Kriechender Günsel,Guldengünsel )

Genabi Gesundheit.Nachhaltigkeit.Bio Twitter twitter.com/deinebergede Instagram instagram.com/deineberge.de Facebook facebook.com/DeineBerge Frage Kontakt Fragen, Fehler, Lob, Kritik?
Schreib uns eine Nachricht.