Rossminze Mentha longifolia
Ross-Minze, Waldminze
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Pflanze Details
Die Rossminze (Mentha longifolia) genannt auch Waldminze, eine Art aus der Gattung der Minzen (Mentha) gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).
Es ist eine schnellwachsende, ausdauernde krautige Pflanze mit kräftigem Geschmack. Die Pflanzen erreichen normalerweise Wuchshöhen von etwa 50 Zentimetern, können aber unter günstigen Umständen deutlich größer werden, bis weit über 1 Meter. Am besten kann man die Rossminze an ihren länglich ovalen und kurz aber zottig behaarten Blättern erkennen. Die Blätter werden zwischen 4 und 9 Zentimeter lang und zwischen 1 und 2 Zentimeter breit. Genau wie der Stängel sind sie kurz und weich, weiß-, grau- oder grünzottig. Am Rande sind die Blätter mit nach vorne gerichteten Zähnen gezähnt. Die Blätter sitzen oder haben nur einen sehr kurzen Blattstiel.
Die Blüten sind rosarot, in manchen Fällen auch weißlich oder malvenfarbig. In der Höhe des Blütenstandes verzweigt sich der Stängel rispig. An den Rispenästen sitzen dann die vielblütigen Scheinquirlen und bilden dichte Scheinähren. Die Blütezeit ist von Juli bis September.
Die Rossminze ist ungiftig und essbar, ihr Geschmack wird jedoch von manchen Menschen als unangenehm empfunden.
Die Rossminze hat die Chromosomenzahlen 2n = 24, 36 oder 48.
Die Rossminze kommt von den gemäßigten Zonen Eurasiens bis ins südliche Afrika vor. In Europa kommt sie in den meisten Ländern vor und fehlt nur in Großbritannien, Irland, Island, Dänemark, Norwegen und Finnland. In Mitteleuropa findet man sie besonders häufig in den Mittelgebirgen oder den tieferen Lagen der Alpen. In den Allgäuer Alpen steigt sie zwischen dem Probsthaus und dem Nebelhorn in Bayern bis zu 1970 m Meereshöhe auf. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Mentho longifoliae-Juncetum inflexi aus dem Verband Agropyro-Rumicion.
Sie benötigt nassen, stickstoffreichen Boden. Sie wächst deshalb gerne in der Nähe von Flüssen oder in nassen Bodensenken, gerne in der Nähe von Siedlungen oder landwirtschaftlich genutzten Flächen. Durch ihre unterirdischen Wurzelausläufer kann sie unter günstigen Umständen Massenbestände bilden.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4w+ (sehr feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
Die Rossminze enthält im Unterschied zu anderen Minzen wenig Menthol. Ihre anderen Inhaltsstoffe sorgen für einen von manchen Menschen als unangenehm empfundenen Geschmack und Geruch, der manchmal als petroleumähnlich beschrieben wird, was ihre Verwendung als Heilpflanze (welche früher wie die Wasserminze auch mit lateinisch Balsamita bezeichnet wurde) oder Küchenkraut einschränke. In der Volksheilkunde werden Tees aus Rossminze gegen Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen empfohlen. Ein Brei aus den Blättern soll zudem den Schmerz von Insektenstichen lindern.
Die Rossminze wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 2 Seite 576 als Varietät Mentha spicata var. longifolia erstbeschrieben. Das Epitheton longifolia hatte er von Caspar Bauhins Pinax (1623) übernommen. Die Varietät wurde 1762 von William Hudson in Flora Anglica Seite 221 zur Art Mentha longifolia (L.) Huds. erhoben. Vor Hudson hatte aber Linné selbst 1759 diese Varietät zur Art erhoben in Amoenitates Academici seu dissertationes variae physicae, medicae..., Linnaeus ed. 4, Seite 485. Ein Synonym für Mentha longifolia (L.) L. ist Mentha sylvestris L. („Waldminze“), im 16. Jahrhundert auch lateinisch Calamintha silvestris und Menthastrum genannt. mittellateinisch auch Mentastrum genannt.
Man kann folgende Unterarten und Varietäten unterscheiden:
Offenbar wird die Rossminze auch in Vegetationsaufnahmen häufig mit der Grünen Minze (genannt auch Krausminze, Mentha spicata) verwechselt. Andreas Kleinsteuber geht davon aus, dass es sich bei der überwiegenden Zahl der bisher angenommenen Vorkommen der Rossminze in Baden-Württemberg tatsächlich um Grüne Minze handelt, während die Rossminze nur selten vorkommt. Während das Aussehen beider Pflanzen sehr ähnlich ist, lässt sich die Grüne Minze am ehesten am angenehmeren Geschmack bzw. Geruch beim Zerreiben der Blätter erkennen. Die Grüne Minze hat einen Kaugummi-Geruch („Spearmint“), während die Rossminze unangenehm nach Petroleum riecht.
Meinungen und Kommentare
Fotos: Mentha longifolia (1)