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Region Potosí
Lage, Gebirge
Informationen Region: PotosíPotosí (Quechua P'utuqsi: Lärm) ist eine Stadt im südlichen Zentralbolivien. Sie ist die Hauptstadt des gleichnamigen Departamento Potosí und hat knapp 200.000 Einwohner. Sie liegt am Fuß des Berges Cerro Rico (dt. Reicher Berg), dessen Silberreichtum Potosí im frühen 17. Jahrhundert zu einer der größten Städte der Welt machte und von dessen Silber- und Zinnvorkommen die Stadt noch heute abhängig ist.
Potosí liegt auf etwa 4000 m Seehöhe auf der Hochebene des Altiplano in einer kargen, steppenhaften Gegend. Sie ist eine der höchstgelegenen Großstädte der Welt. Die Stadt ist der zentrale Ort des Municipios Potosí in der Provinz Tomás Frías.
Mit seiner hohen Lage und einem trockenen Klima ist Potosí den Kalttropen zuzurechnen und hat ein sogenanntes Tageszeitenklima, bei dem die Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten deutlich geringer ausfallen als die zwischen Tag und Nacht. Man findet meist angenehm warme Tagestemperaturen, in der Nacht aber Werte, die selbst im südhemisphärischen Sommer um den Nullpunkt liegen. Potosí hat eine markante Regenzeit zu den Jahreswechseln, während der Jahresmitte herrscht dagegen oft Wassermangel.
Schon die Inka hatten am Cerro Rico Silber fördern lassen. Diego Centeno, Gefolgsmann von Pedro de la Gasca, gründete am 10. April 1545 Potosí als Bergbausiedlung. Es erlebte einen schnellen Aufstieg. Schon 1553 wurde es zur Villa Imperial (Reichsstadt). Es wurde die Hauptquelle des spanischen Silbers mit bedeutender Münzprägung. Mit dem Bau der königlichen Münze (Casa Real de la Moneda) wurde 1572 begonnen. Die spanischen Kolonisatoren holten riesige Edelmetallmengen aus der Mine, die sie in die ganze Welt verschifften. Als Konsequenz des vergrößerten Angebots kam es zu einer deutlichen Verringerung des Silberwerts unter anderem in China und Europa, der sogenannten Silber-Inflation.
Der Reichtum der Mine zog ungeheure Menschenmassen in die unwirtliche Hochgebirgssteppe um den Cerro Rico. Gegen 1611 war Potosí mit 150.000 Einwohnern zu einer der größten Städte der Welt aufgestiegen, wobei ca. 13.500 Menschen unter Tage Silber fördern. Da in der kargen, kalten Umgebung der Puna auf 4000 m über dem Meeresspiegel keine Landwirtschaft möglich ist und eine relativ kaufkräftige große Einwohnerzahl versorgt werden musste, entstand eine besondere Sozialstruktur: der größte Teil der Bevölkerung beschäftigte sich mit dem Heranschaffen und Handeln von Lebensmitteln und anderen Gütern, wie Bau- und Brennholz, Schwarzpulver, Coca und dem Abtransport des Silbers auf weite Distanzen.
Allein in Potosí wurde ähnlich viel Silber gefördert wie in den gesamten mexikanischen Abbaugebieten des spanischen Kolonialreichs. Potosí war jahrhundertelang ein Synonym für Reichtum. Im Spanischen gibt es immer noch die Redensart vale un Potosí für: „Es ist ein Vermögen wert“, die aus dem Buch Don Quijote von Miguel de Cervantes stammt.
Die indigenen Zwangsarbeiter, die vielfach nicht aus dem Hochgebirge stammten, kamen zu Tausenden in den Minen zu Tode. Sie wurden trotz der dünnen Luft des Hochgebirges zu Höchstleistungen unter riskanten Bedingungen angetrieben. Der Verlust von Menschenleben wurde von der spanischen Bürokratie, die die jährlichen Fördermengen und Ablieferungen nach Sevilla zu leisten hatte, in Kauf genommen.
Wie hoch die menschlichen Verluste tatsächlich waren, ist ein in der Wissenschaft umstrittenes Thema, denn weder die Zahlen der indigenen Bevölkerung vor, noch bei Eroberungsbeginn sind bekannt. Nicolás Sánchez Albornoz und Ruggiero Romano weisen daher auf starke Schwankungen bei den Berechnungen des demografischen Rückgangs hin. Im Rahmen dieser Diskussion entwickelte sich die so genannte leyenda negra über viele Millionen toter Bergleute. So veranschlagt Eduardo Galeano „8 Mio. Leichen von Indianern“ als die Kosten des Silberbergbaus. Der spanische Versuch, schwarze Sklaven einzuführen, scheiterte an der sauerstoffarmen Höhenluft. Die meisten starben, bevor sie unter Tage eingesetzt wurden. Der Vizekönig von Perú Graf Lemos schrieb 1699 nach einem Besuch des Bergwerks an den Indienrat: „Nach Spanien wird nicht Silber, sondern Indianerblut und Indianerschweiß verschifft.“
Am 15. März 1626 brach der San-Ildefonso-Damm oberhalb von Potosí, der zu einem 400.000 m³ großen Absetzbecken der Silberminen gehörte. Die schlammige Flutwelle überflutete große Teile der drei Kilometer unterhalb gelegenen Stadt und zerstörte die Erzaufbereitungsbetriebe (ingenios). Es gab dabei nach verschiedenen Angaben 2000 bis 4000 Tote. Damit verbunden war eine Umweltkatastrophe durch die Freisetzung von etwa 19 t Quecksilber, das bei der Silbergewinnung genutzt wurde. Die hochbelasteten Wässer flossen weiter in den Río Pilcomayo.
1719 raffte der Typhus allein in Potosí in zehn Monaten 22.000 Menschen dahin. Nach einem ersten vergeblichen Anlauf im Jahr 1757 wurde 1779 eine Bergakademie gegründet, die jedoch nur bis 1782 bestand. Nach 1800 erschöpfte sich das Silber allmählich, stattdessen wurde Zinn das Hauptprodukt. Dies führte zu einem langsamen wirtschaftlichen Niedergang, der so gut wie das ganze Land erfasste.
Während der Südamerikanischen Unabhängigkeitskriege 1809 bis 1825 gelangte Potosí mal in die Hände der Kolonialarmee, mal in die Hände der patriotischen Befreiungsarmee. Schwere Fehler der Ersten Argentinischen Unterstützungsarmee unter dem Kommando von Juan José Castelli verminderten das Verständnis der Bevölkerung für die Vorzüge der Unabhängigkeit und förderten Ressentiments gegen die Argentinier. Es griffen Chaos und Gewaltexzesse um sich, so dass die Zustände in Potosí so verworren wurden, dass die Stadt nicht mehr zu verteidigen war. Als die Zweite Unterstützungsarmee eintraf, wurde sie gut empfangen, und ihr Kommandant Manuel Belgrano unternahm einiges, um die Wunden zu heilen, die das tyrannische Verhalten Castellis hervorgerufen hatte. In den Wirren der kriegerischen Auseinandersetzungen sollte die Casa de la Moneda gesprengt werden, was aber örtliche Kräfte verhinderten. Potosí gehört seit 1825 zum unabhängig gewordenen Bolivien.
1952 wurde der Bergbau während der Regierungszeit des Movimiento Nacionalista Revolucionario (Movimiento Libre) MNR von Víctor Paz Estenssoro verstaatlicht und die Corporación Minera de Bolivia gegründet.
Die Silberspekulation der Brüder Hunt führte im Jahre 1980 zu einem dramatischen Preissturz für Silber. Zahllose Bergleute in Potosí und anderen Silberbergwerken wurden über Nacht arbeitslos. Auch der ohnehin hochverschuldete bolivianische Staat konnte unter dem Druck des IWF und der Weltbank nichts Wesentliches zur Entschärfung beitragen. 1985 übernahmen 45 Kooperativen die Schürfrechte im Cerro Rico. Noch 1989 betrug die Kindersterblichkeitsrate bis zum 5. Lebensjahr 135 pro 1.000, die Analphabetenquote 30 %. Nur 48 % erhielten ihr Trinkwasser aus einer Wasserleitung (obwohl in der kargen Höhe von Potosí Brunnen und Quellen eine Seltenheit sind) und 38 % verfügten über Elektrizität. Durch den stark rückläufigen Bergbau sind die ursprünglich für seinen Transport gebauten Bolivianischen Eisenbahnen, die vom Hochland an die chilenische Küste führten, unrentabel geworden. Der Staat verkaufte auch sie an Privatunternehmen, die sie nach vergeblichen Sanierungsversuchen nach und nach stilllegten.
Die Einwohnerzahl der Stadt ist in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten auf mehr als das Doppelte angestiegen:
Die Region weist einen hohen Anteil an Quechua-Bevölkerung auf, im Municipio Potosí sprechen 75,4 Prozent der Bevölkerung Quechua.
Das Zentrum von Potosí ist durchgehend im Kolonialstil gehalten und stammt fast vollständig aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die z. T. aufwändigen und prächtigen Bauten werden nach wie vor gut instand gehalten und sind eine der größten Touristenattraktionen der Stadt. Die bekanntesten sind das Kloster Santa Teresa, die Kathedrale des Bistums Potosí an der zentralen Plaza 10 de Noviembre, und die Casa de la Moneda (Königliches Schatzhaus), die auch ein Museum beherbergt. Weiterhin sehenswert sind die barocken Kirchen, unter anderem La Compañía, San Francisco, San Lorenzo und San Martín.
Seit 1987 sind die kolonialen Bauten Potosís Teil der UNESCO-Liste des Weltkulturerbe. Dazu gehören auch die alten Industriebauten, insbesondere die Anlagen der Wasserhaltung, und die Arbeiterquartiere der barrios mitayos. Im Juni 2014 wurde aufgrund der Gefährdung durch das unkontrollierte Minen- und Abbausystem der Schutzbereich um den Cerro Rico erweitert und damit in die Liste der gefährdeten Stätten aufgenommen. Die Peripherie der Stadt, insbesondere die nahe dem Cerro Rico gelegenen Viertel, ist dagegen ärmlich und uniform von der Adobe-Bauweise geprägt. Wirkliche Elendsviertel gibt es jedoch keine.
Für Touristen werden geführte Touren in verschiedene Stollen des weiterhin betriebenen Bergbaus angeboten, die ca. 1 bis 3 Stunden dauern. Den Bergarbeitern im Stollen werden von den Touristen Getränke und Dynamit mitgebracht, das in Potosí frei verkäuflich ist. Auf dem in der Stadt gelegenen Mercado de los Mineros (Markt der Bergleute) kann ein jeder hochexplosiven Sprengstoff ebenso wie 96-prozentigen Alkohol erwerben. Er gilt als der einzige öffentliche Markt der Welt, auf dem man legal Dynamit kaufen kann.
Ebenfalls sehenswert sind die unweit der Stadt gelegenen heißen Quellen an der Vulkanlagune in Tarapaya, auch el ojo del Inca – das Inkaauge – genannt, sowie die koloniale Hacienda von Cayara und die für die Wasserversorgung angelegten künstlichen Seen „Lagunas Kari Kari“ oberhalb der Stadt.
Potosí gilt als relativ arme Stadt in Bolivien. Der Haupteinkommenszweig von Potosí ist weiterhin der Bergbau am Cerro Rico. Abgebaut werden hauptsächlich Zinn, Kupfer und Silber. Berüchtigt sind nach wie vor die Arbeitsbedingungen in den Minen, die sich auf einem niedrigen Technologie- und Sicherheitsniveau befinden und nicht selten zu schweren Gesundheitsschäden (z. B. Staublunge) bei den Arbeitern führen. Noch heute sterben viele Bergarbeiter (span. Minero) an Staublunge und Unfällen, zum Beispiel durch Explosionen. Nur die wenigsten Arbeiter besitzen eine Schutzmaske oder sonst irgendeine Art von Schutzkleidung. Die Bergarbeiter und Führer durch die Minen berichten davon, dass sehr wenige Mineros mehr als 10 Jahre regelmäßig in den Minen arbeiten können und deren Lebenserwartung etwa 45–50 Jahre beträgt.
Neben dem Bergbau gibt es in der Stadt etwas Industrie (Metallverarbeitung, Textilindustrie) sowie Dienstleistungsgewerbe. Auf dem aufsteigenden Ast ist der Tourismus, da nicht nur die Minen und die Bauwerke im Zentrum, sondern auch mehrere Berge in der Umgebung sowie Thermalquellen für Besucher attraktiv sind.
Potosí besitzt trotz seiner relativ geringen Größe ein reges Kultur- und Nachtleben, es hat mehrere Theater und Kunstgalerien sowie eine beachtliche Anzahl von Diskotheken, Folklore-Peñas und Pubs. Weiterhin besitzt Potosí eine Universität, die auch ein Museum beherbergt.
Ende August wird jedes Jahr das Fest Ch’utillos (auch: Fiesta de San Bartolomé) gefeiert. Das Fest dauert drei Tage, am ersten Tag pilgern Gläubige zu einem Schrein, um zum heiligen Bartholomäus zu beten, am zweiten und dritten Tag gibt es in der Stadt Festumzüge, bei denen ähnlich wie beim Karneval von Oruro eine große Anzahl traditioneller bolivianischer Tänze gezeigt werden. 2023 wurde es von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.
Potosí ist Schnittpunkt der überregionalen Nationalstraßen Ruta 1 und Ruta 5, die als Nebenrouten des Panamericana-Netzwerks die Stadt mit Tupiza, Tarija, Villazón und der Grenze zu Argentinien im Süden sowie mit Sucre und La Paz im Norden verbinden. Busverbindungen gibt es in alle wichtigen Großstädte Boliviens sowie in die vor allem von ausländischen Touristen besuchte Stadt Uyuni, die als Ausgangspunkt für Touren über den Salar de Uyuni und die Wüsten im Südwesten des Departamentos dient.
Die Bahnlinie von Oruro nach Sucre führt über Potosí. Zwischen Potosí und Sucre bestand bis in die 2000er Jahre eine Passagierverbindung mit einem Ferrobus. Die Bahnlinie von Potosí nach Westen endet in Río Mulato an der Hauptbahnstrecke auf dem Altiplano, ist jedoch auch nicht mehr in Betrieb.
Vom Flughafen Potosí werden mit Stand 2025 keine Linienflüge mehr durchgeführt. Der schon lange angedachte Ausbau des Flughafens zieht sich aufgrund von Finanzierungsproblemen in die Länge. Der nächstgelegene öffentliche Flughafen mit deutlich mehr Verbindungen in andere bolivianische Städte ist der von Sucre (80 Kilometer Luftlinie nordöstlich).
Potosí unterhält Partnerschaften mit folgenden Städten:
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