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Region Informationen Region: Goa

Informationen:


Goa (Konkani: à€—à„‹à€‚à€Ż, goáčƒya; Marathi: à€—à„‹à€”à€Ÿ, govā) ist der kleinste indische Bundesstaat. Er liegt an der mittleren WestkĂŒste Indiens, hat eine FlĂ€che von 3702 Quadratkilometern und knapp 1,5 Millionen Einwohner (VolkszĂ€hlung 2011). Die Hauptstadt Goas ist Panaji, von den Portugiesen Pangim, von den Briten Panjim genannt.

Goa ist nach der ehemals gleichnamigen Stadt, heute Velha Goa, benannt. Die Region war als Teil Portugiesisch-Indiens rund 450 Jahre lang portugiesische Kolonie und weist daher eine besondere kulturelle PrÀgung auf. Kaum ein indischer Bundesstaat ist kulturell so nachhaltig von einer europÀischen Kolonialmacht beeinflusst worden wie Goa. Dies zeigt auch der hohe katholische Bevölkerungsanteil.

Geografie

Mit einer FlĂ€che von 3702 Quadratkilometern, einer Nord-SĂŒd-Ausdehnung von 105 Kilometern sowie einer West-Ost-Ausdehnung von höchstens 65 Kilometern ist Goa der kleinste Bundesstaat Indiens.

Goa liegt an der KonkankĂŒste, der mittleren WestkĂŒste Indiens. Es grenzt im Norden an den Bundesstaat Maharashtra, im SĂŒden und Osten an Karnataka sowie im Westen an das Arabische Meer. Die KĂŒstenlĂ€nge betrĂ€gt 101 Kilometer.

An die schmale KĂŒstenebene schließen sich terrassenĂ€hnliche, 30 bis 100 Meter hohe TafellĂ€nder an, die nach Osten in AuslĂ€ufer der Westghats ĂŒbergehen. Die Berge der Westghats, die etwa 15 Prozent der LandesflĂ€che einnehmen, sind im Schnitt 800 Meter hoch, einzelne Berge steigen aber bis ĂŒber 1000 Meter auf. Goas höchste Erhebung ist mit 1167 Metern ĂŒber dem Meeresspiegel der Sonsogor.

Goas KĂŒstenlinie ist durch breite FlussmĂŒndungen zergliedert. Die Mormugao-Bucht gilt als einer der besten NaturhĂ€fen SĂŒdasiens. Alle grĂ¶ĂŸeren FlĂŒsse entspringen in den Westghats. Am bedeutendsten sind die FlĂŒsse Zuari und Mandovi im Zentrum Goas, Chapora und Terekhol im Norden sowie Sal und Talpona im SĂŒden.

Klima

Das Klima ist tropisch und wird, wie allgemein in Indien, durch den Monsun bestimmt. Der Sommermonsun setzt etwa Mitte Juni ein und dauert in der Regel bis September. Im Schnitt betrÀgt die jÀhrliche Niederschlagsmenge zwischen 2800 und 3500 mm, in einigen höher gelegenen Bergregionen können die NiederschlÀge aber auch wesentlich stÀrker (bis zu 7500 mm) ausfallen. WÀhrend des Monsuns schwanken die Temperaturen um die 26 Grad Celsius.

Auf den Monsun folgt die trockene Jahreszeit von Oktober bis Anfang Juni mit etwa gleich bleibenden Temperaturen zwischen 25 und 27 Grad Celsius im Durchschnitt. Nur in der heißen Saison im April und Mai steigen die Durchschnittstemperaturen auf 29 bis 30 Grad, tagsĂŒber auf bis zu 35 Grad. Auf Grund der MeeresnĂ€he herrscht in Goa auch in der trockenen Jahreszeit stets eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit von etwa 60 Prozent.

Vegetation

WĂ€hrend in ganz Indien rund 20 Prozent der FlĂ€che bewaldet sind, sind es in Goa etwa 38 Prozent. Dichte Bewaldung findet sich vor allem im Berg- und Hochland. In Lagen von ĂŒber 500 Metern erstrecken sich ĂŒberwiegend immergrĂŒne FeuchtwĂ€lder mit MagnoliengewĂ€chsen, Feigen-, Teak- und SalbĂ€umen sowie einem dichten Unterholz aus Bambus und Farnen. HĂ€ufig anzutreffen sind zudem Lianen und Orchideen. Auf den tiefer gelegenen Hochebenen herrschen Akazien und andere laubabwerfende Baumarten vor. In Höhen zwischen 50 und 200 Metern wechseln sich die ursprĂŒnglichen offenen BuschwĂ€lder mit großen Kaschubaumpflanzungen ab.

Im Tiefland ist die ursprĂŒngliche Pflanzendecke aufgrund der hohen Besiedlungsdichte weitgehend zerstört, stattdessen findet man dort eine vom Ackerbau geprĂ€gte Kulturlandschaft vor. Lediglich an FlussmĂŒndungen gibt es noch MangrovenwĂ€lder, die jedoch durch Abholzung zur Gewinnung von Feuerholz und Baustoffen bedroht sind. Entlang der KĂŒsten wachsen neben zahlreichen GrĂ€sern und StrĂ€uchern vor allem PalmengewĂ€chse, darunter die auch wirtschaftlich genutzten Kokospalmen.

Tierwelt

Unter den rund 40 in Goa vorkommenden SĂ€ugetierarten sind Gaure und die seltenen Indischen Leoparden die grĂ¶ĂŸten Lebewesen. Weitaus hĂ€ufiger sind kleinere Katzenarten, besonders Zibetkatzen, Musangs und Rohrkatzen, sowie Affen und Halbaffen, darunter die von den Hindus als heilig erachteten und daher auch in besiedelten Gegenden allgegenwĂ€rtigen Hanuman-Languren. Dagegen findet man Hirscharten wie Sambars, Axishirsche, Schweinshirsche und Muntjaks nur in geschlossenen Waldgebieten, ebenso LippenbĂ€ren, Wild- und Stachelschweine. StreifenhyĂ€nen und Goldschakale bevorzugen offeneres GelĂ€nde. 423 Vogelarten wurden bisher in Goa nachgewiesen, unter anderem WĂŒrger, Eisvögel, Hirtenmainas, Papageien und Reiher. Die am hĂ€ufigsten vorkommenden Kriechtiere sind Schlangen, darunter die giftigen Kobras. Deren natĂŒrliche Fressfeinde sind die Mungos, die daher auch in der NĂ€he menschlicher Siedlungen geduldet werden. Aber auch viele Fangschrecken kommen aus der Region.

Bevölkerung

Demografie

Nach der indischen VolkszĂ€hlung 2011 hat Goa 1.457.723 Einwohner. Gemessen an der Einwohnerzahl ist Goa der viertkleinste Bundesstaat Indiens. Die Bevölkerungsdichte liegt mit 394 Einwohnern pro Quadratkilometern nur unwesentlich ĂŒber dem Landesdurchschnitt. Goas Bevölkerung ballt sich vor allem in den nördlichen und mittleren KĂŒstengebieten, wĂ€hrend die Hochland- und Berggegenden des Hinterlandes viel dĂŒnner besiedelt sind. Von allen indischen Bundesstaaten weist Goa mit 62,2 Prozent den höchsten VerstĂ€dterungsgrad auf. Im Landesdurchschnitt leben dagegen nur 31,2 Prozent aller Inder in StĂ€dten.

Dank des fĂŒr indische VerhĂ€ltnisse hohen Lebensstandards ist mittlerweile etwa jeder dritte Goanese ein aus einem anderen indischen Bundesstaat Zugewanderter. Etwa ein Drittel der Einwanderer stammt allein aus Karnataka, gefolgt von Kerala und Gujarat. Ein bedeutender Anteil der Einwohner zumindest der Hauptstadt Goas ist portugiesischer Abstammung und römisch-katholisch (Goa-Katholiken), die Mehrheit der Einwohner spricht die vom Portugiesischen stark beeinflusste Konkani-Sprache. Im lĂ€ndlichen Raum lebt demgegenĂŒber eine kleine Gruppe von etwa 25.000 Adivasi (Ureinwohner), die als Gauda bekannt sind.

Zensusbevölkerung von Goa seit der ersten VolkszÀhlung im Jahr 1951.

Sprachen

Die traditionelle Sprache der Goaner ist Konkani, ursprĂŒnglich ein Dialekt des Marathi, der spĂ€ter als eigenstĂ€ndige Sprache anerkannt wurde. Konkani weist EinflĂŒsse aus dem Portugiesischen und Kannada auf. Es wird bevorzugt in Devanagari, bisweilen aber auch in lateinischer Schrift geschrieben. Durch zunehmende westliche EinflĂŒsse, die von einigen betriebene Angliederung Goas an Maharashtra in den 1960er Jahren sowie die in den 1980ern geplante Erhebung von Marathi zur Amtssprache war Konkani in seinem Fortbestand bedroht. Eine Bewegung zum Erhalt der Sprache fĂŒhrte aber dazu, dass es heute wieder die allgemein ĂŒbliche Umgangssprache der Bevölkerung und 1987 Amtssprache des Bundesstaats Goa wurde. Daneben darf auch Marathi, das in einigen lĂ€ndlichen Gegenden Nordgoas als Muttersprache gesprochen wird, fĂŒr offizielle Zwecke verwendet werden.

Englischkenntnisse sind im Fremdenverkehr nĂŒtzlich, der fĂŒr Goa von wirtschaftlicher Bedeutung ist. Daher wird es von den meisten Goanern mehr oder weniger gut beherrscht. Als Bildungssprache hat es das Portugiesische weitgehend abgelöst. Letzteres wird nur noch von einigen christlichen Familien oder Nachfahren portugiesischer Siedler gepflegt, die meistens einer Brahmanen-Kaste angehören. Wie das Englische, so wird auch Hindi hĂ€ufig als Verkehrssprache zur VerstĂ€ndigung zwischen Sprechern verschiedener Muttersprachen angewandt. Unter den jĂŒngeren Bevölkerungsschichten Goas hat sich eine Mischung aus Hindi, Konkani und Englisch als Umgangssprache etabliert, die sich an den Sprachgebrauch der Bollywood-Filme anlehnt. Zuwanderer aus anderen Bundesstaaten verwenden untereinander ihre Muttersprachen. Besonders Kannada hat daher zahlreiche Sprecher in Goa.

Religionen

Hindus stellen mit 66 Prozent (VolkszĂ€hlung 2011) die deutliche Mehrheit der Bevölkerung Goas. Seit dem Anschluss Goas an Indien ist ihr Anteil langsam aber stetig gestiegen, was vor allem auf Zuwanderung aus anderen Bundesstaaten zurĂŒckzufĂŒhren ist. Durch die portugiesische Kolonialgeschichte gibt es aber auch eine starke PrĂ€senz von Christen (fast ausschließlich Katholiken). WĂ€hrend der Kolonialzeit stellten Christen noch die Bevölkerungsmehrheit, heute stellen sie mit 25 Prozent noch eine bedeutende Minderheit. Damit stellt Goa nach Osttimor und den Philippinen das Gebiet mit der stĂ€rksten katholischen PrĂ€gung in Asien dar. EingefĂŒhrt wurde der Katholizismus im 16. Jahrhundert durch die MissionstĂ€tigkeit der Portugiesen. Unter der Inquisition wurden viele Hindus zur Annahme des christlichen Glaubens gezwungen. Muslime machen 8 Prozent der Bevölkerung aus. WĂ€hrend Hindus und Christen etwa gleichmĂ€ĂŸig auf lĂ€ndliche Gebiete und StĂ€dte verteilt sind, lebt die muslimische Minderheit zumeist im lĂ€ndlichen Raum.

Bildung

Goa hat ein im Vergleich zu den meisten anderen Bundesstaaten Indiens gut ausgebautes Bildungswesen. Dies zeigt sich am deutlichsten in der Alphabetisierungsrate, der vierthöchsten aller 29 Bundesstaaten. Nach der VolkszĂ€hlung 2011 betrĂ€gt sie 87,4 Prozent (MĂ€nner: 92,8 Prozent; Frauen: 81,8 Prozent) und liegt damit deutlich ĂŒber dem gesamtindischen Durchschnitt von 74,0 %. 97 Prozent aller schulpflichtigen Kinder werden tatsĂ€chlich eingeschult.

Seit 1985 verfĂŒgt Goa auch ĂŒber eine UniversitĂ€t. Die in Taleigao, etwas außerhalb von Panaji, gelegene Goa University hat elf FakultĂ€ten. Daneben gibt es zwei private und ein öffentliches technisches College sowie ein staatliches College fĂŒr Medizin. Das Goa Institute of Management ist in privater Hand.

GrĂ¶ĂŸte StĂ€dte

Geschichte

FrĂŒhe Geschichte (bis 10. Jahrhundert n. Chr.)

Goas belegte Geschichte reicht bis in das 3. Jahrhundert v. Chr. zurĂŒck, als die örtlichen Herrscher, darunter die in Chandrapura im SĂŒden Goas residierenden Bhojas, dem Maurya-Reich untertan waren. Zu diesem Zeitpunkt war es auch schon den Griechen bekannt. Der griechische Geograf PtolemĂ€us beschrieb die KĂŒstengegend des heutigen Goa im 2. Jahrhundert n. Chr. unter dem Namen Nelkinda. Hinweise auf noch weiter zurĂŒckreichende ZusammenhĂ€nge, wie etwa die Annahme, dass die Sumerer schon vor 4000 Jahren Handel mit Goa getrieben haben sollen, sind dagegen nicht belegt.

Nach dem Zerfall des Maurya-Reiches nach dem Tode Ashokas im Jahre 232 v. Chr. geriet Goa unter die Herrschaft der Shatavahanas, die fĂŒr vier Jahrhunderte weite Teile des Dekkans, einschließlich Goa, regierten. Auch die Bhojas mussten sich ihnen gegen Ende des 2. Jahrhunderts beugen. Um 250 n. Chr. trat die Abhira-Dynastie als Beherrscher der gesamten KonkankĂŒste in Erscheinung, spĂ€ter die Kalachuris.

Um 580 fiel Goa den Chalukyas zu, die seit etwa 550 ein mĂ€chtiges Reich in Zentral- und SĂŒdindien errichtet hatten. Den Chalukyas folgten um die Mitte des 8. Jahrhunderts die Rashtrakutas. Unter deren Vasallenkönigen, den Silharas, erreichte der Seehandel mit Arabien eine bis dahin unerreichte BlĂŒte.

EigenstÀndigkeit unter den Kadambas (973 bis 1237/38)

973 gelang es den Chalukyas, ihre alten Widersacher, die Rashtrakutas, zu beseitigen und ihre Herrschaft wiederherzustellen. Die Neuverteilung der KrĂ€fte auf dem Dekkan nutzten indes die Kadambas, um Goa an sich zu reißen. König Shastadeva I. (regierte etwa 960 bis 1008) verlegte seine Hauptstadt nach Chandrapura. Sein Reich ist unter dem Namen Gopakkapattana bekannt. Damit wurde Goa erstmals in seiner Geschichte Mittelpunkt eines eigenstĂ€ndigen Reiches.

Shastadevas I. Nachfolger machten 1054 Govapuri an der Stelle des heutigen Velha Goa zur Hauptstadt. Der Handel gedieh weiterhin, und neue Handelsbeziehungen unter anderem nach Ostafrika, Ceylon, Bengalen und SĂŒdostasien fĂŒhrten zu Wohlstand und kultureller BlĂŒte.

Zum Höhepunkt kam die Herrschaft der Kadambas unter Jayakeshi II. (1104–1148). Er zielte auf die Ablösung der Chalukyas, die noch immer den Dekkan kontrollierten. Stattdessen setzten die Yadavas am Ende des 12. Jahrhunderts dem verfallenden Chalukya-Königreich ein Ende und bedrohten nun auch die Kadambas. Auch mit dem sĂŒdlichen Hoysala-Reich kam es im frĂŒhen 13. Jahrhundert zu kriegerischen Auseinandersetzungen. 1237/38 fĂŒhrte der Einfall der Yadavas schließlich zum Ende der selbststĂ€ndigen Kadamba-Könige, die fortan nur noch als Vasallen der Yadavas regierten.

KĂ€mpfe um die Vorherrschaft (1310 bis 1510)

Mit dem Vordringen des Generals Malik Kafur auf den Dekkan im Auftrag des Sultanats von Delhi im Jahre 1310 wurden die Yadavas entscheidend geschwĂ€cht und einige Jahre darauf ausgelöscht. 1312 unterlag auch Goa dem nordindischen Sultanat. Nach kurzer Besatzung durch die Truppen des Sultanats und der Zerstörung Govapuris erreichten die Kadambas wieder ihre UnabhĂ€ngigkeit. Zur Hauptstadt machten sie erneut Chandrapura. Dem Reich blieb jedoch nur eine kurze Friedenszeit beschieden, denn schon unter Muhammad Shah II. (regierte 1325 bis 1351) fĂŒhrte das Delhi-Sultanat abermals Krieg, zerstörte Chandrapura und besiegelte damit den endgĂŒltigen Untergang der Kadambas.

Das Sultanat von Delhi vermochte seine Macht auf dem Dekkan jedoch nicht lange aufrechtzuerhalten. 1347 fiel Goa unter die Herrschaft des Bahmani-Sultanats, das sich kurz zuvor abgespalten hatte. FĂŒr Goa begann damit eine Zeit der Intoleranz, in der Hindus verfolgt wurden. Gleichzeitig begann im SĂŒden das hinduistische Großreich Vijayanagar zu erstarken, das zum Hauptgegner der Bahmaniden aufstieg. Auch um Goa fĂŒhrten die beiden verfeindeten Staaten Krieg, bis es 1380 von Vijayanagar eingenommen wurde. FĂŒr mehrere Jahrzehnte herrschten wieder Frieden und Wohlstand, besonders der Handel mit Arabien, von wo die Vijayanagar-Herrscher Pferde fĂŒr ihre Reiterei bezogen, gewann erneut an Bedeutung. Auf den TrĂŒmmern des alten Govapuri erbaute man die neue Hauptstadt Ela.

Erst 1471 gelang den Bahmaniden die RĂŒckeroberung, doch nur wenige Jahre spĂ€ter begann der Zerfall des Sultanats, aus dem ab 1490 die fĂŒnf Dekkan-Sultanate hervorgingen. Im westlichen Teil des ehemaligen Bahmanidenreiches, einschließlich Goa, errichtete die Dynastie der Adil Shahi 1490 das Sultanat Bijapur.

Portugiesische Kolonialherrschaft (1510 bis 1961)

Festigung der portugiesischen Herrschaft

1498 waren die Portugiesen unter Vasco da Gama zum ersten Mal an der indischen KĂŒste bei Calicut gelandet. Schnell verstanden sie es, die Feindschaften der indischen Regionalreiche zu ihren Gunsten auszunutzen. Afonso de Albuquerque ging ein BĂŒndnis mit Vijayanagar gegen Bijapur ein. 1510 eroberte er mit UnterstĂŒtzung der Flotte Vijayanagars die Gegend um die heutigen StĂ€dte Panaji und Velha Goa. Im gleichen Jahr starb der Sultan von Bijapur. Dessen Nachfolger versuchte, das verlorene Gebiet zurĂŒckzuerobern, was aber letztlich scheiterte. Von da an wurde Goas Schicksal rund 450 Jahre lang fast ununterbrochen von den Portugiesen bestimmt.

Im 16. Jahrhundert trafen fast jedes Jahr eine von Lissabon kommende portugiesische Handelsflotten in Goa ein. Die Verwaltung Goas oblag einem Generalgouverneur, von denen einige auch den Titel eines Vizekönigs fĂŒhrten, der von Goa aus bis ins 18. Jahrhundert alle portugiesischen Besitzungen in Indien und Ostafrika direkt verwaltete, dessen Oberhoheit aber auch die Gouverneure und Statthalter anderer portugiesischer Besitzungen in Asien unterstanden. Ab 1757 war Goa Mittelpunkt der Kolonie Portugiesisch-Indien (Estado da Índia). PrĂ€gend fĂŒr die FrĂŒhzeit der portugiesischen Epoche wurden der erste Gouverneur und Vizekönig Francisco de Almeida (1505–1509) sowie als zweiter Gouverneur (1509–1515) sein Nachfolger Afonso de Albuquerque. Vor allem dieser hatte begriffen, dass das kleine, bevölkerungsarme Portugal nicht in der Lage war, seine Herrschaft auf Landbesitz zu begrĂŒnden. Unter seiner FĂŒhrung stĂŒtzten sich die Portugiesen daher auf ihre Seemacht. Albuquerque eroberte und sicherte die wichtigsten StĂŒtzpunkte an den afrikanischen und asiatischen KĂŒsten des Indischen Ozeans, so dass im Falle von Gefahr das portugiesische Indiengeschwader schnell zu den Konfliktherden verlegt werden konnte.

1543 rang Portugal den Adil Shahi von Bijapur die Gebiete Bardez im Norden und Salcete weiter sĂŒdlich an der KĂŒste ab. Auch an der MalabarkĂŒste, in Malakka, Ceylon und Macau gewann es StĂŒtzpunkte. Auf dem Höhepunkt portugiesischer Macht im 16. Jahrhundert wurde Velha Goa zur blĂŒhenden Stadt, bekannt als Goa Dourada („Goldenes Goa“).

Mit der Hochzeit des portugiesischen Kolonialreiches hielt auch der Katholizismus verstĂ€rkt Einzug in Goa. Vor allem Jesuiten wie Francisco Xavier trieben die Missionierung voran. Xavier grĂŒndete 1542 das St.-Pauls-Kolleg fĂŒr die Ausbildung der Missionare und machte es damit zur Basis der Mission. Clemens VII. errichtete am 31. Januar 1533 in Goa eine Diözese, die am 4. Februar 1557 von Paul IV. zur Erzdiözese erhoben wurde. Ihr Jurisdiktionsbereich erstreckte sich damals von Kap der Guten Hoffnung bis Japan. 1560 wurde die Inquisition eingefĂŒhrt und bis zum Jahr 1812 praktiziert.

Niedergang Goas

Der Niedergang der Kolonialmacht Portugal setzte 1580 mit dem Aussterben des Königshauses Avis und der folgenden Personalunion mit Spanien (bis 1640) ein. WĂ€hrend dieser Zeit wurden die NiederlĂ€nder zum Hauptgegner in Asien. WĂ€hrend die Besitzungen an der MalabarkĂŒste bis 1663 vollstĂ€ndig verloren gingen, konnte Goa den niederlĂ€ndischen Angriffen der Jahre 1603 und 1639 widerstehen. Dennoch war der Bedeutungsverlust des einstigen „Goldenen Goas“ mit dem Niedergang Portugals nicht mehr aufzuhalten.

Aus dem Norden drohte in der zweiten HĂ€lfte des 17. Jahrhunderts neue Gefahr: Die Marathen unter Shivaji (reg. 1674–1680) und dessen Sohn und Nachfolger Sambhaji (reg. 1680–1689) dehnten ihre Macht auf große Teile des vormaligen Bijapurs aus. Nachdem die nördlichen Bereiche Goas belagert und erobert worden waren, schien das Ende der portugiesischen Herrschaft besiegelt. Nur der Krieg des Mogulreiches gegen die Marathen brachte diese 1683 von ihrem Vorhaben, der Eingliederung Goas, ab. 1737 kam es erneut zum Krieg gegen die Marathen, die innerhalb von zwei Jahren fast ganz Goa ĂŒberrannten. Nur das Eintreffen einer Flotte des neuen Vizekönigs verhinderte den Verlust Goas.

Seuchen hatten die Bevölkerung Velha Goas im spĂ€ten 17. und frĂŒhen 18. Jahrhundert stark vermindert. 1759 verlegte der Vizekönig daher seinen Sitz in die nahe gelegene, aufstrebende Stadt Panaji, von den Portugiesen Pangim genannt. Velha Goa blieb zwar Hauptstadt, verkam aber mehr und mehr zur Geisterstadt, bis die Hauptstadt 1843 auch offiziell nach Panaji verlegt wurde.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts dehnte Portugal auf Kosten des Königreiches Sunda seinen Besitz auf die GrĂ¶ĂŸe des heutigen Goa aus. Bicholim (1781), Satari (1782), Pernem (1788), Ponda, Quepem, Sanguem und Canacona (alle 1791) waren die letzten Gebietsgewinne der Portugiesen auf dem indischen Subkontinent. Noch wĂ€hrend der Expansion im Jahre 1787 begehrte die einheimische Bevölkerung erstmals gegen ihre portugiesischen Herren auf, jedoch ohne Erfolg.

Napoleons Ägyptenfeldzug (1798–1801) zielte langfristig auf die Eroberung der britischen und portugiesischen Besitzungen in Indien. Die Briten boten Portugal, mittlerweile unfĂ€hig, sein Weltreich allein zu verteidigen, ihren Schutz an und hielten Goa von 1799 bis 1813 besetzt. Auf ihren Druck hin schaffte man 1814 die Inquisition endgĂŒltig ab.

UnabhÀngigkeitsbestrebungen im 20. Jahrhundert

Die Ausrufung der Republik in Portugal am 5. Oktober 1910 hatte fĂŒr Goa die Glaubensfreiheit zur Folge. Zum ersten Mal seit dem Beginn der europĂ€ischen Herrschaft durften nun auch Hindus ihre Religion frei ausĂŒben. Auch wenn die erste Republik in Portugal instabil blieb und 1926 wieder gestĂŒrzt wurde, erwachte in Goa doch der Ruf nach Freiheit und es begann sich der Widerstand gegen die Kolonialherren nach dem Vorbild der Freiheitsbewegung in Britisch-Indien zu regen.

Nach der UnabhĂ€ngigkeit Indiens im Jahre 1947 erhöhte sich der Druck auf Portugal, auch seine Kolonien in Indien – neben Goa die StĂ€dte Daman (DamĂŁo) und Diu sowie die Enklaven Dadra und Nagar Haveli – an Indien abzutreten. Entsprechende Aufforderungen des indischen MinisterprĂ€sidenten Jawaharlal Nehru lehnte der Estado Novo jedoch ab. Auch im Inneren wurden UnabhĂ€ngigkeitsbewegungen, wie die Jai-Hind-Bewegung, teils gewaltsam unterdrĂŒckt.

1955 stĂŒrmten Unbewaffnete das Fort von Tiracol und hissten dort die indische Flagge. Portugal wies die MĂ€nner aus, woraufhin Nehru erklĂ€rte, dass die Anwesenheit der Portugiesen auf dem indischen Subkontinent unerwĂŒnscht sei und eine Blockade der portugiesischen Kolonien in Indien anwies. Die Regierung in Lissabon lenkte unterdessen nicht ein.

Goa im unabhÀngigen Indien

Am 18. Dezember 1961 marschierten indische Truppen mit etwa 20-facher Übermacht in Goa ein. Das Unternehmen trug den Namen „Operation Vijay“ (von Hindi à€”à€żà€œà€Ż vijaya, „Sieg“) und war nach 26 Stunden abgeschlossen. Die portugiesischen und goanischen Truppen kĂ€mpften auf verlorenem Posten. Die geplante Entsendung der portugiesischen VerstĂ€rkung wurde abgebrochen, nachdem Ägyptens StaatsprĂ€sident Nasser fĂŒr die Flotte den Sueskanal sperren ließ. Indien bombardierte strategische und zivile Ziele in Goa, DamĂŁo und Diu, unter anderem den Marktplatz von DamĂŁo. Entgegen dem Befehl, bis zum letzten Mann zu kĂ€mpfen, unterschrieb der portugiesische Gouverneur, Manuel AntĂłnio Vassalo e Silva, am 19. Dezember, dem Goa Liberation Day, die Kapitulation. Er wurde wegen Feigheit und Befehlsverweigerung aus der Armee entlassen, verlor Rang und Pensionsanspruch und musste ins Exil gehen.

Im darauffolgenden Jahr wurde Goa zusammen mit Daman und Diu zu einem indischen Unionsterritorium. Eine eingebrachte Resolution im UN-Sicherheitsrat gegen die Annexion scheiterte am Veto der Sowjetunion. In den folgenden Jahren erkannten mehrere Regierungen die Annexion an. Portugal erkannte die Angliederung an Indien 1974, nach dem Sturz der Diktatur in der Nelkenrevolution, an.

In einer Volksabstimmung sprachen sich die Goaner 1967 gegen einen Anschluss an den Bundesstaat Maharashtra aus. Kritiker des Anschlusses befĂŒrchteten eine Benachteiligung der Interessen der ĂŒberwiegend konkanisprachigen Bevölkerung. Schließlich wurde Goa aus den verwalteten Territorien herausgelöst und am 30. Mai 1987 zu einem eigenstĂ€ndigen Bundesstaat Indiens erhoben, allerdings ohne Daman und Diu, die weiterhin Unionsterritorien sind.

Politik

Politisches System

Goa wird von der Hauptstadt Panaji am linken Ufer des Mandovi aus verwaltet. Der Sitz des Parlaments ist in Porvorim auf dem gegenĂŒberliegenden Mandovi-Ufer. Der fĂŒr Goa zustĂ€ndige höchste Gerichtshof befindet sich dagegen im rund 400 Kilometer entfernten Mumbai. In Panaji sitzt lediglich ein Richter des Bombay High Court. Goas Parlament, die Goa Legislative Assembly, ist ein Einkammerparlament mit 40 auf fĂŒnf Jahre gewĂ€hlten Abgeordneten. Die Regierungsgewalt liegt beim Chefminister (Chief Minister), der vom Parlament gewĂ€hlt wird. Formell steht ihm der vom indischen PrĂ€sidenten ernannte Gouverneur (Governor) vor, dessen Aufgaben jedoch hauptsĂ€chlich reprĂ€sentativ sind. Die wichtigste Funktion des Gouverneurs ist die Ernennung des Chefministers, außerdem hat er das Recht, das Parlament aufzulösen.

Goa stellt zwei Abgeordnete in der Lok Sabha, dem Unterhaus des indischen Parlaments, und einen in der Rajya Sabha, dem indischen Oberhaus.

Parteien

Die beiden stĂ€rksten politischen Parteien in Goa sind die Kongresspartei (INC) und die hindu-nationalistische Bharatiya Janata Party (BJP). Die beiden ehemals dominierenden goanischen Regionalparteien haben dagegen viel UnterstĂŒtzung eingebĂŒĂŸt: Die traditionell von den nicht-brahmanischen Hindus unterstĂŒtzte Maharashtrawadi Gomantak Party (MGP), die vom Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft 1962 bis 1979 die Regierung Goas stellte, hat inzwischen den Großteil ihrer StammwĂ€hlerschaft an die BJP verloren. Die frĂŒher vor allem von der christlichen Bevölkerung gewĂ€hlte United Goans Democratic Party ist mittlerweile gar nicht mehr im Parlament vertreten.

Die Parlamentswahl 2012 entschied die BJP im BĂŒndnis mit der MGP fĂŒr sich. Die BJP gewann 21 von 40 Wahlkreisen und konnte somit alleine regieren, die MGP kam auf drei Sitze im Parlament. Die zuvor regierende Kongresspartei wurde deutlich abgestraft und kam nur auf neun Sitze. Ebenfalls im Parlament vertreten waren die Regionalpartei Goa Vikas Party mit zwei Abgeordneten und fĂŒnf UnabhĂ€ngige. Nach der Wahl wurde Manohar Parrikar von der BJP zum Chief Minister Goas gewĂ€hlt. Er hatte das Amt zuvor bereits 2000 bis 2005 inne. 2014 wechselte Parrikar als Bundesminister nach Neu-Delhi und wurde durch seinen Parteikollegen Laxmikant Parsekar ersetzt. Auch bei der gesamtindischen Parlamentswahl 2014 war die landesweit siegreiche BJP in Goa erfolgreich und gewann beide Wahlkreise des Bundesstaates fĂŒr sich. Bei der Parlamentswahl in Goa 2017 verlor die BJP deutlich und gewann 13 Wahlkreise. Die Kongresspartei legte entsprechend zu und kam auf 17. Die MGP behauptete ihre 3 Sitze, die erst im Vorjahr gegrĂŒndete Goa Forward Party (GFP) kam ebenfalls auf 3 Sitze und die Nationalist Congress Party (NCP) auf einen. Drei Wahlkreise wurden von UnabhĂ€ngigen gewonnen. Nach kurzen Verhandlungen kam es zur Bildung einer Koalition aus BJP, MGP und GFP. Am 16. MĂ€rz 2017 wurde Manohar Parrikar, der bereits den Wahlkampf der BJP im Wesentlichen gefĂŒhrt und organisiert hatte, zum neuen Chief Minister gewĂ€hlt. Parrikar verstarb am 17. MĂ€rz 2019 nach lĂ€ngerer Krankheit. Als sein Nachfolger wurde am 19. MĂ€rz 2019 Pramod Sawant (BJP) vereidigt.

Verwaltungsgliederung

Indiens kleinster Bundesstaat ist in zwei Distrikte, North Goa (Nordgoa) und South Goa (SĂŒdgoa), eingeteilt. Jeder Distrikt ist wiederum in mehrere Verwaltungsbezirke, genannt Taluka, untergliedert. Nordgoa umfasst die Talukas Pernem, Bardez, Bicholim, Satari und Tiswadi. Zu SĂŒdgoa gehören Ponda (seit Januar 2015), Mormugao, Salcete, Sanguem, Quepem, Canacona und Dharbandora. Insgesamt umfasst Goa also 12 Talukas. Den beiden Distrikten entsprechen die Wahlkreise North Goa und South Goa, die im Unterhaus des indischen Parlaments, der Lok Sabha, durch jeweils einen Abgeordneten vertreten sind.

Wirtschaft

Landwirtschaft und Fischerei

Da nur 38 Prozent der LandesflĂ€che Goas landwirtschaftlich genutzt werden können, ist der Bundesstaat auf Lebensmitteleinfuhren aus den Nachbarbundesstaaten Karnataka und Maharashtra angewiesen. Die Ebenen entlang der FlĂŒsse Mandovi und Zuari sind zwar fruchtbar, aber auch dicht besiedelt. Zudem stellt die zunehmende Versalzung vieler Böden ein großes Problem dar. Die Hoch- und BerglĂ€nder sind unfruchtbar und teils dicht bewaldet. Dennoch arbeitet noch immer ein großer Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Die wichtigsten Anbauerzeugnisse sind Reis, Zuckerrohr, Kokos- und CashewnĂŒsse. In geringerem Maße werden auch GemĂŒse- und Obstsorten angebaut, vor allem Mangos, Bananen, Ananas und JackfrĂŒchte. 2001/02 trug die Landwirtschaft 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) Goas bei.

Die Fischerei war in Goa schon immer von besonderer Bedeutung, und auch heute noch verdienen viele Goaner ihren Lebensunterhalt damit. Zunehmend werden jedoch die traditionellen Fischerboote motorisiert sowie Hochseefischereiflotten ausgerĂŒstet. Mittlerweile ĂŒbersteigen die jĂ€hrlichen FĂ€nge den einheimischen Verbrauch bei weitem. Daraus kann zwar die fischverarbeitende Industrie großen Nutzen ziehen, andererseits werden aber viele KĂŒstengebiete ĂŒberfischt. Dies hat in den letzten Jahren zu RĂŒckgĂ€ngen bei den FischfangertrĂ€gen gefĂŒhrt.

Bergbau

Goa gehört zu den Haupteisenerzerzeugern Indiens. 2001/02 wurden 11,4 Millionen Tonnen Eisenerz gefördert, das entsprach rund 14 Prozent der gesamten indischen Fördermenge. Ein großer Teil davon wird ĂŒber den Hafen Mormugao exportiert. Hauptabnehmer ist Japan, das etwa die HĂ€lfte des aus Goa ausgefĂŒhrten Eisenerzes kauft. Außer Eisenerz wird in Goa auch Mangan gefördert.

Industrie

Goa entwickelte sich nach der portugiesischen Kolonialzeit zu einem der höher industrialisierten indischen Bundesstaaten. Rund ein Viertel des BIP wird im industriellen Sektor erwirtschaftet. Die stĂ€rksten Industriezweige sind die Nahrungs- und Genussmittel-, metallverarbeitende, Holz- und Papier-, Gummi-, Kunststoff-, chemische, pharmazeutische, elektrotechnische sowie die Textilindustrie. Auch die Computerindustrie hat sich in jĂŒngerer Zeit etabliert.

Dienstleistungen

Über die HĂ€lfte des goanischen Bruttoinlandsprodukts entfĂ€llt auf den Dienstleistungsbereich. Er erzielt seit Mitte der 1990er Jahre teils zweistellige Zuwachsraten. 25 Prozent des BIP werden im Bank- und Versicherungswesen sowie im Immobilienbereich erwirtschaftet. 20 Prozent entfallen auf Fremdenverkehr, Gastronomie, Transportwesen und Kommunikation.

Tourismus

Der Tourismus bildet eine der tragenden SĂ€ulen der Wirtschaft Goas. Der Bundesstaat zĂ€hlt zu den beliebtesten Reisezielen in Indien und trĂ€gt etwa zwölf Prozent zu den auslĂ€ndischen Besucherzahlen bei. 2004 kamen 2,2 Millionen Urlauber nach Goa, darunter ĂŒber 200.000 aus dem Ausland. Besonders hoch besucht ist Goa in den Wochen um Neujahr. Der Tourismus begann in den spĂ€ten 1960er Jahren mit der Ankunft einiger Hippie-trail-Reisender an Goas StrĂ€nden.

In den 1980er Jahren gelang es westeuropĂ€ischen Firmen durch GrundstĂŒcksspekulationen und Bestechung Teile der KĂŒstengegend Goas in Besitz zu nehmen, und dort Tourist resorts zu errichten. Die goanesische Regierung verhinderte kĂŒstennahe Ansiedlungen, erlaubte jedoch Spielcasinos im Landesinneren. Das Problem der MĂŒllentsorgung sowie die teilweise mangelhafte Versorgung mit Trinkwasser wurde dabei nicht gelöst, da SĂŒĂŸwasser aus der öffentlichen Wasserversorgung abgeleitet und dazu benutzt werden, die Swimmingpools der Resorts zu fĂŒllen. Die Neubauten beschrĂ€nken sich weitgehend auf die unmittelbare Umgebung der leicht zugĂ€nglichen StrĂ€nde am Arabischen Meer.

Die in den 1990er Jahren veranstalteten Goapartys und die dort entstandene Goa-Musik machten den Bundesstaat international bekannt. FĂŒr junge Israelis war Goa nach ihrem dreijĂ€hrigen MilitĂ€rdienst ein beliebtes Reiseziel. Von etwa 50.000 Israelis, die jĂ€hrlich den MilitĂ€rdienst beenden, sollen laut SchĂ€tzungen in den 2000er Jahren etwa die HĂ€lfte anschließend eine Reise nach Goa unternommen haben. SpĂ€ter wurde die Region vor allem bei russischen Touristen beliebt.

Soziales

Mit einem Pro-Kopf Bruttoinlandsprodukt von 224.138 Rupien (4.903 US-Dollar) im Jahre 2015 lag Goa auf Platz 1 von 29 indischen Bundesstaaten. Goa ist damit der mit Abstand reichste Bundesstaat Indiens und knapp dreimal wohlhabender als der indische Durchschnitt. Dazu tragen unter anderem der Tourismus und der verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hohe Industrialisierungsgrad bei, sowie die Anzahl an Auslandsgoaner, die regelmĂ€ĂŸig Überweisungen an ihre Verwandten in Goa vornehmen.

Die Gesundheitsversorgung ist besser als in zahlreichen anderen Bundesstaaten, wo sie vor allem auf dem Land oft als unzureichend betrachtet wird. Daher weist Goa verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig gute Gesundheitsindikatoren auf. So lag beispielsweise die Kindersterblichkeit im Jahre 2000 mit 17 Totgeburten auf 1000 Lebendgeburten unter dem gesamtindischen Wert (63 auf 1000), aber immer noch um das Drei- bis Vierfache ĂŒber der Sterblichkeit in IndustrielĂ€ndern. Die FertilitĂ€tsrate betrug 1,74 Kinder pro Frau (Stand: 2016) wĂ€hrend der indische Durchschnitt im selben Jahr bei 2,23 Kinder lag.

Mit einem Wert von 0,763 erreicht Goa den zweiten Platz unter den 29 Bundesstaaten Indiens im Index der menschlichen Entwicklung. Nur Kerala erreichte noch besseren Entwicklungsindikatoren.

Infrastruktur

Zwei National Highways durchqueren Goa. Der NH-17 verbindet Mumbai im Norden mit der sĂŒdlich von Goa gelegenen Hafenstadt Mangaluru. Der NH-4A verlĂ€uft zwischen der Hauptstadt Panaji und der östlich gelegenen Stadt Belagavi in Karnataka. Zusammen haben die National Highways in Goa eine LĂ€nge von 224 Kilometern. Goas Straßennetz umfasst insgesamt rund 7200 Kilometer und ist damit das dichteste aller indischen Bundesstaaten.

SchienenanschlĂŒsse in die wichtigsten StĂ€dte des Landes, unter anderem nach Bengaluru, Delhi, Mumbai und Hyderabad, bestehen ĂŒber die South Central Railway zwischen Vasco da Gama und Hubballi. Außerdem ist Goa an die Konkanbahn zwischen Mumbai und Mangaluru angeschlossen. Als Hauptverkehrsmittel innerhalb Goas dienen privat betriebene Buslinien, welche die grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte mit lĂ€ndlichen Gegenden verbinden.

Bis in die spĂ€ten 1980er Jahre verkehrte eine regelmĂ€ĂŸige FĂ€hre zwischen Panaji und Mumbai. Auf Grund von Dieben, die sich auf den Schiffen betĂ€tigten, und hĂ€ufigen technischen Problemen wegen mangelnder Wartung wurde der Verkehr eingestellt; fĂŒr Reisegruppen verkehren bisweilen Luftkissenboote.

Goas einziger Flughafen, der Flughafen Dabolim (IATA-Code: GOI, ICAO-Code: VAGO) bei Vasco da Gama, war ursprĂŒnglich ein MilitĂ€rflugplatz, der inzwischen auch zivil genutzt wird und zum internationalen Flughafen ausgebaut wurde. LinienflĂŒge ins Ausland bestehen auf die Arabische Halbinsel, nach Westeuropa sowie in die USA.

Der Hafen von Mormugao zĂ€hlt zu den wichtigsten AusfuhrhĂ€fen Indiens, besonders fĂŒr Eisenerz. 2004/05 wurden dort 30,66 Millionen Tonnen umgeschlagen.

Kultur

Mit der jahrhundertelangen Kolonialherrschaft der Portugiesen gingen kulturelle EinflĂŒsse einher, sodass Goa heute von allen Regionen Indiens am stĂ€rksten europĂ€isch geprĂ€gt ist. Am deutlichsten offenbart sich dies im Kernland Goas, das am lĂ€ngsten unter fremder Herrschaft stand und den höchsten katholischen Bevölkerungsanteil aufweist. Seit der Zugehörigkeit zu Indien sind jedoch mehrere Elemente mediterraner Kultur zurĂŒckgedrĂ€ngt worden. So beispielsweise die portugiesische Sprache als Verwaltungs-, Rechts-, Literatur- und Bildungssprache. Deren Stellenwert nahm spĂ€ter die englische Sprache ein. Literarische BeitrĂ€ge in englischer Sprache entstanden im 19. Jahrhundert. Zur Entwicklung und einer der ersten einheimischen Sprachen, dem Konkani, trugen im 16. und frĂŒhen 17. Jahrhundert missionarische Schriften bei, bis der Gebrauch der Sprache 1684 verboten wurde. Ein erneutes Aufleben findet seit Beginn des 20. Jahrhunderts und seit der Anerkennung der Konkani-Literatur durch die Sahitya-Akademie in den 1970er Jahren statt.

Ein architektonisches Erbe haben die portugiesischen Kolonialherrscher unter anderem in Form mehrerer Sakralbauten hinterlassen. So beispielsweise die Kirchen und Klöster der ehemaligen Hauptstadt Velha Goa, die seit 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. In der BasĂ­lica do Bom Jesus liegt Franz Xaver, von mehreren Katholiken als Schutzheiliger Goas angesehen, begraben. HerrenhĂ€user, die einst in portugiesischem Besitz waren, finden sich ebenfalls noch in Goa. Beispiele alter hinduistischer Tempelarchitektur beschrĂ€nken sich dagegen auf die lĂ€ndlichen Randgebiete, da christliche Eiferer in der FrĂŒhzeit der Kolonialherrschaft mehrere Tempel im Kernland zerstörten. BerĂŒhmt ist der Mangeshi-Tempel bei Ponda.

Konkani Pop und Hindi-Filmmusik erfreuen sich heute großer Beliebtheit. Internationale Bekanntheit erlangte Goa außerdem durch die gleichnamige Trance-Stilrichtung (siehe Goa (Musik)). Daneben sind traditionelle Konkani-Volkslieder weiterhin populĂ€r. Zu besonderen AnlĂ€ssen wird der im 19. Jahrhundert entstandene Mando gesungen und getanzt. Er weist Elemente europĂ€ischer TĂ€nze auf. FĂŒr Goa charakteristische Musikinstrumente sind die Kesseltrommel aus Ton ghumat, die einfellige Röhrentrommel samel, die zweifellige Röhrentrommel madlem (namens- und formverwandt mit der sĂŒdindischen maddale) und Zimbeln (kansalim). Portugiesen brachten Violine und Mandoline.

Das beliebteste hinduistische Fest in Goa ist Ganesh Chaturthi. Das Shigmo-Fest wird zur gleichen Zeit wie das im restlichen Indien Ă€ußerst beliebte FrĂŒhlingsfest Holi begangen. Auch Diwali und Dussehra sind wichtige Feierlichkeiten fĂŒr Hindus. Die christliche Bevölkerung feiert neben Weihnachten und Ostern auch Karneval, letzteren aber fast nur noch in den StĂ€dten und auch dort zunehmend als Touristenattraktion.

Auch in der KĂŒche spiegeln sich sowohl indische als auch mediterrane EinflĂŒsse wider. Reis und Fisch sind prĂ€gend fĂŒr die goanesische KĂŒche. Dabei werden unter anderem Kokosöl und -fruchtfleisch, verschiedene GewĂŒrze (vor allem Chili, KreuzkĂŒmmel, Koriander, Knoblauch, Kurkuma), Tamarinden und Essig verwendet. Fleischgerichte sind unter der katholischen Bevölkerung wesentlich verbreiteter als unter den Hindus. Zu Feiertagen sind Schweinefleischgerichte portugiesischen Ursprungs wie Vindaloo ĂŒblich. Zu Weihnachten verzehrt man traditionell die ĂŒppige SĂŒĂŸspeise Bibingka aus Eiern und Kokosmilch. Das beliebteste alkoholische GetrĂ€nk ist der aus KaschuĂ€pfeln oder aus Palmwein (Toddy) der Kokospalme gebrannte, hochprozentige Fenny.

Sport

In kaum einem Teil Indiens erfreut sich Fußball derart großer Beliebtheit wie in Goa. In der höchsten Spielklasse, der National Football League, ist Goa von jeher stark vertreten. Cricket, in anderen Gegenden Indiens der mit Abstand populĂ€rste Sport, gewinnt nicht zuletzt dank der intensiven Berichterstattung in den Medien immer mehr AnhĂ€nger.

Der Fußballverein Sporting Clube de Goa spielt in der National Football League. Ihre Heimspiele trĂ€gt die Mannschaft in Goas grĂ¶ĂŸtem Stadion, dem Nehru-Stadion (frĂŒher Fatorda-Stadion) nahe Margao aus, das rund 27.000 Zuschauern Platz bietet. Das Stadion ist auch HeimstĂ€tte der Vereine Dempo SC, Salgaocar Sports Club und Churchill Brothers SC. Auch der Fransa-Pax FC spielte hier bis zu seiner Auflösung.

Der FC Goa spielt in der 2014 gegrĂŒndeten Indian Super League.

2013 war Goa Austragungsort der Jogos da Lusofonia, der Spiele der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen LĂ€nder.

Medien

Printmedien

Die meistgelesenen Tageszeitungen Goas erscheinen in englischer Sprache (Herald, Navhind Times, Gomantak Times) oder Marathi (Gomantak, Tarun Bharat). Lediglich die in Devanagari geschriebene Zeitung Sunaparant erscheint auf Konkani. DarĂŒber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Zeitungen auf Marathi, die teils im benachbarten Bundesstaat Maharashtra verlegt werden. In den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten sind auch nationale Tageszeitungen im Umlauf. Zu den wichtigsten Zeitschriften gehören die englischsprachigen Nachrichtenmagazine Goa Today und Goan Observer sowie die Konkani-Wochenzeitschrift Vauraddeancho Ixtt (in lateinischer Schrift), ferner Gulab, Bimb (Konkani), Goa Messenger, Harbour Times (englisch) sowie die Computer-Zeitschrift DigITal Goa.

Hörfunk

Nach dem Ende der portugiesischen Kolonialzeit ĂŒbernahm das staatliche All India Radio den frĂŒheren portugiesischen Rundfunksender Emissora Goa. Lange Zeit war das regionale Programm von All India Radio das einzige Goas, bis Anfang 2006 im Zuge der allgemeinen Liberalisierung des indischen Hörfunkmarktes drei private Sender eine Funkgenehmigung erhielten.

Fernsehen

In Goa können fast alle nationalen Programme empfangen werden. DarĂŒber hinaus gibt es mehrere Regionalsender, darunter Goa Newsline, Goa 365, Goa Plus und Goa TV. WĂ€hrend sich in den StĂ€dten das Kabelfernsehen durchgesetzt hat, ist der Empfang auf dem Land meist nur per Satellit möglich.

Söhne und Töchter Goas

  • FernĂŁo Álvares do Oriente (16./17. Jh.), MilitĂ€r und Autor
  • Manuel de Santo AntĂłnio (1660–1733), portugiesischer Bischof und Kolonialverwalter
  • Caetano de Lemos Telo de Meneses (1739–1795), Gouverneur von Portugiesisch-Timor
  • AbbĂ© Faria (1756–1819), geistlicher Hypnotiseur und Psychiater
  • Manuel Joaquim de Matos GĂłis (1781–1832), portugiesischer Kolonialverwalter
  • Antonio Francisco Xavier Alvares (1836–1923), Bischof
  • JĂșlio Raymundo da Gama Pinto (1853–1945), portugiesischer Augenarzt
  • Andrew Alexis D’Souza (1889–1980), Bischof von Poona
  • Miguel Xavier dos MĂĄrtires Dias (1896–1933), portugiesisch-indischer Offizier und Kolonialverwalter
  • Vithalrao Nagesh Shirodkar (1899–1971), indischer GynĂ€kologe
  • Damodar Dharmananda Kosambi (1907–1966), indischer Mathematiker und Historiker
  • Ignatius Salvador D’Souza (1912–1986), Bischof
  • Ignatius P. Lobo (1919–2010), Bischof
  • Ravindra Kelekar (1925–2010), indischer Autor, Übersetzer und Aktivist
  • Victor de Mello (1926–2009), brasilianischer Bauingenieur
  • Raul Nicolau Gonsalves (* 1927), Erzbischof
  • Evarist Pinto (* 1933), Erzbischof von Karachi
  • Prafulla Dahanukar (1934–2014), indische Malerin
  • Braz Gonsalves (* 1934), Jazzmusiker, Saxophonist
  • Aleixo das Neves Dias (* 1944), Bischof
  • Pundalik Naik (* 1952), indischer Lyriker, Romanautor, Dramatiker und Drehbuchautor
  • Shripad Yesso Naik (* 1952), indischer Politiker
  • Anil Couto (* 1954), Erzbischof von Delhi
  • Manohar Parrikar (1955–2019), Politiker, Regierungschef Goas
  • Laila (* 1980), indische Schauspielerin
  • Mahesh Gawli (* 1980), indischer Fußballspieler

Literatur

  • Christine Anna Döring: Indien Goa – Travel in Style. 1. Auflage. International Travel Books, 2012, ISBN 978-3-00-038816-3.
  • Alexandra Ardeleanu-Jansen: Goa. 2. Auflage. DuMont, Köln 1997, ISBN 3-7701-2774-9.
  • Paul Harding: Lonely Planet Goa. Lonely Planet Publications, London 2003, ISBN 1-74059-139-9.
  • Arthur G. Rubinoff: The Construction of a Political Community, Integration and Identity in Goa. Sage Publications, New Delhi 1998, ISBN 0-7619-9259-6.
  • Maurice Hall: Window on Goa: A History and Guide. Quiller, London 1992, ISBN 1-870948-98-X.
  • P. P. Shirodkar: Goa’s Struggle for Freedom. Ajanta South Asia Books, New Delhi 1988, ISBN 81-202-0195-7.
  • AntĂłnio de Oliveira Salazar: Der Streit um Goa. Secretariado Nacional de Informação, Lissabon 1954.

Weblinks

  • Literatur zu Goa im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Kunst, Kultur und Geschichte Goas (englisch)
  • Karten von Goa (englisch)
  • Umfangreiche Bibliographie zum Thema Goa (englisch)

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

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auch: GĂŽa

ISO 3166-2:
Bezeichnung der Region: State

Fläche ca.: 3421.70 km²

Länge der Grenze ca.: km


Ausdehnung / Grenzen (dezimale Koordinaten nach WGS 84):
nördlichster Punkt: 15.783
südlichster Punkt: 14.887
westlichster Punkt: 73.686
östlichster Punkt: 74.304

 
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