Länder Länder/Staaten > Asien > Indien Indien > Karnataka Region Karnataka

Karte Karte: Region Karnataka

Lage Lage, Gebirge

Region Informationen Region: Karnataka

Informationen:


Karnataka (Kannada àȕàČ°àłàČšàČŸàȟàȕ Karnāáč­aka), bis 1973 Mysore, ist ein sĂŒdindischer Bundesstaat mit einer FlĂ€che von 191.791 Quadratkilometern und ĂŒber 61 Millionen Einwohnern (VolkszĂ€hlung 2011). Der frĂŒhere indische FĂŒrstenstaat Mysore trat im Jahr 1947 der Indischen Union bei. Im States Reorganisation Act 1956 wurden die Grenzen Mysores neu gezogen, so dass der Bundesstaat anschließend alle Kannada-sprachigen Gebiete umfasste. Im Jahr 1973 wurde der Staat Mysore in Karnataka umbenannt. Die Hauptstadt Karnatakas ist Bengaluru, die Amtssprache ist Kannada.

Der Name des Bundesstaates

Der Name Karnataka hat denselben etymologischen Ursprung wie Kannada, die Bezeichnung der in der Region gesprochenen Sprache. Er leitet sich wahrscheinlich von den dravidischen Wörtern karu fĂŒr „schwarz“ und nāáč­u fĂŒr „Land“ ab und verweist auf die Schwarzerde des Dekkan-Hochlands. UrsprĂŒnglich bezeichnete Karnataka genauso wie heute das kannadasprachige Gebiet im sĂŒdwestlichen Dekkan. WĂ€hrend der britischen Kolonialzeit wurde die anglisierte Bezeichnung Carnatic auf das sĂŒdlich gelegene Flachland zwischen den Ostghats und der KoromandelkĂŒste ĂŒbertragen, wĂ€hrend der ĂŒber Kannada ebenfalls von Karnataka abgeleitete Name Canara den KĂŒstenstreifen im Westen bezeichnete. Mit der Umbenennung des Bundesstaates Mysore, der 1956 aus den kannadasprachigen Gebieten gebildet worden war, im Jahr 1973 wurde der Begriff Karnataka in seiner Sanskrit-Form wieder zu seiner ursprĂŒnglichen Bedeutung zurĂŒckgefĂŒhrt.

Geographie

Karnataka grenzt an die Bundesstaaten Goa im Nordwesten, Maharashtra im Norden, Telangana im Nordosten, Andhra Pradesh im Osten, Tamil Nadu im SĂŒdosten und Kerala im SĂŒdwesten, sowie an das Arabische Meer im Westen.

Karnataka gliedert sich in drei landschaftliche GroßrĂ€ume. Auf die 320 Kilometer lange und nur 48 bis 64 Kilometer breite KĂŒstenebene im Westen folgen die Bergketten der Westghats, die in Karnataka eine Höhe von bis zu 1923 Metern erreichen. Den grĂ¶ĂŸten Teil des Bundesstaats nimmt das hauptsĂ€chlich aus Granituntergrund bestehende Hochland des Dekkan ein.

Auf dem Dekkan entspringen auch die drei wichtigsten FlĂŒsse Kaveri, Krishna und Tungabhadra.

Klima

In Karnataka herrscht tropisches Klima. Überall im Land werden die klimatischen VerhĂ€ltnisse maßgeblich vom Monsun beeinflusst. Der Sommermonsun dauert von Juni bis September, wobei die NiederschlĂ€ge je nach Region unterschiedlich stark ausfallen.

An der KĂŒste herrscht tropisches Wechselklima. Es ist ganzjĂ€hrig heiß – im Jahresmittel um 27 Grad Celsius – bei geringen Temperaturschwankungen im Jahresverlauf. WĂ€hrend des Sommermonsuns kommt es zu starken NiederschlĂ€gen. Von Oktober bis Dezember können noch schwache Nachmonsunregen auftreten. Die restlichen Monate sind zwar niederschlagsfrei, teilweise herrscht aber dennoch hohe Luftfeuchtigkeit, besonders unmittelbar vor und nach dem Monsun. Über das Jahr verteilt fallen je nach Ort bis zu 3500 mm. Die hinter der schmalen KĂŒstenebene aufsteigenden Westghats gehören zu den regenreichsten Gegenden Indiens. Dort gibt es einige Orte mit jĂ€hrlichen Niederschlagsmengen von mehr als 5000 mm.

Auch im Hochland von Dekkan, das den grĂ¶ĂŸten Teil Karnatakas einnimmt, herrscht tropisches Wechselklima, allerdings ein wesentlich trockeneres als an der KĂŒste. Die Temperaturen schwanken stĂ€rker, da der ausgleichende Meereseinfluss fehlt. Die Jahresdurchschnittstemperaturen liegen höhenbedingt teils deutlich niedriger als an der KĂŒste, dennoch wird es in den Sommermonaten auch auf dem Dekkan unertrĂ€glich heiß. In den niedriger gelegenen Regionen im Norden Karnatakas (Vijayapura, Kalaburagi, Raichur, Ballari) sind die NiederschlĂ€ge mit 500 bis 600 mm pro Jahr am geringsten; gleichzeitig wird es dort im Sommer am heißesten. In den anderen, höher gelegenen Teilen des Hochlandes fallen die jĂ€hrlichen Regenmengen etwas höher aus.

Bevölkerung

Demografie

Nach der indischen VolkszĂ€hlung 2011 betrĂ€gt die Einwohnerzahl Karnatakas 61.130.704. Damit ist Karnataka gemessen an der Einwohnerzahl Indiens achtgrĂ¶ĂŸter Bundesstaat. Die Bevölkerungsdichte liegt mit 319 Einwohnern pro Quadratkilometer unter dem gesamtindischen Durchschnitt (382 Einwohner pro Quadratkilometer). 38,6 Prozent der Einwohner leben in StĂ€dten. Der Urbanisierungsgrad ist damit höher als im Mittelwert Indiens (31,2 Prozent). Die Bevölkerung Karnatakas wĂ€chst etwas niedriger als in anderen Landesteilen Indiens. Von 2001 bis 2011 verzeichnete Karnataka ein Bevölkerungswachstum von 15,7 Prozent, wĂ€hrend der Landesdurchschnitt 17,6 Prozent betrĂ€gt. Im Zeitraum von 2010 bis 2014 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung 68,8 Jahre (der indische Durchschnitt betrug 67,9 Jahre). Die FertilitĂ€tsrate betrug 1,84 Kinder pro Frau (Stand: 2016) wĂ€hrend der indische Durchschnitt im selben Jahr bei 2,23 Kindern lag.

Bevölkerungsentwicklung

Zensusbevölkerung von Karnataka (in den heutigen Grenzen) seit der ersten indischen VolkszÀhlung im Jahr 1951.

Sprachen

Hauptsprache Karnatakas ist das zu den dravidischen Sprachen gehörende Kannada, nach dessen Sprachgrenzen die Grenzen des Bundesstaates gezogen wurden. Kannada dient in Karnataka als alleinige Amtssprache. Es wird von zwei Dritteln der Bevölkerung als Muttersprache verwendet, viele Sprecher anderer Sprachen beherrschen es als Zweitsprache.

Außer den Kannadigas (Sprechern des Kannada) leben in Karnataka zahlreiche sprachliche Minderheiten: ZweitgrĂ¶ĂŸte Sprache ist das von den meisten Muslimen gesprochene Urdu, eine indoarische Sprache. Seine Sprecher machen ein Zehntel der Bevölkerung aus. Außerdem gibt es betrĂ€chtliche Zahl von Sprechern der Sprachen der Nachbarbundesstaaten: Entlang der Grenze zu Andhra Pradesh gibt es eine Telugu sprechende Minderheit, in Teilen Nordkarnatakas um die Stadt Belagavi wird mehrheitlich das indoarische Marathi, die Hauptsprache des nördlichen Bundesstaates Maharashtra, gesprochen. An der KĂŒste lebt eine christliche, ursprĂŒnglich aus Goa eingewanderte Minderheit, die das eng mit dem Marathi verwandte Konkani spricht. Im Großraum Bengaluru leben zahlreiche Sprecher des Tamil, an Grenze zu Kerala wird auch Malayalam gesprochen. Unter Immigranten aus Nordindien ist ferner das Hindi verbreitet.

Im SĂŒdwesten Karnatakas werden zwei kleinere Regionalsprachen gesprochen: In der KĂŒstengegend um Mangaluru leben 1,5 Millionen Sprecher des Tulu, in den Bergen im Distrikt Kodagu (Coorg) sprechen rund 110.000 Menschen Kodava (Coorgi). Beide Sprachen gehören der dravidischen Sprachfamilie an. Ferner sprechen die ĂŒber weite Teile Karnatakas verstreut lebenden Angehörigen des nomadischen Volks der Banjara Lamani bzw. Banjari, einen Dialekt des Rajasthani. In den offiziellen Statistiken werden die rund eine Million Lamani/Banjari-Sprecher unter der Zahl der Hindi-Sprecher subsumiert.

In Karnatakas Hauptstadt Bengaluru herrscht ein buntes Sprachengewirr. Kannada wird dort nur von einem knappen Drittel der Einwohner verwendet. Daneben gibt es große Zahlen von Sprechern von Tamil, Telugu und Urdu. Als Bildungs- und Verkehrssprache ist Englisch praktisch ĂŒberall gegenwĂ€rtig.

Religionen

Hindus stellen mit 84 Prozent die deutliche Bevölkerungsmehrheit, ein Anteil, der in etwa dem gesamtindischen Durchschnitt entspricht. Auch die Anteile an Muslimen und Christen liegen mit 13 bzw. 2 Prozent nah am Landesdurchschnitt. Ihre Verteilung ĂŒber die FlĂ€che Karnatakas ist jedoch ungleichmĂ€ĂŸig. WĂ€hrend sich die muslimische Bevölkerung vorwiegend im Norden des Staates und in Bengaluru konzentriert, leben fast sĂ€mtliche Christen in der KĂŒstenregion.

Von großer Bedeutung ist die Minderheit der Jainas, die zwar nur 0,7 Prozent der Einwohner ausmacht, aber dennoch wichtige BeitrĂ€ge zur Kulturgeschichte Karnatakas geleistet hat. Auch im Wirtschaftsleben ist ihr Einfluss unĂŒbersehbar. Eine weitere Minderheit ist die der Buddhisten (0,2 Prozent). Zu ihnen gehören sowohl AnhĂ€nger des von B. R. Ambedkar begrĂŒndeten Dalit-Buddhismus, die sich im Norden Karnatakas wie im benachbarten Maharashtra finden, als auch die Nachfahren tibetischer FlĂŒchtlinge, die in den 1960er Jahren an Orten wie Bylakuppe angesiedelt wurden.

Bildung

Die Alphabetisierungsrate Karnatakas liegt mit 75,6 Prozent (MĂ€nner: 82,3 Prozent, Frauen: 68,1 Prozent) nur wenig ĂŒber dem indischen Durchschnitt (74,0 Prozent, Stand jeweils VolkszĂ€hlung 2011).

Karnataka verfĂŒgt ĂŒber 16 UniversitĂ€ten bzw. höhere Bildungseinrichtungen mit dem Status einer UniversitĂ€t, davon allein drei in der Hauptstadt Bengaluru: die Bangalore University, die University of Agricultural Sciences sowie das Indian Institute of Science. Karnatakas Ă€lteste UniversitĂ€t ist jedoch die 1916 gegrĂŒndete University of Mysore.

StÀdte

Die mit Abstand grĂ¶ĂŸte Stadt Karnatakas ist die im SĂŒdosten des Bundesstaates gelegene Hauptstadt Bengaluru. Durch ihren wirtschaftlichen Aufschwung hat die IT-Metropole ein erhebliches Bevölkerungswachstum erlebt und ist mittlerweile die drittgrĂ¶ĂŸte Stadt Indiens. Mit 8,4 Millionen Einwohnern beherbergt Bengaluru ein Siebtel der ganzen Bevölkerung Karnatakas und ist neunmal so groß wie die nĂ€chstgrĂ¶ĂŸte Stadt des Bundesstaates, die im Nordwesten Karnatakas gelegene Doppelstadt Hubballi-Dharwad. DrittgrĂ¶ĂŸte Stadt ist das im SĂŒden gelegene Mysuru, das als ehemalige Hauptstadt des Königreichs Mysore historisch bedeutsam ist. Weitere wichtige StĂ€dte sind Kalaburagi im Nordosten, Belagavi im Nordwesten und Mangaluru an der KĂŒste im SĂŒdwesten.

AnlĂ€sslich des fĂŒnfzigsten Jahrestags der GrĂŒndung des Bundesstaats im Jahr 2006 beschloss die Regierung von Karnataka nach einem Vorschlag des Schriftstellers U. R. Ananthamurthy, die englischen Namen von 12 StĂ€dten in Karnataka in ihre Kannada-Namensformen umzubenennen. So wurde Bangalore zu Bengaluru und Mysore zu Mysuru. Mit der Zustimmung der indischen Zentralregierung im Oktober 2014 trat die NamensĂ€nderung in Kraft. Die alten Namensformen werden in Klammern aufgefĂŒhrt. Die Einwohnerzahlen sind auf dem Stand der VolkszĂ€hlung 2011.

Geschichte

FrĂŒhe Geschichte (bis ca. 3. Jahrhundert n. Chr.)

Karnatakas FrĂŒhgeschichte weist einige Unterschiede zu den frĂŒhen Kulturen Nordindiens auf. So begann die Eisenzeit in Karnataka schon viel frĂŒher, wie Funde von Eisenwaffen aus der Zeit um 1200 v. Chr. belegen. Dennoch stand der Norden des heutigen Karnataka unter der Herrschaft nordindischer Dynastien, wie der Nanda im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. und der Maurya im 4. und 3. vorchristlichen Jahrhundert. Danach weitete die Dynastie der aus Andhra oder Maharashtra stammenden Satavahana, ehemals Vasallen der Maurya, ihren Machtbereich auf den Norden Karnatakas aus. Die Pallava lösten sie im 3. Jahrhundert n. Chr. ab und dehnten ihr eigenes Reich fĂŒr kurze Zeit bis zum Fluss Krishna aus.

Kadamba und Ganga (ca. 350 bis 550)

Zwei örtliche Dynastien beendeten die Vorherrschaft der Pallava. Um 345 begrĂŒndete der Brahmane Mayurasarman das Haus Kadamba. Er lehnte sich gegen die Pallava auf, die ihn schließlich als Herrscher Nordkarnatakas anerkennen mussten.

Auch im SĂŒden Karnatakas wurden die Pallava etwa zur gleichen Zeit von den Ganga abgelöst.

Chalukya von Badami (ca. 550 bis 757)

Um die Mitte des 6. Jahrhunderts begann sich eine neue Macht zu regen: die Chalukya, um 550 von Prinz Pulakeshin I. (reg. als König bis 566) begrĂŒndet. UrsprĂŒnglich in Aihole, im nördlichen Zentralkarnataka, residierend, machte Pulakeshin schon bald das nahe gelegene Vatapi (Badami) zu seiner neuen Hauptstadt, von wo er die Kadamba und Ganga, und damit ganz Karnataka, unterwarf. Pulakeshin II. (reg. 609-642) errichtete ein riesiges Reich zwischen der Narmada im Norden und dem Kaveri im SĂŒden. Auch weite Teile der heutigen Staaten Gujarat, Madhya Pradesh, Chhattisgarh und Orissa waren den Chalukya zeitweise untertan. Rund 200 Jahre lang bestimmten sie die Geschicke Karnatakas und weiter Teile SĂŒd- und Zentralindiens. Auch kulturell leiteten sie eine neue Ära ein. Die Chalukya-HauptstĂ€dte Badami, Aihole und Pattadakal zeugen noch heute mit prĂ€chtigen Tempelbauten von Macht und Glanz ihrer Erbauer.

GlĂŒcklos waren die Chalukya jedoch bei dem Versuch, ihre stĂ€ndigen Feinde, die Pallava, niederzuringen. Stattdessen gelang es Letzteren 642, Badami einzunehmen und Pulakeshin II. zu töten. Der Erfolg war aber nur von kurzer Dauer, da sich die Chalukya schnell wieder erholten.

Rashtrakuta (757 bis 973)

Das Ende der Chalukya kam gegen 757, als ihr Vasall Dantidurga (reg. 753-757) den König stĂŒrzte. Sein Herrscherhaus, die Rashtrakuta, ĂŒbertraf die Macht seiner VorgĂ€nger sogar noch, indem er Bengalen und das nordindische Kannauj am Ganges zur Tributzahlung zwang. Zu den kulturellen Errungenschaften der Rashtrakuta-Zeit zĂ€hlt die Herausbildung der Kannada-Literatur. Die Ă€ltesten in dieser Sprache verfassten Überlieferungen stammen aus dem 9. Jahrhundert.

Chalukya von Kalyani (973 bis 1187)

973 entmachteten die Chalukya ihre einstigen Widersacher wieder. Als neue Hauptstadt ließen sie Kalyani nahe dem heutigen Bidar erbauen. Zwar konnten sie ihr altes Reich mit Ausnahme Gujarats wiedererlangen, sahen sich aber den stĂ€ndigen Angriffen des tamilischen Chola-Reiches ausgesetzt, denen sogar die Einnahme Kalyanis gelang. Erst Someshvara I. (reg. 1042–1068) vermochte es, sie aufzuhalten und ihren König Rajadhiraja 1052 zu besiegen. Seine Nachfolger Someshvara II. (reg. 1068–1076) und Vikramaditya II. (reg. 1076–1127) setzten den Kampf gegen die Chola fort. Die Chola wurden zwar nicht endgĂŒltig besiegt, als ernsthafte Konkurrenten aber zunĂ€chst ausgeschaltet. Dennoch verfiel das Chalukya-Reich nach dem Tode Vikramadityas II. durch neue innere und Ă€ußere Feinde zusehends.

Yadava, Hoysala und Sultane von Delhi (1186/87 bis 1346/47)

Die neuen Feinde waren die Hoysala, die schon seit dem 11. Jahrhundert als Vasallen den SĂŒden Karnatakas verwalteten, sowie die aus Maharashtra in den Norden Karnatakas eindringenden Yadava. Auch Letztere waren einst Vasallen der Chalukya gewesen, gewannen jedoch unter Bhilama (reg. 1185–1193) weitgehende UnabhĂ€ngigkeit. 1186 eroberten sie Kalyani. Der Herrschersitz der Yadava war in Devagiri (heute Daulatabad in Maharashtra).

Im SĂŒden hatten sich derweil die Hoysala zum bestimmenden Herrscherhaus aufgeschwungen. 1187 besiegten sie den letzten Chalukya-König, 1190 gingen sie aus einem Zusammenstoß mit den Yadava als Sieger hervor und etablierten sich als fĂŒhrende Macht in Karnataka. Ihre HauptstĂ€dte waren Dorasamudra (heute Halebid) und Belur. In beiden StĂ€dten kann man noch heute einige der herausragendsten Bauten im Hoysala-Stil bewundern.

Im 14. Jahrhundert wurden die Hoysala und Yadava zunehmend durch das islamische Sultanat von Delhi bedroht. Die vom Sultan Ala ud-Din Khalji (reg. 1296–1316) befohlene MilitĂ€rexpedition fĂŒhrte seinen General Malik Kafur im Jahre 1310/11 bis nach Madurai. Das Yadava-Reich wurde dem Sultanat einverleibt, wĂ€hrend die Hoysala zwar tributpflichtig wurden, aber ihre Regentschaft fortsetzen durften. Das riesige Sultanat zerfiel jedoch innerhalb kĂŒrzester Zeit wieder, und die beiden Dynastien in Karnataka konnten, zumindest vorĂŒbergehend, ihre Reiche wiederherstellen, waren aber empfindlich geschwĂ€cht. Das endgĂŒltige Aus fĂŒr die Yadava kam 1318 mit einer erneuten Invasion aus dem Norden. Muhammad bin Tughluq, von 1325 bis 1351 Sultan von Delhi, unterwarf schließlich auch die Hoysala. Sein Reich zerfiel jedoch noch zu seinen Lebzeiten. Im Ă€ußersten Norden Karnatakas spaltete sich 1345 das Bahmani-Sultanat mit der Hauptstadt Kalaburagi bzw. Gulbarga (ab 1347; ab 1428 Bidar) ab.

Im verzweifelten Kampf um die Rettung seines Reiches fiel der Hoysala-König Ballala III. 1343 im Kampf gegen den Sultan von Madurai. Mit dem Tod seines Sohnes im Jahre 1346 ging seine Linie endgĂŒltig zu Ende. Seinen Platz nahm Vijayanagar ein, das als eines der legendĂ€rsten Hindu-Reiche SĂŒdindiens gilt und den muslimischen Herrschern fĂŒr ĂŒber 200 Jahre den Zugang nach SĂŒdindien verwehren sollte.

Vijayanagar (1336/1346 bis 1565)

Der genaue Ursprung des Reiches Vijayanagar ist nicht restlos geklĂ€rt. Die GrĂŒnder des Reiches, die beiden BrĂŒder Harihara und Bukka, waren möglicherweise Vasallen der Hoysala, anderen Quellen zufolge hatte der Sultan von Delhi sie zum Islam bekehrt und als Statthalter auf dem Dekkan eingesetzt, wo sie wieder ihren alten Glauben annahmen und ein eigenes Reich grĂŒndeten. Belegt ist, dass Harihara Vijayanagar 1336 gegrĂŒndet und nach dem Tod des letzten Hoysala-Herrschers (1346) dessen Reich ĂŒbernommen hatte. 1357 bestieg sein jĂŒngerer Bruder Bukka den Thron. Ihm gelang die Eroberung des Sultanats Madurai.

Als bedeutendster Herrscher gilt Krishnadeva Raya (reg. 1509–1529), der Vijayanagar nach inneren Schwierigkeiten zur wirtschaftlichen, militĂ€rischen und kulturellen BlĂŒte fĂŒhrte. Sein Ă€rgster Gegner, das schon im Verfall befindliche Bahmani-Sultanat, zerbrach ab 1490 auch unter dem militĂ€rischen Druck Vijayanagars endgĂŒltig in fĂŒnf Einzelstaaten, die als Dekkan-Sultanate zusammengefasst werden. Gleichzeitig wurden auch die ersten Kontakte zu den Portugiesen geknĂŒpft, welche Goa, die Konkan- und die MalabarkĂŒste erobert hatten.

Unter seinen Nachfolgern kamen Streitigkeiten mit den Dekkan-Sultanaten auf, die sich gegen Vijayanagar verbĂŒndeten. Sie brachten dem Reich 1565 in der Schlacht von Talikota eine vernichtende Niederlage bei und leiteten damit den seinen Untergang ein. Die Hauptstadt wurde in Schutt und Asche gelegt. Zwar konnte der König nach SĂŒden fliehen, wo sein Reich noch bis ins 17. Jahrhundert fortbestand, seinen Großmachtstatus hatte es jedoch eingebĂŒĂŸt.

Nordkarnataka im 16. bis 18. Jahrhundert

Vom Bahmani-Sultanat hatten sich schon Ende des 15. Jahrhunderts die vier Sultanate Bijapur, Bidar, Ahmadnagar und Berar (beide im heutigen Maharashtra) abgespalten. 1512 bildete sich Golkonda (in den heutigen Bundesstaaten Telangana und Andhra Pradesh) als letztes der sogenannten Dekkan-Sultanate heraus. Bijapur und Golkonda erweisen sich als die mĂ€chtigsten der fĂŒnf Sultanate, die, abgesehen von dem BĂŒndnis gegen Vijayanagar, unentwegt in Feindseligkeiten verwickelt waren.

Berar wurde 1574 von Ahmadnagar erobert. Dieses unterlag 1633 schließlich dem nordindischen Mogulreich unter Shah Jahan (reg. 1627/28-1658). Bidar fiel 1619 an Bijapur, das 1686 von Shah Jahans Nachfolger Aurangzeb erobert wurde. Ein Jahr spĂ€ter ereilte Golkonda das gleiche Schicksal.

Das Erstarken der Marathen und innere Schwierigkeiten brachten das Mogulreich aber schon nach Aurangzebs Tod wieder um seine Besitzungen auf dem Dekkan. Die Gebiete der ehemaligen Dekkan-Sultanate wurden 1724 Bestandteil des neu gegrĂŒndeten Reiches des Nizams von Hyderabad, fielen ab 1760 aber teilweise den Marathen zu.

Mysore (1565 bis 1799)

Mit der Niederlage Vijayanagars 1565 war Mysore unter der seit 1399 als Untergebene Vijayanagars regierenden, hinduistischen Wodeyar-Dynastie nicht mehr tributpflichtig. Anfang des 17. Jahrhunderts gewann es endgĂŒltig seine UnabhĂ€ngigkeit und entwickelte sich zum einflussreichsten Staat im sĂŒdlichen Karnataka.

Ab 1744 kam es im Zuge der Auseinandersetzungen im Österreichischen Erbfolgekrieg zum Ersten Karnatischen Krieg zwischen Frankreich und Großbritannien.

Den Höhepunkt seiner Macht erreichte Mysore in der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts. Der muslimische Offizier Hyder Ali stieg 1761 de facto zum Machthaber auf, ließ aber das alte Herrscherhaus formal weiterhin regieren. Hyder Ali begann auf dem sĂŒdlichen Dekkan zu expandieren, was die Interessen der Briten in Madras verletzte und deren Unmut hervorrief. Die Folge waren die vier Mysore-Kriege zwischen dem zur Regionalmacht aufgestiegenen Mysore und der Kolonialmacht Großbritannien. Im ersten Krieg (1766–1769) drang Hyder Ali bis kurz vor Madras vor und zwang seinen Gegnern im Ergebnis des Krieges ein gegen die Marathen gerichtetes MilitĂ€rhilfeabkommen auf. Wieder angeheizt wurde der Konflikt durch die Tatsache, dass Hyder Ali und, nach seinem Tode 1782, sein Sohn Tipu Sultan mit den Franzosen verbĂŒndet waren, die seit 1775 im Amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg gegen die Briten kĂ€mpften. WĂ€hrend die Briten gegen die letzten noch verbliebenen französischen StĂŒtzpunkte an der SĂŒdkĂŒste Indiens vorgingen, nutzte Mysore die Gelegenheit, um die Marathen zurĂŒckzudrĂ€ngen, ohne englische Einflussnahme befĂŒrchten zu mĂŒssen. Erst als Gebiete eines VerbĂŒndeten Mysores von den EnglĂ€ndern annektiert wurden, kam es 1780 zum Ausbruch des Zweiten Mysore-Krieges. Er endete nach vier Jahren unentschieden mit dem Frieden von Mangalore. Die Entscheidung zu Gunsten Großbritanniens fiel schließlich im Dritten (1789–1792) und Vierten Mysore-Krieg (1799), in dem Tipu Sultan fiel und seine Hauptstadt Shrirangapattana eingenommen und zu großen Teilen zerstört wurde. Auf französische UnterstĂŒtzung hatte er auf Grund der Wirren der Französischen Revolution bzw. des ungĂŒnstigen Verlaufs der Ägypten-Expedition Napoleons vergebens gehofft.

Britische Kolonialherrschaft (1799 bis 1947)

Nach dem Tode Tipu Sultans stutzten die Briten Mysore auf seine ursprĂŒngliche GrĂ¶ĂŸe zurĂŒck und setzten die Wodeyars als Vasallen wieder ein. Die ĂŒbrigen Gebiete teilten sie zwischen den PrĂ€sidentschaften Bombay und Madras auf. Die Marathen, die zu diesem Zeitpunkt noch immer den Norden Karnatakas hielten, wurden 1818 besiegt und entmachtet. 1831 unterstellte man auch Mysore wegen angeblicher finanzieller Verfehlungen der Rajas der unmittelbaren Verwaltung durch die Britische Ostindien-Kompanie bzw. ab 1857 Britisch-Indien. 1881 erhielten die Wodeyars aber ihr Reich zurĂŒck.

Karnataka im unabhÀngigen Indien (seit 1947)

Mit der UnabhÀngigkeit Indiens 1947 wurde das Königreich Mysore zum Bundesstaat. 1956 erhielt dieser im Zuge der Neuordnung der Bundesstaaten nach Sprachgrenzen im Rahmen des States Reorganisation Acts seine heutige Ausdehnung durch die Zusammenlegung mit Coorg sowie den kannadasprachigen Teilen der ehemaligen Staaten Bombay, Madras und Hyderabad. Seit dem 1. November 1973 trÀgt der Bundesstaat den heutigen Namen Karnataka.

Politik

Politisches System

Die Legislative des Bundesstaates Karnataka besteht aus einem Zweikammernparlament. Das Unterhaus, die Legislative Assembly oder Vidhana Sabha, hat 225 Abgeordnete, von denen 224 alle fĂŒnf Jahre durch Direktwahl bestimmt werden und einer als Vertreter der anglo-indischen Minderheit vom Gouverneur ernannt wird. Das Oberhaus, der Legislative Council oder Vidhana Parishad, hat 75 Mitglieder, von denen 25 durch das Unterhaus, 25 durch die Kommunen des Bundesstaates, elf durch den Gouverneur sowie jeweils sieben durch Lehrer und Hochschulabsolventen bestimmt werden. Sitz der Legislative ist die Vidhana Soudha in Bengaluru. Außerdem findet eine Sitzungswoche jĂ€hrlich in der Stadt Belagavi statt, die 2006 offiziell zur „zweiten Hauptstadt“ Karnatakas ernannt wurde.

Der Regierung Karnatakas steht der vom Parlament gewÀhlte Chief Minister (Regierungschef) vor. An der Spitze des Bundesstaats steht jedoch der vom indischen PrÀsidenten ernannte Gouverneur (Governor). Seine Hauptaufgaben sind die Ernennung des Chief Ministers und dessen Beauftragung mit der Regierungsbildung. Amtierender Gouverneur Karnatakas ist seit dem 29. Juni 2009 Hans Raj Bhardwaj.

Höchster Gerichtshof Karnatakas ist der Karnataka High Court in Bengaluru. Es bestehen Zweigstellen in Hubballi-Dharwad und Kalaburagi.

Im gesamtindischen Parlament ist Karnataka mit 28 Abgeordneten in der Lok Sabha, dem Unterhaus, und mit zwölf Sitzen in der Rajya Sabha, dem Oberhaus, vertreten.

Parteien

Die Politik Karnatakas wird von drei großen Parteien geprĂ€gt: Dem Indischen Nationalkongress (INC), der hindunationalistischen Partei Bharatiya Janata Party (BJP) und der Regionalpartei Janata Dal (Secular) (JD(S)), die 1999 als Abspaltung aus der Partei Janata Dal (JD) entstand. Von der GrĂŒndung des Bundesstaates bis 1983 wurde Karnataka durchgehend von der Kongresspartei regiert. In den folgenden Jahrzehnten konnte die JD bzw. JD(S) die Vorherrschaft der Kongresspartei brechen: Sie fĂŒhrte 1983–1989, 1994–1999 und 2006–2007 die Regierung Karnatakas an. In den 2000er Jahren etablierte sich die BJP, die in den anderen sĂŒdindischen Bundesstaaten keine Erfolge erzielen konnte, in Karnataka als wichtige politische Kraft. Bereits 2004 wurde die BJP erstmals stĂ€rkste Partei, hatte aber noch keine eigene Mehrheit. 2007 bildete der Politiker B. S. Yeddyurappa aber die erste BJP-Regierung in einem sĂŒdindischen Bundesstaat. Nach einem Korruptionsskandal, der Yeddyurappa 2011 zum RĂŒcktritt zwang, und darauf folgenden inneren Querelen wurde die BJP-Regierung 2013 aber wieder abgewĂ€hlt.

Die Politik Karnatakas ist stark von KastenloyalitĂ€ten geprĂ€gt. Die BJP wird von den Lingayat, der dominierenden Kaste in Nordkarnataka, unterstĂŒtzt, wĂ€hrend die JD(S) ihre StammwĂ€hlerschaft bei den in SĂŒdkarnataka dominierenden Vokkaliga hat. Die unteren Kasten, Dalits und religiösen Minderheiten halten dagegen zur Kongresspartei.

In der Parlamentswahl 2013 gewann die Kongresspartei mit 122 Sitzen im Parlament die absolute Mehrheit. Die BJP und JD(S) folgen abgeschlagen mit jeweils 40 Sitzen. Sechs Sitze entfielen auf die Karnataka Janata Paksha (KJP), die der ehemalige Chief Minister B. S. Yeddyurappa nach seinem Austritt aus der BJP grĂŒndete, und vier Sitze auf den BSR Congress (BSRCP), ebenfalls eine BJP-Splittergruppe. Sowohl die KJP als auch der BSR Congress schlossen sich aber spĂ€ter wieder der BJP an. Ferner im Parlament vertreten waren die kleineren Regionalparteien Karnataka Makkala Paksha (KMP) und Sarvodaya Karnataka Paksha (SKP) und die ĂŒberregionale Samajwadi Party (SP) mit jeweils einem Sitz sowie neun unabhĂ€ngige Kandidaten. Als Ergebnis der Wahl bildete die Kongresspartei die Regierung unter dem Chief Minister Siddaramaiah. Bei der gesamtindischen Parlamentswahl 2014 war in Karnataka dagegen die landesweit siegreiche BJP erfolgreich. Die BJP entschied 17 von 28 Wahlkreisen des Bundesstaates fĂŒr sich. Die Kongresspartei gewann neun Wahlkreise. Die restlichen zwei Wahlkreise gingen an die JD(S). Bei der Wahl zum Parlament von Karnataka am 12. Mai 2018 verlor die Kongresspartei ihre bisherige Mandatsmehrheit und gewann 78 Sitze. Die BJP gewann stark hinzu und kam auf 104 Sitze, verfehlte damit aber die absolute Mehrheit. JD(S) gewann 37 Wahlkreise und je ein Wahlkreis ging an Bahujan Samaj Party, die 2015 neu gegrĂŒndete Karnataka Pragnyavantha Janatha Party und einen parteilosen Kandidaten. Nach Bekanntwerden des Ergebnisses begannen Verhandlungen zwischen der Kongresspartei und der JD(S) mit dem Ziel der Bildung einer Koalitionsregierung. WĂ€hrend des Wahlkampfes hatten sich beide Parteien noch entschieden dagegen ausgesprochen. Am 17. Mai 2018 wurde B. S. Yeddyurappa als FraktionsfĂŒhrer der stĂ€rksten Partei (BJP) als Chief Minister vereidigt, mit der Maßgabe, durch ein Vertrauensvotum unter Beweis zu stellen, dass er ĂŒber eine parlamentarische Mehrheit verfĂŒgte. Dies gelang ihm jedoch nicht und er trat schon am 18. Mai 2018, einen Tag vor dem anvisierten Vertrauensvotum, wieder zurĂŒck. Danach wurde am 23. Mai 2018 JD(S)-ParteifĂŒhrer H. D. Kumaraswamy als neuer Chief Minister an der Spitze einer jD(S)-Kongress-Koalitionsregierung als Chief Minister vereidigt.

Bei der gesamtindischen Parlamentswahl 2019 gewann die BJP 25 der 28 Wahlkreise in Karnataka, wĂ€hrend Kongress und JD(U) jeweils nur einen gewinnen konnten. Diese verheerende Wahlniederlage wirkte sich destabilisierend auf die Regierung aus. Anfang Juli 2019 erklĂ€rten insgesamt 13 Abgeordnete der Kongresspartei und 3 Abgeordnete der JD(S) ihren RĂŒcktritt vom Abgeordnetenmandat, wodurch die Regierung ihre knappe parlamentarische Mehrheit verlor. Am 23. Juli 2019 verlor Kumaraswamy eine Vertrauensabstimmung im Parlament und erklĂ€rte daraufhin seinen RĂŒcktritt. Der Gouverneur ernannte am 26. Juli 2019 OppositionsfĂŒhrer Yeddyurappa zum neuen Chief Minister, der in einer Vertrauensabstimmung am 29. Juli 2019 die Stimmenmehrheit erhielt. In seiner exakt zweijĂ€hrigen Amtszeit sah sich Yeddyurappa mit zahlreichen Problemen konfrontiert (mehrere Flutkatastrophen, die COVID-19-Pandemie). Innerparteilich spekulierten viele auf eine baldige Ablösung des nahezu 80-JĂ€hrigen. Am 26. Juli 2021 trat er zurĂŒck und zwei Tage spĂ€ter wurde Basavaraj Somappa Bommai als sein Amtsnachfolger vereidigt.

Verwaltungsgliederung

Karnataka ist in die vier Divisionen Bengaluru, Belagavi, Kalaburagi und Mysuru sowie folgende 30 Distrikte unterteilt (Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte nach der VolkszÀhlung 2011):

Wirtschaft

Wirtschaftssektoren

Landwirtschaft

Obwohl Karnataka stĂ€rker industrialisiert ist als viele andere Bundesstaaten, ist die Mehrheit der Bevölkerung noch immer im Agrarsektor beschĂ€ftigt. Rund 55 Prozent der LandesflĂ€che wird landwirtschaftlich genutzt. Die wichtigsten Anbaupflanzen sind Reis, Ragi (Fingerhirse), Sorghum, Mais und HĂŒlsenfrĂŒchte. Als Plantagenpflanzen werden vor allem Zuckerrohr und Kaffee angebaut, in geringerem Umfang auch Kokos-, Cashew- und BetelnĂŒsse sowie Chili, Kardamom, Baumwolle und Tabak. Karnatakas Anteil an der gesamten Kaffeeproduktion Indiens betrĂ€gt 60 Prozent. Von Bedeutung ist auch die Blumenzucht.

Bergbau

Karnataka ist relativ reich an BodenschĂ€tzen. Die wichtigsten vorkommenden Rohstoffe sind Eisen-, Mangan- und Kupfererze, Magnesit, Bauxit, Granit sowie Kalkstein. In geringeren Mengen kommen auch Chromeisenstein, Dolomit, Quarz und Asbest vor. Zudem ist Karnataka der einzige indische Bundesstaat, der ĂŒber nennenswerte Goldvorkommen verfĂŒgt. 84 Prozent der indischen Goldförderung stammen aus Karnataka.

Industrie

Karnataka zĂ€hlt zu den höher industrialisierten Bundesstaaten Indiens. Etwa ein Viertel des Bruttoinlandsproduktes wird im industriellen Bereich erwirtschaftet. Die Hauptstadt Bengaluru hat sich zu einem der Zentren der indischen IT-Industrie entwickelt. Zahlreiche auslĂ€ndische Softwarefirmen haben sich dort angesiedelt. Auch die Elektronik-, Luftfahrt-, Maschinen- und Biotechindustrie sind in Bengaluru stark vertreten. In anderen Regionen sind außerdem die Textil- (v. a. Seide), Maschinen-, Nahrungs- und Genussmittel-, chemische, Eisen-, Stahl- und Papierindustrie von Bedeutung. Belagavi ist einer der wichtigsten Standorte der indischen Aluminiumindustrie. Mehrere Fahrzeugkonzerne, darunter Volvo und Toyota, besitzen Standorte in Karnataka. Das industrielle Wachstum betrug 2002/03 6,1 Prozent. Zur Förderung der Industrieausfuhren plant die Regierung des Staates Sonderwirtschaftszonen in Bengaluru, Hassan und der KĂŒstenregion.

Dienstleistungen

In den letzten Jahren wies der Dienstleistungssektor stets das höchste Wachstum auf (10,3 Prozent im Zeitraum 2002/03) und hat sich zum HaupttrÀger der Wirtschaft entwickelt. Mittlerweile trÀgt er mehr als die HÀlfte zum BIP Karnatakas bei. Der IT-Bereich ragt besonders heraus. Karnataka war 1991 der erste indische Bundesstaat, der einen Softwaretechnologiepark einrichtete. Heute erbringt der Staat 36 Prozent der gesamtindischen Softwareausfuhren.

Soziales

Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen lag 2005/06 bei 27.101 Rupien und lag damit geringfĂŒgig ĂŒber dem gesamtindischen Durchschnitt (2005/06: 25.956 Rupien).

Bei der Gesundheit weist Karnataka statistisch gesehen bessere Werte auf als im Landesdurchschnitt. Die Lebenserwartung betrug 1999 64,0 Jahre (MÀnner: 62,4 Jahre, Frauen: 65,5 Jahre). Sie war damit höher als durchschnittlich in Indien, wo sie im gleichen Jahr bei 61,7 Jahren (MÀnner: 60,8 Jahre, Frauen: 62,5 Jahre) lag. Die Kindersterblichkeitsrate lag 2002 mit 55 Totgeburten auf 1000 Lebendgeburten niedriger als im Landesdurchschnitt (63 auf 1000).

Mit einem Wert von 0,662 erreicht Karnataka 2015 den 13. Platz unter den 29 Bundesstaaten Indiens im Index der menschlichen Entwicklung.

Infrastruktur

Straßennetz

Karnatakas Straßennetz umfasst rund 153.000 Kilometer (Stand: 2004), davon sind knapp 4000 Kilometer National Highways. Die BewĂ€ltigung des stark wachsenden Verkehrsaufkommens – allein der Verkehr auf den National Highways nimmt pro Jahr um etwa 20 Prozent zu – wird zusehends schwieriger. Obwohl die Regierung des Bundesstaats den Straßenbau vorantreibt, kann der Ausbau mit dem schnellen wirtschaftlichen Wachstum kaum Schritt halten.

Eisenbahnnetz

Das Schienennetz der Eisenbahn umfasst in Karnataka knapp 3200 Kilometer. Die Konkan-Bahn, sicherlich das ehrgeizigste Eisenbahnprojekt Indiens seit der UnabhĂ€ngigkeit, konnte 1998 nach siebenjĂ€hriger Bauzeit eröffnet werden. Sie fĂŒhrt ĂŒber 760 Kilometer die KonkankĂŒste entlang und verbindet Mangaluru mit der sĂŒdlich von Mumbai in Maharashtra gelegenen Stadt Roha.

FlughÀfen

Der wichtigste internationale Flughafen Karnatakas ist Bengaluru International Airport (IATA-Code: BLR), ca. 30 km nördlich von Bengaluru und 4 km sĂŒdlich von Devanahalli gelegen. Er ersetzt seit 2008 den zu klein gewordenen innerstĂ€dtischen Flughafen von Bengaluru. Ein kleiner internationaler Flughafen ist der von Mangaluru (IATA-Code: IXE), mit FlĂŒgen zu Zielen am Persischen Golf. InlandsflughĂ€fen befinden sich in Belagavi (IATA-Code: IXG), Hubballi-Dharwar (IATA-Code: HBX) und Mysore (IATA-Code: MYQ).

SeehÀfen

Karnataka verfĂŒgt mit Mangaluru ĂŒber einen der zwölf HauptseehĂ€fen Indiens. Im Jahr 2004/05 (April bis MĂ€rz) wurden dort 33,89 Millionen Tonnen umgeschlagen. Damit lag Mangaluru an sechster Stelle, wobei es auch noch die höchste Wachstumsrate Indiens aufwies. Daneben existieren noch einige kleinere HĂ€fen, vor allem Karwar im Norden der KĂŒste des Bundesstaates ist dabei hervorzuheben.

Stromversorgung

Die Stromversorgung ist – wie fast ĂŒberall in Indien – unzureichend. StromausfĂ€lle sind auf Grund des hohen Energiebedarfs der boomenden Industrie und Wirtschaft allgemein sogar eher noch hĂ€ufiger als durchschnittlich in Indien. Der Großteil des elektrischen Stroms wird durch Wasser-, WĂ€rme- und Atomenergie erzeugt. Asiens erstes Wasserkraftwerk entstand 1902 in Shivasamudram in SĂŒdkarnataka. Bemerkenswert ist die starke Förderung der Windenergie.

Kultur

Kannada ist im Gegensatz zum nordindischen Hindi keine indogermanische Sprache, sondern bildet zusammen mit Tamilisch (Tamil Nadu), Telugu (Andhra Pradesh und Telangana), Malayalam (Kerala) und anderen Sprachen die Dravidische Sprachfamilie. Das von vielen Nordindern als Amtssprache favorisierte Hindi wird von den SĂŒdindern grĂ¶ĂŸtenteils abgelehnt. Allerorten sieht man in SĂŒdindien Graffiti der Art: Hindi never, English ever.

Aber nicht nur die Sprache, sondern auch die mĂ€nnliche Kleidung (Lungi), das Essen, die Tempelbauten und die Musik vermitteln dem aus Nordindien kommenden Reisenden nicht unbedingt das GefĂŒhl, noch im selben Land zu sein. Der Lungi ist ein etwa 1,20 Meter breites und zwei Meter langes, sehr dĂŒnnes Tuch, das von den erwachsenen MĂ€nnern um die HĂŒften geschlungen und ohne Hilfsmittel befestigt getragen wird. Westliche Shorts gelten als Unterhosen und rufen vor allem bei Kindern in lĂ€ndlichen Gebieten meistens sofort große Heiterkeit hervor.

Die LandeskĂŒche ist weniger scharf als im Norden und reichhaltiger mit verschiedenem GemĂŒse ausgestattet, zusĂ€tzlich zu diversen Pickles und Chutneys.

Die Tempelbauten erreichen gigantische Ausmaße von ĂŒber zwei Quadratkilometern GrundflĂ€che, meistens von einer Mauer umgeben. In der Mauer gibt es TorgebĂ€ude von ĂŒber achtzig Metern Höhe, die ĂŒbersĂ€t sind von hunderten bemalten, verschiedenartigen Götterfiguren. Dabei sind die TordurchlĂ€sse selbst so hoch, dass ein geschmĂŒckter Tempelelefant mit Reitgondel optisch ein imposantes Bild beim Durchschreiten des Tores bietet. Wo vorhanden, sind alle TempelgebĂ€ude, der fĂŒr die rituellen Waschungen wichtige Tempelteich und sogar das Pflaster der Tempelhöfe aus reinem Granit.

Die Musik unterscheidet sich ebenfalls deutlich von der im Norden, allein schon durch die gespielten Instrumente. Als wichtigstes wĂ€re davon zu nennen die Nadaswaram, ein hölzernes, der Oboe Ă€hnliches Blasinstrument von ĂŒber einem Meter LĂ€nge, das einen sehr schrillen, durchdringenden Ton abgibt. Meist wird es im Doppelpack bei Tempelzeremonien gespielt, wobei beide Instrumente möglichst synchron spielen. Begleitet wird die Nadaswaram von der Trommel Tavil, einer sogenannten Zweifelltrommel, deren beide Felle links mit der Hand und rechts mit einem Stock gespielt werden. Zu einem Nadaswaram-Doppelpack gehört natĂŒrlich auch ein Tavil-Doppelpack, ebenfalls synchron gespielt. Die Vina ist ein sĂŒdindisches Saiteninstrument, Ă€hnelt der nordindischen Sitar, ist aber anders bespannt und gestimmt und klingt auch dementsprechend anders. Andere Trommeln wĂ€ren noch: Kanjira (mit Echsenhaut bespannt und mit nur einer Hand geschlagen), Mridangam (Zweifelltrommel, bei der beide Felle mit den HĂ€nden geschlagen werden) und Ghatam (Tontopf aus speziellem, mit EisenspĂ€nen vermischtem Ton gebrannt; wird mit beiden HĂ€nden geschlagen). Die im Ausland bekanntesten Virtuosen von Kannada-Musik bilden das Karnataka College of Percussion, eine Formation, die im Westen vor allem durch Fusion-Konzerte mit Charlie Mariano bekannt wurde.

Die Filmindustrie der Landessprache hat ihr Zentrum in Bengaluru. Der bekannteste Star des Kannada-Films war der Schauspieler Rajkumar.

SehenswĂŒrdigkeiten

Karnataka hat sowohl zahlreiche Naturschönheiten als auch SehenswĂŒrdigkeiten von kulturellem Interesse vorzuweisen. Die Hauptstadt Bengaluru wird wegen ihrer vielen öffentlichen Parks und GrĂŒnanlagen oft als „Gartenstadt“ bezeichnet, ist aber auch als das „Silicon Valley Indiens“ bekannt. Eine der sehenswertesten StĂ€dte ist Mysuru (Mysore), die ehemalige Hauptstadt des Königreichs Mysore. Mehrere PalĂ€ste und der Tempelkomplex auf dem Chamundi Hill verleihen dieser Stadt eine besondere Anziehungskraft auf in- wie auslĂ€ndische Besucher. Mysuru verfĂŒgt ĂŒber einen großen, ĂŒberdachten Basar mit zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten. Unweit der Stadt liegt Shrirangapattana, das vorĂŒbergehend einmal Hauptstadt des Königreiches Mysore war. Karnatakas herausragendste historische StĂ€tte ist die Ruinenstadt Hampi, das historische Vijayanagar, in der NĂ€he des regionalen Handelszentrums Hosapete. Sie zĂ€hlt wegen ihrer teils erstaunlich gut erhaltenen Tempel- und Palastbauten zum Weltkulturerbe der UNESCO, und wird von der Archaeological Survey of India betreut. Auch andere mittelalterliche StĂ€tten wie die ehemaligen Chalukya-HauptstĂ€dte Badami, Aihole und Pattadakal sowie Belur und Halebid, frĂŒher Machtzentren der Hoysala-Könige, zeugen von der langen Geschichte Karnatakas. PrĂ€chtige muslimische Bauten stehen in Vijayapura (Bijapur), Bidar und Kalaburagi (Gulbarga) im Norden des Staates. Karnataka verfĂŒgt außerdem ĂŒber fĂŒnf Nationalparks und zahlreiche weitere Naturschutzgebiete.

Weblinks

  • Offizielle Seite der Regierung Karnatakas (englisch)
  • Karnataka State Tourism Development Corporation (englisch)
  • Online Bangalore – Offizielles Stadtportal zu Indiens „Silicon Valley“ (englisch)
  • Touristische Informationen zu Karnataka (englisch)

Einzelnachweise


 

Kommentar User Meinungen und Kommentare


Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in dieser Region Touren in dieser Region

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

auch: Maisur; Mysore, Maisur, Mysore

ISO 3166-2:
Bezeichnung der Region: State

Fläche ca.: 191841.80 km²

Länge der Grenze ca.: km


Ausdehnung / Grenzen (dezimale Koordinaten nach WGS 84):
nördlichster Punkt:
südlichster Punkt:
westlichster Punkt:
östlichster Punkt:

 
Indien - Region Karnataka: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Region Karnataka in Indien. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

Twitter twitter.com/deinebergede Instagram instagram.com/deineberge.de Facebook facebook.com/DeineBerge Frage Kontakt Fragen, Fehler, Lob, Kritik?
Schreib uns eine Nachricht.