Länder Länder/Staaten > Asien > Indien Indien > Kerala Region Kerala

Karte Karte: Region Kerala

Lage Lage, Gebirge


Da von den Grenzen der Gebirge und der Regionen nur die äußersten Punkte berücksichtigt werden, und die Berechnung automatisch passiert, kann es an den Rändern zu fehlerhaften Überschneidungen kommen.
Durch einblenden der Gebirge auf der Karte (Klick auf Gebirge oben links in der Karte) kannst du genau sehen, welche Gebirge in der Region liegen und welche nur daran grenzen.

Region Informationen Region: Kerala

Informationen:


Kerala (Malayalam àŽ•à”‡àŽ°àŽłàŽ‚ Kēraáž·am) ist ein Bundesstaat an der MalabarkĂŒste im SĂŒdwesten Indiens mit einer FlĂ€che von 38.863 kmÂČ und etwa 33,4 Millionen Einwohnern (VolkszĂ€hlung 2011). Hauptstadt ist Thiruvananthapuram, das ehemalige Trivandrum.

Die Bevölkerungsdichte betrĂ€gt 859 Einwohner je kmÂČ. Damit gehört der Staat zu den am dichtesten besiedelten Regionen Indiens. Hinsichtlich der sozialen Entwicklungsindikatoren (Alphabetisierungsgrad, gesellschaftliche Stellung der Frau, wirtschaftliche Entwicklung, Kontrolle des Bevölkerungswachstums) belegt Kerala einen der SpitzenplĂ€tze unter den indischen Bundesstaaten.

Der Bundesstaat Kerala wurde 1956 nach den Sprachgrenzen des Malayalam geschaffen. Der Name Kerala bedeutet wörtlich „Land der Kokospalmen“. Abgeleitet ist er von den Malayalam-Wörtern kera fĂŒr Kokospalme, die tatsĂ€chlich ĂŒberall in der Region in großer Zahl zu finden sind, und alam fĂŒr Land.

Geographie

Lage und Ausdehnung

Kerala grenzt im Norden an den Bundesstaat Karnataka, im Osten wird es durch die Westghats von Tamil Nadu abgeschirmt und im Westen durch das Arabische Meer begrenzt. Der zum Unionsterritorium Puducherry gehörende Ort MahĂ© liegt als Exklave im Norden des Staates. Kerala nimmt fast die gesamte MalabarkĂŒste ein. Insgesamt betrĂ€gt die KĂŒstenlĂ€nge rund 590 Kilometer.

Landschaftsformen

Die teils noch dicht bewaldeten Westghats im Osten steigen im Durchschnitt 1500 Meter auf. Die höchste Erhebung des Bundesstaates und der gesamten Westghats ist der 2695 Meter hohe Anamudi. Das Gebirge fĂ€llt nach Westen ĂŒber eine HĂŒgellandschaft zur höchstens 120 Kilometer breiten, fruchtbaren KĂŒstenebene am Arabischen Meer ab. Über den mittleren KĂŒstenabschnitt, zwischen Kochi und Kollam, erstrecken sich die Wasserstraßen, Seen und Lagunen der Backwaters. Deren grĂ¶ĂŸtes GewĂ€sser ist der Vembanadsee sĂŒdlich von Kochi. Fast alle FlĂŒsse entspringen in den Westghats. Keralas lĂ€ngster Strom ist der Periyar.

Klima

Das Klima ist tropisch mit geringen Temperaturschwankungen im Jahresverlauf und wird stark vom Monsun beeinflusst. Der SĂŒdwestmonsun setzt in Kerala im Regelfall Anfang Juni ein und bringt bis Oktober ergiebige NiederschlĂ€ge. Fast die gesamte jĂ€hrliche Niederschlagsmenge, die zwischen 1250 mm im Tiefland und 5000 mm im Gebirge betrĂ€gt, fĂ€llt wĂ€hrend der Monsunperiode. Von Oktober bis Mai ist es zwar trocken, die Luftfeuchtigkeit ist aber dennoch ganzjĂ€hrig hoch. 2001 machte ein Roter Regen in Kerala von sich reden.

Bevölkerung

Sprachen

Kerala ist ein sprachlich sehr homogener Bundesstaat. Die Hauptsprache Malayalam wird von 97 Prozent der Bevölkerung gesprochen. Es dient als alleinige Amtssprache des Bundesstaates. Die grĂ¶ĂŸte Minderheit sind die Sprecher des Tamil, die vor allem in den Distrikten Palakkad und Idukki leben. Im nördlichsten Distrikt Kasaragod wird von etwa 125.000 Menschen Tulu gesprochen. Entlang der KĂŒste leben außerdem rund 70.000 Konkani-Sprecher. Koraga ist die Muttersprache einiger tausend Stammesangehöriger im Norden. Englisch ist als Bildungs- und Wirtschaftssprache weit verbreitet.

Religionen

In religiöser Hinsicht ist Kerala gemischt. Hindus stellen mit 55 Prozent (VolkszĂ€hlung 2011) der Bevölkerung zwar die Bevölkerungsmehrheit, ihr Anteil ist aber deutlich niedriger als im landesweiten Durchschnitt, wo er etwa 80 Prozent betrĂ€gt. Der Anteil von Muslimen (27 Prozent) und Christen (18 Prozent) liegt dabei deutlich ĂŒber den gesamtindischen Durchschnitt (14 Prozent bzw. 2 Prozent). Die verschiedenen Glaubensrichtungen sind bereits seit vielen Jahrhunderten in Kerala vertreten und existieren weitgehend friedlich nebeneinander.

Der Islam wurde in Kerala nicht wie in Nordindien durch zentralasiatische Eroberer, sondern schon deutlich frĂŒher durch arabische HĂ€ndler eingefĂŒhrt. So soll die Cheraman-Freitagsmoschee in Kodungallur im Jahr 629 – also noch zu Lebzeiten des Propheten Muhammad – erbaut worden sein. Heute gehört Kerala zu den indischen Bundesstaaten mit dem höchsten muslimischen Bevölkerungsanteil. Vor allem in Nordkerala ist der Islam stark vertreten. Im Distrikt Malappuram stellen Muslime sogar die Bevölkerungsmehrheit.

Mit ĂŒber sechs Millionen Christen beherbergt Kerala die grĂ¶ĂŸte christliche Population aller indischen Bundesstaaten. Am höchsten ist der christliche Bevölkerungsanteil in den Distrikten Zentralkeralas (Kottayam, Ernakulam etc.), wo um die 40 Prozent der Einwohner christlichen Glaubens sind. Die Christen Keralas sind vor allem Thomaschristen, die ihren Ursprung bis auf den Apostel Thomas zurĂŒckfĂŒhren. Sie sind in verschiedene Konfessionen gespalten: AnhĂ€nger der Römisch-katholischen Kirche oder der mit Rom unierten Ostkirchen, d. h. die Syro-Malabaren, die Syro-Malankaren und die Lateinische Kirche (Westkirche), bilden die Mehrheit; außerdem gibt es indisch-orthodoxe (Malankara Orthodox-Syrische Kirche), syrisch-orthodoxe und anglikanische Christen sowie eine kleine Minderheit von Protestanten. Die Thomaschristen der verschiedenen Richtungen sind fest in die Gesellschaftsordnung integriert. Sie werden als konvertierte Brahmanen angesehen, missionieren nicht und bilden eine der oberen Schichten bzw. Kasten in Kerala. Dagegen sind die Angehörigen der Lateinischen Kirche und der protestantischen Missionskirchen zumeist niedrigkastige oder kastenlose Konvertiten.

Bis ins 20. Jahrhundert gab es in Kerala eine nennenswerte jĂŒdische Bevölkerungsgruppe, die sogenannten Cochin-Juden. Diese sind laut ihrer eigenen Überlieferung seit der Zerstörung des Tempels im 1. Jahrhundert, spĂ€testens aber seit dem frĂŒhen Mittelalter in Kerala ansĂ€ssig. Seit der GrĂŒndung Israels sind fast alle Cochin-Juden dorthin ausgewandert.

Bildung

Von allen Bundesstaaten Indiens weist Kerala mit 93,9 Prozent (MĂ€nner: 96,0 Prozent, Frauen: 92,0 Prozent) die höchste Alphabetisierungsrate auf. Der gesamtindische Durchschnitt liegt dagegen bei nur 74,0 Prozent (Stand jeweils VolkszĂ€hlung 2011). Nach dem jĂ€hrlichen Bildungsreport der Nichtregierungsorganisation Pratham besuchten im Jahr 2012 ĂŒber 60 % der SchĂŒler in Kerala Privatschulen. Die Anwesenheitsrate in Grundschulen war mit 94,4 % eine der höchsten unter Indiens Bundesstaaten, die Tendenz war gegenĂŒber 2009 noch steigend. 92 % der Schulen in Kerala erfĂŒllen die Vorgaben, die das Gesetz ĂŒber das Recht auf Bildung an das SchĂŒler-Lehrer-VerhĂ€ltnis stellt (in ganz Indien sind es nur 43 %). Der Anteil der Schulen, in denen es pro Lehrer wenigstens ein Klassenzimmer gab, sowie der SchĂŒler, die in der 5. Klasse grundlegende RechenfĂ€higkeiten hatten, nahm zwischen 2009 und 2012 – entgegen dem indienweiten Trend – zu.

In Kerala gibt es sieben UniversitÀten, die Kerala University in Thiruvananthapuram, die Cochin University of Science and Technology in Kochi, die Kannur University, die Calicut University in Kozhikode, die Mahatma Gandhi University in Kottayam, die Kerala Agricultural University in Thrissur und die Sree Sankaracharya University of Sanskrit in Kalady.

Siedlungsstruktur

Die Siedlungsstruktur Keralas unterscheidet sich stark von den meisten anderen Gegenden Indiens. Statt klar abgegrenzter Ortschaften mit umliegenden unbebauten Gebieten herrschen hier raumgreifende Streusiedlungen vor. Entsprechend lassen sich StĂ€dte und Dörfer oft nur schwer abgrenzen. Dies spiegelt sich auch in den offiziellen Statistiken wider. Nach der VolkszĂ€hlung 2011 gibt es in Kerala 520 StĂ€dte und 1018 Dörfer. Von den StĂ€dten sind aber nur 59 StatutarstĂ€dte, d. h. StĂ€dte im juristischen Sinne. Die restlichen 461 sind „ZensusstĂ€dte“, d. h. Dörfer, die aufgrund bestimmter demografischer Kriterien statistisch als StĂ€dte gezĂ€hlt werden. Bei der vorigen VolkszĂ€hlung 2001 waren in Kerala noch 60 StatutarstĂ€dte und nur 99 ZensusstĂ€dte gegenĂŒber 1364 Dörfern registriert worden. Der Unterschied in der statistischen Definition der StĂ€dte und Dörfer erklĂ€rt auch den sprunghaften Anstieg des Anteils der Stadtbevölkerung von 26 Prozent im Jahr 2001 auf 48 Prozent im Jahr 2011. Die Urbanisierungsrate gehört damit zu den höchsten Indiens und liegt deutlich ĂŒber dem Landesdurchschnitt von 31 Prozent.

Die grĂ¶ĂŸte Stadt Keralas ist die im SĂŒden des Bundesstaates gelegene Hauptstadt Thiruvananthapuram (Trivandrum) mit rund 752.000 Einwohnern (VolkszĂ€hlung 2011), gefolgt von Kochi (Cochin) in Zentralkerala, das rund 602.000 Einwohner zĂ€hlt. Die grĂ¶ĂŸte Stadt Nordkeralas ist Kozhikode (Calicut) mit rund 432.000 Einwohnern. Andere wichtige StĂ€dte sind Kollam (Quilon, 350.000 Einwohner) und Alappuzha (Alleppey, 174.000 Einwohner) im SĂŒden sowie Thrissur (Trichur, 316.000 Einwohner) und Palakkad (Palghat, 131.000 Einwohner) in Zentralkerala. Verglichen mit dem Rest Indiens sind die Einwohnerzahlen der grĂ¶ĂŸten StĂ€dte Keralas eher gering. Aufgrund der erwĂ€hnten Besonderheiten in der Siedlungsstruktur des Bundesstaates greifen die Agglomerationen der StĂ€dte aber oft weit ĂŒber die eigentlichen Stadtgrenzen hinaus. So gibt es nach VolkszĂ€hlung 2011 in Kerala sieben Agglomerationen mit mehr als einer Million Einwohnern, nĂ€mlich Kochi (2,1 Millionen), Kozhikode (2,0 Millionen), Thrissur (1,9 Millionen), Malappuram (1,7 Millionen), Thiruvananthapuram (1,7 Millionen), Kannur (1,6 Millionen) und Kollam (1,1 Millionen).

Bevölkerungsentwicklung

Zensusbevölkerung von Kerala seit der ersten indischen VolkszÀhlung im Jahr 1951. Aufgrund einer niedrigeren Geburtenrate als in anderen indischen Bundesstaaten und stetiger Auswanderung, vor allem in die arabischen Golfstaaten, hatte Kerala beim Zensus 2011 nur noch ein moderates Bevölkerungswachstum (+4,59 % zu 2001).

Geschichte

FrĂŒhgeschichte

Eine Legende besagt, dass ein Mann namens Parashurama, eine Inkarnation des Vishnu, der eine Siedlung fĂŒr seine Krieger suchte, von den Göttern Land aus dem Meer zugesprochen bekam. Er musste allerdings seine Axt von einem Berg im jetzigen Norden Keralas werfen. Dort, wo seine Axt landete, verwandelte sich das Meer in Land und der Teil zwischen den Bergen und dem Meer wurde zum heutigen Kerala.

Soweit die Legende, doch tatsĂ€chlich ist nur wenig ĂŒber Keralas frĂŒhe Geschichte bekannt. Vieles ist ungesichert oder nur in Legenden und Mythen ĂŒberliefert. So soll der Apostel Thomas im Jahre 52 in Muziris (heute Kodungallur) gelandet sein – der antiken Hafenstadt, die im 1. Jahrhundert n. Chr. auch der römische Gelehrte Plinius der Ältere erwĂ€hnte – und das Christentum nach Kerala gebracht haben. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es durch christliche Kaufleute aus Syrien eingefĂŒhrt worden ist. Belegt sind christliche Gemeinden erst seit dem 4. Jahrhundert. Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem 70 n. Chr. soll es angeblich auch eine Masseneinwanderung von Juden nach Muziris gegeben haben. Möglicherweise gab es aber auch vorher schon Juden an der MalabarkĂŒste.

Tatsache ist, dass Kerala vermutlich auf Grund der ursprĂŒnglich dichten Dschungelgebiete spĂ€ter als andere Regionen Indiens besiedelt wurde. Kontakte mit dem hochentwickelten nordindischen Reich der Maurya trieben die Entwicklung jedoch schnell voran. Buddhismus und Jainismus breiteten sich damals in Kerala aus. Zu frĂŒher Bedeutung gelangte die Region durch den Handel mit Phönizien, Ägypten, Babylon, Arabien, China und dem Römischen Reich.

Sangam-Ära und Erstes Chera-Reich (bis ca. 400 n. Chr.)

Erst mit der tamilischen Sangam-Ära (ca. 300 v. Chr. bis 200 n. Chr.) lassen sich sichere Aussagen ĂŒber Keralas Geschichte treffen. Zu dieser Zeit existierte im Norden Keralas das Reich der Mooshika-Könige, nach seiner Hauptstadt Ezhimala genannt. Im Ă€ußersten SĂŒden, etwa vom Kap Komorin bis Thiruvananthapuram, herrschten die Ays. Die mittlere MalabarkĂŒste wurde von den Cheras kontrolliert, einer ursprĂŒnglich in Tamil Nadu herrschenden Dynastie, die bereits in Inschriften aus der Zeit Ashokas erwĂ€hnt wurde. Sie waren die mĂ€chtigsten Herrscher der Region und fĂŒhrten zahlreiche Kriege gegen andere tamilische Dynastien wie die Cholas und die Pandyas. Ihre Hauptstadt war Vanchi, dessen genaue Lage aber bis heute umstritten ist.

„Dunkles Zeitalter“ (ca. 400–800)

Nach dem Ende der Sangam-Ära konnten sich die Cheras noch einige Zeit behaupten, wurden aber um 400 von den aus dem Dekkan kommenden Kalabhras vernichtet. Über deren Herrschaft in den kommenden vier Jahrhunderten ist wenig bekannt, man spricht daher vom „Dunklen Zeitalter“ oder „Kalabhra-Interregnum“. Ende des 8. Jahrhunderts wurden die Kalabhras von den Pallavas, Chalukyas, Pandyas und Rashtrakutas besiegt.

Zweites Chera-Reich (800–1102)

Im Jahre 800, unmittelbar nach dem Untergang der Kalabhras, gelang es den Cheras unter König Kulasekhara (800–820), ihre Macht wiederherzustellen. Mit der GrĂŒndung von Kollam 825 beginnt die Malayalam-Zeitrechnung (Kolla Varsham). Als grĂ¶ĂŸter König des Zweiten Chera-Reiches gilt Sthanu Ravi Varman, unter dessen Herrschaft (844–885) der Seehandel blĂŒhte wie nie zuvor. In seine Regentschaft fĂ€llt auch die Ankunft des arabischen Kaufmanns Sulaiman 851, der den Islam an der MalabarkĂŒste etablierte. Nach Sthanu Ravi Varmans Tod flammten alte Feindschaften mit den Cholas wieder auf, die bis zum Ende des Reiches anhielten. WĂ€hrend der Herrschaft des letzten Chera-Königs Rama Varma Kulasekhara (1090–1102) nahmen die Cholas die Hauptstadt Mahodyapuram (das frĂŒhere Muziris) ein. Mit seinem Tod ging auch sein Reich zugrunde.

Mittelalterliche Königreiche bis zur Ankunft der EuropĂ€er (1102–1498)

Aus der Asche des Chera-Reiches stiegen mehrere unabhÀngige Königreiche empor. Die bedeutendsten waren Venad (das spÀtere Travancore), Nediyirippu Swarupam unter der Herrschaft der Zamorine von Calicut (heute Kozhikode) und Perumpadappu Swarupam (Cochin). Daneben existierte eine verwirrende Vielzahl von Kleinstaaten.

Venads erster bedeutender Herrscher war Udaya Marthanda Varma (1175–1195). Die Hauptstadt Quilon (heute Kollam) entwickelte sich zu einer wohlhabenden Hafenstadt, sie wurde 1275 von Marco Polo besucht. Seinen Zenit erreichte der Staat jedoch unter Ravi Varma Kulasekhara (1299–1314). Danach erlosch die Bedeutung Venads allmĂ€hlich. Der Staat gelangte erst im 18. Jahrhundert als Travancore wieder zu Bedeutung.

Nediyirippu Swarupam, im Besonderen seine Hauptstadt Calicut, kam durch den Seehandel mit Arabien und China zu großem Wohlstand. Die Zamorine (wörtlich: „Herren der See“) vergrĂ¶ĂŸerten ihr Reich durch die Eroberung vieler Kleinstaaten betrĂ€chtlich. Schließlich stiegen sie zu den unbestrittenen Herrschern der nördlichen MalabarkĂŒste auf. Erst durch die Einmischung europĂ€ischer KolonialmĂ€chte begann auch ihre Macht zu schwinden.

Über die Geschichte von Perumpadappu Swarupam oder Cochin bis zur Ankunft der EuropĂ€er ist nicht viel bekannt. Ähnlich wie Calicut und Quilon vermochte es sich aber dank des gewinnbringenden Seehandels aufrechtzuerhalten. Im 15. Jahrhundert kam es zunehmend zu Konflikten mit den expandierenden Zamorinen von Calicut.

Kolonialzeit (1498–1947)

Portugiesische Kolonialherrschaft (1498–1663)

Der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama landete am 20. Mai 1498 nach der ersten erfolgreichen Umsegelung Afrikas am Strand Kappad, etwa 30 km nördlich von Calicut. ZunĂ€chst wurde er vom Zamorin freundlich empfangen. Als da Gama jedoch versuchte, das GewĂŒrzmonopol der in Calicut ansĂ€ssigen Araber an sich zu reißen, verwehrte ihm der Zamorin die erhofften Handelsprivilegien. Da Gama wandte sich daraufhin an den Raja von Cochin, schloss mit ihm ein BĂŒndnis und ließ 1503 in Cochin das erste europĂ€ische Fort auf indischem Boden errichten. Auf diese Art und Weise wurden Cochin und Calicut in den bald darauf ausbrechenden Krieg zwischen Portugiesen und Arabern verwickelt. Unter Ausnutzung der Feindschaft zwischen den beiden Königreichen gelang es Portugal, das GewĂŒrzmonopol der Araber zu brechen. 1506 wurde Afonso de Albuquerque Gouverneur aller portugiesischen Besitzungen in Indien. Er schuf vorĂŒbergehend Frieden mit dem Zamorin, den seine Nachfolger aber wieder brachen. Portugals Einfluss Ă€ußerte sich in vielen Lebensbereichen, der Mode, Architektur, der EinfĂŒhrung bestimmter Anbausorten wie CashewnĂŒssen und Tabak, aber auch in religiöser Intoleranz und Fanatismus.

NiederlÀndische Kolonialherrschaft (17. und 18. Jahrhundert)

Die Inkompetenz und Bestechlichkeit von Albuquerques Nachfolgern sowie die politische und wirtschaftliche SchwĂ€che des portugiesischen Mutterlandes im spĂ€ten 16. Jahrhundert fĂŒhrten zum langsamen Niedergang der Macht Portugals in Kerala. Dazu kam der wachsende Einfluss der aufstrebenden Seemacht Niederlande. 1603 landete Admiral Steven van der Hagen auf Geheiß der NiederlĂ€ndischen Ostindien-Kompanie in Calicut und schloss die ersten VertrĂ€ge mit dem Zamorin, der die Portugiesen aus seinem Reich ausweisen wollte. Weitere VertrĂ€ge folgten. Die NiederlĂ€nder errichteten Festungen in Purakkad, Kayakulum, Quilon und Travancore. 1662 gelang es ihnen, die Portugiesen aus Cranganore (heute Kodungallur) zu vertreiben und 1663 eroberten sie schließlich Cochin. Damit verlor Portugal seinen letzten StĂŒtzpunkt in Kerala und die Niederlande wurden zur bestimmenden politischen Kraft. Der Niedergang setzte mit dem unerwarteten Aufstieg Travancores ab 1729 und der Invasion durch Mysore ein.

Travancore (1729–1947)

Marthanda Varma erbte 1729 die klĂ€glichen Überreste des einst mĂ€chtigen Venad. Er eroberte jedoch zahlreiche kleinere FĂŒrstentĂŒmer und schloss sie zu einem Reich namens Travancore zusammen. In der Schlacht von Colachel (1741) gelang es ihm sogar, die NiederlĂ€nder zu schlagen. 1753 unterzeichneten diese einen Friedensvertrag. Sein Neffe Rama Varma, der ihm 1758 auf den Thron folgte, erwies sich als ebenso fĂ€higer Herrscher. Seine Regentschaft dauerte bis 1798. Unter britischen Einfluss geriet Travancore erst, als es 1791 von Mysore bedroht wurde. Nur durch ein Hilfegesuch an die Briten konnte sich Travancore verteidigen, musste aber im Gegenzug die Einsetzung eines Residenten hinnehmen. Fortan war es de facto ein britisches Protektorat, konnte aber formal seine SelbststĂ€ndigkeit bis zur UnabhĂ€ngigkeit Indiens 1947 behaupten.

Invasionen durch Mysore (1764–1792)

Hyder Ali, der Herrscher des im 18. Jahrhundert im Kampf gegen die britischen Kolonialbestrebungen erstarkten Mysore, lenkte 1764 sein Augenmerk auf Kerala. Zwei Jahre darauf gelang ihm die Einnahme von Calicut. 1773 fĂŒhrte er erneut Krieg an der MalabarkĂŒste und eroberte Trichur (heute Thrissur). Hyder Alis Nachfolger, Tipu Sultan, drang 1790–1792 bis in den SĂŒden Keralas vor. Britische Truppen setzten seiner Machtausdehnung jedoch ein schnelles Ende.

Britische Kolonialherrschaft (17. Jahrhundert–1947)

Den ersten Handelsvertrag mit dem Zamorin von Calicut schlossen die EnglĂ€nder 1615. 20 Jahre spĂ€ter erhielten sie die Erlaubnis, alle portugiesischen HĂ€fen in Kerala fĂŒr ihren Handel anlaufen zu dĂŒrfen. Calicut geriet zunehmend unter ihren Einfluss und wurde 1664, nach dem Ausscheiden Portugals als Kolonialmacht in Kerala, englisch. ZunĂ€chst war die Konkurrenz durch die NiederlĂ€nder groß, doch mit dem Ende des hollĂ€ndischen Einflusses durch die Invasionen Mysores konnten sich die Briten auch in Kerala als fĂŒhrende europĂ€ische Macht etablieren. 1795 wurde Travancore praktisch zum Protektorat, auch Cochin wurde britisches Einflussgebiet. Mit der Eingliederung Malabars in die Madras Presidency 1800 war die Kolonialherrschaft in Kerala endgĂŒltig gesichert. Erst ab den 1920er Jahren kam es im Rahmen der indischen UnabhĂ€ngigkeitsbewegung wieder zu nennenswertem Widerstand. Besonders zu erwĂ€hnen sind der Moplah-Aufstand von 1921 und die Punnapra-Vayalar-Revolte von 1946.

Kerala im unabhÀngigen Indien (seit 1947)

Zwei Jahre nach Erlangung der UnabhĂ€ngigkeit Indiens im Jahr 1947 bildeten die FĂŒrstenstaaten Travancore und Cochin am 1. Juli 1949 die Föderation Travancore-Cochin und vollzogen den Anschluss an Indien. Diese wurde am 1. Januar 1950 ein Bundesstaat (B-Staat, siehe Geschichte Indiens). Durch den States Reorganisation Act wurden am 1. November 1956 die Grenzen der indischen Bundesstaaten entsprechend den Sprachgrenzen neu gezogen. Der grĂ¶ĂŸte Teil von Travancore-Cochin vereinigte sich mit dem Malabar-Distrikt des Bundesstaates Madras zum Bundesstaat Kerala, dessen Grenzen nun weitgehend mit den Sprachgrenzen des Malayalam ĂŒbereinstimmen. Der Ă€ußerste SĂŒden Travancores kam als Distrikt Kanyakumari zum Bundesstaat Madras (seit 1969 Tamil Nadu).

Die ersten allgemeinen Wahlen in Kerala fanden 1957 statt. Aus ihnen ging die Communist Party of India (CPI) als Sieger hervor. Zum ersten Mal verlor die Kongresspartei damit eine Wahl im unabhĂ€ngigen Indien, zugleich konnte erstmals in der Geschichte eine kommunistische Partei freie und demokratische Wahlen fĂŒr sich entscheiden. Unruhen brachten das Kabinett von Chief Minister E. M. Sankaran Namboodiripad aber schon nach zwei Jahren wieder zu Fall. Effektiv haben sich seitdem bei fast jeder Wahl Kommunisten und Kongresspartei als Regierungsmacht abgewechselt. Heute existieren in Kerala zwei große politische BĂŒndnisse: die United Democratic Front (UDF) unter FĂŒhrung der Kongresspartei und die Left Democratic Front (LDF), angefĂŒhrt von der CPM. Der amtierende Chief Minister Keralas ist seit dem 25. Mai 2016 Pinarayi Vijayan von der CPM. Die konservative hindunationalistische Bharatiya Janata Party (BJP), die ihren politischen Schwerpunkt im „Hindu-GĂŒrtel“ im Norden Indiens hat, spielte bislang keine große politische Rolle. Bei den letzten Wahlen kam es zu gewalttĂ€tigen Auseinandersetzungen zwischen BJP und Kommunisten bzw. deren Unterorganisationen, die auch etliche Todesopfer forderten.

Politik

Politisches System

Die Legislative Keralas besteht aus einem Einkammerparlament, der Kerala Legislative Assembly oder Kerala Niyamasabha. Das Parlament hat 141 Abgeordnete, von denen 140 alle fĂŒnf Jahre durch Direktwahl bestimmt werden. Dabei sind zwölf Sitze fĂŒr Angehörige benachteiligter Kasten (Scheduled Castes) und zwei fĂŒr Angehörige der indigenen Stammesbevölkerung (Scheduled Tribes) reserviert. Ein Abgeordneter wird als Vertreter der anglo-indischen Minderheit vom Gouverneur ernannt. Das Parlament hat seinen Sitz in Thiruvananthapuram. Die Regierungsgewalt liegt beim Chief Minister, der das Kabinett zusammenstellt. Ernannt wird er vom Gouverneur, der wiederum vom indischen StaatsprĂ€sidenten in sein Amt berufen wird. Der Gouverneur ist zwar das formelle Oberhaupt Keralas, hat aber eher reprĂ€sentative Aufgaben. Immerhin kann er auf Bitten des Chief Ministers das Parlament auflösen. Höchster Gerichtshof des Staates, und zugleich des Unionsterritoriums Lakshadweep, ist der Kerala High Court mit Sitz in Ernakulam. Seine wichtigste Aufgabe ist es, die Einhaltung der Grundrechte zu ĂŒberwachen und durchzusetzen. Daneben ist er als unabhĂ€ngiges Organ fĂŒr die Beilegung von Streitigkeiten bei Wahlen oder ĂŒber die ZustĂ€ndigkeit untergeordneter Gerichte verantwortlich.

Parteien

Parteipolitisch ist Kerala seit der UnabhĂ€ngigkeit durch die Parteien des Mitte-links-Spektrums dominiert. Seit 1962 wechselten sich – bis auf kurze Phasen der President’s rule – die Communist Party of India (Marxist) und der Indische Nationalkongress an der Regierungsspitze ab. Hindu-nationalistische Parteien, die ihren Schwerpunkt im Hindi-SprachgĂŒrtel Nordindiens haben, hatten bei Wahlen bisher nie eine Chance. Eine Besonderheit Keralas ist die langjĂ€hrige Existenz einer muslimischen Regionalpartei, der Indian Union Muslim League, die seit den 1950er Jahren durchgehend im Parlament vertreten ist. Außerdem gibt es den Kerala Congress, der in den 1960er Jahren als lokale Abspaltung von der Kongresspartei entstand und besonders von der christlichen Minderheit gewĂ€hlt wird, aber keine religiöse Partei ist. Der Kerala Congress hat im Laufe der Jahre vielfache Abspaltungen erfahren. Die abgespaltenen Fraktionen wurden meist nach ihren jeweiligen ParteifĂŒhrern benannt, z. B. Kerala Congress (Mani), Kerala Congress (Joseph) etc. GrĂ¶ĂŸte Kerala Congress-Fraktion ist der Kerala Congress (Mani). Die letzte Wahl am 16. Mai 2016 ergab einen Sieg des LinksbĂŒndnisses ĂŒber die zuvor regierende Kongresspartei.

Laut einer Erhebung von Transparency International Indien aus dem Jahr 2005 ist Kerala der mit Abstand am wenigsten korrupte Bundesstaat Indiens. In allen elf untersuchten Sektoren öffentlicher Dienste wurde hier am wenigsten Korruption wahrgenommen.

Verwaltungsgliederung

Kerala ist in 14 Distrikte unterteilt (Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte nach der VolkszÀhlung 2011).

Wirtschaft

Wirtschaftsbereiche

Landwirtschaft / primÀrer Sektor

RĂŒckgrat der Wirtschaft sind nach wie vor die Landwirtschaft und der Fischfang. Etwa 86 % der FlĂ€che Keralas wird landwirtschaftlich genutzt. Hauptanbauprodukte sind Reis, KokosnĂŒsse (45 % der gesamtindischen Ernte), Kautschuk (92 %), BetelnĂŒsse (24 %), CashewnĂŒsse, Tee (siehe Teeanbau in Indien), Kaffee, Kakao (63 %) und diverse GewĂŒrze, vor allem Pfeffer (97 %). Die meisten dieser Erzeugnisse werden exportiert oder industriell verarbeitet.

Da der Schwerpunkt bei der landwirtschaftlichen Produktion auf kommerziellen Erzeugnissen liegt, muss Kerala rund 60 % seines Getreidebedarfs durch Einfuhren aus anderen Bundesstaaten decken.

Die Fischerei ist ebenfalls stark auf den Export ausgerichtet. Wichtige Fischfangerzeugnisse sind Sardinen, Garnelen, Hummer, Tintenfisch und Thunfisch.

Der Bergbau spielt nur eine untergeordnete Rolle, da Kerala kaum ĂŒber nennenswerte BodenschĂ€tze verfĂŒgt.

Industrie

Die Industrie ist vergleichsweise schwĂ€cher ausgeprĂ€gt als in vielen anderen Landesteilen, nicht zuletzt wegen der Ă€ußerst starken Gewerkschaften. Sie trĂ€gt nur etwa zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Auch beim industriellen Wachstum hinkt Kerala anderen Bundesstaaten hinterher. Die keralesische Industrie beschrĂ€nkt sich im Wesentlichen auf die Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse wie Kautschuk, Kokos- und CashewnĂŒsse sowie die Textilindustrie (Baumwollgarn und -stoffe, Strickbekleidung, Wollstoffe). In diesen Zweigen herrschen kleinindustrielle Betriebe vor. Lediglich im Ballungsraum Kochi-Ernakulam, dem wichtigsten Industriezentrum, sind auch in nennenswertem Umfang kapitalintensivere Bereiche wie chemische und IT-Industrie angesiedelt. Letztere entwickelt sich aber nur allmĂ€hlich.

Dienstleistungen und Tourismus

Hohe wirtschaftliche Wachstumsraten erzielt dagegen der Dienstleistungssektor, in dem knapp drei Viertel des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet werden. Vor allem der Tourismus gewinnt an Bedeutung und macht mittlerweile mehr als sechs Prozent des BIP aus.

Soziales

Keralas Pro-Kopf-Einkommen (2011/12: 83.725 Rupien) liegt mehr als ein Drittel ĂŒber dem indischen Durchschnitt (2011/12: 60.972 Rupien). Drastische FĂ€lle von Armut wie in anderen Teilen Indiens (Slums u. À.) sind in Kerala kaum anzutreffen, da hier in den letzten Jahrzehnten eine konsequente Agrarreform und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen durchgefĂŒhrt worden sind. Mit 12 Prozent hat Kerala die zweitgeringste Armutsquote unter den indischen Bundesstaaten (nach Himachal Pradesh). Auch das Bildungs- und das Gesundheitssystem sind im Vergleich zu anderen Bundesstaaten gut ausgebaut. Die Lebenserwartung lag im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2014 mit 74,9 Jahren deutlich ĂŒber dem indischen Durchschnitt von 67,9 Jahren. Die SĂ€uglingssterblichkeitsrate Keralas ist mit 12 (pro 1000 Lebendgeburten) die geringste in Indien. Zugleich ist Kerala auch der Bundesstaat mit der niedrigsten Geburtenrate (15,2 pro Jahr und 1000 Einwohner). Der Index der menschlichen Entwicklung (HDI) Keralas lag 2007/08 bei 0,79 (auf einer Skala von 0 bis 1), weit ĂŒber dem landesweiten Durchschnitt, was auch weltweit betrachtet als hoch einzustufen ist. Kerala ist der indische Bundesstaat mit den höchsten Konsumausgaben pro Kopf (1835 Rupien pro Monat auf dem Land, 2413 Rupien in den StĂ€dten), wovon nur ein vergleichsweise geringer Teil fĂŒr Nahrung ausgegeben werden muss (46 % bzw. 40 %).

Auf Grund der nur schwach ausgeprĂ€gten Industrie weist Kerala allerdings eine der höchsten Arbeitslosenraten Indiens auf (7,3 % in den StĂ€dten, 7,5 % auf dem Land), daher sind viele gut ausgebildete Keralesen, die in der Heimat vergeblich nach Arbeit suchen, im Ausland angestellt, insbesondere in den Golfstaaten. Die Überweisungen der Auslandskeralesen an ihre Familien tragen erheblich zum relativ hohen Lebensstandard in Kerala bei.

Die Stellung der Frau in der keralesischen Gesellschaft ist fĂŒr indische VerhĂ€ltnisse gut. Das demografische VerhĂ€ltnis der Frauen betrĂ€gt 1084 auf 1000 MĂ€nner gegenĂŒber 940 auf 1000 MĂ€nner im gesamten Indien. Dies lĂ€sst darauf schließen, dass hier keine neugeborenen MĂ€dchen sofort nach der Geburt getötet werden. Dies wird im sonstigen Indien hĂ€ufig gemacht, um die hohe Mitgift – oft in Form von Goldschmuck – welche die Frau bei der Heirat von ihren Eltern zu bekommen hat, einzusparen. Auch die Analphabetenrate unter Frauen ist mit 8,0 Prozent ungewöhnlich niedrig (Indien: 34,5 Prozent; Stand jeweils VolkszĂ€hlung 2011). Das gesellschaftliche Leben wird dennoch, wie im ganzen Land, fast ausschließlich von MĂ€nnern bestimmt.

Der amerikanische Anthropologe Richard W. Franke und die Soziologin Barbara H. Chasin sprechen in wissenschaftlichen Veröffentlichungen seit den 1990er-Jahren vom „Kerala-Modell“ der Entwicklung. Der Umweltaktivist Bill McKibben bezeichnete das Modell Kerala bereits 1999 als „bizarre Anomalie unter den EntwicklungslĂ€ndern“, die „wirkliche Hoffnung fĂŒr die Entwicklung der Dritten Welt“ biete. Soziale Indikatoren wie SĂ€uglingssterblichkeit, Alphabetisierung, Geburtenrate und Lebenserwartung wĂ€ren fast schon auf dem Niveau der „Ersten Welt“, trotz eines vielfach geringeren Pro-Kopf-Einkommens.

Mit einem Wert von 0,770 erreicht Kerala 2015 den ersten Platz unter den 29 Bundesstaaten Indiens im Index der menschlichen Entwicklung. Das Entwicklungsniveau lag ungefĂ€hr auf einem Level mit LĂ€ndern wie Georgien und der TĂŒrkei.

Infrastruktur

Straßen

Das Straßennetz Keralas ist infolge der hohen Bevölkerungsdichte wesentlich engmaschiger als in anderen indischen Bundesstaaten. In Kerala sind als einzigem Bundesstaat Indiens sĂ€mtliche Ortschaften ans Straßennetz angeschlossen. Es gibt acht sogenannte National Highways mit einer GesamtlĂ€nge von 1524 km. Insgesamt verfĂŒgt Kerala ĂŒber rund 140.000 Kilometer Straße (Stand: 2003).

Eisenbahn

Wie ĂŒberall in Indien spielt die Eisenbahn eine wichtige Rolle. Die Southern Railway betreibt die breitspurige Hauptlinie entlang der WestkĂŒste sowie die in Shoranur abzweigende Hauptlinie, die ĂŒber Coimbatore nach Chennai fĂŒhrt. Diese Hauptstrecke war bis zur Eröffnung der Konkanbahn (1999) die einzige Eisenbahnverbindung mit Nordindien. Daneben betreibt die Southern Railway auch die meterspurige Eisenbahnlinie von Kollam ĂŒber Virudhunagar nach Chennai. Die GesamtlĂ€nge aller Eisenbahnstrecken betrĂ€gt 1200 km.

FlughÀfen

In Kerala existieren vier FlughÀfen: der Thiruvananthapuram International Airport (IATA-Code: TRV), der Cochin International Airport (IATA-Code: COK) in Kochi, der (neue) Kannur International Airport (IATA-Code: CNN) und der Kozhikode International Airport (IATA-Code: CCJ).

Wasserstraßen

Von großer Bedeutung als Transportwege sind auch die weitverzweigten Wasserstraßen der Backwaters in den Distrikten Kasaragod, Kannur, Ernakulam, Kottayam, Alappuzha und Kollam.

HĂ€fen

Der Hafen von Kochi ist einer der grĂ¶ĂŸten Indiens. Dort wurden 2004/2005 ĂŒber 14 Millionen Tonnen umgeschlagen. Daneben gibt es mehrere kleinere SeehĂ€fen an der KĂŒste Keralas.

Stromversorgung

Drei Viertel des elektrischen Stroms werden aus Wasserkraft erzeugt, der Rest fast ausschließlich in WĂ€rmekraftwerken. Kerala ist jedoch nicht in der Lage, seinen Strombedarf aus eigener Produktion zu decken, StromausfĂ€lle sind daher an der Tagesordnung.

Telefonnetz

Kerala verfĂŒgt außerdem ĂŒber das dichteste Telefonnetz Indiens.

Kultur

Keralas reiches kulturelles Erbe unterscheidet sich deutlich von dem Nordindiens. Obwohl Kerala ethnisch einheitlicher ist als die Nachbarregionen, haben die starke Durchmischung der Glaubensrichtungen und die durch den Seehandel teils seit Jahrtausenden bestehenden Beziehungen mit dem Nahen Osten, China und Europa eine große kulturelle Vielfalt sowie viele regionale Eigenheiten hervorgebracht. Eine bedeutende StĂ€tte zur Dokumentation des kulturellen Erbes von Kerala ist das Kerala Folklore Museum in Kochi.

Literatur

Da sich Malayalam erst recht spĂ€t vom Tamil als eigenstĂ€ndige Sprache abspaltete, ist auch die Literatur dieser Sprache verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig jĂŒnger als die vieler anderer indischer, speziell drawidischer, Sprachen. Die frĂŒhesten Dichtungen in dieser Sprache waren Volkslieder und Balladen. Aus dem 12. Jahrhundert ist das Ă€lteste bekannte Prosawerk erhalten geblieben, ein Kommentar zum nordindischen Arthashastra. Als frĂŒhester „Klassiker“ gilt das wohl um 1200 entstandene Ramacharitam, eine gedichtete Version des Sanskrit-Epos Ramayana.

Bemerkenswert sind allerdings die BeitrĂ€ge Keralas zur frĂŒhen tamilischen Literatur. So stammt etwa das Cilappatikaram, das zu den herausragendsten Epen der klassischen Tamilliteratur zĂ€hlt, aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. aus der Feder eines keralesischen Prinzen.

Auch in der klassischen Sprache Nordindiens, dem Sanskrit, entstanden wichtige Werke in Kerala. Zu erwĂ€hnen ist in diesem Zusammenhang besonders Adi Shankara, der im frĂŒhen 9. Jahrhundert herausragende BeitrĂ€ge zur hinduistischen Philosophie leistete.

Nach einer wenig kreativen Phase zu Beginn der britischen Kolonialzeit, die aber immerhin zahlreiche Übersetzungen englischer Werke ins Malayalam hervorbrachte, erlebte die Malayalam-Literatur schließlich am Ende des 19. Jahrhunderts eine Wiedergeburt. Unter dem Einfluss westlicher Denkweisen entstanden neue Genres, die sich beispielsweise auch zunehmend mit sozialen Themen auseinandersetzten. Zu den herausragendsten modernen Schriftstellern und Dichtern Keralas zĂ€hlen u. a. Anand, Basheer, Mukundan, Edasseri Govindan Nair, M. T. Vasudevan Nair und Vijayan. Im Ausland ist die Autorin Arundhati Roy am bekanntesten.

Musik

PrĂ€gend fĂŒr die klassische Musik Keralas ist die in ganz SĂŒdindien verbreitete karnatische Musik mit den entsprechenden Instrumenten. Aswathi Thirunal Rama Varma, der Nachkomme der Königsfamilie von Travancore hat sich als SĂ€nger und Vina-Spieler hervorgetan. Mit Sopana Sangeetham hat sich in Kerala eine eigenstĂ€ndige Form der Tempelmusik herausgebildet. Viele Formen klassischer Musik sind untrennbar mit TĂ€nzen und Tanzdramen verbunden, die in Kerala eine lange und reiche Tradition haben. Die moderne Popmusik wird wie in ganz Indien von der Filmmusik beherrscht.

Tanz und Theater

TĂ€nze waren und sind ein wesentlicher Bestandteil der Kultur Keralas. AuffĂ€llig ist dabei die hĂ€ufige Vermischung von Tanz- und Theaterformen, die zur Herausbildung von Tanzdramen fĂŒhrte.

Keralas berĂŒhmtester Tanz ist zweifellos Kathakali, das als eine der Ă€ltesten Tanzformen SĂŒdindiens gilt und in Kerala geradezu den Rang eines Nationaltanzes genießt. Es verbindet Musik und Tanz mit Schauspiel, Pantomime und religiös-mythologischen Themen, zumeist Episoden aus einem der großen hinduistischen Epen. Kennzeichnend ist die aufwĂ€ndige KostĂŒmierung und Maskierung der ausschließlich mĂ€nnlichen Darsteller. Die streng geregelte, traditionelle Darbietung des Kathakali erfordert von den TĂ€nzern höchste Konzentration und Disziplin, und gilt daher als sehr schwer zu erlernen. Kathakali wird meist zu Tempelfesten, in jĂŒngerer Zeit aber auch immer hĂ€ufiger fĂŒr kulturell interessierte Touristen aufgefĂŒhrt. Aus dem Kathakali wurde der moderne Tanz Kerala Natanam entwickelt.

Neben Kathakali hat Kerala jedoch noch eine erstaunliche Anzahl weiterer klassischer TĂ€nze vorzuweisen. Theyyam ist ein in Nordkerala verbreiteter ritueller Tanz. Wie Kathakali wird er nur von MĂ€nnern getanzt und aufwĂ€ndige KostĂŒme und Masken spielen dabei eine wichtige Rolle. Kutiyattam, welcher ein ĂŒber 2000 Jahre alter Tempeltanz ist und ebenfalls durch prĂ€chtige Masken und stilisierte Gesten beeindruckt, wurde von der UNESCO als "Meisterwerk der Menschheit" unter ihren Schutz gestellt. Die Kuttu-TĂ€nze (Kuthu) der Chakyar- und Nangyar-Kasten sind weitere TĂ€nze, die traditionell zu Tempelfesten aufgefĂŒhrt werden. Thullal war einst wegen seiner Einfachheit und seines Witzes sehr populĂ€r unter Arbeitern und niederen Kasten. Der langsame, anmutige Einzeltanz Mohiniyattam wird von Frauen dargeboten. Thiruvathirakali ist ein Gruppentanz der Frauen.

Auch bei den Muslimen und Christen spielen TĂ€nze eine wichtige Rolle. So tanzen MĂ€dchen bei der Vorbereitung einer muslimischen Braut auf die Hochzeit Oppana. Das christliche Musikdrama Chavittunatakam entstand zu Zeiten der portugiesischen Kolonialherrschaft und zeigt daher EinflĂŒsse europĂ€ischer Mysterienspiele.

Film

Das Kino stellt in Kerala ein wichtiges Genre mit hohem Beliebtheitsgrad und Massenwirksamkeit dar. Wenn auch nicht so populĂ€r wie die Bollywood-Produktionen, ist das Malayalam-Kino dennoch fest etabliert und hat einen nicht zu unterschĂ€tzenden Stellenwert im indischen Film. Im Vergleich zu Bollywood-Produktionen gilt der Malayalam-Film als tiefsinniger. Auch werden die Geschichten sehr viel differenzierter und die Charaktere vielschichtiger dargestellt. Allerdings erleidet der Malayalam-Film seit den spĂ€ten 1990er Jahren einen RĂŒckgang an Produktionen und Besucherzahlen durch das Aufkommen neuer Unterhaltungsmedien wie Kabelfernsehen und DVD, aber auch durch Schwarzkopien. Zu den renommiertesten keralesischen Filmschaffenden zĂ€hlen der Regisseur Adoor Gopalakrishnan und die Schauspieler Mammootty und Mohan Lal. Diese beiden herausragenden Akteure sind seit mehr als 20 Jahren erfolgreich im FilmgeschĂ€ft tĂ€tig.

Bildende Kunst

Älteste Wandmalereien aus dem 9. Jahrhundert in Hindutempeln zeugen von der langen Tradition der Malerei in Kerala. Noch bis ins 19. Jahrhundert war sie vor allem religiös inspiriert. BerĂŒhmt sind Raja Ravi Varmas vom europĂ€ischen Realismus geprĂ€gte Darstellungen von Göttern, Göttinnen und sĂŒdindischen Frauen. In der modernen Kunst Indiens sind KĂŒnstler aus Kerala eher schwach vertreten.

Kampfkunst

Die in Kerala entstandene Kampfkunst Kalarippayat teilt sich in einen nördlichen und einen sĂŒdlichen Stil, von denen der nördliche in Kerala, der sĂŒdliche in Tamil Nadu ausgeĂŒbt wird. Sie zĂ€hlt zu den Ă€ltesten und bekanntesten indischen KampfkĂŒnsten. Vermutlich war sie keinen Ă€ußeren EinflĂŒssen ausgesetzt, wodurch sie sich in besonders ursprĂŒnglicher Form erhalten konnte. Heute wird Kalarippayat vor allem in lĂ€ndlichen Gegenden Keralas ausgeĂŒbt.

Kartenspiel

Das Kartenspiel 56 bzw. 28 erfreut sich in Kerala an großer Beliebtheit.

Tourismus & SehenswĂŒrdigkeiten

Kerala hat sich zu einem durchaus bedeutenden Urlaubsziel sowohl fĂŒr auslĂ€ndische als auch fĂŒr einheimische Urlauber entwickelt. 2003 wurde das Land von 5,9 Millionen indischen und 295.000 auslĂ€ndischen GĂ€sten besucht.

Ein Grund fĂŒr die AttraktivitĂ€t Keralas als touristisches Ziel liegt in der landschaftlichen Schönheit. Besonders die Lagunen, Seen und KanĂ€le der Backwaters erfreuen sich großer Beliebtheit. Der Periyar-Nationalpark in den Westghats zĂ€hlt zu den meistbesuchten Naturschutzgebieten Indiens. Auch der Eravikulam-Nationalpark oder die landschaftlich schön gelegenen Bergorte Munnar und Ponmudi lohnen einen Besuch. AuslĂ€ndische Touristen werden zudem von den zahlreichen herrlichen StrĂ€nden, wie z. B. Kovalam oder Varkala, angelockt.

Ein weiterer Grund ist die faszinierende Mischung verschiedener Kulturen. Besonders in der alten Hafenstadt Kochi bekommt man dies zu spĂŒren. Aber auch andere StĂ€dte wie Thiruvananthapuram, Thrissur, Alappuzha und Kollam haben interessante SehenswĂŒrdigkeiten zu bieten. Der Palast von Padmanabhapuram nahe Thiruvananthapuram gilt als einer der Höhepunkte keralitischer Architektur.

Der offizielle Tourismus-Slogan Keralas lautet „God’s Own Country“ (Gottes eigenes Land) und wurde den Amerikanern abgeschaut, die ihr Land schon lange gerne so nennen.

Persönlichkeiten

  • Adi Shankara (um 788–820), hinduistischer Philosoph
  • Madhava (1350–1425), Mathematiker
  • Raja Ravi Varma (1848–1906), Maler
  • Narayana Guru (1856–1928), Sozialreformer
  • Matthew Kadalikattil (1872–1935), OrdensgrĂŒnder der Herz-Jesu-Schwestern (gegrĂŒndet 1911)
  • V. K. Krishna Menon (1897–1974), Politiker und Staatsmann
  • E. M. S. Namboodiripad (1909–1998), kommunistischer Politiker, erster MinisterprĂ€sident Keralas
  • K. R. Narayanan (1920–2005), Politiker und 10. StaatsprĂ€sident Indiens
  • Vayalar Ramavarma (1928–1975), Dichter
  • O. V. Vijayan (1930–2005), Schriftsteller
  • George Sudarshan (1931–2018), Physiker
  • Joseph Mar Thoma (1931–2020), Geistlicher und als Mar Thoma XXI. Metropolit der Mar-Thoma-Kirche in Indien
  • M. T. Vasudevan Nair (* 1933), Schriftsteller
  • Paul Chittilapilly (1934–2020), Geistlicher und Bischof von Thamarassery
  • K. Radhakrishnan (* 1949), Leiter von Indiens Weltraumorganisation ISRO
  • Simon Kaipuram (1954–2019), Ordensgeistlicher und römisch-katholischer Bischof von Balasore
  • Shashi Tharoor (* 1956), UNO-Mitarbeiter und Politiker
  • Arundhati Roy (* 1961), Schriftstellerin

Literatur

  • Martin und Thomas Barkemeier: Kerala mit Mumbai und Madurai. Reise Know-How Verlag, Bielefeld 2001, ISBN 3-8317-1004-X.
  • Renate Haass, K.D. Christof: Tanz der Götter – Ritual und Tanztheater in Kerala. Röll, Dettelbach, ISBN 3-89754-114-9.
  • KABANI – the other direction (Hrsg.): fair unterwegs in Kerala/Indien – Ein Reiseleitfaden. Christina Kamp, Sumesh Mangalassery (Red.), Thiruvananthapuram 2007, ISBN 978-3-9522623-1-3.
  • Jose Punnamparambil, Christina Kamp (Hrsg.): Drei Blinde beschreiben den Elefanten. Kerala erzĂ€hlt. Kurzgeschichten und Gedichte aus dem Malayalam. Horlemann-Verlag, 2006, ISBN 978-3-89502-223-4.

Weblinks

  • Offizielle Webseite der Regierung von Kerala (englisch)
  • Tourismuswebseite der Regierung von Kerala (deutsch, englisch und französisch)
  • weiterfĂŒhrende Informationen ĂŒber den indischen Bundesstaat Kerala, Geschichte, Klima, Wirtschaft und Tourismus

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Kommentar User Meinungen und Kommentare


Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in dieser Region Touren in dieser Region

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

auch:

ISO 3166-2:
Bezeichnung der Region: State

Fläche ca.: 37725.60 km²

Länge der Grenze ca.: km


Ausdehnung / Grenzen (dezimale Koordinaten nach WGS 84):
nördlichster Punkt: 12.78
südlichster Punkt: 8.285
westlichster Punkt: 74.854
östlichster Punkt: 77.405

 
Indien - Region Kerala: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Region Kerala in Indien. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

Twitter twitter.com/deinebergede Instagram instagram.com/deineberge.de Facebook facebook.com/DeineBerge Frage Kontakt Fragen, Fehler, Lob, Kritik?
Schreib uns eine Nachricht.