Länder Länder/Staaten > Asien > Indien Indien > Lakshadweep Region Lakshadweep

Karte Karte: Region Lakshadweep

Lage Lage, Gebirge


Da von den Grenzen der Gebirge und der Regionen nur die äußersten Punkte berücksichtigt werden, und die Berechnung automatisch passiert, kann es an den Rändern zu fehlerhaften Überschneidungen kommen.
Durch einblenden der Gebirge auf der Karte (Klick auf Gebirge oben links in der Karte) kannst du genau sehen, welche Gebirge in der Region liegen und welche nur daran grenzen.

Region Informationen Region: Lakshadweep

Informationen:


Lakshadweep (Malayalam àŽČàŽ•à”àŽ·àŽŠà”àŽ”à”€àŽȘà” LakáčŁadvÄ«p) ist ein indisches Unionsterritorium, das von der indischen Zentralregierung verwaltet wird.

Es umfasst die beiden Inselgruppen der Lakkadiven und Amindiven sowie die Insel Minicoy sĂŒdwestlich des indischen Subkontinents im Arabischen Meer. Seine Hauptstadt ist Kavaratti. Lakshadweep umfasst 12 Atolle und drei Riffe mit insgesamt 27 Inseln und einer FlĂ€che von 32 kmÂČ. Der Name Lakshadweep wird hĂ€ufig mit „hunderttausend Inseln“ ĂŒbersetzt, tatsĂ€chlich ist der Ursprung des Namens aber umstritten.

Geographie

Geographische Lage

Die Inseln liegen nördlich der Malediven zwischen 10° und 12° 20' nördlicher Breite und 71° 40' und 74° östlicher LĂ€nge. Sie sind zwischen 200 und 300 km von der KĂŒste Keralas entfernt. Die sĂŒdlichste Insel, Minicoy, liegt etwas abseits und wird durch den Neun-Grad-Kanal von den anderen Inseln getrennt. Der Archipel besteht aus Atollen – hĂ€ufig ringförmig geformt –, damit verbundenen Korallenriffen und Sand-Inseln, die alle auf dem Chagos-Lakkadiven-RĂŒcken liegen. Die meisten Inseln erheben sich nur knapp ĂŒber den Meeresspiegel und die höchste Erhebung betrĂ€gt nur 5 Meter.

Bewohnte Inseln

Die 10 bewohnten Inseln sind Andrott (4,84 kmÂČ), Minicoy (4,39 kmÂČ), Kavaratti (4,22 kmÂČ), Agatti (3,84 kmÂČ), Kadmat (3,12 kmÂČ), Kalpeni (2,79 kmÂČ), Amini (2,59 kmÂČ), Kiltan (1,63 kmÂČ), Chetlat (1,14 kmÂČ) und Bitra (0,11 kmÂČ).

Unbewohnte Inseln

Offiziell werden 17 unbewohnte Inseln mit einer GesamtflĂ€che von 2,23 kmÂČ gezĂ€hlt.

Klima

Das feuchtwarme, tropische Klima wird wesentlich vom Monsun beeinflusst. Der Nordost-Monsun dauert von Dezember bis MĂ€rz und die Regensaisaon mit dem SĂŒdwest-Monsun von Mai bis November. Rund 90 Prozent der jĂ€hrlichen Gesamtniederschlagsmenge, die je nach Ort zwischen 1500 und 2000 mm betrĂ€gt, fallen zwischen Mai bis November. Alle anderen Monate sind arid.

Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt je nach Ort zwischen 27,3 und 27,9 Grad Celsius, wobei im Jahresverlauf nur geringfĂŒgige Schwankungen auftreten. Die heißen Temperaturen werden durch Seewinde gemildert.

Der Monsun fĂŒhrt gelegentlich zu Hochwasser, das die Inseln teilweise ĂŒberschwemmt. In unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden sind die Inseln auch von tropischen StĂŒrmen betroffen, so z. B. vom Zyklon Thane im Dezember 2011. Seit 1881 besteht auf Lakshadweep eine Wetterbeobachtungsstation und seit dem 31. Januar 2008 eine seismologische Station die unter anderem der FrĂŒherkennung von Seebeben und Tsunamis dienen soll.

Der flache Inselarchipel ist durch den steigenden Meeresspiegel infolge des Klimawandels bedroht.

Flora und Fauna

Der Inselarchipel von Lakshadweep wird in der Einstufung durch den World Wildlife Fund (WWF) mit den nahegelegenen Malediven und dem Chagos-Archipel zu einer Ökoregion zusammengefasst. Zusammengenommen bilden diese Inseln und Atolle das grĂ¶ĂŸte Atoll- und Korallenriffsystem der Welt.

Die natĂŒrliche, ursprĂŒngliche Vegetation auf den Inseln ist der tropische Regenwald und auf den nĂ€hrstoffarmen Inseln salz- und trockenheitsresistentes Buschwerk und SauergrasgewĂ€chse (Cyperaceae). Von dieser ursprĂŒnglichen Vegetation ist in Lakshadweep kaum etwas verblieben. Nach Satellitenaufnahmen zwischen Dezember 2006 und MĂ€rz 2007 waren damals 26,48 kmÂČ (82,75 % der GesamtflĂ€che) mit BĂ€umen bewachsen. Dabei handelte es sich ganz ĂŒberwiegend um Kokospalmen.

Viele Spezies wurden auf die Inseln eingefĂŒhrt und sind mittlerweile dort heimisch. Flora und Fauna weisen keine nennenswerten endemischen Spezies auf und die Vegetation wird als typisch fĂŒr indo-pazifische Koralleninseln charakterisiert. Die einzigen SĂ€ugetiere, die auf den Inseln heimisch sind (abgesehen von eingefĂŒhrten Spezies) sind zwei Flughund-Spezies, der Indische Riesenflughund (Pteropus giganteus) und eine Unterart des Insel-Flughunds (Pteropus hypomelanus maris). Weil diese an ObstbĂ€umen (z. B. Mango- and GuavenbĂ€umen) Schaden anrichten, werden sie von den Inselbewohnern zum Teil bekĂ€mpft und sind von der Ausrottung bedroht. Die Inseln sind von erheblicher Bedeutung als LebensstĂ€tte fĂŒr Vögel. Von besonderer Bedeutung sind eine Unterart des Paddyreihers (Ardeola grayii phillipsi), die Feenseeschwalbe (Gygis alba monte), der Arielfregattvogel (Fregata ariel iredalei), die Schwarznacken-Seeschwalbe (Sterna sumatrana), die ZĂŒgelseeschwalbe (Onychoprion anaethetus) und die Eilseeschwalbe (Thalasseus bergii). An Reptilien kommen im Malediven-Chagos-Lakshadweep-Archipel zwei Halbfinger-Geckoss (Hemidactylus spp.), zwei Agamen (darunter die Blutsaugeragame Calotes versicolar), eine Skink-Art (Lygosoma albopunktata), eine Unterart der Wolfszahnnattern (Lycodon aulicus), die Blumentopfschlange (Indotyphlops braminus), eine Froschart (Sphaerotheca rolandae) und die Schwarznarbenkröte (Bufo melanostictus) vor. Dabei ist allerdings nach Quellenlage unklar, auf welchen der Inseln des gesamten Archipels diese Arten zu finden sind.

Der WWF hat das Ökosystem des gesamten Malediven-Chagos-Lakshadweep-Archipels als „kritisch bedroht“ eingestuft. Der Grund hierfĂŒr ist die ZurĂŒckdrĂ€ngung der einheimischen Flora und Fauna durch eingefĂŒhrte Spezies (Haustiere, Nutztiere, Ratten, MĂ€use; Nutzpflanzen wie Kokospalmen, SĂŒĂŸkartoffel, Yams, Taro, Hirse, Obstanbau).

Bevölkerung

Nach der VolkszÀhlung 2011 lebten auf den zehn bewohnten Inseln Lakshadweeps 64.473 Menschen. Damit war Lakshadweep mit Abstand das kleinste Unionsterritorium Indiens. Die Bevölkerungsdichte war mit 2.013 Einwohnern pro Quadratkilometer aber sehr hoch. Andrott, Kavaratti und Minicoy hatten jeweils mehr als 10.000 Einwohner.

Sprachen

Die Hauptsprache Lakshadweeps ist das Malayalam. Diese dravidische Sprache ist ansonsten im Bundesstaat Kerala auf dem Festland verbreitet. Auf der Insel Minicoy wird dagegen Mahl gesprochen, ein Dialekt des auf den Malediven verbreiteten Dhivehi, das eng mit dem Singhalesischen verwandt ist und zu den indoarischen Sprachen gehört.

Laut der indischen VolkszĂ€hlung 2011 sprechen 84 Prozent der Einwohner Lakshadweeps Malayalam als Muttersprache. Da bei der VolkszĂ€hlung Sprachen mit unter 10.000 Sprechern nicht berĂŒcksichtigt werden, werden die Dhivehi-Sprecher nicht gesondert aufgefĂŒhrt. Allerdings sprechen laut der VolkszĂ€hlung rund 9.300 Menschen auf Lakshadweep (14 Prozent der Gesamtbevölkerung) unidentifizierte â€žĂŒbrige Sprachen“. Faktisch dĂŒrfte es sich dabei um Sprecher des Dhivehi handeln.

Bildung

87,52 Prozent der Einwohner können lesen und schreiben, eine fĂŒr Indien vorbildliche Alphabetisierungsrate. Jede bewohnte Insel verfĂŒgt ĂŒber mindestens eine Grundschule und, mit Ausnahme der kleinsten Insel Bitra, auch ĂŒber eine weiterfĂŒhrende Schule.

Religionen

Nach der VolkszĂ€hlung 2011 sind fast 97 Prozent der Inselbevölkerung AnhĂ€nger des Islam. Sie gehören mehrheitlich der schāfiÊżitischen Schule an. Die Muslime sind ĂŒberwiegend konservativ, dennoch sind volksislamische Glaubensvorstellungen aus dem Sufismus weit verbreitet. Die beiden grĂ¶ĂŸten Sufi-Bruderschaften (TarÄ«qas) sind die QādirÄ«ya und die RifÄÊżÄ«ya. Deren FĂŒhrer werden Tangal genannt, sie genießen ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Die Rituale (Dhikr) der RifÄÊżÄ« sollen auf Scheich Mohammed Kasim Tangal († 1140) zurĂŒckgehen. Als Erbe der hinduistischen Vergangenheit hat sich unter den Muslimen Lakshadweeps bis in die Neuzeit eine Art Kastensystem erhalten. Die wichtigsten Kasten sind die Koya, eine hochgestellte Kaste, traditionell landbesitzend und zur See fahrend, und die niedriggestellten Melacceri, die Bedienstete der ersteren und mit dem Ernten von KokosnĂŒssen, der Palmweinherstellung und niederen TĂ€tigkeiten beschĂ€ftigt waren. Daneben gibt es kleine Minderheiten von Wahhabiten auf Kavaratti und Agatti sowie von AnhĂ€ngern der Ahmadiyya-Bewegung auf Kalpeni.

Hindus machen knapp drei Prozent der Bevölkerung aus, Christen und ĂŒbrige rund ein halbes Prozent.

Kultur

Die Kultur ist durch den Islam dominiert, der auf Lakshadweep jedoch einige Besonderheiten aufweist. Die indigene Bevölkerung zĂ€hlt amtlich zu den sogenannten Scheduled Tribes, den „gelisteten Stammesbevölkerungen“, denen in Indien besondere Minderheitenrechte eingerĂ€umt werden.

Als die Inseln von Einwanderern besiedelt wurden, die ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. von der KĂŒste des indischen Kerala ĂŒbersetzten, brachten sie eine Lebensweise mit, die geprĂ€gt war durch matrilineare Abstammung (MĂŒtterlinien). Ihre Islamisierung begann im 14. Jahrhundert durch spĂ€te Einwanderung von Muslimen aus Kerala, vermuten einige Forscher, wĂ€hrend andere eine bereits frĂŒher einsetzende islamische Beeinflussung durch anlegende Segelschiffe sĂŒdarabischer HĂ€ndler annehmen. SpĂ€ter fassten die britischen Kolonialherren (ab 1799) die matrilinieare Abstammung der Großfamilien in Gesetze, die sie festschrieben gegenĂŒber der islamischen Bevorzugung von PatrilinearitĂ€t.

Die landbesitzenden Lineages (einlinigen Abstammungsgruppen) der indigenen Inselbewohner bezeichnen sich als tharavadu, wie sie sich auch bei den matrilinearen muslimischen Mappila oder Moplah in Kerala finden (vergleiche den Moplah-Aufstand 1921/22). Bei den tharavadu wird die Familienangehörigkeit nur ĂŒber die Linie der Mutter bestimmt, wĂ€hrend der (gemeinschaftliche) Landbesitz nur an Töchter vererbt wird; das Gemeinschaftsland wird dabei als „Land der Ahnen“ verstanden. Geleitet wird die Lineage von der Ältesten (karnoti), die sich als Nachfahrin einer grundlegenden Stammmutter versteht (vergleiche Ahnenverehrung). GefĂŒhrt und verwaltet wird die Abstammungsgruppe von ihrem (mutterseitigen) Onkel, ihrem Ă€ltesten Bruder oder ihrem Ă€ltesten Sohn als Familienvorsteher (karanavar). Beide stimmen sich in ihren Entscheidungen ab und regeln die Landnutzung des Familienverbandes. Traditionell fĂŒhlt sich der (Ă€lteste) Bruder einer Mutter verantwortlich fĂŒr die Kinder seiner Schwester (seine Neffen und Nichten), er ĂŒbernimmt fĂŒr sie die soziale Vaterschaft (vergleiche Avunkulat und Oheim).

Geschichte

Es wird landlĂ€ufig behauptet, dass sich der Name Lakshadweep vom Zahlwort laksha (vgl. lakh) ableitet, was „hunderttausend“ bedeutet, im Zusammenhang mit dieser Inselgruppe aber sicher ĂŒbertrieben scheint. TatsĂ€chlich ist der Ursprung des Namens nicht eindeutig geklĂ€rt.

FrĂŒhgeschichte

Da aus der frĂŒhen Geschichte Lakshadweeps keine schriftlichen Zeugnisse vorliegen, ist der genaue Zeitpunkt der Besiedlung bis heute ungeklĂ€rt. Einer Legende zufolge soll der von der MalabarkĂŒste stammende Herrscher Cheraman Perumal zum Islam ĂŒbergetreten, zu einer Pilgerreise nach Mekka aufgebrochen, aber nie zurĂŒckgekehrt sein. Verwandte machten sich auf die Suche nach ihm, erlitten aber auf den Lakkadiven Schiffbruch. Anschließend kehrten sie an die MalabarkĂŒste zurĂŒck, um von ihrer Entdeckung zu berichten, woraufhin sie das Recht erhielten, die Inseln zu besiedeln. Historisch gesichert ist diese Legende jedoch nicht, zumal Cheraman Perumal möglicherweise schon lange vor der Entstehung des Islam gelebt haben könnte.

Erste ErwĂ€hnungen einiger Inseln, die Lakshadweep zuzuordnen sind, finden sich zwar bereits in dem auf Altgriechisch verfassten Periplus Maris Erythraei aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. sowie in Schriften des Ă€gyptischen Geographen PtolemĂ€us aus dem darauffolgenden Jahrhundert, doch geben die keinerlei Auskunft darĂŒber, ob die Inseln zu dieser Zeit bereits bewohnt waren. Indirekte Hinweise auf die Besiedlung gibt erstmals eine alttamilische Inschrift, aus der hervorgeht, dass der Pallava-König Narasimha Varman II. (680–720) die Inseln eroberte. Zu diesem Zeitpunkt mĂŒssen dort also bereits Menschen gelebt haben. Als wahrscheinlichster Besiedlungszeitraum gilt heute das 6. Jahrhundert.

Auch der choresmische Gelehrte Al-Biruni erwĂ€hnte die Inseln um das Jahr 1030 in einem seiner Werke. Mittelalterliche arabische Quellen berichten, dass die Einwohner KokosnĂŒsse an arabische Seefahrer verkauften und dass die Inselgruppe regelmĂ€ĂŸig von HĂ€ndlern von der indischen WestkĂŒste besucht wurde.

Islamisierung

Der Überlieferung nach wurden die hinduistischen Bewohner der Inseln zwischen 663 und 666 durch den arabischen Missionar Ubaid Allah, einen Enkel des Kalifen AbĆ« Bakr, der hier Schiffbruch erlitten haben soll, islamisiert. Belegt ist das zwar nicht, jedoch erscheint die Bekehrung der Einheimischen durch Araber wahrscheinlich, da arabische Seefahrer auf dem Weg nach Indien gelegentlich dort Station machten. Als sicher kann gelten, dass sich der Islam auf der Insel Minicoy erst um 1200 durchsetzte, da diese Insel stark unter maledivischem Einfluss stand. Der maledivische König war im Jahre 1153 zum Islam ĂŒbergetreten. Als Ibn Battuta 1346 auf Minicoy anlegte, stellte er fest, dass alle Einwohner fromme Muslime waren. Allerdings blieben die Inseln auch nach der Islamisierung in der Hand der hinduistischen Rajas von Chirakkal, die schon seit dem 12. Jahrhundert die Oberherrschaft innehatten.

Ankunft der Portugiesen

Im frĂŒhen 16. Jahrhundert kamen die Portugiesen nach Lakshadweep, deren Bevölkerung unter den neuen Herrschern arg zu leiden hatte. Einheimische Boote wurden geplĂŒndert, um an die fĂŒr den Schiffbau begehrten Kokosfasern, schon damals das Haupterzeugnis der Inseln, zu gelangen. Viele Einwohner kamen bei Feindseligkeiten mit den Portugiesen, die kurzzeitig sogar eine Festung auf Amini besaßen, ums Leben. Sie unterstĂŒtzten stattdessen den muslimischen Raja von Kannur, der sich nach der Vertreibung der Portugiesen seinen Machtanspruch sichern konnte.

Rajas von Kannur

Die muslimische Dynastie der Ali Rajas (Ali Raja ‚edler Herrscher‘, auch Adi Raja ‚erster Herrscher‘, oder Azhi Raja ‚Herrscher des Meeres‘) von Kannur (anglisiert: Cannonore) ĂŒbten seit dem 11./12. Jahrhundert Herrschaftsfunktionen auf dem Inselarchipel aus. Sie waren zunĂ€chst Vasallen der Kolathiris, der Herrscherdynastie des FĂŒrstentums Chirakkal auf dem Festland, und diesem tributpflichtig. Praktisch agierten sie jedoch relativ unabhĂ€ngig und unterhielten ausgedehnte Handelsbeziehungen mit der islamischen Welt (Arabien, Persien). Die Dynastie behielt einige vorislamische BrauchtĂŒmer bei. Beispielsweise folgte die Erbfolge einer matrilinearen Linie und der Ă€lteste Abkömmling erbte den Herrschertitel, unabhĂ€ngig vom Geschlecht, so dass auch Frauen regierten (mit dem weiblichen Titel Beebi oder Beevi). BrĂ€uche, wie eine stĂ€ndig brennende, zur See hin ausgerichtete Flamme im Palast (bhadra deepam) und andere sĂŒdindische Hindu-Tranditionen wurden weitergefĂŒhrt. Die Rajas von Kannur verwalteten die Inseln zunĂ€chst mit Hilfe der örtlichen InseloberhĂ€upter, setzten spĂ€ter aber eigene Statthalter ein. Im SiebenjĂ€hrigen Krieg schloss der Herrscher von Kannur am 27. MĂ€rz 1759 einen BĂŒndnisvertrag mit der Britischen Ostindien-Kompanie, der ihn zur Stellung eines Truppenkontingents verpflichtete. Dies markierte den Ă€ußeren Beginn des britischen Einflusses auf den Inseln. Zur Deckung der Ausgaben wurden 1764/65 Kokosfasern mit einer Ausfuhrsteuer belegt. Als Haidar Ali 1766 eine Invasion der MalabarkĂŒste einleitete, verbĂŒndeten sich die Ali Rajas mit ihm gegen die Kolathiris. Der siegreiche Haidar Ali belohnte die Ali Rajas mit Herrschaftsrechten auf dem Festland. Im Zweiten Mysore-Krieg von Tippu Sultan standen die Ali Rajas auf der Seite Mysores. Am 13. Dezember 1783 besetzten und plĂŒnderten die Briten den Palast der Rajas und nahmen die Beebi als Kriegsgefangene. In einem Vertrag, datiert vom 8. Januar 1784 wurde sie wieder in ihre Rechte auf den Inseln eingesetzt und verpflichtete sich zur Zahlung einer KriegsentschĂ€digung an die Ostindien-Kompanie. Der Vertrag von Mangalore vom 11. MĂ€rz 1784 erhöhte die zu zahlende EntschĂ€digung noch deutlich, wogegen die Beebi vergeblich protestierte. Infolge der Zahlungsverpflichtungen erhöhten die Ali Rajas die Steuern, unter anderem auch fĂŒr auf vom Festland eingefĂŒhrten Reis. Infolgedessen kam es 1783 auf Amini zu einem Aufstand gegen die an der entfernten MalabarkĂŒste residierende Obrigkeit. Einige Einwohner der Insel machten sich auf den Weg nach Mangalore, um Tipu Sultan, den Herrscher von Mysore, darum zu bitten, die Verwaltung Aminis und der umliegenden Amindiven-Inseln zu ĂŒbernehmen. Diesem Wunsch entsprach Tipu Sultan, ungeachtet der bisherigen Freundschaft mit den Ali Rajas. Die restlichen Inseln verblieben jedoch unter der Kontrolle Kannurs und die Beebi erhielt eine EntschĂ€digungszahlung. Im Dritten Mysore-Krieg verbĂŒndete sich die Beebi wieder mit den Briten. In einem Vertrag am 11. April 1793 musste sie sich erneut zu hohen Zahlungen verpflichten. Der verhĂ€ltnismĂ€ĂŸige Wohlstand Kannurs wurde durch die Kompanie regelrecht ausgepresst.

Britische Kolonialherrschaft

Nach der Niederlage Mysores gegen die Briten im Jahre 1799 annektierte die Britische Ostindien-Kompanie alle vormals unter der Herrschaft Mysores stehenden Inseln. 1847 wurde Andrott von einem verheerenden Wirbelsturm verwĂŒstet, woraufhin sich der Raja von Kannur in Begleitung eines britischen Beamten dorthin begab, um die SchĂ€den zu sichten und der Bevölkerung seine UnterstĂŒtzung zuzusichern. Zur Behebung der gewaltigen SchĂ€den vergaben die Briten ein Darlehen an den Raja, der allerdings nicht imstande war, die hohen Zinsen zu zahlen. Als EntschĂ€digung ĂŒbergab er 1861 fĂŒr fĂŒnf Jahre alle noch in seinem Machtbereich befindlichen Inseln den Briten. Im Jahr 1875 wiederholte sich dies und die Inseln verblieben bis 1908 unter britischer Verwaltung. Im Jahr 1908 verzichtete die Beebi Imbichi endgĂŒltig auf ihre Rechte ĂŒber die Inseln. Sie erhielt eine jĂ€hrliche Pension (Malikhan) und behielt ihren fĂŒrstlichen Titel Adi Raja Queen Bulia of Cannanore and sovereign of the Laccadive, der jedoch mit keinerlei tatsĂ€chlichen Herrschaftsrechten mehr verbunden war. Der entsprechende Vertrag wurde durch die Kolonialregierung Britisch-Indiens im Februar 1909 ratifiziert.

Bis zur UnabhÀngigkeit Indiens 1947 verblieb der Inselarchipel unter der Verwaltung der PrÀsidentschaft Madras. Die Lakkadiven und Minicoy gehörten zum Distrikt Malabar, die Amindiven zum Distrikt South Kanara (Dakshina Kannada).

Nach der UnabhÀngigkeit

Nach der UnabhĂ€ngigkeit blieb die Inselgruppe zunĂ€chst Bestandteil des Bundesstaats Madras. 1956 wurde im Zuge der allgemeinen Neuordnung der Bundesstaaten (States Reorganisation Act) das Unionsterritorium „Lakkadiven, Amindiven und Minicoy“ eingerichtet, das seit 1973 den Namen Lakshadweep trĂ€gt. Die Verwaltung zog 1964 von Kozhikode nach Kavaratti um, gleichwohl werden die wichtigsten politischen Entscheidungen von der indischen Zentralregierung in Neu-Delhi getroffen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Die Bevölkerung lebt vor allem vom Fischfang, dem Anbau von Kokospalmen, und der zumeist handwerklichen Verarbeitung von Kokosfasern. Kokospalmen, die etwa 85 Prozent der OberflĂ€che der bewohnten Eilande bedecken, sind die einzigen wirtschaftlich bedeutsamen Nutzpflanzen, die auf den Inseln in großer Zahl gedeihen.

Die einzigen Industriebetriebe sind die sieben Fabriken, in denen Kokosfasern u. a. zu Kokosmatten verarbeitet werden, sowie eine Thunfischkonservenfabrik auf Minicoy.

Obwohl Lakshadweep Ă€hnlich wie die Malediven ein Traumziel fĂŒr Urlauber, besonders Taucher, sein könnte, ist der Fremdenverkehr nur von untergeordneter Bedeutung. AuslĂ€nder dĂŒrfen die Inseln ausschließlich mit einer Sondererlaubnis betreten, wobei die indische Regierung die Zahl der Einreisegenehmigungen bewusst niedrig hĂ€lt. Lediglich die eigentlich unbewohnte Insel Bangaram ist fĂŒr auslĂ€ndische Touristen geöffnet. Dort gibt es eine Ferienanlage. Dies ist auch der einzige Ort in Lakshadweep, in dem Alkohol konsumiert werden darf. Auf den ĂŒbrigen Inseln gilt die Prohibition, d. h. ein vollstĂ€ndiges Verbot des Konsums und Verkaufs von Alkohol.

Die Indian Naval Station Dweeprakshak (INS Dweeprakshak, zu deutsch „BeschĂŒtzer der Insel“) ist die grĂ¶ĂŸte MilitĂ€rbasis der Indischen StreitkrĂ€fte im Indischen Ozean.

Infrastruktur

Bis 1959 verkehrten ausschließlich kleine Segelschiffe zwischen der Inselgruppe und dem Festland. Problematisch war die Anbindung ans Festland besonders wĂ€hrend des Monsuns, da wĂ€hrend dieser Zeit der Schiffsverkehr unterbrochen werden musste. Erst seit 1970 wird Lakshadweep auch zur Monsunzeit von grĂ¶ĂŸeren Passagier- und Transportschiffen angelaufen. Zwischen den einzelnen Inseln verkehren seit 1992 KatamaranfĂ€hren.

Es besteht eine regelmĂ€ĂŸige Flugverbindung zwischen Kochi und Agatti. FĂŒr medizinische NotfĂ€lle u. À. wurde 1987 ein Hubschrauberdienst eingerichtet, der die Inseln sowohl untereinander als auch mit dem Festland verbindet.

Der Straßenverkehr spielt auf Grund der winzigen LandflĂ€che eine untergeordnete Rolle. Insgesamt verfĂŒgt Lakshadweep ĂŒber mehr als 250 km Straßen und Radwege.

Energieversorgung

Ein großes Problem stellt die Versorgung der Inseln mit Strom dar. Die Elektrifizierung der Inseln begann in den 1960er Jahren und mittlerweile sind 100 % der Privathaushalte an das Stromnetz angeschlossen. Der Großteil der ElektrizitĂ€t wird bisher von zentralen Dieselgeneratoren erzeugt, deren Rohstoffbedarf nur durch aufwĂ€ndige Importe vom Festland gedeckt werden kann. Im Jahr 2001 mussten jĂ€hrlich etwa 7 Millionen Liter Dieselkraftstoff vom Festland vor allem ĂŒber Kozhikode (Calicut) importiert werden. Aufgrund der unregelmĂ€ĂŸigen Schiffverbindungen mĂŒssen dafĂŒr große Dieselkraftstoffspeicher auf den Inseln vorgehalten werden, die genĂŒgend Kraftstoff fĂŒr mehrere Monate enthalten. Der Umgang mit so großen Mengen bringt ein erhebliches Risiko fĂŒr Umweltverschmutzungen und Störungen des fragilen Ökosystems mit sich. Aufgrund der hohen Temperaturen können Dieselgeneratoren nicht unter Volllast betrieben werden, was die Effizienz der Energiegewinnung daraus mindert.

GrundsĂ€tzlich hat Lakshadweep ein hohes Potential hinsichtlich regenerativer Energien, insbesondere Sonnenenergie und Windenergie. Die durchschnittliche Sonneneinstrahlung in Lakshadweep betrĂ€gt 4932 kWh/mÂČ/d. Dies entspricht etwa dem vier- bis fĂŒnffachen des Durchschnittswerts in Deutschland (900 – 1200 kWh/mÂČ/d). Eine erste kleine Solar-Versuchsanlage wurde schon 1988 auf der Insel Bitra installiert und weitere Anlagen auf verschiedenen Inseln folgten in den kommenden Jahren. Als Nachteil von Sonnenenergieanlagen gilt ein verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hoher FlĂ€chenbedarf, was auf den dichtbesiedelten Inseln mit ihrem Kokospalmenbestand ein Problem ist. Die indische Regierung strebt die Ausstattung möglichst aller HĂ€user mit Solarmodulen bis zum Jahr 2022 an, so dass damit 10 MW an Energie erzeugt werden können.

Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit auf Lakshadweep ist relativ gleichmĂ€ĂŸig, liegt zwischen 3,1 und 8,5 m/s und ist am höchsten in den Monaten Juni bis August. Ein erster Versuch mit einer 15 Meter hohen Windturbine auf Kavaratti in den 1990er Jahren verlief enttĂ€uschend. Das Hauptproblem waren fehlende technische Wartungsmöglichkeiten auf den abgelegenen Inseln. Alle Ersatzteile mussten ĂŒber Hunderte Kilometer herangeschafft werden. Die aktuellen Planungen sehen die Installation von drei 250/220 kW-Windturbinen auf Kavaratti vor, deren Betrieb durch entsprechende WartungsvertrĂ€ge gesichert werden soll.

Auf Kavaratti ist außerdem eine 250 kW Biogasanlage in Betrieb, die vor allem die reichlich anfallenden AbfĂ€lle der Kokospalmen nutzt.

Literatur

  • 2017: Janaki Abraham: Setting Sail for Lakshadweep: Leela Dube and the Study of Matrilineal Kinship. In: Indian Journal of Gender Studies. Band 24, Nr. 3, 8. Oktober 2017, S. 438–454, doi:10.1177/0971521517716813 (englisch, PDF: 232 kB, 18 Seiten – Assistenzprofessor am Department of Sociology DSE der UniversitĂ€t Delhi). 
  • 1999: V. Vijayakumar: Customary laws of Lakshadweep Islands. Hrsg.: School of Legal studies, Cochin University of Science and Technology. Februar 1999, Kap. 1 (online bei Shodhganga – Dissertation). 
  • 1995: Leela Dube: Matriliny and Islam in Lakshadweep. In: India International Centre Quarterly. Band 22, Nr. 2/3. India International Centre, 1995, S. 168–180, JSTOR:23003944. 
  • 1969: Leela Dube, Abdul Rahman Kutty, Shyama Charan Dube: Matriliny and Islam: Religion and Society in the Laccadives. National, Delhi 1969 (durchsuchbar in der Google-Buchsuche). 

Weblinks

  • lakshadweep.nic.in: Offizielle Website des Unionsterritoriums Lakshadweep (englisch)

Einzelnachweise


 

Kommentar User Meinungen und Kommentare


Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in dieser Region Touren in dieser Region

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

auch: Íles Laquedives; Laccadive; Minicoy and Amindivi Islands; Laccadives; Lackadiverna; Lakkadiven; Lakkadi, Íles Laquedives, Laccadive, Minicoy and Amindivi Islands, Laccadives, Lackadiverna, Lakkadiven, Lakkadi

ISO 3166-2:
Bezeichnung der Region: Union Territor

Fläche ca.: 34.10 km²

Länge der Grenze ca.: km


Ausdehnung / Grenzen (dezimale Koordinaten nach WGS 84):
nördlichster Punkt: 11.694
südlichster Punkt: 8.249
westlichster Punkt: 72.173
östlichster Punkt: 73.684

 
Indien - Region Lakshadweep: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Region Lakshadweep in Indien. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

Twitter twitter.com/deinebergede Instagram instagram.com/deineberge.de Facebook facebook.com/DeineBerge Frage Kontakt Fragen, Fehler, Lob, Kritik?
Schreib uns eine Nachricht.