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Region Manipur
Lage, Gebirge
Informationen Region: ManipurManipur (Meitei àŠźàŠšàŠżàŠȘà§àа, êŻêŻ êŻ€êŻêŻšêŻ) ist ein indischer Bundesstaat mit einer FlĂ€che von 22.327 kmÂČ und 2,7 Millionen Einwohnern (VolkszĂ€hlung 2011). Die Hauptstadt Manipurs ist Imphal. Hauptsprachen sind die Amtssprachen Meitei (Manipuri) und Englisch.
Mit einem Wert von 0,706 erreicht Manipur 2015 den 5. Platz unter den 29 Bundesstaaten Indiens im Index der menschlichen Entwicklung.
Manipur liegt im Nordosten Indiens an der Grenze zu Myanmar (vormals Burma). Der Bundesstaat gehört zu den sogenannten sieben Schwesterstaaten Nordostindiens, die nur durch einen schmalen Landkorridor mit dem Rest des Landes verbunden sind. Nachbarbundesstaaten Manipurs sind Nagaland im Norden, Assam im Westen und Mizoram im SĂŒden. Im Osten liegt die Staatsgrenze zu Myanmar. Mit einer FlĂ€che von 22.327 Quadratkilometern (etwas mehr als das deutsche Bundesland Hessen) gehört Manipur zu den kleineren Bundesstaaten Indiens.
Die Topografie ist geprĂ€gt von einem Gegensatz zwischen der zentralen Talregion und der umgebenden Bergregion. Im Zentrum Manipurs liegt das Imphal- oder Manipur-Tal mit der Hauptstadt Imphal. Das rund 2000 Quadratkilometer groĂe Tal hat eine annĂ€hernd ovale Form und liegt auf durchschnittlich 790 Metern ĂŒber dem Meeresspiegel. Das Imphal-Tal wird zu allen Seiten von Bergen umgeben. Die Bergketten des Patkai-Gebirges verlaufen ĂŒberwiegend in Nord-SĂŒd-Richtung und erreichen im Nordosten Höhen von ĂŒber 3000 Metern. Der höchste Berg ist der Khayang Peak mit 3114 Metern ĂŒber dem Meeresspiegel. Um Jiribam im Ă€uĂersten Westen an der Grenze zu Assam hat Manipur ferner Anteil an der Tiefebene des Barak-Tals. Mehrere FlĂŒsse entwĂ€ssern Manipur: der Nam Kathe flieĂt zum Chindwin ab, einem Nebenfluss des Irrawaddy; der Barak wird in Bangladesch zum Meghna.
An Mineralien findet man geringwertige Kohle und Eisenerze; Salz wird aus heiĂen Solequellen gewonnen. Elefanten, Tiger, Leoparden, BĂ€ren, Hirsche, BĂŒffel, Affen und Riesenschlangen sind in Manipur heimisch.
Das Klima ist auf Grund der Höhenlage gemĂ€Ăigt.
Nach der nationalen VolkszĂ€hlung 2011 gab es 2.721.756 Einwohner. Damit gehört Manipur zu den kleineren Bundesstaaten Indiens. Die Bevölkerungsentwicklung ist ansteigend: Zwischen 2001 und 2011 nahm die Einwohnerzahl um 18,7 Prozent zu. Die Wachstumsrate liegt damit etwas ĂŒber dem Durchschnitt Indiens von 17,6 Prozent im Vergleichszeitraum. Im 110-Jahres-Zeitraum 1901 bis 2011 hat sich die Bevölkerungszahl Manipurs ungefĂ€hr verzehnfacht. Die Bevölkerungsdichte betrug im Jahr 2011 122 Einwohner pro Quadratkilometer und lag damit deutlich unter dem gesamtindischen Durchschnitt von 382 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Bevölkerung ist dabei sehr ungleich verteilt: 60 Prozent der Einwohner Manipurs leben in dem dicht besiedelten Imphal-Tal, das nur 10 Prozent der FlĂ€che einnimmt, wĂ€hrend die Bergregionen nur dĂŒnn besiedelt sind. 30,2 Prozent der Einwohner leben in StĂ€dten. Der Urbanisierungsgrad entspricht damit dem Landesdurchschnitt von 31,2 Prozent. Die Alphabetisierungsquote in Manipur liegt mit 79,9 Prozent ĂŒber dem Mittelwert Indiens (74,0 Prozent).
Das Mehrheitsvolk sind die Meitei oder Manipuri, die im Tal siedeln. Wie die meisten ĂŒbrigen Ethnien Nordostindiens sprechen sie eine tibetobirmanische Sprache, sie stehen kulturell aber der indischen Mehrheitsgesellschaft nĂ€her. Die Bergregionen Manipurs werden dagegen von Volksgruppen besiedelt, die von den indischen Behörden zu den âregistrierten Stammesvölkernâ (scheduled tribes) gezĂ€hlt werden. Nach der VolkszĂ€hlung 2001 betrĂ€gt ihr Bevölkerungsanteil 34,2 Prozent. Im Norden leben die Naga, im SĂŒden die Kuki, die sich jeweils auf eine Reihe verschiedener StĂ€mme aufteilen. Es bestehen betrĂ€chtliche Spannungen zwischen den Meitei und den Bergvölkern: Die Naga und Kuki sehen sich durch die Meitei-Mehrheit benachteiligt, wĂ€hrend die Meitei beklagen, dass die Naga und Kuki durch die besonderen Rechte, die ihnen als scheduled tribes nach der indischen Verfassung zukommen, bevorteilt werden.
Hauptsprache Manipurs ist die vom Mehrheitsvolk der Meitei gesprochene Sprache Meitei oder Manipuri. Nach der VolkszĂ€hlung 2001 wird Meitei von 60,7 Prozent der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen und unter den Völkern Manipurs als Lingua franca benutzt. Das Meitei dient als Amtssprache des Bundesstaates und ist auf ĂŒberregionaler Ebene als eine von 22 Verfassungssprache Indiens (scheduled languages) anerkannt. Das Meitei gehört zur tibetobirmanischen Sprachfamilie und wird in bengalischer Schrift geschrieben. FrĂŒher wurde eine eigene Schrift, Meitei Mayek, benutzt, die heute nicht mehr gebrĂ€uchlich ist. Es gibt aber Bestrebungen zur WiedereinfĂŒhrung.
Die Bergvölker Manipurs sprechen eine Vielzahl kleinerer tibetobirmanischer Sprachen, deren Namen meist mit denen der entsprechenden StĂ€mme identisch sind. Nach der VolkszĂ€hlung 2001 gibt es in Manipur neben dem Meitei zehn weitere tibetobirmanische Sprachen, deren Sprecher mindestens ein Prozent der Bevölkerung ausmachen. Diese sind (in GröĂenordnung) Thado, Tangkhul, Kabui, Paite, Hmar, Vaiphei, Liangmei, Anal, Maring und Zou.
Unter der aus anderen Teilen Indiens eingewanderten Bevölkerung sind die indoarischen Sprachen Nepali (2,2 Prozent), Bengali (1,3 Prozent) und Hindi (1,2 Prozent) verbreitet.
Nach der VolkszĂ€hlung 2011 stellen Hindus und Christen jeweils 41 Prozent der Bevölkerung Manipurs. Daneben gibt es eine muslimische Minderheit von 8 Prozent. Ebenfalls 8 Prozent der Bevölkerung werden in den VolkszĂ€hlungsstatistiken unter âĂŒbrige Religionenâ verzeichnet.
In religiöser Hinsicht zeigt sich eine klare Zweiteilung zwischen den Meitei im Manipur-Tal und den Stammesvölkern in den Bergregionen. Die meisten Meitei praktizieren einen vishnuitischen Hinduismus, der mit Elementen der vorhinduistischen Religion vermischt ist. Der Vishnuismus wurde durch König Garib Niwas (1708â48) als Staatsreligion eingefĂŒhrt. In jĂŒngerer Zeit gibt es Bestrebungen, den als Sanamahismus bezeichneten vorhinduistischen Glauben als eigene Religion wiederzubeleben. In amtlichen Statistiken wird der Sanamahismus nicht separat gezĂ€hlt, was den groĂen Anteil von âĂŒbrigen Religionenâ in den VolkszĂ€hlungsergebnissen erklĂ€rt. Ein signifikanter Anteil der Meitei bekennt sich auch zum Islam.
Die Bergvölker Manipurs sind ganz ĂŒberwiegend Christen. Nach der VolkszĂ€hlung 2001 betrĂ€gt der christliche Bevölkerungsanteil unter den scheduled tribes 96,8 Prozent. Wie in den Nachbarbundesstaaten wurde die Stammesbevölkerung Manipurs ab dem spĂ€ten 19. Jahrhundert von amerikanischen Missionaren christianisiert. In der ersten JahreshĂ€lfte 2023 wurden bei Unruhen wegen Landrechten zwischen den mehrheitlich hinduistischen Meitei und den mehrheitlich christlichen Kuki 300 Kirchen in Brand gesetzt, 100 Menschen getötet und 250 verletzt.
Unter der Stammesbevölkerung Manipurs und des Nachbarbundesstaats Mizoram gibt es insgesamt rund 7.200 sogenannte Bnei Menashe, die sich selbst als Juden identifizieren und sich als Abkömmlinge des biblischen Stammes Manasse sehen. Rund 1.700 Bnei Menashe sind bereits nach Israel ausgewandert, mittlerweile hat die israelische Regierung die Auswanderung (Alija) der restlichen Bnei Menashe in die Wege geleitet.
Das Naga-FĂŒrstentum mit der Hauptstadt Imphal besteht der Sage nach seit 35 n. Chr. Die heutige Dynastie regierte seit 1714, als der Raja Panheiba zum Hinduismus ĂŒbertrat und den Namen Gharib Nawat annahm. Sein Nachfolger Jai Singh verbĂŒndete sich 1762 mit dem Briten. 1824 bis 1826 litt Manipur unter dem Ersten Anglo-Birmanischen Krieg und wurde dabei weitgehend entvölkert (siehe Geschichte Myanmars). FĂŒr an Birma abgetretenes Land sowie die Aufstellung von Grenzposten erhielt der Radscha von Manipur eine jĂ€hrliche EntschĂ€digung. 1891 kam es zu einem kurzen kriegerischen Konflikt zwischen der britisch-indischen Kolonialmacht und Manipur, der mit dem Verlust der SouverĂ€nitĂ€t endete. Der regierende Radscha Churachandra Singh (1891â1941) wurde zwar formal zum Maharadscha erhoben, musste aber die britische Oberhoheit anerkennen und wurde dem Gouverneur von Assam unterstellt. Manipur wurde damit ein FĂŒrstenstaat in Britisch-Indien. In den folgenden Jahrzehnten kam es wiederholt zu Unruhen und zur Entwicklung von Widerstandsbewegungen gegen die Kolonialmacht (Erster Nupi Lan 1904, Kuki-Aufstand 1917â1919, Jadonang-Bewegung 1930â32, Zweiter Nupi Lan 1939). Im Zweiten Weltkrieg wurde Manipur wĂ€hrend der japanischen Besetzung Birmas (1942â1945) zeitweilig zum Frontgebiet.
Nachdem GroĂbritannien Indien 1947 in die UnabhĂ€ngigkeit entlassen hatte (siehe Geschichte Indiens), wurde Manipur zunĂ€chst unabhĂ€ngig. Am 21. September 1949 unterschrieb der Maharadscha Bodhachandra Singh (1941â49) den Vertrag ĂŒber den Anschluss an Indien, der am 15. Oktober 1949 in Kraft trat. Nach der indischen Verfassung vom 26. Januar 1950 wurde Manipur ein Staat der Kategorie C, der von einem von der Zentralregierung ernannten Chief Commissioner regiert wurde. Von nicht wenigen Bewohnern Manipurs wurde diese Entwicklung als ein RĂŒckschritt und nicht demokratisch legitimierter Akt gesehen, zumal die erst 1948 eingerichtete gewĂ€hlte Volksvertretung wieder aufgelöst wurde. Ab dem 6. Mai 1953 stand dem Chief Commissioner ein Beratergremium (Council of Advisors), das sich aus fĂŒnf Mitgliedern (drei aus dem Tal und zwei aus dem Bergland) zusammensetzte, zur Seite. Mit der Reorganisation der Bundesstaaten im States Reorganisation Act 1956 wurde Manipur ein Unionsterritorium und erhielt 1957 einen Territorial Council (âTerritorial-Ratâ), der aus 30 gewĂ€hlten und zwei vom StaatsprĂ€sidenten ernannten Mitgliedern bestand. Im Juni 1963 wurde der Legislativ-Rat in eine territoriale Legislativ-Versammlung umgewandelt, die sich aus 30 gewĂ€hlten und 2 nominierten Mitgliedern zusammensetzte und am 23. Juli 1963 ihre Arbeit aufnahm. Am 21. Januar 1972 erhielt Manipur den Status eines Bundesstaats mit vollen Rechten.
Ab Mitte der 1960er Jahre waren mehrere sozialrevolutionÀre Gruppen in Manipur aktiv, so unter anderem die United National Liberation Front (UNLF), die das Ziel der Errichtung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung in Manipur proklamierten.
Im Bundesstaat kĂ€mpfen auĂerdem Separatisten, die der Ethnie der Naga angehören, fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit bzw. den Anschluss an das benachbarte Nagaland. Die Naga-Separatisten sind vor allem in den vier Distrikten Ukhrul, Senapati, Tamenglong und Chandel aktiv. Die Nagas sind durch ihre Gebietsforderungen vor allem mit den Kukis in Konflikt geraten, die fĂŒr ihre Volksgruppe Anspruch auf dieselben Gebiete erheben. In den Jahren 1992 bis 2010 kamen bei terroristischen Aktionen (z. B. BombenanschlĂ€gen) und entsprechenden Gegenaktionen von Armee- und PolizeikrĂ€ften jedes Jahr mehrere Hundert Personen ums Leben. Seit 2011 hat die Gewalt abgenommen. Im Jahr 2016 starben 33 Personen im Rahmen terroristischer Akte. Am 3. August 2015 unterzeichneten Vertreter der indischen Regierung nach jahrelangen Verhandlungen ein Friedensabkommen mit Vertretern der Naga-Rebellenorganisation National Socialist Council of Nagalim-Isak-Muivah (NSCN(IM)). Die NSCN(IM) erklĂ€rte sich darin bereit, ihre Forderungen nach der UnabhĂ€ngigkeit der Naga-Gebiete aufzugeben. FĂŒr die geschĂ€tzt etwa 4000 bewaffneten Naga-Aktivisten wurde eine Wiedereingliederung in die zivile Gesellschaft vereinbart. Die von Naga besiedelten Gebiete sollten im Gegenzug eine verstĂ€rkte Autonomie erhalten. Die Details des Abkommens sind bisher noch nicht vollstĂ€ndig ausgearbeitet bzw. umgesetzt.
Im Kampf gegen separatistische Umtriebe und AnschlĂ€ge im Nordosten Indiens wurden den Polizei- und Armeeeinheiten durch den Armed Forces Special Powers (Assam and Manipur) Act, der schon 1958 unter der Regierung Jawaharlal Nehrus in Kraft gesetzt wurde, groĂe Kompetenzen eingerĂ€umt. Dies fĂŒhrte nach Ansicht von Menschenrechtsaktivisten zu einer gröĂeren Zahl an gezielten auĂergesetzlichen Tötungen von vermeintlichen Terroristen durch die SicherheitskrĂ€fte. Angehörige von Personen, die bei solchen Anti-Terror-Aktionen der SicherheitskrĂ€fte ums Leben gekommen waren, organisierten sich in der Vereinigung âExtra Judicial Execution Victim Families Associationâ (EEVFAM, âVereinigung der Familien von Opfern auĂergesetzlicher Exekutionenâ). Diese Vereinigung reichte im Jahr 2012 beim Obersten Gericht Indiens eine Petition ein, in der eine detaillierte Untersuchung der dokumentierten Tötungen von insgesamt 1.528 Personen bei vorgetĂ€uschten Auseinandersetzungen (fake encounters) gefordert wurde. Am 8. Juli 2016 urteilte der Supreme Court, dass die mehr als 1.500 FĂ€lle mutmaĂlicher ungesetzlicher Tötungen untersucht und dass den Kompetenzen der SicherheitskrĂ€fte Grenzen gesetzt werden mĂŒssten. Die Probleme von Unruhegebieten könnten nicht dadurch gelöst werden, dass hier die Armee und Polizei fĂŒr quasi unbegrenzte Zeit die Macht ausĂŒbten. Das Urteil stieĂ einerseits auf Kritik von Vertretern der SicherheitskrĂ€fte, andererseits wurde es von Menschenrechtsaktivisten begrĂŒĂt und auch als Signal fĂŒr andere Unruhegebiete Indiens (beispielsweise Jammu und Kashmir) gesehen.
Im Mai 2023 kam es nach einem Urteil des Manipur High Courts, des oberste Gericht des Bundesstaats, zu tagelangen gewalttĂ€tigen ethnischen Auseinandersetzungen. Das Obergericht hatte entschieden, dass die Regierung des Bundesstaats bis zum 29. Mai 2023 einen Antrag an das indische Ministerium fĂŒr Angelegenheiten der indigenen Völker richten sollte, dass die Ethnie der hinduistischen Gemeinschaft der Meitei als scheduled tribe (ST), d. h. als registriertes indigenes Volk anerkannt werden sollte. Mit einer solchen Anerkennung sind bestimmte Privilegien (Stellenreservierungen im Staatsdienst, Reservierungen von StudienplĂ€tzen etc.) verbunden. Daraufhin kam es zu Protesten von Tausenden Demonstranten, vor allem Angehörigen der christlichen Nagas and Kukis, die rund 40 % der Bevölkerung ausmachen, in ganz Manipur, die an einem Tribal Solidarity March teilnahmen. Mit der GewĂ€hrung des Status eines ST wĂŒrden die privilegierten Meitei auch die zusĂ€tzliche Quote von 7,5 % fĂŒr Regierungsstellen erhalten und die christliche Gemeinschaft nur weiter schwĂ€chen. Die Proteste der christlichen Minderheiten richteten sich auch gegen die von der Regierung Manipurs betriebene Vertreibung von nach Ansicht der Regierung illegalen Siedlern der Naga und Kukis in den staatlichen WĂ€ldern und Naturschutzgebieten Manipurs. Die Gewalt flammte in Imphal City, der Hauptstadt von Manipur, so schnell auf, dass Meitei scheinbar systematisch und schnell eine Kirche nach der anderen zerstörten und niederbrannten. Bis heute wurden 237 Kirchen verbrannt, abgerissen oder geplĂŒndert. Ăber 140 Dörfer wurden zerstört und rund 50.000 Christen vertrieben. Bis zum 7. Mai 2023 wurden nach örtlichen Angaben mehr als 98 Todesopfer bei den Unruhen gezĂ€hlt. Am 4. Mai 2023 wurde eine teilweise Ausgangssperre in den Unruhegebieten verhĂ€ngt, der Internetzugang eingeschrĂ€nkt, und Armeeeinheiten wurden nach Manipur verlegt. Mehr als 10.000 Personen wurden evakuiert. Bis 2024 wurden mindestens 226 Tote, ĂŒber 1.500 Verletzte und mehr als 60.000 FlĂŒchtlinge oder Vertriebene gezĂ€hlt.
Die Legislative des Bundesstaates Manipur besteht aus einem Einkammernparlament, der Manipur Legislative Assembly. Die 60 Abgeordneten des Parlaments werden alle fĂŒnf Jahre durch Direktwahl bestimmt. 19 Sitze sind fĂŒr die âStammesvölkerâ (scheduled tribes) reserviert. Das Parlament hat seinen Sitz in Imphal. Der Chief Minister (Regierungschef) von Manipur wird vom Parlament gewĂ€hlt. An der Spitze des Bundesstaats steht jedoch der vom indischen PrĂ€sidenten ernannte Gouverneur (governor). Seine Hauptaufgaben sind die Ernennung des Chief Ministers und dessen Beauftragung mit der Regierungsbildung. Der fĂŒr Manipur zustĂ€ndige Höchste Gerichtshof war bis zum Jahr 2012 der Gauhati High Court. Seit dem Jahr 2012 besitzt Manipur einen eigenen Manipur High Court mit Sitz in Imphal.
Manipur stellt zwei Abgeordnete in der Lok Sabha, dem Unterhaus des indischen Parlaments, und einen in der Rajya Sabha, dem indischen Oberhaus.
Die Politik Manipurs wurde lange von der Kongresspartei (INC) dominiert. Seitdem das zuvor von der indischen Zentralregierung verwaltete Manipur 1963 eine Selbstverwaltung erhielt, stellte die Kongresspartei die meisten Regierungen. Bei den Parlamentswahlen 2002, 2007 und 2012 errang sie die absolute Mehrheit der Parlamentssitze. Ebenfalls im Parlament Manipurs vertreten ist seit einigen Jahren die Naga Peopleâs Front (NPF), die politische Vertretung der Naga, die ihre Basis im Nachbarbundesstaat Nagaland hat. Der amtierende Chief Minister war seit 7. MĂ€rz 2002 Okram Ibobi Singh. Bei der gesamtindischen Parlamentswahl 2014 konnte die Kongresspartei in Manipur dem landesweit Ă€uĂerst schlechten Trend trotzen und beide Wahlkreise in dem Bundesstaat gewinnen. Bei der Parlamentswahl in Manipur 2017 erlitt sie allerdings deutliche Verluste und verlor ihre absolute Mandatsmehrheit. Die hindunationalistische Bharatiya Janata Party (BJP), die bisher im Bundesstaat kaum eine Rolle spielte (2012 gewann sie keinen einzigen Wahlkreis), konnte ihre Stimmen und Mandatsanteile deutlich steigern. Am 15. MĂ€rz 2017 wurde Nongthombam Biren Singh, der Kandidat der BJP, als Chief Minister vereidigt. Er stand an der Spitze einer Koalitionsregierung aus BJP und einigen kleineren Parteien. Die darauffolgende Wahl zum Parlament Manipurs am 28. Februar und 5. MĂ€rz 2022 wurde durch die BJP gewonnen. Die Kongresspartei erlebte einen regelrechten Absturz und gewann nur 5 der 60 Wahlkreise. Am 21. MĂ€rz wurde Nongthombam Biren Singh fĂŒr eine zweite Amtsperiode als Chief Minister vereidigt. Nach Ausbruch der Unruhen im Mai 2023 in Manipur geriet Biren Singhs AmtsfĂŒhrung zunehmend in die Kritik und am 9. Februar 2023 erklĂ€rte er seinen RĂŒcktritt. Vier Tage spĂ€ter wurde Manipur unter presidentâs rule, d. h. die direkte Kontrolle der Zentralregierung gestellt.
Die Zahl der Distrikte Manipurs hat sich seit EinfĂŒhrung der Distrikteinteilung kontinuierlich vermehrt. Bis 1971 gab es nur einen Distrikt, 1971 fĂŒnf, 1981 sechs, 1991 acht und 2001 neun Distrikte. Ab dem 9. Dezember 2016 kamen sieben neue Distrikte hinzu, so dass Manipur seither in 16 Distrikte eingeteilt ist.
In der folgenden Tabelle beziehen sich Einwohnerzahlen und Bevölkerungsdichten auf die neun Distrikte zur Zeit der VolkszĂ€hlung 2011. Nur die beiden Distrikte Imphal West und Bishnupur blieben bei der Neugliederung 2016 in ihren Grenzen unverĂ€ndert. FĂŒr die 2016 neu geschaffenen Distrikte liegen bisher keine offiziellen Zahlen vor.
Die Wirtschaft Manipurs ist immer noch stark von der Landwirtschaft geprĂ€gt. Im Jahr 2011 waren knapp 53 % der arbeitenden Bevölkerung im PrimĂ€rsektor beschĂ€ftigt. Aufgrund bisher ungenĂŒgender BewĂ€sserungssysteme ist diese stark vom rechtzeitigen Eintreten der Regenzeit abhĂ€ngig. Dies fĂŒhrt in trockeneren Jahren, wie z. B. 2014 zu erheblichen ErnteausfĂ€llen. Die Landwirtschaft wird oft als Subsistenzwirtschaft betrieben. Traditionell wurde im Bergland die Brandrodungswirtschaft (Jhum) betrieben, bei der ein StĂŒck Wald abgebrannt und nach einigen Jahren der Nutzung wieder verlassen wurde. In den Jahren 2005 bis 2011 hatten mehr als drei Viertel aller bĂ€uerlichen Betriebe eine landwirtschaftlich genutzte FlĂ€che von weniger als einem Hektar (ha). Betriebe ĂŒber 10 Hektar NutzflĂ€che waren eine RaritĂ€t. Exakte Zahlen zur Landnutzung in Manipur existieren nicht, da fĂŒr die Bergdistrikte bisher kein Kataster existiert. Die relative landwirtschaftliche NutzflĂ€che (einschlieĂlich Wald) war 2015â16 mit ungefĂ€hr 50 Prozent am höchsten in den Distrikten Imphal West, Imphal East und Bishnupur, mit etwa 40 Prozent etwas geringer in den Distrikten Tamenglong und Churachandpur und mit 20 bis 25 Prozent am geringsten in den Distrikten Chandel, Ukhrul und Senapati. Auf den 204,19 Tausend Hektar landwirtschaftlicher NutzflĂ€che fand auf 83,39 Tausend Hektar mehr als eine Aussaat pro Jahr statt. Die hauptsĂ€chlich angebaute Nutzpflanze war der Reis (im Jahr 2014/16 auf 178.000 ha, Ernte 482.000 t). Dem Anbau von Kulturpflanzen, wie der WeiĂen Maulbeere (Kabrangchak auf Manipuri, eine traditionelle Medizinalpflanze), Ălsaaten und Zuckerrohr wird zwar gesamtwirtschaftliche Bedeutung beigemessen, jedoch macht dieser bisher nur einen geringen Anteil von jeweils weniger als 1000 Hektar AnbauflĂ€che aus. Die quantitativ bedeutsamsten Obst- und GemĂŒsepflanzen waren 2014/15 (mit AnbauflĂ€che in 1000 ha): Arum (7,5), Kohl (5,5), Bananen (4,1), Kartoffeln (3,7), Erbsen (2,6) und Blumenkohl (1,7).
Die Nutztierhaltung war nach offiziellen statistischen Angaben in den Jahren 2003 bis 2012 zahlenmĂ€Ăig rĂŒcklĂ€ufig. HauptsĂ€chlich werden Rinder (2003: 418.003, 2012: 263.840), Schweine (2003: 414.530, 2012: 277.020) und GeflĂŒgel (2003: 2.940.670, 2012: 2.499.520) gehalten. Durch die Regierung Manipurs wird die Fischzucht gefördert (Produktion 2001/02: 16.450 t, 2015/16: 31.997 t). Diese fand ganz ĂŒberwiegend im Distrikt Bishnupur statt (Erhebung von 2007). Die Serikultur ist stark im Ansteigen (2015/16: Produktion von 518 t Rohseide). Die Industrie Manipurs ist vorwiegend auf die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte beschrĂ€nkt. Von den im Jahr 2015 statistisch erfassten 1089 Industriebetrieben (Fabriken) waren beispielhaft 691 ReismĂŒhlen. Die Geological Survey of India (GSI) hatte eine systematische Bestandsaufnahme in den drei Distrikten Ukhrul, Churachandpur und Chandel unternommen und dort LagerstĂ€tten von Kalkstein, Asbest, Chromit, Kupfer, Nickel, Braunkohle u. a. gefunden. Ob diese Vorkommen abbauwĂŒrdig sind, wird geprĂŒft.
Die Zahl der Kraftfahrzeuge hat sich im Zeitraum zwischen 2002/03 und 2013/14 von 96.626 auf 265.544 mehr als verdoppelt. Mit etwa einem Kraftfahrzeug auf etwa 10 Einwohner (2013/14) ist der Motorisierungsgrad gemessen an europÀischen VerhÀltnissen immer noch gering.
Nach Angaben der forstwirtschaftlichen Behörden Manipurs betrug die gesamte WaldflĂ€che Manipurs 17.418 kmÂČ, wovon 4171 kmÂČ einen Schutzstatus aufwiesen. Die WaldflĂ€che ist dabei sehr ungleich verteilt. Den geringsten Waldanteil hatten 2013/14 die Distrikte Bishnupur (3,0 %), Thoubal (6,0 %) und Imphal West (13,1 %). Die Waldnutzung besteht aus der Gewinnung von Brennholz, Bauholz und Edelhölzern (Teak). Der volkswirtschaftliche Beitrag der Forstwirtschaft ist, obwohl etwa drei Viertel der LandesflĂ€che mit Wald bedeckt sind, relativ gering, da die Regierung Manipurs aus GrĂŒnden der Nachhaltigkeit und Ăkologie bewusst eine Politik der Konservierung der Waldressourcen und BeschrĂ€nkung der Waldnutzung betreibt.
Neben der immer noch ungenĂŒgenden Infrastruktur bilden nach Ansicht von Wirtschaftsexperten vor allem die schwelenden und immer wieder aufflammenden ethnischen Konflikte in Manipur ein gravierendes Hindernis fĂŒr verstĂ€rktes Wirtschaftswachstum.
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