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Region Informationen Region: Tamil Nadu

Informationen:


Tamil Nadu (Tamil àź€àźźàźżàźŽàŻ àźšàźŸàźŸàŻ Tamiáž» Nāáč­u  [ˈtÌȘamɚɻˌnaːɖɯ]), bis 1969 Madras, ist ein Bundesstaat Indiens. Er liegt im sĂŒdlichsten Teil des Subkontinents und hat rund 72 Millionen Einwohner (VolkszĂ€hlung 2011) auf einer FlĂ€che von 130.058 Quadratkilometern. Damit ist er gemessen an der Einwohnerzahl der siebtgrĂ¶ĂŸte, der FlĂ€che nach der zehntgrĂ¶ĂŸte Bundesstaat Indiens. Die Hauptstadt Tamil Nadus ist Chennai (Madras).

Die Hauptsprache Tamil Nadus ist das Tamil, nach dessen Sprachgrenzen der Bundesstaat 1956 gebildet wurde. ZunĂ€chst trug der Bundesstaat den Namen Madras, erst 1969 erhielt er seinen heutigen Namen Tamil Nadu, der als „tamilisches Land“ oder als „Land der tamilischen Sprache“ ĂŒbersetzt werden kann. Tamil Nadu besitzt ein reiches eigenstĂ€ndiges Kulturerbe, das sich in der ĂŒber 2000 Jahre zurĂŒckreichenden Literaturgeschichte des Tamil und der Architektur der großen Tempelanlagen des Bundesstaates Ă€ußert.

Geografie

Lage und Ausdehnung

Tamil Nadu ist der sĂŒdlichste Bundesstaat Indiens. Er nimmt den sĂŒdlichen Zipfel der indischen Halbinsel ohne den KĂŒstenstreifen im Westen ein. Mit einer FlĂ€che von 130.058 Quadratkilometern ist Tamil Nadu Indiens zehntgrĂ¶ĂŸter Bundesstaat und etwa so groß wie Griechenland. Nachbarbundesstaaten sind Kerala im Westen, Karnataka im Nordwesten und Andhra Pradesh im Norden. An der OstkĂŒste schließt Tamil Nadu die beiden zum Unionsterritorium Puducherry gehörigen Enklaven Puducherry (Pondicherry) und Karaikal ein. Im Osten und SĂŒden grenzt der Bundesstaat an den Indischen Ozean, beziehungsweise dessen Nebenmeere, den Golf von Bengalen im Osten und den Golf von Mannar im SĂŒdosten. Die Palkstraße trennt Tamil Nadu vom sĂŒdöstlich gelegenen Inselstaat Sri Lanka. Die KĂŒste ist 1076 Kilometer lang. Tamil Nadus sĂŒdlichster Punkt, das Kap Komorin, ist zugleich der sĂŒdlichste Punkt des indischen Festlandes.

Landschaftsgliederung

Tamil Nadu lĂ€sst sich grob in zwei NaturrĂ€ume einteilen. Im Westen und Nordwesten bestimmen Berg- und HĂŒgellĂ€nder das Landschaftsbild. Entlang der Westgrenze mit Kerala erheben sich die Kardamomberge, ein sĂŒdlicher AuslĂ€ufer der Westghats. Sie fallen besonders im Ă€ußersten SĂŒden schroff ab. Ein weiterer AuslĂ€ufer, die Palani-Berge, ragt in die östlich vorgelagerte Tiefebene hinein. Auch die durch das Palghat-Tal und das Coimbatore-Plateau abgetrennten Nilgiriberge im Ă€ußersten Nordwesten sind eine Nebenkette der Westghats. Der höchste Gipfel der zerklĂŒfteten Nilgiriberge, der 2636 Meter hohe Doddabetta, ist zugleich die höchste Erhebung Tamil Nadus. Im Norden gehen die Nilgiriberge in die Javadi- und die höheren, bis auf 1500 Meter reichenden Shevaroy-Berge, beide Nebenketten der Ostghats, ĂŒber.

Östlich des Berglandes erstreckt sich eine breite Ebene, die von mehreren Strömen durchflossen wird. Im SĂŒden teilen die Palani-Berge das Tiefland in die Ebene von Madurai und die in West-Ost-Richtung verlaufende Kaveriebene im mittleren Teil Tamil Nadus. Der KĂŒstenstreifen nördlich des MĂŒndungsdeltas des Kaveri heißt KoromandelkĂŒste. Das Hinterland der KoromandelkĂŒste wird durch die Ebene von Arcot geprĂ€gt.

GewÀsser

Die KĂŒstenebene Tamil Nadus wird von den Strömen Palar, Ponnaiyar, Kaveri, Vaigai und Thamirabarani durchflossen, die allesamt in den niederschlagsreichen Ost- oder Westghats entspringen und daher ganzjĂ€hrig Wasser fĂŒhren. Daneben gibt es eine Vielzahl kleinerer, zum Teil aber nur periodischer FlĂŒsse. Der 760 Kilometer lange Kaveri ist der grĂ¶ĂŸte und wichtigste Fluss. Er durchquert von Karnataka kommend und in sĂŒdlicher Richtung fließend die Ostghats, um sĂŒdlich von Erode nach Osten abzubiegen. Rund 200 Kilometer vor der MĂŒndung in den Golf von Bengalen fĂ€chert er sich zu einem großen Delta mit unzĂ€hligen Nebenarmen.

Tamil Nadu ist arm an natĂŒrlichen grĂ¶ĂŸeren Seen. Zu Energiegewinnungs- und BewĂ€sserungszwecken sind an wasserreichen FlĂŒssen allerdings mehrere große Stauseen angelegt worden. Der grĂ¶ĂŸte von ihnen ist der Stanley-Stausee am Kaveri bei Mettur im Distrikt Erode, wird außerdem als Fischgrund genutzt, der im Durchschnitt 93 Quadratkilometer, wĂ€hrend der Regenzeit 153 Quadratkilometer umfasst. Es gibt zehn weitere große Stauseen mit einer maximalen FlĂ€che von mehr als 10 Quadratkilometern. In vielen Trockengebieten bestehen so genannte tanks, kĂŒnstlich angelegte Wassersammelbecken, die als TrinkwasservorrĂ€te oder fĂŒr den BewĂ€sserungsfeldbau genutzt werden. Insgesamt gibt es knapp 39.000 solcher tanks in Tamil Nadu.

Klima

Das Klima Tamil Nadus ist tropisch. Die Temperatur schwankt im Jahresverlauf nur geringfĂŒgig und liegt im Jahresdurchschnitt um 29 Grad Celsius im Tiefland, wo das Thermometer selten unter 20 Grad fĂ€llt, in den heißesten Monaten der Trockenzeit aber auf ĂŒber 40 Grad klettern kann. In den Höhenlagen erreichen die Temperaturen 13 bis 24 Grad im Sommer und 3 bis 20 Grad im Winter.

Die NiederschlagsverhĂ€ltnisse werden maßgeblich vom Monsun beeinflusst. Im Gegensatz zum grĂ¶ĂŸten Teil Indiens ist die Hauptniederschlagszeit in Tamil Nadu der Wintermonsun zwischen September und Dezember. WĂ€hrend dieser Zeit nehmen die nordöstlichen Winde ĂŒber dem Golf von Bengalen Feuchtigkeit auf und bringen ergiebigen Monsunregen mit sich. Auch wĂ€hrend des Sommermonsuns von Juli bis September kommt es zu RegenfĂ€llen, doch bleibt die Niederschlagsmenge geringer, weil Tamil Nadu durch die Westghats vor den sĂŒdwestlichen Winden abgeschirmt wird. Im Bergland sowie im Ă€ußersten SĂŒden kommt es auch wĂ€hrend dieser Zeit zu ergiebigen RegenfĂ€llen. WĂ€hrend der Trockenzeit zwischen Januar und Juni regnet es kaum.

FĂŒr die Ebenen sind jĂ€hrliche Regenmengen von 900 bis 1200 mm normal. Die niedrigsten Jahresniederschlagsmengen werden mit 700 bis 850 mm in der im Regenschatten der Westghats gelegenen Tiefebene von Madurai sowie um Coimbatore verzeichnet. Allgemein ist das Klima Tamil Nadus trockener als das des westlichen Nachbarbundesstaates Kerala, da die Westghats, wo bis zu 4000 mm Jahresniederschlag fallen, als Wetterscheide wirken. Die Luftfeuchtigkeit ist jedoch ganzjĂ€hrig hoch.

Vegetation

Rund 18 Prozent der FlĂ€che Tamil Nadus sind bewaldet. Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte in den TieflĂ€ndern finden sich grĂ¶ĂŸere, zusammenhĂ€ngende Waldgebiete jedoch fast nur noch im Bergland. In den Lagen ĂŒber 1500 Meter der Nilgiri-, Palani- und Kardamomberge erstrecken sich immergrĂŒne tropische RegenlaubwĂ€lder mit der fĂŒr solche WĂ€lder typischen Stufengliederung. Die oberste Stufe kennzeichnen hohe, schlanke BĂ€ume, die teils mehr als 40 Meter hoch aufragen. Darunter gedeihen niedrigere BĂ€ume, am Boden schließlich StrĂ€ucher und krautige Pflanzen. In den niedrigeren Lagen herrschen Mischlandschaften aus Grasland und – je nach Niederschlagsmenge – immergrĂŒnem oder laubabwerfendem Feuchtwald vor. FĂŒr die ÜbergĂ€nge in die Tiefebenen sind laubabwerfende TrockenwĂ€lder kennzeichnend.

Im Tiefland dominieren savannenartige GraslĂ€nder, die grĂ¶ĂŸtenteils in Acker- und Kulturland umgewandelt wurden. Reste der ursprĂŒnglichen Trockenwaldvegetation finden sich nur vereinzelt an FlusslĂ€ufen und in unebenem GelĂ€nde. ImmergrĂŒne TrockenwĂ€lder waren einst die kennzeichnende Vegetationsform fĂŒr einen schmalen Streifen entlang der KoromandelkĂŒste. Heute sind sie bis auf verstreute Haine, die weniger als ein Prozent der ursprĂŒnglichen WaldflĂ€che ausmachen, zerstört oder zumindest stark degradiert. In den Lagunen im MĂŒndungsdelta des Kaveri, am Golf von Mannar sowie zwischen Ennur und Pulicat nördlich von Chennai gibt es noch Mangroven, die jedoch durch Eingriffe des Menschen immer weiter zurĂŒckgedrĂ€ngt und in ihrer Artenvielfalt eingeschrĂ€nkt werden.

Tierwelt

Tamil Nadu verfĂŒgt ĂŒber eine reiche Tierwelt, die allerdings durch die starke Zersiedelung und die damit verbundene Zerstörung natĂŒrlicher LebensrĂ€ume bedroht ist. Die teils noch dicht bewaldeten Bergregionen im Westen und Norden sind RĂŒckzugsgebiete fĂŒr Asiatische Elefanten und Großkatzen wie Königstiger und Leoparden. Andere SĂ€ugetiere umfassen unter anderem Hirsche (z. B. Sambar, Axishirsch, Muntjak), Gaure, Wildschweine, StreifenhyĂ€nen, Goldschakale, Rothunde, LippenbĂ€ren, Schuppentiere, Languren, Hutaffen sowie zahlreiche Nagetier- und Fledermausarten. Insgesamt kommen mehr als 100 verschiedene SĂ€ugetierarten in Tamil Nadu vor. Mit rund 280 erfassten Spezies weitaus artenreicher sind Vögel, darunter Drongos, BĂŒlbĂŒls, Tauben, Pirole, Pfauen. An der KĂŒste und in Feuchtgebieten findet man unzĂ€hlige Wasservögel, beispielsweise Flamingos. Verbreitet sind auch Kriechtiere mit ĂŒber 140 Arten, unter denen Schlangen und kleinere Echsen vorherrschen. Zwei Krokodilarten kommen vor: das SĂŒĂŸwasser bewohnende Sumpfkrokodil sowie das seltenere, an der KĂŒste beheimatete Leistenkrokodil.

Auch die KĂŒstengewĂ€sser Tamil Nadus weisen eine große Vielfalt an Meeresbewohnern auf. Die Korallenriffe im Golf von Mannar zĂ€hlen zu den artenreichsten unterseeischen LebensrĂ€umen im Indischen Ozean. Zum Schutz dieser einzigartigen, durch kommerziellen Fischfang, Verschmutzung, Aquakulturen und Perlentaucher jedoch bedrohten Meereslandschaft wurde 1980 der Gulf of Mannar Marine National Park als erster Unterwassernationalpark Indiens eingerichtet.

StÀdte

Die mit Abstand grĂ¶ĂŸte Stadt Tamil Nadus ist die Hauptstadt Chennai (Madras). An der KĂŒste im Ă€ußersten Nordosten des Bundesstaates gelegen, hat Chennai 4,7 Millionen Einwohner in der eigentlichen Stadt und 8,7 Millionen in der Agglomeration. Damit ist Chennai die sechstgrĂ¶ĂŸte Stadt Indiens und Zentrum des viertgrĂ¶ĂŸten Ballungsraums des Landes. Außer Chennai ĂŒberschreiten noch die Industriestadt Coimbatore im Westen Tamil Nadus und das im SĂŒden gelegene Madurai, das auf eine reiche ĂŒber zweitausendjĂ€hrige Geschichte zurĂŒckblicken kann, die Eine-Million-Einwohner-Marke. Weitere wichtige StĂ€dte sind Tiruchirappalli (Trichy) im Zentrum des Bundesstaates und Salem im nördlichen Binnenland.

Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte Tamil Nadus nach der VolkszĂ€hlung 2011 sind:

Bevölkerung

Demografie

Laut der indischen VolkszĂ€hlung 2011 betrĂ€gt die Einwohnerzahl Tamil Nadus 72.138.958. Damit ist Tamil Nadu gemessen an der Einwohnerzahl Indiens sechstgrĂ¶ĂŸter Bundesstaat. Die Bevölkerungsdichte liegt mit 555 Einwohnern pro Quadratkilometer ĂŒber dem gesamtindischen Durchschnitt (382 Einwohner pro Quadratkilometer). 48,5 Prozent der Einwohner leben in StĂ€dten. Damit weist der Staat eine der höchsten VerstĂ€dterungsraten Indiens auf.

Die Bevölkerung Tamil Nadus wÀchst etwas langsamer als in anderen Landesteilen Indiens. Von 2001 bis 2011 verzeichnete Tamil Nadu ein Bevölkerungswachstum von 15,6 Prozent, wÀhrend der Landesdurchschnitt 17,6 Prozent betrÀgt.

Die Bevölkerung wird vorwiegend von Tamilen gebildet. Vor allem im Großraum Chennai leben viele Zuwanderer aus anderen indischen Bundesstaaten. Etwa ein Prozent der Bevölkerung gehört den Adivasi an, der indigenen Stammesbevölkerung, die vor allem im Norden Tamil Nadus und in den Nilgiribergen lebt.

Im Zeitraum von 2010 bis 2014 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung 70,6 Jahre (der indische Durchschnitt betrug 67,9 Jahre). Die FertilitÀtsrate betrug 1,67 Kinder pro Frau (Stand: 2016) wÀhrend der indische Durchschnitt im selben Jahr bei 2,23 Kinder lag.

Bevölkerungsentwicklung

Zensusbevölkerung von Tamil Nadu seit der ersten VolkszÀhlung im Jahr 1951.

Sprachen

Die Hauptsprache Tamil Nadus und alleinige Amtssprache des Bundesstaates ist das von knapp 90 Prozent der Bevölkerung gesprochene Tamil, nach dessen Sprachgrenzen der Bundesstaat 1956 gebildet wurde. Das Tamil gehört zur dravidischen Sprachfamilie und kann auf eine mindestens 2000-jĂ€hrige Literaturgeschichte zurĂŒckblicken. Die grĂ¶ĂŸte der Minderheitensprachen ist das Telugu, dessen Sprecher knapp 6 Prozent der Gesamtbevölkerung Tamil Nadus ausmachen. Es wird an vielen Orten von alteingesessenen telugusprachigen Gemeinschaften, daneben von Teilen der Bevölkerung in der Grenzregion zum Nachbarbundesstaat Andhra Pradesh gesprochen. Auch in den Grenzgebieten zu Karnataka und Kerala sind teilweise Kannada und Malayalam, die Sprachen der jeweiligen Bundesstaaten, verbreitet. Ein Teil der muslimischen Minderheit vor allem im Norden Tamil Nadus spricht Urdu, die meisten Muslime sind aber tamilsprachig. In verschiedenen StĂ€dten Tamil Nadus (u. a. Madurai) leben Sprecher des Saurashtri, einer eng mit dem in Nordwestindien gesprochenen Gujarati verwandten Sprache. In den offiziellen Statistiken werden die rund 240.000 Saurashtri-Sprecher unter der Zahl der Gujarati-Sprecher subsumiert. Von der Stammesbevölkerung in den Bergregionen des Nordwestens und Nordens werden verschiedene kleinere Minderheitensprachen gesprochen, vor allem Irula, Badaga und Kurumba. Kota und Toda haben jeweils nur wenige tausend Sprecher in den Nilgiribergen, wo die grĂ¶ĂŸte Sprachenvielfalt herrscht. Englisch hat, wie auch in anderen Regionen Indiens, einen besonderen Status als Bildungs- und Wirtschaftssprache.

Religionen

Hindus stellen mit 88 Prozent (VolkszĂ€hlung 2011) die deutliche Mehrheit der Bevölkerung Tamil Nadus. Der hinduistische Bevölkerungsanteil in Tamil Nadu liegt damit ĂŒber dem Landesdurchschnitt (80 Prozent). Der Shivaismus ist die am weitesten verbreitete hinduistische Glaubensströmung. Der Hinduismus in Tamil Nadu weist einige regionale Charakteristika auf, so gehört der Gott Murugan (Skanda), der in Nordindien praktisch keine Rolle spielt, unter den Tamilen zu den populĂ€rsten Gottheiten.

Auf die verschiedenen christlichen Konfessionen entfallen 6 Prozent. In absoluten Zahlen beherbergt Tamil Nadu mit 4,4 Millionen Christen nach Kerala die zweitgrĂ¶ĂŸte christliche Population aller indischen Bundesstaaten. Das Christentum soll bereits von Apostel Thomas, der angeblich um 70 n. Chr. auf dem St. Thomas Mount bei Chennai starb, nach SĂŒdindien gebracht worden sein. Die grĂ¶ĂŸte christliche Konfession in Tamil Nadu ist die römisch-katholische Kirche, gefolgt von der anglikanischen Church of South India. Einen besonders hohen Bevölkerungsanteil stellen die Christen im sĂŒdlichsten Distrikt Kanyakumari. Mit der Marienbasilika von Velankanni befindet sich der wichtigste christliche Wallfahrtsort Indiens in Tamil Nadu.

Der Islam fand in Tamil Nadu nie eine so große Verbreitung wie in weiten Teilen Nordindiens. Heute sind knapp 6 Prozent der Einwohner des Bundesstaates Muslime, zum grĂ¶ĂŸten Teil Sunniten. Der Islam wurde schon im 9. Jahrhundert durch arabische HĂ€ndler ins Land gebracht und entwickelte daher eine AusprĂ€gung, die sich teilweise deutlich vom nordindischen Islam unterscheidet. So ist neben der unter den indischen Muslimen vorherrschenden hanafitischen Rechtsschule auch die schafiitische verbreitet. Eines der wichtigsten Zentren islamischer Gelehrsamkeit in Tamil Nadu ist der Ort Kilakkarai ungefĂ€hr 15 Kilometer sĂŒdlich von Ramanathapuram. Hier bestehen zwei islamische Hochschulen, die im frĂŒhen 19. Jahrhundert gegrĂŒndete JāmiÊża ÊżArĆ«sÄ«ya und die 1995 gegrĂŒndete JāmiÊża Sayyid HamÄ«da.

Geschichte

FrĂŒhgeschichte

Die Gegend des heutigen Tamil Nadu wurde vermutlich vor rund 300.000 Jahren erstmals besiedelt. ArchĂ€ologische Funde bestĂ€tigen, dass schon um 1200 v. Chr. eine hoch entwickelte Gesellschaft existierte. Die brahmanische Kultur Nordindiens breitete sich schon in vorchristlicher Zeit auch in den SĂŒden des Subkontinents und damit ins heutige Tamil Nadu aus. Dessen frĂŒhgeschichtliche Entwicklung konzentrierte sich vor allem auf die KĂŒstenebene. Aufschluss ĂŒber diese Epoche geben neben der ArchĂ€ologie die alttamilische Sangam-Literatur, verschiedene lokale und nordindische Inschriften, ceylonesische Chroniken sowie Berichte griechischer und römischer Gelehrter. Enge Handelsbeziehungen mit dem Römischen Reich bestanden bereits zur Zeit des Kaisers Augustus, wie zahlreiche MĂŒnzfunde sowie die Existenz einer römischen Handelsniederlassung in Arikamedu sĂŒdlich von Puducherry beweisen. Mit zunehmendem Niedergang Roms im 3. und 4. nachchristlichen Jahrhundert nahm SĂŒdostasien dessen Bedeutung als Handelspartner ein. Von der tamilischen KoromandelkĂŒste aus wurden im Mittelalter große Teile SĂŒdostasiens kolonialisiert.

Drei Dynastien prĂ€gten Tamil Nadu im Altertum. Die Chola hatten ihr Kerngebiet im Kaveridelta, die Chera herrschten ĂŒber die westlichen Teile des heutigen Tamil Nadu und die MalabarkĂŒste, wĂ€hrend der SĂŒden unter der Herrschaft der Pandya stand. Vom Reichtum letzterer berichtete der griechische Historiker Megasthenes, der um 300 v. Chr. am Hofe des nordindischen Maurya-Herrschers Chandragupta weilte. Auch in der alttamilischen Sangam-Dichtung finden die Pandya ErwĂ€hnung. Der frĂŒheste ĂŒberlieferte Herrschername ist hingegen der des legendĂ€ren Chola-Königs Karikala (um 190 n. Chr.), der die vereinten Heere der Pandya und der Chera besiegte sowie die Ufer des Kaveri befestigen ließ. Die im 4. Jahrhundert vom Dekkan her eindringenden Kalabhra beendeten die Herrschaft der Chola und Pandya abrupt. Über ihre eigene Herrschaft ist allerdings nur wenig bekannt.

Pallava (6. bis 9. Jahrhundert)

Am Ende des 6. Jahrhunderts besiegten die aus Andhra kommenden Pallava, vermutlich frĂŒhere Vasallen der Shatavahana, die Kalabhra und stiegen zur beherrschenden Macht in Tamil Nadu auf. Zu ihrer Hauptstadt machten sie Kanchipuram. Die grĂ¶ĂŸte Bedrohung fĂŒr die Pallava stellten die Chalukya dar, die seit dem frĂŒhen 7. Jahrhundert einen erbitterten Kampf um die Vormachtstellung im SĂŒden Indiens fĂŒhrten. Nachdem Mahendra Varman I. (reg. etwa 610 bis 630) die drohende Einnahme Kanchipurams durch die Chalukya abwenden konnte, gelang seinem Sohn Narasimha Varman (reg. etwa 630 bis 668) im Jahre 642 die Eroberung der feindlichen Hauptstadt Badami. Der Erfolg blieb von kurzer Dauer, denn schon nach 670 sahen sich die Pallava erneut ihren wiedererstarkten Feinden gegenĂŒber. Eingeleitet durch die PlĂŒnderung Kanchipurams im Jahr 740, begann im 8. Jahrhundert der Niedergang der Pallava-Dynastie, die noch bis ins spĂ€te 9. Jahrhundert herrschte.

Unter den Pallava war in Tamil Nadu erstmals ein starkes Regionalreich entstanden, das auch herausragende BeitrĂ€ge zur kulturellen Entwicklung leistete. Die Pallava-Hauptstadt Kanchipuram wurde zu einem der bedeutendsten kulturellen Zentren SĂŒdindiens. Obwohl die Pallava dem Hinduismus anhingen, trat es auch als wichtige buddhistische LehrstĂ€tte in Erscheinung. Die UniversitĂ€t von Kanchipuram wurde zur wichtigen WirkungsstĂ€tte großer Tamil- und Sanskritgelehrter und zahlreicher bildender KĂŒnstler. Aus der Pallava-Epoche stammen auch die Felsentempel von Mamallapuram, Vorreiter der hinduistischen Tempelarchitektur SĂŒdindiens, aber auch SĂŒdostasiens.

Chola und Pandya (9. bis 14. Jahrhundert)

Nachfolger der Pallava wurden die Chola, die bis Mitte des 9. Jahrhunderts als Vasallen gedient hatten. Um 850 erlangten sie ihre UnabhĂ€ngigkeit zurĂŒck und machten Thanjavur im Kaveridelta zur Hauptstadt. König Aditya (reg. 871 bis 907) besiegte die Pallava um 897 endgĂŒltig. Nach dem Untergang des zentralindischen Rashtrakuta-Reiches schwangen sich die Chola im 11. Jahrhundert zur mĂ€chtigsten Dynastie SĂŒdindiens auf. Besonders hervorzuheben sind die Könige Rajaraja I. (reg. 985 bis 1014) und Rajendra I. (reg. 1014 bis 1044, als Mitregent schon ab 1012), welche nicht nur als Eroberer, sondern auch als Förderer der KĂŒnste und Wissenschaften großen Ruhm erlangten. Rajaraja I. besiegte die Chera an der MalabarkĂŒste und dehnte sein Reich auf den sĂŒdlichen Dekkan, Ceylon und die Malediven aus. Sein Sohn Rajendra zog die AndhrakĂŒste hinauf bis nach Bengalen. Dort schlug er den Pala-Herrscher vernichtend, woraufhin er seine neue Hauptstadt Gangaikonda Cholapuram („Stadt des Chola, der die Ganga besiegte“) mit Gangeswasser segnen ließ. Außerdem etablierte er das Chola-Reich als Seemacht und drang ĂŒber den Golf von Bengalen bis ins sĂŒdostasiatische Srivijaya-Reich (Sumatra, Malaya, Java) vor. Kein anderes sĂŒdindisches Herrscherhaus vor oder nach den Chola vermochte seine Macht auf ein derart weitlĂ€ufiges Gebiet auszudehnen. Die Zeit der Chola-Könige Rajaraja I. und Rajendra I. gilt daher als Hochzeit SĂŒdindiens und somit auch Tamil Nadus.

1070 starb Rajendras Linie aus. Kulottunga, ein Prinz der östlichen Chalukya, bestieg nun den Thron des Reiches. Trotz einiger Gebietsverluste, darunter Ceylon, blieben die Chola bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts hinein die dominierende Dynastie SĂŒdindiens. Gleichwohl gab es bereits in den Jahrzehnten nach dem Tod Kulothungas I. im Jahre 1120 Anzeichen eines schleichenden Niedergangs. Vor allem die Auseinandersetzung mit den sĂŒdlichen Vasallen der Pandya kostete die Chola einen Teil ihrer AutoritĂ€t und verhalf den Pandya zu grĂ¶ĂŸerer SelbststĂ€ndigkeit. Nach dem Tod des Chola-Königs Kulothunga III. 1218 konnten die Pandya, mit Madurai als Machtzentrum, ihre volle UnabhĂ€ngigkeit allmĂ€hlich wiederherstellen. Jatavarman Sundara (reg. 1251 bis 1268) war schließlich stark genug, die Chola anzugreifen. Sein Nachfolger besiegte 1279 den letzten Chola-König Rajendra IV. Die Pandya ĂŒbernahmen nun die beherrschende Stellung der Chola in Tamil Nadu und konnten ihr Reich erneut bis zum Godavari und auf den Norden Ceylons erweitern. Thronfolgestreitigkeiten im frĂŒhen 14. Jahrhundert schwĂ€chten das Pandya-Reich zusehends.

Muslimische Herrschaft, Vijayanagar und Kleinstaaten (14. bis 18. Jahrhundert)

1311 ĂŒberfielen muslimische Truppen aus dem nordindischen Sultanat von Delhi unter dem Kommando des Generals Malik Kafur die Pandya-Hauptstadt Madurai, eroberten und plĂŒnderten sie. Erstmals stand Tamil Nadu unter muslimischer Herrschaft. Das 1334 aus einer Provinz des Delhi-Sultanats hervorgegangene Sultanat von Madurai, der sĂŒdlichste muslimische Staat auf indischem Boden, war jedoch nur kurzlebig. Schon 1370 fiel der Sultan im Kampf gegen das hinduistische Vijayanagar-Reich.

Das Kernland Vijayanagars lag im SĂŒden des heutigen Karnataka. Nach dem Sieg ĂŒber den Madurai-Sultan umfasste es fast ganz SĂŒdindien, einschließlich Tamil Nadu. Vijayanagars Ausdehnung nach Osten bis an die KĂŒste Andhras forderte Kapilendra, den König des an der OstkĂŒste gelegenen Orissa, heraus, der 1463 entlang der NordostkĂŒste Tamil Nadus bis ins Kaveridelta vorstieß. Schon nach wenigen Jahren musste er sich jedoch wieder zurĂŒckziehen. Schwache Herrscher leiteten im 15. Jahrhundert den Niedergang Vijayanagars ein. Als sich seine Erzfeinde, die aus dem Bahmanidenreich hervorgegangenen Dekkan-Sultanate, zusammenschlossen und Vijayanagar 1565 in der Schlacht von Talikota vernichtend schlugen, zerfiel das Reich innerhalb kĂŒrzester Zeit in mehrere Einzelreiche.

Nach dem Zerfall Vijayanagars fĂŒllten die MilitĂ€rstatthalter seiner Distrikte, die sogenannten Nayaks, das entstandene Machtvakuum in Tamil Nadu, und machten sich selbststĂ€ndig. Die mĂ€chtigsten von ihnen waren die Nayaks von Madurai und Thanjavur. Trotz ihrer relativen politischen und militĂ€rischen Bedeutungslosigkeit erlebten diese Reiche ein AufblĂŒhen der spĂ€tdravidischen Kunst. Im 17. Jahrhundert begannen KriegszĂŒge verschiedener indischer Großreiche gegen die Kleinstaaten Tamil Nadus. ZunĂ€chst drang Mohammed Adil Shah, der Sultan von Bijapur, in den Norden Tamil Nadus ein, wo er unter anderem den Nayak von Gingee besiegte. Sowohl Madurai als auch Thanjavur wurden Bijapur tributpflichtig. In den 1670er Jahren fĂŒhrte ein Streit zwischen Madurai und Thanjavur zum Eingreifen der Marathen auf Seiten Thanjavurs. Doch die Truppen des Marathenherrschers Venkaji wandten sich alsbald gegen den Nayak von Thanjavur und besetzten dessen Reich. Nachdem der Großmogul Aurangzeb 1686 Bijapur unterworfen hatte, geriet der Norden Tamil Nadus unter die Kontrolle des Mogulreichs und wurde von den Nawabs von Arcot als Vasallen der Moguln beherrscht. Thanjavur blieb jedoch eine Besitzung der Marathen; Madurai bestand noch bis zur britischen Eroberung 1781.

Vordringen der EuropÀer und Kolonialherrschaft (17. Jahrhundert bis 1947)

Als erste europĂ€ische Großmacht versuchte Portugal im frĂŒhen 16. Jahrhundert an der KoromandelkĂŒste Fuß zu fassen, allerdings ohne Erfolg. Den Portugiesen folgten in der ersten HĂ€lfte des 17. Jahrhunderts die NiederlĂ€nder, EnglĂ€nder und DĂ€nen sowie in den 1660er Jahren die Franzosen. Die europĂ€ischen HandelsmĂ€chte strebten zunĂ€chst nicht nach Landgewinn, sondern nach möglichst hohen Profiten aus dem Tuchhandel. Zu diesem Zwecke erwarben sie KĂŒstenstĂŒtzpunkte und errichteten Manufakturen. Um 1700 bestanden mehrere niederlĂ€ndische HandelsstĂŒtzpunkte an der KĂŒste Tamil Nadus, unter anderem in Pulicat, Nagapattinam und Tuticorin. Die EnglĂ€nder hatten sich in Madras, die Franzosen in Pondicherry und die DĂ€nen in Tranquebar niedergelassen.

Zur bedeutsamsten europĂ€ischen Großmacht an der KoromandelkĂŒste stiegen im 18. Jahrhundert die Briten auf. Als ihr grĂ¶ĂŸter Konkurrent erwiesen sich die Franzosen, die in den Karnatischen Kriegen mit den Briten um die Vorherrschaft in SĂŒdindien rangen und 1746 sogar fĂŒr drei Jahre Madras eingenommen hatten. 1760 wurden die Franzosen aber in der Schlacht von Wandiwash vernichtend geschlagen und mussten ihre Ambitionen in Indien aufgeben. Die hoch verschuldete NiederlĂ€ndische Ostindien-Kompanie schied nach dem vierten niederlĂ€ndisch-englischen Krieg von 1780 bis 1784 als Widersacher der Briten in Indien aus.

Madras wurde neben Kalkutta und Bombay zu einem Hauptausgangspunkt der britischen Kolonialisierung Indiens. Die Stadt war Verwaltungszentrum der PrĂ€sidentschaft Madras, einer von drei PrĂ€sidentschaften der Britischen Ostindien-Kompanie. Die Briten dehnten ihren Einfluss ab der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts auf weite Teile Tamil Nadus aus: Im Dritten und Vierten Mysore-Krieg (1790 bis 1792 bzw. 1798/99) rangen sie dem Königreich Mysore den Großteil von dessen Besitzungen ab, darunter den Norden und Westen des heutigen Tamil Nadus. Nach der vollstĂ€ndigen Niederlage Mysores 1799 war die Vormachtstellung der Ostindien-Gesellschaft in ganz SĂŒdindien endgĂŒltig besiegelt. 1799 wurden die Marathen-Könige von Thanjavur zur Übergabe ihrer Besitzungen gezwungen. Zwei Jahre spĂ€ter musste der Nawab von Arcot, der das KĂŒstenhinterland kontrollierte, sein gesamtes Territorium an die Briten ĂŒbergeben. Die Eroberung Tamil Nadus war damit abgeschlossen. Lediglich das kleine FĂŒrstentum Pudukkottai blieb als formal unabhĂ€ngiger FĂŒrstenstaat unter britischer Oberherrschaft bestehen. 1858 wurde die Ostindien-Kompanie infolge des Aufstandes in Nordindien entmachtet, und die Regierungsgewalt ĂŒber all ihre Besitzungen unmittelbar auf die britische Regierung ĂŒbertragen. Madras wurde damit zu einer der Provinzen Britisch-Indiens.

Parallel zur im ausgehenden 19. Jahrhundert erwachten gesamtindischen UnabhĂ€ngigkeitsbewegung unter FĂŒhrung des Indischen Nationalkongresses entstand in den tamilsprachigen Teilen von Madras die sogenannte Dravidische Bewegung, die sich gegen die angebliche Vormachtstellung der Brahmanen richtete und eine eigenstĂ€ndige IdentitĂ€t der Tamilen als „Draviden“ im Gegensatz zu den „Ariern“ Nordindiens postulierte. E. V. Ramasami (Periyar) grĂŒndete 1925 die Selbstachtungsbewegung (Self-Respect Movement), die er 1944 mit der anti-brahmanischen Justice Party zur Organisation Dravidar Kazhagam (Bund der Draviden; DK) vereinigte. Die DK vertrat eine radikale Agenda und forderte die Abschaffung des Kastensystems und der Hindu-Religion sowie die GrĂŒndung eines unabhĂ€ngigen Staates Dravida Nadu fĂŒr die „Draviden“ SĂŒdindiens.

Entwicklungen seit 1947

Nach der Entlassung Britisch-Indiens in die UnabhĂ€ngigkeit im Jahr 1947 wurde der Staat Madras zu einem Gliedstaat der Indischen Union. Er umfasste neben dem heutigen Tamil Nadu große Teile des heutigen Bundesstaats Andhra Pradesh sowie Teile von Karnataka und Kerala. Erster Chief Minister wurde P. S. Kumaraswamy Raja vom Indischen Nationalkongress (1950 bis 1952). Auf ihn folgten seine Parteikollegen C. Rajagopalachari (1952 bis 1954), K. Kamaraj (1954 bis 1963), der sich vor allem um die Verbesserung des Bildungssystems und die BekĂ€mpfung des Analphabetismus verdient machte, und M. Bakthavatsalam (1963 bis 1967). Im Zuge des States Reorganisation Act wurden 1956 die indischen Bundesstaaten nach den Sprachgrenzen neu geordnet. Dem Bundesstaat Madras wurden dabei die tamilischsprachigen Gebiete zugeschlagen. Damit erhielt der Bundesstaat die Grenzen des heutigen Tamil Nadu, behielt aber zunĂ€chst den Namen Madras bei.

Derweil hatte sich 1949 aus der DK eine neue Partei namens Dravida Munnetra Kazhagam (Bund fĂŒr den Fortschritt der Draviden; DMK) unter der FĂŒhrung von C. N. Annadurai formiert. Sie unterstĂŒtzte anfangs ebenfalls die Sezessionsforderung, gab diese aber Anfang der 1960er Jahre auf und ersetzte sie durch die Forderung nach politischer und kultureller Autonomie der Bundesstaaten innerhalb der Indischen Union. Die DMK nahm 1957 erstmals an Wahlen in Madras teil und stieg bald zur wichtigsten Oppositionspartei auf. 1967 konnte sie unter der FĂŒhrung Annadurais erstmals die Wahlen zum Regionalparlament fĂŒr sich entscheiden. Die neue DMK-Regierung beschloss die Umbenennung von Madras in Tamil Nadu („Land der Tamilen“), die 1969 in Kraft trat. Nach Annadurais Tod ĂŒbernahm M. Karunanidhi die FĂŒhrung der DMK. 1972 spaltete sich unter dem populĂ€ren Filmschauspieler M. G. Ramachandran (MGR) die AIADMK von der DMK ab. Seitdem hat stets eine der beiden Regionalparteien die Regierung Tamil Nadus gestellt. Die AIADMK konnte zum ersten Mal 1977 die Wahlen gewinnen. M. G. Ramachandran wurde zum neuen Chief Minister und blieb es bis zu seinem Tod 1987. Seit den 1990er Jahren wurde die Politik Tamil Nadus geprĂ€gt von der Konkurrenz zwischen M. Karunanidhi (Chief Minister von 1969 bis 1976, 1989 bis 1991, 1996 bis 2001 sowie 2006 bis 2011) und der ehemaligen Schauspielerin J. Jayalalithaa, die die Nachfolge M. G. Ramachandrans an der Spitze der AIADMK ĂŒbernahm und von 1991 bis 1996, mit Unterbrechungen von 2001 bis 2006 und erneut mit Unterbrechungen 2011 bis zu ihrem Tod 2016 das Amt des Chief Ministers innehatte.

In den 1980er Jahren nutzten die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), die fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit der ĂŒberwiegend von Tamilen bewohnten Teile Sri Lankas kĂ€mpfen, Tamil Nadu als RĂŒckzugsort und StĂŒtzpunkt fĂŒr ihre AktivitĂ€ten in Sri Lanka. Die Regierung billigte dieses Vorgehen aus RĂŒcksichtnahme auf die Sympathien der Bevölkerung Tamil Nadus fĂŒr die unterdrĂŒckten Tamilen Sri Lankas zunĂ€chst. Mehrere von LTTE-Separatisten verĂŒbte Attentate auf indischem Boden zerstörten jedoch das Vertrauen der indischen Tamilen in die LTTE. Am 21. Mai 1991 wurde der ehemalige indische Premierminister Rajiv Gandhi wĂ€hrend einer Wahlkampfveranstaltung in Sriperumbudur nahe Kanchipuram von einer der LTTE zugerechneten SelbstmordattentĂ€terin ermordet. Heute wird die LTTE von der indischen Regierung als terroristische Vereinigung eingestuft.

Politik

Politisches System

Bis 1986 bestand das Parlament Tamil Nadus aus zwei Kammern. Seitdem ist die auf fĂŒnf Jahre gewĂ€hlte Tamil Nadu Legislative Assembly das einzige gesetzgebende Organ. Von den 234 Abgeordnetensitzen sind 42 Sitze benachteiligten Kasten und 3 Sitze der Stammesbevölkerung (Adivasi) vorbehalten. ZusĂ€tzlich kann der Gouverneur des Staates einen Vertreter der englischsprachigen Minderheit ernennen, wenn er der Meinung ist, dass diese nicht ausreichend im Parlament reprĂ€sentiert ist. Der Chief Minister, der Regierungschef Tamil Nadus, wird von den Abgeordneten gewĂ€hlt. An der Spitze des Bundesstaats steht jedoch der vom indischen PrĂ€sidenten ernannte Gouverneur (Governor). Seine Hauptaufgaben sind die Ernennung des Chief Ministers und dessen Beauftragung mit der Regierungsbildung. Die Minister werden auf Empfehlung des Chief Ministers ebenfalls vom Gouverneur in ihr Amt eingefĂŒhrt. Zudem obliegt dem Gouverneur die Auflösung des Parlaments am Ende der Legislaturperiode oder bei einer Regierungskrise. In diesem Falle kann er den Bundesstaat unter die unmittelbare Verwaltung des indischen PrĂ€sidenten („President’s rule“) stellen.

Höchster Gerichtshof Tamil Nadus ist der Madras High Court, in dessen ZustĂ€ndigkeitsbereich auch das Unionsterritorium Puducherry fĂ€llt. Den Vorsitz fĂŒhrt der Chief Justice. Seit 2004 besteht eine Zweigstelle in Madurai.

Parteien

Die Politik Tamil Nadus wird von den beiden tamilisch-nationalistischen Regionalparteien Dravida Munnetra Kazhagam (DMK) und All India Anna Dravida Munnetra Kazhagam (AIADMK) geprĂ€gt. Seit 1967 wird der Bundesstaat ununterbrochen von einer dieser beiden Parteien regiert. Ihre Wurzeln liegen in der Organisation Dravidar Kazhagam (DK), von der sich die DMK 1949 abspaltete. 1972 entstand wiederum die AIADMK nach innerparteilichen Auseinandersetzungen durch Abspaltung von der DMK und etablierte sich in der Folge als deren stĂ€rkster Konkurrent. Die ursprĂŒnglich von der DK vertretenen Forderungen nach einem separaten Dravidenstaat und radikaler Sozialreform hat die DMK weitgehend gegen die Beschwörung der GrĂ¶ĂŸe der tamilischen Kultur und Sprache und die Forderung nach politischer und kultureller Autonomie der Bundesstaaten eingetauscht. Die AIADMK profiliert sich dagegen vor allem durch eine populistische Wohlfahrtspolitik.

Neben den beiden großen Parteien existieren weitere Regionalparteien: Die vom Filmschauspieler Vijayakanth gegrĂŒndete Desiya Murpokku Dravida Kazhagam (DMDK), die tamilisch-nationalistische Marumalarchi Dravida Munnetra Kazhagam (MDMK) sowie die kastenbasierten Parteien Pattali Makkal Katchi (PMK) und Viduthalai Chiruthaigal Katchi (VCK). Überregionale Parteien spielen in Tamil Nadu nur eine untergeordnete Rolle: Der Indische Nationalkongress und die beiden kommunistischen Parteien Communist Party of India (CPI) und Communist Party of India (Marxist) (CPI(M)) sind weit von der MehrheitsfĂ€higkeit entfernt, die hindunationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) ist im Parlament des Bundesstaates gar nicht vertreten. Ohnehin ist die Hindutva-Bewegung in Tamil Nadu weniger stark als in anderen Teilen Indiens, auch wenn sie auch seit den 1980er Jahren mit der GrĂŒndung der Organisationen Hindu Munnani und Hindu Makkal Katchi einen gewissen Auftrieb erlebt hat.

Durch das herrschende Mehrheitswahlrecht kann eine kleine Gruppe von WechselwĂ€hlern große Auswirkungen auf das Wahlergebnis haben. So kam es, dass sich in den 1990er und 2000er Jahren die DMK und die AIADMK nach jeder Wahl an der Regierung abwechselten. Bei der letzten Bundesstaatswahl 2016 gelang es der AIADMK erstmals seit 27 Jahren, diesen Trend zu brechen. Die AIADMK gewann knapp 41 % der Stimmen und 134 der 234 Wahlkreise. Die rivalisierende DMK kam auf knapp 32 % und 89 Mandate, wĂ€hrend die Kongresspartei mit 6,4 % und 8 Mandaten weit abgeschlagen landete. Die BJP kam auf 2,4 % der Stimmen und kein Mandat.

Obwohl die tamilischen Regionalparteien nur in Tamil Nadu und Puducherry zur Wahl antreten, können sie auf gesamtindischer Ebene bei der Regierungsbildung als ZĂŒnglein an der Waage eine wichtige Rolle spielen. Sie schließen sich daher oft ParteienbĂŒndnissen unter FĂŒhrung einer der landesweit großen Parteien an. Die DMK und die AIADMK, aber auch kleinere Regionalparteien wie die MDMK und die PMK, waren so mehrfach an gesamtindischen Regierungen beteiligt. Zuletzt war die DMK von 2004 bis zu ihrem Austritt 2013 Teil der von der Kongresspartei gefĂŒhrten Regierung Manmohan Singhs. Bei der gesamtindischen Parlamentswahl 2014 schlossen sich DMK und AIADMK keinem der landesweiten ParteienbĂŒndnisse an. Die AIADMK errang mit 37 von 39 gewonnenen Wahlkreisen in Tamil Nadu einen Erdrutschsieg, konnte wegen des landesweit starken Abschneidens der BJP aber kein politisches Kapital daraus schlagen.

Verwaltungsgliederung

Tamil Nadu ist in 38 Distrikte eingeteilt (Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte nach der VolkszÀhlung 2011).

*) Nach der VolkszĂ€hlung 2011 neu gegrĂŒndet.

Wirtschaft

Tamil Nadu ist nach Maharashtra, Uttar Pradesh und Andhra Pradesh die fĂŒnftgrĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft der 28 Bundesstaaten Indiens und zudem einer der fortgeschrittensten Bundesstaaten des Landes, der von den 1991 eingeleiteten wirtschaftlichen Liberalisierungsmaßnahmen ĂŒberdurchschnittlich profitiert hat. Seitdem haben sich zahlreiche auslĂ€ndische Großunternehmen in Tamil Nadu angesiedelt. 2010 betrug das nominale Bruttoinlandsprodukt Tamil Nadus 4.640 Milliarden Indische Rupien (umgerechnet 98 Milliarden US-Dollar). Damit erbrachte Tamil Nadu ĂŒber 7 Prozent der gesamten indischen Wirtschaftsleistung. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist mit 1.358 US-Dollar aber nur wenig höher als der indische Durchschnitt von 1.087 US-Dollar.

Landwirtschaft

Obwohl Tamil Nadu zu den am höchsten industrialisierten Bundesstaaten Indiens zĂ€hlt, ist die Landwirtschaft nach wie vor der wichtigste Arbeitgeber. Rund 45 Prozent der FlĂ€che werden landwirtschaftlich genutzt. Tamil Nadus Landwirtschaft ist eine der fortschrittlichsten Indiens. Die Ertragsraten liegen weit ĂŒber dem indischen Durchschnitt. Seit der EinfĂŒhrung der „GrĂŒnen Revolution“ Mitte der 1960er Jahre, als dessen „Vater“ der aus Tamil Nadu stammende Agrarwissenschaftler M. S. Swaminathan gilt, wurden die BewĂ€sserungsflĂ€chen betrĂ€chtlich ausgeweitet, sodass heute etwa die HĂ€lfte der landwirtschaftlichen NutzflĂ€che kĂŒnstlich bewĂ€ssert wird. Dennoch ist der Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt aufgrund wesentlich höherer Wachstumsraten in anderen Bereichen rĂŒcklĂ€ufig. 2004 betrug er nur noch 14,2 Prozent.

Als Nahrungsmittel werden vor allem Reis, ErdnĂŒsse, Mais, Sorghum, Fingerhirse, Perlhirse, HĂŒlsenfrĂŒchte sowie verschiedene Obstsorten wie Bananen und Mangos angebaut. Das mit Abstand wichtigste kommerzielle Anbauprodukt ist Zuckerrohr. Dagegen hat die Bedeutung von Baumwolle seit den 1980er Jahren stark abgenommen. In geringerem Maße werden außerdem GewĂŒrze, Kaffee, Tabak und Tee angepflanzt.

BodenschÀtze und Bergbau

80 Prozent der bekannten indischen Braunkohlevorkommen befinden sich in Tamil Nadu, hauptsĂ€chlich im Umland der Stadt Neyveli im Distrikt Cuddalore. Im SĂŒden und SĂŒdosten des Bundesstaates werden Mineralsande abgebaut, aus denen seltene Mineralien wie Titaneisen, Granat, Zirkon, Rutil und Monazit gewonnen werden. Im Nordosten gibt es Vorkommen von Magnesit. Zudem werden Granit, Kalkstein, Quarz und Quarzsande, Feldspat, Magneteisenstein, Bauxit und Graphit abgebaut. Vor der KĂŒste des Distriktes Nagapattinam wird in geringen Mengen Erdöl gefördert.

Industrie

Tamil Nadu ist einer der höchstindustrialisierten Bundesstaaten Indiens. 2004 erwirtschaftete die Industrie 29,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Der wichtigste Industriezweig ist nach wie vor die Textilindustrie, die fĂŒr fast ein Drittel der gesamten indischen Baumwollgarnproduktion aufkommt. Die Lederindustrie hat sogar einen Anteil von 70 Prozent. Neben diesen traditionellen Branchen nehmen die Fahrzeugindustrie und deren Zuliefererbetriebe einen besonderen Stellenwert ein. Neben inlĂ€ndischen Automobilfirmen lassen auch Ford, Hyundai, BMW und Mitsubishi in Tamil Nadu produzieren. Andere wichtige Industriezweige sind die metallverarbeitende, chemische, Mineralöl-, pharmazeutische, elektrotechnische, Software-, Fahrrad-, Lebensmittel-, Zement- und pyrotechnische Industrie sowie der Maschinenbau. Avadi bei Chennai ist einer der wichtigsten Standorte der indischen RĂŒstungsproduktion, unter anderem auch der einzige Produktionsstandort fĂŒr Arjun-Panzer in ganz Indien.

RĂ€umlich ballt sich die Industrieproduktion in drei GroßrĂ€umen. Der mit Abstand wichtigste Industrieraum ist das Ballungsgebiet Chennai, wo nahezu alle bedeutsamen Industriezweige vertreten sind. Im mittleren Tamil Nadu zieht sich eine Industrieachse vom Kaveridelta durch die Ebene des Flusses mit den Standorten Tiruchirappalli (Metallverarbeitung, Textilien, Zement) und Salem-Mettur (Stahl, Aluminium, Textilien, Zement, Kunststoffe, Chemikalien) bis ins westliche Hochland, wo mit Coimbatore und Tiruppur zwei bedeutende Textilzentren liegen. Coimbatore ist jedoch lĂ€ngst nicht mehr nur eine Textilhochburg, was ihm einst den Spitznamen „Manchester SĂŒdindiens“ eingebracht hat, sondern hat sich darĂŒber hinaus zum zweitwichtigsten Industriestandort Tamil Nadus nach Chennai entwickelt. Besonders der Maschinenbau hat eine Vorrangstellung erlangt. Die dritte große Industrieregion ist der Ballungsraum Madurai im SĂŒden.

Dienstleistungen und Fremdenverkehr

Der Dienstleistungsbereich, mittlerweile der Hauptantriebsmotor der wirtschaftlichen Entwicklung, hatte 2004 einen Anteil von 56,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Besonders hohe Wachstumsraten verzeichnet die Informationstechnologie. Zudem gewinnen die Telekommunikations- und die Biotechnologiebranche an Bedeutung. Viele auslÀndische Firmen, vor allem aus dem englischsprachigen Raum, lagern Unternehmensteile wie Callcenter oder Buchhaltung nach Tamil Nadu aus.

Auch der Fremdenverkehr hat sich seit den 1990er Jahren rasant entwickelt. 2011 besuchten 137 Millionen einheimische und 3,3 Millionen auslĂ€ndische Besucher Tamil Nadu – ein Zuwachs von 42 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Beliebte Reiseziele sind neben der Hauptstadt Chennai vor allem der Strandort Mamallapuram (Mahabalipuram) mit seinen Bauten aus der Pallava-Zeit sowie die alten TempelstĂ€dte Madurai, Thanjavur, Kanchipuram, Chidambaram, Tiruvannamalai und Rameswaram die auch viele Pilger anziehen. Die drei „großen Tempel der Chola-Dynastie“ in Thanjavur, Gangaikonda Cholapuram und Darasuram gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO, ebenso der Tempelbezirk von Mamallapuram und die Nilgiri-Bergeisenbahn. Die in der britischen Kolonialzeit erschlossenen hill stations in den Westghats, wie Udagamandalam (Ooty) und Kodaikanal, werden dank der landschaftlich reizvollen Umgebung sowie des angenehm kĂŒhlen Klimas als Urlaubsziele geschĂ€tzt. Naturliebhaber kommen in einem der fĂŒnf Nationalparks, unter denen der Mudumalai-Nationalpark aufgrund seiner Artenvielfalt besonders hervorragt, auf ihre Kosten. Immer beliebter vor allem bei auslĂ€ndischen GĂ€sten wird der Gesundheitstourismus, etwa in Form von Ayurveda-Kuren. Der Badetourismus ist dagegen trotz geeigneter StrĂ€nde wenig ausgeprĂ€gt.

Infrastruktur

Der wichtigste Verkehrsweg in Tamil Nadu ist die Straße. Insgesamt umfasst das Straßennetz knapp 200.000 Kilometer, wovon drei Viertel asphaltiert sind (Stand 2007/08). Die National Highways machen mit einer GesamtlĂ€nge von 4.500 Kilometern nur einen kleinen Teil des Straßennetzes aus, machen aber 40 % des Verkehrsaufkommens aus. Die tamilischen Streckenabschnitte der National Highways von Chennai nach Mumbai und Kalkutta – zusammen rund 340 Kilometer – wurden im Rahmen des Projektes „Golden Quadrilateral“ („Goldenes Viereck“) zu vierspurigen Autobahnen ausgebaut. Weitere Ausbauten sind geplant, um des wachsenden Verkehrsaufkommens Herr zu werden: Die Anzahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge nimmt jedes Jahr ĂŒber 10 % zu. Die staatliche Busgesellschaft Tamil Nadu State Transport Corporation und private Unternehmen bieten zahlreiche Busverbindungen zwischen den StĂ€dten des Bundesstaates an.

Alle grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte Tamil Nadus sind an das Schienennetz angeschlossen. Es untersteht der Regionalgesellschaft Southern Railway der indischen Staatsbahn. Die GesamtlĂ€nge des Schienennetzes in Tamil Nadu betrĂ€gt 3941 Kilometer (Stand 2007/08). Die Hauptlinien, die etwas ĂŒber die HĂ€lfte des Eisenbahnnetzes ausmachen, sind breitspurig ausgebaut, allerdings nur zum Teil elektrifiziert. Die restlichen Schienenwege sind meterspurig. Die Hauptstadt Chennai verfĂŒgt ĂŒber eine Vorortbahn, eine U-Bahn ist im Bau.

Chennai besitzt einen großen internationalen Flughafen, den Chennai International Airport. Nach Mumbai und Delhi ist er der drittwichtigste Flughafen Indiens. Daneben gibt es zwei kleinere internationale FlughĂ€fen in Tiruchirappalli und Coimbatore sowie InlandsflughĂ€fen in Madurai, Salem, und Thoothukudi.

Drei der zwölf HauptseehĂ€fen Indiens liegen in Tamil Nadu: Chennai, Thoothukudi und Ennur. Der Hafen von Chennai hatte 2007/08 eine GĂŒterumschlagmenge von knapp 57 Millionen Tonnen. Damit sind Chennai und Thoothukudi neben Navi Mumbai in Maharashtra die wichtigsten ContainerhĂ€fen des Landes. DarĂŒber hinaus existieren 15 kleinere HĂ€fen in Tamil Nadu, die jedoch nur fĂŒr die KĂŒstenschifffahrt von Bedeutung sind.

Als einer der wenigen indischen Bundesstaaten erzeugt Tamil Nadu einen ElektrizitĂ€tsĂŒberschuss, den es an benachbarte Bundesstaaten weiterleitet. Strom wird vor allem aus WĂ€rme- (Braunkohle, Erdgas), Wasser-, Kern- und Windenergie gewonnen. Bei letzterer nimmt Tamil Nadu eine FĂŒhrungsposition innerhalb Indiens ein, da es fĂŒr mehr als die HĂ€lfte der indischen Windenergieerzeugung aufkommt.

Ende 2016 wurde mit dem Solarpark Tamil Nadu der zu diesem Zeitpunkt leistungsstĂ€rkste Solarpark der Welt in Betrieb genommen. Er verfĂŒgt ĂŒber eine Leistung von 648 MW und liefert im Jahresschnitt genĂŒgend elektrische Energie fĂŒr ca. 150.000 Haushalte.

Soziales und Bildung

Soziales

Im Vergleich zu anderen Regionen Indiens ist Tamil Nadu verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig wohlhabend. Extreme Armut ist daher nicht ganz so hĂ€ufig anzutreffen wie etwa in Nordindien. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2006/07 bei 32.733 Rupien und damit etwas ĂŒber dem Landesdurchschnitt von 29.642 Rupien. 2015 wurde fĂŒr Tamil Nadu ein Index der menschlichen Entwicklung von 0,694 gegenĂŒber einem Wert von 0,624 fĂŒr ganz Indien ermittelt. Auch Gesundheitsindikatoren wie die Lebenserwartung von 64,6 Jahren (MĂ€nner: 63,7 Jahre, Frauen: 65,7 Jahre) gegenĂŒber 61,7 Jahren im Landesdurchschnitt (MĂ€nner: 60,8 Jahre, Frauen: 62,5 Jahre; Stand jeweils 1999) und die SĂ€uglingssterblichkeit von 41 auf 1000 Lebendgeburten gegenĂŒber 60 im Landesdurchschnitt (Stand jeweils 2003) weisen auf Tamil Nadus relative Bessergestelltheit innerhalb Indiens hin.

Dennoch bestehen auch in Tamil Nadu weiterhin gravierende soziale Probleme und Ungleichheiten. So sind die außerhalb des Kastensystems stehenden Dalit, die in Tamil Nadu einen ĂŒberproportional hohen Bevölkerungsanteil von etwa einem FĂŒnftel haben, nach wie vor gesellschaftlicher Ausgrenzung und wirtschaftlicher Benachteiligung ausgesetzt. Viele von ihnen mĂŒssen sich ihren Lebensunterhalt als Tagelöhner in der Landwirtschaft verdienen. Kinderarbeit ist noch immer ein weitverbreitetes Problem; auffĂ€llig ist dabei der hohe Anteil von MĂ€dchen – ein Indiz fĂŒr das geringere Ansehen von MĂ€dchen und Frauen in der Gesellschaft. Fast die HĂ€lfte aller Kinder ist unterernĂ€hrt. Hohe Arbeitslosigkeit stellt vor allem in den StĂ€dten eine große Herausforderung dar.

Bildung

Tamil Nadu weist im Vergleich zu anderen Teilen Indiens gute Bildungsindikatoren auf. Die Alphabetisierungsrate liegt mit 80,3 Prozent (MĂ€nner: 86,8 Prozent, Frauen: 73,9 Prozent) deutlich ĂŒber dem gesamtindischen Durchschnitt von 74,0 Prozent (MĂ€nner: 82,1 Prozent, Frauen: 65,5 Prozent; Stand: jeweils VolkszĂ€hlung 2011). Es besteht Schulpflicht ab einem Alter von 6 Jahren. TatsĂ€chlich werden 98,3 Prozent aller Kinder Tamil Nadus eingeschult, wobei sich die Einschulungsraten von Jungen und MĂ€dchen kaum unterscheiden. Im Gegensatz dazu besuchen nur 42,8 Prozent aller Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren eine höhere Schule. Insgesamt verfĂŒgt der Staat ĂŒber knapp 50.000 Grund- und weiterfĂŒhrende Schulen, in denen Tamil als erste Unterrichtssprache dient. An Hochschulen wird dagegen ein großer Teil der Lehrveranstaltungen in englischer Sprache durchgefĂŒhrt.

In Tamil Nadu gibt es 21 UniversitĂ€ten. DarĂŒber hinaus existieren hunderte von privaten und staatlichen Colleges fĂŒr Fach-, Berufs- und Allgemeinbildung. Das Indian Institute of Technology (IIT) in der Hauptstadt Chennai ist eine von nur sieben Einrichtungen dieser Art in Indien. Es zĂ€hlt zu den Elitehochschulen im Bereich Technologie und Ingenieurwesen.

Kultur

Die tamilische Kultur ist Teil der gesamtindischen Kulturtradition, hat aber in vielerlei Hinsicht ein eigenstĂ€ndiges Angesicht bewahrt, das sich deutlich vom Rest Indiens unterscheidet. Das wichtigste Bindeglied der tamilischen Kultur ist die tamilische Sprache, die zum zentralen Identifikationsmerkmal erhoben und bisweilen geradezu vergöttlicht wird. Das Tamil gehört zur Familie der in SĂŒdindien gesprochenen dravidischen Sprachen und ist somit nicht mit den Sprachen Nordindiens verwandt. Es kann auf eine ĂŒber 2000-jĂ€hrige eigenstĂ€ndige Literaturgeschichte zurĂŒckblicken und zĂ€hlt daher als klassische Sprache. Viele Tamilen betonen stolz das hohe Alter und die EigenstĂ€ndigkeit der tamilischen Sprache.

Literatur

Die tamilische Literatur besitzt ein Alter von rund 2000 Jahren und hat damit die Ă€lteste durchgĂ€ngige Tradition aller modernen indischen Sprachen. Auch beruht sie nicht auf der Sanskrit-Literatur, sondern hat einen weitgehend eigenstĂ€ndigen Ursprung. Die frĂŒheste Schicht der tamilischen Literatur ist die wahrscheinlich aus den ersten Jahrhunderten n. Chr. stammende Sangam-Literatur. Das Tolkappiyam, eine Grammatik des Tamil, beschreibt die Ästhetik der klassischen Dichtung. Sie wird nach subjektiven Inhalten (akam), wie Liebe und SexualitĂ€t, sowie objektiven Themen (puram), wie Krieg und Staatswesen, unterschieden, die jeweils bildhaft dargestellt werden. Im Gegensatz zur nordindischen Sanskritliteratur spielen religiöse Themen in der frĂŒhen Tamil-Literatur kaum eine Rolle. Der Korpus der Sangam-Literatur wird unterteilt in die Sammlungen Ettuttogai („Acht Anthologien“) und Pattuppattu („Zehn Lieder“). Aus der Nach-Sangam-Zeit stammen die „FĂŒnf Großen Epen“, darunter das Silappadigaram.

Gegen Ende der Sangam-Periode machten sich verstĂ€rkt die EinflĂŒsse der sanskritischen Kultur bemerkbar, die unter anderem in umfangreichen buddhistischen und jainistischen Schriften zum Ausdruck kamen. Neue Themen wie Moral und Ethik traten in den Vordergrund, etwa in Tiruvalluvars belehrender Verssammlung Tirukkural. Mit dem Entstehen der hinduistischen Bhakti-Bewegung im 7. Jahrhundert erlebte die fromme Hindulyrik in Form von Preisliedern auf Shiva und Vishnu eine BlĂŒte. In der Chola-Zeit wurde das Epos zum beliebtesten Genre. Hervorzuheben ist hier besonders Kamban mit seinem Kambaramayanam, einer Version des Ramayana.

UmwĂ€lzende VerĂ€nderungen erlebte die tamilische Literatur infolge westlicher EinflĂŒsse wĂ€hrend der europĂ€ischen Kolonialherrschaft. Neue Genres, wie Roman, Essay und Kurzgeschichte, setzten sich im spĂ€ten 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert durch und prĂ€gen die moderne tamilische Literatur bis heute. Als BegrĂŒnder der tamilischen Moderne gilt der Dichter Subramaniyam Bharati (1882–1921). Kalki (1899–1954) verarbeitete in seinen Romanen und Kurzgeschichten vor allem historische Stoffe. Pudhumaipithan (1906–1948) erlangte durch seine sozialkritischen Werke große Anerkennung.

Architektur

In architektonischer Hinsicht sticht in Tamil Nadu die Tempelbaukunst hervor. An zahlreichen Orten des Bundesstaates finden sich große Tempelanlagen im sĂŒdindischen Dravida-Stil. Charakteristisch sind die hohen, meist mit reichem Figurenschmuck verzierten Gopurams (TortĂŒrme) und der Aufbau des weitlĂ€ufigen Tempelkomplexes, der sich ĂŒber mehrere Hektar erstrecken kann, um den zentralen Hauptschrein herum. In den klassischen TempelstĂ€dten wie Madurai, Srirangam, Chidambaram, Rameswaram und Tiruvannamalai bildet das Heiligtum den Mittelpunkt der Stadt, deren Stadtgrundriss den Umrissen des Tempels folgt.

In Tamil Nadu finden sich einige der herausragendsten Beispiele frĂŒhmittelalterlicher hinduistischer Tempelbaukunst. Die monolithischen Felsentempel aus der Pallava-Zeit (7. und 8. Jahrhundert) in der ehemaligen Hafenstadt Mamallapuram sind FrĂŒhformen des sĂŒdindischen Dravida-Stils und sind durch einen pyramidenförmig gestuften Tempelturm (Vimana) ĂŒber dem Allerheiligsten gekennzeichnet. Dem Vimana ist ĂŒblicherweise eine SĂ€ulenhalle vorgelagert. Im 8. Jahrhundert setzte sich der in Mamallapuram begonnene Tempelbaustil in der alten Pallava-Hauptstadt Kanchipuram fort. Die Chola entwickelten die Vimanas der Pallava-Zeit zu gewaltigen Stockwerkpyramiden weiter, deren Geschosse mit aufgesetzten Scheinzellen verziert wurden. Dieser Entwicklung erreichte mit dem Brihadishvara-Tempel in Thanjavur im frĂŒhen 11. Jahrhundert ihren Höhepunkt.

Unter den spĂ€ten Chola und insbesondere unter den sie ablösenden Pandya und der Nayak-Dynastien vollzog sich eine bauliche Akzentverlagerung vom Vimana auf den Torturm (Gopuram) des den eigentlichen Sakralbau umgebenden Tempelbereiches. WĂ€hrend der Vimana kleiner und unauffĂ€lliger ist, nimmt der Gopuram nun dessen GrĂ¶ĂŸe und kĂŒnstlerische Ausgestaltung an. Durch die ErgĂ€nzung zusĂ€tzlicher SĂ€ulenhallen sowie mit Gopurams geschmĂŒckter MauerzĂŒge wuchsen viele Tempelbezirke zu weitlĂ€ufigen Komplexen heran. Höhepunkt dieser Entwicklung ist der Minakshi-Tempel in Madurai, der seine heutige Gestalt im Wesentlichen im 16.–17. Jahrhundert erhielt.

Unter europĂ€ischer Herrschaft erlebte die zuvor weitgehend unbeachtete Profanarchitektur einen Aufschwung. Besonders in Chennai entstanden monumentale Verwaltungs- und ReprĂ€sentationsgebĂ€ude wie der High Court sowie zahlreiche Museumsbauten im indo-sarazenischen Stil, der europĂ€ische, indische und islamische EinflĂŒsse in sich vereinte.

Musik und Tanz

Der klassische Musikstil Tamil Nadus ist die karnatische Musik, eine der beiden Hauptrichtungen der klassischen indischen Musik neben der in geringem Umfang von persischen Traditionen beeinflussten hindustanischen Musik Nord- und Zentralindiens. In der klassischen Musik und hĂ€ufig auch in den Volksmusikstilen bilden Ragas eine tonale Ordnung und sind mit rhythmischen Zyklen (Talas) verbunden. Die klassische Musik ist melodisch und im Wesentlichen vokal. Die am hĂ€ufigsten verwendeten Melodieinstrumente der karnatischen Musik sind die gezupfte Langhalslaute Sarasvati vina, die Violine, die kurze Querflöte pullankuzhal (zur Unterscheidung vom Doppelrohrblattinstrument kuzhal, auch venu, entspricht der lĂ€ngeren bansuri in Nordindien) und das lange Doppelrohrblattinstrument nadaswaram. Die gottuvadyam ist eine waagrecht wie eine Zither gespielte Langhalslaute. FĂŒr den Rhythmus sorgen die zweifellige Doppelkonustrommel mridangam, der Tontopf ghatam und die Rahmentrommel kanjira. Die nadaswaram wird von der zweifelligen Fasstrommel tavil begleitet. Bekannte karnatische Vokalisten sind M. S. Subbulakshmi (1916–2004), Ramnad Krishnan (1918–1973), D. K. Pattammal (1919–2009), M. L. Vasanthakumari (1928–1990) und Sudha Ragunathan (* 1956).

Die Ă€ltesten religiösen GesĂ€nge gehen auf das Ende des 1. Jahrtausends zurĂŒck und sind in den beiden um 1000 n. Chr. zusammengestellten tamilischen Verssammlungen Tevaram mit Hymnen an Shiva und Naalayira Divya Prabhandham mit Hymnen an Vishnu enthalten. Sie werden von einer Gruppe von TempelsĂ€ngern (oduvar) in den jeweiligen Hindutempeln vorgetragen. Bei der religiösen Ritualmusik an Tempeln und fĂŒr Prozessionen werden als mangala vadyam („segenbringende Musikinstrumente“) geltende Blasinstrumente verwendet, zu denen neben der Kombination von nadaswaram und tavil die gebogene Trompete kombu und die seltene gerade Trompete tirucinnam gehören.

Zur dörflichen religiösen Musik oder Volksmusik gehören die Doppeltrommel pambai, die kurze Kegeloboe mukhavina, die kleine Sanduhrtrommel udukai und die seltene kleine Kesseltrommel dhanki. Die religiöse Volksliedgattung Villu Pattu wird von der niedrigstehenden Kastengruppe Pulluvan mit einem besonderen Musikbogen viladi vadyam und Trommeln begleitet.

Bestandteile klassischer karnatischer Musik finden sich auch in der modernen tamilischen Popmusik wieder, hĂ€ufig Filmmusiken beliebter Kinostreifen. Der erfolgreichste Komponist moderner Musik aus Tamil Nadu ist A. R. Rahman. In der Hauptstadt Chennai findet jedes Jahr im Dezember ein großes Musikfestival statt (Chennai Music Season), bei dem einige der anerkanntesten Virtuosen der karnatischen Musik und Darsteller sĂŒdindischer Tanzformen auftreten.

TĂ€nze dienen seit jeher als Ausdrucksformen religiöser Verehrung oder zur Darstellung mythologischer Themen. Schon im Altertum wurden sie von Tempeldienerinnen (Devadasis) dargeboten. Der Bharatanatyam, heute einer der sieben fĂŒhrenden klassischen Tanzstile Indiens, hat seinen Ursprung in Tamil Nadu. Er wurde in den 1930er Jahren von Rukmini Devi Arundale wiederbelebt und weiterentwickelt und wird heute unter anderem an der von ihr gegrĂŒndeten Kalakshetra-Akademie in Chennai gelehrt. Er umfasst rein tĂ€nzerische sowie dramatische Elemente. Als Einzeltanz kann er sowohl von Frauen als auch von MĂ€nnern dargeboten werden. DarĂŒber hinaus existieren zahlreiche, fĂŒr Tamil Nadu spezifische Volkstanz- und Tanzdramatraditionen, darunter das religiöse Straßentheater Kattaikkuttu und das auf die Umgebung von Thanjavur beschrĂ€nkte Ritualtheater Bhagavata Mela.

Film

Das tamilische Kino trĂ€gt in Anspielung auf Hollywood und Bollywood, die Filmindustrie in Mumbai, auch den Namen „Kollywood“. Der Anfangsbuchstabe weist auf Kodambakkam hin, den Stadtteil Chennais, auf den die tamilische Filmproduktion konzentriert ist. Der erste Spielfilm entstand in Kodambakkam 1916 unter der Regie von R. Nataraja Mudaliar. Als erster Tonfilm folgte 1931 Kalidas von H. M. Reddy. Heute gehört der tamilische Film mit derzeit 150 bis 200 Produktionen pro Jahr neben dem Hindi-Film und dem Telugu-Film zu den drei grĂ¶ĂŸten indischen Regionalfilmindustrien, die alle schon die Spitzenposition der meisten produzierten Filme innehatten (Tamil erstmals 1979 mit 139 Produktionen).

In Konzeption und Thematik Ă€hneln die meisten tamilischen Produktionen denen des Hindi-Films, grenzen sich aber durch die Verwendung der tamilischen Sprache ab. Wie auch in Bollywoodfilmen kommt Musik- und Tanzeinlagen eine hohe Bedeutung zu, allerdings finden sich mehr komische und Kampfkunstelemente. Erfolgreiche Tamil-Filme werden oft in leicht abgewandelter Form und mit anderer Besetzung in Bollywood neuverfilmt, seltener auch umgekehrt. Bekannte Regisseure des gegenwĂ€rtigen tamilischen Films sind beispielsweise S. Shankar, Mani Ratnam, Linguswamy, AR. Murugadoss und Gautham Vasudev Menon, die mittlerweile auch an zahlreichen anderssprachigen Produktionen mitgewirkt haben und als herausragende indische Regisseure gelten. Der gegenwĂ€rtige „Superstar“ ist der erfolgreiche Schauspieler Rajinikanth, welcher in der Vergangenheit sehr viele kommerzielle Erfolge durch seine Filme erzielen konnte.

Eine Besonderheit ist die außergewöhnliche hohe, zuweilen abgöttische Verehrung, die Schauspielern und Schauspielerinnen entgegengebracht wird. In keinem anderen Bundesstaat Indiens waren ehemalige Filmschaffende politisch so erfolgreich wie in Tamil Nadu. Die enge Verbindung von Politik und Filmindustrie begann in den 1950er-Jahren als die DMK-Partei den tamilischen Film zu einem Vehikel ihrer Propaganda machte („DMK-Film“). Seit 1967 sind alle politischen FĂŒhrer Tamil Nadus – die Drehbuchautoren C. N. Annadurai und M. Karunanidhi sowie die Schauspieler M. G. Ramachandran und J. Jayalalithaa – Filmpersönlichkeiten gewesen.

Sport

Wie in ganz Indien ist die mit Abstand beliebteste Sportart in Tamil Nadu Cricket, gefolgt von Hockey. Die Chennai Veerans sind der erfolgreichste Hockeyverein Tamil Nadus. Die First-Class Cricket-Auswahl des Bundesstaates spielt in der Ranji Trophy, einem der wichtigsten nationalen Cricketwettbewerbe, und trĂ€gt ihre Spiele im 50.000 Zuschauer fassenden M. A. Chidambaram Stadium in Chennai aus. Das Jawaharlal Nehru Stadium mit 40.000 PlĂ€tzen, ebenfalls in der Hauptstadt, wird fĂŒr Leichtathletikveranstaltungen und Fußballspiele genutzt. Es ist HeimspielstĂ€tte des erfolgreichsten Fußballvereins von Tamil Nadu, Indian Bank RC, der 1996 GrĂŒndungsmitglied der National Football League war, derzeit (Spielzeit 2010/11) aber nur noch zweitklassig ist.

Drei der international bekanntesten indischen Sportler kommen aus Tamil Nadu: Viswanathan Anand (Schachweltmeister 2007–2013), sowie die ehemaligen Formel-1-Rennfahrer Narain Karthikeyan und Karun Chandhok.

KĂŒche

Die als besonders pikant geltende tamilische KĂŒche zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Vielfalt an vegetarischen Gerichten aus. Fleischspeisen sind aus religiösen GrĂŒnden von untergeordneter Bedeutung, allerdings werden gelegentlich Fisch oder MeeresfrĂŒchte verwendet. Als Grundnahrungsmittel dient Reis. Eine typische Hauptmahlzeit besteht aus Reis, der mit Linsen, verschiedenem GemĂŒse, Sambar (einer Soße auf Linsen- und Tamarindenbasis), Rasam (einer dĂŒnnen Pfeffersoße) und Joghurt verzehrt wird. Bei der Zubereitung der Soßen kommt eine Vielzahl an GewĂŒrzen zum Einsatz, darunter Tamarinde, CurryblĂ€tter, Koriander, Ingwer, Chili, Knoblauch, Pfeffer, Kardamom, KreuzkĂŒmmel, Zimt, Muskatnuss und GewĂŒrznelken.

Als Zwischenmahlzeiten beliebt sind Dosai, eine Art Pfannkuchen aus Reis- und Urdbohnenmehl, Idli, gedĂ€mpfte KĂŒchlein, die ebenfalls aus Reis- und Urdbohnenmehl gefertigt werden, und Vadai, frittierte KĂŒchlein aus Urdbohnen. Dazu reicht man Sambar und Chutneys aus Kokosfleisch oder Tomaten. Die Speisen werden fĂŒr gewöhnlich auf einem Bananenblatt serviert. Gegessen wird traditionell mit der rechten Hand.

Noch vor dem in ganz Indien beliebten Tee ist in Tamil Nadu Kaffee das wichtigste GetrÀnk. Er wird als Filterkaffee mit viel Milch und Zucker zubereitet und in Edelstahlbechern serviert.

Feste

Neben den ĂŒberregional verbreiteten Feiertagen der verschiedenen Glaubensgemeinschaften gilt das Erntedankfest Pongal als das wichtigste aller tamilischen Feste. Es wird vom ersten Tag des tamilischen Monats Tai (Mitte Januar) an vier Tage lang gefeiert. Am ersten Tag werden symbolisch alte GegenstĂ€nde weggeworfen. Der wichtigste Tag ist der zweite, an dem man eine Art Milchreis kocht, der ebenfalls Pongal heißt. Das Gericht muss dabei ĂŒberkochen, was den Wunsch nach einer guten Ernte, Wohlstand und Überfluss zum Ausdruck bringen soll. Am dritten Tag dankt man den KĂŒhen und BĂŒffeln fĂŒr ihre Dienste. Dabei findet vielerorts ein Jallikattu genannter Wettkampf statt, bei dem junge MĂ€nner versuchen, einen Bullen niederzuringen. Am vierten Tag klingt das Pongal-Fest mit Familienbesuchen aus.

Das tamilische Neujahrsfest findet Mitte April statt. Unter den religiösen Festen der Hindus ragt das Lichterfest Diwali heraus, im Tamilischen Dipavali genannt. In den TempelstĂ€dten Tamil Nadus werden im jĂ€hrlichen Rhythmus große Tempelfeste gefeiert, bei denen die Götterbilder in aufwĂ€ndigen Prozessionen auf großen Tempelwagen durch die Straßen gezogen werden.

Persönlichkeiten

Aus Tamil Nadu kommen mehr TrĂ€ger der höchsten zivilen Auszeichnung Indiens, des Bharat Ratna, als aus jedem anderen Bundesstaat. Zu den acht tamilischen TrĂ€gern des zuletzt 2001 verliehenen Ordens gehören der Politiker C. Rajagopalachari (1878–1972), Indiens zweiter PrĂ€sident S. Radhakrishnan (1888–1975), der Physiker und NobelpreistrĂ€ger C. V. Raman (1888–1970), der Politiker und ehemalige Chief Minister K. Kamaraj (1903–1975), der Schauspieler und langjĂ€hrige Chief Minister M. G. Ramachandran (1917–1987), der Raketeningenieur und ehemalige indische PrĂ€sident A. P. J. Abdul Kalam (geb. 1931), die SĂ€ngerin M. S. Subbulakshmi (1916–2004) sowie der maßgeblich an der DurchfĂŒhrung der „GrĂŒnen Revolution“ beteiligte Politiker C. Subramaniam (1910–2000). Als eigentlicher Vater der „GrĂŒnen Revolution“ gilt der Agrarwissenschaftler M. S. Swaminathan (geb. 1925). Auch der Mathematiker S. Ramanujan (1887–1920) und der Physiker und NobelpreistrĂ€ger Subrahmanyan Chandrasekhar (1910–1995) waren tamilischer Abstammung. Der spirituelle Lehrer und VorgĂ€nger der Satsang-Bewegung Ramana Maharshi (1879–1950) wurde ebenfalls in Tamil Nadu geboren.

siehe auch: Liste bekannter Tamilen

Literatur

  • Joachim K. Bautze: Indien und seine Bundesstaaten. Komet Verlag, Köln 2006, ISBN 3-89836-527-1
  • Fritjof Capra, Jacqueline Capra: Die Seele Indiens. Tamil Nadu. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 1984, ISBN 3-922294-37-5
  • R. Nagaswami: Art and Culture of Tamil Nadu. Sundeep Prakashan, Delhi 2004, ISBN 81-7574-015-9
  • George Michell: Temple Towns of Tamil Nadu. Marg Publications, Mumbai 2003, ISBN 81-85026-21-1

Weblinks

  • Offizielle WebprĂ€senz der Regierung von Tamil Nadu (englisch)
  • Die dravidischen Parteien Tamil Nadus von Eric Töpfer bei suedasien.info
  • Die TempelstĂ€dte von Tamil Nadu und ihre Architektur (von Dr. Bernhard Peter)
  • Wirtschaftliches Profil Tamil Nadus (englisch, PDF; 1,21 MB)

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

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