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Staat Informationen : Mauritius

Informationen:


Mauritius (deutsch [ma äŐĮňąriňźtsiŐĮ äs], englisch [m…ôňą…Ļ…™ É…ôs], franz√∂sisch Maurice [moňą Äiňźs], kreolisch Moris) ist ein Inselstaat im S√ľdwesten des Indischen Ozeans ungef√§hr 870¬†Kilometer √∂stlich von Madagaskar.

Neben der Hauptinsel Mauritius mit der Hauptstadt Port Louis zählen Rodrigues, die Cargados-Carajos-Inseln sowie die Agalega-Inseln zum Staatsgebiet. Der Chagos-Archipel gehörte zum Staatsgebiet von Mauritius, wurde aber von Großbritannien kurz vor der absehbaren Unabhängigkeit von Mauritius 1965 ausgegliedert.

Geographie

Maskarenen

Zusammen mit Réunion zählen die Inseln Mauritius und Rodrigues zu den Maskarenen.

Lage

Großräumige Lage

Die Insel Mauritius liegt im Indischen Ozean ca. 1800 km östlich des Afrikanischen Kontinentes.

Nachbarstaaten

Die zu Frankreich gehörende Insel Réunion liegt etwa 200 km westlich. Nördlich befinden sich in etwa 1750 Kilometer Entfernung die Seychellen. Indien befindet sich nordöstlich in etwa 4000 Kilometer Entfernung.

Zugehörige Inseln

  • Hauptinsel Mauritius: Der Staat Mauritius besteht aus zwei gro√üen und mehreren kleineren Inseln: Auf Mauritius selbst, der gr√∂√üten Insel des Staates, liegt die Hauptstadt Port Louis.
  • Kleine Inseln bei Mauritius: Gro√üe Teile der Hauptinsel sind von einem Riff umgeben, aus dem sich einige weitere kleine Inseln wie Amber Island erheben. In unmittelbarer N√§he zu Mauritius liegen ferner Gunner‚Äôs Coin (Coin de Mire) (8¬†km vor der Nordk√ľste) und Round Island 22¬†km nord√∂stlich.
  • Rodrigues: Die zweite gr√∂√üere Insel ist Rodrigues mit rund 40.000 Einwohnern. Sie liegt rund 600¬†km √∂stlich auf ungef√§hr der gleichen geografischen Breite wie die Hauptinsel.
  • Cargados-Carajos-Inseln: Die Cargados-Carajos-Inseln (auch St. Brandon) liegen etwa 500¬†km nord√∂stlich von Mauritius. Diese Inselgruppe hat eine L√§nge von ungef√§hr 100¬†km und erstreckt sich von Nord nach S√ľd.
  • Agalega-Inseln: Die Agalega-Inseln liegen mehr als 1000¬†km n√∂rdlich von Mauritius entfernt und befinden sich mit etwa 650¬†km Luftlinie deutlich n√§her an den Seychellen.

Klima

Mauritius liegt auf der S√ľdhalbkugel. So sind die Jahreszeiten denjenigen auf der Nordhalbkugel entgegengesetzt. Aufgrund der Lage in den sommerfeuchten Tropen betr√§gt die Durchschnittstemperatur an der K√ľste um 23,3¬†¬įC und auf den H√∂hen um 19,4¬†¬įC. Die relative Feuchte schwankt um 80¬†%. Dabei ist der Winter (Juni bis Oktober) die trockenste, der Sommer (Dezember bis April) die feuchteste Jahreszeit. Auff√§llig sind die Kontraste zwischen Ost- und Westk√ľste: W√§hrend die Ostk√ľste im direkten Einflussbereich der SO-Passatwinde liegt, ist die Westk√ľste gut gesch√ľtzt im Regenschatten (Lee) der Gebirge. Daher ist die Ostk√ľste im Jahresverlauf etwa 2,5 Mal niederschlagsreicher (1960¬†mm pro Jahr) als die Westk√ľste (780¬†mm pro Jahr). Daneben ist die Westk√ľste im Jahresmittel aufgrund des Lee-Effektes (F√∂hn) geringf√ľgig w√§rmer als die Ostseite.

Zyklone

√úber dem s√ľdwestlichen Indischen Ozean (SW-Indik), in dem Mauritius liegt, werden j√§hrlich durchschnittlich ca. 15 tropische St√ľrme beobachtet. Die Zyklonsaison dauert auf Mauritius vom 15. November bis 15. Mai. Nicht jeder Sturm erreicht das Zyklonstadium (Windgeschwindigkeiten > 118¬†km/h), nicht jeder Sturm zieht √ľber die Insel hinweg. H√§ufiger streifen sie Ausl√§ufer mit starker Bew√∂lkung, zunehmendem Wind und hohem Wellengang an der K√ľste.

Geologie

Mauritius liegt auf der Afrikanischen Platte und ist vulkanischen Ursprungs. Dabei werden drei vulkanische Phasen unterschieden. Eine √§lteste Phase begann vor zehn Millionen Jahren und endete vor f√ľnf Millionen Jahren. Eine mittlere vulkanische Phase begann vor 3,5 Millionen Jahren und ging vor 1,7 Millionen Jahren zu Ende. Eine j√ľngste bzw. gegenw√§rtige Serie begann vor 700.000 Jahren und reicht zumindest bis vor 20.000 Jahren. Der Vulkanismus f√∂rderte haupts√§chlich basaltische Laven zu Tage. Die Insel Rodrigues besteht ebenfalls aus basaltischen Vulkaniten, bei denen eine radiometrische Altersbestimmung ein Alter von 1,54 Millionen Jahren ergab. An der S√ľdwestseite von Rodriguez baut sich der Korallenschutt bis zu einer H√∂he von 62 Metern empor.

Berge

Der höchste Berg auf Mauritius ist mit 828 m der Piton de la Petite Rivière Noire. Er befindet sich im Bezirk Black River in der Black-River-Bergkette. Gefolgt wird er von den beiden Gipfeln des Pieter Both (820 m) und des Le Pouce (811 m) der Moka-Port-Louis-Kette.

Flora und Fauna

Fauna

Wie häufig auf isolierten Inseln ist die Fauna von Mauritius nicht sehr artenreich, hat aber einen hohen Anteil endemischer Arten.

Vor Ankunft des Menschen gab es au√üer Fledertieren keine landbewohnenden S√§ugetiere. Zu diesen Fledertieren geh√∂ren die Mauritius-Grabfledermaus, der Maskarenen-Flughund (Pteropus niger) und der inzwischen ausgestorbene Kleine Maskarenen-Flughund. Daneben sind weitere Fledermaus- und Flughund-Arten auf der Insel heimisch. Weil die Maskarenen-Flughunde die Ernte von Mangos und Litschis sch√§digen, hat die Regierung im Oktober 2015 beschlossen, 20 Prozent dieser Flughunde zu t√∂ten. Tiersch√ľtzer und die Weltnaturschutzunion IUCN warnten, das k√∂nne die Spezies an den Rand des Aussterbens f√ľhren.

Durch den Menschen wurden zahlreiche Tierarten eingef√ľhrt, darunter Ratten, M√§use, Mangusten, der M√§hnenhirsch und der Javaneraffe.

Auf Mauritius gibt es zudem √ľber 100 Vogelarten, insbesondere die endemischen Arten sind durch Habitatver√§nderungen und die eingef√ľhrten S√§ugetiere teilweise stark bedroht oder bereits ausgestorben. Der bekannteste Vogel ist der auch im Wappen der Insel vertretene Dodo (Raphus cucullatus), der bereits um 1690 ausgerottet war. Andere endemische Arten sind der Maskarenen-Brillenvogel, der Mauritiusfalke, der Mauritiussittich und die Rosentaube. Bereits ausgestorben sind unter anderem der Mauritius-Grausittich, die Mauritius-Gans, der Mauritius-Nachtreiher, der Mauritius-Papagei, die Mauritius-Ralle und die Mauritiusente. Eingef√ľhrt wurden unter anderem die Hirtenmaina, der Rotohrb√ľlb√ľl und die Sperbertaube.

Wie auf vielen Inseln des westlichen Indischen Ozeans gab es auch auf Mauritius Riesenschildkr√∂ten (Gattung Cylindraspis); sie wurden aber gegen 1800 ausgerottet. Zu den sonstigen Reptilien geh√∂ren vor allem Geckos (unter anderem G√ľnthers Taggecko und Ornament-Taggecko) und Skinke wie das Telfair-Skink. Die seltene Round-Island-Boa ist auf der kleinen Insel im Norden, deren Namen sie tr√§gt, endemisch.

Ende August 2020 verendeten 18 Breitschnabeldelfine an Str√§nden von Mauritius, was aufgrund der sich kurz zuvor ereigneten √Ėlkatastrophe durch die Havarie der Wakashio ein gr√∂√üeres Medienecho hervorrief. Ein Zusammenhang mit der Katastrophe konnte noch nicht nachgewiesen werden.

Flora

Von den 670 Arten von Bl√ľtenpflanzen ist etwa die H√§lfte endemisch. Gro√üe Teile der Insel waren urspr√ľnglich von tropischem Regenwald bedeckt. Das endemische Malvengew√§chs Trochetia boutoniana gilt als Nationalblume.

Nationalparks, Naturreservate, Ramsar-Gebiete

Auf der Hauptinsel Mauritius bestehen (Stand 2020) zwei größere Nationalparks, außerdem wurden 8 Nebeneilande zu einem Inselnationalpark (Islet National Park) erklärt:

  • Black River Gorges National Park, seit 15. Juni 1994
  • Bras D‚ÄôEau National Park, seit 25. Oktober 2011
  • √éle D‚ÄôAmbre (128 Hektar)
  • Ile aux Flamants (0,8 Hektar)
  • Ile aux Fouquets (2,49 Hektar)
  • Ile aux Fous (0,3 Hektar)
  • Ile aux Oiseaux (0,7 Hektar)
  • Ilot Vacoas (1,36 Hektar)
  • Pigeon Rock (0,63 Hektar)
  • Rocher aux Oiseaux (0,1 Hektar)

Weitere 7 Inseln sind als Naturreservate ausgewiesen:

  • Serpent Island (31,66 Hektar)
  • Round Island (168,84 Hektar)
  • Flat Island (253,26 Hektar)
  • Gabriel Island (42,21 Hektar)
  • Gunner‚Äôs Coin (76 Hektar)
  • Ilot Mariannes (4,05 Hektar)
  • √éle aux Aigrettes (26 Hektar)

Auf dem Staatsgebiet von Mauritius sind derzeit (2020) drei Gebiete entsprechend dem √úbereinkommen √ľber Feuchtgebiete, insbesondere als Lebensraum f√ľr Wasser- und Watv√∂gel, von internationaler Bedeutung (Ramsar-Konvention) definiert:

  • Rivulet Terre Rouge Estuary Bird Sanctuary (RTREBS), seit 30. September 2001
  • Blue Bay Marine Park (BBMP), seit 31. Januar 2008
  • Pointe d‚ÄôEsny, seit 16. September 2011

Städte

Die größten Städte sind (Stand 1. Juli 2016):

  1. Port Louis: 148.870 Einwohner
  2. Vacoas-Phoenix: 106.253 Einwohner
  3. Beau Bassin-Rose Hill: 104.544 Einwohner
  4. Curepipe: 79.001 Einwohner
  5. Quatre Bornes: 77.492 Einwohner

Bevölkerung

Herkunft

Etwa zwei Drittel (68¬†%) der Einwohner sind Indomauritier, stammen also vom indischen Subkontinent. Ein gro√üer Teil der √ľbrigen Bev√∂lkerung sind sogenannte Kreolen (27¬†%, Nachfahren von Sklaven aus Afrika und Madagaskar, mit anderen Gruppen, vor allem Europ√§ern, vermischt). Gut 3¬†% der Mauritier sind als Sinomauritier chinesischer Abstammung. Die wei√üe Minderheit ist etwas kleiner, etwa 2¬†% der Bev√∂lkerung sind Frankomauritier. Ureinwohner gibt es nicht, da Mauritius vor der Kolonialisierung unbewohnt war und nur gelegentlich von arabischen Seefahrern besucht wurde. Im Jahre 2017 waren 2,3¬†% der Bev√∂lkerung im Ausland geboren.

Die Lebenserwartung auf Mauritius betrug im Zeitraum von 2010 bis 2015 74,1 Jahre (Männer: 70,7 Jahre, Frauen: 77,7 Jahre). Mauritius hatte damit die höchste Lebenserwartung von allen Ländern in Subsahara-Afrika. Gleichzeitig hatte es mit 1,5 Kindern pro Frau die niedrigste Geburtenrate.


Sprachen

Morisyen, eine Kreolsprache, die auf dem Franz√∂sischen basiert, wird von fast der gesamten Bev√∂lkerung im Alltag verwendet und von √ľber 86,5¬†% als Muttersprache gesprochen (im Jahre 2000 waren es erst 70,1¬†%). Es gibt Bestrebungen, Morisyen einen offiziellen Status zu geben. Daneben wird auch ein Gemisch aus nordindischen Sprachen und Dialekten gesprochen, sowie dravidische Sprachen aus S√ľdindien, vor allem Tamil. Die am zweitmeisten gesprochene Sprache ist Bhojpuri, das dem Hindi √§hnelt und von 5,3¬†% der Bev√∂lkerung gesprochen wird (2000 noch 12,1¬†%). Die Chinesen sprechen zum Teil noch verschiedene s√ľdchinesische Dialekte. Eine weitere Sprache ist Englisch (weniger als 1¬†%), w√§hrend Franz√∂sisch weiterhin die Muttersprache (4,1¬†%) der Oberschicht ist, obwohl die Franzosen das Land schon seit √ľber 200 Jahren nicht mehr beherrschen. Die Stellung des Franz√∂sischen wird auch durch das verwandte Morisyen gest√§rkt. Das Franz√∂sische beherrscht die Massenmedien, im √∂ffentlichen Raum sind Englisch und Franz√∂sisch gleicherma√üen anzutreffen. Die offizielle Parlamentssprache ist Englisch, es darf jedoch auch Franz√∂sisch verwendet werden.

Auf Rodrigues spricht man Rodriguais, auf den Agalega-Inseln Agalega-Kreolisch.

Seit 2006 hält Mauritius auch einen Beobachterstatus in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder.

Religionen

Die am weitesten verbreitete Religion ist der Hinduismus, dem 48 % der Bevölkerung angehören. Zum Christentum bekennen sich etwa 32,7 % der Bevölkerung, wobei 26,3 % katholisch (Bistum Port-Louis und Apostolisches Vikariat Rodrigues) und etwa 6,4 % andere Christen (Protestanten) sind. Fast alle der etwa 17,3 % Muslime sind Sunniten, auch wenn es eine kleine Zahl von politisch und wirtschaftlich einflussreichen Schiiten gibt. Die Bahá'í machen gut 1 % der Bevölkerung aus. Buddhisten stellen nur noch einen kleinen Teil der Bevölkerung, und 0,7 % gehören keiner Religion an. Die große Mehrheit der Hindus und Muslime stammt von indischen Arbeitern ab, die von den Briten nach Abschaffung der Sklaverei auf die Insel geholt und auf den Zuckerrohrplantagen eingesetzt wurden.

Geschichte

Die Insel war Arabern und Malaien wohl schon im 10. Jahrhundert bekannt.

Portugiesische Zeit (1505‚Äď1598)

Entdeckt von Europ√§ern wurde die Insel 1505 (andere Quellen nennen 1507 oder auch 1510) durch den Portugiesen Pedro Mascarenhas. An ihn erinnert noch heute der Name der Inselgruppe der Maskarenen (bestehend aus Mauritius, Rodrigues und R√©union). Die Portugiesen nutzten die Insel jedoch nur als St√ľtzpunkt und nicht als Kolonie.

Niederl√§ndische Zeit (1598‚Äď1710)

Der Admiral Wybrand van Warwijck nahm die Insel 1598 f√ľr Holland in Besitz und benannte sie nach dem Prinzen Moritz von Oranien (ndl. Maurits, lat. Mauritius). Von 1598 bis 1710 war Mauritius in niederl√§ndischem Besitz. Besiedelt wurde sie erst 1638 von den Niederl√§ndern. Frankreich nahm im selben Jahr die benachbarten Inseln Rodrigues und R√©union in Besitz. Zahlreiche Gouverneure wurden als Oberh√§upter der Insel eingesetzt, doch viele Belastungen und N√∂te, wie Zyklone, D√ľrren, Sch√§dlingsplagen, Nahrungsmangel und Krankheiten forderten ihren Tribut und 1710 wurde Mauritius von den Niederl√§ndern schlie√ülich aufgegeben. In der Folgezeit setzten sich Seer√§uber auf Mauritius fest. Sie operierten immer dreister im Indischen Ozean und f√ľgten der Handelsschifffahrt erheblichen Schaden zu. Die Handelsmacht Frankreich griff ein und k√§mpfte gegen das gut organisierte Piratentum. Die Insel war fast vollst√§ndig abgeholzt und die Tierbest√§nde (wie die der Dodos) ausgerottet oder stark dezimiert.

Franz√∂sische Zeit (1715‚Äď1810)

Im Jahr 1715 wurde die Insel von den Franzosen erobert, die die Insel in ‚Äě√éle de France‚Äú umbenannten. Mah√© de Labourdonnais war von 1734 bis 1746 Gouverneur von Mauritius und gr√ľndete 1735 Port Louis und errichtete dort den Gouverneurssitz. Eigent√ľmerin des Eilands war bis zu ihrem Bankrott im Jahr 1767 die Franz√∂sische Ostindienkompanie. Sie lie√ü Zuckerrohrplantagen von Sklaven aus Ostafrika und Madagaskar anlegen und bewirtschaften. Ab 1767 war die Insel franz√∂sische Kronkolonie.

Britische Zeit (1810‚Äď1968)

1810 besetzten die Briten unter Kommodore Josias Rowley nach einem erfolgreichen Feldzug ‚Äď dem sogenannten Mauritiusfeldzug ‚Äď gegen Frankreich die Insel und benannten sie wieder in Mauritius um. Auch Rodrigues fiel dauerhaft in britische H√§nde, w√§hrend das ebenfalls eroberte R√©union nach dem Krieg an Frankreich zur√ľckgegeben wurde. Ab 1814 war Mauritius britische Kronkolonie und geh√∂rte zum Britischen Weltreich. Die britischen Besatzer nahmen nur wenig Einfluss auf Geschehen und Verh√§ltnisse auf der Insel. Viele Einfl√ľsse der Franzosen blieben daher erhalten, wie zum Beispiel der Code civil Napoleons und die franz√∂sische Sprache.

Unter den Briten setzte im 19. Jahrhundert jedoch eine Masseneinwanderung aus Indien ein, nachdem die britische Kolonialmacht ab 1835 die Sklaverei verboten hatte und die Mehrzahl der freigelassenen Sklaven nicht mehr bereit waren, f√ľr die Kolonialherren auf den Feldern zu arbeiten. Ab 1871, als die auf den Plantagen t√§tigen Inder einen Bev√∂lkerungsanteil von sechzig Prozent erreicht hatten, wurde f√ľr sogenannte ‚ÄěKontraktarbeiter‚Äú ein Einwanderungsstopp verh√§ngt.

Wegen der Monokulturen war die Wirtschaft auf der Insel von der Entwicklung des Zuckerrohr-Weltmarktpreises besonders abh√§ngig. Die Krise der Zuckerrohrindustrie auf Mauritius Ende des 19. Jahrhunderts f√ľhrte zur Abwanderung eines gro√üen Teils seiner Bev√∂lkerung.

Trotz einer mehr als 150 Jahre dauernden britischen Herrschaft ist die Bevölkerung aufgrund der Abstammung der herrschenden Oberschicht bis heute französisch geprägt geblieben.

In der britischen Inselkolonie Mauritius war die Vertretung auf die Elite beschr√§nkt gewesen, bis die Verfassung von 1947 das Wahlrecht auf alle Frauen und M√§nner √ľber 21, die lesen und schreiben konnten, ausweitete. Damit war das Frauenwahlrecht eingef√ľhrt. Eine neue Verfassung brachte 1959 die Einf√ľhrung des allgemeinen Wahlrechts f√ľr Erwachsene.

Das britische Colonial Office internierte j√ľdische Fl√ľchtlinge vor der Schoa, die mit dem Mittelmeerschiff Atlantic angereist waren, von 1940 bis 1945 in einem ehemals napoleonischen Gef√§ngnis im Beau Bassin, wenige Kilometer s√ľdlich von Port Louis.

Unabhängigkeit seit dem 12. März 1968

Ab 1958 bereitete Großbritannien Mauritius zusammen mit Rodrigues auf seine Selbstständigkeit vor. Das allgemeine Wahlrecht und politische Autonomie wurden eingeräumt. Nach 150 Jahren britischer Herrschaft wurde Mauritius am 12. März 1968 unabhängig und trat dem Commonwealth bei. Das Frauenwahlrecht wurde bestätigt.

Erster Premierminister wurde der F√ľhrer der Arbeiterpartei, Sir Seewoosagur Ramgoolam, der Mauritius in den ersten 14¬†Jahren seiner Unabh√§ngigkeit regierte.

Am 12. M√§rz 1992 wurde Mauritius nach Einf√ľhrung einer neuen Verfassung eine Republik.

Von 1995 bis 2000 und von 2005 bis 2014 war Seewoosagur Ramgoolams Sohn Navin Ramgoolam Premierminister.

Politik

Politisches System

Repräsentative Demokratie

Seit der Unabh√§ngigkeit ist Mauritius eine der wenigen stabilen repr√§sentativen Demokratien in Afrika mit freien Wahlen und Garantien f√ľr Menschenrechte innerhalb des Staates. Im Demokratieindex 2020 belegt Mauritius Platz 20 von 167 L√§ndern, womit das Land der einzige afrikanische Staat ist, der als ‚Äěvollst√§ndige Demokratie‚Äú gilt.

Nationalversammlung

Die Nationalversammlung von Mauritius besteht aus mindestens 62 und maximal 70¬†Mitgliedern. Diese werden alle f√ľnf Jahre in den 21¬†Wahlbezirken (engl. constituencies) gew√§hlt. Jeder Bezirk stellt drei Abgeordnete, mit Ausnahme von Rodrigues, das zwei stellt. Die restlichen acht sind die ‚Äěbesten Verlierer‚Äú aller Bezirke, die bestimmten im ‚Äěnormalen‚Äú Wahlergebnis unterrepr√§sentierten Ethnien angeh√∂ren m√ľssen. Die Sinnhaftigkeit des Best Loser Systems, das auf einer Volksz√§hlung der 1970er Jahre fu√üt, ist umstritten und k√∂nnte im Zuge einer diskutierten Wahlreform gestrichen werden.

Präsident

Das Staatsoberhaupt ist der Pr√§sident, der nach den Wahlen vom Parlament gew√§hlt wird. Er w√§hlt aus den Abgeordneten des Parlaments den Premierminister, der die Regierung leitet und Kandidaten f√ľr die einzelnen Minister√§mter vorschl√§gt, die dann wiederum vom Pr√§sidenten eingesetzt werden. Pr√§sident ist seit 2019 Prithvirajsing Roopun. Seine Vorg√§ngerin Ameenah Gurib-Fakim hatte das Amt seit 2015 inne und trat nach einem Korruptionsskandal im M√§rz 2018 zur√ľck. Darauf folgten ihr Barlen Vyapoory bis 2019 und Eddy Balancy bis zur √úbernahme des Amtes durch Roopun als √úbergangspr√§sidenten.

Premierminister ist seit Januar 2017 Pravind Jugnauth.

Parteien/Regierung

Die Mauritian Labour Party (MLP) regierte in der Zeit von 1947 bis 1982 durchgehend entweder alleine oder in einer Koalition. Die Allianz von Mauritian Militant Movement und Mauritian Socialist Party (MMM/PSM) gewann die Wahlen von 1982 und bekam alle 60¬†Sitze zugesprochen. 1983 liefen Politiker vom MMM zur PSM √ľber, vereinten sich zum Militant Socialist Movement (MSM) und bildeten eine Mehrheit in der Koalition mit der MLP.

Im Juli 1990 schloss sich der MSM mit dem MMM zusammen. Die Koalition gewannen bei den Wahlen im September 1991 59 der 62 direkt gewählten Sitze im Parlament. Im Dezember 1995 gewann abermals die MLP, dieses Mal aber in Koalition mit dem MMM. Nachdem der Premierminister Ramgoolam von der MLP 1997 den Koalitionspartner MMM von den Regierungsgeschäften ausgeschlossen hatte, regierte die MLP mit Hilfe von kleinen Parteien alleine weiter.

2000 gewann die Koalition aus MMM und MSM die Nationalwahlen. Trotz Auseinandersetzungen der beiden Parteien traten sie im Juli 2005 wieder gemeinsam bei den Wahlen gegen die von der MLP gef√ľhrte Soziale Allianz an. Die Soziale Allianz konnte aber ‚Äď mit 42¬†gewonnenen Sitzen ‚Äď einen √ľberragenden Sieg einfahren.

Menschenrechte

Die Menschenrechtslage ist im Rahmen der stabilen mauritischen Demokratie gut, allerdings stellt die nationale Menschenrechtskommission gelegentliche Verletzungen der Menschenrechte durch die Polizei fest. Die Strafjustiz arbeitet langsam. Presse- und Meinungsfreiheit sind gewährleistet.

Laut US-amerikanischem Au√üenministerium achtet die Regierung von Mauritius im Allgemeinen die Menschenrechte ihrer B√ľrger. Einige Punkte in Sachen Menschenrechte wurden jedoch bem√§ngelt: Folter und Misshandlung von Verd√§chtigen und Gefangenen durch Sicherheitskr√§fte, √ľberbelegte Gef√§ngnisse, Bel√§stigung und Einsch√ľchterung von Journalisten, Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen, Missbrauch und sexuelle Ausbeutung von Kindern, Diskriminierung von Menschen mit HIV/AIDS und von sexuellen Minderheiten, Beschr√§nkungen von Arbeitnehmerrechten, gewerkschaftsfeindliche Diskriminierung, Zwangsarbeit (einschlie√ülich von Kindern) sowie Kinderarbeit generell. Nach Sch√§tzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiteten im Jahr 2002 etwa 1,4¬†% der Kinder zwischen 10 und 14 Jahren.

Laut ‚ÄěPressefreiheitsindex 2020‚Äú der Reporter ohne Grenzen, einer internationalen Nichtregierungsorganisation zur Wahrung der Pressefreiheit, liegt Mauritius derzeit auf Platz 56.

Homosexuelle Handlungen sind auf Mauritius gesetzlich verboten. Der ‚ÄěSittlichkeits-Artikel‚Äú 250 sieht f√ľr gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte bis zu f√ľnf Jahre Gef√§ngnis vor. Allerdings findet das Gesetz bei einvernehmlichen Handlungen zwischen Erwachsenen nur selten Anwendung. Der Spartacus International Gay Guide warnt jedoch vor dem Risiko und empfiehlt grunds√§tzlich ein ‚Äěunauff√§lliges Verhalten‚Äú.

Verwaltungsgliederung

Neun Bezirke:

Die Insel Mauritius ist traditionell in neun Bezirke gegliedert:

F√ľr jeden Bezirk ist ein erstinstanzliches Bezirksgericht (District Court) eingerichtet. Daneben dienen die Bezirke vor allem statistischen Zwecken.

Lokale Verwaltung

Die lokale Verwaltung ist grundlegend durch das Kommunalverwaltungsgesetz vom 15. Dezember 2011 (Local Government Act) geregelt. Dieses sieht die Gliederung der Insel Mauritius in

  • 1 Gro√üstadt (City) (Port Louis),
  • 4 Landst√§dte (Towns) (Beau Bassin-Rose Hill, Curepipe, Quatre Bornes und Vacoas-Phoenix) und
  • 9 Bezirke (Districts) mit insgesamt 130 D√∂rfern (Villages) vor.

Die Selbstverwaltungsbezirke tragen zwar die Namen der traditionellen Bezirke (außer Port Louis und Plaines Wilhems), sind aber mit diesen nicht völlig deckungsgleich. So ist beispielsweise das Dorf Midlands aus dem District Plaines Wilhems dem Selbstverwaltungsbezirk Grand Port zugewiesen.

Im Einzelnen sind den Bezirken f√ľr die √∂rtliche Selbstverwaltung die folgenden D√∂rfer zugeordnet:

  • Black River: Albion, Bambous, Cascavelle, Case Noyale, Chamarel, Flic en Flac, Grande Rivi√®re Noire, Gros Cailloux, La Gaulette, Le Morne, Petite Rivi√®re, Richelieu, Tamarin
  • Flacq: Bel Air (Rivi√®re S√®che), Bon Accueil, Bramsthan, Bris√©e Verdi√©re, Camp de Masque, Camp de Masque Pav√©, Camp Ithier, Centre de Flacq, Clemencia, Ecroignard, Grand River South East, Grande Retraite, Lalmatie, Laventure, Mare La Chaux, M√©dine (Camp de Masque), Olivia, Poste de Flacq, Quatre Cocos, Queen Victoria, Saint Julien, Sebastopol, Trou d‚ÄôEau Douce
  • Grand Port: Bambous Virieux, Bananes, Beau Vallon, Bois des Amourettes, Camp Carol, Cluny, Grand Bel Air, Grand Sable, Mahebourg, Mare d‚ÄôAlbert, Mare Tabac, Midlands, New Grove, Nouvelle France, Old Grand Port, Petit Bel Air, Plaine Magnien, Quatre Soeurs, Rivi√®re des Cr√©oles, Rose Belle, Saint Hubert, Seizi√®me Mille, Trois Boutiques (Union Vale), Union Park
  • Moka: Camp Thorel, Dagoti√®re, Dubreuil, Esp√©rance, L‚ÄôAvenir, La Laura-Malenga, Melrose, Moka, Montagne Blanche, Nouvelle D√©couverte, Providence, Quartier Militaire, Ripailles, Saint Julien d'Hotman, Saint Pierre, Verdun
  • Pamplemousses: Arsenal, Baie du Tombeau, Calebasses, Congomah, Cr√®ve Coeur, D‚ÄôEpinay, Fond du Sac, Le Hochet, Long Mountain, Morcellement Saint Andr√©, Notre Dame, Pamplemousses, Plaine des Papayes, Pointe aux Piments, Terre Rouge, Triolet, Trou aux Biches, Ville Bague
  • Rivi√®re du Rempart: Amaury, Amiti√©-Gokhoola, Belle Vue Maurel, Cap Malheureux, Cottage, Esp√©rance Tr√©buchet, Goodlands, Grand Baie, Grand Gaube, Mapou, Petit Raffray, Piton, Plaine des Roches, Poudre d‚ÄôOr, Poudre d'Or Hamlet, Rivi√®re du Rempart, Roche Terre, Roches Noires, The Vale
  • Savanne: Baie du Cap, Bel Ombre, B√©nar√®s, Bois Ch√©ri, Britannia, Camp Diable, Chamouny, Chemin Grenier, Grand Bois, L‚ÄôEscalier, La Flora, Rivi√®re des Anguilles, Rivi√®re du Poste, Saint Aubin, Souillac, Surinam, Tyack

Wirtschaft

Allgemein

Die stabile politische Lage auf der Insel nach der Unabh√§ngigkeit zog in hohem Ma√üe ausl√§ndische Investoren an, was Mauritius eines der h√∂chsten Pro-Kopf-Einkommen Afrikas einbrachte. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Mauritius Platz 45 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegte das Land 2020 Platz 21 von 180 L√§ndern. Das Land ist damit eines der wirtschaftlich liberalsten in Afrika. In den letzten Jahren wurde das Wirtschaftswachstum durch Naturkatastrophen und fallende Zuckerpreise stark verlangsamt, was zu Protesten aufgrund des Lebensstandards der √ľberwiegend kreolischen Bev√∂lkerung f√ľhrte. Der Rohrzucker, der auf fast 90¬†% der kultivierten Fl√§che angebaut wird, ist eine der Hauptarbeitsquellen von Mauritius, macht aber nur 2,2¬†% des Bruttoinlandsproduktes aus. Ein mit der Europ√§ischen Union geschlossenes Abkommen sicherte den Zuckerrohrbauern lange Zeit Preise, die zuletzt um 36¬†% √ľber dem Weltmarktniveau lagen. Dieses Privileg wurde zwischen 2006 und 2015 sukzessive abgebaut. Auch die Textilindustrie, ein wichtiger Wirtschaftszweig, ist aufgrund von limitierten Exportquoten unter Druck geraten. Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Tourismus, im Jahr 2008 kamen ca. 930.000 Besucher, davon etwa 62.500 aus Deutschland.

Mauritius geh√∂rt seit dem Erlangen der Unabh√§ngigkeit im Jahre 1968 zu den etwa 25 Staaten ohne Milit√§r. Der ehemalige Milit√§rflugplatz im S√ľdosten der Insel wurde daher zu einem zivilen internationalen Flughafen umgebaut und nach dem Generalgouverneur Sir Seewoosagur Ramgoolam International Airport benannt. Der Flughafen ist gleichzeitig Heimatflughafen der staatlichen Air Mauritius.

Mauritius ist Mitglied der Afrikanischen Union sowie von COMESA und SADC. Mit Frankreich und den benachbarten Inselstaaten kooperiert Mauritius seit 1984 in der Kommission des Indischen Ozeans.

Die Arbeitslosenquote wird 2017 mit 6,9 % angegeben. Die Jugendarbeitslosigkeit wird auf 23,3 % geschätzt.

Am 28. Januar 2016 legte die EU-Kommission ein Maßnahmenpaket zur Bekämpfung von Steuerflucht vor, bei dem unter anderem Mauritius auf der schwarzen Liste der Steueroasen auftaucht.

Nach dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International lag Mauritius 2020 von 180 Ländern zusammen mit Grenada, Italien, Malta und Saudi-Arabien auf dem 52. Platz, mit 53 von maximal 100 Punkten.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (Kaufkraftparität) angeben.

Verkehr

Als √úberbleibsel der englischen Kolonialzeit gilt auf Mauritius der Linksverkehr. Der gr√∂√üte Teil des Verkehrs auf Mauritius wird √ľber das 1600¬†Kilometer lange Stra√üennetz abgewickelt, von dem der gr√∂√üte Teil asphaltiert ist. Viele Stra√üen sind jedoch eng und manche auch bauf√§llig. Von Nord nach S√ľd verl√§uft als Hauptverbindung die M2, eine Art Autobahn, von dem kleinen Badeort Grand Baie √ľber die Hauptstadt Port Louis zum internationalen Flughafen in Grand Port.

Seit dem 10. Januar 2020 besteht mit dem Metro Express ein leistungsf√§higer Schienenpersonenverkehr in der Hauptstadtregion. Diese 12,4 km lange Stadtbahn verbindet Port Louis mit Rose Hill. Im Bau ist ein zweiter Abschnitt von Rose Hill √ľber Quatre Bornes und Vacoas nach Curepipe. Nach ihrer vollst√§ndigen Inbetriebnahme, die im September 2021 vorgesehen ist, wird die Strecke 25,95 km lang sein.

Auf der Insel besteht ein enges Netz von Buslinien, die regelm√§√üig verkehren, aber durch die vielen Bus-Stopps sehr langsam vorankommen. Einige wenige Fernverbindungen kommen schneller voran. Der Sicherheitsstandard in Mauritius schreibt vor, dass im Bus nur so viele Menschen transportiert werden d√ľrfen, wie es Sitzpl√§tze gibt. Zu Sto√üzeiten warten h√§ufig Gro√üraumtaxis an den Haltestellen, um G√§ste gesammelt schneller und bequemer zu transportieren.

Taxis sind recht preiswert und werden gerne von Touristen gebucht, um Tagesausfl√ľge zu machen, da die Taxifahrer die Sehensw√ľrdigkeiten gut kennen.

Zur Insel Rodrigues gibt es tägliche Flugverbindungen.

Strukturwandel

Vor der Unabh√§ngigkeit war die Wirtschaft fast vollst√§ndig vom Zuckerrohranbau abh√§ngig. Inzwischen besteht auch eine Industrie-, Bank- und Tourismusbranche, was zu dem relativ hohen Lebensstandard f√ľhrte. Insbesondere die Edelsteinschleiferei hat sich zu einem wichtigen Industriezweig entwickelt. Die im Juli 2005 abgew√§hlte Regierung wollte Mauritius zu einem Cyber Island und Ziel von Outsourcing machen.

Produktpiraterie

Den Touristen wird wie in vielen Urlaubsl√§ndern vielerorts imitierte Markenkleidung angeboten. Oft beschr√§nken sich die Gesch√§fte auf einfache T-Shirts und Polo-Shirts und das Bedrucken oder Besticken dieser mit bekannten Markennamen. Es gibt jedoch in allen Ballungsr√§umen auch gro√üe, offiziell wirkende Gesch√§fte, die gef√§lschte Markenartikel in gro√üen Mengen und allen verf√ľgbaren Gr√∂√üen und Farben vertreiben. Dies ist auf Mauritius erlaubt, solange die Rechteinhaber ihre Warenzeichen und Designs nicht lokal sowohl beim Intellectual Property Office als auch beim Zoll angemeldet haben. Aufgrund der geringen Gr√∂√üe der Insel sind nat√ľrlich die wenigsten Firmen bereit, diesen b√ľrokratischen Aufwand auf sich zu nehmen, so dass dem Verkauf von gef√§lschter Markenkleidung kaum Einhalt auf der Insel geboten wird.

Sozialsystem

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 2,9 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 2,4 Mrd. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 3,9¬†% des BIP.
Die Staatsverschuldung betrug 2016 62,7 % des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 3,9¬†%
  • Bildung: 3,9¬†%
  • Milit√§r: 0,3¬†% (Mauritius hat kein regul√§res Milit√§r)

Kultur

Die koloniale Vergangenheit spiegelt sich auch in der Kultur wider. In allen Bereichen herrscht eine Mischung der Einfl√ľsse der beiden Kolonialm√§chte sowie Afrikas und Asiens.

K√ľche

Die kulinarische Karte von Mauritius enth√§lt Elemente aus der franz√∂sischen K√ľche, der indischen und chinesischen K√ľche sowie aus der kreolische K√ľche.

Briefmarken

Weiterhin ist Mauritius f√ľr seine erste Briefmarkenserie ber√ľhmt, die Rote und Blaue Mauritius ‚Äď im Englischen als ‚ÄěRed Penny‚Äú und ‚ÄěBlue Penny‚Äú bekannt ‚Äď, die im Blue Penny Museum in Port Louis ausgestellt werden. Sie wurden 1847 gedruckt, als Mauritius als f√ľnftes Land der Erde begann, Briefmarken zu benutzen. Diese Briefmarken sind heute sehr selten und sehr wertvoll. Das Mauritius Postal Museum in Port Louis informiert √ľber die Post- und Telekommunikationsgeschichte der Insel.

Musik

Europ√§ische Musik gelangte zuerst mit den niederl√§ndischen Kolonisten im 17. Jahrhundert auf die Insel. In den Reiseberichten von Seefahrern und in den Briefen der Niederl√§ndischen Ostindien-Kompanie (VOC) sind sp√§rliche Mitteilungen √ľber Lieder und T√§nze der Sklaven aus dieser Zeit enthalten. Die Siedlungen der Niederl√§nder waren zwar klein, dennoch scheint es gewisse √∂ffentliche Musikdarbietungen gegeben zu haben, die auch Besucher von au√üerhalb einschlie√ülich Piraten anzog. Die geflohenen Sklaven (Maroons), die im Landesinnern in halbnomadischen Gruppen lebten, pflegten musikalische Formen, aus denen der Tanzmusikstil Sega entstand.

W√§hrend der franz√∂sischen Zeit entfaltete sich neben der Milit√§rmusik eine europ√§ische klassische Musikkultur. Anfang des 18. Jahrhunderts hatte sich der Sega von den Maroons bis zu den in den Plantagen arbeitenden Sklaven √ľber die gesamte Insel ausgebreitet und wurde nachts im Verborgenen beim Schein eines Feuers aufgef√ľhrt. Um 1730 war bei den n√§chtlichen Sega-T√§nzen die bis heute √ľbliche Instrumentalbegleitung mit der Rahmentrommel ravanne, der Flo√üzither maravanne und einem Triangel zum Standard geworden.

Eine bekannte Sega-Gruppe mit dem Namen Cassiya gr√ľndete sich 1988. Neben den afrikanischen Musiktraditionen gibt es Einfl√ľsse der indischen und chinesischen Musik sowie eine westliche Pop- und Rockmusikszene. Eine popul√§re mauritisch-indische Band nennt sich Bhojpuri Boys und singt Lieder in der Sprache Bhojpuri. Eine der bekanntesten mauritischen Pops√§ngerinnen ist Linzy Bacbotte. Gl√§ubige Muslime praktizieren das aus S√ľdasien stammende Genre na`at. Dies sind Preislieder auf den Propheten Mohammed, bei denen keine Musikinstrumente zugelassen sind.

In Port Louis steht das √§lteste Opernhaus der S√ľdhalbkugel, erbaut um 1820. Damit hat Mauritius bereits eine lange Operntradition, die in der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts aber verloren gegangen ist. Das Geb√§ude ist zurzeit nicht bespielbar. Seit 2009 gibt es jedoch Bem√ľhungen, die Opernszene auf Mauritius wiederzubeleben. Der Unternehmer Paul Olsen, die S√§ngerin Katrin Caine und der Dirigent Martin Wettges setzen sich daf√ľr ein. Der Berliner F√∂rderverein Freunde der Opera Mauritius e.¬†V. unterst√ľtzt die Musikerziehung und die Umsetzung von Opernproduktionen auf Mauritius sowie die Restaurierung des Operngeb√§udes. Der mauritische Verein Friends of OperArts f√∂rdert den Nachwuchs und organisiert Konzerte. Es gibt inzwischen mehrere Ch√∂re, darunter den Erwachsenenchor Cantiamo! und die Kinderch√∂re Rainbow Voices geleitet von Katrin Caine, das L'Ensemble 415 und den Musikkindergarten Vent D'un R√™ve.

Bisher hat es seit 2009 folgende Opernproduktionen gegeben: Carmen (2010), Hansel and Gretel (2011), La Traviata (2012), Dido and Aeneas (2013), Orph√©e aux Enfers (2014,) und zuletzt wurde im Oktober 2018 Franz Leh√°rs Operette La Veuve joyeuse aufgef√ľhrt.

Auf Mauritius gibt es seit 1987 das Conservatoire Fran√ßois Mitterrand. 2017 gr√ľndete sich dar√ľber hinaus das Indian Ocean Symphonic Orkestra (IOSO), ein Zusammenschluss von Musikern von La R√©union, Mauritius und Madagaskar. Hier√ľber √§u√üert sich ein musikalischer Austausch, der bereits auch auf anderen (musikalischen) Ebenen zwischen den Inseln stattfindet.

Literatur

Der franz√∂sische Schriftsteller Jacques-Henri Bernardin de Saint-Pierre lebte von 1768 bis 1771 auf der Insel. 1788 erschien sein Roman Paul et Virginie, in dem er eine Liebesgeschichte erz√§hlt, die auf der Insel spielt und damit die Insel in der franz√∂sisch sprechenden Welt ber√ľhmt machte.

Der 1843 erschienene Roman Georges von Alexandre Dumas dem √Ąlteren spielt auf Mauritius in der Zeit von 1810 bis 1824. Dumas machte darin Rassismus und Sklaverei in der franz√∂sischen Kolonie und die Eroberung der Insel durch die Briten zum Thema. Er setzte in dem Roman bereits viele der Ideen und erz√§hlerischen Elemente ein, die seine sp√§ter entstandenen Romane wie z. B. Der Graf von Monte Christo auszeichnen.

Kulturdenkmäler

Sport

Die Insel bietet ein reichhaltiges Sportangebot sowohl f√ľr Einheimische als auch f√ľr Touristen. Die geografischen Gegebenheiten beg√ľnstigen Bergwandern, Tauchen, Schnorcheln, Fischen, Jagen, Segeln, Surfen und Kitesurfen. In Saint-Pierre befindet sich der C√īte d‚ÄôOr National Sports Complex mit einer Mehrzwecksporthalle, einem Wassersportzentrum, einem Fu√üball- und einem Leichtathletikstadion.

Mauritius war bereits zweimal Austragungsland der Leichtathletik-Afrikameisterschaften. In Port Louis finden zudem seit 2010 jährlich im November die Mauritius Speedminton Open statt. Im Radsport finden die Ergebnisse der Tour de Maurice internationale Beachtung.

Die Mauritische Fußballnationalmannschaft bestreitet seit 1947 Länderspiele.

Die reichen Korallenriffe von Mauritius ziehen viele Taucher und Schnorchler an. Mauritius ist bekannt f√ľr seine Riesenmur√§nen und eine gro√üe Vielfalt an Muscheln und Wasserschnecken.

Von Juni bis August versprechen die Windstatistiken f√ľr die Kite-Spots 85¬†% Gleitwind √ľber 4 Beaufort, die mittlere Wasser- und Lufttemperatur liegt bei 25¬†¬įC. Der Spot bei Le Morne bietet durch das weit im Meer liegende Riff in der davon eingeschlossenen Ladicke ein sehr gro√ües Flachwasser und Steh-Revier.

Der Champ de Mars in Port Louis ist die √§lteste Pferderennbahn auf der S√ľdhalbkugel.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter:

  • Malcolm de Chazal (* 1902 Port St. Louis/Mauritius, ‚Ć 1981 Curepipe/Mauritius), Schriftsteller, Maler
  • Jean-Paul ‚ÄěBluey‚Äú Maunick (* 1957), Gitarrist, Komponist und Musikproduzent sowie Gr√ľnder und Mitglied der britischen Acid-Jazz-Band Incognito
  • Jerry L√©onide (* 1984), franz√∂sischer Jazzpianist

Personen mit Beziehung zu Mauritius:

  • Jean-Marie Gustave Le Cl√©zio (* 1940 in Nizza), Schriftsteller, Literatur-Nobelpreistr√§ger, franz√∂sischer und mauritischer Staatsb√ľrger mauritischer Abstammung, verbrachte einen gro√üen Teil seiner Kindheit hier und sieht sich selbst als Franko-Mauritier

Galerie

Literatur

  • Wolfgang D√§rr: Mauritius. 3., aktualisierte Auflage, Dumont Reiseverlag, Ostfildern 2015, ISBN 978-3-7701-7783-7.
  • Die Entdeckung und Beschreibung der Insel Mauritius in deutschsprachigen Texten, 17. bis 19. Jahrhundert. In: Ulrich van der Heyden, Cornelia Beyer (Hrsg.): Cognoscere Historias. Band¬†24. Edition Falkenberg, Bremen 2015, ISBN 978-3-95494-093-6.¬†
  • Hermann M√ľckler: Ringen um Geschlossenheit und Identit√§t ‚ąí Kreolkultur in Mauritius. Anmerkungen zu Geschichte, Ethnizit√§t und politischer Verortung einer ethnischen Minderheit. In: Werner Zips (Hrsg.): Afrikanische Diaspora: out of Africa. Reihe Afrika und ihre Diaspora. Band¬†1. LIT, Hamburg 2003, ISBN 3-8258-3971-0, S.¬†151‚Äď172.¬†
  • Walter Schicho: Zentralafrika, S√ľdliches Afrika und die Staaten im Indischen Ozean. In: Handbuch Afrika. Band¬†1. Brandes und Apsel, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-86099-120-5.¬†
  • Ulrich Quack: Mauritius/La R√©union. Iwanowski, Dormagen 1998, ISBN 3-923975-20-1.¬†
  • Kay Maeritz: Mauritius mit R√©union. Bruckmann, M√ľnchen 1997, ISBN 3-7654-3044-7.¬†
  • Alain Proust, Alain Mountain: Mauritius. New Holland, 1995, ISBN 90-5390-658-4.¬†
  • Malo Guderjahn: Mauritius (und R√©union). Goldstadtverlag, Pforzheim 1982, ISBN 3-87269-234-8.¬†

Weblinks

  • Staatliches Internetportal der Republik Mauritius
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Mauritius
  • Staatliche Incoming-Agentur f√ľr Tourismus nach Mauritius

Einzelnachweise


 

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Flagge: Mauritius

Name englisch: Mauritius
Hauptstadt: Port Louis
Kfz: MS
ISO: MU
ISO3: MUS
Fläche: 2040 km²
Tld: .mu
Wärung Einheit: MUR
Währung: Rupee
Vorwahl: 230

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: -10.3192548
südlichster Punkt: -20.5255121
westlichster Punkt: 56.5127181
östlichster Punkt: 63.5035945


 
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