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Staat Informationen : Pitcairn

Informationen:


Pitcairn ist die Hauptinsel der Pitcairninseln (englisch Pitcairn Islands) und liegt im Pazifik, etwa 5000¬†km von Neuseeland und rund 5400¬†km von S√ľdamerika entfernt. Sie ist die einzige bewohnte Insel des Archipels. Weitere Inseln der Gruppe sind Oeno mit dem dazugeh√∂rigen winzigen Sandy Island, Henderson und das Atoll Ducie. In der Kreolsprache, dem Pitcairn-Englisch, hei√üt sie Pitkern.

Pitcairn wurde am 2. Juli 1767 von dem Seekadetten Robert Pitcairn, Sohn des Marineoffiziers John Pitcairn, entdeckt und ist seit 1838 britische Kronkolonie bzw. britisches Überseegebiet. Die Pitcairninseln sind die letzte britische Kolonie im Pazifik.

Die Einwohner der Hauptinsel sind zu einem Teil Nachfahren der Meuterer von der Bounty und ihrer polynesischen Frauen. Hier wurde 1838 das erste nachhaltige Frauenwahlrecht eingef√ľhrt.

Geographie

Die 4,5¬†km¬≤ gro√üe Insel liegt isoliert im S√ľdpazifik. Die n√§chstgelegenen bewohnten Inseln sind im Osten die Osterinsel in 2000¬†km Entfernung und im Westen die Gambierinseln in 500¬†km Entfernung.

Pitcairn ist der √úberrest eines geologisch jungen Schildvulkans, der aus Alkaliolivinbasalt, Hawaiit, Mugearit und Trachyt besteht. Die heutige Insel entstand in mehreren Ausbruchsphasen ungef√§hr zwischen 0,93¬†Mio. und 0,45¬†Mio. Jahren BP. Im Gegensatz zu vielen anderen Inseln des S√ľdpazifiks fehlt der umgebende Korallensaum, sodass eine starke Brandung die ungesch√ľtzte K√ľste erreicht. Der Inselsockel ist schmal und f√§llt abrupt bis in Tiefen von √ľber 3000¬†Meter ab. Die steilen Klippen der Insel erheben sich unmittelbar aus dem Meer, eine K√ľstenebene oder einen Strand gibt es nicht. Dar√ľber befindet sich ein stark profiliertes Plateau mit den besiedelten und kultivierten Fl√§chen. Die h√∂chste Erhebung, Pawala Valley Ridge, liegt 347 Meter √ľber dem Meeresspiegel.

Vulkanische Schlacke verursacht die auffallend rote F√§rbung des Bodens. Die Erde ist fruchtbar und das feucht-subtropische Klima mit ergiebigen Regenf√§llen beg√ľnstigt √ľppiges Wachstum. Die Niederschlagsmenge ist mit j√§hrlich etwa 1700¬†mm ungef√§hr zwei- bis dreimal so hoch wie in Deutschland; die monatlichen Niederschl√§ge weisen betr√§chtliche jahreszeitliche Unterschiede auf. In manchen Sommern kann es zu l√§nger dauernden Trockenperioden kommen. Die Temperaturen liegen je nach Jahreszeit zwischen 13 und 28¬†¬įC.

Ganzj√§hrig flie√üende B√§che, Fl√ľsse und Seen fehlen, sodass die Einwohner zur Wasserversorgung auf Zisternen angewiesen sind. Inzwischen hat es auch einen Versuch gegeben, nach Grundwasser zu bohren.

Die einzige Ansiedlung ist das auf dem Hochplateau oberhalb der Bounty Bay gelegene Adamstown, in dem sämtliche Einwohner der Insel wohnen.

Flora und Fauna

Flora

Weite Bereiche von Pitcairn sind durch menschliche Eingriffe gepr√§gt, verbuscht und mit nichtheimischer Flora bedeckt. Weitere Gebiete sind als landwirtschaftliche Kulturfl√§chen angelegt und gro√üfl√§chig mit Rosenapfel (Syzygium jambos) bepflanzt, einem urspr√ľnglich aus Asien stammenden, immergr√ľnen Myrtenstrauch, der bis zu 15 Meter hoch werden kann. Heimischer Pflanzenwuchs bedeckt inzwischen nicht einmal mehr 30 Prozent der Oberfl√§che, √ľberwiegend Steillagen und abgelegene T√§ler. Eine Untersuchung durch Mitarbeiter des botanischen Institutes des Trinity College in Dublin aus dem Jahr 2002 f√ľhrt 81 heimische (davon 10 endemische), aber 250 durch den Menschen eingef√ľhrte Pflanzenarten auf. 18 Arten z√§hlen zu den weltweit bedrohten. Die heimische Flora Pitcairns stammt urspr√ľnglich aus S√ľdost-Polynesien, durch die isolierte Lage und das relativ junge geologische Alter der Insel ist sie allerdings im Vergleich zu derjenigen anderer polynesischer Inseln eher unterentwickelt.

Die Reste des heimischen Waldes ‚Äď den man zu den subtropischen Bergnebelw√§ldern z√§hlen kann ‚Äď werden vom endemischen Baum Homalium taypau dominiert, von den Insulanern Sharkwood Tree genannt, weil sich aus dem Holz Schnitzereien (Haie und Delfine) herstellen lassen. In abgelegenen, schattigen Taleinschnitten findet sich ein ausgedehnter Bewuchs mit Farnen. Endemisch und inzwischen sehr bedroht ist der zu den Wurmfarngew√§chsen (Dryopteridaceae) geh√∂rende Ctenitis cumingii.

Eine weitere endemische Pflanze ist der zu den Korbbl√ľtlern z√§hlende Bodendecker Bidens mathewsii, der √ľberwiegend in den Kliffs der S√ľdostk√ľste w√§chst.

Im Norden und Osten der Insel sind die verbuschten Flächen von Hibiskus sowie Pandanusbäumen durchsetzt, deren Blätter von den Insulanern zu allerlei Flechtwerk verarbeitet werden.

Zu den kultivierten Pflanzen geh√∂ren Kokospalme, Ananas, Zitruspflanzen, Banane, Papaya, Melone, Guave (die inzwischen ausgewildert ist), Zuckerrohr, Yams, Taro, S√ľ√ükartoffel und Brotfruchtbaum.

Fauna

Die urspr√ľngliche Fauna an Land beschr√§nkt sich auf Insekten, Schnecken und kleine Reptilien. Alle anderen Tiere wurden vom Menschen eingef√ľhrt. Eine gro√üe Plage ist inzwischen ‚Äď seit sie ausgewildert ist und nicht mehr kontrolliert als Nahrungstier gehalten wird ‚Äď die von den ersten polynesischen Siedlern eingef√ľhrte Pazifische Ratte (Rattus exulans). F√ľr den Menschen gef√§hrliche Tiere oder Krankheits√ľbertr√§ger gibt es nicht. Die seit Besiedlung durch die Meuterer auf der Insel gehaltenen Schweine wurden ausgerottet, nachdem Siebenten-Tags-Adventisten, die Schweine f√ľr unrein halten, die Inselbewohner missioniert und Ende 1890 s√§mtliche Einwohner getauft hatten.

Pitcairn verf√ľgt √ľber eine interessante, aber nicht sehr artenreiche Vogelwelt. Einzigartig und zugleich bedroht ist der Pitcairnrohrs√§nger (Acrocephalus vaughani), ein zu den Sperlingsv√∂geln z√§hlender, f√ľr Pitcairn endemischer Landvogel.

Insbesondere auf den vorgelagerten steilen Klippen nisten zahlreiche Arten von Seevögeln in großen Populationen. Eine vollständige Bestandsaufnahme steht noch aus.

Wegen des Fehlens eines Korallensaumes √ľberwiegen in der Umgebung Pitcairns Hochseefische und Riffbewohner. Die unregelm√§√üig erscheinende Inselzeitung ‚ÄěThe Pitcairn Miscellany‚Äú listet akribisch auf, welche und wie viele Fische die Bewohner gefangen haben. Darunter befinden sich haupts√§chlich Haie, Doraden, Barrakudas, Red Snapper, Thunfische und gelegentlich ein Marlin. Am Schelf gibt es Hummer und Langusten. Einmal im Jahr kommen Buckelwale auf ihrem Zug durch den Pazifik vorbei.

Geschichte

Vorgeschichte

Die Vorgeschichte Pitcairns liegt weitgehend im Dunkeln. Man nimmt heute an, dass Pitcairn um 1000 n.¬†Chr. von der nordwestlich gelegenen Insel Mangareva aus im Rahmen der polynesischen Expansion nach Osten besiedelt wurde. Auf Mangareva wird die Legende von Mataki-te-rangi erz√§hlt, einer Insel im S√ľdosten, die von den H√§uptlingen kolonisiert und mit Brotfruchtb√§umen bepflanzt worden sei. Beim Betreten der Insel Pitcairn im Jahr 1790 fanden die Meuterer der Bounty tats√§chlich zahlreiche Brotfruchtb√§ume vor. Das wesentliche Indiz f√ľr eine fr√ľhere Besiedlung durch Polynesier sind aber sorgf√§ltig gearbeitete Steinwerkzeuge aus schwarzem Basalt, die heute noch gelegentlich bei der Feldarbeit aufgefunden werden und in dem kleinen Museum von Pitcairn ausgestellt sind.

Als die Meuterer der Bounty die Insel betraten, waren noch Spuren der Ureinwohner sichtbar, darunter Standbilder, die, obwohl weniger kunstfertig bearbeitet, der Beschreibung nach eine gewisse √Ąhnlichkeit mit Bildwerken der Marquesas und der Osterinsel aufwiesen. √úberreste davon konnte der britische Forscher Frederick William Beechey noch finden, als er im Rahmen einer S√ľdseeexpedition 1826 die Insel Pitcairn besuchte. Er schreibt dazu:

Der belgische Gesch√§ftsmann und Ethnologe Jacques-Antoine Moerenhout, der noch die Gelegenheit hatte, mit John Adams, dem letzten √ľberlebenden Meuterer, zu sprechen, beschreibt offensichtlich die gleiche Zeremonialplattform, allerdings in einem bereits weit verfalleneren Zustand:

Moerenhout berichtet weiterhin, aus Gesprächen mit den Bewohnern von Pitcairn habe er erfahren, dass man in der jetzt zerstörten Plattform ein Skelett aufgefunden habe, dessen Schädel auf die Schale einer großen Perlenauster (die auf Pitcairn nicht vorkommt) gebettet war. Außerdem habe man auf der Insel steinerne Hausfundamente und mit Steinen ausgekleidete Erdöfen gefunden.

Katherine Routledge, die Pitcairn im August 1915 besuchte, berichtet von insgesamt drei Marae auf Pitcairn. Einer davon, von dem sie noch √úberreste auffinden konnte, befand sich auf dem St.¬†Paul‚Äôs Point an der Ostk√ľste, einer signifikanten Anh√∂he, die die Bounty Bay √ľberragt. Sie beschreibt die Anlage als Erdaufsch√ľttung von 4¬†m H√∂he, zu der eine mit gro√üen Strandkieseln verkleidete, ansteigende Erdrampe von 11¬†m L√§nge f√ľhrte. Insoweit besteht Vergleichbarkeit mit Bauformen auf der Osterinsel. Nach den Berichten der Bewohner sollen auf der Plattform urspr√ľnglich drei Steinstatuen gestanden haben.

1934/35 hielt sich eine franz√∂sisch-belgische Expedition unter der Leitung von Alfred M√©traux, die von der Osterinsel kam, auf Pitcairn auf. Der belgische Arch√§ologe Henri Lavachery, Mitglied dieser Expedition, untersuchte bei ‚ÄěDown-Rope‚Äú, einer Bucht im S√ľden der Insel mit einer von den Ureinwohnern genutzten Lagerst√§tte von Obsidian, Felsritzungen mit Darstellungen von Tieren, Menschen und grafischen Symbolen. Die Petroglyphen an dieser schwer zug√§nglichen Stelle, deren Name darauf hinweist, dass man sich abseilen musste, um dorthin zu gelangen, sind auch heute noch auffindbar. Lavachery erkundete au√üerdem drei Standorte von Zeremonialplattformen, die ihm von den Insulanern genannt wurden. Es waren jedoch nur noch geringe Spuren der Bauwerke zu erkennen. Unter dem Haus von Norris Young fand er aber eine Statue, ein kopfloses Fragment von 79¬†cm H√∂he und 30¬†cm Durchmesser aus por√∂sem Tuffstein, die Young als St√ľtze f√ľr den Fu√üboden benutzte. Der menschliche Torso endet, √§hnlich wie die Moai der Osterinsel, unterhalb des Nabels. Die beiden √ľbergro√üen H√§nde bedecken das Abdomen, auch dies eine Parallele zu den Statuen der Osterinsel. Die Figur hatte Young am Fu√ü der Klippen in der Bounty Bay gefunden. Sie geh√∂rte vermutlich zu einer der von Moerenhout und Routledge beschriebenen, inzwischen zerst√∂rten Zeremonialplattformen. Die Skulptur ist das einzige erhaltene Bildwerk von den Ureinwohnern der Pitcairn-Inseln und befindet sich heute im Otago-Museum, Dunedin, Neuseeland.

Auf der Basis der vorliegenden Berichte ist nicht zu ermitteln, wie viele Steinstatuen es urspr√ľnglich auf Pitcairn gegeben hat. Lavachery vermutete drei oder vier. Der Arch√§ologe Arne Skj√łlsvold, der 1956 mit der ‚ÄěNorwegischen Arch√§ologischen Expedition zur Osterinsel und in den Ostpazifik‚Äú von Thor Heyerdahl nach Pitcairn kam, nimmt an, es seien urspr√ľnglich deutlich mehr gewesen.

Der Arch√§ologe Marshall Weisler von der University of Otago in Neuseeland hat im Rahmen neuerer Forschungen Handelsbeziehungen zwischen Mangareva, Pitcairn und Henderson nachgewiesen. Seine Forschungen belegen den Export von Austernschalen zur Fertigung von Schmuck und Angelhaken von Mangareva nach Pitcairn und Henderson einerseits und den Import von Steinwerkzeugen aus Pitcairn sowie wahrscheinlich Vogelfedern und Meeresschildkr√∂ten aus Henderson andererseits. Das dicht besiedelte Mangareva d√ľrfte die Drehscheibe f√ľr diesen Dreieckshandel gewesen sein, der auch die Tuamotu- und Austral-Inseln umfasste. Die Handelsbeziehungen endeten um 1450 n.¬†Chr., die Gr√ľnde daf√ľr lassen sich nicht mehr ermitteln. Der Evolutionsbiologe Jared Diamond vermutet in seinem Buch Kollaps eine von Menschen ausgel√∂ste √∂kologische Katastrophe auf Mangareva als Ursache; Weisler und Walter nennen durch √úberbev√∂lkerung und Ressourcenmangel ausgel√∂ste soziale Spannungen als Gr√ľnde. Pitcairn wurde vermutlich im Verlauf des 17. Jahrhunderts verlassen; als die Insel erstmals von Europ√§ern aufgesucht wurde, war sie bereits unbewohnt.

Entdeckungsgeschichte

Das erste europäische Schiff, das Pitcairn erreichte, war 1767 die HMS Swallow unter Kapitän Philipp Carteret. Er benannte die Insel nach dem Seekadetten Robert Pitcairn, der sie zuerst gesichtet hatte.

Die von Carteret angegebene Position ist sowohl in der L√§ngen- als auch in der Breitenbestimmung ungenau. Dies f√ľhrte dazu, dass die Insel zwar in den Seekarten verzeichnet war, jedoch weitab von der tats√§chlichen Position.

James Cook hatte Carterets Logbuch gelesen und beabsichtigte, auf seiner zweiten S√ľdsee-Expedition 1773 die Insel aufzufinden. Das Auftreten von Skorbut auf dem Begleitschiff Adventure verhinderte jedoch eine langwierige Suche, und Cook lief stattdessen direkt Tahiti an.

Die Meuterer der Bounty

Fletcher Christian, der Anf√ľhrer der Meuterei, kannte ebenfalls Carterets Bericht und hielt die Insel f√ľr den geeigneten Zufluchtsort vor den britischen Schiffen, die die Admiralit√§t zur Festnahme der Meuterer entsenden w√ľrde. Die insgesamt neun Europ√§er, sechs polynesischen M√§nner und zw√∂lf polynesischen Frauen sichteten die felsige Insel am 15.¬†Januar 1790. Die acht Briten, die Christian begleiteten, waren der Seekadett Edward ‚ÄěNed‚Äú Young, die Matrosen John Adams alias Alexander Smith, Isaac Martin, William McCoy, John Mills, Matthew Quintal, John Williams und der zweite G√§rtner William Brown. Sie konnten aber wegen der starken Brandung erst drei Tage sp√§ter mit einem Beiboot anlanden.

Christian erkundete mit zwei Gef√§hrten die Insel zwei Tage lang und fand sie unbewohnt, aber bewohnbar. Es gab Kokospalmen und Brotfruchtb√§ume, und er fand Anzeichen fr√ľherer polynesischer Besiedlung. Schweine, Ziegen, H√ľhner, Yamswurzeln und S√ľ√ükartoffeln wurden auf der Bounty mitgef√ľhrt. Er fand in der heutigen Bounty Bay die einzige geeignete Landungsstelle f√ľr die Bounty. Ausr√ľstungsgegenst√§nde und brauchbare Schiffsteile wurden in den folgenden zwei Tagen an Land gebracht. Aus der Siedlung, die die Meuterer bereits am ersten Tag oberhalb der Bounty Bay errichteten, entstand das heutige Adamstown.

Nach l√§ngeren Debatten steckte der Matrose Matthew Quintal am 23.¬†Januar 1790 aus eigenem Entschluss das Schiff in Brand, um eine Entdeckung auszuschlie√üen. Das Zusammenleben der Siedler orientierte sich an den Wertvorstellungen der Europ√§er, was von Anfang an Konflikte verursachte. Jeder Europ√§er hatte eine Gef√§hrtin; die sechs Polynesier mussten sich die √ľbrigen drei Frauen teilen und wurden eher wie Sklaven behandelt.

Als die Frau des Schmiedes John Williams starb und er sich eine der drei den Polynesiern ‚Äěgeh√∂renden‚Äú Frauen aneignete, eskalierte der Konflikt. Am 20.¬†September 1793 t√∂teten die Polynesier Williams und drei weitere Meuterer, am 3.¬†Oktober ermordeten sie Fletcher Christian. Diese Tat zog weitere Racheakte nach sich. Bald darauf waren alle polynesischen M√§nner und eine Frau get√∂tet. 1794 lebten nur noch Young, der inzwischen die F√ľhrung √ľbernommen hatte, Adams, Quintal, McCoy, zehn Frauen und deren Kinder.

Der Schotte McCoy begann, aus der zuckerhaltigen Wurzel der Keulenlilie (Cordyline fruticosa, polynesisch: ti; aus den verbrannten Blättern dieser Pflanze stellten die Polynesier die Tätowierfarbe her) Schnaps zu brennen, verfiel dem Alkohol und starb bei einem Sturz von den Klippen. Nachdem der ebenfalls dem Alkohol verfallene, gewalttätige Quintal gedroht hatte, alle Kinder umzubringen, beseitigten ihn 1799 Young und Adams gemeinsam.

Als Edward Young am 25. Dezember 1800 an Asthma starb, blieb John Adams als einziger erwachsener Mann √ľbrig, zusammen mit zehn Polynesierinnen und inzwischen 23 Kindern der Europ√§er. Die polynesischen M√§nner hatten keine Nachkommen hinterlassen. Young hatte kurz vor seinem Tod dem ungebildeten Adams anhand der Schiffsbibel der Bounty das Lesen beigebracht. Adams las t√§glich in der Bibel, begann ein gottesf√ľrchtiges Leben, verbot den Alkohol und hielt regelm√§√üige Gottesdienste ab. Am 5. M√§rz 1829 starb er als angesehenes Oberhaupt der kleinen Gemeinde eines nat√ľrlichen Todes.

Die Admiralit√§t hatte im November 1790 die Fregatte HMS Pandora unter Captain Edward Edwards ausgesandt, um die Meuterer aufzusp√ľren und festzunehmen. Auf der Hinreise kam Edwards zwar der Insel Pitcairn nahe, sichtete sie jedoch nicht. Er segelte nach Tahiti und nahm alle vierzehn noch dort lebenden Mannschaftsmitglieder der Bounty gefangen. Auf der R√ľckreise durchkreuzte das Schiff die weiter westlich gelegenen polynesischen Inseln auf der erfolglosen Suche nach weiteren Meuterern. Am Great Barrier Reef, vor der Nordostk√ľste von Australien, lief die Pandora im August 1791 auf ein Korallenriff und sank. Dabei ertranken vier der Gefangenen, die zehn √ľberlebenden M√§nner der Bounty erreichten im September Timor und wurden von dort nach Portsmouth gebracht, wo ihnen im September 1792 der Prozess gemacht wurde. Drei wurden geh√§ngt, die anderen freigesprochen bzw. begnadigt.

Wiederentdeckung

Wiederentdeckt wurde Pitcairn von Mayhew Folger, einem amerikanischen Robbenj√§ger, der auf seinem Schiff Topaz am 6.¬†Februar 1808 eine Insel sichtete, die es auf dieser Position eigentlich nicht geben durfte. Nach der Beschreibung vermutete er, dass er Carterets Insel entdeckt hatte. Allerdings wunderte er sich √ľber den Rauch auf der als unbewohnt beschriebenen Insel. Als die Topaz in der Bounty Bay ankerte, ruderten drei junge Inselbewohner zum Schiff, die Folger auf Englisch mitteilten, dass sie Nachkommen der Bounty-Meuterer seien. Folger war einige Tage Gast in der 35 Personen z√§hlenden Kolonie und f√ľhrte mit Adams lange Gespr√§che. Zum Abschied schenkte ihm Adams den Kompass und den Kendall-Chronometer der Bounty. Folgers Bericht, den er nach seiner R√ľckkehr an die britische Admiralit√§t sandte, stie√ü aber dort wegen der Napoleonischen Kriege auf wenig Interesse.

Eingliederung in das Vereinigte Königreich

Am 17.¬†September 1814 kamen die beiden Kriegsschiffe HMS Briton und HMS Tagus vor Pitcairn an. Die Kapit√§ne Staines und Pipon, die von der Entdeckung Folgers sechs Jahre zuvor nichts wussten, waren beeindruckt von der friedlichen und gottesf√ľrchtigen Gemeinschaft, die sie vorfanden. Adams wollte freiwillig mit nach England zur√ľcksegeln und sich dem Seegericht stellen, aber die Bewohner flehten die Kapit√§ne an, ihn auf der Insel zu lassen. In seinem sp√§teren Bericht an die Admiralit√§t schrieb Staines, dass es ein Akt von gro√üer Grausamkeit gewesen w√§re, den letzten noch lebenden Meuterer gefangen zu nehmen.

In den Folgejahren gab es weitere Besuche. Walf√§nger nutzten die M√∂glichkeit, sich mit frischem Gem√ľse zu versorgen. In den Berichten, die sporadisch in der Presse erschienen, wurde die isolierte Gemeinschaft romantisch verkl√§rt und daher von frommen Spendern mit Bibeln, Gesang- und Gebetb√ľchern, aber auch mit Hausrat und Werkzeug versorgt. Im Jahr 1823 blieb als erster neuer Siedler nach den Meuterern der Schiffszimmermann John Buffet auf der Insel; 1828 kam George Nobbs, angeblich der uneheliche Sohn eines Marquis, der sich als Prediger etablierte.

Im M√§rz 1831 wurden alle Bewohner nach Tahiti evakuiert, nachdem Bef√ľrchtungen einer drohenden √úberv√∂lkerung und einer damit einhergehenden Hungersnot dazu gef√ľhrt hatten, dass sich die britischen Kolonialbeh√∂rden um einen alternativen Siedlungsort bem√ľhten. Dem Angebot, nach Tahiti zu gehen, folgten schlie√ülich alle Bewohner. Nachdem dort etliche Pitcairner, darunter Fletcher Christians Sohn Thursday October, an Infektionskrankheiten gestorben waren, kehrten 65 √úberlebende bereits im September 1831 auf ihre isolierte Insel zur√ľck.

Im Oktober 1832 landete der amerikanische Abenteurer Joshua Hill auf Pitcairn, gab sich als Gesandter der britischen Regierung aus und lie√ü sich zum Pr√§sidenten des kleinen Gemeinwesens ausrufen. In der Folge √ľbte er eine diktatorische Herrschaft √ľber die Inselbewohner aus und verh√§ngte harte Strafen schon f√ľr kleine Vergehen. Nachdem offenbar geworden war, dass seine Behauptung, die britische Regierung zu vertreten, unwahr war, musste Hill die Insel verlassen und wurde 1837 mit einem Schiff der Royal Navy nach Valpara√≠so abgeschoben.

Aufgrund dieser Erfahrung und wegen vermehrter √úbergriffe von auf der Insel gelandeten Walf√§ngern strebten die Bewohner den Schutz der britischen Krone an. Mit Unterst√ľtzung des Kapit√§ns der britischen Sloop Fly, Russell Elliott, formulierten sie eine Verfassung f√ľr die Inselgemeinschaft, die am 30.¬†November 1838 an Bord der Fly unterzeichnet wurde. Mit dem British Settlements Act vom 16. September 1887 wurde Pitcairn dem Britischen K√∂nigreich auch de jure unterstellt.

Emigration auf die Norfolkinsel

1856 hatte Pitcairn bereits 194 Einwohner, mit zunehmender Tendenz. Da man nach einigen Naturkatastrophen bef√ľrchten musste, die inzwischen betr√§chtlich angewachsene Inselgemeinde k√∂nne sich nicht mehr selbst ern√§hren, wurde die Insel 1856 erneut evakuiert. Dieses Mal wurden die Bewohner auf die 6000 Kilometer westlich gelegene, heute zu Australien geh√∂rende Norfolkinsel gebracht.

Im Januar 1859 kehrten 16 Emigranten unter der F√ľhrung von Moses und Mayhew Young zur√ľck, 1864 folgten vier weitere Familien. Die √ľbrigen blieben auf der Insel Norfolk. Heute besteht ein Drittel der dortigen Bev√∂lkerung aus deren Nachkommen.

Die sehr frommen Pitcairner hatten die Schriften, die ihnen von den Siebenten-Tags-Adventisten zugesandt worden waren, eifrig gelesen, zudem verbrachte 1886 der adventistische Missionar John I. Tay f√ľnf Wochen auf der Insel. Daher war ein im Jahre 1890 ankommendes amerikanisches Missionsschiff sehr willkommen, und die wirtschaftliche Unterst√ľtzung, die mit der Missionierung einherging, gewiss nicht weniger. S√§mtliche Einwohner lie√üen sich taufen, ihre Nachkommen sind heute noch Adventisten.

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gab es dank der weltweiten Spenden der Adventisten auf der Insel bereits eine Zeitung, eine Schule und einen Kindergarten.

20. Jahrhundert

Mit der Er√∂ffnung des Panamakanals 1914 endete die Isolation, denn Pitcairn lag auf der Schiffsroute nach Neuseeland. Nahezu jede Woche besuchte ein Schiff die Insel. Im Zweiten Weltkrieg stationierte die britische Marine Funkbeobachter auf Pitcairn. Nach dem Zweiten Weltkrieg lie√üen die Interessen Gro√übritanniens nach, sodass ‚Äď in Ermangelung eines Hafens und eines Flugplatzes ‚Äď erneut eine relative Isolierung einsetzte. Lange Zeit wurde Pitcairn durchschnittlich nur vier- bis sechsmal im Jahr von einem Containerschiff angelaufen, das die lebensnotwendigen G√ľter und Post √ľberbrachte, seit 2009 besteht jedoch eine regelm√§√üige Schiffsverbindung von Neuseeland √ľber Franz√∂sisch-Polynesien nach Pitcairn. Gelegentlich kommt auch ein Kreuzfahrtschiff zu Besuch.

Einwohnerentwicklung

Seit den 1980er-Jahren liegt die Zahl der Einwohner von Pitcairn bei 50 bis 60 Personen. Aussagekräftigste Quellen zur besonderen Demographie der Insel sind die Censusdaten.

Pitcairn heute

Politik

Die Pitcairninseln sind das letzte britische √úberseegebiet im S√ľdpazifik. Die Einwohner sind britische Staatsb√ľrger (British Overseas Territories Act 2002). Obwohl das Vereinigte K√∂nigreich aus Kostengr√ľnden den Status gerne √§ndern w√ľrde, wehren sich die Bewohner seit Jahren erfolgreich dagegen, denn nur mit britischer Unterst√ľtzung ist ihr Verbleib auf der Insel gesichert. Die Funktion des Gouverneurs von Pitcairn wird seit 1970 vom britischen Hochkommissar in Neuseeland ausge√ľbt. Zuvor hatte diese Position der britische Hochkommissar f√ľr den Westpazifik inne (1898 bis 1952) sowie der Gouverneur von Fidschi (1953 bis 1970).

Der Magistrat und ein B√ľrgermeister verwalten die Pitcairninseln intern. Von November bis Dezember 2004 verwaltete als Interimsl√∂sung erstmals eine Frau, Brenda Christian, die Insel. Ab 2013 war Shawn Christian gew√§hlter B√ľrgermeister. Die Legislative wird vom Inselrat (Island Council) gebildet, der auch gleichzeitig judikative Befugnisse hat. Er besteht aus zehn Personen, vier davon werden direkt gew√§hlt. Die Rolle eines Bindeglieds zwischen der Inselregierung und dem Gouverneur √ľbernimmt das Pitcairn Islands Office mit Sitz in Auckland. Das PIO wird von einem vom Gouverneur ernannten Kommissar geleitet.

Der 2018 in seiner zweiten Amtszeit regierende B√ľrgermeister ist der wegen sexuellen Missbrauchs von Minderj√§hrigen verurteilte Shawn Christian, ein direkter Nachfahre von Fletcher Christian.

Wirtschaft

Die Bewohner Pitcairns importieren ihre Lebensmittel sowie Dinge des t√§glichen Bedarfs gr√∂√ütenteils aus Neuseeland, und wenn es m√∂glich ist, kaufen sie diese von den besuchenden Kreuzfahrtschiffen. Die meisten Lebensmittel werden von den Bewohnern in K√ľhltruhen und -schr√§nken aufbewahrt, von denen jeder Haushalt je nach Anzahl der Personen eine gro√üe Anzahl an das Stromnetz angeschlossen hat. Diese oft alten, teilweise defekten K√ľhltruhen und -schr√§nke stellen die gr√∂√üte Belastung f√ľr das lokale Stromnetz und das Einkommen der Familien dar. Die Ern√§hrung ist sehr stark an die britische und nordamerikanische K√ľche angelehnt, d.¬†h. frittiert, stark fett- und zuckerhaltig.

Die Arbeitspl√§tze in der √∂rtlichen Verwaltung sind die Haupterwerbsquelle der Bev√∂lkerung. Eine andere gewinntr√§chtige T√§tigkeit ist der Verkauf von geringwertigen handgefertigten Andenken, T-Shirts und √§hnlichem an Kreuzfahrttouristen. Die Pitcairn Island Producers Cooperative (kurz: PipCo) vertreibt √ľber ihren Onlineshop Produkte der Insel wie Honig, Propolistinktur, Seife, Schnitzereien sowie in Fernost hergestellte und auf Pitcairn bedruckte T-Shirts. Insbesondere das 1998 aufgelegte Programm zur F√∂rderung der Imkerei war erfolgreich; mit dem Verkauf von Honig werden j√§hrlich Erl√∂se von etwa 200.000¬†NZ$ erwirtschaftet.

Weitere Erwerbsm√∂glichkeiten bietet der Tourismus. Etwa zw√∂lf Kreuzfahrtschiffe machen j√§hrlich Halt bei Pitcairn, von denen rund die H√§lfte ihren Passagieren einen Ausflug auf die Insel erm√∂glichen. Umgekehrt gehen Inselbewohner an Bord der Kreuzfahrtschiffe, um dort ihre Waren zu verkaufen. Einige Pitcairner bieten Privatquartiere f√ľr Urlauber an. Die Entwicklungsm√∂glichkeiten im Tourismus sind wegen der Abgeschiedenheit der Insel, der langen und kostspieligen Anreise und der geringen Zahl von Attraktionen und Aktivit√§ten beschr√§nkt.

Bis in die erste H√§lfte der 1990er Jahre konnte Pitcairn seinen Finanzbedarf aus eigener Kraft decken. Mit dem Verkauf von Sammlerbriefmarken wurden hohe Gewinne erzielt; die damit erwirtschafteten √úbersch√ľsse flossen in den Pitcairn Island Investment Fund, dessen Ertr√§ge ausreichten, um die Kosten der Inselverwaltung zu finanzieren. Ab 1993 schm√§lerten sinkende Zinsen sowie Kapitalentnahmen zur Deckung der Haushaltsdefizite diese Ertr√§ge, und 2004 musste der Fonds wegen Ersch√∂pfung aufgel√∂st werden. Ebenfalls stark r√ľckl√§ufig sind die Gewinne aus dem Briefmarkenverkauf, da schrumpfende Ums√§tze bei gestiegenen Kosten dessen Rentabilit√§t mindern. Da gleichzeitig die Kosten f√ľr √∂ffentliche Dienstleistungen und Infrastruktur (insbesondere die Chartergeb√ľhren f√ľr die lebensnotwendige Schiffsverbindung) stark angestiegen sind, kann Pitcairn aktuell nur einen Bruchteil seines Haushalts selbst erwirtschaften und ist auf Budgethilfe vonseiten des Vereinigten K√∂nigreichs angewiesen. Die Erschlie√üung neuer Einnahmequellen war bisher wenig erfolgreich; die Einnahmen aus den Landegeb√ľhren der Touristen, dem M√ľnzhandel und der Vermarktung der Top-Level-Domain .pn decken nur einen geringen Teil des Defizits. Die Steuereinnahmen sind minimal, da die B√ľrger Pitcairns weder Einkommensteuer noch Zollgeb√ľhren bezahlen. Im Haushaltsjahr 2015/16 standen selbsterwirtschafteten Einnahmen von rund 1,4¬†Mio.¬†NZ$ (850.000¬†‚ā¨) Subventionen von etwa 6,5¬†Mio.¬†NZ$ (3,9¬†Mio.¬†‚ā¨) gegen√ľber.

Infrastruktur

Mangels ganzj√§hrig flie√üender Gew√§sser hat Pitcairn keine zentrale S√ľ√üwasserversorgung. Vorr√§te sind in Zisternen gespeichert, die H√§user verf√ľgen √ľber Wassertanks. Eine Bohrung hat ein S√ľ√üwasservorkommen nachgewiesen, das sich allerdings als nicht sehr ergiebig erwies. Als gro√üen Fortschritt empfanden die Einwohner die Installation von Toiletten mit Wassersp√ľlung im Jahr 2003, insbesondere √∂ffentliche f√ľr den Bedarf der gelegentlichen Kreuzfahrttouristen.

Die Stromversorgung erfolgt mit drei Dieselgeneratoren. Der Versuch, eine Windkraftanlage zu installieren, wurde 2013 aufgegeben, nachdem beträchtliche Kosten angefallen waren, ohne dass tatsächlich gebaut wurde.

Die H√§user sind mit Inseltelefon im UKW-Netz verbunden. Die Installation einer internationalen Erdbebenwarte mit der Notwendigkeit st√§ndiger Daten√ľbertragung hatte zur Folge, dass auch weltweiter E-Mail- und Telefonverkehr √ľber Inmarsat m√∂glich ist. Die Funkstation der Insel betreibt amtlichen Funkverkehr, es gibt aber auch Amateurfunkverbindungen auf Kurzwelle mit Pitcairn.

Die einzige befestigte Stra√üe der Insel ist seit 2005 der von der Landestelle den Hill of Difficulties nach Adamstown hinauff√ľhrende, betonierte Weg. Hauptverkehrsmittel sind Quads und Motordreir√§der, die schon von den Kindern gefahren werden.

Pitcairn hat weder einen Hafen noch einen Flugplatz. Von Zeit zu Zeit wird √ľber den Bau einer Flugpiste diskutiert, bislang jedoch ohne konkrete Umsetzung. Die gesamte Versorgung erfolgt mit Frachtschiffen, normalerweise Containerschiffen im Verkehr zwischen Neuseeland und dem Panamakanal. Seit 2009 werden Schiffe f√ľr regelm√§√üige Versorgungsfahrten von Neuseeland nach Pitcairn und f√ľr F√§hrverbindungen zwischen dem 500 Kilometer entfernten Mangareva (Gambierinseln), wo sich ein kleiner Regionalflugplatz befindet, und Pitcairn gechartert. Aktuell wird diese Versorgung durch das Schiff Silver Supporter sichergestellt. Die Schiffe liegen jeweils auf Reede und die G√ľter werden in oft gef√§hrlichen Man√∂vern mit den beiden rund zw√∂lf Meter langen Aluminium-Arbeitsbooten (Longboats) der Pitcairner √ľberstellt. Mit Mitteln aus Gro√übritannien und der EU wurde 2005 im Rahmen der Verbesserung der Infrastruktur auch die Bootslandestelle (The Landing) in der Bounty Bay renoviert und ausgebaut. Zudem wurde 2017 der Ausweichanleger Tedside auf der westlichen Inselseite mit betoniertem Uferweg und neuem Zufahrtsweg in Betrieb genommen.

Die Inselschule in einem 2006 neu errichteten Geb√§ude ist recht fortschrittlich mit Computer, Video- und DVD-Player ausgestattet. Die Lehrerin wird f√ľr ein Jahr verpflichtet und kommt meist aus Neuseeland. Kinder, die das zw√∂lfte Lebensjahr vollendet haben, werden nach Neuseeland entsandt, um eine sekund√§re Schulbildung abzuschlie√üen. Anschlie√üend k√∂nnen sie eine weiterf√ľhrende Ausbildung absolvieren oder eine Universit√§t besuchen.

Vor einigen Jahren wurde die Krankenstation modernisiert. In dem Mitte der 1990er Jahre neu errichteten Geb√§ude unterhalb des Dorfes sind ein Behandlungszimmer mit R√∂ntgeneinrichtung, ein Zahnbehandlungsraum, ein Labor und Medikamentendepot sowie ein Krankenzimmer untergebracht. Die britische Verwaltung ist seit 2004 bem√ľht, st√§ndig einen Allgemeinmediziner auf der Insel zu stationieren, was die Krankenversorgung deutlich verbessert hat. Meist sind es britische, neuseel√§ndische oder australische √Ąrzte, die f√ľr ein bis zwei Jahre nach Pitcairn entsandt werden und dort vom Pitcairn Island Office angestellt werden. Einige Pitcairnerinnen haben sich als Krankenschwester ausbilden lassen. Ein besonderes gesundheitliches Problem auf der Insel ist die H√§ufigkeit von Diabetes mellitus. Die Ursache daf√ľr ist vermutlich das Zusammenwirken von genetischer Veranlagung und Fettleibigkeit, bedingt durch eine ungesunde, fettreiche Ern√§hrung und ausgepr√§gten Bewegungsmangel.

In einem kooperativ betriebenen Laden k√∂nnen die Inselbewohner G√ľter kaufen, die sie nicht selbst herstellen k√∂nnen. Allerdings ist das Angebot sehr beschr√§nkt, insbesondere, wenn das Versorgungsschiff wegen ung√ľnstiger Witterung nicht entladen werden konnte. Der Gro√üteil der auf Pitcairn angebotenen Waren sind aus Neuseeland importierte Tiefk√ľhlprodukte.

Tourismus

Das abgelegene und nicht erschlossene Pitcairn ist nur schwierig zu erreichen. Die Versorgungsschiffe ab Neuseeland fahren unregelm√§√üig und nehmen Touristen nur in Ausnahmef√§llen mit. Kreuzfahrtschiffe suchen mehrmals im Jahr Pitcairn auf, sie liegen vor der Insel auf Reede, und die Pitcairner kommen, wenn das Wetter es erlaubt, mit ihren Booten an Bord, um Souvenirs zu verkaufen. Das Ausbooten von Passagieren ist wegen der starken Brandung oft zu gef√§hrlich, sodass die meisten Kreuzfahrtpassagiere sich mit einer Umrundung der Insel begn√ľgen m√ľssen. Eine weitere M√∂glichkeit, die Insel zu erreichen, ist das Chartern einer Hochseeyacht in Tahiti oder auf den Marquesas.

Zum Betreten der Insel ist die Erlaubnis des Magistrates erforderlich, die f√ľr Kreuzfahrttouristen problemlos erteilt, Besuchern, die l√§nger bleiben wollen, jedoch meist verweigert wird, nachdem man mit einigen Aussteigern in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gesammelt hat. In Adamstown gibt es ein Regierungs-G√§stehaus, das offiziellen Besuchern vorbehalten ist; andere G√§ste m√ľssen privat unterkommen.

Hauptattraktion ist wohl die Insel selbst mit ihren Bewohnern und das Wissen, zu den wenigen Menschen zu gehören, die Pitcairn jemals betreten haben.

  • 2005 wurde ein kleines Museum eingerichtet. Es zeigt fein gearbeitete Steinwerkzeuge aus der Zeit der polynesischen Besiedelung, einige Relikte der Bounty, pers√∂nliche Besitzt√ľmer der Meuterer, die Schiffsbibel der Bounty und eine Sammlung der begehrten Briefmarken.
  • Oberhalb von Adamstown liegt in einem steilen Felsen Christians Cave, eine flache H√∂hle mit √ľberw√§ltigendem Blick √ľber die Insel und das Meer. Hierhin soll sich Fletcher Christian zur√ľckgezogen haben, um nach britischen Schiffen Ausschau zu halten.
  • Am n√∂rdlichen Dorfrand befindet sich der kleine Friedhof, romantisch verwittert und mit bl√ľhenden Schlingpflanzen √ľberwuchert. Au√üerhalb des Friedhofes, im Westen des Dorfes, liegt das Grab von John Adams, der neben seinen Frauen bestattet ist. Es ist das einzige erhaltene Grab eines Meuterers der Bounty.
  • Der Hauptplatz, ein befestigter Platz in der Dorfmitte, wird umrahmt von der Kirche, der Post, dem Gemeindehaus und dem Gemeindesaal. Vor dem Gemeindehaus sind ein Anker und einer der Vierpf√ľnder der Bounty ausgestellt. Eine weitere Kanone der Bounty befindet sich vor dem Haus des Pitcairners Len Brown.

Letzten offiziellen Zahlen aus dem Jahr 2012 nach besuchten 870 Touristen die Insel.

Der Vergewaltigungsprozess

Nach Ger√ľchten √ľber Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch von Minderj√§hrigen wurde 1999 eine britische Polizistin nach Pitcairn entsandt, um Ermittlungen einzuleiten. Nach Auftauchen konkreter Beschuldigungen wurden auch Sozialarbeiter eingeschaltet. Die Erhebungen f√ľhrten zu Strafverfahren gegen sieben von damals zw√∂lf auf der Insel lebenden erwachsenen M√§nnern ‚Äď darunter der zu dem Zeitpunkt amtierende B√ľrgermeister Steven Raymon (Steve) Christian. Angeklagt wurde in insgesamt 55 F√§llen, die bis zu vierzig Jahre zur√ľckreichten.

Die Angeklagten erstritten zun√§chst das Recht, das Verfahren auf der Insel abhalten zu lassen, statt in Neuseeland, wie 2002 vom britischen Parlament vorgeschlagen. Um Zeugen aus Norfolk und Neuseeland per Video√ľbertragung vernehmen zu k√∂nnen, wurde die bestehende Satelliten-√úbertragungsanlage ausgebaut. Weitere Bauma√ünahmen wurden unter anderem erforderlich, um die Verdopplung der Einwohnerzahl der Insel w√§hrend der siebenw√∂chigen Verhandlungen zu bew√§ltigen. Zuletzt wurden Richter, Gerichtsbeamte, Polizisten, Verteidiger und Staatsanwalt auf die Insel verschifft; auch sechs Journalisten reisten an. Die Kosten des Verfahrens wurden laut New Zealand Press Association am 3. November 2006 mit nahezu 17 Millionen Dollar beziffert.

Die Verhandlung begann am 30. September 2004. Die Verteidiger argumentierten, die Insel unterliege nicht unbedingt britischem Recht; sexuelle Kontakte mit Minderjährigen entsprächen einem seit mehr als 200 Jahren bestehenden Gewohnheitsrecht.

Am 24.¬†Oktober 2004 sprach das Gericht die Angeklagten in 35 der 55 untersuchten F√§lle schuldig. Zwei Angeklagte, die sich w√§hrend der Verhandlung bei ihren Opfern entschuldigt hatten, wurden zu 300 bzw. 400 Sozialstunden verurteilt. Vier Angeklagte erhielten Haftstrafen in H√∂he von drei bis sechs Jahren. Einzig der vormalige Richter und sp√§tere B√ľrgermeister Jay Warren wurde von den Vorw√ľrfen freigesprochen. Die Verteidiger legten Berufung ein, die ab dem 18. April 2005 am Supreme Court in Auckland, Neuseeland, verhandelt und am 2.¬†M√§rz 2006 abgewiesen wurde. Zuletzt riefen die Verurteilten den britischen Kronrat Privy Council (London) an, der im Oktober 2006 die Antr√§ge endg√ľltig ablehnte. 2007 wurde f√ľr die Verurteilten auf Pitcairn ein Gef√§ngnis errichtet, das von Wachpersonal aus Neuseeland betrieben wird.

Nach dem Verfahren investierten Gro√übritannien und die Europ√§ische Union in die Insel. Es wurden Telefon- und Internetverbindungen eingerichtet und die erste asphaltierte Stra√üe gebaut. Des Weiteren befinden sich nun dauerhaft ein Polizeibeamter, ein Sozialarbeiter und ein Vertreter der britischen Regierung auf der Insel. Der Besuch von Kindern auf der Insel wurde stark reglementiert. Touristen d√ľrfen Kinder unter 16 Jahren nur nach vor Reiseantritt erfolgter Abstimmung mit der dortigen Verwaltung auf die Insel bringen. Die im Auftrag der britischen Regierung t√§tigen Beamten d√ľrfen ihre Kinder f√ľr die Dauer ihrer T√§tigkeit nicht auf die Insel mitnehmen.

Sonstiges

Bis vor wenigen Jahren steuerten die Pitcairner mit ihren beiden offenen Aluminiumbooten (Longboats) die 140¬†Kilometer entfernte, ansonsten unbewohnte Insel Oeno an, um dort einige Erholungstage mit Baden und Fischen zu verbringen, da es auf Pitcairn selbst keinen Sandstrand gibt. F√ľr diesen Zweck wurden auf Oeno einige offene, palmblattgedeckte H√ľtten zum Kochen und Wohnen errichtet. Wegen mangelnder Wartung und Reparaturen ist der Zustand der Langboote f√ľr Hochseefahrten unzureichend. Der weitestgehende Verlust von seefahrerischen Kenntnissen und F√§higkeiten hat zur Folge, dass keine Fahrten au√üerhalb des Sichtbereiches der Insel mehr m√∂glich sind.

In einer politischen Satire von Mark Twain, der 1879 veröffentlichten Kurzgeschichte The Great Revolution in Pitcairn (deutsch Ein Miniaturreich im Weltmeer), sagt sich die Inselbevölkerung von Großbritannien los und ruft einen zwielichtigen Amerikaner zum Kaiser aus.

Sprache

Pitkern respektive Pitcairn-Englisch ist das auf der Insel bis heute gesprochene Idiom.

Literatur

  • Caroline Alexander: Die Bounty. Die wahre Geschichte der Meuterei auf der Bounty. Berlin Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-8270-0163-3.¬†
  • Dea Birkett: Schlange im Paradies ‚Äď meine Reise in die S√ľdsee zu den Nachfahren der Meuterer auf der Bounty. Albrecht Knaus Verlag, M√ľnchen 1999, ISBN 3-8135-0123-X (beschreibt den Inselalltag aus der Sicht einer wenig beliebten Langzeitbesucherin).¬†
  • Jared Diamond: Kollaps ‚Äď Warum Gesellschaften √ľberleben oder untergehen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-10-013904-6.¬†
  • Herbert Ford: Pitcairn Island as a port of call: a record, 1790‚Äď2010. 2. Auflage. McFarland & Company, Jefferson, N.C. 2012, ISBN 978-0-7864-6604-7 (englisch, eingeschr√§nkte Vorschau in der Google-Buchsuche ‚Äď der Autor ist Leiter des Pitcairn Islands Study Center, Pacific Union College).¬†
  • Henri Lavachery: Contribution √† l‚Äô√©tude de l‚Äôarch√©ologique de l‚Äô√éle de Pitcairn. In: Bulletin de la Soci√©t√© royale belge d‚Äôanthropologie et de pr√©histoire. Band¬†51, 1936, ISSN¬†0304-1425 (franz√∂sisch, Ergebnisbericht der franz√∂sisch-belgischen arch√§ologischen Expedition).¬†
  • David Marshall: Pitcairn. Was aus den Meuterern der ‚ÄěBounty‚Äú wurde. 2. Auflage. Saatkorn-Verlag, Hamburg 1990, ISBN 3-8150-0815-8.¬†
  • Robert Merle: Die Insel. 1. Auflage. Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-7466-1221-7 (die Geschichte nach der Meuterei als Roman; franz√∂sische Ersterscheinung: 1962).¬†
  • Charles Bernard Nordhoff, James Norman Hall: Die Meuterei auf der Bounty ‚Äď Band 2: Meer ohne Grenzen. Edition Maritim, Hamburg 2004, ISBN 3-89225-508-3 (die Geschichte Pitcairns als Roman).¬†
  • Christian Sch√ľle: Die Parabel von Pitcairn. In: mare. Nr.¬†58. Mareverlag, Oktober 2006, S.¬†104¬†ff. (Textauszug online).¬†
  • Deborah Procter, Vincent Fleming (Hrsg.): Biodiversity: the UK Overseas Territories. Joint Nature Conservation Committee, Peterborough 1999, ISBN 1-86107-502-2, 12: The Pitcairn Islands, S.¬†88‚Äď95 (englisch, online [PDF; 733¬†kB]).¬†
  • Reinhard Stegen: Meuterei auf der Bounty. Endstation Pitcairn. Dokumentarfilm. kv Video, Gr√ľnwald 1997.

Weblinks

  • The Government of the Pitcairn Islands. Online-Portal der Regierung der Pitcairninseln (englisch).
  • Country profile: Pitcairn Islands (British Overseas Territory). In: Foreign & Commonwealth Office: Travel & living abroad. The National Archives (englisch, archiviert am 12. November 2009).
  • Pitcairn Island. In: Pitcairn Islands Study Center. Pacific Union College (englisch).
  • Karen Frankenstein, Ariane Huml: Pitcairn Island: Erben des Aufstands. In: FAZ.Net. 26. M√§rz 2012.
  • Julian McDonnell: Take me to Pitcairn ‚Äď Full Documentary. Filmbericht √ľber eine Reise nach Pitcairn. Joolzy Productions, 2009 (englisch).

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

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Flagge: Pitcairn

Name englisch: Pitcairn
Hauptstadt: Adamstown
Kfz:
ISO: PN
ISO3: PCN
Fläche: 47 km²
Tld: .pn
Wärung Einheit: NZD
Währung: Dollar
Vorwahl:

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: -23.9144684
südlichster Punkt: -25.0798075
westlichster Punkt: -130.750738
östlichster Punkt: -124.772157


 
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