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Staat Informationen : Malta

Informationen:


Malta (Vollform: Republik Malta; maltesisch Repubblika ta‚Äô Malta, englisch Republic of Malta, italienisch Repubblica di Malta) ist ein s√ľdeurop√§ischer Inselstaat im Mittelmeer.

Die Republik Malta besteht aus den drei bewohnten Inseln Malta (einschlie√ülich der Kleinstinsel Manoel), etwa 246¬†Quadratkilometer, Gozo (maltesisch Gńßawdex), etwa 67¬†Quadratkilometer, und Comino (maltesisch Kemmuna, etwa drei Quadratkilometer) sowie aus den unbewohnten Kleinstinseln Cominotto (maltesisch Kemmunett), Filfla, St.¬†Paul‚Äôs Islands (maltesisch GŇľejjer ta' San Pawl, auch GŇľejjer ta' Selmunett) und Fungus Rock (maltesisch ń†ebla tal-ń†eneral, auch ń¶ań°ret il-ń†eneral). Politisch gliedert sich die Hauptinsel Malta in zwei Regionen mit f√ľnf Bezirken. Gozo und Comino bilden zusammen die dritte Region und den sechsten Bezirk. Bei den R√∂mern hie√ü die heutige Stadt Mdina Melita; dieser Name geht wahrscheinlich auf die punische Bezeichnung f√ľr einen Zufluchtsort, malet, zur√ľck, was auch der Ursprung des heutigen Namens der Insel sein d√ľrfte.

Mit rund 520.000 Einwohnern (im Jahr 2020) auf 316¬†Quadratkilometern Fl√§che gilt Malta als der Staat mit der f√ľnfth√∂chsten Bev√∂lkerungsdichte weltweit. Der Gro√üteil der Bev√∂lkerung konzentriert sich auf die Hauptstadtregion Valletta, in der rund 394.000 Einwohner leben.

Im sp√§ten Neolithikum wurden auf dem Archipel bedeutende Megalithtempel errichtet, deren √úberreste zum UNESCO-Welterbe z√§hlen. Die maltesische Kultur wurde gepr√§gt von den mediterranen Gro√üreichen, etwa der Karthager, R√∂mer, Byzantiner und Araber, zu denen die Inselgruppe in der Antike und dem Mittelalter geh√∂rte; in Religion und Brauchtum ist sie vor allem vom r√∂misch-katholischen S√ľditalien beeinflusst, sprachlich vom Arabischen. Eine eigenst√§ndige Entwicklung erfuhr sie ab 1530 unter der Herrschaft des souver√§nen Malteserordens. Ab 1814 britische Kolonie, erlangte Malta am 21. September 1964 die Unabh√§ngigkeit. Am 1.¬†Mai 2004 trat das Land der Europ√§ischen Union bei, deren kleinster Mitgliedstaat es seither ist.

Die Amtssprachen des Landes sind Maltesisch und Englisch; die Muttersprache der Malteser ist in der Regel das Maltesische, das auch als Nationalsprache Maltas gilt. Bis ins 20. Jahrhundert war Italienisch Gerichts- und Bildungssprache.

Am 1.¬†Januar 2008 f√ľhrte Malta den Euro ein. Vom 1.¬†Januar bis zum 30.¬†Juni 2017 hatte Malta erstmals die EU-Ratspr√§sidentschaft inne, 2018 war Valletta gemeinsam mit Leeuwarden (NL) Kulturhauptstadt Europas.

Geographie

Malta z√§hlt mit einer Fl√§che von 316¬†Quadratkilometern zu den Zwergstaaten, ist etwas kleiner als die Stadt Bremen und knapp doppelt so gro√ü wie Liechtenstein. Der maltesische Archipel liegt 81¬†Kilometer s√ľdlich der K√ľste Siziliens, 350¬†Kilometer n√∂rdlich der libyschen Hafenstadt al-Chums, 150¬†Kilometer nord√∂stlich von Lampedusa und ungef√§hr 285¬†Kilometer s√ľd√∂stlich der tunesischen Halbinsel Cap Bon. Es ist neben Zypern das einzige Land der Europ√§ischen Union, das vollst√§ndig s√ľdlich des 37.¬†Breitengrads liegt.

Die Hauptinsel Malta (maltesisch maltesisch Malta) ist 246¬†Quadratkilometer gro√ü, gen S√ľdosten ausgerichtet und erreicht eine L√§nge von 28¬†km und eine maximale Breite von 13¬†km. Zwischen ihrem nordwestlichen Ende und der zweiten Hauptinsel Gozo (maltesisch Gńßawdex) erstreckt sich der 4,4¬†km weite Gozokanal, in dem die 2,7¬†Quadratkilometer gro√üe Insel Comino (maltesisch Kemmuna) sowie das unbewohnte Felseneiland Cominotto (maltesisch Kemmunett) liegen. Gozo, 67¬†Quadratkilometer gro√ü, misst in Ost-West-Richtung 14,3¬†km in der L√§nge und bis zu 7,25¬†km in der Breite. Die weiteren ‚Ästs√§mtlich unbewohnten¬†‚Äď Inseln des Staats sind das 4,4¬†km s√ľdlich Maltas gelegene Filfla und die Saint Paul‚Äôs Islands (maltesisch GŇľejjer ta‚Äô San Pawl) am n√∂rdlichen Ende der St.¬†Paul‚Äôs Bay, die 83¬†Meter vor der K√ľste liegen und tats√§chlich zusammenh√§ngen, deren Verbindungsst√ľck bei rauer See allerdings √ľbersp√ľlt werden kann. Im Westen Gozos, an der Schwarzen Lagune nahe dem Dwejra Point, ragt der 60¬†Meter hohe Fungus Rock (maltesisch Il-ń†ebla tal-ń†eneral) aus dem Meer, ein gro√üer Kalksteinfelsen. Manoel Island (maltesisch Il-GŇľira Manwel) im Marsamxett Harbour zwischen Valletta und Sliema wird gemeinhin nicht mehr zu den Inseln gez√§hlt, da sie √ľber einen Damm und eine Stra√üe mit dem Festland verbunden ist.

Das charakteristischste geographische Merkmal Maltas ist die Verschiedenheit seiner K√ľstenlinien, was sich besonders auf der Hauptinsel offenbart. Sind die Ost- und die Nordostseite von flachen Str√§nden und weiten Buchten wie der Marsaxlokk Bay, dem Marsamxett Harbour, dem Grand Harbour, der Mellieńßa Bay und der St.¬†Paul‚Äôs Bay gepr√§gt, finden sich im S√ľdwesten und Norden sehr scharf gezeichnete K√ľstenabschnitte mit Felsformationen und grotten√§hnlichen Einschnitten. Auf dieser Seite erhebt sich Malta sehr schroff aus dem Meer und bildet langgezogene Steilk√ľsten, die an den Dingli Cliffs im Ta‚Äô Dmejrek kulminieren, der mit 253¬†Metern h√∂chsten Erhebung des Landes. Weitere Karsth√∂henz√ľge finden sich im Nordwesten mit der Mellieńßa Ridge, der Bajda Ridge und der bis zu 122¬†Meter hohen Marfa Ridge. Die h√∂chsten Erhebungen Gozos messen 127¬†Meter.

Aufgrund der extremen Wasserarmut (siehe Abschnitt Wasserversorgung) existieren auf Malta, Gozo und Comino keine permanenten Fl√ľsse. Nach starken Niederschl√§gen im Winter k√∂nnen sich einige ausgetrocknete Bachbetten zeitweise mit Regenwasser f√ľllen. Diese zumeist kleinen Rinnsale laufen in engen Felsent√§lern, den Wieds, zusammen, wo sie nicht so schnell wieder verdunsten. Der l√§ngste zeitweilige Bachlauf ist im Wied il-Gńßasri zu beobachten, der an der Nordk√ľste Gozos in eine fjord√§hnliche Meeresbucht abflie√üt. Der einzige gr√∂√üere See des Archipels ist k√ľnstlich angelegt und befindet sich innerhalb des Gńßadira Nature Reserve auf der Landenge vor der Marfa Ridge knapp zwei Kilometer nordwestlich von Mellieńßa. Er misst 350¬†m mal 220¬†m und besitzt zahlreiche Binneninseln.

Geologie

Allgemeine Darstellung

Die geologische Geschichte Maltas begann am Ende des Terti√§rs, als zwischen S√ľdsizilien und Nordafrika eine Landbr√ľcke bestand, die das fr√ľhe Mittelmeer in zwei Becken teilte. Nachdem der steigende Meeresspiegel diese √ľberflutet hatte, lagerten sich am Ort des heutigen Archipels im Pal√§oz√§n vor rund 60 Millionen Jahren Sedimente aus Korallen- und Muschelkalk ab. Im Lauf der Erdzeitalter folgten Ablagerungen von Globigerinenkalk und blauem Ton und im Oligoz√§n Sandstein und eine weitere koralline Schicht. Im Plioz√§n schlie√ülich erhoben sich die Inseln langsam aus dem Meer. W√§hrend der W√ľrmeiszeit bildete sich durch den sinkenden Wasserspiegel erneut die Landbr√ľcke heraus, wurde aber mit dem Ende der Eiszeit vor gut 13.000¬†Jahren endg√ľltig unterbrochen. Die maltesischen Inseln liegen in der Zone zwischen den eurasischen und afrikanischen tektonischen Platten, jedoch galt Malta jahrhundertelang als Insel Nordafrikas.

Nach dem Auftauchen der Inseln neigte sich die Oberfl√§che der Hauptinsel auf Grund des noch instabilen Sockels im Lauf mehrerer Jahrhunderte gen Nordosten, so dass die s√ľdwestliche K√ľste angehoben wurde und sich die Steilkanten mit den Dingli Cliffs herausbildeten. Malta ist von mehreren tektonischen Verwerfungen durchzogen, die im globalen Vergleich zwar klein erscheinen, das geologische Relief der Inseln jedoch pr√§gen. Zwei Grabensysteme sind dominierend: Die √§ltere Great Fault (Gro√üe Verwerfung), die sich in vielen einzelnen Abschnitten √ľber f√ľnf Kilometer von der s√ľdwestlichen K√ľste gen Nordosten erstreckt sowie die j√ľngere Magńßlaq Fault. Diese verl√§uft von Nordwesten nach S√ľdosten und sorgte unter anderem f√ľr die Herausbildung des Plateaus auf der Malta vorgelagerten kleinen Insel Filfla.

Sedimente, die sich auf den maltesischen Inseln finden lassen, sind der blaue Ton, der Globigerinenkalk (unterteilbar in oberen, mittleren und unteren) sowie der obere Gr√ľnsand, eine Abteilung der Kreideformation. Oberer Gr√ľnsand ist sehr tonig und sandig, reich an Chlorit, seine oberen Schichten sind kreide√§hnlich und k√∂nnen in chloristische Kreide √ľbergehen. Auf Gozo gibt es eine Mischung aus diesen unterschiedlichen Bodenbestandteilen, auf Malta dagegen ist die Grenze klarer gezogen. Der Nordwesten wird von korallinem Kalkstein und Gr√ľnsand, der √ľberwiegende andere Inselteil jedoch von Globigerinenkalk dominiert. Dieses beige Naturmaterial stellt Maltas einzige nat√ľrliche Ressource dar und wird von der Bev√∂lkerung intensiv abgebaut und genutzt.

K√ľstenerosion

K√ľstenerosion ist ein nat√ľrliches Ph√§nomen, das weltweit an Meeren befindliche Staaten beeinflusst. Bislang gibt es allerdings noch keine publizierte Studie, die die Rate und die Risiken von K√ľstenerosion auf Malta thematisiert.

Auf Malta spielen die Effekte der Verwerfung und unterschiedliche Erosionstypen eine Rolle. Erosion formt, gestaltet und entwickelt dabei die K√ľstenlinien der Inseln. Im Nordosten der Insel gibt es eine leicht geneigte Felsenk√ľste, w√§hrend im S√ľdosten und im Westen eine steile, Kliff dominierte K√ľstenlinie vorherrscht.

Auf den Inseln lassen sich unterschiedliche durch Erosion entstandene Formationen finden. Beim unteren Korallenkalkstein sp√ľlen Wellen Einschnitte oder Ebenen an den meist unter dem Meeresspiegel liegenden Fu√ü der Klippen. An der Globigerina-Kalk-K√ľste entstehen glatte und leicht geneigte Ebenen, w√§hrend dort Buchten entstehen, wo Ton und Mergel schnell erodiert wurden, wie Xrobb l-Gńßań°in oder Peter‚Äôs Pool. Schutthalden an Land und im Wasser entstehen da, wo die Erosion des Blautons den oberen Korallenkalkstein untergr√§bt und so die typische K√ľstenlinie formt. Beispiele hierf√ľr sind Gńßajn Tuffieńßa, Qammieńß und San Blas. Au√üerdem gibt es auf Malta Karstlandformationen.

Das weltber√ľhmte Azure Window auf Gozo, ein selbst durch Erosion entstandenes Felsentor, st√ľrzte am 8. M√§rz 2017 w√§hrend eines Sturms ein.

Zudem sättigt das Regenwasser nach Starkregenereignissen den Ton, der dadurch plastisch werden und Murenabgänge hervorrufen kann.

Die K√ľstenerosion auf Malta beschleunigt sich durch eine Verkn√ľpfung aus nat√ľrlichen Prozessen und anthropogenen Einfl√ľssen. Ein Grund hierf√ľr kann eine Destabilisierung des Untergrundes bei Infrastrukturbauma√ünahmen sein, was sich an der K√ľstenstra√üe entlang von Bańßar ińč-ńäagńßaq zeigt. Ein weiterer Grund, der die K√ľstenerosion beschleunigt, ist der Bau von Hotelgeb√§uden an der K√ľste, wie Gńßajn Tuffieńßa und Golden Bay zeigen. Auf Malta ist dabei ein Gro√üteil der wirtschaftlichen Aktivit√§t und der Infrastruktur k√ľstennah gelegen, was exakte Planung ben√∂tigt, da die Ausweichm√∂glichkeiten f√ľr Alternativbebauungen auf einer Insel dieser Gr√∂√üe gering sind.

Zum Schutz der K√ľste wendet die Regierung Maltas dabei im 21.¬†Jahrhundert die Do Nothing-Strategie nach der Einteilung Doodys (2004) zum Management von K√ľstenerosion an. Dies bedeutet, dass keinerlei Ma√ünahmen zum K√ľstenschutz eingeleitet werden und es kein explizites K√ľstenlinienmanagement gibt, obwohl 11¬†der 14¬†Ministerien direkt in die Regulation des K√ľstengebietes eingebunden sind. Das einzige offizielle Dokument mit einem Bezug zum K√ľstenlinienmanagement ist der Structure Plan, der aber nur die Entwicklung an der K√ľste regulieren soll.

In der Praxis bestehen einige zwischenbeh√∂rdliche Netzwerke, und es gibt Kooperationen mit den Naturschutzorganisationen Nature Trust Malta und ‚ÄěThe Gaia Foundation‚Äú. Diese hat mit einem zust√§ndigen Ministerium einen Vertrag zur Verwaltung einiger K√ľstengebiete geschlossen, die dem europaweiten Natura 2000 Netzwerk angeh√∂ren und von der Naturschutzorganisation betreut werden.

Klima

Auf Malta herrscht subtropisches, trockenes Mittelmeerklima. Dieses ausgeglichene Seeklima ist von milden, feuchten Wintern und trockenen, warmen, aber nicht √ľberm√§√üig hei√üen Sommern gepr√§gt. Die j√§hrliche Niederschlagssumme betr√§gt auf den Inseln gut 620¬†Millimeter, wobei der geringste Niederschlag mit gegen Null tendierenden Werten im Sommer ‚Ästspeziell im Juni und Juli¬†‚Äď und der h√§ufigste im Winter zu verzeichnen ist. Der Regen zieht zumeist kurz und heftig √ľber das Land, wohingegen Dauerregen un√ľblich ist. Die Luftfeuchtigkeit auf Malta liegt im Sommer bei durchschnittlich 74¬†Prozent und in den Wintermonaten bei etwa 70¬†Prozent.

Wie f√ľr Insellagen typisch, sind die t√§glichen Temperaturunterschiede mit f√ľnf bis zehn Grad Celsius zumeist sehr gering. Die h√∂chsten Temperaturen werden in den Sommermonaten Juli und August erreicht, in denen die Durchschnittswerte auf bis zu 31,8¬†Grad ansteigen. Die tiefste monatliche Durchschnittstemperatur tritt im Januar mit 9,5¬†Grad Celsius auf. Besonders in den Wochen ansteigender Temperaturen im M√§rz und April k√∂nnen kr√§ftige, kalte Winde die gef√ľhlte Temperatur negativ beeinflussen. Die Wassertemperaturen im Mittelmeer um die Inseln variieren dem Klima entsprechend. Im August betragen sie circa 22,8¬†¬įC und sinken erst ab Dezember unter 20¬†¬įC ab. Unterhalb dieser Marke halten sie sich f√ľr gew√∂hnlich bis Mai, wobei Tiefstwerte von 15¬†¬įC erreicht werden k√∂nnen.

Die staatliche Wetter- und Klimamessstation ist das Meteorological Office Malta International Airport am internationalen Flughafen des Landes nahe der Ortschaft Luqa im S√ľdosten der Hauptinsel. Die tiefste jemals auf dem maltesischen Archipel registrierte und offiziell best√§tigte Temperatur betrug am 19.¬†Februar 1895 in Valletta 1,2¬†¬įC. Unbest√§tigt ist der Wert von ‚ąí1,7¬†¬įC am 1.¬†Februar 1962 auf dem Flugplatz von Ta‚ÄôQali. Im August 1999 wurde am Flughafen mit 43,8¬†¬įC die h√∂chste Temperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen. Entsprechend den klimatischen Bedingungen ist Schnee ein √§u√üerst seltenes Ph√§nomen auf Malta. Nachweislich seit 1800 hat es auf den Inseln keine Schneedecke mehr gegeben; allerdings wurden im Februar 1895, im Januar 1905 sowie am 31.¬†Januar 1962 leichte Schneeschauer beobachtet und notiert.

Natur: Allgemeiner √úberblick

Alle maltesischen Inseln sind felsig. Die Hauptinsel ist ein bis zu 260¬†Meter ansteigender H√∂henzug aus Kalkfels. Der S√ľden und der S√ľdwesten fallen steil zum Meer hin ab. Die K√ľste von Malta ist dort ungegliedert und unzug√§nglich. Zwischen den zerrissenen Felsen gibt es malerische kleine Buchten. Im Norden und Nordosten von Malta bestimmen H√ľgel und flachere Ebenen die Landschaft. Die K√ľste senkt sich dort allm√§hlich zum Meer und ist von Buchten eingeschnitten, die von Sandstr√§nden umschlossen werden. Berge und Fl√ľsse gibt es auf Malta nicht. Bemerkenswert sind die zahlreichen H√∂hlen, die durch Erosion des Kalks entstanden sind. Infolge der Wasserknappheit besteht die Vegetation in Malta aus wenig anspruchsvollen, aber zahlreichen Pflanzen, gro√üe B√§ume sind eher selten. Feigenb√§ume wachsen zum Teil wild am Stra√üenrand und auf den steinigen Feldern.

Flora

Mit rund 800 einheimischen Pflanzenarten weisen die maltesischen Inseln f√ľr ein Areal dieser Gr√∂√üe eine gro√üe Pflanzenvielfalt auf. Dies ist umso bemerkenswerter, als Malta keine signifikanten H√∂henunterschiede zeigt, wenig Vielfalt bez√ľglich der Standorte kennt und durch menschliche Einfl√ľsse √ľber Jahrtausende hinweg bereits stark umgeformt wurde. Das Artenspektrum ist typisch mediterran, eng verwandt ist die Flora Maltas mit der Siziliens, weist aber zus√§tzlich starke nordafrikanische Einfl√ľsse auf.

Bereits zu neolithischer Zeit begannen die Menschen den Wald der Inseln zum Bootsbau und zu anderen Zwecken abzuholzen, so dass die Inseln inzwischen waldlos sind. Eine Ausnahme bildet das von Menschen angelegte, 900¬†Meter lange und bis zu 200¬†Meter breite Waldgebiet der Buskett Gardens, die 1,1¬†Kilometer √∂stlich von Dingli und ebensoweit s√ľdlich von Rabat liegen.

Vorherrschende Vegetationstypen sind Macchie, Garrigue und Steppe, bedeutende Sonderstandorte sind insbesondere jene der Flach- und Steilk√ľsten, aber auch der wenigen S√ľ√ügew√§sser. Weitverbreitet sind Formationen gest√∂rter Standorte.

H√§ufige Pflanzenarten sind unter anderem Johannisbrotbaum, Olivenbaum, Kopfiger Thymian, Mastixstrauch, Vielbl√ľtige Heide, Teucrium fruticans sowie Euphorbia melitensis. Des Weiteren wachsen diverse Wolfsmilch- und Lauchgew√§chse sowie Strandflieder-Arten und knapp 15¬†Orchideenarten. Weit verbreitet ist Nickender Sauerklee (Oxalis pes-caprae). Endemische Arten sind Cremnophyton lanfrancoi, Darniella melitensis, Euphorbia melitensis, Limonium melitense, Limonium zeraphae, Cheirolophus crassifolius, Jasonia bocconei, Helichrysum melitense, Hyoseris frutescens, Zannichellia melitensis, Allium lojaconoi, Allium melitense und Ophrys melitensis.

Seit dem Ende des 20.¬†Jahrhunderts r√ľcken Naturschutzfragen allm√§hlich ins Bewusstsein der maltesischen √Ėffentlichkeit, insbesondere durch den Beitritt zur Europ√§ischen Union 2004 wurden im Rahmen des Natura-2000-Programms erste Schutzgebiete ausgewiesen. Dessen ungeachtet gelten einige maltesische Pflanzen als stark gef√§hrdet oder vom Aussterben bedroht, die IUCN listet drei nur in Malta vorkommende Pflanzen unter ihren Top 50 Mediterranean Island Plants auf, die vom Aussterben bedroht sind, darunter neben Cremnophyton lanfrancoi und Helichrysum melitense auch die 1971 als Nationalpflanze des Inselstaates ausgerufene Cheirolophus crassifolius. Der maltesische Nationalbaum, der Sandarakbaum, gilt ebenfalls als stark gef√§hrdet. Der vor allem historisch bedeutsame Malteserschwamm hingegen, der auf dem Fungus Rock vorkommt, ist dort gesch√ľtzt, da das Betreten des Fungus Rock nur zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt ist. Als invasive Arten problematisch sind der aus S√ľdafrika stammende und im 19.¬†Jahrhundert eingef√ľhrte Nickende Sauerklee, der von Malta aus die K√ľsten des gesamten Mittelmeers und des Atlantiks bis nach Gro√übritannien erobert hat. Bisher nur in Malta problematisch ist die chilenische Aster squamatus, die seit den 1930er Jahren zu einem der h√§ufigsten Unkr√§uter der Insel wurde. Von Bedeutung als invasive Neophyten sind au√üerdem der als Zierpflanze eingef√ľhrte Wunderbaum, der in den wenigen Feuchtgebieten der Inseln heimische Arten verdr√§ngt. An den empfindlichen K√ľsten breiten sich die Essbare Mittagsblume, die Agave americana und die Opuntia ficus-indica aus.

Fauna

Paläontologische Funde

Die Gńßar Dalam (mt.: H√∂hle der Finsternis) ist eine Karsth√∂hle im S√ľdosten der Insel Malta, nahe der Stadt BirŇľebbuń°a und nur etwa 500¬†m von der St¬†George's Bay entfernt. Sie hat eine maximale Breite von 18¬†m, ist bis zu 8¬†m hoch und f√ľhrt etwa 145¬†m weit in die Kalksteinfelsen. Die unterste fossilfreie Schicht hat ein angenommenes Alter von rund 180.000¬†Jahren, w√§hrend die darauf liegende Hippopotamus-Schicht der letzten Warmzeit angeh√∂rt (Eem-Warmzeit, vor 126.000 bis 115.000 Jahren). Sie stellt eine kompakte Knochenbrekzie dar. In der Schicht fanden Forscher zahlreiche Knochen der pleistoz√§nen Tierwelt, so das namengebende Flusspferd, welches mit Hippopotamus pentlandi (etwas kleiner als das heutige Flusspferd) und Hippopotamus melitensis (sehr kleines Zwergflusspferd) in zwei Gr√∂√üenvariationen auftritt. Von Bedeutung sind auch die Zwergelefanten, die ebenfalls in zwei unterschiedlich gro√üen Arten vorliegen. So erreichte Elephas mnaidriensis eine Schulterh√∂he von 1,9‚Äď2¬†m und wog rund 2,5¬†t. Dagegen war sein Verwandter Elephas falconeri nur 0,9‚Äď1,1¬†m hoch bei einem rekonstruierten Gewicht von 170¬†kg. Neben diesen wurden noch Reste verschiedener anderer Tierarten wie Bilche (Leithie cartei), verschiedene Flederm√§use und eine reichhaltige Vogelfauna gefunden.

Gegenwart

Insgesamt betrachtet gilt Maltas Fauna als relativ artenarm. Zu den auf den Inseln lebenden Tieren geh√∂ren M√§use, Ratten, die Langfl√ľgelfledermaus, Kaninchen, Igel, Wiesel, Eidechsen, Mauergeckos, Cham√§leons sowie mehrere Populationen ungiftiger Schlangen, wie die Leopardnatter.

Auf den Inseln sind einige Vogelfamilien heimisch, wie Lerchen, Finken, Schwalben und Drosseln. Auch die Turteltaube, der Pirol sowie einige Greifvogelarten geh√∂ren zur Fauna Maltas. Die h√§ufig anzutreffende Blaumerle ist zudem der Nationalvogel des Inselstaates. Im Fr√ľhjahr 2008 meldete die Regierung im Zuge von Natura 2000 27¬†Schutzgebiete f√ľr die Tier- und Pflanzenwelt an. Zu diesen Gebieten z√§hlen unter anderem die Kalksteinklippen Rdumijiet ta‚Äô Malta, die vielen Seev√∂gel, wie dem Levante-Sturmtaucher (Puffinus yelkouan), als Nistpl√§tze dienen. Dar√ľber hinaus existiert im Norden der Hauptinsel das Vogelschutzgebiet Gńßadira Bird Reserve. Ferner ist Malta im Fr√ľhjahr und im Herbst eine der wenigen Stationen f√ľr Zugv√∂gel auf deren Weg von Europa nach Afrika oder in die entgegengesetzte Richtung.

Endemische Tierarten
  • Crocidura sicula ssp. calypso (Unterart der Sizilianischen Spitzmaus)
  • Phragmatobia fuliginosa ssp. melitensis (Unterart des Zimtb√§ren)
  • Eukoenenia christiani
  • Papilio machaon ssp. melitensis (Unterart des Schwalbenschwanzes)
  • Maltesische Frischwasserkrabbe (Potamon fluviatile lanfrancoi)
  • Pimelia rugulosa ssp. melitana
  • Ogcodes schembrii
  • mehrere Unterarten der Malta-Eidechse (Podarcis filfolensis)

Vogeljagd und Vogelschutz

Die Vogeljagd gilt auf Malta als traditioneller Volkssport. Mit rund 18.000 offiziellen Jagdlizenzen hat Malta die h√∂chste J√§gerdichte in Europa. Eines der gr√∂√üten Jagdreviere ist die Marfa Ridge. Bis zum EU-Beitritt 2004 erlaubten die maltesischen Bestimmungen selbst die Jagd auf gesch√ľtzte Arten wie Bekassine, Zwergschnepfe, Kampfl√§ufer und Greifv√∂gel. Sch√§tzungen der Gesamtzahl get√∂teter V√∂gel schwanken zwischen 200.000 und 1.000.000 j√§hrlich. Die Tiere werden zumeist ausgestopft und als Troph√§e verkauft oder ‚Äď falls lebendig gefangen ‚Äď auch illegal als K√§figv√∂gel verkauft. Diese Vogeljagd galt und gilt meist noch als ausgesprochene M√§nnerdom√§ne und wurde √ľber Generationen ‚Äěvererbt‚Äú.

Seit 2004 gelten f√ľr Malta europ√§ische Bestimmungen wie die Vogelschutzrichtlinie und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Die maltesische Regierung konnte jedoch einen √úbergangskompromiss aushandeln. So wurde die Fr√ľhjahrsjagd auf Turteltauben und Wachteln beschr√§nkt und der Fang von sieben Finkenarten noch bis 2008 erlaubt, um ein Zuchtsystem aufbauen zu k√∂nnen. Zur √úberwachung der Umsetzung dieses Kompromisses entstand die 23¬†Personen starke Law Enforcement Police, die zudem f√ľr die Kontrolle von Prostitution und Gl√ľcksspiel verantwortlich ist. Seit 2004 fordern der NABU und BirdLife Malta ein Ende der Zugvogeljagd auf der Mittelmeerinsel. Die Vogelsch√ľtzer protokollierten im Herbst 2007 nicht nur den Vogelzug, sondern auch die umfangreiche Jagd im S√ľden der Insel. Insgesamt wurden 209 Verst√∂√üe dokumentiert und der √∂rtlichen Polizei gemeldet. In den meisten F√§llen handelte es sich um illegale Absch√ľsse von Greifv√∂geln. Unter diesen stand der in Mitteleuropa besonders seltene Wespenbussard an erster Stelle. Am 31.¬†Januar 2008 leitete die Europ√§ische Kommission vor dem Europ√§ischen Gerichtshof ein Klageverfahren gegen Malta ein, in dessen Mittelpunkt die Beendigung der besonders sch√§dlichen Fr√ľhjahrsjagd auf Wachteln und Turteltauben stand.

Ungeachtet aller Proteste und Verfahren erließ die Regierung auch 2012 wieder eine Ausnahmeregelung zum Abschuss Tausender europaweit gefährdeter Zugvögel.

Nachdem 2014 zuerst Fortschritte bei der Eind√§mmung der Vogeljagd gemacht worden waren, erlaubte die maltesische Regierung im Herbst 2014 erneut die Bejagung von sieben Finkenarten, Goldregenpfeifern und Singdrosseln mit riesigen Klappnetzen. Das Komitee gegen den Vogelmord berichtete hier√ľber umfangreich und dokumentiert dieses Vergehen gegen geltendes EU-Recht genau.

Umweltschutz

Akzeptanz ab Ende des 20. Jahrhunderts

Der Naturschutz findet in Malta erst seit 1990 Anklang. In jenem Jahr betrug die gesch√ľtzte Fl√§che im Vergleich zur Gesamtfl√§che des Landes etwa 0,1¬†Prozent. In den folgenden Jahren stieg dieser Wert deutlich an, sodass 2013 bereits 13¬†% der Landesfl√§chen gesch√ľtzt wurden (Schutzgebiete nach der Habitat-Richtlinie). Im Bereich der aquatischen Areale des Landes wurde 2014 eine Fl√§che von 193¬†km¬≤ gesch√ľtzt. In diesen Fl√§chen werden die urspr√ľnglichen mediterranen Landschaften gesch√ľtzt. Zu den popul√§rsten Naturschutzgebieten Maltas geh√∂ren die Insel Filfla und die Feuchtgebiete Gńßadira und Simar. Die Anteile an k√ľnstlichen Arealen sind in Malta jedoch als hoch einzusch√§tzen. Ungef√§hr ein Drittel des Landes kann in diese Kategorie eingeordnet werden.

Malta unternimmt seit dem Beitritt zur EU gro√üe Anstrengungen zur Verbesserung des Umweltschutzes, das Gesamtbild ist jedoch widerspr√ľchlich. Der Anteil aller umweltbezogenen Steuereinnahmen am BIP lag 2008 bei 3,74¬†% und √ľberstieg dabei den europ√§ischen Durchschnitt, Angaben √ľber Umweltschutzausgaben des √∂ffentlichen Sektors oder Umweltschutzinvestitionen der Industrie sind jedoch nicht verf√ľgbar. Der Anteil landwirtschaftlich genutzter Fl√§chen unter Agrarumweltbeihilfen an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fl√§che betrug im Jahr 2005 21¬†%, im Vorjahr lag der Wert noch bei rund 6,9¬†%.

Die Emission von Treibhausgasen steigt jedoch seit Jahren kontinuierlich an und lag 2007 bei 149,2¬†CO2-√Ąquivalenten (f√ľr Malta und Zypern wurden keine Zielwerte vorgegeben). Andererseits liegt die Belastung der st√§dtischen Bev√∂lkerung durch Luftverschmutzung mit Schwebstaub bei 23,9¬†Mikrogramm pro Kubikmeter. Dieser Wert liegt unter dem europ√§ischen Durchschnitt und beispielsweise unter dem der Niederlande. Die Belastung der st√§dtischen Bev√∂lkerung durch Luftverschmutzung mit Ozon wiederum liegt jedoch weit √ľber dem europ√§ischen Durchschnitt und erreicht nach Griechenland den zweith√∂chsten Wert in Europa.

Probleme f√ľr den Naturschutz

Die Natur wird prim√§r durch das Bev√∂lkerungswachstum, das suburbane Fl√§chenwachstum und den Tourismus bedroht. Diese Faktoren f√ľhren zum einen zu einer Verkleinerung der Habitate, zum anderen auch zu einer Fragmentierung der Landschaft. Auf Malta wird der Abfall vollst√§ndig deponiert. Mit j√§hrlichen 648¬†kg Abfall pro Kopf erreicht Malta nach Zypern einen einsamen negativen Spitzenwert in der Europ√§ischen Union. Wegen der geringen Gr√∂√üe der Insel und der hohen Bev√∂lkerungsdichte ist dies besonders problematisch. Es gibt kaum gr√∂√üere Fl√§chen auf den Inseln, die f√ľr die Landwirtschaft genutzt werden k√∂nnten, sodass viele Produkte importiert werden m√ľssen. Durch das gering vorhandene bzw. fehlende Umweltbewusstsein der Einheimischen landet dieser M√ľll zum Teil in der Landschaft.

Wasserversorgung

Laut einer im M√§rz 2011 ver√∂ffentlichten Statistik der Vereinten Nationen macht das Verh√§ltnis zwischen erneuerbarem Trinkwasser und der Anzahl an Einwohnern, n√§mlich 191¬†m¬≥ pro Kopf und Jahr, Malta zum wasser√§rmsten Land der Erde. Von der ohnehin schon niedrigen Rate einfallenden Niederschlags ‚Äď etwa 580¬†mm j√§hrlich ‚Äď bleibt nur etwa die H√§lfte auf der Oberfl√§che oder im Grundwasser zur√ľck, da diese Regenf√§lle, wie es f√ľr semi-aride Gebiete typisch ist, nur selten und kurz, daf√ľr aber intensiv in den Wintermonaten von Oktober bis Februar auftreten. Im Sommer verdunstet der Niederschlag zu einem gro√üen Teil. Au√üerdem verf√ľgt Malta nur √ľber wenige oberirdische S√ľ√üwasserquellen, die der Niederschlag speisen k√∂nnte, der aus Korallen gebildete Kalkstein-Boden ist durch die hohen Temperaturen sehr trocken und kann schlecht Wasser aufnehmen.

Der S√ľ√üwassermangel auf Inseln wie Malta ist damit begr√ľndet, dass in die Grundwasservorr√§te Salzwasser eingesp√ľlt wird und daher die Trinkwasserqualit√§t extrem herabgesetzt wird. Zudem wurden die Vorr√§te √ľberm√§√üig anthropogen genutzt, was Absenkungen und Ver√§nderungen der Aquifere induzierte. Durch die Bew√§sserung von Agrarfl√§chen, welche √ľber unterirdische Wasserentnahmen erfolgte, versalzte das Sickerwasser und der Grundwasserspiegel senkte sich. Regen aus Niederschl√§gen soll aufgefangen werden, Hausbesitzer sind per Gesetz verpflichtet, eine Zisterne anzulegen.

Die Agrarwirtschaft hat den zweith√∂chsten Anteil am Wasserverbrauch in Malta. Den h√∂chsten Verbrauch verzeichnen die maltesischen Haushalte aufgrund ihrer Dichte und des hohen Lebensstandards der Bev√∂lkerung. Die Wasserversorgung als zentrale infrastrukturelle Aufgabe √ľbernehmen sowohl der √∂ffentliche als auch der private Sektor. Es gibt aber nur ein Unternehmen, welches Trinkwasser nach verschiedenen Methoden produziert:

  • Es ist m√∂glich, auf nat√ľrliche Verfahren zur√ľckzugreifen. In dem Kalkstein-Aquifer bilden sich z.¬†B. Wasserreservoirs aus, in denen in kleinen Mengen salzfreies Wasser aufgrund seiner geringeren Dichte auf dem Salzwasser schwimmt und entnommen werden kann. In Ta Kandja in der N√§he von Siń°ń°iewi befindet sich die 1963 fertig gestellte Water Services Corporation‚Äôs Groundwater Pumping Station, die gesammeltes S√ľ√üwasser aus etwa 6,2¬†Kilometer langen Stollen entnimmt. Unter Maltas D√∂rfern verl√§uft ein gut 42¬†Kilometer langes System dieser Stollen.
  • Die zweite Bezugsquelle, das Abpumpen von Grundwasser √ľber Tiefbrunnen, wird ‚Äď bis auf die Nutzung in der Landwirtschaft ‚Äď nach M√∂glichkeit vermieden.
  • Das Verfahren der Umkehrosmose, also der Meerwasserentsalzung, ist eine intensiv eingesetzte Methode. Besonders auf Gozo ist das Leitungswasser daher merklich salzig. Das Verfahren verbraucht eine gro√üe Menge an Energie, welche aus der Verbrennung fossiler Ressourcen gewonnen wird und damit umweltsch√§dlich und kostenintensiv ist. In den 2010er Jahren werden Verfahren zur Gewinnung von Trink- aus Regenwasser gepr√ľft, das sonst gr√∂√ütenteils ins Meer abflie√üt.

Die Infiltration von Salzwasser in die Abwasseranlagen der Insel f√ľhrt jedoch zu weiteren Problemen der Wasserqualit√§t. Deshalb werden etwa 85¬†Prozent des Trinkwassers, u.¬†a. aus Sizilien, nach Malta importiert.

Die Bereitstellung sauberen Trinkwassers und der nachhaltige Umgang mit der Ressource Wasser bleibt eine Schl√ľsselaufgabe f√ľr die maltesische Regierung ‚Äď und zwar nicht nur im Sinne des Umweltschutzes, sondern auch aus √∂konomischer Sicht. Wirtschaftsf√∂rderer geben als gro√üe Herausforderung f√ľr die √Ėkonomie des Staates den Mangel an Ressourcen wie Wasser an. Mit der Etablierung eines effektiven Wasserverteilungssystems und der permanenten Kontrolle m√∂glicher Leckagen an der Kanalisation wird versucht, dem Problem entgegenzutreten. Mit dem 2011 ver√∂ffentlichten Water Catchment Management Plan auf Grundlage der Ideen der EU Water Framework Directive (einer Organisation der EU f√ľr die Bereitstellung und den nachhaltigen Umgang von gen√ľgend und qualitativ hochwertigem Wasser) soll der Mangel schrittweise behoben werden.

Geschichte

Auf den Inseln finden sich steinzeitliche Tempelanlagen, die zwischen 3800 v.¬†Chr. und 2500 v.¬†Chr. erbaut wurden. In der Bronzezeit gab es eine Neubesiedlung. Malta stand unter dem wechselnden Einfluss fast aller gro√üen Kulturen des Mittelmeerraums: Auf die ph√∂nizische (ab 800¬†v¬†Chr.) folgten 217¬†v.¬†Chr. die r√∂mische und 395¬†n.¬†Chr. die ostr√∂misch-byzantinische Herrschaft. 455 geh√∂rte Malta zum Reich der Wandalen, 494 kamen die Ostgoten, bevor Malta 533 erneut byzantinisch und 870 durch die Araber erobert wurde, die es islamisierten und eine neue Sprache, das Arabische, einf√ľhrten. Laut einer 991 durchgef√ľhrten Volksz√§hlung lebten zu jener Zeit 6.339 christliche und 14.972 muslimische Familien auf den Inseln.

Um 1049 kamen arabischsprachige Siedler von Sizilien nach Malta. Nach 1091 wurde der Archipel normannisch; erneut siedelten sich Arabisch sprechende Sizilianer auf Malta an. Erst nach 1240 wurden die Muslime von dem Staufer Friedrich¬†II. von Malta vertrieben; ein erheblicher Teil der muslimischen Bev√∂lkerung d√ľrfte in dieser Situation zum Christentum konvertiert und auf Malta geblieben sein. In den folgenden Jahrhunderten teilte Malta das Schicksal Siziliens zun√§chst unter den Staufern, ab 1266 unter den Anjou, den Aragonesen (ab 1284) und den Kastiliern (ab 1412). Die Herrschaft vor Ort √ľbten meist Lehenstr√§ger des jeweiligen K√∂nigs aus. Unter der Herrschaft der Staufer wurde der maltesischen Bev√∂lkerung ein gewisses Mitspracherecht gew√§hrt; so durften die Malteser eigene Repr√§sentanten in den Consiglio Popolare w√§hlen, ein Verwaltungsgremium, das die Bev√∂lkerung gegen√ľber dem Herrscherhaus vertrat. Obwohl die K√∂nige von Aragon und Kastilien Malta rund 250¬†Jahre beherrschten, √ľbten die spanische Kultur und Sprache keinen signifikanten Einfluss auf Malta aus; der sizilianische bzw. italienische Einfluss dauerte fort. Verwaltungssprache war lange Zeit das Lateinische, ehe sich das Sizilianische und sp√§ter das Italienische durchsetzte.

1530 ‚ÄstMalta geh√∂rte mit Aragonien und Kastilien zum von den Habsburgern regierten vereinigten K√∂nigreich Spanien ‚Äď √ľbergab Kaiser Karl¬†V. die Inseln als Lehen dem Johanniterorden. Der Orden des heiligen Johannes zu Jerusalem, zu Rhodos und zu Malta, auch Hospitaliterorden und seit der √úbernahme des maltesischen Archipels oft Malteserorden genannt, verst√§rkte die Befestigungsanlagen am Hafen und verteidigte die Inseln gegen osmanische Angriffe. Infolge der Gro√üen Belagerung durch die Osmanen im Jahr 1565 wurde 1566 die Festungsstadt Valletta gegr√ľndet, die nach dem damaligen Gro√ümeister des Ordens, Jean Parisot de la Valette, benannt ist. Der Einzug des Johanniterordens 1530 bedeutete die politische L√∂sung Maltas von Sizilien und den Beginn einer eigenst√§ndigen historischen Entwicklung; zudem wurde Malta erstmals Hauptsitz einer politischen und milit√§rischen Macht. Die Johanniter waren die ersten Besatzer, die Malta nicht als fernen Au√üenposten nutzten. Die Ritter waren Mitglieder einer europ√§ischen Elite und brachten ‚Äěkosmopolitische Offenheit, einen hohen kulturellen Stand und betr√§chtliche finanzielle Mittel‚Äú auf die Inseln, was sich in einer intensiven, teils pr√§chtigen, √ľberwiegend barocken Baut√§tigkeit nach der Niederschlagung der Osmanen √§u√üerte. Auch die Anf√§nge eines eigenen maltesischen Bildungswesens sind in dieser Phase der Geschichte Maltas zu verorten (vgl. Universit√§t Malta).

1798 wich der Malteserorden franz√∂sischen Revolutionstruppen Napoleon Bonapartes; dennoch h√§lt der Orden (zwar nicht √ľberall anerkannt) einen staats√§hnlichen v√∂lkerrechtlichen Status aufrecht, jedoch ohne Gebietsanspr√ľche an die Republik Malta. Nach einem Hilfegesuch maltesischer Aufst√§ndischer gegen die Franzosen blockierten die Briten die H√§fen des von den Franzosen gepl√ľnderten Archipels. Als diese im Jahre 1800 abziehen mussten, wurde ein britisches Regiment auf Malta stationiert, und mit dem Ersten Pariser Frieden von 1814 wurde die Inselgruppe britische Kronkolonie.

Im Zweiten Weltkrieg erwarb sich Malta den Ruf eines ‚Äěunversenkbaren Flugzeugtr√§gers‚Äú, von dem aus die Briten den Nachschub und den Vormarsch des deutschen Afrikakorps behinderten. W√§hrend der Belagerung von Malta 1941/42 war die Hauptinsel von einem massiven Versorgungsnotstand und von tausenden von Luftangriffen betroffen, denen mehr als tausend Einwohner zum Opfer fielen. F√ľr die Rolle Maltas im Zweiten Weltkrieg verlieh der britische K√∂nig dessen Bev√∂lkerung 1942 das Georgskreuz, das noch heute auf der Staatsflagge Maltas abgebildet ist. Am 20. Juli 1945 wurde in der Nationalversammlung ein Gesetzentwurf eingebracht, der f√ľr alle Frauen und M√§nner √ľber 18¬†Jahren das Wahlrecht vorsah. Bis dahin konnten nur ausgew√§hlte M√§nner √ľber 21¬†Jahren w√§hlen. Der Gesetzentwurf wurde angenommen.

1947 gestand Gro√übritannien dem Land die Selbstverwaltung zu. Am 5. September 1947 trat die MacMichael Constitution in Kraft, die f√ľr Frauen und M√§nner √ľber 21¬†Jahren das allgemeine Wahlrecht und das Prinzip ‚ÄěEine Person ‚Äď eine Stimme‚Äú enthielt, wodurch Mehrfachstimmen abgeschafft wurden. Das allgemeine Wahlrecht f√ľr M√§nner und Frauen wurde also gleichzeitig eingef√ľhrt. Sechs Wochen sp√§ter, am 25., 26. und 27. Oktober 1947, fanden die ersten Wahlen statt.

Schließlich erhielt Malta 1964 die Unabhängigkeit als parlamentarische Demokratie. Es blieb Mitglied des Commonwealth. Erst seit der Ausrufung der Republik am 13. Dezember 1974 ist die Queen nicht mehr Staatsoberhaupt Maltas. Am 1. Mai 2004 trat Malta der Europäischen Union bei. Am 1. Januar 2008 löste der Euro die Maltesische Lira (maltesisch Lira Maltija) als offizielle Landeswährung ab.

Bevölkerung

Bevölkerungsstruktur

√úbersicht

Die letzte Volksz√§hlung in Malta fand im Jahr 2013 statt. Dieser Zensus wurde im August 2015 ver√∂ffentlicht und stellt die Grundlage f√ľr diesen Artikel dar. Die Darstellung der Bev√∂lkerungsstruktur ber√ľcksichtigt die Geburten- und Sterberate sowie die Ab- und Zuwanderungsrate.

Im Dezember 2013 betrug die Bev√∂lkerungszahl Maltas demnach 425.384 Einwohner. Dies entspricht einem Wachstum von einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr und dem konstant niedrigen Bev√∂lkerungszuwachs Maltas seit 1985, der auch f√ľr die n√§chsten 50¬†Jahre prognostiziert wird. Aufgrund einer kleinen Gesamtfl√§che von 316 Quadratkilometern ergibt sich eine relativ hohe Bev√∂lkerungsdichte von 1.346¬†Einwohnern pro Quadratkilometer, die nur vom v√∂llig urbanisierten Monaco √ľbertroffen wird. Zum Vergleich: Deutschland hat 230¬†Ew./km¬≤, die Niederlande 408, das F√ľrstentum Monaco aber rund 19.000 Bewohner je Quadratkilometer. Malta hat somit die f√ľnfth√∂chste Bev√∂lkerungsdichte unter den Staaten der Welt. 92¬†Prozent der Menschen leben in St√§dten.

Die Bev√∂lkerungsverteilung Maltas zeigt die typische Bev√∂lkerungsstruktur eines entwickelten Landes. Der Anteil der Menschen √ľber 25¬†Jahre ist h√∂her als derjenige der unter 25-J√§hrigen. Etwa ein Viertel der Gesamtbev√∂lkerung ist 60¬†Jahre oder √§lter und nur 17,8¬†% der Einwohner Maltas sind Minderj√§hrige unter 18¬†Jahren. Kinder gibt es aufgrund des demographischen Wandels und neuer Lebensweisen ohne Kinder oder in Kleinfamilien nur wenige.

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Neugeborenen auf Malta liegt bei 81,9¬†Jahren. Bei den Jungen wird erwartet, dass sie 79,6¬†Jahre alt werden, das durchschnittliche Sterbealter der Frauen betr√§gt etwa 84¬†Jahre. Der Anteil der weiblichen und der m√§nnlichen Bev√∂lkerung ist quasi gleich, wobei Frauen mit 50,06¬†% in geringer √úberzahl sind. Bei den √ľber 70-J√§hrigen zeigt sich hingegen ein deutlicher Frauen√ľberschuss.

5,9 % der auf Malta lebenden Menschen haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. 3,2 % stammen aus anderen Ländern der Europäischen Union, vor allem aus Großbritannien, Italien, Bulgarien und Deutschland. Von außerhalb der EU leben hauptsächlich Menschen mit einer somalischen Staatsangehörigkeit auf Malta.

Bevölkerungsentwicklung

Quelle: UN

2020 wurde die Bevölkerungszahl bereits mit circa 520.700 angegeben.

Geburten

2013 wurden 4.127 Babys in Malta geboren, wovon 97,7¬†% maltesischer Abstammung sind. Ungef√§hr 16¬†% der Kinder wachsen ohne Vater und 1.028 au√üerehelich auf. Das Durchschnittsalter der M√ľtter bei der Geburt betr√§gt 29,6¬†Jahre.

Die Fertilitätsrate Maltas lag 2018 bei 1,23. Malta hat damit die niedrigste Fertilitätsrate in der Europäischen Union. Aufgrund der niedrigen Nettoreproduktionsrate wird Malta in den Hochrechnungen von Demografen langfristig als eine schrumpfende Nation eingestuft. Dies lässt sich ebenfalls an der von einer Glockenform zur Urnenform tendierenden Bevölkerungspyramide erkennen. Eine Glockenform zeichnet eine stagnierende, gleichbleibende Bevölkerung aus. Bei einer Urnenform schrumpft die Bevölkerung dadurch, dass es immer weniger Kinder gibt.

Malta ist das einzige EU-Land und eines der wenigen Länder weltweit, in denen eine Abtreibung in jedem Fall verboten ist, auch wenn der Fötus nicht lebensfähig und/oder das Leben der Mutter in Gefahr und/oder die Schwangerschaft das Resultat einer Vergewaltigung ist. Bei einem eigenmächtigen Schwangerschaftsabbruch drohen Frauen Gefängnisstrafen zwischen 18 Monaten und drei Jahren. In der Praxis wird jedoch nicht jeder Fall verfolgt.

Todesfälle

Im Jahr 2013 sind 3.236 Menschen in Malta gestorben. Davon waren 65¬†% √§lter als 75¬†Jahre und 30,4¬†% zum Zeitpunkt ihres Todes zwischen 20 und 74¬†Jahren alt. Damit ist der Anteil der Verstorbenen √ľber 75¬†Jahren gestiegen und der Anteil der zweiten Altersgruppe gesunken. 40¬†% aller Todesf√§lle gehen auf Kreislauferkrankungen und 26,9¬†% auf Tumorerkrankungen zur√ľck. Im Jahr 2013 kam es zu 19¬†Totgeburten, was einer Verringerung von f√ľnf Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Kindersterblichkeit stieg von 22¬†Kindern (2012) auf 27 (2013) an, was einer Kindersterblichkeitsrate von 6,7¬†entspricht.

Familien

2.578 Eheschlie√üungen fanden 2013 in Malta statt, davon 53,5¬†% kirchlich. Die Anzahl der Eheschlie√üungen ist um 8,7¬†% gesunken, liegt aber im Durchschnitt der Eheschlie√üungen pro Jahr in den letzten 15¬†Jahren. Ehescheidungen waren im katholisch gepr√§gten Malta bis 2011 gesetzlich nicht m√∂glich, bis die Malteser am 29. Mai 2011 in einer Volksabstimmung f√ľr ein Scheidungsrecht stimmten, das dann mit einem Gesetz mit Wirkung zum 1.¬†Oktober 2011 eingef√ľhrt wurde. Im Jahr 2013 lie√üen sich 399¬†Paare scheiden. Dar√ľber hinaus beschloss das Parlament im April 2014 ein Gesetz zur zivilrechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.

Religion

Die √ľberwiegende Mehrheit der maltesischen Bev√∂lkerung (93,9¬†% im Jahr 2018) ist r√∂misch-katholisch; daneben gibt es einige Protestanten (darunter Baptisten), orthodoxe Christen, Juden und Muslime.

Die katholische Kirche √ľbt seit dem Mittelalter starken Einfluss auf die Politik und das gesellschaftliche Leben Maltas aus. So ist noch der Schwangerschaftsabbruch strafbar und ‚Äěoben ohne‚Äú baden verboten. Die katholischen Gemeinden geh√∂ren zu den Bist√ľmern Malta und Gozo. Der Katholizismus ist in der Verfassung Maltas als Staatsreligion verankert und wird von der Mehrheit der Bev√∂lkerung praktiziert. √Ąu√üere Zeichen daf√ľr sind Hausalt√§re, in Geb√§udefronten gemei√üelte und farbenfroh verzierte Bildnisse von Heiligen, Bisch√∂fen und Pfarrern sowie Denkm√§ler von Heiligen oder P√§psten auf √∂ffentlichen Pl√§tzen.

Nach einer in Malta beliebten Gr√ľndungslegende begann die Geschichte des Christentums auf Malta mit der Ankunft des Apostels Paulus. Die Erz√§hlung von seinem Schiffbruch (Apg 28,1‚Äď11¬†) vor Melite wird als Beleg f√ľr seine Ankunft auf Malta gedeutet, der griechische Name Melite mit Malta gleichgesetzt. Doch entspricht die in der Erz√§hlung enthaltene Beschreibung Melites nicht der geografischen und topografischen Beschaffenheit Maltas. Dennoch sind die Inseln, auch als Zwischenstation auf der Fahrt nach Pal√§stina, immer noch Ziel zahlreicher Pilger. Auch Menschen, die aus religi√∂sen Gr√ľnden fl√ľchteten, fanden in Malta oft ein neues Zuhause, etwa mithilfe des Jesuit Refugee Service Malta.

Die arabische Eroberung im Jahr 870 (siehe Geschichte Maltas) f√ľhrte neben der Einf√ľhrung der arabischen Sprache, aus der das Maltesische hervorging, zur Ansiedlung von Muslimen und wahrscheinlich auch zur Konversion vieler einheimischer Christen zum Islam. Im Hochmittelalter wurde die muslimische Bev√∂lkerung Maltas vollkommen christianisiert, sodass die islamische Gemeinde im Wesentlichen aus auf Malta lebenden Libyern besteht, die eine in den 1970er Jahren in Valletta errichtete Moschee betreiben. Das muslimisch-arabische Brauchtum des Mittelalters hat au√üer in der Sprache Maltas kaum Spuren hinterlassen.

Die Wurzeln des Judentums auf Malta reichen mindestens bis in das 3.¬†Jahrhundert zur√ľck, als die Insel zum R√∂mischen Reich geh√∂rte. Unter der spanischen Herrschaft mussten Juden, die sich nicht taufen lie√üen, ab 1493 das Land verlassen. Dokumentiert ist die j√ľdische Pr√§senz in zahlreichen Bauwerken, etwa den Katakomben bei Rabat, dem Judentor und dem j√ľdischen Seidenmarkt in Mdina, dem Stra√üennamen Triq ta‚Äô Lhud und dem Judentor in Valletta. Auf der Insel Comino lebte Ende des 13.¬†Jahrhunderts der bedeutende j√ľdische Mystiker Abraham Abulafia.

Sprache

Obwohl Malta bis zur staatlichen Unabhängigkeit 1964 stets unter Fremdherrschaft stand, haben die Malteser ihre eigene, aus dem mittelalterlichen Arabisch hervorgegangene Sprache bewahrt. Maltesisch ist neben der ehemaligen Kolonialsprache Englisch Staatssprache Maltas, außerdem ist es qua Gesetz als alleinige Nationalsprache des maltesischen Volkes anerkannt und infolge der Mitgliedschaft in der Europäischen Union eine EU-Amtssprache.

Maltesisch z√§hlt zu den semitischen Sprachen und hat sich aus einem arabischen Dialekt entwickelt. Strukturell ist es mit den nordafrikanischen Variet√§ten des Arabischen und dem ausgestorbenen sizilianischen Arabisch eng verwandt, aber auch gr√∂√üere Wortschatzanteile aus dem Italienischen sowie geringere aus dem Spanischen, Franz√∂sischen und Englischen finden sich im Maltesischen wieder. Als einzige semitische Sprache verwendet Maltesisch das lateinische Alphabet (Y und C ausgenommen), erweitert um f√ľnf Grapheme: ńč, ń° und Ňľ sowie gńß und ńß, die einige spezifisch italienische Zischlaute bzw. arabische Kehllaute abbilden.

Maltesisch ist in der Regel die Muttersprache der Malteser; Englisch und Italienisch sind Zweitsprachen, die dem √∂ffentlichen Leben vorbehalten sind. Italienisch (zun√§chst in seiner sizilianischen Auspr√§gung) wurde nach der √úbergabe Maltas durch die Araber an Sizilien im 11.¬†Jahrhundert vom nunmehr einwandernden christlichen Landadel als Bildungssprache verwendet und spielte auch als Kirchensprache eine Rolle. Es war Gerichtssprache Maltas (bis 1934) und die bevorzugte Bildungs- und Schriftsprache der Malteser. Franz√∂sisch diente der Kommunikation der √∂rtlichen H√§ndler und Handwerker mit dem Johanniterorden von 1530 bis zum Ende der Herrschaft des Ordens √ľber Malta. Infolge der britischen Kolonialzeit im 19./20.¬†Jahrhundert beherrschen fast alle Malteser das Englische, das im Bildungswesen mit dem Maltesischen gleichberechtigt ist oder, wie an einzelnen Privatschulen und der Universit√§t, im Unterricht sogar vorherrscht. Kenntnisse des Italienischen sind aufgrund der geographischen N√§he, der traditionell engen Wirtschaftsbeziehungen zu S√ľditalien und nicht zuletzt der Beliebtheit italienischer Fernsehprogramme weiterhin verbreitet; Italienisch wird in den Schulen von rund der H√§lfte der Sch√ľler als dritte Sprache gew√§hlt. Erst 1934 wurde Maltesisch von den Briten neben Englisch zur offiziellen Sprache erhoben, um das Italienische zur√ľckzudr√§ngen und einer m√∂glichen Einflussnahme des faschistischen Regimes Italiens auf die lokale Bev√∂lkerung vorzubeugen. Das Arabische, das nach der Unabh√§ngigkeit von Gro√übritannien im Zuge einer politischen und wirtschaftlichen Ann√§herung der Republik Malta an Libyen als Schulsprache propagiert wurde, findet kaum noch Interessenten. Nur circa ein Prozent der Sch√ľler lernt auch Arabisch.

Politik

Parlament und Regierung, Staatspräsident und Verwaltung

Die Republik Malta verf√ľgt √ľber ein Einkammerparlament, das Repr√§sentantenhaus, das aus mindestens 65 Abgeordneten besteht. Daneben sind der maltesische Staatspr√§sident und der Speaker of the House of Representatives qua Amt Mitglieder des Parlaments. Staatspr√§sident ist seit April 2019 George Vella, der der sozialdemokratischen Partit Laburista angeh√∂rt. Regierungschef ist Robert Abela von derselben Partei. Die maltesische Regierung wird f√ľr eine Legislaturperiode von f√ľnf Jahren gew√§hlt. Die gr√∂√üten Parteien Maltas sind die Partit Laburista und die konservative Partit Nazzjonalista, die zuletzt von 1998 bis 2013 regierte. Der maltesische Staatspr√§sident wird gew√§hlt, nachdem er vom Premierminister vorgeschlagen wird. Dies wird durch eine einfache Wahlmehrheit besiegelt. Malta hat eine Zentralverwaltung und 68 Gemeindeverwaltungen, die ebenfalls alle f√ľnf Jahre gew√§hlt werden. Eine hohe Mitsprache im politischen Alltag haben einige Gewerkschaften, so die General Workers‚Äô Union, und die katholische Kirche.

Wahlverhalten

Die Parteibindung der meisten Malteser ist langfristig, die Zahl der Wechselw√§hler entsprechend gering. Dies erschwert es neuen Parteien, ins Parlament einzuziehen. Die langfristige Parteibindung wird zus√§tzlich durch das maltesische Verh√§ltniswahlrecht nach dem Verfahren der √ľbertragbaren Einzelstimmgebung in Mehrmandatswahlkreisen mit je f√ľnf Mandaten beg√ľnstigt.

Die Wahlbeteiligung in Malta ‚Ästes existiert keine Wahlpflicht¬†‚Äď ist traditionell au√üerordentlich hoch. Bei Parlamentswahlen liegt die Wahlbeteiligung deutlich √ľber 90¬†%, bei der Europawahl 2009 lag sie bei 78,79¬†%.

Ministerien

Die Staatsregierung ist in folgende Ministerien gegliedert:

Politische Indizes

Innenpolitik

Im Zusammenhang mit dem globalen Klimawandel spielt der Naturschutz in Malta eine immer gr√∂√üere Rolle. 2012 ver√∂ffentlichte das damalige Ministerium f√ľr Ressourcen und Angelegenheiten des l√§ndlichen Raumes eine Strategie zur Anpassung an den Klimawandel (National Climate Change ‚Äď Adaptation Strategy). In dieser teilt die Regierung mit, dass der Schutz der Natur, insbesondere der Biodiversit√§t, einen Schwerpunkt ihrer T√§tigkeit bildet. Diese und √∂kologisch abh√§ngige √Ėkosysteme sollen besonders gesch√ľtzt werden. Zudem wird eine Restauration von bestehenden Habitaten angestrebt, die anschlie√üend als Naturschutzgebiete ausgezeichnet werden sollen. Ziel ist, gegen die Gef√§hrdung von Arten vorzugehen und die Existenz von Populationen anzustreben, die eine zukunftsorientierte Gr√∂√üe aufweisen. Ein Zeitfenster f√ľr die Umsetzung wurde jedoch nicht genannt. Notwendige Ma√ünahmen sollen dann umgesetzt werden, wenn sie anwendbar sind. EcoGozo initiiert unterschiedliche Projekte, um diese Ziele zu erreichen. Beispielsweise werden nachhaltige Energien unterst√ľtzt; bereits 68¬†% des f√ľr das Ministerium ben√∂tigten Stroms wird aus Solarenergie bezogen. Zudem wird auf die Verwendung von Elektroautos unterst√ľtzt, indem auf der Insel Gozo Ladestationen errichtet wurden.

Außenpolitik: EU-Erweiterung

Malta stellte am 16. Juli 1990 einen erstmaligen Antrag auf Beitritt in die Europ√§ische Gemeinschaft (EG). Mit dem Antrag verband sich die Hoffnung, Italien w√ľrde die Mitgliedschaft Maltas im Rahmen der n√§chsten Erweiterung unterst√ľtzen. Der Einfluss Italiens im Rat wurde jedoch aufgrund der politischen Umbr√ľche im Zuge der Mani pulite ab 1992 stark geschw√§cht. Dies hatte zur Folge, dass das Ergebnis des Gipfels in Lissabon 1992 nicht zu Gunsten von Malta ausfiel. Die 1993 von der Kommission ver√∂ffentlichte Opinion on Malta's Application wurde zwar von der maltesischen Regierung als durchaus positiv f√ľr Malta wahrgenommen, doch nannte sie auch einige politische, wirtschaftliche und institutionelle Probleme, die Maltas Beitritt f√ľr die Union h√§tte. Einige dieser Probleme waren beispielsweise Maltas politische Neutralit√§t oder die n√∂tige, gr√ľndliche √úberarbeitung des marktregulierenden Systems.

Trotz der √ľberwiegend positiven Bewertung Maltas beschloss der Europ√§ische Rat, die Entscheidung √ľber den m√∂glichen Beitritt bis zur geplanten Regierungskonferenz der Mitgliedstaaten 1996 zu verschieben.

Nach der Wahlniederlage der Nationalistischen Partei 1996 wurde die EU-Aufnahme von Seiten Maltas um zwei Jahre verschoben. Die Bem√ľhungen eines Beitritts in die EU kamen vorzeitig zum Erliegen, denn die Sozialisten verfolgten das Ziel, Malta als eine ‚ÄěSchweiz im Mittelmeer‚Äú zu etablieren. Als regierende Partei zogen sie nicht nur den Antrag auf Beitritt in die EU zur√ľck, sondern zogen sich aus der Partnerschaft f√ľr den Frieden der NATO zur√ľck. Dieser war Malta nur ein Jahr zuvor beigetreten um der EU zu signalisieren, dass sie in der Lage sei, ihre Neutralit√§t zu bewahren und trotzdem eine Partnerschaft mit einer milit√§rischen Organisation einzugehen. Statt einer Mitgliedschaft in der Europ√§ischen Union ersuchte die neue Regierung eine Partnerschaft, welche die Europ√§ische Kommission jedoch ablehnte. Infolge von innerparteilichen Auseinandersetzungen fanden, nach nur zwei Jahren als regierende Partei, 1998 Neuwahlen statt. Als Sieger gingen daraus die Nationalistischen Partei hervor, wodurch der Antrag auf Mitgliedschaft in der EU erneuert wurde. Doch nicht nur Malta verzeichnete einige Ver√§nderungen, auch die Europ√§ische Union hatte sich in der Zwischenzeit weiterentwickelt. Mit dem Vertrag von Amsterdam, dem Vorantreiben der W√§hrungsunion und weiteren Meilensteinen war die EU eine andere Institution als 1990, als sich Malta erstmals bewarb. Auch die Standards, die f√ľr den Beitritt erf√ľllt sein mussten, hatten sich ge√§ndert. So mussten EU-Beitrittskandidaten vor ihrem Eintritt in die EU den Besitzstand der Gemeinschaft annehmen und die Kopenhagener Kriterien erf√ľllen. Hierbei wurde √ľberpr√ľft und evaluiert, wie kompetent sie dabei waren, das EU-Recht in ihr eigenes zu implementieren.

Nach der Wiederherstellung der Bewerbung ersuchte Malta die Kommission um eine Aktualisierung der 1993 ver√∂ffentlichten Opinion. Wichtigster Bestandteil dieses Reports war die Empfehlung, den Screening-Prozess von Malta zu starten, damit die eigentlichen Verhandlungen um den Beitritt beginnen konnten. Nachdem dieser Prozess im Zeitraum Mai 1999 bis Januar 2000 stattgefunden hatte, konnten im Februar die Verhandlungen aufgenommen werden. Im September des gleichen Jahres ver√∂ffentlichte die maltesische Regierung ihre erste Version des National Programme of Adaption of the Acquis, welches als Richtlinie zur √úberpr√ľfung des legislativen und administrativen Systems diente.

Malta wurde nach der Entscheidung auf dem EU-Gipfeltreffen am 13. Dezember 2002 in Kopenhagen im Zuge der EU-Erweiterung zum 1. Mai 2004 mit acht mittel- und osteuropäischen Staaten sowie Zypern in die Europäische Union aufgenommen. Trotzdem konnte Malta seinen Neutralitätsstatus, der seit 1987 in der Verfassung festgelegt ist, erhalten, da er auch im Beitrittsvertrag festgehalten wurde.

Doch vor der Aufnahme f√ľhrten die Malteser am 8. M√§rz 2003 ein Referendum durch. F√ľr einen Beitritt zur EU war die Nationalistische Partei, w√§hrend die Sozialisten und Gewerkschaften Werbung dagegen machten. Die Wahlbeteiligung bei den 390.000 Maltesern lag bei 91¬†%, die Zustimmung bei 53,65¬†% und somit leicht √ľber den Vorhersagen. Malta hat Luxemburg als kleinstes EU-Land abgel√∂st.

In das Europ√§ische Parlament kann Malta sechs Abgeordnete entsenden, die je nach dem Landeswahlergebnis aus der Regierungs- und der Oppositionspartei kommen. Im ersten Halbjahr 2017 √ľbernahm Malta die EU-Ratspr√§sidentschaft. Die Vorbereitung auf diese anspruchsvolle Aufgabe erfolgte √ľber ein gemeinsames Arbeitsprogramm in einer Trio-Pr√§sidentschaft mit den Niederlanden und der Slowakei, die 2016 den Vorsitz f√ľhrten.

Vorwurf der Steuervermeidung, Geldw√§sche und des Verkaufs der Staatsb√ľrgerschaft an Nicht-EU-B√ľrger

Maltas Politik wurde (Stand M√§rz 2019) vom Europ√§ischen Parlament in mehrfacher Hinsicht ger√ľgt. Kritisiert wurde vor allem der Verkauf von maltesischen P√§ssen an wohlhabende Ausl√§nder und damit deren freier Zugang zum Schengen-Raum. Gemeinsam mit Zypern, das einer √§hnlichen Praxis beschuldigt wird, war es bis zum Zeitpunkt des Berichts etwa 6000 Personen erm√∂glicht worden, sich √ľber gekaufte Staatsb√ľrgerschaften legal Zugang zur Europ√§ischen Union zu verschaffen. Maltas Regierung gehe zudem nur unzureichend gegen Geldw√§sche vor, darunter auch gegen solche Mittel, die potentielle Kriminelle ins Land bringen. Auch z√§hlt Malta zu den Staaten der EU, die beschuldigt werden, bei der Steuervermeidung zu helfen, und gelegentlich als Steueroase bezeichnet werden. Im Oktober 2020 leitete die EU-Kommission gegen Malta (und Zypern) Vertragsverletzungsverfahren wegen des Verkaufs der Staatsb√ľrgerschaft an wohlhabende Nicht-EU-B√ľrger ein. Malta soll sie im Gegenzug f√ľr eine Investition in H√∂he von 2,5¬†Millionen Euro vergeben haben.

Einreisebestimmungen

Die Einreise nach Malta ist mit einem g√ľltigen Reisepass oder Personalausweis m√∂glich. Kinderausweise (sofern sie mit einem Foto versehen sind) werden anerkannt. Vorl√§ufige Reisep√§sse und Personalausweise werden nicht immer akzeptiert. Der Eintrag eines Kindes in den Reisepass eines Elternteils ist seit 2012 f√ľr die Einreise nicht mehr g√ľltig.

Malta ist seit dem 21. Dezember 2007 Mitglied im Schengenraum, daher entfallen die Grenzkontrollen am Internationalen Flughafen von Malta. Ausl√§nder, die √ľber ein Schengenvisum bzw. einen Schengenaufenthalt verf√ľgen, ben√∂tigen kein maltesisches Visum f√ľr die Einreise.

Fl√ľchtlingsfrage

Im Juni 2011 er√∂ffnete die EU in Malta das Europ√§ische Unterst√ľtzungsb√ľro f√ľr Asylfragen (EASO = European Asylum Support Office), das die Asylpolitik umsetzt, die Mitgliedstaaten ber√§t und unterst√ľtzt.

2015 lebten in Malta etwa 10.000 Bootsfl√ľchtlinge aus Somalia, √Ąthiopien, Eritrea und anderen L√§ndern Afrikas. Die meisten dieser Fl√ľchtlinge haben nicht den Status von Asyl-Berechtigten, sondern werden aus humanit√§ren Gr√ľnden (B√ľrgerkrieg u.‚ÄĮ√§.) nicht abgeschoben. Malta lehnt es aufgrund der hohen Bev√∂lkerungsdichte und geringen Gr√∂√üe seiner Landfl√§che ab, noch mehr afrikanische Bootsfl√ľchtlinge aufzunehmen. Zugleich ist Maltas Marine f√ľr die Koordinierung der Seenotrettung in einem 180¬†√ó¬†600¬†Seemeilen gro√üen Gebiet zust√§ndig. Wegen der Weigerung, Schiffen mit aus Seenot geretteten Fl√ľchtlingen die Einfahrt in seine H√§fen zu gestatten sowie wegen der Lebensbedingungen in den vom maltesischen Milit√§r verwalteten Internierungslagern, in denen Asylbewerber teilweise bis zu 18 Monate festgehalten werden, sieht sich Malta zunehmend der Kritik von Menschenrechtsorganisationen und des Europ√§ischen Parlaments ausgesetzt (Stand um 2008). Der Vorschlag Maltas, Bootsfl√ľchtlinge gleichm√§√üig auf alle Mitgliedsstaaten der Europ√§ischen Union zu verteilen, wird von den EU-Innenministern jedoch bisher abgelehnt.

Am 4. Juli 2018 wurde bekannt, dass Malta dem Flugzeug Moonbird von Sea-Watch und der Schweizer Humanit√§ren Piloteninitiative (HPI) keine Erkundungsfl√ľge von Malta aus mehr gestattete. 2017 habe die ‚ÄěMoonbird‚Äú 119 Boote in Seenot gesichtet.

Commonwealth

Durch Maltas Mitgliedschaft im Commonwealth ‚Äď dem Staatenbund ehemaliger (zumeist) britischer Kolonien ‚Äď haben Malteser in manchen dieser Staaten bei Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen einen privilegierten Status im Vergleich zu anderen EU-B√ľrgern.

Sicherheitspolitik

Die maltesische Armee (Armed Forces of Malta / Forzi Armati ta' Malta) verf√ľgt √ľber etwa 2140¬†Soldaten und mehrere Hubschrauber, die f√ľr Patrouillenfl√ľge sowie Aufkl√§rungs- und Rettungsaufgaben eingesetzt werden. Daneben existiert der Maritime Squadron, der den Schutz der territorialen Gew√§sser zur Aufgabe hat und sieben Patrouillenboote betreibt.

Seit dem 11. März 1983 besteht ein Vertrag mit Italien, der den Schutz der maltesischen Neutralität garantiert. Zu diesem Zweck gibt es in Pembroke auf Malta ein italienisches Truppenkontingent.

Mitgliedschaft in internationalen Organisationen

  • Vereinte Nationen und Unterorganisationen (seit 1964)
  • Mitglied des Commonwealth (seit 1964), Europarat (seit 1965)
  • Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO, seit 1966)
  • Union f√ľr den Mittelmeerraum (UfM, seit 2008)
  • Organisation f√ľr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE, seit 1972)
  • Interparlamentarische Union (IPU, seit 1988)
  • Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO, seit 1997)
  • Europ√§ische Union (EU, seit 1. Mai 2004)

Diplomatische Beziehungen

Malta unterhält mit mehr als 100 Ländern diplomatische Beziehungen und tauscht Botschafter aus. Die meisten ausländischen Botschaften befinden sich in den Nachbarstädten Vallettas rund um den Marsamxett Harbour und fallen hier kaum durch große Sicherheitsvorkehrungen auf.

Deutschland und Malta haben 1965 konkrete Beziehungen vereinbart, kurz nach der Unabh√§ngigkeit Maltas. Im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt der Inselrepublik im Mai 2004 sind die bestehenden Kontakte auf allen Ebenen (Handel und Wirtschaft, Kultur, Bildung) stetig intensiver geworden. Im Fr√ľhjahr 2015 war Bundespr√§sident Joachim Gauck in Malta auf Staatsbesuch, im Februar 2015 fanden in Berlin offizielle Gespr√§che zwischen der Bundeskanzlerin Angela Merkel und Premierminister Joseph Muscat statt. Die Deutsche Botschaft hat ihren Sitz in den Whitehall Mansions; au√üerordentlicher und bevollm√§chtigter Botschafter ist Walter Ha√ümann. Die Maltesische Botschaft in Deutschland befindet sich in der Klingelh√∂ferstra√üe¬†7 in Berlin-Tiergarten.

Justizwesen

Gesetzgebung

Die Verfassung ist die h√∂chste staatliche Rechtsquelle. Alle Gesetze k√∂nnen von Fachkommissionen vorbereitet und vorab gegebenenfalls in einem Wei√übuch der √Ėffentlichkeit zur Kenntnis gegeben werden. Schlie√ülich werden sie als Acts of Parliament vom Parlament verabschiedet. Die Gesetzgebungsbefugnis kann aber auch anderen Stellen √ľbertragen werden, beispielsweise Ministerien, Beh√∂rden oder K√∂rperschaften des √∂ffentlichen Rechts. Damit verbunden ist die Ausarbeitung und Inkraftsetzung von Durchf√ľhrungsbestimmungen (‚Äěsekund√§rrechtliche Vorschriften, Local Councils Bye-Laws‚Äú). Bestehende au√üenpolitische Vertr√§ge werden stets direkt in das geltende maltesische Recht eingearbeitet. Alle Gesetze werden in der Regierungszeitung ver√∂ffentlicht. Das Abgeordnetenhaus kann auf Antrag Erg√§nzungen oder Text√§nderungen bestehender Gesetze beschlie√üen.

Gerichte

Organe der Rechtsprechung sind Zivil- und Strafgerichte, die dem Ministerium f√ľr Justiz, Kultur und Kommunalverwaltung unterstehen. Zu den Zivilgerichten geh√∂ren der Court of Appeal (Appellationsgericht), der Civil Court mit drei Kammern, Court of Magistrates, Court of Magistrates Gozo und das Small Claims Tribunal. Strafgerichtsbarkeiten sind der Court of Criminal Appeal, Criminal Court, Court of Magistrates, Court of Magistrates Gozo sowie uvenile Court.

Das in den verschiedenen Rechtsakten festgeschriebene Recht wird von den Mitgliedern der Gerichte ausgelegt. Richter halten sich au√üer aus wichtigen Gr√ľnden an diese Rechtsprechung.

In den Gemeinden und Städten praktizieren rund 2000 Privatanwälte.

‚Üí siehe dazu Sammlung aller maltesischen Gesetze (englisch)

Justizvollzug und Polizei

Insgesamt (einschließlich Untersuchungshäftlinge / Untersuchungsgefangene) wurden im Jahr 2015 569 Personen gefangen gehalten. Davon waren rund 6 % weibliche einheimische Personen, 23 % männliche Einheimische, 2 % Jugendliche und Minderjährige sowie 40 % Ausländer. Es gibt nur ein Gefängnis in Malta, das Corradino Correctional Facility, in Paola bei Valletta mit einer Kapazität von 675 Plätzen.

In Valletta befindet sich der Hauptsitz der Gef√§ngnis- und Bew√§hrungsverwaltung (Prison and Probation Administration Headquarters), in welcher alle aktuellen Gerichtsurteile gesammelt und aufbereitet bzw. ver√∂ffentlicht werden. Er untersteht dem Ministerium f√ľr Innere Angelegenheiten.

Verwaltungsgliederung

Gemeinden

Seit 1993 wird Malta in 68 Gemeinden gegliedert:

Die Gemeinden werden f√ľr statistische Zwecke zu sechs Distrikten zusammengefasst und diese wiederum zu drei Regionen. Die beiden kleineren Inseln bilden zusammen den Distrikt Gozo and Comino, der deckungsgleich mit der Region Gozo and Comino ist.

  • Region Gńßawdex-Kemmuna (Gozo and Comino)
    • Gozo and Comino
  • Region Malta Majjistral (Nordwest-Malta)
    • Western
    • Northern
    • Northern Harbour
  • Region Malta Xlokk (S√ľdost-Malta)
    • South Eastern
    • Southern Harbour

Gewerkschaften

Die beiden gro√üen Gewerkschaften sind die der Partit Laburista (MLP) nahestehende General Workers‚Äô Union (GWU) mit etwa¬†48.000 Mitgliedern und die der Partit Nazzjonalista nahestehende Union ń¶addiema Magńßqudin (Uń¶M) Dachverband mit ca.¬†25.000 Mitgliedern. Daneben gibt es kleine Branchen-Gewerkschaften.

Bildung

Bis 1946 bestand in Malta keine Schulpflicht. Diese wurde erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges f√ľr Grundschulen eingef√ľhrt. Seit 1971 ist auch der Besuch einer Sekundarschule bis einschlie√ülich des 16.¬†Lebensjahres vorgeschrieben. Staatliche Schulen sind geb√ľhrenfrei, es existieren jedoch parallel auch kirchliche Bildungseinrichtungen und Privatschulen, wie das St.¬†Aloysius‚Äô College in Birkirkara, das Savio College in Dingli und die San Anton School nahe Mń°arr. Die Mehrzahl der Lehrer an den kirchlichen Schulen erh√§lt ihr Gehalt vom Staat. Ferner gibt es mit der Verdala International School und der QSI Malta auch zwei internationale Schulen. Die Alphabetisierungsrate unter den Erwachsenen liegt in Malta bei 94,4¬†% (Stand 2015). 2005 gab Malta 6,76¬†% des BIP f√ľr Bildung aus und wurde in der EU nur von den skandinavischen Staaten D√§nemark und Schweden sowie von Zypern √ľbertroffen. Gemessen an der Wirtschaftskraft investiert Malta weit √ľberdurchschnittlich im Bereich der Bildung, die Ausgaben pro Sch√ľler/Student im Vergleich zum BIP pro Kopf der Bev√∂lkerung erreichen den h√∂chsten Wert in der Europ√§ischen Union. Die Ausgaben pro Student im Vergleich zum BIP pro Kopf der Bev√∂lkerung werden in Europa nur noch von Zypern √ľbertroffen und liegen im internationalen Vergleich √ľber denen Japans. Die Hochschulausbildung wird dabei weitgehend staatlich finanziert, der Anteil der √∂ffentlichen Ausgaben liegt bei etwa 95¬†%, eine Finanzierung des Hochschulsektors durch Organisationen, Vereine, Stiftungen und Unternehmen ist in Malta weitgehend unbekannt. Rund 75¬†Prozent der Ausgaben f√ľr Bildung im Terti√§rbereich kommen der Universit√§t direkt zugute, 25,2¬†% werden als Stipendien und Beihilfen ausgezahlt.

2007 besuchten 98,8 % aller Vierjährigen eine Bildungseinrichtung mit Vorschulfunktion. Malta belegte damit nach Belgien, Frankreich und Italien zusammen mit den Niederlanden den vierten Platz innerhalb der Europäischen Union.

Das mehrstufige maltesische Schulsystem untersteht dem Bildungsministerium. Es orientiert sich an jenem Gro√übritanniens und besitzt eine sechsj√§hrige Grundschule. Im Alter von elf Jahren m√ľssen die Sch√ľler eine Pr√ľfung zum Einstieg in die Sekundarschule ablegen und k√∂nnen anschlie√üend deren Tr√§ger frei w√§hlen. Auf staatlichen Schulen folgt f√ľr Sechzehnj√§hrige die Pr√ľfung zur Mittleren Reife, die in der Regel in den F√§chern Englisch, Maltesisch und Mathematik durchgef√ľhrt wird. Mit diesen Klausuren endet die offizielle Schulpflicht, die Sch√ľler k√∂nnen allerdings entscheiden, ob sie ihre schulische Ausbildung noch ausbauen und intensivieren wollen. Hierzu bieten sich zwei M√∂glichkeiten: Der Besuch einer zweij√§hrigen Oberstufe ‚Äď angeboten am Junior College sowie den kirchlichen Einrichtungen St.¬†Edward‚Äôs College, St.¬†Aloysius‚Äô College und De La Salle College ‚Äď oder die Einschreibung am Malta College of Arts, Science and Technology (MCAST). Am Ende der Oberstufe steht das Examen zur Hochschulreife. Abh√§ngig von dessen Ergebnis erhalten die Absolventen entweder ihr Abschlusszeugnis oder eine Aufnahmebescheinigung der Universit√§t Malta in Msida, der h√∂chsten Bildungseinrichtung auf dem Archipel.

Der Anteil der Bevölkerung im Alter zwischen 25 und 64 Jahren mit mindestens einem Sekundarabschluss II stieg im Zeitraum 2008 bis 2015 von 27,8 % auf 43,5 %, dies ist aber immer noch der geringste Wert innerhalb der EU. Der Anteil der weiblichen Studenten lag 2007 bei 57,4 %, dies sind mehr als im EU-Durchschnitt (55,2 %). In den Fachrichtungen Ingenieurwesen, verarbeitende Industrie und Bauindustrie sind 29,2 % aller Studierenden Frauen, dies sind mehr als im EU-Schnitt (24,7 %). Der Anteil der Studenten, die im Ausland studieren, hat sich von 0,4 % (1998) auf 1,0 % (im Jahr 2007) mehr als verdoppelt, dennoch weisen maltesische Studenten mit Abstand die geringste Mobilität innerhalb der Europäischen Union auf.

Dem Bilingualismus Maltas Rechnung tragend (Maltesisch gilt als Nationalsprache, Englisch als Zweitsprache) wird der Unterricht in der Grund- und in der Sekundarschule in beiden Sprachen abgehalten. Dabei wird ber√ľcksichtigt, dass Maltesisch die Muttersprache ist, die in der Regel alle Sch√ľler sprechen, w√§hrend Englisch wie eine Fremdsprache hinzugelernt werden muss. Beide Sprachen sind Pflichtf√§cher f√ľr die Sch√ľler und werden gleichberechtigt behandelt. Die Privatschulen dagegen bevorzugen mehrheitlich den Unterricht auf Englisch; ebenso werden auch die meisten Lehrveranstaltungen der Universit√§t ausschlie√ülich auf Englisch angeboten. Die Studenten kommunizieren mit ihren Dozenten jedoch auch auf Maltesisch.

In der Sekundarschule w√§hlen die Sch√ľler eine weitere Sprache. 51¬†% entscheiden sich f√ľr Italienisch und 38¬†Prozent f√ľr Franz√∂sisch. Ferner angeboten werden Deutsch, Russisch, Spanisch und Arabisch. Im Durchschnitt erlernen maltesische Sch√ľler in der Sekundarstufe 2,2¬†Fremdsprachen; dies ist mit Finnland nach Luxemburg der zweith√∂chste Wert in der Europ√§ischen Union.

Medien

Malta besitzt ein sehr engmaschiges Mediennetz, das stark an das Vorbild der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien angelehnt ist. So lautet auch der Name der größten Tageszeitung, herausgegeben von der Allied Newspapers Ltd., Bezug nehmend auf die Londoner The Times, The Times of Malta. Das mitte-rechts orientierte Blatt erscheint seit 1930 und ist somit die traditionsreichste Zeitung des Landes und hat mit einer Auflage von 37.000 einen Marktanteil von 27 %. Bis 1935 erschien The Times of Malta in einer wöchentlichen Auflage, danach täglich. Die Sonntagsausgabe Sunday Times hat einen Marktanteil von 51,6 %. Eine weitere wichtige Tageszeitung ist The Malta Independent. Seit 1999 wird jeweils mittwochs und sonntags die liberale Malta Today im Tabloid-Format publiziert. Die auflagenstärkste Boulevardzeitung ist The People. The Malta Star ist die einzige reine Internet-Zeitung Maltas.

Der Zweisprachigkeit Maltas ist es geschuldet, dass etwa die H√§lfte der Zeitungen auf Englisch und die H√§lfte auf Maltesisch erscheint. Unter den maltesischsprachigen Printmedien hat die Sonntagszeitung It-Torńča (‚ÄěDie Fackel‚Äú) die gr√∂√üte Reichweite. Dar√ľber hinaus gibt es zahlreiche maltesischsprachige Wochenbl√§tter und Partei-, Kirchen- und Gewerkschaftszeitungen. Die wichtigste in diesem Segment ist In-Nazzjon (‚ÄěDie Nation‚Äú), die der Partit Nazzjonalista (Nationalist Party) nahesteht.

2004 betrug der Anteil der Tageszeitungsleser an der Bevölkerung 12,7 %. In Bezug auf diesen relativ geringen Wert ist die Zeitungsdichte in Malta sehr hoch: Auf 28.000 Einwohner kommt je eine Zeitung. Die Zeitungen finanzieren sich vorwiegend aus Anzeigen und Subventionen.

Hörfunk und Fernsehen sind die wichtigsten Informationsquellen der Bevölkerung Maltas. Sie liegen zum größten Teil in der Hand der öffentlich-rechtlichen Public Broadcasting Services (PBS). Diese strahlen die Hörfunkprogramme Radju Malta, Radju Malta 2 und Magic Malta aus. Letzteres ist mit einem geringen Wortanteil und modernen Musikprogrammen besonders bei der jungen Bevölkerung, aber auch bei ausländischen Touristen beliebt. Der größte private Rundfunksender ist das Bay Radio. Ferner gibt es unter anderem die katholische Rundfunkstation RTK und das der Partit Nazzjonalista gehörende Radio 101. Insgesamt existieren 14 landesweite Radioprogramme sowie 19 Regionalsender auf Malta und elf Regionalsender auf Gozo. Von 1971 bis 1996 betrieb die Deutsche Welle die Relaisstation Cyclops.

Mit TV Malta (TVM) stellen die PBS, die seit 1975 Mitglied der Europäischen Rundfunkunion sind, auch den größten landesweiten Fernsehsender. Sieben weitere Sender sind im ganzen Land empfangbar: One Television, NET Television, Smash Television, Favourite Channel, ITV, Education22 und Family TV. Die Mehrzahl der Sender ist staatlich finanziert. One Television, produziert von der One Productions Ltd., dient als Sprachrohr der Partit Laburista (Labour Party), während das von der Media Link Communications Ltd. ausgestrahlte NET Television der Partit Nazzjonalista zugerechnet wird. Die Smash Communications Ltd. (Smash Television) ist hingegen ein privates Unternehmen.

Die staatliche Broadcasting Authority √ľberwacht alle Fernsehstationen und stellt neben der Einhaltung von Legalit√§ts- und Lizenzverpflichtungen auch die Einhaltung des Objektivit√§tsprinzips in der politischen Berichterstattung sicher. Ferner pr√ľft sie die lokalen Sender dahingehend, dass sie sowohl √∂ffentliche, private wie auch kommunale Sendungen ausstrahlen und so ein weitgespanntes, vielf√§ltiges Programm anbieten, das m√∂glichst viele Interessen abdeckt. Der Empfang der Fernsehprogramme ist sowohl √ľber Kabel als auch terrestrisch m√∂glich. Im Februar 2006 nutzten 124.000 Malteser erstgenannte Methode, sodass knapp 80¬†Prozent der maltesischen Haushalte einen Kabelanschluss haben. Ein noch kleiner, aber stetig steigender Prozentsatz der Bev√∂lkerung verwendet Parabolantennen, um auch andere europ√§ische Fernsehprogramme, wie die britische BBC oder die italienische RAI zu empfangen.

2019 nutzten 86 Prozent der Malteser das Internet. Im Jahr 2017 war die maltesische Bevölkerung vollständig mit einem Internetanschluss von mindestens 30 Mbit versorgt.

2017 ist eine Journalistin, Daphne Caruana Galizia, auf Malta get√∂tet worden. Sie war f√ľr ihre investigative Arbeit bekannt. Laut dem Bericht der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen von 2017 steht der Tod des Opfers in direktem Zusammenhang mit der journalistischen T√§tigkeit. Ihr Tod wirkt laut der Organisation immer noch nach. Reporter ohne Grenzen sieht die journalistischen Arbeitsbedingungen gepr√§gt von mangelnder Rechtstaatlichkeit, mangelnder Unabh√§ngigkeit der Justiz und st√§ndigen Versuchen politischer Einflussnahme.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Maltas Wirtschaft gestaltet sich im Vergleich zu den anderen im Jahr 2004 der EU neu beigetretenen Mitgliedstaaten relativ positiv. Die zwei traditionellen Wirtschaftszweige sind Landwirtschaft und Fischerei. Dabei wird die Landwirtschaft haupts√§chlich auf Gozo betrieben. Obwohl die Umweltbedingungen (wenig Regen, geringer Abfluss, kalkiger Untergrund und hei√ües Klima) keine guten Voraussetzungen f√ľr die agrarische Nutzung bieten, werden bei verschiedenen Gem√ľse- und Getreidearten hohe Ertr√§ge erzielt, auch der Weinbau ist rentabel. Trotzdem erzeugt Malta nur 20¬†Prozent des Eigenbedarfs an Nahrungsmitteln. Der gr√∂√üte Arbeitgeber des Landes sind die Malta Drydocks, die zweitgr√∂√üte Werft Europas.

Der Tourismus spielt eine gro√üe Rolle (40¬†Prozent des Bruttosozialprodukts) und auch finanzielle Dienste (elf Prozent). Die meisten Urlauber kommen aus Gro√übritannien, Deutschland, Italien und Russland. Seit 1965 hat sich die Zahl der Touristen etwa verzehnfacht, es sind √ľber eine Million Touristen j√§hrlich, die vor allem die Str√§nde, die historischen St√§dte und die Felsenlandschaft besuchen, dazu kommen noch einmal etwa eine Million Kreuzfahrttouristen. Circa 70.000 Touristen kommen pro Jahr f√ľr einen Englischkurs nach Malta. Dieser Bereich des Tourismus wird staatlich beaufsichtigt und gef√∂rdert. Ein Anteil von 1,8¬†% des BIP wird von den Sprachschulen auf Malta erwirtschaftet.

Die Bekleidungs- und Textilindustrie sind weitere wichtige Wirtschaftszweige. 1992 wurde auf Malta eine eigene B√∂rse gegr√ľndet.

Malta besitzt Kalksteinvorkommen, die bedeutsam f√ľr dessen Baubranche sind. Bedeutende Erdgas- und Erd√∂l-Lagerst√§tten befinden sich in den maltesischen Hoheitsgew√§ssern.

Europ√§ische Unternehmen werden seit den 1970er Jahren mit Steuervorteilen gelockt. So produzieren etwa 55 deutsche Unternehmen f√ľr den Export, unter anderem Playmobil und Lloyd-Schuhe. Auch die Elektronikbauteilgesellschaft STMicroelectronics hat einen gro√üen Produktionsstandort.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betr√§gt 8,8¬†Milliarden Euro (Sch√§tzung f√ľr 2015). Im Vergleich mit dem BIP der EU (EU-28 = 100), ausgedr√ľckt in Kaufkraftstandards, erreicht Malta einen Index von 89 (2015). Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Malta Platz¬†39 von 138¬†L√§ndern (Stand 2016). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz¬†50 von 180¬†L√§ndern.

Die Arbeitslosenquote sank bis Juni 2018 auf 3,9 % und ist damit unter dem EU-Durchschnitt. Im Jahr 2017 betrug die Jugendarbeitslosigkeit 10,0 %.

Energieversorgung

Zwei Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 571¬†Megawatt verfeuern aus Italien und Gro√übritannien importiertes √Ėl und Gas. 2010 wurde erstmals in Malta 5¬†% Elektrizit√§t aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt (2009: 0¬†%).

Das maltesische Stromnetz wurde bis 2015 als Inselnetz betrieben (heute noch: Island, Zypern). Die H√∂chstspannungsebene hat 132¬†kV und weist nur 87¬†km Erdkabel auf. Auf der n√§chsten Spannungsebene 33¬†kV gibt es auch 13¬†km Unterseekabel. Mit Auftrag aus 2010 errichtete Nexans den Malta-Sicily Interconnector (Qalet-Marku, Malta nach Marina di Ragusa) ein 100¬†km langes Seekabel mit 220¬†kV¬†AC Spannung, das April 2015 in Betrieb ging, 200¬†MW Leistung √ľbertragen kann und Energietransport in beide Richtungen erlaubt. Das Kabel weist drei Kupferleiter auf und enth√§lt zwei Faseroptikb√ľndel mit je 36¬†Leitungen.

Obwohl auf Malta lediglich ein Stromanbieter (Enemalta) existiert und der Strommarkt somit keinerlei Wettbewerb ausgesetzt ist, lag der Strompreis f√ľr private Haushalte 2007 bei 9,4¬†Cent pro kWh und damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt (15,28¬†Cent).

In Ermangelung eines hinreichenden Abfallmanagements hat Malta seit Jahren ein gro√ües M√ľllproblem. Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist die gesamte Hauptstadt (siehe dort).

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2015 Ausgaben von umgerechnet 3,4¬†Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 4,0¬†Mrd. US-Dollar gegen√ľber (jeweils gesch√§tzt). Daraus ergibt sich ein Haushalts√ľberschuss in H√∂he von 6,6¬†% des BIP. Die Staatsverschuldung betrug Ende 2015 etwa 60,6¬†% des BIP.

Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des BIP) in wichtigen Bereichen:

  • Gesundheit: 8,7¬†% (2013)
  • Bildung: 6,8¬†% (2012)
  • Milit√§r: 0,61¬†% (2013)

Industrie

Die Industrie Maltas hat einen Anteil von 23 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Die Zielbranchen in Malta sind laut dem Malta County Report der Finanz-, Maritim-, Flug-, Film-, Tourismus-, Produktions-, Bildungs- und Medizintechniksektor. Die Produktionsstärken sind dabei Pharmazie/Chemie, Medizintechnik, Feinmechanik, Elektrotechnik, Lebensmittel und Print. Die Elektrotechnik hat bei weitem den größten Stellenwert.

Die verarbeitende Industrie Maltas ist mit Ausnahme einiger gro√üen Herstellerunternehmen wie Playmobil und ST Microelectronics √ľberschaubar. Insgesamt 15¬†Prozent der Besch√§ftigten arbeiten in der Industrie. Die deutsche Firma Playmobil befindet sich seit 1970 auf der Insel und geh√∂rt zu den wichtigsten Investoren in der verarbeitenden Industrie. Der Spielzeughersteller investiert regelm√§√üig in neue Maschinen und Anlagen, um die Produktion auf dem hohen technischem Niveau der Insel zu erhalten. Im Wesentlichen besteht der Maschinenbau aus einigen kleinen Produktionsbetrieben, die vor allem Komponenten f√ľr Maschinen und Ausr√ľstung f√ľr den Export herstellen. Eines der wenigen Produkte mit dem Herkunftszeichen Made in Malta sind Playmobilfiguren, die lediglich in Malta hergestellt werden und an die anderen Playmobilfabriken in Europa, unter anderem auch an den Hauptsitz in Deutschland, zur Fertigstellung der jeweiligen Spielesets versendet werden. Der inl√§ndische Bedarf an Waren in Malta muss beinahe zu 100¬†Prozent durch Importe gedeckt werden.

Die Herstellung von Elektrotechnik geh√∂rt zu den wichtigsten Industriezweigen auf Malta. Der Hersteller ST¬†Microelectronics hat dabei eine Monopolstellung auf der Insel. Er ist der wichtigste private Arbeitgeber und hat einen hohen Anteil am maltesischen Export. Dies f√ľhrt dazu, dass Malta eine hochentwickelte Informations- und Kommunikationsinfrastruktur besitzt, die laut dem Network Readiness Index 2015 auf Platz¬†29 von insgesamt erfassten 143¬†L√§ndern liegt. Deutschland ist auf Platz¬†13, w√§hrend L√§nder wie Spanien und Italien hinter Malta auf den Pl√§tzen¬†34 und¬†55 liegen. Der Network Readiness Index (NRI) gibt einen guten Einblick in die Entwicklung der L√§nder im IKT Bereich an, die rund 98¬†Prozent des Welt-BIP produzieren. St√§rken und Schw√§chen im IKT-Bereich werden offenbart. Ein neues Entwicklungsprojekt ist die Smart City bei Kalkara, die zum f√ľhrenden IT-Zentrum Europas werden soll. Dieses aus Dubai finanzierte Projekt soll die Attraktivit√§t Maltas als Industriestandort weiter erh√∂hen und neue Impulse verleihen. Auf Grund der fortschrittlichen IKT Umgebung geh√∂ren die Informations- und Kommunikationstechnik, digitale Medien, Kunst und Handwerk, Online-Gaming sowie die Filmproduktion zu den Wachstumsbrachen auf Malta. Den hohen IKT Standard und die geographische Gr√∂√üe macht sich das Unternehmen Vodafone zu eigen, indem neue Systeme oder Software in Malta getestet werden, bevor diese in Europa integriert werden. Vodafone nutzt dabei die Vorteile der Small state theory, da Malta als micro state island anhand der geringen Gr√∂√üe und Einwohnerzahl angesehen wird und ein idealer Testmarkt ist.

Derzeit haben sich rund 250 ausländische Unternehmen, darunter 70 deutsche, in Malta niedergelassen. Zu den deutschen Unternehmen zählt ebenfalls die Lufthansa, die sich 2003 auf Malta niedergelassen hat. Rund 600 Mitarbeiter sind beschäftigt, die alle von der Lufthansa ausgebildet worden sind. Malta soll sich auf diese Weise zu einem bedeutenden Wartungsstandort im Mittelmeerraum entwickeln. Die Wartungsanlage zählt zu den insgesamt acht Wartungsanlagen von Lufthansa weltweit und ist zudem die größte Europas. Andere Luftfahrtunternehmen wie Easy Jet (GB) und SR Technics (CH) kamen nach der Lufthansa.

Die maritime Industrie wird repr√§sentiert durch den Malta Freeport, der aufgrund der zunehmenden Privatisierung zu der Top-Liga der Umschlagspl√§tze geh√∂rt. Ein Ausbau der Liegepl√§tze erm√∂glicht die Handhabung mit den weltweit gr√∂√üten Containerschiffen und hat die Insel in einen Haupt Port-of-call f√ľr einige der gr√∂√üten Reedereien verwandelt. Mit seiner zentralen Lage am Mittelmeer ist Malta ein wichtiges Lager- und Distributionszentrum, das von Logistikunternehmen dank seiner Vorteile der Lieferkette und Effizienz, sowie der geographischen N√§he zu den afrikanischen und europ√§ischen M√§rkten genutzt wird. 2014 fuhren 6.505¬†Schiffe unter maltesischer Flagge, das macht Malta zur f√ľhrenden Seeflotte in Europa und zur siebtgr√∂√üten weltweit.

Der Markt der Kfz-Industrie ist durch die geringe Einwohnerzahl beschr√§nkt. 2013 stellte die Regierung einen nationalen Plan zum Ausbau der Elektromobilit√§t vor. Das Land hat sich als Testmarkt positioniert. Das Netz von Ladestationen f√ľr Elektroautos wird ausgebaut, seit 2016 subventioniert die Regierung den Kauf von Elektroautos. Durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen in Car-Sharing-Diensten sowie am Hafen gewinnt die nachhaltige Mobilit√§t in Malta stets an Bedeutung. Die geringe Gr√∂√üe der Insel bietet beste Voraussetzungen f√ľr Elektrofahrzeuge, da die Hauptinsel mit einer maximalen L√§nge von 27¬†km deutlich unter der maximalen Reichweite von Elektrofahrzeugen liegt. Die nachhaltige Mobilit√§t tr√§gt zudem in dicht besiedelten Gebieten dazu bei, die L√§rmbel√§stigung und Luftverschmutzung zu reduzieren.

Ein kleinerer Industriezweig auf Malta, der in den letzten Jahren besonders durch Maltas Patentgesetze sowie Steuerverg√ľnstigungen gewachsen ist, ist die chemische Industrie. Hersteller von Generika wie Actavis, Siegfried Generics, Medichem etc. haben Betriebe zur Produktion auf Malta erbaut. Ein Generikum ist ein Fertigarzneimittel, das Wirkstoffe enth√§lt, die nicht mehr dem Patentschutz unterliegen, sozusagen eine ‚ÄěNachahmung‚Äú eines √§lteren Originalpr√§parats.

Die Bauwirtschaft hat in Malta eine geringe Beachtung. Daher m√∂chte die Regierung Ma√ünahmen zur Ankurbelung dieser Branche einf√ľhren. Die F√∂rderungen der EU in den Stra√üenbau hat dem Markt neue Impulse verliehen, au√üerdem f√ľhrt der Tourismusboom zu neuen Investitionen in Neubau oder auch Modernisierungen von Wohnungen und Hotels. So werden neue Luxushotels errichtet und das Potential f√ľr Renovierungen und Modernisierungen von Altbauten und historischen Geb√§uden besteht.

Vorteile Maltas sind f√ľr ausl√§ndische Unternehmer die geringen Lohnkosten, die Unterst√ľtzung beim Erwerb bzw. Bau von Fabrikgeb√§uden, sowie die gute Zusammenarbeit mit den lokalen Zulieferern. Au√üerdem gilt Malta als Bindeglied zwischen europ√§ischen Unternehmen und den mediterranen sowie afrikanischen Markt. Nachteile sind dabei die begrenzte Gr√∂√üe Maltas und dadurch ein kleiner Binnenmarkt. Daher ist die Insel vor allem f√ľr Klein- und Mittelunternehmen interessant da es zu einem Steuervorteile und gezielte Anreize f√ľr Mittelst√§ndler und zum anderen Kredit und Investitionsprogramme gibt. Interessant ist ebenfalls, dass die ausl√§ndischen Unternehmen kein Interesse haben Waren auf den lokalen Markt zu bringen, da es in Malta keinen lokalen Markt gibt. Alle Waren, die in Malta produziert werden, werden exportiert.

Laut dem Bericht des World Economic Forum (WEF) liegen Maltas Vorteile in dem stabilen politischen Umfeld und der hochentwickelten IKT-Infrastruktur. Nachteile sind die geringe Marktgr√∂√üe, die b√ľrokratische Ineffizienz, der schwierige Zugang zu Krediten sowie eine mangelnde Verkehrsinfrastruktur.

Steuer- und Finanzwirtschaft

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Maltas lag im Jahr 2015 bei 9,8¬†Mrd.¬†$ und verzeichnete im letzten Jahrzehnt einen stetigen Anstieg von 3,5‚Äď5,4¬†Prozent pro Jahr. Das BIP ist ungleich zwischen den verschiedenen Wirtschaftssektoren verteilt. Der prim√§re Sektor macht dabei 1,4¬†% der j√§hrlichen Produktion aus, der sekund√§re Sektor 15,5¬†% und der gr√∂√üte Teil wird durch den terti√§ren Sektor, durch die Dienstleistungen, generiert. Dieser Anteil liegt bei 83,1¬†%. Dabei sind die Dienstleistungen mit der h√∂chsten Nachfrage im Bereich der Finanzwirtschaft verortet. Im Vergleich zu gro√üen europ√§ischen Industrienationen handelt Malta in dem Sinne weniger mit materiellen G√ľtern, sondern mit Finanzdienstleistungen. Die Malta Private LLC ist dabei die am st√§rksten nachgefragte Dienstleistung. Zentraler Faktor f√ľr den Erfolg der maltesischen Finanzwirtschaft sind die erheblichen Steuervorteile die ein Offshoring mit sich bringt. Im Vergleich zu zwei wirtschaftsstarken europ√§ischen Nationen, Deutschland und Gro√übritannien, erscheinen die steuerlichen Vorteile in Malta zun√§chst gering. Die K√∂rperschaftssteuer liegt f√ľr auf Malta registrierte Unternehmen bei 35¬†Prozent, in Deutschland bei 15¬†% und in Gro√übritannien bei 21¬†%. Die Spitzensteuers√§tze Maltas liegen ebenfalls bei 35¬†%, die in Deutschland und Gro√übritannien jedoch bei etwa 47¬†%. Dies scheint zun√§chst unstimmig mit einer Klassifikation Maltas als Steueroase. Durch eine sog. 6/7-Regelung kann ein Gro√üteil der gezahlten Steuern zur√ľckerstattet werden. Dabei werden durch spezielle Vorgehensweisen die Gewinne in Form von Dividenden oder Boni an die Aktion√§re ausgezahlt und im sp√§teren Verlauf die gezahlten Steuern durch die maltesische Regierung dem Unternehmen erstattet. Damit sinkt der effektive Steuersatz f√ľr Unternehmen auf 5¬†Prozent.

Zu erw√§hnen bleibt, dass es weitere M√∂glichkeiten gibt, die Steuerzahlungen zu reduzieren, teilweise werden effektiv keine Steuern gezahlt und der Steuersatz liegt demnach bei Null Prozent. Zu den popul√§rsten Verfahren geh√∂ren die sog. 6/7, 2/3, 5/7- und 100-Prozent-R√ľckerstattungen.

Durch die aktuellen Entwicklungen rund um die Enth√ľllungen der Panama Papers ist der Druck auf als Steueroasen klassifizierte L√§nder gewachsen und die Politik dieser L√§nder sieht sich gr√∂√üerem politischen Druck ausgesetzt. Im Bericht des Untersuchungsausschusses des EU-Parlaments wird Malta kritisiert, Aufkl√§rung von Steuerflucht und Geldw√§sche zu behindern.

Auf dem Indikator zur Feststellung von Steueroasen, der sich aus Eingetragenen Unternehmen je Einwohner bildet, liegt Malta weit oben: Malta bei 0,11. auf jeden zehnten Einwohner kommt demnach ein Unternehmen.

Von der Financial Action Task Force on Money Laundring, eines internationalen Gremiums gegen Geldw√§sche, wurde Malta im Jahr 2000 auf die Liste der Non-Cooperative Countries and Territories als eines derjenigen L√§nder gesetzt, deren Gesetzgebung gegen Geldw√§sche und Terrorismus nicht den international anerkannten Standards entspricht. Seit Juni 2021 steht das Land auch auf der sogenannten Grauen Liste der FATF, nach welcher das Land unter verst√§rkter Beobachtung steht. Kreditinstitute der Mitgliedsl√§nder der OECD sind daher verpflichtet, Transaktionen und Gesch√§fte mit Malta besonders zu √ľberwachen.

Tourismus und √Ėkotourismus

Allgemeiner √úberblick

Malta ist ein wichtiger Bestandteil des internationalen Tourismus und im Sommer eine der Hauptdestinationen f√ľr europ√§ische Touristen im Mittelmeerraum. F√ľr Maltas Wirtschaft ist der Tourismus ein entscheidender Zweig. Von April bis Oktober ist Hochsaison auf Malta, wobei der August der besucherst√§rkste Monat ist. Die hohe Auslastung kommt dadurch zustande, dass die Tourismuspolitik Maltas Alternativen zum bestehenden Tourismusangebot im Mittelmeerraum schafft. Neben Badeurlaubern kommen viele Kultur- und Stadttouristen auf die Insel, wodurch Malta eine schw√§chere Saisonalit√§t als andere Mittelmeerinseln aufweist. Von November bis Februar sinken die Besucherzahlen nie unter 40.000 Besucher pro Monat, deshalb bleiben viele Hotels ganzj√§hrig in Betrieb. In der Hauptsaison kommen √ľberwiegend Bade- und Strandurlauber, w√§hrend in den Wintermonaten wetterunabh√§ngige Tourismusformen, wie Kultur- und Bildungstourismus zum Tragen kommen. Ein gro√üer Zweig sind dabei Sprachreisen, wobei haupts√§chlich Englisch- und Italienischkurse angeboten werden Dabei bietet Malta Platz f√ľr etwa 60.000 Sprachsch√ľler. Pauschalreisen nach Malta sind in der Regel teurer als vergleichbare Reisen nach Spanien oder Griechenland, daher gibt es auf Malta nicht viele gering verdienende Touristen. 2014 wurden auf Malta 149¬†Tourismusbetriebe mit insgesamt 40.222 Betten registriert. Die Regierung gibt j√§hrlich circa 11,4¬†% ihres gesamten Budgets f√ľr den Tourismussektor aus. 2015 stiegen die Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf insgesamt 1,79¬†Millionen. Die Zahl der Kreuzfahrttouristen hat sich um 27,3¬†% auf 600.156 Besucher erh√∂ht, wobei die Deutschen, mit 124.285 Besuchern, die gr√∂√üte Gruppe der Kreuzfahrttouristen bildeten. Hinter Gro√übritannien und Italien kommen aus Deutschland j√§hrlich die meisten Touristen nach Malta, 2015 wurden insgesamt 142.010 deutsche Urlauber auf Malta registriert.

Räumliche Verteilung des Tourismus

Etwa sieben Kilometer s√ľdlich von Valletta liegt der internationale Flughafen Luqa. Durch die zentrale Lage kann von jedem Punkt Maltas der Flughafen innerhalb von 30‚Äď40¬†Minuten erreicht werden. Die Touristenorte befinden sich haupts√§chlich im Nordwesten und S√ľdosten der Hauptinsel. Der S√ľdwesten und der √§u√üerste S√ľden dagegen sind aufgrund der Steilk√ľsten nicht besonders attraktiv f√ľr Touristen. Es gibt einige Ausnahmen, wie die Sandstr√§nde der Buchten Golden Bay oder Gńßajn Tuffieńßa Bay. Zu den beliebtesten Touristenattraktionen z√§hlen unter anderem die Blaue Grotte, die Dingli Cliffs, die Altstadt von Valletta, die Festungsstadt Mdina und die kleinen K√ľstenorte wie Marsaxlokk.

Auf den Nebeninseln Gozo und Comino sind zum gr√∂√üten Teil Tagestouristen zu verzeichnen und daher gibt es nur vereinzelte touristische Einrichtungen. Auf Comino gibt es nur ein einziges Hotel der Mittelklasse. Auch auf Gozo gibt es nur einige kleinere Hotelanlagen, Restaurants oder Gastst√§tten. Hier verteilen sich die wenigen Betriebe √ľber die ganze Insel. Gozo steht f√ľr das traditionelle l√§ndliche Malta und wird deshalb und aufgrund der hohen Lebensqualit√§t von den Einwohnern und der Regierung vor allem zu einem Ziel f√ľr sanften Tourismus entwickelt.

Geschichte des Tourismus

Malta hat keine besondere historische Tradition im europ√§ischen Tourismus. √úberlegungen, den organisierten Tourismus zu f√∂rdern, begannen erst in den 1950er Jahren. 1955 wurde eine Tourismusbeh√∂rde gegr√ľndet, um eine bessere Organisation des Tourismus zu erreichen. Zu der Zeit war Malta von den Briten besetzt, somit k√ľmmerte sich die koloniale Verwaltung um die Vorhaben, die den Tourismus betrafen. Unter anderem wurden St.¬†George‚Äôs Bay, Gńßajn Tuffieńßa und Paradise Bay zu Orten des Tourismus erkl√§rt. 1964 erlangte Malta seine Unabh√§ngigkeit und damit gab es neue Entwicklungspl√§ne f√ľr den touristischen Bereich. Bis 1969 stiegen die Besucherzahlen auf 186.000 an. Mehr als 75¬†% kamen zu der Zeit aus Gro√übritannien.

Anfang der 1970er Jahre wurden aufgrund sinkender Besucherzahlen einige Ma√ünahmen ergriffen, wie der Bau von modernen Hotelanlagen, die Erneuerung von Hafenanlagen und des Flughafens. Unter anderem sollte die Abh√§ngigkeit von Gro√übritannien einged√§mmt werden, indem Touristen aus anderen L√§ndern angesprochen werden sollten. Die Folge daraus war, dass sehr viel weniger Touristen aus Gro√übritannien kamen, wodurch die Tourismuszahlen insgesamt nicht stiegen. Aufgrund zunehmender Konkurrenz im s√ľdlichen Mittelmeer, z.‚ÄĮB. von Seiten Tunesiens und Zyperns, investierte die maltesische Regierung weiter in den Tourismus. Es wurden offizielle Tourismuszonen festgelegt, Strandhotels gebaut, √Ėffnungszeiten von Museen liberalisiert und die touristische Infrastruktur wurde dem europ√§ischen Niveau angeglichen. In Folge dessen fand ein Tourismusboom auf Malta statt. √úber 700.000 Besucher kamen bis 1980 j√§hrlich nach Malta, wobei der Anteil der britischen Touristen wieder auf 75¬†Prozent stieg. Mit der Wirtschaftskrise in Gro√übritannien, Anfang der 1980er Jahre, sanken die Besucherzahlen stark, wodurch es zu einem Baustopp und Preissenkungen in den Tourismuszonen kam. Das f√ľhrte dazu, dass sich auf die Steigerung der Qualit√§t im Hotelsektor konzentriert wurde, wodurch Ende der 1980er Jahre eine Stabilisierung im Tourismusmarkt erreicht werden konnte. Die Besucherzahlen stiegen bis 1990 auf fast 900.000 pro Jahr. Der Anteil der britischen Touristen nahm auf ca. 50 Prozent ab. Die Abh√§ngigkeit vom britischen Markt wurde also gemindert, aber nicht vollst√§ndig beseitigt. W√§hrend der 1990er Jahre hat sich Malta zu einer sehr bedeutenden Tourismusdestination entwickelt.

√Ėkotourismus

√Ėkotourismus ist eine verantwortungsvolle Form des Reisens in naturnahe Gebiete, die zum Schutz der Umwelt und zum Wohlergehen der ans√§ssigen Bev√∂lkerung beitr√§gt., Er ist eine kleine neuere Form des Tourismus und ist auf Malta deshalb noch nicht besonders ausgepr√§gt. Der √Ėkotourismus auf Malta begann sich 2002 zu etablieren, im Internationalen Jahr f√ľr √Ėkotourismus. Die Universit√§t Malta gewann in Zusammenarbeit mit der ‚ÄěBiological Conservation Research Foundation‚Äú eine Auszeichnung f√ľr ihre Arbeit im Meeres- und Naturschutz. Das Ministerium f√ľr Tourismus versucht seitdem den Tourismus zu f√∂rdern, ohne dadurch Gefahren f√ľr die Umwelt entstehen zu lassen. Die maltesische Touristenbeh√∂rde hat eine ‚ÄěEco-certification‚Äú eingef√ľhrt. Die Kriterien, die Tourismusbetriebe f√ľr dieses Zertifikat erf√ľllen m√ľssen, sind die Einf√ľhrung besserer Abfallsysteme, die Reduktion von Energie und Wasserverbrauch, bessere Luftqualit√§t und das Vorhandensein von Gr√ľnfl√§chen.

Malta hat, wie viele kleine Inseln, Probleme mit der M√ľllentsorgung. Au√üerdem herrscht eine starke Umweltbelastung durch Abwasserprobleme, L√§rmbel√§stigung und Luftverschmutzung, was unter anderem auf den Massentourismus zur√ľckzuf√ľhren ist bzw. durch diesen verst√§rkt wird. Andererseits hat der Tourismus auch positiven Einfluss auf die Umwelt Maltas, da in Tourismusregionen verst√§rkt auf das M√ľllproblem geachtet wird. Insgesamt ist Malta sehr stark abh√§ngig von den vielen Massentouristen und √Ėkotourismus ist auf der Hauptinsel kaum verbreitet. √Ėkotouristische Angebote findet man daher zum gr√∂√üten Teil auf der l√§ndlicheren Nebeninsel Gozo, da hier die Zahl an traditionellen Touristen deutlich geringer ist, als auf der Hauptinsel.

Gozo hat nur 31.000 Einwohner und ist im Gegensatz zur Hauptinsel nicht so stark versiegelt. Die Regierungsorganisation EcoGozo versucht den Aspekt der Nachhaltigkeit in alle Lebensbereiche auf Gozo zu etablieren und es wird ein Image geschaffen, dass verst√§rkt auf den √∂kologischen Aspekt abzielt. Der derzeitige Lebenswandel in der westlichen Kultur, der verst√§rkt nicht mehr nur auf Konsum ausgelegt ist, ver√§ndert auch die Angebotsvielfalt im Tourismus. Auf Gozo k√∂nnen beispielsweise die Xwejni Salt Plants besichtigt werden, wo Salz direkt aus dem Meerwasser gewonnen wird. Hier haben Touristen die Chance zu erleben, wie lokale Familien im Einklang mit der Natur leben. Auf Gozo ist also Potenzial f√ľr die Etablierung des √Ėkotourismus gegeben, w√§hrend Malta aufgrund der langen touristischen Tradition sehr stark auf Massentouristen ausgelegt ist.

Landwirtschaft und Fischereiwesen

Die Landwirtschaft stellt trotz volkswirtschaftlich geringer Rolle einen wichtigen Wirtschaftszweig auf Malta dar. Die Landwirtschaft trug 2010 mit 1,92 % zum Bruttoinlandsprodukt von Malta bei. Im Jahr 2003 lag der Anteil noch bei 2,89 %. 2010 waren rund 18.500 Menschen in der Landwirtschaft tätig, was einem Anteil von 10,6 % aller Erwerbstätigen Maltas entspricht. Von diesen sind circa 1.300 als Vollzeitkräfte beschäftigt.

Aufgrund des geringen Niederschlages werden die meisten landwirtschaftlichen Fl√§chen nur w√§hrend der Regenmonate im Winter bewirtschaftet. Insgesamt f√ľnf Prozent der Fl√§chen werden k√ľnstlich bew√§ssert, jedoch fast ausschlie√ülich mit gesammeltem Regenwasser. Es werden unter anderem verschiedene Gem√ľse- und Fruchtarten wie Tomaten, Kartoffeln, Oliven, Pfirsiche und Erdbeeren angebaut. Die einheimischen Rebsorten sind Girgentina und ń†ellewŇľa.

51,2 Prozent der Gesamtfl√§che Maltas werden ackerbaulich genutzt, was einer Fl√§che von circa 160¬†km¬≤ entspricht. Besonders intensiv wird die Landwirtschaft auf Gozo betrieben, da auf der Insel unterirdische Wasservorkommen existieren, die zur Bew√§sserung genutzt werden k√∂nnen. W√§hrend f√ľr Malta insgesamt die Landwirtschaft eine untergeordnete Rolle spielt, ist sie f√ľr Gozo von gr√∂√üerer Bedeutung.

2010 gab es 12.530 landwirtschaftliche Betriebe in Malta, was einem Anstieg von 14¬†% seit 2003 entspricht. Die Zunahme der Betriebe hat zwei Faktoren als Ursache. Zum einen gab es eine systematische Aktualisierung der Register, bei der alle maltesischen Farmen gepr√ľft wurden und zum anderen wird das Land bei der Vererbung geteilt. In Bezug auf die durchschnittliche Gr√∂√üe der landwirtschaftlichen Betriebe ist ein minimales negatives Wachstum zu verzeichnen. Die durchschnittliche Gr√∂√üe betr√§gt 0,9¬†ha. Dabei ist feststellbar, dass sich in fast allen anderen EU-Mitgliedsstaaten eine entgegengesetzte Tendenz abzeichnet. 89¬†% der landwirtschaftlichen Betriebe haben Ackerfl√§chen, die kleiner als zwei Hektar betragen. Auch diese Entwicklung steht im Gegensatz zu denen anderer EU-Mitgliedsl√§nder.

Schweine, Rinder und Gefl√ľgel sind die wichtigsten Nutztiere auf Malta. Sie machen zusammen 92¬†% des Bestandes aus. Im Zeitraum von 2003 bis 2010 sank der Viehbestand um 12,3¬†%, auch die Anzahl der Betriebe mit Viehhaltung nahm ab.

Der Fischfang auf Malta ist eine alte Tradition, besitzt jedoch nur eine geringe Bedeutung, da die Fischvorkommen nicht besonders ausgepr√§gt sind. Der Grund daf√ľr sind fehlende Fl√ľsse, welche normalerweise die K√ľsten mit wichtigen N√§hrstoffen wie Plankton versorgen w√ľrden.

Rohstoffe

Auf den maltesischen Inseln sind im Verhältnis zu anderen Ländern nur wenige Rohstoffe zu finden. In den Hoheitsgewässern Maltas gibt es einige Erdgas- und Erdöl-Lagerstätten, welche aber nur zu einem geringen Teil ausgeschöpft werden. Eine effektivere Förderung mit mehr Potenzial wurde in den 2010er Jahren entwickelt.

Weitere nennenswerte Rohstoffe Maltas sind der Globigerinenkalk. Dieser ist einer der wenigen nat√ľrlichen Rohstoffe des Inselstaates und wird haupts√§chlich auf der Insel Gozo abgebaut. Der Kalksandstein auf Malta besitzt eine gro√üe Bedeutung f√ľr die Baubranche, da dieser das haupts√§chlichste Baumaterial auf den beiden Inseln darstellt. So werden wie bereits in fr√ľheren Jahren Gesch√§ftsh√§user, Wohngeb√§ude oder Kirchen aus diesem Material errichtet, auch f√ľr das Anlegen von B√ľrgersteigen wird er eingesetzt. Andere auf Malta vorkommende nat√ľrliche Rohstoffe sind Sedimente wie vor allem der blaue Ton und der obere Gr√ľnsand.

Da die Menschen bereits zu neolithischer Zeit mit der Entwaldung Maltas begonnen hatten, gibt es kaum W√§lder auf der Insel und somit auch kein Holz. Aus diesem Grund wurden k√ľnstlich angelegte Waldfl√§chen erschaffen, die jedoch im Wesentlichen als Erholungsgebiete dienen.

Ein weiterer, eher untergeordneter Rohstoff Maltas ist das in Salzpfannen traditionell hergestellte Meersalz. Auf der Insel Gozo kann diese Herstellung von Touristen besichtigt sowie Meersalz erworben werden. In der Bucht vor Qawra gibt es umfangreiche Salinen und einen Salinen-Nationalpark.

Hoheitsgebiete und Ressourcen/Fischvorkommen im Mittelmeer

Hoheitsgebiete

Als Bedingung f√ľr Maltas Beitritt in die EU im Jahr 2004 wurde um die Insel herum √ľber das K√ľstenmeer hinaus eine 25-Meilen-Bewirtschaftungszone geschaffen, welche auch als Fischereizone/Fischereischutzzone bekannt ist. In dieser verf√ľgt Malta √ľber ausschlie√üliche Rechte und Hoheitsbefugnisse im Fischfang. Die Fischerei ist auf Fischereifahrzeuge mit einer Gesamtl√§nge von unter 12¬†m beschr√§nkt, die kein durch Maschinenkraft bewegtes Schlepp-/Zugger√§t benutzen d√ľrfen. Dadurch hat sich der Einsatz gr√∂√üerer Fischereischiffe aller Nationen unter anderem vor die tunesische K√ľste verlagert.

Malta ist dazu verpflichtet, die Einhaltung der in den verschiedenen Vertr√§gen enthaltenen Vorschriften durch die unter seiner Flagge fahrenden Schiffe zu √ľberwachen und zu kontrollieren. Au√üerdem setzt die Deklaration von Hoheitsrechten eine st√§rkere Kontrolle Maltas hinsichtlich der Erhaltung der Ressourcen und der Umwelt voraus. Insgesamt umfassen die Hoheitsbefugnisse Maltas im Mittelmeer rund 8231¬†km¬≤. Davon sind 21¬†km¬≤ innere Gew√§sser, 3020¬†km¬≤ K√ľstenmeer und mit 5190¬†km¬≤ bildet die Fischereischutzzone den gr√∂√üten Teil.

Malta hat 1982, wie die meisten Mittelmeerl√§nder, das Seerechts√ľbereinkommen der Vereinten Nationen (SR√ú) unterzeichnet und 1993 ratifiziert, welches Grunds√§tze und Vorschriften f√ľr die Erhaltung und Bewirtschaftung der lebenden Ressourcen der hohen See enth√§lt. Zudem ist Malta im Jahr 2001 dem Fischereiabkommen (SFS 1995) beigetreten, welches die L√§nder rechtlich bindend dazu verpflichtet, die Fischbest√§nde zu erhalten und nachhaltig zu bewirtschaften sowie Streitigkeiten √ľber die Hochseefischerei friedlich beizulegen.

Vorkommende Meerestiere

H√§ufige Fischarten in Maltas Gew√§ssern sind Stachelmakrelen, Zackenbarsche, verschiedene Brassenarten, fliegende Fische, Knurrh√§hne, Stachelrochen, Schalenfische, Dorsche, Meerbarben, Papageienfische und Mur√§nen. Die felsigen Strukturen der Unterwasserk√ľste Maltas bieten au√üerdem Aalen optimale Lebensbedingungen. Dar√ľber hinaus gibt es auch Kraken und andere Tintenfische. Im Winter halten sich auch Delphine, Thunfische und Bonitos in Maltas K√ľstenn√§he auf. Angelandet werden haupts√§chlich Goldmakrelen (,Lampuki‚Äô), welche als Nationalfisch Maltas gelten, sowie Schwertfische und Meeraale.

Kultur und Sport

In den Jahren 1999 bis 2006 erschien die maltesische Enzyklopädie Kullana Kulturali.

Museen, Theater und Kinos

In Valletta gibt es insgesamt 16 staatliche Museen, die bedeutendsten sind das National Museum of Archaeology, das War Museum, das Malta Post-Museum, das National Museum of Fine Arts und der Grandmaster's Palace. Im Ort Qawra stehen das Malta National Aquarium und das Malta Classic Car Collection Museum. Weitere interessante Sammlungen sind das Fort Rinella in Kalkara mit historischer Militärtechnik (unter anderem eine 100-Tonnen-Kanone), das Palazzo Falson Historic House Museum (in Mdina) sowie das Malta Aviation Museum (in Ta' Qali).

In der Hauptstadt stehen das Teatru Manoel, das St. James Cavalier Centre for Creativity sowie das Mediterranean Conference Centre. In den erhaltenen Resten des bei Bombardements im Zweiten Weltkrieg zerstörten Royal Opera House wurde eine Freiluftkonzertanlage eingerichtet.

Auf den beiden bewohnten Inseln gibt es entsprechend einer Zusammenstellung im Internet sechs Multiplex-Kinos und einige Kinosäle in anderen Gebäuden.

Kirchengebäude (Auswahl)

In der kleinen Republik Malta stehen mehr als 365¬†Kirchen, darunter zwei, deren Kuppeln zu den gr√∂√üten freitragenden Kuppeln Europas z√§hlen: Die Johannes dem T√§ufer gewidmete Rotunde von Xewkija (Gozo) verf√ľgt √ľber die viertgr√∂√üte freitragende Kirchenkuppel Europas (Liste der gr√∂√üten Kuppeln ihrer Zeit). Sie wird noch √ľbertroffen von der Rotunde von Mosta auf Malta selbst mit einem Durchmesser von 39¬†Metern, was in Europa den zweiten Platz bedeutet.

In Valletta wurden genau 22 Gotteshäuser gezählt, die meisten von ihnen befinden sich in der Straße der Republik. Weitere bemerkenswerte Kirchengebäude sind die St. Andrew’s Scot Church in Valletta, die eher wie eine Trutzburg gestaltete Pfarrkirche Franz von Assisi im Ortsteil Qawra oder die Bible Baptist Church im Ort Gzira.

Aus kulturtouristischer Sicht zu beachten ist, dass viele Kirchengebäude verschlossen bzw. nur sehr begrenzt zu den Messen oder kurzen Besuchszeiten geöffnet sind, meist vormittags.

Welterbe

Aus Malta gibt es bislang drei Eintragungen in die Liste des Welterbes der UNESCO, die im Wesentlichen 1980 erfolgten: Die Kernstadt von Valletta, das Hypog√§um von ń¶al-Saflieni sowie sechs Megalithische Tempel (erweitert 1992). Daneben wurden 1998 sieben weitere St√§tten nominiert, die bislang jedoch keine Ber√ľcksichtigung fanden, darunter die Milit√§ranlagen und die alte Hauptstadt Mdina.

Ständige Feste und Veranstaltungen (Auswahl)

Am 31. M√§rz wird der Tag der Freiheit gefeiert, am 1. Mai der Tag der Arbeit, am 21. September der Tag der Unabh√§ngigkeit und am 13. Dezember der Tag der Republik. Auch eine Landwirtschaftsmesse findet einmal j√§hrlich statt. Dar√ľber hinaus gibt es die folgenden Kulturveranstaltungen:

  • Maltesischer Karneval (maltesisch il-karnival ta' Malta)
  • Regionale christliche Feiern wie die Heilige Woche oder Mnarja (l-Imnarja), eine Verehrung f√ľr die Heiligen Peter und Paul
  • ein eint√§giges Musikfestival (Isle of MTV) auf dem Fosos-Platz in Floriana, seit 2007. Bereits 50.000 Besucher wurden gez√§hlt.

Sport (Auswahl)

Etabliert sind auf Malta Fu√üball (h√∂chste Spielklasse Maltese Premier League mit zw√∂lf Mannschaften; siehe auch Fu√üball in Malta), Wasserpolo, Rugby, Motorsport und Snooker. Als Amateursport gibt es zudem h√§ufig Sportklettern, Surfen, Boxen und Kickboxen sowie Tennis und Boccia (Bońčńči). Der Royal Malta Yacht Club (RMYC) hat seine Clubanlagen in Ta' Xbiex und veranstaltet gro√üe Regatten wie das Rolex Middle Sea Race (Rund um Sardinien mit Start- und Zielpunkt Malta) seit 1968.

Film und Filmindustrie

Vor etwas mehr als 100 Jahren war Maltas Filmindustrie hauptsächlich von seiner strategischen Position im Zentrum des Mittelmeers und seinem Status als Teil des Britischen Weltreichs beeinflusst. Erst nach der Unabhängigkeit 1964 haben auch Länder außer Großbritannien die Vorteile Malta als Drehort zu nutzen, erkannt. So ist Malta aufgrund seiner vielfältigen Naturlandschaft und städtischen Architektur eine populäre Film- und Fernsehkulisse.

Besonders wichtig f√ľr den Erfolg als Film- und Fernsehkulisse ist auch die offizielle Unterst√ľtzung durch Institutionen wie der Filmkommission Malta oder die Bedeutung der Mediterranean Film Studios. So betreiben die Mediterranean Film Studios die derzeit zwei weltgr√∂√üten Wasserbecken f√ľr Filmaufnahmen (Oberfl√§chenbecken: 122¬†m √ó 92¬†m bei 22¬†Millionen Litern sowie Tiefwasserbecken: 108¬†m √ó 49¬†m bei 43,2¬†Millionen Litern) und zeigen sich f√ľr Film- und Fernsehproduktionen wie Die Gustloff, Marco W. ‚Äď 247 Tage im t√ľrkischen Gef√§ngnis, Der Untergang der Pamir, Kon-Tiki, Asterix & Obelix ‚Äď Im Auftrag Ihrer Majest√§t, Die M√§nner der Emden, Wickie und die starken M√§nner und viele weitere verantwortlich.

Beispiele f√ľr bekannte Filmproduktionen auf Malta sind U-571, Monte Cristo, Troja, Alexander, Gladiator, 12 Uhr nachts ‚Äď Midnight Express, The Da Vinci Code ‚Äď Sakrileg und M√ľnchen sowie prestigetr√§chtige Fernsehproduktionen wie Game of Thrones. Besonders Ridley Scotts Gladiator kann als wichtig angesehen werden, da dadurch Maltas Dienstleistungsangebot rund um den Film neu belebt wurde, was die Entwicklung als attraktiven Drehort weiter beschleunigt hat. So hat Malta schon eine Vielzahl von verschiedenen Orten gedoubelt ‚Äď vom alten Rom √ľber das Marseille des 19. Jahrhunderts bis hin zum Beirut der 1960er Jahre.

F√ľr die Wirtschaft von Malta ist die Filmindustrie gleich aus zwei Perspektiven wichtig. Zum einen ist die Filmindustrie ein wichtiger Teil f√ľr den schnell wachsenden Dienstleistungssektor, zum anderen tr√§gt die Filmindustrie zum wichtigen Wirtschaftszweig des Tourismus bei. Das wird zum Beispiel dadurch deutlich, dass die vom Film Popeye ‚Äď Der Seemann mit dem harten Schlag (1980) verwendete Fischerdorf-Kulisse eine Touristenattraktion ist (Popeye Village), obwohl der Film damals ein Flop war. So wird der Filmtourismus von Local Playern als Schl√ľssel-Untersektor anerkannt, um die lokale Entwicklung zu f√∂rdern und Malta als Tourismusziel zu bewerben. Dabei ist jedoch zu beachten, dass 2013 erst 3,5¬†% der Touristen angaben, unter anderem aufgrund der Sichtbarkeit im Fernsehen, Malta zu besuchen.

Der Umfang der Wirtschaftsleistung der Filmindustrie variiert hierbei je nach Auftragslage von Jahr zu Jahr teilweise stark. So war 2015 ein Rekordjahr, es wurden mehr als 100 Millionen Euro durch den Filmsektor in die maltesischen Wirtschaft investiert. Im Gegensatz dazu wurden 2014 nur 29 Millionen Euro investiert.

Malta in der Literatur

  • J√∂rg Fauser: Der Schneemann, 1981
  • Walter Laufenberg: Hypog√§um ‚Äď Triumph der Venus von Malta, 2013
  • Walter Laufenberg: Favoritin zweier Herren, 2010
  • Walter Laufenberg: Sarkophag, 2008
  • Tim Willocks: Das Sakrament, 2006
  • Dan Tur√®ll: Mord auf Malta, 2004
  • David Ball: Asha, Sohn von Malta, 2003
  • Nicholas Monsarrat: Der Kaplan von Malta, 1973
  • J√ľrgen Ebertowski: Maltagold, 1994
  • J√ľrgen Ebertowski: Der letzte Gro√ümeister, 2012
  • Johann Peters: Der Falke von Malta, 2013
  • Alexander Kent: Donner unter der Kimm: Admiral Bolitho und das Tribunal von Malta, 1986
  • Alexander Kent: Das letzte Gefecht: Admiral Bolitho vor Malta, 1998
  • Sigurd G√∂ttlicher: Malteser Blut, 2014
  • J√ľrg Federspiel: Eine Halbtagsstelle in Pompeji, 1993
  • Haruki Murakami: Mister Aufziehvogel, 1998

Schiffe und Boote

Eine Besonderheit der Maltesischen Inseln sind die Luzzus, bunt bemalte h√∂lzerne Fischerboote, deren Bug mit Augen (Horus- oder Osirisauge) verziert ist. Die Bauweise der Boote soll auf die Ph√∂nizier zur√ľckgehen; das Auge sollte der √úberlieferung zufolge die Fischer vor Gefahren sch√ľtzen. Zus√§tzlich tragen die Boote zumeist die Namen christlicher Heiliger.

Die farbenfrohen Boote sind ein beliebtes Fotomotiv f√ľr Touristen; daher wird ihr Unterhalt von der Regierung bezuschusst. Sie werden aber von den Fischern als Arbeitsger√§t genutzt. Einige moderne Ausflugsboote f√ľr Touristen sind im Stil dem traditionellen Luzzu nachempfunden.

Essensspezialitäten

ń†bejna ist ein kleiner K√§se aus Ziegenmilch. Sehr beliebt sind Kapern, Kaninchen und nat√ľrlich der Nationalfisch, die Goldmakrele (‚ÄöLampuki‚Äė), aber auch Pastizzis und Qassatas. Das sind Teigtaschen, die mit Ricotta, Thunfisch, Fleisch, Spinat oder Erbsen gef√ľllt sind. In Malta isst man auch gerne Qagńßaq tal-Gńßasel, Bigilla, Aljotta und Nougat (Kuchen). Die maltesische K√ľche hat viel gemeinsam mit der italienischen und der griechischen K√ľche.

Getränke

Kinnie ist der Name einer auf Malta hergestellten Limonade, die unter anderem aus Bitterorangen und Kr√§utern, insbesondere Wermutkraut hergestellt wird. Das bernsteinfarbene, alkoholfreie und kohlens√§urehaltige Getr√§nk hat einen bitter-s√ľ√üen Geschmack. Ein weiteres bekanntes maltesisches Getr√§nk ist das Lagerbier Cisk. Aufgrund der geographische Lage und den klimatischen Bedingungen werden auf Malta auch vermehrt Weine produziert. Dar√ľber hinaus gibt es auch eine Vielzahl an verschiedenen Lik√∂ren.

Maltesische Literatur

Die Neusch√∂pfung und Standardisierung des Maltesischen erfolgte anfangs des 19.¬†Jahrhunderts durch Mikiel Anton Vassalli, der von der franz√∂sischen Aufkl√§rung beeinflusst war. Bis weit ins 20.¬†Jahrhundert dominierte eine Literatur der nationalen Romantik. Als maltesischer Nationalpoet gilt der Priester Dun Karm Psaila (1871‚Äď1961), der auch den Text der maltesischen Nationalhymne schuf. Einer der ersten Literaten maltesischer Sprache, der auch im Ausland bekannt wurde, war Karmenu Vassallo (1913‚Äď1987). Als vielleicht wichtigster Romanautor Maltas gilt Frans Sammut (1945‚Äď2011).

Viele moderne maltesische Schriftsteller sind bilingual, sie schreiben meist in maltesischer und englischer, manchmal auch in italienischer Sprache. 1989 erschien in der Bundesrepublik erstmals eine Anthologie maltesischer Literatur. Der National Book Council (Kunsill nazzjonali tal-ktieb) verleiht j√§hrlich Buchpreise in mehreren Kategorien. 2020 erhielt u.¬†a. Georg Peresso, der auch Schauspiele schreibt, einen Preis in der Kategorie Romane. John Aquilina, ein bereits bekannter Lyriker, erhielt den ersten Preis f√ľr Lyrik (in maltesischer Sprache). Carlo Bonini, Manuel Delia und John Sweeney erhielten einen Preis f√ľr ihr politisches Sachbuch Murder on the Malta Express: Who Killed Daphne Caruana Galizia?

Feiertage

Au√üer den in vielen europ√§ischen L√§ndern √ľblichen Feiertagen (Neujahr, Karfreitag, Ostern, Pfingsten, Tag der Arbeit, Mari√§ Himmelfahrt, Mari√§ Empf√§ngnis und Weihnachten) sind folgende Tage offizielle Feiertage:

  • 10. Februar: In-Nawfrań°ju ta‚Äô San Pawl (englisch Feast of St.¬†Paul‚Äôs Shipwreck, Gedenktag zu Ehren des Schiffbruchs des Heiligen Paulus im Jahr¬†60 vor Malta)
  • 19. M√§rz: San ń†uŇľepp (Feast of Saint Joseph, St.¬†Joseph)
  • 31. M√§rz: Jum il-ń¶elsien (Freedom Day, Abzug der letzten britischen Truppen 1979)
  • 7. Juni: Sette Giugno (Sette Giugno, Nationalfeiertag)
  • 29. Juni: L-Imnarja (Feast of Saints Peter and Paul, St.¬†Peter und Paul)
  • 8. September: Il-Vittorja (Our Lady of Victory, Ende der gro√üen Belagerung durch die Osmanen 1565)
  • 21. September: L-Indipendenza (Independence Day, Tag der Unabh√§ngigkeit 1964)
  • 13. Dezember: Jum ir-Repubblika (Republic Day, Ausrufung der Republik 1974)

Transport und Verkehr

Infrastruktur

Auf Malta herrscht Linksverkehr. Trotz seiner geringen Gr√∂√üe verf√ľgt Malta √ľber ein ausgedehntes √∂ffentliches Verkehrssystem, das von Touristen und Einheimischen intensiv genutzt wird. Dieses erstreckt sich vom Busverkehr √ľber den Taxiverkehr bis hin zum Schiffs- und Flugverkehr. Zu Beginn des 20.¬†Jahrhunderts besa√ü Malta zudem ein Schienenverkehrsnetz: 1883 wurde eine Eisenbahnlinie von Valletta nach Mdina errichtet, die jedoch im Jahre 1931 aufgrund mangelnder Rentabilit√§t wieder eingestellt wurde. Auch die Stra√üenbahn in Malta, welche 1905 eingerichtet wurde, musste nach einigen Jahren 1929 Konkurs anmelden. Seit den 1930er Jahren besteht keine Schienenverkehrsinfrastruktur mehr in Malta.

√Ėffentlicher Nahverkehr

Situation bis etwa 2010

Aufgrund der jahrelangen Zugehörigkeit zum Commonwealth herrscht im Straßenverkehr Maltas Linksverkehr. Überholt wird rechts, dennoch gilt die Vorfahrtregelung rechts vor links.

Der √∂ffentliche Nahverkehr mit Omnibussen wurde 1905 eingef√ľhrt. Bis 1994 waren die Linienbusse einheitlich gr√ľn gestrichen, diese Farbgebung stammte noch aus den fr√ľhen 1980er-Jahren und sollte damals die Verbundenheit Maltas mit Libyen zum Ausdruck bringen. Von 1994 an wurden die Busse gelb gestrichen. Die Busse auf Gozo waren traditionell grau. Bis etwa 2010, vor der Einf√ľhrung neuer Busse und der Vergabe einer Lizenz f√ľr den gesamten √∂ffentlichen Nahverkehr Maltas an das Unternehmen Arriva waren die Linienbusse Eigentum des jeweiligen Busfahrers. Die Busse galten zuletzt technisch als veraltet, sehr viele stammten noch aus der Kolonialzeit, waren also gut 50 Jahre alt. Wer aussteigen wollte, musste an einer Leine ziehen, die zu einer neben dem Fahrer montierten mechanischen Klingel f√ľhrte. Die T√ľren der Busse waren abmontiert oder blieben w√§hrend der Fahrt offen. Der Fahrtwind ersetzte damit die Klimaanlage. Diese Busse galten bei den einen als Touristenattraktion, bei anderen h√∂chstens als brauchbares, jedoch unbequemes, unsicheres Verkehrsmittel. Nicht nur die Busse waren im Eigentum der Fahrer, auch fuhren die Fahrer √§hnlich wie Taxibetreiber teilweise auf eigenes finanzielles Risiko. Fahrg√§ste, die nicht √ľber ein Abonnement verf√ľgten, bezahlten bar beim Fahrer. Die Linien wurden zwar den Fahrern zugeteilt, aber es existierte statt eines exakten Fahrplans lediglich eine ungef√§hre Intervallangabe (je nach Linie Takte zwischen zehn Minuten und mehreren Stunden). Aufgrund der beschr√§nkten Transportkapazit√§t der alten Busse bestand keine Mitnahmegarantie, in Sto√üzeiten musste oft auf einen der n√§chsten Busse gewartet werden.

Seit den 1990er Jahren wurde viel in den Ausbau des Straßennetzes investiert, das alle maltesischen Orte auf den Inseln miteinander verbindet.

Die Promillegrenze beträgt in Malta 0,8. Die Höchstgeschwindigkeit auf den Autoschnellstraßen und Landstraßen ist mit 80 km/h festgelegt, in geschlossenen Ortschaften gilt 50 km/h.

Erneuerung an der Schwelle zum 21. Jahrhundert

Zur Aufnahme Maltas in die EU musste unter anderem auch das Nahverkehrssystem erneuert werden. Ein erster Schritt erfolgte 1995 mit der Einf√ľhrung eines neuen Farbsystems f√ľr die Omnibusse, bestehend aus einer warmen gelben Farbe und einem orangen Farbband. Das wei√üe Dach blieb erhalten. Zwischen 1996 und den 2010er Jahren gelang es, die Buslinien Schritt f√ľr Schritt zu verstaatlichen. Die Busfahrer nahmen Kredite f√ľr neue Busse auf, deren Kosten sp√§ter teilweise von der Regierung √ľbernommen wurden. Zur Qualit√§tssteigerung fand eine Ausschreibung f√ľr neue Fahrzeuge statt, an der sich Bushersteller aus der T√ľrkei, Polen, Griechenland und Mazedonien beteiligten. Au√üerdem reichte der chinesische Bushersteller King Long ein Angebot f√ľr neue Fahrzeuge ein. Obwohl die meisten Busfahrer aufgrund seiner guten Leistung und Stra√üenlage den BMC Falcon der Firma BMC (T√ľrkei) bevorzugten, entschied sich die Verwaltung f√ľr die Anschaffung von Modellen der Marke King Long. Mit dieser Umstellung wurde auch das gesamte Nahverkehrssystem optimiert.

Vom 15. bis 17. Juli 2008 erlebte Malta einen Streik von Bus- und Taxifahrern mit Stra√üenblockaden. Grund daf√ľr waren die wirtschaftlichen Sorgen von Bus- und Taxifahrern, dass bei durchzusetzendem EU-Recht das inl√§ndische Transportmonopol kippe. Damit h√§tten auch Unternehmer aus anderen EU-L√§nder das Recht, am √∂ffentlichen Nahverkehr Maltas zu verdienen. Besonders die maltesischen Busfahrer, in deren Eigentum sich Busse befanden, bangten um ihre Existenz.

Am 3. Juli 2011 wurde der √∂ffentliche Nahverkehr an die Firma Arriva, ein Tochterunternehmen der Deutsche Bahn AG, vergeben. Danach erhielten die Busse Maltas eine t√ľrkise Lackierung entsprechend der Unternehmensfarbe des neuen Eigent√ľmers. 185¬†neue Busse wurden angeschafft sowie 79¬†modernisiert. Die gesamte Flotte erf√ľllte nun die Euro-5-Abgasnorm der EU, war behindertengerecht sowie mit Klimaanlagen und √úberwachungskameras ausgestattet. Von den insgesamt 264¬†Bussen verf√ľgten 10 √ľber einen Hybridantrieb, 60¬†waren bisher auf Malta unbekannte Gelenkbusse. Der zentrale Omnibusbahnhof am Stadttor von Valletta (das bei der Modernisierung abgerissen wurde) wurde erneuert und neu beschildert. Medienkampagnen machten zus√§tzlich auf das neue System aufmerksam. Mit der √úbernahme des maltesischen Busverkehrs durch Arriva endete eine Epoche: Neues Rollmaterial kam zum Einsatz, mehr Linien wurden eingerichtet, die oft ringf√∂rmig statt wie bisher sternf√∂rmig angelegt waren. Letzteres hatte viele Fahrtzeiten stark verl√§ngert, da Fahrg√§ste aus den Au√üenbezirken vor √úberlandfahrten meist zun√§chst ins Stadtzentrum reisen mussten, um von dort die Weiterreise anzutreten. Trotz des enormen finanziellen und organisatorischen Aufwands wurden auch fortan Fahrpl√§ne h√§ufig nicht eingehalten, und die deutlich unterschiedlichen Tarife f√ľr Einheimische und Touristen stie√üen auf Kritik. Auf der anderen Seite verschwand die maltesische Touristenattraktion des Busverkehrs, zudem verloren viele Busfahrer ihre Existenzgrundlage, sofern sie nicht bei Arriva anheuern konnten.

Seit dem 1. Januar 2014 betreibt das Unternehmen Malta Public Transport den gesamten Busverkehr auf Malta und Gozo, nachdem desastr√∂se Zust√§nde und Verluste von etwa¬†50¬†Millionen Euro in nur zwei Jahren Arriva zur Aufgabe gezwungen haben. Laut Presseerkl√§rung der Deutsche Bahn AG ‚Äěkonnte auf Basis des bestehenden Vertrags keine angemessene Profitabilit√§t erreicht werden.‚Äú Der Verkaufspreis betrug einen symbolischen Euro. Die Gr√ľnde f√ľr das Scheitern von Arriva waren vielf√§ltig, zum Teil waren sie auf gravierende Fehlentscheidungen des Unternehmens zur√ľckzuf√ľhren: Die 60¬†Gelenkbusse erwiesen sich auf Malta als unbrauchbar, da sie durch zahlreiche enge Gassen in den St√§dten nicht fahren konnten. In einem Festungsgraben in Valletta abgestellt, warteten sie zuletzt auf ihren Verkauf (angeblich in den Sudan). Auch kam es mehrere Male zu Br√§nden in Bussen, die f√ľr das hei√üe maltesische Klima nicht geeignet waren. Mindestens drei Busse sind dabei komplett (ohne Personenschaden) ausgebrannt. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass dies Busse waren, die zuvor in London als ungeeignet ausgemustert worden waren.

Das gegenw√§rtige √∂ffentliche Busnetz ist √ľbersichtlich gegliedert: Generell verkehren die Busse auf den maltesischen Inseln t√§glich zwischen 5.30¬†Uhr und 23¬†Uhr. 80¬†Linien verbinden zahlreiche Ortschaften miteinander. Jede Linie wird in zwei Richtungen bedient (keine Rundfahrten), die meisten Linien fahren in die Hauptstadt Valletta bzw. aus ihr ab. Im Allgemeinen wird zwischen diesen Strecken unterschieden:

  • Mainland-Linien, die die meisten St√§dte der Insel Malta mit Valletta verbinden (die Linien tragen ein- oder zweistellige Nummern).
  • Direkte Linien verbinden zwei St√§dte oder D√∂rfer auf der Insel Malta, ohne √ľber Valletta zu fahren (dreistellige Liniennummern).
  • Nachtbusse verkehren zwischen St.¬†Julian‚Äôs bzw. Paceville und verschiedenen Ortschaften Maltas (der Liniennummer ist ein N vorangestellt).
  • Flughafen- und ńäirkewwa-Express: Vier Expressbuslinien verbinden die Hauptorte der Insel Malta mit dem Flughafen sowie Valletta mit der F√§hrstation nach Gozo in ńäirkewwa (Liniennummern bestehen aus dem Buchstaben¬†X und einer Zahl).
  • Buslinien auf der Insel Gozo (dreistellige Liniennummern).
  • Mater-Dei-Linien, die verschiedene Orte mit dem gr√∂√üten Krankenhaus Maltas, dem Mater-Dei-Krankenhaus, verbinden.
  • Doppeldecker-Sightseeing-Busse auf vier Routen mit 44¬†Stopps. Touristen k√∂nnen die kommentierten Touren in 16¬†Sprachen h√∂ren und die Tickets 24¬†Stunden lang nutzen.

Taxiverkehr

Die Taxis sind an ihrer wei√üen Farbe erkennbar. Alle Taxis sind mit Geb√ľhrenz√§hlern ausgestattet und sind verpflichtet, die von der Regierung festgelegten Preise zu verlangen.

Taxis am Flughafen arbeiten nach einem anderen System. Am Internationalen Flughafen bezahlt der Fahrgast vor Fahrtantritt am Taxi-Fahrscheinschalter in der Ankunftshalle. Der ausgeh√§ndigte Fahrschein enth√§lt das Fahrtziel und die gezahlte Geb√ľhr.

Flugverkehr

Malta besitzt einen Flughafen, den Malta International Airport, und eine eigene Fluggesellschaft, die Air Malta mit Sitz in Luqa. Sie nahm ihren Betrieb am 1. April 1974 auf und verbindet Malta mit mehr als 35¬†St√§dten quer √ľber Europa und den Mittelmeerraum. Air Malta bedient vom Flughafen Malta aus in erster Linie wichtige europ√§ische St√§dteziele, wie London, Athen und Moskau und bietet zudem auch Charterfl√ľge, wie saisonal nach Salzburg an. Im deutschsprachigen Raum werden Berlin-Brandenburg, D√ľsseldorf, Frankfurt am Main, Hannover, Hamburg, M√ľnchen sowie Stuttgart und Leipzig, Wien in √Ėsterreich und Genf und Z√ľrich in der Schweiz angeflogen.

Schiffsverkehr

Der Grand Harbour in Valletta gilt als eine moderne Hafenanlage im s√ľdlichen Mittelmeer. Europ√§ische und US-amerikanische Kreuzfahrtschiffe sind h√§ufig in Malta registriert (‚Üí Billigflagge), beispielsweise die Schiffe der TUI Cruises.

Um das Jahr 2010 waren etwa 84 % der Passagiere nur einen Tag auf Landgang in Malta.

Die Verbindung zwischen den Inseln Maltas wird √ľber F√§hren abgewickelt: st√ľndlich verkehren eine F√§hre zwischen Malta (ńäirkewwa) und Gozo (Mń°arr), die auch Autos transportiert, und eine F√§hre von Mń°arr auf Gozo nach Sa Maison (Malta). Seit 1. Juni 2021 gibt es eine Schnellverbindung zwischen der Hauptstadt Valletta und Mń°arr auf der Insel Gozo.

Der Plan, Tunnel oder Br√ľcken zur Verbindung der Inseln zu errichten, wurde bei einer Volksabstimmung abgelehnt. Die Regierung ver√∂ffentlichte 2016 einen Plan f√ľr einen Tunnel zwischen der Hauptinsel Malta und Gozo.

Weitere Fährverbindungen bestehen zwischen Valletta und Catania auf Sizilien, Reggio Calabria und Salerno auf dem italienischen Festland, Valencia in Spanien und Tripolis in Libyen. Die Fährverbindung nach Tripolis war insbesondere während des UN-Embargos gegen Libyen nach dem Lockerbie-Anschlag von Bedeutung, da auch der Luftverkehr nach Libyen eingestellt war; Libyer, die ins Ausland reisen wollten, nutzten daher diese Verbindung, um von Malta in Länder Europas oder nach Übersee zu fliegen. Seit der Aufhebung des Embargos gegen Libyen hat die Verbindung an Bedeutung verloren und wird nur noch ein- bis zweimal pro Woche bedient.

In den maltesischen H√§fen wurden 2014 rund 3,5¬†Millionen Tonnen G√ľter umgeschlagen, etwa 0,1¬†Prozent des Gesamtumschlages aller H√§fen der Europ√§ischen Union.

Motorisierter Individualverkehr

Auf Malta waren im Jahr 2014 rund 315.000 Fahrzeuge zugelassen (ohne Motorräder). Mit einer Quote von 592 privat zugelassenen Pkw je 1000 Einwohner lag Malta im Jahr 2012 auf Platz 2 in der Europäischen Union, hinter Italien (621) und noch vor Finnland (560) oder beispielsweise Deutschland (530). Im Jahr 2016 lag der Motorisierungsgrad (Personenkraftwagen pro 1000 Einwohner) bei 635. Die Anzahl der Verkehrstoten pro Jahr schwankte im Zeitraum 2003 bis 2010 zwischen 9 und 17. Eigenproduzierte Kraftwagen gibt es nicht, dagegen werden alle gängigen Autotypen aus Frankreich, Deutschland und Japan importiert. Die Straßen außerhalb der Ortschaften sind als Schnellstraßen in einem guten Zustand.

Im Ort Qawra gibt es ein Oldtimer-Museum, die Malta Classic Car Collection. Fahrradverkehr spielt eine völlig unbedeutende Rolle, nur wenige Straßen in Ortschaften sind entsprechend gekennzeichnet.

Literatur

  • Bernhard M. Baron: MALTA in der deutschsprachigen Literatur. In: GermanMalteseCircle/Newsletters (Valletta 2012, aktualisiert 2017).
  • Sandro Caruana, Ray Fabri, Thomas Stolz (Hrsg.): Variation and Change. The Dynamics of Maltese in Space, Time and Society. Berlin: Akademie Verlag 2011, ISBN 978-3-05-005648-7.
  • Sabine Cassar-Alpert: Leben und Arbeiten in Malta. GD, Berlin 2007, ISBN 978-3-939338-34-5.
  • J. von Freeden: Malta und die Baukunst seiner Megalith-Tempel. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1993, ISBN 3-534-11012-9.
  • Stefan Goodwin: Malta, Mediterranean Bridge. Bergin and Garvey, Westport 2002, ISBN 0-89789-820-6.
  • Carmelina Grech: Old Photographs Of Malta.
  • Heinz Gstrein: Malta, mit Gozo und Comino. 2.¬†Auflage. Herder, Freiburg 1992, ISBN 3-7839-0554-0.
  • Hans Latja: Malta. Druckhaus-Langenscheidt, 1976.
  • Hans E. Latzke: DuMont Reise-Taschenbuch Malta mit Gozo und Comino. 2004, ISBN 3-7701-5972-1.
  • Werner Lips: Malta, Gozo, Comino. 1999, ISBN 3-89416-659-2.
  • Andreas P. Pittler: Malta. Klagenfurt 2004, ISBN 3-85129-443-2.
  • Geoffrey Aquilina Ross (Photos: Eddie Aquilina, Daniel Cilia): Images Of Malta.
  • Roland Siegloff: Reise zu den letzten Grenzen. 100 Tage freie Fahrt durch die Festung Europa. GEV Grenz-Echo Verlag, Eupen 2011, ISBN 978-3-86712-051-7.

Weblinks

  • Offizielle Website der maltesischen Regierung (maltesisch und englisch)
  • L√§nder- und Reiseinformationen des deutschen Ausw√§rtigen Amtes
  • Reiseinformation vom √∂sterreichischen Bundesministerium f√ľr Europa, Integration und √Ąu√üeres
  • Sammlung aller maltesischen Gesetze (englisch)
  • Linkkatalog zum Thema Malta bei curlie.org (ehemals DMOZ)

Einzelnachweise


 

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Flagge: Malta

Name englisch: Malta
Hauptstadt: Valletta
Kfz: M
ISO: MT
ISO3: MLT
Fläche: 316 km²
Tld: .mt
Wärung Einheit: MTL
Währung: Lira
Vorwahl: 356

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 36.0821467
südlichster Punkt: 35.805811
westlichster Punkt: 14.1835259
östlichster Punkt: 14.5755001


 
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