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Saint Kitts und Nevis
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Informationen : Saint Kitts und NevisSt. Kitts und Nevis (in Deutschland und der Schweiz amtlich Föderation St. Kitts und Nevis, in Ăsterreich amtlich St. Kitts und Nevis, englisch [seÉȘntË kÉȘtsâÉnâËniËvÉȘs], bis 1983 offiziell Saint Christopher and Nevis, deutsch St. Christopher und Nevis) ist ein föderaler Inselstaat auf den Kleinen Antillen in der östlichen Karibik. Hauptstadt und gröĂte Stadt des Staates ist Basseterre, Amtssprache ist Englisch.
Der Staat gehört mit seinen 51.320 Einwohnern (Stand: 2022) und einer FlÀche von knapp 263 Quadratkilometern zu den zwölf kleinsten allgemein anerkannten Staaten der Erde. Namensgebend sind die beiden Inseln St. Kitts und Nevis. Er ist Mitglied des Commonwealth of Nations und der Vereinten Nationen.
Der erste bekannte Name von St. Kitts war Liamuiga, das âfruchtbare Landâ, wie es die hier ursprĂŒnglich ansĂ€ssigen karibischen Kalinago nannten. Christoph Kolumbus, der erste EuropĂ€er, der die Insel entdeckte, soll sie nach seinem Schutzheiligen Christophorus San CristĂłbal genannt haben, wie sie bis ins 17. Jahrhundert hieĂ. Die ersten englischen Kolonisten ĂŒbersetzten dies zu St. Christopherâs Island. Eine im 17. Jahrhundert gelĂ€ufige AbkĂŒrzung fĂŒr Christopher war Kit bzw. Kitt; so wurde die Insel informell Saint Kittâs Island genannt, spĂ€ter weiter verkĂŒrzt zu Saint Kitts.
Nevis wurde von den Kalinago Oualie genannt, das âLand der schönen Wasserâ. Kolumbus gab der Insel den Namen San MartĂn nach Martin von Tours. Der heutige Name stammt vom spanischen Namen Nuestra Señora de las Nieves, âUnsere Dame des Schneesâ, was sich auf ein aus dem 4. Jahrhundert in der katholischen ErzĂ€hlung ĂŒberliefertes Wunder bezieht: ein sommerlicher Schneefall auf dem HĂŒgel Esquilin in Rom. Nach heutiger Interpretation wurde dieser Name durch die Sicht auf den Gipfel des heute Nevis genannten Berges inspiriert, der ĂŒblicherweise von Wolken umweht wird, was als Kontrast zum heiĂen Klima empfunden wurde.
Die kolonialen Verfassungen nannten den Staat sowohl Saint Kitts and Nevis (bzw. 1962â80 St. Christopher-Nevis-Anguilla) als auch Saint Christopher and Nevis. Heute wird nur noch ersteres verwendet. HĂ€ufig (auch auf der Regierungs-Website) wird die AbkĂŒrzung SKN verwendet. Ein Adjektiv fĂŒr den Staatsnamen gibt es im Deutschen nicht.
St. Kitts und Nevis liegt bei 17° 20âČ N, 62° 45âČ W in der östlichen Karibik (frĂŒher auch Westindien genannt) und ist Teil der Inselkette der kleinen Antillen, darin der Untergruppe Inseln ĂŒber dem Winde, darin der nördlichen Untergruppe der Leeward Islands. Nordwestlich schlieĂen Sint Eustatius, Saba, Saint-BarthĂ©lemy, St. Martin, Anguilla, die Jungferninseln und Puerto Rico an, östlich und sĂŒdöstlich Antigua und Barbuda, Montserrat und Guadeloupe.
St. Kitts hat eine FlĂ€che von 168,92 kmÂČ. Die Insel Nevis ist durch einen drei Kilometer breiten Kanal von St. Kitts getrennt und hat eine FlĂ€che von 93,7 kmÂČ. In der Meerenge zwischen beiden Inseln liegt das Eiland Booby Island mit einer FlĂ€che von etwa einem Hektar. Die gemeinsame StaatsflĂ€che betrĂ€gt 262,62 kmÂČ, die gesamte KĂŒstenlĂ€nge 135 km. Die maritime AusschlieĂliche Wirtschaftszone des Staates umfasst 20.400 kmÂČ.
St. Kitts und Nevis liegt mit der Inselkette der kleinen Antillen am östlichen Rand der Karibischen Platte, in der Subduktionszone, in der die SĂŒdamerikanische Platte durch die Plattentektonik unter die Karibische Platte geschoben wird. Die Subduktion fĂŒhrt seit Millionen von Jahren zu vulkanischer AktivitĂ€t und Erdbeben, die bis heute vorkommen (siehe Erdbeben in den Kleinen Antillen 1974). Wie die gesamte Inselkette sind auch die Inseln St. Kitts und Nevis aus Vulkanen entstanden. St. Kitts ist relativ jung, im MiozĂ€n vor weniger als 50 Millionen Jahren entstanden, Nevis noch jĂŒnger mit einem vermuteten Entstehungszeitraum vom mittleren PliozĂ€n (vor 3,45 Millionen Jahren) bis zum PleistozĂ€n. Wie die anderen Inseln sind sie die Gipfel von Unterwasserbergen, die durch AnhĂ€ufung von Magma entstanden.
St. Kitts besteht fast ausschlieĂlich aus vulkanischen Gesteinen wie Andesit und Dazit. Die Insel wird von vier vulkanischen Zentren gebildet. Der höchste Berg ist der 1156 m hohe Mount Liamuiga (frĂŒher âMount Miseryâ genannt). Er ist ein ruhender Vulkan, der u. a. Basalt und Andesit aufweist und zuletzt vermutlich vor etwa 1850 Jahren ausbrach.
Auch Nevis wird von mehreren vulkanischen Zentren gebildet. Die höchste Erhebung der Insel ist der Nevis Peak mit 985 m, ein ruhender Vulkan, der zuletzt vermutlich vor etwa 100.000 Jahren ausbrach.
Auf den Inseln herrscht heiĂes, tropisches Klima, durch Passatwinde gemildert. Die Trockenzeit dauert von Januar bis April. Im Sommer und zum Jahresende ist die Niederschlagsmenge höher und variiert je nach Höhenlage. Die jĂ€hrliche Niederschlagsmenge betrĂ€gt etwa 1400 mm, Hauptregenzeit ist von Mai bis Oktober. WirbelstĂŒrme können zwischen August und Oktober auftreten.
Die Nationalpflanze des Staates ist der Flammenbaum. HÀufig vorkommende Pflanzen sind u. a. eine Variante der Palmettopalme, Hibiskus, Bougainvillea und Tamarindenbaum. In den dichten WÀldern der Inseln ist eine Kiefern-Variante hÀufig, dazu verschiedene Farn-Varianten.
Der Braunpelikan gehört zu den Nationalsymbolen des Staates. Insgesamt sind 198 Vogelarten beschrieben worden.
Auf den beiden Inseln leben 51.320 Menschen (VolkszÀhlung 2022).
2017 waren 13,7 % der Bevölkerung Migranten. Gleichzeitig sind noch mehr Personen emigriert.
Die mit einem Bevölkerungsanteil von 88,0 % mit Abstand gröĂte Bevölkerungsgruppe stellen Schwarze dar, wĂ€hrend der restliche Teil der Bevölkerung sich aus WeiĂen (3,1 %), IndischstĂ€mmigen (2,8 %), Hispanics (2,5 %), Menschen gemischt ethnischer Herkunft (2,4 %) und Chinesen (0,6 %) zusammensetzt.
Die Amtssprache der Föderation ist Englisch. Jedoch werden oft kreolische Dialekte gesprochen.
Die Mehrheit der Bewohner sind Anglikaner (36Â %) und Methodisten (32Â %). Weiter gibt es noch Katholiken (12Â %), Herrnhuter (9Â %), Baptisten (5Â %) und 40 verschiedene weitere Religionsgemeinschaften.
Es gilt eine Schulpflicht vom 5. bis zum 16. Lebensjahr.
Die ersten Bewohner kamen ca. 3000 Jahre v. Chr. auf die Inseln. Diese Einwohner kannten noch keine Landwirtschaft oder Keramik und kamen wahrscheinlich aus Florida. Diese JÀger und Sammler verschwanden spÀter wieder.
Um 400 v. Chr. kamen die Saladoiden, die bereits Landwirtschaft und Keramik kannten. Sie stammten vom Delta des Orinoco im heutigen Venezuela.
Etwa 800 n. Chr. wurden sie verdrÀngt durch die Igneri, die zu den Arawak gehören.
1300 kamen die Kalinago auf die Inseln und verdrĂ€ngten die Igneri in Richtung GroĂe Antillen. St. Kitts nannten sie Liamuiga (fruchtbare Insel) und Nevis Oualie (Land des schönen Wassers). Die Einheimischen hatten Handelsbeziehungen mit Einwohnern der heutigen Virgin Islands und Puerto Ricos.
Die beiden Inseln wurden 1493 auf der zweiten Reise von Christoph Kolumbus fĂŒr die EuropĂ€er entdeckt, aber erst am Anfang des 17. Jahrhunderts besiedelt.
Die ersten Kolonisten waren 1623 die Briten, die unter Sir Thomas Warner (1580â1649) mit Erlaubnis der Kalinago unter HĂ€uptling Ouboutou Tegremante die Siedlung Old Road Town an der WestkĂŒste von St. Kitts grĂŒndeten. 1625 grĂŒndeten die Franzosen unter Pierre Belain dâEsnambuc eine Siedlung auf St. Kitts. In der Folge vereinbarten beide Seiten die Aufteilung der Inseln in einen französischen und einen englischen Sektor.
Nach der anfĂ€nglichen Zustimmung der Kalinago begannen diese die fortdauernde europĂ€ische Expansion und die Ăbernahme der ganzen Insel zu fĂŒrchten. Nach ersten Konfrontationen habe HĂ€uptling Tegremante 1626 ein BĂŒndnis mit karibischen StĂ€mmen anderer Inseln geplant, die nachts mit Kanus kommen sollten, um gemeinsam die britischen und französischen Siedlungen anzugreifen. Der Plan sei durch eine Kalinago-Frau verraten worden und die EuropĂ€er vereinten daraufhin ihre KrĂ€fte zu einem Erstschlag, der durch den Mönch Jean-Baptiste Du Tertre als Völkermord an den Kalinago von 1626 ĂŒberliefert ist. Sie luden die Kalinago zu einem Fest ein und vergifteten viele. Als die ĂŒberlebenden Kalinago in ihr Dorf zurĂŒckkehrten, griffen die EuropĂ€er sie an und töteten weitere 120 im Schlaf, darunter auch Tegremante. Am folgenden Tag wurden etwa 4000 Kalinago von den Siedlern in das Gebiet Bloody Point und Bloody River gedrĂ€ngt, wo die Kalinago sich ergeben wollten, aber etwa 2000 von ihnen massakriert wurden, Jean-Baptiste Du Tertre berichtet von âStapeln von Leichenâ. Auf der Seite der Kolonisten wurden etwa 100 Tote verzeichnet. Die ĂŒberlebenden Kalinago flĂŒchteten in die Berge und wurden spĂ€ter teils versklavt, teils 1640 zur Ăbersiedlung nach Dominica gezwungen.
Ab diesem Zeitpunkt fĂŒhrten die EuropĂ€er groĂrĂ€umige Rodungen durch, legten Zuckerrohrplantagen an und importierten groĂe Zahlen an afrikanischen Sklaven, was die Bevölkerungsstruktur der Insel völlig verĂ€nderte. 1628 begannen die Briten auch auf Nevis zu siedeln.
1629 bis 1630 waren die Inseln fĂŒr kurze Zeit in spanischem Besitz. Im Rahmen des Englisch-Spanischen Kriegs (1625â1630) eroberten Truppen unter Fadrique Ălvarez de Toledo y Mendoza in der Schlacht von St. Kitts die Inseln und zerstörten die Siedlungen, viele Kolonisten flohen in die Berge, wandten sich auf anderen karibischen Inseln der Piraterie zu oder kehrten in ihre Heimatstaaten zurĂŒck. Bereits 1630 erlaubten die Spanier mit dem Frieden von Madrid ihre RĂŒckkehr und 1670 mit dem Vertrag von Madrid gestanden sie den EnglĂ€ndern die Hoheit ĂŒber St. Kitts und Nevis zu; als Gegenleistung versprachen die EnglĂ€nder UnterstĂŒtzung gegen die Piraterie.
Mit dem Abstieg des Spanischen Imperiums entstand ein Machtvakuum, das die Briten und Franzosen nutzten. Hierbei wurde St. Kitts die SchlĂŒsselstellung der EnglĂ€nder und Franzosen bei ihrer Expansion in die Karibik. Von hier aus besiedelten die Briten Antigua, Montserrat, Anguilla und Tortola, und die Franzosen Martinique, Guadeloupe und Saint BarthĂ©lemy. In der Folge wurden die Inseln ein stĂ€ndiger Streitpunkt zwischen Frankreich und England, die darĂŒber mehrere Kriege 1667, 1689â1690 sowie 1701â1713 fĂŒhrten; dadurch und unter einem Erdbeben 1690 sowie einem Hurrikan 1707 litten die Inseln. 1707 schufen die EnglĂ€nder durch die Vereinigung mit Schottland das Königreich GroĂbritannien. SchlieĂlich gestanden die Franzosen 1713 im Frieden von Utrecht den Briten die Hoheit ĂŒber St. Kitts zu.
St. Kitts war nun trotz aller RĂŒckschlĂ€ge zur reichsten karibischen Kolonie des aufstrebenden Britischen Weltreichs geworden.
1782 nutzten die Franzosen den amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg, um St. Kitts zu erobern, gaben es aber 1783 wieder zurĂŒck.
1807 setzte sich in GroĂbritannien die Abolitionismus-Bewegung durch; das britische Empire verbot mit dem Slave Trade Act den Sklavenhandel und verbot 1833 mit dem Slavery Abolition Act die Sklavenhaltung. Auf St. Kitts wurden 19.780 und auf Nevis 8.815 Sklaven befreit.
1882 schloss man die beiden Inseln mit dem nahegelegenen Anguilla zu einer Föderation mit dem Namen St. Christopher-Nevis-Anguilla zusammen.
Zwischen 1929 und 1930 stĂŒrzte die Weltwirtschaftskrise die Kolonie in wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten. Nachdem 1930 Gewerkschaften und Parteien entstanden und 1935 einen Generalstreik durchfĂŒhrten, fĂŒhrte man 1952 das allgemeine und gleiche Wahlrecht ein und damit auch das Frauenwahlrecht. 1958 erfolgte der Beitritt zur Westindischen Föderation, die bis 1962 existierte.
1967 erhielten die Inseln einen Autonomiestatus vom Vereinigten Königreich. FĂŒr die Einwohner Anguillas gingen diese Regelungen nicht weit genug, deshalb trat Anguilla faktisch aus der Konföderation aus, blieb jedoch auf dem Papier angeschlossen.
Am 19. September 1983 entlieà die britische Krone St. Kitts und Nevis in die UnabhÀngigkeit. Danach gab es wegen einer Pattsituation im Parlament eine Minderheitsregierung, was den Staat destabilisierte.
Ende der 1990er-Jahre gab es UnabhĂ€ngigkeitsbestrebungen von Einwohnern der Insel Nevis, die Nevis benachteiligt sahen und eine Loslösung von St. Kitts forderten. Diese Forderung fand bei einem Volksentscheid eine Zustimmung von 62 %, verfehlte damit jedoch die erforderliche Mehrheit von zwei Dritteln der gĂŒltigen Stimmen.
Die Zuckerbranche, jahrhundertelang wesentliche Einkommensquelle der Insel, war seit Jahrzehnten im Abstieg begriffen; das staatseigene Unternehmen zur Zuckerverarbeitung ĂŒberlebte nur noch durch staatliche Subventionen und wurde 2005 endgĂŒltig stillgelegt.
Die Verfassung des Staates wurde am 26. Juni 1983 beschlossen und trat mit dem Datum der UnabhÀngigkeit am 19. September 1983 in Kraft. Sie definiert den Staat als eine parlamentarische Monarchie im Commonwealth of Nations mit föderativer Struktur, Staatsoberhaupt ist damit der britische Monarch, derzeit König Charles III. Vertreten wird er durch einen Generalgouverneur. Seit dem 1. Februar 2023 hat dieses Amt Marcella Liburd inne.
Es besteht eine Nationalversammlung mit elf gewĂ€hlten ReprĂ€sentanten und drei vom Generalgouverneur ernannten Senatoren. Von den elf gewĂ€hlten Sitzen sind acht fĂŒr St. Kitts und drei fĂŒr Nevis vorgesehen. Von den drei Senatoren werden zwei vom Premierminister und einer vom OppositionsfĂŒhrer vorgeschlagen. Die Legislaturperiode betrĂ€gt fĂŒnf Jahre. Premierminister und Kabinett sind der Nationalversammlung gegenĂŒber rechenschaftspflichtig.
Nevis hat daneben ein eigenes, halb autonomes Parlament mit drei ernannten und fĂŒnf gewĂ€hlten Mitgliedern.
Die höchste juristische Instanz fĂŒr St. Kitts ist der Privy Council in London. In der regionalen Gerichtsbarkeit teilt sich St. Kitts und Nevis mit acht benachbarten Inselstaaten seit 1967 einen gemeinsamen Gerichtshof, den Eastern Caribbean Supreme Court mit Sitz in Castries in St. Lucia. Er besteht aus dem Obersten Gerichtshof (High Court of Justice), das u. a. Verfassungs- und Menschenrechtsfragen behandelt, sowie dem Berufungsgericht (Court of Appeal). Gebildet wird er aus einem vorsitzenden Richter (chief justice) und vier Berufungsrichtern (justices of appeal) am Hauptsitz sowie 19 Obersten Richtern (High Court judges), die in den neun Mitgliedstaaten residieren. Auf örtlicher Ebene bestehen die untersten Gerichte (magistratesâ courts), die einfache FĂ€lle verhandeln.
Die Regierung besteht aus einem Premierminister und seinem Kabinett, dem (Stand: 2022) 17 Ministerien unterstehen. Erster Premierminister war von 1983 bis 1995 Kennedy Simmonds von der Partei Peopleâs Action Movement (PAM). Bei der Wahl 1995 wurde er von Denzil Douglas, dem Vorsitzenden der Labour Party (SKNLP), abgelöst. Nach zwanzig Jahren Regentschaft verlor Douglasâ Partei bei den Parlamentswahlen vom 16. Februar 2015 und der frĂŒhere AuĂenminister Timothy Harris (PLP) wurde sein Nachfolger als Premierminister. Dessen Peopleâs Labour Party ging eine Koalition mit dem Concerned Citizensâ Movement und dem Peopleâs Action Movement ein.
Nachdem ein Misstrauensantrag â auch aus Teilen seiner eigenen Partei â gegen ihn gestellt worden war, löste Harris am 11. Mai 2022 das Parlament auf. Bei der Neuwahl gewann die SKNLP sechs der elf Sitze, wodurch deren Kandidat Terrance Drew am 6. August 2022 zum vierten Premierminister von St. Kitts und Nevis vereidigt wurde.
St. Kitts und Nevis hat wie auch die anderen ehemaligen britischen Kolonien in der Karibik das britische Rechtssystem ĂŒbernommen. Die im ehemaligen Mutterstaat vor 40 Jahren vollzogene Abschaffung der Todesstrafe wurde jedoch nicht umgesetzt. Der Privy Council hob ĂŒber die Jahre mehrere verhĂ€ngte Todesurteile auf.
Die Hauptstadt ist Basseterre auf St. Kitts. Die zweitgröĂte Stadt ist Charlestown auf Nevis.
St. Kitts und Nevis gliedert sich in 14 Verwaltungsbezirke (Parishes), davon neun auf St. Kitts und fĂŒnf auf Nevis. Die Einwohnerzahlen in der folgenden Tabelle beziehen sich auf die VolkszĂ€hlung im Jahr 2022.
Der Staatshaushalt umfasste 2021 Ausgaben von geschĂ€tzt umgerechnet 385,5 Millionen US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 407 Millionen US-Dollar gegenĂŒber. Die Staatsverschuldung betrug 2021 rund eine Milliarde US-Dollar oder 69 % des BIP. Einen erheblichen Anteil an den Staatseinnahmen macht mit 242 Millionen US-Dollar im Jahr 2021 Passhandel aus. 2021 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:
Im Dezember 2008 entschied die Regierung, wieder die Todesstrafe vollstrecken zu lassen, indem der wegen Mordes verurteilte Charles Elroy Laplace gehÀngt wurde. Damit versuchte die Regierung, die hohe KriminalitÀtsrate zu bekÀmpfen, die St. Kitts zu einem der Staaten mit den meisten Tötungsdelikten pro Einwohner (2008: 45 Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner) macht. Im Fall Charles Elroy Laplace verstrich die Einspruchsfrist beim Privy Council ungenutzt. MÀnnliche HomosexualitÀt steht auf der Insel unter Strafe, wird aber nicht aktiv verfolgt.
Der Staat ist Mitglied der CARICOM, der OECS, der OAS und gehört zu den TrÀgern der UniversitÀt der Westindischen Inseln.
Dem Ministerium fĂŒr nationale Sicherheit unterstehen (Stand: 2022):
Bis etwa 1970 war der Anbau und die Verarbeitung von Zucker der wichtigste Wirtschaftszweig der Inseln, seitdem schrieben die in Staatsbesitz befindlichen Betriebe nur noch Verluste und trieben die Staatsverschuldung des Staates auf ĂŒber eine Milliarde US-Dollar, gemessen am Bruttoinlandsprodukt einen der höchsten Werte weltweit. 2005 wurde daher die Zuckerverarbeitung eingestellt, seitdem sieht sich der Staat gestiegener Arbeitslosigkeit gegenĂŒber und einem Druck, die Wirtschaft schnell neu zu strukturieren. Angedacht sind dabei etwa Finanzdienstleistungen, Tourismus oder exportorientierte Industrien. Exporte und Tourismuseinnahmen können die Importe bei weitem nicht decken, der Staat wies 2010 ein Leistungsbilanzdefizit von 139 Millionen US-Dollar auf. Haupthandelspartner sind die USA.
Die Wirtschaft von St. Kitts und Nevis ist stark vom Tourismus abhĂ€ngig, 2009 wurde der Staat von 200.000 zumeist US-amerikanischen Touristen besucht. Der Dienstleistungssektor erwirtschaftet daher etwa drei Viertel des Bruttoinlandsprodukts von 1.459 Millionen US-Dollar (kaufkraftbereinigt, 2016). Die Industrie trĂ€gt etwa ein Viertel bei, die Landwirtschaft ist mit etwa 2,5 % der Wirtschaftsleistung kaum noch von Bedeutung. Das BIP pro Kopf liegt ĂŒber dem weltweiten Durchschnitt.
Landwirtschaft wird (Stand: 2022) auf etwa 39 % der StaatsflĂ€che betrieben. HauptsĂ€chliches Produkt von St. Kitts ist Zuckerrohr, an zweiter Stelle stehen ErdnĂŒsse. Auf Nevis sind Baumwolle und KokosnĂŒsse die Hauptanbauprodukte. Auf beiden Inseln werden SĂŒĂkartoffeln, Zwiebeln, Tomaten, Kohl, Karotten und Brotfrucht fĂŒr den lokalen Markt angebaut, v. a. von Kleinbauern.
In der Viehwirtschaft werden mehrere zehntausend Schafe, Ziegen, Rinder und Schweine gehalten.
Die Fischerei wird in kleinem Umfang und mit traditionellen Methoden wie strandnahen Ringnetzen, Reusen und Ruten betrieben. Im Jahr 2000 wurden 257 Tonnen Seetiere gefangen (1990 waren es noch 620 Tonnen), z. B. Hummer.
Forstwirtschaft: Beide Inseln weisen kleine tropische WÀlder auf, u. a. mit Palmen, FlammenbÀumen und Palmettopalmen. Etwa 11 % der StaatsflÀche sind von WÀldern bedeckt. Forstprodukte erwirtschafteten im Jahr 2000 knapp 1,8 Millionen USD.
Es dominiert die Produktion einfacher KonsumgĂŒter wie Textilien und Schuhe sowie die Nahrungsmittelverarbeitung. So stellt die Carib Brewery Bier her. Der Sektor trĂ€gt (Stand: 2022) mit 8â10 % zum BIP bei, bietet ĂŒber 2000 ArbeitsplĂ€tze, was 8,54 % der ErwerbstĂ€tigen ausmacht, und trĂ€gt zum Export bei.
2010 wurde auf Nevis ein Windpark in Betrieb genommen. Die Regierung strebte an, bis 2015 bzw. bis 2017 einen Anteil von 60 % an erneuerbaren Energien zu erreichen. Nach Angaben der IRENA lag aber 2020 der Anteil der erneuerbaren Energie in St. Kitts und Nevis bei nur einem Prozent. 2021 wurden immer noch 95 % des elektrischen Stromes mit einer Gesamtenergie von 228 GWh aus fossilen EnergietrĂ€gern erzeugt, 3 % durch Windkraft und 2 % mittels Photovoltaik. Insbesondere Nevis bietet erhebliches Potential fĂŒr Geothermie.
Ein Teil der Fischereiprodukte (v. a. Hummer) wird in die niederlĂ€ndischen Antillen und Puerto Rico exportiert, im Jahr 2000 fĂŒr einen Wert von 245.000 USD. Da die eigene Fischerei den lokalen Bedarf nicht deckt, werden groĂe Mengen trockenen, gesalzenen, gerĂ€ucherten oder gefrorenen Fischs aus Kanada und den USA importiert.
St. Kitts und Nevis ist nach EinschĂ€tzung der CIA ein Umschlagplatz fĂŒr den Drogenhandel (Kokain, Marihuana) zwischen SĂŒdamerika und Nordamerika, Europa und dem Rest der Karibik.
St. Kitts nennt sich die finanzwirtschaftliche Hauptstadt der östlichen Karibik, es beheimatet diverse Unternehmen dieses Sektors.
Die Hauptstadt Basseterre verfĂŒgt mit Port Zante ĂŒber ein Kreuzfahrtterminal, das in fuĂlĂ€ufiger Entfernung zur historischen Altstadt liegt. Der Kreuzfahrthafen wird von allen bekannten Kreuzfahrtgesellschaften angefahren. Der Kreuzfahrttourismus wuchs von relativ geringer Bedeutung zu Beginn der 2000er-Jahre teilweise sprunghaft an. Hierzu trug natĂŒrlich auch der Ausbau der Hafeninfrastruktur bei. Die meisten Kreuzfahrtschiffe legen morgens frĂŒh an und bleiben bis in die spĂ€ten Nachmittagsstunden, sodass es sich um reine TagesgĂ€ste handelt.
2018 wurde der bisherige Höhepunkt an Kreuzfahrtpassagieren verzeichnet, mit 1,17 Millionen auf 540 Schiffen. Nach einem etwas schlechteren Start ins Jahr 2020 wurden im MĂ€rz alle KreuzfahrtschiffsanlĂ€ufe gestrichen, als Folge der ausgebrochenen COVID-19-Pandemie. Die Sperrung fĂŒr Kreuzfahrten dauerte bis in den Herbst 2021 an, sodass nur eine sehr niedrige Zahl an Kreuzfahrtpassagieren verzeichnet wurde. Mit zunehmender Entspannung der Pandemielage stiegen auch die Kreuzfahrtpassagierzahlen wieder an, erreichten aber 2023 mit 774.512 noch nicht wieder das Rekordniveau der Vor-Coronazeit.
GegenĂŒber den Kreuzfahrttouristen, die ĂŒblicherweise nicht lĂ€nger als 12 Stunden im Hafen sind, fĂ€llt die Zahl der Ăbernachtungstouristen eher gering aus. Der höchste Wert wurde hierbei schon 2005 erreicht, mit 148.851 Touristen. Seitdem ist dieser Wert rĂŒcklĂ€ufig. Auch hier wurden 2020 und 2021 durch die EinschrĂ€nkungen der COVID-19-Pandemie nur sehr geringe Werte erreicht (2021: 20.139). Seit 2022 steigen die Zahlen wieder an.
Einen öffentlich-rechtlichen Rundfunksender gibt es nicht. Die Presse- und Medienfreiheit ist durch die Verfassung gesichert.
Die AnfĂ€nge kommerzieller Hörfunksendungen liegen in den 1930er-Jahren. Danach hat die BBC die Ausstrahlung von Sendungen ĂŒbernommen, mit deren Hilfe 1961 das erste regulĂ€re Hörfunkprogramm ZIZ (heute ZIZ 96 FM, UKW seit 1973) gestartet wurde. Durch die Kooperation mit der BBC konnte ein ausdifferenziertes Programm mit Information, Bildung und Unterhaltung angeboten werden. Der Schwestersender Big Wave 96.7 FM kam 2004 hinzu. Das West Indies News Network ist ein Internetportal und der Betreiber des UKW-Hörfunkprogramms WINN FM 98.9. Am EigentĂŒmer, der Federation Media Group, sind 50 Aktieninhaber beteiligt, von denen keiner mehr als 10 Prozent der Anteile besitzt, um einzelne Dominanzen zu vermeiden. Der Betreiber sieht sich als das fĂŒhrende Medienunternehmen. Radio Paradise von Trinity Broadcasting Network ist ĂŒber einen örtlichen Mittelwellensender empfangbar. Daneben gibt es zahlreiche private Rundfunkstationen mit Video- und Audio-Streams.
Die Festung auf dem Brimstone ist seit 1999 ein eingetragenes UNESCO-Weltkulturerbe. Ebenfalls 1999 wĂ€hlte Maurizio Cattelan St. Kitts als Austragungsort der 6th Caribbean Biennial. Diese fand nie statt, die angereisten KĂŒnstler verbrachten die Zeit mit angenehmer UntĂ€tigkeit. Die Parodie auf die Biennalen von SĂŁo Paulo oder Venedig ist in sich selbst ein Kunstwerk im Sinne der Konzeptkunst.
Cricket ist der beliebteste Sport auf St. Kitts und Nevis. St. Kitts und Nevis ist einer der Staaten, der mit anderen Karibikstaaten das West Indies Cricket Team bildet, eine der âNationalmannschaftenâ im internationalen Cricket mit Teststatus, der angesehensten Form dieses Sports. Das West Indies Cricket Team nahm an beinahe jedem Cricket World Cup teil, gewann die ersten beiden Austragungen 1975 und 1979 und verpasste lediglich das Turnier 2023. Zusammen mit Antigua und Barbuda, Barbados, Grenada, Guyana, Jamaika, St. Lucia und Trinidad und Tobago war man Gastgeber des Cricket World Cup 2007. AuĂerdem gewannen sie den Menâs T20 World Cup zweimal (2012 und 2016) sowie je einmal die Champions Trophy (2004) und die U19-Cricket-Weltmeisterschaft (2016).
Special Olympics St. Kitts und Nevis wurde in den spĂ€ten 1970er-Jahren gegrĂŒndet und nahm mehrmals an Special Olympics Weltspielen teil.
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