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Staat Informationen : Britische Jungferninseln

Informationen:


Die Britischen Jungferninseln (englisch British Virgin Islands, offiziell nur Virgin Islands) sind ein britisches Überseegebiet in der Karibik. Sie umfassen mehr als 60 Inseln und Riffs im nordöstlichen Teil der Inselgruppe der Jungferninseln am nördlichen Ende der Inselkette der Kleinen Antillen. Die insbesondere durch Zuwanderung schnell wachsende Bevölkerung (Wanderungssaldoziffer 2012: 18,56 pro 1000 Einwohner, weltweit dritthöchster Wert) bewohnt 16 der etwa 100 km östlich von Puerto Rico gelegenen Inseln.

Der Name der Inselgruppe geht auf Christoph Kolumbus zur√ľck, der sie im November 1493 auf seiner zweiten Reise nach Amerika sichtete und Santa √örsula y las Once Mil V√≠rgenes (St. Ursula und die elftausend Jungfrauen) nannte.

Wirtschaftlich ist das Gebiet eng verkn√ľpft mit den bev√∂lkerungsst√§rkeren Amerikanischen Jungferninseln, die offizielle W√§hrung ist daher der US-Dollar. Dominierend ist der Dienstleistungssektor, darin insbesondere die Tourismus- und die Offshore-Finanzbranche.

Geographie

Das Gebiet hat eine Gr√∂√üe von 150¬†km¬≤ und besteht aus 16 bewohnten und zahlreichen unbewohnten Inseln. Die vier Hauptinseln sind Anegada, Jost Van Dyke, Tortola und Virgin Gorda. Anegada ist relativ flach, die anderen Inseln sind bergig bzw. h√ľgelig. Der h√∂chste Punkt des Gebiets ist der Mount Sage mit 523¬†m auf Tortola.

W√§hrend die Britischen Jungferninseln geographisch zu den Kleinen Antillen gez√§hlt werden, bilden sie geologisch den √∂stlichsten Abschnitt des Inselbogens der Gro√üen Antillen (Greater Antilles Island Arc), der sich von Kuba bis zu den Jungferninseln erstreckt. Die meisten der Inseln sind aus kretazischen bis eoz√§nen Vulkaniten und den daraus entstandenen Sedimentgesteinen aufgebaut. Die √§ltesten Gesteine finden sich im S√ľdwesten der Inselgruppe, nach Nordosten hin nimmt das Alter der zutage tretenden Gesteine ab. Das √∂stliche Ende von Tortola mit Beef Island, Virgin Gorda sowie die dazwischen liegenden kleineren Inseln bestehen haupts√§chlich aus Gesteinen des Virgin-Islands-Batholithen (auch als Virgin-Gorda-Batholith bezeichnet), eines vor 35 bis 39 Millionen Jahren im Zusammenhang mit Subduktionsprozessen entstandenen, durch tektonische Vorg√§nge gehobenen und durch Erosion freigelegten Tiefengesteinsk√∂rpers. G√§nzlich verschieden von allen anderen Inseln des Archipels ist Anegada, die nord√∂stlichste und bei weitem j√ľngste der Jungferninseln. Sie entstand vor etwa 130.000 Jahren als Teil eines gro√üen Riffsystems und ist aus Riffkalken und jungen Sedimenten aufgebaut.

Das Klima ist tropisch und feucht, die Temperaturen sind durch Winde gem√§√üigt. Hurrikane und tropische St√ľrme gibt es von Juli bis Oktober. Die nat√ľrlichen S√ľ√üwasservorkommen sind begrenzt. Abgesehen von einigen Quellen und periodischen Wasserl√§ufen auf Tortola, die im Sommer austrocknen, beruht die Wasserversorgung der Inseln auf Brunnen und Regenwasserzisternen.

Inselliste

f1 Karte mit allen Koordinaten: OSM | WikiMap

Alphabetisch vorsortierte Liste der zu den Britischen Jungferninseln gehörenden Inseln

Die Sortierung nach Koordinaten erfolgt in Ost-West-Richtung

Bevölkerung

Die Britischen Jungferninseln haben 28.054 Einwohner (Stand 2010). Die Mehrheit der Bevölkerung ist ganz oder zum Teil afrikanischer Abstammung. 17,6 % sind Methodisten, 10,4 % Mitglieder der Gemeinde Gottes, 9,5 % Anglikaner, 9 % Adventisten des siebenten Tages, 8,9 % Katholiken, 8,2 % Pfingstler, 7,4 % Baptisten, 6,9 % gehören der New Testament Church of God an, 2,5 % sind Zeugen Jehovas, 1,9 % Hindus, 17,7 % bekennen sich zu einer anderen oder keiner Religion (alle Zahlen von 2010).

Geschichte

Im 1. Jahrhundert v. Chr. besiedelten Arawak die Inseln, wurden aber im 15. Jahrhundert von Kariben unterworfen. 1493 entdeckte Christoph Kolumbus die Jungferninseln f√ľr die Europ√§er.

Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts wurden die Inseln zwar mehrfach von spanischen und englischen Schiffen auf deren Expeditionen nach S√ľd- und Mittelamerika besucht, eine Kolonisierung unterblieb aber zun√§chst. Erst 1615 erscheint in spanischen Aufzeichnungen eine dauerhafte Siedlung des holl√§ndischen Freibeuters Joost van Dyk auf Tortola. Bald darauf erkannte die Niederl√§ndische Westindien-Kompanie die strategische Bedeutung der Jungferninseln. Durch holl√§ndische Siedler wurden in der Folgezeit mehrere Schanzen und kleine Forts errichtet; es kam zu zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen mit spanischen Truppen.

Nach dem Ausbruch des Dritten Englisch-Niederl√§ndischen Krieges wurde das Gebiet 1672 von England annektiert und in die Kolonie der British Leeward Islands eingegliedert. Die Briten legten Plantagen zum Anbau von Zuckerrohr an, wof√ľr sie eine wachsende Anzahl aus Afrika deportierter Sklaven ben√∂tigten. In der Mitte des 18. Jahrhunderts gab es hier bereits √ľber 6000 Sklaven. Heute sind daher rund 75¬†% der Bev√∂lkerung schwarzafrikanischer Abstammung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es zu mehreren Sklavenaufst√§nden; 1834 wurde die Sklaverei offiziell abgeschafft.

Die 1871 gegr√ľndete Leeward Islands Federation wurde 1956 aufgel√∂st. Die Britischen Jungferninseln bildeten ab 1960 eine eigene Kronkolonie und erlangten mit der Verfassung von 1967 eine st√§rkere innere Autonomie. Seit 1946 steht das Territorium auf der UN-Liste der Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung.

Politik

Die Britischen Jungferninseln sind assoziiertes Mitglied der Karibischen Gemeinschaft und der Organisation Ostkaribischer Staaten. Sie gehören zu den Trägern der University of the West Indies.

Die oberste exekutive Autorit√§t der Britischen Jungferninseln hat K√∂nigin Elisabeth¬†II. inne. In dieser Funktion wird sie vom Gouverneur vertreten, der von ihr auf Vorschlag der britischen Regierung ernannt wird. F√ľr die Au√üen- und Verteidigungspolitik ist das Vereinigte K√∂nigreich zust√§ndig.

Die Verfassung der Inselgruppe wurde zuletzt 2007 neu erlassen. Regierungschef ist der Premier, bis 2007 Chief Minister, der zusammen mit den vier anderen Regierungsmitgliedern aus den Mitgliedern des Legislativrates vom Gouverneur ernannt wird. Der Legislativrat (House of Assembly) besteht aus 13 vom Volk gewählten Abgeordneten, dem Speaker sowie dem nicht stimmberechtigten Attorney General.

Seit 29. Januar 2021 hat John Rankin das Amt des Gouverneurs inne. Amtierender Premier ist seit 2019 Andrew Fahie von der Virgin Islands Party (VIP). Er löste Orlando Smith von der National Democratic Party (NDP) ab.

Wirtschaft

Die Wirtschaft, eine der stabilsten und florierendsten in der Karibik, ist √ľberwiegend vom Tourismus abh√§ngig. Der direkte Beitrag des Tourismus zum Bruttoinlandsprodukt lag 2016 bei etwa 34¬†%; der Gesamtbeitrag zur Wirtschaftskraft des Landes, der auch die indirekten Auswirkungen auf andere Wirtschaftszweige ber√ľcksichtigt, √ľbersteigt 95¬†%. Circa 825.000 Touristen, darunter mehr als 440.000 Kreuzfahrtpassagiere haupts√§chlich aus den USA, besuchten 2006 die Inseln. Haupteinnahmequelle der √∂rtlichen Tourismusindustrie ist das Verchartern von Yachten.

Von vergleichsweise untergeordneter Bedeutung ist die Landwirtschaft, deren Hauptaktivität in der Viehzucht liegt. Die schlechte Bodenqualität ermöglicht nur eine begrenzte Versorgung der heimischen Bevölkerung.

Das Bruttoinlandsprodukt lag 2016 nominal bei etwa 1286 Mio. US-Dollar.

Die Wirtschaft ist eng an die der Amerikanischen Jungferninseln gebunden. Seit 1959 ist der US-Dollar die offizielle Währung.

Steueroase

Seit Mitte der 1980er Jahre bietet die Regierung Unternehmen die M√∂glichkeit, auf den Inseln mit einer Briefkastenfirma ans√§ssig zu sein. Die Geb√ľhren f√ľr die Gr√ľndung solcher Gesellschaften machen inzwischen mehr als 50¬†% der Staatseinnahmen aus. Etwa 450.000 Briefkastenfirmen waren 2012 auf den Inseln registriert. Bis 2015 waren es bereits 800.000 Unternehmen.

In einer Rangliste der wichtigsten Finanzzentren weltweit belegten die Britischen Jungferninseln Platz 60 (Stand: März 2018).

Im Januar 2021 beantragte der amtierende Gouverneur Gus Jaspert beim Foreign, Commonwealth and Development Office eine Untersuchung der Regierungsgesch√§fte. Formeller Anlass war der Missbrauch von COVID-Stimulus-Geldern. Die Vorw√ľrfe der Kommission beinhalten Kokainschmuggel (aus den Amerikanischen Jungferninseln), Korruption und Vetternwirtschaft.

Infrastruktur

Das Straßennetz umfasst 200 km befestigte Straßen (Stand 2007), es herrscht Linksverkehr. In Road Town gibt es einen Hafen.

Zwischen den größeren Inseln verkehren zahlreiche Personenfähren und Wassertaxis. Von Tortola, Virgin Gorda und Jost van Dyke aus gibt es regelmäßige Fährverbindungen zu Zielen auf den zu den Amerikanischen Jungferninseln gehörenden Inseln Saint Thomas und Saint John.

Auf dem Gebiet der Britischen Jungferninseln gibt es f√ľnf Flugh√§fen: Auguste George Airport auf der Insel Anegada (IATA-Flughafencode: NGD), Terrance B. Lettsome International Airport auf der Insel Beef Island (EIS), Virgin Gorda Airport auf der Insel Virgin Gorda (VIJ) sowie die beiden Wasserflugpl√§tze North Sound Water Aerodrome n√∂rdlich der Insel Virgin Gorda (NSX) und West End Seaplane Base n√∂rdlich der Insel Tortola (TOV).

Kultur

Sport

Cricket war einst die beliebteste Sportart auf den Britischen Jungferninseln, wurde aber inzwischen von den US-amerikanischen Sportarten American Football, Basketball und Baseball √ľberfl√ľgelt. Die Britischen Jungferninseln sind eines der Gebiete, die mit anderen Karibikstaaten das West Indies Cricket Team bilden, eine der ‚ÄěNationalmannschaften‚Äú im internationalen Cricket mit Teststatus, der angesehensten Form dieses Sports. Das West Indies Cricket Team nahm an jedem Cricket World Cup teil und gewann die ersten beiden Austragungen 1975 und 1979.

Feiertage

Literatur

  • Isaac Dookhan: A History of the British Virgin Islands, 1672 to 1970. Caribbean Universities Press in association with Bowker Pub. Co., Epping, Essex 1975, ISBN 0-85935-026-6 (englisch).¬†
  • Norwell Harrigan, Pearl I. Varlack: The British Virgin Islands (a Chronology). Research and Consulting Services, Tortola 1970 (englisch).¬†

Weblinks

  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation auf den Britischen Jungferninseln
  • Government of the Virgin Island. Offizielle Website der Regierung der Britischen Jungferninseln. Abgerufen am 11.¬†Januar 2018 (englisch).¬†
  • Regions and territories: British Virgin Islands. In: BBC News. British Broadcasting Corporation (BBC); abgerufen am 11.¬†Januar 2018 (englisch).¬†
  • The British Virgin Islands: Nature‚Äôs Little Secrets. Deutschsprachige Website des Tourismusb√ľros der Britischen Jungferninseln. British Virgin Islands Tourist Board Germany, November 2016; abgerufen am 11.¬†Januar 2018.¬†
  • CIA World Factbook: Britische Jungferninseln (englisch)

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

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Flagge: British Virgin Islands

Name englisch: British Virgin Islands
Hauptstadt: Road Town
Kfz:
ISO: VG
ISO3: VGB
Fläche: 153 km²
Tld: .vg
Wärung Einheit: USD
Währung: Dollar
Vorwahl: +1-284

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 18.7495529
südlichster Punkt: 18.3063328
westlichster Punkt: -64.8504602
östlichster Punkt: -64.2704487


 
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