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Staat Informationen : Dominica

Informationen:


Dominica (amtlich Commonwealth Dominica) ist ein Inselstaat in den Kleinen Antillen in der östlichen Karibik. Der Staat erstreckt sich ĂŒber die gleichnamige Insel und ist Mitglied des Commonwealth of Nations. Neben der Amtssprache Englisch ist Antillen-Kreolisch, von den Einwohnern Patwa (Patois) genannt, als Umgangssprache verbreitet.

Landesname

In der Sprache der karibischen indigenen Bevölkerung wurde die Insel wegen ihres gebirgigen GelĂ€ndeprofils Ouaitocoubouli genannt (in anderer Transkription Wai'tukubuli, deutsch „ihr Körper ist hoch“).

Die europÀische Bezeichnung erhielt die Insel, weil Christoph Kolumbus sie nach dem Wochentag ihrer Entdeckung benannte, einem Sonntag (auf Latein: Dominica).

Geografie

Territorium

Dominica liegt auf 15°18â€ČN 61°23â€ČW in der östlichen Karibik. Als eine der Westindischen Inseln im östlichen Inselbogen der Kleinen Antillen gehört Dominica zu den Inseln ĂŒber dem Winde.

Nach britischem Sprachgebrauch zĂ€hlt Dominica zu den „Leeward Islands“, womit der nördliche Teil jener Inselgruppe gemeint ist, die im Deutschen und anderen Sprachen als Inseln ĂŒber dem Winde bezeichnet wird. Da aber Dominica ungefĂ€hr in der Mitte des Inselbogens liegt, die Abgrenzung von nördlich gelegenen (englisch Leeward Islands) gegenĂŒber weiter sĂŒdlich liegenden (englisch Windward Islands) Inseln dieser Kette in etlichen SprachrĂ€umen unterschiedlich gezogen wird und das westindische Englisch teilweise dem internationalen Sprachgebrauch folgt, wird Dominica auch als nördlichste der „Windward Islands“ angesehen.

Dominica liegt zwischen den französischen Karibikinseln zweier Übersee-DĂ©partements: Guadeloupe im Norden und Martinique im SĂŒden. UngefĂ€hr 250 km im Westen befindet sich die unbewohnte venezolanische Insel Aves.

Die Insel Dominica ist knapp 49 km lang und nicht mehr als 23 km breit. Ihre LandflĂ€che von 751 kmÂČ entspricht etwa der des Stadtstaats Hamburg. Ihre maritime Ausschließliche Wirtschaftszone (umgangssprachlich auch 200-Meilen-Zone) umfasst 28.985 kmÂČ, ihr KĂŒstenmeer (12-Meilen-Zone) 659 kmÂČ, ihr gesamtes Seegebiet damit 29.736 kmÂČ. Damit liegt sie im weltweiten Vergleich auf Platz 124.

Eckpunkte Dominicas sind

  • Nördlichster Punkt: unbenanntes Inselchen etwas N von Carib Point, Saint Andrew Parish
  • SĂŒdlichster Punkt: KĂŒste SO von Scotts Head, Saint Mark Parish
  • Westlichster Punkt: Pointe Ronde, Saint John Parish
  • Östlichster Punkt: Pointe Ă  Peine, Saint David Parish

Geologie und Geomorphologie

Dominica liegt mit der Inselkette der kleinen Antillen am östlichen Rand der Karibischen Platte, in der Subduktionszone, in der die SĂŒdamerikanische Platte durch die Plattentektonik unter die Karibische Platte geschoben wird. Die Subduktion fĂŒhrt seit Millionen von Jahren zu vulkanischer AktivitĂ€t und Erdbeben, die bis heute vorkommen (s. Erdbeben in den kleinen Antillen 1974). Wie die gesamte Inselkette ist auch Dominica durch Vulkane entstanden. Ihre Entstehung begann im OligozĂ€n, vor ca. 26 Mio. Jahren, damit ist sie die jĂŒngste der Antillen-Inseln. Wie die anderen Inseln ist sie der Gipfel eines Unterwasserbergs, der durch AnhĂ€ufung von Magma entstand.

Dominica hat mindestens neun potentiell aktive Vulkane, eine der weltweit höchsten Konzentrationen. In den letzten 40.000 Jahren wiesen diese Dutzende, möglicherweise Hunderte Eruptionen auf. In den letzten 350 Jahren gab es 14 von den Vulkanen ausgehende seismische Krisen mit unterirdischer Magmabewegung und Erdbeben. Eine der jĂŒngsten seismischen AktivitĂ€ten der Insel war ein Dampfausbruch im Valley of Desolation im Jahr 1997.

Die OberflĂ€che der Insel besteht fast vollstĂ€ndig aus pleistozĂ€nen Ablagerungen, ⁣⁣mit der Ausnahme eines pliozĂ€nen Gebiets im Osten. Darunter findet sich vulkanischer Basalt aus dem EozĂ€n sowie Andesit und Rhyolith, die an manchen Stellen ĂŒber die Ablagerungen herausragen.

Einige der höchsten Berge der Kleinen Antillen finden sich hier, teils von vulkanischen Kratern gekennzeichnet. Die höchste Erhebung ist der Morne Diablotins mit 1447 m; er wird als zweithöchster Berg der Kleinen Antillen nur vom aktiven Vulkan SoufriĂšre auf der benachbarten Insel Basse-Terre (eine von Guadeloupes Hauptinseln) ĂŒberragt. Die zweitgrĂ¶ĂŸte Erhebung ist der Morne Trois Pitons mit 1423 m. Die Landschaft ist eine der felsigsten und zerklĂŒftetsten der Karibik. 80 % der KĂŒste ist SteilkĂŒste.

Die Kombination aus zerklĂŒfteter, vulkanischer Landschaft mit hohen NiederschlĂ€gen fĂŒhrt zu bemerkenswerten GewĂ€sser-VerhĂ€ltnissen. Auf Dominica findet sich mit dem Boiling Lake ein Kratersee, die weltweit zweitgrĂ¶ĂŸte Heißwasserquelle, die von noch heute vorhandener vulkanischer AktivitĂ€t im Untergrund zeugt. Daneben finden sich auf dem wasserreichen Dominica etwa 300 FlĂŒsse oder BĂ€che, WasserfĂ€lle und etliche Seen wie der Freshwater Lake und der Kratersee Boeri Lake sowie weitere heiße Quellen.

Klima

Das Klima ist tropisch, gemĂ€ĂŸigt durch nordöstliche Winde, mit schweren RegenfĂ€llen; Dominica ist eines der niederschlagsreichsten LĂ€nder der Welt.

Dies kann besonders in der Hurrikan-Saison zwischen Mai und November zu Überschwemmungen und Erdrutschen fĂŒhren. Im Weltrisikobericht 2021 ist Dominica auf Rang 4 der LĂ€nder mit dem höchsten Katastrophenrisiko weltweit.

WirbelstĂŒrme:

  • Im November 1999 hinterließ der Hurrikan Lenny eine Spur der VerwĂŒstung an der WestkĂŒste.
  • Im August 2007 wĂŒtete der Hurrikan Dean auf der Insel und forderte mindestens zwei Todesopfer.
  • Im August 2015 kamen durch den tropischen Sturm Erika 39 Menschen ums Leben. Die materiellen SchĂ€den infolge von Erika summierten sich auf 90 % des Bruttoinlandsproduktes des Vorjahres.
  • In der Nacht vom 18. auf den 19. September 2017 zog der Hurrikan Maria mit seinem Auge ĂŒber Dominica und hinterließ große VerwĂŒstungen. 65 Menschen kamen dabei ums Leben, darunter 34 Vermisste, die nicht gefunden werden konnten und fĂŒr tot erklĂ€rt wurden. Unmittelbar nach dem verheerenden Hurrikan kam es in vielen StĂ€dten der Insel zu PlĂŒnderungen, an denen auch Polizeibeamte beteiligt waren. Die GesamtschĂ€den inkl. ProduktionsausfĂ€llen beliefen sich auf ĂŒber 1,4 Mrd. USD und damit auf fast das Doppelte des Bruttoinlandsproduktes von 2016.

Flora und Fauna

Dominica trĂ€gt den inoffiziellen Beinamen the nature island („die Naturinsel“) wegen ihrer ĂŒppigen und artenreichen Tier- und Pflanzenwelt. Es wurden 1226 Pflanzenarten beschrieben.

50 % der Insel sind von unberĂŒhrtem immergrĂŒnem tropischen Regenwald bedeckt, in höheren Lagen findet sich Berg- und Nebelwald.

Es wurden 172 Vogelarten beschrieben, darunter Kolibris, BreitflĂŒgelbussard, Krabbenreiher und Zitterdrosseln. Dominicas Nationalvogel ist die Kaiseramazone, eine vom Aussterben bedrohte Papageienart, die in den BergwĂ€ldern heimisch ist.

In der umgebenden karibischen See finden sich zahlreiche Wal-Arten, insbesondere Pottwale, die man an ruhigen Tagen beobachten kann, daneben auch Grindwale, Borneodelfine, Schlankdelfin und Tursiop-Delfine. Weniger hĂ€ufig sind Cuvier-Schnabelwal, Kleiner Schwertwal, Zwergpottwal, Kleiner Pottwal, Rundkopfdelfin, Gemeiner Delfin, Buckelwal und Brydewal. Dies macht Dominica interessant fĂŒr die Walbeobachtung.

Bevölkerung

Demografie

Dominica hatte 2022 73.000 Einwohner. Das jĂ€hrliche Bevölkerungswachstum betrug + 0,4 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein GeburtenĂŒberschuss (Geburtenziffer: 13,3 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 8,9 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,6, die der Region Lateinamerika und die Karibik betrug 1,8. Im Jahr 2023 waren 19,4 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, wĂ€hrend der Anteil der ĂŒber 64-JĂ€hrigen 9,8 Prozent der Bevölkerung betrug.

Bevölkerungsstruktur

Die Bevölkerung Dominicas gliedert sich in folgende Gruppen: 86,8 % Schwarze, 8,9 % Menschen gemischter afrikanisch-europÀischer Abstammung, 2,9 % Kariben und 0,8 % EuropÀer.

Die Staatsangehörigen Dominicas werden laut StAGN als „Dominicaner“ bezeichnet, im Unterschied zu den Staatsangehörigen der flĂ€chenmĂ€ĂŸig um ein Vielfaches grĂ¶ĂŸeren, nordwestlich gelegenen Dominikanischen Republik, die „Dominikaner“ genannt werden.

Kariben

Die Karibik hat von diesen Indigenen ihren Namen, die sich dort Kalinago oder Kalinagos nennen. In einem Reservat (Kalinago Territory) im Osten Dominicas lebt die grĂ¶ĂŸte annĂ€hernd homogene Population der Kariben weltweit. Die Zahlenangaben zu den unvermischten Indigenen dieses Reservats divergieren. Dominica Weekly nennt fĂŒr das Jahr 2008 noch 1000 unvermischte Kariben. Abweichend hiervon beziffert eine Karibin die Anzahl der unvermischten Kariben im Reservat mit nur noch rund 300. Die britische Kolonialregierung richtete 1903 das Karibenreservat ein, ihr HĂ€uptling (chief) ist Garnet Joseph, der im Juli 2009 gewĂ€hlt wurde.

1902 schrieb Henry Hesketh Bell (1864–1952), der Verwalter der Insel, an Joseph Chamberlain, den britischen Kolonialminister (Secretary of State for the Colonies), es habe sich zur Zeit der Entdeckung auf einigen Inseln um eine „milde und schĂŒchterne Rasse“, auf den kleinen Inseln um kriegerische Kariben gehandelt, wie er von französischen Historikern des 17. Jahrhunderts zu wissen glaubte. Durch ihren unbeugsamen – „heldenhaften“ – Widerstand entgingen sie, so Bell, der Sklaverei auf den anderen Inseln. Er berichtet weiter, die Kariben seien als Eroberer vom Festland gekommen und hĂ€tten die „Arrowak“ unterworfen. Die Töchter hĂ€tten von nun an die Karibensprache, die Söhne jedoch die Arouak-Sprache gesprochen. Die Einwohnerzahl war aber insgesamt gering, die als „Carbet“ bezeichneten Dörfer bestanden nie aus mehr als 30 HĂŒtten und lagen an der KĂŒste. Nur zur Jagd zogen die Kariben in die Berge. Sie bauten hochseetĂŒchtige Kanus und gingen mit ihnen auf Fischfang. Dass sie auf Sklavenjagd gingen, kann wohl als gesichert gelten, doch ob die GerĂŒchte von Menschenfresserei eine wahre Grundlage hatten oder nur dazu dienten, die Spanier abzuschrecken, ist ungeklĂ€rt.

Jedenfalls war schon 1547 dies das Argument, mit dem die Versklavung der Kariben vom spanischen König erlaubt wurde. Da sie jedoch als Sklaven wertlos waren – sie starben lieber, denn als Sklaven zu leben –, wurden sie sofort und ohne jede Kontaktaufnahme getötet. Um 1600 beherrschten die Kariben nur noch Guadeloupe, Dominica und Martinique. Auch auf Dominica setzten sich EuropĂ€er fest, in diesem Fall Franzosen. Einer von ihnen, Du Tertre, gab fĂŒr 1633 die Zahl der Kariben mit 938 an, die sich auf 32 Dörfer verteilten. Dagegen waren 349 Franzosen auf der Insel, hinzu kamen 23 Menschen gemischter afrikanisch-europĂ€ischer Herkunft (in kolonialen Quellen als „Mulatten“ bezeichnet) und 338 schwarze Sklaven. 1635 versuchten mehrere KaribenverbĂ€nde einen Angriff auf Guadeloupe, doch wurde er abgewehrt und dann als Vorwand genommen, die Kariben auf Guadeloupe auszurotten. Einige entkamen nach Dominica. Da man auf Martinique offenbar genauso vorging, kamen zahlreiche FlĂŒchtlinge nach Dominica, wo mittlerweile der Großteil der Kariben lebte. Ihrer Übermacht mussten wiederum die lokalen Franzosen weichen. 1666 rĂ€umten die Franzosen auch Antigua. Im Vertrag von Aachen von 1748, in dem die BesitzverhĂ€ltnisse auch in dieser Region geregelt wurden, erscheint Dominica als eine neutrale Insel, da sie keiner der KolonialmĂ€chte gehörte. Dennoch entstanden an der Westseite Dominicas französische Siedlungen, und die Kariben konnten die Siedler nicht vertreiben. Briten unterstĂŒtzten die Kariben gegen die Franzosen, doch sobald sie 1763 selbst Kolonialherren geworden waren, behandelten sie die Indianer selber wie es zuvor die Franzosen getan hatten. Nur ein winziges Gebiet von weniger als einem Quadratkilometer (232 Acre) sollte ihnen schließlich bleiben. Doch die Kariben verteidigten erfolgreich das Binnenland und zu ihnen stießen entflohene Sklaven. 1791 existierten nur 20 bis 30 Familien und sie hatten sich in den Nordosten der Insel geflĂŒchtet, in die Dörfer Salybia und Bataka. Zudem sollen sie um diese Zeit den Kannibalismus aufgegeben haben. Am Ende des 19. Jahrhunderts waren sie so weit assimiliert, dass sie an Sonntagen, wie Bell schrieb, schwarze Röcke und hohe HĂŒte trugen. Er schĂ€tzte die Zahl der vollblĂŒtigen Kariben auf 120, dazu kamen rund 280 Mischlinge. Rochefort stellte 1665 ein knappes Glossar zusammen. Um 1900 war ihr HĂ€uptling Auguste François, doch nannte man ihn „Ogiste“. Bell schlug vor, das Karibenreservat auf 3700 Acre (15 kmÂČ) zu vergrĂ¶ĂŸern.

Im Mai 2008 schlug Chief Charles Williams vor, Ehen zwischen den rund tausend Kalinagos, wie die Kariben in Abgrenzung zu den sonstigen im Reservat Lebenden genannt werden, und Nicht-Kalinagos zu verbieten, doch lehnte die Regierung das Programm zur Rettung der letzten Karibenpopulation ab, weil dies Freiheitsrechte einschrÀnke.

Sprachen

Englisch ist die Amtssprache und wird allgemein verstanden und gesprochen. Das ursprĂŒnglich in der ganzen Region gesprochene Inselkaribische oder Kalinago der einheimischen Kariben ist seit 1920 ausgestorben. Dominica war zugleich die letzte Insel, auf der Kalinago gesprochen wurde. Weit verbreitet ist Dominikanisches Kreolisch, von den Einheimischen Patwa genannt, eine Variante des Antillen-Kreolisch, das auf dem Französischen beruht und auf die französische Kolonialphase ab 1690 zurĂŒckzufĂŒhren ist, in der eine Bevölkerungsmehrheit französisches Kreolisch sprach, sowie auf die Lage zwischen den zwei französischsprachigen Inseln Martinique und Guadeloupe.

Seit 1979 ist Dominica ein Mitglied der Frankophonie. Dominikanisches Kreolisch ist besonders in der Ă€lteren Generation im Gebrauch. In den jĂŒngeren Generationen nimmt die Verwendung des Kreolischen ab, weshalb Initiativen gestartet wurden, es lebendig zu halten.

Religionen

Etwa 80 % der Bevölkerung sind katholisch, 15 % protestantisch (5 % Methodisten, 3 % Pfingstler, 3 % Adventisten, 2 % Baptisten, 2 % andere). Voodoo und voodooĂ€hnliche Religionen sind ebenfalls verbreitet und werden oft parallel zu den christlichen Religionsbekenntnissen ausgeĂŒbt.

Gesundheit

Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 6,5 % des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2017 praktizierten in Dominica 11,4 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit bei unter 5-JĂ€hrigen betrug 2022 32,2 pro 1000 Lebendgeburten. Die Grundversorgung mit medizinischen GerĂ€ten und Bedarfsmitteln in den KrankenhĂ€usern Dominicas ist nicht immer gewĂ€hrleistet.

Hochbetagte

Auf Dominica leben ungewöhnlich viele Zentenare, also Menschen jenseits der hundert Lebensjahre. 2001 waren ĂŒber 20 amtlich erfasst, was einer Quote von einem Zentenar pro 3450 Einwohner entspricht (zum Vergleich: in Deutschland ist die Quote ca. 1 zu 12.200, Stand 2000, also fast 75 % geringer). Legenden ranken sich heute noch um einen der angeblich Ă€ltesten Menschen der Welt, die Dominicanerin Mione Elizabeth George Israel oder einfach Ma Pampo, die am 14. Oktober 2003 im sagenhaften Alter von 128 Jahren auf Dominica gestorben ist. Es gibt jedoch bis dato kein Dokument, welches zweifelsfrei ihren Geburtstag (27. Januar 1875) belegen könnte.

Geschichte

Vorgeschichte 3000/2000 v. Chr.–1493 n. Chr.

Mit der Ankunft der EuropĂ€er in der Karibik begann die schriftliche Dokumentation und Erforschung der indigenen Ethnien. Dabei haben der begrenzte Kenntnisstand, eine eurozentrische Sichtweise und koloniale Interessen der EuropĂ€er die Schriften der frĂŒhen spanischen, französischen und englischen Chronisten ĂŒber die Indigenen beeinflusst, was zu vielen Vereinfachungen und Verzerrungen fĂŒhrte. Die moderne Geschichtsschreibung, ArchĂ€ologie (einschl. DNA-Forschung) und Ethnologie haben ein differenzierteres Bild erarbeitet, das laufend erweitert und korrigiert wird. In der prĂ€-kolumbianischen Epoche erlebte die Insel mehrere Siedlungswellen bzw. kulturelle Entwicklungen:

  • Casimiroiden-Kultur: benannt nach einer AusgrabungsstĂ€tte auf Hispaniola. Diese frĂŒhen menschlichen Siedler der Region sind in der Karibik etwa 4190-2165 v. Chr. nachgewiesen. Sie kamen laut DNA-Befunden ursprĂŒnglich aus dem nördlichen SĂŒdamerika, andere Hinweise deuten auf Mittelamerika. Sie begannen ihre Einwanderung von Westen her und sind v. a. in Kuba, Hispaniola und Puerto Rico nachzuweisen, ihre Verbreitung weiter östlich auf andere Antillen-Inseln wird noch erforscht, sie haben möglicherweise die kleineren Antillen (in denen Dominica liegt) erreicht. Sie waren Sammler und JĂ€ger, jagten zunĂ€chst Seetiere wie Robben, SeekĂŒhe und Schildkröten sowie Landtiere wie Baumratten und Faultiere. SpĂ€ter verfeinerten sie ihre Steinwerkzeuge und erschlossen sich den Fischfang. Nach manchen Quellen kannten sie weder Landwirtschaft noch Töpferei, nach anderen ernteten sie Wildgras und Obst, stellten einfache Töpferwaren her und betrieben möglicherweise frĂŒhe Formen der Landwirtschaft.
  • Ortoiroiden-Kultur: benannt nach einer AusgrabungsstĂ€tte beim Ortoire River auf Trinidad, wo sie seit 5000 v. Chr. nachgewiesen sind. Sie kamen aus dem nördlichen SĂŒdamerika, besiedelten die Karibik parallel zu den Casimiroiden, aber von SĂŒden aus, und könnten die ersten Siedler auf Dominica gewesen sein. Je nach Quelle wird ihre Ankunft auf ca. 3100 v. Chr. oder auf etwa 2000 v. Chr. datiert. Auch diese Kultur war steinzeitlich, hatte jedoch entwickeltere Steinwerkzeuge. Auch sie ernteten nach manchen Quellen Wildgras und Obst, stellten einfache Töpferwaren her und betrieben möglicherweise frĂŒhe Formen der Landwirtschaft.
  • Saladoidkultur: benannt nach einer AusgrabungsstĂ€tte bei Saladero im MĂŒndungsgebiet des Orinoco in Venezuela, wo sie sich laut manchen Quellen seit 2100 v. Chr., laut anderen ab 1200 v. Chr. nachweisen lĂ€sst. Etwa 500 v. Chr. begannen sie die Besiedlung der Antillen, aufgrund ihrer halbnomadischen Brandrodungswirtschaft expandierten sie rasch und erreichten bald auch Dominica, wo mindestens 13 AusgrabungsstĂ€tten Hinweise auf sie liefern. Sie betrieben Landwirtschaft, Gartenbau, Jagd und Fischerei sowie entwickelte Töpferei, stellten u. a. aus Maniok das Cassava-Brot her. Hinweise deuten auf eine egalitĂ€re Stammeskultur. Sie gehörten vermutlich zur Arawak-Sprachfamilie und hielten per Fernhandel Kontakt zu ihrem Ursprungsgebiet. Es wird noch erforscht, inwieweit sie auf Dominica die Ortoiroiden verdrĂ€ngten oder sich mit ihnen vermischten.
  • Troumassoiden-Kultur: benannt nach einer AusgrabungsstĂ€tte in TroumassĂ©e auf St. Lucia. Unterschieden werden die Troumassan-Periode 600–1000 n. Chr. und die Suazan-Periode 1000–1450. Die erste Periode entwickelte sich in Dominica (und den anderen Windwards-Inseln) im Lauf des 6. Jahrhunderts allmĂ€hlich aus der Saladoid-Kultur, sie ist offenbar nicht durch eine Einwanderung entstanden; es wird vermutet, dass das allmĂ€hliche Bevölkerungswachstum zu Änderungen der Sozialstruktur und Kultur fĂŒhrte. In der zweiten Periode entwickelt sich daraus eine komplexere, hierarchischere Gesellschaftsstruktur, es kommen soziale Ungleichheiten auf, erste Schritte zum HĂ€uptlingstum sind erkennbar, Fernhandel mit Karibik und SĂŒdamerika ist nachgewiesen. Aus ihrer Sprache hat sich eine Variante des Taino entwickelt, einem Teil der Arawak-Sprachfamilie; Taino wurde bei der Ankunft der EuropĂ€er in mehreren Varianten im grĂ¶ĂŸten Teil der Karibik gesprochen. Mit den Troumassoiden verbundene archĂ€ologische Funde hören auf Dominica und den gesamten Windwards-Inseln abrupt um 1450 auf, was auf ein kriegerisches Ende der Kultur hinweist.
  • Kariben-Kultur: die Kariben sind eine sĂŒdamerikanische Ethnie und Sprachfamilie; sie drangen ab etwa 1400 von SĂŒden kommend in die Karibik vor. Sie verdrĂ€ngten und assimilierten in Dominica und den gesamten Windwards-Inseln (dem sĂŒdlichen Teil der kleinen Antillen) die Taino. Als die EuropĂ€er eintrafen, hatten die Kariben bereits Inseln nördlich von Dominica erobert, z. B. St. Kitts und Nevis. Die auf dem sĂŒdamerikanischen Festland lebenden Kariben (die sich selbst Kalihna bzw. Galibi nannten) wurden von Ethnologen weiterhin so bezeichnet, die ĂŒbrigen Gruppen erhielten den Namen Insel-Kariben. Diese „Insel-Kariben“, die sich selbst Kalinago nannten, vermischten sich mit der vorgefundenen Bevölkerung so stark, dass sie letztlich eine Taino- bzw. Arawak-Variante sprachen, die wenig mit ihrer ursprĂŒnglichen kontinentalen Sprache zu tun hat. Diese Ethnie kontrollierte Dominica ca. 1400 bis 1700 und auch spĂ€ter noch große Teile der Insel, sie war ihr letztes RĂŒckzugsgebiet, nachdem St. Vincent 1796 britisch geworden war und mehrere tausend von ihnen deportiert worden waren. Sie ist bis heute auf der Insel zu finden. Ihre europĂ€ische Benennung „Kariben“ ist aus dem Wort „Carib“ abgeleitet, das ihrer Sprache entstammen und „tapferer Mann“ bedeuten soll; möglicherweise haben sie sich auch selbst so genannt. Aus dieser Benennung „Kariben“ leiteten die Spanier auch die Bezeichnung fĂŒr die gesamte Karibik ab.

Lange dominierte aufgrund der spanischen Überlieferung die Annahme, dass auf Dominica zuerst die Ciboney oder Steinleute gelebt hĂ€tten, dann seien die friedlichen Arawak erschienen, die spĂ€ter von den kriegerischen und kannibalischen Kariben ausgerottet worden seien. So berichteten spanische Chronisten, dass die Taino-Einwohner anderer Inseln sich fĂŒrchteten „vor Leuten, die aus Carib oder Canib kamen“, kriegerisch waren und Gefangene verspeisten, wodurch das Wort Caniba, Kannibalen, ins Spanische und von dort in viele Sprachen vordrang. Heute herrscht ein differenzierteres Bild vor:

  • Die Arawak sind eine sĂŒdamerikanische Sprachfamilie, die (nicht nur friedlich) in die Karibik expandierte, wo sie das heute in der Karibik vorherrschende Taino entwickelte und seinerseits Varianten bildete. Sie wurden von den Kariben, auch auf Dominica, nicht einfach vernichtet und vertrieben, sondern auch assimiliert, wobei die Kariben die Taino-Sprache ĂŒbernahmen und umwandelten.
  • Die den Kariben von Kolumbus und anderen Chronisten unterstellten (und nach ihnen benannten) kannibalistischen Praktiken werden heute als Übertreibung oder Falschbehauptung eingeschĂ€tzt, die dazu diente, ihre Vertreibung und Vernichtung zu rechtfertigen. Hinweise deuten darauf hin, dass die ritualisierten kannibalistischen Praktiken, falls sie vorhanden waren, sich bei Taino und Kariben Ă€hnelten. Es wird auch als möglich angesehen, dass es sie nicht gab und kulturelle Praktiken wie die Aufbewahrung von Körperteilen tapferer gegnerischer Krieger als TrophĂ€en und die Aufbewahrung und religiöse Verehrung von Knochen der Ahnen als Kannibalismus missdeutet wurden. Ihre berĂŒchtigten Raubfahrten werden von manchen Autoren eher als Frauenraub gedeutet denn als Kannibalenfahrten.
  • Die Ciboney wiederum sind die westliche Taino-Gruppe auf Kuba, die sich dort durch kulturelle Mischungen entwickelte und nie auf Dominica war. Sie wurden frĂŒher hĂ€ufig mit den bis zur Ankunft der EuropĂ€er ebenfalls auf Kuba siedelnden Guanahatabey verwechselt, die als ein Rest der Casimiroiden betrachtet werden.

EuropĂ€ische Kolonisierungsversuche 1493–1690

Dominica wurde am 3. November 1493 von Christoph Kolumbus auf seiner zweiten Reise entdeckt, er ging jedoch nicht an Land. Kolumbus benannte die Insel nach dem Wochentag ihrer Entdeckung, einem Sonntag (auf Latein: Dominica). Eines der Schiffe seiner Flotte erkundete die InselkĂŒste und fand u. a. die heutige Prince Rupert Bay mit einer Kalinago-Siedlung.

Dominica hatte fĂŒr die Spanier und die anderen kolonisierenden EuropĂ€er strategische Bedeutung, weil sie auf dem Seeweg von Europa nach Westindien das erste Land sowie reich an Holz und Wasser ist. Jedoch war Dominica aufgrund seiner bergigen, zerklĂŒfteten Landschaft, die von nicht schiffbaren FlĂŒssen durchzogen und von dichtem, fast undurchdringlichem Urwald bedeckt ist, jahrhundertelang eine uneinnehmbare „Naturfestung“. Daher wurde lange Zeit nur selten ein Kolonisierungsversuch unternommen und nur sporadisch liefen Schiffe die Insel an, um Trinkwasser oder Holz zu laden oder den Indianern Obst abzukaufen. Die EuropĂ€er wandten sich anderen Inseln zu, die leichter zu erobern waren. Mit fortschreitender europĂ€ischer Expansion in die Karibik flĂŒchteten Kariben von diesen eroberten Inseln nach Dominica bzw. wurden hierhin deportiert, was die indigene Kontrolle ĂŒber die Insel weiter verstĂ€rkte. Dominica wurde zum letzten RĂŒckzugsgebiet der Kalinago. Aufgrund des hier besonders starken Widerstands wurde Dominica die letzte von EuropĂ€ern kolonisierte karibische Insel.

1503 erlĂ€sst die spanische Regierung die ersten Edikte, die spanischen Kolonisten in Hispaniola freistellen, Kariben sĂŒdlich von Puerto Rico zu jagen und zu versklaven.

1514 trafen die nÀchsten spanischen Besucher ein, eine Flotte unter Pedro Arias de Avila. Am 3. Juni 1514 lief er mit 19 Schiffen und 1.500 Mann Besatzung in die gleiche Bucht ein. Beim Landgang wurden seine MÀnner aus dem Hinterhalt von den Indianern mit giftigen Pfeilen beschossen.

1519 wurde Dominica mit weiteren 20 Inseln durch die Spanier dem Bistum von Puerto Rico zugeteilt.

1520 erhÀlt der spanische Ratsherr Antonio Serrano die Ernennung zum Gouverneur von Dominica und benachbarten Inseln und den Auftrag, sie zu kolonisieren, aber die Kalinago besiegen bei Guadeloupe seine Truppen und es findet keine Kolonisation statt.

1535 wird Dominica zum Rastplatz fĂŒr die regelmĂ€ĂŸig verkehrende spanische Schatzflotte auf ihrem Weg von Europa in die Karibik erklĂ€rt. Der Ankerplatz ist die Bucht am heutigen Portsmouth „an der nordwestlichen KĂŒste“, die WĂ€lder, heiße Quellen und frisches Wasser bot. Danach teilten sich die Flotten, die eine HĂ€lfte segelte nach Carthagena und Panama, die andere nach Mexiko.

1567 wurden die spanischen Silberschiffe „San Juan“, „Santa Barbola“, „San Felipe“ und „El Espiritu Santo“ bei der Durchfahrt durch die Dominica-Passage von einem Wirbelsturm an die NordkĂŒste der Insel getrieben und sanken. Die Kalinago plĂŒndern die an den Strand geschwemmten Schiffe. Im gleichen Jahr gibt es die ersten Berichte ĂŒber geflohene afrikanische Sklaven und weiße Deserteure, die unter den Kalinago leben.

1568 Französische und englische Eindringlinge (im Sinne von Monopolbrecher) wie John Hawkins, Francis Drake und dem Duke of Cumberland beginnen, die Bucht als Rastplatz und Handelsort mit den Kalinago zu nutzen, um Tabak und Nahrung einzutauschen.

1607 rasten die drei englischen Siedlerschiffe Godspeed, Susan Constant und Discovery drei Tage auf Dominica. Sie sind im Auftrag der Virginia Company of London unterwegs, um in Virginia Jamestown zu grĂŒnden, die erste dauerhafte englische Siedlung in Nordamerika.

1627 schenkte der englische König Karl I. seinem Höfling James Hay, 1st Earl of Carlisle sĂ€mtliche karibischen Inseln, darunter auch Dominica. Obwohl James Hay sehr an den Kolonien interessiert war und Plantagen in Neuengland besaß, war das nur ein theoretisches Eigentum, dessen tatsĂ€chliche Durchsetzung von den realen militĂ€rischen VerhĂ€ltnissen abhing, weshalb keine reale Kolonisation stattfand. Offiziell beanspruchte England die Insel bis 1748, als es Dominica an Frankreich abtrat.

1632 beanspruchte das französische Unternehmen Compagnie des Îles de l’AmĂ©rique Dominica und andere Antillen-Inseln, es fand jedoch keine Besiedlung statt.

1642 wurden die beiden katholischen Missionare Raymond Breton und Charles Raymond im Auftrag des Dominikanerordens von Guadeloupe aus nach Dominica geschickt, um die Kalinago zum Christentum zu bekehren. Breton besuchte Dominica bis 1650 wiederholt. Damit wurde er der erste regelmĂ€ĂŸige europĂ€ische Besucher der Insel. Er feiert die erste Messe in Itassi (Vieille Case) und baut die erste Kirche, in der Form eines taboui der Kalinago, in Colihaut. Nach seiner RĂŒckkehr nach Frankreich 1654 verfasste er vier BĂŒcher ĂŒber die Karibik, darunter 1665 das „Dictionnaire Caribe – Francais“ und 1667 eine Karibische Grammatik. Dort weist er u. a. darauf hin, dass die Frauen nur Arawak sprachen, wĂ€hrend die MĂ€nner sowohl Arawak als auch Carib sprachen. Er berichtet, dass sie sich selbst „Callinago“ nannten (oder Calliponan in der Frauensprache).

1653 greifen französische Truppen unter Captain Du MĂ© zur Vergeltung fĂŒr einen Kalinago-Angriff auf eine französische Siedlung auf Mariegalante ein Kalinago-Dorf an Dominicas NordkĂŒste an, das heutige Anse Du MĂ©, und massakrieren die Einwohner.

1655 wurde Pater Phillipe de Beaumont als Nachfolger von Raymond Breton auf die Insel geschickt. Er schlug dem Gouverneur der französischen Karibikinseln vor, mit den Carib-Indianern Frieden zu schließen und ihnen die Inseln Dominica und St. Vincent zu ĂŒberlassen.

1660 treffen Kalinago, Franzosen und EnglĂ€nder am 31. MĂ€rz die Vereinbarung, Dominica und St. Vincent den Kalinago zu ĂŒberlassen.

Trotzdem ging der Kleinkrieg mit den „Caribs“ weiter, denn die natĂŒrlichen Ressourcen zogen englische und französische HolzfĂ€ller an, die anfingen, Holz zu schlagen. Die Kalinago konnten weitgehend die Kontrolle ĂŒber Dominica behalten, auch indem sie die rivalisierenden EuropĂ€er gegeneinander ausspielten und teils von Franzosen, teils von den EnglĂ€ndern unterstĂŒtzt wurden. Doch diese KĂ€mpfe und europĂ€ische Krankheiten reduzierten ihre Anzahl erheblich. 1647 hatte man noch 5.000 gezĂ€hlt, um 1700 waren es nur noch 2.000, bis 1713 ging die Zahl auf 500 zurĂŒck und 1730 waren es nur noch 400.

1664 unterstĂŒtzt der britisch-karibische HĂ€uptling Thomas „Indian“ Warner (auch „Carib“ Warner genannt) einen britischen Angriff auf französische Siedler in St. Lucia; er fĂŒhrt 600 Kalinago-Krieger in 17 Kanus von Dominica in die Schlacht. 'Indian' Warner war ein Sohn des „Erkunders von St. Kitts“, Sir Thomas Warner, der auf St. Kitts die erste englische Kolonie in der Karibik einrichtete, mit seiner vierten Frau, einer Kalinago aus Dominica. 1630 geboren, wurde er von seinem Vater in dessen Haushalt aufgezogen. Nach dessen Tod 1649 wollte ihn die dritte Frau des Vaters nicht lĂ€nger im Haushalt dulden, obwohl ihn sein Halbbruder Phillip verteidigte. Indian Warner floh nach Dominica, wo er von einem Kalinago-Dorf an der WestkĂŒste aufgenommen wurde, ihre Lebensweise annahm und spĂ€ter zum HĂ€uptling wurde.

1665 wurde Indian Warner von William Willoughby, 6th Baron Willoughby of Parham, von 1667 bis 1673 Gouverneur von Barbados, zum englischen Lieutenant Governor Dominicas ernannt, in der Hoffnung, die englische Kontrolle ĂŒber die Insel zu erreichen.

1666 wurde Indian Warner von den Franzosen gefangen genommen und in der Haft in Guadeloupe und St. Kitts misshandelt.

1667 wird am 9. Dezember Indian Warner von den Franzosen in der Folge eines Friedensvertrags freigelassen und von Gouverneur Willoughby wieder als Lieutenant Governor von Dominica eingesetzt.

1674 ĂŒberfielen die Kalinago von Dominica die Insel Antigua. Als Vergeltung griff Warners Halbbruder Philip Warner, seit 1671 Lieutnant Governor in Antigua, mit englischen Truppen das Dorf von Carib Warner an, tötete seinen Bruder am Anfang der Schlacht und massakrierte die Einwohner. Die Franzosen nannten diesen Ort spĂ€ter Massacre. Phillip Warner wurde 1675 fĂŒr den Mord an seinem Bruder und dem Massaker an dessen Stamm zu 18 Monaten GefĂ€ngnis verurteilt und verlor 1676 seinen Posten als Lieutenant Governor von Antigua. Dort hatte er jedoch so viel Zustimmung, dass er spĂ€ter zum Parlamentssprecher gewĂ€hlt wurde.

Auch in den folgenden acht Jahren griffen die Kalinago Dominicas europÀische Siedler auf den Inseln Barbuda und Montserrat an.

Französische Kolonie 1690–1761

1690 errichteten die Franzosen ihre erste dauerhafte Siedlung auf Dominica. Französische HolzfĂ€ller aus Martinique und Guadeloupe richteten HolzfĂ€llerlager ein, um die französischen Inseln mit Holz zu versorgen, und wurden allmĂ€hlich zu dauerhaften Siedlern. Sie brachten die ersten afrikanischen Sklaven aus Westafrika nach „Dominique“, wie sie die Insel nannten.

1700 besucht der französische Priester Jean Baptiste Labat Dominica und trifft die Kalinago der OstkĂŒste.

1715 kam es zu einer Revolte armer weißer Kleinbauern im Norden von Martinique, die als La GaoulĂ© bekannt wurde. Sie löste eine Einwanderung dieser Siedler ins sĂŒdliche Dominique aus, wo sie kleine Bauernhöfe aufbauten. Gleichzeitig siedelten französische und andere Familien aus Guadeloupe im Norden Dominicas.

1727 ĂŒbernahm der erste französische Kommandant M. Le Grand die Befehlsgewalt und installierte erste Regierungsstrukturen. Dominique wurde formell zur französischen Kolonie und die Inseln wurden in Distrikte bzw. „quartiers“ unterteilt. Der Jesuitenorden legt eine Plantage bei Grand Bay (heute Berekua) an.

Die Franzosen hatten bereits Plantagen auf Martinique und Guadeloupe eingerichtet, wo sie Zuckerrohr mit Hilfe afrikanischer Sklavenarbeiter anbauten. Auf Dominique bauten sie schrittweise Kaffeeplantagen auf. Aufgrund des transatlantischen Sklavenhandels Ànderte sich die Bevölkerungsstruktur völlig, die Bevölkerung bestand bald hauptsÀchlich aus schwarzafrikanischen Sklaven.

1731 befahlen die Könige von Großbritannien und Frankreich, dass die französischen Siedler von Dominica evakuiert und die Insel den Kalinago ĂŒberlassen werden sollten.

1748 vereinbarten Frankreich und Großbritannien im Frieden von Aachen, Dominica als neutrales Territorium zu betrachten und den Kalinago zu ĂŒberlassen.

Dennoch fuhren die Franzosen fort, die reiche Insel zu kolonisieren.

Britische Kolonie 1761–1978

1761 eroberte wÀhrend des europÀischen SiebenjÀhrigen Kriegs eine britische Expedition unter Lord Andrew Rollo und Sir James Douglas Dominica und weitere karibische Inseln. Sie warfen den Franzosen vor, den Vertrag von Aachen von 1748 gebrochen zu haben. Sie eroberten am 6. Juni die Siedlung Roseau und besetzten die Insel. Viele afrikanische Sklaven nutzten das Durcheinander und flohen in die WÀlder.

1763 hatte Frankreich den Krieg verloren und ĂŒbergab im Friedensvertrag von Paris die Insel an Großbritannien. Dominica war nun offiziell britische Kolonie. Im gleichen Jahr richteten die Briten eine gesetzgebende Versammlung ein, in der nur europĂ€ische Kolonisten vertreten waren. Französisch blieb Amtssprache, aber der grĂ¶ĂŸte Teil der Bevölkerung sprach das daraus entstandene Antillen-Kreolisch. In der Bevölkerung war eine Gegnerschaft zur britischen Herrschaft verbreitet, insbesondere bei den freien farbigen Menschen („free people of colour“). Auch waren im Lauf des 18. Jahrhunderts Maroon-Gemeinschaften entstanden, in denen sich entflohene schwarze Sklaven mit den indigenen Kalinago in unzugĂ€nglichen, dicht bewaldeten RĂŒckzugsgebieten zusammentaten. Bis zur Aufhebung der Sklaverei standen sie in stĂ€ndigem Konflikt mit den britischen Kolonialbehörden, kontrollierten noch fĂŒr weitere Generationen im 18. und 19. Jahrhundert ein eigenes Territorium von ca. 170 kmÂČ im Landesinnern und verhinderten 1763 bis 1818 mit hĂ€ufigen KriegszĂŒgen eine Expansion der europĂ€ischen Kolonisation ĂŒber einen schmalen KĂŒstenstreifen hinaus.

1764 teilten britische Landvermesser die Insel in Parzellen auf, um GrundstĂŒcksverkĂ€ufe vorzubereiten. John Byres zeichnete 1776 die „Byres map“, die die Grundlage allen kĂŒnftigen Landbesitzes in Dominica wurde. Die Insel wurde auch in die bis heute gĂŒltigen Distrikte („parishes“) aufgeteilt. Tausende Hektar Land (gemessen in Acre) wurden fĂŒr Zucker- und Kaffeeplantagen gerodet und der Import afrikanischer Sklaven stieg rasch an.

1765 wurde eine erste Lokalregierung als Teil der föderierten Kolonien der sĂŒdlichen Karibik mit Hauptstadt in Grenada eingerichtet. Portsmouth wurde als Hauptstadt des britischen Dominica geplant und angelegt, der Bau der dortigen Garnison Fort Shirley begann. Erste Gesetze wurden verabschiedet, ein Gericht berufen, eine Druckerpresse importiert und die Anglikanische Kirche zur Staatskirche erklĂ€rt. Im gleichen Jahr wurde die Insel von Naturkatastrophen schwer getroffen: Erdbeben im April und Mai und spĂ€ter im Jahr ein Hurrikan. 1766 erholte sich die Bevölkerung, im britisch kontrollierten Gebiet wurde 2020 Weiße und 8497 Sklaven gezĂ€hlt.

1768 wurde das Gebiet von Portsmouth als ungesund erachtet und es begannen Planungen fĂŒr eine Hauptstadt in Roseau.

1770 forderten die dominicanischen Kolonisten ihr eigenes Parlament und die Insel wurde selbstÀndige Kolonie mit Sir William Young als erstem Gouverneur.

1773 wurden im britisch kontrollierten Bereich 3350 Weiße, 750 freie farbige Menschen und 18.753 Sklaven gezĂ€hlt.

1776 forderte Gouverneur John Orde die Regierung in London auf, Dominicas Verfassung von 1775 abzuschaffen, um das Parlament aufzulösen.

1778 nutzten die Franzosen den Amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg und eroberten am 7. September mit Truppen unter Marquis de Bouille und aktiver UnterstĂŒtzung der Bevölkerung die Insel kurzzeitig zurĂŒck. Marquis Duchilleau wird zum Gouverneur ernannt, 5000 französische Soldaten auf Dominica stationiert und Gesetze gegen die britischen Einwohner erlassen.

1780 richtete am 10. Oktober ein Hurrikan schwere SchĂ€den an. Im französisch kontrollierten Bereich werden 1066 Weiße, 543 freie farbige Menschen und 12.713 Sklaven gezĂ€hlt.

1781 wurde Roseau durch ein Feuer zerstört, 500 HĂ€user gehen verloren. Die französischen Truppen werden dafĂŒr verantwortlich gemacht und der französische Gouverneur wird ausgetauscht.

1782 fang bei einigen Inselchen vor der NordostkĂŒste von Dominica am 12. April die Schlacht von Les Saintes statt. Die französische Marine unter Admiral François Joseph Paul de Grasse verliert gegen die britische Navy unter Admiral George Rodney.

1783 mussten die Franzosen Dominica im Frieden von Paris wieder an England zurĂŒckgeben.

1784 erreichte der neue britische Gouverneur, Sir John Orde, 1st Baronet, im Januar Dominica und ĂŒbernimmt die Insel wieder fĂŒr Großbritannien.

1785–1786 kam es zum Ersten Maroon-Krieg, einem Aufstand von Maroons unter HĂ€uptling Balla und anderen. Sie greifen das Gut Rosalie an und die britischen Truppen antwortet mit einem Gegenangriff auf Maroon-Lager bei Belles. Bekannte Frauen wie Angelique, Calypso und Victorie werden gefangen genommen und vor Gericht gestellt. 150 Maroons werden getötet. HĂ€uptling Balla wird gefangen und öffentlich hingerichtet. Der Sklave des Belfast-Landgutes, der ihn fing, erhĂ€lt die Freiheit und 165 britische Pfund.

1787 kamen die ersten Methodisten-Missionare unter Thomas Coke die Insel. Im britisch kontrollierten Bereich werden 1236 Weiße, 545 freie farbige Menschen und 14.967 Sklaven gezĂ€hlt.

1788 wurde im Parlament (House of Assembly) ein Gesetz zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Sklaven verabschiedet.

1791 revoltierten Sklaven im SĂŒden und Osten der Insel, v. a. im St. Patrick Parish. Gouverneur Sir John Orde unterdrĂŒckte die Revolte und erhĂ€lt Danksagungen von Parlament und Plantagenbesitzern.

1795 versuchten die Franzosen wĂ€hrend der Haitianischen Revolution, bei der Frankreich seine reichste karibische Kolonie in die UnabhĂ€ngigkeit entlassen musste, vergeblich, Dominica zurĂŒckzuerobern. Französische RevolutionsstreitkrĂ€fte griffen die Insel an der NordkĂŒste an. Französische Sympathisanten von Colihaut revoltierten und versuchten, durch den Urwald zu marschieren, um sich den Invasionstruppen anzuschließen. Das misslang und die Briten schlugen die Angreifer zurĂŒck. 600 französische Einwohner wurden von Dominica deportiert.

1796 grĂŒndete Gouverneur Andrew James Cochrane Johnston angesichts der Schwierigkeiten der britischen Truppen, die Maroons zu bekĂ€mpfen, das erste Schwarze Regiment der Westindischen Regimenter. Es wurde aus afrikanischen Sklaven gebildet, die eigens dafĂŒr gekauft und fĂŒr die Verteidigung der Kolonie ausgebildet wurden. Sie wurde in der Garnison Fort Shirley in Cabrits bei Portsmouth stationiert.

1799 beschloss das Parlament ein Gesetz, das die Teilnahme der Sklaven an Gottesdiensten erlaubte.

1802 revoltierte das 8th West India regiment in Fort Shirley, die Sklaven-Soldaten empörten sich ĂŒber die Arbeitsbedingungen und fĂŒrchteten die RĂŒckversetzung auf Plantagen. Sie ĂŒbernahmen das Fort fĂŒr drei Tage. Gouverneur Cochrane setzte das Königliche Schottische Regiment aus Roseau ein, das die Revolte niederschlĂ€gt. Ein großer Teil der Sklaven-Soldaten flĂŒchtete in die Berge und vereinigte sich mit den Maroons, 34 von ihnen wurden gehĂ€ngt. Das Regiment wurde von Gouverneur Cochrane aufgelöst.

1804 wurde Gouverneur Cochrane aufgrund dieses Aufstands abgelöst, George Prevost wurde sein Nachfolger.

1805 fand der letzte französische Angriff auf Dominica statt. Truppen unter General La Grange fielen von Martinique aus ein, eroberten Roseau und brannten es nieder. Die Parlamentsmitglieder wurden als Geiseln genommen, ein Lösegeld von 20.000 Pfund wird verlangt, aber nur 8.000 Pfund wurden gezahlt. Englische Truppen unter Gouverneur George Prevost eilten quer durch die Insel durch das „Carib quarter“ nach Cabrits und bereiteten die dortige Garnison auf einen Angriff vor. Die französischen Schiffe nĂ€herten sich Cabrits, aber entschieden sich, den Angriff abzubrechen; die französischen Truppen zogen sich von Dominica zurĂŒck, das unter britischer Kontrolle blieb. Im gleichen Jahr wurde Dominica offiziell zur britischen Kolonie erklĂ€rt. Im britisch kontrollierten Bereich wurden 1594 Weiße, 2882 freie Farbige und 22.083 Sklaven gezĂ€hlt.

1806 traf am 9. September ein verheerender Hurrikan die Insel, der Roseau-Fluss schwoll an und ĂŒberflutete die Hauptstadt, zahlreiche HĂ€user wurden weggeschwemmt und 131 Personen getötet.

1807 setzte sich in Großbritannien die Abolitionismus-Bewegung durch, das Londoner Parlament verbot mit dem Slave Trade Act den Sklavenhandel im britische Empire, aber noch nicht die Sklavenhaltung.

1809 griffen bewaffnete Sklaven ein Maroon-Lager an und vernichteten es.

1812 lebten 800 Maroons in 15 Lagern. Im gleichen Jahr wurde ein neuer Gouverneur ins Amt eingefĂŒhrt: George Robert Ainslie. Als eine der ersten Amtshandlungen versprach er eine Amnestie fĂŒr Maroons, die den Kampf aufgeben.

1813 trifft ein weiterer zerstörerischer Hurrikan Dominica.

1814–1815 kam es zum Zweiten Maroon-Krieg, ĂŒberall auf der Insel kam es zu AufstĂ€nden der Maroon. Gouverneur George Robert Ainslie ordnete massive Vergeltungsmaßnahmen an. Der alte Maroon-HĂ€uptling Jacko wurde getötet. Verhaftungen, ErhĂ€ngungen und andere Bestrafungen fanden statt. Zwischen Februar und November 1814 wurden insgesamt 577 Maroons getötet, festgenommen oder sie ergaben sich. Mit dem Ende dieses Kriegs endete offenbar generell der bewaffnete Widerstand von Kalinago und Maroons. Ainslie wurde nach England zurĂŒckgerufen, um sich Anklagen wegen ĂŒbertriebener Grausamkeit zu stellen.

1818 forderte Gouverneur Charles William Maxwell, Dominica den Status einer von außen regierten Kronkolonie zu geben und das Parlament abzuschaffen, das er als „Nest von Idioten und Unzufriedenen“ („nest of fools und malcontents“) bezeichnete.

1822 wurden in Dominica Gesetze verabschiedet (Amelioration Acts), die die Lebensbedingungen der versklavten Bevölkerung verbessern sollten.

1823 forderte Gouverneur Earl of Huntingdon, Dominicas Verfassung zu Ă€ndern, um die Zahl ihrer Mitglieder von 19 auf 13 zu senken. Er habe seine „frommen Hoffnungen“ aufgegeben, das Parlament „in einer der radikalsten Kolonien“ kontrollieren zu können und bat um sofortige Versetzung auf einen beliebigen anderen Posten im Empire („anywhere in the world“).

1825 traf ein weiterer verheerender Hurrikan die Insel.

1829 wurde ein Gesetz verabschiedet, das Katholiken von den BeschrÀnkungen befreit, die ihnen die protestantische britische Regierung auferlegt hatte, und ihnen erlaubte, voll am öffentlichen und politischen Leben teilzunehmen.

1831 wurde ein Gesetz verabschiedet, das „Brown Privilege Bill“, das alle Benachteiligungen aufgrund von Hautfarbe fĂŒr alle freien Menschen abschaffte. Das betraf im Wesentlichen die Bevölkerungsgruppe der freien Farbigen (free people of colour). Hauptexportprodukt war zu dieser Zeit Kaffee, der rund ein Drittel des Ausfuhrwertes ausmachte.

1832 wurde Dominica der Verwaltungseinheit Leeward-Islands zugeteilt und nun von St. John aus verwaltet, der Hauptstadt von Antigua. Im gleichen Jahr wirkte sich die im Vorjahr verabschiedete Brown Privilege Bill politisch aus: Es wurden die ersten drei farbigen MÀnner in das Parlament gewÀhlt.

1833 verbot das Londoner Parlament mit dem Slavery Abolition Act die Sklavenhaltung im Britischen Empire.

1834 erhielten am 1. August sĂ€mtliche Sklaven im Empire die Freiheit. Allerdings wurde eine vierjĂ€hrige Übergangszeit verordnet („apprenticeship period“ genannt), wĂ€hrend der die ehemaligen Sklaven weiter auf den Plantagen arbeiten mussten, nun allerdings gegen Lohn. Im September verwĂŒstete „The Great Hurricane“ die Insel.

1835 flohen viele Sklaven der benachbarten französischen Kolonien auf Guadeloupe und Martinique nach Dominica.

1837 setzte die Royal Navy versklavte Afrikaner, die sie von auslÀndischen Schiffen befreite, auf Dominica ab. Diese siedelten als freie Menschen an verschiedenen Stellen der Insel.

1838 endete am 1. August die Übergangszeit des Slavery Abolition Act und die farbige Bevölkerung erhielt die volle Freiheit. Es verbreitete sich das GefĂŒhl, nun eine freie Gesellschaft aufzubauen. An den RĂ€ndern der Plantagen-LandgĂŒter entstanden neue Dörfer. Im gleichen Jahr erreichten Menschen gemischter Herkunft erstmals eine Mehrheit im Parlament Dominicas, das erste Mal im britischen Empire – eine gesellschaftliche Gruppe, die damals als „Mulatten“ bezeichnet wurde.

Mit der Befreiung der Sklaven wandelte sich die Sozialstruktur Dominicas grundlegend. Eine neue Klasse freier Bauern entstand, wĂ€hrend sich gleichzeitig eine gebildete Schicht von Menschen afrikanischer und europĂ€ischer Herkunft herausbildete. Diese Gruppe spielte zunehmend eine politische und wirtschaftliche Rolle – ein Prozess, der spĂ€ter als „der Aufstieg der Mulatten“ (The Mulatto Ascendency oder The Rise of the Mulatto Élite) bezeichnet wurde. Diese aufstrebende Mittelschicht trat in Konkurrenz zur bisherigen herrschenden Klasse der weißen Plantagenbesitzer. Letztere war eng mit weißen Amtsinhabern in Verwaltung und Justiz (z. B. Beamte, StaatsanwĂ€lte, Richter) sowie mit stĂ€dtischen Unternehmern (wie AnwĂ€lten, HĂ€ndlern und dem Besitzer der einzigen Zeitung) verbunden. Der Machtkampf zwischen diesen Gruppen prĂ€gte die politische Entwicklung Dominicas bis weit ins 19. Jahrhundert hinein – und darĂŒber hinaus.

1839 erreichte der Farbige George Charles Falconer Dominica. 1819 in Barbados geboren, lernte er zunĂ€chst das Tischler-, dann das Druckerhandwerk. Dadurch in Kontakt mit BĂŒchern gekommen, bildete er sich autodidaktisch fort. Er verließ das ĂŒbervölkerte Barbados und fand in Dominica eine aufgeheizte AtmosphĂ€re vor. Die freien farbigen Menschen, die nun die Mehrheit im Parlamenten hatten, versuchten Verbesserungen fĂŒr die farbige Bevölkerungsmehrheit durchzusetzen, aber scheiterten hĂ€ufig an den parlamentarischen Tricks der Plantagenbesitzer und ihrer VerbĂŒndeten im Parlament und im „Council“ (einer Art Oberhaus des Parlaments). Deren Sichtweise, die Farbigen „an ihrem Platz“ zu halten, wurde auch von der einzigen Tageszeitung Dominicas unterstĂŒtzt, „The Colonist“ unter Besitzer Thomas Doyle. George Charles Falconer entschied, eine Zeitung zu grĂŒnden, die die Sichtweise der farbigen Bevölkerungsmehrheit vertreten sollte. Mit einiger Geheimhaltung importierte er eine hölzerne Druckerpresse von Nevis und im Oktober 1839 erschien die erste Ausgabe des „The Dominican“ mit dem Motto „Deo, Regina et Populo“. Falconer war EigentĂŒmer und Redakteur, Francis Coquille Verleger und Drucker. Die Zeitung erschien bis 1907. Damit formten sich eine konservative und eine liberale politische Strömung. Falconer wurde zu einem WortfĂŒhrer und schließlich parlamentarischem AnfĂŒhrer der Liberalen. Im Lauf der Konflikte des 19. Jahrhunderts gelang den Konservativen eine schrittweise Entmachtung des Parlaments und damit der Vertreter der farbigen Bevölkerungsmehrheit, die ihren Gipfelpunkt 1898 erreichte.

1844 fanden AufstĂ€nde gegen die VolkszĂ€hlung statt, „Census Riots“ und „La Guerre Negre“ genannt. Die arbeitende Bevölkerung hegte den Verdacht, dass die erste VolkszĂ€hlung dazu dienen soll, die Namen aller Farbigen zu erfassen, um die Sklaverei wieder einzufĂŒhren. Die Miliz unterdrĂŒckte die AufstĂ€nde.

1850 wurde die römisch-katholische Diözese von Roseau eingerichtet, der erste Bischof ernannt. Sie deckte die Leeward Islands und die Jungferninseln ab. Es begann eine intensive Evangelisierung und Taufen auf der ganzen Insel.

1856 fanden die „AufstĂ€nde von Batalie“ statt (Batalie Riots), als Menschen bei Batalie (einschließlich „The Queen’s Three Chains“) Land besetzten. Im gleichen Jahr wurde eine Steuer zur Finanzierung der Straßenreparatur eingefĂŒhrt (Road Tax bzw. umgangssprachlich „Traveau“), gegen die sich Protest richtete, weil es die erste Steuer war, die allen BĂŒrgern auferlegt wurde und verlangte, dass sie entweder einige Tage pro Jahr im Straßenbau arbeiteten oder stattdessen Geld fĂŒr die Reparatur zahlten.

1857 landeten die ersten katholischen Nonnen (aus Norwood in England) die Insel und eröffneten eine Klosterschule (Convent School).

1863 wurde George Charles Falconer, inzwischen Mitglied im Unterhaus des Parlaments, aufgrund einer Rede im Parlament fĂŒr drei Tage verhaftet, weil der ParlamentsprĂ€sident sein Verhalten als „Missachtung des Parlaments“ empfand. Falconer reichte dagegen Klage ein, die 1866 vor dem Privy Council in London verhandelt wurde.

1865 wurde Dominica auf Forderung der weißen Plantagenbesitzer zur Kronkolonie erklĂ€rt, um das von Farbigen kontrollierte Parlament Dominicas zu entmachten. Dies wurde aber nur teilweise umgesetzt. Das gewĂ€hlte Parlament wurde ersetzt durch eines, das zur HĂ€lfte aus gewĂ€hlten und zur HĂ€lfte aus ernannten Mitgliedern besteht.

1871 wurde Dominica ein vollgĂŒltiges Mitglied der kolonialen Verwaltungseinheit Leeward Islands, die von Antiqua aus regiert wurde.

1880 brach aus dem Boiling Lake eine DampfsÀule aus (phreatische Eruption), die Roseau mit Asche bedeckte und Angst in der Stadt verbreitete.

1888 verursachten eine Grundsteuer und weitere Steuern große Kontroversen.

1898 wurde der bereits 1865 beschlossene Status Dominicas als Kronkolonie durch Entsendung des Verwalters Sir Hesketh Bell praktisch umgesetzt.

1914–1918 meldeten sich Freiwillige aus Dominica, um im Ersten Weltkrieg in der britischen Armee in Europa zu kĂ€mpfen, v. a. Söhne von Kleinbauern.

1938 gab der Staat dem politischen Druck der Farbigen nach und ParteigrĂŒndungen wurden erlaubt.

1951 schaffte man das Wahlrecht ab, das sich am Vermögen orientierte, und ersetzte es durch ein gleiches Wahlrecht. Dabei wurde auch das Frauenwahlrecht eingefĂŒhrt. Es wurde bei der UnabhĂ€ngigkeit 1978 bestĂ€tigt.

Es entstanden Parteien und 1957 erhielt die Insel ihren ersten Chief Minister. 1957/58 entstand die Westindische Föderation, die jedoch 1962 aufgelöst wurde. 1967 erhielt die Insel eine begrenzte SelbstĂ€ndigkeit, denn die Verteidigungs- und Außenpolitik blieb bei Großbritannien.

UnabhÀngige Republik seit 1978

Am 3. November 1978 wurde schließlich die UnabhĂ€ngigkeit von Großbritannien proklamiert, seit dem 8. Dezember 1978 ist Dominica Mitglied der Vereinten Nationen.

Erster Premierminister wurde Patrick John von der sozialdemokratischen DLP (Dominican Labour Party). Seine Regierungszeit war geprĂ€gt von persönlicher Vorteilsnahme und Korruption, was unter anderem zu blutigen Demonstrationen und zur GrĂŒndung der konservativen Partei „Dominican Freedom Party“ (DFP) fĂŒhrte. Ein nationales Notstandskomitee, das Committee for National Salvation (CNS), wĂ€hlte am 21. Juni 1979 den Wirtschaftsminister Oliver J. Seraphin zum Premier.

Im Juni 1980 wurde Mary Eugenia Charles von der Partei DFP zur Nachfolgerin gewĂ€hlt und blieb als erste Staatschefin in der Karibikregion 15 Jahre im Amt. Patrick John scheiterte 1981 mit dem Versuch, mit Hilfe von Mitgliedern des rechtsradikalen amerikanischen Ku Klux Klan die Regierung von MinisterprĂ€sidentin Eugenia Charles zu stĂŒrzen. Wegen dieses Putschversuchs wurden die StreitkrĂ€fte aufgelöst.

Die Wirtschaft profitierte in den 1980er Jahren vom Erfolg des Bananen-Exports, erlebte jedoch schwere BeeintrĂ€chtigungen, als mehrere Hurrikans zahlreiche Bananenplantagen vernichteten und fruchtbareren Boden verwehten; darĂŒber hinaus verlor Dominica 1992 den bevorzugten Zugang zum Markt des Vereinigten Königreichs. Die Regierungen setzen seitdem auf Diversifizierung der Wirtschaft und auf eine Förderung des Tourismus, zu der auch umweltpolitische AktivitĂ€ten wie Aufforstung und die Einrichtung von Schutzgebieten beitragen sollen.

1997 wurde der 1975 eingerichtete Nationalpark Morne Trois Pitons, benannt nach dem gleichnamigen Berg, zum Weltnaturerbe der UNESCO ernannt. Einen weiteren Beitrag zum Aufschwung des Tourismus leisten ab 2003 Piratenfilme wie Fluch der Karibik.

Nach dem plötzlichen Tod des Premierministers Pierre Charles folgte 2004 Roosevelt Skerrit in dieses Amt.

2005 fanden auf Dominica die Dreharbeiten zum Hollywood-Blockbuster Fluch der Karibik 2 und seinem Nachfolger statt. Dazu kam ein rund 600-köpfiges Filmteam auf die Insel und heuerte insgesamt ca. 450 lokale Angestellte fĂŒr Security und Catering, als Fahrer und Komparsen an. Gedreht wurde an neun Drehorten, zu denen teilweise die Straßen eigens fĂŒr diesen Anlass gebaut wurden, um das Drehteam vor Ort bringen zu können. Auch fehlten UnterkĂŒnfte, so dass ein Teil der Crew tĂ€glich mit Booten und Flugzeugen an den Drehort gebracht werden musste. Einer der Drehorte war Touna Village im Kalinago Territory (dem Kalinago-Reservat der Insel). 150 der Komparsen wurden aus den örtlichen Kalinago rekrutiert, um an diesem Ort die Szenen mit den kannibalistischen „Pelegostos“ zu drehen. Die Kalinago waren in dieser Frage gespalten: wĂ€hrend ein Teil dies als willkommenen Zuerwerb und amĂŒsanten Zeitvertreib ansah, waren andere empört ĂŒber die Popularisierung alter Klischees ĂŒber ihr Volk. Kalinago-HĂ€uptling Carlo rief zum Boykott auf und verfasste einen offenen Brief, in dem er kritisiert, dass der Disney-Film das alte Stigma des Kannibalismus wiederhole, das seit der Kolonialzeit auf den Kalinago laste und fĂŒr das es keine Belege gebe. Im gleichen Jahr wurde zum ersten Mal ein Kalinago, Kelly Graneau, zum Minister for Carib Affairs ernannt. Dies wurde zum Teil mit der Bedeutung der Kalinago fĂŒr den Tourismus der Insel in Verbindung gebracht.

Politik

Politisches System

Das Land ist eine parlamentarische Republik, eine der wenigen in der Karibik. Es ist von der britischen Verfassungstradition geprÀgt.

Legislative

Es besteht ein Einkammerparlament, das House of Assembly, mit einer fĂŒnfjĂ€hrigen Legislaturperiode und 30 Mitgliedern. Davon werden 21 gewĂ€hlt, 5 durch den Regierungschef und 4 durch die Opposition benannt. Wahlberechtigt sind alle Personen ab dem 18. Lebensjahr.

Wie schon bei den Wahlen in den Jahren 2000, 2002, 2009 und 2014 gewann die Dominica Labour Party auch die Parlamentswahl am 6. Dezember 2019 und damit die fĂŒnfte Wahl in Folge. Sie erzielte 59 % der Stimmen und gewann den Abgeordnetensitz in 18 von 21 Wahlkreisen. Die United Workers Party errang 41 % der Stimmen und 3 Mandate im House of Assembly. Somit wurde Roosevelt Skerrit als MinisterprĂ€sident fĂŒr eine weitere Amtszeit bestĂ€tigt.

Judikative

Zum Justizsystem Dominicas gehören

  • das Oberste Gericht der Ostkaribik (Eastern Caribbean Supreme Court) in St. Lucia, das die Justiz in seinen Mitgliedsstaaten verwaltet; es besteht aus
    • dem Hohen Gericht (High Court) aus 16 Richtern, von denen einer in Dominica residieren muss; es behandelt grundsĂ€tzliche FĂ€lle (Verfassungsfragen, Menschenrechtsfragen)
    • einem Berufungsgericht (Court of Appeal), das als oberstes Berufungsgericht fungiert
  • ein höheres Gericht (Court of Summary Jurisdiction) in Dominica, dem ein Richter des Obersten Gerichtes vorsitzen muss
  • vier regionale Gerichte (Magistrates Courts), die fĂŒr einfache FĂ€lle zustĂ€ndig sind

Exekutive

Es gibt einen StaatsprÀsidenten mit v. a. reprÀsentativen Aufgaben. Die exekutive Gewalt liegt beim Premierminister und seinem Kabinett, dessen Ministern mehrere Ministerien und Behörden unterstehen.

Siehe auch:

  • Liste der PrĂ€sidenten von Dominica
  • Liste der Premierminister von Dominica

Verwaltungsgliederung

Dominica ist in zehn Parishes als Verwaltungsbezirke eingeteilt. Die Einwohnerzahlen in der folgenden Tabelle beziehen sich auf die VolkszÀhlung vom 12. Mai 2001.

Quelle: Central Statistical Office of Dominica

StÀdte

Im Jahr 2023 lebten 72 Prozent der Einwohner Dominicas in StĂ€dten. Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte auf Dominica waren am 1. Januar 2005:

  1. Roseau: 16.074 Einwohner
  2. Portsmouth: 3.633 Einwohner
  3. Berekua: 3.195 Einwohner
  4. Marigot: 2.669 Einwohner
  5. Grand Bay: 2.608 Einwohner

Politische Indizes

Politikfelder

Außenpolitik

Das Land ist Mitglied des Commonwealth of Nations, der Karibischen Gemeinschaft (CARICOM), der Organisation Ostkaribischer Staaten (OECS), der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC) der Alliance of Small Island States (AOSIS) und seit dem 20. Januar 2008 des WirtschaftsbĂŒndnisses Bolivarianische Allianz fĂŒr Amerika (ALBA). DarĂŒber hinaus gehört es zu den TrĂ€gern der UniversitĂ€t der Westindischen Inseln.

Umweltpolitik

Das Land schĂŒtzt seine Umwelt mit mehreren Schutzgebieten, darunter dem Nationalpark Morne Trois Pitons, der 1997 zum UNESCO-Weltnaturerbe erklĂ€rt wurde.

Wirtschaft

Allgemeines

Die Wirtschaft Dominicas ist von der Landwirtschaft, vor allem von Bananen, abhĂ€ngig und bleibt durch die klimatischen Bedingungen und die AbhĂ€ngigkeit von internationalen Förderprojekten sehr verwundbar. Mit einem BIP pro Kopf von 7356 US-Dollar im Jahre 2016 hatte das Land ungefĂ€hr das Wohlstandsniveau von Bulgarien. Die Hurrikane Marilyn und Luis zerstörten 1995 die Bananenernte fast vollstĂ€ndig, nachdem bereits 1994 tropische StĂŒrme ein Viertel der Ernte zunichtemachten. Die Wirtschaft erholte sich spĂ€ter wieder durch Wachstum in der Baubranche, der Seifenproduktion und durch den Tourismus. Das wirtschaftliche Wachstum ist trĂ€ge, die Arbeitslosigkeit liegt bei ĂŒber 20 %.

Ein bedeutender Wirtschaftszweig ist nach EinschĂ€tzungen von 2023 der Passhandel mit wohlhabenden Kunden. BĂŒrger von Dominica können ohne Visum in 110 Staaten der Welt, einschließlich der EuropĂ€ischen Union reisen, was die StaatsbĂŒrgerschaft wertvoll macht. So erwarben nach Recherchen des Organized Crime and Corruption Reporting Project offiziell mehr als 7000 Personen die StaatsbĂŒrgerschaft fĂŒr etwa 100.000 US-Dollar. Zwischen 2009 und 2021 seien so etwa 775 Millionen Dollar eingenommen worden. Nach Untersuchungen des dominicanischen Staatshaushalts könnten allerdings bis zu 25.000 Personen von einem entsprechenden Programm Gebrauch gemacht haben. Das Vereinigte Königreich fĂŒhrte daraufhin im Sommer 2023 die Visumspflicht fĂŒr Dominica wieder ein, die EuropĂ€ische Union beließ es jedoch bei der Visumfreiheit.

PrimÀrer Sektor

Landwirtschaft

Wichtigste Agrarprodukte sind Bananen, Yams, Grapefruit, Taro, Milch, KokosnĂŒsse, Orangen, Yautia, Plantains und Zuckerrohr.

Fischerei

Die Fischerei ist mit Stand 2019 laut FAO durch folgende Zahlen gekennzeichnet:

  • Fischereiflotte: 434 Schiffe, hauptsĂ€chlich motorisierte Boote unter 12 m
  • ErwerbstĂ€tige: 912, davon 17 Frauen
  • Fang: fluktuiert stark mit 500 Tonnen in 2013, 1000 in 2014, fast 800 in 2017
  • Vertrieb: Frischverkauf an lokale Konsumenten; es gibt kein fischverarbeitendes Gewerbe mit Lagermöglichkeiten; daher wird FischĂŒberschuss zu Abfall
  • Aquakultur: Aquakulturunternehmen produzieren auf ca. 11 Hektar geschĂ€tzt 1 Tonne Garnelen und 5 Tonnen Tilapia pro Jahr
  • Exporte: sehr begrenzt, in 2016 im Wert von 7000 USD
  • Importe: 1,6 Mio. USD
  • Verbrauch: 27,1 kg pro Kopf

Trends: seit dem RĂŒckgang der Bananenproduktion sind viele Bauern auf die Erwerbsmöglichkeit Fischerei ausgewichen; auch ist im Land aufgrund des wachsenden Tourismus eine verstĂ€rkte Nachfrage nach Fisch zu verzeichnen.

BodenschÀtze und Bergbau

Dominica will gemeinsam mit Venezuela auf der Insel eine Raffinerie errichten und im Bereich der geothermischen Energiegewinnung sowie der Wasserkraftnutzung zusammenarbeiten.

SekundÀrer Sektor

Verarbeitendes Gewerbe: Wichtig sind in Dominica die Herstellung von Seife, Kokosöl, Kopra, Möbel, Zementblocks und Schuhen.

Energieversorgung: Die Elektrifizierung (Zugang der Bevölkerung zu Strom) betrÀgt 100 % (2020). Die ElektrizitÀtsproduktion betrug 2016 111,4 Millionen kWh, der Stromverbrauch 103,6 Millionen kWh. ElektrizitÀt wird weder importiert noch exportiert.

TertiÀrer Sektor

Handel

Die Exporte beliefen sich 2018 auf 160 Mio. USD. Exportiert wurden v. a. Medizintechnik, Pharmazeutika, elektrische SchutzausrĂŒstung, tropische FrĂŒchte und Verbandsmaterial (2019). Hauptabnehmer waren Saudi-Arabien mit 47 % und Katar mit 5 % (2019).

Die Importe beliefen sich 2018 auf 430 Mio. USD. Importiert wurden v. a. raffiniertes Erdöl, Naturgas, Rohöl, Freizeitschiffe und Automobile (2019). Die Hauptlieferanten waren die Vereinigten Staaten mit 57 %, Nigeria mit 11 %, China mit 6 % und Italien mit 5 % (2019).

Dominica ist Mitglied im WirtschaftsbĂŒndnis Petrocaribe, wodurch die Insel venezolanisches Erdöl zu Vorzugspreisen erhĂ€lt und Mitglied im BĂŒndnis ALBA.

Das Land profitiert auch von der Caribbean Basin Initiative (CBI), die fĂŒr viele Produkte zollfreien Zugang zu den Vereinigten Staaten erlaubt.

Dominica gehört zu weiteren wirtschaftlich nĂŒtzlichen ZusammenschlĂŒssen: Caribbean Community (CARICOM), CARICOM Single Market and Economy (CSME), Organisation of Eastern Caribbean States (OECS).

Verkehr

Infrastruktur
  • Straßennetz: 1,512 km (2018)
  • Schienennetz: 0
  • HĂ€fen: SeehĂ€fen gibt es in Portsmouth und Roseau.
FlughÀfen
  • Dominica verfĂŒgt ĂŒber zwei FlughĂ€fen: Douglas-Charles Airport (IATA-Flughafencode DOM) und Canefield Airport (IATA-Code DCF). Beide haben keine internationale Zulassung fĂŒr große Passagiermaschinen, was als eines der Haupthindernisse fĂŒr die touristische Entwicklung des Inselstaates angesehen wird. Der Douglas-Charles Airport hieß bis zur offiziellen Umbenennung am 27. Oktober 2014 Melville Hall Airport und wurde in den letzten Jahren mit finanzieller UnterstĂŒtzung der EU und Venezuelas erweitert und verfĂŒgt seit Ende 2010 ĂŒber eine lĂ€ngere und breitere Start- und Landebahn sowie ein Instrumentenlandesystem, sodass auch nachts und bei schlechter Sicht gelandet werden kann. Bis zum April 2019 war Dominica der letzte Staat der Erde, der einen Flughafen betrieb, ohne Mitglied bei der ICAO zu sein.
  • Am 9. Juni 2021 wurde ein Vertrag zum Bau eines neuen internationalen Flughafens nahe der Gemeinde Wesley zwischen der Regierung von Dominica und der auf Visa- und StaatsbĂŒrgerschafthandel spezialisierten Montreal Management Consultant Establishment (MMCE) in Höhe von 1 Milliarde Dollar unterzeichnet, gegen den Widerstand der von der ZwangsrĂ€umung betroffenen Dorfbewohner und den Vorwurf der GeldwĂ€sche der Einnahmen aus dem umstrittenen Handel mit StaatsbĂŒrgerschaften und Visa. Die Fertigstellung war ursprĂŒnglich fĂŒr 2025 geplant, im Oktober 2022 nannte der Premierminister Roosevelt Skerrit 2026 als geplantes Fertigstellungsjahr.
    Am 9. November 2024 erfolgte der offizielle Erste Spatenstich auf der Baustelle des neuen Flughafens.
Verkehrswirtschaft
  • ÖPNV: es gibt einige v. a. private Busunternehmen, die regelmĂ€ĂŸige Linien anbieten
  • Taxis: Es gibt mindestens drei Taxiunternehmen
  • Autoverleih: vier Autoverleiher bieten ihre Dienste an
  • Schiffsverkehr: Es gibt einige FĂ€hren zu den Nachbarinseln. In der Handelsmarine sind 93 Schiffe registriert, darunter 30 Frachtschiffe, 19 Öltanker und 44 andere (2021)
  • Flugverkehr: keine eigenen Fluggesellschaften, aber diverse aus Nordamerika und Europa fliegen Dominica an

Tourismus

Der Tourismus wurde wichtiger, seit die Landwirtschaft an Bedeutung verloren hat. Die touristische Entwicklung geht jedoch nur zögerlich vonstatten, hauptsĂ€chlich wegen der rauen KĂŒste, des fast vollstĂ€ndigen Fehlens von SandstrĂ€nden (mit wenigen Ausnahmen an der WestkĂŒste, z. B. bei Salisbury) sowie des Nichtvorhandenseins eines internationalen Verkehrsflughafens.

Die EuropĂ€ische Union ist momentan Dominicas wichtigster Partner in der Förderung der Wirtschaft und des Tourismus. Zwischen 2002 und 2006 versuchte die Regierung mit dem Eco-Tourism Development Programme (ETDP), einem Förderprogramm fĂŒr den Ökotourismus in Zusammenarbeit mit der EU, den schrittweisen Aufbau einer ökologisch geprĂ€gten Tourismusbranche.

Die Versuche der Regierung, den Tourismus zu fördern, zeigen bisher wenig Erfolg. Die millionenschweren Investitionen, die in den Ausbau des Douglas-Charles Airport geflossen sind, werden von Kritikern als nutzlos betrachtet, da der Flughafen nach wie vor keine internationale Zulassung hat und nur kleine Maschinen aus den umliegenden Inseln dort landen können.

Im Dezember 2007 erhielt Dominica 36 Millionen XCD (ca. 9,1 Millionen Euro) als Fördermittel aus dem Entwicklungshilfeetat der EU.

Finanzwirtschaft

Seit den 1980er Jahren wÀchst die Finanzdienstleistungsbranche. Dabei spielt u. a. Offshore Banking eine Rolle.

Zu den hier angesiedelten Banken gehören: Scotiabank, Royal Bank of Canada, Cathedral Investment Bank, First Caribbean International Bank und The Interoceanic Bank of the Caribbean.

FĂŒr Aufsicht und Regulation ist die Financial Service Unit of the Commonwealth of Dominica (FSU) zustĂ€ndig, die dem Finanzministerium untergeordnet ist.

Seit Mitte der 1990er Jahre kommen Offshore-LĂ€nder (Steueroasen) unter zunehmenden Druck der OECD, die deren Steuerpolitik kritisierte und drohte, sie auf eine Schwarze Liste zu setzen, gegen die Sanktionen ausgesprochen werden sollen. Dominica konnte das verhindern, indem es seine Finanz- und Steuergesetze den Anforderungen der OECD anpasste und einem Informationsaustausch ĂŒber steuerflĂŒchtige BĂŒrger zustimmte.

Es wird angenommen, dass Dominica auslÀndischen Unternehmen Steuerfreiheit gewÀhrt. Wie viele Unternehmen davon profitieren, ist nicht bekannt, weil die Regierung strikte Vertraulichkeit einhÀlt. Allerdings ist bekannt, dass viele Internet-Unternehmen und Hedge Fonds Dominica zu diesem Zweck nutzen. Am 12. Juli 2012 hat Dominica eine Vereinbarung mit Polen getroffen, um solche Steuerinformationen auszutauschen.

Medienwirtschaft

Dominica verfĂŒgt ĂŒber zwei Tageszeitungen, The Sun und The Chronicle.

Historische Zeitungen sind u. a. The Dominican, The Dominica Guardian und der Dominica Colonist, die online bei Digital Library of the Caribbean kostenlos verfĂŒgbar sind.

Es gibt zwei nationale Fernsehsender und einige Radiostationen:

  • ZBC-AM 590
  • Radio En Ba Mango 93.5/96.9FM
  • ZGBC-AM 740,
  • ZGBC-FM 90.7 (Portsmouth)
  • ZGBC-FM 102.1 (Roseau)
  • ZGBC-FM 106.1 (Marigot)
  • Q95 FM
  • die Dominica Broadcasting Corporation
  • Kairi FM

Telekommunikationswirtschaft

Ab 2005 boten Digicel und das britische Unternehmen Orange (seit 2010 nicht mehr in Dominica tÀtig) Telekommunikationsdienstleistungen an. Eine Reihe von Mobilfunkanbietern sind im Land tÀtig, v. a. LIME und Digicel.

Im Jahr 2021 nutzten 82,4 Prozent der Einwohner Dominicas das Internet.

Kultur

Sport

Cricket ist der beliebteste Sport auf Dominica. Dominica ist eines der LĂ€nder, das mit anderen Karibikstaaten das West Indies Cricket Team bildet, eine der „Nationalmannschaften“ im internationalen Cricket mit Teststatus, der angesehensten Form dieses Sports. Das West Indies Cricket Team nahm an beinahe jedem Cricket World Cup teil, gewann die ersten beiden Austragungen 1975 und 1979 und verpasste lediglich das Turnier 2023. Außerdem gewannen sie den Men’s T20 World Cup zweimal (2012 und 2016) sowie je einmal die Champions Trophy (2004) und die U19-Cricket-Weltmeisterschaft (2016).

Special Olympics Dominica wurde in den spĂ€ten 1970er Jahren gegrĂŒndet und nahm mehrmals an Special Olympics Weltspielen teil.

Feiertage

BerĂŒhmte Dominicaner

  • Carissa Etienne (1952–2023), Direktorin der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation, Regionaldirektorin der WHO
  • Nasio Fontaine (* 1969), Reggae-Musiker
  • Prince Ital Joe (1963–2001), Reggae-Musiker
  • Philip Potter (1921–2015), GeneralsekretĂ€r des Ökumenischen Rats der Kirchen
  • Jean Rhys (1890–1979), Schriftstellerin
  • Patricia Scotland (* 1955), GeneralsekretĂ€rin des Commonwealth of Nations
  • Thea LaFond (* 1994), Goldmedaillengewinnerin im Dreisprung der Olympischen Spiele in Paris 2024

Literatur

  • Christian Cwik, Verena Muth: Dominica. In: Wolfgang Gieler, Markus Porsche-Ludwig (Hrsg.): Staatenlexikon Amerika: Geographie, Geschichte, Kultur, Politik und Wirtschaft. Peter Lang, Berlin 2018, ISBN 978-3-631-77017-7, S. 151–162.
  • Peter Hulme: Remnants of Conquest: The Island Caribs and their Visitors, 1877–1998. Oxford University Press, Oxford 2000, ISBN 0-19-811215-7.

Weblinks

  • Atlas: Dominica – geographische und historische Karten bei Wikimedia Commons
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Dominica
  • LĂ€nderinformationen – Dominica des deutschen AuswĂ€rtigen Amtes
  • Government of the Commonwealth of Dominica; offizielle Regierungsseite (englisch)
  • Discover Dominica (englisch)
  • CIA World Factbook: Dominica (englisch)

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (10)

Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Saint Andrew 15.633 15.445 -61.449 -61.269  
Saint David 15.51 15.317 -61.335 -61.249  
Saint George 15.346 15.254 -61.394 -61.304  
Saint John 15.634 15.503 -61.489 -61.408  
Saint Joseph 15.494 15.389 -61.455 -61.317  
Saint Luke 15.26 15.236 -61.373 -61.356  
Saint Mark 15.244 15.202 -61.376 -61.346  
Saint Patrick 15.333 15.212 -61.357 -61.254  
Saint Paul 15.405 15.313 -61.416 -61.327  
Saint Peter 15.534 15.466 -61.484 -61.406  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

Flagge: Dominica

Name englisch: Dominica
Hauptstadt: Roseau
Kfz: WD
ISO: DM
ISO3: DMA
Fläche: 754 km²
Tld: .dm
Wärung Einheit: XCD
Währung: Dollar
Vorwahl: +1-767

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 15.6400639
südlichster Punkt: 15.207682
westlichster Punkt: -61.4798301
östlichster Punkt: -61.2403035


 
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