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Staat Informationen : Dominica

Informationen:


Dominica (amtlich Commonwealth Dominica) ist ein Inselstaat in den Kleinen Antillen in der √∂stlichen Karibik. Der Staat erstreckt sich √ľber die gleichnamige Insel und ist Mitglied des Commonwealth of Nations. Neben der Amtssprache Englisch ist Antillen-Kreolisch, von den Einwohnern Patwa (Patois) genannt, als Umgangssprache verbreitet.

Landesname

In der Sprache der karibischen indigenen Bev√∂lkerung wurde die Insel wegen ihres gebirgigen Gel√§ndeprofils Ouaitocoubouli genannt (in anderer Transkription Wai'tukubuli, deutsch ‚Äěihr K√∂rper ist hoch‚Äú).

Die europäische Bezeichnung erhielt die Insel, weil Christoph Kolumbus sie nach dem Wochentag ihrer Entdeckung benannte, einem Sonntag (auf Latein: Dominica).

Territorium

Dominica liegt auf 15¬į18‚Ä≤N 61¬į23‚Ä≤W in der √∂stlichen Karibik. Als eine der Westindischen Inseln im √∂stlichen Inselbogen der Kleinen Antillen geh√∂rt Dominica zu den Inseln √ľber dem Winde.

Nach britischem Sprachgebrauch z√§hlt Dominica zu den ‚ÄěLeeward Islands‚Äú, womit der n√∂rdliche Teil jener Inselgruppe gemeint ist, die im Deutschen und anderen Sprachen als Inseln √ľber dem Winde bezeichnet wird. Da aber Dominica ungef√§hr in der Mitte des Inselbogens liegt, die Abgrenzung von n√∂rdlich gelegenen (englisch Leeward Islands) gegen√ľber weiter s√ľdlich liegenden (englisch Windward Islands) Inseln dieser Kette in etlichen Sprachr√§umen unterschiedlich gezogen wird und das westindische Englisch teilweise dem internationalen Sprachgebrauch folgt, wird Dominica auch als n√∂rdlichste der ‚ÄěWindward Islands‚Äú angesehen.

Dominica liegt zwischen den franz√∂sischen Karibikinseln zweier √úbersee-D√©partements: Guadeloupe im Norden und Martinique im S√ľden. Ungef√§hr 250¬†km im Westen befindet sich die unbewohnte venezolanische Insel Aves.

Die Insel Dominica ist knapp 49¬†km lang und nicht mehr als 23¬†km breit. Ihre Landfl√§che von 751 km¬≤ entspricht etwa der des Stadtstaats Hamburg. Ihre maritime Ausschlie√üliche Wirtschaftszone (umgangssprachlich auch 200-Meilen-Zone) umfasst 28.985 km¬≤, ihr K√ľstenmeer (12-Meilen-Zone) 659 km¬≤, ihr gesamtes Seegebiet damit 29.736 km¬≤. Damit liegt sie im weltweiten Vergleich auf Platz 124.

Eckpunkte Dominicas sind

  • N√∂rdlichster Punkt: unbenanntes Inselchen etwas N von Carib Point, Saint Andrew Parish
  • S√ľdlichster Punkt: K√ľste SO von Scotts Head, Saint Mark Parish
  • Westlichster Punkt: Pointe Ronde, Saint John Parish
  • √Ėstlichster Punkt: Pointe √† Peine, Saint David Parish

Physische Geographie

Geologie und Geomorphologie

Dominica liegt mit der Inselkette der kleinen Antillen am √∂stlichen Rand der Karibischen Platte, in der Subduktionszone, in der die S√ľdamerikanische Platte durch die Plattentektonik unter die Karibische Platte geschoben wird. Die Subduktion f√ľhrt seit Millionen von Jahren zu vulkanischer Aktivit√§t und Erdbeben, die bis heute vorkommen (s. Erdbeben in den kleinen Antillen 1974). Wie die gesamte Inselkette ist auch Dominica durch Vulkane entstanden. Ihre Entstehung begann im Oligoz√§n, vor ca. 26 Mio. Jahren, damit ist sie die j√ľngste der Antillen-Inseln. Wie die anderen Inseln ist sie der Gipfel eines Unterwasserbergs, der durch Anh√§ufung von Magma entstand.

Dominica hat mindestens neun potentiell aktive Vulkane, eine der weltweit h√∂chsten Konzentrationen. In den letzten 40.000 Jahren wiesen diese Dutzende, m√∂glicherweise Hunderte Eruptionen auf. In den letzten 350 Jahren gab es 14 von den Vulkanen ausgehende seismische Krisen mit unterirdischer Magmabewegung und Erdbeben. Eine der j√ľngsten seismischen Aktivit√§ten der Insel war ein Dampfausbruch im Valley of Desolation im Jahr 1997.

Die Oberfl√§che der Insel besteht fast vollst√§ndig aus pleistoz√§nen Ablagerungen mit der Ausnahme eines plioz√§nen Gebiets im Osten. Darunter findet sich vulkanischer Basalt aus dem Eoz√§n sowie Andesit und Rhyolith, die an manchen Stellen √ľber die Ablagerungen herausragen.

Einige der h√∂chsten Berge der Kleinen Antillen finden sich hier, teils von vulkanischen Kratern gekennzeichnet. Die h√∂chste Erhebung ist der Morne Diablotins mit 1447¬†m; er wird als zweith√∂chster Berg der Kleinen Antillen nur vom aktiven Vulkan Soufri√®re auf der benachbarten Insel Basse-Terre (eine von Guadeloupes Hauptinseln) √ľberragt. Die zweitgr√∂√üte Erhebung ist der Morne Trois Pitons mit 1,423 m. Die Landschaft ist eine der felsigsten und zerkl√ľftesten der Karibik. 80¬†% der K√ľste ist Steilk√ľste.

Die Kombination aus zerkl√ľfteter, vulkanischer Landschaft mit hohen Niederschl√§gen f√ľhrt zu bemerkenswerten Gew√§sser-Verh√§ltnissen. Auf Dominica findet sich mit dem Boiling Lake ein Kratersee, die weltweit zweitgr√∂√üten Hei√üwasserquelle, die von noch heute vorhandener vulkanischer Aktivit√§t im Untergrund zeugt. Daneben finden sich auf dem wasserreichen Dominica etwa 300 Fl√ľsse oder B√§che, Wasserf√§lle und etliche Seen wie der Freshwater Lake und der Kratersee Boeri Lake sowie weitere hei√üe Quellen.

Klima

Das Klima ist tropisch, gemäßigt durch nordöstliche Winde, mit schweren Regenfällen; Domenica ist eines der niederschlagsreichsten Länder der Welt.

Dies kann besonders in der Hurrikan-Saison zwischen Mai und November zu √úberschwemmungen und Erdrutschen f√ľhren. Im Weltrisikobericht 2021 ist Dominica auf Rang 4 der L√§nder mit dem h√∂chsten Katastrophenrisiko weltweit.

Wirbelst√ľrme:

  • Im November 1999 hinterlie√ü der Hurrikan Lenny eine Spur der Verw√ľstung an der Westk√ľste.
  • Im August 2007 w√ľtete der Hurrikan Dean auf der Insel und forderte mindestens zwei Todesopfer.
  • Im August 2015 kamen durch den tropischen Sturm Erika 39 Menschen ums Leben. Die materiellen Sch√§den infolge von Erika summierten sich auf 90¬†% des Bruttoinlandsproduktes des Vorjahres.
  • In der Nacht vom 18. auf den 19. September 2017 zog der Hurrikan Maria mit seinem Auge √ľber Dominica und hinterlie√ü gro√üe Verw√ľstungen. 65 Menschen kamen dabei ums Leben, darunter 34 Vermisste, die nicht gefunden werden konnten und f√ľr tot erkl√§rt wurden. Unmittelbar nach dem verheerenden Hurrikan kam es in vielen St√§dten der Insel zu Pl√ľnderungen, an denen auch Polizeibeamte beteiligt waren. Die Gesamtsch√§den inkl. Produktionsausf√§llen beliefen sich auf √ľber 1,4 Mrd. USD und damit auf fast das Doppelte des Bruttoinlandsproduktes von 2016.

Flora

Dominica tr√§gt den inoffiziellen Beinamen the nature island (‚Äědie Naturinsel‚Äú) wegen ihrer √ľppigen und artenreichen Tier- und Pflanzenwelt. Es wurden 1226 Pflanzenarten beschrieben.

50% der Insel sind von unber√ľhrtem immergr√ľnen Regenwald bedeckt, in h√∂heren Lagen findet sich Berg- und Nebelwald.

Fauna

Es wurden 172 Vogelarten beschrieben, darunter Kolibris, Breitfl√ľgelbussard, Krabbenreiher und Zitterdrosseln.

Dominicas Nationalvogel ist die Kaiseramazone, eine vom Aussterben bedrohte Papageienart, die in den Bergwäldern heimisch ist.

In der umgebenden karibischen See finden sich zahlreiche Wal-Arten, insbesondere Pottwale, die man an ruhigen Tagen beobachten kann, daneben auch Grindwale, Borneodelfine, Schlankdelfin und Tursiop-Delfine. Weniger h√§ufig sind Cuvier-Schnabelwal, Kleiner Schwertwal, Zwergpottwal, Kleiner Pottwal, Rundkopfdelfin, Gemeiner Delfin, Buckelwal und Brydewal. Dies macht Dominica interessant f√ľr die Walbeobachtung.

Bevölkerung

Demografie

Dominica hat im Jahr 2022 eine Einwohnerzahl von 74.629, im Jahr 2021 waren es ca. 72.000 Einwohner Aufgrund der starken Abwanderung (√ľberwiegend in andere karibische Inselstaaten, die USA und Kanada) betr√§gt die Wachstumsrate lediglich 0,184¬†%.

Quelle: UN

Hochbetagte

Auf Dominica leben ungew√∂hnlich viele Zentenare, also Menschen jenseits der hundert Lebensjahre. 2001 waren √ľber 20 amtlich erfasst, was einer Quote von einem Zentenar pro 3450 Einwohner entspricht (zum Vergleich: in Deutschland ist die Quote ca. 1 zu 12.200, Stand 2000, also fast 75¬†% geringer). Legenden ranken sich heute noch um einen der angeblich √§ltesten Menschen der Welt, die Dominicanerin Mione Elizabeth George Israel oder einfach Ma Pampo, die am 14.¬†Oktober 2003 im sagenhaften Alter von 128 Jahren auf Dominica gestorben sei. Es gibt jedoch bis dato kein Dokument, welches zweifelsfrei ihren Geburtstag (27.¬†Januar 1875) belegen k√∂nnte (siehe auch den Artikel √§ltester Mensch).

Ethnien

Die dominicanische Bevölkerung gliedert sich in folgende Gruppen: 86,8 % Schwarze, 8,9 % Mulatten, 2,9 % Kariben und 0,8 % Europäer.

Die Staatsangeh√∂rigen Dominicas werden laut StAGN als ‚ÄěDominicaner‚Äú bezeichnet, im Unterschied zu den Staatsangeh√∂rigen der fl√§chenm√§√üig um ein Vielfaches gr√∂√üeren, nordwestlich gelegenen Dominikanischen Republik, die ‚ÄěDominikaner‚Äú genannt werden.

Kariben

Die Karibik hat von diesen Indigenen ihren Namen, die sich dort Kalinago oder Kalinagos nennen. In einem Reservat (Kalinago Territory) im Osten Dominicas lebt die gr√∂√üte ann√§hernd homogene Population der Kariben weltweit. Die Zahlenangaben zu den unvermischten Indigenen dieses Reservats divergieren. Dominica Weekly nennt f√ľr das Jahr 2008 noch 1000 unvermischte Kariben. Abweichend hiervon beziffert eine Karibin die Anzahl der unvermischten Kariben im Reservat mit nur noch rund 300. Die britische Kolonialregierung richtete 1903 das Karibenreservat ein, ihr H√§uptling (chief) ist Garnet Joseph, der im Juli 2009 gew√§hlt wurde.

1902 schrieb Henry Hesketh Bell (1864‚Äď1952), der Verwalter der Insel, an Joseph Chamberlain, den britischen Kolonialminister (Secretary of State for the Colonies), es habe sich zur Zeit der Entdeckung auf einigen Inseln um eine ‚Äěmilde und sch√ľchterne Rasse‚Äú, auf den kleinen Inseln um kriegerische Kariben gehandelt, wie er von franz√∂sischen Historikern des 17. Jahrhunderts zu wissen glaubte. Durch ihren unbeugsamen ‚Äst‚Äěheldenhaften‚Äú¬†‚Äď Widerstand entgingen sie, so Bell, der Sklaverei auf den anderen Inseln. Er berichtet weiter, die Kariben seien als Eroberer vom Festland gekommen und h√§tten die ‚ÄěArrowak‚Äú unterworfen. Die T√∂chter h√§tten von nun an die Karibensprache, die S√∂hne jedoch die Arouak-Sprache gesprochen. Die Einwohnerzahl war aber insgesamt gering, die als ‚ÄěCarbet‚Äú bezeichneten D√∂rfer bestanden nie aus mehr als 30 H√ľtten und lagen an der K√ľste. Nur zur Jagd zogen die Kariben in die Berge. Sie bauten hochseet√ľchtige Kanus und gingen mit ihnen auf Fischfang. Dass sie auf Sklavenjagd gingen, kann wohl als gesichert gelten, doch ob die Ger√ľchte von Menschenfresserei eine wahre Grundlage hatten oder nur dazu dienten, die Spanier abzuschrecken, ist ungekl√§rt.

Jedenfalls war schon 1547 dies das Argument, mit dem die Versklavung der Kariben vom spanischen K√∂nig erlaubt wurde. Da sie jedoch als Sklaven wertlos waren ‚Ästsie starben lieber, denn als Sklaven zu leben¬†‚Äď, wurden sie sofort und ohne jede Kontaktaufnahme get√∂tet. Um 1600 beherrschten die Kariben nur noch Guadeloupe, Dominica und Martinique. Auch auf Dominica setzten sich Europ√§er fest, in diesem Fall Franzosen. Einer von ihnen, Du Tertre, gab f√ľr 1633 die Zahl der Kariben mit 938 an, die sich auf 32 D√∂rfer verteilten. Dagegen waren 349 Franzosen auf der Insel, hinzu kamen 23 Mulatten und 338 schwarze Sklaven. 1635 versuchten mehrere Karibenverb√§nde einen Angriff auf Guadeloupe, doch wurde er abgewehrt und dann als Vorwand genommen, die Kariben auf Guadeloupe auszurotten. Einige entkamen nach Dominica. Da man auf Martinique offenbar genauso vorging, kamen zahlreiche Fl√ľchtlinge nach Dominica, wo mittlerweile der Gro√üteil der Kariben lebte. Ihrer √úbermacht mussten wiederum die lokalen Franzosen weichen. 1666 r√§umten die Franzosen auch Antigua. Im Vertrag von Aachen von 1748, in dem die Besitzverh√§ltnisse auch in dieser Region geregelt wurden, erscheint Dominica als eine neutrale Insel, da sie keiner der Kolonialm√§chte geh√∂rte. Dennoch entstanden an der Westseite Dominicas franz√∂sische Siedlungen, und die Kariben konnten die Siedler nicht vertreiben. Briten unterst√ľtzten die Kariben gegen die Franzosen, doch sobald sie 1763 selbst Kolonialherren geworden waren, behandelten sie die Indianer selber wie es zuvor die Franzosen getan hatten. Nur ein winziges Gebiet von weniger als einem Quadratkilometer (232 Acre) sollte ihnen schlie√ülich bleiben. Doch die Kariben verteidigten erfolgreich das Binnenland und zu ihnen stie√üen entflohene Sklaven. 1791 existierten nur 20 bis 30 Familien und sie hatten sich in den Nordosten der Insel gefl√ľchtet, in die D√∂rfer Salybia und Bataka. Zudem sollen sie um diese Zeit den Kannibalismus aufgegeben haben. Am Ende des 19. Jahrhunderts waren sie so weit assimiliert, dass sie an Sonntagen, wie Bell schrieb, schwarze R√∂cke und hohe H√ľte trugen. Er sch√§tzte die Zahl der vollbl√ľtigen Kariben auf 120, dazu kamen rund 280 Mischlinge. Rochefort stellte 1665 ein knappes Glossar zusammen. Um 1900 war ihr H√§uptling Auguste Fran√ßois, doch nannte man ihn ‚ÄěOgiste‚Äú. Bell schlug vor, das Karibenreservat auf 3700 Acre (15¬†km¬≤) zu vergr√∂√üern.

Im Mai 2008 schlug Chief Charles Williams vor, Ehen zwischen den rund tausend Kalinagos, wie die Kariben in Abgrenzung zu den sonstigen im Reservat Lebenden genannt werden, und Nicht-Kalinagos zu verbieten, doch lehnte die Regierung das Programm zur Rettung der letzten Karibenpopulation ab, weil dies Freiheitsrechte einschränke.

Sprachen

Englisch ist die Amtssprache und wird allgemein verstanden und gesprochen. Das urspr√ľnglich in der ganzen Region gesprochene Inselkaribische oder Kalinago der einheimischen Kariben, ist seit 1920 ausgestorben. Dominica war zugleich die letzte Insel, auf der sie gesprochen wurde. Weit verbreitet ist Dominikanisches Kreolisch, eine Variante des Antillen-Kreolisch, das auf dem Franz√∂sischen beruht und auf die franz√∂sische Kolonialphase ab 1690 zur√ľckzuf√ľhren ist, in der eine Bev√∂lkerungsmehrheit franz√∂sisches Kreolisch sprach, sowie auf die Lage zwischen den zwei franz√∂sischsprachigen Inseln Martinique und Guadeloupe.

Seit 1979 ist Dominica ein Mitglied der Frankophonie. Dominikanisches Kreolisch ist in besonders in der √§lteren Generation im Gebrauch. In den j√ľngeren Generationen nimmt die Verwendung des Kreolischen ab, weshalb Initiativen gestartet wurden, es lebendig zu halten.

Religionen

Etwa 80¬†% der Bev√∂lkerung sind katholisch, 15¬†% protestantisch (5¬†% Methodisten, 3¬†% Pfingstler, 3¬†% Adventisten, 2¬†% Baptisten, 2¬†% Andere). Voodoo und voodoo√§hnliche Religionen sind ebenfalls verbreitet und werden oft parallel zu den christlichen Religionsbekenntnissen ausge√ľbt.

Geschichte

Vorgeschichte 3000/2000 v. Chr.‚Äď1493 n. Chr.

Mit der Ankunft der Europ√§er in der Karibik begann die schriftliche Dokumentation und Erforschung der indigenen Ethnien. Dabei haben der begrenzte Kenntnisstand, eine eurozentrische Sichtweise und koloniale Interessen der Europ√§er die Schriften der fr√ľhen spanischen, franz√∂sischen und englischen Chronisten √ľber die Indigenen beeinflusst, was zu vielen Vereinfachungen und Verzerrungen f√ľhrte. Die moderne Geschichtsschreibung, Arch√§ologie (einschl. DNA-Forschung) und Ethnologie haben ein differenzierteres Bild erarbeitet, das laufend erweitert und korrigiert wird. In der pr√§-kolumbianischen Epoche erlebte die Insel mehrere Siedlungswellen bzw. kulturelle Entwicklungen:

  • Casimiroiden-Kultur: benannt nach einer Ausgrabungsst√§tte auf Hispaniola. Diese fr√ľhen menschlichen Siedler der Region sind in der Karibik etwa 4190-2165 v.¬†Chr. nachgewiesen. Sie kamen laut DNA-Befunden urspr√ľnglich aus dem n√∂rdlichen S√ľdamerika, andere Hinweise deuten auf Mittelamerika. Sie begannen ihre Einwanderung von Westen hier und sind v.¬†a. in Kuba, Hispaniola und Puerto Rico nachzuweisen, ihre Verbreitung weiter √∂stlich auf andere Antillen-Inseln wird noch erforscht, sie haben m√∂glicherweise die kleineren Antillen (in denen Domenica liegt) erreicht. Sie waren Sammler und J√§ger, jagten zun√§chst Seetiere wie Robben, Seek√ľhe und Schildkr√∂ten sowie Landtiere wie Baumratten und Faultiere. Sp√§ter verfeinerten sie ihre Steinwerkzeuge und erschlossen sich den Fischfang. Nach manchen Quellen kannten sie weder Landwirtschaft noch T√∂pferei, nach anderen ernteten sie Wildgras und Obst, stellten einfache T√∂pferwaren her und betrieben m√∂glicherweise fr√ľhe Formen der Landwirtschaft.
  • Ortoiroiden-Kultur: benannt nach einer Ausgrabungsst√§tte beim Ortoire River auf Trinidad, wo sie seit 5000 v.Chr nachgewiesen sind. Sie kamen aus dem n√∂rdlichen S√ľdamerika, besiedelten die Karibik parallel zu den Casimiroiden, aber von S√ľden aus, und k√∂nnten die ersten Siedler auf Dominica gewesen sein. Je nach Quelle wird ihre Ankunft auf ca. 3100 v. Chr. oder auf etwa 2000 v. Chr. datiert. Auch diese Kultur war steinzeitlich, hatte jedoch entwickeltere Steinwerkzeuge. Auch sie ernteten nach manchen Quellen Wildgras und Obst, stellten einfache T√∂pferwaren her und betrieben m√∂glicherweise fr√ľhe Formen der Landwirtschaft.
  • Saladoidkultur: benannt nach einer Ausgrabungsst√§tte bei Saladero im M√ľndungsgebiet des Orinoco in Venezuela, wo sie sich laut manchen Quellen seit 2100 v.¬†Chr., laut anderen ab 1200 v.¬†Chr. nachweisen l√§sst. Etwa 500 v.¬†Chr. begannen sie die Besiedlung der Antillen, aufgrund ihrer halbnomadischen Brandrodungswirtschaft expandierten sie rasch und erreichten bald auch Dominica, wo mindestens 13 Ausgrabungsst√§tten Hinweise auf sie liefern. Sie betrieben Landwirtschaft, Gartenbau, Jagd und Fischerei sowie entwickelte T√∂pferei, stellten u.¬†a. aus Maniok das Cassava-Brot her. Hinweise deuten auf eine egalit√§re Stammeskultur. Sie geh√∂rten vermutlich zur Arawak-Sprachfamilie und hielten per Fernhandel Kontakt zu ihrem Ursprungsgebiet. Es wird noch erforscht, inwieweit sie auf Dominica die Ortoiroiden verdr√§ngten oder sich mit ihnen vermischten.
  • Troumassoiden-Kultur: benannt nach einer Ausgrabungsst√§tte in Troumass√©e auf St. Lucia. Unterschieden werden die Troumassan-Periode 600‚Äď1000 n. Chr. und die Suazan-Periode 1000‚Äď1450. Die erste Periode entwickelte sich in Domenica (und den anderen Windwards-Inseln) im Lauf des 6. Jahrhunderts allm√§hlich aus der Saladoid-Kultur, sie ist offenbar nicht durch eine Einwanderung entstanden; es wird vermutet, dass das allm√§hliche Bev√∂lkerungswachstum zu √Ąnderungen der Sozialstruktur und Kultur f√ľhrte. In der zweiten Periode entwickelt sich daraus eine komplexere, hierarchischere Gesellschaftsstruktur, es kommen soziale Ungleichheiten auf, erste Schritte zum H√§uptlingstum sind erkennbar, Fernhandel mit Karibik und S√ľdamerika ist nachgewiesen. Aus ihrer Sprache hat sich eine Variante des Taino entwickelt, einem Teil der Arawak-Sprachfamilie; Taino wurde bei der Ankunft der Europ√§er in mehreren Varianten im gr√∂√üten Teil der Karibik gesprochen. Mit den Troumassoiden verbundene arch√§ologische Funde h√∂ren in Domenica und den gesamten Windwards-Inseln abrupt um 1450 auf, was auf ein kriegerisches Ende der Kultur hinweist.
  • Kariben-Kultur: die Kariben sind eine s√ľdamerikanische Ethnie und Sprachfamilie; sie drangen ab etwa 1400 von S√ľden kommend in die Karibik vor. Sie verdr√§ngten und assimilierten in Domenica und den gesamten Windwards-Inseln (dem s√ľdlichen Teil der kleinen Antillen) die Taino. Als die Europ√§er eintrafen, hatten die Kariben bereits Inseln n√∂rdlich von Dominica erobert, z.¬†B. St. Kitts und Nevis. Die auf dem s√ľdamerikanischen Festland lebenden Kariben (die sich selbst Kalihna bzw. Galibi nannten) wurden von Ethnologen weiterhin so bezeichnet, die √ľbrigen Gruppen erhielten den Namen Insel-Kariben. Diese "Insel-Kariben", die sich selbst Kalinago nannten, vermischten sich mit der vorgefundenen Bev√∂lkerung so stark, dass sie letztlich eine Taino- bzw. Arawak-Variante sprachen, die wenig mit ihrer urspr√ľnglichen kontinentalen Sprache zu tun hat. Diese Ethnie kontrollierte Dominica ca. 1400 bis 1700 und auch sp√§ter noch gro√üe Teile der Insel, sie war ihr letztes R√ľckzugsgebiet, nachdem St. Vincent 1796 britisch geworden war und mehrere tausend von ihnen deportiert worden waren. Sie ist bis heute auf der Insel zu finden. Ihre europ√§ische Benennung "Kariben" ist aus dem Wort "Carib" abgeleitet, das ihrer Sprache entstammen und "tapferer Mann" bedeuten soll; m√∂glicherweise haben sie sich auch selbst so genannt. Aus dieser Benennung "Kariben" leiteten die Spanier auch die Bezeichnung f√ľr die gesamte Karibik ab.

Lange dominierte aufgrund der spanischen √úberlieferung die Annahme, dass auf Dominica zuerst die Ciboney oder Steinleute gelebt h√§tten, dann seien die friedlichen Arawak erschienen, die sp√§ter von den kriegerischen und kannibalischen Kariben ausgerottet worden seien. So berichteten spanische Chronisten, dass die Taino-Einwohner anderer Inseln sich f√ľrchteten "vor Leuten, die aus Carib oder Canib kamen", kriegerisch waren und Gefangene verspeisten, wodurch das Wort Caniba, Kannibalen, ins Spanische und von dort in viele Sprachen vordrang. Heute herrscht ein differenzierteres Bild vor:

  • Die Arawak sind eine s√ľdamerikanische Sprachfamilie, die (nicht nur friedlich) in die Karibik expandierte, wo sie das heute in der Karibik vorherrschende Taino entwickelte und seinerseits Varianten bildete. Sie wurden von den Kariben, auch auf Dominica, nicht einfach vernichtet und vertrieben, sondern auch assimiliert, wobei die Kariben die Taino-Sprache √ľbernahmen und umwandelten.
  • Die den Kariben von Kolumbus und anderen Chronisten unterstellten (und nach ihnen benannten) kannibalistischen Praktiken werden heute als √úbertreibung oder Falschbehauptung eingesch√§tzt, die dazu diente, ihre Vertreibung und Vernichtung zu rechtfertigen. Hinweise deuten darauf hin, dass die ritualisierten kannibalistischen Praktiken, falls sie vorhanden waren, sich bei Taino und Kariben √§hnelten. Es wird auch als m√∂glich angesehen, dass es sie nicht gab und kulturelle Praktiken wie die Aufbewahrung von K√∂rperteilen tapferer gegnerischer Krieger als Troph√§en und die Aufbewahrung und religi√∂se Verehrung von Knochen der Ahnen als Kannibalismus mi√üdeutet wurden. Ihre ber√ľchtigten Raubfahrten werden von manchen Autoren eher als Frauenraub gedeutet denn als Kannibalenfahrten.
  • Die Ciboney wiederum sind die westliche Taino-Gruppe auf Kuba, die sich dort durch kulturelle Mischungen entwickelte und nie auf Dominica war. Sie wurden fr√ľher h√§ufig mit den bis zur Ankunft der Europ√§er ebenfalls auf Kuba siedelnden Guanahatabey verwechselt, die als ein Rest der Casimiroiden betrachtet werden.

Europ√§ische Kolonisierungsversuche 1493‚Äď1690

Dominica wurde am 3.¬†November 1493 von Christoph Kolumbus auf seiner zweiten Reise entdeckt, er ging jedoch nicht an Land. Kolumbus benannte die Insel nach dem Wochentag ihrer Entdeckung, einem Sonntag (auf Latein: Dominica). Eines der Schiffe seiner Flotte erkundete die Inselk√ľste und fand u.¬†a. die heutige Prince Rupert Bay mit einer Kalinago-Siedlung.

Domenica hatte f√ľr die Spanier und die anderen kolonisierenden Europ√§er strategische Bedeutung, weil sie auf dem Seeweg von Europa nach Westindien das erste Land sowie reich an Holz und Wasser ist. Jedoch war Dominica aufgrund seiner bergigen, zerkl√ľfteten Landschaft, die von nicht schiffbaren Fl√ľssen durchzogen und von dichtem, fast undurchdringlichem Urwald bedeckt ist, jahrhundertelang eine uneinnehmbare "Naturfestung". Daher wurde lange Zeit nur selten ein Kolonisierungsversuch unternommen und nur sporadisch liefen Schiffe die Insel an, um Trinkwasser oder Holz zu laden oder den Indianern Obst abzukaufen. Die Europ√§er wandten sich anderen Inseln zu, die leichter zu erobern waren. Mit fortschreitender europ√§ischer Expansion in die Karibik fl√ľchteten Kariben von diesen eroberten Inseln nach Domenica bzw. wurden hierhin deportiert, was die indigene Kontrolle √ľber die Insel weiter verst√§rkte. Domenica wurde zum letzten R√ľckzugsgebiet der Kalinago. Aufgrund des hier besonders starken Widerstands wurde Domenica die letzte von Europ√§ern kolonisierte karibische Insel.

1503 erl√§sst die spanische Regierung die ersten Edikte, die spanischen Kolonisten in Hispaniola freistellen, Kariben s√ľdlich von Puerto Rico zu jagen und zu versklaven.

1514 trafen die nächsten spanischen Besucher ein, eine Flotte unter Pedro Arias de Avila. Am 3. Juni 1514 lief er mit 19 Schiffen und 1.500 Mann Besatzung in die gleiche Bucht ein. Beim Landgang wurden seine Männer aus dem Hinterhalt von den Indianern mit giftigen Pfeilen beschossen.

1519 wurde Dominica mit weiteren 20 Inseln durch die Spanier dem Bistum von Puerto Rico zugeteilt.

1520 erhält der spanische Ratsherr Antonio Serrano die Ernennung zum Gouverneur von Dominica und benachbarten Inseln und den Auftrag, sie zu kolonisieren, aber die Kalinago besiegen bei Guadeloupe seine Truppen und es findet keine Kolonisation statt.

1535 wird Dominica zum Rastplatz f√ľr die regelm√§√üig verkehrende spanische Schatzflotte auf ihrem Weg von Europa in die Karibik erkl√§rt. Der Ankerplatz ist die Bucht am heutigen Portsmouth "an der nordwestlichen K√ľste", die W√§lder, hei√üe Quellen und frisches Wasser bot. Danach teilten sich die Flotten, die eine H√§lfte segelte nach Carthagena und Panama, die andere nach Mexico.

1567 wurden die spanischen Silberschiffe ‚ÄěSan Juan‚Äú, ‚ÄěSanta Barbola‚Äú, ‚ÄěSan Felipe‚Äú und ‚ÄěEl Espiritu Santo‚Äú bei der Durchfahrt durch die Dominica-Passage von einem Wirbelsturm an die Nordk√ľste der Insel getrieben und sanken. Die Kalinago pl√ľndern die an den Strand geschwemmten Schiffe. Im gleichen Jahr gibt es die ersten Berichte √ľber geflohene afrikanische Sklaven und wei√üe Deserteure, die unter den Kalinago leben.

1568 Französische und englische Eindringlinge (im Sinne von Monopolbrecher) wie John Hawkins, Francis Drake und dem Duke of Cumberland beginnen, die Bucht als Rastplatz und Handelsort mit den Kalinago zu nutzen, um Tabak und Nahrung einzutauschen.

1607 rasten die drei englischen Siedlerschiffe Godspeed, Susan Constant und Discovery drei Tage auf Domenica. Sie sind im Auftrag der Virginia Company of London unterwegs, um in Virginia Jamestown zu gr√ľnden, die erste dauerhafte englische Siedlung in Nordamerika.

1627 schenkte der englische König Karl I. seinem Höfling James Hay, 1st Earl of Carlisle sämtliche karibischen Inseln, darunter auch Dominica. Obwohl James Hay sehr an den Kolonien interessiert war und Plantagen in Neuengland besaß, war das nur ein theoretisches Eigentum, dessen tatsächliche Durchsetzung von den realen militärischen Verhältnissen abhing, weshalb keine reale Kolonisation stattfand. Offiziell beanspruchte England die Insel bis 1748, als es Dominica an Frankreich abtrat.

1632 beanspruchte das französische Unternehmen Compagnie des Îles de l'Amérique Dominica und andere Antillen-Inseln, es fand jedoch keine Besiedlung statt.

1642 wurden die beiden katholischen Missionare Raymond Breton und Charles Raymond im Auftrag des Dominikanerordens von Guadeloupe aus nach Dominica geschickt, um die Kalinago zum Christentum zu bekehren. Breton besuchte Dominica bis 1650 wiederholt. Damit wurde er der erste regelm√§√üige europ√§ische Besucher der Insel. Er feiert die erste Messe in Itassi (Vieille Case) und baut die erste Kirche, in der Form eines taboui der Kalinago, in Colihaut. Nach seiner R√ľckkehr nach Frankreich 1654 verfasste er vier B√ľcher √ľber die Karibik, darunter 1665 das ‚ÄěDictionnaire Caribe - Francais‚Äú und 1667 eine Karibische Grammatik. Dort weist er u.¬†a. darauf hin, dass die Frauen nur Arawak sprachen, w√§hrend die M√§nner sowohl Arawak als auch Carib sprachen. Er berichtet, dass sie sich selbst "Callinago" nannten (oder Calliponan in der Frauensprache).

1653 greifen franz√∂sische Truppen unter Captain Du M√© zur Vergeltung f√ľr einen Kalinago-Angriff auf eine franz√∂sische Siedlung auf Mariegalante ein Kalinago-Dorf an Dominicas Nordk√ľste an, das heutige Anse Du M√©, und massakrieren die Einwohner.

1655 wurde Pater Phillipe de Beaumont als Nachfolger von Raymond Breton auf die Insel geschickt. Er schlug dem Gouverneur der franz√∂sischen Karibikinseln vor, mit den Carib-Indianern Frieden zu schlie√üen und ihnen die Inseln Dominica und St. Vincent zu √ľberlassen.

1660 treffen Kalinago, Franzosen und Engl√§nder am 31.¬†M√§rz die Vereinbarung, Dominica und St. Vincent den Kalinago zu √ľberlassen.

Trotzdem ging der Kleinkrieg mit den 'Caribs' weiter, denn die nat√ľrlichen Ressourcen zogen englische und franz√∂sische Holzf√§ller an, die anfingen, Holz zu schlagen. Die Kalinago konnten weitgehend die Kontrolle √ľber Dominica behalten, auch indem sie die rivalisierenden Europ√§er gegeneinander ausspielten und teils von Franzosen, teils von den Engl√§ndern unterst√ľtzt wurden. Doch diese K√§mpfe und europ√§ische Krankheiten reduzierten ihre Anzahl erheblich. 1647 hatte man noch 5.000 gez√§hlt, um 1700 waren es nur noch 2.000, bis 1713 ging die Zahl auf 500 zur√ľck und 1730 waren es nur noch 400.

1664 unterst√ľtzt der britisch-karibische H√§uptling Thomas 'Indian' Warner (auch 'Carib' Warner genannt) einen britischen Angriff auf franz√∂sische Siedler in St. Lucia; er f√ľhrt 600 Kalinago-Krieger in 17 Kanus von Dominica in die Schlacht. 'Indian' Warner war ein Sohn des "Erkunders von St. Kitts", Sir Thomas Warner, der auf St. Kitts die erste englische Kolonie in der Karibik einrichtete, mit seiner vierten Frau, einer Kalinago aus Dominica. 1930 geboren, wurde er von seinem Vater in dessen Haushalt aufgezogen. Nach dessen Tod 1649 wollte ihn die dritte Frau des Vaters nicht l√§nger im Haushalt dulden, obwohl ihn sein Halbbruder Phillip verteidigte. Indian Warner floh nach Domenica, wo er von einem Kalinago-Dorf an der Westk√ľste aufgenommen wurde, ihre Lebensweise annahm und sp√§ter zum H√§uptling wurde.

1665 wurde Indian Warner von William Willoughby, 6th Baron Willoughby of Parham, von 1667 bis 1673 Gouverneur von Barbados, zum englischen Lieutenant Governor Dominicas ernannt, in der Hoffnung, die englische Kontrolle √ľber die Insel zu erreichen.

1666 wurde Indian Warner von den Franzosen gefangen genommen und in der Haft in Guadeloupe und St. Kitts misshandelt.

1667 wird am 9. Dezember Indian Warner von den Franzosen in der Folge eines Friedensvertrags freigelassen und von Gouverneur Willoughby wieder als Lieutenant Governor von Dominica eingesetzt.

1674 √ľberfielen die Kalinago von Dominica die Insel Antigua. Als Vergeltung griff Warners Halbbruder Philip Warner, seit 1671 Lieutnant Governor in Antigua, mit englischen Truppen das Dorf von Carib Warner an, t√∂tete seinen Bruder am Anfang der Schlacht und massakrierte die Einwohner. Die Franzosen nannten diesen Ort sp√§ter Massacre. Phillip Warner wurde 1675 f√ľr den Mord an seinem Bruder und dem Massaker an dessen Stamm zu 18 Monaten Gef√§ngnis verurteilt und verlor 1676 seinen Posten als Lieutenant Governor von Antigua. Dort hatte er jedoch so viel Zustimmung, dass er sp√§ter zum Parlamentssprecher gew√§hlt wurde.

Auch in den folgenden acht Jahren griffen die Kalinago Dominicas europäische Siedler auf den Inseln Barbuda und Montserrat an.

Franz√∂sische Kolonie 1690‚Äď1761

1690 errichteten die Franzosen ihre erste dauerhafte Siedlung auf Dominica. Französische Holzfäller aus Martinique und Guadeloupe richteten Holzfällerlager ein, um die französischen Inseln mit Holz zu versorgen, und wurden allmählich zu dauerhaften Siedlern. Sie brachten die ersten afrikanischen Sklaven aus Westafrika nach "Dominique", wie sie die Insel nannten.

1700 besucht der franz√∂sische Priester Jean Baptiste Labat Dominica und trifft die Kalinago der Ostk√ľste.

1715 kam es zu einer Revolte armer wei√üer Kleinbauern im Norden von Martinique, die als La Gaoul√© bekannt wurde. Sie l√∂ste eine Einwanderung dieser Siedler ins s√ľdliche Dominique aus, wo sie kleine Bauernh√∂fe aufbauten. Gleichzeitig siedelten franz√∂sische und andere Familien aus Guadeloupe im Norden Dominicas.

1727 √ľbernahm der erste franz√∂sische Kommandant M. Le Grand die Befehlsgewalt und installierte erste Regierungsstrukturen. Dominique wurde formell zur franz√∂sischen Kolonie und die Inseln wurden in Distrikte bzw. "quartiers" unterteilt. Der Jesuitenorden legt eine Plantage bei Grand Bay (heute Berekua) an.

Die Franzosen hatten bereits Plantagen auf Martinique und Guadeloupe eingerichtet, wo sie Zuckerrohr mit Hilfe afrikanischer Sklavenarbeiter anbauten. Auf Dominique bauten sie schrittweise Kaffeeplantagen auf. Aufgrund des transatlantischen Sklavenhandels änderte sich die Bevölkerungsstruktur völlig, die Bevölkerung bestand bald hauptsächlich aus schwarzafrikanischen Sklaven.

1731 befahlen die K√∂nige von England und Frankreich, dass die franz√∂sischen Sieder von Dominica evakuiert und die Insel den Kalinago √ľberlassen werden sollten.

1748 vereinbarten Frankreich und England im Frieden von Aachen, Dominica als neutrales Territorium zu betrachten und den Kalinago zu √ľberlassen.

Dennoch fuhren die Franzosen fort, die reiche Insel zu kolonisieren.

Englische Kolonie 1761‚Äď1978

1761 eroberte während des europäischen Siebenjährigen Kriegs eine Britische Expedition unter Lord Andrew Rollo und Sir James Douglas Dominica und weitere karibische Inseln. Sie warfen den Franzosen vor, den Vertrag von Aachen von 1748 gebrochen zu haben. Sie eroberten am 6. Juni die Siedlung Roseau und besetzten die Insel. Viele afrikanische Sklaven nutzten das Durcheinander und flohen in die Wälder.

1763 hatte Frankreich den Krieg verloren und √ľbergab im Friedensvertrag von Paris die Insel an Gro√übritannien. Dominica war nun offiziell britische Kolonie. Im gleichen Jahr richteten die Briten eine gesetzgebende Versammlung ein, in der nur europ√§ische Kolonisten vertreten waren. Franz√∂sisch blieb Amtssprache, aber der gr√∂√üte Teil der Bev√∂lkerung sprach das daraus entstandene Antillen-Kreolisch. In der Bev√∂lkerung war eine Gegnerschaft zur britischen Herrschaft verbreitet, insbesondere bei den freien farbigen Menschen ("free people of colour"). Auch waren im Lauf des 18. Jahrhunderts Maroon-Gemeinschaften entstanden, in denen sich entflohene schwarze Sklaven mit den indigenen Kalinago in unzug√§nglichen dicht bewaldeten R√ľckzugsgebieten zusammentaten. Bis zur Aufhebung der Sklaverei standen sie in st√§ndigem Konflikt mit den britischen Kolonialbeh√∂rden, kontrollierten noch f√ľr weitere Generationen im 18. und 19. Jahrhundert ein eigenes Territorium von ca. 170 km¬≤ im Landesinnern und verhinderten 1763 bis 1818 mit h√§ufigen Kriegsz√ľgen eine Expansion der europ√§ischen Kolonisation √ľber einen schmalen K√ľstenstreifen hinaus.

1764 teilen britische Landvermesser die Insel in Parzellen auf, um Grundst√ľcksverk√§ufe vorzubereiten. John Byres zeichnet 1776 die "Byres map", die die Grundlage allen k√ľnftigen Landbesitzes in Dominica wird. Die Insel wird auch in die bis heute g√ľltigen Distrikte ("parishes") aufgeteilt. Tausende Hektar Land (gemessen in Acre) werden f√ľr Zucker- und Kaffeeplantagen gerodet und der Import afrikanischer Sklaven steigt rasch an.

1765 wird eine erste Lokalregierung eingerichtet, als Teil der f√∂derierten Kolonien der s√ľdlichen Karibik mit Hauptstadt in Grenada. Portsmouth wird als Hauptstadt des britischen Dominica geplant und angelegt, der Bau der dortigen Garnison Fort Shirley beginnt. Erste Gesetze werden verabschiedet, ein Gericht berufen, eine Druckerpresse importiert und die Anglikanische Kirche zur Staatskirche zur Staatskirche erkl√§rt. Im gleichen Jahr wird die Insel von Naturkatastrophen schwer getroffen: Erdbeben im April und Mai und sp√§ter im Jahr ein Hurrikan. 1766 erholt sich die Bev√∂lkerung, im britisch kontrollierten Gebiet werden 2020 Wei√üe und 8497 Sklaven gez√§hlt.

1768 wird das Gebiet von Portsmouth als ungesund erachtet und es beginnen Planungen f√ľr eine Hauptstadt in Roseau.

1770 fordern die dominicanischen Kolonisten ihr eigenes Parlament und die Insel wird selbständige Kolonie mit Sir William Young als erstem Gouverneur.

1773 werden im britisch kontrollierten Bereich 3350 Weiße, 750 freie farbige Menschen und 18.753 Sklaven gezählt.

1776 fordert Gouverneur John Orde die Regierung in London auf, Dominicas Verfassung von 1775 abzuschaffen, um das Parlament aufzulösen.

1778 nutzten die Franzosen den Amerikanischen Unabh√§ngigkeitskrieg und eroberten am 7. September mit Truppen unter Marquis de Bouille und aktiver Unterst√ľtzung der Bev√∂lkerung die Insel kurzzeitig zur√ľck. Marquis Duchilleau wird zum Gouverneur ernannt, 5000 franz√∂sische Soldaten auf Dominica stationiert und Gesetze gegen die britischen Einwohner erlassen.

1780 richtet am 10. Oktober ein Hurrikan schwere Schäden an. Im französisch kontrollierten Bereich werden 1066 Weiße, 543 freie farbige Menschen und 12.713 Sklaven gezählt.

1781 wird Roseau durch ein Feuer zerst√∂rt, 500 H√§user gehen verloren. Die franz√∂sischen Truppen werden daf√ľr verantwortlich gemacht und der franz√∂sische Gouverneur wird ausgetauscht.

1782 findet bei einigen Inselchen vor der Nordostk√ľste von Dominica am 12.¬†April die Schlacht von Les Saintes statt. Die franz√∂sische Marine unter Admiral Fran√ßois Joseph Paul de Grasse verliert gegen die britische Navy unter Admiral George Rodney.

1783 mussten die Franzosen Dominica im Frieden von Paris wieder an England zur√ľckgeben.

1784 erreicht der neue britische Gouverneur, Sir John Orde, 1st Baronet, im Januar Dominica und √ľbernimmt die Insel wieder f√ľr Gro√übritannien.

1785-1786 kommt es zum Ersten Maroon-Krieg, einem Aufstand von Maroons unter Häuptling Balla und anderen. Sie greifen das Gut Rosalie an und die britischen Truppen antwortet mit einem Gegenangriff auf Maroon-Lager bei Belles. Bekannte Frauen wie Angelique, Calypso und Victorie werden gefangen genommen und vor Gericht gestellt. 150 Maroons werden getötet. Häuptling Balla wird gefangen und öffentlich hingerichtet. Der Sklave des Belfast-Landgutes, der ihn fing, erhält die Freiheit und 165 britische Pfund.

1787 kommen die ersten Methodisten-Missionare unter Thomas Coke die Insel. Im britisch kontrollierten Bereich werden 1236 Weiße, 545 freie farbige Menschen und 14.967 Sklaven gezählt.

1788 im Parlament (House of Assembly) wird ein Gesetz zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Sklaven verabschiedet.

1791 revoltieren Sklaven im S√ľden und Osten der Insel, v.¬†a. im St. Patrick Parish. Gouverneur Sir John Orde unterdr√ľckt die Revolte und erh√§lt Danksagungen von Parlament und Plantagenbesitzern.

1795 versuchten die Franzosen w√§hrend der Haitianischen Revolution, bei der Frankreich seine reichste karibische Kolonie in die Unabh√§ngigkeit entlassen musste, vergeblich, Dominica zur√ľckzuerobern. Franz√∂sische Revolutionsstreitkr√§fte greifen die Insel an der Nordk√ľste an. Franz√∂sische Sympathisanten von Colihaut revoltieren und versuchen, durch den Urwald zu marschieren, um sich den Invasionstruppen anzuschlie√üen. Das misslingt und die Briten schlagen die Angreifer zur√ľck. 600 franz√∂sische Einwohner werden von Dominica deportiert.

1796 gr√ľndet Gouverneur Andrew James Cochrane Johnston angesichts der Schwierigkeiten der britischen Truppen, die Maroons zu bek√§mpfen, das erste Schwarze Regiment der Westindischen Regimenter. Es wird aus afrikanischen Sklaven gebildet, die eigens daf√ľr gekauft und f√ľr die Verteidigung der Kolonie ausgebildet wurden. Sie werden in der Garnison Fort Shirley in Cabrits bei Portsmouth stationiert.

1799 beschließt das Parlament ein Gesetz, das die Teilnahme der Sklaven an Gottesdiensten erlaubt.

1802 revoltiert das 8th West India regiment in Fort Shirley, die Sklaven-Soldaten emp√∂rten sich √ľber die Arbeitsbedingungen und f√ľrchteten die R√ľckversetzung auf Plantagen. Sie √ľbernehmen das Fort f√ľr drei Tage. Gouverneur Cochrane setzt das K√∂nigliche Schottische Regiment aus Roseau ein, das die Revolte niederschl√§gt. Ein gro√üer Teil der Sklaven-Soldaten fl√ľchtete in die Berge und vereinigt sich mit den Maroons, 34 von ihnen werden geh√§ngt. Das Regiment wird von Gouverneur Cochrane aufgel√∂st.

1804 wird Gouverneur Cochrane aufgrund dieses Aufstands abgelöst, George Prevost wurde sein Nachfolger.

1805 findet der letzte franz√∂sische Angriff auf Dominica statt. Truppen unter General La Grange fallen von Martinique aus ein, erobern Roseau und brennen es nieder. Die Parlamentsmitglieder werden als Geiseln genommen, ein L√∂segeld von 20.000 Pfund wird verlangt, aber nur 8000 Pfund werden gezahlt. Englische Truppen unter Gouverneur George Prevost eilen quer durch die Insel durch das "Carib quarter" nach Cabrits und bereiten die dortige Garnison auf einen Angriff vor. Die franz√∂sischen Schiffe n√§hern sich Cabrits, aber entscheiden sich, den Angriff abzubrechen; die franz√∂sischen Truppen ziehen sich von Dominica zur√ľck, das unter britischer Kontrolle bleibt. Im gleichen Jahr wird Dominica offiziell zur britischen Kolonie erkl√§rt. Im britisch kontrollierten Bereich werden 1594 Wei√üe, 2882 freie farbige Menschen und 22.083 Sklaven gez√§hlt.

1806 trifft am 9. September ein verheerender Hurrikan die Insel, der Roseau-Fluss schwillt an und √ľberflutet die Hauptstadt, zahlreiche H√§user werden weggeschwemmt und 131 Personen get√∂tet.

1807 setzte sich in Großbritannien die Abolitionismus-Bewegung durch, das Londoner Parlament verbot mit dem Slave Trade Act den Sklavenhandel im britische Empire, aber noch nicht die Sklavenhaltung.

1809 greifen bewaffnete Sklaven ein Maroon-Lager an und vernichten es.

1812 lebten 800 Maroons in 15 Lagern. Im gleichen Jahr wurde ein neuer Gouverneur ins Amt eingef√ľhrt: George Robert Ainslie. Als eine der ersten Amtshandlungen versprach er eine Amnestie f√ľr Maroons, die den Kampf aufgeben.

1813 trifft ein weiterer zerstörerischer Hurrikan Dominica.

1814-1815 kommt es zum Zweiten Maroon-Krieg, √ľberall auf der Insel kommt es zu Aufst√§nden der Maroon. Gouverneur George Robert Ainslie ordnet massive Vergeltungsma√ünahmen an. Der alte Maroon-H√§uptling Jacko wird get√∂tet. Verhaftungen, Erh√§ngungen und andere Bestrafungen finden statt. Zwischen Februar und November 1814 wurden insgesamt 577 Maroons get√∂tet, festgenommen oder sie ergaben sich. Mit dem Ende dieses Kriegs endet offenbar generell der bewaffnete Widerstand von Kalinago und Maroons. Ainslie wird nach England zur√ľckgerufen, um sich Anklagen wegen √ľbertriebener Grausamkeit zu stellen.

1818 fordert Gouverneur Charles William Maxwell, Dominica den Status einer von außen regierten Kronkolonie zu geben und das Parlament abzuschaffen, das er als "Nest von Idioten und Unzufriedenen" ("nest of fools und malcontents") bezeichnet.

1822 werden in Dominica Gesetze verabschiedet (Amelioration Acts), die die Lebensbedingungen der versklavten Bevölkerung verbessern sollen.

1823 forderte Gouverneur Earl of Huntingdon, Dominicas Verfassung zu ändern, um die Zahl ihrer Mitglieder von 19 auf 13 zu senken. Er habe seine "frommen Hoffnungen" aufgegeben, das Parlament "in einer der radikalsten Kolonien" kontrollieren zu können und bat um sofortige Versetzung auf einen beliebigen anderen Posten im Empire ("anywhere in the world").

1825 trifft ein weiterer verheerender Hurrikan die Insel.

1829 wird ein Gesetz verabschiedet, das Katholiken von den Beschränkungen befreit, die ihnen die protestantische britische Regierung auferlegt hatte, und ihnen erlaubt, voll am öffentlichen und politischen Leben teilzunehmen.

1931 wird ein Gesetz verabschiedet, das "Brown Privilege Bill", das alle Benachteiligungen aufgrund von Hautfarbe f√ľr alle freien Menschen abschafft. Das betrifft im Wesentlichen die Bev√∂lkerungsgruppe der freien farbigen Menschen (free people of colour). Hauptexportprodukt war zu dieser Zeit Kaffee, der rund ein Drittel des Ausfuhrwertes ausmachte.

1832 wird Dominica der Verwaltungseinheit Leeward-Islands zugeteilt und nun von St. John aus verwaltet, der Hauptstadt von Antigua. Im gleichen Jahr wirkt sich die im Vorjahr verabschiedete Brown Privilege Bill politisch aus: es werden die ersten drei farbigen Männer in das Parlament gewählt.

1833 verbietet das Londoner Parlament mit dem Slavery Abolition Act die Sklavenhaltung im Britischen Empire.

1834 erhalten am 1. August s√§mtliche Sklaven im Empire die Freiheit. Allerdings wird eine vierj√§hrige √úbergangszeit verordnet ("apprenticeship period" genannt), w√§hrend der die ehemaligen Sklaven weiter auf den Plantagen arbeiten m√ľssen, nun allerdings gegen Lohn. Im September verw√ľstet "The Great Hurricane" die Insel.

1835 fliehen viele Sklaven der benachbarten französischen Kolonien auf Guadeloupe und Martinique nach Dominica.

1837 setzt die Royal Navy versklavte Afrikaner, die sie von ausländischen Schiffen befreite, auf Dominica ab. Diese siedeln als freie Menschen an verschiedenen Stellen der Insel.

1838 endet am 1. August die √úbergangszeit des Slavery Abolition Act und die farbige Bev√∂lkerung erh√§lt nun die volle Freiheit. Es verbreitet sich das Gef√ľhl, nun eine freie Gesellschaft aufzubauen. An den R√§ndern der Plantagen-Landg√ľter entstehen neue D√∂rfer. Im gleichen Jahr erreichten die Mulatten erstmals eine Mehrheit im Parlament Dominicas, das erste Mal im britischen Empire.

Mit der Befreiung der Sklaven beginnt eine Umwandlung der Sozialstruktur. Zum einen entsteht eine neue Klasse von freien Bauern. Zum andern steigt eine Schicht gebildeter farbiger Menschen auf, was sp√§ter "der Aufstieg der Mulatten" (The Mulatto Ascendency oder The Rise of the Mulatto √Člite) genannt wurde, und k√§mpft mit der herrschenden Klasse der wei√üen Plantagenbesitzer um die Macht, die verb√ľndet sind mit den wei√üen Amtsinhabern in der Exekutive (Beamte in Beh√∂rden) und Legislative (Staatsanw√§lte, Richter usw.) sowie mit st√§dtischen wei√üen Unternehmern (z.¬†B. Anw√§lten, H√§ndlern und dem Besitzer der einzigen Zeitung). Dieser Kampf um den Einfluss auf das Parlament und die Gesellschaft pr√§gt nun Dominica f√ľr den Rest des 19. Jahrhunderts und dar√ľber hinaus.

1839 erreicht der Farbige George Charles Falconer Dominica. 1819 in Barbados geboren, lernt er zun√§chst das Tischler-, dann das Druckerhandwerk. Dadurch in Kontakt mit B√ľchern gekommen, bildete er sich autodidaktisch fort. Er verlie√ü das √ľberv√∂lkerte Barbados und fand in Dominica eine aufgeheizte Atmosph√§re vor. Die freien farbigen Menschen, die nun die Mehrheit im Parlamenten hatten, versuchten Verbesserungen f√ľr die farbige Bev√∂lkerungsmehrheit durchzusetzen, aber scheiterten h√§ufig an den parlamentarischen Tricks der Plantagenbesitzer und ihrer Verb√ľndeten im Parlament und im "Council" (einer Art Oberhaus des Parlaments). Deren Sichtweise, die Farbigen "an ihrem Platz" zu halten, wurde auch von der einzigen Tageszeitung Dominicas unterst√ľtzt, "The Colonist" unter Besitzer Thomas Doyle. George Charles Falconer entschied, eine Zeitung zu gr√ľnden, die die Sichtweise der farbigen Bev√∂lkerungsmehrheit vertreten sollte. Mit einiger Geheimhaltung importierte er eine h√∂lzerne Druckerpresse von Nevis und im Oktober 1939 erschien die erste Ausgabe des "The Dominican" mit dem Motto "Deo, Regina et Populo". Falconer war Eigent√ľmer und Redakteur, Francis Coquille Verleger und Drucker. Die Zeitung erschien bis 1907. Damit formen sich eine konservative und eine liberale politische Str√∂mung. Falconer wird zu einem Wortf√ľhrer und schlie√ülich parlamentarischem Anf√ľhrer der Liberalen. Im Lauf der Konflikte des 19. Jahrhunderts gelingt den Konservativen eine schrittweise Entmachtung des Parlaments und damit der Vertreter der farbigen Bev√∂lkerungsmehrheit, die ihren Gipfelpunkt 1898 erreicht.

1844 finden Aufst√§nde gegen die Volksz√§hlung statt, "Census Riots" und "La Guerre Negre" genannt. Die arbeitende Bev√∂lkerung hegte den Verdacht, dass die erste Volksz√§hlung dazu dienen soll, die Namen aller Farbigen zu erfassen, um die Sklaverei wieder einzuf√ľhren. Die Miliz unterdr√ľckt die Aufst√§nde.

1850 wird die römisch-katholische Diözese von Roseau eingerichtet, der erste Bischof ernannt. Sie deckt die Leeward Islands und die Jungferninseln ab. Es beginnt eine intensive Evangelisierung und Taufen auf der ganzen Insel.

1856 finden die "Aufst√§nde von Batalie" statt (Batalie Riots), als Menschen bei Batalie (einschlie√ülich "The Queen's Three Chains") Land besetzen. Im gleichen Jahr wird eine Steuer zur Finanzierung der Stra√üenreparatur eingef√ľhrt (Road Tax bzw. umgangssprachlich "Traveau"), gegen die sich Protest richtet, weil es die erste Steuer war, die allen B√ľrgern auferlegt wurde und verlangte, dass sie entweder einige Tage pro Jahr im Stra√üenbau arbeiteten oder stattdessen Geld f√ľr die Reparatur zahlten.

1857 landen die ersten katholischen Nonnen (aus Norwood in England) die Insel und eröffnen eine Klosterschule (Convent School).

1863 wird George Charles Falconer, inzwischen Mitglied im Unterhaus des Parlaments, aufgrund einer Rede im Parlament f√ľr drei Tage verhaftet, weil der Parlamentspr√§sident sein Verhalten als "Missachtung des Parlaments" empfand. Falconer reichte dagegen Klage ein, die 1866 vor dem Privy Council in London verhandelt wurde.

1865 wird Dominica auf Forderung der weißen Plantagenbesitzer zur Kronkolonie erklärt, um das von Farbigen kontrollierte Parlament Dominicas zu entmachten. Dies wird aber nur teilweise umgesetzt. Das gewählte Parlament wird ersetzt durch eines, das zur Hälfte aus gewählten und zur Hälfte aus ernannten Mitgliedern besteht.

1871 wird Dominica ein vollg√ľltiges Mitglied der kolonialen Verwaltungseinheit Leeward Island, die von Antiqua aus regiert wird.

1880 bricht aus dem Boiling Lake eine Dampfsäule aus (phreatische Eruption), die Roseau mit Asche bedeckt und Angst in der Stadt verbreitet.

1888 verursachen eine Grundsteuer und weitere Steuern große Kontroversen.

1898 wurde der bereits 1865 beschlossene Status Dominicas als Kronkolonie durch Entsendung des Verwalters Sir Hesketh Bell praktisch umgesetzt.

1914-1918 meldeten sich Freiwillige aus Dominica, um im Ersten Weltkrieg in der britischen Armee in Europa zu kämpfen, v. a. Söhne von Kleinbauern.

1938 gab der Staat dem politischen Druck der Farbigen nach und Parteigr√ľndungen wurden erlaubt.

1951 schaffte man das Wahlrecht ab, das sich am Verm√∂gen orientierte, und ersetzte es durch ein gleiches Wahlrecht. Dabei wurde auch das Frauenwahlrecht eingef√ľhrt. Es wurde bei der Unabh√§ngigkeit 1978 best√§tigt.

Es entstanden Parteien und 1957 erhielt die Insel ihren ersten Chief Minister. 1957/58 entstand die Westindische Föderation, die jedoch 1962 aufgelöst wurde. 1967 erhielt die Insel eine begrenzte Selbständigkeit, denn die Verteidigungs- und Außenpolitik blieb bei Großbritannien.

Unabhängige Republik seit 1978

Am 3. November 1978 wurde schließlich die Unabhängigkeit von Großbritannien proklamiert, seit dem 8. Dezember 1978 ist Dominica Mitglied der Vereinten Nationen.

Erster Premierminister wurde Patrick John von der sozialdemokratischen DLP (Dominican Labour Party). Seine Regierungszeit war gepr√§gt von pers√∂nlicher Vorteilsnahme und Korruption, was unter anderem zu blutigen Demonstrationen und zur Gr√ľndung der konservativen Partei "Dominican Freedom Party" (DFP) f√ľhrte. Ein nationales Notstandskomitee, das Committee for National Salvation (CNS), w√§hlte am 21. Juni 1979 den Wirtschaftsminister Oliver J. Seraphin zum Premier.

Im Juni 1980 wurde Mary Eugenia Charles von der Partei DFP zur Nachfolgerin gew√§hlt und blieb als erste Staatschefin in der Karibikregion 15 Jahre im Amt. Patrick John scheiterte 1981 mit dem Versuch, mit Hilfe von Mitgliedern des rechtsradikalen amerikanischen Ku Klux Klan die Regierung von Ministerpr√§sidentin Eugenia Charles zu st√ľrzen. Wegen dieses Putschversuchs wurden die Streitkr√§fte aufgel√∂st.

Die Wirtschaft profitierte in den 1980er Jahren vom Erfolg des Bananen-Exports, erlebte jedoch schwere Beeintr√§chtigungen, als mehrere Hurrikans zahlreiche Bananenplantagen vernichteten und fruchtbareren Boden verwehten; dar√ľber hinaus verlor Dominica 1992 den bevorzugten Zugang zum Markt des Vereinigten K√∂nigreichs. Die Regierungen setzen seitdem auf Diversifizierung der Wirtschaft und auf eine F√∂rderung des Tourismus, zu der auch umweltpolitische Aktivit√§ten wie Aufforstung und die Einrichtung von Schutzgebieten beitragen sollen.

1997 wurde der 1975 eingerichtete Nationalpark Morne Trois Pitons, benannt nach dem gleichnamigen Berg, zum Weltnaturerbe der UNESCO ernannt. Einen weiteren Beitrag zum Aufschwung des Tourismus leisten ab 2003 Piratenfilme wie Fluch der Karibik.

Nach dem plötzlichen Tod des Premierministers Pierre Charles folgte 2004 Roosevelt Skerrit in dieses Amt.

2005 fanden auf Dominica die Dreharbeiten zum Hollywood-Blockbuster Fluch der Karibik 2 und seinem Nachfolger statt. Dazu kam ein rund 600-k√∂pfiges Filmteam auf die Insel und heuerte insgesamt ca. 450 lokale Angestellte f√ľr Security und Catering, als Fahrer und Komparsen an. Gedreht wurde an neun Drehorten, zu denen teilweise die Stra√üen eigens f√ľr diesen Anla√ü gebaut wurden, um das Drehteam vor Ort bringen zu k√∂nnen. Auch fehlten Unterk√ľnfte, so dass ein Teil der Crew t√§glich mit Booten und Flugzeugen an den Drehort gebracht werden musste. Einer der Drehorte war Touna Village im Kalinago Territory (dem Kalinago-Reservat der Insel). 150 der Komparsen wurden aus den √∂rtlichen Kalinago rekrutiert, um an diesem Ort die Szenen mit den kannibalistischen "Pelegostos" zu drehen. Die Kalinago waren in dieser Frage gespalten: w√§hrend ein Teil dies als willkommenen Zuerwerb und am√ľsanten Zeitvertreib ansah, waren andere emp√∂rt √ľber die Popularisierung alter Klischees √ľber ihr Volk. Kalinago-H√§uptling Carlo rief zum Boykott auf und verfasste einen offenen Brief, in dem er kritisiert, dass der Disney-Film das alte Stigma des Kannibalismus wiederhole, das seit der Kolonialzeit auf den Kalinago laste und f√ľr das es keine Belege gebe. Im gleichen Jahr wurde zum ersten Mal ein Kalinago, Kelly Graneau, zum Minister for Carib Affairs ernannt. Dies wurde zum Teil mit der Bedeutung der Kalinago f√ľr den Tourismus der Insel in Verbindung gebracht.

Politik

Politisches System

Das Land ist eine parlamentarische Republik, eine der wenigen in der Karibik. Es ist von der britischen Verfassungstradition geprägt.

Legislative

Es besteht ein Einkammerparlament, das House of Assembly, mit einer f√ľnfj√§hrigen Legislaturperiode und 30 Mitgliedern. Davon werden 21 gew√§hlt, 5 durch den Regierungschef und 4 durch die Opposition benannt. Wahlberechtigt sind alle Personen ab dem 18. Lebensjahr.

Wie schon bei den Wahlen in den Jahren 2000, 2002, 2009 und 2014 gewann die Dominica Labour Party auch die Parlamentswahl am 6.¬†Dezember 2019 und damit die f√ľnfte Wahl in Folge. Sie erzielte 59¬†% der Stimmen und gewann den Abgeordnetensitz in 18 von 21 Wahlkreisen. Die United Workers Party errang 41¬†% der Stimmen und 3 Mandate im House of Assembly. Somit wurde Roosevelt Skerrit als Ministerpr√§sident f√ľr eine weitere Amtszeit best√§tigt.

Judikative

Zum Justizsystem Dominicas gehören

  • das Oberste Gericht der Ostkaribik (Eastern Caribbean Supreme Court) in St. Lucia, das die Justiz in seinen Mitgliedsstaaten verwaltet; es besteht aus
    • dem Hohen Gericht (High Court) aus 16 Richtern, von denen einer in Dominica residieren muss; es behandelt grunds√§tzliche F√§lle (Verfassungsfragen, Menschenrechtsfragen)
    • einem Berufungsgericht (Court of Appeal), das als oberstes Berufungsgericht fungiert
  • ein h√∂heres Gericht (Court of Summary Jurisdiction) in Dominica, dem ein Richter des Obersten Gerichtes vorsitzen muss
  • vier regionale Gerichte (Magistrates Courts), die f√ľr einfache F√§lle zust√§ndig sind

Exekutive

Es gibt einen Staatspräsidenten mit v. a. repräsentativen Aufgaben. Die exekutive Gewalt liegt beim Premierminister und seinem Kabinett, dessen Ministern mehrere Ministerien und Behörden unterstehen.

Siehe auch:

  • Liste der Pr√§sidenten von Dominica
  • Liste der Premierminister von Dominica

Verwaltungsgliederung

Dominica ist in zehn Parishes als Verwaltungsbezirke eingeteilt. Die Einwohnerzahlen in der folgenden Tabelle beziehen sich auf die Volkszählung vom 12. Mai 2001.

Quelle: Central Statistical Office of Dominica


Die größten Städte auf Dominica waren am 1. Januar 2005:

  1. Roseau: 16.074 Einwohner
  2. Portsmouth: 3.633 Einwohner
  3. Berekua: 3.195 Einwohner
  4. Marigot: 2.669 Einwohner
  5. Grand Bay: 2.608 Einwohner

Siehe auch: Liste der Städte auf Dominica

Politische Indizes

Politikfelder

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 84,4 Mio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 73,9 Mio. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 2,8¬†% des BIP.
Die Staatsverschuldung betrug 2008 136 Mio. US-Dollar oder 37,3 % des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 5,9¬†%
  • Bildung: 5,0¬†% (1999)
  • Milit√§r: k. A. (Dominica unterh√§lt kein Milit√§r im eigentlichen Sinne)

Außenpolitik

Das Land ist Mitglied des Commonwealth of Nations, der Karibischen Gemeinschaft (CARICOM), der Organisation Ostkaribischer Staaten (OECS), der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC) der Alliance of Small Island States (AOSIS) und des Wirtschaftsb√ľndnisses Bolivarianische Allianz f√ľr Amerika (ALBA). Dar√ľber hinaus geh√∂rt es zu den Tr√§gern der Universit√§t der Westindischen Inseln.

Umweltpolitik

Das Land sch√ľtzt seine Umwelt mit mehreren Schutzgebieten, darunter dem Nationalpark Morne Trois Pitons, der 1997 zum UNESCO-Weltnaturerbe erkl√§rt wurde.

Wirtschaft

Allgemeines

Die Wirtschaft Dominicas ist von der Landwirtschaft, vor allem von Bananen, abh√§ngig und bleibt durch die klimatischen Bedingungen und die Abh√§ngigkeit von internationalen F√∂rderprojekten sehr verwundbar. Mit einem BIP pro Kopf von 7356 US-Dollar im Jahre 2016 hatte das Land ungef√§hr das Wohlstandsniveau von Bulgarien. Die Hurrikane Marilyn und Luis zerst√∂rten 1995 die Bananenernte fast vollst√§ndig, nachdem bereits 1994 tropische St√ľrme ein Viertel der Ernte zunichtemachten. Die Wirtschaft erholte sich sp√§ter wieder durch Wachstum in der Baubranche, der Seifenproduktion und durch den Tourismus. Das wirtschaftliche Wachstum ist tr√§ge, die Arbeitslosigkeit liegt bei √ľber 20¬†%.

Primärer Sektor

Landwirtschaft

Wichtigste Agrarprodukte sind Bananen, Yams, Grapefruit, Taro, Milch, Kokosn√ľsse, Orangen, Yautia, Plantains und Zuckerrohr.

Fischerei

Die Fischerei ist mit Stand 2019 laut FAO durch folgende Zahlen gekennzeichnet:

  • Fischereiflotte: 434 Schiffe, haupts√§chlich motorisierte Boote unter 12 m
  • Erwerbst√§tige: 912, davon 17 Frauen
  • Fang: fluktuiert stark mit 500 Tonnen in 213, 1000 in 2014, fast 800 in 2017
  • Vertrieb: Frischverkauf an lokale Konsumenten; es gibt kein fischverarbeitendes Gewerbe mit Lagerm√∂glichkeiten; daher wird Fisch√ľberschuss zu Abfall
  • Aquakultur: Aquakulturunternehmen produzieren auf ca. 11 Hektar gesch√§tzt 1 Tonne Garnelen und 5 Tonnen Tilapia pro Jahr
  • Exporte: sehr begrenzt, in 2016 im Wert von 7000 USD
  • Importe: 1,6 Mio. USD
  • Verbrauch: 27,1 kg pro Kopf

Trends: seit dem R√ľckgang der Bananenproduktion sind viele Bauern auf die Erwerbsm√∂glichkeit Fischerei ausgewichen; auch ist im Land aufgrund des wachsenden Tourismus eine verst√§rkte Nachfrage nach Fisch zu verzeichnen

Bodenschätze und Bergbau

Dominica will gemeinsam mit Venezuela auf der Insel eine Raffinerie errichten und im Bereich der geothermischen Energiegewinnung sowie der Wasserkraftnutzung zusammenarbeiten.

Sekundärer Sektor

Verarbeitendes Gewerbe: Wichtig sind in Domenica die Herstellung von Seife, Kokosöl, Kopra, Möbel, Zementblocks und Schuhen.

Energieversorgung: Die Elektrifizierung (Zugang der Bevölkerung zu Strom) beträgt 100 % (2020). Die Elektrizitätsproduktion betrug 2016 111,4 Millionen kWh, der Stromverbrauch 103,6 Million kWh. Elektrizität wird weder importiert noch exportiert.

Tertiärer Sektor

Handel

Die Exporte beliefen sich in 2018 auf $160 Mio. USD. Exportiert wurden v.¬†a. Medizintechnik, Pharmazeutika, Elektrische Schutzausr√ľstung, tropische Fr√ľchte und Verbandsmaterial (2019). Hauptabnehmer waren Saudi-Arabien mit 47¬†% und Katar mit 5¬†% (2019).

Die Importe beliefen sich in 2018 auf 430 Mio. USD. Importiert wurden v. a. raffiniertes Erdöl, Naturgas, Rohöl, Freizeitschiffe und Automobile (2019). Die Hauptlieferanten waren die Vereinigten Staaten mit 57 %, Nigeria mit 11 %, China mit 6 % und Italien mit 5 % (2019).

Dominica ist Mitglied im Wirtschaftsb√ľndnis Petrocaribe, wodurch die Insel venezolanisches Erd√∂l zu Vorzugspreisen erh√§lt und Mitglied im B√ľndnis ALBA.

Das Land profitiert auch von der Caribbean Basin Initiative (CBI), die f√ľr viele Produkte zollfreien Zugang zu den Vereinigten Staaten erlaubt.

Dominica geh√∂rt zu weiteren wirtschaftlich n√ľtzlichen Zusammenschl√ľssen: Caribbean Community (CARICOM), CARICOM Single Market and Economy (CSME), Organisation of Eastern Caribbean States (OECS).

Verkehr

Infrastruktur
  • Stra√üennetz: 1,512 km (2018)
  • Schienennetz: 0
  • H√§fen: Seeh√§fen gibt es in Portsmouth und Roseau.
  • Flugh√§fen: Dominica verf√ľgt √ľber zwei Flugh√§fen: Douglas-Charles Airport (IATA-Flughafencode DOM) und Canefield Airport (IATA-Code DCF). Beide haben keine internationale Zulassung f√ľr gro√üe Passagiermaschinen, was als eines der Haupthindernisse f√ľr die touristische Entwicklung des Inselstaates angesehen wird. Der Douglas-Charles Airport hie√ü bis zur offiziellen Umbenennung am 27. Oktober 2014 Melville Hall Airport und wurde in den letzten Jahren mit finanzieller Unterst√ľtzung der EU und Venezuelas erweitert und verf√ľgt seit Ende 2010 √ľber eine l√§ngere und breitere Start- und Landebahn sowie ein Instrumentenlandesystem, sodass auch nachts und bei schlechter Sicht gelandet werden kann. Bis zum April 2019 war Dominica der letzte Staat der Erde, der einen Flughafen betrieb, ohne Mitglied bei der ICAO zu sein. Stand Februar 2021 wird √ľber den Bau eines internationalen Flughafens ca. 5 km n√∂rdlich des Douglas-Charles Airports bei der Gemeinde Wesley diskutiert, gegen den sich jedoch Widerstand der Dorfbewohner regt.
Verkehrswirtschaft
  • √ĖPNV: es gibt einige v.¬†a. private Busunternehmen, die regelm√§√üige Linien anbieten
  • Taxis: Es gibt mindestens drei Taxiunternehmen
  • Autoverleih: vier Autoverleiher bieten ihre Dienste an
  • Schiffsverkehr: Es gibt einige F√§hren zu den Nachbarinseln. In der Handelsmarine sind 93 Schiffe registriert, darunter 30 Frachtschiffe, 19 √Ėltanker und 44 andere (2021)
  • Flugverkehr: keine eigenen Fluggesellschaften, aber diverse aus Nordamerika und Europa fliegen Dominica an

Tourismus

Der Tourismus wurde wichtiger, seit die Landwirtschaft an Bedeutung verloren hat. Die touristische Entwicklung geht jedoch nur z√∂gerlich vonstatten, haupts√§chlich wegen der rauen K√ľste, des fast vollst√§ndigen Fehlens von Sandstr√§nden (mit wenigen Ausnahmen an der Westk√ľste, z.¬†B. bei Salisbury) sowie des Nichtvorhandenseins eines internationalen Verkehrsflughafens.

Die Europ√§ische Union ist momentan Dominicas wichtigster Partner in der F√∂rderung der Wirtschaft und des Tourismus. Zwischen 2002 und 2006 versuchte die Regierung mit dem Eco-Tourism Development Programme (ETDP), einem F√∂rderprogramm f√ľr den √Ėkotourismus in Zusammenarbeit mit der EU, den schrittweisen Aufbau einer √∂kologisch gepr√§gten Tourismusbranche.

Die Versuche der Regierung, den Tourismus zu fördern, zeigen bisher wenig Erfolg. Die millionenschweren Investitionen, die in den Ausbau des Douglas-Charles Airport geflossen sind, werden von Kritikern als nutzlos betrachtet, da der Flughafen nach wie vor keine internationale Zulassung hat und nur kleine Maschinen aus den umliegenden Inseln dort landen können.

Im Dezember 2007 erhielt Dominica 36 Millionen XCD (ca. 9,1 Millionen Euro) als Fördermittel aus dem Entwicklungshilfeetat der EU.

Finanzwirtschaft

Seit den 1980er Jahren wächst die Finanzdienstleistungsbranche. Dabei spielt u. a. Offshore Banking eine Rolle.

Zu den hier angesiedelten Banken gehören: Scotiabank, Royal Bank of Canada, Cathedral Investment Bank, First Caribbean International Bank, and The Interoceanic Bank of the Caribbean.

F√ľr Aufsicht und Regulation ist die Financial Service Unit of the Commonwealth of Dominica (FSU) zust√§ndig, die dem Finanzministerium untergeordnet ist.

Seit Mitte der 1990er Jahren kommen Offshore-L√§nder (Steueroasen) unter zunehmenden Druck der OECD, die deren Steuerpolitik kritisierte und drohte, sie auf eine Schwarze Liste zu setzen, gegen die Sanktionen ausgesprochen werden sollen. Dominica konnte das verhindern, indem es seine Finanz- und Steuergesetze den Anforderungen der OECD anpasste und einem Informationsaustausch √ľber steuerfl√ľchtige B√ľrger zustimmte.

Es wird angenommen, dass Dominica ausländischen Unternehmen Steuerfreiheit gewährt. Wie viele Unternehmen davon profitieren, ist nicht bekannt, weil die Regierung strikte Vertraulichkeit einhält. Allerdings ist bekannt, dass viele Internet-Unternehmen und Hedge Fonds Dominica zu diesem Zweck nutzen. Am 12. Juli 2012 hat Dominica eine Vereinbarung mit Polen getroffen, um solche Steuerinformationen auszutauschen.

Gesundheitswesen

Die Grundversorgung mit medizinischen Geräten und Bedarfsmitteln in den Krankenhäusern Dominicas ist nicht immer gewährleistet.

Im Rahmen des Eco-Tourism Development Programme wurde mit Fördermitteln der Europäischen Union im August 2006 eine Dekompressionskammer zur Notfallversorgung bei Tauchunfällen im Princess Margaret Hospital, Roseau, eingerichtet.

Medienwirtschaft

Dominica verf√ľgt √ľber zwei Tageszeitungen, The Sun and The Chronicle.

Historische Zeitungen sind u.¬†a. The Dominican, The Dominica Guardian und der Dominica Colonist, die online bei Digital Library of the Caribbean kostenlos verf√ľgbar sind.

Es gibt zwei nationale Fernsehsender und einige Radiostationen:

  • ZBC-AM 590, the first private local radio station is called Radio En Ba Mango 93.5/96.9FM in the Village of Berricoa Grand Bay and is owned by Urban Dangleben,
  • ZGBC-AM 740,
  • ZGBC-FM 90.7 (Portsmouth)
  • ZGBC-FM 102.1 (Roseau)
  • ZGBC-FM 106.1 (Marigot)
  • Q95 FM
  • die Dominica Broadcasting Corporation
  • Kairi FM

Telekommunikationswirtschaft

Bis 2004 gab es zwei einheimische Telekommunikationsunternehmen: Cable and Wireless and Marpin TV

Ab 2005 boten Digicel und das britische Unternehmen Orange (seit 2010 nicht mehr in Dominica tätig) Telekommunikationsdienstleistungen an.

Eine Reihe von Mobilfunkanbietern sind im Land tätig, v. a. LIME und Digicel.

Kultur

Sport

Cricket ist der beliebteste Sport auf Dominica. Dominica ist eines der L√§nder, das mit anderen Karibikstaaten das West Indies Cricket Team bildet, eine der ‚ÄěNationalmannschaften‚Äú im internationalen Cricket mit Teststatus, der angesehensten Form dieses Sports. Das West Indies Cricket Team nahm an jedem Cricket World Cup teil und gewann die ersten beiden Austragungen 1975 und 1979.

Feiertage

Ber√ľhmte Dominicaner

  • Carissa Etienne (* 1952), Direktorin der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation, Regionaldirektorin der WHO
  • Nasio Fontaine (* 1969), Reggae-Musiker
  • Prince Ital Joe (1963‚Äď2001), Reggae-Musiker
  • Philip Potter (1921‚Äď2015), Generalsekret√§r des √Ėkumenischen Rats der Kirchen
  • Jean Rhys (1890‚Äď1979), Schriftstellerin
  • Patricia Scotland (* 1955), Generalsekret√§rin des Commonwealth of Nations

Galerie

Literatur

  • Christian Cwik, Verena Muth: Dominica. In: Wolfgang Gieler, Markus Porsche-Ludwig (Hrsg.): Staatenlexikon Amerika: Geographie, Geschichte, Kultur, Politik und Wirtschaft. Peter Lang, Berlin 2018, ISBN 978-3-631-77017-7, S. 151‚Äď162.
  • Peter Hulme: Remnants of Conquest: The Island Caribs and their Visitors, 1877‚Äď1998. Oxford University Press, Oxford 2000, ISBN 0-19-811215-7.
  • Lennox Honychurch: The Dominica Story. A History of the Island. Macmillan, London 1995, ISBN 0-333-62776-8.

Weblinks

  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Dominica
  • Government of the Commonwealth of Dominica; offizielle Regierungsseite (englisch)
  • Discover Dominica (englisch)

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (10)

Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Saint Andrew 15.633 15.445 -61.449 -61.269  
Saint David 15.51 15.317 -61.335 -61.249  
Saint George 15.346 15.254 -61.394 -61.304  
Saint John 15.634 15.503 -61.489 -61.408  
Saint Joseph 15.494 15.389 -61.455 -61.317  
Saint Luke 15.26 15.236 -61.373 -61.356  
Saint Mark 15.244 15.202 -61.376 -61.346  
Saint Patrick 15.333 15.212 -61.357 -61.254  
Saint Paul 15.405 15.313 -61.416 -61.327  
Saint Peter 15.534 15.466 -61.484 -61.406  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Dominica

Name englisch: Dominica
Hauptstadt: Roseau
Kfz: WD
ISO: DM
ISO3: DMA
Fläche: 754 km²
Tld: .dm
Wärung Einheit: XCD
Währung: Dollar
Vorwahl: +1-767

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 15.6400639
südlichster Punkt: 15.207682
westlichster Punkt: -61.4798301
östlichster Punkt: -61.2403035


 
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