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Staat Informationen : Chile

Informationen:


Chile (Aussprache: [ňątÕú ÉiňĎle], deutsch auch [ňąt Éiňźl…ô] oder [ňą√ßiňźle]), amtlich Rep√ļblica de Chile (deutsch¬†Republik Chile), ist ein Staat im S√ľdwesten S√ľdamerikas, der den westlichen Rand des S√ľdkegels (Cono Sur) des Kontinents bildet. Chile erstreckt sich in Nord-S√ľd-Richtung zwischen den Breitengraden 17¬į¬†30‚Ä≤¬†S und 56¬į¬†0‚Ä≤¬†S; somit betr√§gt die Nord-S√ľd-Ausdehnung rund 4200 Kilometer. In west-√∂stlicher Richtung liegt Chile zwischen dem 76. und dem 64. westlichen L√§ngengrad und besitzt eine Ausdehnung von durchschnittlich weniger als 200 Kilometern. Wegen dieser ‚Ästdurch seine Lage am Westhang der Andenkordillere bedingten¬†‚Äď ungew√∂hnlichen Form wird Chile schon seit seiner Entdeckung h√§ufig ‚Äědas langgestreckte Land‚Äú genannt. Das Land grenzt im Westen und S√ľden an den Pazifischen Ozean, im Norden an Peru (auf einer L√§nge von 160¬†Kilometern), im Nordosten an Bolivien (861¬†km) und im Osten an Argentinien (5308¬†km). Die Gesamtl√§nge der Landgrenzen betr√§gt 6329 Kilometer. Daneben z√§hlen die im Pazifik gelegene Osterinsel (Rapa Nui), die Insel Salas y G√≥mez, die Juan-Fern√°ndez-Inseln (einschlie√ülich der Robinson-Crusoe-Insel), die Desventuradas-Inseln sowie im S√ľden die Ildefonso-Inseln und die Diego-Ram√≠rez-Inseln zum Staatsgebiet Chiles. Ferner beansprucht Chile einen Teil der Antarktis. √úber die vollst√§ndig zu Chile geh√∂rende Magellanstra√üe hat das Land Zugang zum Atlantischen Ozean.

Der moderne souver√§ne Staat Chile geh√∂rt zu den wirtschaftlich und sozial stabilsten und wohlhabendsten L√§ndern S√ľdamerikas mit einer einkommensstarken Wirtschaft und einem hohen Lebensstandard. Es f√ľhrt die lateinamerikanischen Nationen in Bezug auf menschliche Entwicklung, Wettbewerbsf√§higkeit, Pro-Kopf-Einkommen, Globalisierung, Friedenszustand, wirtschaftliche Freiheit und geringes Korruptionsempfinden an. Nach Einsch√§tzung der Weltbank ist Chile ein Schwellenland mit einem Nettonationaleinkommen im oberen Mittelfeld.

Es hat auch einen hohen regionalen Stellenwert in Bezug auf die Nachhaltigkeit des Staates und die demokratische Entwicklung. Chile ist Mitglied der Organisation f√ľr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und trat 2010 bei. Chile weist nach Kanada die niedrigste Mordrate in Amerika auf. Das Land ist Gr√ľndungsmitglied der Vereinten Nationen, der Union der S√ľdamerikanischen Nationen (UNASUR), der Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten (CELAC) und der Pazifik-Allianz.

Chile ist durch die globale Erwärmung ernsthaft gefährdet und hat seit Anfang der 1990er Jahre mindestens 37 % seiner Wasserressourcen verloren.

Etymologie

Die Herkunft des Wortes Chile ist nicht eindeutig nachgewiesen. Die verbreitetste Erkl√§rung ist, dass sich das Wort aus der Sprache der Aymara herleitet. Dort bedeutet das Wort chilli ‚ÄěLand, wo die Welt zu Ende ist‚Äú. Dies w√ľrde durch die Tatsache unterst√ľtzt werden, dass die ersten Spanier, die nach Chile kamen, von den Siedlungsgebieten der Aymara aus aufbrachen. Die Spanier bezeichneten seit Anbeginn der Kolonisation S√ľdamerikas das Land s√ľdlich der Atacamaw√ľste mit dem Namen Chile. In den chilenischen Schulen wird au√üerdem noch die Variante gelehrt, dass Chile die lautmalerische Bezeichnung eines Vogels namens Trile sein k√∂nnte.

Eine weitere, wenig verbreitete Theorie nennt die Inka-Sprache Quechua als Ursprung. Die maximale Ausdehnung des Inkareichs reichte bis zum Gebiet des heutigen Santiago, woraufhin die Inka das Land s√ľdlich des R√≠o Aconcagua in Anlehnung an das relativ kalte Klima und die schneebedeckten Anden tchili nannten, was Schnee bedeutet.

Als gesichert hingegen gilt, dass die Landesbezeichnung Chile nicht auf die (spanisch gleichnamige) Chilischote zur√ľckzuf√ľhren ist. Dieses Wort stammt aus der mittelamerikanischen Aztekensprache Nahuatl. Die Chili (und die daraus gemachte Salsa) hei√üt im chilenischen Spanisch aj√≠ (siehe auch: Beispiele f√ľr Unterschiede im Wortschatz).

Physische Geographie

Chile erstreckt sich auf dem s√ľdamerikanischen Kontinent √ľber 4275 Kilometer in Nord-S√ľd-Richtung entlang der Anden und des Pazifischen Ozeans (z√§hlt man den antarktischen Teil hinzu, circa 8000¬†Kilometer), ist aber durchschnittlich nur circa 180 Kilometer breit. Die engste Stelle im kontinentalen Chile (ohne Antarktis) betr√§gt 90¬†Kilometer, die breiteste Stelle etwa 440¬†Kilometer. Die L√§ngenausdehnung Chiles entspricht auf Europa und Afrika √ľbertragen in etwa der Entfernung zwischen der Mitte D√§nemarks und der Sahara.

Aufgrund der langen Nord-S√ľd-Ausdehnung √ľber mehr als 39 Breitengrade, aber auch der betr√§chtlichen H√∂henunterschiede in West-Ost-Richtung weist Chile eine gro√üe Vielfalt an Klima- und Vegetationszonen auf.

Plattentektonische Situation

Chile liegt an der Grenze mehrerer Lithosph√§renplatten: Unter die S√ľdamerikanische Platte wird bis zum Golf von Penas die Nazca-Platte subduziert, s√ľdlich davon bis zur Magellanstrasse mit geringerer Geschwindigkeit die Antarktische Platte. Durch die Magellanstrasse verl√§uft in ostwestlicher Richtung die Grenze zwischen der S√ľdamerikanischen und der Scotia-Platte.

Dies ist die Ursache des ausgepr√§gten Vulkanismus in Chile und der regelm√§√üig auftretenden, zum Teil massiven Erdbeben. Das erste dokumentierte Beben war das gro√üe Erdbeben von Concepci√≥n im Jahre 1570. Das Erdbeben von Valdivia 1960, dessen Tsunami im gesamten zirkumpazifischen Raum schwere Sch√§den verursachte, war das Beben mit der weltweit gr√∂√üten jemals aufgezeichneten Magnitude. Am 27. Februar 2010 ersch√ľtterte ein massives Erdbeben der St√§rke 8,8 Mw auf der Momenten-Magnituden-Skala den S√ľden Chiles und zerst√∂rte gro√üe Teile der chilenischen Infrastruktur. Auch Zentral-Chile war stark betroffen. In der Region VI und VII trafen nach etwa 20¬†Minuten hohe Tsunami-Wellen ein und zerst√∂rten ganze K√ľstenst√§dte und Gebiete. Auch noch Wochen nach dem Erdbeben wurde das Land von vielen Nachbeben ersch√ľttert. Insgesamt waren in Chile die Regionen III bis IX betroffen.

‚Üí Siehe auch: Liste von Erdbeben in Chile

Reliefgeologie

Stark vereinfacht besteht Mittel- und S√ľdchile aus zwei parallelen Gebirgsz√ľgen mit Nord-S√ľd-Verlauf: den Anden im Osten und dem niedrigeren K√ľstenbergzug (K√ľstenkordillere, Cordillera de la Costa) im Westen. Dazwischen liegt das Zentraltal (Valle Central oder Valle Longitudinal) mit dem Hauptteil der Bev√∂lkerung, des Ackerlands und des Weinbaus. Die H√∂he von Kordillere, Zentraltal und Anden nimmt im Mittel von Norden nach S√ľden ab, so dass das Zentraltal s√ľdlich der Stadt Puerto Montt, die etwa 1000¬†Kilometer s√ľdlich von Santiago liegt, unter den Meeresspiegel abtaucht. Die K√ľstenkordillere, von der nur noch die Bergspitzen aus dem Wasser ragen, wird gleichzeitig zur Inselkette. In dieser Region l√§sst sich deswegen eine einzigartige Fjord- und Insellandschaft entdecken. Im Norden Chiles dagegen gibt es kein ausgepr√§gtes Zentraltal, das hei√üt, die Landschaft steigt von der K√ľste kommend zun√§chst steil an und bildet dann mit der Pampa del Tamarugal ein etwa 1000 bis 1500¬†Meter hohes Plateau bis zum Fu√üe der Anden.

Die chilenischen Anden, die nur an wenigen Stellen die 2000-Meter-H√∂henlinie unterschreiten, unterteilen sich hinsichtlich ihrer geologisch-tektonischen Struktur von Nord nach S√ľd in vier gr√∂√üere Bl√∂cke.

  • Im Gro√üen Norden (Norte Grande) des Landes zieht sich eine etwa 1000¬†Kilometer lange Kette rezenter Stratovulkane von der Grenze zu Peru (etwa am 17. s√ľdlichen Breitengrad) bis zum h√∂chsten Berg des Landes, dem ruhenden Vulkan Ojos del Salado (6893¬†m), der s√ľdlich des 27. Breitengrades in etwa auf der H√∂he der Stadt Copiap√≥ liegt.
  • Im Kleinen Norden (Norte Chico) zwischen dem 27. und 33. Breitengrad, der etwas n√∂rdlich der Hauptstadt Santiago de Chile verl√§uft, befindet sich die durchschnittlich 5000¬†m hohe Hochkordillere, die frei von jungem Vulkanismus ist.
  • Von Santiago de Chile √ľber den gesamten Kleinen S√ľden (Sur Chico) bis etwas s√ľdlich der Stadt Puerto Montt (42. Breitengrad) setzt mit dem 6550¬†m hohen Vulkan Tupungato erneut eine langgestreckte Vulkankette ein, die aber nach S√ľden schnell an H√∂he verliert.
  • Im Gro√üen S√ľden (Sur Grande), der bis zur Insel Feuerland reicht, gibt es nur noch wenige isolierte Vulkane, und die H√∂he von 3000¬†Metern wird nur noch selten √ľberschritten. Hier dominiert der glaziale Formenschatz mit Gletscherseen, Karen und Fjorden das Landschaftsbild. Das Gebirge Cordillera Darwin bildet den letzten gro√üen Gebirgszug vor dem Ende S√ľdamerikas.

Der √úbergangsbereich zwischen K√ľstenkordillere und den Anden l√§sst sich in zwei Bereiche untergliedern: die Pampa del Tamarugal im Norden und das Valle Longitudinal im zentralen und s√ľdlichen Bereich. Beide sind ausgepr√§gte Graben-Systeme. Die Pampa del Tamarugal erstreckt sich direkt entlang der n√∂rdlichen Vulkankette, w√§hrend das etwas tiefer gelegene Valle Longitudinal der s√ľdlichen Vulkankette folgt und bei Puerto Montt (41¬į 30‚Ä≤ S) ins Meer abtaucht.

Die K√ľstenkordillere erstreckt sich mit einer kurzen Unterbrechung s√ľdlich der Insel Chilo√© √ľber die gesamte Westseite des Landes. Sie steigt im Norden des Landes zwischen Arica und Cha√Īaral (26. Breitengrad) als Steilk√ľste unmittelbar auf 1000¬†m¬†√ľ.¬†M. (stellenweise √ľber 2000¬†m) an. Da die wenigen Fl√ľsse in diesem Raum aufgrund des extrem ariden Klimas nicht die Kraft zum Durchbruch haben, wird sie hier nur von wenigen T√§lern durchschnitten. Die Talsysteme h√§ufen sich erst s√ľdw√§rts von Cha√Īaral. Das K√ľstengebirge flacht nach S√ľden hin ab und erreicht im Kleinen S√ľden schlie√ülich nur noch an wenigen Stellen H√∂hen √ľber 1000¬†m. Die K√ľstenkordillere setzt sich ab dem 44. Breitengrad (Chonos-Archipel) als Inselkette fort.

Berge

Die chilenischen Anden bilden einen der h√∂chsten Gebirgsz√ľge der Welt und weisen eine Vielzahl von Gipfeln √ľber 6000¬†m auf. Unter ihnen befindet sich der h√∂chste Berg Chiles, der Ojos del Salado (6893¬†m), welcher zugleich der h√∂chste Vulkan der Welt ist.

Im Folgenden sind die bekanntesten Berge Chiles aufgelistet (vom Norden nach S√ľden):

  • Volc√°n Parinacota, 6342¬†m, XV. Region (Regi√≥n de Arica y Parinacota)
  • Volc√°n Licanc√°bur, 5916¬†m, II. Region (Regi√≥n de Antofagasta)
  • Volc√°n Llullaillaco, 6739¬†m, II. Region (Regi√≥n de Antofagasta)
  • Nevado Ojos del Salado, 6893¬†m, III. Region (Regi√≥n de Atacama)
  • Cerro Tupungato, 6550¬†m, Hauptstadt-Region (Regi√≥n Metropolitana)
  • Vulkan Puyehue, 2236¬†m, XIV. Region (Regi√≥n de los R√≠os)
  • Descabezado Grande, 3830¬†m, VII. Region (Regi√≥n del Maule)
  • Volc√°n Villarrica, 2840¬†m, IX. Region (Regi√≥n de la Araucan√≠a)
  • Volc√°n Osorno, 2652¬†m, X. Region (Regi√≥n de los Lagos)
  • Volc√°n Cerro Hudson, 1905¬†m, XI. Region (Regi√≥n de Ais√©n)
  • Cerro Paine Grande, 2800¬†m, XII. Region (Regi√≥n de Magallanes y de la Ant√°rtica Chilena)

Fl√ľsse und Seen

Aufgrund der besonderen Struktur des Landes gibt es in Chile keine l√§ngeren Fl√ľsse. Der mit 443¬†Kilometern l√§ngste ist der R√≠o Loa im Norden inmitten der Atacamaw√ľste. Die Fl√ľsse, die dauerhaft Wasser f√ľhren, werden meist aus der Schnee- und Eisschmelze der Anden gen√§hrt. Gem√§√ü den zunehmenden Niederschl√§gen nimmt nach S√ľden hin das mitgef√ľhrte Wasservolumen zu. Die Fl√ľsse werden f√ľr die Bew√§sserung in der Landwirtschaft, zur Energiegewinnung und zu kleineren Teilen auch f√ľr den Tourismus genutzt. Einige Fl√ľsse von Nord nach S√ľd sind folgende:

  • R√≠o Lluta, 167¬†km, XV. Region (Regi√≥n de Arica y Parinacota)
  • R√≠o Lauca, 160¬†km, XV. Region (Regi√≥n de Arica y Parinacota)
  • R√≠o Loa, 443¬†km, II. Region (Regi√≥n de Antofagasta)
  • R√≠o Copiap√≥, 162¬†km, III. Region (Regi√≥n de Atacama)
  • R√≠o Elqui, 170¬†km, IV. Region (Regi√≥n de Coquimbo)
  • R√≠o Choapa, 160¬†km, IV. Region (Regi√≥n de Coquimbo)
  • R√≠o Aconcagua, 142¬†km, V. Region (Regi√≥n de Valpara√≠so)
  • R√≠o Mapocho, 120¬†km, Hauptstadt-Region (Regi√≥n Metropolitana)
  • R√≠o Maipo, 250¬†km, Hauptstadt-Region und V. Region (Regi√≥n Metropolitana, Regi√≥n de Valpara√≠so)
  • R√≠o Cachapoal, 172¬†km, VI. Region (Regi√≥n O‚ÄôHiggins)
  • R√≠o Maule, schiffbar, 240¬†km, VII. Region (Regi√≥n Maule)
  • R√≠o Biob√≠o, 380¬†km, VIII. Region (Regi√≥n del Biob√≠o)
  • R√≠o Imperial, schiffbar, 52¬†km, IX. Region (Regi√≥n de la Araucan√≠a)
  • R√≠o Valdivia, schiffbar, 15¬†km, XIV. Region (Regi√≥n de Los R√≠os)

Zu den chilenischen Seen zählen im Norden die Salzseen, deren größter und bekanntester der Salar de Atacama (3000 Quadratkilometer) ist. Ganz im Norden liegt der 21,5 Quadratkilometer große Lago Chungará auf rund 4500 Meter Höhe, einer der höchstgelegenen Seen der Welt.

Die gro√üen und landschaftlich sch√∂nsten Seen Chiles erstrecken sich s√ľd√∂stlich der Stadt Temuco bis nach Puerto Montt in folgender Reihenfolge:

  • Lago Colico, 56¬†km¬≤, IX. Region (Regi√≥n de la Araucan√≠a)
  • Lago Caburga, 51¬†km¬≤, IX. Region (Regi√≥n de la Araucan√≠a)
  • Lago Villarrica, 176¬†km¬≤, IX. Region (Regi√≥n de la Araucan√≠a)
  • Lago Calafqu√©n, 120¬†km¬≤, IX. Region (Regi√≥n de la Araucan√≠a) und XIV. Region (Regi√≥n de Los R√≠os)
  • Lago Pirihueico, 30¬†km¬≤, XIV. Region (Regi√≥n de Los R√≠os)
  • Lago Panguipulli, 116¬†km¬≤, XIV. Region (Regi√≥n de Los R√≠os)
  • Lago Ri√Īihue, 77¬†km¬≤, XIV. Region (Regi√≥n de Los R√≠os)
  • Lago Ranco, 401¬†km¬≤, XIV. Region (Regi√≥n de Los R√≠os)
  • Lago Puyehue, 156¬†km¬≤, X. Region (Regi√≥n de los Lagos)
  • Lago Rupanco, 223¬†km¬≤, X. Region (Regi√≥n de los Lagos)
  • Lago Llanquihue, 860¬†km¬≤, X. Region (Regi√≥n de los Lagos)
  • Lago General Carrera, 970¬†km¬≤, XI. Region (Regi√≥n de Ais√©n), der westliche Teil des argentinischen Lago Buenos Aires

Viele Seen sind schiffbar.

Naturräumliche und klimatische Gliederung

Chile liegt auf der S√ľdhalbkugel, weshalb die Jahreszeiten um ein halbes Jahr im Vergleich zur Nordhalbkugel verschoben sind. Das Land l√§sst sich klimatisch in drei Zonen einteilen: Nord-, Mittel- und S√ľdchile.

Nordchile (genannt ‚Äěgro√üer Norden‚Äú) besitzt viele Berge, die √ľber 6000¬†m hoch sind. Zwischen der K√ľste und der westlichen Anden-Hauptkette erstreckt sich die Atacamaw√ľste. Diese W√ľste ist eines der trockensten Gebiete der Erde; oft f√§llt jahrelang kein Regen. Die W√ľste war in der Vergangenheit f√ľr ihre gro√üen Salpetervorkommen bekannt, w√§hrend dort heute vor allem Kupfer gef√∂rdert wird. Die gr√∂√üte und wichtigste Stadt dieser Region ist die Hafenstadt Antofagasta (310.000 Einwohner).

In Mittelchile herrscht ein dem Mittelmeerraum vergleichbares Klima. Diese Region ist sehr fruchtbar und dicht besiedelt. Hier befindet sich die Hauptstadt Santiago de Chile mit rund 5,5 Millionen Einwohnern. Daneben sind Valpara√≠so (Seehafen und Parlamentssitz, 280.000 Einwohner), Vi√Īa del Mar (beliebter Urlaubsort, 320.000 Einwohner) und Concepci√≥n (Zentrum der Landwirtschaft und Industrie, 216.000 Einwohner) von Bedeutung. Der Raum n√∂rdlich von Santiago wird ‚Äěkleiner Norden‚Äú, der s√ľdlich von Santiago ‚Äěkleiner S√ľden‚Äú genannt.

Das sehr d√ľnn besiedelte S√ľdchile (genannt ‚Äěgro√üer S√ľden‚Äú) ist eine √§u√üerst niederschlagsreiche Region. Die K√ľste ist durch eine Vielzahl vorgelagerter Inseln stark zerkl√ľftet. S√ľdlich des Festlands befindet sich die Insel Feuerland, die sich Chile mit dem Nachbarland Argentinien teilt. Auf der Feuerland vorgelagerten Insel Isla Hornos befindet sich Kap Hoorn, der s√ľdlichste Punkt Chiles und S√ľdamerikas.

Besonderheiten des Klimas

Insgesamt wird das Klima Chiles stark durch den Humboldt-Meeresstrom entlang der K√ľste beeinflusst. Dieser flie√üt von S√ľden nach Norden und transportiert kaltes Meerwasser aus der Antarktis. W√§hrend zum Vergleich Nordeuropa vom warmen Golfstrom profitiert, liegen die Wassertemperaturen in Chile bei analogem Breitengrad (Nord-/S√ľdkoordinate) deutlich niedriger. In Punta Arenas (S√ľdchile) ‚Äď das etwa gleich weit vom √Ąquator entfernt liegt wie Hamburg ‚Äď betr√§gt die mittlere Tagestemperatur im Sommer 12¬†Grad Celsius.

Eine Besonderheit des chilenischen Klimas ist der El-Ni√Īo-Effekt, auch S√ľdliche Oszillation genannt. Dieses Klimaph√§nomen betrifft zwar haupts√§chlich L√§nder wie Peru oder Indonesien, aber auch in Chile ist es etwa alle sieben Jahre wirksam und f√ľhrt hier zu vermehrten Niederschl√§gen im Vergleich zu Normaljahren.

Flora und Fauna

Flora

Aufgrund der riesigen Ausdehnung von √ľber 4000¬†Kilometern L√§nge gibt es in Chile sehr viele Vegetationszonen. Im Bereich der Atacamaw√ľste w√§chst wenig. Bewuchs gibt es nur in K√ľstenn√§he oder im Bereich der Anden. Hier wachsen sehr viele verschiedene Kakteenarten, Sukkulenten und Zwergstr√§ucher. Allerdings kommt es im Zusammenhang mit dem Klimaph√§nomen El Ni√Īo regelm√§√üig zum Ph√§nomen der bl√ľhenden Atacamaw√ľste, bei dem nach Regenf√§llen in der W√ľste gro√üe W√ľstenfl√§chen nur f√ľr wenige Tage von Millionen von Blumen √ľberzogen werden.

S√ľdlich der W√ľste folgt die Steppe mit trockenem Grasland und in den Anden w√§chst die steinharte Yareta (Azorella yareta), auch ‚ÄěAndenpolster‚Äú genannt. In den trockenen Gebieten w√§chst der ‚ÄěBoldo-Strauch‚Äú (Peumus boldus). An den K√ľstengebirgen und in den Anden Mittelchiles gibt es kleinfl√§chig subtropische Nebelw√§lder (‚Äěhydrophile W√§lder‚Äú), wo zum Beispiel Baumfarne (spanisch Helecho arborescente) wachsen.

Die Weinanbaugebiete beginnen im Bereich des Flusses Río Elqui, außerhalb des Flusstals gibt es dagegen nur Dornensträucher und Kakteen.

In Zentralchile wächst die Honigpalme (Jubaea chilensis). Die Araukarie (Araucaria araucana) ist der heilige Baum der Mapuche, ihre großen Samen dienten ihnen zur Ernährung. In Chile gibt es auch zahlreiche große Eukalyptus-Plantagen.

In Mittel- und S√ľdchile gibt es gro√üe W√§lder, die dem gem√§√üigten Regenwald zugeordnet werden. Sie werden unterteilt in den Valdivianischen Regenwald im Norden und den Magellanischen Regenwald im S√ľden, die urspr√ľnglich beide von Scheinbuchen dominiert wurden. Im Valdivianischen Regenwald kommen noch einige Koniferen der S√ľdhalbkugel wie die Chilenische Araukarie und die Patagonische Zypresse hinzu. Heute finden sich auch eingef√ľhrte Kiefern, L√§rchen und Pappeln in den chilenischen W√§ldern.

In der XI. Region (Ais√©n) gibt es W√§lder mit beispielsweise folgenden Baumarten: Lenga-S√ľdbuche (Nothofagus pumilio), Coihue-S√ľdbuche (Nothofagus dombeyi), Luma apiculata, Aextoxicon punctatum (der unter anderem in Chile Olivillo hei√üt), Embothrium coccineum, Chilenische Scheinulme (Eucryphia cordifolia), Kerzenbaum (Maytenus boaria).

Die ‚ÄěNationalblume‚Äú Chiles ist die rote Chilenische Wachsglocke (Lapageria rosea), sie hei√üt in Chile Copihue und ist eine Kletterpflanze.

Patagonien besteht aus weiten Steppen und Halbw√ľsten, an der S√ľdwestk√ľste findet sich die sogenannte Magellan-Tundra. Gro√üe Teile der Region Ais√©n und der Region Magallanes sind bereits vergletschert, so dass hier keine Vegetation mehr anzutreffen ist.

Feuerland ist von gro√üen Mooren durchzogen. Hier halten sich nur noch wenige Baumarten, wie die Lenga-S√ľdbuche, die Magellan-S√ľdbuche (Nothofagus betuloides) oder die Coihue-S√ľdbuche (Nothofagus dombeyi).

Fauna

In den Steppengebieten sind Guanakos, die zur Familie der Kamele gehören, weit verbreitet. In den Andenregionen leben Vikunjas und der Huemul, der als Nationaltier Chiles zusammen mit dem Andenkondor im Staatswappen dargestellt ist.

Der Chinchilla, ein Nagetier, sowie der Puma leben ebenfalls in gebirgigen Steppenlandschaften. Die W√§lder bieten Platz f√ľr Hirsche, Chilenische Waldkatzen, F√ľchse und f√ľr Kolibris.

Der Humboldt-Pinguin, Pelikane und M√§hnenrobben leben selbst an den kalten K√ľsten Nordchiles, M√§hnenrobben und Magellan-Pinguine im eisreichen S√ľden.

Über fast den ganzen Bereich Chiles ist der majestätische Andenkondor verbreitet, einer der größten Vögel der Welt. Die großen Salzseen beherbergen tausende Flamingos.

Im kargen S√ľden Feuerlands leben Eulen, Magellan-F√ľchse und Darwin-Nandus. Sehr h√§ufig anzutreffen sind Strauchratten (Degus), kleine, ausschlie√ülich in Chile heimische und vom Aussehen her ratten√§hnliche Nagetiere aus der Familie der Trugratten, die mit drei Arten fast das ganze Land bewohnen. Sie leben in Erdh√∂hlen in Kolonien und nehmen im √Ėkosystem die Nische ein, die in Deutschland die Wildkaninchen innehaben.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerungszählung des staatlichen chilenische Statistikamt INE ergab, dass das Land in der Mitte des Jahres 2017 17.574.003 Einwohner hatte. Davon waren 8.601.989 Männer und 8.972.014 Frauen. Die Bevölkerungszählung von 2002 hatte noch 15.116.435 Einwohner (7.447.695 Männer und 7.668.740 Frauen) ergeben.

Die Bev√∂lkerung hat sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts verf√ľnffacht. Bei der Volksz√§hlung des Jahres 1895 wurden 2.695.625 Einwohner ermittelt. Die Einwohnerzahl stieg auf 5.023.539 bei der Z√§hlung 1940 und 13.348.401 im Jahr 1992. Seitdem hat sich das Bev√∂lkerungswachstum verlangsamt, von 1,24¬†% pro Jahr zwischen 1992 und 2002 auf 0,99¬†% zwischen 2002 und 2012.

Das Bev√∂lkerungswachstum ist nicht zuletzt auf die stark gestiegene Lebenserwartung zur√ľckzuf√ľhren. Im Jahr 2017 hatten die Chilenen die h√∂chste Lebenserwartung aller S√ľdamerikaner. Sie lag im Zeitraum von 2010 bis 2015 bei 78,9 Jahren: 76,2 f√ľr M√§nner und 81,3 f√ľr Frauen. Die Lebenserwartung war damit vergleichbar mit der in den USA. Seit den Sechzigern hat Chile eine streng monoton steigende Bev√∂lkerungsentwicklung. 2015 lag die Geburtenrate bei 13,4 ‚Äį und die Sterberate bei 6,1 ‚Äį, was ein nat√ľrliches Bev√∂lkerungswachstum von 0,85¬†% ergab. Die Kindersterblichkeit ist seit 2006 stetig gesunken und lag 2016 bei 8,3 ‚Äį. Diese Entwicklungen f√ľhren zu einer Alterung der Gesellschaft, so dass im Jahr 2020 die Mehrheit der Bev√∂lkerung √ľber 35 Jahre alt sein wird, w√§hrend momentan die Unter-35-J√§hrigen die Mehrheit stellen. F√ľr 2025 wird die f√ľr den Demografischen √úbergang charakteristische Tropfenform der Bev√∂lkerungspyramide erwartet.

Bevölkerungsverteilung

Der Gro√üteil der Bev√∂lkerung lebt in den Regionen V bis X. Am dichtesten besiedelt ist der Gro√üraum Regi√≥n Metropolitana de Santiago, wo etwa die H√§lfte der chilenischen Einwohner lebt. Die Stadt selbst hat etwa 5,5 Millionen Einwohner; sie beherbergt also in etwa ein Drittel aller Einwohner Chiles. N√∂rdlich und vor allem s√ľdlich davon erstrecken sich landwirtschaftlich genutzte und dicht besiedelte Gebiete in der Ebene zwischen den Hauptketten der Anden. Nur 100¬†Kilometer westlich von Santiago liegt der Gro√üraum um die Hafenstadt Valpara√≠so mit etwa einer Million Einwohnern.

Nach Norden und S√ľden verringert sich die Bev√∂lkerungsdichte immer st√§rker. Die Atacamaw√ľste im √§u√üersten Norden und die rauen, st√ľrmischen Gebiete im S√ľden sind aufgrund der ung√ľnstigen klimatischen Bedingungen nur sehr d√ľnn besiedelt.

Migration

Die Migrationsrate Chiles lag im Jahr 2012 bei 0,35 Migranten je 1000 Einwohner und Jahr und war damit eine der niedrigsten in ganz Lateinamerika. Im Jahre 2017 waren 2,7 % der Bevölkerung im Ausland geboren.

Im Jahre 1848 begann die deutsche Kolonisierung, die von der chilenischen Regierung gef√∂rdert wurde, um den S√ľden des Landes zu bev√∂lkern. Die Einwanderung aus deutschsprachigen Staaten beeinflusste die Kultur eines gro√üen Gebietes in S√ľdchile, besonders in den Provinzen Valdivia, Osorno und Llanquihue. Einwanderer aus anderen europ√§ischen und westasiatischen Staaten kamen im 19. und 20. Jahrhundert vor allem in Valpara√≠so und im √§u√üersten Norden und S√ľden an. Darunter befanden sich √Ėsterreicher, Briten und Iren, Kroaten, Spanier, Franzosen, Griechen, Italiener, Niederl√§nder, Polen, Russen, Schweizer, Juden und Pal√§stinenser. Im Jahre 1953 gr√ľndete Pr√§sident Carlos Ib√°√Īez del Campo die Einwanderungsbeh√∂rde Departamento de Inmigraci√≥n und lie√ü Regeln √ľber die Einwanderung aufstellen.

Im 21. Jahrhundert hat die Einwanderung aus den benachbarten Staaten mehr an Bedeutung gewonnen. Zwischen 2004 und 2010 stieg sie um 50 % auf geschätzt 365 459 Personen. Die Volkszählung des Jahres 2012 ergab, dass 339 536 im Ausland geborene Menschen in Chile wohnhaft waren. Sie stammten vor allem aus Peru (103 624), Argentinien (57 019), Kolumbien (27 411), Bolivien (25 151) und Ecuador (16 357). 2014 stammten 74,9 % der Einwanderer vom gleichen Kontinent ab.

Obwohl die Auswanderung aus Chile im vergangenen Jahrzehnt zur√ľckgegangen ist, lebten im Jahr 2005 487 174 Chilenen au√üerhalb Chiles. Dies entspricht 3,01¬†% der Bev√∂lkerung des gleichen Jahres (16¬†165¬†316 Menschen). Die meisten ausgewanderten Chilenen leben heute in Argentinien (43,33¬†%), des Weiteren 16,58¬†% in den USA, 5,61¬†% in Schweden, 5,21¬†% in Kanada und 4,80¬†% in Australien.

Die interne Migration von den l√§ndlichen Gebieten in die Gro√üst√§dte hat sich in den letzten Jahrzehnten verst√§rkt. So wurden etwa 80¬†% der Bev√∂lkerung der mittleren und s√ľdlichen Regionen Chiles in der Region selbst geboren. In Biob√≠o erreicht dieser Wert mit 86,11¬†% den H√∂chststand. Nur 71¬†% der Bewohner der Hauptstadtregion wurden auch in der Region geboren und gar nur 55¬†% der Region Magallanes y Ant√°rtica Chilena stammen von dort.

Urbanisierung und wichtige Städte

Die Bev√∂lkerung Chiles ist im internationalen Vergleich sehr ungleich verteilt. Die Volksz√§hlung des Jahres 2002 ergab, dass 13 090 113 Chilenen, oder 86,59¬†% der Gesamtbev√∂lkerung, in St√§dten leben. Die Regionen in klimatisch extremen Zonen weisen den h√∂chsten Urbanisierungsgrad auf ‚ÄĒ 97,68¬†% der Bev√∂lkerung der Region Antofagasta, 94,06¬†% von Tarapac√° und 92,6¬†% von Magallanes y Ant√°rtica Chilena leben in St√§dten. Auch die Industriestandorte in Mittelchile sind stark urbanisiert ‚ÄĒ 96,93¬†% der Menschen in der Hauptstadtregion und 91,56¬†% in der Region Valpara√≠so sind Stadtbewohner. Die 2¬†026¬†322 Menschen oder 13,41¬†% der Gesamtbev√∂lkerung, die auf dem Land leben, arbeiten gr√∂√ütenteils in Landwirtschaft und Viehzucht. Sie konzentrieren sich auf Mittel- und S√ľdchile; 33,59¬†% der Bev√∂lkerung von Maule, 32,33¬†% von La Araucan√≠a und 31,56¬†% von Los Lagos leben auf dem Land.

In den 1920er Jahren begann eine starke Abwanderung von Landbewohnern, die auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen in die St√§dte zogen. Die St√§dte wuchsen dadurch schnell und bildeten gro√üe Ballungsr√§ume. Der Gro√üraum Santiago ist der gr√∂√üte derartige Ballungsraum. Im Jahr 2002 wohnten hier 5¬†428¬†590 Menschen oder mehr als ein Drittel aller Bewohner von Chile, w√§hrend er 1907 383¬†587 und 1920 noch 549¬†292 Einwohner hatte, was 16¬†% der Bev√∂lkerung Chiles entsprach. Das St√§dtewachstum f√ľhrte auch dazu, dass vormals l√§ndliche Gebiete Teile der St√§dte wurden, wie Puente Alto oder Maip√ļ, die heute zu den bev√∂lkerungsreichsten Gemeinden Chiles z√§hlen. Im Januar 2015 nahm Santiago hinter S√£o Paulo, Ciudad de M√©xico, Buenos Aires, Rio de Janeiro, Lima und Bogot√° den siebenten Rang unter den lateinamerikanischen St√§dten mit den gr√∂√üten Bev√∂lkerungszahlen ein; weltweit rangiert es auf 54. Stelle.

Analog zur Hauptstadt sind auch Valpara√≠so und Vi√Īa del Mar von starkem Bev√∂lkerungswachstum betroffen gewesen. Sie sind dadurch mit Conc√≥n, Quilpu√© und Villa Alemana zum Gro√üraum Gran Valpara√≠so zusammengewachsen. Auch Concepci√≥n, Talcahuano, Hualp√©n, Chiguayante, San Pedro de la Paz, Penco, Coronel, Lota, Hualqui und Tom√© bilden ein Ballungsgebiet namens Gran Concepci√≥n. Beide Ballungsr√§ume hatten im Jahr 2002 mehr als 660¬†000 Einwohner.

Weitere wichtige St√§dte und Ballungsr√§ume sind die Agglomeration La Serena-Coquimbo (296¬†253 Einwohner im Jahre 2002), Antofagasta (285¬†255), Temuco-Padre Las Casas (260¬†878), Rancagua (236¬†363), Iquique-Alto Hospicio (214¬†586), Talca (191¬†154), Arica (175¬†441), Chill√°n-Chill√°n Viejo (165¬†528), Puerto Montt (153¬†118), Los √Āngeles (138¬†856), Calama (136¬†600), Copiap√≥ (134¬†531), Osorno (132¬†245), Quillota (128¬†874), Valdivia (127¬†750), Punta Arenas (116¬†005), San Antonio (106¬†101) und Curic√≥ (104¬†124). Die Mehrzahl dieser St√§dte liegt entlang der Pazifikk√ľste oder im Zentraltal in der Mitte Chiles zwischen Santiago und Puerto Montt.

Ethnische Zusammensetzung

Die chilenische Bev√∂lkerung ist durch einen hohen Grad an Homogenit√§t gekennzeichnet. Die Chilenen mit europ√§ischen Vorfahren und Mestizen bilden rund 88,92¬†Prozent der Bev√∂lkerung. 11,08¬†Prozent werden durch die indigene Bev√∂lkerung gebildet. Davon sind 82¬†Prozent Mapuche, 6¬†Prozent Aymara, 2,5¬†Prozent Diaguita und 0,5¬†Prozent Rapanui. Chile hat bisher die Convention 169 der ILO, die die Rechte indigener V√∂lker sch√ľtzt, nicht unterzeichnet.

Das Volk der Mapuche lebt √ľberwiegend in der Region zwischen den Fl√ľssen B√≠o-B√≠o und Tolt√©n und besitzt dort einen Bev√∂lkerungsanteil von 23¬†Prozent. Die Mapuche, fr√ľher zusammen mit anderen V√∂lkern der Region auch unter der (von den Mapuche selbst abgelehnten) Sammelbezeichnung Araukaner bekannt, lassen sich in Pewenche, Lafkenche, Wenteche und Huilliche unterteilen (die im Norden lebenden Picunche sind der spanischen Eroberung zum Opfer gefallen). Ihre Sprache, das Mapudungun, wird seit wenigen Jahren als Erg√§nzungsfach in der Schule gelehrt und f√ľr eine t√§gliche Nachrichtensendung im lokalen Fernsehen auf Canal 13 Temuco verwendet. Trotz dieser Errungenschaften bleibt die traditionelle Lebensweise der Mapuche durch den Verlust ihres Landes und die liberale Wirtschaftsordnung gef√§hrdet. Mapuche m√ľssen oft in die Gro√üst√§dte abwandern, um bezahlte Arbeit zu suchen.

Im n√∂rdlichen Teil Chiles leben kleinere Gruppen von Quechua, Aymara, Chango, Atacame√Īo, Diaguita und Kolla. Im S√ľden Chiles lebten bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts auch kleine Gruppen von Selk‚Äônam, Kaw√©skar, Y√°mana, Caucahue sowie Tehuelche, deren Nachfahren in der heutigen Mehrheitsbev√∂lkerung aufgegangen sind oder sich heute als Mapuche verstehen. Von den rund 5000 Einwohnern der Osterinsel sind ca. 40¬†Prozent, also etwa 2000 Menschen, Polynesier (Rapanui).

W√§hrend der Kolonialzeit wurde Chile durch spanische Einwanderer besiedelt, die gro√üteils aus den kastilischen Regionen Spaniens kamen. Im 19. Jahrhundert wanderten besonders viele englische und irische sowie deutsche Siedler nach Chile ein. Nennenswerte Einwandererkontingente kamen au√üerdem aus Frankreich, Italien, Kroatien und in j√ľngerer Zeit aus Pal√§stina bzw. dem Nahen Osten. Die ersten Deutschen trafen 1843 ein und siedelten sich sp√§ter vor allem im Gebiet um den Llanquihue-See und in Valdivia, Osorno sowie Puerto Montt an. Im Jahr 1913 nannte das Handbuch des Deutschtums im Ausland 30.000 in Chile lebende ‚ÄěAuslandsdeutsche‚Äú; 1916 betrug die Zahl der im Lande ans√§ssigen Deutschchilenen und Chiledeutschen einer Z√§hlung des Deutsch-Chilenischen Bunds zufolge etwa 25.500. Zuletzt gab es w√§hrend und nach dem Zweiten Weltkrieg eine Zuwanderungswelle aus dem deutschsprachigen Raum. Noch heute wird die deutsche Sprache von bis zu 35.000 Einwohnern verwendet, deren Zahl allerdings stetig abnimmt.

Die Verschleppung schwarzer Sklaven nach Chile war zu allen Zeiten sehr gering. Die Mehrheit von ihnen konzentrierte sich auf die St√§dte Santiago de Chile, Quillota und Valpara√≠so. Im Laufe der Jahrhunderte vermischten sich die Schwarzen mit den Wei√üen und Mestizen, so dass heute das afrikanische Element in Chile fast v√∂llig verschwunden ist. Eine Ausnahme bildet die Stadt Arica in der Provinz Tarapac√°. Arica wurde 1570 gegr√ľndet und geh√∂rte bis 1883 zu Peru. Die Stadt z√§hlte zu den peruanischen Einfuhrzentren f√ľr afrikanische Sklaven. Von hier aus wurde auch ein gro√üer Teil der bolivianischen Handelsg√ľter auf europ√§ische Schiffe verladen. Arica lag mitten in der W√ľste und bildete ‚Äď dank der hervorragenden Anbaum√∂glichkeiten f√ľr Zuckerrohr und Baumwolle im Azapatal ‚Äď eine Oase. Erdbeben, Piraten√ľberf√§lle und der Ausbruch von Malariaepidemien f√ľhrten dazu, dass viele Wei√üe die Stadt verlie√üen. So entwickelte sich mit der Zeit eine mehr oder weniger isolierte afro-chilenische Enklave. Chile erkl√§rte sich 1811 als erster Staat in S√ľdamerika gegen die Sklaverei und schaffte sie 1823 endg√ľltig ab.

In den vergangenen Jahrzehnten suchten vermehrt Arbeiter aus Peru und Bolivien in Chile ihr Gl√ľck. In den 1980er Jahren gewann hierdurch bedingt die peruanischen K√ľche einen gewissen Einfluss in Chile. 2007 beschloss die Regierung eine Amnestie f√ľr diejenigen Ausl√§nder, meistens aus Peru, die ohne Aufenthaltserlaubnis im Land arbeiteten. Die Wirtschaftskrise in Argentinien zwang seit der Jahrtausendwende vermehrt auch Argentinier zur Arbeitssuche im Nachbarland. Eine kleine Gruppe von Einwanderern kommt aus Asien, vor allem aus Korea, und lebt im Gro√üraum Santiago.

Sprache

Die bekannteste indigene Sprache ist das Mapudungun, die in S√ľdchile gesprochene Sprache der Mapuche (ca. 250.000 Sprecher); daneben sind in Nordchile Aymara (ca. 20.000 Sprecher) und auf der Osterinsel Rapanui (ca. 1000 Sprecher) verbreitet. Insgesamt werden in Chile neun verschiedene Sprachen und Idiome benutzt, darunter mindestens vier aussterbende Sprachen, f√ľr die nur noch einige wenige Sprecher bekannt sind. So wird f√ľr die Sprache der Y√°mana im Jahr 2013 noch ein einziger, 85-j√§hriger Sprecher genannt. Das in Peru und Bolivien verbreitete Quechua wird nur in den (fr√ľher peruanischen bzw. bolivianischen) chilenischen Nordprovinzen von einer nennenswerten Sprecherzahl verwendet. Vor allem in den s√ľdchilenischen Regionen IX und X leben zahlreiche Deutschchilenen, die teilweise noch Deutsch sprechen, sodass Deutsch die drittverbreitetste Sprache des Landes nach Spanisch und Mapudungun ist (genannt werden ca. 35.000 Sprecher).

Die Amtssprache und bei weitem √ľberwiegende Alltagssprache Chiles ist Spanisch (in Chile Castellano genannt), wobei das in Chile gesprochene Spanische verschiedene Eigent√ľmlichkeiten aufweist, welche Vokabular und Aussprache, die charakteristische Sprechmelodie und einzelne grammatikalische Besonderheiten betreffen. Zahlreiche in Chile verwendete Ausdr√ľcke wurden aus einheimischen Sprachen (gr√∂√ütenteils dem Quechua und Aymara, nur selten aus dem Mapudungun) oder aus den Sprachen der Einwanderer √ľbernommen (zum Beispiel cachar ‚Ästvon engl. to catch¬†‚Äď oder kuchen). Von 1844 bis 1927 galt in Chile die an den Vorschl√§gen von Andr√©s Bello orientierte, von den Regelungen der Real Academia Espa√Īola stark abweichende ‚Äěamerikanische‚Äú spanische Rechtschreibung.

In Chile herrscht wie in Lateinamerika generell der Seseo. Wie √ľberall im lateinamerikanischen Spanischen fehlt auch eine grammatikalische zweite Person im Plural v√∂llig; auch das dazugeh√∂rige Pronomen vosotros/-as (‚Äěihr‚Äú als Plural-Anrede) ist unbekannt und die Anrede einer Mehrzahl von Personen erfolgt ausschlie√ülich mit den Verbformen der dritten Person und dem Anredepronomen ustedes. Auch im Singular wird die Anrede standardsprachlich in der dritten Person mit der H√∂flichkeitsform Usted gew√§hlt. Die vertraute Anrede mit t√ļ (‚ÄěDu‚Äú) ist auf den Kreis engster Freunde, Lebenspartner und gleichaltriger oder j√ľngerer Angeh√∂riger beschr√§nkt. Umgangssprachlich ist ein unvollst√§ndiger Voseo gebr√§uchlich, bei dem zur Anrede des Gegen√ľbers in der zweiten Person Singular spezifische chilenische Voseo-Verbformen (zum Beispiel: ‚Äěest√°i‚Äú statt est√°s, ‚Äěquer√≠s‚Äú statt quieres, ‚Äěven√≠s‚Äú statt vienes, ‚Äěvai‚Äú statt vas) eingesetzt werden, deren Bildungsweise an die Formen der zweiten Person Plural nach kontinentalspanischem Standard (est√°is, quer√©is, ven√≠s, vais) erinnert. In deutlichem Kontrast zum Nachbarland Argentinien wird das entsprechende Personalpronomen Vos (‚ÄěIhr‚Äú als Singular-Anrede) in Chile jedoch gemieden und zumeist als vulg√§r oder despektierlich empfunden.

Religion

Das Land galt lange als sehr katholisch gepr√§gt, auch wenn Staat und Kirche seit 1925 offiziell getrennt sind. Der kirchliche Einfluss auf das gesellschaftliche Leben, das Rechtswesen (besonders das Familienrecht) und die Kultur- und Medienwelt ist noch immer recht stark. So geh√∂rte bis 2010 der zweitgr√∂√üte Privatsender des Landes, Canal 13, allein der r√∂misch-katholischen Kirche. Jedoch sind eheliche und uneheliche Kinder seit 1998 rechtlich gleichbehandelt, das chilenische Eherecht sieht seit November 2004 eine M√∂glichkeit der Scheidung vor und 2015 wurde f√ľr gleich- und verschiedengeschlechtliche Paare die eingetragene Partnerschaft (acuerdo de uni√≥n civil) eingef√ľhrt. Abtreibungen sind seit 1990 verboten; eine Lockerung des absoluten Abtreibungsverbots in bestimmten medizinisch und ethisch indizierten F√§llen wurde aber seit Jahren kontrovers diskutiert und 2017 verwirklicht.

Rund 70¬†Prozent der Bev√∂lkerung (7.853.000 Befragte) rechneten sich bei der Volksz√§hlung 2002 zur r√∂misch-katholischen Kirche, die die zahlenm√§√üig st√§rkste Religionsgemeinschaft des Landes bildet. Die kirchliche Verwaltungsstruktur besteht aus f√ľnf Kirchenprovinzen mit 26 Bist√ľmern und 920 Pfarreien. Im Oktober 1999 wurde ein Gesetz zur Gleichstellung der Religionsgemeinschaften verabschiedet, das allerdings die Privilegien der r√∂misch-katholischen Kirche unangetastet lie√ü und nur den Status der anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften verbesserte. Rund 15¬†Prozent der Chilenen geh√∂rten 2002 protestantischen Glaubensgemeinschaften an; durch den weit verbreiteten pfingstlerischen Einfluss ist der Anteil der evangelikalen Einwohner wie in ganz Lateinamerika vor allem in den letzten Jahrzehnten angestiegen (er lag in Chile 1930 bei 1,5¬†Prozent, 1992 bereits bei rund 13¬†Prozent). An weiteren Weltanschauungen wurden 8,3¬†Prozent Agnostiker und Atheisten genannt und 4,4¬†Prozent ‚ÄěAndere‚Äú, wozu auch die indigenen Religionen z√§hlen (etwa die Religion der Mapuche). Kleinere Glaubensrichtungen bilden die Zeugen Jehovas (1,06¬†Prozent), Mormonen (0,92¬†Prozent), Juden (0,13¬†Prozent) und andere.

Neuere Befragungen ergaben, dass Chile zusammen mit Uruguay das am st√§rksten s√§kularisierte Land in Lateinamerika ist. Demnach entfielen auf die katholische Kirche 2013 noch 57¬†Prozent, auf die evangelischen Kirchen (haupts√§chlich Evangelikale) 13¬†Prozent, w√§hrend Religionsfreie seit 2011 mit 25¬†Prozent zu Buche schlagen. Auff√§llig ist der um 2010 abrupt einsetzende R√ľckgang der praktizierten Religiosit√§t in Chile: Nur noch 27¬†Prozent der gl√§ubigen Chilenen bezeichneten sich 2013 als praktizierend (2010: 41¬†%; 2011: 38¬†%), das ist das niedrigste Ergebnis in ganz Lateinamerika. Zugleich geh√∂rt Chile zu den lateinamerikanischen L√§ndern, in denen evangelikale Gruppierungen aktuell ein vergleichsweise geringes Wachstum verzeichnen. Obwohl der Untersuchungszeitraum der Studie bereits 2013 endete, halten die Autoren einen Vertrauenszuwachs der katholischen Kirche infolge des Amtsantritts von Papst Franziskus in allen L√§ndern einschlie√ülich Chiles f√ľr erkennbar, ohne jedoch dessen Nachhaltigkeit einsch√§tzen zu k√∂nnen. Die Anfang 2018 ver√∂ffentlichte Folgeuntersuchung desselben Instituts belegt eine ungebrochene Fortsetzung des R√ľckgangs auch nach 2013: Demnach bezeichnen sich heute nur noch 45¬†Prozent der Chilenen als Katholiken, sodass Chile nach Uruguay als zweites lateinamerikanisches Land keine mehrheitlich katholische Bev√∂lkerung mehr besitzt. Bei der amtlichen Volksz√§hlung 2017 bezeichneten sich allerdings noch 59 Prozent der Chilenen als katholisch.

Geschichte

Präkolumbische und Kolonialgeschichte

Etwa 13.000 Jahre v. Chr. siedelten die ersten Menschen im heutigen Staatsgebiet Chiles (siehe Monte Verde). Sp√§ter geh√∂rte der Norden Chiles bis zu seiner Eroberung durch die Spanier kurzzeitig zum Inkareich. Im Jahr 1520 entdeckte der Portugiese Ferdinand Magellan w√§hrend seines Versuches, die Erde zu umsegeln, die nach ihm benannte Magellanstra√üe, die an der heutigen S√ľdspitze Chiles liegt. 1535 erreichte Diego de Almagro von Peru aus das heutige Chile, fand aber nicht die erhofften Reicht√ľmer vor und kehrte entt√§uscht zur√ľck. Die erste permanente Siedlung der Europ√§er war das 1541 durch Pedro de Valdivia gegr√ľndete Santiago. Seit 1542 war Chile Bestandteil des spanischen Vizek√∂nigreiches Peru.

Da die Spanier wenig Gold und Silber fanden, war Chile aufgrund seiner abgeschiedenen Lage eine eher wenig beachtete Kolonie der spanischen Krone. Die gro√üe Atacamaw√ľste behinderte den direkten Weg nach Peru. Erst sp√§ter wurde Chile durch landwirtschaftliche Produkte f√ľr die anderen spanischen Besitzungen ein wichtiger Versorgungspartner.

Chile beherbergte verschiedene Volksgruppen, die lange Zeit f√§lschlicherweise unter dem Begriff Araukaner zusammengefasst wurden. Im S√ľden leisteten die Mapuche in zahlreichen Kriegen erbitterten Widerstand. Der Konflikt, der als Arauco-Krieg (Guerra de Arauco) bezeichnet wird, verhinderte eine spanische Besiedlung der s√ľdlichen H√§lfte Chiles nachhaltig. Die meisten St√§dte, Ansiedlungen und Forts wurden kurz nach ihrer Errichtung von den Kampfverb√§nden der Ureinwohner √ľberrannt und wieder zerst√∂rt. Ab 1602 bildete der Fluss B√≠o B√≠o faktisch die Grenze zum Mapuchegebiet. Der andauernde Widerstand der Ureinwohner zwang die Spanier 1641 zur Anerkennung einer unabh√§ngigen Mapuche-Nation im Vertrag von Quill√≠n. Darin wurde der B√≠o-B√≠o-Fluss als Grenze festgeschrieben und dem Volk der Mapuche Souver√§nit√§t zugebilligt, ein in der Geschichte indigener Bev√∂lkerungen in S√ľdamerika einzigartiger Vorgang. Zwar kam es auch danach immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen und gl√ľcklosen Eroberungsversuchen, doch hatte die Grenzziehung im Wesentlichen bis zum Ende der Kolonialzeit Bestand. Erst im Rahmen der 1861 von Pr√§sident Jos√© Joaqu√≠n P√©rez ausgerufenen sogenannten ‚ÄěBefriedung Araukaniens‚Äú wurde die Mapuche mit Hilfe chilenischer Truppen gewaltsam unterworfen und im Jahre 1883 an Chile angegliedert.

Neben den indianischen Angriffen behinderten schwere Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbr√ľche die Entwicklung des Landes. Viele St√§dte wurden komplett zerst√∂rt, wie beispielsweise Concepci√≥n 1570 und Valdivia 1575. Die chilenischen K√ľstenst√§dte waren im 16. und 17. Jahrhundert h√§ufigen Angriffen englischer Piraten ausgesetzt.

1609 wurde das Generalkapitanat Chile gegr√ľndet, dieses war jedoch abh√§ngig vom Vizek√∂nigreich Peru. 1778 wurde Chile zum eigenst√§ndigen Generalkapitanat mit Handelsfreiheit innerhalb des spanischen K√∂nigreiches.

Unabhängigkeitskrieg und Entstehung der Republik

Der Drang nach Unabhängigkeit kam auf, als 1808 Spanien von Napoleons Bruder Joseph regiert wurde. Am 18. September 1810 wurde eine Junta ins Leben gerufen, die die Treue Chiles zum abgesetzten König Ferdinand VII. erklärte, und zwar als eine autonome Provinz innerhalb des spanischen Königreichs. Dieses Datum feiert man in Chile als den Beginn der Unabhängigkeit. Wenig später erklärte Chile seine Loslösung von Spanien und der Monarchie.

1814, nach dem Ende des Spanischen Unabh√§ngigkeitskrieges und der Niederlage der Patrioten in der Schlacht von Rancagua, √ľbernahm Spanien wieder die Macht in Chile. Die Spanier wurden aber in der Schlacht von Chacabuco durch ein chilenisch-argentinisches Heer unter General Jos√© de San Mart√≠n geschlagen. In der Schlacht von Maip√ļ 1818 brach die spanische Kolonialherrschaft endg√ľltig zusammen. San Mart√≠n verzichtete zugunsten von Bernardo O‚ÄôHiggins auf das Pr√§sidentenamt.

O‚ÄôHiggins selbst wurde gest√ľrzt und ging 1823 ins Exil nach Peru. Sein Nachfolger Ram√≥n Freire y Serrano konnte seine politische Macht nicht richtig festigen und wurde von Francisco Antonio Pinto D√≠az 1828 gest√ľrzt. Dieser f√ľhrte eine liberale Verfassung ein, was den Zorn der Konservativen hervorrief. Am 17. April 1830 st√ľrzte Diego Portales Palazuelos in der Schlacht von Lircay die Regierung. Portales regierte (indirekt, denn er wurde nie Pr√§sident) bis August 1831 mit diktatorischen Mitteln. Im Jahre 1833 entstand mit Hilfe Portales eine streng pr√§sidiale Verfassung. Diese stark zentralistische Verfassung gew√§hrte Chile eine lange Zeit der Stabilit√§t, bis zum B√ľrgerkrieg von 1891.

Von 1836 bis 1839 kam es zum Konföderationskrieg gegen Bolivien und Peru, den die Chilenen gewannen.

Am 17. September 1865 erkl√§rte Chile Spanien den Krieg (Spanisch-S√ľdamerikanischer Krieg), nachdem Spanien versucht hatte mit milit√§rischen Mitteln in Peru Einfluss zu gewinnen. Es kam daraufhin zu den Seegefechten bei Papudo sowie bei Abtao vor der Insel Chilo√©. Am 5. Dezember 1865 verb√ľndete sich auch Peru mit Chile, um den gemeinsamen Gegner zu bek√§mpfen. Die Spanier beschossen am 31. M√§rz 1866 die Stadt Valpara√≠so massiv. Der Konflikt mit Spanien konnte aber erst in Vertr√§gen von 1871 und 1883 endg√ľltig gel√∂st werden.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wanderten verst√§rkt auch nicht-spanische Europ√§er nach Chile ein, darunter Deutsche, deren Spuren noch heute vor allem im s√ľdlichen Mittelteil des Landes zu sehen sind (Valdivia, Osorno, Puerto Montt, Puerto Varas, Frutillar, Puerto Natales).

Salpeterkrieg

Im Salpeterkrieg von 1879 bis 1884 besetzte Chile die bis dahin zu den Nachbarl√§ndern Peru und Bolivien geh√∂rende Atacamaw√ľste, Lima und Teile der Pazifikk√ľste von Peru. Im Friedensvertrag von 1904 zwischen Chile und Bolivien √ľbergab Bolivien an Chile seinen freien Zugang zum Pazifik. In den eroberten Gebieten wurden sp√§ter gro√üe Kupfervorkommen gefunden: Chuquicamata, der gr√∂√üte Kupfertagebau der Welt, befindet sich in diesem Gebiet.

Peru √ľbergab an Chile im Vertrag von Anc√≥n die heutigen Regionen von Arica, Parinacota und Tarapac√° als Reparationen.

B√ľrgerkrieg von 1891

1891 widersetzten sich Parlament und Marine dem Pr√§sidenten Jos√© Manuel Balmaceda; es kam zum B√ľrgerkrieg. In diesem Konflikt starben rund 6000 Menschen. Balmaceda verlor zwei gr√∂√üere Schlachten und beging am 18. September 1891 Selbstmord. Das bis dahin pr√§sidial gepr√§gte Regierungssystem wurde nach dem Sieg der Kongressanh√§nger durch ein parlamentarisches System ersetzt, bis 1925 wiederum ein pr√§sidentielles Regierungssystem eingef√ľhrt wurde. W√§hrend der Unruhen kam es zum Baltimore-Zwischenfall, der zu einem diplomatischen Konflikt zwischen der neuen chilenischen Regierung und den USA f√ľhrte.

Grenzverlauf

Trotz des Grenzvertrags mit Argentinien (1881) versch√§rften sich ab 1893 die Grenzstreitigkeiten mit Argentinien, weil der Vertrag die Andenkordillere als Grenze bestimmte: Die Grenzlinie verlaufe ‚Äě√ľber die h√∂chsten Berge, die die Wasserscheide bilden‚Äú. Auf manchen Abschnitten f√ľhrte diese Definition zu strittigen Ergebnissen. Im Norden tauschte Bolivien einen Teil der Puna gegen Tarija mit Argentinien, nachdem Chile die Puna-Region im Salpeterkrieg besetzt hatte. Zwischen Chile und Argentinien kam es zu einem Wettr√ľsten. Erst durch ein Schiedsgerichtsverfahren konnte der Grenzstreit 1902 beigelegt werden. Patagonien und Feuerland wurden neu aufgeteilt, dabei fielen 54.000¬†Quadratkilometer an Chile und 40.000¬†Quadratkilometer an Argentinien. Der Grenzverlauf mit Bolivien wurde 1904 mit einem im gegenseitigen Einvernehmen geschlossenen Friedensvertrag festgelegt. Doch bald keimte in Bolivien ein Revisionismus auf, der bis heute eine schwierige und oft sehr angespannte politische Situation zwischen den beiden L√§ndern verursacht. In den 1970er Jahren, als beide L√§nder durch Milit√§rdiktaturen regiert wurden, wurde von chilenischer Seite angeboten, einen zirka 10¬†km breiten Gebietsstreifen entlang der Grenze mit Peru an Bolivien abzutreten, um endg√ľltig Frieden zu schaffen. Der Vorschlag wurde nicht umgesetzt, weil Bolivien keine Kompensation daf√ľr geben wollte. Bolivien versuchte daraufhin, einen Anspruch auf einen souver√§nen Zugang zum Meer mit einer Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag durchzusetzen. Am 1. Oktober 2018 wies der Internationale Gerichtshof die Klage Boliviens gegen Chile ab.

Erster und Zweiter Weltkrieg

Chile blieb im Ersten Weltkrieg neutral, die innenpolitische Lage war aber weiterhin instabil. Pr√§sident Arturo Alessandri Palma, der in Chile ein Sozialversicherungssystem eingef√ľhrt hatte, wurde 1924 durch einen Milit√§rputsch abgesetzt, kam aber, nach der Einf√ľhrung einer neuen Verfassung im Jahre 1925, im M√§rz 1926 wieder an die Macht. Bis 1932 regierte (am l√§ngsten) Carlos Ib√°√Īez del Campo das Land mit diktatorischen Mitteln. 1932 wurde die verfassungsm√§√üige Ordnung wiederhergestellt und die Radikalen erwiesen sich in den folgenden 20 Jahren als f√ľhrende Partei.

Die Weltwirtschaftskrise um 1930 traf Chile besonders hart. Die Preise f√ľr die wichtigsten Exportg√ľter Kupfer und Salpeter verfielen dramatisch. Ab den 1930er Jahren folgte eine langsame Erholung des Landes, die 1938 durch einen Putschversuch der Nationalsozialistischen Bewegung Chiles und das darauffolgende Massaker unterbrochen wurde.

1934 kam es zu einer letzten großen Bauernrebellion in Ranquil, die durch Polizeikräfte niedergeschlagen wurde.

Nachdem Chile lange Zeit ‚Äď auch aus R√ľcksicht auf die zahlreichen deutschst√§mmigen Chilenen ‚Äď im Zweiten Weltkrieg neutral geblieben war, beschloss 1944 Pr√§sident Juan Antonio R√≠os Morales, an der Seite der Alliierten in den Krieg einzutreten. Daraufhin erkl√§rte Chile 1945 den Krieg an Japan. Der Einfluss Chiles auf den Kriegsausgang blieb jedoch unbedeutend.

Nachkriegszeit

1945 geh√∂rte das Land zu den Gr√ľndungsmitgliedern der Vereinten Nationen und trat 1948 der OAS bei.

Am 2. August 1947 ernannte Präsident González Videla ein Kabinett aus Militärs und Unabhängigen. Finanzminister dieses Kabinetts war Jorge Alessandri, der 1958 unter Mithilfe der Konservativen, der Liberalen und der Radikalen Partei Präsident Chiles wurde. Er gewann die Präsidentschaftswahl gegen Salvador Allende, den Kandidaten der Vereinigten Linken.

Großer Gegenspieler der Konservativen wurden die Christdemokraten, die zwar strikt antikommunistisch, nach europäischen Maßstäben aber in Fragen der Sozialpolitik gemäßigt links eingestellt waren.

Am 22. Mai 1960 ersch√ľtterte das bisher st√§rkste gemessene Erdbeben der Welt mit anschlie√üendem Tsunami die K√ľsten Chiles und verw√ľstete besonders die Hafenstadt Valdivia. Das Beben hatte die St√§rke 9,5 auf der Momenten-Magnituden-Skala. Mehr als 2000 Menschen starben, was in Folge Ablenkung von innenpolitischen Problemen schaffte. Weite Teile des Landes waren immer noch in den H√§nden einiger weniger verm√∂gender Familien.

1964 gewann Eduardo Frei Montalva als Kandidat der Christdemokratischen Partei die Wahl zum Pr√§sidenten, auch mit Wahlhilfe aus den USA. Er versuchte unter dem Motto ‚ÄěRevolution in Freiheit‚Äú, Sozialreformen mit dem Erhalt der demokratischen Ordnung zu verbinden und den Spagat zwischen den radikalen Forderungen der Linken und der rigorosen Abwehr von Reformen durch die Rechten zu schaffen. Eine Landreform verteilte √ľber drei Millionen Hektar Gro√ügrundbesitz an Bauerngenossenschaften. Frei scheiterte letztlich mit seinen wichtigsten Reformen, darunter der teilweisen Verstaatlichung der Kupferindustrie. 1969 trat Chile als Gr√ľndungsstaat der Andengemeinschaft bei, allerdings 1976 wieder aus.

Wie schon 1958 hieß auch 1970 der Gegner von Jorge Alessandri im Wahlkampf um das Präsidentenamt Salvador Allende, dem die Gewerkschaften und Sozialisten zur Seite standen. Allende gewann die Wahl und wurde Präsident.

Präsidentschaft Salvador Allende

Die Kr√§fte der Linken bildeten 1969 die Unidad Popular (UP), ein Wahlb√ľndnis, dem neben der Kommunistischen und der Sozialistischen Partei kleine humanistische, linkschristliche und marxistische Parteien angeh√∂rten. Die UP vertrat eine sozialistische Linie, warb f√ľr die Verstaatlichung der Industrie und die Enteignung der Gro√ügrundbesitzer. Dieses B√ľndnis stellte 1970 als Pr√§sidentschaftskandidaten Salvador Allende auf, der schon zum vierten Mal kandidierte.

Aus den Wahlen von 1970 ging das linke Wahlb√ľndnis Unidad Popular mit 37¬†% der Stimmen als st√§rkste Kraft hervor und Salvador Allende wurde zum Pr√§sidenten gew√§hlt. Sein konservativer Gegner, Jorge Alessandri, kam auf 35,3¬†%, und der Christdemokrat Radomiro Tomic erzielte 28,1¬†%. Stichwahlen waren in der damaligen Verfassung nicht vorgesehen. Allende wurde im Parlament mit den Stimmen der Christdemokraten (um Tomic) unter der Voraussetzung, er werde sich streng an die Verfassung und Rechtsstaatlichkeit halten, als Pr√§sident gew√§hlt. Er verstaatlichte in der Folge die wichtigsten Wirtschaftszweige (Bankwesen, Landwirtschaft, Kupferminen, Industrie, Kommunikation) und geriet dadurch in wachsende Konflikte mit der Opposition ‚Äď obwohl die Verstaatlichungen von der Verfassung gedeckt waren. Zudem stie√ü der Wahlsieg Allendes in den USA auf heftigen Widerstand.

Mit dem Sieg der ‚ÄěVolksfrontregierung‚Äú unter marxistischem Einfluss in Chile war nach Kuba der zweite amerikanische Staat sozialistisch regiert. Dies schien die 1954 von US-Pr√§sident Eisenhower postulierte Domino-Theorie zu best√§tigen, wonach die L√§nder S√ľdamerikas nach und nach wie Dominosteine dem Kommunismus anheimfallen w√ľrden. US-Au√üenminister Henry Kissinger lie√ü, als der Sieg der linken Kr√§fte absehbar war, verlauten: ‚ÄěIch sehe nicht ein, weshalb wir zulassen sollen, dass ein Land marxistisch wird, nur weil die Bev√∂lkerung unzurechnungsf√§hig ist.‚Äú Allende betrachtete sich nicht als Marxist und lehnte sowohl die Diktatur des Proletariats als auch ein Einparteiensystem entschieden ab.

Bei seinem Amtsantritt hatte Allende also mit Sanktionen und Gegenma√ünahmen der USA zu rechnen. So kam es bereits 1970 zu einem t√∂dlichen Attentat auf General Ren√© Schneider, bei dem die CIA und Au√üenminister Kissinger massiv beteiligt waren (siehe US-Intervention in Chile). Schneider war f√ľr die US-Regierung ein Hindernis, da er gegen einen Milit√§rputsch war.

Durch den Boykott der USA, der westeuropäischen Staaten und der internationalen Konzerne wurde das politische System derart labil, dass von Teilen des Militärs ein Putsch geplant wurde. Ein erster Putsch des 2. Panzerregiments scheiterte im Juni 1973.

Die Diktatur Pinochets

Am 11. September 1973 kam es schlie√ülich zu einem blutigen Milit√§rputsch gegen die Regierung. Pr√§sident Allende beging in der Moneda Selbstmord. Hunderte seiner Anh√§nger kamen in diesen Tagen ums Leben, Tausende wurden inhaftiert. S√§mtliche staatlichen Institutionen in ganz Chile wurden binnen Stunden vom Milit√§r besetzt. Die Macht als Pr√§sident einer Junta √ľbernahm General Augusto Pinochet.

Überall im Lande errichtete das Militär in der Folgezeit Geheimgefängnisse, wo Oppositionelle und deren Sympathisanten nicht selten zu Tode gefoltert wurden. Tausende Chilenen gingen wegen der fortgesetzten Menschenrechtsverletzungen ins Exil (→ Folter in Chile).

Kurz nach der Macht√ľbernahme Pinochets begannen die USA und die westeurop√§ischen Staaten, Chile wieder intensiv mit Wirtschaftshilfe zu unterst√ľtzen. Die Milit√§rregierung machte die Verstaatlichungen Allendes mit Ausnahme der Kupferminen r√ľckg√§ngig, f√ľhrte radikale Wirtschaftsreformen durch und schaffte die Gewerkschaftsrechte ab.

Im Jahr 1976 ernannte die Milit√§rregierung den Papierfabrikanten und fr√ľheren Pr√§sidenten Chiles, Jorge Alessandri, zum Pr√§sidenten des neu gegr√ľndeten Staatsrates (Consejo de Estado), dessen Aufgabe es war, eine neue Verfassung zu schreiben, um die Milit√§rdiktatur zu legitimieren.

In Deutschland erhielt die Regierung Pinochets lange Zeit Unterst√ľtzung aus den Reihen der Union, vor allem der CSU. So lobte Franz Josef Strau√ü 1977 bei seinem Besuch den Umsturz als ‚Äěgewaltigen Schlag gegen den internationalen Kommunismus‚Äú. Es sei ‚ÄěUnsinn, davon zu reden, da√ü in Chile gemordet und gefoltert w√ľrde‚Äú. Die Auseinandersetzung um die Bezeichnung der Milit√§r-Junta als ‚ÄěM√∂rderbande‚Äú durch den der SPD angeh√∂rigen Forschungsminister Hans Matth√∂fer anl√§sslich eines Streits um Wirtschaftshilfe im Jahr 1975 steht exemplarisch f√ľr die Gespaltenheit der deutschen Politik in dieser Frage. In den achtziger Jahren wurde auch in der CDU die Kritik an den Menschenrechtsverletzungen des Regimes deutlicher. In diese Zeit f√§llt auch der Chilebesuch von Norbert Bl√ľm, bei dem dieser Pinochet im direkten Gespr√§ch damit konfrontierte.

Insbesondere in der Colonia Dignidad, einer streng bewachten Siedlung von Auslandsdeutschen unter F√ľhrung von Paul Sch√§fer, wurde gefoltert. Die Sekte beziehungsweise totalit√§re Religionsgemeinschaft war etwa zehn Jahre vor der Macht√ľbernahme Pinochets gegr√ľndet worden und diente w√§hrend der Milit√§rherrschaft als Folterzentrum f√ľr die chilenischen Geheimdienste. Dar√ľber entwickelt sich die Colonia zu einem florierenden Konzern, der unter anderem Titan nach Deutschland exportierte. Trotz Hinweisen, gerichtlichen Anklagen und Fluchtversuchen deutscher B√ľrger √ľbte die deutsche Botschaft in Chile ‚Äě√§u√üerste Zur√ľckhaltung‚Äú und blieb unt√§tig, mehr noch, sie lie√ü Handwerker der Siedlung die Botschafterresidenz renovieren.

Im Dezember 1978 versch√§rfte sich der Beagle-Konflikt mit Argentinien und es kam zu kriegerischen Drohungen gegen Chile. Die unbewohnten Inseln Lennox, Picton und Nueva im Beagle-Kanal wurden zum Streitpunkt, vor allem weil in der Gegend gr√∂√üere √Ėlreserven vermutet wurden. Der Streit erreichte seinen gef√§hrlichsten H√∂hepunkt am 22. Dezember 1978, als Argentinien die Operation Soberan√≠a startete, um die Inseln milit√§risch zu besetzen und in Kontinental-Chile einzumarschieren. Der Einmarsch wurde gestoppt, als die Junta in Buenos Aires einer p√§pstlichen Vermittlung zustimmte. Diese Mediation f√ľhrte nach der Niederlage Argentiniens im Falklandkrieg zu dem Freundschafts- und Friedensvertrag von 1984 zwischen Chile und Argentinien, bei dem alle drei Inseln Chile zugesprochen wurden. Die fast abschlie√üende Grenzziehung mit Argentinien am Fitz-Roy-Massiv wurde am 16. Dezember 1998 vereinbart. Es bleibt bis heute nur noch ein kleiner undefinierter Abschnitt im Bereich des Campo de Hielo Sur (‚ÄěS√ľdliches Eisfeld‚Äú) √ľbrig. Dieser Bereich beherbergt das gr√∂√üte S√ľ√üwasserreservoir S√ľdamerikas.

Infolge des fr√ľheren Konflikts mit Argentinien unterst√ľtzte Chile w√§hrend des Falklandkrieges 1982 Gro√übritannien. So landete ein besch√§digter britischer Hubschrauber in Chile. Bisher ist der Grund seines Aufenthaltes in dieser Region allerdings unbekannt. Des Weiteren half Chile Gro√übritannien mit Radar- und Spionaget√§tigkeit. Der chilenische Ex-Luftwaffenchef Fernando Matthei best√§tigte sp√§ter die geheime Kooperation.

Redemokratisierung

1988 wurde eine erste f√ľr die Opposition grunds√§tzlich problematische Volksabstimmung √ľber eine Ausweitung der Befugnisse Pinochets abgehalten. Die Junta musste nach der geltenden Verfassung erstmals seit 1980 einen zuk√ľnftigen Pr√§sidenten vorschlagen. Obschon eine Beteiligung an dieser Abstimmung auch eine Anerkennung des Regimes bedeutete, nahm die Opposition an dem Verfahren teil, bei welchem wenig √ľberraschend Pinochet bestimmt worden war. Eine Mehrheit der Stimmenden (54¬†%, bei einer Stimmbeteiligung von rund 90 Prozent) sprach sich zur Frage ja oder nein gegen eine weitere Amtszeit Pinochets aus.

1989 fanden die ersten freien Wahlen nach 15-j√§hriger Diktatur statt, Pr√§sident wurde der Christdemokrat Patricio Aylwin. Bereits wenige Monate nach der R√ľckkehr zur Demokratie setzte der neugew√§hlte Pr√§sident Mitte 1990 eine Wahrheits- und Vers√∂hnungskommission ein. Sie sollte die zwischen 1973 und 1989 begangenen politischen Morde und den Verbleib von Verschwundenen (Desaparecidos) aufkl√§ren. Neu und f√ľr sp√§tere Wahrheitskommissionen in postdiktatorischen Demokratien des Ostblocks und Afrikas w√§hrend der neunziger Jahre pr√§gend war dabei, dass die chilenische Kommission ‚ÄěWahrheit‚Äú √ľber Verbrechen w√§hrend der Zeit der Diktatur als ihr Ziel definierte. Mithilfe einer ‚Äěoffiziellen Wahrheit‚Äú sollte die Spaltung der chilenischen Gesellschaft in zwei Lager mit jeweils unterschiedlichen Deutungen der Geschichte √ľberwunden werden.

Aylwin setzte die neoliberale Wirtschaftspolitik Pinochets fort und bem√ľhte sich, die verfeindeten politischen Lager zu vers√∂hnen, um ein demokratisches Zusammenleben zu erm√∂glichen. Behutsam (‚ÄěGerechtigkeit soweit es geht‚Äú) begann er mit der Aufarbeitung der Verbrechen der Milit√§rdiktatur: Im November 1993 standen erstmals Offiziere wegen Menschenrechtsverletzungen vor Gericht. Viele Exilanten kehrten zur√ľck in ihre Heimat. Von 1994 bis 2000 regierte der Christdemokrat Eduardo Frei Ruiz-Tagle.

Pinochet trat 1998 als Heereschef ab, blieb aber Senator auf Lebenszeit und genoss daher Immunit√§t. Im gleichen Jahr wurde er in Gro√übritannien aufgrund eines Haftbefehls des spanischen Richters Baltasar Garz√≥n verhaftet, konnte aber 1999 aus gesundheitlichen Gr√ľnden nach Chile zur√ľckkehren. 1998 wurde er von Gladys Mar√≠n vor dem chilenischen Richter Juan Guzm√°n Tapia angeklagt, 2002 jedoch wegen leichter Demenz als verhandlungsunf√§hig erkl√§rt, worauf Pinochet auf sein Amt als Senator verzichtete. Weitere Versuche, ihn gerichtlich zu belangen, scheiterten. Er starb am 10. Dezember 2006, ohne je verurteilt worden zu sein.

Im Jahr 2000 wurde der Sozialist Ricardo Lagos neuer chilenischer Pr√§sident. Er bezwang in einer Stichwahl seinen konservativen Gegner Joaqu√≠n Lav√≠n nur knapp. Mit Lagos zog nach Allende der zweite sozialistische Pr√§sident in die Moneda ein. Lagos machte die Bek√§mpfung der Arbeitslosigkeit zum Ziel seiner Regierung. Sein Programm sah au√üerdem die Wiedereinf√ľhrung der Tarifautonomie und die Einbindung des Armee-Budgets in den staatlichen Haushalt vor. Lagos verlie√ü im Jahr 2006 das Amt mit einer wirtschaftlich und politisch positiven Bilanz. Als Nachfolgerin wurde die Sozialistin Michelle Bachelet zur ersten Pr√§sidentin in der Geschichte des Landes gew√§hlt.

2010 gewann Sebasti√°n Pi√Īera nach einer Stichwahl gegen seinen Konkurrenten Frei die Pr√§sidentschaftswahl. Am 11. M√§rz 2011 war sein Amtsantritt. Pi√Īera war der erste rechtsgerichtete Pr√§sident nach fast 20 Jahren.

Am 15. Dezember 2013 wurde in einem zweiten Wahlgang wieder die Sozialistin Michelle Bachelet zur Präsidentin gewählt. Bachelet setzte sich mit rund 62,2 Prozent der Stimmen gegen die konservative Herausforderin Evelyn Matthei durch.

Die Wahlen Ende 2017 gewann wiederum Sebasti√°n Pi√Īera. Er trat seine zweite Pr√§sidentschaft am 11. M√§rz 2018 an.

Erarbeitung einer neue Verfassung 2019‚Äď2022

siehe auch: Verfassung Chiles, Abschnitt: Erarbeitung einer neuen Verfassung 2019-2022

Ausgel√∂st durch eine Erh√∂hung der U-Bahn-Preise, kam es seit Mitte Oktober 2019 zu Protesten gegen die soziale Ungleichheit in Chile. Im Verlauf der Unruhen erkl√§rte Pi√Īera den Ausnahmezustand, setzte das Milit√§r ein und rief den ‚ÄěKrieg gegen einen m√§chtigen, unvers√∂hnlichen Feind‚Äú aus, wie er die Aufst√§ndischen nannte. Wegen der anhaltenden Proteste sagte die Regierung die UN-Klimakonferenz ab, die geplant im Dezember 2019 in Santiago de Chile abgehalten werden sollte.

Im Dezember 2019 wurde eine Volksabstimmung √ľber eine neue Verfassung angek√ľndigt, welche am 26. April 2020 durchgef√ľhrt werden soll, wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie auf den 25. Oktober selbigen Jahres verschoben. Verschiedene Befragungen zeigen eine breite Zustimmung zu einem neuen Grundgesetz. Aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Criteria geht hervor, dass 72 Prozent daf√ľr (und nur 19 dagegen) stimmen w√ľrden und 59 Prozent eine "Convenci√≥n Constitucional" (Konstitution nur aus gew√§hlten Mitgliedern) bevorzugen.

Am 25. Oktober 2020 fand das Referendum statt. Eine gro√üe Mehrheit stimmte daf√ľr, dass eine neue Verfassung erarbeitet werden solle (78¬†%). Dazu soll eine verfassunggebende Versammlung gew√§hlt werden, deren Vertreter komplett direkt gew√§hlt werden (79¬†%). Dies sollte urspr√ľnglich am 11. April 2021 geschehen, der Termin wurde aber wegen der Covid-19-Pandemie um sechs Wochen auf Mitte Mai verschoben. In einer zweiten Volksabstimmung wird √ľber die neu ausgearbeitete Verfassung im Jahr 2022 abgestimmt werden.

Politik

Verfassung

Chile ist eine Präsidialrepublik. Die aktuelle Verfassung stammt von 1980 unter der Diktatur Augusto Pinochets und wurde am 16. August 2005 vom chilenischen Parlament modifiziert.

Exekutive

Der Pr√§sident, nach US-amerikanischem Vorbild zugleich Regierungschef, wird f√ľr eine vier Jahre andauernde Amtszeit gew√§hlt. Der Pr√§sident kann zwar mehrere Amtszeiten absolvieren, jedoch nicht direkt hintereinander. Er ernennt die Minister (2005: 18 Minister) und Subsekret√§re (Vergleichbar mit Staatssekret√§ren; 2005: 30) sowie die Regional-Intendanten (einen f√ľr die Hauptstadtregion und je einen f√ľr die Regionen) und Provinzgouverneure (je Provinz einer). Er kann innerhalb eines durch die Verfassung festgelegten Rahmens Dekrete erlassen, die Gesetzeskraft haben. Zudem kann er die obersten Befehlshaber der Teilstreitkr√§fte ernennen.

Legislative

Die Legislative (Congreso Nacional) besteht aus zwei Kammern. Der erste chilenische Kongress wurde am 4. Juli 1811 durch Beschluss (1810) der Regierungs-Junta gebildet.

Die Abgeordnetenkammer (C√°mara de Diputados) besteht aus 120 durch direkte Wahl ermittelten Abgeordneten. Das ganze Land wird in 60 Wahlkreise eingeteilt, in denen alle vier Jahre jeweils zwei Abgeordnete gew√§hlt werden. Das erstplatzierte Parteib√ľndnis stellt jedoch beide Abgeordnete, wenn es doppelt so viele Stimmen wie das oppositionelle Wahlb√ľndnis erreicht. Dieses binomiale Wahlsystem verhindert, dass kleinere Parteien ins Parlament gew√§hlt werden.

Der Senat (Senado) umfasst 38 Mitglieder. Aufgrund der Verfassungsreform, die am 16. August 2005 beschlossen wurde, werden seit dem 11. M√§rz 2006 alle Senatoren direkt von den Wahlb√ľrgern gew√§hlt. Die gew√§hlten Senatoren stammen aus 19 Wahlbezirken. Jede der zw√∂lf Regionen und die Hauptstadtregion besitzen mindestens einen Wahlbezirk. Die V., VII., VIII., IX. und X. Region sowie die Hauptstadtregion werden in jeweils zwei Wahlbezirke aufgeteilt. Alle vier Jahre wird jeweils die H√§lfte der Senatoren f√ľr eine Amtszeit von acht Jahren gew√§hlt.

Erfolge bei der Einf√ľhrung des Frauenwahlrechts gab es in Chile schon in den 1930er Jahren: Frauen √ľber 21, die lesen und schreiben konnten, erhielten das Wahlrecht f√ľr Gemeinde- und Stadtratswahlen zu Beginn der 1930er Jahre. Eine Quelle nennt hierf√ľr den 30. Mai 1931, eine andere 1934. Das uneingeschr√§nkte aktive Wahlrecht wurde in dem Gesetz vom 15. Dezember 1948 festgeschrieben. Das passive Frauenwahlrecht gibt es bei Lokalwahlen seit 1931, auf nationaler Ebene erst seit 1949,

Judikative

Der Oberste Gerichtshof (Corte Suprema de Justicia) ist ein Kollegialgericht mit 21 Richtern. Es ist die höchste richterliche Gewalt in Chile. Die Richter werden von den Richtern des Obersten Gerichts vorgeschlagen und vom Präsidenten auf Lebenszeit ernannt. Unter dem Obersten Gerichtshof ist das Appellationsgericht angesiedelt. Zusätzlich gibt es 17 Berufungsgerichte in Chile.

Durch eine Justizreform wurden die Aufgaben des Ankl√§gers (Staatsanwalt) und des Richters getrennt. Im Zuge dieser Reform werden Gerichtsverfahren nun √∂ffentlich und m√ľndlich gef√ľhrt, statt wie zuvor √ľblich schriftlich. Angeklagte mit geringem Einkommen k√∂nnen einen staatlichen Pflichtverteidiger in Anspruch nehmen. F√ľr dieses neue Justizsystem mussten 300 neue Gerichtsgeb√§ude in zahlreichen chilenischen St√§dten gebaut werden.

Das Verfassungsgericht (Tribunal Constitucional) ist zust√§ndig f√ľr die Kontrolle der vom Parlament erlassenen Gesetze auf Verfassungswidrigkeit.

Parteien

Chile besitzt trotz pr√§sidialer Verfassung eine f√ľr Lateinamerika ungew√∂hnlich starke parteiendemokratische Tradition. Parteien wurden bereits in der Endphase der Milit√§rdiktatur ab 1987 wieder zugelassen. Das gegenw√§rtige Wahlrecht hat dazu gef√ľhrt, dass sich alle Parteien zu Parteib√ľndnissen zusammengeschlossen haben. Nach Beendigung der Diktatur (1973‚Äď1990) erreicht das Land beim Demokratieindex inzwischen eine der besten Platzierung in Lateinamerika.

Die ‚ÄěAlianza por Chile‚Äú war ein konservatives B√ľndnis, das aus der ‚ÄěNationalen Erneuerungspartei‚Äú (Renovaci√≥n Nacional, RN) und der Rechtspartei ‚ÄěUnabh√§ngige Demokratische Union‚Äú (Uni√≥n Dem√≥crata Independiente, UDI) bestand, die in der Transitionszeit beide f√ľr eine Verl√§ngerung der von Augusto Pinochet begr√ľndeten autorit√§ren Regierungsform eintraten. Zwischenzeitlich geh√∂rten dem B√ľndnis auch einige andere rechtsliberale und konservative Parteien an. Das B√ľndnis ging siegreich aus den Pr√§sidentschaftswahlen 2009 hervor und stellte mit Sebasti√°n Pi√Īera von 2010 bis 2013 den ersten konservativen Pr√§sidenten Chiles nach dem Ende der Milit√§rdiktatur. Unter seiner Pr√§sidentschaft wurde es umbenannt in Coalici√≥n por el Cambio, sp√§ter Alianza por el Cambio, und 2015 schlie√ülich durch das neue Rechtsb√ľndnis Chile Vamos ersetzt, das mit dem erneuten Wahlsieg und der zweiten Pr√§sidentschaft Pi√Īeras seit 2018 die Regierung f√ľhrt.

Die ‚ÄěConcertaci√≥n de Partidos por la Democracia‚Äú war ein B√ľndnis aus vier Mitte-Links-Parteien, die sich aktiv am Sturz der Milit√§rdiktatur beteiligt hatten. Mitglieder waren die Parteien ‚ÄěChristlich-Demokratische Partei‚Äú (Partido Dem√≥crata Cristiano, PDC), ‚ÄěRadikale und Sozialdemokratische Partei‚Äú (Partido Radical Social Dem√≥crata, PRSD), ‚ÄěPartei f√ľr Demokratie‚Äú (Partido por la Democracia, PPD) sowie ‚ÄěSozialistische Partei‚Äú (Partido Socialista, PS). Das B√ľndnis, das nach dem R√ľckzug der Milit√§rs bis zum Amtsantritt Sebasti√°n Pi√Īeras im Fr√ľhjahr 2010 ununterbrochen die Regierung stellte, wurde nach der erneuten Wahl der Sozialistin Michelle Bachelet 2013 aufgel√∂st und durch das neue Linksb√ľndnis Nueva Mayor√≠a ersetzt.

Das Linksb√ľndnis Juntos Podemos M√°s (‚ÄěGemeinsam k√∂nnen wir mehr‚Äú) umfasste die Christliche Linke, die Humanistische Partei, die Kommunistische Partei sowie einige andere linke und linksliberale Splitterparteien. 2010 konnte Juntos Podemos M√°s zwei kommunistische Abgeordnete ins Parlament senden. Die Mehrzahl der Mitgliedsparteien bildete anschlie√üend zusammen mit den Parteien der Concertaci√≥n das neue B√ľndnis der Nueva Mayor√≠a.

Streitkräfte und Polizei

Die Streitkr√§fte Chiles (spanisch Fuerzas Armadas de Chile) bestehen aus den Teilstreitkr√§ften Heer, Marine, Luftwaffe und der nationalen Polizei (Carabineros de Chile). Im Jahre 2021 umfassten die Streitkr√§fte der Republik Chile insgesamt etwa 80.000 Soldaten. Chile gab 2019 knapp 1,8 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 5,15 Mrd. US-Dollar f√ľr seine Streitkr√§fte aus.

Außenpolitik

Chile ist Mitglied der APEC und versucht momentan mit m√∂glichst vielen Staaten Freihandelsabkommen zu schlie√üen (zum Beispiel gibt es Abkommen mit den USA, der EU, S√ľdkorea und China).

Chile ist seit 1945 Mitglied der UN und seit 1948 Mitglied der OAS. In der UN spielt Chile seit 2004 eine wichtigere Rolle, da es sich zur Teilnahme an Friedensmissionen entschlossen hat. Heute stehen chilenische UN-Einheiten zum Beispiel in Haiti.

Im Mai 2007 lud die OECD Chile zu Beitrittsgesprächen ein und der Beitritt wurde am 7. Mai 2010 vollzogen.

Beziehungen innerhalb S√ľdamerikas

In S√ľdamerika ist Chile assoziiertes Mitglied des Mercosur; diese Nichtvollmitgliedschaft erlaubt Chile, eigene Handelsabkommen zu schlie√üen. Die Konzentration Chiles auf die gro√üen Handelspartner USA, EU und Asien wird von den anderen Andenstaaten kritisch gesehen. Man bef√ľrchtet eine Vernachl√§ssigung des lateinamerikanischen Marktes. Insbesondere die vielen Freihandelsabkommen Chiles, aber auch die niedrigen Einfuhrz√∂lle Chiles machen eine engere Bindung an Mercosur schwer.

Chile hat seit 1988 eine Reihe von Konfliktherden mit Argentinien und Peru abgebaut. Dies betrifft den Beagle-Kanal und die Grenzziehung am Fitz-Roy-Massiv. Seitdem der peruanische Kongress im Oktober 2005 maritime Gebiete Chiles in Frage stellt, sind allerdings wieder starke Spannungen im Verhältnis beider Länder vorhanden.

Die Beziehungen zu Bolivien sind weiterhin stark gest√∂rt, da der Wunsch Boliviens nach einem Meerzugang bisher ungel√∂st ist sowie ein Konflikt um Wasserrechte am R√≠o Lauca besteht. Eine geplante Erdgas-Pipeline von Bolivien zu chilenischen H√§fen, um Fl√ľssigerdgas in die Vereinigten Staaten zu exportieren, wurde durch den starken Widerstand in der bolivianischen Bev√∂lkerung nicht gebaut.

Im Zuge der gegl√ľckten Rettung von Bergleuten nach dem Grubenungl√ľck von San Jos√© trafen sich im Oktober 2010 die Pr√§sidenten beider L√§nder am Ungl√ľcksort. Boliviens Pr√§sident Morales dankte den Chilenen f√ľr die Rettung eines Bolivianers, der zu den versch√ľtteten Kumpeln geh√∂rte. Die Pr√§sidenten vereinbarten erstmals seit Jahrzehnten den gegenseitigen Austausch von Botschaftern.

Chile war bis zur Fertigstellung der LNG-Terminal von Quintero stark von Erdgaslieferungen aus Argentinien abh√§ngig. Die Drosselung der Lieferungen von Seiten Argentiniens zwang Chile zum verst√§rkten Nachdenken √ľber alternative Energien. Das Erdgas-Lieferabkommen zwischen Bolivien und Argentinien verbietet den Argentiniern den Export von bolivianischem Erdgas nach Chile.

Beziehungen zu den USA

Die Militärdiktatur unter Augusto Pinochet hatte stets enge Beziehungen zu den USA, die den Sturz der demokratisch gewählten Linksregierung unter Salvador Allende 1973 aktiv gefördert hatten. Auch nach dem Ende der Diktatur bestehen gute Beziehungen zwischen beiden Ländern. Allerdings lehnte die chilenische Regierung ein Eingreifen im Irakkrieg ab. Chile konnte am Ende langer Verhandlungen mit der Stimme der USA den Posten des Generalsekretärs der OAS mit José Miguel Insulza einnehmen.

Die USA sind der wichtigste Handelspartner f√ľr Chile, beide L√§nder haben 2004 ein Freihandelsabkommen geschlossen. Allerdings sinkt der Anteil des US-Handels zugunsten der EU und Asiens. Chile hat 2002 moderne Kampfflugzeuge von Typ F-16 in den USA bestellt.

Beziehungen zur EU

Die Europ√§ische Union ist neben den USA ein sehr wichtiger Handelspartner. 2005 trat ein Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Chile sowie ein Abkommen √ľber die technisch-wissenschaftliche Zusammenarbeit in Kraft.

Besondere Beziehung zu Deutschland

Es bestehen enge Verbindungen zwischen beiden L√§ndern, die Schwerpunkte liegen in der Politik, Wirtschaft und besonders in der Wissenschaft. Viele Chilenen pflegen einen besonderen Bezug zu Deutschland, was zum Teil auf historische Bindungen unter Deutschchilenen, zum Teil auf Exilerfahrungen w√§hrend der Diktatur zur√ľckzuf√ľhren ist. Zur Zeit der Herrschaft von Augusto Pinochet flohen Regimegegner h√§ufig in die DDR ins Exil. Auch die ehemalige Pr√§sidentin des Landes, Michelle Bachelet, verbrachte einige Jahre im ostdeutschen Exil, lernte Deutsch an der Universit√§t Leipzig und studierte Medizin an der Humboldt-Universit√§t Berlin. Auch in der Vorg√§ngerregierung unter Pr√§sident Sebasti√°n Pi√Īera gab es mehrere Minister, die deutsche Schulen besucht oder in Deutschland studiert haben. Hinzu kommt, dass in der Zeit zwischen dem Salpeterkrieg und dem Ersten Weltkrieg deutsche Ausbilder die Streitkr√§fte Chiles formten, die bis heute stark von preu√üisch-deutschen Traditionen gepr√§gt sind, was sich etwa in der Uniformierung und im milit√§rischen Liedgut √§u√üert.

Bildung und Forschung

Seit 2002, als der damalige Pr√§sident Ricardo Lagos eine Reform des Ausbildungssystems auf den Weg brachte, gibt es eine Schulpflicht. Diese ist auf zw√∂lf Jahre begrenzt. Die Schulen unterstehen dem Erziehungsministerium. Es herrscht Lehrmittelfreiheit. Die Alphabetisierung liegt bei 97,3¬†%, dies ist f√ľr S√ľdamerika sehr hoch. Im Jahr 2006 hat Chile erstmals an der PISA-Studie der OECD teilgenommen. Im PISA-Ranking von 2015 erreichen die Sch√ľler des Landes Platz 49 von 72 L√§ndern in Mathematik, Platz 45 in Naturwissenschaften und Platz 42 beim Leseverst√§ndnis. Chile erreichte damit innerhalb Lateinamerikas die zweitbeste Platzierung, liegt jedoch unterhalb des OECD-Durchschnitts.

Chile f√ľhrte in den 1990er-Jahren das Programm ‚ÄěPRADJAL‚Äú (Programa Regional de Acciones para el Desarrollo de la Juventud en Am√©rica Latina) sowie das Ausbildungsprogramm ‚ÄěChile Joven‚Äú ein. Ziel der Programme ist die Senkung der Jugendarbeitslosigkeit durch eine staatlich finanzierte Berufsausbildung mit anschlie√üendem Betriebspraktikum. Au√üerdem werden Kurse f√ľr jugendliche Unternehmensgr√ľnder angeboten. Damit soll auch die Jugendkriminalit√§t und der Drogenkonsum indirekt bek√§mpft werden.

Die wichtigsten Universit√§ten wie die Pontificia Universidad Cat√≥lica de Chile liegen in Santiago de Chile, Concepci√≥n und Valpara√≠so. Allerdings ist der Zugang zu den Universit√§ten aufgrund hoher Studiengeb√ľhren trotz Stipendienprogrammen f√ľr die √§rmeren Schichten nur schwer m√∂glich.

Das Niveau der Universit√§ten streut durch viele private Einrichtungen stark, da sich auch die Berufsakademien Universit√§t nennen d√ľrfen. In letzter Zeit formieren sich in Chile Studentenproteste, die u.¬†a. von Camila Vallejo angef√ľhrt worden sind. Unter anderem werden bessere Kreditbedingungen verlangt, damit auch Jugendliche aus unteren, √§rmeren Schichten Zugang zu Bildung haben.

Aufgrund ihrer klimatischen Eigenschaften und ihrer guten infrastrukturellen Erschlie√üung sind die W√ľsten Chiles beliebte Orte f√ľr Teleskope. Allein die Europ√§ische S√ľdsternwarte (ESO) hat drei Standorte in Chile mit Gro√üteleskopen: La Silla, Paranal und Alma. Daneben gibt es weitere Observatorien in Chile, beispielsweise Cerro Pachon mit dem 8,1-Meter-Gemini-S√ľd-Teleskop oder das Las Campanas mit den zwei 6,5-Meter-Magallan-Teleskopen.

Seit den fr√ľhen 1990er-Jahren arbeitet in Chile das Paranal-Observatorium. Das Observatorium befindet sich in der Atacamaw√ľste im Norden des Landes auf dem Berg Cerro Paranal. Dieser liegt etwa 120¬†Kilometer s√ľdlich von Antofagasta und 12¬†Kilometer von der Pazifikk√ľste entfernt. Das Observatorium wird von der ESO betrieben und ist Standort des Very Large Telescope (VLT) und des Very Large Telescope Interferometer (VLTI). Zus√§tzlich werden die Surveyteleskope VISTA und VST gebaut. Die Atmosph√§re √ľber dem Gipfel zeichnet sich durch trockene und au√üergew√∂hnlich ruhige Luftstr√∂mung aus, was den Berg zu einem sehr attraktiven Standort f√ľr ein astronomisches Observatorium macht. Der Gipfel wurde in den fr√ľhen 1990er-Jahren von seiner urspr√ľnglichen H√∂he von 2660¬†Metern auf 2635¬†Meter heruntergesprengt, um ein Plateau f√ľr das VLT zu schaffen.

Menschenrechte

Amnesty International weist darauf hin, dass es im Zusammenhang mit Landstreitigkeiten immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen an Angeh√∂rigen der indigenen Gruppe der Mapuche kommt. Diese geraten nach Informationen von Amnesty International oft in Konflikte bei der Verteidigung ihrer wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte gegen√ľber Forst- und Energieunternehmen, die in ihren traditionellen Siedlungsgebieten t√§tig sind. Im Jahr 2006 kam es zu Ausschreitungen der Polizei gegen Angeh√∂rige der Mapuche. Festgenommene gaben damals an, gefoltert worden zu sein.

Chile erf√ľllt bis heute nicht alle Verpflichtungen, die es mit Unterzeichnung der UN-Antifolter-Konvention eingegangen ist. Besonders gravierend ist die Situation in den oft √ľberf√ľllten Gef√§ngnissen, die nicht internationalen Standards gerecht wird. Nach einer Reihe von Ereignissen kam es am 8. Dezember 2010 in der Haftanstalt San Miguel bei Santiago zu einem Aufstand und ein Feuer brach aus. In San Miguel waren zu diesem Zeitpunkt 1900 Menschen inhaftiert ‚Äď ausgelegt ist das Gef√§ngnis f√ľr 1000. In der Haftanstalt Santiago Sur mussten 400 H√§ftlinge die f√ľr 76 Insassen vorgesehenen R√§umlichkeiten teilen. Die medizinische Versorgung und sanit√§re Grundausstattung in den Gef√§ngnissen sind nicht ausreichend. Eine Trennung minderj√§hriger Gefangener von Erwachsenen ist nicht sichergestellt.

Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen kam 2018 zu dem Ergebnis, dass in den Kinder- und Jugendheimen des Landes die Menschenrechte der Kinder systematisch verletzt werden. Mehr als 865 Minderjährige sind zwischen 2005 und 2016 unter staatlicher Obhut gestorben.

Die Interamerikanische Kommission f√ľr Menschenrechte sowie das UN-Hochkommissariat f√ľr Menschenrechte warfen in jeweils eigenen Berichten Chile vor, im Verlauf der Proteste in Chile 2019/2020 schwere Menschenrechtsverletzungen der Strafverfolgungs- und Justizvollzugsbeh√∂rden toleriert zu haben.

Abtreibungsverbot

Mit Inkrafttreten des ersten Chilenischen Strafgesetzbuches im Jahr 1875, das in diesem Punkt dem Vorbild des spanischen Strafgesetzbuches von 1870 folgte, waren Abtreibungen in Chile strafbar. Strafmilderungen waren m√∂glich, wenn die Betroffene die Abtreibung zum Zwecke der Verheimlichung eines Ehebruchs, mithin zum Schutz der Ehre (ihrer eigenen Person oder des Mannes) vorgenommen hatte. Unter dem autorit√§ren Milit√§rregime von Oberst Carlos Ib√°√Īez, der b√ľrgerlich-liberalen Ehrbegriffen kritisch gegen√ľberstand und gesellschaftspolitisch eine linkspopulistische Linie verfolgte, wurde der Schwangerschaftsabbruch 1931 in F√§llen der kriminologischen, medizinischen und eugenischen Indikation (d.¬†h. nach Vergewaltigung, bei Gefahr f√ľr das Leben der Mutter und wenn der F√∂tus nicht √ľberlebensf√§hig ist) erlaubt. Diese Indikationsregelung wird in der chilenischen Rechtsterminologie und politischen Debatte ‚Äětherapeutischer Abort‚Äú genannt. 1968 wurde die Anwendung der ‚Äětherapeutischen‚Äú Indikationen unter dem christdemokratischen Pr√§sidenten Eduardo Frei Montalva nochmals erleichtert. Die Indikationsregelung bestand formell auch w√§hrend der Milit√§rdiktatur Augusto Pinochets fort, dessen Regierung sich erfolglos bem√ľhte, ein absolutes Abtreibungsverbot in der Chilenischen Verfassung von 1980 zu verankern. Stattdessen wurde der Schutz des ungeborenen Lebens nur mit einer unbestimmten Formulierung in die von den Milit√§rmachthabern erarbeitete Verfassung aufgenommen. Gesetzlich umgesetzt wurde das absolute Abtreibungsverbot erst im Zuge der politischen Neuordnung und schrittweise Entmachtung Pinochets gegen Ende der 1980er Jahre mit Unterst√ľtzung der r√∂misch-katholischen Kirche und scheidender Mitglieder der ehemaligen Milit√§rjunta. Mit dem 1990 in Kraft getretenen Abtreibungsgesetz vom 15. September 1989, das auf Druck des damaligen Juntachefs Admiral Jos√© Toribio Merino und unter Mitwirkung des damaligen Bischofs von Rancagua und sp√§teren Kardinals Jorge Medina zustande kam, wurde Chile zu einem der wenigen L√§nder der Welt, in denen Schwangerschaftsabbr√ľche auch in allen denkbaren Ausnahmekonstellationen und sogar in Abw√§gung gegen das Leben der Mutter komplett verboten waren. Die kontroverse Diskussion √ľber eine Lockerung des absoluten Abtreibungsverbots zumindest in medizinisch und ethisch indizierten Ausnahmef√§llen begann schon unmittelbar nach Inkrafttreten des Verbots und dauert bis heute an. In der zweiten Amtszeit von Michelle Bachelet, zu deren Wahlprogramm die Aufhebung des Abtreibungsverbots geh√∂rte, begann ein Gesetzgebungsprozess, der 2016 zum Abschluss gelangte. Am 21. August 2017 hob der chilenische Oberste Gerichtshof das generelle Abtreibungsverbot in Chile auf und machte den Weg f√ľr das von Staatspr√§sidentin Bachelet und der Mehrheit der Bev√∂lkerung unterst√ľtzte und vom Parlament bereits verabschiedete Gesetz frei, das die Abtreibung in den drei ‚Äětherapeutischen‚Äú Ausnahmetatbest√§nden (nach Vergewaltigung, bei Gefahr f√ľr das Leben der Mutter und wenn der F√∂tus nicht √ľberlebensf√§hig ist) wieder erlaubt. Laut UN-Sch√§tzungen werden in Chile j√§hrlich zwischen 60.000 und 70.000 illegale Abtreibungen vorgenommen.

Sozialversicherungssystem

Das Gesundheitssystem wurde in den 1970er und 1980er Jahren stark privatisiert. Chilenische Arbeitnehmer m√ľssen sich privat krankenversichern. Den √§rmeren Bev√∂lkerungsschichten steht f√ľr bestimmte Krankheiten eine kostenlose Behandlung in staatlichen Gesundheitszentren zu. Rund 80¬†Prozent der Bev√∂lkerung nutzen das staatliche Gesundheitssystem und 20¬†Prozent lassen sich privat behandeln. Michelle Bachelet, die bereits unter Ricardo Lagos f√ľr das Ressort Gesundheit zust√§ndig gewesen war, brachte nach ihrem Amtsantritt als Pr√§sidentin einige Reformen auf den Weg, die unter anderem eine kostenlose Gesundheitsversorgung f√ľr √§ltere Menschen vorsehen. Au√üerdem wurden Anstrengungen unternommen, die medizinische Infrastruktur, in der teils deutliche Unterschiede bestehen, weiter zu verbessern.

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Chileninnen beträgt 79 Jahre und der Chilenen 72 Jahre (Stand: 2003).

1981 wurde das Rentenversicherungssystem unter Jos√© Pi√Īera, einem Minister im Kabinett des Diktators Augusto Pinochet, vom Umlageverfahren auf das Kapitaldeckungsverfahren umgestellt. Die Arbeitnehmer m√ľssen seitdem 13¬†Prozent ihres Gehalts als Beitr√§ge f√ľr private Rentenfonds abf√ľhren. Au√üerdem werden 7¬†Prozent ihres Einkommens f√ľr eine private Krankenversicherung abgezogen, sodass die Sozialbeitr√§ge im neuen System ein F√ľnftel eines Gehalts ausmachen. Nur das chilenische Milit√§r wurde von Pi√Īeras Reform ausgenommen; Soldaten haben bis heute Anspruch auf gro√üz√ľgige Pensionsleistungen vom Staat. Das neue Rentensystem wurde sp√§ter von der Weltbank trotz interner Kritik als vorbildhaft angepriesen und verbreitete sich seit den fr√ľhen 1990er Jahren in verschiedenen Varianten in Lateinamerika, wobei die meisten Staaten wie etwa Argentinien ein gemischtes Modell mit teils privatem, teils staatlichem Gesundheitssystem einf√ľhrten. Besonders das argentinische Modell wurde sp√§ter von weiteren L√§ndern √ľbernommen, besonders in Osteuropa. Unter der Regierung Bachelet wurde das Rentensystem im Jahr 2008, auch auf Empfehlung der Weltbank, erneut reformiert.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 55,74¬†Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 49,52¬†Mrd. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 2,5¬†% des BIP.

Die Staatsverschuldung betrug 2016 21,1¬†% des BIP. Von der Ratingagentur Standard & Poor‚Äôs werden die Staatsanleihen des Landes mit der Note A+ bewertet (Stand 2018). Chile hat damit die h√∂chste Kreditw√ľrdigkeit unter allen L√§ndern S√ľdamerikas.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 5,3¬†%
  • Bildung: 3,2¬†%
  • Milit√§r: 2,7¬†%

Verwaltungsgliederung

Chile ist in 16 Regionen aufgeteilt, die mit r√∂mischen Zahlen durchnummeriert sind. Die Nummer 13 gibt es nicht, die Hauptstadtregion wird mit RM (f√ľr Regi√≥n Metropolitana) abgek√ľrzt. Die Regionen spielen politisch nur eine geringe Rolle, da Chile ein ausgepr√§gter Zentralstaat ist. Die Regionen sind in 56 Provinzen unterteilt.

Regionen

Unterhalb der Provinzebene befinden sich die 346 Gemeinden (municipalidad oder comuna). Diese sind gem√§√ü Artikel 61 der Verfassung die Organe der lokalen Selbstverwaltung. Sie werden von einem B√ľrgermeister (alcalde) und einem Stadtrat geleitet.

Infrastruktur

Straßennetz

Siehe auch: Nationalstraßen in Chile

Der Straßenverkehr hat sich in Chile zum wichtigsten Verkehrsträger entwickelt. Im Jahr 2005 besaß das Land ein Straßen- und Wegenetz von insgesamt 80.651 Kilometern, davon waren 16.967 Kilometer asphaltiert. Bedingt durch die gerade in den letzten Jahren intensiv betriebenen Ausbaumaßnahmen sind diese Zahlen allerdings heute obsolet.

Die wichtigste und mittlerweile von La Serena bis Puerto Montt als Autobahn ausgebaute Transportachse ist die etwa 3000¬†Kilometer lange Ruta 5 ‚Äď ein Bestandteil der Panamericana. Sie verl√§uft in Nord-S√ľd-Richtung von der Grenzstadt Arica bis nach Quell√≥n im S√ľden.

Im Jahre 1976 begann der Bau der Carretera Austral, ein ehrgeiziges Stra√üenbau-Projekt unter Diktator Augusto Pinochet, um die Regionen von Puerto Montt bis Feuerland zu verbinden. Die Stra√üe ist bis heute im Bau ‚Äď eine durchgehende Stra√üenverbindung zwischen Puerto Montt und Coyhaique bzw. zwischen Coyhaique und Punta Arenas existiert nach wie vor nur √ľber das Nachbarland Argentinien.

Gut ausgebaut sind insbesondere die Panamericana und andere mautpflichtige Stra√üen vor allem im Gro√üraum Santiago, in dem in den letzten Jahren viele neue Stadtautobahnen wie zum Beispiel die Am√©rico Vespucio oder Costanera Norte entstanden sind; ferner eine Jahr f√ľr Jahr zunehmende Zahl von Hauptverbindungsstrecken. Viele Nebenstrecken, insbesondere in den abgelegeneren Teilen des Landes, bestehen jedoch nach wie vor lediglich aus unbefestigten Schotter- oder Erdpisten. Das Landstra√üennetz wurde besonders in den mittleren Landesteilen seit dem Jahr 2005 sehr stark modernisiert und verbessert, wobei kontinuierlich bislang einfach ausgebaute Strecken zu mehrspurigen Fernstra√üen ausgebaut werden. Stra√üenkarten sind im Buchhandel, bei Mietwagenstationen, Hotels oder an Tankstellen nicht zu bekommen und m√ľssen im Voraus bei der Reiseplanung besorgt werden.

Nah- und Fernverkehr mit Bussen und Taxen

√ĖPNV-Busse in der Hauptstadt

Im Großraum Santiago wird der öffentliche Personennahverkehr (Transantiago) von privaten Firmen betrieben, jedoch unter starker staatlicher Kontrolle. Mit dem vor einigen Jahren umgestellten System gibt es nun feste Haltestellen, an denen die Busfahrer verpflichtet sind, zu halten. Im Gegensatz zum deutschen System gibt es allerdings keine genauen zeitlichen Fahrpläne, sondern Taktzahlen, die von den Verkehrsverhältnissen abhängig sind. In Santiago wird in Bussen wegen der Diebstahlsgefahr vielfach mit Prepaid-Karten anstelle von Bargeld bezahlt.

In den Provinzen

Das Nahverkehrsbusnetz in den Provinzen ist vollkommen in privater Hand und recht un√ľbersichtlich. Bei den st√§dtischen Omnibussen (Micro) sollte vorher der Streckenverlauf bekannt sein, denn an dem Gro√üteil der Bushaltestellen gibt es keine Informationen √ľber die Buslinien. Man erh√§lt solche unter Umst√§nden am lokalen Busbahnhof, wo auch die Fernbusse abfahren, oder in den Touristeninformationszentren an zentralen Pl√§tzen. Auch Passanten und Fahrer sind h√§ufig hilfsbereit und auskunftsfreudig, oft aber auch wenig informiert. Mitfahrinteressenten signalisieren dem ankommenden Busfahrer ihren Zusteigewunsch durch Handzeichen am Fahrbahnrand. F√ľr aussteigewillige Fahrg√§ste gibt es einen Haltewunschknopf oder man meldet sich bei den Schaffnern oder Schaffnerinnen, die durch den Wagen gehen und die Fahrkarten verkaufen und kontrollieren. Die Busse sind wie Reisebusse bestuhlt (Pullmanb√§nke), Stadtbusse europ√§ischen Typs gibt es kaum. Oft werden Kleinreisebusse f√ľr 18 oder 36 Personen als Micro genutzt.

Sammeltaxen

Eine wichtige Rolle f√ľr den lokalen Personennahverkehr spielen Sammeltaxen (Colectivos), die auf festen Routen verkehren und Fahrg√§ste an beliebigen Stellen auf der Strecke aufnehmen und absetzen. Im Ortszentrum gibt es normalerweise einen oder mehrere Knotenpunkte, an denen Sammeltaxen aller Linien st√§ndig vorfahren und wo man die Fahrtrouten erfragen und in den passenden Wagen einsteigen kann. Bei den Sammeltaxen handelt es sich um gew√∂hnliche Personenkraftwagen (nicht wie in anderen L√§ndern um Kleinbusse), die sich farblich nicht von normalen Taxen unterscheiden, sondern nur durch Kennzeichen (etwa die Liniennummer auf dem Dach) erkennbar sind. Der Fahrpreis (in der Regel ein Pauschalpreis unabh√§ngig von Mitfahrstrecke oder Fahrziel) wird beim Einsteigen oder kurz nach Fahrtbeginn an den Fahrer gezahlt, der so lange weitere Personen zusteigen l√§sst, bis der Wagen voll besetzt ist. Gep√§ck (etwa Einkaufstaschen) kann man wie bei einem Taxi auch im Kofferraum ablegen, soweit dort noch Platz ist. Die Endpunkte der Linien, an denen der Fahrer wendet und wieder zur√ľck ins Stadtzentrum f√§hrt, liegen meist an markanten Punkten in den Vororten oder Wohngebieten.

Taxen

Auch der gew√∂hnliche Taxiverkehr ist von Bedeutung, das gilt besonders f√ľr die Hauptstadt und gr√∂√üere Metropolen. Die Fahrpreise sind relativ erschwinglich. Traditionell sind die Taxen durch ihre Farbgebung im Stra√üenbild erkennbar und k√∂nnen √ľberall angehalten oder angerufen werden. Besonders in der Hauptstadt gibt es aber auch immer mehr Funktaxen, die sich nach au√üen hin nur durch ihre Nummernschilder von privaten Pkw unterscheiden und ihre Fahrg√§ste nur auf telefonische Bestellung abholen. Da auch illegale Taxiunternehmer mit solchen Privatfahrten Geld zu verdienen suchen und teils mit kriminellen Netzwerken kooperieren, wird vor allem in Santiago strikt davon abgeraten, ohne telefonische Vorbestellung auf freier Strecke in solche nicht klar gekennzeichneten Taxen einzusteigen, auch wenn der Fahrer dazu einl√§dt und mit besonders g√ľnstigen Preisen wirbt. Ansonsten lassen sich die √∂ffentlichen Verkehrsmittel in Chile bei Beachtung g√§ngiger Sicherheitsempfehlungen in der Regel gefahrlos nutzen. Uber-Fahrer arbeiten in Chile in einer rechtlichen Grauzone und werden sowohl von den Beh√∂rden als auch von konkurrierenden Taxiunternehmern bek√§mpft.

Fernbusverkehr

Die g√§ngigste Art, um mit √∂ffentlichen Verkehrsmitteln in andere St√§dte und Regionen zu gelangen, ist die Tag- und Nachtreise mit dem √úberlandbus. Es gibt verschiedene Anbieter, teils mit regionalen Schwerpunkten, und verschiedene Preis- und Komfortklassen. Diese Klassen gehen von Standardsitzen bis hin zu Liegebussen (Bus Cama), die f√ľr √úbernachtreisen ausgelegt und mit h√∂henverstellbaren Sitzliegen in der Art eines Business-Class-Flugzeuges ausgestattet sind. Die Fahrzeugflotten vieler Unternehmen sind hochmodern, √§ltere Fahrzeuge finden sich nur noch bei Kleinunternehmen oder Billiganbietern. Die meisten gr√∂√üeren Gesellschaften bieten ein landesweites Routennetz an oder kooperieren mit Partnerfirmen in den von ihnen selbst nicht versorgten Regionen. Seit 2008 sind die Busunternehmer dazu √ľbergegangen, alle Busse mit LED-Geschwindigkeitsanzeigern zu versehen, die von au√üen und von innen st√§ndig sichtbar sind, um die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen nachvollziehbar zu dokumentieren. Die Fahrer sind immer in Doppelbesetzung unterwegs, oft f√§hrt zus√§tzlich ein uniformierter Gep√§ckbursche mit, der auch die Fahrscheine kontrolliert. Alle St√§dte, auch Kleinst√§dte, verf√ľgen √ľber einen Busbahnhof (terminal de buses) mit Schalterhalle, Ladenstra√üe, Gastronomiebetrieben, markt√§hnlichen Vorhallen und zum Teil √ľberdachten Bussteigen. Die Reisen dauern oft sehr lange, Pausen werden in der Regel bis auf die fahrplanm√§√üigen Zwischenhalte nicht gemacht. Getr√§nke und Speisen kann man an Bord mitbringen oder erwerben, h√§ufig steigen streckenweise lokale H√§ndler zu oder bieten ihre Waren an den Stationen feil. Der Ticketverkauf an den Schaltern und √ľber das Internet funktioniert reibungslos; Fahrpl√§ne werden in aller Regel zuverl√§ssig eingehalten, bei Versp√§tungen werden Ersatzbusse eingesetzt.

Eisenbahn

Die √§lteste Eisenbahn Chiles, die auch als erste des s√ľdamerikanischen Festlandes angesehen wird, ist die im Mai 1850 begonnene und am 2. Januar 1852 fertiggestellte Bahn vom Hafen Caldera nach Copiap√≥. Die erste Strecke der Staatsbahnen von Valpara√≠so nach Santiago de Chile wurde am 15. September 1865 in Betrieb genommen.

Mit dem Salpeterboom wurde das Schienennetz in Nordchile, damals noch Teil Perus und Boliviens, ab 1871 stark ausgebaut. Eine der ersten Strecken f√ľhrte von La Noria nach Iquique. Die Strecken wurden direkt an den Salpeterminen verlegt, so dass Ende des 19. Jahrhunderts gro√üe Teile der Regionen Tarapac√°, Antofagasta und Atacama eisenbahntechnisch erschlossen waren. Parallel dazu erfolgte der Ausbau der Strecken zu den gro√üen Hafenst√§dten in Zentralchile, wie San Antonio und Talcahuano.

Das Eisenbahnnetz von Chile hatte 1909 einen Umfang von 5675 km, davon 2618 km Staatsbahnen und 3057 km Privatbahnen, im Bau befindlich waren weitere 1393 km Staatsbahnen. Auch mehrere Privatbahnen waren im Bau und in Vorbereitung.

Heute wird das chilenische Schienennetz von der staatlichen Eisenbahngesellschaft EFE betrieben. Zudem betreibt eine Tochtergesellschaft der staatlichen Eisenbahngesellschaft das S-Bahn-Netz in Valparaíso.

Der G√ľter- und Personenverkehr, das Immobilienverm√∂gen und der Personalbestand werden von verschiedenen Tochtergesellschaften verwaltet. Das Eisenbahnnetz kann aufgrund unterschiedlicher Spurweiten nicht durchgehend betrieben werden und besteht deshalb aus zwei verschiedenen Teilnetzen:

  • S√ľdlich von Santiago besteht ein 3743 Kilometer langes Breitspurnetz (Spurweite 1676¬†Millimeter), von denen 1653¬†Kilometer elektrisch betrieben werden. Zwischen Santiago und Chill√°n wird das Eisenbahnnetz auch f√ľr den Personenverkehr benutzt.
  • N√∂rdlich von Santiago besteht ein 2923 Kilometer langes Meterspurnetz, von denen 40¬†km elektrisch betrieben werden. Auf diesem Meterspurnetz findet kein Personenverkehr statt.

Der Eisenbahnpersonenverkehr ist seit vielen Jahrzehnten im R√ľckgang begriffen und wird kaum genutzt, was durch die starke Konkurrenz der Busunternehmen, die schlechte Qualit√§t der Waggons und die wenigen bedienten Strecken begr√ľndet ist. Es gibt Bestrebungen, wieder mehr Personen per Schiene zu bef√∂rdern. So wurde in modernere Waggons und Triebwagen investiert, Bahnh√∂fe renoviert oder neu errichtet (Puerto Montt hat 2006 einen neuen Hauptbahnhof am Stadtrand erhalten) sowie die Strecke zwischen Temuco und Puerto Montt wieder hergerichtet. Allerdings konnte die Eisenbahngesellschaft EFE ihre hochgesteckten Ziele nicht erf√ľllen und hat mit erheblichen technischen und organisatorischen Problemen zu k√§mpfen. Ebenso sind die Pl√§ne auf Eis gelegt, Valdivia wieder an das Streckennetz anzubinden.

Nahverkehrsz√ľge, Stadtbahnen und Metro

In der Hauptstadt Santiago de Chile existiert ein U-Bahn-Netz (Metro de Santiago), dessen erste Teilstrecke 1975 eröffnet wurde. Nach zahlreichen Streckeneröffnungen und -verlängerungen umfasste das U-Bahn-Netz Anfang 2019 136 Stationen und hatte eine Länge von mehr als 140 km erreicht. In der Agglomeration von Valparaiso ist seit 2005 eine Stadtbahn in Betrieb, und im Großraum Concepción verkehrt seit 1999 der so genannte Biotrén.

Häfen

Ein Gro√üteil des Im-/Exports Chiles wird √ľber gro√üe Seeh√§fen abgewickelt. Die Hauptausfuhrg√ľter sind Kupfer, Eisen, Zellstoff, sowie landwirtschaftliche Erzeugnisse. Viele H√§fen verf√ľgen √ľber moderne Containerterminals.

Wichtige H√§fen gibt es in Arica, Iquique, Antofagasta, Cha√Īaral, Coquimbo, Valpara√≠so, San Antonio, Talcahuano, Puerto Montt und Punta Arenas.

Besonders in S√ľdchile spielen F√§hrverbindungen eine wichtige Rolle, da hier die Stra√üenverbindungen aufgrund von vielen Fjorden und Inseln schlecht realisierbar sind.

Wichtigste St√ľtzpunkte der chilenischen Marine sind Valpara√≠so und Talcahuano.

Vor dem Bau des Panama-Kanals waren Valpara√≠so und Punta Arenas die wichtigsten H√§fen sowohl f√ľr den Pazifikhandel als auch √ľber die Magellanstra√üe und den dadurch erm√∂glichten direkten Zugang zum Atlantik nach Europa. 1840 errichtete die Pacific Steam Navigation Company die erste Dampfschifffahrtslinie in S√ľdamerika von Valpara√≠so nach Callao in Peru.

Flughäfen/Luftfahrt

Aufgrund der großen Entfernungen spielt der Flugverkehr eine wichtige Rolle. Die größten Flughäfen besitzen Santiago de Chile, Puerto Montt, Concepción, Temuco, Iquique, Antofagasta und Punta Arenas. Der größte Flughafen ist der Comodoro Arturo Merino Benítez Airport (5.650.000 Passagiere) in Santiago, der um ein großes internationales Terminal erweitert wird und bis 2020 eine Passagierkapazität von mehr als 30 Mio. Personen jährlich erreichen soll. Über das ganze Land sind zusätzlich viele kleine Regionalflughäfen verteilt, die untereinander durch die zwei wichtigsten chilenischen Luftverkehrsgesellschaften LATAM Airlines und Sky Airline verbunden werden. Von einigen Regionalflughäfen werden auch direkte Verbindungen in die Nachbarländer angeboten. Die zu Chile gehörende Osterinsel wird von Santiago de Chile und Lima in Peru angeflogen.

Der erste Motorflug in Chile fand am 21. August 1910 statt, der Pilot hie√ü C√©sar Copetta Brosio. Bekannt wurden insbesondere Dagoberto Godoy, der 1918 als erster die Anden √ľberflog und Jos√© Luis S√°nchez Besa, ein chilenischer Flugbootpionier. Der Beginn der Flugpostbef√∂rderung wurde ab 1. Januar 1919 von Santiago de Chile nach Valpara√≠so vom Piloten Clodomiro Figueroa mit einer Morane-Saulnier MS-35 durchgef√ľhrt.

1929 gr√ľndete Kommodore Arturo Merino Ben√≠tez mehrere lokale Fluggesellschaften, diese formierten sich ab 1932 zur L√≠nea A√©rea Nacional (LAN), die als nationale Airline Chiles fungierte. Diese wurde 1989 privatisiert und ging 2012 in der chilenisch-brasilianischen Fluggesellschaft LATAM Airlines auf. LAN beziehungsweise heute LATAM geh√∂rt infolge der expansiven Gesch√§ftspolitik zu den drei gr√∂√üten Airlines Lateinamerikas, mit Filialen in Peru (LATAM Airlines Per√ļ), Argentinien (LATAM Airlines Argentina) und Ecuador (LATAM Airlines Ecuador). Die zweite chilenische Fluggesellschaft Ladeco wurde Anfang der 1990er-Jahre von LAN aufgekauft.

Postwesen

Das Postwesen wurde bereits 1748 von den Spaniern eingef√ľhrt, ab 1853 gab es chilenische Briefmarken (Siehe: Chilenische Postgeschichte).

Telekommunikation

Im Jahre 1851 erhielt der Engl√§nder William Wheelwright von der Pacific Steam Navigation Company den Auftrag eine Telegrafenlinie zu errichten. Nach ersten Tests konnte am 21. Juni 1852 die erste Nachricht von Valpara√≠so nach Santiago geschickt werden. Im April 1853 begann der regul√§re Betrieb. Danach begann man mit dem Ausbau der Telegrafenstrecken entlang der Eisenbahnlinien. Die ersten Strecken von Santiago f√ľhrten nach Valpara√≠so und Talca und wurden 1857 komplett fertig gestellt. Bis 1892 konnte das ganze Land mit Telegraphen erreicht werden. Feuerland war √ľber ein Seekabel angebunden worden.

Die ersten Telefone wurden 1880 in Valpara√≠so eingef√ľhrt. 1930 bildete sich die Telefongesellschaft Compa√Ī√≠a de Tel√©fonos de Chile CTC, die sp√§ter von der spanischen Telef√≥nica √ľbernommen wurde. Der Radiobetrieb begann mit Radio Chile√Īa in Santiago 1922.

Der zweite gro√üe Telekommunikationskonzern in Chile ist ENTEL (Empresa Nacional de Telecomunicaciones SA de Chile), der gr√∂√üte Anbieter von Internet- und Mobilfunkdiensten in Chile. ENTEL, Telefonica und weitere zum Teil lokale Anbieter betreiben heute ein nahezu fl√§chendeckendes Netz f√ľr die Mobiltelefonie.

2016 nutzten 77,8 Prozent der Bevölkerung das Internet. Die digitale Infrastruktur gilt als die beste in Lateinamerika.

Wirtschaft

Als Gegenpol zum sozialistischen Konzept von Salvador Allende wurde die chilenische Volkswirtschaft unter Augusto Pinochet nach der Maxime der Chicago Boys konsequent nach marktwirtschaftlich-wirtschaftsliberalen Aspekten umgebaut. Staatliche Unternehmen wurden sowohl zu Zeiten Pinochets als auch danach gr√∂√ütenteils privatisiert, allerdings sind die von Allende verstaatlichten Kupferminen, die seit Pinochet unter direkter Kontrolle des Milit√§rs standen, immer noch in Staatsbesitz. Auch wenn die nach Pinochet regierenden Mitte-links-Regierungen bem√ľht waren, soziale H√§rten abzufedern, gilt Chile heute nach wie vor als eines der L√§nder mit den gr√∂√üten sozialen Ungleichgewichten.

Die chilenische Volkswirtschaft wies zwischen 1988 und 1998 √ľberdurchschnittliche Wachstumsraten auf. Die Asien- und Brasilienkrise 1997/98 f√ľhrten zwar zu einer Rezession, seit 2000 w√§chst die Wirtschaft jedoch wieder mit Wachstumsraten zwischen 2,5¬†Prozent und 6¬†Prozent.

In einem Ranking der unternehmerfreundlichsten L√§nder der Welt, welches von der Weltbank-Tochter International Finance Corporation erstellt wurde, landete Chile 2005 auf dem 25. Platz als bestes lateinamerikanisches Land. Deutschland besetzt laut dieser Studie Platz 19, Kolumbien als zweitbestes s√ľdamerikanisches Land Platz 66.

Im j√§hrlichen Globalisationsindex der Beratungsfirma A.T. Kearney und der Zeitschrift Foreign Policy lag Chile 2007 auf Rang 43 der insgesamt 72 bewerteten L√§nder. Im Vergleich zu 2006 verlor Chile die f√ľhrende Position unter den lateinamerikanischen L√§ndern an Panama, den letzten Platz belegte Venezuela. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Chile Platz 33 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018).

Die Arbeitslosenquote lag im Jahre 2004 bei 7,8¬†Prozent. Die Armutsquote lag 2003 bei 18,8¬†Prozent und die Rate extremer Armut bei 4,7¬†Prozent der Bev√∂lkerung. Die Armutsquote hat sich seit 1987 mehr als halbiert, die extreme Armut hat nur noch etwa 30¬†Prozent des Wertes von 1987. Die neue demokratische Regierung Chiles f√ľhrte das Programm ‚ÄěChile Solidario‚Äú ein, damit werden die 250.000 √§rmsten Familien im Land von staatlichen Helfern betreut und finanziell unterst√ľtzt.

Die Inflationsrate liegt im Schnitt zwischen 2¬†Prozent und 4¬†Prozent. Seit 1998 hat sie die F√ľnf-Prozent-Marke nicht mehr √ľberschritten. Im Jahre 2004 lag sie bei 2,4¬†Prozent und wurde 2006 mit einem Wert von 2,6¬†Prozent angegeben.

Das Bruttosozialprodukt stieg im Jahr 2016 um 1,6¬†Prozent auf 247,0¬†Milliarden US-Dollar, dies entspricht in etwa 7146¬†US-Dollar je Einwohner. Chile hat das h√∂chste Pro-Kopf-Einkommen und das h√∂chste Exportvolumen je Einwohner unter den s√ľdamerikanischen Staaten.

Wirtschaftssektoren

Den größten Anteil an der Wertschöpfung hat der Dienstleistungssektor mit 57 Prozent, gefolgt vom Produktionssektor und der Landwirtschaft mit 34 Prozent beziehungsweise 9 Prozent Anteil (Stand: 2001).

Chile geh√∂rt zu den f√ľhrenden Wirtschaftsnationen Lateinamerikas sowie zu den gr√∂√üten Rohstoffproduzenten. Es verf√ľgt √ľber die gr√∂√üten bekannten Kupfervorkommen der Welt (etwa 40¬†Prozent). In Chile liegen die gr√∂√üten Kupferminen der Welt, Chuquicamata (√ľber Tage) und El Teniente (unter Tage), die vom staatlichen Konzern Codelco ausgebeutet werden. Die von der Produktionsmenge gr√∂√üte Kupfermine ist Escondida (√ľber Tage), die von der privaten Gesellschaft Minera Escondida betrieben wird. Verschiedene Edelmetalle und vor allem Salpeter f√ľhrten Chile schon im 19. Jahrhundert zum Reichtum. Momentan wird mit dem Pascua-Lama-Projekt eine der gr√∂√üten Goldminen der Welt geplant, bei dem jedoch gro√üe Umweltsch√§den bef√ľrchtet werden. Dar√ľber hinaus ist Chile auch der gr√∂√üte Lithium-Produzent der Welt.

Daneben werden heute Forst-, Fischerei- und Landwirtschaft betrieben. Nur etwa 7¬†Prozent der Landfl√§che werden f√ľr die Landwirtschaft genutzt. Diese Fl√§chen befinden sich haupts√§chlich im Zentraltal. Im w√ľstenhaften Norden Chiles beschr√§nkt sich die Landwirtschaft weitgehend auf Oasen. Die Viehzucht ist haupts√§chlich in Zentralchile und im n√∂rdlichen Teil von S√ľdchile angesiedelt. Chile ist das einzige Land S√ľdamerikas, in dem Zuckerr√ľben angebaut werden. Besondere Erw√§hnung verdient der Weinbau, der Chile zum Weinexporteur Nummer eins in S√ľdamerika gemacht hat.

Außenhandel

Chiles Wirtschaft h√§ngt stark vom Export ab. 2004 betrug der Exportanteil 34¬†Prozent des Bruttosozialprodukts, was ziemlich genau dem von Deutschland entspricht. Besonders wichtig f√ľr die chilenische Wirtschaft ist der Kupferexport. Momentan steigen andere Exportg√ľter st√§rker als Kupfer und Mineralien. 1975 lagen diese noch bei 30¬†Prozent, heute sind es etwa 60¬†Prozent. Zu diesen Exportgruppen geh√∂ren Forst- und Holzprodukte, frische Fr√ľchte, Wein und Nahrungsmittel, Lachs, verarbeitete Nahrungsmittel, Fischmehl und Meeresfr√ľchte. 2004 stieg die Handelsbilanz um neun Milliarden US-Dollar, viel st√§rker als 2003. Mit dem starken Anstieg der Rohstoffpreise explodierten die Exporte geradezu von 20,4 (2003) auf 32,1 im Jahr 2004 und 39,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2005. Chile verdr√§ngte 2005 Norwegen als weltweit gr√∂√üten Lachsproduzent.

Die VR China ist mit 28 Prozent der gr√∂√üte chilenische Einzel-Exportmarkt, auf Platz 2 stehen die USA. Weitere Haupthandelspartner des Landes sind Brasilien und Argentinien, mit denen Chile √ľber den Mercosur assoziiert ist. Bis heute ist Chile dem Mercosur jedoch nicht als vollst√§ndiges Mitglied beigetreten, da dies dem Land die M√∂glichkeit nehmen w√ľrde, eigenst√§ndige Handelsabkommen mit anderen L√§ndern abzuschlie√üen und es auch bef√ľrchtet wird, dass das Land im Falle eines vollst√§ndigen Beitritts sich der Gefahr aussetzen w√ľrde, durch wirtschaftliche Schwankungen seiner Nachbarn st√§rker getroffen zu werden. Durch den Kompromiss der Assoziierung bestand f√ľr Chile die M√∂glichkeit, eigene Freihandelsabkommen mit Japan, der EU und der NAFTA abzuschlie√üen. Chile hat 2005 auch ein Freihandelsabkommen mit der Volksrepublik China und 2006 eines mit Brunei, Neuseeland und Singapur (P4 Agreement) abgeschlossen. Aufgrund dessen gilt die chilenische Volkswirtschaft heute als eine der offensten der Welt.

Wirtschaftskennzahlen

Die wichtigen Wirtschaftskennzahlen Bruttoinlandsprodukt, Inflation, Haushaltssaldo und Außenhandel entwickelten sich in den letzten Jahren folgendermaßen:

Energiewirtschaft

Elektrizitätsversorgung

Im Jahre 2012 lag Chile bzgl. der jährlichen Erzeugung mit 66,89 Mrd. kWh an Stelle 41 und bzgl. der installierten Leistung mit 18.600 MW an Stelle 42 in der Welt. Eine Studie der IEA sagt bis 2020 einen Anstieg des Verbrauchs auf 100 Mrd. kWh voraus.

Gegenw√§rtig (Stand Juni 2016) gibt es in Chile kein landesweites Verbundnetz, sondern zwei voneinander unabh√§ngige Verbundsysteme, das Sistema Interconectado Central (SIC) f√ľr das Zentrum sowie das Sistema Interconectado del Norte Grande (SING) f√ľr den Norden des Landes. Die beiden Netze sollen bis 2017 miteinander synchronisiert werden. Dar√ľber hinaus gibt es im S√ľden des Landes noch verschiedene Inselnetze. Es besteht eine Verbindung zwischen dem SING und dem Sistema Argentino de Interconexi√≥n in Argentinien: eine 345-kV-Leitung verbindet Mejillones in Chile mit Cobos in der argentinischen Provinz Salta.

Die Stromerzeugung in Chile beruht traditionell zu einem erheblichen Teil auf Wasserkraft. Die Wasserkraftwerke liegen praktisch ausschlie√ülich im Bereich des SIC. Eine ausgepr√§gte Trockenheit, verursacht durch El Ni√Īo f√ľhrte von November 1998 bis April 1999 zu Stromabschaltungen in der Hauptstadt Santiago de Chile. Daraufhin beschloss die Regierung, die Abh√§ngigkeit von Wasserkraft zu verringern und die Stromerzeugung durch GuD-Kraftwerke zu diversifizieren. Das Erdgas wurde durch Pipelines aus Argentinien geliefert. 2004 verringerte die Regierung von N√©stor Kirchner jedoch die Gaslieferungen unerwartet, wodurch es in Chile erneut zu einer Krise kam. Aufgrund dieser Erfahrungen setzt Chile seither auch wieder verst√§rkt auf Kohle zur Stromerzeugung. Au√üerdem wurden Gasterminals f√ľr den Import von LNG errichtet, eines in Mejillones f√ľr die Versorgung der Gaskraftwerke im SING und eines in Quintero f√ľr das SIC. Ein weiterer Ausbau der Wasserkraft ist aus √∂kologischen Gr√ľnden umstritten (siehe HidroAys√©n).

Sehensw√ľrdigkeiten

Aufgrund der gro√üen L√§nge des Landes verf√ľgt Chile √ľber unterschiedlichste Landschaften. Im Norden dominiert die Atacamaw√ľste. Der Osten ist von den Anden gepr√§gt. Zentralchile ist von mediterranem Klima beeinflusst. Der Kleine S√ľden ist gepr√§gt von W√§ldern und herrlichen Landschaften, die oft auch als Chilenische Schweiz bezeichnet werden. Ab der Region XI. gibt es bereits gro√üe Gletschergebiete. Der gr√∂√üte Gletscher S√ľdamerikas ist das Campo de Hielo Sur. Hier beginnt die karge Landschaft Patagoniens. Das Klima ist rau und regenreich.

Eine ganz andere Welt bieten die ozeanischen Inseln, wie die Osterinsel und die Juan-Fernández-Inseln. Die Osterinsel ist besonders aus archäologischer Sicht sehr interessant.

Feuerland dient oft als Ausgangspunkt zur Chilenischen Antarktis.

Nationalparks in Chile

Chile verf√ľgt √ľber eine sehr gro√üe Anzahl von Nationalparks und nationalen Reservaten, diese werden von der chilenischen Forstbeh√∂rde CONAF verwaltet.

Die bekanntesten Nationalparks sind der Nationalpark Conguillio, der Nationalpark Torres del Paine, der Nationalpark Lauca, der Nationalpark Bernardo O’Higgins und der Nationalpark Rapa Nui auf der Osterinsel.

In der Provinz Palena bei Chait√©n liegt der mit privaten Mitteln errichtete, √ľber 3000¬†Quadratkilometer gro√üe Parque Pumal√≠n. Er wurde vom US-Amerikaner Douglas Tompkins durch gro√üe Landk√§ufe ab Mitte der 1990er-Jahre errichtet. Das Land wurde sp√§ter der Non-Profit-Organisation Fundaci√≥n Pumalin √ľbergeben. Der Park ist insbesondere f√ľr den √Ėko-Tourismus interessant.

Biosphärenreservate in Chile

Die UNESCO erklärte insgesamt 8 Gebiete in Chile zu Biosphärenreservaten.

  • Nationalpark Bosque de Fray Jorge (1977)
  • Juan-Fern√°ndez-Inseln (1977)
  • Nationalpark Torres del Paine (1978)
  • Nationalpark Laguna San Rafael (1979)
  • Nationalpark Lauca (1981)
  • Araucarias (1984)
  • Nationalpark La Campana und Lago Pe√Īuelas (Nationales Reservat) (1984)
  • Nationalpark Kap Hoorn (2005)

Weltkulturerbe/Weltnaturerbe der UNESCO in Chile

Die UNESCO erkl√§rte bisher drei Pl√§tze in Chile zum Weltkulturerbe: im Jahr 2000 den Nationalpark Chilo√© sowie einen Teil der dort befindlichen Holzkirchen, 2003 das historische Viertel der Hafenstadt Valpara√≠so sowie 2005 die Humberstone- und Santa-Laura-Salpeterwerke in der Atacamaw√ľste im Norden Chiles.

Zum Weltnaturerbe wurden 1978 der Nationalpark Torres del Paine und 1995 der Nationalpark Rapa Nui auf der Osterinsel ernannt.

Museen und historische Plätze

Santiago de Chile, Concepción (Chile) und Valparaíso bieten die größte Vielfalt an Museen und historischen Plätzen. Über das Land verteilt gibt es viele Monumente, die lange vor der spanischen Besiedlung entstanden sind.

Kultur

Zwischen der Kultur in den St√§dten und auf dem Land gibt es starke Unterschiede. Auf dem Lande spielt die Folklore mit traditionellen T√§nzen, wie dem Nationaltanz Cueca, eine wichtige Rolle. Die volkst√ľmliche Kultur ist stark spanisch und araukanisch gepr√§gt. Payadores sind Volkss√§nger, deren Lieder meist von Liebe und Tr√§umen handeln. Politische Lieder waren ihnen w√§hrend der Pinochet-Diktatur verboten. Das Kunsthandwerk auf dem Lande ist von indianischen Einfl√ľssen gekennzeichnet. Hergestellt werden vor allem Web- und T√∂pferarbeiten sowie Schnitzereien. Eine wichtige Rolle auf dem Lande spielen die Huasos, eine Art chilenischer Cowboys oder Gauchos. Sie sind auf fast allen Folklorefesten und speziell beim chilenischen Rodeo dabei. Die Stadtkultur ist kosmopolitischer gepr√§gt.

Fast 50 Prozent der Chilenen gaben in einer 2008 durchgef√ľhrten repr√§sentativen Umfrage an, nie oder fast nie zu lesen. B√ľcher sind in Chile sehr teuer, da die Auflagen sehr gering sind. Der Buchmarkt hat sich nach der kulturellen L√§hmung unter der Milit√§rdiktatur nur langsam erholt.

Kulinarische Spezialitäten und Essgewohnheiten

Die chilenische K√ľche ist keineswegs ein Ableger der spanischen K√ľche, wie viele vermuten. Vielmehr gibt es eine Vielzahl von Einfl√ľssen ‚Äď vielfach auch von deutschen Einwanderern. So finden sich etwa deutsche Bezeichnungen wie ‚ÄěKuchen‚Äú (kuchen, Aussprache wie im Deutschen) oder ‚ÄěApfelstrudel‚Äú (estrudel) auch im Wortschatz der chilenischen Konfiserie. Berliner (zumeist mit einer Puddingf√ľllung) sind unter der Bezeichnung Berlines verbreitet. Auch der Christstollen als Weihnachtsgeb√§ck ist bekannt (unter der Bezeichnung pan de pascua) und gilt in S√ľdamerika als chilenische Spezialit√§t; ebenso die Schweinskopfs√ľlze (queso de cabeza), Tatar (t√°rtaro de carne) oder die einer Bouillabaisse √§hnelnde chilenische Fischsuppe Paila marina. Ebenfalls auf mitteleurop√§ische Einfl√ľsse zur√ľckzuf√ľhren ist das typisch chilenische Sauerkraut (genannt Chucr√ļ, abgeleitet vom franz√∂sischen Choucroute), die Vorliebe f√ľr quark√§hnliche Frischk√§sezubereitungen und die vor allem im S√ľden sehr starke Brautradition. Viele Biere werden nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut und oft wird aus deutschen Anbaugebieten importierter Hopfen verwendet.

Aufgrund der sonnigen Bedingungen in Mittel- und Nordchile und der vulkanischen B√∂den eignet sich das Land sehr gut zum Anbau von Feldfr√ľchten und Obstsorten, die in gro√üer Vielfalt auf Chiles M√§rkten feilgeboten werden. In Chile als einem der Ursprungsl√§nder der Kartoffel finden sich auch sehr viele unterschiedliche Speisekartoffelsorten. Der mindestens einmalige w√∂chentliche Marktbesuch und die Verwendung frischer Gem√ľse und anderer Zutaten in der K√ľche spielt f√ľr die Mehrzahl der chilenischen Hausfrauen und die in wohlhabenden Haushalten h√§ufig anzutreffenden K√ľchenmamsells noch immer eine gro√üe Rolle.

Neben einem reichen Angebot an Fisch und Meeresfr√ľchten wird in Chile sehr gerne Huhn gegessen. Gegrilltes Fleisch, ein so genannter Asado, geh√∂rt wie im Nachbarland Argentinien zu den traditionellen Speisen bei geselligen Anl√§ssen. Neben Rind- und Schweinefleisch werden dabei vor allem w√ľrzige Paprikaw√ľrste (Longanizas) verwendet. Das Fleisch wird vor dem Grillen gern einige Stunden in Bier eingelegt, um seine Zartheit zu erh√∂hen.

Zu den Nationalgerichten z√§hlt die chilenische Empanada, das sind unterschiedlich (bspw. mit Rindfleisch, H√ľhnchen, Meeresfr√ľchten oder K√§se) gef√ľllte Teigtaschen, die entweder im Ofen gebacken oder in Bratfett frittiert zubereitet werden k√∂nnen. Die Cazuela ist ein kr√§ftiges Eintopfgericht, f√ľr das H√ľhnchen oder auch Rindfleisch, Maiskolben (Choclos), K√ľrbis und weitere Gem√ľse verwendet werden. Als Humitas wird ein Maisbrei bezeichnet, der in Maisbl√§ttern gekocht oder gegrillt und s√ľ√ü oder salzig gegessen wird. Pebre ist eine aus scharfem Paprika (Aj√≠), fein gehackten Zwiebeln und Kr√§utern zubereitete √Ėl-Zitronen-Sauce, die vor allem zu Fleisch, aber auch zu sonstigen Gerichten als W√ľrze gereicht wird. Beliebt sind auch mit getrocknetem Kelp, Cochayuyo genannt (es handelt sich um Braunalgen der Art Durvillaea antarctica), zubereitete Beilagen. Die relativ geschmacklose Alge wird dazu klein geschnitten und mit Zwiebeln, unterschiedlichen Gew√ľrzen und Kr√§utern und unter Umst√§nden H√ľlsenfr√ľchten oder anderem Gem√ľse vermengt gegart. Typisch ist auch das so genannte ‚Äěger√∂stete Mehl‚Äú (harina tostada), gewonnen aus erhitztem und anschlie√üend zermahlenen Weizen, der mit Wasser und Zucker, eventuell auch Melonensaft oder Wein, zu einer z√§hfl√ľssigen Mischung verarbeitet werden kann, dem ulpo, der als st√§rkendes Erfrischungsgetr√§nk zu sich genommen wird.

Der klassische chilenische Schnellimbiss ist der in den 1950er Jahren entstandene Completo, eine Art Hot Dog, der mit reichlich Avocadomus (Palta) und Sauerkraut oder Krautsalat (Chucr√ļ) gereicht und mit Chilipaste (salsa de aj√≠ chileno) und dem mild-s√ľ√üen chilenischen Senf gegessen wird. Ebenfalls als typisch chilenisch gelten die oft mit gebratenem Fleisch oder anderen Zutaten reich belegten Sandwiches (s√°nguches), die an Gark√ľchen, Imbissst√§nden oder in Gastst√§tten fast √ľberall in den St√§dten auch zum Mitnehmen zu bekommen sind.

Zu den Besonderheiten der Mahlzeitenfolge in Chile geh√∂rt, dass neben Fr√ľhst√ľck (desayuno) und Mittagessen (almuerzo) auch am fr√ľhen Abend ein Imbiss gereicht wird, zu dem stets Tee getrunken wird und der das in der Regel erst sehr sp√§t eingenommene Abendessen (comida) mitunter ersetzen kann. Diese Zwischenmahlzeit wird tomar once (w√∂rtlich ‚ÄěElf einnehmen‚Äú) genannt. Diese f√ľr Chile eigent√ľmliche Tradition wird oft auf englische Gebr√§uche (etwa den ‚ÄěF√ľnf-Uhr-Tee‚Äú oder den in England ‚ÄěElevenses‚Äú genannten Vormittagstee) zur√ľckgef√ľhrt. Einer volkst√ľmlich-humoristischen Erkl√§rung zufolge soll der Ausdruck dagegen auf die Tatsache zur√ľckgehen, dass das spanische Wort aguardiente (Schnaps) genau elf (once) Buchstaben hat. Zu Zeiten eines Alkoholverbots in Chile h√§tten die Leute deshalb Once bestellt und Schnaps in einer Tasse serviert bekommen. Auch wenn sich der genaue Ursprung der Bezeichnung nicht mehr mit letzter Sicherheit aufkl√§ren l√§sst, liegt besonders eine Ableitung aus der katholischen liturgischen Tagstundenz√§hlung nahe, die in vom Katholizismus gepr√§gten L√§ndern wie Spanien, Italien oder Chile bis weit ins 19. Jahrhundert √ľblich war: Die elfte Stunde der kirchlichen Tageseinteilung entspricht exakt der traditionellen ‚ÄěTea Time‚Äú 17 Uhr. Dessen ungeachtet wird die ‚ÄěOnce‚Äú in Chile allerdings besonders im Sommer oft bis 19.30 Uhr hinausgeschoben.

Der Wein in Chile ist von sehr guter Qualität und wird seit vielen Jahren mit großem Erfolg auf den Weltmarkt exportiert. Rebsorten wie Merlot und Cabernet Sauvignon sind im Rotweinsegment weit verbreitet und werden auf verschiedenen Qualitätsstufen produziert. Eine exklusive Rebsorte ist die Carménère, eine besonders empfindliche Sorte von außergewöhnlicher Qualität, die heute (da in Frankreich durch Reblausbefall ausgestorben) praktisch nur noch in Chile angebaut wird.

Literatur

Isabel Allende (* 1942) ist wohl die bekannteste zeitgen√∂ssische Schriftstellerin Chiles. Ihre Romane wie Das Geisterhaus, Fortunas Tochter oder Der unendliche Plan sind weltweit verlegt worden. Viele ihrer B√ľcher sind stark autobiografisch gepr√§gt. Sie ist die Nichte des fr√ľheren Pr√§sidenten Salvador Allende.

Roberto Bola√Īo (1953‚Äď2003), Verfasser surrealistischer Lyrik und Prosa, ging nach dem Milit√§rputsch 1973 ins Exil. Er ist Tr√§ger vieler Literaturpreise und starb in Barcelona.

Jorge Edwards (* 1931) ist Träger des Cervantespreises. In Deutschland ist sein Werk kaum bekannt. Erst neun Jahre nach seiner Veröffentlichung erschien sein Roman Der Ursprung der Welt 2005 in deutscher Übersetzung.

Alberto Blest Gana (1830‚Äď1920) schrieb den ersten chilenischen Roman (Mart√≠n Rivas, 1862), eine realistische und sozialkritische Familiengeschichte. Er wurde seit 1925 f√ľnfmal verfilmt und auch f√ľr das Theater und als Musical adaptiert. Die Werke des Autors sind in Chile heute noch wichtige Bestandteile der Schullekt√ľre.

Gabriela Mistral (1889‚Äď1957), Dichterin und Nobelpreistr√§gerin 1945, schrieb in ihren Gedichten √ľber Liebe, Tod und Hoffnung, nachdem ihr Geliebter Romelio Ureta Selbstmord begangen hatte. Sp√§ter arbeitete sie im diplomatischen Dienst Chiles.

Der avantgardistische Lyriker Vicente Huidobro (1893‚Äď1947) begr√ľndete mit seinem Gedichtband Ecos de Alma (1911) die modernistische Bewegung in Chile. Er k√§mpfte im spanischen B√ľrgerkrieg auf republikanischer Seite.

Pablo Neruda (1904‚Äď1973) war ein weltbekannter Dichter, Schriftsteller und Nobelpreistr√§ger 1971. Er verfasste viel soziale und politische Lyrik und arbeitete als Botschafter in Frankreich f√ľr die Regierung von Salvador Allende. Er starb kurz nach dem Milit√§rputsch 1973 an Krebs. Sein Begr√§bnis wurde zur ersten √∂ffentlichen Demonstration gegen das Milit√§rregime.

Luis Sep√ļlveda (* 1949) wurde unter Pinochet mehrfach verhaftet und musste ins Exil gehen. Zu seinen in Deutschland bekannten Werken geh√∂rt das ‚ÄěTagebuch eines sentimentalen Killers‚Äú.

Auch Antonio Skármeta (* 1940), Schriftsteller und Anhänger von Salvador Allende, verließ nach dem Militärputsch 1973 das Land. Er verfasste Romane und Erzählungen, die sich oft mit der Militärdiktatur befassten. Von 2000 bis 2003 war er chilenischer Botschafter in Berlin, wo er auch während seines Exils gelebt hatte.

Musik

1941 wurde das Orquesta Sinf√≥nica de Chile, 1955 das Orquesta Filarm√≥nica de Santiago (das kommunale und Opernorchester von Santiago) gegr√ľndet.

Von der chilenischen Volksmusik beeinflusst sind die Werke des Komponisten Carlos Isamitt (1887‚Äď1974).

Claudio Arrau (1903‚Äď1991), geboren in Chill√°n, war der bedeutendste chilenische Pianist und eine der wichtigsten Musikerpers√∂nlichkeiten der Nachkriegszeit. Seine Interpretation der Werke Beethovens, Schumanns und vieler anderer Komponisten des klassischen Repertoires setzen bis heute Ma√üst√§be.

Violeta Parra (1917‚Äď1967) begr√ľndete die ‚ÄěNueva canci√≥n Chilena‚Äú. Von Chile ausgehend erreichte diese gesellschaftskritische k√ľnstlerische Bewegung (‚ÄěNeues Lied‚Äú) bis in die 1980er Jahre weite Verbreitung in Lateinamerika, Portugal und Spanien. Die S√§ngerin wuchs in Armut auf, komponierte schon fr√ľh eigene Folklorelieder und begann in den 1950er Jahren, traditionelles Liedgut zu sammeln und zu dokumentieren. Ihre davon beeinflussten eigenen Werke hatten einen st√§rker politisch-gesellschaftskritischen Charakter. Neben der Musik dichtete sie, malte, webte und schuf Skulpturen. Viele chilenische und internationale K√ľnstler wie Mercedes Sosa und Joan Baez haben ihre Werke interpretiert; ihr bekanntestes Lied ist Gracias a la vida.

V√≠ctor Jara (1932‚Äď1973) war ein politischer S√§nger und z√§hlt ebenfalls zu den gro√üen Vertretern der ‚ÄěNueva canci√≥n‚Äú. Er unterst√ľtzte Salvador Allende und wurde w√§hrend des Milit√§rputsches 1973 gefoltert und get√∂tet.

Die Gruppen Illapu, Inti Illimani und Quilapay√ļn machten die Musik der ‚ÄěNueva Canci√≥n Chilena‚Äú weltbekannt. Sie mussten nach dem Milit√§rputsch lange Jahre im Exil verbringen und haben ihr musikalisches Spektrum best√§ndig erweitert.

Film

Der moderne chilenische Film besch√§ftigt sich oft mit der Zeit der Milit√§rdiktatur von 1973 bis 1989. Zu den ber√ľhmtesten Regisseuren geh√∂ren Andr√©s Wood und Miguel Litt√≠n.

Carmen Castillo (* 1945) ist eine chilenische Dokumentarfilmerin. Sie schrieb 1979 Santiago de Chile, ein Tag im Oktober, ein Buch √ľber ihr Leben im Untergrund nach dem Milit√§rputsch. Orlando L√ľbbert (* 1945) und Andr√©s Wood (* 1965) befassen sich mit humorvollen Sozialdramen, Cristi√°n Galaz (* 1958) zeigt den Beziehungalltag der Chilenen. Alejandro Jodorowsky ist Schauspieler, Autor und Regisseur einer Reihe surrealistischer Filme, darunter El Topo und Montana Sacra ‚Äď Der heilige Berg.

Bildende Kunst

Aus der pr√§kolumbischen Zeit sind nur wenige Kunstwerke erhalten, so z.¬†B. H√∂hlenmalereien und andere Petroglyphe, Keramiken und Holzskulpturen sowie vor allem Produkte der Webkunst der Mapuche. Die von den Jesuiten gepr√§gte, fast ausschlie√ülich religi√∂se Malerei der Kolonialzeit bem√ľhte sich, alle ‚Äěheidnischen‚Äú Spuren zu verdr√§ngen. Doch verwiesen Farbwahl und einfache Formen auf weiter wirkende indigene Einfl√ľsse.

In der ersten H√§lfte des 19. Jahrhunderts bereisten viele europ√§ische Maler Chile und hinterlie√üen dort ihre Spuren, oft in Form von Portr√§ts der Revolutionshelden. Der deutsche, von Alexander von Humboldt beeinflusste Maler Johann Moritz Rugendas hielt viele l√§ndliche Szenen und Feste mit ethnographischem Blick fest und vermittelte so ein Bild der jungen Republik. Der Afroperuaner Jos√© Gil de Castro (1785‚Äďca. 1840/41) verbrachte einige Jahre in Chile und wurde dort wie in Argentinien und Peru als Portr√§tmaler wichtiger Pers√∂nlichkeiten bekannt. Sein Auftreten markiert das Ende des akademischen Kolonialstils.

1849 wurde die Chilenische Malakademie er√∂ffnet, deren erster Leiter, der Franzose Raymond Monvoisin, vor allem Portr√§ts der Oberschicht anfertigte. Manuel Antonio Caro studierte in den 1860er Jahren als erster Chilene Malerei in Europa; er fertigte realistische volkst√ľmliche Szenen und Portr√§ts. Pedro Lira (1845‚Äď1912) schuf Historiengem√§lde im Stil des Historismus, hinterlie√ü aber ein realistisch-sozialkritisches Sp√§twerk.

Der sehr popul√§re, mit 4000 Bildern extrem produktive Juan Francisco Gonz√°lez (1853‚Äď1933), sein Sch√ľler Joaqu√≠n Fabres (1864‚Äď1914) und Pablo Burchard Eggeling (1875‚Äď1964), der vom Stil Pierre Bonnards beeinflusst war, brachen endg√ľltig mit dem Akademismus und begr√ľndeten den chilenischen Impressionismus. Zu dessen Vertretern z√§hlt auch Ram√≥n Subercaseaux (1854‚Äď1936), der sich von C√©zanne beeinflusst zeigte. Pedro Subercaseaux (1880‚Äď1956) schuf die ersten chilenischen Comics, in denen er ber√ľhmte historische Figuren und den fiktiven deutschen Professor Baron Federico von Pilsener in seinem Magazin Lustig (1906/07) mit schwarzem Humor pr√§sentierte. Bekannt wurden auch seine Figuren Don Otto und Fritz, mit denen er die deutschen Einwanderer karikierte.

Die Generaci√≥n del 13, zu der Arturo Gordon (1883‚Äď1944) geh√∂rte, war eine 1913 gegr√ľndete chilenische K√ľnstlergruppe, die gemeinsam ausstellte. Sie stellte erstmals das Leben der Mapuche und der arbeitenden Klassen in nicht-romantisierender Weise dar. Gordon selbst neigte zu allegorisierenden Darstellungen mit expressiver Farbgebung.

Roberto Matta (1911‚Äď2002) war ein weltweit bekannter surrealistischer Maler des 20. Jahrhunderts. Zeitweise lebte er in Paris und war mit Salvador Dal√≠ und Federico Garcia Lorca befreundet. Zu den Expressionisten z√§hlen Israel Roa (1909‚Äď2002). Ximena Cristi (* 1920) zeigt sich von Matisse und Bonnard beeinflusst. Beide z√§hlten zur Generaci√≥n del 40. Den abstrakten Expressionismus der 1960er Jahre vertrat Guillermo N√ļ√Īez (* 1930).

Der Maler und Grafiker Nemesio Ant√ļnez (1918‚Äď1993) begr√ľndete die ‚ÄěWerkstatt 99‚Äú (taller 99), die der modernen Druckgrafik den Weg bereitete. 1973 bis 1984 lebte er im Exil. Der 1913 auf Kuba geborene Maler Mario Carre√Īo Morales malte wuchernde Formen in warmen Farben; er gilt als einer der wichtigsten lateinamerikanischen Maler und starb 1999 in Santiago de Chile.

Vielfach international ausgezeichnet wurden Arbeiten des in Katalonien geborenen, auch politisch sehr aktiven Vertreter der Informel Jos√© Balmes (1927‚Äď2016), der 1939 nach Chile und 1973 nach Frankreich ins Exil ging, um 1986 nach Chile zur√ľckzukehren. Gracia Barrios (1917‚Äď2020), eine Vertreterin des realismo informal, die nach dem Putsch 1973 ebenfalls vor√ľbergehend nach Frankreich emigrierte, wurde durch ihre Alltagsszenen und Wandmalereien bekannt. Mario Toral (* 1934) kn√ľpft in seinem Werk an pr√§kolumbianische Formen an.

In der neueren chilenische Malerei dominieren fig√ľrliche Darstellungen, wobei bemerkenswert viele Frauen aktiv sind. Einen neorealistischen Stil vertreten die in Katalonien geborene Roser Bru (* 1923), die w√§hrend des Spanischen B√ľrgerkriegs nach Frankreich und dann nach Chile emigrierte, die feministische Malerin Carmen Aldunate (* 1940) und Natalia Barbarovic (* 1966). In Brus Bildern spiegeln sich die Krisen der Demokratie und die Verfolgung durch die Diktatur. Ihr √∂ffentlich ausgestelltes Bild Ejecuci√≥n (‚ÄěHinrichtung‚Äú) war ein Symbol des Widerstands gegen das Pinochet-Regime. Ein Vertreter des Neoexpressionismus und Mitbegr√ľnder der Schule der 80er ist Samy Benmayor (* 1956). Nadra Jacob (* 1970) stellte 2020 ein Fortoposter in der Berliner U-Bahn aus (Expo Metro Berlin).

Sport

Die Fu√üball-Weltmeisterschaft 1962 fand in Chile statt. Die chilenische Fu√üballnationalmannschaft erreichte dabei einen achtbaren dritten Platz; das ist das beste Ergebnis bei einer Weltmeisterschaft. Chile hat sich bisher achtmal f√ľr die WM qualifiziert und liegt nach diesem Kriterium in S√ľdamerika auf dem vierten Platz hinter Brasilien, Argentinien und Uruguay. Dar√ľber hinaus gewann die Nationalmannschaft auch die Copa Am√©rica 2015, die im eigenen Land ausgetragen wurde sowie die Copa Am√©rica Centenario 2016 in den USA. Zu den nationalen Fu√üballlegenden z√§hlen Ivan Zamorano, Marcelo Salas und unangefochten an der Spitze El√≠as Figueroa, erster (und neben Zico einziger) Spieler Amerikas, der dreimal den Titel des besten Spielers des Kontinents erringen konnte. Figueroa gilt heutzutage als einer der besten Abwehrspieler des letzten Jahrhunderts. Zu erw√§hnen sind auch Mat√≠as Fern√°ndez, S√ľdamerikas Fu√üballer des Jahres 2006, und David Arellano, der als Erfinder des Fallr√ľckziehers (auf Spanisch la chilena) gilt. Die bekanntesten chilenischen Fu√üballspieler sind aktuell Alexis S√°nchez und Arturo Vidal.

Neben Fu√üball spielen insbesondere Tennis, der Reitsport (hier vor allem auch das chilenische Rodeo) und das Segeln eine bedeutende Rolle. Im Tennisdoppel gewann Nicol√°s Mass√ļ mit seinem Partner Fernando Gonz√°lez bei den Olympischen Sommerspielen 2004 das erste Olympiagold f√ľr Chile √ľberhaupt. Einen Tag sp√§ter kr√∂nte Mass√ļ seine Olympiateilnahme mit dem Sieg im Herreneinzel, Gonz√°lez gewann die Bronzemedaille. Eine der gro√üen Sportlegenden in Chile ist Marcelo R√≠os, der als erster spanischsprechender Tennisspieler die Spitze der Weltrangliste erreichte und hierbei zeitweise Pete Sampras abl√∂ste. Im Segelsport, Kategorie Breitling, besetzten chilenische Teams in prestigetr√§chtigen Rennen wie der Copa del Rey regelm√§√üig die ersten drei Pl√§tze.

Am 3. Mai 2008 besiegte die chilenische Polo-Nationalmannschaft im WM-Finale in Mexiko-Stadt den amtierenden Weltmeister Brasilien und wurde somit erstmals Weltmeister in dieser Disziplin.

Im Rudern (Zweier ohne Steuermann) wurden Christian Yantani und Miguel Angel Cerda im Jahre 2002 in Sevilla Weltmeister. 2005 wurde Cerda in Japan mit Felipe Leal Vizeweltmeister und in der Schweiz Weltmeister.

Carlo de Gavardo ist zweifacher Motorrad-Rallye-Weltmeister.

Rugby Union wird seit den 1880er Jahren in Chile gespielt und wurde von Briten in das s√ľdamerikanische Land gebracht. In den letzten Jahren geh√∂rte der Rugbysport zu den schnellwachsenden Sportarten Chiles und wird vor allem an Universit√§ten gespielt. Der chilenischen Nationalmannschaft gelang jedoch noch nicht die Qualifikation f√ľr eine Rugby-Union-Weltmeisterschaft. Chile gilt als die drittst√§rkste Mannschaft S√ľdamerikas nach Argentinien und Uruguay.

Medien

Wichtigste Informationsquelle der chilenischen Bev√∂lkerung ist das Fernsehen. Die wichtigsten Fernsehsender sind das staatliche TVN-Programm, der Sender Canal 13 der katholischen Universit√§t Universidad Cat√≥lica und private Sender wie Megavisi√≥n oder Chilevisi√≥n. Das Programm der Fernsehsender ist haupts√§chlich auf Unterhaltung, das hei√üt auf Shows, US-amerikanische Filme und Fernsehserien, die beliebten ‚ÄěTeleseries‚Äú (Telenovelas, zumeist aus eigener Produktion) sowie auf Sportberichterstattung ausgerichtet. Politische Sendungen, Naturdokumentationen und Kulturprogramme sind dagegen eher d√ľnn ges√§t, dann aber oft von guter Qualit√§t. Die Nachrichten beginnen erst um 21 Uhr und dauern etwa eine Stunde.

Die Presselandschaft wird weitgehend von zwei Konzernen dominiert, dem Mercurio- und dem COPESA-Konzern, nachdem sich eine Reihe von Publikationen aus dem politischen Mitte-links-Spektrum nach dem R√ľckgang der Politikbegeisterung zur Zeit der Redemokratisierung nicht auf Dauer im Markt halten konnten. Die beiden jeweiligen ‚ÄěFlaggschiffe‚Äú der Pressekonzerne sind El Mercurio und La Tercera. Zu den selten gewordenen bunten V√∂geln in der Presselandschaft geh√∂rt das Hausblatt der kommunistischen Partei, El Siglo, sowie die ebenfalls linksorientierte, aber parteiungebundene Zeitschrift Punto Final.

Wichtige Wochenzeitschriften sind Ercilla und Qu√© Pasa. Dar√ľber hinaus gibt es die deutschsprachige Wochenzeitung C√≥ndor.

Feiertage

Siehe auch

  • Transition in Chile
  • Politisches System Chiles
  • Mercosur
  • Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC)
  • Liste der chilenischen Fernsehkan√§le
  • Liste der Universit√§ten in Chile
  • Agrarstrukturen in Lateinamerika
  • Homosexualit√§t in Chile

Literatur

  • Karl F. Appl: Die Geschichte der evangelischen Kirchen in Chile. Erlanger Verlag f√ľr Mission und √Ėkumene, Neuendettelsau 2006, ISBN 3-87214-616-5.
  • Karla Berndt, Birgit Heitfeld: Die chilenische K√ľche. Umschau, Neustadt an der Weinstra√üe 2006, ISBN 3-86528-266-0.
  • Robert N. Burr: By Reason or Force. Chile and the Balancing of Power in South America 1830‚Äď1905. University of California Press, Berkeley 1974, ISBN 0-520-02629-2.
  • Simon Collier, William F. Sater: A History of Chile, 1808‚Äď2002. 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge u.¬†a. 2004, ISBN 0-521-82749-3.
  • Dirk Heckmann: Chile & Antarktis & Osterinsel. OPS, M√ľnchen 1998, ISBN 3-930487-58-6.
  • Peter Imbusch (Hrsg.): Chile heute: Politik, Wirtschaft, Kultur. Vervuert, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-89354-590-5.
  • Boris Sch√∂ppner: Nachbeben. Chile zwischen Pinochet und Zukunft. Reportagen und Interviews. Trotzdem Verlagsgenossenschaft, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-86569-920-6.
  • G√ľnter Wessel: Die Allendes: mit brennender Geduld f√ľr eine bessere Welt. Bastei-L√ľbbe, Bergisch Gladbach 2004, ISBN 3-404-61537-9.
  • Sara Wheeler: Unterwegs in einem schmalen Land. Heyne, M√ľnchen 1996, ISBN 3-453-08319-9.
  • Oliver Z√∂llner: Generating Samples of Diasporic Minority Populations. A Chilean Example. In: Oliver Z√∂llner (Hrsg.): Targeting International Audiences. CIBAR, Bonn 2005, ISBN 3-932872-12-6, S. 138‚Äď149. (Webversion des Artikels)
  • Daniel Stahl: Bericht der chilenischen Wahrheitskommission, in: Quellen zur Geschichte der Menschenrechte, herausgegeben vom Arbeitskreis Menschenrechte im 20. Jahrhundert, Mai 2015, abgerufen am 11. Januar 2017.

Weblinks

  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Chile
  • ThisisChile.cl ‚Äď Official Chile website (englisch u. spanisch)
  • Offizielle Netzpr√§senz der Vertretungen der Republik Chile in Deutschland
  • L√§nderinformationen des Ausw√§rtigen Amtes zu Chile
  • Chiles Regierung (spanisch)
  • FDCL ‚Äď Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika
  • CIA World Factbook: Chile (englisch)
  • Instituto Geogr√°fico Militar (spanisch, f√ľr Karten)
  • Museen, Bibliotheken und Archive in Chile (spanisch)

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (15)

Bezeichnung der Regionen: Región
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
de la Araucan√≠a -37.582367 -39.632248 -73.516537 -70.824709  
de Tarapac√° -18.918609 -21.63479 -70.291262 -68.404275  
Regi√≥n de Antofagasta -20.945881 -26.061773 -70.735268 -67.003885  
Region de Arica y Parinacota -17.501062 -19.196887 -70.379562 -68.914779  
Region de Atacama -25.285279 -29.530134 -71.55681 -68.253889  
Regi√≥n de Ays√©n -43.580391 -49.208626 -76.014404 -71.096649  
Region de Coquimbo -29.027825 -32.283824 -71.720222 -69.813217  
Region de los Lagos -40.238848 -44.034198 -74.796645 -71.60155  
Region de Los Rios -39.282878 -40.679049 -73.723304 -71.585587  
Region de Magallanes y de la Antartica Chilena -48.554809 -55.979721 -75.735009 -66.392053  
Regi√≥n de Valpara√≠so -32.02415 -33.956748 -71.837051 -69.984566  
Regi√≥n del Biob√≠o -36.004715 -38.484618 -73.681222 -70.988942  
Regi√≥n del Libertador General Bernardo O‚ÄôHiggins -33.855726 -35.011598 -72.060869 -70.008547  
Regi√≥n del Maule -34.716646 -36.54307 -72.785785 -70.321036  
Regi√≥n Metropolitana de Santiago -32.919451 -34.2878805 -71.7186941 -69.7689944  
 

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Flagge: Chile

Name englisch: Chile
Hauptstadt: Santiago de Chile
Kfz: RCH
ISO: CL
ISO3: CHL
Fläche: 756950 km²
Tld: .cl
Wärung Einheit: CLP
Währung: Peso
Vorwahl: 56

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: -17.4983319
südlichster Punkt: -56.1455
westlichster Punkt: -110.0281
östlichster Punkt: -66.3327


 
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