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Staat Informationen : Ecuador

Informationen:


Ecuador ([ekuŐĮaňądoňź…źŐĮ], deutsch auch Ekuador; auf Kichwa Ecuador Mamallakta, spanisch Rep√ļblica del Ecuador) ist eine Republik im Nordwesten S√ľdamerikas zwischen Kolumbien und Peru und hat etwa 17¬†Millionen Einwohner. Die im Andenhochland (Sierra) auf 2850¬†m gelegene Hauptstadt hei√üt Quito; die gr√∂√üte Stadt Guayaquil liegt in der Pazifikk√ľsten-Ebene (genannt Costa). Das Land ist nach der √Ąquatorlinie benannt, die durch den n√∂rdlichen Teil des Staatsgebiets verl√§uft. Die zu Ecuador geh√∂renden Gal√°pagos-Inseln befinden sich zwischen 928¬†km und 1272¬†km westlich der K√ľste im Pazifik.

In letzter Zeit bem√ľht sich die Regierung Ecuadors um eine bessere Gewaltenteilung, etwa durch die Einsetzung eines unabh√§ngigen Justizrats. Zudem verfolgt sie eine klare Politik der Unterst√ľtzung f√ľr die Wirtschaft und den Privatsektor. Die Beteiligung der Zivilgesellschaft ist jedoch bis heute sehr begrenzt.

Geographie

Ecuador liegt im Nordwesten von S√ľdamerika und ist geographisch, topographisch, klimatisch und ethnisch eines der vielf√§ltigsten L√§nder der Erde. Ecuador grenzt an Kolumbien (590¬†km), an Peru (1420¬†km) und an den Pazifischen Ozean. Die gesamte L√§nge der Landesgrenzen betr√§gt 2010 Kilometer. Die Landesfl√§che ist mit 283.561¬†km¬≤ etwas gr√∂√üer als die von Gro√übritannien (244.140¬†km¬≤). Das vom √Ąquator durchquerte Land l√§sst sich in vier v√∂llig unterschiedliche geographische Zonen aufteilen:

  • der westliche K√ľstenbereich (Costa) besteht aus Schwemmland und einem niedrigen K√ľstengebirge und wird durch den R√≠o Guayas dominiert
  • die zentrale Andenregion (Sierra) umfasst zwei von starkem Vulkanismus gepr√§gte Gebirgsketten und das Hochtal dazwischen
  • das √∂stliche Amazonas-Tiefland (Oriente) beginnt an den Osth√§ngen der Anden und umfasst das d√ľnn besiedelte Amazonasbecken
  • die Galapagosinseln liegen 1000¬†km vor der K√ľste im Pazifik.

Costa

Die Costa (K√ľste) ist der westliche Teil Ecuadors mit rund 80.000¬†km¬≤ Fl√§che. Auf diesem gut einem Viertel der Landesfl√§che leben etwa die H√§lfte der Ecuadorianer. Die Costa besteht aus fruchtbaren Schwemmebenen und welligen H√ľgellandschaften von etwa 500¬†km L√§nge und bis zu 200¬†km Breite. Durch die Costa verl√§uft das bis zu 800¬†m hohe K√ľstengebirge Cordillera Costanera, das in der Provinz Guayas in den Gebirgszug Cordillera Chong√≥n-Colonche √ľbergeht. Die s√ľdliche Costa wird durch das Flusssystem des 60¬†km langen R√≠o Guayas und dessen Zufl√ľsse R√≠o Babahoyo und R√≠o Daule gepr√§gt, das mit mehr als 36.000¬†km¬≤ gr√∂√üte Wassereinzugssystem der s√ľdamerikanischen Pazifikk√ľste.

Das Delta des R√≠o Guayas bildet den gr√∂√üten nat√ľrlichen Hafen an S√ľdamerikas Westk√ľste. Die j√§hrliche Abflussmenge des Guayas betr√§gt mehr als 36¬†Milliarden Kubikmeter. Weiter n√∂rdlich flie√üen der R√≠o Esmeraldas, der R√≠o Cayapas und der R√≠o Chone in Richtung Pazifik sowie ganz im S√ľden der R√≠o Jubones. Klimatisch l√§sst sich die Costa in zwei Regionen einteilen, deren Grenze etwa bei Manta verl√§uft: den tropisch-feuchten Norden und den semiariden S√ľden. Grund f√ľr die Teilung ist der antarktische Humboldtstrom, der bei etwa 1¬†Grad s√ľdlicher Breite von der s√ľdamerikanischen K√ľste nach Westen in den Pazifik umlenkt.

Sierra

Die andine Region des Landes hei√üt Sierra (Gebirge) und ist mehr als 80.000¬†km¬≤ gro√ü. In der Vergangenheit war sie die bev√∂lkerungsreichste Region, heute leben hier 38¬†% der Ecuadorianer. Die Sierra besteht aus den beiden Gebirgsz√ľgen Cordillera Occidental und Cordillera Central (auch: Cordillera Oriental und selten Cordillera Real) sowie dem dazwischen liegenden Hochtal (manchmal altiplano genannt). Die Cordillera Occidental ist generell niedriger, beheimatet aber den mit 6310 m h√∂chsten Berg Ecuadors, den Chimborazo. Der h√∂chste Berg der Cordillera Central ist der fast 5900¬†m hohe Cotopaxi. Das Hochtal befindet sich auf 1800 bis 3200¬†m H√∂he und ist etwa 500¬†km lang sowie 20‚Äď30¬†km breit und beheimatet eine Reihe mittelhoher interandiner Berge. Aufgrund des regen Vulkanismus nannte Alexander von Humboldt das Tal ‚ÄěStra√üe der Vulkane‚Äú. Das Hochtal ist durch Bergriegel (nudos) in acht Talkessel (cuencas oder hoyas) unterteilt; andere Autoren z√§hlen bis zu zw√∂lf solcher Kessel.

Mit Ausnahme von Guaranda liegen alle gr√∂√üeren St√§dte der Region in solchen Talkesseln. Die cuencas sind nach Fl√ľssen und Orten benannt, n√§mlich (von Nord nach S√ľd) dem R√≠o Chota (siehe Chota-Tal), dem Guayllabamba, dem R√≠o Pastaza, dem R√≠o Paute, dem R√≠o Chimbo, dem Ort Gir√≥n (bzw. dem Ort und Fluss R√≠o Yunguilla) und dem R√≠o Catamayo. Im Guayllabamba-Becken liegt Quito, die am h√∂chsten gelegene Hauptstadt der Welt (vor Sucre in Bolivien). Im S√ľden Ecuadors sind die zwei Kordilleren weniger eindeutig zu unterscheiden als im Zentrum und im Norden.

Oriente

Im Osten des Landes, dem Oriente (Osten), liegen die Regenw√§lder des Amazonasbeckens. Die Region ist fast 100.000¬†km¬≤ gro√ü, aber nur √§u√üerst d√ľnn besiedelt. Infolge des 1941/42 verlorenen Krieges gegen Peru musste Ecuador ein 200.000¬†km¬≤ gro√ües Amazonasgebiet (40¬†% der damaligen Landesfl√§che) an das s√ľdliche Nachbarland abtreten und verlor den Zugang zum Amazonas, allerdings stand dieses Gebiet zuvor niemals unter effektivem staatlichem Einfluss.

Der Oriente l√§sst sich unterteilen in die dicht bewaldeten Ausl√§ufer der Anden mit den drei Vulkanen Sumaco, Pan de Az√ļcar und Reventador der Subkordillere Galeras-Napo sowie in die tiefer gelegene (unter 400¬†m) und flache Amazonasebene. Alle Fl√ľsse des Oriente sind Zufl√ľsse des Amazonas. Die wichtigsten von ihnen sind der 850¬†km lange Napo, der Coca, der Pastaza, der Grenzfluss zu Kolumbien Putumayo und der Aguarico. Bei Agoy√°n bildet der Pastaza den mit 60¬†Meter Fallh√∂he gr√∂√üten Wasserfall Ecuadors. Das Klima der Region ist feucht-hei√ües tropisches Klima.

Gal√°pagos

Die ca. 1000¬†km vom Festland entfernt im Pazifik gelegenen Galapagosinseln, die offiziell Archipi√©lago de Col√≥n hei√üen, bilden die vierte geographische Zone Ecuadors. √Ąhnlich wie Hawaii sind die Inseln geologisch sehr jung (zwischen 700.000 und 3¬†Millionen Jahren) und ozeanisch-vulkanischen Ursprungs. Das hei√üt, sie hatten niemals in ihrer Geschichte Kontakt zum Festland. Die Gesamtfl√§che der auf 320¬†km verstreuten Inselgruppe betr√§gt mehr als 8000¬†km¬≤, von denen √ľber die H√§lfte auf die Hauptinsel Isabela entf√§llt. Im Nordteil der Inseln, genau auf dem √Ąquator, liegt mit dem Vulkan Wolf (1707¬†m) auch die h√∂chste Erhebung der Gal√°pagos-Inseln.

Klima

Das Klima Ecuadors ist sehr vielf√§ltig. Gepr√§gt wird das Klima zum einen durch starke regionale Temperaturunterschiede aufgrund unterschiedlicher H√∂henlagen (0 bis √ľber 6000¬†m). Zum anderen sind die Niederschlagsmengen √§u√üerst unterschiedlich, bedingt durch Unterschiede in der Topographie sowie durch den Humboldtstrom. Aufgrund der √Ąquatorn√§he ist die Temperaturverteilung √ľber das Jahr relativ gleichm√§√üig. Besonders in der Sierra gibt es ausgepr√§gte Tages-Nacht-Temperaturschwankungen.

Die klimatischen Unterschiede sind selbst innerhalb kurzer Entfernungen deutlich. So ist der Norden der Stadt Quito wesentlich w√§rmer und trockener als der S√ľden. Auch ist der Gipfel des Illiniza Sur vergletschert, w√§hrend der benachbarte und praktisch gleich hohe Illiniza Norte meistens schneefrei ist. Entlang des H√∂henprofils wird in Ecuador zwischen Tierra Caliente (bis 1000¬†m), Tierra Templada (bis 2000¬†m), Tierra Fr√≠a (bis 3000¬†m), Tierra Helada (bis 4800¬†m) und Tierra Nevada (dar√ľber) unterschieden. Innerhalb der ersten drei dieser H√∂hensektoren (bis 3000¬†m) unterscheidet sich das Klima durch sehr unterschiedliche Niederschlagsmengen, dar√ľber sind alle Regionen niederschlagsreich.

In der n√∂rdlichen K√ľstenregion mit tropischem Monsunklima gibt es eine ausgepr√§gte Regenzeit von Januar bis Mai. Im Andenhochland gibt es keine ausgepr√§gte Regenzeit, allerdings gelten die Monate von November bis Mai als die regenreicheren. Die Regenzeiten werden, trotz im Mittel leicht √ľberdurchschnittlicher Temperatur, ‚ÄěWinter‚Äú und die Trockenzeiten ‚ÄěSommer‚Äú genannt.

Im s√ľdlichen K√ľstenstreifen sind Niederschlagsmengen von weniger als 250¬†mm pro Jahr vorzufinden. An den Andenwesth√§ngen der Costa kommen bis zu 5000¬†mm, an den Osth√§ngen des Oriente sogar bis √ľber 6000¬†mm Niederschlag vor. In der Sierra bekommen die Talkessel lediglich 250‚Äď500¬†mm Niederschlag im Jahr, w√§hrend H√∂henlagen oft auf √ľber 2000¬†mm kommen. Au√üer in extremen H√∂hen √ľber 4800¬†m f√§llt der Niederschlag praktisch immer als Regen oder Hagel.

Berge und Vulkanismus

Die Anden sind durch den Zusammenprall zweier tektonischer Platten entstanden. Die Nazca-Platte schiebt sich von Kolumbien bis nach Patagonien mit etwa neun Zentimeter pro Jahr ostw√§rts, w√§hrend die S√ľdamerikanische Platte mit f√ľnf Zentimeter im Jahr nach Westen wandert und sich √ľber die Nazca-Platte schiebt. Die gesamte Andenkordillere ist als Subduktionszone Teil des Pazifischen Feuerrings, deshalb gibt es in Ecuador eine gro√üe Zahl aktiver und erloschener Vulkane. Insgesamt wurden 55¬†Vulkane gez√§hlt, davon werden 18 als aktiv eingestuft.

Der einzige noch aktive Vulkan der Cordillera Occidental ist der 4778¬†Meter hohe Guagua Pichincha √∂stlich von Quito. Cotopaxi, Tungurahua und Sangay sind die aktiven Vulkane der Cordillera Central. Momentan werden elf Vulkane Ecuadors aktiv √ľberwacht, davon sind der Cotopaxi, der Guagua Pichincha und der Tungurahua als gef√§hrlich eingestuft.

Erdbeben

Aufgrund der Subduktion der Nazca-Platte unter die S√ľdamerikanische Platte geh√∂rt Ecuador zu den L√§ndern mit der gr√∂√üten Erdbebengefahr. Das bisher st√§rkste Erdbeben ereignete sich im Jahr 1906 und erreichte eine St√§rke von 8,3 (nach anderen Angaben sogar 8,8) und forderte rund 1000 Todesopfer. Aufgrund der Subduktionszone wird bei Erdbeben h√§ufig der Meeresboden angehoben, daher besteht auch die Gefahr von Tsunamis. Bei einem landesweit sp√ľrbaren Erdbeben in der Nacht zum 17. April 2016 mit der St√§rke 7,8 auf der Momenten-Magnituden-Skala starben mindestens 659 Menschen.

Verwaltungsgliederung

Zur Verwaltung des Staates gibt es eine Aufteilung in

  • Provinzen (provincias),
  • Kantone (cantones) und
  • Parroquia (parroquias), Verwaltungseinheiten unterhalb eines Kantons.

Die Provinzen Santo Domingo de los Tsáchilas und Santa Elena wurden erst im Oktober bzw. November 2007 eingerichtet. Seither hat Ecuador insgesamt 24 Provinzen. Diese sind:

Amazonien (Oriente)

Andenhochland (Sierra)

K√ľste (Costa)

Städte

Die beiden mit Abstand größten Agglomerationen in Ecuador sind Guayaquil mit einer Einwohnerzahl von 3,3 Millionen und die Hauptstadt Quito mit einer Bevölkerung von 1,9 Millionen. Damit konzentrieren sich 34 Prozent der Menschen des Landes in beiden Städten. Guayaquil ist das traditionelle Wirtschaftszentrum des Landes und besitzt den größten Hafen Ecuadors. Santo Domingo ist die am schnellsten wachsende Stadt des Landes. Mehr als 60 % aller Ecuadorianer leben in den 15 größten Städten des Landes.

Umwelt- und Naturschutz

Als Land mit gro√üen Fl√§chen tropischen Regenwaldes, durchzogen von den zwei weltweit bedeutenden Biodiversit√§ts-Hotspots Tumbes-Choc√≥-Magdalena und Tropical Andes ‚Äď der im zweit-artenreichsten Megadiversit√§tszentrum der Erde liegt ‚Äď und mit einer der h√∂chsten Abholzungsraten steht Ecuador im Fokus globaler Umweltschutzinteressen. Obwohl der politische Wille zum Schutz der Biosph√§re durchaus erkennbar ist, fehlt es wie den meisten Entwicklungsl√§ndern an den finanziellen Mitteln und wirksamen Methoden, solche Ziele effektiv umzusetzen. Daher wurde in der Vergangenheit meist den wirtschaftlichen Interessen der Vorrang gegeben, wenn es zu Konflikten zwischen Naturschutz und wirtschaftlicher Nutzung kam.

So kam es unter anderem zur √Ėlkatastrophe im n√∂rdlichen Amazonastiefland Ecuadors, da insbesondere der Erd√∂lkonzern Texaco (heute Chevron Corporation) keine ausreichenden Vorkehrungen zum Schutz der Umwelt traf und weitgehend unbehelligt von staatlichen Organen arbeitete. Es kam zu einer erheblichen Verseuchung von B√∂den und Gew√§ssern, die bis heute schwere Folgen f√ľr die Umwelt und die Gesundheit der √∂rtlichen Bev√∂lkerung verursachten.

Seit 2007 machte die ecuadorianische Regierung mit dem Vorschlag Schlagzeilen, auf die Erd√∂lf√∂rderung in dem bedeutenden Nationalpark Yasun√≠ (Amazonastiefland) zu verzichten, wenn sie die H√§lfte des zu erwartenden Gewinnes von der Staatengemeinschaft f√ľr den Waldschutz bek√§me. Der Vorschlag wurde als Yasun√≠-ITT-Initiative bekannt. 2008 wurde dazu vorausschauend das staatliche Waldschutzprogramm "Programa Socio Bosque" (PSB) ins Leben gerufen: Indigenen und afro-ecuadorianischen Gemeinden sowie privaten Waldbesitzern, die sich zu einem langfristigen Waldschutz verpflichten, zahlt der Staat Geld und bietet ihnen somit eine Alternative zur illegalen Holznutzung. Die Nachfrage nach den derzeit auf 20 Jahre abzuschlie√üenden Vertr√§gen ist gro√ü. Mehrere L√§nder (darunter auch Deutschland) hatten urspr√ľnglich ihre Zustimmung signalisiert. Dirk Niebel, Entwicklungshilfeminister von 2009 bis 2013, nahm die Zusage jedoch wieder zur√ľck und ignorierte jeglichen Aufruf zu dem Thema.

Seit 2010 zeigten sich erste Erfolge des Appelles an die Weltgemeinschaft: Einige Industriestaaten hatten sich bereiterkl√§rt, dem Land im Rahmen des Klimaschutzinstrumentes REDD+ Geld f√ľr den Schutz der W√§lder zur Verf√ľgung zu stellen. Daran sind strenge Auflagen gebunden, die Ecuador jedoch bereit war, zu erf√ľllen. Im Jahre 2011 konnten mit Mitteln des PSB bereits 600.000 ha Wald gesch√ľtzt werden, der Bedarf liegt jedoch bei rund 4 Mio. ha.

Trotz weltweitem Zuspruch von Umweltsch√ľtzern und Menschenrechtlern musste Pr√§sident Rafael Correa die Initiative 2013 f√ľr gescheitert erkl√§ren, denn es kam nicht einmal ein Bruchteil des Ausgleichsbetrages zusammen. Noch im gleichen Jahr darauf beschloss das Parlament die Freigabe der Erd√∂lf√∂rderung. Anfang Oktober 2013 stimmte das Parlament mit 108 gegen 25 Stimmen dem Regierungsvorschlag zu, die √Ėlbohrungen unter Auflagen zu erlauben.

Seit 2000 betreibt Ecuador die Ausbeutung der Bodensch√§tze in der s√ľd√∂stlichen Regenwald-Provinz Morona-Santiago, in der es trotz riesiger schutzw√ľrdiger Fl√§chen prim√§rer Regenw√§lder bislang keine gr√∂√üeren Schutzgebiete gibt. Die Eingriffe in die Natur riefen den Widerstand der indigenen Bev√∂lkerungsgruppen hervor, zu nennen ist hier insbesondere die Widerstandsbewegung der Shuar, die 2016 eskalierte. Auf die Kl√§rungsversuche des indigenen Dachverbandes CONFENIAE und der Umweltorganisation Acci√≥n Ecol√≥gica ging die Regierung nicht ein. Der Konflikt ist bislang ungel√∂st; weitere gro√ür√§umige Eingriffe in den Naturhaushalt sind zu bef√ľrchten.

Tier- und Pflanzenwelt

Ecuador gilt als das artenreichste Land der Erde. Im Verh√§ltnis zur Landesgr√∂√üe existieren √ľberdurchschnittlich viele Arten. Grund daf√ľr sind die geologischen Gegebenheiten und die Meeresstr√∂mungen. Die Anden trennen das Land in verschiedene Faunenzonen. Zusammen mit Kolumbien ist Ecuador das einzige Land in S√ľdamerika, das auch tropischen Regenwald an der Pazifikk√ľste besitzt, die pazifischen W√§lder geh√∂ren zur Faunenregion des Choc√≤, dessen Zentrum in Kolumbien liegt. Pflanzen und Tiere im Choc√≤ unterscheiden sich grundlegend von denen der amazonischen Region. So findet sich der gro√üe mittelamerikanische oder Bairds-Tapir (bis 300¬†kg) nur auf der Pazifikseite der Anden. Auch sonst ist Fauna und Flora im Choc√≤ mehr mit Mittelamerika verwandt, weniger mit Amazonien. Bei den Schlangen findet sich z.¬†B. die Greifschwanz-Lanzenotter (Bothriechis schlegelii) nur auf der Pazifikseite. Oberhalb der W√§lder findet sich in den Bergen eine spezielle Zone, die sich P√°ramo nennt. Deren Charakterpflanze sind Riesen-Kreuzkr√§uter (Espeletia), die lokal "Frailejones" genannt werden. Diese Pflanze hat einen palmenartigen Wuchs und wird bis zu 4 Meter hoch. Im P√°ramo kann es schneien und in der Nacht fallen die Temperaturen immer unter null Grad, bei warmem Wetter steigen die Temperaturen tags√ľber auf 15 Grad. Es ist die Heimat des seltenen Bergtapirs (Tapirus pinchaque), dessen Weltbestand unter 1000 Individuen gefallen sein soll; er ist damit seltener als der chinesische Pandab√§r. Der Bergtapir ist das "Flaggschiff" des Naturschutzes im kontinentalen Ecuador. Daneben finden sich Kondore, Pumas und Brillenb√§ren. Vom Kondor, dem nach dem Albatros zweitgr√∂√üten flugf√§higen Vogel der Erde, sollen noch an die 100 Exemplare in Ecuador leben. In den tiefen Andent√§lern und in s√ľdlichen K√ľstenprovinzen findet sich Dornbusch und Trockenvegetation. Typische Tiere dieser Zonen sind Nasenb√§r, Ozelot und Hirsche. Die Fauna und Flora im Oriente, dem amazonischen Teil Ecuadors, unterscheidet sich nicht grunds√§tzlich von den Lebewesen in den Urw√§ldern Perus und Brasiliens. Dort findet sich als dritte Tapirart der Flachland-Tapir. Es sollen noch an die 100 Jaguare existieren, und in den Fl√ľssen finden sich S√ľ√üwasser-Delfine. Das seltene Riesen-G√ľrteltier wird von den indigenen Urwaldbewohnern gejagt, deren Hauptbeute sind allerdings die gr√∂√üeren Affen, wie Br√ľll- und Klammeraffe.

Die Tierwelt der Galapagos-Inseln ist dagegen artenarm (ein typisches Insel-Phänomen), jedoch ausgesprochen reich an nur dort vorkommenden Arten. Dagegen sind die Individuenzahlen der wenigen Arten hoch. Meerechsen, Landleguane und Riesenschildkröten finden sich auf manchen Inseln in kopfstarken Populationen.

Biosphärenreservate

Die UNESCO hat vier Gebiete Ecuadors zu Biosphärenreservaten erklärt:

  • die Galapagosinseln, im Pazifischen Ozean ca. 65.000¬†ha (1984)
  • Yasun√≠ im √∂stlichen Oriente, ca. 980.000¬†ha (1989)
  • Sumaco, im westlichen Oriente n√∂rdlich von Tena, ca. 205.000¬†ha (2000)
  • Podocarpus-El Condor, s√ľdlich von Loja (2007)
  • Macizo del Cajas, westlich von Cuenca, 44.156¬†ha (2013)
  • Bosque Seco 2014 (2014, seit 2017 Teil des grenz√ľberschreitenden Biosph√§renreservates Bosques de Paz mit Peru)
  • Choc√≥ Andino de Pichincha nordwestlich von Quito (2018)

Nationalparks

In Ecuador gibt es zwölf Nationalparks:

  • Nationalpark Cayambe-Coca
  • Nationalpark Cajas westlich von Cuenca
  • Nationalpark Cotopaxi-El Boliche in der Provinz Cotopaxi √∂stlich von Machachi
  • Nationalpark Gal√°pagos
  • Nationalpark Llanganates zwischen Ambato und Tena
  • Nationalpark Machalilla in Manab√≠ bei Puerto L√≥pez
  • Nationalpark Podocarpus s√ľdlich von Loja
  • Nationalpark R√≠o Negro-Sopladoras
  • Nationalpark Sangay √∂stlich von Riobamba
  • Nationalpark Sumaco Napo-Galeras
  • Nationalpark Yacuri an der S√ľdwestgrenze Ecuadors
  • Nationalpark Yasun√≠ an der Ostgrenze Ecuadors

Weitere Schutzgebiete

K√ľstenregion

  • Reserva ecol√≥gica Cayapas ‚Äď Mataje
  • Reserva ecol√≥gica Mache ‚Äď Chindul
  • Reserva ecol√≥gica Manglares ‚Äď Churute

Gebirgsregion

  • Reserva ecol√≥gica Antisana
  • Reserva ecol√≥gica de El √Āngel
  • Reserva Biol√≥gica El C√≥ndor
  • Reserva ecol√≥gica Cotacachi Cayapas
  • Reserva ecol√≥gica Cayambe ‚Äď Coca
  • Refugio del Chimborazo
  • Reserva ecol√≥gica Ilinizas
  • Reserva ecol√≥gica Mindo-Nambillo
  • Refugio Silvestre Pasochoa
  • Reserva Geobot√°nica Pululahua
  • Bosque Petrificado de Puyango

Amazonasregion

  • Naturreservat Cuyabeno
  • Reserva Biol√≥gica Nacional de Limoncocha, in der Sucumb√≠os-Provinz

Bevölkerung

Ecuador hat 2019 17,4 Millionen Einwohner und geh√∂rt damit zu den mittelgro√üen Staaten S√ľdamerikas. Etwa 30¬†% der Bev√∂lkerung ist unter 15¬†Jahre und nur etwa 7¬†% √ľber 65. Der Median liegt bei 26,3¬†Jahren (in Deutschland bei 45,7). Die Lebenserwartung f√ľr Frauen liegt bei 78¬†Jahren, die f√ľr M√§nner bei 73¬†Jahren und damit drei Jahre unter der Deutschlands. Die arbeitende Bev√∂lkerung betr√§gt gut vier Millionen Menschen.

Die Fruchtbarkeitsrate betrug 1969 sieben Kinder pro Frau und sank bis 2016 auf 2,2 ab.

Die durchschnittliche Bev√∂lkerungsdichte betr√§gt 54,4¬†Einwohner pro km¬≤, damit hat Ecuador die h√∂chste Bev√∂lkerungsdichte S√ľdamerikas ‚Äď mehr als Kolumbien, doppelt so viel wie Peru und sechsmal so viel wie Bolivien. Allerdings macht die ungleiche Verteilung und die starke Urbanisierung diese Angabe relativ bedeutungslos: Im Oriente betr√§gt die Bev√∂lkerungsdichte lediglich 4¬†Einwohner pro km¬≤. Das Bev√∂lkerungswachstum ist in den letzten Jahrzehnten von etwa drei Prozent pro Jahr ‚Äď einem der h√∂chsten Werte Lateinamerikas ‚Äď auf 1,5¬†Prozent zur√ľckgegangen, immer noch einer der h√∂chsten Raten S√ľdamerikas.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird die seit den 1880er Jahren andauernde Bev√∂lkerungswanderung von Sierra zu Costa von einem zweiten Ph√§nomen √ľberlagert: der Wanderung aus l√§ndlichen Gegenden in urbane Zentren. So ging der Bev√∂lkerungsanteil der Sierra-Provinzen an der Gesamtbev√∂lkerung seit 1950 von 58¬†% auf 38¬†% zur√ľck, der Bev√∂lkerungsanteil Pichinchas (dessen Hauptstadt Quito ist) stieg dagegen von 12¬†% auf 17¬†% an. Der Bev√∂lkerungsanteil der Costa-Provinzen stieg von 40¬†% auf 51¬†% an, aber f√ľr den Anstieg war alleine Guayas (mit Guayaquil) verantwortlich, dessen Anteil von 18¬†% auf 31¬†% hochschnellte; die anderen Costa-Provinzen verloren relativ an Bev√∂lkerung. Trotz der rapiden Verst√§dterung ist die Urbanisierung Ecuadors mit 61¬†% eine der niedrigsten S√ľdamerikas, nur Paraguay und Guayana sind weniger verst√§dtert.

Bevölkerungsentwicklung

Quelle: UN

Ethnische Zusammensetzung

In Ecuador leben sehr unterschiedliche Bev√∂lkerungsgruppen, aber es ist schwierig, die jeweilige Gr√∂√üe anzugeben. Wie in den anderen Andenstaaten ist der Anteil der indigenen Bev√∂lkerung sehr hoch. Das l√§sst sich zum einen durch die dichte Besiedlung durch indigene Bev√∂lkerungen unter der Herrschaft der Inka erkl√§ren. Andererseits wanderten nach Ecuador nur Spanier, aber kaum andere Europ√§er ein ‚Äď anders als etwa in Argentinien, Uruguay, Brasilien oder Chile.

Die verwendeten Kategorien ‚Äěindigene Bev√∂lkerung‚Äú, ‚ÄěMestizen‚Äú und ‚Äěeurop√§ischst√§mmige Bev√∂lkerung‚Äú sind kaum statistisch abgrenzbar, da die Statistiken auf der Selbstidentifikation der Befragten beruhen. Zwischen indigener Bev√∂lkerung und Mestizen, also gemeinsame Nachkommen indigener und aus Europa stammender Menschen, sind die Grenzen flie√üend, da kulturelle Identifikation hier vielfach eine ebenso bedeutende Rolle spielt wie biologische Abstammung. Dasselbe gilt f√ľr die Abgrenzung der Mestizen von der europ√§ischst√§mmigen Bev√∂lkerung.

Laut dem Zensus von 2010 sind 7,0¬†% der Bev√∂lkerung Ind√≠genas (die Mehrzahl geh√∂rt zu den Kichwa-Gruppen der Anden und des Oriente), 71,9¬†% Mestizen, 6,1¬†% europ√§ischer Abstammung, 7,2¬†% Afroecuadorianer und 7,4¬†% Montubios (K√ľstenvolk gemischter Abstammung). Nach Angaben der Ind√≠gena-Organisation CONAIE betr√§gt der Anteil der Ind√≠genas bis zu 50¬†%. Andere sch√§tzen den Anteil der indigenen Bev√∂lkerung auf 40¬†%, den der Mestizen auf weitere 40¬†%, den der Menschen mit europ√§ischer Abstammung auf 10‚Äď15¬†% und den der Afroecuadorianer auf 5‚Äď10¬†%.

Eine genetische Studie von 2019 ergab 59,6 % indigenes, 28,8 % europäisches und 11,6 % afrikanisches Erbgut.

Im Yasuní-Nationalpark existieren mindestens drei Gruppen in freiwilliger Isolation. Sie werden Tagaeri-Taromenane genannt und gehören kulturell und sprachlich zu den Waorani.

In Ecuador lebt eine große Gemeinde mit libanesischem Migrationshintergrund, welche auf Zuwanderungen vor allem seit den 1920er Jahren resultiert. Das Land hatte mit Abdalá Bucaram und Jamil Mahuad bereits zwei Staatspräsidenten libanesischer Abstammung.

Im Jahre 2017 waren 2,4¬†% der Bev√∂lkerung Ausl√§nder. Die gr√∂√üten Gruppen waren Personen aus Kolumbien (200.000), den Vereinigten Staaten (30.000), Peru und Chile (jeweils 10.000). Aufgrund des angenehmen Klimas und den niedrigen Lebenshaltungskosten w√§hlen viele US-amerikanische und kanadische Rentner Ecuador als ihren Altersruhesitz. Ecuador ist nach wie vor ein Auswanderungsland, jedoch hat sich der Migrantenanteil seit dem Jahre 2000 verdoppelt und hat in den letzten Jahren durch ca. 800.000 Fl√ľchtlinge aus Venezuela weiter zugenommen.

Sprachen

Neben der Amtssprache Spanisch besitzt auch die zweite Amtssprache Kichwa (auch Quichua) mit etwa zwei Millionen Sprechern gro√üe Bedeutung, vor allem in der Sierra. Kichwa ist eine Gruppe regionaler Mundarten des Quechua, der Lingua franca der Inkas, den diese nach der Eroberung der Region im 15. Jahrhundert eingef√ľhrt haben. Daneben werden in der n√∂rdlichen Costa und im Oriente auch noch einige lokale indigene Sprachen und Dialekte gesprochen. Von diesen ist das im s√ľdlichen Oriente gesprochene Shuar mit etwa 100.000 Sprechern am weitesten verbreitet. Des Weiteren werden auch einige Barbacoa-Sprachen gesprochen, doch erreicht keine weitere indigene Sprache die Zahl von 5000 Sprechern. In Ecuador werden insgesamt 23 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen.

Religion

72,3 % der Bevölkerung gibt römisch-katholisch als Glaubensrichtung an. Daneben gibt es auch eine protestantische Minderheit. Unter Teilen der Urbevölkerung haben sich auch traditionelle indianische Religionen erhalten. Die Vorherrschaft der römisch-katholischen Kirche in Ecuador als Staatskirche wurde durch das Religionsgesetz von 1907 aufgehoben, seither sind alle Religionen rechtlich gleichgestellt. Die Beziehungen zwischen der Kirche und dem Staat regelt der Modus Vivendi von 1937.

Bildung

Es ist allgemein √ľblich, dass Kinder im entsprechenden Alter die Grundschule besuchen. Jedoch schlie√üt sich f√ľr viele Kinder keine weitere Schulbildung an. Es gibt staatliche und private Schulen. In den letzten drei Schuljahren m√ľssen sich die Sch√ľler f√ľr einen Bildungszweig entscheiden. Die √ľblichen Zweige sind Mathematik, Physik, Chemie und Buchhaltung. Kinderarbeit ist verbreitet. Die Bildungsausgaben der Regierung machen nur einen geringen Teil des Bruttonationaleinkommens aus. Ecuador hat zahlreiche Universit√§ten, jede gr√∂√üere Stadt hat in der Regel eine. 2015 konnten 94,5¬†% der erwachsenen Bev√∂lkerung Lesen und Schreiben.

Gesundheit

Die Lebenserwartung in Ecuador beträgt im Zeitraum von 2010 bis 2015 etwa 75,7 Jahre (Männer: 72,8 Jahre, Frauen: 78,4 Jahre). Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Wasser. In Ecuador gibt es 686 Malaria-Fälle pro 100.000 Einwohner.

Wie alle L√§nder im Norden S√ľdamerikas ist auch Ecuador von der Ausbreitung des Zika-Virus betroffen ‚Äď wenn auch bisher in weit geringerem Ausma√ü als beispielsweise Brasilien oder Kolumbien. Ende M√§rz 2016 gab es offiziell 84 registrierte F√§lle ‚Äď haupts√§chlich in den tiefergelegenen Regionen des Landes.

Zum Verlauf der Covid-19-Pandemie siehe den Hauptartikel COVID-19-Pandemie in Ecuador.

Geschichte

Im Gebiet Ecuadors bestanden vor der Kolonialisierung mehrere indigene Kulturen. Erst Ende des 15. Jahrhunderts eroberten die Inka das gesamte Land, wurden aber bereits Anfang des 16. Jahrhunderts wiederum von den Spaniern unterworfen. W√§hrend der Kolonialzeit nahm die Real Audiencia de Quito das heutige Gebiet Ecuadors ein. Das Land erk√§mpfte sich unter Sim√≥n Bol√≠var und Antonio Jos√© de Sucre 1821 die Unabh√§ngigkeit von Spanien und geh√∂rte bis 1830 zu Gro√ükolumbien. Sein weiterer eigenst√§ndiger geschichtlicher Weg war durch hohe politische und territoriale Instabilit√§t gekennzeichnet. Die unabl√§ssige Abfolge zahlreicher Putsche und Staatsstreiche reicht bis in die heutige Zeit. Im 19. Jahrhundert kam es immer wieder zu k√ľrzeren B√ľrgerkriegsepisoden, eine Entwicklung, die nach der Mitte des Jahrhunderts in der Zeit der Regierung Gabriel Garc√≠a Morenos f√ľr einige Jahre unterbrochen werden konnte. In der Gegenreaktion gelang es Eloy Alfaro am Ende des Jahrhunderts, eine erste radikalliberale Regierung zu etablieren.

Politik

Politisches System

Ecuador ist eine Pr√§sidialrepublik mit repr√§sentativer Demokratie und Mehrparteiensystem. Der Pr√§sident und das Parlament, die Asamblea Nacional (‚ÄöNationalversammlung‚Äė) mit 137¬†Sitzen, werden am selben Tag direkt gew√§hlt. Der Pr√§sident ist Staatsoberhaupt und Regierungschef und damit Chef der Exekutive. Die Legislative wird von Regierung und Nationalversammlung gemeinsam ausge√ľbt. Die Unabh√§ngigkeit der Judikative von den anderen beiden Bereichen der Staatsgewalt ist in der Verfassung garantiert.

In der Verfassung von 1929 wurden die Frauen zu Staatsb√ľrgerinnen erkl√§rt und damit ein Frauenwahlrecht eingef√ľhrt. Ecuador gestand Frauen als erstes lateinamerikanisches Land ein beschr√§nktes Wahlrecht zu, aber erst 1946 durften alle Frauen w√§hlen. Zwischen dem 3. M√§rz 1929 und 1967 bestand jedoch Wahlpflicht f√ľr M√§nner, f√ľr Frauen war die Teilnahme an der Wahl freiwillig; ab 1967 herrschte f√ľr alle Wahlpflicht und die Bedingungen waren erstmals f√ľr beide Geschlechter gleich. F√ľr beide Geschlechter war Voraussetzung, dass man f√ľr die Aus√ľbung des Wahlrechts lesen und schreiben k√∂nnen musste. 1925 ging zum ersten Mal eine Ecuadorianerin zur Wahl und wurde damit zur ersten W√§hlerin des Kontinents, Matilde Hidalgo.

Das politische System Ecuadors ist zentralisiert, da die politische Macht haupts√§chlich beim Pr√§sidenten und damit in der Hauptstadt Quito liegt, wenngleich in den vergangenen Jahren Dezentralisierungsbem√ľhungen unternommen wurden. Das Staatswesen ist auf den Pr√§sidenten zugeschnitten, der einen Gouverneur f√ľr jede Provinz und auf der n√§chsten Ebene ein ‚Äěpolitisches Oberhaupt‚Äú f√ľr jeden ecuadorianischen Kanton ernennt. Die Bev√∂lkerung der Provinzen selbst w√§hlt einen Pr√§fekten, der in erster Linie f√ľr Infrastrukturma√ünahmen in den l√§ndlichen Gebieten zust√§ndig ist und dort in etwa die Funktionen eines √ľbergeordneten B√ľrgermeisters hat, sowie Provinzial- und Kantonalparlamente. In St√§dten werden B√ľrgermeister gew√§hlt. Im Zuge der Dezentralisierung sind Parroquiales (Gemeinder√§te) eingef√ľhrt worden, die ebenfalls regul√§r gew√§hlt werden und auf unterster Ebene in St√§dten und auf dem Land an politischen Entscheidungen mitwirken. Neben den Gemeinder√§ten gibt es Nachbarschaftsvertretungen.

Innenpolitik

In der Praxis weist die politische Machtstruktur auf nationaler Ebene deutliche Elemente einer Konkordanzdemokratie auf: Die politische Macht im Lande muss st√§ndig zwischen den beiden bedeutenden Gro√üregionen Costa und Sierra mit ihren Zentren Guayaquil und Quito austariert werden. Bei Pr√§sidentschaftswahlen nominieren alle Parteien, die sich Chancen auf den Wahlsieg ausrechnen, ein Gespann aus Pr√§sidentschafts- und Vizepr√§sidentschaftskandidat, von denen jeweils einer aus der einen und einer aus der anderen Gro√üregion stammt. Der Einfluss der politischen Parteien ist jeweils ebenfalls weitgehend auf je eine Region beschr√§nkt: Der christlich-soziale Partido Social Cristiano (PSC) und der populistische Partido Roldosista Ecuatoriano (PRE) sind die dominierenden Parteien in der K√ľstenregion. In der Andenregion dominierten die sozialdemokratische Izquierda Democr√°tica (ID) und Pachakutik, die politische Bewegung der Indianerorganisation CONAIE. Nach den Wahlen von 2006 bildeten zwei erst 2002 gegr√ľndete Parteien, der PRIAN des schwerreichen Unternehmers √Ālvaro Noboa und der Partido Sociedad Patri√≥tica des 2005 entmachteten Pr√§sidenten Lucio Guti√©rrez die st√§rksten politischen Bl√∂cke im Nationalkongress.

Die ‚Äěklassischen‚Äú Parteien PSC, PRE, ID waren wie die beiden aufstrebenden stark auf ihren jeweiligen Ex-Pr√§sidenten Le√≥n Febres Cordero, Abdal√° Bucaram und Rodrigo Borja bzw. Noboa und Lucio Guti√©rrez zentriert. Ein Sonderfall im ecuadorianischen Parteiengef√ľge ist Pachakutik, das vor allem in den l√§ndlich gepr√§gten Provinzen mit hohem Anteil indigener Bev√∂lkerung gew√§hlt wird und bestrebt ist, im Sinne der Organisation indigener Dorfgemeinschaften das Macht- und Entscheidungsvolumen einzelner Personen zugunsten der Allgemeinheit in der Partei zu beschneiden. Neben den genannten Parteien gibt es eine Vielzahl weiterer politischer Vereinigungen sowie die erst 2006 gebildete Bewegung des Pr√§sidenten von 2006 bis 2017, Rafael Correa, des Movimiento PA√ćS.

Das politische Leben auf nationaler Ebene ist von starker Instabilit√§t gepr√§gt, im Nationalkongress bilden sich selten stabile Koalitionen, Gesetze werden vielfach nach ausgiebigen Verhandlungen zwischen einzelnen Regierungs- und Oppositionsparteien verabschiedet. Die Parteien und Parlamente genie√üen in Ecuador aufgrund der h√§ufig notwendigen Zugest√§ndnisse und st√§ndigen Verhandlungen zwischen den Parteien und einzelnen Abgeordneten ein relativ geringes Ansehen, da es h√§ufig zu ‚ÄěPaketl√∂sungen‚Äú unter Verdacht individueller Bereicherung und zu √∂ffentlichen Diffamierungen kommt.

Das Wahlrecht hatte 2003 auch dazu gef√ľhrt, dass Ex-Pr√§sident Lucio Guti√©rrez f√ľr eine Partei ins Amt gew√§hlt wurde, die neu gegr√ľndet war und weder Erfahrung in der Parlamentsarbeit noch eine bedeutende Repr√§sentanz im Parlament hatte, was das politische Leben zus√§tzlich destabilisierte und letztlich zu Guti√©rrez‚Äô Sturz nur zwei Jahre sp√§ter beitrug. Auch sein Nachfolger, der ehemalige Vizepr√§sident Alfredo Palacio hatte keine gefestigte eigene Parlamentsmehrheit. Dessen Nachfolger, der im November 2006 gew√§hlte Pr√§sident Rafael Correa gewann gar die Wahlen, ohne dass ihn seine politische Bewegung PA√ćS als Kandidaten bei den Parlamentswahlen aufgestellt hatte.

Das ecuadorianische Milit√§r hat ebenfalls einen nicht zu untersch√§tzenden Einfluss auf die Politik, zum einen durch die Pr√§senz ehemaliger Milit√§rs in F√ľhrungspositionen, zum anderen dadurch, dass es dem regierenden Pr√§sidenten bei Protesten und Aufst√§nden die Unterst√ľtzung entziehen kann, wie es in den F√§llen der gest√ľrzten Jamil Mahuad (2000) und Lucio Guti√©rrez (2005) geschehen ist.

Verfassung

Am 15. April 2007 entschieden die ecuadorianischen W√§hler in einer Volksabstimmung mit 81,7¬†% der Stimmen, dass eine neue verfassunggebende Versammlung einberufen werden solle. Bei den Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung am 30. September 2007 wurde erstmals in der Geschichte des Landes ein Quotengesetz angewandt, wonach sich m√§nnliche und weibliche Kandidaten auf den Listenpl√§tzen stets abwechseln m√ľssen. Nach dem offiziellen Endergebnis erhielt PA√ćS, die Liste von Pr√§sident Correa, die √ľberragende Mehrheit von 80 der 130¬†Sitze, die nach Sitzen n√§chstgr√∂√üten Parteien waren PSP (19), PRIAN (8) und PSC (5). Die Verfassunggebende Versammlung Ecuadors 2007/08 nahm am 30. November 2007 ihre Arbeit auf und erkl√§rte am ersten Sitzungstag eine unbefristete Sitzungspause f√ľr den Nationalkongress. Im Juli 2008 wurde der erarbeitete Text mit 94¬†:¬†36 Stimmen von der verfassunggebenden Versammlung und am 28. September 2008 in einer Volksabstimmung von etwa 63¬†% der W√§hler angenommen. Am 20. Oktober 2008 trat die neue Verfassung in Kraft. Es ist bereits die 20. in der 178-j√§hrigen Geschichte des Landes.

Die neue Verfassung beinhaltet wesentliche verfassungsrechtliche Neuerungen. Sie beruft sich auf die in der indigenen Kultur begr√ľndeten Leitbilder Pachamama (‚ÄěMutter Erde‚Äú) und Sumak kawsay (‚Äěgutes Leben‚Äú, span. ‚Äěbuen vivir‚Äú). Die Wirtschaftsform soll sozial und solidarisch (vorher: sozial und marktwirtschaftlich) sowie einer nachhaltigen Entwicklung verpflichtet sein. Die neue Verfassung schreibt soziale Grundrechte auf Ern√§hrung, Gesundheit und Bildung sowie eine staatliche Souver√§nit√§t √ľber ‚Äěstrategische Ressourcen‚Äú fest. Neben der traditionellen Gewaltenteilung sieht sie B√ľrgerr√§te als ‚ÄěVierte Gewalt‚Äú im Staate vor. Als verfassungsgeschichtliches Novum wird die Natur als Rechtssubjekt definiert. Au√üerdem werden indigene Kulturen st√§rker anerkannt und das Prinzip der Geschlechtergerechtigkeit wird ausgedehnt.

Die ersten Pr√§sidentschafts-, Parlaments- und Regionalwahlen auf Grundlage der neuen Verfassung fanden im April und Juni 2009 statt, dabei wurde Rafael Correa mit 51,99¬†% der Stimmen im ersten Wahlgang im Amt best√§tigt. Seine Partei Movimiento PA√ćS erreichte 59 der 124 Sitze im nun Nationalversammlung genannten Parlament, das am 31. Juli 2009 eine neue Legislaturperiode begann. In Koalition mit anderen Parteien konnte sich die Regierung Correa auf eine solide Mehrheit st√ľtzen. Bei der Stichwahl im zweiten Wahlgang 2017 konnte sich der Wunschkandidat Correas, Len√≠n Moreno √§u√üerst knapp gegen die Opposition behaupten. Vizepr√§sident ist seit Dezember 2018 Otto Sonnenholzner.

Wirtschaft

Ecuador ist nach BIP pro Einwohner nach Kaufkraftparit√§t das viert√§rmste Land S√ľdamerikas, nach Guyana, Bolivien und Paraguay. Es betr√§gt 11.200¬†US-Dollar, das von Bolivien 7.200¬†$, das der Nachbarn Peru und Kolumbien 12.900¬†$ und 14.100¬†$. Zum Vergleich: das BIP pro Einwohner nach Kaufkraftparit√§t von Deutschland betr√§gt 48.400¬†$ (Stand 2016). Die Wirtschaft des Landes ist stark von der Erd√∂lproduktion abh√§ngig, die fast 60¬†% der Exporte erwirtschaftet. Seit dem Jahr 2000 hat Ecuador keine eigene W√§hrung mehr, sondern der US-Dollar ist offizielles Zahlungsmittel. Eine weitere Besonderheit der Volkswirtschaft des Andenstaates sind seine zahlreichen Arbeitsemigranten. Etwa ein F√ľnftel der Ecuadorianer leben im Ausland, vor allem in den USA und Spanien.

In den letzten Jahren befand sich die Wirtschaft Ecuadors dank der Erd√∂lvorkommen des Landes im Aufschwung und es gab Fortschritte im Kampf gegen Armut. 2016 erlebte Ecuador allerdings eine Rezession aufgrund des niedrigen √Ėlpreises und einer Abk√ľhlung der Konjunktur im ganzen s√ľdamerikanischen Raum.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Ecuador Platz 97 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz 160 von 180 L√§ndern.

Soziale Lage

Wie in den meisten lateinamerikanischen L√§ndern ist die wirtschaftliche Ungleichheit sehr gro√ü: W√§hrend die oberen 20¬†% etwa 58¬†% des Nationaleinkommens erzielen, bleiben f√ľr die untersten 40¬†% lediglich 13¬†%.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation liegt die Lebenserwartung f√ľr M√§nner mit 75¬†Jahren im s√ľdamerikanischen Mittelfeld (Schlusslicht ist Bolivien mit 67,7¬†Jahren, Spitzenreiter Chile mit 78,8). √Ąhnliches trifft auf die S√§uglingssterblichkeit (unter 1) und die Kindersterblichkeit (unter 5) mit 23 pro Tausend bzw. 25 pro Tausend zu ‚Äď allerdings ist hier der Abstand sowohl zu Bolivien (52/65) und Chile (8/10) gr√∂√üer. 15¬†% der Bev√∂lkerung leben von weniger als einem Dollar am Tag ‚Äď nach Bolivien und Paraguay der h√∂chste Wert auf dem Subkontinent. Dagegen wird Ecuador beim Zugang zu sauberem Trinkwasser (89¬†% in l√§ndlichen Gegenden) und Sanit√§tseinrichtungen (82¬†%) nur von Uruguay √ľbertroffen. Eine m√∂gliche Erkl√§rung ist die hohe Bev√∂lkerungsdichte bei gleichzeitig geringer Urbanisierung, die eine Erschlie√üung gleichzeitig dringlicher und g√ľnstiger machen (siehe Geographie Ecuadors).

Mit 5,5¬†% Gesundheitsausgaben am BIP liegt Ecuador im unteren Mittelfeld: Schlusslicht Peru gibt 4,1¬†% aus, Argentinien 9,6¬†% ‚Äď aber Chile auch nur 6,1¬†%. Mit 12¬†Toten im Jahr pro 100.000¬†Menschen spielt HIV/AIDS in Ecuador wie in den meisten L√§ndern S√ľdamerikas keine gro√üe Rolle ‚Äď traurige Ausnahmen sind hier Guyana und Surinam mit mehr als 150¬†Toten pro 100.000. In einigen Staaten Sub-Sahara Afrikas liegt diese Zahl im vierstelligen Bereich (in Deutschland sind es ‚Äěunter 10‚Äú). Erstaunlicherweise hat Ecuador nach WHO-Angaben nach Chile mit 5,6¬†% die zweitniedrigste Rate an Schwangerschaften von Minderj√§hrigen ‚Äď was aber auch an veralteten Daten liegen kann. Das Nachbarland Kolumbien ist hier mit 9,2¬†% f√ľhrend. Die wirtschaftliche Unterentwicklung l√§sst sich auch daran ablesen, dass nur 4,2¬†% der Ecuadorianer das Internet benutzen (nur in Paraguay und Bolivien sind es weniger) und dass es lediglich 11¬†Festnetz-Telefonanschl√ľsse pro 100 Einwohner gibt ‚Äď weniger als halb so viele wie in Chile, Argentinien oder Brasilien (obwohl hier wieder die hohe Bev√∂lkerungsdichte helfen sollte). Beim Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur wurden unter der Regierung Correa deutliche Fortschritte erzielt. 2016 nutzten 43,1¬†% der Bev√∂lkerung das Internet. Am 15. Dezember 2008 kam das Land in Zahlungsverzug bei der Begleichung von Auslandskrediten, als es Zinsen f√ľr eine im Jahr 2000 ausgegebene und bis 2012 laufende Anleihe nicht bezahlte. Pr√§sident Correa begr√ľndete diesen Schritt damit, dass die von fr√ľheren Regierungen aufgenommenen Kredite ‚Äěillegitim und die Gl√§ubiger ... unmoralisch‚Äú seien.

Wirtschaftsdaten

An den historischen Wirtschaftsdaten sind die schwersten Wirtschaftskrisen der j√ľngeren Geschichte gut abzulesen. 1983 sorgte die Schuldenkrise in Lateinamerika f√ľr negatives Wachstum, 1986‚Äď87 der Zusammenbruch des OPEC-Kartells und der darauf folgende Sturz des √Ėlpreises. 1999‚Äď2000 folgte eine schwere Banken- und W√§hrungskrise. Eine Folge der permanenten Wirtschaftskrisen ist, dass im Jahre 2000 das Pro-Kopf-Einkommen unter dem Niveau von 1980 lag. Der Anteil Ecuadors an der Weltwirtschaftsleistung ist seit 1980 von 1,1 ‚Äį auf 0,9 ‚Äį gefallen. Weiterhin auffallend sind die hohen Inflationsraten, besonders zwischen Schuldenkrise und Dollarisierung. Die einzigen Jahre mit deutlich positiver Leistungsbilanz sind die Krisenjahre 1999‚Äď2000, als der Sucre massiv abgewertet wurde, sowie die letzten beiden Jahre mit ihren hohen √Ėlpreisen und der Fertigstellung einer zweiten transandinen Pipeline.

Ab dem Jahr 2000 erlebte die Wirtschaft des Landes einen langanhaltenden Aufschwung, getrieben von den robusten Rohstoffexporten des Landes.

Geldpolitik und Währungsreform

Nach mehreren wirtschaftlichen Schocks (Krieg mit Peru 1995, El Ni√Īo 1997, Russland- und Asienkrise 1997/98) sowie einem historischen Tiefstand des √Ėlpreises beliefen sich die Auslandsschulden des Landes 1998 auf 13 Mrd. Dollar. 1998 entwickelte sich in Ecuador eine Banken- und W√§hrungskrise. Mehrere Banken gingen bankrott, die Zentralbank erh√∂hte die Geldmenge, um das Bankensystem zu st√ľtzen, worauf der Ecuadorianische Sucre stark abwertete. Durch Devisenmarktinterventionen ‚Äď die die Abwertung nur wenig bremsen konnten ‚Äď verlor die Zentralbank zusehends ihre Devisenreserven. F√ľr zwei Jahre versank Ecuador in √∂konomischem Chaos. Die Inflation betrug 1999 mehr als 60¬†% und 2000 beinahe 100¬†%. Der Sucre wertete weiter ab ‚Äď 30¬†% 1998 und nochmals 67¬†% im Jahr darauf. Der ecuadorianische Staat verlor Zugang zum internationalen Kreditmarkt und im Inland wurden die Bankkonten eingefroren, um das Bankensystem zu st√ľtzen. Die Zentralbank hatte die Kontrolle √ľber alle geldpolitischen Gr√∂√üen verloren ‚Äď Inflation, Wechselkurs und Geldmenge. Angeblich emigrierten allein zwischen 1998 und 2000 etwa 200.000¬†Ecuadorianer. The Economist bezeichnete das Land im Jahr 2000 als das ‚Äěinstabilste Lateinamerikas‚Äú. De facto war der US-Dollar l√§ngst wichtigstes Zahlungsmittel geworden.

Am 9. Januar 2000 k√ľndigte Pr√§sident Jamil Mahuad daher an, die Ecuadorianische W√§hrung Sucre abzuschaffen und den US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel des Landes einzuf√ľhren. 22¬†Tage sp√§ter wurde er auf Druck von Milit√§rs und Indigenenverb√§nden wie der CONAIE, nicht zuletzt aufgrund dieser Entscheidung gest√ľrzt und durch seinen Vize Gustavo Noboa ersetzt. Die Entscheidung zur Dollarisierung Ecuadors wurde jedoch beibehalten.

Dollarisierung ‚Äď die √úbernahme einer fremden W√§hrung als offizielles Zahlungsmittel ‚Äď bedeutet das Ende jeglicher Geldpolitik, das hei√üt, das Geldangebot und damit das Zinsniveau kann nicht mehr von der Politik bzw. der Nationalbank gesteuert werden. Als einzige makro√∂konomische Politik bleibt Fiskalpolitik. Au√üerdem verliert das Land die Seigniorage aus der Ausgabe von Bargeld. Des Weiteren f√§llt eine Abwertung als m√∂gliche Reaktion auf exogene Schocks weg. Im Gegenzug erh√§lt das Land eine stabile W√§hrung und der Schwarzmarkt mit Parallelwechselkursen f√ľr die heimische W√§hrung wird eliminiert.

Die relevanten internationalen Organisationen, Internationaler W√§hrungsfonds, Interamerikanische Entwicklungsbank und Weltbank, bef√ľrworteten die Dollarisierung, in deren Folge sich auch die Inflation deutlich stabilisierte (5,7¬†% 2002‚Äď06 und 2,6¬†% im Juli 2007) und das Bankensystem sich wieder erholt hat. Grund f√ľr letzteres ist aber nicht zuletzt eine moderat wachsende Wirtschaft aufgrund des hohen √Ėlpreises und h√∂here √úberweisungen von im Ausland lebenden Ecuadorianern, die inzwischen nach dem √Ėl die wichtigste Devisenquelle des Landes sind. Durch die im Vergleich zu den USA h√∂here Inflation stieg der reale Wechselkurs allerdings, nachdem er 1998‚Äď2000 stark abgewertet wurde, in den letzten Jahren wieder auf das Niveau der 1990er Jahre. Insgesamt scheint sich die Inflation dabei langsam auf internationales Niveau einzustellen.

Arbeitsmarkt

Etwa zwei bis drei Millionen Ecuadorianer leben als Arbeitsmigranten im Ausland, mehr als halb so viel wie die arbeitende Bevölkerung in Ecuador zählt. Die wichtigsten Ziele sind die USA, Spanien, Italien, die Benelux-Länder, Großbritannien, Kanada, Chile und die Schweiz. In Spanien leben etwa 800.000 Ecuadorianer und in spanischen Schulen bilden Ecuadorianer noch vor Marokkanern die größte Minderheit. Im US-Bundesstaat New York bilden 600.000 Ecuadorianer die größte lateinamerikanische Bevölkerungsgruppe.

Mikrounternehmen

Einer umfangreichen Studie von USAid zufolge gibt es in Ecuador etwa 700.000¬†Mikrounternehmen, in denen mehr als eine Million Menschen arbeiten (andere Sch√§tzungen betragen 950.000 bis 1,7¬†Millionen Menschen). Mehr als ein Drittel aller urbanen Unter- und Mittelschichtsfamilien f√ľhrt ein Mikrounternehmen. Insgesamt erwirtschaftet der Sektor mehr als ein Viertel des BIP Ecuadors. Nur ein Viertel der Unternehmen sind registriert (besitzen ein RUC) und nur 15¬†% sind im Sozialversicherungssystem eingeschrieben. Frauen sind in diesem informellen Sektor deutlich √ľberrepr√§sentiert. 55¬†% der Mikrounternehmen sind im Bereich Handel t√§tig, 26¬†% in Dienstleistungen und 19¬†% in der Produktion. Die H√§lfte aller H√§ndler verkauft Lebensmittel und Getr√§nke. Weibliche Mikrounternehmer im Bereich Dienstleistungen haben insbesondere Restaurants (68¬†%) oder Friseursalone (17¬†%), M√§nner betreiben Bus- oder Taxiunternehmen (35¬†%), Kfz-Werkst√§tten (17¬†%) oder Restaurants (17¬†%). Frauen in der Produktion stellen meist Textilien her (52¬†%), M√§nner M√∂bel (24¬†%).

Anders als in zahlreichen anderen L√§ndern verkaufen Ecuadors Mikrounternehmer fast ausschlie√ülich an Endkunden, lediglich 0,2¬†% der Mikrounternehmen produzieren f√ľr den Export. Das impliziert eine wenig elastische Nachfrage und schnelle Markts√§ttigung.

Erdölsektor

1967 wurde von einem US-amerikanischen Konsortium im Oriente Erd√∂l gefunden. Seitdem f√ľnf Jahre sp√§ter eine Pipeline zum Pazifik fertiggestellt wurde, ist Ecuador ein wichtiger Erd√∂lproduzent. Ecuador produziert 509.000¬†Fass Erd√∂l am Tag (25¬†Millionen Tonnen pro Jahr). Damit produziert es etwa 0,6¬†% der Weltproduktion und liegt weltweit an 30. und in S√ľdamerika nach Venezuela, Brasilien und Argentinien an vierter Stelle. Ecuador verbraucht etwa 160.000¬†Fass am Tag und exportiert damit fast 70¬†% seiner Produktion. Die gesicherten Reserven betragen 4,5¬†Milliarden Fass, die theoretische F√∂rderreichweite damit etwa 25¬†Jahre. Gemessen an den Reserven belegt Ecuador den 25. Platz weltweit und den dritten in S√ľdamerika (noch vor Argentinien). Ecuador war bis Januar 2020 Mitglied der Organisation erd√∂lexportierender L√§nder.

Das Erd√∂l wird √ľber zwei Pipelinesysteme zum Pazifik transportiert, die insgesamt 3346¬†km lang sind. Die erste Pipeline (Sistema de Oleoductos Trans-ecuatoriano de Petroecuador, SOTE) wurde 1972 eingeweiht und endet am Erd√∂lhafen Puerto Balao bei Esmeraldas. Sie verl√§uft von Nueva Loja √ľber den Paso de Papallacta vorbei an Quito nach Esmeraldas und hat eine Kapazit√§t von 400.000¬†bpd. 1987 war die Pipeline wegen eines Erdbebenschadens mehr als sechs Monate au√üer Betrieb. Die zweite wichtige Pipeline Oleoducto de Crudos Pesados (OCP) wurde 2003 eingeweiht. Das OCP wurde von der WestLB mitfinanziert und steht in der Kritik von Umweltsch√ľtzern. Es verl√§uft ebenfalls von Nueva Loja nach Esmeraldas, allerdings nicht die gesamte Zeit parallel zur SOTE. Die Kapazit√§t des OCP betr√§gt 450.000¬†bpd, die Gesamtl√§nge betr√§gt 503¬†km. Au√üerdem wird in kleinerem Umfang das Oleoducto Transandino de Colombia (oder TransAndino) genutzt, das das √Ėl √ľber Tumaco an den Pazifik bringt.

Im Mai 2006 k√ľndigte die ecuadorianische Regierung einseitig die F√∂rdervertr√§ge mit dem US-amerikanischen Unternehmen Occidental Petroleum, das den gr√∂√üten F√∂rderanteil an den nationalen Vorkommen hatte und dar√ľber hinaus der gr√∂√üte Auslandsinvestor in Ecuador war. Die Felder werden der staatlichen Extraktionsfirma Petroecuador √ľberstellt.

Die Erd√∂lf√∂rderung in Ecuador f√ľhrt aber auch zu immer gr√∂√üeren Umweltbelastungen durch aus defekten Pipelines und anderen Leitungen austretendes Erd√∂l. Auch wird im Zusammenhang mit der Erd√∂lf√∂rderung √ľber zahlreiche Menschenrechtsverletzungen an den Ureinwohnern berichtet. Im Jahr 2005 wurden geheime Vertr√§ge der meisten √Ėlfirmen mit der ecuadorianischen Armee bekannt, in denen diese sich zu einer Schutzfunktion f√ľr die privaten Unternehmen verpflichtet haben und dazu, indigene Amazonas-Bewohner im Umkreis der F√∂rderanlagen festzunehmen.

Neuerdings werden Modellvorschl√§ge diskutiert, die gro√üen Erd√∂lvorkommen unter dem artenreichen Regenwald des Yasun√≠-Nationalparks ‚Äď ca. 900 Millionen Barrel √Ėl ‚Äď gegen eine Ausgleichszahlung von Seiten der Staatengemeinschaft in H√∂he der H√§lfte der zu erwartenden Einnahmen ‚Äď ca. 3,5 Mrd. US-Dollar ‚Äď im Boden zu belassen, damit Flora wie Fauna unversehrt bleiben k√∂nnen. Das Geld, verwaltet von einem Treuhandfonds, soll in Klimaschutz und erneuerbare Energien investiert werden.

Blumenproduktion

Seit Ende der 1980er-Jahre werden in Ecuador in gro√üem Stil Schnittblumen f√ľr den Export angebaut. Heute ist Ecuador nach den Niederlanden, Kolumbien und Kenia weltweit der viertgr√∂√üte Exporteur. Nach Erd√∂l, Bananen, Fischereiprodukten, Metallwaren und Garnelen sind Blumen Ecuadors sechstwichtigstes Exportgut. Seit Ende der 1960er-Jahre in Kolumbien eine Blumenindustrie entstand, ist der Weltmarkt f√ľr Blumen heute weitgehend globalisiert. Mehr als 60¬†L√§nder exportieren Schnittblumen. Nachdem 2002 der Exportanteil von Schnittblumen bereits 6¬†% betragen hatte und Blumen nach √Ėl und Bananen auf Platz drei der Exporte standen, ist er heute wieder auf 3¬†% gesunken. 2006 wurden 114.000¬†Tonnen Blumen f√ľr 400¬†Mio. Dollar exportiert. Den mit Abstand wichtigsten Produktionsanteil haben Rosen, die etwa drei Viertel aller Exporte ausmachen. 70¬†% aller Exporte gehen in die USA ‚Äď dort kommen 70¬†% aller Schnittblumen aus S√ľdamerika, davon fast die H√§lfte aus Ecuador, der Rest fast ausschlie√ülich aus Kolumbien. Auch f√ľr Russland, wo vor allem die au√üergew√∂hnlich langstieligen Rosen sehr gesch√§tzt sind, Japan und zahlreiche L√§nder im nahen Osten ist Ecuador der wichtigste Blumenlieferant, nicht aber f√ľr Europa. Der Export erfolgt ausschlie√ülich per Flugzeug √ľber den Flughafen Quito.

Die Blumenproduktion in Ecuador basiert auf den g√ľnstigen Produktionsfaktoren Land, Wasser und Arbeit, vor allem aber auf der f√ľr den Blumenanbau perfekten Kombination der √Ąquatorsonne und dem besonderen Klima des Andenhochlandes, sowie der vielf√§ltigen Topographie, die perfekt abgestimmte Bedingungen f√ľr jede Blumensorte erlauben. Hauptanbaugebiete sind dort der Norden der Provinz Pichincha um die Stadt Cayambe sowie die Provinzen Cotopaxi, Tungurahua und Chimborazo. Die Produktion ist sehr arbeits-, kapital- und technologieintensiv. Die Blumen werden in Folien-Gew√§chsh√§usern mit zum Teil aufw√§ndigen Bew√§sserungsanlagen und viel Einsatz von Pestiziden, Kunstd√ľngern und Fungiziden produziert. Pro Hektar Anbaufl√§che werden etwa 10¬†Arbeitskr√§fte ben√∂tigt. Angebaut werden die Blumen von etwa 400¬†ecuadorianischen hacendados oder internationalen Firmen, viele davon aus Kolumbien. Eine typische Plantage hat etwa 25‚Äď50¬†ha und 250‚Äď500¬†Arbeitskr√§fte.

Die Arbeitsbedingungen in einem Teil der Plantagen sind noch immer schlecht, die Belastung mit Chemikalien extrem hoch und die Arbeitszeiten lang und flexibel. Gewerkschaften werden nicht zugelassen. Die Bezahlung nach einem Akkord-System sorgt f√ľr extrem unsolidarische Arbeitsbedingungen. Kinderarbeit ist dagegen kaum vorzufinden.

Außenhandel

Der Export Ecuadors basiert vor allem auf Erd√∂l. Im Jahre 2006 wurden Waren im Wert von insgesamt 12,7¬†Mrd. US$ (FOB) exportiert. Davon waren 6,6¬†Mrd.¬†$ Roh√∂l, 1,2¬†Mrd.¬†$ Bananen, 0,7¬†Mrd.¬†$ Fischereiprodukte, 0,6¬†Mrd.¬†$ Erd√∂lderivate, 0,6¬†Mrd.¬†$ Shrimps, 0,6¬†Mrd.¬†$ Metalle und Maschinen, 0,4¬†Mrd.¬†$ Schnittblumen, 0,2¬†Mrd.¬†$ Kakao und 0,1¬†Mrd.¬†$ Kaffee. Der Erd√∂lsektor macht damit 59¬†% aller Exporte aus. Von den traditionellen Exporten, Bananen, Kakao und Kaffee, spielen nur noch die ersten eine wichtige Rolle. Nicht-traditionelle Exporte wie Metallwaren, Shrimps und Schnittblumen sind zwar seit den 1980er Jahren stark angewachsen, jedoch gegen√ľber den Erd√∂leinnahmen immer noch weitgehend bedeutungslos. Die wichtigsten M√§rkte sind die USA (54¬†%), Peru (9¬†%), Kolumbien (5¬†%) und Chile (4¬†%).

Da Ecuador keine ausreichenden Raffineriekapazit√§ten besitzt, muss es Erd√∂lderivate wie Benzin und Diesel einf√ľhren. Diese machten 2006 fast ein F√ľnftel aller Importe aus. Die wichtigsten Lieferanten sind die USA (25¬†%), Kolumbien (15¬†%), Venezuela (8¬†%) und Brasilien (7¬†%).

Ecuador erlebte zwischen 1989 und 1994 eine Periode radikaler Handelsliberalisierung. Unter Pr√§sident Rodrigo Borja wurde der durchschnittliche Zollsatz von √ľber 40¬†% auf unter 12¬†% gesenkt. Der maximale Zollsatz fiel von 290¬†% auf 20¬†% (nur Autos, insbesondere Gebrauchtwagen, wurden h√∂her verzollt). Des Weiteren wurden zahlreiche nicht-tarif√§re Handelshemmnisse beseitigt, der Sucre drastisch abgewertet und ausl√§ndische Direktinvestitionen erleichtert. Unter Borjas Nachfolger Sixto Dur√°n Ball√©n trat Ecuador in den Andenpakt und die WTO ein.

Ecuador ist Mitglied der International Cocoa Organization.

Tourismus

In den letzten Jahren hat sich auch der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt, auch weil Ecuador als eines der L√§nder mit der h√∂chsten Biodiversit√§t der Welt gilt. Ecuador bietet dar√ľber hinaus eine Vielfalt an Landschaften, die ihresgleichen sucht. Genannt seien die Galapagosinseln, die Stra√üe der Vulkane, Ba√Īos in den Wolkenw√§ldern des Anden-Osthanges und die tropischen Regenw√§lder. Reiseangebote in Naturgebiete werden in Ecuador grunds√§tzlich als √Ėkotourismus bezeichnet, auch wenn die strengen Kriterien umweltfreundlicher Reisen nicht erf√ľllt werden. Dar√ľber hinaus wurde das koloniale Zentrum der Hauptstadt Quito als erster Ort √ľberhaupt in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von 34,9 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von 30,9 Mrd. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 4,0¬†% des BIP.
Die Staatsverschuldung betrug 2016 28,6 Mrd. US-Dollar oder 29,2 % des BIP.

Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 9,2¬†% (2014)
  • Bildung: 5,0¬†% (2015)
  • Milit√§r: 1,7¬†% (2017)

Infrastruktur

Historisch waren die beiden wichtigsten Landesteile Costa und Sierra aufgrund ihrer schwierigen Topographie und der sehr schlechten Infrastruktur weitgehend voneinander isoliert. Selbst innerhalb der Sierra waren Handel und Kommunikation zwischen den verschiedenen Talkesseln mit gro√üen Schwierigkeiten verbunden. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Guayaquil mit Mais und Kartoffeln aus Peru und Kolumbien versorgt, und Importwaren f√ľr Quito wurden per Tr√§ger und Maultier angeliefert. Noch 1920 dauerte die 220¬†Kilometer lange Reise von Quito bis zur Grenzstadt Tulc√°n (an der kolumbianischen Grenze) f√ľnf Tage. Erst 1908 wurde w√§hrend der Amtszeit des Pr√§sidenten Eloy Alfaro die erste Eisenbahn zwischen den beiden Zentren fertiggestellt. W√§hrend die Eisenbahntrassen von San Lorenzo im Norden bis Loja im S√ľden und die Stichstrecke nach Guayaquil bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts fertig gestellt wurden, gab und gibt es bis heute keine Schienenverbindung nach Peru, nach Kolumbien oder in den Oriente. Durch El Ni√Īo wurde 1998 die wichtigste Strecke zwischen Guayaquil und Quito stark besch√§digt, so dass sie 15 Jahre lang nicht mehr vollst√§ndig befahren werden konnte. Vom gesamten 965¬†Kilometer langen Streckennetz waren nur noch einige Abschnitte f√ľr Touristen in Betrieb. Unter Pr√§sident Rafael Correa wurde das gesamte Netz ab 2009 wieder hergerichtet und die bisher privatrechtliche organisierte Eisenbahn in die √∂ffentliche Ferrocarriles del Ecuador Empresa Publica (FEEP) √ľberf√ľhrt. Nachdem die Strecken abschnittsweise wieder instand gesetzt wurden, konnte im Januar 2013 auf der von Guayaquil ausgehenden Hauptstrecke der Betrieb wieder durchgehend aufgenommen werden.

Wie in S√ľdamerika √ľblich, wird der Personenfernverkehr weitgehend durch Busse abgewickelt, jedoch im Gegensatz zu den anderen L√§ndern vorwiegend mit Tageskursen, was f√ľr das Reiseerlebnis (und die gef√ľhlte Sicherheit) einen ma√ügeblichen Unterschied darstellt. Die Busse sind der Lebensnerv des Landes und verkehren auch in den entlegensten Landesteilen regelm√§√üig. Sie sind zudem das Einzige, was sich seit der Einf√ľhrung des Dollars als Landesw√§hrung nicht verteuert hat; pro Stunde Fahrt im Bus ist mit einem Dollar Fahrpreis zu rechnen.

Das moderne Stra√üensystem wurde in einer ersten Welle ab den 1960er-Jahren errichtet. Die wichtigsten Stra√üen sind Tulc√°n‚ÄďMacar√° (E35, Panamericana), Riobamba‚ÄďHuaquillas (Panamericana), Guayaquil‚ÄďRiobamba, Quito‚ÄďSanto Domingo und Guayaquil‚ÄďSanto Domingo‚ÄďEsmeraldas. Die alte Stra√üe Guayaquil‚ÄďGuaranda‚ÄďQuito wird nur noch wenig genutzt. Insgesamt waren nach dem ersten Ausbau nur 8000¬†km von 43.000¬†Kilometer Stra√üen befestigt. Seit ca. 2006 l√§uft ein gigantisches Stra√üenbauprogramm, durch welches sich der Anteil der asphaltierten Stra√üen verdoppelt oder gar verdreifacht haben d√ľrfte. Das Reisen im Bus wird damit im Prinzip nochmals billiger, sind die Busse doch auf neu erstellten Stra√üen manchmal doppelt so schnell am Ziel.

Es gibt zwei internationale Flugh√§fen, der Neue im Tumbaco-Tal nahe Quito (welcher den alten Stadtflughafen ersetzte) und Einen in Guayaquil. Neben dem Personentransport spielt der Flughafen Quito auch f√ľr den Export von Schnittblumen eine gro√üe Rolle. Im ganzen Land gibt es dar√ľber hinaus eine Reihe von Regionalflugh√§fen und unz√§hlige Landepisten. Die wichtigste Fluggesellschaft des Landes ist TAME.

Ecuador produziert etwa 11¬†Milliarden Kilowattstunden Elektrizit√§t pro Jahr. Fast zwei Drittel davon stammen aus Wasserkraftanlagen, der Rest aus √Ėlkraftwerken. Das gesch√§tzte Potential an Wasserkraft betr√§gt 100.000¬†Megawatt (MW), genutzt werden 1720¬†MW. Die wichtigsten Kraftwerke sind das Werk Amaluza-Talsperre am R√≠o Paute (Wasserkraft, 1100¬†MW, etwa 60¬†% der Stromproduktion aus Wasserkraft), Daule Peripa (Wasser, 210¬†MW), Zevallos (Vap/Gas, 175¬†MW) und Agoy√°n (Wasser, 156¬†MW).

Der Erd√∂lexport wird √ľber zwei transandine Pipelines abgewickelt. Die Verschiffung erfolgt in der Provinz Esmeraldas im Norden. Die wichtigsten H√§fen befinden sich in Guayaquil (√úbersee), Manta (Fischerei) und Machala (Bananen).

Kultur

Literatur

Malerei

Hernando de la Cruz (1592‚Äď1646), ein in Panama geborener K√ľnstler der Gegenreformation, schm√ľckte verschiedene Geb√§ude in Quito. Eduardo Kingman stellte in seinem Werk das l√§ndliche Leben der indigenen Bev√∂lkerung dar. Der wichtigste bildende K√ľnstler des 20. Jahrhunderts war Oswaldo Guayasam√≠n.

Medien

Bis zum 28. November 2007 bestand die Fernsehlandschaft Ecuadors ausnahmslos aus privaten Fernsehstationen, die auch heute noch die bei weitem bekanntesten und meistgesehenen sind. Der bekannteste nationale Fernsehsender ist Ecuavisa, das auch einen internationalen Kanal unterhält, der vor allem in Kabelnetze der USA eingespeist wird.

Am 28. November 2007 nahm Ecuador TV, der erste staatliche Fernsehsender des Landes, seinen Sendebetrieb auf.

Die größten Zeitungen des Landes sind El Universo in Guayaquil und El Comercio in Quito.

Das Mediengesetz des Landes von 2013 gilt als das repressivste in S√ľdamerika. Es untersagt die Publikation von nicht verifizierbaren Informationen.

Sport

Die ecuadorianische Fu√üballnationalmannschaft der Herren ist der bedeutendste sportliche Vertreter Ecuadors. Sie konnte sich f√ľr die Weltmeisterschaften 2002, 2006 und 2014 qualifizieren. Im Jahr 2006 erreichte die Mannschaft das Achtelfinale.

Der bisher einzige Olympiasieger Ecuadors ist der Geher Jefferson P√©rez, der bei den Olympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta das 20-km-Gehen gewann. Der ecuadorianischen Version der TV-Sendung Unsere Besten zufolge ist P√©rez nach Ex-Pr√§sident Eloy Alfaro der ‚Äězweitbeste‚Äú Ecuadorianer aller Zeiten.

Seit 2015 erlangte der aus General Villamil stammende BMX-Sportler Jonathan Camacho durch seine anhaltenden Erfolge zusehends internationale Bekanntheit. Er wird heute zu den weltweit besten BMX-Fahren im Freestyle gez√§hlt. Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio wird er f√ľr sein Land antreten. Im Jahr 2019 gewann Richard Carapaz die Gesamtwertung des Giro d‚ÄôItalia.

Die bekanntesten Fußballmannschaften in der Serie A des Landes sind LDU Quito, die bisher als einziger ecuadorianischer Verein die Copa Libertadores gewinnen konnte, sowie CD El Nacional, Barcelona SC Guayaquil, CS Emelec und Deportivo Quito. Unter den bekanntesten Spielern des Landes sind Edison Méndez von Liga de Quito, Agustín Delgado von CS Emelec, der derzeit vereinslose Iván Kaviedes, Cristian Benítez von Birmingham City und Antonio Valencia, der bei Manchester United spielt. Außerdem hat auch Carlos Gruezo durch seinen Wechsel zum VfB Stuttgart einen höheren Bekanntheitsgrad erlangt.

Feiertage

Siehe auch

  • Fuerza A√©rea Ecuatoriana

Literatur

Allgemein

  • Rafael Sevilla, Alberto Acosta (Hrsg.): Ecuador. Welt der Vielfalt. Horlemann, Bad Honnef 2005, ISBN 3-89502-210-1.¬†
  • Carlos de la Torre, Steve Striffler (Hrsg.): The Ecuador Reader. Duke University, Durham 2008, ISBN 978-0-8223-9011-4.
  • Ecuador. In: Merian. Nr.¬†1. Jahreszeiten-Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8342-0801-9.¬†

Geographie

  • Volker Feser: Ecuador. Michel M√ľller, Erlangen 2017, ISBN 978-3-95654-196-4.¬†
  • Nelson G√≥mez E.: Nuevo Atlas del Ecuador. Eduguias, Quito 2004, ISBN 9978-89-009-2 (spanisch).¬†

Kultur und Literatur

  • Klaus Semsch, Ecuador ‚Äď Land der Vielfalt. Ein kultureller Rundgang, in: Hispanorama 141 (August 2013), Themenschwerpunkt Ecuador, S. 12‚Äď19.

Geschichte

  • George Lauderbaugh: The History of Ecuador. Greenwood, Santa Barbara (CA) 2012, ISBN 978-0-313-36250-7.
  • Allen Gerlach: Indians, Oil, and Politics: A Recent History of Ecuador. Scholarly Resources, Wilmington 2003, ISBN 0-8420-5108-2.
  • David W. Schodt: Ecuador: an Andean enigma. Westview Press, Boulder 1987, ISBN 0-8133-0230-7.¬†

Wirtschaft und Soziales

  • Larry Sawers: Nontraditional or New traditional Exports: Ecuador‚Äôs Flower Boom. In: Latin American Research Review. Band¬†40, Nr.¬†3, Oktober 2005 (online [PDF]).¬†
  • Ginger Thimpson: Behind Roses‚Äô Beauty, Poor and Ill Workers. In: New York Times. 13.¬†Februar 2003 (online).¬†
  • USAid (Hrsg.): Microempresas y Microfinanzas en Ecuador. M√§rz 2005 (spanisch, 164¬†S.).¬†

Weblinks

  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Ecuador
  • Linkkatalog zum Thema Ecuador bei curlie.org (ehemals DMOZ)
  • Statistiken von UNICEF zu Ecuador

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (24)

Bezeichnung der Regionen: Provinz
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Azuay -2.5530305 -3.6200661 -79.7603988 -78.4398498  
Bolivar -1.1480951 -2.2034858 -79.4053573 -78.8504791  
Canar -2.2153115 -2.8466974 -79.5279465 -78.5672683  
Carchi 1.1877016 0.3607884 -78.5505447 -77.5582886  
Chimborazo -1.4320703 -2.586602 -79.2482833 -78.3490372  
Cotopaxi -0.3242431 -1.2108106 -79.329689 -78.3706665  
El Oro -3.0484269 -3.9013896 -80.3038788 -79.3581085  
Esmeraldas 1.4581591 0.0765135 -80.0969696 -78.4210052  
Galapagos 1.664773 -1.410052 -92.010773 -89.239861  
Guayas -0.8395734 -3.1683428 -81.0070038 -79.0972825  
Imbabura 0.8569117 0.1254419 -79.230362 -77.8280335  
Loja -3.3245008 -4.736351 -80.4813918 -79.0934372  
Los R√≠os -0.5302998 -2.1302066 -79.8768006 -79.0803528  
Manabi 0.394737 -1.92619 -80.9087753 -79.395401  
Morona Santiago -1.4433619 -3.594366 -78.9691543 -76.73909  
Napo 0.0364319 -1.5444505 -78.4100876 -75.1845856  
Orellana -0.041857 -1.547718 -77.668508 -75.184586  
Pastaza -0.9938408 -2.6300898 -78.1577453 -75.5348206  
Pichincha 0.3448641 -0.7144634 -79.6238708 -77.8355255  
Santa Elena -1.647962 -2.508378 -81.007004 -80.226689  
Santo Domingo de los Tsachilas 0.123351 -0.686189 -79.623871 -78.734941  
Sucumb√≠os 0.6516624 -0.6488826 -77.9738236 -75.2348862  
Tungurahua 0.032000 -1.237000 -78.442000 -76.585693  
Zamora Chinchipe -3.3357888 -4.9988231 -79.4277955 -78.3471222  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Flagge: Ecuador

Name englisch: Ecuador
Hauptstadt: Quito
Kfz: EC
ISO: EC
ISO3: ECU
Fläche: 283560 km²
Tld: .ec
Wärung Einheit: USD
Währung: Dollar
Vorwahl: 593

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 2.2955
südlichster Punkt: -5.014351
westlichster Punkt: -92.6038
östlichster Punkt: -75.188794


 
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