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Gebirge Karte: Erzgebirge

Gebirge Lage und Zugehörigkeit

Zugehörigkeit: Europa » Erzgebirge
 

Gebirge Informationen zur Gebirgsgruppe: Erzgebirge

Informationen zur Lage und Bezeichnung:


ausführliche Beschreibung:

Das Erzgebirge (tschechisch ) ist ein Mittelgebirge in Sachsen und Böhmen. Knapp nördlich der Kammlinie verlĂ€uft die deutsch-tschechische Grenze. Die höchsten Erhebungen sind der Keilberg (KlĂ­novec) (1244 m n.m.) und der Fichtelberg (1215 mÂ ĂŒ. NN).

Die erzgebirgische Natur wurde seit der ersten Besiedlungswelle im Mittelalter intensiv durch menschliche Eingriffe geformt und hat eine vielseitige Kulturlandschaft entstehen lassen. Insbesondere der Bergbau mit Halden, Stauanlagen, GrÀben und Pingen prÀgte an vielen Orten das Landschaftsbild und die LebensrÀume von Pflanzen und Tieren auch direkt. Eine Auswahl historisch weitgehend original erhaltener technischer DenkmÀler sowie mit dem Montanwesen in Verbindung stehender Einzeldenkmale und Sachgesamtheiten gehören seit 2019 als Montanregion Erzgebirge zum UNESCO-Welterbe.

Die höheren Lagen ab etwa 500 mÂ ĂŒ. NN auf deutscher Seite gehören dem Naturpark Erzgebirge/Vogtland an – der mit 120 km LĂ€ngenausdehnung grĂ¶ĂŸte seiner Art in Deutschland. Das östliche Erzgebirge steht als Landschaftsschutzgebiet Osterzgebirge unter Landschaftsschutz. Weitere kleinere Gebiete auf deutscher und tschechischer Seite stehen als Naturschutzgebiete und Naturdenkmale unter staatlichem Schutz. In den Kammlagen befinden sich außerdem mehrere grĂ¶ĂŸere, nur von Regenwasser gespeiste Hochmoore. Das Erzgebirge ist ein beliebtes Wandergebiet und in den Hochlagen sind Wintersportgebiete vorhanden.

Geologie

Regionalgeologischer Rahmen

Das Erzgebirge ist eine asymmetrisch herausgehobene Scholle (Pultscholle), auf der grĂ¶ĂŸtenteils metamorphes variszisches Grundgebirge ansteht. Mit dem Fichtelgebirge, der MĂŒnchberger Masse, dem ThĂŒringisch-FrĂ€nkisch-VogtlĂ€ndischen Schiefergebirge und dem SĂ€chsischen Granulitgebirge wird es zum FrĂ€nkisch-ThĂŒringisch-SĂ€chsischen Grundgebirge zusammengefasst, das den nordwestlichen Rand der Böhmischen Masse bildet. Innerhalb der variszisch streichenden Großmulden und -sĂ€ttel des FrĂ€nkisch-ThĂŒringisch-SĂ€chsischen Grundgebirges bildet das Erzgebirge zusammen mit dem Fichtelgebirge eine Sattelstruktur, das Erzgebirgs-Fichtelgebirgs-Antiklinorium, dessen Sattelachse nach SĂŒdwesten abtaucht. Infolgedessen beißen im nordöstlichen Teil des Erzgebirges die Ă€lteren bzw. tektonisch tieferen Gesteine aus und im sĂŒdwestlichen Teil die jĂŒngeren bzw. tektonisch höheren Gesteine. Das Erzgebirge wird von zwei im Mesozoikum entstandenen Scherzonen durchzogen, der Gera-JĂĄchymov- und der Flöha-Störung.

Das Erzgebirge wird durch den Erzgebirgsabbruch nach SĂŒdosten scharf gegen den Egergraben und durch die MittelsĂ€chsische Störung nach Nordosten scharf gegen den SĂŒdwestrand der Elbezone mit dem Elbtalschiefergebirge und dem Nossen-Wilsdruffer Schiefergebirge abgegrenzt. Mit dem Döhlener Becken und der Elbtalkreide greifen dort auch Gesteine des jungpalĂ€ozoisch-mesozoischen Deckgebirges auf das Erzgebirge ĂŒber. Auch entlang des fast gesamten Nordwestrandes ĂŒberlappen jungpalĂ€ozoische Sedimente, die Reste der FĂŒllung des Vorerzgebirgs-Beckens, das Erzgebirgskristallin. Nach Westen geht das Erzgebirge in die weitgehend unmetamorphen Grundgebirgseinheiten des ThĂŒringisch-FrĂ€nkisch-VogtlĂ€ndischen Schiefergebirges ĂŒber und nach SĂŒdwesten setzt sich das Erzgebirge im Fichtelgebirge fort (diese Übergangsbereiche werden geographisch schon nicht mehr dem Erzgebirge, sondern dem Vogtland bzw. dem Elstergebirge) zugerechnet.

Geologische Geschichte

Das Erzgebirge verdankt seine Entstehung insbesondere zwei Gebirgsbildungen: Aus der variszischen Gebirgsbildung im JungpalĂ€ozoikum ging das Erzgebirgs-Kristallin hervor, aus dem der weit ĂŒberwiegende Teil des Gebirgskörpers aufgebaut ist. Im Gefolge der alpidischen Gebirgsbildung im TertiĂ€r entstand die heutige Morphologie, das Pultschollengebirge. Die Geschichte der Ă€ltesten Gesteine des heutigen Erzgebirges beginnt jedoch bereits vor etwa 570 Millionen Jahren im spĂ€ten Neoproterozoikum (Ediacarium).

FrĂŒhphase (cadomische Phase)

Vor etwa 750 Millionen Jahren begann der Superkontinent Rodinia, der den grĂ¶ĂŸten Teil der damaligen kontinentalen Erdkruste umfasste, zu zerfallen. Aus seinen BruchstĂŒcken formierten sich zwischen etwa 650 und 530 Millionen Jahren vor heute der Großkontinent Gondwana, in dem die VorlĂ€ufer der heutigen kontinentalen Krustenblöcke Afrika-Arabien, SĂŒdamerika, Antarktika, Australien und Indien vereint waren, sowie die kleineren Nordkontinente Laurentia („Ur-Nordamerika“), Baltica („Ur-Europa“) und Sibiria („Ur-Sibirien“).

Vor etwa 570 Millionen Jahren war dem Westafrikanischen Kraton ein Inselbogen vorgelagert. In dem Meeresbecken an der RĂŒckseite des Inselbogens (Backarc-Becken) setzten sich Grauwacken und vulkanische Sedimente (Pyroklastika) ab. Vor etwa 540 Millionen Jahren, am Übergang vom Neoproterozoikum zum Kambrium, wurde dieses Backarc-Becken wĂ€hrend der Kollision des Inselbogens mit Gondwana zusammengeschoben, und die Sedimente wurden gefaltet. Unmittelbar nachfolgend intrudierten Granitoide in die gefalteten Gesteine. Diese Ereignisse werden unter dem Begriff Cadomische Gebirgsbildung zusammengefasst. Sie schufen das sogenannte cadomische Basement des Erzgebirges und angrenzender Bereiche kontinentaler Kruste an der Peripherie Gondwanas, die im weiteren Verlauf des PalĂ€ozoikums der „ur-europĂ€ischen“ Kruste angegliedert (akkretiert) wurden.

Das Erzgebirge ist Teil des Saxothuringikums, einer geologischen Zone im heutigen Mitteleuropa, die palĂ€ogeographisch einem solchen cadomisch prĂ€-deformierten, perigondwanischen Krustensegment (Terran) namens Armorica („Cadomia“) zugeordnet wird.

PrĂ€variszische und variszische Phase (Unterordovizium–Unterkarbon)

Zu Beginn des PalĂ€ozoikums befand sich Armorica/Cadomia in hohen geographischen Breiten der SĂŒdhalbkugel – tausende Kilometer entfernt von seiner heutigen Position.

Vor etwa 500 Millionen Jahren, an der Schwelle vom Kambrium zum Ordovizium, wurde die Erdkruste in unmittelbarer Nachbarschaft des Saxothuringikums gedehnt, was zunĂ€chst zur Entstehung eines Grabenbruchs und nachfolgend zur Ablösung des Kleinkontinentes Avalonia fĂŒhrte. Zwischen Avalonia und Gondwana öffnete sich der Rheische Ozean. Die Grabenbruch-Phase wurde von intensivem Magmatismus mit der Bildung von Graniten und Rhyolithen begleitet. Nach Ende dieser Phase im höheren Unterordovizium war die Region ein rasch absinkender Kontinentalschelf. Die Ablagerung von tonig-sandigen und spĂ€ter auch kalkigen, marinen Sedimenten prĂ€gte diese Phase bis in das Silur. Vergleichende Untersuchungen der Geochemie saxothuringischer Sedimentgesteine und Metasedimente zeigen, dass die Schichtglieder der ordovizischen Abfolge an der Ostflanke des Schwarzburger Sattels in ThĂŒringen sich in verschiedenen metamorphen Einheiten des Westerzgebirges wiederfinden. Dies ist ein deutliches Indiz fĂŒr den engen palĂ€ogeographischen Zusammenhang, die gemeinsame Ablagerung dieser Sedimente auf dem saxothuringischen Schelf.

Im Devon begann sich der Rheische Ozean wieder zu schließen, wobei sein sĂŒdlicher Rand, mit unter anderem Armorica am Nordrand Gondwanas, nach Norden vorrĂŒckte. Im Norden war der Rheische Ozean vom Großkontinent Laurussia begrenzt, der zwischenzeitlich aus den Krustenblöcken Avalonia, Laurentia und Baltica entstanden war (siehe → Kaledonische Orogenese). Gegen Ende des Devon trafen Gondwana und Laurussia wenige Breitengrade sĂŒdlich des Äquators schließlich aufeinander und lösten die variszische Gebirgsbildung aus.

Am Übergang von der Subduktion des Rheischen Ozeans in die Kollision der Kontinentalblöcke geriet auch ausgedĂŒnnte kontinentale Kruste von Armorica unter Laurussia. Die davon betroffenen Gesteine wurden sehr schnell sehr tief versenkt, jedoch mit Fortschreiten der Kollision ebenso schnell wieder in höhere Bereiche der Kruste transportiert (exhumiert). Das Vorkommen von winzigen Diamanten in Gesteinen nahe der Saidenbach-Talsperre im Westerzgebirge deutet darauf hin, dass dieses Material bis in den oberen Erdmantel, in Tiefen von 150 km gelangt war. Versenkung und Exhumierung wĂ€hrten nur kurz. Das Gebirge kĂŒhlte kurz nach der Orogenese auf OberflĂ€chentemperatur ab. Radiometrische Altersmessungen an verschiedenen Gesteinen aus verschiedenen Gegenden des Erzgebirges erbringen einheitlich etwa 340 Millionen Jahre (VisĂ©um).

SĂ€mtliche Gesteine des Erzgebirges wurden wĂ€hrend der variszischen Gebirgsbildung metamorphisiert und mehr oder weniger stark verfaltet. Dutzende Kilometer weite Bereiche der Erdkruste wurden auf nur wenige Kilometer zusammengeschoben. Dabei gelangten auch einige Schuppen nicht-subduzierter ozeanischer Kruste in den palĂ€ozoischen Sedimentstapel. Aus den Grauwacken, Pyroklastika und Granitoiden des cadomischen Basements bildeten sich die Graugneise des Osterzgebirges (Grauwacken wurden zu Paragneisen und Granitoide zu Orthogneisen). Aus den Graniten und Rhyolithen der kambro-ordovizischen Rift-Phase gingen die Rotgneise des Westerzgebirges hervor, jedoch sind einige Rotgneis-Ausgangsprodukte möglicherweise noch cadomisch (Reitzenhainer Gneisdom). Die marinen palĂ€ozoischen Sedimente wurden, je nach Tiefe der Versenkung, in Phyllit, Granatphyllit, Glimmerschiefer oder Paragneise umgewandelt, die darin eingeschalteten Schollen ozeanischer Kruste in Amphibolit oder Eklogit. Eine Besonderheit des erzgebirgischen Variszikums zeigt sich darin, dass das östlich der Elbezone liegende cadomische Basement der Lausitz – ebenfalls Teil des Saxothuringikum-Basements – keine Metamorphose erfuhr, ebenso wie die westlich des Erzgebirges befindlichen altpalĂ€ozoischen Sedimentgesteine, Basaltoide und Rhyolithoide des ThĂŒringisch-FrĂ€nkisch-VogtlĂ€ndischen Schiefergebirges.

SpÀt- und postvariszische Phase (Oberkarbon und Perm)

In der SpĂ€tphase der variszischen Gebirgsbildung kam es vor etwa 327 bis 318 Millionen Jahren zur Intrusion der großen Granitkomplexe von Eibenstock-Nejdek und Kirchberg. Das Osterzgebirge erfuhr einen explosiven Vulkanismus, dessen rhyolithisch-ignimbritisches Auswurfmaterial u. a. in den Calderen von Altenberg-Teplice und Tharandt erhalten geblieben ist. Beide Strukturen haben Durchmesser von weit ĂŒber 10 km.

SpĂ€testens mit Beginn der Heraushebung des „Ur-Erzgebirges“ im Oberkarbon war dieses verstĂ€rkt Verwitterung und Erosion unterworfen. Das abgetragene Material, sogenannte Molasse, wurde zusammen mit den vulkanischen Förderprodukten in Senken sedimentiert, namentlich in der Vorerzgebirgs-Senke und im Döhlener Becken, die dem heutigen Erzgebirge nördlich vorgelagert sind. Mit Vulkaniten durchsetzte Molasse des gleichen Alters (oberes Oberkarbon bis Mittelperm) findet sich auch in anderen Gegenden Mitteleuropas. Sie wird allgemein unter der Bezeichnung Rotliegend zusammengefasst (teilweise beginnt die Molassesedimentation aber bereits im höheren Unterkarbon). Die einzigen nennenswerten Molassebecken direkt im Erzgebirge sind die mit einer AusbissflĂ€che von jeweils rund 4 kmÂČ (teilweise von QuartĂ€rablagerungen ĂŒberdeckt) vergleichsweise kleinen Strukturen von Olbernhau und Brandov. In all diesen Senken bildeten sich Steinkohle­vorkommen, die allerdings nur historisch wirtschaftliche Bedeutung besaßen. Nach Ende der Hebung und Abklingen des Vulkanismus wurde das „Ur-Erzgebirge“ schließlich bis auf eine flachwellige HĂŒgellandschaft, den Permischen Rumpf, abgetragen. WĂ€hrenddessen befand es sich wenige Breitengrade nördlich des Äquators, an einer zentralen Position in der WesthĂ€lfte des Superkontinents Pangaea.

„Alpidische“ Phase

Gegen Ende des Perm begann Pangaea wieder auseinanderzubrechen. Der golfartig von Osten in den Superkontinent hineinragende Tethys-Ozean öffnete sich reißverschlussartig weiter nach Westen und separierte zunehmend den Nordteil (Laurasia) vom SĂŒdteil (Gondwana). Die ehemals an der Peripherie Gondwanas gelegenen Terrane und damit auch das Saxothuringikum blieben jedoch mit dem Nordkontinent verbunden.

Im Cenoman, in der frĂŒhen Oberkreide, kam es zu einem erheblichen globalen Anstieg des Meeresspiegels. Zu dieser Zeit war das Erzgebirge Teil der MitteleuropĂ€ischen Insel (Rheinisch-Böhmische Insel). Diese Insel war schon in der ausgehenden Unterkreide (Apt und Alb) im Zuge von Anhebungen des globalen Meeresspiegels entstanden und reprĂ€sentierte mit etwa 800 km LĂ€nge einen der grĂ¶ĂŸeren nicht vom Meer bedeckten Bereiche im europĂ€ischen Teil Laurasias. Sie trennte die borealen GewĂ€sser des Norddeutschen Kreidebeckens von einem subtropischen Randmeer der westlichen Tethys. Im Osten war ihr die kleinere Westsudetische Insel vorgelagert, die u. a. einen Teil der heutigen Lausitz umfasste. Die dazwischenliegende Meeresstraße hatte bereits in etwa die NW-SE verlaufende Richtung der Elbezone und verband das Norddeutsche Kreidebecken mit dem Böhmischen Kreidebecken. ZunĂ€chst lag diese Meeresstraße allerdings noch weitgehend trocken: Aus dem Untercenoman existieren keine Ablagerungen und die konglomeratischen und sandigen Sedimente des mittleren Cenomans waren ĂŒberwiegend terrestrisch (Ablagerungen des „Niederschönaer Flussystems“). Mit dem weiteren Vordringen des Meeres wurde im Obercenoman die terrestrische schließlich durch marine Sedimentation abgelöst, wobei im Raum Dresden aufgrund der zunehmenden Ferne zum Festland, sandige durch generell feinkörnigere und stĂ€rker karbonatische Sedimente abgelöst wurden („PlĂ€ner“-Fazies, Mergelfazies). Zwischen Pirna und Děčín wurden jedoch weiterhin vorwiegend Sande abgesetzt. Diese sind im Elbsandsteingebirge großrĂ€umig aufgeschlossen und umfassen eine Abfolge vom Obercenoman bis ins Unterconiac. Auch im östlichen Erzgebirge sind u. a. im Tharandter Wald, in der Dippoldiswalder Heide sowie im böhmischen Erzgebirge sĂŒdlich von Petrovice (dort auf etwa 650 mÂ ĂŒ. NN) lokal Elbsandsteine erhalten, jedoch nur die tiefsten Teile der Abfolge, vor allem aus dem Mittelcenoman (Niederschöna-Formation), in geringerem Umfang auch aus dem Obercenoman (OberhĂ€slich-Formation).

Nachdem Afrika-Arabien schon lĂ€ngere Zeit unter Schließung der westlichen Tethys nach Norden gedriftet war, fĂŒhrte die Kollision Afrikas mit dem SĂŒdrand Europas ab etwa 80 Millionen Jahren vor heute schließlich zur Alpidischen Gebirgsbildung. Dabei entstanden im Laufe des TertiĂ€rs in Mitteleuropa nicht nur die Alpen, sondern auch die Kruste nördlich der Alpen wurde tektonisch wiederbelebt (Saxonische Bruchschollentektonik). Infolgedessen erfuhr der Nordostrand der Böhmischen Masse mehrere Einengungs- und Dehnungsphasen. Die erste Einengung vor etwa 80–40 Millionen Jahren (Oberkreide–EozĂ€n) hatte nur geringe Auswirkungen. Die Karsdorfer Störung am Erzgebirgs-Ostrand, eine Aufschiebung mit Sprunghöhen von bis zu 300 m, wird hierauf zurĂŒckgefĂŒhrt. Vor etwa 40–16 Millionen Jahren (EozĂ€n–MiozĂ€n) bewirkte Krustendehnung das Einsinken des sĂŒdlich des Erzgebirges gelegenen Egergrabens bei gleichzeitiger Heraushebung des Erzgebirges. Bei dieser gegenlĂ€ufigen Bewegung wurde der Norden der Erzgebirgsscholle nur leicht angehoben, wĂ€hrend am SĂŒdrand, am Erzgebirgsabbruch, Sprunghöhen von bis zu 1000 m erreicht wurden. Diese Phase wurde von einem intensiven, meist basaltischen Vulkanismus im Egergraben begleitet, mit Höhepunkt der vulkanischen AktivitĂ€t vor etwa 20 bis 30 Millionen Jahren. Seine AuslĂ€ufer reichten bis in das Erzgebirge: wie auf einer Perlenschnur aufgereiht finden sich in der heutigen Kammregion zahlreiche Berge und Basalt-AufschlĂŒsse, die Reste dieser ehemaligen Vulkane sind. Die vulkanischen Erscheinungen waren vielfĂ€ltig. Bei Hammerunterwiesenthal bildete sich vor ca. 30 Millionen Jahren das Maar von Hammerunterwiesenthal mit einem Durchmesser von 2 km in E-W- und 1,4 km in N-S-Richtung. Im mittleren Erzgebirge ergoss sich dĂŒnnflĂŒssige Lava ĂŒber mehrere Kilometer in die damaligen FlusstĂ€ler. Die unterhalb der Basaltdecken liegenden, bis zu 40 m mĂ€chtigen Sedimente sind Zeugnisse von FlĂŒssen, die aus dem böhmischen Raum bis in die Braunkohle-SĂŒmpfe im Raum Halle-Leipzig flossen (Altenburg-Zwickauer Fluss).(a) Im östlichen Erzgebirge herrschten Quellkuppen vor.

Nachfolgend vollzog sich erneut Einengung, die vor etwa 15 Millionen Jahren zur Kippung der Pultscholle fĂŒhrte. Mit der Wiederbelebung des Reliefs verstĂ€rkte sich die Erosion. Im Fall der Basalte kam es zu einer Reliefumkehr, d. h., die mit Basalt ausgefĂŒllten, ehemaligen FlusstĂ€ler begegnen uns heute als die Tafelberge BĂ€renstein, Pöhlberg und Scheibenberg. Die letzte Hebungsphase wird oft auf etwa 2 Millionen Jahren und jĂŒnger datiert.

QuartÀr

WĂ€hrend der Elster-Kaltzeit des PleistozĂ€ns vor etwa 400.000 Jahren drang das Skandinavische Inlandeis bis an den Rand des Erzgebirges vor und kam dort zum Stehen. Die sogenannte Feuersteinlinie, die den maximalen Vorstoß des Elster-Eisschilds markiert, verlĂ€uft unmittelbar vor oder geringfĂŒgig auf dem Erzgebirgsfuß. Spuren der pleistozĂ€nen Eiszeit finden sich aber auch im Erzgebirge, das im Periglazial, dem Gletschervorland, lag. WĂ€hrend der Weichsel-Kaltzeit (100.000–12.000 Jahre vor heute) verlief der Eisrand rund 100 km nördlich des Erzgebirgsrandes. Starke Fallwinde wehten feinen Staub von dort nach SĂŒden und lagerten diesen an der Nordflanke des Erzgebirges als Löss ab. UrsprĂŒnglich kalkhaltig, verwitterte dieser zu Lösslehm. Frostmusterböden und Eiskeile sind Zeugen des damals herrschenden Permafrosts.

Erst im Laufe des QuartĂ€rs bildeten sich die heutigen Formen und VerlĂ€ufe der FlusstĂ€ler heraus. Beispielsweise entwĂ€sserten MĂŒglitz, Weißeritz, Lockwitzbach und Freiberger Mulde wĂ€hrend des PleistozĂ€ns zeitweise in den Vereinigten Osterzgebirgsfluss statt in die Elbe, die nach ihren Austritt aus dem Elbsandsteingebirge einen weiter östlich verlaufenden Kurs nahm. Schmelzperioden schnitten tiefe TĂ€ler ein und schufen breite Schotter-Terrassen.

Mit Beginn der gegenwĂ€rtigen Warmzeit, dem HolozĂ€n, verstĂ€rkte sich vor etwa 12.000 Jahren die Verwitterung der oberflĂ€chennah anstehenden Gesteine und der eizeitlichen Sedimente, und die Bildung der heutigen Böden begann. Je nach Untergrundgestein bildeten sich unterschiedliche Böden heraus: teils sandige Braunerde ĂŒber Gneis vor allem im Osterzgebirge, lehmige Podsol-Braunerde ĂŒber Glimmerschiefer und Phyllit vor allem im mittleren und im Westerzgebirge sowie Braunerde-Podsol ĂŒber Granit. Zwischenprodukt der Verwitterung von Gneis und Granit bzw. der Bodenbildung auf diesen Gesteinen ist Verwitterungsgrus. Auf gering geneigten FlĂ€chen im Bereich des Erzgebirgskamms bildeten sich Hochmoore.

Gesteine

Das Erzgebirge ist ein Kristallinkomplex oder es kann als Teil des grĂ¶ĂŸeren Kristallinkomplexes der Böhmischen Masse betrachtet werden. Als solcher wird es typischerweise aus metamorphen und plutonischen Gesteinen aufgebaut. Die magmatischen Gesteine sind im Westen mit großen Granitkörpern vertreten, wĂ€hrend im Osten Rhyolith/„Quarzporphyr“ (u. a. am Kahleberg) vorherrscht. Unter den metamorphen Gesteinen dominieren Phyllite und Glimmerschiefer im Westen (nebst der kontaktmetamorphen Gesteine in der Umgebung der Granite) und verschiedene Gneise im Osten. Im Bereich des Gebirgskammes kommen ferner zahlreiche kleinere Basaltinseln vor (Pleßberg/PleĆĄivec, Scheibenberg, BĂ€renstein, Pöhlberg, Großer Spitzberg/VelkĂœ Ć pičák, Haßberg/JelenĂ­ hora, Geisingberg), die aber nicht dem Kristallinkomplex angehören, weil sie viel spĂ€ter als die ĂŒbrigen Gesteine des Erzgebirges gebildet wurden (zur Entstehungsgeschichte des Erzgebirges und seiner Gesteine siehe oben).

NaturrÀumliche Gliederung

Eine fĂŒr das gesamte Erzgebirge gĂŒltige Naturraumgliederung existiert nicht, da die Festlegung und Charakterisierung von NaturrĂ€umen durch die Staaten und BundeslĂ€nder erfolgt, so dass das Erzgebirge fĂŒr den sĂ€chsischen und den tschechischen Teil unterschiedliche Gliederungen aufweist. Die westlichen und östlichen Begrenzungen sind jedoch weitestgehend aufeinander abgestimmt. Die GesamtflĂ€che betrĂ€gt etwa 5262 kmÂČ.

SĂ€chsisches Erzgebirge

Die detaillierteste naturrĂ€umliche Gliederung Sachsens und damit auch des sĂ€chsischen Erzgebirges wurde in den Jahren 1965 bis 2007 durch die Arbeitsstelle „Naturhaushalt und Gebietscharakter“ der SĂ€chsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig erarbeitet. Diese unterteilt Sachsen in Geochoren, die mit zunehmender Aggregierung einheitlicher Gebiete Mikro-, Meso- und Makrogeochoren genannt werden. Eine eigenstĂ€ndige Naturraum-Bezeichnung „Erzgebirge“ ist dort nicht ausgehalten, sondern die Makrogeochoren Westerzgebirge, Mittleres Erzgebirge und Osterzgebirge. Die Grenzen zwischen diesen bilden die Hanglagen der tief eingeschnittenen FlĂŒsse Schwarzwasser / Zwickauer Mulde (zwischen West- und mittlerem Erzgebirge) sowie die Flöha (zwischen mittlerem und Osterzgebirge). Zusammen mit den NaturrĂ€umen Vogtland, Elstergebirge, SĂ€chsische Schweiz, Oberlausitzer Bergland und Zittauer Gebirge bilden diese drei die Naturregion SĂ€chsisches Bergland und Mittelgebirge. Die angrenzenden NaturrĂ€ume sind von West nach Ost: Vogtland, Erzgebirgsbecken, Mulde-LösshĂŒgelland, Östliches Erzgebirgsvorland sowie die SĂ€chsische Schweiz. Die drei erzgebirgischen Makrogeochoren werden in insgesamt 51 Mesogeochoren und 318 Mikrogeochoren unterteilt. Die GesamtflĂ€che fĂŒr das sĂ€chsische Erzgebirge betrĂ€gt hiernach 3655,45 kmÂČ.

Das SĂ€chsische Landesamt fĂŒr Umwelt, Landwirtschaft und Geologie wĂ€hlt eine andere Aggregierung der Mikrogeochoren zur Erstellung von LandnutzungsplĂ€nen und unterteilt das Erzgebirge in sechs Landschaften, indem es jeweils noch eine Höhenstufung einfĂŒhrt.

In der Ă€lteren naturrĂ€umlichen Gliederung Deutschlands der ehemaligen Bundesanstalt fĂŒr Landeskunde, die zwischen 1953 und 1962 veröffentlicht wurde und Gesamt-Deutschland sowie auch benachbarte Gebiete berĂŒcksichtigte, stellt das Erzgebirge die Haupteinheitengruppe 42 mit fĂŒnf Unterteilungen dar. Es erfolgte jedoch keine Kartierung, sondern nur eine Beschreibung der NaturrĂ€ume. Die Grenze zwischen oberem und unterem Westerzgebirge einerseits sowie oberem und unterem Osterzgebirge andererseits bildete ebenfalls die Flöha, so dass in dieser Gliederung die Grenze des Westerzgebirges deutlich weiter östlich lag. Diese Unterteilung wurde zur Bewertung von Schutzzwecken (FFH-Gebiete, Naturschutzgebiete) durch das Bundesamt fĂŒr Naturschutz 1994 vereinfacht. Die Unterteilungen wurden zusammengefasst, aber das Erzgebirge blieb unter dem SchlĂŒssel D16 mit praktisch unverĂ€nderten Grenzen eine Haupteinheitengruppe. Das Bundesamt fĂŒr Naturschutz hat diese weiter unterteilt und gibt fĂŒr die einzelnen Gebiete entsprechende Steckbriefe heraus.

Kruƥné hory

Die Geomorphologische Einteilung Tschechiens unterteilt das tschechische Staatsgebiet auf insgesamt zehn hierarchischen Ebenen. Bei dieser Klassifikation werden weniger landschaftlich-naturrĂ€umliche Aspekte zugrunde gelegt, sondern vielmehr die Geomorphologie, also das Relief. Die dem Böhmischen Erzgebirge entsprechende Einheit heißt wie auch der tschechische Name fĂŒr das gesamte Erzgebirge KruĆĄnĂ© hory. Diese Haupteinheit bildet mit 92 weiteren, die in der Regel natĂŒrliche Landschaften umfassen, die 6. Ebene der Klassifikation. Übergeordnet sind:

HercinskĂœ systĂ©m → HercynskĂĄ pohoƙí („Herzyniden“) → ČeskĂĄ vysočina (Böhmische Masse) → Ć umavskĂĄ subprovinice → KruĆĄnohorskĂĄ subprovincie → KruĆĄnohorskĂĄ hornatina.

Krusne hory grenzt von Ost nach West an folgende geomorphologische Haupteinheiten: DěčínskĂĄ vrchovina (Böhmische Schweiz), MosteckĂĄ pĂĄnev (Nordböhmisches Becken), DoupovskĂ© hory (Duppauer Gebirge), SokolovskĂĄ pĂĄnev (Falkenauer Becken) und ChebskĂĄ pĂĄnev (Egerbecken).

Die untergeordneten Einheiten sind:

Topografische Beschreibung

FlÀche, benachbarte Landschaften und Grenzen

Das Erzgebirge ist in (SĂŒd-)West-(Nord-)Ost-Richtung etwa 150 km lang und durchschnittlich 40 km breit. Aus geomorphologischer Sicht gliedert es sich in West-, Mittel- und Osterzgebirge, getrennt durch die TĂ€ler von Schwarzwasser und Zwickauer Mulde bzw. Flöha ("Flöhalinie"), wobei die Teilung des Westteiles lĂ€ngs des Schwarzwassers jĂŒngeren Datums ist. Das Osterzgebirge ist vor allem durch ausgedehnte, langsam ansteigende HochflĂ€chen geprĂ€gt, welche im stĂ€rker gegliederten sowie grĂ¶ĂŸere Höhen erreichenden Mittel- und Westteil kleiner sind und zudem von hĂ€ufiger richtungswechselnden TĂ€lern durchschnitten werden. Der Kamm des Gebirges selbst bildet, in allen drei Segmenten, eine Abfolge von HochflĂ€chen und Einzelbergen.

Östlich schließt sich das Elbsandsteingebirge, westlich das Elstergebirge und andere sĂ€chsische Teile des Vogtlandes an. SĂŒd(öst)lich von Mittel- und Osterzgebirge liegt das Nordböhmische Becken, unmittelbar östlich davon das Böhmische Mittelgebirge, das durch schmale AuslĂ€ufer des o. g. Beckens vom Osterzgebirge getrennt wird. SĂŒd(öst)lich des Westerzgebirges liegen das Falkenauer Becken, der Egergraben und das Duppauer Gebirge. Nach Norden hin ist die Grenze unscharf, weil das Erzgebirge, als typischer Vertreter der Pultschollengebirge, sehr flach abfĂ€llt.

Die landschaftliche Übergangszone von West- und Mittelerzgebirge zum sich nördlich anschließenden LösshĂŒgelland zwischen Zwickau und Chemnitz wird als Erzgebirgsbecken bezeichnet, jene nördlich des Osterzgebirges als Erzgebirgsvorland. Das Erzgebirgsvorland wird zwischen Freital und Pirna als Dresdner Erzgebirgsvorland oder als Bannewitz-Possendorf-Burkhardswalder Plateau bezeichnet. Geologisch reicht das Erzgebirge mit dem Windberg bei Freital und der Karsdorfer Verwerfung bis an die Stadtgrenze Dresdens. Die KerbtĂ€ler des Osterzgebirges durchbrechen diese Verwerfung und die Talschulter des Elbtalkessels.

Das Erzgebirge zĂ€hlt innerhalb der Mittelgebirgsschwelle einerseits zum Böhmische Masse genannten Gebirgsstock, der außerdem aus OberpfĂ€lzer Wald, Böhmerwald, Bayerischem Wald, Lausitzer Gebirge, Isergebirge, Riesengebirge und den innerböhmischen Gebirgen besteht. Gleichfalls bildet es mit OberpfĂ€lzer Wald, Böhmerwald, Bayerischem Wald, Fichtelgebirge, Frankenwald, ThĂŒringer Schiefergebirge und ThĂŒringer Wald einen ypsilonförmigen Gebirgskomplex, der zwar keinen Eigennamen trĂ€gt, klimatisch aber recht einheitlich zu bewerten ist.

Der Tradition der KulturrĂ€ume folgend, zĂ€hlt Zwickau historisch noch zum Erzgebirge, Chemnitz liegt in analoger Weise historisch knapp außerhalb und Freiberg wird wiederum dazugerechnet. Die mutmaßliche Grenze des Erzgebirges lĂ€uft weiter sĂŒdwestlich Dresdens auf das Elbsandsteingebirge zu. Dabei setzt sich der maßgebliche Charakter, also flache Hochebenen mit Anstieg zum Kamm und einschneidende KerbtĂ€ler, bis an die sĂŒdliche Kante des Elbtalkessels fort. Nördlich des Erzgebirges geht die Landschaft allmĂ€hlich in das SĂ€chsische Lössgefilde ĂŒber. Der kulturrĂ€umliche Übergang zum Elbsandsteingebirge ist auf Höhe des MĂŒglitz- und Gottleubatals sehr unscharf.

Bemerkenswerte Erhebungen

Der höchste Berg des Erzgebirges ist der KlĂ­novec (Keilberg) mit 1.244 Metern im böhmischen Teil des Gebirges. Höchste Erhebung auf deutscher Seite und gleichzeitig höchster Berg Sachsens ist der 1.215 Meter hohe Fichtelberg. Im Erzgebirge existieren etwa dreißig Erhebungen mit einer Höhe von mehr als 1000 Metern ĂŒber dem Meeresspiegel, die aber nicht alle markante Berge sind. Die meisten sind rund um den Keilberg und den Fichtelberg zu finden. Etwa ein Drittel davon befindet sich auf sĂ€chsischer Seite.

GewÀsser

FließgewĂ€sser

SĂ€chsisches und Böhmisches Erzgebirge gehören vollstĂ€ndig zum Einzugsgebiet der Elbe. Hervorgerufen durch den ausgeprĂ€gten Pultschollen-Charakter existiert jedoch eine langgestreckte Kammlinie. Diese fungiert als Wasserscheide und trennt die nach Norden von den nach SĂŒden entwĂ€ssernden FlĂŒssen. Diese Linie verlĂ€uft ĂŒberwiegend knapp sĂŒdlich der Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien und ragt nur im Bereich des Elstergebirges etwas tiefer nach Deutschland hinein.

Im Norden sind Zwickauer Mulde und Freiberger Mulde, die sich außerhalb des Erzgebirges zur Mulde vereinigen, die HauptflĂŒsse. Ihr Einzugsgebiet deckt den grĂ¶ĂŸten Teil des SĂ€chsischen Erzgebirges und des Vorlandes ab. Die bedeutendsten NebenflĂŒsse der Zwickauer Mulde sind das Schwarzwasser sowie die Chemnitz, die sich jenseits des Erzgebirgsrandes aus dem Zusammenfluss von WĂŒrschnitz und Zwönitz ergibt. Wichtigster Nebenfluss der Freiberger Mulde ist die Zschopau mit ihrem Nebenfluss Flöha. Im Osten entwĂ€ssern Wilde Weißeritz und Rote Weißeritz ĂŒber die Vereinigte Weißeritz, MĂŒglitz und Gottleuba direkt in das nahegelegene Elbtal. Im Ă€ußersten westlichen Teil des Westerzgebirges entwĂ€ssern einige BĂ€che in das Flusssystem der Weißen Elster.

Nach SĂŒden fließen Zwota (Svatava), Rolava (Rohlau), Bystƙice (Wistritz), Chomutovka (Komotau) und mehrere kleinere BĂ€che in die außerhalb des Erzgebirges verlaufende Eger. Im SĂŒdosten ist die BĂ­lina (Biela) der bedeutendste Fluss.

Aufgrund der wasserintensiven Wirtschaftszweige Bergbau und Holzwirtschaft wurden zahlreiche Kunst- und FloßgrĂ€ben angelegt, die oft viele Kilometer lang waren. Mit der Revierwasserlaufanstalt Freiberg wurde seit 1558 im SĂŒden Freibergs systematisch ein bis zu 80 km langes Netz solcher KunstgrĂ€ben errichtet, das auch heute noch nahezu unverĂ€ndert in Betrieb ist. Das Marienberger Revier versorgte der etwa 20 km lange Reitzenhainer Zeuggraben und das Altenberger Revier u. a. der Aschergraben. Im Böhmischen Erzgebirge besaß der 12,9 km lange Plattner Kunstgraben eine große Bedeutung.

Die FlĂŒsse besitzen im Oberlauf nahe der Kammlinie oftmals ein GefĂ€lle von etwa 50 m pro km und haben sich tief in die Landschaft eingeschnitten. Ihre WasserfĂŒhrung variiert sehr stark; selbst lokal begrenzte Unwetter können zu starken Überschwemmungen fĂŒhren. Wesentlich stĂ€rker aber sind die Auswirkungen wie beim Hochwasser 2002, wo starke RegenfĂ€lle von bis zu 400 Litern pro mÂČ und Tag im Erzgebirge zu einem Hochwasser der Elbe fĂŒhrten. Aufgrund der unregelmĂ€ĂŸigen WasserfĂŒhrung ist keiner der FlĂŒsse schiffbar.

StandgewÀsser

Ebenfalls aufgrund der Morphologie weist das Erzgebirge keine grĂ¶ĂŸeren natĂŒrlichen Seen auf. In den Kammlagen finden sich vergleichsweise hĂ€ufig Hochmoore. Bedeutend sind der Große und der Kleine Kranichsee sowie das Georgenfelder Hochmoor und die MothĂ€user Heide.

Bereits frĂŒhzeitig wurde deshalb begonnen, Fischereiteiche anzuspannen. Mit dem um 1396 angestauten Greifenbachstauweiher ist ĂŒberdies ein frĂŒhes Zeugnis belegt, Kunstteiche fĂŒr den Bergbau anzulegen. Diese sollten eine gleichbleibende Versorgung mit Aufschlagwasser gewĂ€hrleisten. So wurde das Netz der Revierwasserlaufanstalt um zahlreiche Kunstteiche ergĂ€nzt, um dem Bergbau einen konstanten Zufluss zu gewĂ€hrleisten. Von diesen Teichen werden noch elf zum Zwecke der Bereitstellung von Trink- und Brauchwasser bewirtschaftet.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden ĂŒberdies zahlreiche Talsperren zur Trinkwasser-Bereitstellung und zum Hochwasserschutz errichtet. Die grĂ¶ĂŸten Talsperren im SĂ€chsischen Erzgebirge sind die von Eibenstock, Saidenbach, LehnmĂŒhle, Klingenberg, Rauschenbach, Lichtenberg und Gottleuba. Im Böhmischen Erzgebirge sind die Talsperren von Pƙísečnice, FlĂĄje und Horka erwĂ€hnenswert.

Klima und Witterung

Das Erzgebirge liegt am 51. Grad nördlicher Breite. Dies bedingt deutliche, jahreszeitliche Temperaturschwankungen, die selbst auf dem Fichtelberg noch 16,6 Kelvin zwischen Winter und Sommer betragen. Je nach Klimaklassifikation gehört es damit zur kĂŒhlgemĂ€ĂŸigten Zone mit subozeanischem Charakter (III/3 nach Troll/Paffen), wĂ€hrend Köppen/Geiger sie in das Buchenklima der warmgemĂ€ĂŸigten Regenklimate einordnen (Cfb). Die Höhenlagen sind dagegen schon dem Birkenklima der boreal subarktischen Klimate (Dfc) zuzuordnen, d. h. weniger als 4 Monate weisen Durchschnittstemperaturen ĂŒber 10 Grad Celsius auf.

Verglichen mit Orten auf dem gleichen Breitengrad in Nordamerika oder Asien ist das Klima deutlich milder. Ursache hierfĂŒr sind meist westliche Winde, die feuchte Luftmassen vom Atlantik heranfĂŒhren, der durch den Golfstrom aufgewĂ€rmt wird. Der Einfluss dieser Luftmassen und damit das maritime Klima nimmt im Erzgebirge von West nach Ost ab, wĂ€hrend das kontinentale Klima in diese Richtung zunimmt. Dadurch sind im Osterzgebirge die Winter tendenziell kĂ€lter, die Jahrestemperaturschwankungen stĂ€rker ausgeprĂ€gt und die NiederschlĂ€ge geringer. Dagegen wirkt sich im westlichen Erzgebirge die wĂ€rmespeichernde Wirkung der feuchten Luftmassen stĂ€rker aus, d. h. dort sind die Tag/Nacht- sowie Sommer/Winter-Unterschiede geringer.

Bei westlich-nordwestlicher Luftströmung liegt das Erzgebirge im Regenschatten von ThĂŒringer Wald, Harz und sogar dem Rothaargebirge, sowie bei sĂŒdwestlicher auch von Fichtelgebirge und Frankenwald. Dadurch liegen die Niederschlagsmengen unter denen anderer Mittelgebirge in Deutschland.

Die Temperaturen liegen das ganze Jahr ĂŒber erheblich niedriger als im Tiefland und der Sommer ist merklich kĂŒrzer und bietet hĂ€ufig kĂŒhle Tage. Die Jahresmitteltemperaturen erreichen nur Werte von 3 bis 5 °C. Im auf 922 mÂ ĂŒ. NN gelegenen Oberwiesenthal treten im Schnitt nur etwa 140 frostfreie Tage im Jahr auf.

Dabei muss den Berichten Ă€lterer Chronisten nach das Klima in den vergangenen Jahrhunderten in den oberen Erzgebirgslagen noch rauer als heute gewesen sein. Quellen aus dieser Zeit berichten von harten Wintern, in denen das Vieh in den StĂ€llen erfror und noch im April so viel Schnee fiel, dass HĂ€user und Keller zugeschneit wurden. Die Bevölkerung war regelmĂ€ĂŸig von der Umwelt abgeschnitten. Das obere Erzgebirge wurde in der Vergangenheit daher oft mit dem Beinamen SĂ€chsisches Sibirien versehen.

Die von Nordwest nach SĂŒdost ansteigende Pultscholle des Gebirges, die ein lang anhaltendes Abregnen als Stauregen bei West- und Nordwestwetterlagen ermöglicht, ruft eine im Vergleich zum Tiefland fast doppelt so hohe Niederschlagsmenge hervor, die bis in die Kammlagen auf ĂŒber 1.100 mm ansteigt. Da ein Großteil des Niederschlages als Schnee fĂ€llt, bildet sich in vielen Jahren eine mĂ€chtige bis in den April anhaltende Schneedecke. Die Kammlagen des Erzgebirges gehören zu den schneesichersten Gebieten der deutschen Mittelgebirge. Es können Föhnwinde, aber auch der so genannte Böhmische Wind bei besonderen SĂŒdwetterlagen auftreten.

Aufgrund dieses Klimas und der großen Schneemengen gibt es bei Satzung, im Bereich der Grenze zu Böhmen, auf knapp 900 mÂ ĂŒ. NN ein natĂŒrliches Latschenkiefern-Gebiet. Zum Vergleich: In den Alpen kommen Latschen erst ab 1.600 bis 1800 mÂ ĂŒ. NN vor.

Natur

Die erzgebirgische Natur wurde seit der Besiedlungswelle im Mittelalter immer durch seine Bewohner intensiv geformt. Dies geschah besonders durch großflĂ€chige Rodungen des ursprĂŒnglich dichten Waldes, um dem enormen Holzbedarf des Bergbaus und HĂŒttenwesens nachzukommen. Auch die ĂŒberall neu entstehenden Siedlungen sowie die Landwirtschaft benötigten Raum. Jedoch prĂ€gte der Bergbau mit Halden, Stauanlagen, GrĂ€ben und Pingen an vielen Orten das Landschaftsbild und die LebensrĂ€ume von Pflanzen und Tieren auch direkt. Bereits im 19. Jahrhundert gab es zudem erste Anzeichen fĂŒr lokales Waldsterben durch HĂŒttenrauch, bevor im 20. Jahrhundert unter Einfluss von Emissionen der modernen Industrie, besonders der nahen tschechischen Braunkohlekraftwerke, einige BergrĂŒcken in exponierter klimatisch ungĂŒnstiger Kammlage entwaldet wurden. In den letzten Jahren werden daher, statt der bisher vorherrschenden Fichten-Monokulturen, wieder bevorzugt standortgerechte MischwĂ€lder angepflanzt, welche gegenĂŒber WitterungseinflĂŒssen und SchĂ€dlingen widerstandsfĂ€higer sind.

Flora und Fauna

Trotzdem haben vor allem die menschlichen Eingriffe seit alters her eine vielseitige Kulturlandschaft entstehen lassen. Sie bietet eine große Zahl typischer und schĂŒtzenswerter Biotope wie, teils selten gewordene, Berg- und Feuchtwiesen oder SteinrĂŒckenlandschaften. Selbst Bergbauhinterlassenschaften bieten inzwischen vielen Pflanzen und Tieren Lebensraum. Zudem gibt es im Westerzgebirge riesige zusammenhĂ€ngende, allerdings sĂ€mtlich forstwirtschaftlich genutzte Waldgebiete bis in höchste Lagen. So ist der Naturpark Erzgebirge/Vogtland zu 61 Prozent von Wald bedeckt. Hier liegen außerdem mehrere grĂ¶ĂŸere, nur von Regenwasser gespeiste, Hochmoore. In vielen dieser verschiedenen unter Schutz gestellten Gebiete finden seltene, anspruchsvolle Arten, wie AlpenflachbĂ€rlapp, Feuerlilie, verschiedene Enzian- und Orchideenarten, Sperlingskauz, Eisvogel oder Flussperlmuschel, einen RĂŒckzugsraum. In den Höhenlagen des Gebirges sind zudem mehrere Vorkommen alpiner Tier- und Pflanzenarten bekannt, deren nĂ€chste nachgewiesene Vorkommen erst im Riesengebirge und den Alpen zu finden sind. In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts konnten nach Verbesserung ihrer Lebensbedingungen auch wieder einst verdrĂ€ngte Tierarten, wie der Uhu und der Schwarzstorch, das Erzgebirge zurĂŒckerobern.

Der Charakterbaum des Erzgebirges ist die Vogelbeere (Eberesche). Ihm wurde durch Max Schreyer mit einem der bekanntesten erzgebirgischen Volkslieder Dar VuglbÀrbaam ein Denkmal gesetzt.

Schutzgebiete

Das Erzgebirge gehört mit seinem westlichen oberen Teil dem Naturpark Erzgebirge/Vogtland an. Das östliche Erzgebirge steht als LSG Osterzgebirge unter Landschaftsschutz. Weitere kleinere Gebiete stehen als Naturschutzgebiete und Naturdenkmale unter staatlichem Schutz.

  • Deutschland (Auswahl)
    • SPA Westerzgebirge
    • FFH-Gebiet Tal der Großen Bockau
    • Naturschutzgroßprojekt Bergwiesen im Osterzgebirge
    • NSG Geisingberg, 314,00 ha
    • NSG Georgenfelder Hochmoor, 12,45 ha
    • NSG FĂŒrstenauer Heide (Birkhuhn-Schutzgebiet bei FĂŒrstenau), 7,24 ha
    • NSG Kleiner Kranichsee, 28,97 ha
    • NSG Großer Kranichsee, 611,00 ha
    • NSG Hermannsdorfer Wiesen, 185,00 ha
  • Tschechien (Auswahl)
    • NPR BoĆŸĂ­darskĂ© raĆĄeliniĆĄtě, 929,57 ha (1965)
    • NPR VelkĂ© jeƙábĂ­ jezero, 26,9 ha (1938)
    • NPR VelkĂœ močál, 50,27 ha (1969)
    • NPR NovodomskĂ© raĆĄeliniĆĄtě, 230 ha (1967)
    • PR ČernĂœ rybnĂ­k, 32,56 ha (1993)
    • PR MalĂ© jeƙábĂ­ jezero, 6,02 ha (1962)
    • PR RyĆŸovna, 20 ha

Geschichtliche und kulturgeschichtliche Aspekte

Etymologie des Namens

Im 12. Jahrhundert tauchte der Begriff Saltusbohemicus auf. In deutscher Sprache wurde auch Böhmischer Wald, Beheimer Wald, Behmerwald oder Böhmerwald benutzt, im Tschechischen ČeskĂœ les. Letztgenannte Bezeichnungen werden heute fĂŒr die sĂŒdwestlichen Randgebirge Tschechiens verwendet (siehe: Böhmerwald).

Von der Ă€lteren Forschung wurden auch weitere, an vereinzelten Stellen in Ă€lteren Schriftquellen erscheinende Bezeichnungen als Namen des Erzgebirges angesehen. Jedoch wurden die im 9. Jahrhundert erscheinenden Bezeichnungen HircanusSaltus (Herzynischer Wald) oder Fergunna nur allgemein fĂŒr die ausgedehnten WĂ€lder der Mittelgebirgszone verwendet. HĂ€ufig wurde der lediglich an zwei Stellen im 10. und frĂŒhen 11. Jahrhundert erscheinende Begriff Miriquidi direkt auf das Erzgebirge bezogen, jedoch erlauben diese Quellen keine Identifizierung mit dem gesamten ehemals das Erzgebirgsvorland und das Erzgebirge bedeckenden Urwald.

Nach der Entdeckung großer Erzvorkommen kam es im 16. Jahrhundert zu weiteren Umbenennungen. Petrus Albinus benutzte den Namen Erzgebirge erstmals 1589 in seiner Chronik. VorĂŒbergehend verwendete man zu Beginn des 17. Jahrhunderts auch den Namen Meißener Berge. Ein Vierteljahrhundert spĂ€ter bĂŒrgerte sich endgĂŒltig die Bezeichnung Erzgebirge und tschechisch Rudohoƙí ein. Das tschechische Toponym lautet heute KruĆĄnĂ© hory, was so viel wie „beschwerliches Gebirge“ bedeutet. Die Bezeichnung Erzgebirge tragen außerhalb Deutschlands weitere Landschaften.

Wirtschaftsgeschichte

Erste ZinnabbautĂ€tigkeiten erfolgten im 2. Jahrtausend v. Chr. in der NĂ€he von Schellerhau durch Eliten der im Elbtal ansĂ€ssigen VolksstĂ€mme die in den Sommermonaten im Gebirge, in einfachen LaubhĂŒtten wohnten.

Die erzgebirgische Geschichte wurde seit der Zeit der ersten Besiedlungswelle in besonderem Maße von der wirtschaftlichen Entwicklung, insbesondere der des Bergbaus, beeinflusst.

Die Besiedlung des Erzgebirges verlief zu Beginn vor allem auf der böhmischen Seite langsam. Das raue Klima und die kurzen Vegetationszeiten verhinderten den Anbau landwirtschaftlicher Produkte. Die Ansiedlung, gefördert durch das Adelsgeschlecht der Hrabischitz, erfolgte meist vom Fuß der Berge aus und verlief entlang der GebirgsflĂŒsse in die tiefen WĂ€lder.

Infolge der im 12. Jahrhundert beginnenden Besiedlung am Nordfuß des Erzgebirges wurde 1168 das erste Silbererz in der Umgebung des heutigen Freiberg entdeckt, wo sich anschließend das Erste Berggeschrey erhob. Nahezu zeitgleich wurde erstes Zinnerz am SĂŒdfuß in Böhmen gefunden.

Im 13. Jahrhundert fand die Besiedlung des Gebirges nur sporadisch entlang des böhmischen Weges (antiqua Bohemiae semita) statt. Hier entstand Sayda, eine Station auf dem Handelsweg von Freiberg ĂŒber Einsiedl, Johnsdorf und BrĂŒx nach Prag, wobei in Sayda der so genannte Salzweg hinzustieß, der von Halle ĂŒber Oederan ebenfalls nach Prag fĂŒhrte. Seit der zweiten HĂ€lfte des 13. Jahrhunderts hielt die Glasfabrikation Einzug in die Region. Das Entstehen dieses Gewerbezweiges war durch HolzĂŒberschuss begĂŒnstigt, der durch Rodungen und Neuansiedlungen entstand und den hohen Bedarf der GlashĂŒtten decken konnte. Kenntnisse in der Glasfabrikation hatten Mönche aus dem Kloster Waldsassen ins Erzgebirge gebracht. Die meisten GlashĂŒtten befanden sich in der Gegend von Moldau, Brandau und im Frauenbachtal. Als Ă€ltester GlashĂŒttenstandort gilt Ulmbach. Dieser holzintensive Wirtschaftszweig verlor jedoch mit dem AufblĂŒhen des Bergbaus, der jenem gegenĂŒber privilegiert war, wieder an Bedeutung.

Mit dem Bergbau wurde auf der böhmischen Seite vermutlich im 14. Jahrhundert begonnen. Ein Hinweis darauf ist ein Vertrag zwischen Boresch von Riesenburg und dem Ossegger Abt Gerwig, in dem die Teilung der ErtrÀge aus gewonnenen Erzen vereinbart wurde. Zinnkörner (Graupen) wurden damals im Seiffenbergbau gewonnen und gaben der böhmischen Bergstadt Graupen (tschech. Krupka) ihren Namen.

Mit der weiteren Besiedlung des Erzgebirges wurden im 15. Jahrhundert schließlich neue, reiche Erzvorkommen um Schneeberg, Annaberg und St. Joachimsthal (JĂĄchymov) entdeckt. Das Zweite Berggeschrey erhob sich und löste eine gewaltige Besiedlungswelle aus. In kurzer Folge entstanden im gesamten Erzgebirge neue planmĂ€ĂŸig errichtete BergstĂ€dte in NĂ€he weiterer neu entdeckter Erzvorkommen. Typische Beispiele dafĂŒr sind die StĂ€dte Marienberg, Oberwiesenthal, Gottesgab (BoĆŸĂ­ Dar), Sebastiansberg (Hora Sv. Ć ebestiĂĄna) und Platten (HornĂ­ BlatnĂĄ). Wirtschaftlich wurden damals jedoch nur die Silber- Kupfer- Wismut- und Zinnerze genutzt. Zu jener Zeit begrĂŒndete der Silberbergbau im Erzgebirge den Reichtum Sachsens. Als MĂŒnzmetall wurde Silber vor Ort in den BergstĂ€dten zu Geld verarbeitet. BerĂŒhmt geworden sind die in Joachimsthal geprĂ€gten Joachimstaler. Nach Beendigung der Hussitenkriege setzte sich der (durch diese behinderte) wirtschaftliche Aufschwung auch in Böhmen wieder fort.

Im 16. Jahrhundert wurde das Erzgebirge zum Zentrum des Bergbaus in Mitteleuropa. Die neuen Funde zogen immer mehr Menschen an, und die Zahl der Einwohner auf der sĂ€chsischen Seite stieg weiter rasch an. Auch Böhmen konnte neben Zuwanderung aus seinem Landesinneren starke Migration, vor allem deutscher Bergleute feststellen, die sich in den Siedlungen des Erzgebirges und in den StĂ€dten an dessen Fuß niederließen.

Unter Kaiser Ferdinand II. begann in Böhmen nach der Schlacht am Weißen Berg und dem damit einhergehenden Sieg ĂŒber die böhmischen StĂ€nde eine Rekatholisierung, die bis in die 1680er Jahre andauerte. Eine Großzahl der böhmischen Protestanten flĂŒchtete in dieser Zeit in das benachbarte KurfĂŒrstentum Sachsen. In der Folge wurden viele böhmische Dörfer verwĂŒstet und verödeten, wĂ€hrend auf sĂ€chsischer Seite durch diese Emigranten neue Orte, wie die Bergstadt Johanngeorgenstadt, begrĂŒndet wurden.

Der Erzbergbau kam im 17. Jahrhundert, besonders nach dem DreißigjĂ€hrigen Krieg, weitgehend zum Erliegen. Infolge des sehr starken RĂŒckgangs des Bergbaus und wegen der vergeblichen Suche nach neuen Erzvorkommen mussten die Erzgebirger auf andere Erwerbszweige ausweichen. Landwirtschaftlicher Anbau war jedoch wenig ertragreich, und auch der Holzbedarf ließ durch Schließung von HĂŒtten nach. Viele Einwohner waren zu dieser Zeit schon in der Textilproduktion tĂ€tig. Da aber auch diese nicht zum Lebensunterhalt ausreichte, entwickelte sich, vor allem im Osterzgebirge, die Holzwaren- und Spielzeugherstellung. Dabei waren die Handwerker, durch die vom KurfĂŒrsten August 1560 erlassene Holzordnung, gehalten, das Holz in Böhmen zu kaufen. Das Holz aus dem sĂ€chsischen Erzgebirge wurde weiterhin fĂŒr Bergwerke und HĂŒtten in Freiberg benötigt. Dieser Holzexport fĂŒhrte unter anderem zum Bau der grenzĂŒberschreitenden NeugrabenflĂ¶ĂŸe am FlĂŒsschen Flöha. Wegen des RĂŒckgangs der industriellen Produktion in dieser Zeit wanderten Menschen ohne Bindungen in das Landesinnere Deutschlands oder Böhmens ab.

Mit der beginnenden Produktion des Kobaltblaues Anfang des 16. Jahrhunderts lebte der Bergbau erneut auf. Vor allem in Schneeberg wurde Cobalt gefördert, das in den Blaufarbenwerken zu Kobaltblau verarbeitet wurde. Es gelang, das Produktionsgeheimnis fĂŒr lange Zeit zu wahren, so dass die Blaufarbenwerke fĂŒr rund 100 Jahre das Weltmonopol innehatten. Die Weißerdenzeche St. Andreas bei Aue lieferte fast 150 Jahre lang das Kaolin fĂŒr die Porzellanmanufaktur in Meißen. Eine Ausfuhr außer Landes war durch den KurfĂŒrsten unter Androhung strenger Strafen bis hin zum Tode verboten.

Nach dem SiebenjĂ€hrigen Krieg sorgte das RĂ©tablissement (Kursachsen) fĂŒr einen nochmaligen Aufschwung der Manufakturen. Unter den mindestens 150 ManufakturgrĂŒndungen bis 1800, fanden sich neun vornehmlich zwischen Zwickauer und Freiberger Mulde. Seinerzeit noch von der Wasserkraft abhĂ€ngig, konzentrierten sich die Standorte an grĂ¶ĂŸeren FlĂŒssen in den Gebirgsregionen sowie deren Vorland – insbesondere dem Erzgebirge. In der sich ab 1800 vollziehenden industriellen Revolution hatte Sachsen insbesondere in der Baumwollindustrie eine FĂŒhrungsrolle inne. Als 1780 der Zschopauer Leineweber Johann Gottlieb Pfaff eine Krempelmaschine zur Herstellung von Baumwollgarn erfand, bedeutete dies einen enormen QualitĂ€tssprung. In der Folge wurden insbesondere im Chemnitzer Raum eine Vielzahl von Baumwollspinnereien gegrĂŒndet.

In Harthau gestalte der britische Spinnmeister und Maschinenbauer Evan Evans mit eigens entwickelten Spinnmaschinen die Bernhardtsche Spinnerei zur seinerzeit grĂ¶ĂŸten mechanischen Spinnerei der Welt um. Im Jahr 1806 grĂŒndete Evans in Dittersdorf eine erste Maschinenbauwerkstatt zur Fertigung von Spinnmaschinen. Die Werkstatt wurde 1809 nach Geyer verlegt. Evans Maschinen verbreiteten sich rasch im Erzgebirge und Vogtland. Ab 1812 arbeitete im benachbarten Siebenhöfen seine eigene Baumwollspinnerei, deren Maschinen erstmals gĂ€nzlich mit Wasserkraft betrieben wurden. Die weitere Mechanisierung der Wirtschaftszweige schritt unaufhörlich voran. Bereits 1818 wurde in der Fabrik von Johann Jacob Bodemer in Zschopau der erste mechanische Baumwollwebstuhl aufgestellt. Angetrieben wurde er von einem Pferdegöpel. In der Metallurgie war die bedeutendste Entwicklung der Übergang vom Hammer- zum Walzwerk. Das erste sĂ€chsische Walzwerk entstand zwischen 1812 und 1816 im Messingwerk Rodewisch, in der Folgezeit wurde diese Entwicklung auch von den erzgebirgischen und vogtlĂ€ndischen EisenhĂ€mmern ĂŒbernommen. So entstand 1823 in Pfeilhammer das erste Eisenblechwalzwerk.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam der Bergbau langsam zum Erliegen. Die immer kostenintensivere Wasserhaltung fĂŒhrte bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zum stĂ€ndigen RĂŒckgang der Ausbeute, trotz des Vortriebs tieferer Erbstollen und des Ausbaus von GrĂ€ben- und Röschensystemen zur ZufĂŒhrung des erforderlichen Aufschlagwassers vom Kamm des Gebirges, wie der Revierwasserlaufanstalt des Freiberger Reviers oder dem Reitzenhainer Zeuggraben. Nur wenige Gruben konnten ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum Gewinne erzielen. Zu ihnen gehörte die HimmelsfĂŒrst Fundgrube bei Erbisdorf, die 1818 mit der Herausgabe ihres ersten Ausbeutetalers auf eine 50-jĂ€hrige kontinuierliche Gewinnphase zurĂŒckblickte, welche bis 1848 andauerte. Durch reiche ErzanbrĂŒche wurde spĂ€ter die Himmelfahrt Fundgrube zur ertragreichsten Freiberger Grube im 19. Jahrhundert.

Doch selbst der Vortrieb des Rothschönberger Stollns als grĂ¶ĂŸter und bedeutendster sĂ€chsischer Stollen, der der EntwĂ€sserung des gesamten Freiberger Reviers diente, konnte den Niedergang des Bergbaus nicht aufhalten. Denn noch vor der Fertigstellung dieser technischen Meisterleistung wurde 1871 im Deutschen Reich die GoldwĂ€hrung eingefĂŒhrt. Der dadurch einsetzende rapide Verfall des Silberpreises fĂŒhrte zur UnrentabilitĂ€t des gesamten erzgebirgischen Silberbergbaus. An dieser Situation konnten auch kurzzeitige reiche Funde in einzelnen Gruben oder der staatliche Aufkauf sĂ€mtlicher Freiberger Zechen und deren Einbringung in das 1886 gegrĂŒndete Staatsunternehmen der Oberdirektion der Königlichen Erzbergwerke nichts mehr Ă€ndern. 1913 wurden die letzten Silberbergwerke stillgelegt und das Unternehmen aufgelöst.

Zur Rohstoffgewinnung in den Kriegsjahren des Ersten und Zweiten Weltkrieges wurde der Bergbau im Erzgebirge wiederbelebt. Dabei kam es in der Zeit des Nationalsozialismus ebenfalls zur Wiederaufnahme des Silberbergbaus. Danach war fĂŒr die Bevölkerung wieder die Holzwaren- und Spielzeugherstellung vor allem im Osterzgebirge von Bedeutung. Die Uhrenindustrie hat in GlashĂŒtte einen Schwerpunkt. Im Westerzgebirge gab es wirtschaftliche Alternativen durch den Maschinenbau und die Textilindustrie.

In der Pechblende aus Johanngeorgenstadt wurde 1789 das chemische Element Uran entdeckt. Ab etwa 1820 wurde in der Stadt auch Uranerz abgebaut, welches damals unter anderem zum FĂ€rben von Glas verwendet wurde. Noch reichere Vorkommen fanden sich in St. Joachimsthal, aus deren Proben Marie Curie und ihr Ehemann Pierre 1898 Radium isolieren und Polonium postulieren konnten. Nach der Entdeckung der Kernspaltung Ende der 1930er Jahre erhielt Uranerz fĂŒr militĂ€rische Zwecke eine hohe Bedeutung. Die gesamte Produktion von Uran wurde nach der Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland 1938 beschlagnahmt. Seit dem Einsatz der amerikanischen Atombombe in Japan 1945 arbeitete die Sowjetunion fieberhaft an der Entwicklung von Kernwaffen. Kurz darauf startete unter dem Tarnnamen SAG Wismut die Förderung von Uranerz fĂŒr die Sowjetunion im Erzgebirge.

Zum dritten Mal in der Geschichte strömten Tausende Menschen ins Erzgebirge, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Zentren des Abbaues, der mit schwerwiegenden Gesundheitsfolgen fĂŒr die Bergleute verbunden war, bildeten Johanngeorgenstadt, Schlema, Aue und das nun wieder tschechoslowakische St. Joachimsthal. Der Bergbau hinterließ zudem große UmweltschĂ€den, unter anderem infolge eines Dammbruches an einem Uranerz-Abraumsee bei Lengenfeld im Jahr 1954: 50.000 Kubikmeter Abraum ergossen sich bis 4 Kilometer ins Tal. Bis 1991 wurden Uranerze in Aue-Alberoda, Dresden-Gittersee und Pöhla abgebaut.

In Freiberg wurde der seit 1168 betriebene Bergbau nach genau 800 Jahren beendet, wĂ€hrend in Altenberg und Ehrenfriedersdorf noch bis 1991 Bergbau auf Zinnerz erfolgte. Die VerhĂŒttung dieser Erze fand unter anderem in MuldenhĂŒtten bis Anfang der 1990er Jahre statt. In Sankt Egidien und Aue befanden sich bedeutende Standorte fĂŒr die NickelverhĂŒttung. Im westerzgebirgischen Pöhla wurden, bei Erkundungsarbeiten fĂŒr die SDAG Wismut, in den 1980er Jahren neue, reiche ZinnerzlagerstĂ€tten gefunden. Die damals entstandenen Versuchsabbaue gelten heute als die grĂ¶ĂŸten Zinnkammern Europas. Weitere bekannte Orte der Zinngewinnung waren Zinnwald-Georgenfeld, Geyer und Seiffen. Seiffen entwickelte sich darĂŒber hinaus zu einem Zentrum der Holzwaren- und Spielzeugherstellung, dessen Produkte als Erzgebirgische Volkskunst bekannt wurden. Bei Zwickau, Lugau, Oelsnitz sowie bei Freital wurde bis in das vorletzte Drittel des 20. Jahrhunderts Steinkohle abgebaut.

Das bis in das spĂ€te 11. und frĂŒhe 12. Jahrhundert noch vollstĂ€ndig mit Wald bestandene Gebirge wurde durch den Bergbau und die Besiedlung fast vollstĂ€ndig zur Kulturlandschaft umgestaltet. Bis in hohe Lagen des Gebirges ist die Bevölkerungsdichte hoch. So liegt mit Oberwiesenthal die höchstgelegene Stadt Deutschlands im Erzgebirge und das benachbarte BoĆŸĂ­ Dar (Gottesgab) auf tschechischer Seite gilt gar als höchstgelegene Stadt Mitteleuropas. Nur in den schlecht zugĂ€nglichen, klimatisch ungĂŒnstigeren Kammlagen finden sich noch grĂ¶ĂŸere zusammenhĂ€ngende Waldgebiete, die seit dem 18. Jahrhundert forstwirtschaftlich genutzt werden. Bedingt durch den hohen Bedarf des Bergbaus und HĂŒttenwesens an Grubenholz und Brennstoffen erfolgten seit dem 12. Jahrhundert großflĂ€chige Abholzungen; selbst die landesherrlichen WĂ€lder konnten den wachsenden Holzbedarf nicht mehr decken. Zum Erhalt der WĂ€lder wurde seit dem 18. Jahrhundert die Verwendung von Kohle als Brennstoff gefördert und im 19. Jahrhundert schließlich anbefohlen. Bereits zu Beginn der 1960er Jahre wurden im Osterzgebirge bei Altenberg und bei Reitzenhain erste Anzeichen von Waldsterben festgestellt, nachdem bereits seit dem 19. Jahrhundert örtliche SchĂ€den an den WĂ€ldern durch HĂŒttenrauch sichtbar geworden waren.

Bevölkerung

Im Erzgebirge leben je nach dessen Abgrenzung zwischen 800.000 und ĂŒber 1,2 Millionen Menschen. Zu den grĂ¶ĂŸten StĂ€dten auf deutscher Seite gehören Freiberg (40.000 Einwohner), Annaberg-Buchholz (21.000), Schwarzenberg (18.000), Marienberg (18.000) und Aue (17.000). Im schmalen Streifen auf tschechischer Seite sind die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte Krupka (13.000), Nejdek (8.200) und Kraslice (6.900). GrĂ¶ĂŸere StĂ€dte finden sich am Fuße des Erzgebirges, wobei nur ein Teil im Erzgebirge liegt: Chomutov (49.000), LitvĂ­nov (25.000) und Jirkov (20.000). Bereits seit mehreren Jahrhunderten gehört es zu den am dichtesten besiedelten Gebirgsregionen Europas, was primĂ€r auf seine Tradition als Erzabbaugebiet zurĂŒckzufĂŒhren ist. Die grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte befinden sich mehrheitlich am SĂŒdhang des Erzgebirges. Auf deutscher Seite nimmt die Bevölkerungsdichte vom Westerzgebirge, mit seinen vielen kleinen StĂ€dten, hin zum lĂ€ndlichen Osterzgebirge stĂ€ndig ab. Die Bevölkerung hat seit der Wiedervereinigung um durchschnittlich 17 Prozent abgenommen, was auf die allgemein schwierige wirtschaftliche Lage zurĂŒckzufĂŒhren ist. Im Jahr 2004 betrug die Bevölkerungsdichte etwa 210 Einwohner je kmÂČ (etwa Bundesschnitt), welche auf Grund der Abwanderung und eines starken SterbeĂŒberschusses weiter abnehmen wird.

Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918 war Böhmen als Kronland Teil von Österreich-Ungarn und kam dann zur neugebildeten Tschechoslowakische Republik (→ Geschichte der Tschechoslowakei). Deshalb wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 der böhmische Anteil des Erzgebirges grĂ¶ĂŸtenteils von einer deutschsprachigen Bevölkerung bewohnt. Nach deren Vertreibung wurde mit dem PrĂ€sidialdekret Nr. 27/1945 vom 17. Juli 1945 (→ BeneĆĄ-Dekrete) das Siedlungsamt fĂŒr die einheitliche Steuerung der Binnenbesiedlung gegrĂŒndet. Neben Werbeaktionen zur Umsiedlung von Tschechen und Slowaken aus polnischen, rumĂ€nischen, ukrainischen und ungarischen Gebieten, in denen sie teilweise schon mehrere hundert Jahre heimisch waren, kamen vor allen aus der Karpato-Ukraine neben den Slowaken auch zehntausende Roma. Neben den genannten Bevölkerungsgruppen wurden aber auch Ungarn und Griechen angesiedelt. Die Menschen wurden entweder mit Versprechungen gelockt oder willkĂŒrlich umgesiedelt. Kaum einer von ihnen hatte die Möglichkeit sich einen Wohnort auszusuchen.

Im böhmischen Gebirgsteil lebten 1930 rund 288.400 Menschen, nach der Vertreibung der Deutschen waren es 1950 noch rund 148.600 Menschen. Im Jahr 2011 waren es rund 139.000 Menschen.

Religion

Etwa 42 Prozent der Bevölkerung des sĂ€chsischen Erzgebirges gehören der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche an. Zudem sind traditionell verschiedene christliche Freikirchen, wie die Evangelisch-methodistische Kirche im Westerzgebirge, stark vertreten. Die böhmische Seite des Gebirges war im Gegensatz zum sĂ€chsischen Teil vorrangig katholisch geprĂ€gt, wobei inzwischen die meisten tschechischen Einwohner konfessionslos sind. In Pockau hat die Gemeinschaft in Christo Jesu („Lorenzianer“) ihr Zentralheiligtum, die Eliasburg; in Freiberg befindet sich einer der beiden deutschen Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen), der Freiberg-Tempel.

Deutschsprachige Kultur

Die Kultur des Erzgebirges wurde vor allem durch den, seit dem Mittelalter betriebenen, Bergbau nachhaltig beeinflusst. Der alte, hier geprĂ€gte Ausspruch „Alles kommt vom Bergwerk her!“ bezieht sich dabei von der Landschaft ĂŒber das Handwerk, die Industrie bis hin zur Volkskunst und den lebendigen Traditionen auf weite Bereiche des Lebens in der Region. Der Besucher kann dies bereits bei seiner Ankunft an der alltĂ€glich benutzten BegrĂŒĂŸungsformel „GlĂŒck Auf!“ erkennen.

Das Erzgebirge hat seinen eigenen Dialekt, das Erzgebirgische, das an der Schnittstelle von Oberdeutsch zu Mitteldeutsch steht und deshalb nicht einheitlich ist.

Als erster bedeutender Mundartdichter des Erzgebirges gilt Christian Gottlob Wild im frĂŒhen 19. Jahrhundert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wirkten Hans Soph, Stephan Dietrich und vor allem Anton GĂŒnther, deren Werke das erzgebirgische Lied- und Schriftgut nachhaltig prĂ€gen. Erzgebirgische Mundartlieder wurden auch spĂ€ter durch verschiedene Heimatgruppen verbreitet. Zu den bekanntesten zĂ€hlen die Preßnitzer Musikanten, Geschwister Caldarelli, Zschorlauer Nachtigallen, das Erzgebirgsensemble Aue sowie Joachim SĂŒĂŸ und sein Ensemble. Seit dem Anfang des 21. Jahrhunderts sind es vor allem De Randfichten aber auch Gruppen wie Wind, Sand und Sterne, De Ranzn, De Krippelkiefern, De Erbschleicher und Schluckauf, die in erzgebirgischer Mundart singen.

Überregional bekannt sind die vielfĂ€ltigen erzgebirgischen BrĂ€uche zur Advents- und Weihnachtszeit (siehe Abschnitt Weihnachtstourismus).

Neben den WeihnachtsmĂ€rkten und anderen kleineren traditionellen und moderneren Volksfesten ist die Annaberger KĂ€t ein bekanntes und großes erzgebirgisches Volksfest. Im Jahr 1520 von Herzog Georg dem BĂ€rtigen ins Leben gerufen, findet sie seitdem jĂ€hrlich statt.

Interessant ist zudem die erzgebirgische KĂŒche, welche einfach, aber ebenfalls reich an Traditionen ist.

Seit 1998 strebte das Erzgebirge als „Montanregion Erzgebirge“ den Status des Weltkulturerbes an. Seit Juli 2019 gehören eine Auswahl historisch weitgehend original erhaltene technische DenkmĂ€ler sowie mit dem Montanwesen in Verbindung stehende Einzeldenkmale und Sachgesamtheiten zum UNESCO-Welterbe.

Wirtschaft

Allgemein

Der deutsche Teil des Erzgebirges gehört zu den wichtigen Wirtschaftsstandorten innerhalb Sachsens, welcher sich aus einem ĂŒber 800 Jahre andauernden Erzbergbau bzw. den nachfolgenden verarbeitenden Industrien entwickelt hat. Die Region hat mit 104 IndustriebeschĂ€ftigten pro 1.000 Einwohner die zweithöchste Industriedichte Sachsens. Die Anzahl der IndustriebeschĂ€ftigten stieg entgegen dem deutschlandweiten Trend seit dem Jahr 2000 um etwa 28 Prozent. Typisch fĂŒr das Erzgebirge sind die vorwiegend kleinen mittelstĂ€ndischen, hĂ€ufig inhabergefĂŒhrten Betriebe. Den ĂŒberwiegenden Anteil halten dabei mit 90 Prozent die Kleinst- und Kleinunternehmen mit weniger als zehn sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigten. Die Region zeichnet sich dementsprechend durch eine kleingliedrige Wirtschaft aus. Nur die wenigsten (0,2 Prozent) der ca. 16.500 Unternehmen im Erzgebirgskreis zĂ€hlen zu den großen Unternehmen und haben mehr als 250 Mitarbeiter.

Die wirtschaftlichen StĂ€rken des Erzgebirges liegen im verarbeitenden Gewerbe. 33 Prozent der sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigten sind im produzierenden Gewerbe tĂ€tig, welches damit der gleichzeitig grĂ¶ĂŸte und dominierende Wirtschaftszweig ist. 67 Prozent der darin BeschĂ€ftigten arbeiten in der Metall- und Elektroindustrie sowie im Maschinenbau. Den deutlich höchsten Anteil an regionalen Handwerksbetrieben weist das Elektro- und Metallgewerbe sowie das Bau- und Ausbaugewerbe auf. Nur von geringer Bedeutung sind die ehemals strukturbestimmende Textil- und Bekleidungsindustrie (sechs Prozent der industriellen Wertschöpfung) und die Nahrungsmittelproduktion. Die Zweige Chemie, Leder, Kunststoff und die traditionell im Erzgebirge ansĂ€ssigen Unternehmen im Bereich Holz, Papier, Möbel, Glas, Keramik tragen jeweils mit ca. 14 Prozent zur regionalen Wertschöpfung bei. Die Exportquote ist mit 28 Prozent eher gering, hat sich aber seit dem Jahr 1990 mehr als verdoppelt. Der Tourismus als Wirtschaftsfaktor spielt nach dem Ende zahlreicher Industriebetriebe infolge der deutschen Wiedervereinigung sowohl im deutschen als auch im tschechischen Teil des Erzgebirges eine wachsende Rolle, ist aber nur in TeilrĂ€umen strukturbestimmend. Lediglich 3,1 Prozent der sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigten sind im Tourismusgewerbe tĂ€tig. Wirtschaftlich bedeutsam ist der Tagestourismus, welcher tĂ€glich 92.000 Tagestouristen im Erzgebirge verzeichnet.

Bergbau

Der seit der Besiedlung bis 1990 ununterbrochen betriebene Bergbau war die wesentliche Grundlage fĂŒr die industrielle Entwicklung des Erzgebirges. Nach der Wende wurden alle Bergwerke bis auf eine Ausnahme stillgelegt. GegenwĂ€rtig hat der Bergbau im Erzgebirge nur geringe wirtschaftliche Bedeutung.

Fördernde Bergwerke

Im Kalkwerk Hammerunterwiesenthal wird Marmor gefördert. Die Fluss- und Schwerspat-Grube Niederschlag bei Oberwiesenthal ist das erste neuaufgenommene Bergwerk Deutschlands seit Jahrzehnten. Die Jahresförderung von etwa 135.000 Tonnen wird in Aue aufbereitet.

Vorkommen und LagerstÀtten

Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts wurden die erzgebirgischen Rohstoffvorkommen neu bewertet.

Ein Vorkommen in Geyer enthÀlt 44.000 Tonnen Zinn.

In Deutsch- und dem benachbarten Böhmisch-Zinnwald (CĂ­novec) liegt mit prognostizierten 161.000 Tonnen Europas grĂ¶ĂŸtes Lithiumvorkommen.

Tourismus

Geschichte, Erschließung, Allgemeines

Als im 19. Jahrhundert mehrere ErzgebirgspĂ€sse chausseemĂ€ĂŸig ausgebaut und auch das obere Erzgebirge durch die Eisenbahn erschlossen wurde, entwickelte sich der Fremdenverkehr. Als einer der ersten Förderer gilt Otto Delitsch. Dieser besuchte 1860 als erster Sommergast Wildenthal. Seine AufsĂ€tze ĂŒber das Erzgebirge haben den weiteren Reise- und Wanderverkehr gefördert.

Im sĂ€chsischen Teil wurden zunĂ€chst nur die erzgebirgischen BĂ€der Tharandt, GrĂŒnthal, Hohenstein, Ottenstein bei Schwarzenberg, Bad ReiboldsgrĂŒn bei Auerbach, Einsiedel bei Seiffen, Wiesenbad und Wolkenstein als Sommerfrischen benutzt.

Am 5. Mai 1878 wurde der Erzgebirgsverein gegrĂŒndet und noch im GrĂŒndungsjahr entstanden zehn erste Zweigvereine in der Region. Zum Erreichen seines Ziels, die Landschaft fĂŒr Wanderfreunde aus nah und fern bekannter zu machen, wurden u. a. Wanderwege markiert und Wanderkarten herausgegeben. Vielerorts wurden beginnend ab dem Ende des 19. Jahrhunderts BerggasthĂ€user und/oder AussichtstĂŒrme auf den höchsten Erhebungen errichtet, womit der Fremdenverkehr ins Erzgebirge um die Wende zum 20. Jahrhundert bedeutend gefördert wurde. Mit dem 1904 eröffneten Kammweg wurde einer der ersten Fernwanderwege geschaffen, der auf dem Hainberg bei Asch seinen westlichen Anfang nahm und grĂ¶ĂŸtenteils entlang der Kammlinie des Gebirges auf Böhmischer Seite folgte. Skisportler nutzten bereits seinerzeit die schneesicheren Kammlagen. Mit der Fichtelberg-Schwebebahn entstand 1924 die erste Seilschwebebahn Deutschlands, die noch immer Besucher auf den höchsten Berg Sachsens befördert.

In Anlehnung an die historische Silberstraße und den Silberwagenweg wurde nach 1990 die zwischen Zwickau und Dresden das gesamte sĂ€chsische Erzgebirge durchquerende, 140 Kilometer lange Ferienstraße Silberstraße geschaffen, die bedeutende SehenswĂŒrdigkeiten in Beziehung zum jahrhundertealten Bergbau- und HĂŒttenwesen erschließt. Zu diesen gehören neben Besucherbergwerken, Bergbaulehrpfaden, technischen und heimatkundlichen Museen und einer Vielzahl weiterer kleiner Anziehungspunkte, vor allem die mittelalterlichen Stadtzentren der alten BergstĂ€dte und ihre bedeutenden Kirchenbauten, wie der Freiberger Dom, die St.-Annen-Kirche in Annaberg-Buchholz oder die Schneeberger St.-Wolfgangs-Kirche.

Mit ĂŒber drei Millionen Übernachtungen im Jahr 2016 ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region. Von 2003 bis 2017 bot der Tourismusverband Erzgebirge e.V. die ErzgebirgsCard an, mit der ĂŒber 100 Museen und andere SehenswĂŒrdigkeiten kostenlos besichtigt werden konnten. Gleichzeitig galt die ErzgebirgsCard als Fahrschein in allen Bus- und Straßenbahnlinien sowie den NahverkehrszĂŒgen des VMS.

Wandern

Im Erzgebirge gibt es rund 5000 Kilometer markierte Wanderwege. Mit dem EuropĂ€ischen Fernwanderweg E3 und dem Internationalen Bergwanderweg der Freundschaft Eisenach–Budapest sowie dem Kammweg Erzgebirge–Vogtland durchqueren zwei international und ein national bedeutsamer Fernwanderweg das Erzgebirge.

Der 2011 ĂŒbergebene Kammweg Erzgebirge–Vogtland wurde im gleichen Jahr vom Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine mit dem QualitĂ€tssiegel „QualitĂ€tsweg Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet. Auch befinden sich einige „QualitĂ€tsgastgeber Wanderbares Deutschland“ an den Fernwanderwegen und im nĂ€heren Umkreis.

Radfahren

Überregional bekannte Radrouten sind die steigungsreichen Abschnitte des Mulderadweges an den QuellflĂŒssen Freiberger und Zwickauer Mulde sowie der Zschopautalradweg vom Fichtelberg bis zur MĂŒndung in die Freiberger Mulde. Daneben gibt es einige ausgeschilderte, steigungsarme Routen auf stillgelegten Bahntrassen, beispielsweise zwischen Wilischthal und Thum sowie Wolkenstein und Steinbach.

Überwiegend entlang des Gebirgskamms verlĂ€uft auf tschechischer Seite die rund 170 Kilometer lange „KruĆĄnohorskĂĄ magistrĂĄla“ („Erzgebirgsradmagistrale“). Die Strecke hat einen mittleren konditionellen Anspruch und fĂŒhrt vom an der Elbe gelegenen Děčín nach JelenĂ­, wo Anschluss an die „Karlsroute“ („Karlova stezka“) besteht. GrenzĂŒberschreitend und den Gebirgskamm querend ist der Radfernweg Euregio Egrensis.

Im Mai 2001 wurde mit den „Miriquidi Bike Trails“ das erste Mountainbike-Wegenetz in Sachsen seiner Bestimmung ĂŒbergeben. Es umfasst mehr als 200 Kilometer ausgeschilderte Wege und Pfade. Vor allem in jĂŒngster Zeit wird die Erschließung des Potentials als Radtouristik-Region vorangetrieben. Wobei dies im Wesentlichen ĂŒber eine Ausschilderung von Routen auf bestehenden Straßen und Wegen realisiert wird. Das Spektrum reicht dabei von klassischen Radtouren fĂŒr AusflĂŒgler und Einsteiger ĂŒber spezielle Touren fĂŒr E-Bikes hin zu sportlichen Touren mit mehrheitlich hohem konditionellen Anspruch. Zudem bestehen Bahnverbindungen mit Fahrradmitnahme bis in die Kammlagen.

Am 29. Juni 2013 wurde im Sportpark auf dem Rabenberg bei Breitenbrunn der erste Singletrail-Park Deutschlands eingeweiht. Er umfasst eine FlÀche von 800 Hektar und bietet insgesamt 50 Kilometer Strecke auf vier Routen unterschiedlicher LÀnge und Schwierigkeitsgrade.

Die derzeit konditionell anspruchsvollste ausgewiesene Mountainbikestrecke im Erzgebirge bildet der „Stoneman Miriquidi“. Dabei sind 162 Kilometer Strecke und 4400 Höhenmeter zu bewĂ€ltigen. Die Strecke ist grenzĂŒberschreitend und fĂŒhrt ĂŒber neun Berggipfel.

Im Erzgebirge liegt ferner die Wiege des wettbewerbsmĂ€ĂŸigen Mountainbikesports in Deutschland. In und um Seiffen wird seit 1993 der jĂ€hrlich stattfindende Erzgebirgs-Bike-Marathon ausgetragen, dessen Teilnehmerzahl im Jahr 2000 erstmals die 1000er-Marke ĂŒberschritt. In Altenberg findet seit dem Jahr 2000 das mehrtĂ€gige Mountainbike-Etappenrennen Mad East Challenge 500 statt.

Wintersport

Mit waldreichen, schneesicheren Hoch- und Kammlagen bietet das Erzgebirge optimale Voraussetzungen fĂŒr den Wintersport. Das bedeutendste Gebiet fĂŒr alpinen Skisport ist das Fichtelberg-Keilberg-Massiv, mit den StĂ€dten Oberwiesenthal, BoĆŸĂ­ Dar und LoučnĂĄ pod KlĂ­novcem. Daneben gibt es grĂ¶ĂŸere Pistengebiete um den PleĆĄivec bei Abertamy, den Bouƙƈák bei NovĂ© Město und Mikulov v KruĆĄnĂœch horĂĄch, den Hemmschuh bei Rehefeld-Zaunhaus sowie den Komáƙí hĆŻrka bei Krupka. Weitere Skiorte mit lĂ€ngeren Abfahrtsmöglichkeiten sind NovĂ© Hamry, Johanngeorgenstadt, JĂĄchymov, Měděnec, Jöhstadt, Mezihoƙí, PyĆĄnĂĄ, Seiffen, KlĂ­ny, ČeskĂœ JiƙetĂ­n, Holzhau, Altenberg, Geising und Telnice.

Das Streckennetz fĂŒr Skilanglauf bietet wĂ€hrend der Saison mehr als 1000 Kilometer gespurte Loipen. Mit der Skimagistrale Erzgebirge/KruĆĄnĂ© hory existiert ein deutsch-tschechischer Skifernwanderweg ĂŒber den gesamten Erzgebirgskamm. Die darin einbezogene, 36 Kilometer lange Kammloipe, wurde mit dem PrĂ€dikat „exzellente Loipe“ ausgezeichnet und gehört mit den zahlreichen Anschlussloipen zu einem der attraktivsten Skilanglaufgebiete Deutschlands. Ein weiterer Skiwanderweg ist die Erzgebirgische Skimagistrale.

Neben vielen kleineren Gebieten in den mittleren und oberen Gebirgslagen auf sĂ€chsischer und böhmischer Seite gibt es u. a. grĂ¶ĂŸere Skilanglaufgebiete in den Regionen um Carlsfeld, Johanngeorgenstadt und Breitenbrunn im Westerzgebirge, um das Fichtelberg-Keilberg-Massiv, den Geyerschen Wald und Marienberg im Mittleren Erzgebirge sowie um Holzhau, Hermsdorf, Nassau und Altenberg im Osterzgebirge.

DarĂŒber hinaus befinden sich mit den Fichtelbergschanzen und der Sparkassen-Skiarena fĂŒr SkilanglĂ€ufer und Biathleten auf dem GelĂ€nde der Außenstelle Oberwiesenthal des OlympiastĂŒtzpunktes Chemnitz/Dresden Anlagen fĂŒr den Leistungssport. Auf dem GelĂ€nde der Außenstelle Altenberg gibt es ein weiteres Skistadion sowie mit der Rennschlitten- und Bobbahn Altenberg eine der anspruchsvollsten Kunsteisbahnen der Welt.

Weihnachtstourismus

In der Advents- und Weihnachtszeit bilden Erzgebirge und Weihnachten in der Außenwahrnehmung eine meist untrennbare Einheit. Aus dem Jahrhunderte die Region prĂ€genden Bergbau entstanden vielfĂ€ltige Traditionen und BrĂ€uche, die in der Advents- und Weihnachtszeit – teilweise zu touristischen Festveranstaltungen abgewandelt – intensiv gepflegt werden. Dazu gehören Bergparaden, Hutzenabende, das öffentliche Pyramidenanschieben und Mettenschichtfeiern.

Erzgebirgische Volkskunst, etwa in Form von RĂ€uchermĂ€nnchen, Weihnachtspyramiden, Schwibbögen, Nussknacker oder Bergmanns- und Engelsfiguren, findet als Weihnachtsschmuck meist im privaten Bereich Verwendung. Die Orte im oberen Erzgebirge verwandeln sich in der Weihnachtszeit durch ihre so geschmĂŒckten Fenster in ein „Lichtermeer“.

Der "Krippenweg Erzgebirge" umfasst etwa 15 Standorte von Krippen und Weihnachtsbergen in Museen, Kirchen, Vereinen und privaten Haushalten.

Die typischen WeihnachtsmĂ€rkte sind deutschlandweit und auch darĂŒber hinaus bekannt. Die grĂ¶ĂŸten und bekanntesten befinden sich in den mittelalterlichen BergstĂ€dten Schneeberg, Marienberg, Schwarzenberg, Annaberg und Freiberg.

Verkehr

Straßenverkehr

Das Erzgebirge wird im Nordwesten von der Bundesautobahn 72/Europastraße 441 und im Osten von der Bundesautobahn 17–DĂĄlnice 8/Europastraße 55 gestreift, wobei Letztere auch den Gebirgskamm in etwa 600 Metern Höhe queren. Am Fuße der SĂŒdabdachung tangiert zwischen Karlovy Vary und Teplice die abschnittsweise mehrspurig ausgebaute Silnice I/13/Europastraße 442 das Gebirge.

Die verkehrlich bedeutendste zentrale Erzgebirgsquerung ist die ebenfalls abschnittsweise mehrspurig ausgebaute Bundesstraße 174–Silnice I/7 ĂŒber den Reitzenhainer Pass, welche gleichzeitig die kĂŒrzeste Straßenverbindung zwischen dem Ballungsraum Leipzig-Halle und Prag darstellt. Weitere bedeutende Gebirgsquerungen sind die Bundesstraße 95–Silnice I/25 ĂŒber den GrenzĂŒbergang Oberwiesenthal–BoĆŸĂ­Â Dar und die Bundesstraße 170–Silnice I/8 ĂŒber den GrenzĂŒbergang Altenberg–CĂ­novec im Osterzgebirge.

Regional wichtige Ost-West-Verbindungen auf deutscher Seite stellen die Bundesstraßen 101, 169, 171, 173, 180 und 283 dar.

Bahnverkehr

Zentrale Teile des Erzgebirges auf deutscher Seite können aktuell ĂŒber ein dichtes Eisenbahnnetz mit regelmĂ€ĂŸigem Schienenpersonennahverkehr erreicht werden. Dabei bedienen die Erzgebirgsbahn vier sowie die Freiberger Eisenbahn und die StĂ€dtebahn Sachsen jeweils eine Eisenbahnstrecke, die ĂŒberwiegend durch FlusstĂ€ler bis in die Kammlagen fĂŒhren. Zudem kann von Deutschland aus das bedeutendste Wintersportgebiet um das Fichtelberg-Keilberg-Massiv tĂ€glich mit der dampfbetriebenen Fichtelbergbahn erreicht werden. Ebenfalls tĂ€glich verkehrt die Weißeritztalbahn im Osterzgebirge, seit 2017 wieder bis Kipsdorf.

Auf tschechischer Seite bedient die ČeskĂ© drĂĄhy aktuell lediglich die Bahnstrecke Karlovy Vary–Johanngeorgenstadt regelmĂ€ĂŸig. Über Letztere und in FortfĂŒhrung mit den Bahnstrecken Johanngeorgenstadt–Schwarzenberg und Schwarzenberg–Zwickau auf deutscher Seite, besteht eine derzeit einzige, grenzĂŒberschreitende und tĂ€glich verkehrende Zugverbindung (mit Umstieg in Johanngeorgenstadt) zwischen den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten Zwickau am Nord- und Karlovy Vary am SĂŒdrand des Erzgebirges. Auf der Bahnstrecke Chomutov–Vejprty ist der fahrplanmĂ€ĂŸige Betrieb auf die Monate Mai bis Ende September eingeschrĂ€nkt. Auf der Bahnstrecke Most–Moldava ist der durchgĂ€ngige Zugverkehr zum Erzgebirgskamm am touristischen Bedarf ausgerichtet.

Die Vereine „IG Preßnitztalbahn e. V.“ und „Museumsbahn Schönheide e. V.“ betreiben zudem zwei Streckenteile des einst dichten Schmalspurnetzes im sĂ€chsischen Erzgebirge im Museumsbetrieb.

Die erhaltenen beziehungsweise wiederaufgebauten dampfbetriebenen Schmalspurbahnen haben sich zudem als beliebte Touristenattraktionen etabliert.

Siehe auch

  • Erzgebirgische KĂŒche
  • Liste der Landschaften in Sachsen
  • NaturrĂ€ume in Sachsen
  • NaturrĂ€umliche Großregionen Deutschlands
  • SĂ€chsisches Bergland und Mittelgebirge

Literatur

Allgemein

  • Manfred Blechschmidt, Klaus Walther, Christoph Georgi (Fotos): Erzgebirgs-Lexikon. Chemnitzer-Verlag, Chemnitz 1991, ISBN 3-928678-01-9. 
  • Walter Fröbe: Ein Jahrtausend erzgebirgischer Geschichte – Heimatgeschichte in Bildern, 1. Auflage 1933, 2. Auflage 1965.
  • Martina Schattkowsky (Hg.): Erzgebirge. (= Kulturlandschaften Sachsens, Band 3), Edition Leipzig, Leipzig 2010, ISBN 978-3-361-00645-4.
  • Siegfried Sieber: Das Erzgebirge. Landschaft und Menschen, W. Jess, Dresden 1930.
  • Moritz von SĂŒĂŸmilch: Das Erzgebirge in Vorzeit, Vergangenheit und Gegenwart. Annaberg: Hermann Graser Verlag 1889, 2. Auflage 1894 (Digitalisat der SĂ€chsischen Landesbibliothek – Staats- und UniversitĂ€tsbibliothek Dresden).
  • Johannes Zemmrich, Karl GĂ€bert: Das Erzgebirge (= Landschaftsbilder aus dem Königreiche Sachsen), H. W. Schlimpert, Meißen 1911.

Geschichte

  • Andreas Christl: Verschiebungen der Höhengrenzen der ur- und frĂŒhgeschichtlichen Besiedlung am Erzgebirge. AlteuropĂ€ische Forschungen. Arbeiten aus dem Institut fĂŒr PrĂ€historische ArchĂ€ologie der Martin-Luther-UniversitĂ€t Halle-Wittenberg N.F. 5, Langenweißbach: Beyer & Beran 2004, ISBN 3-930036-81-9.
  • Hauke Kenzler: Die hoch- und spĂ€tmittelalterliche Besiedlung des Erzgebirges. Strategien zur Kolonisation eines landwirtschaftlichen Ungunstraumes. Bamberger Schriften zur ArchĂ€ologie des Mittelalters und der Neuzeit 4, Bonn: Rudolf Habelt 2012, ISBN 978-3-7749-3742-0.
  • Viktor Karell: Das Böhmische Erzgebirge. Band 1, Verl. Das Viergespann, Frankfurt/Main, 1968, BRD.(Zur Geschichte und Regionalgeschichte des böhmischen Erzgebirges)

Geologie

  • Ulrich Sebastian: Die Geologie des Erzgebirges. Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-8274-2976-6. 
  • Otfried Wagenbreth, Walter Steiner: Geologische StreifzĂŒge. Landschaft und Erdgeschichte zwischen Kap Arkona und Fichtelberg. 1. Auflage. Deutscher Verlag fĂŒr Grundstoffindustrie, Leipzig 1982, DNB 821136712, Das Erzgebirge, S. 134–146. 

Allgemeine Quellen

Im Auftrag des Bundesamtes fĂŒr Naturschutz wurden Landschaftssteckbriefe im Rahmen des Vorhabens „Verbreitung und GefĂ€hrdung schutzwĂŒrdiger Landschaften in Deutschland“ erarbeitet. FĂŒr das Erzgebirge hat das BfN diese Beschreibungen veröffentlicht:

Landschaftssteckbriefe:

  • SĂŒdabdachung des Erzgebirges
  • Obere Lagen auf der Nordabdachung des West- und Mittelerzgebirges
  • Untere Lagen des Westerzgebirges
  • Untere Lagen des Mittelerzgebirges
  • Obere Lagen des Osterzgebirges
  • Untere Lagen des Osterzgebirges
  • Tharandter Wald (im Norden des Osterzgebirges)

Quelle: Kartendienste des Bundesamts fĂŒr Naturschutz.

Alle beschriebenen Landschaften gehören nach der Bewertung des Bundesamts fĂŒr Naturschutz innerhalb der fĂŒnf Wertstufen zur zweitwertvollsten Kategorie – nach „Besonders schutzwĂŒrdige Landschaft“ – „SchutzwĂŒrdige Landschaft“ mit dieser Definition: „Im Gegensatz zu den Landschaften der höchsten Bewertungsstufe weisen diese Landschaften einen geringeren Schutzgebietsanteil auf oder sind bei Ă€hnlichem Schutzgebietsanteil stĂ€rker durch Verkehrswege zerschnitten.“

Anmerkungen

Einzelnachweise

Weblinks

  • Animation zur geologischen Entstehung des Erzgebirges
  • UNESCO-Welterbe „Montanregion Erzgebirge“
  • Private Seite zu geologischen HintergrĂŒnden
  • Erzgebirge na Krusnohorsky.cz




Quelle: Wikipedia
 

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Staaten die sich in dieser Gebirgsgruppe befinden (2):
Deutschland DeutschlandTschechien Tschechien

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 51.005114
südlichster Punkt: 50.201517
westlichster Punkt: 12.377472
östlichster Punkt: 14.046364


Das Gebirge hat eine Fläche
von etwa
5542 km²

Die Länge der Grenze
beträgt ca.
331 km
 
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