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Informationen zur Gebirgsgruppe: BöhmerwaldDer Böhmerwald, tschechisch Šumava () ist ein Mittelgebirge in Deutschland, Tschechien und Österreich. Über den 120 Kilometer langen Gebirgskamm verläuft die Staatsgrenze zwischen Tschechien und Deutschland sowie Österreich. Der Böhmerwald ist nach dem Riesengebirge (1603 m) und dem Altvatergebirge (1491 m) das dritthöchste Rumpfgebirge der Böhmischen Masse. Der höchste Berg des Böhmerwaldes ist mit 1456 m der Große Arber. Geologisch und geomorphologisch gehört auch der Bayerische Wald zum Böhmerwald.
Der Asteroid des mittleren Hauptgürtels (2403) Šumava wurde nach dem Gebirge benannt.
Der Böhmerwald erstreckt sich von der Cham-Further Senke, Neumarker Senke, Neumarker Pass und Neugedeiner Furche, die ihn vom nordwestlich anschließenden Böhmischen oder Oberpfälzer Wald (Tschechisch: Český les – Böhmischer Wald) trennen, von Nordwesten nach Südosten bis zum Kerschbaumer Sattel, nach anderer Definition bis zum Hohenfurther Sattel. Das Gebirge bildet einen Abschnitt der großen europäischen Wasserscheide Atlantik–Schwarzes Meer und entwässert zur Donau und Moldau.
Obwohl es sich beim Böhmerwald geologisch gesehen um ein einziges Gebirge handelt, wird er seit Beginn des 20. Jahrhunderts nach den politischen Grenzen unterteilt. Je nach regionaler Lage oder Kontext werden mit dem Ausdruck „Böhmerwald“ das ganze Gebirge oder nur Teile davon bezeichnet:
Ursprünglich wurde auch der Oberpfälzer Wald / Böhmischer Wald in Bayern und Tschechien noch zum Böhmerwald gezählt.
Die Bezeichnungen Bayerischer Wald und Böhmerwald werden uneindeutig verwendet und waren zeitlichen Veränderungen unterworfen. Die Hauptkette der Region nennt man hoher Böhmerwald. Der Große Arber auf bayerischer Seite ist mit seinen 1456 Metern der höchste Punkt dieses Mittelgebirges. In Tschechien und Österreich ist der auf der Grenze liegende Plöckenstein/Plechý mit 1378 m der höchste Berg. Daneben gibt es auch den Bayerischen Plöckenstein (1365 m). Der Vordere Bayerische Wald wird nicht zum Böhmerwald gezählt, sondern als der (eigentliche) Bayerische Wald dem Böhmerwald gegenübergestellt; wird (wie umgangssprachlich häufig) der Böhmerwald zum Bayerischen Wald gezählt, so nur der Teil, der in Bayern liegt.
Strabon und Ptolemäus nennen den Böhmerwald Gabreta Silva. Dieser Name geht auf keltisch *gabros „[Stein-]Bock“ zurück. Den ersten überlieferten deutschen Namen „Nordwald“ hat das Waldgebirge von der bayerischen Seite aus erhalten: als Wald im Norden des Herzogtums Bayern. Frühe Erwähnungen finden sich in Urkunden von Ludwig dem Deutschen 853 und Heinrich II. im Jahr 1010. In letzterer vermacht der Kaiser dem Kloster Niedernburg in Passau einen Teil des „Nordwaldes“. Später setzte sich die Bezeichnung „Böhmerwald“ für das ganze Waldgebiet „gegen Böhmen“ durch. Urkundlich erwähnt wurde z. B. 1147 Behaimer walt und 1204 der Boemerwalt. Seit dem 19. Jahrhundert unterteilte man die Landschaft in kleinere Einheiten, die sich – vor allem in Bayern – im Wesentlichen an den politischen Grenzen orientierten (Oberpfälzer Wald, Bayerischer Wald).
Im Zuge des Landes- und Städteausbaus vom 12. bis zum 14. Jahrhundert wurden besonders die waldreichen Randgebiete Böhmens gerodet und besiedelt. Im Böhmerwald waren daran vor allem deutschsprachige Siedler aus den angrenzenden bayerischen Gebieten beteiligt. Seit dieser Zeit galt Böhmen als zweisprachiges Land. Wichtig für die Erschließung des Böhmerwaldes waren die Verbindungswege zwischen Bayern und Böhmen, wie z. B. der Handelsweg „Goldener Steig“. Im Laufe der Jahrhunderte drangen neue Siedlungen immer weiter in den Urwald vor. Sehr viele Dörfer gehen auf Glashüttenstandorte des 18. Jahrhunderts zurück und haben oft auf „...hütte“ endende Namen. Zu den spätesten Gründungen gehört z. B. Eleonorenhain/Lenora, das als Glashüttenort erst 1834 entstand.
Die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung nach 1945 bedeutete eine einschneidende Veränderung der Siedlungsstrukturen. Viele kleinere Siedlungen wurden entvölkert. Heute sind davon oft nur sogenannte „Wüstungen“ übrig geblieben. Mancherorts, wie z. B. in Lučina, haben nach 2010 interessierte tschechische und deutsche Heimatforscher und Hobby-Archäologen damit begonnen, die Wüstungen auszugraben.
Von wirtschaftlicher Bedeutung war in diesem Gebiet seit dem Mittelalter die Glasherstellung. Im 14. Jahrhundert bildete sich in Südböhmen, Böhmerwald, Bayrischer Wald, Mühlviertel und Waldviertel eine Waldglas-Hüttenlandschaft. Da der Motor dieser Entwicklung in Böhmen lag, wird für die Glaserzeugung der Terminus „böhmisches Glas“ für den gesamten Bereich der aufgezählten Gebiete verwendet. Nach der Einführung des Kreideglases (Kristallglas) kurz vor 1700 erlebte die Glaserzeugung Böhmens einen rasanten Aufschwung. In der Folge konnte Böhmen die Vorherrschaft des venezianischen Glases aus Murano brechen und selbst die Marktführerschaft im weltweiten Glasgeschäft für fast 200 Jahre übernehmen (selbst die heutzutage berühmten schwedischen Glashütten in Småland besorgten sich ihre ersten Glasbläserfamilien hier). So gab es in der Gegend des Böhmerwaldes einige namhafte Glashersteller, die die Produktion der anderen Böhmerwälder Hütten beeinflusst haben. Im 17. und 18. Jahrhundert waren das die Michlhütte in Helmbach (Michlová Huť) bei Winterberg/Vimperk und die Gratzener Hütte in Gratzen/Nové Hrady. Im 19. und 20. Jahrhundert waren die bekanntesten Firmen: Lötz in Klostermühle bei Unterreichenstein, Kralik in Eleonorenhain/Lenora und Meyr’s Neffe in Adolf bei Winterberg/Vimperk. Sie waren vor allem als Produzenten von Jugendstilglas führend. Bedeutende Hersteller von Spiegelglas waren die Hütten in Neu Hurkenthal und Elisenthal bei Markt Eisenstein/Železná Ruda.
Große Bedeutung für die Holzbringung hatten der Schwarzenbergsche Schwemmkanal / Schwarzenberský plavební kanál sowie der Chinitz-Tettauer Schwemmkanal / Vchynicko-Tetovský plavební kanál.
Die Drei-Länder-Region Böhmerwald hat sich zu einer gemeinsamen Europaregion (Euregio Bayerischer Wald – Böhmerwald) zusammengeschlossen und befasst sich seit 1994 mit grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Das Gebiet umfasst eine Fläche von ca. 16.000 km², auf der ca. 1,3 Millionen Einwohner leben.
Große Teile des tschechischen Teiles wurden zum Nationalpark Šumava erklärt. Im Böhmerwald leben heute wieder Luchse.
Tschechien hat eine Fläche von 1.719,25 km² im Böhmerwald zudem auch als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet Šumava (EEA-Code CZ0314024) sowie eine kleinere Fläche von 974,79 km² unter gleichem Namen als europäisches Vogelschutzgebiet (EEA-Code CZ0311041) gemeldet. Somit ist der Böhmerwald Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Beide Gebiete sind flächenmäßig die größten ihrer Art in der Tschechischen Republik.
Im Bereich des Böhmerwalds entwickelte sich die Landesgrenze zwischen den heutigen Staaten Deutschland und Tschechien vergleichsweise spät von einem relativ breiten „Grenzsaum“ zu einer „Grenzlinie“. Im zunächst weitgehend unbesiedelten und wirtschaftlich nicht genutzten Waldgebiet war eine genaue Grenzziehung nicht notwendig. Bis ins 16. Jh. gab es daher nur an wenigen Orten eine geschlossene lineare Grenze zwischen dem Königreich Böhmen und dem Herzogtum Bayern.
Durch die von bayerischer und böhmischer Seite aus weiter in den Wald vordringende Siedlung kam man sich im 16. Jahrhundert immer häufiger ins Gehege, was eine genaue Fixierung der Grenze notwendig machte. Ab 1551 erscheinen in den Quellen Grenzstreitigkeiten im Gebiet von Waldmünchen bis um den Berg Arber. In diesem Zusammenhang entstand 1514 mit dem so genannten „Grenzvisier“, eine erste kartographische Darstellung des Grenzverlaufs zwischen Furth im Wald und dem Arber. Die ältesten Grenzmarkierungen waren die so genannten „Pletzen“, meist kreuzförmige Einkerbungen an Bäumen. Im Bereich des heutigen Landkreises Regen gab es 1569 eine „erste amtliche Grenzbegehung“. Erst 1637 setzte man den ersten Grenzstein an der Grenzbrücke des Saumwegs von Zwiesel nach Böhmen.
Im Zuge des Spanischen Erbfolgekriegs (1701–1714) besetzten österreichische Truppen Bayern. 1708 schloss Kaiser Joseph I. einige bayerische Grenzgebiete, wie etwa bei Waldmünchen oder das Eisensteiner Tal, an Böhmen an. Mit einem bayerisch-österreichischen Vertrag vom 3. März 1764 wurde die Grenze neu festgelegt. Dabei fiel z. B. die Hofmark Eisenstein zur Hälfte an Bayern zurück; das heutige Bayerisch Eisenstein. Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1806) besaß die Grenze nicht die Qualität einer Nationalstaatsgrenze. Im so genannten „Fraischbezirk“ um Neualbenreuth zwischen Eger (Cheb) und Waldsassen wechselten seit 1591 jährlich die landeshoheitlichen Rechte zwischen der Oberpfalz bzw. Bayern und Böhmen. Diese Regelung galt bis 1846, als das Gebiet zwischen Bayern und Böhmen aufgeteilt wurde. Von 1820 bis 1846 erarbeitete eine Grenzkommission einen neuen Grenzvertrag, den Bayern und Österreich 1862 schlossen.
Der Böhmerwald war seit dem Einsetzen der Deutsche Ostsiedlung überwiegend von deutschsprachigen Menschen besiedelt. Die in den letzten Jahrzehnten der k. u. k.-Monarchie bestehenden Bezirke orientierten sich in diesem Teil Böhmens nicht an der Sprachgrenze und waren daher meist gemischtsprachig: Die westlichen Teile der Bezirke Klattau, Schüttenhofen, Prachatitz und Krumau zählten zum deutschsprachigen Böhmerwaldgebiet, während die östlichen Teile im tschechischsprachigen Innerböhmen lagen. Der südlichste Bezirk, Kaplitz, war dagegen fast rein deutschsprachig.
Am Ende des Ersten Weltkriegs beanspruchte die Regierung des neu gegründeten Staates Deutschösterreich die deutschsprachigen Gebiete Böhmens. Der Böhmerwaldgau mit 3.280 km² und 183.000 Einwohnern sollte an Oberösterreich angeschlossen werden. Die Pariser Vorortverträgen berücksichtigten diese Forderung nicht. So blieb der Böhmerwald ein Bestandteil Böhmens und wurde im Oktober 1918 Ersten Tschechoslowakischen Republik. Nur der in Oberösterreich liegende Teil des Böhmerwaldes verblieb bei Österreich.
Infolge der Angliederung der überwiegend deutschsprachigen Gebiete der Tschechoslowakei an das Deutsche Reich im Jahre 1938 war die Jahrhunderte alte Landesgrenze am Kamm des Gebirges nur noch eine administrative Grenze zwischen verschiedenen deutschen Landkreisen. Das angegliederte Gebiet im Böhmerwald wurde in die neuen Landkreise Bergreichenstein, Markt Eisenstein, Prachatitz, Krumau und Kaplitz eingeteilt. Die ersten drei Landkreise wurden Bayern angegliedert, die übrigen beiden gingen an den Reichsgau Oberdonau.
In den letzten Kriegstagen wurde der Böhmerwald im Gegensatz zum größten Teil von Böhmen nicht von sowjetischen, sondern von amerikanischen Truppen besetzt. Die Amerikaner halfen den tschechischen Behörden zwar, Nationalsozialisten und Kollaborateure festzunehmen, bemühten sich aber, größere Exzesse zu verhindern. Die Lebensverhältnisse in den deutschen Städten und Dörfern unterschieden sich während der ersten Wochen kaum von denen im übrigen alliierten Besatzungsgebiet Deutschlands. Mit der Stabilisierung der tschechischen Verwaltung in den deutschen Ortschaften im Laufe des Sommers 1945 und dem gleichzeitig einsetzenden Abzug der amerikanischen Truppen gewannen die administrativen Maßnahmen der Tschechen gegen die deutsche Bevölkerung an Wirksamkeit, es unterblieben aber wilde Austreibungsaktionen, wie sie in den sowjetisch besetzen Gebieten des Sudetenlandes bereits Ende Mai einsetzten. Nach Bekanntwerden der Potsdamer Beschlüsse, als die Vertreibung der Sudetendeutschen zur Gewissheit geworden war, konnten einzelne Bewohner Hausrat und Möbel mit Hilfe der Amerikaner auf Heeresfahrzeugen nach Bayern bringen und das Land somit unter weit besseren Voraussetzungen verlassen als die übrigen Heimatvertriebenen. Nach dem vollständigen Abzug der amerikanischen Truppen Anfang Dezember 1945 unterschied sich das Schicksal der im Böhmerwald lebenden Deutschen dann kaum noch von denen im übrigen tschechoslowakischen Staatsgebiet.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Grenzen aus der Zeit vor 1938 wiederhergestellt und die deutsche Bevölkerung nahezu vollständig vertrieben. Ab Herbst 1945 waren die Grenzübergänge für Jahre gesperrt. Auf tschechischer Seite wurde als Grenzbefestigungen der Tschechoslowakei im Kalten Krieg zur Bundesrepublik Deutschland und zu Österreich der so genannte „Eiserne Vorhang“ mit elektrischen Sperren und Stacheldraht errichtet. Dabei wurden zahlreiche Ortschaften in Grenznähe geräumt und abgetragen. Erst nach langwierigen Verhandlungen konnte 1964 der Grenzübergang Furth im Wald, 1969 Bayerisch Eisenstein und 1971 Philippsreut geöffnet werden. Nach dem Ende des „Kalten Krieges“ wurden 1990 die Sperranlagen entfernt und die Visumspflicht aufgehoben. 1999/2000 war der Böhmerwald Landschaft des Jahres. Nach dem Beitritt der Tschechischen Republik zur Europäischen Union 2004 entfielen die Grenzkontrollen in Zusammenhang mit dem Schengenraum.
Während die deutsche Besiedlung des Böhmerwaldes vor allem von Valentin Schmidt (1863–1927) erforscht wurde, haben sich um die Erforschung der Dialekte der Böhmerwäldler Rudolf Kubitschek (1895–1945) und Karl Winter (1908–1977) verdient gemacht.
Kubitschek hat dabei in seiner Dialektgeographie den Böhmerwald in drei Bereiche eingeteilt, den unteren, den mittleren und den oberen Böhmerwald, und dabei die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Lautstand und im Wortschatz untersucht, wobei er auch darauf verwiesen hat, dass Anklänge und Ähnlichkeiten mit den jenseits der Grenze liegenden bairischen und österreichischen Mundarten nicht zu übersehen sind.
Karl Winters Verdienst ist, dass er auch noch nach der Heimatvertreibung Dialektforschung betrieben hat und dabei in erster Linie die Mundart seiner Heimatregion, die Gegend um Bergreichenstein, in seine Forschung einbezogen hat, indem er deren Grammatik und Wortbedeutung ausführlich beschrieben hat. Ihm ging es dabei vor allem um den Erhalt des heimatlichen Dialektes.
Außerdem war Winter als Mitarbeiter am Sudetendeutschen Wörterbuch und an den Wörterbuchkanzleien Wien und München tätig. Auch das deutsche Volksliederarchiv (Freiburg im Breisgau) fand seine Unterstützung.
Von Seiten der böhmerwäldischen Heimatdichter liegen vor allem Sammlungen von Gedicht- und Erzählbänden in der Mundart der Vorfahren vor. Zu verweisen ist dabei auf Dichter wie Hans Multerer (1892–1945) oder Zephyrin Zettl (1876–1935) für den oberen Wald, Josef Schramek (1896–1940), Karl Winter (1908–1978) oder Rosa Tahedl (1917–2006) für den mittleren Wald und Karl Franz Leppa (1893–1986), Marie Oberparleiter (1876–1954) sowie Josef Gangl (1868–1916) für den unteren Wald.
Auffällig ist dabei, dass es keine einheitliche Rechtschreibung von Mundarttexten gibt. Jeder Autor hat seine eigene Orthographie erfunden, was manchmal ihr Verständnis etwas erschwert.
In der Literatur erscheint der Böhmerwald in den Werken von Adalbert Stifter, Joseph Rank, Karel Klostermann, Hans Watzlik, Karl May, Robert Michel, Sepp Skalitzky, Josef Váchal und Johannes Urzidil. Der Böhmerwald ist auch der Schauplatz von Carl Maria von Webers Oper Der Freischütz.
In Altbayern existiert die Redensart „Älter wie der Böhmerwald“. Damit ist gemeint, dass etwas schon sehr alt ist, das Alter aber nicht genau bestimmt werden kann.
Die früheren Bewohner des Böhmerwaldes waren sehr auf die Pflege der Musik bedacht. Es gab vor allem auf dem Lande viele Leute, die ein Musikinstrument spielten, und fast jedes Dorf hatte eine oder mehrere Musikkapellen. Gepflegt wurde vor allem Blasmusik, in kleinerem Rahmen auch Schrammelmusik. In der Hausmusik spielte vor allem die Zither eine wichtige Rolle. So soll der Schöpfer des Böhmerwaldliedes Andreas Hartauer ein bedeutender Zitherspieler gewesen sein. Eine wichtige Rolle spielten auch Wandermusikanten, die einzeln oder in Gruppen als Spielleute mit ihren Instrumenten in die Welt zogen und so ihr Glück versuchten. Die Tradition der Musikpflege wurde auch die vertriebenen Nachkommen der Böhmerwäldler übernommen, die die Tradition der Böhmerwaldlieder sowie der böhmischen Blasmusik in neu gegründeten Orchestern erhalten haben. Als unübertroffenes Vorbild gilt dabei der Altmeister der böhmischen Blasmusik Ernst Mosch und sein Orchester „Die Egerländer Musikanten“.
Beispiele:
Der Liederschatz der Wäldler, größtenteils aus dem süddeutschen Raum übernommen, war groß und schier unerschöpflich dann, wenn sie sich mit „G’stanzln“ an- und gegenseitig ausgesungen haben. Geradezu erstaunlich waren der Einfallsreichtum und die Ausdruckskraft der Vierzeiler, die sie aus dem Stegreif zusammenreimten, belustigend die Schlagfertigkeit und der oft derbe Witz. Wenn an Sonn- und Feiertagen die Männer und Burschen „unter d’Leut“ gegangen und „af a Hoibe oder an Liter Bier a weng ei’kehrt“ sind, dauerte es gar nicht lange, bis das erste und oft recht hoch angestimmte Lied aus den Wirtshäusern ins Freie klang. Dabei wurde eine 2. oder 3. Stimme nur nach Gefühl und Gehör „zurig’sunga, damit’s a weng schäner tuat“. Lieder, die von Liebesfreud und Liebesleid erzählten, die Ständelieder von Jägern und Wildschützen, vom Fuhrmann, dem ,Stoahauer’, das ,Binderlied’ und andere waren zu vernehmen; aber auch Lieder der Sehnsucht, des Heimwehs und der Heimatliebe kamen aus den rauen Kehlen. Dann stimmte einer das Lied vom „Bayrischen Hiasl“ und ein anderer den „Durlhofer“ an … Sammler von Böhmerwaldliedern waren u. a. Gustav Jungbauer (1886–1942), Albert Brosch (1886–1970) und Paul Friedl (1902–1989).
Ausgaben von Böhmerwaldliedern
Die Existenz böhmischer Wandermusikanten hat eine lange Tradition, an der auch Bewohner des Böhmerwaldes teil hatten. Es handelte sich dabei meist um einfache Leute, welche die materielle Not oder auch die Abenteuerlust auf Wanderschaft trieb und die deutsch-böhmische Grenze überschreiten ließ. Als Solisten oder in kleinen Kumpaneien zogen sie in der Zeit zwischen Frühjahr und Herbst von Ort zu Ort, um sich einen kleinen Unterhalt und eine bescheidene Reserve für die Winterszeit zu Hause zu erwerben. Manchmal als Bettelgeiger oder Bettelmusikant verhöhnt, genossen sie doch allerorts große Beliebtheit. Denn man brauchte sie ja zum Feiern, und sie waren die, die Abwechslung in den eintönigen Alltag brachten. An musikbegabten Talenten herrschte im Böhmerwald kein Mangel, Musik war zumindest auf dem Lande Teil des Lebens, überall wurde gesungen und wurden Musikinstrumente gespielt.
Nach einem langen Winter trafen sich im Ortsteil „Danielen“ zu Innergefild im Hanesn-Haus, wo der bekannte Wandermusikant Jakob Elender während der kalten Jahreszeit wohnhaft war, 5 Familien, die als Wandermusikanten zu neuen Taten aufbrechen wollten. Hier legten sie ihre Routen fest, um sich nicht gegenseitig in die Quere zu kommen. Es waren dies die Familien mit den Namen Elender, Pribil, Nadler, Aschenbrenner und Fuchs.
Das vorherrschende Motiv für ihre Wanderschaft und gleichzeitig für ihre Stimmungslage haben die Musikanten in selbst geschaffenen Liedern beschrieben. So heißt es in einem Lied:
„Das ist des Böhmerwäldlers Leid;
ihm ist die Welt zu eng, zu weit.
Die Heimat ist so arm, so schön,
doch er muss in die Fremde geh‘n.
Sie ist voll Liebe und voll Not
und hat nicht für uns alle Brot,
drum zieh‘n wir fort, die Welt ist weit,
das ist des Böhmerwäldlers Leid.
Ich möchte heim und möchte fort,
es zieht mich hin von Ort zu Ort,
ich gehe gerne, aber bald
wein‘ ich um meinen Böhmerwald.“
Die Qualität ihrer Auftritte war bestimmt unterschiedlich. Doch taten sich einzelne Musiker als Künstler besonders hervor und erreichten hohes musikalisches Niveau, so Stefanie Fuchs, genannt die „Füchsin von Huschitz“ und Jakob Elender aus Innergefild.
Das Schicksal der beiden war im einen Fall ein glückliches, im andern ein unglückliches. Auf einer dieser Wanderschaften fand die Füchsin von Huschitz aber doch noch ihr Glück in dem holländischen Gesandtensohn von der Maaßen. Stefanie, Anna, Agnes und der Alex sagten dem Böhmerwald schweren Herzens Lebewohl und wanderten nach Neuguinea aus, wo Stefanies Ehemann die Güter seines verstorbenen Vaters geerbt hatte.
Als Heimatloser zog der alte Elender, schon hoch in den Siebzigern, seinen Weg von Passau bis Cham hinauf, sang seine schwermütigen Lieder zur Harfe, die nur mehr drei Saiten hatte. Er, der einst berühmt und ein Künstler auf seiner Harfe der beste der Wandermusikanten gewesen war, verbrachte sein Lebensende in völliger Armut. Jakob Elender verschwand eines Tages spurlos.
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