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Region Liaoning
Lage, Gebirge
Informationen Region: LiaoningLiaoning (chinesisch éŒćŻ§Â / 蟜ćź, Pinyin LiĂĄonĂng) ist eine Provinz im Nordosten der Volksrepublik China.
Liaoning ist die sĂŒdlichste der drei mandschurischen Provinzen im Nordosten Chinas. Die Provinz wird im SĂŒdosten von Nordkorea, im Nordosten von der Provinz Jilin, im Westen von Hebei und im Nordwesten durch die Innere Mongolei begrenzt. Im SĂŒden hat Liaoning etwa 2900 Kilometer KĂŒste zum Golf von Bohai im SĂŒdwesten und zum Gelben Meer im SĂŒdwesten.
Liaoning kann in drei GroĂlandschaften unterteilt werden: im Osten erstreckt sich von Nordosten nach SĂŒdwesten ein HĂŒgelland (Changbai-Gebirge, Qian Shan) mit einer mittleren Höhe von 500 Metern (abschnittsweise bis 1000 Metern). AuslĂ€ufer dieses HĂŒgellands ziehen bis in die Liaodong-Halbinsel, die zipfelartig in sĂŒdwestliche Richtung ragt. Im Westen verlaufen ebenfalls Berg- und HĂŒgelketten in sĂŒdwestlicher Richtung, die eine Höhe von 300 bis 500 Metern erreichen. Die beiden HĂŒgelketten im Osten und Westen sind durch das Tal des Liao-Flusses voneinander getrennt. Die KĂŒstenebene zum Golf von Bohai ist relativ schmal.
Der Yalu ist der Grenzfluss zwischen Nordkorea und China. Er mĂŒndet in die Koreabucht zwischen Dandong (Liaoning) und SinĆiju (Nordkorea).
Das Klima der Provinz ist gemĂ€Ăigt kontinental und vom Monsun geprĂ€gt. Es ist durch lange, kalte und trockene Winter, kurze FrĂŒhlinge und heiĂe, regenreiche Sommer gekennzeichnet. Die mittlere Temperatur im Januar liegt zwischen â5 und â17 °C und die im Juli zwischen 22 und 25 °C. Die Jahresmitteltemperatur betrĂ€gt 4 bis 10 °C. Der Niederschlag ist ungleich verteilt â im Osten an der Grenze zu Nordkorea bis 1000 mm jĂ€hrlich und im Westen etwa 400 mm. In den Monaten Juni bis August sind etwa 60 Prozent des Jahresniederschlags zu erwarten. Etwa 150 bis 180 Tage im Jahr sind frostfrei.
Historisch gehört Liaoning, wie die gesamte Mandschurei, nicht zu den Kernprovinzen des eigentlichen China, sondern war ursprĂŒnglich von mongolischen und tungusischen StĂ€mmen besiedelt. Jedoch gab es schon frĂŒhzeitig eine zahlenmĂ€Ăig kleine zerstreute han-chinesische bĂ€uerliche Siedlung, die aus den viel dicht besiedelteren sĂŒdlichen chinesischen Kernprovinzen eingewandert war.
Unter Shunzhi, dem ersten Kaiser der seit 1644 in China herrschenden Qing-Dynastie, wurde im Jahr 1653 mit dem âRekrutierungsbefehl fĂŒr Liaodongâ (éŒæ±ææ°éćąŸä»€) der Kreis (瞣 / ćż, XiĂ n) Fengtian als VorlĂ€ufer der spĂ€teren Provinz Liaoning eingerichtet. Han-Chinesen wurden ermuntert, sich in der durch die Kriegswirren zum Ende der Ming-Dynastie entvölkerten sĂŒdlichen Mandschurei anzusiedeln. Diese Ansiedlungspolitik wurde jedoch im Jahr 1668 unter Kaiser Kangxi wieder zugunsten einer âVerbotspolitikâ (ć°çŠæżç, FÄngjĂŹn zhĂšngcĂš) beendet, die die Ansiedlung von Han in der Mandschurei stark einschrĂ€nkte oder sogar gĂ€nzlich untersagte. In derselben Zeit wurde die Weidenpalisade zur Migrationskontrolle errichtet. Die HintergrĂŒnde fĂŒr die Verbotspolitik sind in der Fachliteratur umstritten. Es wird angenommen, dass Landkonflikte zwischen den chinesischen Siedlern und den alteingesessenen Mandschu die Ursache waren, so dass die Qing-Regierung Partei fĂŒr letztere ergriff, um das Stammland der Dynastie in seiner alten Organisationsform der Acht Banner weiter stabil aufrechtzuerhalten. Die Verbotspolitik wurde wĂ€hrend der Herrschaft Yongzhengs (1723â1735) kurz durchbrochen, aber ansonsten bis ins 19. Jahrhundert verfolgt. Sie wurde jedoch nicht ganz konsequent umgesetzt, und die Han-Bevölkerung nahm im Laufe der Zeit durch Zuwanderung allmĂ€hlich zu. Obwohl die Bevölkerungszahl Chinas zur Zeit der Qing-Herrschaft insgesamt stark expandierte, blieb die Mandschurei weiter relativ dĂŒnn besiedelt.
Im 19. Jahrhundert zeigte sich, dass die mandschurischen Provinzen in den Fokus der Interessen zweier benachbarter MĂ€chte â Russland und Japan â gerieten. In den ungleichen VertrĂ€gen von Aigun 1858 und Peking 1860 verlor China groĂe Teile der nördlichen und östlichen Mandschurei an das russische Zarenreich und den Zugang zum Japanischen Meer. Daraufhin begann die Qing-Regierung eine Umorganisation der Mandschurei. 1876 wurde in Fengtian eine Zivilverwaltung nach dem Muster chinesischer Provinzen eingerichtet und 1907, zwei Jahre nach dem Ende der russischen Besetzung der Mandschurei (1900â1905) wurden die drei mandschurischen Provinzen Fengtian, Jilin und Heilongjiang eingerichtet. Das Gebiet LĂŒshunkou (im Westen bekannt als Port Arthur) war von 1898 bis 1904 zunĂ€chst russisches, danach von 1905 bis 1945 japanisches Pachtgebiet. Auf dem Gebiet Liaonings fanden die wichtigsten Kampfhandlungen des Russisch-Japanischen Krieges 1904â1905 statt.
Mit dem Einrichten einer zivilen regulĂ€ren Verwaltung in der Mandschurei begann auch eine Welle der chinesischen Einwanderung. Zwischen 1890 und 1937, dem Beginn des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges, wanderten etwa 25 Millionen Chinesen aus dem chinesischen Kernland in die Mandschurei ein. Nach der Einigung der Republik China unter der Kuomintang (KMT) 1928 Ă€nderte die KMT-Regierung den Provinznamen am 5. Februar 1929 in Liaoning (éŒćݧ). In der Anweisung Nr. 91 zur NamensĂ€nderung, die formal am 1. MĂ€rz 1929 in Kraft trat, wurde der âewige Friede im Liao-Flussbeckenâ (éŒæČłæ”ćæ°žé ćźćݧ) beschworen und daraus der neue Provinzname abgeleitet (ćźćݧ, ÄnnĂng â âfriedlichâ). In einer langen Proklamation vom April 1929 unterstĂŒtzte der lokale Warlord Zhang Xueliang die NamensĂ€nderung. Der neue Name war jedoch zunĂ€chst nicht sehr lange in Gebrauch. Nach dem von Japan provozierten Mukden-Zwischenfall vom 18. September 1931 wurde die Mandschurei einschlieĂlich Liaonings von japanischen Truppen besetzt und im MĂ€rz 1932 der japanische Satellitenstaat Mandschukuo gegrĂŒndet. Liaoning wurde wieder in âFengtianâ umbenannt. Im Rahmen von mehreren Verwaltungsreformen von Mandschukuo wurde Fengtian in den folgenden Jahren weiter in kleinere Provinzen aufgeteilt. Nach der japanischen Niederlage im Pazifikkrieg kam die gesamte Mandschurei 1945 wieder zur Republik China. In Port Arthur bestand von 1945 bis 1955 eine sowjetische Marinebasis, die 1955 an China zurĂŒckgegeben wurde.
Nach dem Sieg der Kommunisten im Chinesischen BĂŒrgerkrieg und der GrĂŒndung der Volksrepublik China 1949 wurden die Verwaltungsgrenzen Mandschukuos zunĂ€chst provisorisch ĂŒbernommen. Auf dem Gebiet des heutigen Liaoning bestanden die Provinzen Liaodong (éŒæ±ç, liĂĄodĆng shÄng â âOst-Liao-Provinzâ) und Liaoxi (éŒè„żç, liĂĄoxÄ« shÄng â âWest-Liao-Provinzâ). Diese wurden 1954 zur Provinz Liaoning vereinigt. 1955 wurde Liaoning durch die Kreise Chaoyang, Jianping, Lingyuan, Jianchang, Beipiao und Harqin Linker FlĂŒgel der aufgelösten Nachbarprovinz Rehe vergröĂert. Die Provinzgrenzen Liaonings blieben seitdem unverĂ€ndert.
Administrativ ist Liaoning auf Bezirksebene in zwei provinzunmittelbare StĂ€dte und 12 bezirksfreie StĂ€dte gegliedert. Auf Kreisebene gab es 100 Verwaltungseinheiten: 59 Stadtbezirke, 16 kreisfreie StĂ€dte, 17 Kreise und 8 autonome Kreise, und auf Gemeindeebene 1355 Verwaltungseinheiten: 514 StraĂenviertel, 640 GroĂgemeinden, 147 Gemeinden und 54 NationalitĂ€tengemeinden (Stand 2020).
Die zehn gröĂten StĂ€dte der Provinz mit Einwohnerzahlen der eigentlichen stĂ€dtischen Siedlung auf dem Stand der VolkszĂ€hlung 2020 sind die folgenden:
Bei der VolkszÀhlung 2020 bestand die Bevölkerung zu 84,92 % (36.169.617 Personen) aus Han-Chinesen. 15,08 % (6.421.790 Personen) gehörten ethnischen Minderheiten an. Im Vergleich zur VolkszÀhlung im Jahr 2010 verringerte sich die Han-Bevölkerung um 933.557 Personen und ihr Anteil stieg um 0,11 Prozentpunkte. Die Bevölkerung verschiedener ethnischer Minderheiten verringerte sich um 221.359 Personen und der Anteil verringerte sich um 0,11 Prozentpunkte.
2013 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 76,4 Jahren und damit ĂŒber dem chinesischen Durchschnitt. Laut dem Zensus von 2010 betrĂ€gt die FertilitĂ€tsrate in der Provinz nur 0,7 Kinder pro Frau und zĂ€hlt damit zu den niedrigsten in China und weltweit.
Liaoning ist eine traditionelle Schwerindustrieregion. Durch bedeutende Kohle- und Eisenerzvorkommen sind schon in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts groĂe Stahlwerke aufgebaut worden, in deren Umfeld sich spĂ€ter Metallverarbeitung, Maschinenbau, Schiffbau und Fahrzeugbau angesiedelt haben.
Zentren der chinesischen Steinkohleförderung und Stahlindustrie liegen im Nordosten der Provinzhauptstadt Shenyang bei der Stadt Fushun, im SĂŒdwesten mit der Stadt Anshan, und im Osten in Benxi. In Dalian befindet sich die gröĂte Schiffswerft Chinas. Die Automobilindustrie konzentriert sich auf Shenyang mit BMW Brilliance Automotive und Dandong mit dem Bushersteller Huanghai. Auch in der landwirtschaftlichen Produktion spielt Liaoning eine bedeutende Rolle.
Wichtigster Punkt fĂŒr den Tourismus ist Dalian. In und um die Stadt gibt es SandstrĂ€nde und einige Erholungsorte.
In der Provinz Liaoning befinden sich wichtige Fundorte von Fossilien, wie die Jiufotang-Formation, die Yixian-Formation und die Jiufotang-Formation. Bei den Fossilien handelt es sich um Vögel und andere gefiederte Theropoden, Flugsaurier (Pterosauriern), SĂ€ugetiere, Amphibien und wirbellose Tiere. Die Fundorte befinden sich z. B. in kleinen SteinbrĂŒchen oder Felsen, die von Ackerland umgeben sind. Besonders bekannt ist der Fund von Sinosauropteryx, einem kleinen, gefiederten Dinosaurier. Er zĂ€hlt zu den Coelurosaurieren, VorlĂ€ufer der Vögel. Andere Funde sind Caudipteryx und Protarchaeopteryx. Weitere berĂŒhmte Funde sind Microraptor und Yutyrannus. Der ebenfalls hier ausgegrabene Saurier Liaoningosaurus wurde nach diesem Ort benannt.
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