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Karte Karte: Region Elsass (ALT)

Lage Lage, Gebirge

Region Informationen Region: Elsass (ALT)

Informationen:


Das Elsass (in Ă€lterer Schreibweise auch Elsaß, elsĂ€ssisch ’s ElsĂ ss, ’s Elses, französisch Alsace [alˈzas]) ist eine EuropĂ€ische Gebietskörperschaft in der Region Grand Est im Osten Frankreichs. Es erstreckt sich ĂŒber den sĂŒdwestlichen Teil der Oberrheinischen Tiefebene und reicht im Nordwesten mit dem Krummen Elsass bis auf das lothringische Plateau. Im Norden und Osten grenzt das Elsass an Deutschland und im SĂŒden an die Schweiz. Hauptstadt der Gebietskörperschaft ist Straßburg.

Landschaftlich wird das Elsass meist als die Gegend zwischen Vogesen und Rhein beschrieben. Die politischen Grenzen, die das Elsass definieren, haben sich dagegen im Verlauf seiner Geschichte mehrfach geĂ€ndert. Historisch bedeutend sind hier vor allem das Herzogtum Elsass (7. und 8. Jahrhundert), die beiden Landgrafschaften des Elsass (12.–17. Jahrhundert) innerhalb des Heiligen Römischen Reiches und die erstmals französische Provinz Elsass (17.–18. Jahrhundert).

Die gegenwÀrtigen Grenzen des Elsass, das aus den 2021 weitgehend zusammengefassten Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin besteht, beruhen auf den Grenzziehungen der Französischen Revolutionszeit (Départementgrenzen, Krummes Elsass) und des Frankfurter Friedens 1871 (Belfort wird vom Elsass abgetrennt).

Seit dem 17. Jahrhundert wechselte das Elsass mehrmals seine politische Zugehörigkeit zwischen dem Heiligen Römischen Reich bzw. Deutschen Reich und Frankreich.

Zwischen 1973 und 2015 bildeten die beiden elsĂ€ssischen DĂ©partements zusammen eine eigene französische Verwaltungsregion Elsass (RĂ©gion Alsace). Mit 8280 kmÂČ war sie die flĂ€chenmĂ€ĂŸig kleinste Region auf dem französischen Festland und hatte 1.898.533 Einwohner (Stand 1. Januar 2018). Im Rahmen der Regionsfusionen wurde am 1. Januar 2016 die Region Grand Est (Großer Osten) mit der Hauptstadt Straßburg gegrĂŒndet. Diese umfasst das Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne. Als EuropĂ€ische Gebietskörperschaft wurden die beiden DĂ©partements des Elsass mit Jahresbeginn 2021 wieder als eine politische Einheit „EuropĂ€ische Gebietskörperschaft Elsass“ zusammengefasst.

Namen

Der Name Elsass bezeichnet eine bereits im FrĂŒhmittelalter bezeugte landschaftliche und politische EntitĂ€t. FrĂŒhe latinisierte ErwĂ€hnungen sind in pago alsacense (772) und in pago alisacense (774), rein deutsch erscheint der Name als elisazon erstmals in einer Urkunde von 877. Er leitet sich von frĂŒhalthochdeutsch ali-sāzzo „Bewohner des andern (zu ergĂ€nzen:) Rheinufers“ oder aber, elliptisch gekĂŒrzt, von frĂŒhalthochdeutsch ali-land-sāzzo „Bewohner im fremden Land“ ab und ist damit eine Zusammensetzung von althochdeutsch ali-, eli- „ander-, fremd“, allenfalls land „Land“ sowie sāzzo „Sitzender, Wohnender“. Unter den „Bewohnern des fremden Landes“ ist am ehesten an die frĂ€nkischen Neusiedler zu denken, die nach der Schlacht von ZĂŒlpich im Jahr 496 von der frĂ€nkischen Monarchie am linken Rheinufer zwischen Basel und der Pfalz angesiedelt wurden und dort auf Romanen und Alemannen trafen.

Aufgrund der wechselhaften Geschichte des Elsasses zwischen dem germanischen (deutschen) und romanischen (französischen) Kulturraum entstanden darauf basierende Bezeichnungen. Da das Elsass deutschsprachig war und es heute noch teilweise ist, steht bzw. stand im Elsass Welschi oder Walschi fĂŒr Innerfranzosen im Allgemeinen sowie fĂŒr die romanischen (lothringisch/französisch) Sprachenklaven auf der Ostseite der Vogesen (pays welche) im Besonderen und deren Sprache. Die ElsĂ€sser werden von den deutschsprachigen Nachbarregionen umgangssprachlich bis abwertend auch als Wackes bezeichnet, was in der elsĂ€ssischen Mundart zunĂ€chst Landfahrer bzw. Arbeitslose bedeutete und teilweise dem umgekehrt verwendeten Begriff Boche entspricht.

Geographie

Das Elsass grenzt an Deutschland (im Norden Rheinland-Pfalz, im Osten Baden-WĂŒrttemberg) und an die Schweiz (Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn und Jura). Im Westen grenzt das Elsass an Lothringen, im SĂŒden an die Region Bourgogne-Franche-ComtĂ©.

Das heutige Elsass hat eine Nord-SĂŒd-Ausdehnung von 190 Kilometern, wĂ€hrend die West-Ost-Ausdehnung nur 50 Kilometer betrĂ€gt. Im Osten wird das Elsass durch den Rhein begrenzt, im Westen auf weiten Strecken durch den Hauptkamm der Vogesen. Im Norden markieren Bienwald und PfĂ€lzerwald wichtige Grenzgegenden, im SĂŒden der Nordrand des Jura und im SĂŒdwesten, in der offenen Torlandschaft der Burgundischen Pforte, nĂ€hert sich die erst auf 1871 zurĂŒckgehende Grenze an die Wasserscheide zwischen Rhone und Rhein an.

Die geologische Geschichte erstreckt sich vom PrÀkambrium bis zum QuartÀr.

Im Elsass finden sich folgende naturrÀumliche Haupteinheiten:

  • Der ĂŒberwiegende Teil wird von der ElsĂ€ssischen Ebene (Plaine d’Alsace) eingenommen, die mit Breisgau und Ortenau auf der deutschen Seite, und das Petit und Grand Ried auf der elsĂ€ssischen Seite den sĂŒdlichen Teil des Oberrheingrabens bildet. Sie wird von der Ill durchflossen und ist vom Getreideanbau geprĂ€gt. Es gibt auch große Waldgebiete wie den Hagenauer Forst im Norden und den Harthwald im SĂŒden. Neben weiten Ebenen treten zudem wellige bis hĂŒgelige Gegenden auf (beispielsweise Kochersberg nordwestlich Straßburgs, westlicher Sundgau und östliche Burgundische Pforte, Gebiet zwischen Hagenauer Wald und Bienwald).
  • Im Westen wird das Landschaftsbild von den Vogesen dominiert, die von den breiten TĂ€lern der IllzuflĂŒsse durchzogen sind. Hier findet man Hochweiden (Hautes Chaumes), die sich mit WĂ€ldern abwechseln. Der Große Belchen (Grand Ballon) ist mit 1424 m der höchste Gipfel im Elsass und in den Vogesen. In Frankreich werden auch die Gebiete nördlich der Zaberner Senke zu den Vogesen gezĂ€hlt (Vosges du Nord), sie bilden aber eine naturrĂ€umliche Einheit mit dem PfĂ€lzerwald.
  • Zwischen Ebene und Vogesen vermittelt (analog zum westlichen Schwarzwaldrand) eine schmale Vorbergzone. Typisch fĂŒr dieses „Piemont der Vogesen“ ist der Weinanbau.
  • Ganz im SĂŒden hat das Elsass auch noch Anteil am Jura (Pfirter Jura).

Wappen

Blasonierung: In Rot ein weißer SchrĂ€grechtsbalken mit einem LilienmĂ€ander und drei goldenen Kronen beidseitig nach dem Balken gelegt.

Geschichte

Vor- und FrĂŒhgeschichte bis 58/52 v. Chr.

Die heutige Region Elsass wurde etwa vor mindestens 700.000 Jahren erstmals von Menschen, vor etwa 50.000 Jahren vom Homo sapiens besiedelt. Die neolithische Revolution hielt im 6. Jahrtausend v. Chr. Einzug. Erste Funde, die auf eine politische Oberschicht hindeuten, wurden auf etwa 2000 v. Chr. datiert. FĂŒr die etwa 550-jĂ€hrige keltische Zeit, die im Elsass von etwa 600 bis 58/52 v. Chr. dauerte, vermutet man das Vorherrschen kleiner Territorien.

Römische Zeit 58/52 v. Chr. bis 476 n. Chr.

Mit der Eroberung Galliens durch Caesar zwischen 58 und 52 v. Chr. kam auch das Elsass zum römischen Herrschaftsgebiet, bei dem es bis zum Ende des Weströmischen Reiches um die Mitte des 5. Jahrhunderts verblieb. In diesen etwa 500 Jahren war der Rhein anfangs und wieder seit dem 3. Jahrhundert römische Reichsgrenze. Es entwickelte sich eine gallorömische Bevölkerung, die seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. auch erste germanische Gruppen assimilierte, ebenso wie die seit etwa 350 dauerhaft siedelnden Alamannen. Letztere entwickelten nur im heutigen Sundgau eine Art vorstaatlicher (und vorfrÀnkischer) EigenstÀndigkeit.

Anfangs standen die eroberten Gebiete unter MilitĂ€rverwaltung. Im Jahre 89 oder 90 wurde die Provinz Germania superior (Obergermanien) gegrĂŒndet, zu der auch das heutige Elsass kam. Im Zuge der diokletianischen Reichsreform wurde das sĂŒdliche Elsass 297 der Provinz Maxima Sequanorum, das nördliche der Provinz Germania prima (Germania I) zugewiesen. Die dabei gezogene Provinzgrenze entspricht weitestgehend den spĂ€teren bzw. heutigen Grenzen zwischen Sundgau, Oberelsass und Haut-Rhin auf der einen und Nordgau, Unterelsass und Bas-Rhin auf der anderen Seite.

Interimszeit

Nach dem Abzug der römischen Truppen um 476 kam das Elsass vermutlich zusammen mit Alemannien unter ostgotisches Protektorat. Bereits etwa zwei Dekaden spÀter, um 496, wurden Elsass und Alemannien Teil des FrÀnkischen Reiches. Hierin zÀhlte das Elsass zum bis ins 7. Jahrhundert bestehenden Herzogtum Alemannien. Danach existierte bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts unter den Etichonen ein elsÀssisches Herzogtum.

FrĂ€nkisches Reich 511–925

In frĂ€nkischer Zeit, von etwa 500 an, erfolgte eine starke Zuwanderung germanischer Siedler, die die gallorömische Bevölkerung nach und nach ĂŒberwogen. Auf diese Zeit geht der Name „Elsass“ zurĂŒck, dazu oben NĂ€heres. Straßburg, seit 614 Bischofssitz, war neben Basel und Speyer die wichtigste Stadt der Region.

In der Folge der frĂ€nkischen Reichsteilungen wechselte das Elsass zwischen 842 und 925 viermal die ĂŒberregionale politische Zuordnung: 842 zum MittelfrĂ€nkischen Reich, 870 zum Ostfrankenreich, 913 zum Westfrankenreich und schließlich 925 wieder zum Ostfrankenreich. Aus diesem wurde langsam der Staatenbund des Heiligen Römischen Reiches, als dessen Teil die meisten der sich entwickelnden elsĂ€ssischen Regionen und Kleinstaaten bis ins 17. Jahrhundert angesehen wurden. Straßburg entwickelte sich zur zweitgrĂ¶ĂŸten Stadt im Ostfrankenreich (nach Köln).

Heiliges Römisches Reich 925–1648

Wieder beim Ostfrankenreich (925) spielte das Elsass anfangs eine politische Sonderrolle, bildete aber spĂ€testens 988 bis 1254 einen Teil des Herzogtums Schwaben. Zwischen dem Ende des 8. und der Mitte des 10. Jahrhunderts wurden als Verwaltungsbezirke die zwei Grafschaften Nordgau und Sundgau eingerichtet. Dabei wurden die bisher zum Elsass gehörenden Juragebiete (sĂŒdlich bis zur Aare) abgetrennt.

Vor allem durch das Ende der Staufer 1254 und die damit verbundene Quasi-Auflösung ihres Herzogtums Schwaben, aber auch aufgrund des langsamen allgemeinen Zerfalls der Zentralgewalt im Reich bildeten sich viele verschiedene politische Herrschaften heraus. Diese wurden schnell zu den eigentlichen TrĂ€gern der wichtigsten politischen Regierungsgewalten. Sie agierten unter dem Dach des Reiches, seit dem 17. Jahrhundert unter dem des Königreichs Frankreich, und waren in sehr unterschiedlichem Maße an das Reich bzw. an Frankreich gebunden. Regionale politische Institutionen waren die LandstĂ€nde und die Reichskreise, in der französischen Zeit Intendance, Gouverneur und Conseil souverain.

Zu den wichtigsten MĂ€chten des Elsass dieser Zeit kann man die FĂŒrstenhĂ€user Habsburg (nur bis 1648), Hanau-Lichtenberg, WĂŒrttemberg und Rappoltstein, die Stadt Straßburg und die StĂ€dte des ZehnstĂ€dtebunds, die weltlichen Herrschaften der BistĂŒmer Straßburg und Basel, das Kloster Murbach sowie die Besitzungen der UnterelsĂ€ssischen Ritterschaft rechnen. Die Reichsstadt MĂŒlhausen schloss sich 1515 als Zugewandter Ort der Ă€lteren Schweizer Eidgenossenschaft an und blieb damit eines der wenigen Gebilde ohne französische landesherrliche Rechte (bis 1798).

Französisches Königreich 1648–1789

Zwischen 1633 und 1681 ĂŒbernahm das Königreich Frankreich nach und nach, teils durch VertrĂ€ge (de jure), teils durch Annexion (de facto), in den meisten elsĂ€ssischen Regionen die Landesherrschaft, meist aber nicht die unterhalb der Ebene der Landesherrschaft liegenden Rechte. Habsburg hingegen trat im WestfĂ€lischen Frieden 1648 all seine elsĂ€ssischen Rechte und Besitzungen ab. Die Annexionen (zuletzt Straßburg 1681) fĂŒhrte Frankreich vor allem im Rahmen seiner sogenannten Reunionspolitik durch. Aufgrund der FriedensschlĂŒsse von Rijswijk 1697 und Rastatt 1714 ĂŒbernahm das Königreich Frankreich nun auch de jure die politische Gewalt in den annektierten Gebieten.

Die neu gewonnenen Gebiete zog Frankreich jedoch nicht zum eigenen Zollgebiet – die französische Zollgrenze verlief weiterhin ĂŒber die Vogesen. Viele Herrschaften standen nur unter französischer Oberhoheit, manche von ihnen konnten weiterhin mehr oder weniger autonom und selbstverwaltet agieren.

Die Verbindung von einheitlicher Oberherrschaft und dem Verbleib beim ĂŒberkommenen Zoll- und Wirtschaftsraum waren wichtige Faktoren der kulturellen und wirtschaftlichen BlĂŒtezeit, die das Elsass zwischen 1648 und 1789 erlebte. Das Französische verbreitete sich in Europa, und noch deutlich stĂ€rker im Elsass, als Verwaltungs-, Handels- und Diplomatensprache innerhalb der stĂ€dtischen und lĂ€ndlichen Eliten. Ansonsten blieben die alemannischen (und romanischen) Dialekte im Elsass und die deutsche Sprache erhalten; an der UniversitĂ€t Straßburg beispielsweise wurde nach wie vor auf Deutsch gelehrt.

Nach der Französischen Revolution 1789–1871

Zu Beginn der französischen Revolution wurden 1789 im Zuge der Vereinheitlichung und Zentralisierung Frankreichs die ĂŒberkommenen Rechte der elsĂ€ssischen Herrschaften aufgelöst und die beiden DĂ©partements Haut-Rhin und Bas-Rhin gegrĂŒndet. Seit dem Beitritt MĂŒlhausens zur französischen Republik 1798 war das gesamte heutige Elsass Teil Frankreichs. Der zweite Frieden von Paris 1815 legte die bis heute gĂŒltigen französischen Außengrenzen fest (Landau und weitere kleinere Gebiete im Nordelsass kamen zu Bayern).

Reichsland Elsaß-Lothringen 1871–1918

Als Folge des zwischen Frankreich und Preußen unter Beteiligung der sĂŒddeutschen Staaten gefĂŒhrten Krieges 1870–1871 wurden im Frankfurter Frieden von 1871 Teile Ostfrankreichs, der ĂŒberwiegende Teil der beiden elsĂ€ssischen DĂ©partements und ungefĂ€hr die NordhĂ€lfte des benachbarten Lothringen an das (1871 wĂ€hrend des Krieges gegrĂŒndete und von Preußen angefĂŒhrte) Deutsche Kaiserreich abgetreten. Die Grenzziehung erfolgte dabei nicht ausschließlich unter sprachlichen, sondern auch unter militĂ€rischen Aspekten. So wurde im Raum Schirmeck ein Gebiet mit einer französischsprachigen Bevölkerung östlich des Vogesenkamms in das Deutsche Reich einbezogen, ebenso ein breiter französischsprachiger Streifen entlang der neuen Grenze in Lothringen mit der Stadt Metz. Das französischsprachige Belfort mit Umgebung (heutiges Territoire de Belfort) blieb aufgrund von WĂŒnschen des preußischen MilitĂ€rs (kĂŒrzestmögliche Grenzlinie zwischen Vogesen und Jura) bei Frankreich. Innerhalb des bundesstaatlich organisierten Deutschen Reiches bildeten die abgetretenen Gebiete, die zum sogenannten „Reichsland Elsaß-Lothringen“ formiert wurden, zunĂ€chst kein den anderen Teilstaaten gleichrangiges Gebiet, sondern wurden von Behörden des Reichs und Preußens verwaltet. Erst 1911 wurde Elsass-Lothringen den ĂŒbrigen deutschen Bundesstaaten gleichgestellt.

Der Frankfurter Friede beinhaltete auch die sogenannte „Option“: Bis zum Oktober 1872 konnten die Einwohner des neuen Landes Elsass-Lothringen entscheiden, ob sie bleiben oder lieber StaatsbĂŒrger Frankreichs werden wollten, was bedeutete, Elsass-Lothringen verlassen zu mĂŒssen. FĂŒr etwa ein Zehntel der Bevölkerung Elsass-Lothringens, ungefĂ€hr 161.000 Menschen, wurden Optionen bei den Behörden abgegeben, etwa 50.000 BĂŒrger nahmen sie letztendlich wahr. Französischsprachige Gemeinden und Familien Elsass-Lothringens sahen sich Ă€hnlich wie die polnischsprachigen Regionen Preußens Germanisierungs- und Assimilationsversuchen ausgesetzt. Nur teilweise blieb dort das Französische Schul- und Amtssprache.

Frankreich Zwischenkriegszeit 1918–1940

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde im Versailler Vertrag festgelegt, dass das 1871 abgetretene Gebiet wieder Frankreich angegliedert wurde. Das Territoire de Belfort, das bis 1871 Teil des nun wiedererrichteten DĂ©partement Haut-Rhin gewesen war, wurde nicht wieder mit diesem vereinigt. Das politische Leben formierte sich weitgehend anhand der Muster aus der Vorkriegszeit. Neben nun zwei liberalen Parteien grĂŒndete sich die Elsaß-Lothringische Zentrumspartei neu als Union Populaire RĂ©publicaine (UPR).

Die französische Sprache wurde als verbindliche Amts- und Schulsprache eingefĂŒhrt. Die reichsdeutschen Beamten und nach 1871 Zugezogene und deren Nachfahren (insgesamt 300.000 Menschen) mussten das Elsass verlassen. Wer die deutsche „Option“ ausĂŒbte, wurde als preußischer StaatsbĂŒrger eingebĂŒrgert (eine einheitliche deutsche StaatsbĂŒrgerschaft gibt es erst seit 1934). Im Gegenzug kehrten viele Ă€ltere Menschen zurĂŒck, die 1871 nach Frankreich gezogen waren.

Von den 1.874.000 Einwohnern Elsass-Lothringens waren 1.634.000 als deutsche Muttersprachler registriert, wobei in „Deutsch-Lothringen“ der moselfrĂ€nkische und im Elsass der alemannische Dialekt vorherrschte. Die sich vor diesem Hintergrund entwickelnden Ideen und Bestrebungen nach einer regionalen Autonomie innerhalb Frankreichs hatten keinen Erfolg, und der 1918 gegrĂŒndete Elsass-Lothringische Nationalrat löste sich bald wieder auf. Auch das 1919 gebildete Generalkommissariat verlor schnell an Bedeutung. Nach 1924 entstand eine Autonomiebewegung, die zuerst konfessionelle, dann eher kulturelle (auch sprachliche) Autonomie einforderte und 1927 in der GrĂŒndung der Autonomistischen Landespartei mĂŒndete. Nach dem sogenannten „Komplott-Prozess“ von Colmar (die vier Verurteilten wurden nach zwei Monaten begnadigt) entstand das parteiĂŒbergreifende BĂŒndnis „Heimatrechtliche Volksfront“, deren Vertreter – insbesondere Charles Hueber – 1929 in Colmar und Straßburg zum BĂŒrgermeister gewĂ€hlt wurden. Aufgrund der Sympathien der Autonomistischen Landespartei fĂŒr die NSDAP zerbrach das BĂŒndnis 1933 durch den Austritt der UPR.

Reichsanschluss im Zweiten Weltkrieg 1940–1945

Mit dem Abschluss des Westfeldzugs 1940 besetzte zunĂ€chst die deutsche Wehrmacht das Elsass, unterstellte es einer reichsdeutschen „Zivilverwaltung“ und schloss es mit dem Gau Baden zum neuen Gau Baden-Elsass zusammen. Durch die Annexion (de facto) ĂŒbernahm der NS-Staat die Landesherrschaft; zur offiziellen Abtretung des Gebietes durch VertrĂ€ge (de jure) mit Frankreich kam es aufgrund des weiteren Kriegsgeschehens aber nicht mehr. Robert Wagner, der Gauleiter von Baden und Chef der Zivilverwaltung im Elsass, betrieb unabhĂ€ngig von der Muttersprache eine gewaltsame Germanisierungspolitik, bei der 45.000 Menschen aus dem Elsass verwiesen bzw. deportiert wurden. Von den etwa 130.000 zwischen 1942 und 1944 als Volksdeutsche in die Wehrmacht und die Waffen-SS rekrutierten ElsĂ€ssern und Lothringern (darunter auch viele Freiwillige) kamen etwa 42.500 ums Leben. Die meisten der im Elsass MalgrĂ©-nous (sinngemĂ€ĂŸ: gegen unseren Willen) genannten Soldaten waren an der Ostfront eingesetzt worden. Zuvor waren viele ElsĂ€sser von der französischen Armee rekrutiert worden, es gab jedoch auch elsĂ€ssische Freiwillige der Waffen-SS. Wenige ElsĂ€sser gehörten dem französischen Widerstand (RĂ©sistance) an. In einer Offensive ab November 1944 rĂŒckten die Alliierten unter Beteiligung der neuformierten französischen 1re ArmĂ©e in weite Teile des Elsass ein und eroberten es fĂŒr Frankreich zurĂŒck. Einige Teile des Nordelsass kamen erst im MĂ€rz 1945 durch die Operation Undertone unter französische Kontrolle.

Frankreich seit 1945

Nach Kriegsende ging die französische Verwaltung dazu ĂŒber, die Region Ă€hnlich wie schon in der Zwischenkriegszeit an die französische Sprache und Kultur zu assimilieren, Deutsch oder ElsĂ€ssisch zu sprechen war nun in der Öffentlichkeit verpönt und an Schulen bis in die 1970er Jahre nicht erlaubt.

1949 erhielt der neu gegrĂŒndete Europarat seinen Sitz in Straßburg; er begrĂŒndete die „europĂ€ische Tradition“ des Elsass. 1972 erhielt Frankreich als Gebietskörperschaften 21 Regionen (vgl. Regionen Frankreichs). Die beiden DĂ©partements am Rhein (Haut-Rhin und Bas-Rhin) bilden seitdem bis 2015 die „Region Elsass“ (RĂ©gion Alsace). Die Regionshauptstadt Straßburg wurde 1979 zum Tagungsort des europĂ€ischen Parlaments gewĂ€hlt, was das Elsass zusammen mit dem Benelux zu einer Kernregion der EuropĂ€ischen Union macht. ZunĂ€chst tagte das EuropĂ€ische Parlament im Sitzungssaal (hĂ©micycle) des Europarates; 1999 siedelte es in ein eigenes GebĂ€ude ĂŒber.

Die Proteste gegen die Atomkraftwerke in Wyhl und Fessenheim Ende der 1970er Jahre gelten als Geburtsstunde der deutschen wie der französischen Ökologiebewegung. In dieser Zeit entwickelte sich auch wieder eine Autonomiebewegung mit Forderung nach Erhalt der Zweisprachigkeit, die allerdings, da alles Deutsche lange Zeit durch die Erinnerung an den Nationalsozialismus belastet war, nur geringe Erfolge erzielen konnte.

In den 1980er Jahren stellte die deutsche Bundesregierung eine finanzielle EntschĂ€digung fĂŒr die wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs in die Wehrmacht eingezogenen ElsĂ€sser zur VerfĂŒgung, im Durchschnitt etwas mehr als 3.000 DM pro Berechtigtem.

Seit 1945 wurde die elsĂ€ssische Sprache und Kultur von amtlicher und politischer Seite marginalisiert, so dass ein großer Teil der Bevölkerung zu Französisch als Standardsprache ĂŒberging: Schon in der Zwischenkriegszeit war die stĂ€dtische Bourgeoisie französischsprachig, die Arbeiterschaft und die lĂ€ndliche Bevölkerung folgten spĂ€ter. Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft, VerstĂ€dterung und Einwanderungen aus anderen Teilen Frankreichs sowie Italien, Portugal, der TĂŒrkei und dem Maghreb verĂ€nderte sich außerdem die Zusammensetzung der Bevölkerung. WĂ€hrend noch 1946 91 % der Bevölkerung angaben, ElsĂ€ssisch zu sprechen, waren es 1997 noch 63 % und 2012 nur noch 43 %. Amts- und Schulsprache im Elsass ist heute ausschließlich Französisch. Kenntnisse der autochthonen alemannischen Dialekte (zusammengefasst im Begriff ElsĂ€ssisch) oder des Hochdeutschen sind daher stark rĂŒcklĂ€ufig und vorwiegend noch bei Ă€lteren Menschen zu finden. NĂ€heres siehe unter Kultur.

Enge wirtschaftliche Verflechtungen zu Nachbarregionen finden sich vor allem innerhalb der Regio Basiliensis sowie im Großraum Straßburg-Kehl, die Zahl der Grenzpendler und der grenzĂŒberschreitende Einkaufs- und Tagestourismus sind hier in den letzten Jahren stark angestiegen. Deshalb gibt es inzwischen an der gesamten Ostgrenze des Elsass zunehmende wirtschaftliche und verkehrsmĂ€ĂŸige Verflechtungen, die – im Rahmen der deutsch-französischen Beziehungen – seit den 1970er Jahren zur Intensivierung der grenzĂŒberschreitenden Zusammenarbeit an Oberrhein beigetragen haben.

Zum 1. Januar 2016 wurde die bisherige Region Elsass mit den Regionen Lothringen und Champagne-Ardenne zur Region Grand Est fusioniert, was zu Protesten unter der Bevölkerung fĂŒhrte. In Reaktion darauf beschloss die französische Nationalversammlung 2019 die Schaffung der CollectivitĂ© EuropĂ©enne, in der die beiden DĂ©partements des Elsass ab 2021 zusammengefasst werden (s. o.).

StÀdte

Die bevölkerungsreichsten StÀdte im Elsass sind:

Politik

Politische Gliederung (1972–2015)

Die Region Elsass wurde 1972 geschaffen und im Zuge einer Verwaltungsreform 2016 mit den Regionen Lorraine und Champagne-Ardenne fusioniert, was zu Protestkundgebungen mit fĂŒnfstelliger Teilnehmerzahl gefĂŒhrt hat. Die Region gliederte sich in zwei DĂ©partements:

Das Elsass hat eine hohe Zahl von Gemeinden, da es in Frankreich – anders als in Deutschland oder in der Schweiz – nie zu nennenswerten Gemeindefusionen kam. Viele Gemeinden haben sich lediglich zu einem Gemeindeverband zusammengeschlossen, an den sie aber nur einige Rechte delegiert haben. Je nach GrĂ¶ĂŸe und Status werden sie als MĂ©tropole, CommunautĂ© urbaine (CU), CommunautĂ© d'agglomĂ©ration (CA) oder CommunautĂ© de communes (CC) bezeichnet.

Die EuromĂ©tropole de Strasbourg wurde bereits 1966 als CommunautĂ© urbaine gegrĂŒndet und 2015 in die Rechtsform einer MĂ©tropole erhoben. Als Eurometropole hat sie auch grenzĂŒberschreitende Kontakte zu knĂŒpfen. Sie umfasst derzeit 33 Gemeinden mit etwa 505.916 Einwohnern.

Im Elsass gibt es zwei CommunautĂ©s d’agglomĂ©ration. Die Mulhouse Alsace AgglomĂ©ration umfasst 32 Gemeinden und 255.000 Bewohner, die Colmar AgglomĂ©ration 9 Gemeinden und 95.000 Bewohner.

Am 7. April 2013 fand ein Referendum ĂŒber die Schaffung einer elsĂ€ssischen Gebietskörperschaft durch Zusammenlegung der Conseil gĂ©nĂ©ral du Haut-Rhin und Bas Rhin sowie des Conseil rĂ©gional d’Alsace statt. Das Referendum wurde zwar von einer Mehrheit der Abstimmenden angenommen, jedoch war die Wahlbeteiligung zu gering, so dass es keine Rechtskraft erlangte.

→ Eine Auflistung und GegenĂŒberstellung französischer und standarddeutscher Versionen elsĂ€ssischer Ortsnamen findet sich in der Liste deutsch-französischer Ortsnamen im Elsass.

Regionalverwaltung

Regionalregierung und Spitze der Regionalverwaltung war bis 2015 der Conseil RĂ©gional d’Alsace, der Regionalrat. Sitz des Regionalrats war Straßburg. Eine Liste der PrĂ€sidenten des Regionalrates findet sich hier. Das Elsass ist traditionell bĂŒrgerlich-konservativ geprĂ€gt und neigt der politischen Rechten zu, zwischen 2010 und 2015 war es die einzige Region, die nicht von einer linken Regierung gefĂŒhrt wurde: Die Regierungspartei UMP und ihre VerbĂŒndeten stellten 28 Vertreter im Regionalrat, Sozialisten und GrĂŒne 14, der Front National, der hier lange Zeit eine seiner Hochburgen hatte (siehe unten), inzwischen aber hier nur noch durchschnittliche Wahlergebnisse erzielt, 4.

Partnerregionen

Der frĂŒhere Regionalrat schloss ein „Abkommen zur internationalen Zusammenarbeit“ (Accord de coopĂ©ration internationale) mit folgenden Regionen ab:

  • Gyeongsangbuk-do, SĂŒdkorea
  • Jiangsu, China
  • Niederschlesien, Polen
  • Oberösterreich, Österreich
  • Oblast Moskau, Russland
  • QuĂ©bec, Kanada
  • Planungsregion West, RumĂ€nien

Wirtschaft

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 28.470 Euro pro Einwohner stand das Elsass an zweiter Stelle der Regionen (in alter Form bis 2015) in Frankreich. Im Vergleich mit dem BIP der EU, ausgedrĂŒckt in Kaufkraftstandards, erreicht die Region einen Index von 107,2 (EU-25: 100) (2003).

Das Elsass ist eine Region, in der viele Wirtschaftszweige ansÀssig sind:

  • Weinanbau (vor allem in der Gegend zwischen Schlettstadt und Colmar an der ElsĂ€sser Weinstraße). Siehe hierzu den Artikel Elsass (Weinbaugebiet).
  • Hopfenanbau und Bierbrauerei; die HĂ€lfte der französischen Bierproduktion kommt aus dem Elsass, vor allem aus der Gegend von Straßburg wie Schiltigheim und Obernai. Kronenbourg wird seit 1664 in Straßburg gebraut, der Name des Biers leitet sich ab von der Kronenburg bei Marlenheim.
  • Forstwirtschaft
  • Automobilindustrie (MĂŒlhausen)
  • Chemieindustrie (Ottmarsheim), Erdölraffinerie (Reichstett)
  • Biotechnologie im grenzĂŒbergreifenden Netzwerk Biovalley, dem in Europa fĂŒhrenden Zentrum dieser Art
  • Tourismus
  • sowie weitere Industrie- und Dienstleistungsbereiche.

Das Elsass ist wirtschaftlich stark international ausgerichtet: An etwa 35 % der Unternehmen im Elsass sind Firmen aus Deutschland, der Schweiz, den USA, Japan und Skandinavien beteiligt. Zahlreiche deutsche Unternehmen wie Adidas, Schaeffler, Merck oder Liebherr unterhalten Niederlassungen oder Produktionsstandorte im Elsass.

Im Jahr 2002 kamen rund 38,5 % der elsĂ€ssischen Importe aus Deutschland. WĂ€hrend das Elsass in den 1990er Jahren eine niedrige Arbeitslosigkeit vorweisen konnte, Ă€nderte sich dies durch seit 2002 und noch einmal verstĂ€rkt durch die Wirtschaftskrise seit 2008. Im 4. Quartal 2019 lag die Arbeitslosenquote im Bas-Rhin bei 6,8 und im Haut-Rhin bei 7,8 % (nationaler Durchschnitt: 8,1 %). Verursacht wurde dies vor allem durch die wirtschaftlichen Probleme der Industriebetriebe, die etwa ein Viertel der ElsĂ€sser beschĂ€ftigen. Die elsĂ€ssische Wirtschaft versucht sich daher umzuorientieren und neue Arbeitsfelder auf dem Dienstleistungssektor und in der Forschung zu erschließen.

Im Bergbau, der ein Jahrhundert lang rund 560 Millionen Tonnen Kalisalz gefördert hat, arbeiteten noch im Jahr 1950 etwa 13.000 BeschÀftigte im Kalirevier. Heute ist der Bergbau nur noch Thema eines Museums bei Wittelsheim.

Das Elsass ist eines der grĂ¶ĂŸten europĂ€ischen Anbaugebiete fĂŒr Weißkohl, der zu Sauerkraut weiterverarbeitet wird.

Seit dem Mittelalter spielte auch der Flachsanbau und die Leinenweberei insbesondere in der Gegend um Colmar eine große Rolle. Ein typisch elsĂ€ssisches Leinengewebe ist der karierte Kelsch.

Verkehr

Straßennetz

Die wichtigste Straßenverbindung im Elsass ist die mautfreie Autobahn A 35, sie ist die Nord-SĂŒd-Verbindung von Lauterbourg bis St. Louis bei Basel. SĂŒdlich von Straßburg verlĂ€uft die A 35 auf einer kurzen Strecke als Nationalstraße, wobei geplant ist, diese LĂŒcke zu schließen.

Die vielbefahrene A 4 fĂŒhrt von Straßburg nach Saverne und weiter bis Paris. Sie ist ab der Mautstelle bei Hochfelden (20 km nordwestlich von Straßburg) mautpflichtig. Die A 36 fĂŒhrt von der deutschen A 5 vom Autobahndreieck Neuenburg aus nach Westen in Richtung Paris/Lyon und wird ab der Mautstelle bei Burnhaupt-le-Haut mautpflichtig.

In den 1970er und 1980er Jahren wurden die Autobahnen in Transitstrecken und in Ausfallstraßen fĂŒr die großen Ballungsgebiete umgewandelt. Seitdem fließt der Durchgangsverkehr auf zwei bis drei Fahrspuren in 1 km Entfernung um Straßburg und in 1,5 km Entfernung um MĂŒlhausen herum. Die hohe Verkehrsdichte verursacht starke Umweltbelastungen, das gilt vor allem auf der A 35 bei Straßburg mit 170.000 Fahrzeugen pro Tag (Stand: 2002). Auch der starke Stadtverkehr auf der A 36 bei MĂŒlhausen hat regelmĂ€ĂŸig Verkehrsbehinderungen zur Folge. Dies konnte nur vorĂŒbergehend durch den Ausbau auf drei Fahrspuren pro Richtung vermindert werden.

Um den Nord-SĂŒd-Durchgangsverkehr aufzunehmen und Straßburg zu entlasten, plant man eine neue Autobahntrasse westlich der Stadt. Diese Trasse soll das Autobahndreieck bei HƓrdt im Norden mit Innenheim im SĂŒden verbinden. Die Eröffnung war auf Ende 2011 angesetzt. Man erwartet dann ein Verkehrsaufkommen von 41.000 Fahrzeugen pro Tag. Der Nutzen ist jedoch umstritten, nach einigen SchĂ€tzungen wird die neue Trasse nur 10 % des Verkehrsaufkommens der A 35 bei Straßburg aufnehmen.

Hinzu kommt wegen der EinfĂŒhrung der LKW-Maut in Deutschland 2005 eine erhebliche Zunahme des zuvor ĂŒber die deutsche A 5 gefahrenen Lastverkehrs auf die parallel verlaufende und mautfreie elsĂ€ssische Autobahn. Daher forderte Anfang 2005 Adrien Zeller, der damalige PrĂ€sident der RĂ©gion Alsace, die Ausweitung des deutschen Mautsystems Toll Collect auf die elsĂ€ssische Strecke.

Schienennetz

Im Elsass besteht ein Schienennetz, das sowohl an den Hochgeschwindigkeits- wie den Regionalverkehr angeschlossen ist. Straßenbahnen (Trams) finden sich in Straßburg (Straßenbahn Straßburg) und MĂŒlhausen (Straßenbahn MĂŒlhausen).

Im Elsass (und im lothringischen DĂ©partement Moselle) benutzen die ZĂŒge bei zweigleisigen Verbindungen entgegen der sonst in Frankreich gĂŒltigen Regel das rechte Gleis.

Der Vogesentunnel von Sainte-Marie-aux-Mines (Markirch) nach Saint-DiĂ© war bis 1973 ein Eisenbahntunnel. Seit 1976 ist er als Mautstrecke dem Straßenverkehr vorbehalten. Das Bauwerk war von 2004 bis 2008 zur Erweiterung der Sicherheitsvorrichtungen gesperrt und wurde am 1. Oktober 2008 wiedereröffnet.

Das Schienennetz befindet sich nach wie vor im Ausbau:

  • LGV Est europĂ©enne von Paris nach Straßburg und weiter ĂŒber die Europabahn nach Stuttgart bzw. MĂŒnchen, sowie mit Abzweig ĂŒber SaarbrĂŒcken nach Frankfurt
  • LGV Rhin-RhĂŽne von Dijon nach Bahnhof MĂŒlhausen und weiter in Richtung Basel und nach Freiburg

Wasserstraßen

In den elsĂ€ssischen HĂ€fen werden ĂŒber 15 Millionen Tonnen GĂŒter umgeschlagen. Drei Viertel davon entfallen auf Straßburg, das den zweitgrĂ¶ĂŸten Binnenhafen Frankreichs hat. Die Erweiterung des Rhein-RhĂŽne-Kanals, der die Rhone und damit das Mittelmeer mit dem mitteleuropĂ€ischen Flussnetz (Rhein) und damit der Nordsee und der Ostsee verbindet, wurde 1998 wegen der Kosten und der Zerstörung der Landschaft, vor allem im Tal des Doubs, eingestellt. Der Canal de la Bruche wurde bis 1939 genutzt.

Flugverkehr

Es gibt im Elsass zwei internationale FlughÀfen:

  • den Flughafen Straßburg (AĂ©roport International Strasbourg) bei Entzheim sĂŒdwestlich von Straßburg
  • den binationalen Flughafen Basel-MĂŒlhausen (EuroAirport Basel Mulhouse Freiburg) in Saint-Louis zwischen MĂŒlhausen und Basel

Beide FlughÀfen hatten 2011 zusammen ein Aufkommen von 6.090.979 Passagieren.

Radwege

Das Elsass besitzt ĂŒber 2000 Kilometer asphaltierte Radwege.

Drei EuroVelo-Routen fĂŒhren durch das Elsass:

  • die EV5: Via Francigena von London nach Rom/Brindisi ĂŒber den Saarkanal und den Rhein-Marne-Kanal
  • die EV6: vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer – von Nantes nach Budapest ĂŒber den Rhein-RhĂŽne-Kanal
  • die EV15: VĂ©loroute Rhin/Rheinradweg von Andermatt (Schweiz) nach Rotterdam

Kleinere Verbindungen verlinken das Elsass mit den benachbarten Pfalz und Baden, darunter:

  • der Pamina-Radweg Lautertal (ItinĂ©raire cyclable de la Lauter) von Lauterbourg nach Dahn ĂŒber Wissembourg
  • Baden-Baden – Haguenau
  • Offenburg (Badische Weinstraße) – Molsheim (ElsĂ€ssische Weinstraße) – ItinĂ©raire cyclable europĂ©en (EuropĂ€ischer Radwanderweg) via Kehl – Straßburg
  • Elzach im Schwarzwald – VillĂ© in den Vogesen ĂŒber den Kaiserstuhl

Alle Treidelwege der elsÀssischen KanÀle (Saarkanal, Rhein-Marne-Kanal, Breuschkanal, Rhein-RhÎne-Kanal) sind asphaltiert. Viele stillgelegte Bahntrassen sind als Radwege nutzbar, so zum Beispiel:

  • Woerth–Lembach (ehemalige Bahn der Maginot-Linie)
  • Surbourg–Betschdorf und Hatten (Bas-Rhin)–Niederroedern
  • 2,5 km westlich von Obermodern bis vor Bouxwiller und nach Bouxwiller ĂŒber Neuwiller-lĂšs-Saverne bis vor Dossenheim-sur-Zinsel
  • Odratzheim–Westhoffen (ehemalige Straßenbahntrasse von Straßburg nach Westhoffen)
  • Romanswiller–Wasselonne–Marlenheim
  • Marlenheim–Molsheim an der ElsĂ€ssischen Weinstraße.

Kultur

Sprachen und Dialekte

→ Siehe auch: Sprachen und Dialekte im Elsass, ElsĂ€ssisch, Grenzorte des alemannischen Dialektraums, Romanische Dialekte im Elsass, Welche

Seit dem FrĂŒhmittelalter sind im Elsass germanische Mundarten beheimatet. Sie werden heute unter dem Begriff „ElsĂ€ssisch“ (seltener auch „ElsĂ€sserdeutsch“) zusammengefasst. Unter diesen herrschen alemannische Dialekte vor, ĂŒberwiegend Oberrheinalemannisch, ganz im SĂŒden auch Hochalemannisch. SĂŒdfrĂ€nkische Dialekte werden ganz im Norden um Wissembourg und Lauterbourg und RheinfrĂ€nkisch im nordwestlichen Zipfel des Krummen Elsass um Sarre-Union gesprochen. Die Anwendung einer deutschen Standardsprache hing von politischen Gegebenheiten ab.

Im FrĂŒhmittelalter wurde jedoch nicht das ganze heutige Elsass sprachlich germanisiert: Romanische Dialekte (Patois) bzw. die französische Sprache sind daher bereits traditionell in manchen Gebieten der Vogesen (oberes Breuschtal, Teile des Weilertals, um Sainte-Marie-aux-Mines und um Lapoutroie) und im westlichen Sundgau (um Montreux) verankert (siehe Romanische Dialekte im Elsass und Grenzorte des alemannischen Dialektraums). Auch das heutige Territoire de Belfort, das bis 1648 bzw. 1789 Teil des habsburgischen bzw. königlich-französischen Sundgau war und erst 1871 vom DĂ©partement Haut-Rhin abgetrennt wurde, ist traditionell romanisch- bzw. französischsprachig.

Das Französische gewann vor allem zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert sukzessive an Gewicht. Das hing vor allem mit der politischen Geschichte, insbesondere den Folgen des 30-jĂ€hrigen Krieges zusammen, aber auch partiell mit dem Ansehen, das das Französische vor allem in der FrĂŒhen Neuzeit europaweit in Adel und gehobenem BĂŒrgertum genoss.

Nach der Eroberung durch französische Truppen 1639–1681 kam das Französische beispielsweise mit den königlichen Verwaltungsbeamten sowie Einwanderern und HĂ€ndlern aus Zentralfrankreich ins Elsass. Die ĂŒberwiegenden Bevölkerungskreise verwendeten jedoch weiterhin Deutsch bzw. ihren jeweiligen germanischen oder romanischen Dialekt.

Das Französische verbreitete sich in Europa und noch stĂ€rker im Elsass als Verwaltungs-, Handels- und Diplomatensprache innerhalb der stĂ€dtischen und lĂ€ndlichen Eliten. Ansonsten blieben die germanischen (und romanischen) elsĂ€ssischen Dialekte und die deutsche Sprache erhalten; an der UniversitĂ€t Straßburg beispielsweise wurde nach wie vor auf Deutsch gelehrt.

Nach der Französischen Revolution Ă€nderte sich die Sprachpolitik des französischen Staates, der nun fĂŒr Frankreich sprachliche Einheit propagierte. DarĂŒber hinaus fand Französisch vor allem in diejenigen Bevölkerungskreise Eingang, die mit den Ideen der Revolution sympathisierten. Deutsch bzw. die deutschen Dialekte waren nun Teil einer Entwicklung zu partieller Zweisprachigkeit. In den Gegenden des Patois setzte sich aufgrund des Schulunterrichts das Französische durch. Wie in anderen nicht französischsprachigen Regionen Frankreichs oder anderen Minderheitenregionen anderer europĂ€ischer Staaten wurde die Minderheitensprache vor allem in den Schulen zunehmend durch die Sprache der Mehrheit ergĂ€nzt oder von ihr verdrĂ€ngt.

WĂ€hrend der Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiserreich (Reichsland Elsaß-Lothringen, 1871–1918) wurde die „Sprachenfrage“ in einem Gesetz vom MĂ€rz 1872 zunĂ€chst so geregelt, dass als Amtssprache grundsĂ€tzlich Deutsch bestimmt wurde. In den Landesteilen mit ĂŒberwiegend französischsprachiger Bevölkerung sollte den öffentlichen Bekanntmachungen und Erlassen jedoch eine französische Übersetzung beigefĂŒgt werden. In einem weiteren Gesetz von 1873 wurde fĂŒr diejenigen Verwaltungseinheiten, in denen Französisch ganz oder teilweise vorherrschte, der Gebrauch des Französischen als GeschĂ€ftssprache zugelassen. In einem Gesetz ĂŒber das Unterrichtswesen von 1873 wurde geregelt, dass in den deutschsprachigen Gebieten Deutsch ausschließliche Schulsprache war, wĂ€hrend in den französischsprachigen Gebieten der Unterricht ausschließlich auf Französisch gehalten werden sollte. Französischsprachige Gemeinden und Familien Elsass-Lothringens sahen sich Ă€hnlich wie die polnischsprachigen Regionen Preußens insgesamt jedoch Germanisierungs- und Assimilationsversuchen ausgesetzt. Nur teilweise blieb dort das Französische Schul- und Amtssprache.

Die französische Sprachpolitik zwischen 1918 und 1940 war streng gegen die deutsche Sprache bzw. den elsĂ€ssischen Dialekt ausgerichtet. Die französische Sprache wurde als verbindliche Amts- und Schulsprache eingefĂŒhrt. In Schule und Verwaltung wurde ausschließlich Französisch zugelassen. Seit den Wahlen vom November 1919 und bis Anfang 2008 war es jedoch den Kandidaten aus den drei DĂ©partements Haut-Rhin, Bas-Rhin und Moselle gestattet, Wahlkampfschriften in beiden Sprachen, Französisch und Deutsch, zu verbreiten.

WĂ€hrend der Besetzung durch den NS-Staat zwischen 1940 und 1944 erlebte das Elsass erneut eine Steigerung an restriktiver Sprachpolitik. Diese war rĂŒcksichtslos an die NS-Ideologie angepasst. Die Umwandlung von französischen Vornamen in deutsche gehört sicherlich zu den harmloseren, aber typischen Beispielen. Die Politik der NSDAP und der von ihr beherrschten Zivilverwaltung (UnterdrĂŒckung der Bevölkerung, Germanisierungspolitik, groteske antifranzösische Kulturpolitik, Einzug in die Wehrmacht u. a.) förderte nachhaltig die Abwendung des Elsass von Deutschland.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Französisch zur Verkehrs-, Amts- und Schulsprache. Kenntnisse bzw. vor allem aktiver Gebrauch der autochthonen alemannischen, sĂŒd- oder rheinfrĂ€nkischen Dialekte (zusammengefasst im Begriff ElsĂ€ssisch) oder des Standarddeutschen sind daher stark rĂŒcklĂ€ufig und zunehmend auf die Ă€ltere Generation beschrĂ€nkt.

Die französische Sprachpolitik der Vorkriegszeit setzte sich im Prinzip fort, verstĂ€rkt infolge die Erfahrung der Besetzung Frankreichs und des nationalsozialistischen Terrors, die dazu fĂŒhrte, dass alles Deutsche misstrauisch bis ablehnend betrachtet wurde. Die Ă€lteren Generationen kommunizierten weiterhin in elsĂ€ssischen Dialekten, wĂ€hrend die Transmission, die Weitergabe an die Folgegenerationen, mehr und mehr nachließ – vor allem in der Sorge, dass die Kinder „gutes Französisch“ lernen mussten. WĂ€hrend das ElsĂ€ssische in den ersten Nachkriegsjahrzehnten seine Position als Sprache der Bevölkerungsmehrheit behielt, begann ab den 1970er-Jahren ein starker RĂŒckgang der Transmission des ElsĂ€ssischen. Die jĂŒngeren Generationen, insbesondere in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten, benutzen entsprechend ihrer Schulbildung mehr und mehr die französische Sprache. In den Schulen wird Deutsch ĂŒberwiegend als Fremdsprache unterrichtet. Erst in den 1990er-Jahren wurden erstmals Maßnahmen getroffen, um den RĂŒckgang sowohl des Dialekts als auch des Hochdeutschen zu stoppen. 1991 wurden die ersten zweisprachigen Schulen mit sowohl deutscher als auch französischer Unterrichtssprache gegrĂŒndet. Seitdem steigt kontinuierlich die Anzahl der SchĂŒler, die bilinguale Schulen bzw. KindergĂ€rten besuchen. Im September 2003 wurden bilinguale Schulen im Elsass von 13.000 SchĂŒlern besucht. 2009 boten 17,1 % der Vor- und Grundschulen sowie 28,2 % der Sekundarschulen bilingualen Unterricht an.

WĂ€hrend es im statistisch stark erforschten Frankreich keine offiziellen Erhebungen ĂŒber „Privates“ wie z. B. die Muttersprache, gibt, zeigen Umfragen, dass sich selbst im dritten Jahrtausend noch mehr als die HĂ€lfte der Bevölkerung selbst FĂ€higkeiten im regionalen Dialekt zuschreibt. Wie das in Straßburg ansĂ€ssige Office pour la Langue et Culture d’Alsace (OLCA, „Amt fĂŒr Sprache und Kultur im Elsass“) angibt, bezeichneten sich 2013 noch 43 % (2001: 61 %, 1997: 63 %) der Befragten einer Studie als „dialektsprachig“ (dialectophone) – das entsprĂ€che etwa 800.000 Einwohnern. Am stĂ€rksten finden sich diese ElsĂ€ssischsprecher im lĂ€ndlichen Raum, in Dörfern, in geringerem Umfang aber auch in den StĂ€dten. Neben diesen 43 % ElsĂ€ssischsprechern gaben 33 % an, wenig zu sprechen, und 25 % gaben an, ĂŒber keine ElsĂ€ssisch-Kenntnisse zu verfĂŒgen. Selbst unter den 18- bis 29-JĂ€hrigen fanden sich 1997 noch 38 % ElsĂ€ssischsprecher, 2012 waren es nur noch 12 %.

Unter dem Motto E Friehjohr fer unseri Sproch („Ein FrĂŒhjahr fĂŒr unsere Sprache“) finden sich seit 2001 Theater- und Musikgruppen, Mundartdichter, Heimatvereine und Sprachpfleger zusammen, um Werbung fĂŒr den Erhalt des ElsĂ€ssischen zu machen. Zudem subventioniert der Regionalrat elsĂ€ssische Sprachkurse. France 3 Alsace sendet von Montag bis Freitag die Nachrichtensendung „Rund Um“, in der ausschließlich ElsĂ€ssisch gesprochen wird. Eine Gefahr besteht in der Folklorisierung der Dialekte, eine Tendenz, die aber auch in deutschsprachigen LĂ€ndern beobachtet werden kann. Das Verschwinden des Deutschen bzw. der elsĂ€ssischen Dialekte ist Thema mancher bekannter Schriftsteller geworden (RenĂ© Schickele, AndrĂ© Weckmann, Hans Arp u. a.).

In der politischen Debatte um den Erhalt des Deutschen ist eine eindeutige PrĂ€ferenz zugunsten der Dialekte und zu Ungunsten des Standarddeutschen gesetzt worden. Man orientiert sich also weniger an der Schweiz, wo Mundart und zugehörige Standardsprache nebeneinander existieren (Diglossie), sondern mehr an Sprachmodellen wie Luxemburg, wo der Dialekt gegenĂŒber der zugehörigen Standardsprache höher bewertet wird und sogar zur Schriftsprache ausgebaut wird. So hat man sich beispielsweise in Straßburg im Zusammenhang mit der Dokumentation von deutschen Straßennamen auf Straßenschildern nach langer Diskussion nicht fĂŒr Standarddeutsch, sondern fĂŒr die Straßburger Mundart entschieden. Das Problem bei der Höherbewertung der Dialekte gegenĂŒber der zugehörigen Standardsprache ist, dass auch im Elsass Mundarten regional und sozial starke Unterschiede aufweisen. Ein Überleben der Dialekte hĂ€ngt dann möglicherweise auch davon ab, inwiefern ein „StandardelsĂ€ssisch“ etabliert ist oder etabliert werden kann.

Die 1992 von der französischen Regierung unterzeichnete EuropÀische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen wurde bis heute (Stand: 2015) nicht vom französischen Parlament ratifiziert und besitzt daher weiterhin keine gesetzliche Geltung in Frankreich.

Deutsch wird im Elsass heute (Stand 2010) von 48,1 % der Kinder in der Vorschule und 91,1 % der Kinder in der Grundschule als Fremdsprache gelernt. In der Mittelstufe sind es noch 73,2 %, im Gymnasium (LycĂ©e) dann 15,4 %. Dies sind alles Werte weit ĂŒber dem französischen Durchschnitt. Auch werden ein Viertel aller AbiBac-AbschlĂŒsse in Frankreich im Elsass gemacht. Dennoch ist aus Sicht des Schulamts die Erfolgsbilanz durchwachsen. Zwar steigen 10 % der KindergartenschĂŒler in einen paritĂ€tischen Deutschunterricht ein, aber von den anfĂ€nglichen 19.000 SchĂŒlern sind im CollĂšge nur noch 3500 ĂŒbrig. Im Gymnasium sind es nur noch unter 1000 SchĂŒler. Zudem besteht ein Lehrermangel, den man durch Kooperationen mit deutschen Schulen bekĂ€mpfen will. Insgesamt ist eine Investition von einer Million Euro zur Förderung des deutschsprachigen Unterrichts vorgesehen. Zu den BemĂŒhungen gehört auch eine Werbekampagne fĂŒr die deutsche Sprache. Die Politik unterstĂŒtzt dies, da nur noch rund 1 % der ErstklĂ€ssler ElsĂ€ssisch beherrschten und sich die ElsĂ€sser seit 2005 auf 10.000 Stellen nicht mehr bewerben könnten, weil es an Sprachkenntnissen mangele.

Religionen

Das Elsass wurde im 5. Jahrhundert christianisiert und brachte im Mittelalter eine Reihe bedeutender Kirchen und Klöster hervor. In der Reformation spielte das Elsass durch Persönlichkeiten wie Martin Bucer eine große Rolle, und die Reichsstadt Straßburg wurde zu einem Zentrum der Reformation in SĂŒdwestdeutschland, jedoch blieb bis auf einige Territorien der grĂ¶ĂŸte Teil des Elsass katholisch. Auch andere StĂ€dte in Elsass wurden zum Hochburgen der Reformation vor 1530: Hagenau, MĂŒlhausen, und möglicherweise Wissembourg.

Die christlichen Konfessionen im Elsass haben sich bis heute ihre historisch bedingte Bindung an den Staat bewahrt. So bekommen die Gemeinden – anders als im ĂŒbrigen Frankreich, wo 1905 die Trennung von Staat und Kirche vollzogen wurde – immer noch aufgrund der napoleonischen sogenannten Organischen Artikel ZuschĂŒsse zu der Pfarrerbesoldung vom Staat als Staatsleistung. Die Protestantische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses von Elsass und Lothringen gehört mit der Reformierten Kirche von Elsass und Lothringen zu der eigenstĂ€ndigen Union Protestantischer Kirchen von Elsass und Lothringen. Der gleiche Status, der damit den Zustand des napoleonischen Konkordats von 1801 wiedergibt, gilt fĂŒr die ElsĂ€sser Gemeinden der Römisch-katholischen Kirche in Frankreich.

Insgesamt sind im Elsass etwa 70 % der Bevölkerung katholisch, 17 % protestantisch (die meisten davon Lutheraner, der Rest zumeist Reformierte), und 5 % gehören anderen Religionen an. Das ist der höchste Anteil an Protestanten in allen heutigen französischen Regionen. Bis zu ihrer VerdrĂ€ngung im DreißigjĂ€hrigen Krieg hatten die TĂ€ufer merkwĂŒrdige PrĂ€senz in Elsass. Historisch waren die jĂŒdischen Gemeinden stark vertreten, insbesondere im Vergleich zum inneren Frankreich. Dies hatte seinen Grund darin, dass die Juden schon im Mittelalter vollstĂ€ndig aus Frankreich vertrieben wurden, wĂ€hrend sie sich im Elsass, das damals zum Heiligen Römischen Reich gehörte und erst viel spĂ€ter zu Frankreich kam, behaupten konnten. In den Jahren 1940–44 wurden viele elsĂ€ssische Juden deportiert und ermordet, seit den 1960er Jahren siedelten sich vor allem in Straßburg viele sephardische Juden aus Nordafrika an, die die Gemeinden neu belebten. Organisatorisch sind die jĂŒdischen Gemeinden vertreten durch die Konsistorien fĂŒr den Hochrhein und den Niederrhein. Inzwischen sind auch Muslime hier stark vertreten, insbesondere durch Einwanderer aus der TĂŒrkei und dem Maghreb. Damit ist das Elsass der „religiöseste Teil Frankreichs“.

Essen und Trinken

Die ElsĂ€ssische KĂŒche ist fĂŒr einige kulinarische SpezialitĂ€ten bekannt. Zu diesen gehören:

  • Flammkuchen (tarte flambĂ©e) (elsĂ€ssisch: Flammekuech – „ue“ als ĂŒe oder ö gesprochen)
  • Gugelhupf (Hefe-Napfkuchen) (im Elsass: Kugelhopf; elsĂ€ssisch: Köjelhopf, französisch oft Kouglof)
  • Choucroute (Sauerkraut) (elsĂ€ssisch: SĂŒrkrĂŒt)
  • Baeckeoffe („BĂ€ckerofen“: Eintopf aus Fleisch, Kartoffeln und Lauch, das elsĂ€ssische Hauptgericht)
  • Schiffala (GerĂ€ucherte Schweineschulter, SchĂ€ufele)
  • Bredele („Brötlein“: ButterplĂ€tzchen mit Zimt und NĂŒssen)
  • Mignardises (sĂŒĂŸe Törtchen)
  • Friands (sĂŒĂŸe Teigpasteten)
  • Birewecke (FrĂŒchtebrot mit Birnen)
  • CrĂ©mant d’Alsace (elsĂ€ssischer Schaumwein)
  • Quetsch d'Alsace (Zwetschgenwasser), das auf Grund alter (elsĂ€ssisch/deutscher) Rechte in Hausbrennereien in zwei BrenndurchgĂ€ngen hergestellt wird mit Alkoholgehalten ĂŒber 50 % (man vergleiche den französischen Artikel)
  • Tarte aux pommes (ElsĂ€sser Apfelkuchen) (elsĂ€ssisch: Äpfelwaia)
  • Tarte aux quetsches (Zwetschgentorte) (elsĂ€ssisch: Zwatschgawaia)
  • Galettes de pommes de terre (kleine Kartoffelpfannkuchen) (elsĂ€ssisch: Grumbeerekiechle, wörtlich „GrundbirnenkĂŒchlein“. Auch in den pfĂ€lzischen Dialekten sagt man Grumbeere oder Grumbiere fĂŒr „Kartoffel“), entsprechend dem österreichischen Erdapfel und dem norddeutschen Erpel.
  • Tarte Ă  l'oignon (ElsĂ€sser Zwiebelkuchen) (elsĂ€ssisch: Zwiwwelkuech)
  • Coq au Riesling (Coq au Vin „Hahn in Wein“; unter Verwendung von ElsĂ€sser Riesling)
  • Foie gras (Pastete aus der Leber gestopfter GĂ€nse oder Enten)
  • Munster (MĂŒnsterkĂ€se; intensiv schmeckender, cremiger KĂ€se mit rötlicher Rinde) (elsĂ€ssisch: Minschterkas)

Sport

Fußball

Die Fußballer von Racing Straßburg spielten viele Jahre in der Ligue 1, der höchsten Spielklasse im französischen Fußball, und gehörten dort Ende der 1970er Jahre sogar zu den Spitzenmannschaften. 1979 wurde der Klub zum ersten und bisher einzigen Mal französischer Meister. Die meisten Vereine im Elsass haben, aufgrund dessen wechselhafter Geschichte, ihre Wurzeln in deutschen VorgĂ€ngerklubs. So zum Beispiel wurde Racing Straßburg 1906 als FC Neudorf gegrĂŒndet.

Zeitungen, Zeitschriften, Periodika

  • DerniĂšres Nouvelles d'Alsace (DNA), Online-Ausgabe der Tageszeitung (französisch)
    • DNA (deutsch)
    • DNA, Frankreich-Ausgabe (französisch)
    • DNA, internationale Ausgabe (französisch)

Bekannte ElsÀsser

Siehe auch

  • Liste bedeutender Kirchen im Elsass
  • BibliothĂšque Alsatique
  • Elsgau
  • Cette histoire qui a fait l’Alsace

Filmografie

  • Die ElsĂ€sser. Spielfilm, Frankreich, 1996, unter anderem mit Irina Wanka und Sebastian Koch
  • Bilderbuch Deutschland. Elsass – Die sĂŒdliche Weinstraße. Dokumentation, 2007, 45 Min., Buch und Regie: Willy Meyer, Produktion: SWR, Erstsendung: 17. Juni 2007, Inhaltsangabe (Memento vom 25. September 2009 im Internet Archive) der ARD
  • Bilderbuch Deutschland. Elsass – Die nördliche Weinstraße. Dokumentation, 2008, 45 Min., Buch und Regie: Willy Meyer, Produktion: SWR, Erstsendung: 9. MĂ€rz 2008, Inhaltsangabe (Memento vom 25. September 2009 im Internet Archive) der ARD
  • Die Linden von Lautenbach. TV-Spielfilm, Frankreich / BR Deutschland 1982, Regie Bernard Saint-Jacques, mit Mario Adorf. Nach dem Buch von Jean Egen.

Literatur

Moderne Monographien und Abhandlungen
  • Das Elsass. Ein literarischer Reisebegleiter. Insel, Frankfurt 2001, ISBN 3-458-34446-2.
  • Michael Erbe (Hrsg.): Das Elsass. Historische Landschaft im Wandel der Zeiten. Kohlhammer, Stuttgart 2002, ISBN 3-17-015771-X.
  • Gustav Faber: Elsass (= Artemis-Cicerone Kunst- und ReisefĂŒhrer). Artemis, MĂŒnchen/ZĂŒrich 1989, ISBN 3-7608-0802-6.
  • Christopher F. Fischer: Alsace to the Alsatians? Visions and Divisions of Alsatian Regionalism, 1870–1939. Oxford-New York: Berghahn 2010.
  • Robert Greib, FrĂ©dĂ©ric Hartweg, Jean-Michel Niedermeyer, François Schaffner: Sprache & Kultur im Elsass: Eine Geschichte. Salde-Verlag, Strasbourg 2016, ISBN 978-2-903850-40-1.
  • FrĂ©dĂ©ric Hartweg: Das Elsaß. Stein des Anstoßes und PrĂŒfstein der deutsch-französischen Beziehungen. In: Robert Picht u. a. (Hrsg.): Fremde Freunde. Deutsche und Franzosen vor dem 21. Jahrhundert. Piper, MĂŒnchen 2002, ISBN 3-492-03956-1, S. 62–68.
  • Marianne Mehling (Hrsg.): Knaurs KulturfĂŒhrer in Farbe Elsaß. Droemer Knaur, MĂŒnchen 1984.
  • Hermann Schreiber: Das Elsaß und seine Geschichte, eine Kulturlandschaft im Spannungsfeld zweier Völker. Katz, Gernsbach 1988, ISBN 3-925825-19-3; NA: Weltbild, Augsburg 1996.
  • Bernard Vogler: Kleine Geschichte des Elsass. DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen 2010, ISBN 3-7650-8515-4.
  • Rudolf Wackernagel: Geschichte des Elsasses, Frobenius, Basel 1919, OCLC 10841604.
  • Bernard Wittmann: Alsace, Une langue qu'on assassine, Livre noir du jacobinisme scolaire en Alsace.
  • Jean-Michel Niedermeyer: Die Orte einer Sprache. ElsĂ€ssische Sprache ab 1789 in Bilder und Karikaturen, SALDE-Verlag, 2020, ISBN 978-2-903850-62-3.
Ältere Darstellungen
  • Johannes Friese: Neue VaterlĂ€ndische Geschichte der Stadt Straßburg und des ehemaligen Elsaßes. Von den Ă€ltesten Zeiten bis auf das Jahr 1791. BĂ€nde 1–2, 2. Auflage, Straßburg 1792 (E-Kopie)
  • Adam Walther Strobel und Heinrich Engelhardt: VaterlĂ€ndische Geschichte des Elsasses von der frĂŒhesten Zeit bis zur Revolution 1789, fortgesetzt von der Revolution 1789 bis 1813.
    • Erster Theil. Zweite Ausgabe. Straßburg 1851 (E-Kopie).
    • Band 2, Straßburg 1842 (E-Kopie)
    • Band 3, Straßburg 1843 (E-Kopie), 2. Auflage, fortgesetzt von der Revolution von 1789 bis 1815, von L. Heinrich Engelhardt, Straßburg 1851 (E-Kopie)
    • Vierter Theil, Straßburg 1844 (E-Kopie).
    • FĂŒnfter Theil. Zweite Ausgabe. Straßburg 1851 (E-Kopie).
    • Sechster Theil. Zweite Ausgabe. Straßburg 1851 (E-Kopie).
  • Johann Friedrich Aufschlager: Das Elsass. Neue historisch-topographische Beschreibung der beiden Rhein-Departemente,
    • Band 1, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1825 (E-Kopie)
    • Band 2, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1825 (E-Kopie)
    • Band 3: Supplement, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1828 (E-Kopie)
  • Wilhelm Heinrich Riehl: ElsĂ€ssische Culturstudien. In: Historisches Taschenbuch. FĂŒnfte Folge, Erster Jahrgang, Brockhaus, Leipzig 1871,S. 1-64.
  • Die Geschichte des Elsaß. Ein Buch fĂŒr Schule und Haus. R. Schultz und Co. (Berger-Levrault's Nachf.), Straßburg 1879 (E-Kopie)
  • Statistisches BĂŒreau des Kaiserlichen Ministeriums fĂŒr Elsaß-Lothringen: Ortschafts-Verzeichniß von Elsaß-Lothringen. Aufgestellt auf Grund der Ergebnisse der VolkszĂ€hlung vom 1. Dezember 1880. C. F. Schmidts UniversitĂ€ts-Buchhandlung Friedrich Bull, Straßburg 1882 (E-Kopie).
  • Lexikoneintrag zu Elsaß-Lothringen, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 6, Leipzig/Wien 1906, 725–736 (E-Kopie)

Weblinks

  • Linkkatalog zum Thema Elsass bei curlie.org (ehemals DMOZ)
  • Literatur zum Elsass im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • alsace-culture.com: Regionale Kultur
  • badische-zeitung.de, 7. April 2018, Rolf MĂŒller: Erinnerungen an eine Zeit, als im Elsass nach Erdöl gebohrt wurde (-> MusĂ©e Français du PĂ©trole, musee-du-petrole.com)
  • france.fr: Elsass: im Herzen Europas
  • Visit Alsace, der offiziellen Tourismus-Website des Elsass
  • Christiane Kohser-Spohn, Herder-Institut (Marburg), 2003, herder-institut.de: Der Traum vom gemeinsamen Europa. Autonomiebewegungen und Regionalismus im Elsaß 1870–1970 (PDF, 4,3 MB). In: Philipp Ther & Holm Sundhaussen, Hrsg.:Regionale Bewegungen und Regionalismen in europĂ€ischen ZwischenrĂ€umen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, S. 89–112

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ISO 3166-2:
Bezeichnung der Region: Region

Fläche ca.: 8041.10 km²

Länge der Grenze ca.: km


Ausdehnung / Grenzen (dezimale Koordinaten nach WGS 84):
nördlichster Punkt:
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Frankreich - Region Elsass (ALT): Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
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