Länder/Staaten
> Asien
>
Indien
>
Region Meghalaya
Lage, Gebirge
Informationen Region: MeghalayaMeghalaya ist ein indischer Bundesstaat mit einer FlĂ€che von 22.429 kmÂČ und knapp 3 Millionen Einwohnern (VolkszĂ€hlung 2011). Die Hauptstadt Meghalayas ist Shillong (auf 1500 m Höhe, 143.000 Einwohner), die Hauptsprachen sind Khasi und Garo; neben diesen dient Englisch als weitere Amtssprache. Der Name âMeghalayaâ wurde neu gebildet aus Sanskrit und bedeutet âHeimstĂ€tte der Wolkenâ (in Hindi à€źà„à€à€Ÿà€Čà€Ż meghÄlaya).
FlĂ€chenmĂ€Ăig ist Meghalaya mit 22.429 kmÂČ etwas gröĂer als das deutsche Bundesland Hessen. Der Bundesstaat misst etwa 300 Kilometer in Ost-West-Richtung und ungefĂ€hr 100 Kilometer in Nord-SĂŒd-Richtung. Im Norden grenzt der Bundesstaat an den benachbarten Bundesstaat Assam mit den Distrikten Goalpara, Kamrup und Nowgong, und im Osten an die Distrikte Karbi Anglong und Dima Hasao (ehemals North Cachar Hills, ebenfalls Assam). Die sĂŒdliche und westliche Grenze fĂ€llt zusammen mit der Staatsgrenze Indiens zu Bangladesch. Meghalaya hat etwa 443 Kilometer gemeinsame Grenze mit Bangladesch.
Geographisch liegt Meghalaya zwischen dem 24° 58â und 26° 07â nördlichen Breitengrad und dem 89° 48â und 92° 51â östlichen LĂ€ngengrad. Topografisch besteht es ĂŒberwiegend aus Berg- und HĂŒgelland, in das Schluchten und kleine TĂ€ler eingeschnitten sind. Die Höhe ĂŒber dem Meeresspiegel variiert zwischen 150 Metern und 1950 Metern. Nach Norden und Nordwesten hin bildet das Flusstal des Brahmaputra die geographische Begrenzung, nach SĂŒden und teilweise SĂŒdwesten die Ebene des Surma (in Bangladesch) und nach Westen hin die zu Assam gehörende Region Cachar.
Der Pflanzenbewuchs Meghalayas besteht hauptsĂ€chlich aus MonsunwĂ€ldern, unterteilt in drei Klimazonen: In Höhen zwischen 30 und 300 Metern finden sich tropische Tiefland-RegenwĂ€lder und zwischen 300 und 1100 Metern subtropische FeuchtwĂ€lder, die sich bis in die gemĂ€Ăigte Höhenstufe zwischen 1100 und 1900 Metern erstrecken, mit stellenweisen NebelwĂ€ldern. BambuswĂ€lder bedecken 14 % der FlĂ€che Meghalayas; insgesamt sind 12 % aller bewaldeten FlĂ€chen in staatlichem Besitz und werden von Aufsehern betreut.
Meghalaya gehört zum asiatischen BiodiversitĂ€ts-Hotspot Indo-Myanmar (19). Die WWF-Ăkoregion Meghalaya Subtropical Forests (IM0126) umfasst die gesamte Erhebung mit ihren Bergen und dem Hochplateau und gilt als eine der artenreichsten von ganz Asien, mit auĂergewöhnlich vielen indigenen Pflanzen- und Tierarten. Von hier stammen hunderte Orchideen, viele ursprĂŒngliche Reis-, Bananen- und Zitrusarten, einige Magnolien (Michelia) sowie die einzige Kannenpflanze Indiens: Nepenthes khasiana. 850 Heilpflanzen sind fĂŒr Meghalaya gelistet, ĂŒber 370 medizinische Pflanzen werden regelmĂ€Ăig von drei Vierteln der Bevölkerung als Volksmedizin genutzt, meist wild gesammelt.
In Meghalaya leben 139 SĂ€ugetierarten, darunter der Asiatische Elefant, der Königstiger, der Nebelparder, die Gold- und die Bengalkatze und 7 Primaten wie der WeiĂbrauen-Gibbon (âkleiner Menschenaffeâ) und einige Makaken. 659 Vogel-, 107 Reptilien- und 152 Fischarten wurden festgestellt.
Der World Wide Fund For Nature (WWF) gibt an, dass bereits zwei Drittel der gesamten Ăkoregion entwaldet oder degradiert wurden und die 7 staatlich geschĂŒtzten Gebiete weniger als 1 % der Ăkoregion ausmachen. Zur Entwaldung tragen auĂerdem groĂrĂ€umiger Abbau von Kohle, Kalkstein und Uran und entsprechende Infrastrukturen bei. Das staatliche Wildlife Institute of India (wii) gibt 2017 an, dass insgesamt 6 % der StaatsflĂ€che Meghalayas als Protected Area verschiedener Art geschĂŒtzt werden. Die ĂŒber 100 heiligen WĂ€lder der Khasi leisten nur einen kleinen Beitrag zur dringend benötigten Aufforstung.
Das Klima Meghalayas ist gemĂ€Ăigt, variiert mit der Höhe ĂŒber dem Meeresspiegel und steht unter dem Einfluss des SĂŒdwest-Monsuns und nordöstlicher Winde im Winter. Die Khasi und Jaintia Hills weisen ein durchgĂ€ngig angenehm gemĂ€Ăigtes Klima auf. In den Ebenen der Garo Hills herrscht ein feucht-warmes Klima. Die vier Jahreszeiten sind FrĂŒhling (MĂ€rz/April), Sommer (Monsunzeit von Mai bis September), Herbst (Oktober/November) und Winter (Dezember bis Februar). Die Regenperiode der Monsunzeit beginnt ĂŒblicherweise in der dritten Maiwoche und sie dauert bis Ende September, manchmal auch bis Mitte Oktober. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt im Westen Meghalayas bei 2600 mm, im nördlichen Meghalaya zwischen 2500 und 3000 mm und im SĂŒdosten bei 4000 mm. Den gröĂten Niederschlag gibt es an den SĂŒdhĂ€ngen der Khasi Hills, die die regenreichsten Regionen der ganzen Welt ĂŒberhaupt darstellen. In Cherrapunji (Sohra), dem ânassesten Ort der Weltâ werden im Mittel 12.000 mm Jahresniederschlag registriert.
Nach der VolkszÀhlung 2011 hatte Meghalaya 2.966.889 Einwohner, 20 % lebten in StÀdten. Die Bevölkerungsdichte lag mit 132 Einwohnern pro Quadratkilometer deutlich unter dem indischen Durchschnitt (382 Einwohner je Quadratkilometer). Rund 86 % der Einwohner gehörte zu einem der 17 Scheduled Tribes (staatlich anerkannte Stammesvölker):
Die beiden Hauptsprachen Meghalayas sind Khasi und Garo, die Sprachen der beiden gleichnamigen HauptstÀmme. Khasi wird nach der VolkszÀhlung 2001 von 47,0 % der Bevölkerung gesprochen und gehört zum Zweig der Mon-Khmer-Sprachen der austroasiatischen Sprachfamilie. Garo gehört zu den tibetobirmanischen Sprachen und wird von 31,4 % der Einwohner des Bundesstaats gesprochen. Ebenfalls tibetobirmanisch sind die kleineren Stammessprachen Maram (1,5 %), Rabha (1,0 %) und Koch (0,9 %). Unter der nicht-indigenen Bevölkerung sind die indoarischen Sprachen Bengali (8,0 %), Nepali (2,3 %), Hindi (2,2 %), Marathi (1,7 %) und Asamiya (1,6 %) verbreitet. Als Amtssprachen dienen Khasi, Garo und Englisch.
Meghalaya ist einer von drei mehrheitlich christlichen Bundesstaaten Indiens, neben den auch in Nordostindien gelegenen Mizoram und Nagaland (im nahen Arunachal Pradesh bilden die Christen mit 30,3 % eine nur knappe Mehrheit). Durch die MissionstĂ€tigkeit vor allem von Baptisten ist ein groĂer Teil der Stammesbevölkerung zum Christentum ĂŒbergetreten (vergleiche Christliche Mission in Indien). Laut der VolkszĂ€hlung in Indien 2011 sind 75 % der Einwohner Meghalayas Christen, in der Minderheit sind Hindus (12 %) und Muslime (4 %). Unter âandere Religionen und Ăberzeugungenâ werden 9 % der Einwohner gelistet. Bei diesen handelt es sich in Meghalaya vor allem um animistische Glaubensformen der indigenen Bevölkerung, den Stammesreligionen Niam Khasi, Niamtre und Songsarek (bei den Garo). Meghalaya hat mit 9.089 Atheisten (0,3 % glauben nicht an Göttlichkeit) die zweitmeisten in Indien (33.304), hinter dem groĂen zentralindischen Maharashtra mit 9.650 Atheisten (siehe Atheismus in Indien und Meghalaya im indienweiten Vergleich).
Die folgende Liste zeigt die Anteile der ReligionsanhÀnger in Meghalaya, bei den Khasi, den Garo sowie in ganz Indien (Vergleich: weltweit):
Seitens der katholischen Kirche in Indien bestehen in Meghalaya das Erzbistum Shillong (Distrikte Ri-Bhoi und East Khasi Hills) sowie die BistĂŒmer Jowai (East und West Jaintia Hills), Nongstoin (South West und West Khasi Hills) und Tura (East, North, South, South West und West Garo Hills). In Shillong fĂŒhren die Salesianer seit 2001 das âDon Bosco-Zentrum fĂŒr indigene Kulturenâ (DBCIC: Don Bosco Centre for Indigenous Cultures) mit dem groĂen anthropologischen Don Bosco Museum. Das DBCIC umfasst Forschungen, Publikationen, Trainings- und Animationsprogramme in Bezug auf die Kulturen in Nordostindien und Umgebung.
Es gibt in Meghalaya etwa 350.000 Hindus (12 %), von den insgesamt 17 Stammesvölkern sind aber nur 3 hinduistisch: die Hajong, die Raba und die Koch, zusammen 100.000 Angehörige.
Die beiden groĂen indigenen Völker Meghalayas â die Khasi und die Garo â hatten im Jahr 2011 zusammen 2.232.801 Angehörige (75,3 % der Gesamtbevölkerung), auf sie geht die GrĂŒndung von Meghalaya als eigenem Staat zurĂŒck (im Jahr 1972). Beide Völker haben Abstammungsregeln, nach denen die Familienangehörigkeit nur von der Linie der Mutter hergeleitet wird (MatrilinearitĂ€t: MĂŒtterlinien). Beide Völker leben in GroĂfamilien, die ĂŒber gemeinsame Abstammungen zu groĂen Clans zusammengeschlossen sind (siehe die 3363 Clans der Khasi, bei den Garo gibt es 3 groĂe Clans). Kinder bekommen den Familiennamen ihrer Mutter und gehören zu ihrem Clan, wĂ€hrend die VĂ€ter ihre Familien- und Clan-Zugehörigkeit nicht an Kinder weitergeben können. Der Besitz von Land und Vermögen liegt in den HĂ€nden der Frauen, die ihn fĂŒr die gesamte Familie verwalten und ihn (vorwiegend) an ihre Töchter vererben. Bei den Khasi erbt bevorzugt die jĂŒngste Tochter den Familienbesitz und damit die Leitung und die Verantwortung fĂŒr die Familiengruppe (Ultimogenitur: Nachfolge der Letztgeborenen, siehe Khasi-Schaubild), bei den Garo erbt bevorzugt die Ă€lteste Tochter (Primogenitur). Einer Erbtochter steht immer ihr (Ă€lterer) Bruder zur Seite sowie ihr mutterseitiger Onkel, er wirkt bei offiziellen AnlĂ€ssen als Familienvorstand. In Medienberichten wird Meghalaya verallgemeinernd als âLand der Frauenâ bezeichnet, aber in den Dorfgemeinschaften und den autonomen DistriktrĂ€ten ĂŒbernehmen traditionell die MĂ€nner die Aufgabe der Ratsherren und des exekutiven Vorstehers; jeder Clan hat neben der Clanmutter einen HĂ€uptling als AnfĂŒhrer.
WĂ€hrend Garo-Ehepaare oft einen eigenen, neuen Wohnsitz grĂŒnden (NeolokalitĂ€t), ziehen bei den meisten Khasi-UnterstĂ€mmen die EhemĂ€nner zur Ehefrau und ihrer Mutter (MatrilokalitĂ€t: ehelicher Wohnsitz bei der Mutter). Eine Khasi-Frau hat mit ihrem mutterseitigen Onkel einen sozialen Vater an ihrer Seite (Avunkulat des Mutterbruders; vergleiche auch Oheim), und ihr eigener Bruder wird der soziale Vater ihrer Kinder sein.
Die Khasi und die Garo sind die einzigen matrilinearen Völker in Nordindien, es gibt in SĂŒdindien zwei kleine Ethnien (Nayar und Lakshadweep) und weltweit etwa 160 mit MĂŒtterlinien, darunter die sĂŒdchinesischen Mosuo, die Minangkabau auf Sumatra und viele Indianer-StĂ€mme in Amerika.
Meghalaya ist weltweit der einzige (Bundes-)Staat mit einer offiziell matrilinearen Gesellschaft (MĂŒtterlinien); sowohl die Regierung Meghalayas als auch die indische Unionsregierung betonen diese matrilineal society, deren mutterseitige Abstammungsregel und Familienzugehörigkeit in der Verfassung verankert ist.
In Bezug auf die Geschlechterverteilung lag Meghalaya bei der VolkszĂ€hlung in Indien 2011 mit 989 weiblichen zu 1000 mĂ€nnlichen Einwohnern indienweit auf Rang 6 â auf Rang 1: das sĂŒdindische Kerala mit 1084 Frauen (Indien: 943). Bei Kindern unter 6 Jahren lag Meghalaya mit 970 MĂ€dchen zu 1000 Jungen auf Rang 2 â hinter dem nordostindischen Arunachal Pradesh mit 972 MĂ€dchen (Indien: 914).
In Indien ist der Anteil von Frauen an der Bevölkerung nach einem stetigen Absinken seit 1991 wieder angestiegen auf 943 Frauen zu 1000 MĂ€nnern im Jahr 2011 (vergleiche die Tabelle zur Geschlechterverteilung rechts), wĂ€hrend der Anteil in Meghalaya seit 1971 angestiegen ist auf 989 Frauen. Bei den Khasi lag das VerhĂ€ltnis weit darĂŒber bei 1033 Frauen (Garo: 988), wĂ€hrend es bei ihren MĂ€dchen abnahm auf 971 (Garo: 976). Weltweit wird das GeschlechtsverhĂ€ltnis von mĂ€nnlichen zu 100 weiblichen Einwohnern gemessen, im Jahr 2015 waren es 102 MĂ€nner (107 Jungen zu 100 MĂ€dchen), in Indien: 106,7 mĂ€nnlich, bei Geburt: 107,7 Jungen je 100 MĂ€dchen, also 11 % mehr mĂ€nnlicher Nachwuchs (weltweit auf dem 4. Rang).
Die LesefÀhigkeit wurde im Jahr 2011 indienweit berechnet bei allen Personen ab 6 Jahren:
Weltweit wird die LesefĂ€higkeit ab 15 Jahren bemessen, sie lag im Jahr 2015 bei 86,3 % (82,7 % bei Frauen und 90,0 % bei MĂ€nnern), in Indien: 71,2 % = 60,6 % â und 81,3 % â.
Menschliche und geschlechtsspezifische Entwicklung
Als VergleichsmaĂ fĂŒr Wohlstand und die Gleichstellung der Geschlechter in den LĂ€ndern der Welt berechnet das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) jĂ€hrlich mehrere statistische Indexe (Kennzahlen mit Werten von niedrigen 0,001 bis optimal 1,000):
Sowohl die Regierung Meghalayas (Planungsabteilung) als auch die indische Unionsregierung (Ministerium fĂŒr Frauen- und Kindesentwicklung) haben auf der Grundlage von UNDP-Berechnungsmethoden eigene Kalkulationen erstellt, mit teils abweichenden Werten. Sie dienen als Planungsgrundlagen fĂŒr Verbesserungsprogramme; die jeweilige Ranglistung kann sich dabei auf die 29 Bundesstaaten Indiens beziehen oder auch die 7 Unionsterritorien einschlieĂen. Der HDI der insgesamt 705 Scheduled Tribes wird berechnet als geringe 0,270 (unverĂ€ndert seit 2000).
Femdex (2015)
Den Index namens Femdex (India Female Empowerment Index: vergleichbar dem frĂŒheren GEM) errechnete das McKinsey Global Institute im Jahr 2015 fĂŒr die 29 indischen Bundesstaaten und die 3 gröĂten der Unionsterritorien. Dabei belegte Meghalaya den 2. Rang mit 0,69 (hinter Mizoram: 0,70; Indien: 0,54), vergleichbar zu Argentinien, China und Indonesien â wĂ€hrend das benachbarte Assam mit 0,47 den drittniedrigsten Femdex in Indien hatte (vergleichbar zu Jemen oder Tschad). Die Gleichstellung der Geschlechter in Bezug auf Arbeit war in Meghalaya und Mizoram mit 0,56 deutlich ausgeprĂ€gter als in den anderen 30 Staaten, wobei in Mizoram die Frauen mit 0,87 gesellschaftlich besser gestellt waren als in Meghalaya mit 0,82 (Rang 1: Chandigarh mit 0,92).
Alle der insgesamt 17 in Meghalaya ansĂ€ssigen Stammesvölker (Scheduled Tribes) betreiben hauptsĂ€chlich Bedarfswirtschaft zur Selbstversorgung (Subsistenzwirtschaft). Die Hauptrolle spielt dabei der Wander-Feldbau (shifting cultivation), der mit der Brandrodung (jhumming) einer WaldflĂ€che beginnt, um ein Feld fĂŒr ihren Pflanzbau vorzubereiten. Diese landwirtschaftliche Technik hat in den letzten Jahrzehnten zu UmweltschĂ€den gefĂŒhrt durch die fortschreitende Entwaldung mit nachfolgender starker Erosion und Degradation der Böden. Ein Grund dafĂŒr war auch die Bevölkerungsexplosion durch die mehr als Verdopplung der Gesamtbevölkerung von 1,33 Mio. im Jahr 1981 auf 3 Mio. in 2011.
Da in Meghalaya 82 % aller HÀuser in Eigenbesitz sind (nur 16 % werden vermietet) und alle Dorfbewohner gleichgestellte Nutzungsrechte am Gemeinschaftsland haben, ergibt sich eine nur geringe offizielle Arbeitslosigkeit von 4,8 %. Unter der Armutsgrenze lebten im Jahr 2012 in Meghalaya 11,9 % der Einwohner (weniger als 890 indische Rupien monatlich auf dem Land oder 1150 in StÀdten), wÀhrend es indienweit 21,9 % waren (816 Rupien monatlich auf dem Land, 1000 in StÀdten). Auch in den vergangenen Jahren lag die Armutsquote in Meghalaya deutlich unter dem Durchschnitt Indiens (siehe Tabelle rechts).
Der Index der menschlichen Entwicklung (HDI: Human Development Index), berechnet vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), liegt seit 2007 fĂŒr Meghalaya ĂŒber dem indienweiten Wert (siehe auch oben den Abschnitt zu Indexen).
Meghalaya verfĂŒgt ĂŒber reichhaltige LagerstĂ€tten von Steinkohle, Kalkstein, Kaolin (Tonerden), Sillimanit (95 % der indischen Vorkommen) und Uran. Der Abbau wird gröĂtenteils kleinteilig als sogenannter âRattenlochbergbauâ betrieben, unter teils ungesetzlichen und Menschenleben gefĂ€hrdenden Bedingungen (siehe Bergbau in Meghalaya).
Zur Zeit Britisch-Indiens standen nur das Garo-Bergland und die Jaintia-Berge unter direkter britischer Herrschaft, wĂ€hrend die Khasi-Berge sich nur in loser AbhĂ€ngigkeit befanden und sich weitestgehend selbst verwalteten. Eine weitreichende Folge der Kolonialherrschaft war die Christianisierung eines groĂen Teils der Bevölkerung, die zuvor ĂŒberwiegend animistischen Vorstellungen anhing, durch britische und amerikanische Missionare in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts und ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts. Nach der UnabhĂ€ngigkeit Indiens 1947 wurde die Region in Form zweier Distrikte (Garo Hills und United Khasi and Jainthia Hills) an den Bundesstaat Assam angegliedert. Der Bundesstaat Assam wies eine auĂerordentliche sprachlich-ethnische HeterogenitĂ€t auf. Die VĂ€ter der im Jahr 1950 in Kraft getretenen indischen Verfassung nahmen insofern darauf RĂŒcksicht, als die Verfassung Sonderregelungen fĂŒr die sogenannten Stammesgebiete (tribal areas) im Bergland Assams vorsah. Die zu den Stammesgebieten gehörenden Distrikte erhielten ein gewisses Selbstverwaltungsrecht und die Verfassung sah explizit auch die Möglichkeit vor, dass sie durch die Zentralregierung aus Assam ausgegliedert und zu eigenen Bundesstaaten erhoben werden konnten, wenn dies zweckmĂ€Ăig erschien.
Im Jahr 1960 kam es zu einer entscheidenden Entwicklung, die den Stein hin zur Bildung Meghalayas als eigenem Bundesstaat ins Rollen brachte. Das Parlament Assams verabschiedete den Assam Official Language Act, 1960, ein Gesetzespaket, das die EinfĂŒhrung des Assamesischen als ausschlieĂliche Verwaltungssprache des Bundesstaates Assam vorsah. Das Gesetz richtete sich vor allem gegen die von vielen ethnischen Assamesen als bedrohlich wahrgenommene PrĂ€senz der bengalischen Sprache in Assam, die durch Zuwanderer aus Westbengalen und Ostpakistan (heute Bangladesch) Zulauf erhielt. Die Stammesvölker Assams sahen jedoch auch ihre eigene kulturelle IdentitĂ€t bedroht und protestierten gegen das Gesetz. 1960 wurde auf einer Konferenz in Shillong die All Party Hill Leadersâ Conference (APHLC) als Interessenvertretung der Stammesvölker gegrĂŒndet. Die APHLC forderte die Ausgliederung der Stammesgebiete aus Assam und deren Zusammenschluss in Form eines neuen eigenen Bundesstaats. Dies wurde jedoch nicht nur von der Regierung Assams, sondern auch von der indischen Zentralregierung abgelehnt. Es kam in den folgenden Jahren zu einer Reihe von Verhandlungen und verschiedene Kommissionen wurden gebildet, um eine Kompromisslösung zu finden. 1967 wurde auch der Assam Official Language Act dahingehend modifiziert, dass in den Stammesgebieten Englisch und nicht Assamesisch die Amtssprache sein sollte, so wie die Stammesvölker dies gefordert hatten. Die APHLC war jedoch nicht mehr zu Kompromissen bereit und beharrte auf ihrer Forderung nach einem eigenen Bundesstaat. Am 11. September 1968 gab die indische Regierung unter Indira Gandhi ihre Absicht bekannt, einen separaten Hill state aus den beiden Distrikten Garo Hills und United Khasi and Jainthia Hills zu schaffen. Der Geograph Shiba P. Chatterjee schlug den Namen âMeghalayaâ fĂŒr den neuen Staat vor.
Am 2. April 1970 wurde der Autonome Staat Meghalaya durch Premierministerin Indira Gandhi offiziell in Shillong inauguriert. Meghalaya war weiterhin Bestandteil Assams, genoss jedoch weitestgehende Autonomie und hatte eine eigene Legislativversammlung. Nach der AnkĂŒndigung der Regierung Indira Gandhis vom 3. September 1970, dass die bisherigen Unionsterritorien Manipur und Tripura zu vollwertigen Bundesstaaten erhoben werden sollten, forderten die politischen FĂŒhrer der APHLC denselben Status fĂŒr Meghalaya. Am 10. November 1970 sagte die Premierministerin Meghalaya ebenfalls diesen Status zu. Der Bundesstaat wurde offiziell am 21. Januar 1972 gegrĂŒndet. Shillong, die bisherige Hauptstadt Assams, wurde Hauptstadt Meghalayas und Assam verlegte seine Hauptstadt nach Gauhati.
Nach Erreichen der Bundesstaatlichkeit geriet die Politik in Meghalaya in ein ruhigeres Fahrwasser. Die groĂen Massendemonstrationen und Streikaktionen, die die APHLC in den 1960ern veranstaltet hatte, hörten auf. Der Bundesstaat ist auch von den schwerwiegenden ethnischen Auseinandersetzungen und GewalttĂ€tigkeiten, die andere Staaten des indischen Nordosten (insbesondere Assam, Nagaland und Manipur) erschĂŒtterten, weitgehend frei geblieben. WĂ€hrend der Jahre 1979 bis 1985 griff die im Nachbarstaat Assam aktive Assam-Bewegung zum Teil auch auf Meghalaya ĂŒber, nahm hier aber lĂ€ngst nicht solche AusmaĂe wie in Assam an.
Die Legislative des Bundesstaates Meghalaya besteht aus einem Einkammernparlament, der Meghalaya Legislative Assembly. Die 60 Abgeordneten des Parlaments werden alle fĂŒnf Jahre durch Direktwahl in 60 Einpersonenwahlkreisen bestimmt (siehe Meghalayas Wahlkreis-Liste). Dabei gilt, wie ĂŒberall in Indien, das relative Mehrheitswahlrecht nach britischem Vorbild. Das Parlament hat seinen Sitz in Shillong. Der Chief Minister (Regierungschef) Meghalayas wird vom Parlament gewĂ€hlt. An der Spitze des Bundesstaats steht jedoch der vom indischen PrĂ€sidenten ernannte Gouverneur (Governor). Seine Hauptaufgaben sind die Ernennung des Chief Ministers und dessen Beauftragung mit der Regierungsbildung. Höchster Gerichtshof Meghalayas ist seit 2012 der Meghalaya High Court in Shillong. Vor 2012 befand sich Meghalaya im Jurisdiktionsbereich des Gauhati High Court.
Meghalaya stellt zwei Abgeordnete in der Lok Sabha, dem Unterhaus des indischen Parlaments, und einen im Oberhaus, der Rajya Sabha.
Die Parteienlandschaft Meghalayas wurde traditionell von der Kongresspartei (INC) auf der einen und einer Reihe von Regionalparteien auf der anderen Seite geprĂ€gt. Die Parteienlandschaft ist relativ stark zersplittert, was zu einer gewissen Kurzlebigkeit der Regierungen fĂŒhrt. Seit GrĂŒndung des Bundesstaates 1972 bis zum Jahr 2018 amtierten 20 Regierungen (durchschnittliche Dauer 2,3 Jahre). Die All Party Hill Leadersâ Conference (APHLC), die in den 1960ern und frĂŒhen 1970ern die Bewegung zur GrĂŒndung des Bundesstaats vorangetragen hatte, hĂ€tte möglicherweise das Potential gehabt, eine starke Regionalpartei im Bundesstaat zu werden. Sie schloss sich aber im Jahr 1976 unter FĂŒhrung des damaligen Chief Ministers zum groĂen Teil der Kongresspartei an. Zwar fĂŒhrten andere APHLC-Mitglieder die Partei weiter, jedoch erholte diese sich nicht mehr von diesem Schlag und verschwand spĂ€ter von der politischen BildflĂ€che. Seitdem existieren verschiedene Regionalparteien neben der Kongresspartei, wobei meist keine dieser Parteien stark genug ist, die absolute Mehrheit zu erringen.
Als Ergebnis der Parlamentswahl im Februar 2013 gewann die Kongresspartei 29 von 60 Wahlkreisen. FĂŒnf Regionalparteien waren danach im Parlament vertreten: Die United Democratic Party (UDP) mit acht, die Hill State Peopleâs Democratic Party (HSPDP) mit vier, die National Peopleâs Party (NPP) mit zwei sowie der Garo National Council (GCC) und die North East Social Democratic Party (NESDP) mit jeweils einem Abgeordneten. Dazu kamen die ĂŒberregionale Nationalist Congress Party mit zwei Sitzen und dreizehn unabhĂ€ngige Abgeordnete. Als Ergebnis der Wahl wurde der Kongress-Politiker Mukul Sangma, der bereits seit dem 20. April 2010 das Amt des Chief Ministers ausĂŒbte, mit der UnterstĂŒtzung der NCP und elf unabhĂ€ngiger Abgeordneten im Amt bestĂ€tigt. Bei der gesamtindischen Parlamentswahl 2014 ging von den zwei Wahlkreisen in Meghalaya einer an die Kongresspartei und einer an die NPP.
Bei der Parlamentswahl in Meghalaya am 27. Februar 2018 wurde die Kongresspartei mit 21 Mandaten trotz Verlusten erneut stĂ€rkste Partei. Die NPP gewann 20, die UDP 6, die im Vorjahr gegrĂŒndete Peopleâs Democratic Front 4, die BJP und HSPDP jeweils 2 und andere bzw. UnabhĂ€ngige insgesamt 5 Mandate. Am 6. MĂ€rz wurde der NPP-ParteifĂŒhrer Conrad Sangma an der Spitze einer Mehrparteienkoalition aus NPP, UDP, HSPDP, PDF und BJP als neuer Chief Minister vereidigt.
Der Bundesstaat Meghalaya ist in 11 Distrikte untergliedert. Zur Zeit der letzten VolkszÀhlung 2011 waren es noch 7 Distrikte. Im Jahr 2012 wurden vier neue Distrikte gebildet: South West Khasi Hills aus Teilen des Distrikts West Khasi Hills, North Garo Hills aus Teilen von East Garo Hills und South West Garo Hills durch Abtrennung von West Garo Hills. ZusÀtzlich wurde der Distrikt Jaintia Hills in die beiden Distrikte East Jainthia Hills und West Jainthia Hills geteilt.
In der folgenden Tabelle sind die Einwohnerzahlen und Bevölkerungsdichte nach der VolkszÀhlung 2011 angegeben (in den alten Distriktgrenzen):
â Nach der Distriktneueinteilung im Jahr 2012 verĂ€nderte Grenzen
Nach der GrĂŒndung Meghalayas im Jahr 1972 bestanden zwei Distrikte: Garo Hills und United Khasi and Jaintia Hills. In den folgenden Jahrzehnten wurden neue Distrikte gebildet und die Zahl der Distrikte vermehrte sich auf 11:
User Meinungen und Kommentare