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Gebirge in Rajasthan: 1
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Region Informationen Region: Rajasthan

Informationen:


Rajasthan (Hindi à€°à€Ÿà€œà€žà„à€„à€Ÿà€š IAST Rājasthān [ˈrɑːʀʌstʰɑːn], deutsch ‚Land der Könige‘) ist ein indischer Bundesstaat mit einer FlĂ€che von 342.239 kmÂČ und 68,5 Millionen Einwohnern (VolkszĂ€hlung 2011). Die Hauptstadt Rajasthans ist Jaipur, und die Amtssprache ist Hindi.

Geographie

Rajasthan grenzt an die Bundesstaaten Punjab, Haryana, Uttar Pradesh, Madhya Pradesh und Gujarat (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden), sowie an die pakistanischen Provinzen Sindh und Punjab. Mit 342.239 Quadratkilometern ist Rajasthan Indiens flĂ€chengrĂ¶ĂŸter Bundesstaat und nur wenig kleiner als Deutschland.

Der Nordwesten Rajasthans ist durch die Thar-WĂŒste gekennzeichnet, die in die Cholistan in Pakistan ĂŒbergeht. Zwischen der WĂŒste und den fruchtbareren Ebenen im Osten und SĂŒdosten liegt das Aravalligebirge, das als Klima- und Wasserscheide fungiert. Der SĂŒdosten Rajasthans geht allmĂ€hlich in das Hochland von Dekkan ĂŒber.

GrĂ¶ĂŸte StĂ€dte

(Stand: VolkszÀhlung 2011)

Auswirkungen des Klimawandels

Rajasthan ist in den Sommermonaten regelmĂ€ĂŸig von starker Hitze betroffen. In den letzten Jahren hĂ€ufen sich jedoch Extremtemperaturen, die 45 °C ĂŒberschreiten. Im Sommer 2019 wurden am Rande der WĂŒste in Rajasthan 51 °C gemessen und am 17. Mai 2020 in der Stadt Churu 50 °C.

Bevölkerung

Demografie

Nach der indischen VolkszĂ€hlung 2011 hat Rajasthan 68.621.012 Einwohner. Gemessen an der Einwohnerzahl ist Rajasthan Indiens siebtgrĂ¶ĂŸter Bundesstaat. Die Bevölkerungsentwicklung ist stark ansteigend: Zwischen 2001 und 2011 wuchs die Einwohnerzahl um 21 Prozent und damit schneller als im Landesmittel (18 Prozent). Verglichen mit dem Rest Indiens ist Rajasthan wegen der ausgedehnten WĂŒstenflĂ€chen relativ dĂŒnn besiedelt: Die Bevölkerungsdichte liegt mit 200 Einwohnern pro Quadratkilometer deutlich unter dem Landesdurchschnitt (382 Einwohner pro Quadratkilometer), entspricht aber immer noch der Bevölkerungsdichte Deutschlands. Ein großer Teil der Bevölkerung konzentriert sich auf die lĂ€ndlichen Gebiete: Nur 25 Prozent der Einwohner Rajasthans leben in StĂ€dten. Der Urbanisierungsgrad liegt damit unter dem gesamtindischen Durchschnitt von 31 Prozent. Das GeschlechterverhĂ€ltnis ist unausgeglichen: Auf 1000 MĂ€nner kommen nur 928 Frauen (der indische Durchschnitt betrĂ€gt 943). Unter den 0- bis 6-JĂ€hrigen sind es sogar nur 888 MĂ€dchen auf 1.000 Jungen (Gesamtindien: 919).

66 Prozent der Einwohner Rajasthans können lesen und schreiben (MÀnner 79 Prozent, Frauen 52 Prozent). Die Alphabetisierungsrate gehört zu den niedrigsten Indiens und liegt deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 73 Prozent (Stand jeweils VolkszÀhlung 2011). Im Zeitraum von 2010 bis 2014 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung 67,7 Jahre (der indische Durchschnitt betrug 67,9 Jahre). Die FertilitÀtsrate betrug 2,34 Kinder pro Frau (Stand: 2016) wÀhrend der indische Durchschnitt im selben Jahr bei 2,23 Kinder lag.

Die Einwohner Rajasthans bezeichnen sich als Rajasthani. Außerhalb Rajasthans wird hĂ€ufig der Begriff Marwari, der eigentlich fĂŒr die Bewohner der Marwar-Region steht, kollektiv fĂŒr alle Rajasthanis benutzt. Eine Minderheit unter der Bevölkerung des Bundesstaates stellen die Adivasi (Angehörige der indigenen Stammesbevölkerung). 9,2 Millionen Einwohner Rajasthans (14 Prozent der Bevölkerung) werden als Angehörige der Stammesbevölkerung (Scheduled Tribes) klassifiziert. Die Adivasi-Bevölkerung konzentriert sich auf die Berggegenden des Aravalligebirges. In den Distrikten Banswara, Dungarpur und Pratapgarh stellen sie die Bevölkerungsmehrheit. Die beiden mit Abstand grĂ¶ĂŸten Adivasi-Gruppen Rajasthans sind die Mina und die Bhil, die zusammen ĂŒber 90 Prozent der Stammesbevölkerung des Bundesstaates ausmachen.

Bevölkerungsentwicklung

Zensusbevölkerung von Rajasthan (in den heutigen Grenzen) seit der ersten VolkszÀhlung im Jahr 1951.

Sprachen

Die Amtssprache Rajasthans ist Hindi. Nach der indischen VolkszĂ€hlung 2001 ist es die Sprache von 91 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates. Die meisten Menschen in Rajasthan sprechen im Alltag einen der Dialekte, die unter dem Oberbegriff Rajasthani zusammengefasst werden. Die Beziehung zwischen dem Rajasthani und dem Hindi ist komplex: Das Rajasthani unterscheidet sich sprachlich hinreichend stark vom Standard-Hindi, dass es als eigenstĂ€ndige Sprache klassifiziert werden könnte, und verfĂŒgt ĂŒber eine eigenstĂ€ndige Literaturtradition. Gleichzeitig gewinnt das Standard-Hindi in Rajasthan als Amts- und Bildungssprache an Raum und entwickelt sich mehr und mehr zur Dachsprache fĂŒr die Rajasthani-Dialekte. In offiziellen Statistiken wird das Rajasthani zum Hindi gezĂ€hlt. TatsĂ€chlich hatten bei der VolkszĂ€hlung 32 Prozent der Bevölkerung Rajasthani als Muttersprache angegeben, 27 Prozent Hindi und 33 Prozent einen spezifischen Rajasthani-Dialekt (darunter 11 Prozent Marwari, 9 Prozent Mewari, 4 Prozent Harauti, 3 Prozent Dhundhari und 3 Prozent Bagri).

Weitere in Rajasthan gesprochene Sprachen sind das Bhili (knapp 5 Prozent), das in Form des Wagdi-Dialektes unter dem Adivasi-Volk der Bhil verbreitet ist, das Panjabi (2 Prozent) sowie unter den Muslimen das Urdu (1,2 Prozent). Englisch ist wie in ganz Indien als Verkehrs- und Bildungssprache prÀsent.

Religionen

Die große Mehrheit der Einwohner Rajasthans sind Hindus. Nach der VolkszĂ€hlung 2011 stellen sie 89 Prozent der Bevölkerung. Zum Islam bekennen sich 9 Prozent der Bevölkerung. Kleinere Minderheiten stellen mit jeweils rund 1 Prozent die Sikhs, die sich vor allem auf die Distrikte an der Grenze zum Punjab konzentrieren, sowie die Jainas, die trotz ihres geringen Bevölkerungsanteils wichtige BeitrĂ€ge zur Kulturgeschichte Rajasthans geleistet haben.

Geschichte

In Britisch-Indien wurde Rajasthan Rajputana (Land der Rajputen) genannt und stand ganz ĂŒberwiegend unter der Herrschaft einheimischer FĂŒrsten. Eine Ausnahme bildete lediglich die Doppelenklave Ajmer-Merwara, die schon 1818 an die Britische Ostindien-Kompanie gekommen war, und seither unter direkter britischer Verwaltung stand. Die FĂŒrstenstaaten waren in der Rajputana Agency organisiert.

In den Jahren 1899 bis 1902 gehörte Rajputana zu den am stĂ€rksten von einer großen Hungersnot betroffenen Gebieten.

Im Jahr 1947, dem Jahr der UnabhĂ€ngigkeit Indiens, waren in der Rajputana Agency 19 FĂŒrstenstaaten zusammengeschlossen:

Hinzu kamen noch die drei kleinen Herrschaften von Kushalgarh, Lawa und Neemrana mit nur wenigen Tausend Einwohnern.

Die FĂŒrstenstaaten schlossen sich in der Folgezeit zu Unionen zusammen, deren Vorsitz als Rajpramukh jeweils ein regierender FĂŒrst hatte. Alwar, Bharatpur, Dholpur und Kaurauli bildeten am 17. MĂ€rz 1948 die Matsayas Union (Matsya Sangha). Banswara, Kushalgarh, Bundi, Kota, Tonk, Jhalawar, Partabgarh, Shahpura, Kishangarh und Dungarpur schlossen sich am 25. MĂ€rz 1948 zur Rajasthan Union (Rajasthan Sangh) mit dem Rajpramukh Maharao von Kota zusammen. Am 18. April 1948 trat Mewar (Udaipur) diesem Bund bei, der in United State of Rajasthan (Sanyukta Rajasthan Sangha) umbenannt wurde. Rajpramukh war dann der Maharaja von Udaipur. Jaipur, Marwar (Jodhpur), Jaisalmer und Bikaner, sowie Lawa und Nimrana schlossen sich am 30. MĂ€rz 1949 der Konföderation an, die sich Greater Rajasthan nannte und unter dem Rajpramukh Maharaja von Jaipur stand. Am 7. April 1949 schlossen sich 15 Rajputenstaaten formell an Indien an. Matsya Sangha und Greater Rajasthan vereinigten sich am 15. Mai 1949 zu United Greater Rajasthan. Als letzter FĂŒrstenstaat schloss sich am 26. Januar 1950 Sirohi United Greater Rajasthan an, das danach den Namen United Rajasthan fĂŒhrte. Mit dem Inkrafttreten der Verfassung der Republik Indien am 26. Januar 1950 wurde Rajasthan ein Bundesstaat Indiens.

Im States Reorganisation Act im November 1956 erfolgte eine Arrondierung der Grenzen Rajasthans. Ajmer-Merwara und ein kleines Grenzgebiet im heutigen Distrikt Banaskantha kamen an Rajasthan und dafĂŒr wurde die Exklave um Sironj an Madhya Pradesh abgetreten. Seitdem sind die Grenzen Rajasthans unverĂ€ndert geblieben.

Politik

Politisches System

Die Legislative des Bundesstaates Rajasthan besteht aus einem Einkammernparlament, der Rajasthan Legislative Assembly oder Rajasthan Vidhan Sabha. Die 200 Abgeordneten werden alle fĂŒnf Jahre durch Direktwahl bestimmt. Sitz des Parlaments ist Jaipur. Im gesamtindischen Parlament ist Rajasthan mit 25 Abgeordneten in der Lok Sabha, dem Unterhaus, und mit zehn Sitzen in der Rajya Sabha, dem Oberhaus, vertreten.

Der Chief Minister (Regierungschef) des Bundesstaates Rajasthan wird vom Parlament gewÀhlt. An der Spitze des Bundesstaats steht jedoch der vom indischen PrÀsidenten ernannte Gouverneur (Governor). Seine Hauptaufgaben sind die Ernennung des Chief Ministers und dessen Beauftragung mit der Regierungsbildung.

Höchster Gerichtshof Rajasthans ist der Rajasthan High Court mit Sitz in Jodhpur. Eine Zweigstelle des High Courts besteht seit 1976 in Jaipur.

Parteien

Die Parteipolitik Rajasthans wird von zwei ĂŒberregionalen Parteien, dem Indischen Nationalkongress (INC) und der Bharatiya Janata Party (BJP) dominiert. In den Jahrzehnten nach der UnabhĂ€ngigkeit stellte die Kongresspartei sĂ€mtliche Regierungen Rajasthans, seit den 1990er Jahren wechselt sie sich regelmĂ€ĂŸig mit der hindunationalistischen BJP an der Macht ab. Bei der letzten Parlamentswahl im Dezember 2013 wurde die Kongressregierung abgewĂ€hlt, wĂ€hrend die BJP einen deutlichen Wahlsieg errang: Die BJP konnte 162 von 199 Wahlkreisen fĂŒr sich entscheiden. Die Kongresspartei fiel deutlich abgeschlagen auf den zweiten Platz zurĂŒck und zog nur mit 21 Abgeordneten im Parlament ein. Ebenfalls im Parlament vertreten waren drei kleinere Parteien: Die National People’s Party (NPP), die sich als Interessenvertretung der Adivasi (Stammesvölker) versteht, und erstmals in Rajasthan zur Wahl antrat, aber mit nur vier gewonnenen Wahlkreisen hinter ihren Erwartungen zurĂŒckblieb. Die Bahujan Samaj Party (BSP), welche ihre AnhĂ€ngerschaft unter den Dalit (Kastenlosen) hat, konnte mit drei Sitzen im Parlament in Rajasthan nicht an ihre Erfolge im Nachbarbundesstaat Uttar Pradesh anknĂŒpfen. Mit zwei Abgeordneten zog die neugegrĂŒndete National Unionist Zamindara Party (NUZP), eine Interessenvertretung von Guar-Bauern, ins Parlament ein. Ferner schafften noch sieben unabhĂ€ngige Kandidaten den Einzug ins Parlament. Als Ergebnis der Wahl wurde am 13. Dezember 2013 die BJP-Politikerin Vasundhara Raje als Chief Ministerin von Rajasthan im Amt vereidigt. Raje hatte bereits von 2003 bis 2008 als erste Frau das Amt ausgeĂŒbt.

Bei der gesamtindischen Parlamentswahl 2014 gewann die BJP alle 25 Lok-Sabha-Wahlkreise.

Die Wahl zum Bundesstaatsparlament am 7. Dezember 2018 wurde von der Kongresspartei gewonnen, die mit 99 Mandaten nur knapp die absolute Mehrheit verfehlte. SpĂ€ter kam im Rahmen einer Nachwahl noch ein weiteres Mandat hinzu. Die BJP kam auf 73 Mandate und die BSP auf 6. Neben 13 parteilosen Abgeordneten schafften es noch eine Reihe von Abgeordneten von Kleinstparteien ins Parlament: ein Abgeordneter der Rashtriya Lok Dal (RLD), einer Regionalpartei aus dem benachbarten Uttar Pradesh, zwei Abgeordnete der Bharatiya Tribal Party (BTP), einer im Vorjahr von dem Adivasi-Politiker und ehemaligen JD(U)-Abgeordneten Chhotubhai Vasava im benachbarten Gujarat gegrĂŒndeten Interessenpartei, zwei Abgeordnete der Kommunisten-Marxisten CPI(M) und drei Abgeordnete der kurz vor der Wahl vom BJP-Dissidenten Hanuman Beniwal gegrĂŒndeten Rashtriya Loktantrik Party (RLP).

Am 17. Dezember 2018 wurde Ashok Gehlot als neuer Chief Minister vereidigt. Er hatte dieses Amt bereits 1998 bis 2003 und 2008 bis 2013 innegehabt.

Verwaltungsgliederung

Distrikte und Divisionen

Rajasthan ist in 33 Distrikte unterteilt, die sich auf die 7 Divisionen Ajmer, Bharatpur, Bikaner, Jaipur, Jodhpur, Kota und Udaipur verteilen (Daten nach der VolkszÀhlung 2011):

Kommunale Selbstverwaltung

Rajasthan besitzt 9 Municipal Corporations (Nagar Nigam):

  • Ajmer
  • Bharatpur
  • Bhilwara
  • Bikaner
  • Bundi
  • Jaipur
  • Jodhpur
  • Kota
  • Udaipur

Wirtschaft

Die Wirtschaft Rajasthans basiert auf dem Anbau von Baumwolle, Hirse, Mais, Weizen, HĂŒlsenfrĂŒchten und Gerste. In den WĂŒstengebieten leben ViehzĂŒchter, die Schafe, Ziegen und Kamele zĂŒchten. Außerdem werden in Rajasthan Blei-Zink-Erze, Marmor, Glimmer und Gips abgebaut. Gut ausgebaut ist die Wollindustrie sowie die Teppichweberei.

Mit einem Pro-Kopf Bruttoinlandsprodukt von 65.974 Rupien (1.433 US-Dollar) im Jahre 2015 lag Rajasthan auf Platz 19 von 29 indischen Bundesstaaten und damit unterhalb des indischen Durchschnitts. 31,6 % der Bevölkerung waren 2005 unterernÀhrt, was die dritthöchste Rate unter den Bundesstaaten von Indien war.

Mit einem Wert von 0,601 erreicht Rajasthan 2015 den 22. Platz unter den 29 Bundesstaaten Indiens im Index der menschlichen Entwicklung und ist damit unterdurchschnittlich entwickelt.

Tradition der Wasserverwertung

Jahrhundertelang war der sommerliche Regen in Indien der direkte Wasserlieferant. Die Menschen sammelten das kostbare Nass in großen Becken und Wassertanks, um auch in der trockenen Jahreszeit genug Wasser fĂŒr ihre Felder zu haben. Dazu legten sie kĂŒnstliche Seen an, die ihr Wasser aus zufĂŒhrenden KanĂ€len erhielten. Die WĂŒste Thar gilt aus diesem Grund als die bevölkerungsreichste WĂŒste der Welt.

Überleben in der WĂŒste

Die WĂŒstenstadt Jaisalmer im Westen Rajasthans war ĂŒber Jahrhunderte eine blĂŒhende Handelsstadt. Und der „Tanka“ vor den Toren der Stadt hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt. Im 14. Jahrhundert wurde dieser kĂŒnstliche See mit Namen Gadisar angelegt. Jedes Jahr vor der Regenzeit wurden das Seebett und alle ZuflĂŒsse gereinigt. Die Menschen hielten ihren See sauber. Er sollte das ganze Jahr Trinkwasser liefern. Waschen und Baden im See waren verboten. In der Regel ĂŒberstand der See sogar die Trockenzeit. Wenn das Wasser doch verdunstete, betrieben die Menschen im feuchten Bett Ackerbau.

Trinkwasser lieferten dann die zahlreichen Brunnen in der Stadt rund um den See. Das im See angestaute Regenwasser hatte Zeit, langsam im Boden zu versickern und das Grundwasser anzufĂŒllen. In den trockenen Monaten lieferten die Brunnen dann noch genug Wasser fĂŒr die BewĂ€sserung der Felder.

Khejri-Baum

Wichtigste Pflanze in den WĂŒstengebieten Rajasthans ist der zu den HĂŒlsenfrĂŒchtlern zĂ€hlende immergrĂŒne Khejri-Baum (Prosopis cineraria), dessen Zweige und BlĂ€tter in Trockenzeiten als Tierfutter dienten; seine Nutzung ist schon seit langem durch Dorfgesetze geregelt.

StaudÀmme mit negativen Folgen

In den letzten Jahren hat der See Gadisar extrem leiden mĂŒssen. Die traditionellen Regenwassersammelsysteme – nicht nur in Jaisalmer, auch in vielen anderen Orten Rajasthans – sind zusammengebrochen. Die Ursache sehen viele Experten in den modernen BewĂ€sserungssystemen. Die Briten brachten einst das Wasserwirtschafts-Know-how aus Europa nach Indien. Nach der UnabhĂ€ngigkeit wollte der erste indische Premierminister Jawaharlal Nehru in Indien eine moderne zentrale Wasserversorgung aufbauen. Als „Tempel des Fortschritts“ bezeichnete er die StaudĂ€mme. In den letzten 50 Jahren sind in Indien Hunderte riesiger StaudĂ€mme gebaut worden. Kilometerlange KanĂ€le wie der Rajasthankanal versorgen auch trockene Regionen Indiens mit Wasser. Das ganze Jahr ĂŒber genug Wasser, vor allem zur BewĂ€sserung der Landwirtschaft war das Ziel der staatlichen zentralen Wasserversorgung. Doch die Folgen waren schon nach wenigen Jahren sichtbar. Der Boden versalzte. Die StaudĂ€mme gruben den FlĂŒssen das Wasser ab, und es konnte sich kaum Grundwasser neu bilden. In den Trockenperioden können die Stauseen zudem nicht genug Wasser liefern. Besonders die WĂŒste Thar ist dafĂŒr ein typisches Beispiel. So fließt das Wasser im Kanal manchmal nur einmal in der Woche, wenn ĂŒberhaupt. Trotz staatlich organisierter BewĂ€sserung sind DĂŒrren heute hĂ€ufiger als vor 40 Jahren. Und den DĂŒrreperioden folgen in der Regel Hungerkatastrophen, weil die Bauern ihre Felder nicht bewĂ€ssern können. Das Grundwasser ist ĂŒber Jahre nicht aufgefĂŒllt worden und die Brunnen bleiben leer. Dies seien selbstgemachte DĂŒrren, sagen Umweltaktivisten, denn es gĂ€be mit dem jĂ€hrlichen Regen eigentlich genug Wasser, wenn man sich der alten Traditionen besinnen wĂŒrde.

Umweltorganisationen fördern traditionelles Sammeln von Regenwasser

Umweltorganisationen in Indien, wie das Centre for Science and Environment (CSE), haben vor ĂŒber 20 Jahren damit begonnen, die alten traditionellen Methoden des Regenwassersammelns zu dokumentieren und Pilotprojekte aufzubauen. In Rajasthan heißen die einfachsten Lösungen fĂŒr die Bauern Johads.

Ein Johad ist ein halbmondförmiger Teich, der so in der Landschaft liegt, dass er in der Regenzeit viele kleine BĂ€che und Quellen aus einer grĂ¶ĂŸeren Umgebung auffangen kann. Jeder Johad ist anders in GrĂ¶ĂŸe und Form, je nach Bodenbeschaffenheit oder Topographie. Dieser kleine See entsteht durch AnhĂ€ufen von ErdwĂ€llen. Ihre Funktion ist, Wasser zu stauen, das die Menschen nach der Regenzeit nutzen. Noch wichtiger sind sie allerdings fĂŒr das Grundwasser. Denn die enormen NiederschlĂ€ge wĂŒrden sonst weggespĂŒlt werden und zu Landerosionen fĂŒhren. Durch das Anstauen hat das Wasser aber genug Zeit, um langsam im Boden zu versickern und zu Grundwasser zu werden. Seit die Farmer wieder Johads bauen, ist der Grundwasserpegel angestiegen. Es lohnt sich auch wieder, Brunnen zu bauen. Schon nach wenigen Jahren machen sich die Johads fĂŒr die Dorfgemeinschaften bezahlt. Sie können jetzt auch ihre Felder wieder bewĂ€ssern und haben das ganze Jahr ĂŒber genug zu essen sowie Futter fĂŒr ihr Vieh.

In anderen Landesteilen Indiens gibt es noch weitere traditionelle Sammeltechniken. CSE hat sie alle dokumentiert und durch moderne Systeme, die großstadttauglich sind, erweitert. Seit einiger Zeit werden im ganzen Land sogenannte Regencenter aufgebaut, in denen das traditionelle und moderne Regenwasser-Wissen vermittelt wird.

Die Menschen werden jetzt wieder verstĂ€rkt in die Wasserversorgung einbezogen. Das gehört zum Konzept des CSE und anderer Hilfsorganisationen in Indien. Die Menschen sollen die Verantwortung fĂŒr ihr Wasser wieder selbst tragen.

Ergebnisse

FrĂŒher war der grĂ¶ĂŸte Teil des Alwar-Distrikts auf der Landkarte als „dunkle Zone“ aufgefĂŒhrt, als Gebiet, in dem es kaum noch Grundwasser gibt. Heute, 15 Jahre und viele Johads spĂ€ter, ist es wieder eine „weiße Zone“ mit viel Wasser. Seit 1985 wurden in mehr als 850 Dörfern ĂŒber 5.000 Johads gebaut. Diese Gegenden sind heute wieder grĂŒn, eine moderate Landwirtschaft ist möglich, und die Leute kehren aus den StĂ€dten in ihre Dörfer zurĂŒck. Jedes Jahr werden 400 neue Johads gebaut und viele kahle HĂŒgelketten neu aufgeforstet. Experten sind ĂŒberzeugt, dass sich diese Methode der Wassergewinnung auch in anderen Teilen der Welt anwenden ließe, zum Beispiel in den DĂŒrregebieten im SĂŒden Indiens oder in der Sahelzone von Afrika.

Musik

Die Herrscher der einstigen FĂŒrstenstaaten waren die wesentlichen Förderer der höfischen indischen Musik. Viele muslimische und hinduistische Musiker lebten in deren Umkreis und traten regelmĂ€ĂŸig in den PalĂ€sten auf. Als die grĂ¶ĂŸten Förderer von Musik und Tanz traten die Rajas von Jaipur hervor. Bei den Hofmusikern von Jaipur liegen die Wurzeln der Dagar-Musikerfamilie, die ihre Tradition des strengen klassischen Gesangsstils Dhrupad bis in das 16. Jahrhundert zurĂŒckfĂŒhren. In Jaipur entstanden weitere Musiktraditionen (Gharanas), in denen vokale und instrumentale Formen des Dhrupad und des weniger strengen Khyal gepflegt werden.

Charakteristischer fĂŒr Rajasthan als die Formen der klassische Musik sind zahlreiche regionale Volksmusikstile, vor allem die an Tempeln und Schreinen gesungenen religiösen Lieder (bhajan und kirtan). Die Musikkultur wird wesentlich von professionellen Musikern geprĂ€gt, die unterschiedlichen Musikerkasten angehören. Die Musiker stehen in einer alten Tradition, die in den Familien vererbt wird, wobei sich wie anderswo die Musik der Frauen und MĂ€nner unterscheidet. Einige dieser Musikgruppen sind sesshaft und erhalten regelmĂ€ĂŸige Zuwendungen von Angehörigen der lokalen Oberschicht, andere Gruppen reisen zu Festen in entfernte Regionen und suchen neue Auftrittsmöglichkeiten. Die Langas und Manganiyars sind muslimische Musikerkasten, die in der WĂŒste Thar im Westen leben (Distrikte Jaisalmer, Barmer und Jodhpur). Beide Gruppen nahmen frĂŒher am Jajmani-System teil, dem traditionellen AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnis der Musiker/Darsteller von einem wohlhabenden UnterstĂŒtzer, an dessen Ernteertrag sie beteiligt waren und von dem sie darĂŒber hinaus zu bestimmten AnlĂ€ssen Geschenke erhielten. Eine Untergruppe der Langas spielt zwei Varianten der bundlosen Streichlaute sarangi und die Streichlaute surinda zur Gesangsbegleitung, die andere Untergruppe singt nicht, sondern spielt die Kegeloboe surnai, die Maultrommel morchang oder die Doppel-Schnabelflöte santara (entspricht etwa der alghoza). Die kleine zweifellige Zylindertrommel dholak haben die Langas in jĂŒngster Zeit von den Manganiyars ĂŒbernommen. Die Manganiyars spielen, auch wenn sie Muslime sind, fĂŒr ihre Auftraggeber religiöse Musik in Hindutempeln. Ihr hauptsĂ€chliches Streichinstrument ist die kamaica (kamaicha) mit einem runden Korpus. An die Stelle der kamaica tritt heute hĂ€ufig ein indisches Harmonium; fĂŒr den Rhythmus sorgen die zweifelligen Trommeln dhol, dholak und die hölzernen Handklappern kartal. Manche Manganiyar-SĂ€nger spielen nebenbei die Kastenzither swarmandal. In ganz Rajasthan wird die vier- bis fĂŒnfsaitige Langhalslaute tandura zur Begleitung religiöser GesĂ€nge eingesetzt.

Eine endgeblasene Rohrflöte, die auch im sĂŒdlichen Pakistan vorkommt, ist die narh. Im sĂŒdlichen Rajasthan dient in den Dörfern der Mina-Kaste die Sanduhrtrommel dhak (namensverwandt mit der dhadd) zur DurchfĂŒhrung von Besessenheitsritualen. Eine weitere Musikerkaste von niedriger sozialer Stellung sind die hinduistischen Dholis, benannt nach ihrer großen Trommel. Sie ziehen als Tanz- und Musiklehrer in ganz Nordindien umher. Die Dholis bevorzugen „Kathak“ als Eigenbezeichnung, weil sie sich als Urheber des klassischen nordindischen Tanzstils Kathak verstehen. Neben der dhol spielen sie das kleine Kesseltrommelpaar naqqara, die zweifellige dhumsa (nicht zu verwechseln mit der namensgleichen Kesseltrommel dhamsa) und die Kegeloboe shehnai. Diese Musikinstrumente gehören zur Tradition des indo-islamischen Zeremonialorchesters naubat und sind in die hinduistische religiöse Musik ĂŒbergegangen. Einzelne Straßenmusiker begleiten ihre GesĂ€nge mit der gestrichenen Langhalslaute ravanahattha.

Traditionelle professionelle Musikerinnen stammen unter anderem aus den Musikerkasten Dholi und Mirasi oder stehen in der Nachfolge der im 18./19. Jahrhundert angesehenen, den Kurtisanen vergleichbaren Unterhalterinnen (tawaif) an der FĂŒrstenhĂ€usern. Weiter verbreitet sind die von nichtprofessionellen Frauengruppen bei Festen und Familienfeiern gesungenen Lieder. Diese Lieder sind Bestandteil des Tempeldienstes oder sollen den Kontakt mit Verstorbenen oder Geistern (Bhutas) aufnehmen. Daneben kennen Frauen Unterhaltungslieder zu allen gesellschaftlichen Themen des Alltags, die wie der klassische Gesangsstil khyal genannt werden. Im ganzen Bundesstaat ist der Kreistanz ghumar beliebt, der hauptsĂ€chlich zum FrĂŒhlingsfest Gangaur gehört, das von den Frauen im MĂ€rz–April zur Verehrung von Gauri gefeiert wird. Bunt gekleidete TĂ€nzerinnen, die klingelnde Fußkettchen (ghungru) tragen, drehen sich dabei schnell im Kreis, begleitet von der Fasstrommel dhol. Der MĂ€nnertanz kacchi ghori, bei dem der TĂ€nzer wie ein BrĂ€utigam gekleidet wild mit einer Pferdeattrappe agiert, wurzelt in der kriegerischen Tradition. Er wird von Trommeln (dhol) und Naturtrompeten (bankia) begleitet bei Hochzeiten und anderen sozialen Ereignissen aufgefĂŒhrt.

Literatur

  • Hans-Joachim Aubert: Rajasthan, Delhi, Agra. DuMont, Köln 2001, ISBN 3-7701-5221-2.
  • Ian Copland: The princes of India in the endgame of empire 1917–47. Cambridge 1997, ISBN 0-521-57179-0.
  • Pauline van Lynden: Rajasthan. Coll. Rolf Heyne, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-89910-286-X (Bildband).
  • Robert Strasser: Rajasthan – Das Land der Könige. Indoculture, Stuttgart 1989.
  • James Tod: Annals and Antiquities of Rajast'han or the Central and Western Rajpoot States of India, Volume 1. London 1829.
  • James Tod: Annals and Antiquities of Rajast'han or the Central and Western Rajpoot States of India, Volume 2. London 1832.

Weblinks

  • Offizielle Webseite der Regierung von Rajasthan (englisch)
  • Rajasthan Kartenmaterial (englisch)

Einzelnachweise



 

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auch: Greater Rajasthan; Rajputana, Greater Rajasthan, Rajputana

ISO 3166-2:
Bezeichnung der Region: State

Fläche ca.: 343110.10 km²

Länge der Grenze ca.: km


Ausdehnung / Grenzen (dezimale Koordinaten nach WGS 84):
nördlichster Punkt: 30.204
südlichster Punkt: 23.036
westlichster Punkt: 69.465
östlichster Punkt: 78.247

 
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