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Karte Karte: Region Lissabon

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Region Informationen Region: Lissabon

Informationen:


Lissabon (portugiesisch Lisboa [li íňąő≤o…ź]) ist die Hauptstadt Portugals sowie des gleichnamigen Landes-Regierungsbezirks Distrikt Lissabon, sie ist mit knapp 600.000 Einwohnern sowie mit 2,8 Mio. Einwohnern im Gro√üraum Lissabon (Stand 2019) eine der gr√∂√üeren St√§dte in der Europ√§ischen Union. Der Distrikt Lissabon hat 2.963.272 Einwohner, die Metropole liegt an einer Bucht der Flussm√ľndung des Tejo im √§u√üersten S√ľdwesten Europas an der Atlantikk√ľste der Iberischen Halbinsel. Au√üerhalb der Stadt Lissabons erstreckt sich zwischen Cascais und Estoril eine Reihe von Str√§nden am Atlantik.

Der Handelshafen an der Tejo-Bucht wurde vor der r√∂mischen Herrschaft Alis Ubbo genannt. Lissabon, eine Gr√ľndung der Ph√∂nizier, erhielt zu Zeiten Julius Caesars unter dem Namen Colonia Felicitas Iulia r√∂misches Stadtrecht. 711 fiel der Ort wie der gr√∂√üte Teil der Iberischen Halbinsel an die Mauren; im Kontext des Zweiten Kreuzzugs wurde Lissabon 1147 portugiesisch und damit wieder unter christliche Herrschaft gestellt. Nach der Verlegung des K√∂nigssitzes von Coimbra wurde die Stadt im Jahr 1256 unter K√∂nig Afonso III. zur Hauptstadt des K√∂nigreichs Portugal. Um 1500 erlebte Lissabon einen brillanten Aufstieg zu einer der glanzvollsten Handels- und Hafenst√§dte der damaligen Zeit.

Ein gewaltiges Erdbeben besiegelte im Jahr 1755 den wirtschaftlichen Niedergang der Stadt, der bereits Jahrzehnte zuvor schleichend eingesetzt hatte, und sorgte in ganz Europa f√ľr Aufsehen. Im 19. Jahrhundert erlebte Lissabon einen Wiederaufstieg.

Seit dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts ist die Stadt allerdings massiv geschrumpft (von √ľber 800.000 Einwohnern um 1980 auf etwa 500.000 um 2017); viele Menschen sind in das Umland gezogen. Lissabon hat mit erheblichen strukturellen Problemen zu k√§mpfen, unter denen vor allem die marode Bausubstanz vieler Geb√§ude und der enorme Stra√üenverkehr herausragen. Durch gro√üe und kleinere Infrastrukturprojekte hat jedoch auch schon eine Modernisierung eingesetzt, die sich u.¬†a. in Wohnungsbau- und Renovierungsprogrammen oder auch in einem wachsenden Radwegenetz und Ausbau des √∂ffentlichen Nahverkehrs zeigt. 2020 wurde Lissabon zur Umwelthauptstadt Europas gek√ľrt. Auch als IT-Standort hat die Stadt inzwischen Bedeutung, mit wachsender Anzahl Start-up-Unternehmen, IT-Entwicklungsabteilungen internationaler Unternehmen, oder auch seit 2016 als Gastgeber des Web Summit, einem bedeutenden internationalen Technologietreffen.

Als noch immer gr√∂√üte Stadt Portugals mit dem wichtigsten Hafen, dem Regierungssitz, den obersten Staats- und Regierungsbeh√∂rden, mehreren Universit√§ten und der Akademie der Wissenschaften (Academia das Ci√™ncias de Lisboa) ist die Stadt heute das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. 1994 war Lissabon Kulturhauptstadt Europas, mit der Expo 98 fand hier die Weltausstellung 1998 statt, und mit dem Hieronymitenkloster und der Torre de Bel√©m beherbergt die Stadt UNESCO-Welterbest√§tten (Eintrag 1983). Auch der hier beheimatete Fado ist seit 2011 UNESCO-gesch√ľtzes Immaterielles Kulturerbe. Zahlreiche internationale Gro√üveranstaltungen fanden und finden h√§ufig in Lissabon statt, darunter der Eurovision Song Contest 2018, der MTV Europe Music Awards 2005, sieben Rock-in-Rio-Festivals oder Fu√üball-Finalspiele wie das der Fu√üball-Europameisterschaft 2004, des UEFA-Pokals 2005 und die UEFA-Champions-League-Finale 2014 und 2020, neben einer Vielzahl weiterer kultureller und sportlicher Veranstaltungen. Vor allem seit den 2010er Jahren zogen eine Reihe international bekannter Pers√∂nlichkeiten nach Lissabon, vor allem Schauspieler, Musiker und Sportler. Dies steigerte die wachsende Anziehungskraft der Stadt auf Touristen noch weiter. Inzwischen laufen Kreuzfahrtschiffe die Stadt h√§ufig an. Die Stadt gewann mehrfach internationale Preise als Reiseziel, etwa die World Travel Awards in Kategorien wie bestes St√§dtereiseziel (2019) oder bestes Kreuzfahrtziel (2020), u. a.

Der Ort ist Sitz einiger Agenturen der Europ√§ischen Union, darunter der Europ√§ischen Beobachtungsstelle f√ľr Drogen und Drogensucht und der Europ√§ischen Agentur f√ľr die Sicherheit des Seeverkehrs. Auch die Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen L√§nder (CPLP) hat ihren Hauptsitz in Lissabon.

Lissabon galt 2007 als die sicherste Hauptstadt Europas.

Geographie

Das Stadtgebiet von Lissabon entspricht dem Kreis Lissabon und umfasst 84,7¬†km¬≤ Fl√§che bei 506.654 Einwohnern (Stand 2018). Im Distrikt Lissabon leben rund 2.400.000 Menschen (Stand 2015) und in der Metropolregion Lissabon mit 3.200.414 Menschen (Stand 2015) mehr als 30¬†% der portugiesischen Bev√∂lkerung. Die Metropolregion erstreckt sich √ľber Grande Lisboa am n√∂rdlichen Ufer des Tejo und die Pen√≠nsula de Set√ļbal im S√ľden.

Geographische Lage

Lissabon befindet sich auf der Iberischen Halbinsel. Die Stadt liegt an einer Bucht am n√∂rdlichen Ufer der Flussm√ľndung des Tejos im √§u√üersten S√ľdwesten Europas an der Atlantikk√ľste. Der sich kurz vor seiner M√ľndung ausbreitende Tejo verengt sich auf den letzten Kilometern bis zum Atlantik. Dort zieht sich die Stadt am Ufer entlang. Vom Ufer aus steigt sie stufenf√∂rmig an mehreren H√ľgeln empor. In Lissabon gibt es hohe H√ľgel und tiefe Taleinschnitte. Die h√∂chste Erhebung im Stadtgebiet erreicht 226 Meter. Die Stadt hat sich lange Zeit nur am Tejo entlang entfaltet. Seit dem 20. Jahrhundert breitet sich die Hauptstadt best√§ndig landeinw√§rts aus.

Geologie

Die Stadt liegt auf sieben H√ľgeln, die kleineren Anh√∂hen nicht mitgerechnet. Im Atlantik auf der H√∂he von C√°diz verl√§uft in ostwestlicher Richtung eine tektonische Verwerfung, die sogenannte Gloria-Blattverschiebung. Zwei weitere tektonische Besonderheiten, die Gorringe-Bank und die Marqu√™s-de-Pombal-Verwerfung, liegen auf H√∂he der portugiesischen S√ľdk√ľste. Erdbeben sind eine Folge des Zusammensto√üens der nordw√§rts driftenden afrikanischen Platte mit der iberischen Halbinsel (eurasischen Platte). Des Weiteren deuten zahlreiche aktive Schlammvulkane im Golf von Cadiz auf fortw√§hrende seismische Aktivit√§ten in der Region hin. Aufgrund der vergangenen Erdbeben wurden 2004 am Meeresboden Beobachtungspunkte angelegt. Sie sollen Temperatur- und Druckschwankungen messen, die auf Spannungen in der Erdkruste hindeuten, die sich in einem Erdbeben entladen k√∂nnen.

Klima

Die Klimaklassifikation nach Lauer und Frankenberg (1987) ordnet das Klima Portugals dem maritimen und semihumiden Klima der subtropischen Klimazone zu. Aufgrund seiner Lage direkt am Atlantik wird es vom Temperaturverhalten des Meeres gepr√§gt: Nicht zu hei√üe Sommer und verh√§ltnism√§√üig milde Winter. Die Temperaturen fallen nur selten unter 0¬†¬įC. Noch seltener ist Schneefall zu verzeichnen.

Die Monate mit den h√∂chsten Niederschlagswerten sind Oktober bis M√§rz. Entscheidend ist die Lage am k√ľhlen Kanarenstrom, der in s√ľdlicher Richtung an der K√ľste Portugals entlangstreicht. Er bewirkt in der warmen Jahreszeit h√§ufig K√ľstennebel. Im Winter liegt Lissabon im Einflussbereich atlantischer Tiefausl√§ufer, die im K√ľstenbereich viel Regen bringen. Das j√§hrliche Niederschlagsmittel betr√§gt 656¬†mm.

Etymologie

Es gibt unterschiedliche Erkl√§rungen zur Namensentstehung. Lissabon wurde von den Goten und R√∂mern Olissipona bzw. Olisibona genannt. Die Volksetymologie sieht darin einen Zusammenhang mit dem Helden Odysseus. Unter Julius Caesar hie√ü der zur Provinz Lusitania geh√∂rende Ort Felicitas Julia. Andere leiten den Namen Lissabon von dem ph√∂nizischen Alis ubbo ab. Eine weitere Theorie erkl√§rt die Namensch√∂pfung mit den vorr√∂mischen Namen des Flusses Tejo, ‚ÄěLisse‚Äú oder ‚ÄěLucio‚Äú.

Der Name Lissabon wird √ľblicherweise als ‚ÄěLX‚Äú oder ‚ÄěLx‚Äú abgek√ľrzt, was auf die antiquierte Schreibweise ‚ÄěLixb√Ķa‚Äú zur√ľckgeht. W√§hrend die alte Schreibweise inzwischen komplett aus dem Sprachgebrauch verschwunden ist und gegen moderne Sprachstandards verst√∂√üt, wird die Abk√ľrzung immer noch h√§ufig verwendet.

Stadtgliederung

Lissabon war bis 2013 in 53 Stadtgemeinden aufgegliedert, die wiederum aus administrativen Gr√ľnden vier Bezirken (bairros) zugeordnet waren.

Nach langer öffentlicher Diskussion verabschiedete das Portugiesische Parlament am 8. November 2012 das Gesetz Nr. 56/2012 zur Reorganisation der Stadtgemeinden von Lissabon. Die Gebietsreform in Portugal trat im folgenden Jahr in Kraft. Seit 2013 ist Lissabon in 24 Stadtgemeinden (freguesias) aufgegliedert:

Geschichte

Die Stadt wurde in ihrer Geschichte mehrfach von Erdbeben, Feuersbr√ľnsten und Epidemien heimgesucht.

Von den Anfängen bis 1147

Die Ph√∂nizier gr√ľndeten ab 1000 v. Chr. in Portugal St√ľtzpunkte, vermutlich auch an der Stelle des heutigen Lissabon. Sie und sp√§ter die Karthager sollen den Platz Alis Ubbo (fr√∂hliche Meeresbucht bzw. lustiger Meeresbusen) genannt und als einzigen gro√üen Naturhafen an der iberischen Atlantikk√ľste genutzt haben. Ausgrabungen bereits aus ph√∂nizischer Zeit k√∂nnen im Castelo de S√£o Jorge besichtigt werden; weit umfangreicher sind griechische Siedlungsspuren. Sollte sich hier nicht nur ein Handelspunkt, sondern tats√§chlich eine griechische Stadt (polis) befunden haben, so ist der griechische Name dieser Siedlung unbekannt. Nach Plinius dem √Ąlteren galt Lissabon in sp√§terer Zeit als eine Gr√ľndung des Odysseus.

Unter r√∂mischer Herrschaft, ab etwa 205 v. Chr., hie√ü die Stadt zun√§chst Olisipo. Julius Caesar gelang es im Keltiberischen Krieg ab 60 v. Chr. von Lissabon aus, den letzten Widerstand der einheimischen St√§mme zu brechen. Unter Caesar wurden hier sp√§ter r√∂mische Veteranen angesiedelt, um das Gebiet zu kontrollieren; die Ortschaft erhielt 48 v. Chr. das r√∂mische Stadtrecht und wurde nachfolgend als Colonia Felicitas Iulia zu einem gr√∂√üeren Ort in der Provinz Lusitania. Ab 409 n. Chr. drangen dann barbarische St√§mme von Gallien aus auf die Iberische Halbinsel vor. W√§hrend der sp√§tantiken V√∂lkerwanderungszeit versuchten Alanen, Sueben, Vandalen und Westgoten Lissabon zu besetzen. Im Jahr 468 √ľbergab der r√∂mische Stadtkommandant Lusidius die Stadt an die Sueben, doch schon kurz nach dem Erdbeben von 472, bei dem gro√üe Teile der alten R√∂merstadt zerst√∂rt wurden, begann die Herrschaft der Westgoten. Die Westgoten erneuerten wahrscheinlich die r√∂mische Festungsmauer.

719 wurde Lissabon von muslimischen Mauren erobert und sp√§ter Teil des Emirats von C√≥rdoba. Danach erlebte die Stadt, die nun al-Ushbuna hie√ü, ihren ersten gro√üen Aufschwung. Alfons II. siegte zwar bei Lugo im Kampf gegen die Mauren, drang bis zum Tejo vor und eroberte 798 f√ľr kurze Zeit die Stadt. Lissabon fiel jedoch bald danach wieder an die Mauren. Im Kalifat von C√≥rdoba war die Stadt einer der wichtigsten H√§fen, zugleich versuchten christliche Galicier und Leonesen wiederholt, den Ort einzunehmen. Im Jahr 955 sandte Ordonho III de Le√£o im Kampf gegen die Muslime seine Armee bis nach Lissabon. Wikinger verw√ľsteten die Stadt und das Umland im Jahr 844.

Im 11. Jahrhundert geh√∂rte Lissabon zum Emirat der maurischen Aftasiden von Badajoz. Ab 1093 bekam Graf Raymond von Armous, ein j√ľngerer Sohn des Herzogs Wilhelm I. von Burgund, vom leonesischen K√∂nig Alfons VI. die Herrschaft in Galicien √ľbertragen. Von dort aus unternahm er Feldz√ľge gegen die Mauren im S√ľden. Dabei gelang es ihm, vor√ľbergehend in Lissabon einzuziehen, nachdem der muslimische Herrscher von Badajoz sich K√∂nig Alfons unterworfen hatte. Doch auch diese Eroberung (bis 1095) war ebenso wie die Besetzung Lissabons durch norwegische Kreuzfahrer unter Sigurd 1108 (bis 1111) noch nicht von Dauer.

Auch beim Regierungsantritt von K√∂nig Dom Alfonso Henriques (Alfons I.) wurde der S√ľden der Iberischen Halbinsel noch von den Mauren gehalten. Doch im Jahr 1147 f√ľhrte die Belagerung von Lissabon endg√ľltig zur Einnahme der Stadt durch die Portugiesen (reconquista, deutsch ‚ÄěR√ľckeroberung‚Äú). Entscheidend war dabei ausw√§rtige Unterst√ľtzung f√ľr die Angreifer: Die erfolgreiche Belagerung der Stadt durch ein Kreuzritterheer des Zweiten Kreuzzugs sicherte Alfons I. die Grundlage f√ľr die Herrschaft √ľber das gesamte Umland. Gegen 1195 wurde der heilige Antonius von Padua, der zuweilen auch Antonius von Lissabon genannt wird, in Lissabon geboren.

Als Hauptstadt des Königreichs Portugal bis zur spanischen Besetzung

Alfons III. verlegte 1256 seine Residenz von Coimbra nach Lissabon. Die Stadt wurde damit zur Hauptstadt des K√∂nigreichs Portugal. 1344 ersch√ľtterte ein Erdbeben die Stadt. Die gro√üe Pest, der von September 1348 bis Anfang 1349 wahrscheinlich mehr als ein Drittel der Bev√∂lkerung des Landes zum Opfer fielen, dezimierte auch radikal die Bev√∂lkerung der portugiesischen Hauptstadt.

Ferdinand I. lie√ü nach seiner Thronbesteigung 1367 eine neue Stadtmauer errichten. Die Bauarbeiten an der Ringmauer waren um 1370 abgeschlossen. Im Frieden von Alcoutim verpflichtete sich Ferdinand I. unter anderem, eine Tochter Heinrich II. zu heiraten. Er verliebte sich dann aber in die portugiesische Adlige Leonore Teles de Menezes und heiratete diese anstatt der kastilischen Prinzessin. Ver√§rgert √ľber den Vertragsbruch griff Heinrich II. daraufhin Portugal an und pl√ľnderte im Jahr 1373 Lissabon. Zehn Jahre sp√§ter war Lissabon Schauplatz der ersten ‚Äěb√ľrgerlichen‚Äú Revolution in Europa: Nach dem Tode Ferdinands I. √ľbernahm zun√§chst dessen Witwe, Leonore Teles de Menezes, zusammen mit einem Liebhaber f√ľr sechs Wochen die Macht. Daraus erwachsende Spannungen und Auseinandersetzungen m√ľndeten schlie√ülich in die Krise bzw. Revolution von 1383. In Lissabon kam es zu einem Aufstand der Handwerkerz√ľnfte. Gest√ľtzt auf gro√üe Teile des niederen Adels und auf das B√ľrgertum von Porto und Lissabon stellte sich der sp√§tere K√∂nig Johann I. an die Spitze des Aufstandes, t√∂tete eigenh√§ndig Leonores Liebhaber und zwang Leonore ins Exil nach Kastilien. Sein Sohn, Heinrich der Seefahrer, legte um 1430 die Grundlagen f√ľr Portugals Aufstieg zur Seemacht, mit Lissabon als wichtigstem Hafen.

Unter der Herrschaft Manuels I. entwickelte sich Lissabon zu einem f√ľhrenden Zentrum des Welthandels. Am 9. September 1499 wurde hier Vasco da Gama nach seiner ersten Indienreise ein triumphaler Empfang bereitet. 1503 kam es in Lissabon zur Gr√ľndung der Casa da √ćndia, deren T√§tigkeit die Basis der portugiesischen Wirtschafts- und Handelspolitik in den folgenden beiden Jahrhunderten bildete. Besonders in Lissabon wuchsen Handel und Gewerbe, was nicht unwesentlich der Ausbeutung der portugiesischen Kolonien in Afrika, Asien und S√ľdamerika zu verdanken war. Bereits um 1500 sprach man von einer ersten Bl√ľte Lissabons, die bis Mitte des 16. Jahrhunderts andauerte. Der Lissabonner Hafen war in der damaligen Zeit einer der gr√∂√üten der Erde.

1506 kam es zur Zeit Manuels I. in der Stadt zu einem Pogrom gegen die in den Jahren zuvor zwangsgetauften Juden (Marranen), der hohe Opfer forderte, die Handels- und Finanzbeziehungen der Stadt nachhaltig sch√§digte und eine Auswanderungswelle in Gang setzte. Die erste Volksz√§hlung in Portugal wurde dann in der Zeit von 1527 bis 1532 durchgef√ľhrt. Lissabon z√§hlte damals 13.010 Haushalte bzw. zwischen 50.000 und 65.000 Einwohner. Die Stadt hatte sich zu einer europ√§ischen Metropole entwickelt. 1531 wurde sie jedoch erneut von einem Erdbeben ersch√ľttert. Dabei kam eine unbekannte Zahl von Einwohnern ums Leben. Die Sch√§tzzahlen liegen zwischen 1.000 und 30.000 Menschen.

1536 wurde unter Johann III. die Inquisition eingef√ľhrt. Vier Jahre sp√§ter fanden in Lissabon die ersten √∂ffentlichen Vollstreckungen von Urteilen statt. 1569 forderte eine Pestepidemie in Lissabon und Umgebung bis zu 60.000 Menschenleben.

Von der spanischen Besetzung bis zum großen Erdbeben

1580 starb K√∂nig Heinrich I. Im Rahmen eines Portugalfeldzugs nahm im selben Jahr der Herzog von Alba Lissabon f√ľr die spanische Krone in Besitz. Zwei Jahre sp√§ter verstarb er in Lissabon als Portugiesischer Generalgouverneur der spanischen Habsburger. Vom Tag der Eroberung blieb Lissabon f√ľr die folgenden 60 Jahre von den Spaniern besetzt; Portugal war in dieser Zeit in Personalunion mit Spanien vereint. Am 28. Mai 1588 liefen die ersten Schiffe der Spanischen Armada gegen England aus dem Hafen von Lissabon aus. Der Aufbruch der Kriegsflotte mit 130 Schiffen zog sich bis zum 30. Mai hin. Die Schiffe waren mit etwa 27.000 Soldaten bemannt und mit √ľber 2600 Kanonen best√ľckt.

Am 1. Dezember 1640 schlossen sich mehrere portugiesische Adlige zum Aufstand gegen die spanische Regierung zusammen. Frankreich, der gro√üe Widersacher der Habsburger (und damit auch Spaniens), sah darin eine Chance, die Habsburger zu schw√§chen, und ermunterte den Herzog von Braganza zum Aufstand. In einem Handstreich wurde die spanische Statthalterin, die Herzogin von Mantua, in Lissabon gest√ľrzt und das Oberhaupt der Familie Braganza, Herzog Johann II. am 15. Dezember 1640 als Johann IV. zum K√∂nig von Portugal ausgerufen. Es folgte ein jahrelanger Krieg. Erst 1668 beendete der Vertrag von Lissabon den Spanisch-Portugiesischen Krieg und besiegelte die erneute Unabh√§ngigkeit des Landes.

1696 leiteten Gold- und sp√§tere Diamantenfunde in Brasilien eine zweite Bl√ľte der portugiesischen Hauptstadt ein. Am 27. Dezember 1703 wurde der Methuenvertrag zwischen England und Portugal in Lissabon geschlossen. Das Abkommen band Portugal wirtschaftlich noch enger an England, was in den folgenden Jahrzehnten zu einem langsamen √∂konomischen Niedergang Lissabons f√ľhrte, das nun wohl √ľber 200.000 Einwohner z√§hlte und damit eine Metropole Europas war.

Am 1. November 1755 wurde Lissabon durch ein sehr starkes Erdbeben und einen anschlie√üenden Tsunami zu zwei Dritteln zerst√∂rt. Nach heutigen Sch√§tzungen hatte es die St√§rke 8,7 bis 9,0 auf der Richterskala. Zeitgen√∂ssische Quellen geben allein f√ľr Lissabon bis zu 60.000 Todesopfer an; die Zahl d√ľrfte √ľbertrieben sein, doch gehen auch moderne Sch√§tzungen von bis zu 100.000 Opfern in ganz Portugal aus. Die Ersch√ľtterungen waren in ganz Europa und Nordafrika zu sp√ľren. Planm√§√üig wiederaufgebaut wurde die Stadt von dem Markgrafen von Pombal. Besonders typisch f√ľr diesen Wiederaufbau ist die Baixa, die Unterstadt, mit ihren rechtwinklig angelegten Stra√üen im Bereich um die Rua Augusta. Neben den physischen Sch√§den, die das Erdbeben anrichtete, ersch√ľtterte es auch die aufkl√§rerischen und theistischen Denkweisen vieler Philosophen, welche die Ursache dieser Naturkatastrophe nicht erkennen konnten, die Theodizee-Frage stellten und ihren Optimismus aufgaben. Voltaire schrieb als Reaktion auf das Beben sein Po√®me sur le d√©sastre de Lisbonne (1756).

Zeit nach dem Beben bis zur Ersten Portugiesischen Republik

Lissabon erholte sich in den Folgejahren und erhielt im Jahr 1780 seine erste Stra√üenbeleuchtung mit √Ėllaternen. Das erste Postamt der Stadt er√∂ffnete 1800. Im Jahr 1807 kam es zur Besetzung Portugals durch franz√∂sische Truppen. Die K√∂nigsfamilie mitsamt dem Hofstaat floh deshalb nach Brasilien. Ende November 1807 verlie√üen 36 Schiffe mit rund 15.000 Personen und der Aristokratie des Landes den Lissabonner Hafen. Prinzregent Johann VI. erreichte im M√§rz 1808 Brasilien. Rio de Janeiro wurde danach neuer Regierungssitz.

In der Stadt brach 1811 Typhus aus. 1833 folgte dann Cholera. Daran starben innerhalb von 9 Monaten 13.522 Menschen. Im Miguelistenkrieg wurde das von König Michael besetzte Lissabon am 24. Juli 1833 von Truppen Peters I. eingenommen. Während der Septemberrevolution trafen am 9. September 1836 setembristische Abgeordnete aus Porto, an ihrer Spitze Manuel da Silva Passos, in der portugiesischen Hauptstadt ein. Sie wurden von der Bevölkerung Lissabons triumphal empfangen.

Im Jahre 1849 wurden die ersten Stra√üenlaternen mit Gas beleuchtet. Zwei Jahre sp√§ter er√∂ffnete die Eisenbahnlinie Lissabon‚ÄďCarregado. Der Vertrag von Lissabon beschloss am 20. April 1859 die Aufteilung und den Austausch portugiesischer und niederl√§ndischer Besitzungen auf dem Solor- und Timorarchipel zwischen Portugal und den Niederlanden. 1873 erfolgte die Inbetriebnahme der Pferdebahn, genannt ‚ÄěO Americano‚Äú. Die ersten elektrischen Stra√üenlaternen wurden 1878 angeschlossen. Der Rossio-Bahnhof er√∂ffnete offiziell am 11. Juni 1890. Der Elevador do Munic√≠pio bestand von 1897 bis 1920.

Von der Ersten Portugiesischen Republik bis zur Gegenwart

Am 5. Oktober 1910 wurde auf dem Balkon des Rathauses die Erste Portugiesische Republik ausgerufen. K√∂nig Emanuel II. floh daraufhin ins Exil nach England. Damit endete die 771-j√§hrige Geschichte der portugiesischen Monarchie. Am 19. Oktober 1921 wurden in der Lissabonner Blutnacht bei einem Aufstand der Republikanischen Garden der Regierungschef Ant√≥nio Joaquim Granjo und eine Reihe anderer Politiker get√∂tet. Ein Milit√§rputsch beendete im Jahr 1926 die Erste Portugiesische Republik. Acht Jahre sp√§ter kam der Ministerpr√§sident und Diktator von Portugal Ant√≥nio de Oliveira Salazar an die Macht. Er verk√ľndete den Estado Novo, den ‚ÄěNeuen Staat‚Äú, eine konservativ-autorit√§re Diktatur. In der Zeit des Estado Novo, von 1926 bis 1974, wuchs die Stadt weiter. Sie wurde zu Lasten des restlichen Landes ausgebaut.

Während des Zweiten Weltkrieges blieb Portugal neutral; Geheimdienste beider Seiten wurden hier tätig; Männer wie Ian Fleming und Johnny Jebsen arbeiteten hier, und Gefangene wie George F. Kennan wurden in Lissabon ausgetauscht.

Die Statue des Cristo Rei in Almada, die sich mit ausgebreiteten Armen der Stadt Lissabon zuwendet, wurde nach rund zehnj√§hriger Baut√§tigkeit am 17. Mai 1959 eingeweiht. Im Dezember 1959 er√∂ffnet die erste Metro-Linie in Lissabon. 1966 wurde eine H√§ngebr√ľcke √ľber den Tejo nach Almada fertiggestellt, die der Golden-Gate-Br√ľcke in San Francisco √§hnelt. Vor der Nelkenrevolution noch nach Ant√≥nio de Oliveira Salazar benannt, hei√üt sie nun Ponte 25 de Abril (deutsch ‚ÄěBr√ľcke des 25. April‚Äú).

Ende April 1974 war Lissabon das Zentrum der Nelkenrevolution. Mit der Beendigung des Kolonialkriegs in Afrika 1975 kam es zu einer Fluchtwelle aus Angola und Mosambik insbesondere in den Gro√üraum von Lissabon. Ein Gro√übrand im Altstadtviertel Chiado zerst√∂rte 1988 diverse Geb√§ude. Im Jahr 1994 wurde Lissabon Kulturhauptstadt Europas. Zwei Jahre sp√§ter verabschiedeten der Europarat und die UNESCO in Lissabon eine neue gemeinsame allgemeine Hochschulkonvention, die sogenannte ‚ÄěLissabon-Konvention‚Äú. 1998 wurde die insgesamt √ľber 17 Kilometer lange Autobahn-Br√ľcke Ponte Vasco da Gama √ľber den Tejo anl√§sslich der Weltausstellung Expo 98 fertiggestellt.

Im M√§rz 2000 verabschiedeten die europ√§ischen Staats- und Regierungschefs auf einem Sondergipfel die Lissabon-Strategie. Die Strategie hat das Ziel, die EU bis 2010 zum wettbewerbsf√§higsten und dynamischsten wissensgest√ľtzten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Am 13. Dezember 2007 wurde unter portugiesischer Ratspr√§sidentschaft der Vertrag von Lissabon (auch EU-Grundlagenvertrag genannt) zwischen den 27 Mitgliedstaaten der Europ√§ischen Union unterzeichnet. Beim NATO-Gipfeltreffen in der Zeit vom 19.‚Äď20. November 2010 hat die NATO in Lissabon ein neues strategisches Konzept beschlossen. Zu dem Konzept geh√∂rt der Aufbau eines Raketenabwehrschirms zum Schutz ihres gesamten Territoriums.

Lissabon war vom 8. bis zum 12. Mai 2018 Austragungsort des 63. Eurovision Song Contest, nachdem Salvador Sobral mit Amar Pelos Dois den ESC 2017 in Kiew gewonnen hatte.

Bevölkerung

Einwohnerentwicklung

Die Bev√∂lkerung der eigentlichen Stadt betr√§gt 499.700 (Stand: 2007); die Einwohnerzahl f√ľr die Metropolregion Lissabons betr√§gt gem√§√ü dem Instituto Nacional de Estat√≠stica (‚ÄěNationales Institut f√ľr Statistiken‚Äú) etwa 2.800.000. Die Bev√∂lkerungsdichte der Stadt selbst betr√§gt 6.658 Einwohner pro km¬≤. Im Jahr 2007 waren 13¬†% der Bev√∂lkerung unter 15 Jahre alt und 24¬†% √ľber 65 Jahre. Der nationale Durchschnitt Portugals lag bei den Personen √ľber 65 Jahren dagegen nur bei 17¬†%. Frauen stellen mit 54¬†% mehr als die H√§lfte der Einwohner Lissabons.

In den letzten 30 Jahren hat Lissabon einen dramatischen Bev√∂lkerungsr√ľckgang erlebt. Trotz des Zuzugs von 53.000 Menschen zwischen 1996 und 2001 verlie√üen im Jahr 2001 f√ľr jeden neu nach Lissabon gezogenen Bewohner zwei weitere die Stadt. Die Zuz√ľgler sind vorrangig Familien, die dank ihrer finanziellen Mittel f√ľr die hohen Wohnraumkosten aufkommen k√∂nnen; vor allem j√ľngere Leute und Vertreter des Mittelstandes sind hingegen weggezogen. Der Tendenz zur Suburbanisierung, die in der Stadt zu beobachten ist, wird durch die sukzessive Verlagerung von Wohnraum in das Gro√üstadtgebiet von Lissabon entgegengewirkt: Dies erh√∂ht die Zahl der Berufspendler massiv, so dass Mobilit√§ts- und Transportprobleme inzwischen ein kritischer Faktor im Alltag der Stadt und in Hinblick auf die Lebensqualit√§t ihrer B√ľrger geworden sind.

Einwohnerentwicklung von Lissabon (1801‚Äď2007)

Religion

Die Mehrheit der Lissabonner bekennt sich zum römisch-katholischen Glauben. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2018 gab etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung Lissabons an, katholisch zu sein (54,9 %) und 35 % gaben an, keine Religion zu haben (davon 13,1 % Gläubige ohne Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft, 10 % Atheisten, 4,9 % Indifferente und 6,9 % Agnostiker). 10 % der Bevölkerung gaben an, kleineren Religionsgemeinschaften anzugehören, wobei die Hälfte (5 %) protestantischen Kirche angab und sich die weiteren 5 % auf die Zeugen Jehovas, Muslime, Buddhisten, Orthodoxe und andere verteilten. Nur 11,4 % der Bevölkerung von Lissabon gaben an, wöchentlich eine Kirche oder einen anderen Ort des Gottesdienstes zu besuchen.

Neben ihrer demographischen Pr√§senz ist die r√∂misch-katholische Kirche auch historisch in der Stadt pr√§sent: Das erste Bistum Lissabon wurde bereits im 4. Jahrhundert gegr√ľndet. Als die Stadt von den Mauren erobert wurde, existierte es als zum Teil vakantes Titularbistum der r√∂misch-katholischen Kirche weiter. Daneben gibt es Hinweise auf namentlich nicht bekannte mozarabische Bisch√∂fe von Lissabon. Nach der Zur√ľckeroberung durch Alfons I. lebte es als r√∂misch-katholisches Bistum unter seinem Bischof, dem Normannen Gilbert von Hastings (Bischof von 1147 bis 1166), wieder auf. In diesem Zeitraum begann auch die Errichtung der Kathedralkirche Igreja de Santa Maria Maior, am ehemaligen Standort einer Moschee, die heute als √§lteste Kirche der Stadt gilt. 1716 wurde schlie√ülich das Patriarchat von Lissabon errichtet. Nach dem Europ√§ischen Jugendtreffen 2004/2005 richtet Lissabon 2023 mit dem 24. Weltjugendtag eine weitere kirchliche Gro√üveranstaltung aus.

Der Friedhof Cemitério Alemão der deutschen Gemeinde liegt in der Stadtgemeinde Santo Condestável.

Kommunalpolitik

Stadtrat und Gemeinderat

Die Gemeinde- und Kommunalversammlung werden von den Einwohnern nach dem Verh√§ltniswahlprinzip gew√§hlt. Der direkt gew√§hlte Stadtrat und der Gemeinderat stellen die lokale staatliche Gewalt. Sie sind der jeweiligen Versammlung gegen√ľber verantwortlich. Die lokale Selbstverwaltung finanziert sich aus √∂rtlichen Einnahmen und Eigenverm√∂gen sowie aus dem staatlichen Finanzausgleich. Der Haushaltsplan wird vom Gemeinde- bzw. Stadtrat ausgearbeitet und der jeweiligen Versammlung zur Entscheidung vorgelegt. Im Gro√üraum Lissabon trugen in den letzten Jahren Einnahmen von 40 bis 50 Prozent, aus der Immobiliensteuer sowie Kfz- und Gewerbesteuer, zum √∂rtlichen Haushalt bei.

Die C√°mara Municipal (dt. Stadtrat) besteht aus 17 und die Assembleia Municipal (dt. Gemeinderat) aus 107 Mitgliedern. Die Mitglieder des Gemeinderates werden von der Gemeindeversammlung gew√§hlt. Den Gemeinderatsvorsitz √ľbernimmt der Kandidat auf dem ersten Listenplatz der st√§rksten Partei vor Ort. Den B√ľrgermeister stellt die Partei mit dem h√∂chsten Anteil der Sitze im Stadtrat.

Die Kommunalwahlen vom 9. Oktober 2005 brachten folgende Ergebnisse:

Die Kommunalwahlen in der Zeit von 2007 bis 2017 brachten folgende Ergebnisse:

B√ľrgermeister

Im Mai 2007 waren vorgezogene Kommunalwahlen n√∂tig, weil der damalige Lissabonner B√ľrgermeister Carmona Rodrigues aufgrund einer Korruptionsaff√§re zur√ľcktreten musste. In der Wahl am 15. Juli 2007 w√§hlten die Lissabonner Ant√≥nio Lu√≠s Santos da Costa mit einer einfachen Mehrheit von 29,54 Prozent zum B√ľrgermeister der portugiesischen Hauptstadt. Die Wahlbeteiligung lag bei 37,39 Prozent. Am 6. April 2015 w√§hlten die Lissabonner Fernando Medina zum neuen B√ľrgermeister von Lissabon.

Wappen

Partnerstädte

Lissabon unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten:

Kultur und Sehensw√ľrdigkeiten

Stadtbild

Das heutige Stadtbild von Lissabon geht vornehmlich auf Bauma√ünahmen nach dem gro√üen Erdbeben im Jahr 1755 zur√ľck. Das Zentrum von Lissabon ist die Baixa. Die Altstadt besticht durch ihre Fliesenfassaden und mittelalterlichen, engen Gassen. Nach dem Erdbeben waren Ziegel knapp und teuer. Fassaden konnten mit Azulejos schneller und kosteng√ľnstiger verkleidet werden. In den Innenstadtvierteln pr√§gen auch Bausubstanzprobleme das Stadtbild. 1994 wurde die Gesamtzahl der Geb√§ude in Lissabon mit 62.041 angegeben. Davon stammten 30,73¬†% der Geb√§ude aus der Zeit vor 1919 und 21,37¬†% aus der Zeit zwischen 1919 und 1945. Nach Erhebungen des Zentrums f√ľr territoriale Studien der Stadt Lissabon aus dem Jahr 1992 fielen die veranschlagten Renovierungskosten des bestehenden Wohnraums mit einem Drittel auf die Geb√§ude zwischen 1850 und 1930.

Aufgrund eines Verbots, die Mieten zu erhöhen, haben seit Ende der 1960er Jahre zahlreiche Immobilienbesitzer aufgehört, in ihr Eigentum zu investieren, da aufgrund der Inflation die Mieteinnahmen nicht mehr die Unterhaltungskosten deckten. In der Folge verfielen Tausende von Häusern in Lissabon. Erst im Zuge des Reformprogramms zur Überwindung der Wirtschaftskrise Portugals wurde 2012 dieses Gesetz aufgehoben. In der Folge wurden Zehntausende Wohnungen renoviert; die Aufhebung der Mietpreisbindung hatte eine Gentrifizierung ganzer Stadtteile zur Folge.

UNESCO-Welterbe

Im Jahr 1983 wurden der Torre de Bel√©m und das Mosteiro dos Jer√≥nimos (Hieronymus-Kloster) von der UNESCO zum Weltkulturerbe erkl√§rt. Der Torre de Bel√©m, der im gleichnamigen Stadtteil an der Tejom√ľndung liegt, ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Lissabons. Der Wachturm wurde w√§hrend der napoleonischen Invasion zerst√∂rt und 1846 rekonstruiert. Neben dem nahegelegenen Mosteiro dos Jer√≥nimos geh√∂rt er zu den wenigen herausragenden Bauwerken des ‚Äěmanuelinischen Stils‚Äú, die das Erdbeben von Lissabon √ľberstanden haben. Das Mosteiro dos Jer√≥nimos liegt im Stadtteil Bel√©m. Neben den K√∂nigsgr√§bern befindet sich hier auch die Grabst√§tte des bekannten Seefahrers Vasco da Gama. Das Kloster gilt als bedeutendster Bau der Manuelinik, einer portugiesischen Variante der Sp√§tgotik, die auch einige Elemente der Renaissance enth√§lt.

Bauwerke

Sakralbauten

Zu den sehenswerten Bauwerken Lissabons geh√∂rt das Kloster S√£o Vicente de Fora. Es wurde 1147 als Augustinerkloster von Alfons I. au√üerhalb der Stadtmauern gegr√ľndet und dem heiligen Vinzenz von Saragossa gewidmet. Unter Philipp II. erhielten die Kirche und das Kloster das heutige Aussehen. In der Kirche wurden viele Familienmitglieder der portugiesischen K√∂nigsfamilie aus dem Haus Braganza begraben.

Das Castelo de São Jorge, eine Festungsanlage mit integrierter Burgruine, wurde jahrhundertelang als Königsburg genutzt. In einem Turm der Burg, dem Torre do Tombo, befand sich die königliche Urkundensammlung. Die Burg wurde 1755 beim großen Erdbeben weitgehend zerstört. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten ist die Anlage wieder in einem guten Zustand.

Die Hauptkirche der Stadt Lissabon und die Kathedrale des Patriarchats von Lissabon ist die Catedral de Santa Maria Maior. Die Bauarbeiten an der ältesten Kirche der Stadt begannen im Jahr 1147. Ein Erdbeben beschädigte 1344 das Bauwerk. Im Jahr 1380 wurde die westliche Fassade im Stil der Romanik errichtet.

Im 17. Jahrhundert errichtete man die gro√üe Barockkirche Igreja de Santa Engr√°cia (dt. Kirche der heiligen Engr√°cia). Die Kirche konnte erst im 20. Jahrhundert vollendet werden. Sie wurde nie als Gotteshaus genutzt und dient heute als Pante√£o Nacional (dt. Nationales Pantheon). In dem Bauwerk wurden einige Staatspr√§sidenten und Schriftsteller sowie zuletzt Fu√üballidol Eus√©bio begraben. Zudem befinden sich dort noch einige Kenotaphe f√ľr ‚ÄěHelden der portugiesischen Geschichte‚Äú.

Das Convento do Carmo ist ein in den Jahren 1389 bis 1423 von Nuno √Ālvares Pereira errichtetes Kloster des Karmeliter-Ordens. Die Karmeliter-Kirche galt als ein Prachtexemplar der Lissabonner Gotik. Durch das Erdbeben von 1755 wurde das Kloster stark zerst√∂rt. Heute sind nur noch die Ruinen zu besichtigen.

Der Convento de Santos-o-Novo ist ein ehemaliges Kloster des Santiagoordens.

Die Synagoge im Stil des Historismus wurde 1902 bis 1904 errichtet.

Technische Bauwerke

Das Aqueduto das √Āguas Livres hat eine L√§nge von 19¬†km und erstreckt sich von Queluz √ľber Cane√ßas bis zum M√£e d'√Āgua das Amoreiras. Dieser Aqu√§dukt geh√∂rt zu den weltweit gr√∂√üten Bauten dieser Art. Am imposantesten ist das Aqu√§dukt im Alc√Ęntara-Tal. Die Bogenbr√ľcke hat eine Gesamtl√§nge von 941¬†m. Gest√ľtzt wird die 66¬†m hohe Br√ľcke von 109 B√∂gen.

Der Elevador de Santa Justa, auch Elevador do Carmo genannt, ist ein 45 Meter hoher Personenaufzug, der im Stadtzentrum von Lissabon den Stadtteil Baixa mit dem höhergelegenen Stadtteil Chiado verbindet. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden manchmal auch die drei straßenbahnähnlichen Lissabonner Standseilbahnen Elevador genannt, was eigentlich ein senkrecht fahrender Aufzug ist.

Repräsentationsbauten

Der Palácio de São Bento war anfangs ein Benediktiner-Kloster. Es wurde im Jahre 1598 errichtet. Die Benediktiner-Mönche lebten bis zum Jahre 1820 in dem Kloster. 1834 zog das portugiesische Parlament in das Bauwerk ein. Im hinteren Teil des Gebäudes befindet sich der Sitz des Premierministers.

Der portugiesische Außenminister ist im Palácio das Necessidades dem ehemaligen königlichen Palast aus dem 18. Jahrhundert untergebracht. Der Palast wurde unter der Regentschaft Königin Maria II. zur offiziellen Residenz der königlichen Familie. Nach der Ausrufung der Republik am 5. Oktober 1910 wurde das Bauwerk zum Sitz des Außenministeriums bestimmt.

Die Palacete Lambertini ist eine ehemalige Stadtvilla im Stadtzentrum.

António José Dias da Silva, ein portugiesischer Architekt, entwarf die Praça de Touros do Campo Pequeno (dt. Stierkampfarena) am Campo Pequeno. Die Arena wurde zwischen 1890 und 1892 errichtet, nachdem die ehemalige Lissabonner Stierkampfarena am Campo de Santana, die zwischen 1831 und 1891 in Funktion war, abgerissen worden war.

Denkmäler

Das Entdeckerdenkmal Padr√£o dos Descobrimentos steht im Stadtteil B√©lem am Ufer des Flusses Tejo. Es wurde 1960 unter dem Salazar-Regime erstellt, genau 500 Jahre nach dem Tode von Heinrich dem Seefahrer und soll die alten Zeiten der Seefahrernation Portugal glorifizieren. Dargestellt ist der Bug einer Karavelle, auf dem, angef√ľhrt von Heinrich dem Seefahrer, weitere bedeutende Personen aus dem Zeitalter der Entdeckungen dargestellt sind. Der 54 Meter hohe Turm, seitlich mit stilisierten Segeln versehen, versinnbildlicht den Mast der Karavelle.

Der Torre Vasco da Gama ist ein 145 Meter hoher Aussichtsturm in Stahlfachwerkbauweise, der 1998 f√ľr die Weltausstellung erbaut wurde. Nach Pl√§nen des portugiesischen Architekten Nuno Le√≥nidas soll der Vasco-da-Gama-Turm in ein Luxushotel mit 178 Zimmern in 20 Stockwerken umgewandelt werden. Der Umbau war von 2007 bis 2012 und hei√üt jetzt MyRiad. In dem Bereich des ehemaligen Ausstellungsgel√§ndes der Expo 98 steht ebenfalls das Ocean√°rio de Lisboa. Es ist das zweitgr√∂√üte Ozeanarium weltweit und befindet sich dort im Park der Nationen.

Die 1959 errichtete 113¬†m hohe Christusfigur Cristo Rei (Almada) liegt zwar auf der s√ľdlichen Seite des Tejo, gilt aber als Wahrzeichen Lissabons.

Expo 98

Die Weltausstellung Expo 98 fand vom 22. Mai bis zum 30. September 1998 in Lissabon statt. Sie war die erste in Portugal und die vierte von bisher f√ľnf auf der Iberischen Halbinsel (1888 Barcelona, 1929 Barcelona, 1992 Sevilla, 2008 Saragossa) und stand unter dem Motto ‚ÄěOs oceanos: um patrim√≥nio para o futuro‚Äú, zu deutsch ‚ÄěDie Ozeane: Ein Erbe f√ľr die Zukunft‚Äú. An der Expo nahmen 143 L√§nder und 14 internationale Organisationen teil. W√§hrend der 132 √Ėffnungstage besuchten 10,12 Millionen Menschen die 340 Hektar gro√üe Weltausstellung. Heute wird das popul√§re Ausstellungsgel√§nde unter dem Namen Parque das Na√ß√Ķes vermarktet.

Parks

Der Parque Florestal de Monsanto ist der gr√∂√üte Park Lissabons. Er liegt im Westen der Stadt und umfasst 800 Hektar. Angelegt wurde er erst in den 1930er Jahren. Der gr√∂√üte Park in der Innenstadt ist dagegen der Parque Eduardo VII am oberen Ende der Prachtstra√üe Avenida da Liberdade in der Stadtgemeinde Avenidas Novas. Namensgeber des Parks war der britische K√∂nig Eduard VII., der 1903 Portugal besuchte. Drittgr√∂√üter Park der Stadt ist der Jardim da Estrela aus dem Jahr 1852, er befindet sich gegen√ľber der Basilika da Estrela. Offiziell hei√üt er heute Jardim Guerra Junqueiro, wird im Alltag aber weiter Jardim da Estrela genannt. Der Jardim do Campo Grande, zu deutsch ‚ÄěGarten des gro√üen Feldes‚Äú, ist ein √ľber 12,5 Hektar gro√üer Park in der Stadtgemeinde Campo Grande. Ebenfalls im Norden Lissabons liegt der 11 Hektar gro√üe Parque Bot√Ęnico do Monteiro-Mor, der bereits in der zweiten H√§lfte des 18. Jahrhunderts entstand.

Straßen, Orte

Die Avenida da Liberdade ist eine am Vorbild der Pariser Avenue des Champs-√Člys√©es orientierte Prachtstra√üe in Lissabon. Sie verbindet die nach dem Erdbeben von 1755 angelegte Baixa (Unterstadt) mit den h√∂her gelegenen Stadtvierteln im Norden und fand ab Beginn des 20. Jahrhunderts in den Avenidas Novas ihre Fortsetzung. Ein erstes Teilst√ľck der Avenida wurde 1882 zum 100. Jahrestag des Todestages des Marqu√™s de Pombal und des ihm gewidmeten Rundplatzes eingeweiht.

Mit ‚ÄěMiradouro‚Äú bezeichnet man im Portugiesischen allgemeinen einen Aussichtspunkt. Die Miradouros z√§hlen zu den sch√∂nsten Pl√§tzen der Stadt. Sie liegen auf den Erhebungen ringsum und geben Blicke auf die Altstadt oder den Tejo frei.

Das Bairro Alto (Oberstadt) ist ein Stadtteil von Lissabon, der sich oberhalb des Gesch√§ftsviertels Baixa befindet. Es ist vor allem wegen seines Nachtlebens bekannt. Zu den √§ltesten und bekanntesten Caf√©s der Stadt geh√∂rt das A Brasileira. Das Caf√© im Chiado-Viertel wurde am 19. November 1905 von Adriano Telles gegr√ľndet. Es war ein beliebter Treffpunkt von Intellektuellen. Dort verkehrten unter anderem der portugiesische Dichter Fernando Pessoa und der Schriftsteller Aquilino Ribeiro. Seit 1988 steht vor dem Caf√© eine Bronzestatue Pessoas.

Museen

In Lissabon gibt es zahlreiche Museen. Das Museu Nacional de Arte Antiga (Nationalmuseum f√ľr alte Kunst) geh√∂rt zu den bedeutendsten Kunstmuseen Portugals. Ein bedeutender Schwerpunkt der Sammlung sind Werke portugiesischer K√ľnstler. Es besitzt unter anderem Werke von Hieronymus Bosch, Albrecht D√ľrer, Pieter Brueghel der J√ľngere, Piero della Francesca, Hans Holbein der √Ąltere und Raffael. Zwischen 1964 und 1969 entstand das Geb√§ude des Museu Calouste Gulbenkian. Die Dauerausstellung des Museums umfasst ein breites Spektrum an Kunstobjekten aus allen Epochen. 1984 wurde es um das Museum f√ľr Moderne Kunst erweitert. Zu den wohl bekanntesten Exponaten des Museums z√§hlen die Werke von Rembrandt (Portr√§t eines alten Mannes), Claude Monet (Stillleben mit Melone) und √Čdouard Manet (Die Seifenblasen).

Im Stadtteil Bel√©m liegt das Museu da Marinha (Marinemuseum). Es befindet sich in einem Teil des Westfl√ľgels vom Mosteiro dos Jer√≥nimos, zusammen mit dem Museu Nacional de Arqueologia. Das Museu de Etnologia (Ethnologisches Museum) besitzt Artefakte aus der ganzen Welt. Gr√∂√ütenteils stammen sie aus den ehemaligen Kolonien. 1904 wurde das Museu Nacional dos Coches (Kutschenmuseum) auf Initiative von K√∂nigin Amalia er√∂ffnet. Es beherbergt eine betr√§chtliche Kutschensammlung. Die √§lteste ausgestellte Kutsche stammt von dem spanischen K√∂nig Philipp II. aus dem 16. Jahrhundert. Das von dem Industriellen und Kunstsammler Jos√© Berardo im Jahr 2007 er√∂ffnete Museu Colec√ß√£o Berardo ist im Centro Cultural de Bel√©m untergebracht. Der Kunstsammler hat dem Museum eine beachtliche Sammlung moderner und zeitgen√∂ssische Kunst des 20. Jahrhunderts aus Europa und √úbersee zur Verf√ľgung gestellt.

Theater

1854 gab es in Lissabon sechs Theater. Heute gibt es neben den staatlichen Theatern einige unabh√§ngige Festspielh√§user, die ein reiches Auff√ľhrungsprogramm bieten. Das Teatro Nacional D. Maria II (dt. Nationaltheater Dona Maria) ist das √§lteste Sprech-Theater von Lissabon und liegt zentral am Rossio. Noch √§lter ist die Lissabonner Oper Teatro nacional de S√£o Carlos, die im sp√§ten 18. Jahrhundert im Stadtteil Chiado erbaut wurde. Direkt daneben liegt das st√§dtische Theater Teatro Municipal S√£o Luiz. Ebenfalls im Chiado befindet sich auch das Teatro da Trindade aus der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts. In der N√§he von der Pra√ßa de Espanha liegt das Teatro Aberto. Im Teatro Politeama, im Stil der 1920er Jahre, kommen √ľberwiegend Erfolgsmusicals zur Auff√ľhrung. Die Balletttruppe Companhia Nacional de Bailado CBN zog nach der Expo in das Teatro Cam√Ķes ein. Dort gastieren auch andere Ballettensembles. Weitere Theater sind u. a. das von Lu√≠s Miguel Cintra mitgegr√ľndete Teatro da Cornuc√≥pia, das Teatro da Comuna, das Teatro Municipal Maria Matos, das Teatro Taborda, das Teatro T√≠voli, das von Raul Solnado gegr√ľndete Teatro Villaret sowie das Teatro Vasco Santana.

Von historischem Rang war das Cinema Roxy. Das Cinema São Jorge ist ein Premierenkino im Stadtzentrum, in dem auch die internationalen Filmfestivals Lissabons stattfinden, darunter Queer Lisboa, IndieLisboa, Doclisboa und Monstra. Ein weiteres altes Kino war das Animatógrafo do Rossio.

Musik

Fado

Die international bekannteste der traditionellen Musikarten in Lissabon ist der Fado, oft mit wehm√ľtiger aber auch teils heiterer Grundstimmung gesungen, und meist nur von einer Klassischen Gitarre und einer Portugiesischen Gitarre begleitet. Fado wird abendlich vor allem in Kneipen der Stadtviertel Bairro Alto und Alfama dargeboten. Neben den traditionellen Fadolokalen wie O Faia, Caf√© Luso, Senhor Vinho u.v.m. hat in den letzten Jahren der erst 1995 er√∂ffnete Clube de Fado einige Bedeutung erlangt. Mit dem Fado verbindet sich international besonders der Name der popul√§rsten Fado-S√§ngerin Portugals, Am√°lia Rodrigues. Als Nachfolgerin der 1999 verstorbenen K√ľnstlerin wird international h√§ufig die S√§ngerin Mariza genannt, doch auch so unterschiedliche Namen wie Ana Moura, M√≠sia, Carminho oder Cristina Branco haben international bereits einige Bekanntheit erreicht. Unter den m√§nnlichen S√§ngern z√§hlt der 1982 verstorbene Alfredo Marceneiro zu den stilpr√§gendsten Namen. Als bedeutendster zeitgen√∂ssischer S√§nger galt zuletzt der 2021 verstorbene Carlos do Carmo, w√§hrend sich unter den folgenden Generationen insbesondere Caman√© einen Namen gemacht hat.

Seinen Ursprung hat der Fado in den Armenvierteln von Lissabon, wo er zun√§chst in den anr√ľchigen Kneipen im Stadtteil Mouraria auftauchte. Ob er sich urspr√ľnglich aus den Ges√§ngen der portugiesischen Seeleute entwickelte oder aus brasilianischen Musikrichtungen wie Lundum oder Modinha entstand, ist aus heutiger Sicht nicht mehr zweifelsfrei festzustellen. Das Museu do Fado im traditionsreichen Alfama-Viertel widmet sich ausf√ľhrlich der Geschichte des Fados.

Seit 2011 steht der Fado auf der Liste des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO.

Klassik

Das bedeutendste Opernhaus der Stadt ist das 1793 er√∂ffnete Teatro Nacional de S√£o Carlos. Daneben finden Konzerte und Auff√ľhrungen in einer Vielzahl weiterer Konzertorte regelm√§√üig statt, etwa im Centro Cultural de Bel√©m. Zu den bedeutendsten Orchestern der Stadt z√§hlen das Orquestra Metropolitana de Lisboa, das Orquestra Sinfonietta de Lisboa, das Orchester der Gulbenkian-Stiftung, und das Orquestra do Conservat√≥ro Nacional, das Orchester des Nationalkonservatoriums in Lissabon, heute Teil der ESTC.

Jazz, Rock und Co.

Lissabon beherbergt eine Vielzahl Clubs, Konzertorte und Bars aller Richtungen, darunter mit dem Hot Clube de Portugal den √§ltesten noch bestehenden Jazzclub Europas. Dank seiner Geschichte als Metropole des Portugiesischen Weltreichs ist Lissabon Heimat vieler afrikanischer Einwanderer und daher auch ein Zentrum afrikanischen Musikschaffens in Europa, mit Konzertlokalen, Bars und einer Vielzahl Musiker. In der international vielbeachteten Samplerreihe der New Yorker Red Hot Organization erschien 1998 zur Lissabonner Weltausstellung die CD Red Hot + Lisbon, die sich dieser vielf√§ltigen musikalischen Einfl√ľsse in Lissabon widmet.

Auch die verschiedensten Subkulturen wie Punk, Gothic, Rockabilly, Heavy Metal, Hip-Hop u. v. m. sind hier präsent. Der Konzertklub Rock Rendez-Vous spielte in den 1980er Jahren eine besondere Rolle in der Entfaltung der verschiedenen Subkulturen und förderte damit das Entstehen einer vielschichtigen Bandbreite von Bands in der Stadt.

‚Üí Siehe auch: √úbersicht √ľber Lissabonner Bands und Klubs

Vor allem das Bairro Alto verwandelt sich alln√§chtlich durch seine Vielzahl Bars und Clubs in ein belebtes Ausgehviertel, aber auch in den alten Vierteln Alfama und Mouraria, am Cais do Sodr√©, oder im modernen Kneipenviertel in den ehemaligen Docks am Fluss in Alc√Ęntara, den Docas, existieren eine Reihe Musiklokale f√ľr jeden Geschmack. Zur lebendigen Musikszene der Stadt geh√∂ren auch eine Vielzahl Musiklabels, etwa das international renommierte Jazzlabel Clean Feed Records. Mit dem Super Bock Super Rock findet in Lissabon ein gro√ües Rockfestival statt, zudem hat das international bekannte Rock-in-Rio-Festival mehrmals hier Station gemacht.

Regelmäßige Veranstaltungen

Seit 1984 treffen sich Jazz-Freunde jährlich beim internationalen Jazzfestival Jazz em Agosto der Gulbenkian-Stiftung in der portugiesischen Hauptstadt. Das Rockmusik-Festival Rock in Rio fand 2006 und 2008 in Lissabon statt. Außerdem findet, neben anderen regelmäßigen Messen, jährlich eine Tourismus-Messe in der FIL-Messe statt.

Folgende portugiesische Filmfestivals finden jedes Jahr in Lissabon statt:

  • Doclisboa ‚Äď Internationales Dokumentarfilmfestival
  • Queer Lisboa ‚Äď das Festival des schwulen und lesbischen Kinos (Festival de Cinema Gay e L√©sbico de Lisboa)
  • IndieLisboa ‚Äď Internationales Festival des Independentfilms (Festival internacional de cinema independente)
  • Monstra ‚Äď internationale Animationsfilme
  • Hola Lisboa ‚Äď iberische und lateinamerikanische Filme (Festival de Cinema Ibero-Americano)
  • MOTELX ‚Äď Horrorfilme (Festival Internacional de Cinema de Terror de Lisboa)
  • FESTin ‚Äď Filme des portugiesischen Sprachraums (Festival de Cinema Itinerante da L√≠ngua Portuguesa)
  • PLAY ‚Äď Kinder- und Jugendfilme
  • LEFFEST Lisbon & Sintra Film Festival (ehemals Lisbon & Estoril Film Fest) ‚Äď internationale Filme

J√§hrliche Tourismus-Messe im Fr√ľhjahr in Lissabon.

  • Feira Internacional de Turismo

Fest zur Feier des Schutzheiligen Antonius von Lissabon.

  • Festas de Lisboa, auch einfach Santo Ant√≥nio, j√§hrlich zum 13. Juni in den Altstadtvierteln wie Alfama, Gra√ßa, Mouraria, Bica oder Madragoa, und mit gro√üen Umz√ľgen auf der Avenida da Liberdade und anderen Alleen

Flohmarkt:

  • Feira da Ladra

Naherholung

Die traditionsreichen Seeb√§der Cascais und Estoril liegen in der Umgebung von Lissabon. Estoril gilt als R√ľckzugsort der reichen Oberschicht Lissabons und liegt am Rand der Estremadura. Ber√ľhmt wurde der Ort wegen seines Casinos. Bei Estoril befindet sich auch das Aut√≥dromo, eine Rennstrecke, auf der j√§hrlich der Gro√üe Preis von Portugal f√ľr Motorr√§der ausgetragen wird. Die Nachbarstadt Cascais liegt an einer sandigen Bucht des Atlantiks, etwa 25 Kilometer westlich von Lissabon. Ab 1870 verbrachte die k√∂nigliche Familie regelm√§√üig den Sommer in Cascais, wodurch der Ort auch den Adel und gehobene B√ľrgerschichten anzog. Der Ort verf√ľgt √ľber einen Yachthafen mit etwa 600 Liegepl√§tzen. Das Naturreservat Serra da Arr√°bida in der Region Lisboa e Vale do Tejo erstreckt sich westlich von Set√ļbal an der vom Meer abgewandten K√ľsten. Dort gibt es eine Reihe von seltenen Pflanzen und Tieren. Der Naturpark erstreckt sich mit einer Fl√§che von 10821¬†ha auf einem bis zu 8¬†km breiten und 22¬†km langen Streifen entlang der K√ľste. Seine Begrenzung bilden die St√§dte und D√∂rfer Sesimbra und Santana im Westen, Azeit√£o und Quinta do Anjo im Norden sowie Palmela und Set√ļbal im Osten.

Kulinarische Spezialitäten

In den zahllosen Gastst√§tten und Restaurants und Lokalit√§ten werden Speisen aus internationaler und einheimischer K√ľche serviert. Es gibt jedoch nur wenige origin√§re Lissabonner Spezialit√§ten, die nicht auch anderswo angeboten werden. Die Portugiesische K√ľche basiert auf deftigen und traditionell zubereiteten Gerichten unter Verwendung von Fleisch, Fisch, Gem√ľse, Reis, Bohnen und Kartoffeln. Der Stockfisch ist sowohl Spezialit√§t als auch ein Nationalgericht Portugals. Unz√§hlige Rezepte gibt es auch f√ľr den gesalzenen und getrockneten Kabeljau. Beliebt sind ebenfalls Sardinen, gegrillt als Sardinhas assadas, au√üerdem Tintenfische, Langusten, Krebse, Thunfisch, Schwertfisch, Aal, Garnelen und weitere Meerestiere. Typisch ist auch Ameijoas na cataplana, ein Muscheleintopf mit Schweinefleisch, Speck und Zwiebeln. Neben Rindfleisch wird in Portugal h√§ufig auch Ziegenfleisch (Cabrito) und Lammfleisch (Borrego) gegessen.

International bekannt ist der portugiesische Portwein, ein Lik√∂rwein, der vor allem zu Desserts getrunken wird. Zu den Spezialit√§ten geh√∂rt ferner das Pastel de Nata oder Pastel de Bel√©m. Das Puddingt√∂rtchen ‚Ästbestehend aus Kuchen- oder Bl√§tterteig, gef√ľllt mit cremigem Vanillepudding und best√§ubt mit Zimt und Puderzucker¬†‚Äď wurde vermutlich bereits vor dem 18. Jahrhundert von M√∂nchen des Hieronymus-Klosters in dem Lissabonner Stadtteil Santa Maria de Bel√©m hergestellt. Nach der S√§kularisation der Kl√∂ster beschlossen die M√∂nche im Jahr 1837, Delikatessen zu produzieren, welche an die Lissabonner verkauft werden sollten. Heute besuchen viele Einheimische und Touristen die gro√üe Caf√©terie der dortigen Fabrik, um die Past√©is zu erwerben. Das Originalrezept kennen nur wenige P√Ętissiers.

Lissabon im Film

Die Stadt ist Zentrum des Portugiesischen Films. Sie war seit Beginn der Filmkunst aber auch immer wieder selbst Gegenstand von internationalen und nationalen Filmproduktionen, sei es als Dokumentation, sei es als Spielfilm. Schwerpunkte sind dabei die Rolle des neutralen Lissabons im Zweiten Weltkrieg, der Charme seiner alten Viertel, und seine Rolle f√ľr die portugiesische Kultur, hier vor allem der Fado und der Schriftsteller Fernando Pessoa.

Sport

Lissabon besitzt diverse sportliche Einrichtungen. Das Estádio da Luz und das José-Alvalade-Stadion sind die größten Stadien in der Stadt. Die Stadt war im Laufe ihrer Geschichte immer wieder Austragungsort von Welt- und Europameisterschaften.

Welt-, Europa- und nationale Meisterschaften

In Lissabon fanden die Fechtweltmeisterschaften 1947, die Junioren-Fußballweltmeisterschaft 1991, die Kurzbahneuropameisterschaften 1999, die Leichtathletik-Hallenweltmeisterschaften 2001, die UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2001, die Fechtweltmeisterschaften 2002 und die Handball-Weltmeisterschaft der Herren 2003.

In der Zeit von 1938 bis 1945 fand der Portugiesische Fußballpokal jährlich in Lissabon statt. Seit 2004 wird in Lissabon die internationale Europameisterschaften im Brazilian Jiu Jitsu ausgetragen. Im Mai 2014 und im August 2020 fand im Lissabonner Estádio da Luz das Finale der UEFA Champions League statt.

Fußball

Der Fu√üballclub Benfica Lissabon ist portugiesischer Rekordmeister und gewann 1961 und 1962 den Europapokal der Landesmeister. Der Austragungsort der Heimspiele ist das Est√°dio da Luz. Das Stadion mit einem Fassungsverm√∂gen von 65.000 Zuschauerpl√§tzen war Austragungsort von drei Gruppenspielen, einem Viertelfinale und dem Endspiel der Fu√üball-Europameisterschaft 2004. F√ľr das Turnier wurde das Stadion komplett neu gebaut.

Der Lissabonner Fu√üballclub Sporting Clube de Portugal (Sporting Lissabon) war der Gewinner des Europapokals der Pokalsieger 1964. Die Fu√üballmannschaft von Sporting tr√§gt ihre Heimspiele im Est√°dio Jos√© Alvalade XXI aus. Das Stadion mit 52.000 Pl√§tzen war Austragungsort der Fu√üball-Europameisterschaft 2004. Das von der UEFA mit f√ľnf Sternen ausgezeichnete Stadion liegt direkt neben der alten Anlage.

Das Estádio do Restelo ist das Fußballstadion des Clubs Belenenses Lissabon und befindet sich im Stadtteil Belém. Das Stadion wurde offiziell am 23. September 1956 eingeweiht und fasst rund 32.500 Zuschauer.

Weitere Fu√üballvereine aus Lissabon mit Erstligavergangenheit sind bzw. waren Atl√©tico, Oriental, Casa Pia, Carcavelinhos und der CF Unidos, der heute im Vorort Pontinha beheimatet ist. Im Gro√üraum Lissabon sind oder waren Estrela Amadora, Estoril Praia und der FC Alverca erstklassig, aus den am gegen√ľberliegenden Tejoufer gelegenen St√§dten der Amora FC, der Seixal F.C., Fabril Barreiro, FC Barreirense und C.D. Montijo.

Erfolgreichster Vertreter Lissabons im nationalen Frauenfußball ist der CF Benfica.

Sonstige Sportarten

In der Handball-Liga LPA spielen vier Vereine aus Lissabon: Sporting Clube de Portugal, Sport Lisboa e Benfica, Clube de Futebol Os Belenenses und Boa-Hora. In der Basketball-Liga UZO spielen die Lissabonner Vereine SL Benfica und Uni√£o Lisboa. Der Lissabon-Halbmarathon (pt. Meia Maratona de Lisboa) ist einer der gr√∂√üten und sportlich bedeutendsten Halbmarathons weltweit. Er findet seit 1991 in Lissabon statt, in der Regel im M√§rz. Der erste Transeuropalauf fand vom 19. April bis 21. Juni 2003 statt und f√ľhrte in 64 Tagesetappen ohne Ruhetag von Lissabon nach Moskau. Ende Dezember 2005 begann die Rallye Dakar (vormals Paris-Dakar) zum ersten Mal in der Hauptstadt Portugals.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Der Raum Lissabon ist das wohlhabendste Gebiet in Portugal, dessen Bruttoinlandsprodukt √ľber dem europ√§ischen Durchschnitt liegt (Lissabon erzeugt 45¬†% des portugiesischen BIP). Im Gro√üraum Lissabon sind 1.300.500 Menschen erwerbst√§tig. Die Arbeitslosenquote in der Stadt lag im Jahr 2004 bei 8¬†%. Lissabons Wirtschaft beruht in erster Linie auf der Dienstleistungsindustrie. Der Lissabonner Seehafen hat als Schnittstellen des Land- und Seeverkehrs, als maritimes Dienstleistungszentrum und als Industriestandort eine gro√üe wirtschaftliche Bedeutung. In der Lissabonner Metropolregion ist besonders das S√ľdufer des Tejo stark industrialisiert. 7 der 10 gr√∂√üten b√∂rsennotierten Unternehmen in Portugal haben ihren Sitz in Lissabon. Dazu geh√∂ren unter anderem die Unternehmen Energias de Portugal, Portugal Telecom und Jer√≥nimo Martins. Die Lissabonner B√∂rse ist mit den B√∂rsen in Amsterdam, Br√ľssel und Paris Teil der ‚ÄěMehrl√§nderb√∂rse‚Äú Euronext.

In einer Rangliste der Städte nach ihrer Lebensqualität belegte Lissabon im Jahre 2018 den 38. Platz unter 231 untersuchten Städten weltweit.

Straßenverkehr

Durch die Lage am Tejo war Lissabon lange Zeit vom S√ľden aus nur durch F√§hrverkehr direkt zu erreichen. Die erste Br√ľcke wurde 1951 n√∂rdlich der Stadt an einer Engstelle des Flusses in Vila Franca de Xira im Norden gebaut. Die Ponte 25 de Abril (1013¬†m Spannweite und 2287¬†m L√§nge) wurde 1966 fertiggestellt und verband erstmals Lissabon mit Almada auf der Tejo-S√ľdseite. Seit 1999 besteht unterhalb der Autofahrbahn auch eine Eisenbahnverbindung. Die A2 f√ľhrt dann weiter ins √∂stliche Landesinnere bzw. nach Madrid/Spanien. Mit der Ponte Vasco da Gama, einer der l√§ngsten Schr√§gseilbr√ľcken der Welt und der l√§ngsten Br√ľcke in Europa, gibt es seit 1998 eine direkte Autobahnverbindung (A12/IP1) √ľber die Bucht zwischen Moscavide/Sacav√©m auf der rechten und Montijo/Alcochete (Munic√≠pio)/Alcochete, bzw. Set√ļbal mit seinen Industrien auf der linken Seite des Tejo.

N√∂rdlich geht mit der Autobahn A8 eine Verbindung nach Leiria, und die A1 f√ľhrt an der K√ľste entlang bis nach Porto, dem zweitwichtigsten Zentrum des Landes.

Bahnverkehr

Die portugiesische Hauptstadt ist neben Porto der Hauptknotenpunkt des portugiesischen Eisenbahnnetzes. Vier Bahnstrecken laufen auf Lissabon zu, die ‚Äď verbunden durch die Ringstrecke Linha de Cintura ‚Äď an verschiedenen Bahnh√∂fen im Lissabonner Stadtgebiet enden. Der wichtigste Bahnhof ist der Bahnhof Santa Apol√≥nia an der Linha do Norte, dort enden alle internationalen Z√ľge aus Spanien und Frankreich sowie der Gro√üteil der nationalen Hochgeschwindigkeitsz√ľge Alfa Pendular. Des Weiteren liegt im Nordosten Lissabons der Bahnhof Oriente, der zuk√ľnftig, mit dem Bau des normalspurigen Hochgeschwindigkeitsnetzes RAVE, zum neuen Hauptbahnhof der Stadt avancieren soll. F√ľr den Vorortverkehr verbleiben unter anderem noch die beiden Kopfbahnh√∂fe Cais do Sodr√© (Strecke nach Cascais) und Rossio (Strecke nach Sintra) sowie die an der Linha de Cintura gelegenen Bahnh√∂fe Sete Rios und Entrecampos. Hier beginnt auch die Linie auf die S√ľdseite des Tejo nach Set√ļbal, die vom privaten Eisenbahnunternehmen Fertagus betrieben wird.

Fährverkehr

Es existieren mehrere F√§hrverbindungen √ľber den Tejo nach Barreiro, Cacilhas, Montijo, Porto Brand√£o, Seixal und Trafaria. Anlegestellen auf der rechten Tejoseite sind: Belem, Cais do Sodr√© und Terreiro do Pa√ßo. Betreiber aller Linien ist inzwischen die Transtejo & Soflusa, Markenzeichen sind die blau-wei√üen Katamaranf√§hren, die mit 30 Knoten die √úberfahrt auf dem Tejo auf ein Drittel verk√ľrzt haben.

√ĖPNV

Der √ĖPNV wird haupts√§chlich von den beiden Unternehmen Carris (Companhia dos Carris de Ferro de Lisboa) und der Metropolitano de Lisboa √ľbernommen. Die Carris bedient √ľber 100 Buslinien und sechs Stra√üenbahnlinien (12, 15, 18, 24, 25 und 28). Der Stra√üenbahnverkehr wird teilweise mit historischen Wagen (pt. El√©ctricos) durchgef√ľhrt, etwa auf der Linie 28. Zudem betreibt sie in der Stadt vier Elevadores (dt. Aufz√ľge), drei davon sind Standseilbahnen und einer ist ein senkrecht fahrender Aufzug, der Elevador de Santa Justa. Die drei Standseilbahnen wurden gegen Ende des 19.¬†Jahrhunderts gebaut, als in Lissabon damit begonnen wurde, die seit 1873 verkehrende Pferdestra√üenbahn ab 1890 durch Kabelstra√üenbahnen und sp√§ter durch elektrische Stra√üenbahnen zu ersetzen. Die Metro Lissabon umfasst vier Linien, die teilweise √ľber das Stadtgebiet hinaus f√ľhren. Das inzwischen 38 Kilometer lange U-Bahn-Netz wird kontinuierlich ausgebaut.

Flughafen

Der Internationale Flughafen Lissabon-Portela liegt sechs Kilometer n√∂rdlich des Zentrums und in der Verl√§ngerung der Autobahn A12. Seit geraumer Zeit wird √ľber den Bau des neuen Flughafens Novo Aeroporto Lisboa diskutiert. Am 10. Januar 2008 verk√ľndete der Premier Jos√© S√≥crates, dass dieser auf dem Milit√§rgel√§nde Campo de Tiro Alcochete n√∂rdlich von Alcochete entstehen soll. Die portugiesischen Fluggesellschaften TAP Portugal, White Airways, Portug√°lia Airlines und EuroAtlantic Airways haben ihren Sitz in Lissabon.

Hafen

Der Lissabonner Hafen zieht sich auf einer L√§nge von √ľber 10¬†km an der Uferlinie der Stadt entlang. Au√üerdem gibt es noch zahlreiche Anlagen auf der Tejo-S√ľdseite in Trafaria, Porto Brand√£o, Almada, Seixal, Barreiro und Montijo, die zum Porto de Lisboa geh√∂ren und von der Hafenverwaltung APL betrieben werden, auch wenn sie au√üerhalb des eigentlichen Stadtgebiets liegen. Diese Anlagen haben sich auf Getreide und √Ėl spezialisiert. Auf der Nordseite im Stadtgebiet Lissabons werden dagegen vor allem Container umgeschlagen. Hier gibt es auch direkte Anschl√ľsse an das Zugnetz in Alc√Ęntara und Santa Apol√≥nia, wo die beiden gro√üen Containerterminals der Stadt liegen. Die gr√∂√üten und tiefsten Docks liegen dabei in Alc√Ęntara. Insgesamt umschlie√üen die Docks des Lissabonner Hafens eine Wasserfl√§che von 430.000 m¬≤. Kreuzfahrtschiffe legen h√§ufig in Lissabon an, um einen Stopp auf dem Weg von Nordeuropa ins Mittelmeer, auf die Kanaren oder nach S√ľdamerika zu machen. F√ľr sie gibt es drei Anleger an der Gare Mar√≠tima de Alc√Ęntara, der Rocha do Conde de √ďbidos sowie in Santa Apol√≥nia. F√ľr Privat-Yachten stehen vier Anlegestellen mit der Doca de Alc√Ęntara, Doca de Santo Amaro und der Doca de Bel√©m e Doca do Bom Sucesso zur Verf√ľgung. Insgesamt haben hier etwa 1.100 Schiffe Platz.

Bildung und Wissenschaft

Lissabon hat mehrere Universitäten und ist neben Coimbra die wichtigste Universitätsstadt in Portugal.

Die Universit√§t Lissabon wurde 1288 gegr√ľndet und 1290 vom Papst best√§tigt. Sie geh√∂rt zu den √§ltesten Universit√§ten in Europa, wurde aber erst nach mehr als 400-j√§hriger Pause 1911 neu gegr√ľndet. Sie ist mit √ľber 47.000 Studenten in acht Fakult√§ten die gr√∂√üte Universit√§t in Portugal. Seit 1991 befindet sich das Nationalarchiv (Arquivo Nacional da Torre do Tombo) in einem modernen Geb√§ude auf dem Campus der Universit√§t. Die Sternwarte Lissabon (pt. Observat√≥rio Astron√≥mico de Lisboa) wurde 1992 der Universit√§t Lissabon angeschlossen und im Jahr 1995 in die naturwissenschaftliche Fakult√§t integriert. Als gr√∂√üte Klinik geh√∂rt das Universit√§tskrankenhaus Hospital de Santa Maria mit 1500 Betten auch zu ihr. Am 31. Dezember 2012 fusionierte die Technische Universit√§t Lissabon mit der Universit√§t Lissabon zur neuen Universit√§t Lissabon (Universidade de Lisboa).

Die Katholische Universit√§t Portugal wurde 1971 als eine katholische, √∂ffentliche Bildungseinrichtung in Lissabon gegr√ľndet. √úber 11.000 Studenten studieren an 18 Fakult√§ten an mehreren Regionalen Zentren. Im Jahr 1988 wurde die staatliche Fernuniversit√§t Universidade Aberta gegr√ľndet. Neben ihrem Sitz in Lissabon unterh√§lt sie noch zwei Regionalniederlassungen in Porto und Coimbra. Dazu kommen 16 lokale Studienzentren in Portugal und eines in Mosambik. Zu den weiteren Universit√§ten in Lissabon geh√∂ren die Universit√§t Lus√≠ada, die Universidade Nova de Lisboa und die Autonome Universit√§t Lissabon.

Die Deutsche Schule Lissabon ist die älteste deutsche Schule der Iberischen Halbinsel und die zweitälteste aller deutschen Auslandsschulen. Sie wurde 1848 von einem evangelischen Pfarrer der deutschen Gemeinde in Lissabon ins Leben gerufen. Die Schule musste während des Ersten Weltkriegs im Jahre 1916 zwangsweise schließen. Ihrer Wiedereröffnung erfolgte 1922. Am Ende des Zweiten Weltkriegs endete erneut der Schulbetrieb. Dieser wurde nach Neueröffnung am 20. Oktober 1952 wieder aufgenommen.

Die 1796 gegr√ľndete Portugiesische Nationalbibliothek hat ihren Sitz sich im Lissabonner Stadtteil Campo Grande. Ihr angegliedert ist die Biblioteca da Ajuda, die auf die k√∂nigliche Bibliothek (Biblioteca Real) zur√ľckgeht und im Pal√°cio Nacional da Ajuda untergebracht ist.

Persönlichkeiten

Lissabon ist Geburtsort zahlreicher bekannter Pers√∂nlichkeiten. Dazu geh√∂ren die Lyrikerin Alcipe, die K√ľnstlerin Helena Almeida, der UN-Generalsekret√§r und ehemalige portugiesische Premierminister Ant√≥nio Guterres, der Pr√§sident der Europ√§ischen Kommission Jos√© Manuel Barroso, der Arzt und Papst Johannes XXI., die S√§ngerin Am√°lia Rodrigues, sowie der ehemalige Ministerpr√§sident und Staatspr√§sident M√°rio Soares.

Zudem sind eine Reihe international bekannter Pers√∂nlichkeiten insbesondere in den 2010er Jahren nach Lissabon gezogen. Als bekannteste Namen d√ľrften die Popmusikerin Madonna, der franz√∂sische Modedesigner Christian Louboutin oder der ehemalige Fu√üballspieler √Čric Cantona sein, auch Schauspieler wie der deutsch-irische Michael Fassbender, die Italienerin Monica Bellucci, der US-Amerikaner John Malkovich und eine Reihe bekannter brasilianischer Darsteller sind darunter.

Unter fr√ľheren Bewohnern des Gro√üraums Lissabons finden sich zudem der kanadische Musiker Bryan Adams, der italienische Autor Antonio Tabucchi, die deutsche Historikerin Vera Leisner oder auch der britische Fotojournalist Joshua Benoliel.

Auszeichnungen

Die Stadt Lissabon ist im Dezember 2011 von der Londoner Academy of Urbanism mit dem Titel ‚ÄěEuropean City of the Year 2012‚Äú ausgezeichnet worden und erhielt die UNESCO-Auszeichnung f√ľr Fado.

Literatur

  • Johannes Beck: Lissabon. M. M√ľller, Erlangen 2014, ISBN 978-3-89953-697-3.
  • Johannes Beck: Lissabon und Umgebung. M. M√ľller, Erlangen 2012, ISBN 978-3-89953-698-0.
  • Catarina Camarinhas: L‚Äôurbanisme de Lisbonne. L‚ÄôHarmattan 2012, ISBN 978-2-296-47915-9.
  • Rainer Groothuis, Christoph Lohfert (Fotos): Lissabon: das helle, traurige Paradies. Einleitung: Rafael Chirbes. Edel Momenti, Hamburg 2010, ISBN 978-3-941378-79-7.
  • Gerhard Lauer, Thorsten Unger: Das Erdbeben von Lissabon und der Katastrophendiskurs im 18. Jahrhundert, Wallstein 2008, ISBN 978-3-8353-1611-9
  • Claus-G√ľnter Frank: Lissabon ‚Äď Entdeckungen in Portugals Metropole. T√ľbingen 2005, ISBN 3-937667-68-7.
  • Lydia Hohenberger, J√ľrgen Strohmaier: Lissabon. DuMont, 2005, ISBN 3-7701-6063-0.
  • Annette H√ľller: Lissabon. Marco Polo, 2008, ISBN 978-3-8297-0475-5.
  • Susanne Lipps, Heidrun Reinhard: Lissabon. Polyglott-Verlag, 2009, ISBN 978-3-493-55908-8.
  • Sara Lier: Immigranten in Lissabon. Vdm Verlag Dr. M√ľller, 2008, ISBN 978-3-8364-7226-5.
  • Eva Missler: Lissabon. Baedeker, 2005, ISBN 3-8297-1058-5.
  • Ant√≥nio Henrique de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs (= Kr√∂ners Taschenausgabe. Band 385). Aus dem Portugiesischen von Michael von Killisch-Horn. Kr√∂ner, Stuttgart 2001, ISBN 3-520-38501-5.
  • Sabine Scholl: Lissabon. Artemis & Winkler, D√ľsseldorf 2009, ISBN 978-3-538-07281-7.

Weblinks

  • Seite der Stadtverwaltung (portugiesisch)
  • Gro√üformatiger Stadtplan und Stadtansicht von M. Witkam (1834) (englisch)
  • Abbildung der Stadt 1598 in Civitates orbis terrarum von Georg Braun und Frans Hogenberg

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

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auch: Lisboa, Lisbon, Lisbona, Lisbonne

ISO 3166-2:
Bezeichnung der Region: Distrito

Fläche ca.: 7997.40 km²

Länge der Grenze ca.: km


Ausdehnung / Grenzen (dezimale Koordinaten nach WGS 84):
nördlichster Punkt: 39.3177327
südlichster Punkt: 38.673112
westlichster Punkt: -9.5004901
östlichster Punkt: -8.781991

 
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