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Provinz Kigali
Lage, Gebirge
Informationen Provinz: KigaliKigali [kiˈgaːli] ist die Hauptstadt und größte Stadt Ruandas. Die Stadt Kigali (Kinyarwanda: Umujyi wa Kigali) hat den gleichen Rang wie die anderen Provinzen und gliedert sich in drei Distrikte Gasabo, Kicukiro und Nyarugenge. Von den Vereinten Nationen wurde Kigali als die sauberste Stadt Afrikas ausgezeichnet.
Kigali liegt im Zentrum des Landes in einer Höhe zwischen 1433 und 1645 m. Namensgebend für die Stadt ist der im Westen gelegene Mt. Kigali. Im Westen und Süden bildet der Fluss Nyabarongo die Grenze zu den Nachbarprovinzen. Er mündet an der Südgrenze des Landes in den Rugwero-See. Dieser fließt nach Osten in den Kagera ab, der zum Flusssystem des oberen Nils gehört. Ein wichtiger Zufluss des Nyabarongo ist der Nyabugogo, der im Nordosten von Kigali vom Muhazi-See abfließt und durch den Westen der Stadt gen Süden fließt.
Bedingt durch die Lage knapp südlich des Äquators ist das Klima ganzjährig mild.
Kigali hat eine Fläche von insgesamt 730 km². Das Stadtgebiet gliedert sich administrativ in drei Distrikte: Der Größte ist Gasabo im Norden, gefolgt von Kicukiro im Südosten und Nyarugenge im Südwesten. Diese unterteilen sich weiter in 35 Sektoren, 161 Zellen und 1163 Dörfer.
Nach der Volkszählung von 2012 lebten 1.135.428 Menschen in Kigali, weniger als in den anderen Provinzen. Bei der Volkszählung von 2022 lag die Einwohnerzahl bei 1.745.555 Personen, von denen knapp 90 Prozent in urbanisierten Gebieten lebten. Zwischen 2012 und 2022 wuchs die Bevölkerung jährlich um etwa 4,4 Prozent. Knapp 99 Prozent der Einwohner waren am Stichtag der Volkszählung ruandische Staatsangehörige. 42,8 Prozent der Bevölkerung waren Protestanten, 37,5 Prozent waren Katholiken, 9,2 Prozent waren Adventisten, 5,8 Prozent waren Muslime und knapp 5 Prozent waren Angehörige anderer Religionen oder gehörten keiner Religion an.
Bevölkerungsentwicklung:
Kigali wurde 1907 vom damaligen deutschen Residenten Richard Kandt als Sitz der Residentur Ruanda von Deutsch-Ostafrika auf einem Hügel zwischen dem Flusstal des Nyabarongo und den Bergen Jali und Kigali gegründet. Im April 1908 wurden die aus Ziegeln erbauten Gebäude der Residentur eingeweiht. Schnell siedelten sich indische und arabische Kaufleute in Kigali an. Sie bauten ihre Geschäfte nördlich der deutschen Residenz nahe dem heutigen Hauptmarkt von Nyarugenge.
Wurden 1910 von der deutschen Residentur 873 kleine Karawanen mit 13.519 Trägern in Kigali gezählt, so waren es 1912 bereits 1784 Karawanen mit 23.971 Trägern. 1912 gab es bereits um die 40 selbständige Kaufleute und Firmen in Kigali mit 24 Filialen in Ruanda. Sechs der Firmen waren europäische Unternehmen. Außerdem besuchten ruandische Händler des Volkes der Hutu den Markt von Kigali mit Fellen und Häuten, die sie gegen Stoffe und Perlen für deren erneuten Eintausch gegen Felle und Häute der Landbewohner erwarben. 1912 errichteten die europäischen Handelsgesellschaften East African Trading Company und Internationale Handelsgesellschaft gemeinsam eine Wäscherei für Felle in Kigali.
Seit Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 wurden in Kigali militärische Befestigungen zum Schutz des Residentursitzes gebaut. Beim Abzug der deutschen Truppen aus Ruanda nach Tansania im Mai 1916 wurde Kigali kampflos von den Belgiern besetzt. 1922 wurde die Stadt als Teil des Ruanda-Urundi-Territoriums unter belgisches Völkerbundmandat gestellt.
Nach der Teilung in die unabhängigen Staaten Ruanda und Burundi im Jahre 1962 wurde Kigali die Hauptstadt Ruandas.
Der Völkermord in Ruanda an den Tutsi im Jahre 1994 begann in Kigali. Die Stadt verlor dabei etwa 100.000 Einwohner, während in ganz Ruanda etwa eine Million Menschen in nur 100 Tagen dem Völkermord zum Opfer fielen.
2008 gewann Kigali als erste afrikanische Stadt den UN-Habitat Scroll of Honour Award des Programms der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen (UN-Habitat).
In Kigali befinden sich mehrere Gedenk- und Ruhestätten des Völkermords an den Tutsi. Die Bedeutendste ist das Kigali Genocide Memorial im Sektor Gisozi, das Teil der als UNESCO-Welterbe ausgewiesenen Gedenkstätten des Völkermordes: Nyamata, Murambi, Gisozi und Bisesero ist. Zu den weiteren Gedenkstätten zählt beispielsweise das Rebero Genocide Memorial, das insbesondere während des Völkermords getöteten Politikern gedenkt. In Ruhanga im Sektor Rusororo befindet sich zudem das Ruhanga Genocide Memorial auf dem Gelände einer ehemaligen anglikanischen Kirche. Am 15. April 1994 wurden dort rund 25.000 Zuflucht suchende Tutsi durch Soldaten und Interahamwe getötet. Zu den weiteren Gedenkstätten zählen das Jabana Genocide Memorial im Sektor Jabana und das Belgian Peacekeepers Memorial, das an die zehn dort zu Beginn des Völkermords am 7. April 1994 ermordeten belgischen Blauhelm-Soldaten erinnert. Spuren des Genozids finden sich auch noch in Form von Einschusslöchern an der Fassade des Parlamentsgebäudes.
Drei der acht staatlichen Museen Ruandas befinden sich in Kigali:
Kigali ist seit 11. November 2022 als Teil des Wetland City Network der Ramsar-Konvention akkreditiert. Die Aufnahme wurde mit der Wiederherstellung degradierter Feuchtgebiete wie der 500 Hektar umfassenden Gikondo-Nyabugogo-Feuchtgebiete begründet. 2018 wurde ein sich dort befindenender Industriepark umgesiedelt und nachfolgend Pläne zur Wiederherstellung des Feuchtgebiets umgesetzt. Weitere Renaturierungsmaßnahmen von Feuchtgebieten in Kigali werden im Rahmen des Rwanda Urban Development Project umgesetzt (Stand August 2025). 2022 eröffnete der Nyandungu Urban Wetland Eco-Tourism Park. Ein weiteres renaturiertes Feuchtgebiet ist das Umusambi Village in dem Südafrika-Kronenkraniche gehalten werden.
Anfang der 1990er Jahre wurde das Amahoro-Stadion mit 25.000 Plätzen errichtet. In der Nähe befindet sich auch die Kigali Arena. Jährlich im Mai oder Juni findet der Kigali International Peace Marathon statt. Im September 2025 fanden in der Stadt die Straßenradsport-Weltmeisterschaften statt.
Wirtschaftliche Grundlage sind der Handel mit Kaffee, Vieh und Zinnerz, das in der Nähe abgebaut wird sowie die Textil-, die chemische und Zinn verarbeitende Industrie rund um Kigali. Seit 2019 gibt es eine Fabrik der Firma Mara für Smartphones für den afrikanischen Markt. Die Stadt ist Sitz der Banque Rwandaise de Développement. 2022 begann das Unternehmen Biontech mit dem Bau eines Produktionszentrums für die Herstellung von mRNA-Impfstoffen in Ruanda. Das Werk in Kigali wurde am 18. Dezember 2023 eingeweiht und damit als erstes in Afrika.
Auch die nationale Wertpapierbörse, die Rwanda Stock Exchange, hat hier ihren Sitz.
Kigali ist Sitz einer Technischen Hochschule und verfügt über mehrere englischsprachige Schulen und eine französischsprachige belgische Schule. Der Hauptsitz und weitere Standorte der University of Rwanda befinden sich in Kigali.
Das King Faisal Hospital ist eines der größten Krankenhäuser des Landes und das einzige Krankenhaus der Maximalversorgung (quaternary care). Es ist zudem Universitätsklinikum der University of Rwanda. Beim Marburgfieber-Ausbruch in Ruanda im Jahr 2024 erfolgte in diesem Krankenhaus der Virusnachweis bei den ersten zwei Patienten und die Meldung des Ausbruchs, der der erste der Infektionskrankheit in Ruanda war. Durch den Kontakt mit Erkrankten und der hohen Sterberate bei Marburgfiebererkrankungen waren Ärzte und andere Beschäftigte im Krankenhaus ein Großteil der Todesopfer des Ausbruchs.
Die Stadt verfügt mit dem Kigali International Airport über einen internationalen Flughafen mit täglichen Verbindungen über Nairobi und Addis Abeba nach Europa und in wichtige afrikanische Länder. Bis 2028 soll der Flughafen durch den seit 2016 in Bau befindlichen Bugesera International Airport ersetzt werden, der etwa 40 Kilometer südlich der Hauptstadt liegt.
Durch Kigali verlaufen die Nationalstraßen 1 bis 5. Die Nationalstraße 1 führt von Südwesten kommend durch den Nordwesten des Distrikts Nyarugenge und geht Richtung Osten in die Nationalstraße 4 über. Von Nordwesten und Nordosten treffen die Nationalstraßen 2 bzw. 3 auf diese Ost-West-Verbindung und Richtung Süden geht von dieser im Distrikt Kicukiro die Nationalstraße 5 ab, die weiter bis zur Grenze nach Burundi verläuft. Auch die Nationalstraße 1 führt weiter westlich nach Burundi. Die Nationalstraße 3 verbindet Kigali dagegen mit Uganda im Norden und die Nationalstraße 2 verläuft zunächst nach Nordwesten und anschließend Richtung Südwesten nach Gisenyi am Kiwusee an der Grenze zur Stadt Goma und der Demokratischen Republik Kongo. Auf den Straßen gilt Rechtsverkehr.
Im August 2015 wurde eine Straße im Zentrum Kigalis zu einer autofreien Zone erklärt.
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