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Staat Informationen : Ruanda

Informationen:


Ruanda oder Rwanda [ˈʁuÌŻanda] (Kinyarwanda u Rwanda, französisch le Rwanda [lə ʁwɑ̃ˈda]) ist ein dicht bevölkerter Binnenstaat in Ostafrika. Er grenzt an Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Uganda und Tansania. Wegen seiner hĂŒgeligen Landschaft wird Ruanda auch „Land der tausend HĂŒgel“ genannt. Auf dem Staatsgebiet verlĂ€uft die afrikanische Hauptwasserscheide zwischen den Einzugsgebieten des Nil und des Kongo. Von 1884 bis 1916 war Ruanda als Teil Deutsch-Ostafrikas eine deutsche Kolonie. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es 1919 belgisches Völkerbundsmandat bzw. nach 1945 UN-Treuhandsgebiet. 1962 erfolgte die UnabhĂ€ngigkeit.

Wegen struktureller Probleme, einer hohen Bevölkerungsdichte und Konflikten zwischen den Volksgruppen der Hutu und Tutsi – die im Völkermord an den Tutsi 1994 gipfelten, in dessen Rahmen etwa 800.000 ethnische Tutsi und gemĂ€ĂŸigte Hutu von radikalen Hutu ermordet wurden – zĂ€hlte das Land zu den Ă€rmsten in Afrika. Seit dem Ende des BĂŒrgerkrieges setzte ein wirtschaftlicher Wiederaufbauprozess ein, der unter anderem durch die Ausbeutung von Rohstoffen in den östlichen Kongoprovinzen begĂŒnstigt wurde. Seit dem Jahr 2000 amtiert Paul Kagame als PrĂ€sident, der das Land autoritĂ€r in einer Art Erziehungs- und Entwicklungsdiktatur regiert. Das Regierungssystem steht international in der Kritik wegen mangelnder Pressefreiheit, UnterdrĂŒckung der Opposition, Manipulation von Wahlen sowie der Destabilisierung des Ostkongo.

Mit einer durchschnittlichen jĂ€hrlichen Wirtschaftswachstumsrate von etwa 8 Prozent im Zeitraum 2001 bis 2015 gehört Ruanda seit lĂ€ngerem zu den LĂ€ndern Afrikas mit dem stĂ€rksten Wirtschaftswachstum. Weite Teile der Wirtschaft werden durch die regierende Partei Ruandische Patriotische Front kontrolliert. Kennzeichnend fĂŒr die ruandische Gesellschaft ist auch die fĂŒr afrikanische VerhĂ€ltnisse ungewöhnlich hohe Teilhabe von Frauen an der wirtschaftlichen und politischen Macht.

Etymologie

Der Name Rwanda leitet sich vom altruandischen Verb kwanda (vergrĂ¶ĂŸern, ausdehnen) ab. Wie die Vorsilbe ku- (ku-anda = kwanda) ein Verb charakterisiert, werden in LĂ€ndernamen z. B. die Silben -Bu- oder -Ru- sowie der Artikel u- dem Wortstamm vorangestellt.

Wortstamm -anda: u-Ru-anda = uRwanda oder u Rwanda (das wachsende Land, Ruanda)

Wortstamm -dage: u-Bu-dage = uBudage oder u Budage (Deutschland, -dage von deutsch)

Wortstamm -faransa: u-Bu-faransa = uBufaransa oder u Bufaransa (Frankreich, -faransa von France)

Das Land wird auf Deutsch Ruanda geschrieben, auf Französisch Rwanda (seltener auch Ruanda).

Geographie

Ruanda grenzt im Norden an Uganda, im Osten an Tansania, im SĂŒden an das in vielen Eigenschaften Ă€hnliche Burundi und im Westen an die Demokratische Republik Kongo. Der Großteil Ruandas ist ein Hochland mit einer durchschnittlichen Seehöhe von 1500 Metern. Der gesamte Höhenbereich reicht von etwa 1000 Meter bis zum 4507 Meter hohen Karisimbi (Virunga-Vulkane im Norden). Hier verlĂ€uft von Nord nach SĂŒd auf 3000–4000 Meter Höhe die Afrikanische Hauptwasserscheide zwischen den Quellgebieten des Weißen Nil und des Kongo. Den grĂ¶ĂŸten Teil von Ruandas Westgrenze bildet der Kiwusee, der zum System der ostafrikanischen GrabenbrĂŒche gehört und daher sehr tief ist. Im Grenzgebiet zu Kongo und Uganda liegen die bis 4500 Meter hohen Virunga-Vulkane, auf denen in mittlerer Höhe die seltenen Berggorillas leben. Im Osten bilden die ausgedehnten Akagera-SĂŒmpfe und eine lange Reihe von Seen eine natĂŒrliche Grenze zum heutigen Tansania. Von der ostafrikanischen KĂŒste ist das Land 1200 Kilometer entfernt, dient aber wegen seines guten Straßennetzes dennoch als Transit fĂŒr manche Exporte aus der Demokratischen Republik Kongo.

Ruanda wird gern „Land der tausend HĂŒgel“ genannt (frz. Pays de Mille Collines) und hat in der Tat eine sehr hĂŒgelige Landschaft, hauptsĂ€chlich im westlichen Teil des Landes.

Klima

Aufgrund der Höhe ist das Klima trotz der ÄquatornĂ€he eher mild-feucht. Das heiße Ă€quatoriale Tageszeitenklima wird vom jahreszeitlichen ostafrikanischen Klima ĂŒberlagert und durch die große Höhenlage gemildert. Die mittlere Tagestemperatur liegt bei 18 °C. Es gibt keine großen Temperaturschwankungen ĂŒbers Jahr, doch variieren die Temperaturen mit der Höhenlage. Es gibt zwei Regenzeiten entsprechend den ostafrikanischen Monsunregen, umuhindo etwa zwischen September und Dezember (durchschnittlich 27 % der Jahresniederschlagsmenge) sowie itumba zwischen Februar und Anfang Juni. Zwischen MĂ€rz und Mai fallen 40 % der jĂ€hrlichen NiederschlĂ€ge. Das Klima und vor allem die NiederschlĂ€ge weisen jedoch große UnregelmĂ€ĂŸigkeiten auf. Anormale Trockenheiten, ĂŒberreichliche Regen und Hagel bedrohen immer wieder die Ernten und sorgen fĂŒr Hungersnöte.

Hydrologie

Ruanda entwĂ€ssert in zwei große Einzugsgebiete. Die LadeflĂ€che teilt sich zu Ÿ in das Nil-Einzugsgebiet und zu ÂŒ in das Kongo-Einzugsgebiet auf.

Die prĂ€genden NilzuflĂŒsse des Landes sind der im sĂŒdwestlichen Bergland (Naturpark Nyungwe-Wald) entspringenden Nyabarongo, und der Grenzfluss im Osten, der Akagera (Kagera). Der Nyabarongo entspringt als Rukarara auf 2700 Meter Seehöhe nahe der Wasserscheide zum Kongo und ist der zentrale Fluss des Landes. Er fließt wie sein Nebenfluss Mwogo zunĂ€chst von SĂŒd nach Nord, um sich dann unweit der Virunga-Vulkane nach SĂŒdosten zur Hauptstadt Kigali zu wenden. Diese abrupte LaufĂ€nderung erklĂ€rt die Geologie durch tektonische Verschiebungen der Erdkruste bei der Entstehung des Ostafrikanischen Grabens und der Virunga-Vulkane.

SĂŒdlich von Kigali vereinigen sich der Nyabarongo und der vom Burundi-Grenzgebiet kommenden Akanyaru auf etwa 1500 Meter Höhe. Je nach Quelle wird der weitere Verlauf auf dem Weg zum Rwerusees bereit als Kagera bezeichnet oder weiter als Nyabarongo. Nach dem Verlassen des Rwerusees fließt der Kagera erst nach Osten, spĂ€ter nach Norden und bildet auf etwa 250 Kilometern LĂ€nge die Landesgrenze zu Tansania. Der am DreilĂ€ndereck zu Tansania und Uganda nordwĂ€rts gerichtete Fluss knickt schließlich abermals scharf nach Osten ab, um spĂ€ter in den Viktoria-See zu fließen.

Das Kongo-Einzugsgebiet wird vor allem durch den Kiwusee und seinen Abfluss, den Ruzizi, geprĂ€gt. Letzterer bildet die sĂŒdwestliche Grenze Ruandas und fließt zum Tanganjikasee.

Die drei Großlandschaften

Ruanda lĂ€sst sich im Wesentlichen in drei Groß- und mehrere kleine Landschaften unterteilen: Die (sĂŒd-)östliche Senke, das zentrale Hochplateau und die Kongo-Nil-Wasserscheide bilden drei Großlandschaften.

Im Zentrum Ruandas befindet sich das zentrale Hochplateau. Es liegt zwischen 1500 und 2000 Metern hoch und erstreckt sich zwischen der Kongo-Nil-Wasserscheide und der sĂŒdöstlichen Senke. Es ist von zahlreichen WasserlĂ€ufen zerschnitten und reprĂ€sentiert vor allem im Anstieg zur Kongo-Nil-Wasserscheide hin das sprichwörtliche „Land der tausend HĂŒgel“. Aufgrund der guten Versorgung mit OberflĂ€chenwasser und NiederschlĂ€gen sowie der gemĂ€ĂŸigten Temperaturen und recht fruchtbarer Böden wird es seit langer Zeit intensiv landwirtschaftlich genutzt. Die ursprĂŒngliche Waldvegetation ist ebenso lange verschwunden.

Die Virunga-Vulkane im Norden stellen die höchsten Erhebungen dar. Ihnen schließen sich das Bergland von Buberuka und das vulkanische Gebiet im Nordwesten Ruandas an. Es ist durch feuchtkĂŒhles Klima mit zum Teil extremen RegenfĂ€llen gekennzeichnet. Die vulkanischen Aschen- und Schlackenböden sind sehr fruchtbar und werden intensiv landwirtschaftlich genutzt. Hier befindet sich ein Zentrum des Kartoffelanbaus von Ruanda. Allerdings versickern vor allem in der Lava-Ebene die Wasser sehr schnell und treten erst an ihrem Rand als Quellen wieder auf.

Neben den Virunga-Vulkanen erreicht die Kongo-Nil-Wasserscheide, die sich im Westen entlang des Kiwusees von Nord nach SĂŒd erstreckt, Höhen nahe 3000 Metern, im mittleren Teil nur bis zu 1200 Metern und im SĂŒden wieder bis zu 2700 Metern. Sie ist durch schroffe Schluchten und spitze Gipfel gekennzeichnet. Das Klima ist durch Steigungsregen im Osten feucht, im Westen durch Föhnwinde etwas reduziert. FrĂŒher waren die Berge von tropischem Höhenregenwald bedeckt. Dieser wurde aufgrund des Bevölkerungswachstums extrem reduziert. Bis Ende der 1990er Jahre gab es noch Regenwaldreste in Gishwati (Nord), Mukura (Zentrum) und Nyungwe (SĂŒd). Gishwati und Mukura wurden zum Zwecke der Besiedlung vor allem von rĂŒckkehrenden LangzeitflĂŒchtlingen nach 1994 nahezu vollstĂ€ndig zerstört. Der Nyungwe-Wald hingegen ist noch recht ausgedehnt. In allen tropischen Hochgebirgs-NebelwĂ€ldern leben Kleinaffen (Koloben und andere), Klein-Antilopen, frĂŒher auch Waldelefanten und zahlreiche Vogel- und Kleintierarten. Die Pflanzenvielfalt ist einzigartig und groß.

Der Uferstreifen des Kiwusees ist von tiefen Buchten und steilen HĂ€ngen geprĂ€gt. Durch Föhnbildung an den WesthĂ€ngen der Kongo-Nil-Wasserscheide sind die NiederschlĂ€ge hier geringer als auf der Ostseite des Gebirges. Das Wasser des Kiwusees ist etwa 23,5 °C warm. Das Klima ist durch milde Temperaturen geprĂ€gt. Auf den fruchtbaren Böden im SĂŒden und Norden erfolgt seit langer Zeit intensiver Bodenbau; auf den weniger fruchtbaren Böden in Höhe von Kibuye (Zentrum) hingegen ĂŒberwog traditionell Rinderzucht.

Der SĂŒdwesten von Ruanda (Impara und Imbo) weist zum Teil sehr fruchtbare Böden auf, die sowohl in den heißen tiefen Lagen als auch in den kĂŒhlen Bergen intensiven Bodenbau erlauben.

Die östliche und sĂŒdöstliche Senke mit Höhenlagen zwischen 1000 und 1500 Meter erstreckt sich westlich der ausgedehnten RĂŒckstausĂŒmpfe des Akageraflusses und zahlreicher Seen. Sie ist durch trockenheißes Klima, poröse Böden und Lateritkrusten sowie Buschsavanne geprĂ€gt. Klima, Böden und die starke Verbreitung der Tsetsefliegen machen diese Landschaft fĂŒr Bodenbau und Viehzucht wenig geeignet. Es kommt immer wieder zu ausgedehnten Trockenzeiten, die in den besiedelten Teilen zu Hungersnöten fĂŒhren. Die belgische Verwaltung richtete 1934 in dem dĂŒnn besiedelten Gebiet im Osten den Akagera-Nationalpark als Wildreservat ein. SĂŒdlich und westlich davon schlossen sich Jagdgebiete und Privatranchen an. Diese Jagdgebiete sowie Teile des Akagera-Parkes wurden nach Juli 1994 fĂŒr rĂŒckkehrende (sog. Langzeit-)FlĂŒchtlinge zur Besiedelung freigegeben. In den sĂŒdöstlichen Teil, den Bugesera-Distrikt, waren seit Ende der 1950er Jahre zunĂ€chst Tutsi aus verschiedenen Landesteilen zwangsumgesiedelt worden, spĂ€ter kamen Hutu aus dem Norden des Landes hinzu.

Die Niederungen der Region Mayaga entlang des Akanyaru-Flusses und seiner PapyrussĂŒmpfe waren frĂŒher den Rinderherden der Tutsi als Weidereserven in anhaltenden Trockenzeiten vorbehalten. Sie wurden erst im Laufe des 20. Jahrhunderts bodenbaulich genutzt.

Flora und Fauna

Die Hochgebirge in Ruanda sind durch besondere Ökosysteme mit einzigartigen Tier- und Pflanzenarten geprĂ€gt, die durch das nebelig-feucht-kĂŒhle tropische Klima zustande kommen. Beispielsweise beherbergt der Nyungwe-Wald als einziger verbliebener Bergregenwald eine beachtliche BiodiversitĂ€t mit vielen endemischen Arten.

Das Zentrum Ruandas ist schon seit langer Zeit intensiv landwirtschaftlich genutzt.

Im trocken-heißen Osten befinden sich der Akagera-Nationalpark mit Gras-Baum-Savannen, Sumpfgebieten und Seen. Der Park beherbergte bis 1994 zahlreiche große Herden von Zebras, Impalas, Topis sowie WasserbĂŒffeln sowie andere Antilopen-Arten in kleineren Herden, wenige Elefanten sowie aus Tansania eingeflogene Giraffen. Löwen waren zahlreich, Leoparden ebenfalls vorhanden. In den GewĂ€ssern lebten viele Nilpferde und Krokodile. Die Vogelfauna war sehr vielfĂ€ltig. Durch den Krieg wurde der Tierbestand – vor allem der Löwen und Antilopen – sehr stark dezimiert.

Eine Besonderheit sind die wenigen noch vorhandenen Berggorillas in den Virungavulkanen. Die vom Aussterben bedrohten Berggorillas werden durch Schutzmaßnahmen (unter anderem einem Jagdverbot) geschĂŒtzt. Bekannt geworden sind sie durch den Film Gorillas im Nebel, der das Leben der US-Forscherin Dian Fossey mit den Gorillas in Ruanda zeigt.

Umweltschutz

Seit 2005 gibt es in Ruanda ein Umweltschutzgesetz. Im Jahr 2006 wurde die Umweltbehörde REMA gegrĂŒndet. Sie gibt dem Land die Richtlinien in Sachen Umweltschutz vor und hat es geschafft, dass Ruanda allen anderen afrikanischen LĂ€ndern ein Vorbild im Umweltschutz ist. Kigali gilt als eine der saubersten HauptstĂ€dte Afrikas. MĂŒlltrennung ist in Ruanda per Gesetz vorgeschrieben, wird aber noch nicht flĂ€chendeckend angewandt. Illegale MĂŒllentsorgung wird mit mindestens 1.500 Dollar Strafe oder bis zu zwei Jahren GefĂ€ngnis geahndet. PlastiktĂŒten sind in Ruanda verboten. Bei der Einreise wird das GepĂ€ck von Touristen auf PlastiktĂŒten durchsucht. Gefundene TĂŒten werden ihnen abgenommen und entsorgt. Stattdessen nutzt man in Ruanda TĂŒten aus Papier.

Derzeit wird die HĂ€lfte des Stroms mit Dieselgeneratoren erzeugt, die andere HĂ€lfte durch Wasserkraftwerke. Drei neue Wasserkraftwerke sind in Planung.

In Ruanda gibt es drei Nationalparks:

  • Akagera-Nationalpark
  • Nyungwe-Wald
  • Vulkan-Nationalpark

Verwaltungsgliederung

Seit dem 1. Januar 2006 gliedert sich Ruanda in fĂŒnf Provinzen:

Vorher war Ruanda in folgende zwölf Provinzen gegliedert: Butare, Byumba, Cyangugu, Gikongoro, Gisenyi, Gitarama, Kibungo, Kibuye, Kigali, Kigali Rural, Ruhengeri und Umutara. Die fĂŒnf gegenwĂ€rtigen Provinzen sind weiter in insgesamt dreißig Distrikte untergliedert.

StÀdte

Ruanda gehört zu den bevölkerungsreichsten LĂ€ndern weltweit (Platz 75). Der ĂŒberwiegende Teil der Bevölkerung lebt auf dem Land, wobei die VerstĂ€dterung zunimmt.

Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte sind: Kigali 1.168.570 Einwohner (Stand 2012), Butare 103.312 Einwohner (Stand 2009), Gitarama 88.031 Einwohner (Stand 2009), Ruhengeri 86.685 Einwohner (Stand 2005) und Gisenyi 83.623 Einwohner (Stand 2005). Außer Kigali, das einen zunehmend urbanen Charakter entwickelt, sind die StĂ€dte allerdings sehr lĂ€ndlich geprĂ€gt. Sie sind meist Sitz der lokalen Verwaltung sowie kirchliche Zentren (ehemaligen Missionen) und dienen darĂŒber hinaus als Umschlagplatz fĂŒr lokalen Handel sowie als Verkehrsknotenpunkte.

Kigali ist die Hauptstadt Ruandas und besitzt einen internationalen Verkehrsflughafen sowie mehrere internationale Hotels und ist das Zentrum des regelmĂ€ĂŸigen Busverkehrs in alle Richtungen.

Gisenyi ist eine malerisch gelegene Kleinstadt am nördlichen Ende des Kiwusees. Es wurde schon in der deutschen Kolonialzeit gegrĂŒndet. Dort finden sich noch WohnhĂ€user aus dieser Zeit. Auch in der belgischen Kolonialzeit lebten viele Kolonialbeamte und Siedler in Gisenyi. Es liegt unmittelbar an der Grenze zu Kongo; die Nachbarstadt auf der anderen Seite der Grenze ist Goma. Nach dem Völkermord zogen große FlĂŒchtlingsströme durch Gisenyi nach Goma. Von Gisenyi gibt es einen regelmĂ€ĂŸigen Bootsverkehr fĂŒr Frachten und Personen nach Kibuye und Cyangugu. In Gisenyi befindet sich auch die staatliche Brauerei Bralirwa, die den grĂ¶ĂŸten Anteil am BIP erwirtschaftet.

Ruhengeri liegt im Norden in der Lava-Ebene zu FĂŒĂŸen der Vulkane. Von dort aus bereisen Touristen die Vulkane und besuchen an Menschen gewöhnte Gorilla-Gruppen.

Gitarama liegt im Zentrum des Landes, zwischen Kigali und Butare, unweit der bedeutenden katholischen Mission und des Diozösansitzes Kabgayi. Von Gitarama ging die sogenannte „Hutu-Revolution“ der PARMEHUTU aus. Hier war Ende der 1950er Jahre die erste Republik ausgerufen worden.

Kibuye ist eine Kleinstadt an einer sehr zerklĂŒfteten KĂŒste am Kiwusee. Eine alte Missionsstation befindet sich auf einem Felsen, der in den See hineinreicht. Die Stadt selbst liegt etwas erhöht, jedoch haben die zahlreichen Fischer ihre HĂ€user meist unten an der KĂŒste. Eine heruntergekommene und seit 2005 geschlossene Ferienanlage mit Bungalows sollte Touristen anlocken. Vor dem Völkermord gab es 250.000 Tutsi in der PrĂ€fektur von Kibuye, lediglich 8.000 ĂŒberlebten die Massaker.

Cyangugu am SĂŒdende des Kiwusees liegt unmittelbar an der Grenze zu Kongo. Auch hier gab es wĂ€hrend des Völkermords mĂ€chtige FlĂŒchtlingsströme nach Kongo.

Butare im SĂŒden Ruandas ist gewissermaßen die Kulturstadt des Landes. Es wurde in der belgischen Kolonialzeit gegrĂŒndet und stellte zu dieser Zeit den Sitz der belgischen Kolonialverwaltung fĂŒr die Doppelkolonie Ruanda-Urundi dar. Auch in Butare befinden sich GebĂ€ude aus der belgischen Kolonialzeit. Die National-UniversitĂ€t wird unter anderem von Deutschland unterstĂŒtzt. Neben der National-UniversitĂ€t befindet sich auch das Nationalmuseum in Butare, das zum Teil interessante AusstellungsstĂŒcke aus vorkolonialer Zeit zeigt, darunter nachgebaute traditionelle GrashĂ€user, darunter das des „Königs“ (Mwami).

Kibungo liegt im SĂŒdosten des Landes, an einer Straße, die zum GrenzĂŒbergang Rusumo nach Tansania fĂŒhrt. Byumba liegt im Norden des Landes.

Bevölkerung

Demografie

Ruanda hat etwa 12 Millionen Einwohner. Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt wird 2019 mit 69 Jahren angegeben. Der Bevölkerungsanteil der unter 15-JĂ€hrigen belĂ€uft sich auf 39,8 %, jener der ĂŒber 65-JĂ€hrigen auf 3 %.

Mit durchschnittlich 432 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Ruanda das am dichtesten bevölkerte Land Afrikas. Der hohe Bevölkerungsdruck ist Ruandas Hauptstrukturproblem, da das Land kaum ĂŒber Industrie und keine nennenswerten Ressourcen verfĂŒgt. Belastet wird das Land auch durch die hohe Zahl von FlĂŒchtlingen, die vor allem aus der Demokratischen Republik Kongo nach Ruanda kommen. Im Jahre 2017 waren 3,6 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Das Bevölkerungswachstum betrĂ€gt rund 2,1 % jĂ€hrlich.

Ethnische Zusammensetzung

In Ruanda lebt eine Bevölkerung mit einer gemeinsamen Sprache und Kultur. Die KolonialmĂ€chte, zunĂ€chst Deutsche, dann Belgier, beschlossen, durch indirekte Herrschaft zu regieren, und wollten keinen eigenen Verwaltungsapparat aufbauen. Sie unterstĂŒtzten zunĂ€chst die herrschenden Eliten der Tutsi und versuchten, sie fĂŒr ihre Zwecke zu nutzen. Die KolonialmĂ€chte definierten die gesellschaftlichen Kategorien von „Hutu“, „Tutsi“ und „Twa“ als „StĂ€mme“, unterschieden nach rassischen Kriterien bezĂŒglich des Äußeren und des angeblichen Charakters sowie nach der Wirtschaftsbasis (Tutsi = RinderzĂŒchter; Hutu = Bauern; Twa = JĂ€ger/Sammler, Töpfer). EuropĂ€ische Forscher (Rassentheoretiker) hatten zum Ende des 19. Jahrhunderts im Geiste der „Rassenkunde“ die „hamitische Hypothese“ entwickelt und eine vielfĂ€ltig durchmischte afrikanische Gesellschaft, deren Volksgruppen die Sprache, Sitten und Traditionen teilten, in „StĂ€mme“ sortiert: Hier die MinoritĂ€t der angeblich aus dem Niltal eingewanderten Tutsi, eine hochwĂŒchsige, hellhĂ€utige, blaublĂŒtige, hamitische Rasse, dort die autochthone Mehrheit der untersetzten, negroiden, servilen, bĂ€uerlichen Hutu aus der Bantufamilie. Die Hamiten seien die TrĂ€ger der kulturellen Entwicklung Afrikas gewesen und seien ĂŒberhaupt eine ĂŒberlegene „Herrenrasse“, so die Hamitentheorie von John Hanning Speke. Diese „Ethnien“ oder „Rassen“ gehören zu einem Geschichtsmythos, der zu einem wichtigen ideologischen Instrument der Kolonialpolitik wurde. Tutsi, gleichsam zu „schwarzen Weißen“ geadelt, wurden im kolonialen Herrschaftssystem privilegiert; sie ĂŒbernahmen bereitwillig eine Theorie, die ihre Überlegenheit historisch „bewies“.

Nach modernen genetischen Analysen bestehen zwar statistisch signifikante Unterschiede bei genetischen Markern auch zwischen Tutsi und Hutu, die Unterschiede sind aber nicht groß. Die Ergebnisse belegen eine sehr nahe Verwandtschaft zwischen Tutsi und Hutu (auch relativ zu benachbarten Bevölkerungsgruppen), so dass von einer spezifischen Wanderung nur der Tutsi nicht auszugehen ist.

1934/35 wurde von der belgischen Kolonialmacht eine VolkszĂ€hlung durchgefĂŒhrt. Die Zugehörigkeit zu Tutsi oder Hutu wurde u. a. anhand der Anzahl der Rinder definiert, die jemand besaß. Alle Familien mit mehr als zehn Rindern waren Tutsi, alle mit weniger waren Hutu. Wer kein Rind hatte, wurde als Twa eingestuft. Die KolonialmĂ€chte verhandelten zunĂ€chst bevorzugt mit den reicheren Tutsi, zu denen das Königshaus und die traditionellen Eliten gehörten. Im Jahre 1939 schrieben die belgischen Kolonialisten den Vermerk der ethnischen Zugehörigkeit im Personalausweis vor. Der postulierte Unterschied – der Völkerkundler Claude Meillassoux spricht von „imaginĂ€rer Ethnographie“ – wurde gleichsam zum Naturzustand und vergiftete als tribalistisches Stereotyp die Vorstellungswelt der Ruander.

Die Tutsi erhielten zunĂ€chst alleinigen Zugang zu den Kolonialschulen mit dem Ziel, dadurch der Kolonialverwaltung zu dienen. Durch die Kolonialpolitik wurde die Bevölkerung zu Abgaben und Zwangsarbeit verpflichtet, fĂŒr deren Eintreibung Tutsi zustĂ€ndig waren. All dies fĂŒhrte zu Unzufriedenheit und Neid. Außerdem kam es zu zunehmenden Problemen, weil Tutsi eigene Gedanken Ă€ußerten und nicht alle Vorgaben der (belgischen) Kolonialmacht umsetzen wollten. So setzten die belgische Kolonialverwaltung und die katholische Mission zunehmend auf „divide et impera“ und begannen die Hutu politisch zu fördern. Als die Hutu 1959 die Macht ĂŒbernahmen, pervertierten sie die ethnische Segregation zu einer Art „schwarzen Apartheid“. Sie nahmen das rassistische Gedankengut der EuropĂ€er an und begannen, die Tutsi als spĂ€ter eingewanderte Fremde in Ruanda zu behandeln.

Vor den ersten Massakern, Vertreibungen und der ersten Fluchtwelle von Tutsi im Jahre 1959 wurde deren Anteil auf 12–13 % geschĂ€tzt. Dieser Anteil soll bis zum Völkermord durch weitere Fluchtwellen und Vertreibungen auf etwa 9–10 % abgenommen haben. Auch der Anteil der Twa scheint seit den 1930er Jahren stetig gesunken zu sein. Es gab und gibt einen nicht zu vernachlĂ€ssigenden Anteil von Menschen mit schwankender oder gemischter ethnischer IdentitĂ€t, obwohl die EthnizitĂ€t amtlich registriert war.

Der Völkermord brachte fĂŒr mindestens drei Viertel, vielleicht auch ĂŒber 90 % der in Ruanda ansĂ€ssigen Tutsi den Tod. Durch die kurz danach einsetzende RĂŒckwanderung einer großen Zahl von Exil-Tutsi machen die Tutsi wieder wesentlich mehr als die zu erwartenden 1–3 % der Bevölkerung aus. Neuere Zahlen zur EthnizitĂ€t sind kaum erhĂ€ltlich. Die „Hamitentheorie“ erfreut sich bis heute großer Beliebtheit, liefert sie doch ein simples ErklĂ€rungsmodell fĂŒr den Genozid.

Sprachen

Muttersprache nahezu aller Ruander ist die Bantusprache Kinyarwanda. 88 % der Einwohner beherrschen ausschließlich diese Sprache. Weitere offizielle Amtssprachen sind Französisch (seit der belgischen Kolonialzeit) und seit 1994 Englisch, das vor allem von aus Tansania und Uganda rĂŒckkehrenden LangzeitflĂŒchtlingen eingefĂŒhrt wurde. In den Handelszentren wird auch das ebenfalls zu den Bantusprachen gehörende Swahili gesprochen, das in Ruanda nur als Fremdsprache erlernt wird.

Aufgrund der fĂŒr Bantusprachen typischen Flexion am Wortanfang entstehen vielfĂ€ltige Schreibweisen. Die Wörter Hutu und Tutsi zum Beispiel gibt es als solche im Kinyarwanda nicht. In der grammatischen Normalform wird ein ba (wa) vorangestellt, also bahutu bzw. batutsi (= watussi). Noch genauer genommen kommt dazu noch der Artikel, und es wird von umuhutu (Mehrzahl: abahutu) bzw. umututsi (abatutsi) gesprochen. Da sich aber die Vorsilben je nach grammatischer Verwendung verĂ€ndern, werden in Kinyarwanda-WörterbĂŒchern die Wörter nach dem Wortstamm sortiert.

Im Oktober 2008 erklĂ€rte die Regierung, dass in den kommenden Jahren der Schwerpunkt im ruandischen Bildungswesen von Französisch auf Englisch verlagert werden solle. 2009 wurde dies umgesetzt. SchulprĂŒfungen und Unterricht finden beispielsweise in englischer Sprache statt. Damit wird angestrebt, das Land politisch und wirtschaftlich enger an Ostafrika zu binden.

Im FrĂŒhjahr 2017 beschloss die Abgeordnetenkammer, Swahili als Teil der fortwĂ€hrenden Integration in die Ostafrikanische Gemeinschaft als weitere Amtssprache einzufĂŒhren.

Religion

Der einheimische Ahnen- und Ryangombe-Kult tritt zwar öffentlich nicht in Erscheinung, wird jedoch neben den spĂ€ter eingefĂŒhrten Religionen von einem betrĂ€chtlichen Teil der Bevölkerung weiterhin praktiziert. Es handelt sich dabei ebenfalls um eine monotheistische Religion mit einem Schöpfergott (Imana) und einer großen Persönlichkeit (Ryangombe), der ein Mittler und irdischer ReprĂ€sentant Gottes war. Wegen dieser Parallelen zur Lehre von Jesus Christus und der Dreieinigkeit waren die Ruander wĂ€hrend der deutschen Kolonialzeit vergleichsweise leicht fĂŒr den christlichen Glauben zu gewinnen. Im Norden des Landes – wie auch in Uganda und der Demokratischen Republik Kongo – gibt es noch den Nyabingi-Kult, in dessen Mittelpunkt eine Frau steht.

Schon seit der deutschen, vor allem aber seit der belgischen Kolonisation nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Land christlich missioniert, was zu einer Dominanz der Römisch-katholischen Kirche fĂŒhrte, der kurz vor dem Völkermord etwa zwei Drittel der Bevölkerung angehörten, gegenwĂ€rtig bis zu 55 %. Charismatische Gruppen und viele neue Kirchen (Wiedergeborene Christen und Erweckungskirchen) hingegen breiteten sich nach dem Völkermord im Land aus. Protestanten (auch Adventisten), gegenwĂ€rtig bis zu 38 %, sind durch zahlreiche verschiedene Kirchen vertreten (darunter Anglikaner, Presbyterianer, Adventisten, Methodisten sowie Baptisten).

Erste Muslime kamen mit arabisch-sansibarischen Elfenbein- und SklavenhĂ€ndlern Ende des 19. Jahrhunderts ins Land, doch erst mit der deutschen Kolonialmacht ließen sich ostafrikanische Muslime nieder. Zum Islam bekennen sich mindestens 5 % der Ruander. Andere Quellen, die bis zu 12 % Muslime und mehr angeben, sind möglicherweise ĂŒberhöht, aber auf einen verstĂ€rkten Zulauf zum Islam seit dem BĂŒrgerkrieg zurĂŒckzufĂŒhren.

Soziales

Bildung

Öffentliche Bildungsausgaben betrugen 4,1 % des Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2008. 70 % der erwachsenen Bevölkerung kann lesen und schreiben, wobei der Anteil an Analphabeten bei den Frauen höher liegt. Öffentliche Grundschulen sind gebĂŒhrenfrei geworden. 86,4 % aller Jungen und 88,5 % aller MĂ€dchen besuchen die Grundschule (Stand 2012). In Ruanda stieg die mittlere Schulbesuchsdauer der Personen ĂŒber 25 von 1,8 Jahren im Jahr 1990 auf 3,8 Jahre im Jahr 2015 an. Die aktuelle Bildungserwartung betrĂ€gt bereits 10,8 Jahre. FĂŒr die sechs Jahre dauernde Grundschule besteht Schulpflicht. Daran anschließend besteht die Möglichkeit eines Besuches der drei Jahre dauernden Sekundarschule, welche entweder zum Besuch einer UniversitĂ€t berechtigt oder eher berufsbildenden Charakter hat. Kinyarwanda, Französisch und Englisch werden allgemein gelehrt. Ruanda hat mehrere UniversitĂ€ten; die grĂ¶ĂŸte ist die UniversitĂ© nationale du Rwanda.

Gesundheit

Eine Frau bringt im Durchschnitt 4 Kinder zur Welt. Seit den 1980er Jahren, als die FertilitĂ€tsrate noch bei ca. 8,5 Kindern pro Frau lag, geht die Kinderzahl stetig zurĂŒck. Zeitweise bestanden PlĂ€ne auf politischer Ebene zur EinfĂŒhrung einer „Drei-Kinder-Politik“. Die VerfĂŒgbarkeit und Nutzung moderner VerhĂŒtungsmittel ist in Ruanda in den letzten Jahren enorm gestiegen. 1990 griffen nur zehn Prozent der Frauen auf VerhĂŒtungsmittel zurĂŒck, 2012 waren es bereits 45 Prozent, 2020 schließlich 66 Prozent. Vor allem in den StĂ€dten geht die Fruchtbarkeitsrate zurĂŒck, hier bekommen Frauen im Durchschnitt nur noch zwischen 3 und 4 Kinder.

Auf einen Arzt kommen etwa 18.000 Einwohner. 31 % der Frauen nehmen Gesundheitsdienste bei der Geburt in Anspruch. 18 % der unter 5-jĂ€hrigen Kinder sind fehlernĂ€hrt (Stand 2005). Die Sterblichkeit der unter 5-jĂ€hrigen Kinder betrĂ€gt etwa 3,5 %. Die HIV-PrĂ€valenz an der Gesamtbevölkerung wird mit 2,9 % angegeben; sie ist in den sexuell aktiven Bevölkerungsteilen jedoch höher. Der Anteil der gesetzlich krankenversicherten Bevölkerung hat sich den letzten Jahren stark vergrĂ¶ĂŸert und liegt bei 91 % (Stand 2010). Der Preis der Krankenversicherung betrĂ€gt etwa 1,50 Euro pro Person pro Jahr.

Entwicklung der Lebenserwartung in Ruanda

Geschichte

Monarchie und Kolonialzeit

Ruanda hat eine jahrhundertealte Geschichte als Monarchie. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde es, im Rahmen der Aufteilung Afrikas unter den europĂ€ischen GroßmĂ€chten, Deutschland zugeschlagen und der Kolonie Deutsch-Ostafrika unterstellt. Die Deutschen beschrĂ€nkten sich auf die indirekte Herrschaft in Gestalt einer Residentur. Der deutsche Resident stand Ă€hnlich wie in britischen Protektoraten dem einheimischen Herrschern kontrollierend und beratend gegenĂŒber. Parallel begann die Missionierung, bei der die Katholiken sich durchsetzten. Im Ersten Weltkrieg wurde das Land ausgehend von Belgisch-Kongo von belgischen StreitkrĂ€ften besetzt und vom Völkerbund Belgien als Teil des Mandatsgebietes Ruanda-Urundi zugesprochen. Mit der UnabhĂ€ngigkeit traten die alten Gebiete von Ruanda und Burundi ihren eigenen Weg getrennt voneinander als eigenstĂ€ndige Staaten an.

FĂŒr die Kommunalwahlen von 1960 erhielten Frauen das aktive Wahlrecht. Im Legislative Decree of Rwanda - Urundi (L.D.R.U.) N° 02/269, erlassen am 17. August 1961 von der belgischen Verwaltung des UN-Mandatsgebiets, wurde Frauen das allgemeine Wahlrecht auf nationaler Ebene zugestanden und in den Wahlen zur Gesetzgebenden Versammlung vom 25. September 1961 erstmals ausgeĂŒbt. Das allgemeine Wahlrecht fĂŒr alle Erwachsenen wurde bei der UnabhĂ€ngigkeit 1962 bestĂ€tigt. 1961 erhielten Frauen das Recht, in alle Ämter mit Ausnahme des PrĂ€sidentenamtes gewĂ€hlt zu werden. Das passive Wahlrecht fĂŒr dieses Amt wurde ihnen erst 1978 in der neuen Verfassung zugestanden.

In der neueren Geschichte waren neben der Kolonisation, die das Land erst kurz vor 1900 erreichte, die UnabhÀngigkeit im Jahre 1962 und der Völkermord von 1994 die wichtigsten Ereignisse.

Seit der UnabhÀngigkeitserklÀrung

Nach der UnabhĂ€ngigkeit am 1. Juli 1962 folgten zunĂ€chst eine erste (1962–1973) und dann eine zweite Republik (Juli 1973–1994). Vor allem die erste Republik war begleitet von Massakern, Vertreibungen und Fluchtbewegungen von Tutsi. Eine große Anzahl von ihnen war danach an der RĂŒckkehr nach Ruanda gehindert und lebte jahrzehntelang in den NachbarlĂ€ndern (Uganda, Burundi, Tansania und DR Kongo, zum Teil auch Kenia).

Am 1. Oktober 1990 griff die Ruandische Patriotische Front (RPF), in der Exil-Ruander aus Uganda stark vertreten waren, das Land an, um militĂ€risch die RĂŒckkehr von FlĂŒchtlingen zu erzwingen. Sie besetzte Teile des Nordens des Landes (in Byumba und Mutara). International vermittelte Verhandlungen fĂŒhrten zunĂ€chst zu einem Waffenstillstand im Juli 1992. Eine Folge war die Bildung der UNAMIR-Truppe. Nach dem Friedensvertrag von Arusha kam es im Januar 1993 aber mehr oder weniger zu einer politischen Blockade der Umsetzung der Vereinbarungen des Friedensvertrags. Radikale KrĂ€fte waren nicht zur Kooperation mit dem Gegner in Übergangsstrukturen von Regierung, Parlament und Armee bereit.

Am 6. April 1994 wurde das Flugzeug des damaligen StaatsprĂ€sidenten JuvĂ©nal Habyarimana beim Landeanflug auf die Hauptstadt Kigali abgeschossen. Vom 7. April bis Juni 1994 kam es daraufhin zum Völkermord an den Tutsi in Ruanda, verbunden auch mit der Liquidation von dissidenten Hutu. Die RPF nahm die Kampfhandlungen gegen das den Völkermord organisierende Regime wieder auf. Sie eroberte bis Juli den Norden, Osten und SĂŒdosten sowie die Hauptstadt, danach auch den zentralen und nördlichen Westen des Landes. Französische Truppen, von Ostkongo aus kommend, besetzten vorĂŒbergehend den SĂŒdwesten des Landes. Am 19. Juli 1994 wurde Pasteur Bizimungu zum PrĂ€sidenten ernannt. Es folgte eine Übergangsphase mit am Arusha-Vertrag angelehnten Übergangsregierungen, die bis 2003 dauerte. Seit 2003 hat Ruanda eine neue Verfassung, ein gewĂ€hltes Parlament und einen gewĂ€hlten StaatsprĂ€sidenten.

1998 begann in der Demokratischen Republik Kongo (ehemals Belgisch-Kongo) der Zweite Kongokrieg, an dem sich Ruanda (wie auch Uganda) beteiligte — offiziell, um dorthin geflohene Reste der Hutu-extremistischen Interahamwe-Milizen zu verfolgen, aber auch, um sich an den kongolesischen BodenschĂ€tzen zu bereichern. 2002 wurde ein Friedensabkommen mit dem Kongo geschlossen. PrĂ€sident Joseph Kabila kĂŒndigte im Oktober 2007 die Entwaffnung der Hutu-Milizen an. Bis heute dauern im Osten des Kongo die KĂ€mpfe zwischen verschiedenen Rebellengruppen sowie der kongolesischen Regierung an.

Anfang Januar 2009 wurde der kongolesische Milizenchef Nkunda in einem Machtkampf innerhalb der FĂŒhrung der CNDP von seinem MilitĂ€rchef Bosco Ntaganda gestĂŒrzt. Ntaganda unterzeichnete einen Waffenstillstand und ging gemeinsam mit kongolesischen und ruandischen Regierungstruppen gegen Nkunda vor. Am 22. Januar 2009 wurde Laurent Nkunda auf ruandischem Gebiet festgenommen.

Politik

Politisches System

Ruanda ist eine Verfassungsrepublik. Die heutige Verfassung wurde 2003 per Volksabstimmung verabschiedet. Der PrĂ€sident wird in allgemeinen Wahlen bestimmt. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, der Abgeordnetenkammer und dem Senat. Die politischen Parteien versammeln sich im so genannten „Abstimmungsforum“ (Forum de concertation), wo BeschlĂŒsse im Konsens gefasst werden. Politische Organisationen waren bis 2003 verboten. Dementsprechend fanden erst im August und September 2003 die ersten Nachkriegswahlen fĂŒr Parlament und PrĂ€sidentenamt statt.

Die heutige Politik ist stark von den Nachwirkungen des Krieges (1990–1994) und Völkermordes (1994), den wirtschaftlichen Problemen und der Unsicherheit in der Region geprĂ€gt.

Die Justizeinrichtungen bestehen aus dem Obersten Gerichtshof (Cour SuprĂȘme), „la Haute cour de la RĂ©publique“, den Provinzgerichtshöfen, den Gerichtshöfen der Distrikte und StĂ€dte, sowie speziellen Einrichtungen, etwa Gacaca und MilitĂ€rgerichten.

Nach dem militĂ€rischen Sieg 1994 etablierte die „Ruandische Patriotische Front“ (RPF) eine Koalitionsregierung Ă€hnlich der bereits 1992 von PrĂ€sident JuvĂ©nal Habyarimana gebildeten. Habyarimanas Partei, die von Hutu dominierte „Nationale Bewegung fĂŒr Demokratie und Entwicklung“, wurde verboten, da nach seinem Tod bei einem Flugzeugabsturz im April 1994 Hardliner die Macht ĂŒbernommen hatten. Diese sollen maßgeblich an der Planung des unmittelbar auf seinen Tod einsetzenden Völkermordes beteiligt gewesen sein.

Im Dezember 2015 wurde ein Verfassungsreferendum angenommen, das die BeschrÀnkung der Amtszeit des PrÀsidenten auf zwei mal sieben Jahre aufhebt. Damit konnte PrÀsident Kagame auch nach 2017 weiterregieren (er wurde im August 2017 erneut im Amt bestÀtigt).

Aufgrund der wirtschaftlichen Fortschritte des Landes wird Ruanda von einigen Beobachtern als erfolgreiche „Entwicklungsautokratie angesehen“.

Exekutive

Amtierender StaatsprĂ€sident und damit Staatschef ist seit dem 22. April 2000 General Paul Kagame (RPF). Der Regierungschef und seine Minister werden vom PrĂ€sidenten eingesetzt. Das Amt des Premierministers wird seit 2017 von Édouard Ngirente wahrgenommen.

Der PrĂ€sident wird normalerweise direkt vom Volk gewĂ€hlt. Der jetzige Amtsinhaber wurde jedoch in einem Sonderverfahren am 17. April 2000 von den Abgeordneten der Nationalversammlung mit 81 von 86 möglichen Stimmen gewĂ€hlt, dann 2003 jedoch in allgemeinen Wahlen gewĂ€hlt. Am 9. August 2010 wurde Kagame im Amt bestĂ€tigt; die Opposition bezeichnete die PrĂ€sidentschaftswahlen allerdings als „nicht frei“. Amtierender Außenminister ist Richard Sezibera.

Legislative

Von 1994 bis 2003 besaß Ruanda ein Übergangsparlament mit nur einer Kammer und 70 Sitzen. GegrĂŒndet wurde es am 12. Dezember 1994 durch ein Abkommen mehrerer Parteien. Die Mitglieder wurden durch die VertrĂ€ge von Arusha bestimmt. Seit den Wahlen 2003 besteht das Parlament in Ruanda aus zwei Kammern: der Chambre des DĂ©putĂ©s (Abgeordnetenkammer) mit 80 Sitzen und dem SĂ©nat mit 26 Sitzen.

Die Sitze der Abgeordnetenkammer werden wie folgt vergeben: 53 Abgeordnete werden direkt vom Volk in geheimer Wahl gewĂ€hlt; 24 Frauen werden gewĂ€hlt: zwei fĂŒr jede Provinz und die Stadt Kigali; zwei Mitglieder werden vom „Nationalen Jugendrat“ gewĂ€hlt; ein Mitglied wird gewĂ€hlt von der Behindertenvereinigung „Bund der Assoziation der Behinderten“. Das Parlament hat mit 63,8 % derzeit (2015) den höchsten Frauenanteil unter den parlamentarischen UnterhĂ€usern weltweit.

Die Sitze im Senat setzen sich folgendermaßen zusammen: 12 Senatoren werden indirekt gewĂ€hlt, einer von jeder Provinz und der Stadt Kigali; acht Senatoren werden vom PrĂ€sidenten eingesetzt; vier Senatoren werden bestimmt vom „Forum of Political organizations“; ein Senator wird gewĂ€hlt aus den Reihen der Dozenten und Forscher von staatlichen UniversitĂ€ten und Hochschulen und ein Senator aus den Reihen der Dozenten und Forscher von privaten UniversitĂ€ten und Hochschulen.

Außenpolitik

Ruanda ist Mitglied der Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union, der Ostafrikanischen Gemeinschaft, der Gemeinsame Markt fĂŒr das Östliche und SĂŒdliche Afrika, sowie seit 2009 Mitglied im Commonwealth of Nations. Damit ist Ruanda neben Mosambik der einzige Mitgliedstaat des Commonwealth ohne vorhergehende koloniale Beziehungen zum Vereinigten Königreich. Zwischen Ruanda und dem deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz besteht seit 1982 eine Partnerschaft, wo 2007 die Ruanda-Stiftung gegrĂŒndet wurde.

Menschenrechte

Laut Beobachtungen von Amnesty International (AI) ist das Recht auf MeinungsĂ€ußerung in Ruanda stark eingeschrĂ€nkt und die Vereinigungsfreiheit wird von der Regierung behindert. Zivilbevölkerung, aber auch Menschenrechtsverteidiger und Journalisten, werden von den Behörden kontrolliert und an ihrer Arbeit behindert. Die Gerichte erfĂŒllen nach AI-EinschĂ€tzung keine internationalen Standards fĂŒr faire Gerichtsverfahren.

Besonders die Kinder leiden unter den Nachwirkungen des Völkermordes. Nach Angaben von UNICEF wachsen 600.000 Kinder ohne oder mit nur einem Elternteil und in extremer Armut auf. Nach SchĂ€tzungen von UNICEF gibt es in Ruanda rund 28.000 so genannte Kinderhaushalte. Über 100.000 Jungen und MĂ€dchen in diesen Familien sind ohne Eltern und schlagen sich weitgehend allein durch. In rund 80 % der Kinderhaushalte kĂŒmmern sich die Ă€ltesten MĂ€dchen um die Versorgung ihrer jĂŒngeren Geschwister. Viele dieser Kinder werden als billige ArbeitskrĂ€fte auf Plantagen oder in privaten Haushalten ausgebeutet und sexuell missbraucht. Oft mĂŒssen sich die MĂ€dchen prostituieren, um den Lebensunterhalt dieser Familien zu verdienen. Dabei sind sie völlig unaufgeklĂ€rt dem hohen HIV-Ansteckungsrisiko des Landes ausgesetzt. Die Chancen der Kinder, sich eine bessere Zukunft zu erarbeiten, sind gering: 90 % der Jungen und MĂ€dchen aus Kinderhaushalten gehen nicht zur Schule. In der Vergangenheit rekrutierte der damalige kongolesische Rebell Laurent Nkunda immer wieder KĂ€mpfer, viele von ihnen Kindersoldaten, aus den FlĂŒchtlingslagern in Ruanda. Nach SchĂ€tzungen von UNICEF leiden heute in Ruanda rund eine Million Kinder unter besonders schwierigen Lebensbedingungen.

Die Regierung ist sexuellen Minderheiten gegenĂŒber nach wie vor ablehnend eingestellt und droht, diese Ablehnung sogar noch zu verschĂ€rfen. Homosexuelle können aufgrund der „Moralgesetze“ im Strafgesetzbuch zu langjĂ€hrigen Haftstrafen verurteilt werden und sind permanenten Repressalien und EinschĂŒchterungen ausgesetzt. Ein neuer Gesetzesentwurf sieht vor, dass Menschen bestraft werden sollen, die sexuelle Kontakte zu Menschen des gleichen Geschlechts haben oder diese fördern. Damit wĂ€re Rechtsexperten zufolge auch die ergebnisoffene psychologische Beratung von Schwulen und Lesben illegal. Als Strafmaß sind fĂŒnf bis zehn Jahre GefĂ€ngnis sowie eine Geldstrafe zwischen 200.000 und einer Million Ruanda-Franc (240 bis 1200 Euro) vorgesehen.

MilitÀr

Die StreitkrĂ€fte Ruandas (englisch Rwanda Defence Forces RDF, französisch Forces Rwandaises de DĂ©fense) setzen sich aus dem Oberkommando der StreitkrĂ€fte, dem Generalstab, dem Heer, der Luftwaffe sowie Spezialkommandos zusammen. Minister fĂŒr Verteidigung ist Albert Murasira. Ruanda gab 2020 knapp 1,2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 127 Millionen US-Dollar fĂŒr seine StreitkrĂ€fte aus.

Die RDF wurde 1994 nach dem Genozid an den Tutsi neu gebildet. Die vorrĂŒckenden militĂ€rischen Einheiten der Ruandischen Patriotischen Front (RPF) gingen dabei in die offiziellen StreitkrĂ€fte Ruandas ĂŒber. Die RDF umfasst nach dem Rwandan Defence Law von 2002

  • das High Command Council
  • den Generalstab
  • die Rwanda Land Force
  • die Rwanda Air Force
  • Spezialeinheiten

Die PersonalstÀrke betrÀgt ca. 33.000 Soldaten. Mehrere ehemalige Offiziere der RDF wurden inzwischen wegen Verbrechen wÀhrend des Genozids 1994 angeklagt.

Wirtschaft

Entwicklung

Die Rahmenbedingungen sind ungĂŒnstig. Im Staat herrschen:

  • hohe Bevölkerungsdichte
  • Dominanz der Subsistenzlandwirtschaft bei Landknappheit und strapazierten natĂŒrlichen Ressourcen
  • schwacher Dienstleistungs- und industrieller Sektor
  • kleiner, fragmentierter und stark regulierter Markt
  • mangelnde regionale Vernetzung der MĂ€rkte
  • regionale Konflikte und Kriege
  • große Entfernungen und hohe Kosten beim Zugang zum Weltmarkt (entsprechend hohe Kosten)

Der Völkermord von 1994 hat Ruandas ohnehin schon schwache wirtschaftliche Basis weiter geschĂ€digt und die Bevölkerung, insbesondere die Frauen, nachhaltig verarmen lassen. Mitte 1994 und 1995 erhielten das Land sowie die FlĂŒchtlingslager in den NachbarlĂ€ndern zusammen Nothilfe im Wert von mehr als 307,4 Mio. US-Dollar. 1996 begann der Übergang von Nothilfe in Wiederaufbau und Entwicklungszusammenarbeit. Die USA, Belgien, Deutschland, die Niederlande, Großbritannien, Frankreich, China, die Weltbank und das UN-Entwicklungsprogramm sowie der EuropĂ€ische Entwicklungsfonds sind die wichtigsten Geber.

Von 1994 bis Ende 1995 erhielt Ruanda zunĂ€chst nur wenig externe Wirtschaftshilfe. 1996 bis 1997 begann die Regierung den industriellen Sektor durch technische und finanzielle Hilfe inklusive Kreditgarantien, wirtschaftliche Liberalisierung und Privatisierung staatlicher Unternehmen wieder aufzubauen. 1998 richtete die Regierung ein Investitionszentrum ein und erließ einen neuen Investment Code, um lokale und auslĂ€ndische Investoren anzuwerben.

Über 60 % der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, davon wiederum 20 % sogar unter der Grenze absoluter Armut. Ruandas FĂ€higkeit, privates und privatwirtschaftliches Kapital anzuziehen, ist noch sehr begrenzt.

Inzwischen sind jedoch auch beachtliche Fortschritte in der Stabilisierung und Wiederbelebung der Wirtschaft auf das Niveau vor 1994 erkennbar. Das Bruttoinlandsprodukt stieg in den letzten Jahren. Die Armut hat allerdings im selben Zeitraum zugenommen. Die Nahrungsmittelproduktion stellt nur 80 % des Bedarfs, so dass es regelmĂ€ĂŸig regional und saisonal zu Hungersnöten kommt und es Gebiete und Bevölkerungsgruppen mit chronischer UnterernĂ€hrung gibt.

Die Inflation lag 2000 bei ca. 3,3 % und stieg 2003 auf 8,7 % sowie 2004 auf 12,6 %. Vor allem die Energie- (Strom) und Nahrungsmittelpreise stiegen 2004 und 2005 stark. 2017 lag die Inflationsrate bei ca. 5 %.

Im August 2016 betrug der Wechselkurs zum Euro in etwa 897 Ruandische Franc (RWF). Es gibt zahlreiche staatlich registrierte WechselbĂŒros, vor allem in der Hauptstadt. Ein Betriebswirt in der Verwaltung kann monatlich in etwa 100.000 RWF verdienen (ca. 135 Euro); ein Fahrer in der Hauptstadt etwa 5000 RWF. Eine Taxifahrt in der Hauptstadt kostet etwa 2000 RWF, ein halber Liter Milch 450 RWF, eine 33 cl Flasche Mineralwasser ca. 250 RWF.

Nur wenige Ruander haben feste, dauerhafte ArbeitsplĂ€tze mit Lohneinkommen. Die Anzahl der ArbeitskrĂ€fte wird auf ca. 6,2 Mio. geschĂ€tzt. Zahlen zu Arbeitslosigkeit liegen nicht vor und hĂ€tten in einer nach wie vor wenig marktintegrierten Wirtschaft mit einem nach wie vor großen nicht-monetĂ€ren Produktionsbereich auch kaum Aussagekraft. Die CIA schĂ€tzte die Arbeitslosenquote im Jahr 2014 auf 2,7 %, allerdings sind fast alle ArbeitsplĂ€tze informeller Natur. 2012 arbeiteten ca. drei Viertel der ArbeitskrĂ€fte in der Landwirtschaft. Die grĂ¶ĂŸte Gewerkschaft, CESTRAR, wurde als Organ der frĂŒheren Regierung gegrĂŒndet und ist durch politische Reformen 1991 unabhĂ€ngig geworden.

Die Regierung hat sich der NEPAD-Initiative angeschlossen und teilt deren Ziele. Die Afrikanische Entwicklungsbank hatte von Mitte 2005 bis 2015 einen ruandischen PrÀsidenten, Donald Kaberuka.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fĂŒr 2017 wird auf 9,1 Milliarden US-Dollar geschĂ€tzt. In KaufkraftparitĂ€t betrĂ€gt das BIP 24,6 Milliarden US-Dollar oder 2080 US-Dollar je Einwohner. Das reale Wachstum betrug 6,1 %.

Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Ruanda Platz 58 von 137 LĂ€ndern (Stand 2017–2018).

Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegte Ruanda 2017 Platz 51 von 180 LĂ€ndern. In beiden Kategorien zĂ€hlte Ruanda damit zu den besten LĂ€ndern innerhalb Afrikas.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (KaufkraftparitÀt) angeben.

Sektoren

Die Wirtschaft (Produktion) wuchs seit ca. 2000 stark (2000: 6 %; 2001: 7 %, 2003: 1–3,5 %, 2004: 4 %, 2005: 5,5 %). Die Landwirtschaft stellt 40 % bis 41 % des BIP, Industrie ca. 20 % und Dienstleistung ca. 37–38 %. Exporte machen 8,3 (2000 und 2003) bis 9,6 % (2004), Importe 24–27 % des BIP aus.

Das Wachstum scheint jedoch vor allem auf einen Bauboom vor allem in der Hauptstadt und Nationalparks (u. a. Großhotels wie das Intercontinental, Kivu Sun und Akagera Game Lodge; GebĂ€ude von Versicherungen und GeschĂ€ftsleuten) sowie Großprojekte beim Straßenbau (2004: Kigali-Kayonza; Kigali-Butare-Akanyaru) zurĂŒckzugehen. Der Bausektor stieg 2003 um 15,6 % und 2004 um 10 %. Jahre mit Spitzenwachstum (2000 und 2001) gehen auch auf Exporterlöse durch die Vermarktung von Coltan und anderen Mineralien zurĂŒck, bei denen unklar ist, wie viel davon aus dem benachbarten Kongo stammt und was legal und was illegal ĂŒber Ruanda vermarktet wird. Auf dem Binnenmarkt stellt BRALIRWA, Brauerei und Softdrinkhersteller, unter hollĂ€ndischer Lizenz (Heineken) seit Jahrzehnten den Hauptanteil. Andere wichtige Wirtschaftsbetriebe sind: Zigaretten (Tabarwanda), Mobilfunkunternehmen und Internet (MTN), Seifen und Kosmetik (Sulfo), Textilien (Utexrwa, eher im RĂŒckgang begriffen durch Importe von Billigtextilien) und Baumaterial (v. a. Cimerwa, Zementfabrikation; durch hohe Energiepreise in der Krise).

Landwirtschaft stellt nur etwa 40 % des BIP. Andererseits leben 93 % der Ruander auf dem Land und davon 90 % in Subsistenzwirtschaft. Die Landwirtschaft leidet wiederholt unter meteorologischen UnregelmĂ€ĂŸigkeiten und ErnteausfĂ€llen. Große Teile der landwirtschaftlichen Produktion werden nicht vermarktet. Dienstleistungen und Industrie sind schwach ausgebildet.

Der Aufschwung des Dienstleistungssektors (Gastgewerbe/Tourismus, Transport und Telekommunikation) betrifft ebenfalls vor allem die Hauptstadt. Die Zahl der Touristen (Besucher der Nationalparks) steigt (2003: 16.538; 2004: 26.998) ebenso wie die Zahl der FluggÀste auf dem Flughafen von Kigali (2003: 116.638; 2004: 132.504).

Im Handel sind wie in anderen ostafrikanischen LĂ€ndern seit der Kolonialzeit asiatischstĂ€mmige Familien (v. a. aus Pakistan und Indien) stark vertreten, zum Teil auch Griechen. Seit dem Eintritt von Ruanda in den Gemeinsamer Markt fĂŒr das Östliche und SĂŒdliche Afrika (COMESA) ist der Konkurrenzdruck bei Im-/Export gewachsen.

Ruanda hat einen großen Mangel an Energie. Es gibt kaum Möglichkeiten, vor Ort Energie zu gewinnen. Die AbhĂ€ngigkeit von Nachbarstaaten ist groß. Zugleich wĂ€chst der Energiebedarf durch das Wachstum der StĂ€dte und den wirtschaftlichen Aufschwung. Erdölprodukte werden ĂŒber große Entfernungen und schlechte Straßen vom Indischen Ozean herangeschafft, vor allem ĂŒber Kenia und Uganda. Das Land produziert Strom vor allem aus Wasserkraft (97,7 %). 2001 betrug die Produktion an ElektrizitĂ€t 97 Mio. kWh, 2002 schon 166,7 Mio. kWh; der Verbrauch lag 2002 allerdings bei 195 Mio. kWh; 40 Mio. kWh wurden importiert. 2008 lag der Verbrauch bei 237 Mio. kWh, was ca. 22 kWh pro Einwohner entspricht (Deutschland: etwa 7000 kWh). Nur ca. 6 % der Bevölkerung, vor allem in StĂ€dten, hatten 2009 einen Stromanschluss, bis 2012 soll der Wert auf 16 % steigen. Die Stromversorgung ist völlig unzureichend, da die Wasserspiegel einheimischer Seen aufgrund von ĂŒbermĂ€ĂŸiger Nutzung und/oder klimatischer VerĂ€nderungen zu stark gefallen sind. Der Strom wird daher regelmĂ€ĂŸig abgeschaltet. Um das mit Kongo und Burundi gemeinschaftlich genutzte große Wasserkraftwerk im SĂŒdwesten am Rusizi-Fluss gibt es zwischen den beteiligten LĂ€ndern Streit, außerdem ist auch der Wasserspiegel des KĂ­vu-Sees, der den Zufluss darstellt, gesunken. Seit 2005/06 werden auch große Dieselgeneratoren genutzt, um die durch UnterkapazitĂ€ten bedingten Stromabschaltungen bestimmter Stadtviertel Kigalis und anderer Orte in Grenzen zu halten.

Der Kiwusee enthĂ€lt Methangas aus vulkanischer AktivitĂ€t, das seit 1983 zur Energiegewinnung fĂŒr die Brauerei BRALIRWA genutzt wird. Seit 2005 laufen Verhandlungen zur Errichtung zunĂ€chst eines Kraftwerks, das das Methangas im Kiwusee nutzt (geplant: zunĂ€chst 30 MW). Die Naturgasreserven werden auf 28,32 Milliarden Kubikmeter geschĂ€tzt (Stand: 1. Januar 2002). 2009 unterzeichnete CounterGlobal einen Vertrag mit der ruandischen Regierung zur DurchfĂŒhrung des Methangas-Projektes. 2010 soll die erste Baustufe in Betrieb gehen (25 MW), 2012 die zweite Baustufe (75 MW).

Die Böden sind durch intensiven Landbau, tropisches Klima und Hanglagen stark beansprucht und von Erosion bedroht. Große Teile der natĂŒrlichen BergwĂ€lder waren schon in vorkolonialer Zeit abgeholzt, dieser Trend setzte sich seitdem stetig fort. Der Waldbestand wird mit 3440 kmÂČ (2004) angegeben. Die Regierungen unternahmen teils mehr, teils weniger ernsthafte Anstrengungen zum Schutz der RestwĂ€lder. Auch Kulturforste und NutzwĂ€lder sind in schlechtem Zustand. Die Bevölkerung hat einen großen Bedarf an Nutzholz zur Feuerung, zum Bauen etc. Noch 95 % der Haushalte kochen mit Holz und Holzkohle, der Großteil davon auf energieineffizienten „drei Steinen“. Die Verbreitung verbesserter Öfen ist noch gering. Die Regierung hat vor einigen Jahren ein Gesetz verabschiedet, nachdem das Schlagen von BĂ€umen oder Ästen derselben nur noch mit Genehmigung erlaubt ist. Seitdem haben sich die Preise von Holzkohle sowie Ziegeln stark erhöht. Es fehlt an Alternativen zu Brennholz und Holzkohle. Die Regierung plant, der Schaffung alternativer, umweltschonender Energieformen hohe PrioritĂ€t einzurĂ€umen. So gibt es einzelne Projekte zur Herstellung von Briketts aus nicht-kompostierbaren organischen AbfĂ€llen (in der Hauptstadt), aber dies hat volkswirtschaftlich quantitativ keine Bedeutung.

Die Regierung hat einen Rahmenplan namens „Vision 2020“ verabschiedet, der auf ein jĂ€hrliches Wirtschaftswachstum von 7 % abzielt, die Entwicklung des privaten Sektors, eine Modernisierung der Landwirtschaft und darauf, Ruanda zu einem Dienstleistungszentrum im Afrika der Großen Seen zu machen.

Nach der Privatisierung der landeseigenen Telekom-Firma RwandaTel wurde laut Popular Science durch die US-Firma Terracom in Ruanda die Glasfaserinfrastruktur mit Stand 2009 auf 1400 Meilen ausgebaut. Die Ruandische Regierung plant nun bis 2013 den Kauf von 50.000 XO Laptops.

Landwirtschaft

Ruandas Wirtschaft ist stark landwirtschaftlich geprĂ€gt. UngefĂ€hr 93 % der Bevölkerung arbeiten in diesem Bereich. Ein großer Teil der ErtrĂ€ge gelten allerdings der Selbstversorgung (90 %). Die Landknappheit ist groß. Über 90 % der vorwiegenden Familienbetriebe bewirtschaften eine FlĂ€che von weniger als einem Hektar.

Ein Gesetz zur Landreform wurde ĂŒber mehrere Jahre diskutiert und 2005 verabschiedet. Es soll den dauerhaften Erwerb von Land ermöglichen und damit Anreize fĂŒr Investitionen schaffen. Bisher war alles Land in staatlichem Besitz; BĂŒrger hatten nur Nießnutzrechte.

Zahlen zur Produktion des Agrarsektors sind mit Vorsicht zu betrachten, da nur ein Teil der landwirtschaftlichen Produktion vermarktet wird und die SchĂ€tzungen angesichts des hohen Anteils an Subsistenzproduktion durch kleinbĂ€uerliche Familien ungenau bleiben mĂŒssen. Außerdem schwankt die Agrarproduktion durch klimatische UnregelmĂ€ĂŸigkeiten (v. a. DĂŒrren) von Jahr zu Jahr oft stark. Beispiel: 2002 soll die Agrarproduktion um 15 % gestiegen sein, fĂŒr 2003 wurde ein RĂŒckgang um 4,1 % verzeichnet, 2004 soll sie im Vergleich zu 2003 konstant geblieben sein. Preiserhöhungen vor allem fĂŒr Grundnahrungsmittel belasten die Bevölkerung stark.

Wichtigste Anbaukulturen zur Eigenversorgung sind die KnollenfrĂŒchte Maniok (Kassava), SĂŒĂŸkartoffel (weniger: Kolokasien), verschiedene Bohnensorten, teilweise Erbsen. Der Sojaanbau breitet sich immer stĂ€rker aus; im Zentrum des Landes wird daraus sogar Tofu hergestellt. In den höheren Lagen werden Kartoffeln, Weizen und Erbsen abgebaut. Bananen, die zur Weinherstellung und als Speise- und Obstbananen genutzt werden, werden in großen Mengen angebaut, vor allem in den tieferen und mittleren Lagen, klimabedingt weniger in höheren Lagen. Sie sind aber kulturell hoch angesehen. An GetreidefrĂŒchten wird Sorghum angebaut fĂŒr Bier- und Speisebreiherstellung (v. a. in den tiefen und mittleren Lagen), außerdem Mais; in den Senken wird auch zunehmend mehr Reis sowie Weizen angebaut (Letzterer in den hohen Lagen).

Die AnbauflĂ€chen befinden sich auf den HĂŒgelflanken. Die Bauernfamilien bestellen nahezu jeden nutzbaren Flecken an Land; es werden kaum mehr Brachen praktiziert. Angebaut wird meist in Mischkultur und in Fruchtwechsel. Auf den Kuppen gibt es teilweise noch kleine BaumbestĂ€nde; oft ist der Boden dort schlecht. Die Niederungen gehören den Kommunen, die sie Bauerngruppen zur Nutzung ĂŒberlassen; meist zur kommerziellen Nutzung.

Die ruandischen Bauernfamilien leben traditionell in Streusiedlung inmitten ihrer Felder; direkt ums Haus den Bananenhain. Nach 1994 begann die Regierung, die Menschen zu verpflichten, sich in Dörfer umzusiedeln. Dieser Prozess ist unterschiedlich stark fortgeschritten und umstritten.

Traditionell sind Rinder die hoch geschĂ€tzten Nutztiere; es wurde vor allem die Milch (fĂŒr Butter zur Körperpflege und Sauermilch als Nahrung) genutzt. Heute gibt es eine moderne Milchverarbeitung mit einer breiten Palette an Produkten. Viele Kleinbauern haben aber nicht genug Weideland und Futter, um eine Kuh zu halten. Kleinstbauern halten daher eher Ziegen oder gar nur ein paar HĂŒhner. Kaninchenzucht und Schweinehaltung sind in geringem Ausmaß bekannt.

PrimĂ€re ExportgĂŒter sind Kaffee und Tee. Das Land leidet jedoch unter den niedrigen Preisen dieser GĂŒter in den IndustrielĂ€ndern. Die QualitĂ€t von Kaffee und Tee nahm in den 1990er Jahren stark ab; die von Kaffee konnte inzwischen aber auf ein höheres Niveau als vor dem Krieg gebracht werden.

Trotz Ruandas relativ fruchtbarem Boden kann die Nahrungsmittelproduktion oft nicht mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten. Dadurch werden Nahrungsmittelimporte notwendig.

Außenwirtschaft

Energieknappheit, InstabilitĂ€t in der Region sowie große Distanzen zu den HĂ€fen (Indischer Ozean) und zum Teil (Tansania) schlechte Transportanbindungen an die NachbarlĂ€nder ĂŒberschatten die Exportwirtschaft des Landes. Trotzdem konnte Ruanda sein Exportvolumen seit dem Jahre 2003 mehr als verzehnfachen und hat im regionalen Vergleich eine relativ hohe Außenhandelsquote.

2016 und 2017 betrug der Wert der Exporte von GĂŒten und Dienstleistungen geschĂ€tzte 1246 bzw. 1667 Millionen US-Dollar bzw. laut Weltbank 2016 und 2017 14,9 % und 18,2 % des BIP.

Wichtige Exportpartner waren 2017 die Vereinigten Arabischen Emirate (2017: 38,5 % der Exporte); Kenia (2017: 15,1 %); die Schweiz (2017: 9,9 %); DR Kongo 2017: 4,9 % und Singapur 2017: 4,5 %.

Wichtigste ExportgĂŒter sind nach wie vor Kaffee und Tee, im geringeren Maße auch Pyrethrum (pflanzliches Insektizid), sowie Mineralerze (Coltan und Zinnoxid). Von 2003 zu 2004 stieg der Wert exportierter Waren von 62 auf 98 Millionen US-Dollar.

Kaffeeproduktion, -verarbeitung und -vermarktung wurde nach 1994 privatisiert (davor war es staatliches Monopol), so dass es inzwischen verschiedene Kaffeemarken gibt. Der Export von Kaffee konnte sich von 2003 auf 2004 um 82 % verbessern: Es wurden 700 Tonnen im Vergleich zu 270 im Jahr 2003 exportiert. Dies geht auf den Bau von Kaffeewaschanlagen im ganzen Land zurĂŒck.

Die Teeproduktion ist noch in staatlicher Hand, zwei Plantagen sollen aber privatisiert werden (laut New Times vom 8. April 2006). Insgesamt sollen Kaffee- und Teeproduktion weiter intensiviert werden.

Seit der (belgischen) Kolonialzeit wurden Erze wie Cassiterit (Zinn), Columbit-Tantalit und Wolframit sowie kleine Mengen von Gold und Saphiren abgebaut. Bis in die 1980er Jahre waren Erze aber bedeutungslos geworden. Mit dem Coltan-Boom Ende der 1990er Jahre im Osten der DR Kongo wurden auch ruandische Minen wieder eröffnet. Ein großer Teil der ostkongolesischen Mineralien (auch Gold) wird aber ĂŒber Ruanda auf den Weltmarkt gebracht. Der Export von Zinnoxid betrug 2003 1458 Tonnen (t) und 2004 3553 t; der von Coltan betrug 2003 732 t und 2004 861 t.

Um die Exportbasis zu verbreitern, versucht die Regierung, den Anbau und die Vermarktung von „alternative crops“ wie Blumen oder Obst zu fördern. Dies steht aber in Konkurrenz zur ohnehin unzureichenden Eigenversorgung an Nahrungsmitteln fĂŒr die Bevölkerung.

Das Importvolumen betrug 2017 geschÀtzte 2.994 Millionen US-Dollar. Importe machten laut Weltbankangaben im Jahr 2000 24,6 % und 2017 ca. 32,8 % des BIP aus.

Importpartner: Volksrepublik China (2017: ca. 20,4 %), Uganda (2017: 11 %), Indien (2017: 7,2 %), Tansania (2017: 5,3 %); Vereinigte Arabische Emirate (2017: 5,1 %);.

Wichtigste ImportgĂŒter sind Treibstoffe, Fahrzeuge, Baumaterialien und KonsumgĂŒter. Die wichtigsten deutschen Lieferindustrien sind Maschinenbau, Elektrotechnik, Feinmechanik/Optik. Inzwischen werden auch chemische Vorerzeugnisse nach Ruanda exportiert. Es wird jedoch auch ElektrizitĂ€t importiert (2002: 40 Millionen kWh).

Die Regierung setzt auf regionale Integration der Wirtschaft, wobei das Land eine BrĂŒckenfunktion zwischen dem anglophonen Ostafrika und den zentralafrikanischen Nachbarn Burundi und Demokratische Republik Kongo ausĂŒben soll. Dabei ist unter anderem gedacht, Ruanda zu einem Zentrum der Informationstechnologie der Region (IT) zu machen. In diesem Zusammenhang strebt Ruanda zusammen mit Burundi die Mitgliedschaft in der Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC) an. 2007 trat Ruanda ihr bei. Im Rahmen des Gemeinsamen Ost- und SĂŒdafrikanischen Marktes (COMESA) hat sich Ruanda zur Angleichung seiner Zölle verpflichtet.

Ruanda bemĂŒht sich außerdem stark um auslĂ€ndische Investitionen. Laut Weltbankangaben betrug das Volumen auslĂ€ndischer Direktinvestitionen (net inflows, BoP) 2000 7,7 Mio. US-Dollar, 2010 250,5 Mio. US-Dollar und 2017 293,4 Mio. US-Dollar.

Anfang 2018 kĂŒndigte die Volkswagen AG die Eröffnung eines Werkes in Ruanda an.

Tourismus

Tourismus spielt in Ruanda noch keine umfangreiche Rolle. Das Land verfĂŒgt anders als Kenia und Tansania nicht ĂŒber große Nationalparks. Es setzt daher nicht auf Massentourismus, sondern auf wenige, zahlungskrĂ€ftige Touristen. Auch eher abenteuerlustige Touristen auf dem Weg quer durch Afrika halten sich gelegentlich in Ruanda auf. Eine Besonderheit fĂŒr den internationalen Tourismus stellen vor allem die Berggorillas dar, die an den HĂ€ngen der Virunga-Vulkane im Norden des Landes leben. Es gibt an Menschen gewöhnte („habituierte“) wilde Gorillagruppen, die von einer begrenzten Anzahl von Touristen in ihrer natĂŒrlichen Umgebung unter bestimmten Auflagen besucht werden können. Potenzial zu einem begrenzten Ausbau des Tourismus besteht im Ausbau malerischer Orte am Kiwusee sowie den Angeboten im sĂŒdlichen Bergregenwald (Nyungwe) – FĂŒhrungen zu Schimpansengruppen werden bereits angeboten –, der Regeneration des Tierbestandes des Savannenparks im Osten (Akagera-Nationalpark), der Erschließung der Nilquelle sowie der Möglichkeit, dies mit einem kulturell-historischen Programm zu ergĂ€nzen (Tanz und Gesang, Museen, Butare, Königshof in Nyanza, VölkermordgedenkstĂ€tten und die wenigen erhaltenen HĂ€user aus der frĂŒhen Kolonialzeit).

Entwicklungshilfe

In den 1960er und 1970er Jahren wuchs die ruandische Wirtschaft dank einer vorsichtigen Finanzpolitik, gepaart mit großzĂŒgiger externer Hilfe und gĂŒnstigen Handelsbedingungen. Die Inflation war niedrig. Als aber die Kaffeepreise in den 1980er Jahren stark fielen, kam es zu wirtschaftlichen Problemen. Von 1973 bis 1980 betrugen Wachstumsraten jĂ€hrlich zirka 6,5 %, gingen dann zwischen 1980 und 1985 auf 2,9 % zurĂŒck und stagnierten von 1986 bis 1990. Die Krise spitzte sich 1990 zu, als die ersten Maßnahmen eines Strukturanpassungsprogramms des Internationalen WĂ€hrungsfonds durchgefĂŒhrt wurden. Das Programm wurde nicht vollstĂ€ndig umgesetzt, aber zwei starke Abwertungen und die Aufhebung staatlich festgelegter Preise wurden durchgefĂŒhrt. Unter den Folgen litten vor allem die gebildeten Eliten, die zumeist staatliche Angestellte oder in staatlichen Betrieben beschĂ€ftigt waren.

WÀhrend der Kriegsjahre 1990 bis 1994 nahm die wirtschaftliche Produktion ab, 1994 gar um 40 %. Danach begann sie sich langsam wieder zu erholen, mit einem Wachstum von 9 % 1995 und 13 % im Jahr 1996. Steuereinnahmen wurden verbessert, staatliche Betriebe privatisiert, Export- und Nahrungsmittelproduktion wieder aufgenommen.

Der Staatshaushalt ist stark von internationalen Finanzzuwendungen abhĂ€ngig. 1999 erhielt das Land 372,9 Mio. US-Dollar Wirtschaftshilfe. Schwerpunkte der internationalen Hilfe sind Wiederherstellung und Ausbau der Infrastruktur (Straßen, Wasser, öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Gesundheitseinrichtungen etc.) und die Justiz. Im Juni 1998 unterzeichnete Ruanda ein erweitertes Strukturanpassungsprogramm mit dem Internationalen WĂ€hrungsfonds.

Ruanda wird von der Weltbank als hoch verschuldetes Entwicklungsland eingestuft. Mit dieser Einstufung qualifiziert es sich fĂŒr die Teilnahme an dem im Jahr 2000 von den IndustrielĂ€ndern beschlossenen Programm zum Schuldenerlass fĂŒr die Ă€rmsten LĂ€nder Afrikas. Am 12. April 2005 stellte der IWF die Erreichung des fĂŒr weitere Schuldenerlasse nötigen „completion points“ fest, das Ruanda eine Reihe von Bedingungen (u. a. Programm zu Reduzierung von Armut, diverse Programme zur Wirtschaftsförderungen, Strukturreformen, Privatisierungen etc.) erfĂŒllt hatte (siehe auch Wirtschaft). Ein erster Schuldenerlass wurde daraufhin gewĂ€hrt, ein zweiter zum Juli 2006 (s. East African Business Week, 10. April 2006).

Der Anteil der externen Geberfinanzierung ist weiter angestiegen und belief sich 2005 auf 57 %.

Offizielle Entwicklungshilfe betrug nach Weltbankangaben im Jahr 2000 467,5 Mio. US-Dollar, 2003 333,4 Mio. US-Dollar und 2004 322,0 Mio. US-Dollar.

2010 wurde nach PlĂ€nen des MĂŒnchner Architekten Dominikus Stark das Ausbildungszentrum "Education Center Nyanza" von und fĂŒr die Einheimischen errichtet, um die lĂ€ndliche Region zu stĂ€rken.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 2,27 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 1,86 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 5,0 % des BIP.
Die Staatsverschuldung betrug 2016 2,4 Mrd. US-Dollar oder 36,3 % des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 10,9 %
  • Bildung: 3,8 % (2005)
  • MilitĂ€r: 2,9 %

Verkehr

Derzeit wird die Infrastruktur des Landes mit auslĂ€ndischer UnterstĂŒtzung stark ausgebaut. Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird, belegte Ruanda 2018 den 57. Platz unter 160 LĂ€ndern. Ruanda zĂ€hlte damit zu den besten afrikanischen LĂ€ndern.

Schienenverkehr

Bis heute verfĂŒgt Ruanda ĂŒber kein Schienennetz. Es gibt jedoch schon seit langem Überlegungen, Ruanda an die Schienennetze von Uganda oder Tansania anzuschließen (siehe auch Ruandabahn). Seit 2008 existieren PlĂ€ne zum Bau einer etwa 450 Kilometer langen Verbindung zwischen Kigali und dem Umschlagspunkt Isaka in Tansania. Die Verbindung soll in Normalspur gebaut werden, die anschließenden Strecken Richtung Daressalam von Meterspur auf Normalspur umgespurt werden.

Straßenverkehr

Das Straßennetz ist recht gut ausgebaut und wird weiter verbessert. Ruanda verfĂŒgt ĂŒber ein Straßennetz von etwa 12.000 Kilometern. Das asphaltierte Straßennetz hat eine LĂ€nge von etwa 1500 Kilometern und verbindet die wichtigsten StĂ€dte des Landes mit der Hauptstadt Kigali. Es gibt zwischen den wichtigen StĂ€dten relativ gute Asphaltstraßen (insgesamt 1000 km). Manche Regionen sind jedoch schlecht angebunden; immerhin wurde die jahrelang ĂŒberfĂ€llige Asphaltstraße in den Bugesera im FrĂŒhjahr 2006 in Angriff genommen. Nebenstraßen sind nicht befestigt und in unterschiedlichem Zustand. Der Ausbau des Straßennetzes erfolgt mit UnterstĂŒtzung multilateraler Geldgeber (Weltbank, EU). Die wichtigsten Straßenverbindungen zu den nĂ€chsten HochseehĂ€fen (Mombasa/Kenia) und Daressalam/Tansania (je ĂŒber 1500 km) sind in schlechtem Zustand. Im April 2006 wurden immerhin PlĂ€ne zum Ausbau der Fernverbindung Uganda-Ruanda bekannt. Die Binnenlage, geringe Transportvolumina und schwache Konkurrenz machen Ruanda zu einem der LĂ€nder mit den weltweit höchsten Transportkosten, was sich durch steigende Ölpreise seit 2004 noch verschĂ€rft.

Luftverkehr

Medien

Bei der Rangliste der Pressefreiheit 2017, welche von Reporter ohne Grenzen herausgegeben wird, belegte Ruanda Platz 159 von 180 LĂ€ndern. Die Situation der Pressefreiheit im Land wird von Reporter ohne Grenzen als „schwierig“ eingestuft.

Vom ruandischen Inlandsrundfunkdienst wird ein Kurzwellensender betrieben, der gelegentlich auf 6055 bzw. 25740 kHz auch in Europa empfangen werden kann. HĂ€ufiger sind die Sendungen einer der Ă€ltesten Relaisstationen der Deutschen Welle aus Ruanda zu hören, z. B. abends zwischen 20:00 und 22:00 Uhr auf 9655, 11800 bzw. 12070 kHz. Als Internet-Audio-Stream ist der Sender Radio Rwanda (frĂŒher Radiodiffusion de la RĂ©publique Rwandaise) zu empfangen.

2016 nutzten 12,4 % der Bevölkerung das Internet.

Kultur

Musik, Tanz und Poesie in einheimischer Sprache sind wichtige Kunstformen in Ruanda. Prosa, Theater und bildende KĂŒnste sind traditionell weniger ausgeprĂ€gt.

Eine verbreitete traditionelle Bildkunst ist Imigongo. Diese geometrisch ausgerichteten Malereien werden von in Kooperativen zusammengeschlossenen KĂŒnstlern auf Holzplatten vorgezeichnet, mit Kuhdung dreidimensional ausgeformt, getrocknet und anschließend bemalt. Traditionell sind Spiralmuster oder Zickzackmuster in Schwarz und Weiß. Moderne Bilder verwenden auch andere Farben und sind zum Teil figĂŒrlich.

An Kunsthandwerk sind zum Teil fein ausgearbeitete Flechtarbeiten typisch. In jĂŒngerer Zeit werden auch Werke von Malern verbreitet. Der Kriegstanz Intore hat Berichte von Heldentaten nach der RĂŒckkehr von einer Schlacht zum Inhalt.

  • Nationalfeiertage: 1. Juli, Tag der UnabhĂ€ngigkeit von Belgien 1962 und 7. April, Gedenktag des Genozids 1994

Siehe auch

  • Völkermord in Ruanda

Literatur

  • Barbara Achermann: Frauenwunderland: Die Erfolgsgeschichte von Ruanda. Reclam, Ditzingen 2018, ISBN 978-3-15-011128-4.
  • Gerd Hankel: Ruanda. Leben und Neuaufbau nach dem Völkermord. Wie Geschichte gemacht und zur offiziellen Wahrheit wird. Zu Klampen, Springe 2016, ISBN 978-3-86674-539-1.
  • Jacques Maquet: The premise of inequality in Ruanda. A study of political relations in a central African kingdom. Oxford University Press, Oxford 1961.
  • Esther Mujawayo, SouĂąd Belhaddad: Auf der Suche nach StĂ©phanie. Ruanda zwischen Versöhnung und Verweigerung. Hammer, Wuppertal 2007, ISBN 3-7795-0082-5.
  • Esther Mujawayo, SouĂąd Belhaddad: Ein Leben mehr. Zehn Jahre nach dem Völkermord in Ruanda. Hammer, Wuppertal 2005, ISBN 3-7795-0029-9.
  • Benjamin Sehene: Le PiĂšge Ethnique. Éditions Dagorno, Paris 1999, ISBN 2-910019-54-3. (französisch, „Die ethnische Falle“)
  • Scott Straus, Lars Waldorf (Hrsg.): Remaking Rwanda: State Building and Human Rights after Mass Violence. University of Wisconsin Press, Madison 2011, ISBN 978-0-299-28264-6.
  • Helmut Strizek: Ruanda und Burundi von der UnabhĂ€ngigkeit zum Staatszerfall. Weltforum-Verlag, MĂŒnchen [u. a.] 1996, ISBN 3-8039-0451-X.
  • Helmut Strizek: Geschenkte Kolonien: Ruanda und Burundi unter deutscher Herrschaft. Ch. Links, Berlin 2006, ISBN 978-3-7632-5849-9.

Weblinks

  • Botschaft von Ruanda in Deutschland
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Ruanda
  • Artikelserie zu Ruanda: Kolonialzeit, Geschichte des Hutu-Tutsi-Konflikts, Medien, Sprache und Ethnien
  • The Republic of Rwanda Offizielle Regierungsseite (englisch)

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (5)

Bezeichnung der Regionen: Provinz
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Eastern -1.059 -2.432 29.957 30.888  
Kigali -1.779 -2.075 29.978 30.273  
Northern -1.323 -1.909 29.445 30.272  
Southern -1.73 -2.827 29.267 30.018  
Western -1.497 -2.721 28.857 29.672  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Flagge: Rwanda

Name englisch: Rwanda
Hauptstadt: Kigali
Kfz: RWA
ISO: RW
ISO3: RWA
Fläche: 26338 km²
Tld: .rw
Wärung Einheit: RWF
Währung: Franc
Vorwahl: 250

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: -1.0475717
südlichster Punkt: -2.8398397
westlichster Punkt: 28.8617547
östlichster Punkt: 30.8994008


 
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