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Karte Karte: Autonome Region Galicien

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Gebirge in Galicien: 1
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Region Informationen Autonome Region: Galicien

Informationen:


Galicien ([gaňąlitÕ°s…™ŐĮ…ėn], galicisch Galicia […°aňąliőłj…ź], spanisch Galicia [gaňąliőłja], portugiesisch Galiza [gaňąliza]; offiziell galicisch Comunidade Aut√≥noma de Galicia, spanisch Comunidad Aut√≥noma de Galicia) ist eine Autonome Gemeinschaft im Nordwesten Spaniens. Sie gliedert sich in die vier Provinzen A¬†Coru√Īa, Lugo, Ourense und Pontevedra.

Der Name geht auf die Gallaeker (lateinisch Gallaeci) zur√ľck, eine Gruppe keltisch beeinflusster V√∂lker, die im Altertum in der Region siedelten.

Geographie

Lage

Galicien liegt in Nordwest-Spanien und erstreckt sich etwa zwischen 9¬į¬†W 42¬į¬†N und 7¬į¬†W 44¬į¬†N. Im Norden grenzt Galicien an das Kantabrische Meer, im Westen an den Atlantischen Ozean. Im S√ľden grenzt es an Portugal und im Osten an die spanischen autonomen Gemeinschaften Kastilien und Le√≥n und Asturien.

Landschaften

Pr√§gend f√ľr die Region sind die Riask√ľste und hohe Bergketten, die Galicien vom Rest Spaniens abschotten. Mehr als die H√§lfte des Gebietes liegt √ľber 400¬†Meter. Die h√∂chste Erhebung ist mit 2127¬†Metern die Pe√Īa Trevinca. Der ausgepr√§gte K√ľstenverlauf Galiciens mit einer Gesamtl√§nge von rund 1659 Kilometern, von denen √ľber 800¬†Kilometer aus Steilk√ľste und rund 300¬†Kilometer aus Strandabschnitten bestehen, umfasst rund ein Drittel der spanischen Atlantikk√ľste. Charakteristisch f√ľr Galiciens K√ľste sind die R√≠as, schlauch- und trichterf√∂rmige, fjord√§hnliche Flussm√ľndungen, in die das Meer eingedrungen ist.

Im Gegensatz zu Fjorden weisen die R√≠as allerdings nur eine geringe Tiefe auf. Unterschieden werden die R√≠as Baixas (span. R√≠as Bajas) und die R√≠as Altas. Die R√≠as Altas im Norden reichen von Ribadeo bis A¬†Coru√Īa. Die R√≠as Baixas reichen vom Kap Finisterre (galic. Cabo Fisterra) bis zur portugiesischen Grenze. Hauptunterscheidungsmerkmal der beiden K√ľstenabschnitte ist die jeweils sehr spezifische K√ľstencharakteristik. W√§hrend die R√≠as Baixas sanft ins Meer laufen, ist der Verlauf der R√≠as Altas wesentlich steiler. So finden sich an den R√≠as Altas auch die h√∂chsten Kliffs des europ√§ischen Kontinents. Diese liegen an der Serra da Capelada nord√∂stlich von Ferrol und erreichen eine H√∂he von 620¬†Metern. Die gr√∂√üte R√≠a ist die zu den R√≠as Baixas geh√∂rende R√≠a de Arousa. Diese hat eine L√§nge von 37¬†Kilometern und eine Tiefe von maximal 69¬†Metern. Auff√§llig sind die zahlreichen Holzfl√∂√üe, an denen Miesmuscheln gez√ľchtet werden.

Charakteristisch f√ľr Galicien sind √ľberdies die weitl√§ufigen W√§lder, die zum Teil aus angepflanzten Eukalyptusb√§umen bestehen. Das Waldgebiet in der Autonomen Gemeinschaft entspricht etwa 30 Prozent des Gesamtwaldbestandes in Spanien. Die Fl√ľsse, die direkt Richtung Atlantik flie√üen, sind naturgem√§√ü recht kurz; der wichtigste Fluss im Inneren Galiciens ist der Rio Mi√Īo. Dieser flie√üt durch Lugo und Ourense, sowohl durch diese Provinzen wie durch ihre namensgebenden Hauptst√§dte, und hat im R√≠o Sil einen bedeutenden Nebenfluss.

In Galicien liegt das Ziel des sowohl kulturell als auch touristisch bedeutenden Jakobsweges, der Pilger und andere Interessierte zu Fu√ü, mit dem Rad oder dem Auto bis nach Santiago de Compostela f√ľhrt.

Bedeutende St√§dte sind A Coru√Īa, Ferrol, Lugo, Ourense, Pontevedra, Santiago de Compostela und Vigo.

Klima

Das Klima der Region wird vom Atlantik gepr√§gt und ist ausgesprochen mild, dabei jedoch sehr feucht. Kennzeichnend f√ľr Galicien sind milde Winter mit heftigen Niederschl√§gen und nicht allzu hei√üe Sommermonate. Die mittlere Sonnenscheindauer liegt bei 1.989,4 Stunden pro Jahr. Die mittleren Temperaturen an der K√ľste liegen im Jahresdurchschnitt in A Coru√Īa bei 13,8¬†¬įC und in Vigo bei 14,7¬†¬įC. Im Binnenland erreicht Ourense 14¬†¬įC. In den Bergen liegen die Durchschnittstemperaturen deutlich darunter, so etwa bei 9,7¬†¬įC im ‚ÄěAlto de Rodicio‚Äú oder 8¬†¬įC in ‚ÄěPedrafita do Cebreiro‚Äú. Der Nordwesten Galiciens weist rund 150 Regentage im Jahr auf und ist damit die regenreichste Region Spaniens. Diese Zahl reduziert sich zunehmend in Richtung S√ľdosten. Hier werden rund 100 Regentage und weniger im Jahr registriert. Am regenintensivsten sind in abnehmender Reihenfolge der Winter, der Herbst und der Fr√ľhling. Die mittlere Niederschlagsmenge liegt bei 1.404,8¬†l/m¬≤.

Das feuchte Klima, h√§ufige Nebel und Winde sowie die gr√ľne bergige Landschaft, insbesondere im Herbst und im Winter, lassen Assoziationen mit Irland oder der Bretagne aufkommen.

Die meteorologischen Vorhersagen in Galicien stammen von MeteoGalicia.

Waldbrände

Verglichen mit dem √ľbrigen Spanien wird Galicien jedes Jahr im Sommer von √ľberdurchschnittlich vielen Waldbr√§nden heimgesucht. Im Jahr 2006 erreichten die Br√§nde einen vorl√§ufigen H√∂hepunkt: Nach amtlichen Angaben verbrannten innerhalb zweier Wochen zu Beginn des Monats August rund 70.000 Hektar Wald und Buschland; gez√§hlt wurden √ľber 1.600 Brandherde. Bei diesen Feuern kamen auch Menschen zu Schaden (vier Tote) und H√§user wurden zerst√∂rt; der Rauch der brennenden W√§lder f√ľhrte zu einem erheblichen Smog an der K√ľste, zeitweise mussten deshalb sogar Stra√üen gesperrt werden. Der Gesamtschaden wird allein 2006 auf 500¬†Millionen Euro gesch√§tzt. Die Ursachen f√ľr diese Br√§nde ‚Ästdie zun√§chst verwundern, da Galicien im Vergleich zum √ľbrigen Spanien sehr feucht und regenreich ist¬†‚Äď sind vielf√§ltig. Einerseits sind die W√§lder Galiciens gro√üteils Monokulturen aus Eukalyptus und Nadelgeh√∂lzen, die besonders leicht entflammbar sind. Die W√§lder gelten auch als ‚Äěvernachl√§ssigt‚Äú, d.¬†h. nur mangelhaft bewirtschaftet; viel trockenes Unterholz tr√§gt zur Ausbreitung von Feuern bei. Neben nat√ľrlichen Br√§nden durch Blitzschlag oder Selbstentz√ľndung bei Hitze sind jedoch viele Br√§nde auf Brandstiftung zur√ľckzuf√ľhren. Diese r√ľhren teilweise von Bodenspekulationen ‚Äď trotz eines Gesetzes, wonach Brandfl√§chen 30¬†Jahre nicht bebaut werden d√ľrfen. Auch wurden schon Feuerwehrleute der Brandstiftung √ľberf√ľhrt, da die meist privaten Feuerwehren Pr√§mien f√ľr Eins√§tze bekommen. Schlie√ülich kommen auch unachtsam weggeworfene Zigarettenkippen und Grillfeuer mitunter als Ursachen in Betracht. Die Vielfalt der Ursachen machen eine wirkungsvolle Bek√§mpfung bzw. Pr√§vention sehr schwierig. Allerdings haben die sehr starken Feuer 2006 in der Bev√∂lkerung offenbar einen Umdenkprozess eingeleitet. Man besinnt sich zunehmend des √∂kologischen und √∂konomischen Werts der W√§lder.

Insbesondere die galicischen Br√§nde haben zur Annahme eines Beschlusses des Europ√§ischen Parlaments am 6. September 2006 gef√ľhrt, die von einer fraktions√ľbergreifenden Gruppe von Parlamentariern eingebracht wurde. Darin wird die EU-Kommission u.¬†a. aufgefordert, f√ľr eine nachhaltige Entwicklung der W√§lder Europas Sorge zu tragen sowie Ma√ünahmen zur Pr√§vention von Waldbr√§nden und √úberschwemmungen zu entwickelt und besser zu koordinieren.

Bevölkerung

Struktur

Die Einwohnerzahl Galiciens liegt bei 2.718.525 Einwohnern, von denen 48,2¬†% M√§nner und 51,8¬†% Frauen sind (Stand: 2016). Die deutsche Bezeichnung f√ľr die heimische Bev√∂lkerung lautet Galicier (span. gallegos, gal. galegos).

Sprachen

In Galicien wird neben Spanisch die mit dem Portugiesischen eng verwandte galicische Sprache (Eigenbezeichnung galego, span. gallego) gesprochen. Das Galicische ist seit Beginn der 1980er Jahre Amtssprache in der Region neben dem Spanischen. Im November 2005 wurde Galicisch als ‚Äěoffizielle Sprache‚Äú, nicht jedoch als eine der Amtssprachen der Europ√§ischen Union anerkannt.

Eine Umfrage des Statistischen Instituts der Regionalregierung zum Sprachgebrauch stammt aus dem Jahre 2008. Es handelt sich nicht um eine Befragung der gesamten Bev√∂lkerung, sondern um eine Stichproben-Erhebung, die sich an Personen ab f√ľnf Jahren richtete. Zur Frage nach der Muttersprache gaben 47,4¬†% der Befragten Galicisch, 27,1¬†% Spanisch und 23,1¬†% beide Sprachen an. Zur Selbsteinsch√§tzung der Galicisch-Kenntnisse wurden folgende Angaben gemacht:

Geschichte

In Galicien wurden vereinzelt Spuren gefunden, die in das Sp√§tpal√§olithikum, zwischen 25.000 und 16.000 v.¬†Chr. datiert werden. Die √§ltesten Spuren menschlicher Aktivit√§t wurden in Budi√Īo, Porri√Īo, gefunden und stammen aus der Zeit um 25.000 v.¬†Chr. Ab 8000 v.¬†Chr. sind die Funde von Steinwerkzeugen recht h√§ufig. An der K√ľste wird seit dem Mesolithikum Fischerei betrieben und es werden Muscheln gesammelt. Die Periode wird auch als asturianische Kultur bezeichnet und ist entlang der K√ľste von Vigo bis Asturien verbreitet. Es taucht erste Keramik auf. Erste Megalithanlagen werden ab 4000 v.¬†Chr. errichtet. Etwa 5.000 M√°moa genannte H√ľgel, die meist im Zentrum liegende Dolmen bedecken, sind hier zu finden. Leider fanden in den Grabh√ľgeln durchweg Raubgrabungen statt, die bis heute fortdauern. Bekannt sind die Anlagen der Dolmen von Dombate, Dolmen von Axeitos, Dolmen von Maus de Salas oder Pedra da Arca.

Es gibt Hinweise auf eine entwickelte Metallverarbeitung in der Bronzezeit (ab 1800 v. Chr.). Aus dieser Periode stammen auch diverse in Stein gravierte Figuren (Petroglyphen). Ausgehend von abstrakten Themen (Cup-and-Ring-Markierungen) werden auch Tiere und Menschen dargestellt. Die wichtigsten Fundorte der Figuren liegen in der Provinz Pontevedra (Mogor, Castrove, Campolameiro).

In der sp√§ten Bronzezeit und der Eisenzeit (etwa ab 1000 v.¬†Chr. bis 400 v.¬†Chr.) entstanden befestigte Siedlungen (gal. u span. castros), √ľberwiegend in gesch√ľtzten Hanglagen oder auf H√ľgeln. Die Befestigungen und die Grundrisse der meist ovalen H√§user sind teilweise noch sichtbar ‚Äď gute Beispiele sind:

  • Castro de Santa Trega bei A Guarda, Pontevedra
  • Castro von Tro√Īa bei Ponteareas
  • Castro von Castromao bei Celanova
  • Castro von Borneiro bei Cabana de Berganti√Īos
  • Castro von San Cibr√°n de L√°s bei Ourense
  • Castro von Viladonga bei Santiago de Viladonga

Vermutlich ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. fielen die Kelten in verschiedenen Wellen in Galicien ein und vermischten sich mit der einheimischen Bevölkerung. Von den keltischen Gallaekern, lateinisch Gallaeci, die in diesem Gebiet siedelten, leitet sich der Name Galicien ab.

Die R√∂mer f√ľhrten erstmals 135 v.¬†Chr. Expeditionen nach Galicien durch. Die Konsolidierung der r√∂mischen Macht erfolgte durch Julius Caesar im Jahre 60 v.¬†Chr. Galicien wurde zur r√∂mischen Provinz Gallaecia.

Gallaecia umfasste ‚Äst√ľber das heutige Galicien hinaus¬†‚Äď Gebiete im westlichen Teil des heutigen Kastilien und im n√∂rdlichen Teil Portugals. Die Befriedung Gallaecias erfolgte durch die Kriegsz√ľge unter dem r√∂mischen Kaiser Augustus. In der Folge entwickelten die R√∂mer eine umfassende Infrastruktur, insbesondere durch den Bau von Stra√üen. Die Stra√üen der R√∂mer blieben neben den Pilgerwegen nach Santiago de Compostela bis ins Mittelalter die einzigen guten Verbindungen nach Galicien.

In der Zeit der V√∂lkerwanderung lie√üen sich die germanischen Sueben im Jahr 409 in Galicien nieder und gr√ľndeten 411 unter K√∂nig Hermerich, der bis 438 regierte, das K√∂nigreich der Sueben. W√§hrend der suebischen Herrschaft gab es aber einheimische Gruppen, nach Hydatius im 5. Jahrhundert die Aunonenses und Auregenses, die nicht der suebischen Oberhoheit unterworfen werden konnten. Im 6. Jahrhundert werden im selben Zusammenhang die Runconen genannt. Dem ersten K√∂nig Ermenrich folgen die K√∂nige Rechila (438‚Äď448) und Rechiar (448‚Äď456). Aus der Zeit des Regenten Rechiar und danach sind nur wenige Aufzeichnungen erhalten. Sicher ist, dass das Suebenreich durch den Tod des K√∂nigs Miro entscheidend geschw√§cht wurde. Miro starb 583 auf einem erfolglosen Feldzug gegen den Westgotenk√∂nig Leovigild, dessen aufst√§ndischen Sohn Hermenegild er unterst√ľtzen wollte. Darauf kam es bei den Sueben zu einem Machtkampf um die K√∂nigsw√ľrde, den Leovigild dazu nutzte, das Suebenreich zu annektieren. Audeca war der letzte K√∂nig der Sueben. Er wurde von Leovigild besiegt, der 585 Galicien verw√ľstete, den Kronschatz raubte und das Land zu einer westgotischen Provinz machte. Die neue Herrschaft f√ľhrte zu einer schweren wirtschaftlichen und sozialen Krise, von der sich das Land erst zum Ende des 8. Jahrhunderts langsam erholen konnte. Die einheimische Aristokratie scheint aber weiterbestanden zu haben; noch Rekkared¬†II. wird rex Gothorum atque Sueuorum genannt. Erst 652 unter Rekkeswinth wurde eine Verwaltungsreform durchgef√ľhrt, die das Territorium besser in das Westgotenreich eingliederte.

Nach der Regierungszeit von Chindaswinth funktionierten nur noch Braga, Lucus und Tude (Tui) als Prägestätten.

Der Nordwesten der Iberischen Halbinsel scheint bis fast zum Ende der westgotischen Herrschaft heidnisch geblieben zu sein. Die kirchliche Organisation scheint erst gegen Ende des 6. Jahrhunderts entstanden zu sein. Die Magnaten bevorzugten Eigenkirchen unter ihrer direkten Kontrolle. Die Christianisierung der Sueben geht auf die Priscillianer, die es vers√§umten, heidnische Br√§uche auszurotten, sowie auf den Heiligen Martin von Braga und Fructuosus von Braga zur√ľck. 561 und 572 fanden in Braga Konzile statt, die heidnische Praktiken verdammten; aber noch am Ende des 7. Jahrhunderts musste Valerius von Bierzo deren Existenz beklagen.

Die im Jahr 711 beginnende maurische Eroberung der Iberischen Halbinsel hatte auf Galicien nur geringen Einfluss. Das erste Eindringen der Mauren in Galicien wird auf das Jahr 716 datiert. F√ľr eine dauerhafte Ansiedlung der Mauren im galicischen Kerngebiet gibt es keine Hinweise. Lediglich in den Randzonen des Landes wurden wohl einige kleinere Gruppen von Berbern sesshaft. Eine Eingliederung Galiciens in das Herrschaftsgebiet von Al-Andalus erfolgte nicht. Nach der Schlacht bei Pontuvio 760 zogen sich die Mauren aus Galicien endg√ľltig zur√ľck. Aus den folgenden Jahrzehnten sind jedoch immer wieder maurische Raubz√ľge in galicisches Gebiet bekannt.

Im Jahr 813 wurden in einem Grab in der heutigen Stadt Santiago de Compostela Gebeine gefunden, die dem Apostel Jakobus (spanisch Santiago), einem der zw√∂lf Apostel Jesu, zugeschrieben wurden. Der Fundort wurde etwa um 830 ‚Ästzur Zeit des Bischofs Theodemir von Iria Flavia¬†‚Äď zum Wallfahrtsort. In der Folgezeit pilgerten gl√§ubige Christen aus ganz Europa auf dem Jakobsweg nach Galicien, um das Grab von Jakobus zu besuchen. 1075 wurde der Grundstein f√ľr die Kathedrale von Santiago de Compostela gelegt, die im Jahre 1211 geweiht wurde.

Im 10. und 11. Jahrhundert war Galicien jeweils kurzzeitig ein eigenständiges Königreich. Im Jahre 1065 wurde Don García zum König von Galicien ausgerufen. Galicien war ansonsten Teil des Königreiches León. Im 13. Jahrhundert fiel es zusammen mit León an die kastilische Krone.

1833 wurde das Königreich Galicien formell aufgelöst und in vier Provinzen aufgeteilt, die direkt der spanischen Zentralregierung unterstanden. Die politische und kulturelle Fremdbestimmung verschärfte sich während der Carlistenkriege nach 1847.

Die sich unter anderem aus der Abgelegenheit der Region ergebende wirtschaftliche R√ľckst√§ndigkeit Galiciens f√ľhrte im 19. Jahrhundert zu dem Beginn einer Massenauswanderung. Zwischen 1836 und 1980 wanderten rund 2,5 Millionen Menschen aus. Das beliebteste Ziel war Lateinamerika (u.¬†a. Argentinien, Brasilien, Kuba). Viele Galicier gingen aber auch nach Barcelona, Bilbao oder Madrid. Als Resultat dieser damals beginnenden Auswanderungswelle leben noch gegenw√§rtig rund 1,4 Millionen Galicier (2003) in der Emigration, wobei mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Spaniens etwa seit 1980 eine R√ľckkehrbewegung eingesetzt hat.

1910 entstand eine sich schnell radikalisierenden Bauernbewegung, die Acci√≥n Gallega, die sich gegen den Caciquismo, die Dominanz der √∂rtlichen Politbosse und den damit verbundenen Klientelismus richtete. Einer ihrer Anf√ľhrer war Basilio √Ālvarez.

Im spanischen B√ľrgerkrieg brachten die Kr√§fte Francos Galicien bereits im Juli 1936 unter ihre Kontrolle. Nach dem Krieg wurde die √∂ffentliche Nutzung der galicischen Sprache durch eine repressive Sprachpolitik stark behindert.

Im Zuge der Demokratisierung Spaniens in den 1970er Jahren wurde Galicien neben Katalonien, Navarra und dem Baskenland als eine der historischen Nationen Spaniens anerkannt und erhielt deshalb 1980/1981 als eine der ersten Regionen Spaniens ein Autonomiestatut. Seitdem ist es eine der Autonomen Gemeinschaften Spaniens.

Die Jahre zwischen 1989 und 2005 waren dabei auf Ebene der Autonomen Gemeinschaft von einer klaren absoluten Mehrheit des konservativen Partido Popular unter dem Regierungschef Manuel Fraga Iribarne geprägt.

In den letzten Jahren gab es vor der K√ľste von Galicien mehrere √Ėltanker-Havarien. In das Blickfeld der internationalen √Ėffentlichkeit gelangte insbesondere die schwere Havarie des Tankers Prestige im Jahre 2002 (siehe auch √Ėlpest). Diese war Ausgangspunkt f√ľr die umfassende B√ľrger- und Sozialbewegung ‚ÄěNie wieder!‚Äú (Nunca M√°is).

Politik

Verwaltung und Parlament

Galicien hat den Status einer Autonomen Gemeinschaft innerhalb des K√∂nigreichs Spanien und verf√ľgt √ľber ein eigenes regionales Parlament. Die Regionalregierung hei√üt Xunta de Galicia.

Die politische Landschaft Galiciens wird durch die regionalen Ableger der gro√üen spanischen Volksparteien Partido Popular (hier: Partido Popular de Galicia¬†‚Äď PPG) und Partido Socialista Obrero Espa√Īol (hier: Partido Socialista de Galicia ‚Äď PSdeG) sowie der linksnationalistischen Regionalpartei Bloque Nacionalista Galego (BNG) bestimmt.

Bei den Regionalwahlen am 19. Juni 2005 erzielte der Partido Popular, mit dem f√ľr eine f√ľnfte Amtszeit kandidierenden Manuel Fraga Iribarne an der Spitze, 44,9¬†% der Stimmen (37 Sitze) und verpasste damit knapp die erneute absolute Mehrheit. Die Sozialisten, die 32,5¬†% (25 Sitze) der Stimmen auf sich vereinigten sowie der BNG mit 19,6¬†% (13 Sitze) verf√ľgten damit √ľber eine knappe Mehrheit im Regionalparlament. Die Vereinigte Linke (Izquierda Unida) erzielte bei den Wahlen am 19. Juni 2005 0,8¬†% (0¬†Sitze) der Stimmen.

Nach der Bildung einer Koalitionsregierung aus PSdeG und BNG wurde Emilio P√©rez Touri√Īo vom PSdeG am 29. Juli 2005 vom galicischen Parlament zum Nachfolger von Manuel Fraga Iribarne als Regierungschef gew√§hlt und trat am 2. August 2005 sein Amt an.

Bei den Wahlen zum Regionalparlament am 1. März 2009 konnte die PP nach vier Jahren in der Opposition wieder die absolute Mehrheit der Mandate erzielen:

Als Ergebnis der Regionalwahlen wurde Alberto N√ļ√Īez Feij√≥o mit den Stimmen der PP-Abgeordneten zum neuen Regierungschef gew√§hlt. Er ist seither im Amt.

Der aktuelle Stand nach den Wahlen vom 12. Juli 2020 ist folgender:

Die galicische Gliederung des PSOE f√ľhrt die Bezeichnung Partido Socialista de Galicia-PSOE (PSdeG-PSOE).

Politische Gliederung

Die Autonome Gemeinschaft Galicien gliedert sich in die vier Provinzen, die jeweils nach dem Verwaltungssitz benannt sind:

  • Provinz A Coru√Īa
  • Provinz Lugo
  • Provinz Ourense
  • Provinz Pontevedra

Die Provinzen umfassen ihrerseits 53 Landkreise mit 315 Gemeinden und 3.781 sogenannten Parroquias.

Bemerkenswert ist, dass Galicien mit einem Anteil von lediglich 5,8¬†% an der Gesamtfl√§che Spaniens √ľber die H√§lfte der Ortschaften Spaniens umfasst. Im Jahre 1996 waren es 20.947, von denen einige jedoch nur ein einziges Haus z√§hlten.

Wirtschaft und Infrastruktur

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu Marktpreisen lag 2015 bei 89,3¬†Mrd. Euro (32,7¬†Mrd. im Jahr 2000). Das Pro-Kopf-BIP lag bei 20.500 Euro und damit auf einem Niveau, das sich auf 88,4¬†% des spanischen Pro-Kopf-BIP im Jahr 2015 (23.200 Euro) belief. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedr√ľckt in Kaufkraftstandards erreicht Galicien einen Index von 79 (EU-28:100) (2015).

Die Wirtschaftsstruktur des Landes wird von klein- und mittelst√§ndischen Unternehmen (KMU) dominiert. Insgesamt gab es im Jahr 2003 174.083 Unternehmen in Galicien, von denen 173.935 (99,9¬†%) den klein- und mittelst√§ndischen Unternehmen (zwischen 0 und 249 Besch√§ftigte) zuzurechnen waren. Rund 94,9¬†% der Unternehmen in Galicien geh√∂rten zu der Gruppe der Kleinstunternehmen (0 bis 9 Besch√§ftigte). Die Anzahl von Gro√üunternehmen in Galicien ist im Vergleich mit dem spanischen Gesamtstaat unterentwickelt. Bei den in Galicien beheimateten Gro√üunternehmen ist insbesondere Inditex S.A. (Industrias de Dise√Īo Textil Sociedad An√≥nima) hervorzuheben. Inditex ist eines der gr√∂√üten Textilunternehmen der Welt mit Sitz in Arteixo, einem Vorort von A¬†Coru√Īa, Spanien. Zu Inditex geh√∂rt unter anderem das Unternehmen Zara. Weitere gro√üe Unternehmen sind das Kreditinstitut Banco Pastor aus A¬†Coru√Īa und das in der Lebensmittelbranche t√§tige Unternehmen Pescanova Alimentaci√≥n, S.A aus Redondela.

Von besonderer Bedeutung in Galicien sind die Landwirtschaft und der Fischfang. Dabei √ľberwiegt die Bedeutung der Landwirtschaft im Osten des Landes und die Industrie sowie die Gro√üh√§fen im Westen.

Die Beschäftigung der galicischen Wirtschaft verteilte sich 2003 prozentual wie folgt auf die wirtschaftlichen Sektoren:

  • Agrarsektor 12,8¬†% (Spanien gesamt: 5,6¬†%)
  • Industriesektor 20,3¬†% (18,2¬†%)
  • Bau-/Konstruktionssektor 12,1¬†% (11,8¬†%)
  • Dienstleistungssektor 54,8¬†% (64,3¬†%)

Die durchschnittliche j√§hrliche Arbeitslosenquote betrug im Jahr 2017 15,7¬†%. Die Jugend, d.¬†h. der Bev√∂lkerungsteil mit dem besten Ausbildungsniveau, verzeichnet die h√∂chste Arbeitslosenquote. Die Verf√ľgbarkeit von Personal ist offensichtlich und wird von der Einwanderung junger Nachkommen der Galicier aus Lateinamerika und Europa verst√§rkt.

Mit einem Wert von 0,880 erreicht Galicien Platz 9 unter den 17 autonomen Gemeinschaften Spaniens im Index der menschlichen Entwicklung.

Kultur

Sehensw√ľrdigkeiten

  • Kathedrale von Santiago de Compostela
  • Basilika von Santa Maria in Pontevedra
  • Herkulesturm in A Coru√Īa
  • Kathedrale von Ourense
  • Die r√∂mische Stadtmauer von Lugo
  • Naturschutzgebiet auf den Cies-Inseln (Islas C√≠es) bei Vigo
  • Kathedrale von Tui
  • Kloster Oseira
  • Cabo Fisterra (span. Cabo Finisterre) ‚Äď ‚ÄěDas Ende der Welt‚Äú in Galicien
  • Cruceiro de H√≠o
  • Die typischen traditionellen Maisspeicher, genannt H√≥rreos
  • Jakobsweg (Camino de Santiago)
  • Die M√°moa von Chan da Arqui√Īa ist ein Dolmen n√∂rdlich von Moa√Īa.

Literatur

Musik

Traditionelle galicische Musik wird geprägt vom Einsatz von Dudelsack (galicisch Gaita), Drehleier und Harfe. Außerdem spielen Perkussionsinstrumente wie Tamboril (Kleine Trommel) oder Pandereta (Pandeiro) eine wichtige Rolle. Die traditionelle Volksmusik unterscheidet sich kaum von gewissen Musiken, die in Spanien oder Portugal gespielt werden. Heutzutage wird oft eine keltische Musik im Rahmen der Erkennung einer keltischen Identität gespielt. Es handelt sich vor allem um Entlehnungen aus der irischen, der schottischen oder bretonischen Musik.

Eine fr√ľhe literarische Erw√§hnung der Nutzung der Gaita in Galicien findet sich in der Punica, einem Gedicht von Silius Italicus √ľber den Zweiten Punischen Krieg. Dort hei√üt es:

Die Caetras und Gaethas, die Silius Italicus hier erwähnt, sind Sackpfeifen aus Callaecia.

Als erster namentlich √ľberlieferter gaiteiro (deutsch Dudelsackspieler) Galiciens gilt Johan Gon√ßalves, der 1374 in Monfero lebte.

Wichtige Vertreter der traditionellen galicischen Musik, die teilweise auch international Beachtung gefunden haben, sind etwa die Gruppen Milladoiro oder Fuxan os Ventos. Insbesondere Milladoiro wurde bereits vor Jahren international auf dem Gebiet keltischer Folkmusik bekannt.

Musiker, die zwar fest in der traditionellen galicischen Musik verwurzelt sind, aber auch neue Wege suchen sind u.¬†a. Berrog√ľetto, Carlos N√ļ√Īez, Luar na Lubre, Mercedes P√©on, Pancho Alvarez, Susana Seivane, Ialma, Cristina Pato und Xos√© Manuel Budi√Īo. Auch diese Musiker konnten in der internationalen Folkszene einige Bekanntheit erlangen.

Feste

In Galicien werden jedes Jahr √ľber viertausend Ortsfeste gefeiert, zu denen noch unz√§hlige Wallfahrten, gastronomische Feiern und andere Traditionen, wie der Karneval, kommen.

Religiöse Feste

  • 16. Juli: Fiesta del Carmen. Tag der Jungfrau Maria del Carmen, gilt als Schutzpatronin der Fischer und wird an allen H√§fen unter anderem mit einer Schiffsprozession gefeiert.
  • 25. Juli: Namenstag des Heiligen Jakobus in Santiago de Compostela. Gleichzeitig ist dieser Tag galicischer Nationalfeiertag (D√≠a da Patria Galega).
  • 31. August: San Ram√≥n de Bealo. Ein sehr traditionelles und besuchtes Volksfest an dem Wallfahrtsort San Ram√≥n de Bealo.
  • Zweite Septemberwoche: Festas da Virxe de Guadalupe de Rianxo. Eines der ber√ľhmtesten und √§ltesten Feste Galiciens (seit 1773).

Historische Feste

Einige jährlich begangene Feste mit historischen Hintergrund sind:

  • 28. M√§rz: Festa da Reconquista in Vigo ‚Äď Feier der ‚ÄěR√ľckeroberung‚Äú der Stadt nach dem Einfall der napoleonischen Truppen.
  • 1. Sonntag im August: Festa Viquinga (deutsch Wikingerfest) in Catoira, Pontevedra ‚Äď Das Fest fu√üt auf einer historischen Begebenheit. Bei dem Fest √ľberfallen als Wikinger verkleidete Einheimische von ihren Drachenbooten aus die friedliebenden Bewohner des Ortes Catoira. Nach Beendigung der nachgestellten Schlacht werden Unmengen von Wein, Muscheln und Tintenfischen verzehrt. Das Wikingerfest von Catoira ist mittlerweile als Fest ‚Äěvon nationalem historischen Interesse‚Äú eingestuft worden. Das Fest wird musikalisch von traditionellen Dudelsackgruppen begleitet.

Gastronomie

In den K√ľstenregionen spiegelt sich die N√§he zum Atlantischen Ozean wider. Zu den Spezialit√§ten der galicischen K√ľche geh√∂ren hier diverse Krusten- und Schalenweichtiere. Zu diesen z√§hlen u.¬†a. die Entenmuschel Pollicipes pollicipes (galicisch percebes), Austern (ostras), Langusten (lagostas) und Jakobsmuscheln (vieiras). Auch diverse Fischsorten stehen hier regelm√§√üig auf dem Speiseplan. Dazu geh√∂ren etwa der Seehecht (merluza) oder der gesalzene Stockfisch (bacallau). Typisch f√ľr Galicien sind zudem deftige Eint√∂pfe (z.¬†B. caldo galego), der Polbo √° feira (Krake nach galicischer Art) oder die empanada. Dieses √ľberwiegend aus Teig und einer w√ľrzigen F√ľllung bestehende Gericht ist eine der beliebtesten Speisen der traditionellen galicischen K√ľche und wurde bereits im Jahr 1188 im Glorienportal der Kathedrale zu Santiago de Compostela dargestellt.

Derzeit gibt es f√ľnf Herkunftsbezeichnungen (Denominaci√≥ns de Orixe) f√ľr Weine aus Galicien. Dies sind Ribeiro, Valdeorras, R√≠as Baixas, Ribeira Sacra, und Monterrei.

Sport

In der Saison 2018/19 ist mit dem Real Club Celta de Vigo ein galicischer Fu√üballverein in der Primera Divisi√≥n vertreten. Der Real Club Deportivo de La Coru√Īa sowie der Club Deportivo Lugo treten in der zweitklassigen Segunda Divisi√≥n an.

In der Segunda Divisi√≥n B spielen der Coruxo FC und R√°pido de Bouzas aus Vigo und der Pontevedra CF. Hinzu kommen die Zweitvertretungen von Celta de Vigo und Deportivo La Coru√Īa.

Literatur

  • Tobias B√ľscher: Galicien & Jakobsweg. Dumont-Reise-Verlag, Ostfildern 2014, ISBN 978-3-7701-7397-6 (Neuauflage).

Weblinks

  • Galicisches Statistisches Institut
  • Offizielle Website f√ľr den Tourismus in Spanien ‚Äď Galicien (deutsch)
  • Offizielle Website f√ľr den Tourismus in Galicia (galicisch, spanisch, englisch, deutsch)
  • Touristische Informationen zu Galicien
  • Fotografien von Galicien
  • Text und Bilder zu Galicien

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

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auch: Galicia, Galice, Gal¬°cia, Galiza, Galizia
Wappen/Flagge: Galicien

ISO 3166-2:
Bezeichnung der Region: Autonome Region

Fläche ca.: 29809.50 km²

Länge der Grenze ca.: km


Ausdehnung / Grenzen (dezimale Koordinaten nach WGS 84):
nördlichster Punkt: 43.7903881
südlichster Punkt: 41.8078139
westlichster Punkt: -9.2995163
östlichster Punkt: -6.7329972

 
Spanien - Autonome Region Galicien: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
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