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Staat Informationen : Liberia

Informationen:


Die Republik Liberia (deutsch [liˈbeːʁiÌŻa], englisch [laÉȘˈbÉȘ(ə)ÉčÉȘə]; veraltet Liberien) ist ein Staat an der westafrikanischen AtlantikkĂŒste. Er grenzt an Sierra Leone, Guinea und die ElfenbeinkĂŒste.

Liberia gehörte neben Äthiopien zu den einzigen beiden Staaten in Afrika, die zur Zeit des Imperialismus im 19. Jahrhundert nicht kolonialisiert wurden. Von 1989 bis 2003 erlangte Liberia traurige BerĂŒhmtheit durch einen heftigen BĂŒrgerkrieg.

Geografie

Liberia liegt im SĂŒdwesten Westafrikas an der AtlantikkĂŒste. Es grenzt im Nordwesten an Sierra Leone, im Norden und Nordosten an Guinea und im Osten an die ElfenbeinkĂŒste.

Die Portugiesen waren 1461 die ersten europĂ€ischen Entdecker, die Kenntnis von diesem Gebiet erhielten, das zunĂ€chst mit dem Namen PfefferkĂŒste („Costa de Malagueta“) in die Landkarten eingetragen wurde. Die Mesorado Bay, Cape Palmas und das Kap Mesurado wurden neben einigen FlussmĂŒndungen und auffĂ€lligen Bergen als Orientierungspunkte der etwa 579 km langen KĂŒstenlinie beschrieben.

Das Staatsgebiet umfasst 111.370 kmÂČ. Die Staatsgrenze hat eine GesamtlĂ€nge von 1 585 km, davon entfallen auf Guinea 563 km, ElfenbeinkĂŒste 716 km und Sierra Leone 306 km. Die Ausdehnung des Landes betrĂ€gt 520 km in Nordwest-SĂŒdost-Richtung und 270 km in SĂŒdwest-Nordost-Richtung.

NaturrÀumliche Gliederung

Liberia liegt in einer geologischen Zone aus erdgeschichtlich sehr alten Gesteinen des PalÀozoikums (vor allem Granit und Gneis), deren OberflÀche von starker Verwitterung und Sedimentation geprÀgt ist.

Das Staatsgebiet Liberias besteht grĂ¶ĂŸtenteils aus Bergland von 300 bis 500 m Meter Höhe ĂŒber dem Meeresspiegel. An die 10 bis 50 km breite, sumpfige KĂŒstenebene schließt sich eine bis zu 400 m hohe Plateaulandschaft an. Das von Regenwald ĂŒberzogene Gebiet wurde durch Erosion in zahllose Kuppen und TĂ€ler aufgelöst. Im Norden befinden sich Gebirge. Das Land gehört zur tropischen Regenwaldzone, die etwa 60 Prozent des heutigen Staatsgebietes einnimmt. Die land- und forstwirtschaftliche Nutzung bewirkte zahlreiche kleinteilige RodungsflĂ€chen, bedeutend fĂŒr die Volkswirtschaft sind neun Gummibaumplantagen.

Gebirge

Die höchste Erhebung ist der Mount Wuteve (1440 m) im Norden des Landes, er gehört zum Gebirgszug der Wologizi Mountains im Nordwesten. Die Nimba Mountains im Norden befinden sich im gleichnamigen County und verfĂŒgen ĂŒber Eisenerzvorkommen, deren Abbau aber durch den BĂŒrgerkrieg zum Erliegen kam. Im mittleren Nordwesten liegen die Mano-Hills, im Zentrum erstreckt sich das Bong Range bis an die VorstĂ€dte der Hauptstadt Monrovia, das Putu Range im Osten reicht bis auf 80 km an die KĂŒstenstadt Greenville heran.

Klima

Zonen

Das in ÄquatornĂ€he befindliche Liberia hat folgende Besonderheiten der klimatischen VerhĂ€ltnisse:

  • im KĂŒstenbereich herrscht Tropenklima mit gleichbleibend heiß-feuchter Witterung,
  • in der nördlichen KĂŒstenebene wird die Regenzeit im August durch eine Trockenperiode unterbrochen,
  • in den nördlichen Landesteilen herrscht von Juni bis Oktober die Regenzeit, die vom Niederschlagsregime des westafrikanischen Monsuns bestimmt wird,
  • im Ă€ußersten SĂŒden gibt es zwei Regenzeitmaxima.

Temperaturen

An der KĂŒste werden 24 °C bis 35 °C , im Landesinneren 22 °C bis 40 °C gemessen. Die Durchschnittstemperaturen liegen bei 26 °C im Januar und 24 °C im Juli.

NiederschlÀge

Die Regenzeit ist durch ergiebige NiederschlĂ€ge in allen Landesteilen gekennzeichnet, in dieser Zeit bricht der Straßenverkehr im Hinterland oft fĂŒr Wochen zusammen. In der Hauptstadt Monrovia betragen die jĂ€hrlichen NiederschlĂ€ge 5130 mm, in Robertsport (NordwestkĂŒste) 5210 mm und im trockeneren SĂŒdosten bei Harper lediglich 2500 mm.

Im Jahresdurchschnitt nehmen die NiederschlĂ€ge zum Landesinneren hin stark ab, in den Mittelgebirgen im Norden dagegen steigen sie wieder an. Insbesondere im Landesinneren kommt es in der Trockenzeit von Oktober bis MĂ€rz zum staubig-heißen Harmattan-Wind, einem nordöstlichen Passatwind aus der sĂŒdlichen Sahara, der die Temperaturen nach oben treibt. Die NiederschlĂ€ge gehen nur wenige Wochen so stark zurĂŒck, dass von einer Trockenzeit, in der der Niederschlag geringer als die Verdunstung ist, gesprochen werden kann.

GewÀsser

KĂŒste

Auf die KĂŒste Liberias strömt unablĂ€ssig der Guineastrom, eine warme Meeresströmung des Atlantischen Ozeans ein. Sie ist verantwortlich fĂŒr die Sedimentablagerungen entlang der KĂŒstenlinie in Form von Nehrungen und ein Klimafaktor.

FlĂŒsse

Das GewĂ€ssernetz besteht aus zahllosen BĂ€chen und einigen grĂ¶ĂŸeren FlĂŒssen, die zumeist in sĂŒdwestlicher Richtung zur KĂŒste fließen. Es gibt sieben grĂ¶ĂŸere FlĂŒsse, die ihr Quellgebiet in, beziehungsweise an der Grenze zu, Guinea haben. Der Mano, Moa, Lofa und der Saint Paul River entspringen auf oder am Rand der Hochebene von Beyla, die FlĂŒsse Saint John River, Cestos River und Cavally in den Nimbabergen. Der grĂ¶ĂŸte Fluss dabei ist der Cavally, der allerdings nur einen Teil seines Einzugsgebietes in Liberia hat.

Seen

Der grĂ¶ĂŸte See ist der Piso-See (etwa 100 kmÂČ) bei Robertsport. Entlang der KĂŒste befinden sich zahlreiche kleine Lagunen und MangrovensĂŒmpfe. Der Mount-Coffee-Staudamm am Unterlauf des St. Paul River und das Firestone-Wasserkraftwerk am Farmington River sind die bisher einzigen StaudĂ€mme des Landes.

Böden

Die immerfeuchten, warmen Bedingungen fĂŒhren zu einer intensiven Verwitterung des Ausgangsmaterials mit Auswaschung der wasserlöslichen NĂ€hrstoffe, so dass die unter dem Aspekt des Nutzpflanzenanbaus nĂ€hrstoffarmen Bodentypen vorherrschen:

In weiten Teilen des Landes sind Ferralsole dominant. Bei diesem Bodentyp liegt der Verwitterungshorizont extrem tief. Die gelösten Mineralien werden wegen der geringen AustauschkapazitĂ€t des Bodens schnell ausgewaschen, so dass er nahezu keine NĂ€hrstoffe mehr enthĂ€lt und diese nach einer DĂŒngung auch nicht speichern kann. Die NĂ€hrstoffe sind in Vegetation und Streu enthalten. Nach einer Rodung wird der Boden innerhalb weniger Ernteperioden ausgelaugt. Ferralsole werden traditionell nur ĂŒber Wanderfeldbau genutzt. Nutzungen durch Dauerkulturen wie Plantagen sind aber doch agrartechnisch möglich.

Vom KĂŒstenstreifen bis auf etwa 150 m ĂŒber NN dominieren orange-gelbe (xanthic) Ferralsole. Im gebirgigen Landesinneren liegen humose (humic) und verhĂ€rtete (plinthic) Ferralsole vor und an der Grenze zu Guinea typische (haplic) Ferralsole.

Im Endstadium der Verwitterung werden die Silikate ausgewaschen (Desilifizierung), so dass nur die Eisen- und Aluminiumoxide zurĂŒckbleiben (Ferrallitisierung). Diese können sich mit Tonpartikeln verkitten und verhĂ€rten dann nach einmaligem Trockenfallen irreversibel (Plinthitbildung). Danach ist das Bodenmaterial allenfalls noch als Baumaterial einsetzbar. Die Neigung zur VerhĂ€rtung ist fast landesweit zu beobachten. Besonders stark betroffene Böden (Plinthosole) sind vereinzelt mit Ferralsolen vergesellschaftet.

An der Grenze zur ElfenbeinkĂŒste und landesweit vergesellschaftet kommt auch den Acrisolen Bedeutung zu. Dies sind nĂ€hrstoffarme, saure Böden mit einer Tonverlagerung. Sie neigen zur VerschlĂ€mmung und Verkrustung, weshalb gerodete FlĂ€chen schwer zu bearbeiten und sehr erosionsanfĂ€llig sind. Auf ihnen mĂŒssen sĂ€uretolerante Kulturen wie Ölpalmen angebaut werden, die den Boden möglichst immer bedecken.

Neben diesen großflĂ€chig dominanten Böden kommen noch weitere mit nennenswerter Verbreitung vor:

  • Cambisole liegen als relativ fruchtbare, junge Böden, in den FlusstĂ€lern.
  • Fluvisole bilden sich aus Flusssedimenten und befinden sich direkt an großen FlĂŒssen.
  • Gleysole liegen in den Feuchtgebieten und sind stark grundwasserbeeinflusst
  • Leptosole sind sehr flachgrĂŒndige Böden in den Gebirgslagen.
  • Nitisole sind junge, fruchtbare Böden, die kleinrĂ€umig im Bergland vorkommen
  • Regosole sind die jungen, kaum ausgeprĂ€gten Böden auf den DĂŒnen des KĂŒstenstreifens.

BiosphÀre

Liberia ist ein sehr artenreiches Gebiet in Afrika. Seit dem 19. Jahrhundert haben Forschungsexpeditionen in den dichten RegenwÀldern Liberias immer wieder seltene und einzigartige Tierarten entdecken können. Nach Auskunft von Naturschutzbehörden sind im Land bereits 2200 Pflanzenarten, 193 SÀugetierarten und 576 Vogelarten bekannt.

Flora

Typisch fĂŒr die Vegetation Liberias ist der immergrĂŒne Regenwald. Im Ă€ußersten Norden des Landes gibt es auch einige Zonen, die als Feuchtsavanne gelten, die KĂŒsten sind teilweise von MangrovensĂŒmpfen bedeckt. Insbesondere Teak- und Mahagoni-Hölzer stellen besonders wertvolle Baumarten dar. Nur an Stellen, an denen weniger als 2000 mm Niederschlag pro Jahr fĂ€llt, sind die WĂ€lder teilweise laubabwerfend.

Fauna

Leoparden, Waldelefanten und Flusspferde sind die bekanntesten GroßsĂ€ugetiere Liberias, die bis in die jĂŒngste Vergangenheit auch als Jagdwild angesehen wurden. Im Sapo-Nationalpark im Osten des Landes lebt eine der weltweit letzten Populationen des Zwergflusspferdes. Zu den seltenen Arten, die im Land vorkommen, gehören darĂŒber hinaus:

  • Die Liberia-Manguste oder Liberia-Kusimanse (Liberiictis kuhni) ist eine in Westafrika lebende Raubtierart aus der Familie der Mangusten. Sie wurde erst 1958 wissenschaftlich beschrieben und gilt als bedroht.
  • Die Dianameerkatze (Cercopithecus diana) ist eine Primatenart aus der Gattung der Meerkatzen (Cercopithecus).
  • Westafrikanische Stummelaffen sind Baumbewohner, jedoch bei ihrem Lebensraum flexibler als ihre östlichen Verwandten. Neben RegenwĂ€ldern finden sie sich etwa auch in Mangrovengebieten und baumbestandenen Savannen.
  • Jentink-Ducker (Cephalophus jentinki), eine Antilopenart, sind vom Aussterben bedroht. Die Art kommt nur noch in einzelnen Gebieten Sierra Leones, Liberias und der westlichen ElfenbeinkĂŒste vor. Ihr Überleben hĂ€ngt stark davon ab, ob verbleibende Regenwaldgebiete, wie die des Sapo-Nationalparks geschĂŒtzt werden können.
  • Die Gattung der Schimpansen unterteilt sich in zwei Arten, der Gemeine Schimpanse in weitere Unterarten. Die in Liberias RegenwĂ€ldern vorkommende westliche Unterart weicht im SchĂ€delbau und auch in DNA-Sequenzen so stark von den anderen Unterarten ab, dass sie möglicherweise eine eigene Art darstellt.

RegenwÀlder

In den RegenwĂ€ldern des Landes findet sich eine Vielfalt von Tieren. Besonders zahlreich sind die Reptilienarten, darunter zum Beispiel Krokodile, ebenso eine Vielzahl mehr oder weniger giftiger Schlangenarten sowie Skorpione und Eidechsen. Artenreich sind auch die Insekten vertreten, bunte Schmetterlinge teilen sich den Luftraum mit FledermĂ€usen und Vögeln (auch Papageienarten). An SĂ€ugetieren werden beispielsweise Schimpansen, Antilopen und Zwerg-Flusspferde erwĂ€hnt. Aber auch WaldbĂŒffel und Elefanten sowie die inzwischen selten gewordenen Leoparden sind hier beheimatet.

GewÀsser

Die KĂŒstengewĂ€sser sowie die zahlreichen FlĂŒsse beherbergen eine Vielzahl von Fischarten und Schalentieren. Auch Schildkröten und Seevögel nutzen diesen Lebensraum. Eine Besonderheit stellen die von wechselnden WasserstĂ€nden und Brackwasserzonen geprĂ€gten MangrovensĂŒmpfe dar.

Naturschutzgebiete

Die internationale Naturschutzorganisation Fauna & Flora International war die erste Organisation, die es bereits 1997 wagte, nach Liberia zu gehen, um den Natur- und Umweltschutz im Lande zu organisieren. Der Sapo-Nationalpark und das Naturschutzgebiet der Nimbaberge waren die ersten Erfolge des Projektteams. Der Gedanke des Naturschutzes wurde auch in der Überarbeitung der Gesetze und Bestimmungen zum Holzeinschlag im Regenwald eingearbeitet. Parks, Naturschutzgebiete und Jagdgebiete (Safaris) zĂ€hlten schon frĂŒh zu den touristischen TrĂŒmpfen Liberias. Folgende Schutzgebiete bestehen gegenwĂ€rtig:

  • Gola-Wald-Nationalpark
  • Nationalpark Sapo
  • Naturschutzgebiet Nimba-Berge
  • Ramsar-Gebiete

Geschichte

Ur- und FrĂŒhgeschichte

Erst in den 1970er Jahren wurde eine systematische landesweite Untersuchung der Ur- und FrĂŒhgeschichte Liberias begonnen. Diese kaum zehn Jahre andauernde Forschungskampagne lieferte wichtige Aussagen und Belege fĂŒr die Besiedlungsgeschichte des Landes.

Die frĂŒheste Besiedlung des heutigen Staatsgebietes von Liberia setzte in der spĂ€ten Jungsteinzeit von Norden kommend ein. Die zuwandernden Gruppen nutzten die savannenartige Landschaft in der Nimba-Region zunĂ€chst als Jagdrevier. Ein Vordringen bis zur KĂŒste des Atlantiks erfolgte entlang der FlusslĂ€ufe, diese boten den Menschen Nahrung und Orientierung. Es fanden sich bevorzugt auf SchotterflĂ€chen am Ufer der grĂ¶ĂŸeren FlĂŒsse charakteristische SteinabschlĂ€ge und Werkzeugreste dieser ersten Siedler, die das Leben von Wildbeutern fĂŒhrten.

Als Periplus bekannte Reisebeschreibungen antiker Autoren berichten von den Expeditionen des Sataspes und Hannos. Sie gelten inzwischen als glaubhafte Belege der ersten planmĂ€ĂŸigen Erkundungsfahrten entlang der afrikanischen KĂŒsten bis in den Golf von Guinea und ergĂ€nzten die zuvor bereits von Ă€gyptischen Pharaonen in Auftrag gegebenen Forschungsreisen in das Innere des Kontinentes.

Die in Westafrika entstandenen Reiche am Niger waren seit dem 13. Jahrhundert in heftige KĂ€mpfe untereinander verwickelt, die hĂ€ufige FlĂŒchtlingsströme auslösten, hierbei dienten auch die nach SĂŒden angrenzenden tropischen Regenwaldgebiete als RĂŒckzugsraum. Mit Zunahme dieser KĂ€mpfe blieben offenbar Gruppen dieser FlĂŒchtlinge im Regenwald zurĂŒck und sonderten sich so von ihren bisherigen Volksgruppen und deren Feinden ab. Sie bewahrten dabei Reste ihrer Sprache, Riten und BrĂ€uche.

Der Weg zur StaatsgrĂŒndung

Liberia war zunÀchst ein Projekt zur Ansiedlung ehemaliger Sklaven aus den Vereinigten Staaten und einer der ersten unabhÀngigen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent. Konflikte zwischen den Nachkommen ehemaliger Sklaven und lÀnger ansÀssigen Ethnien prÀgen das Land bis heute.

Im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts erreichten Portugiesen die KĂŒste des heutigen Liberia, erkundeten das Land jedoch nicht weiter. Der Landstrich wurde als Guinea-KĂŒste, spĂ€ter auch als PfefferkĂŒste bezeichnet. 1822 kaufte die American Colonization Society, eine Gesellschaft von weißen US-Amerikanern, den KĂŒstenstreifen, um dort freigelassene ehemalige Sklaven anzusiedeln und gleichzeitig selbst Kolonialherren zu werden. Zu Beginn des Amerikanischen BĂŒrgerkrieges lebten dort rund 12.000 Afroamerikaner. 1847 erklĂ€rte Liberia unter PrĂ€sident Joseph Jenkins Roberts seine UnabhĂ€ngigkeit, die zeitnah von vielen europĂ€ischen Staaten, von den USA aber erst 1862 anerkannt wurde.

Nach der Berliner Kongokonferenz im Winter 1884/1885 mussten Teile des Landes an Frankreich abgetreten werden. Der Einfluss der USA verhinderte eine vollstÀndige Annexion.

UrsprĂŒnglich stand das Stimmrecht nur mĂ€nnlichen Liberianern amerikanischer Abstammung und freigelassenen afrikanischen Sklaven zu, die sich in Liberia niedergelassen hatten. Die WĂ€hler mussten ĂŒber ein regelmĂ€ĂŸiges Einkommen verfĂŒgen. 1907 wurden mĂ€nnliche indigene Liberianer, die Steuern zahlten, ebenfalls mit dem Stimmrecht ausgestattet. Im Referendum vom 7. Mai 1946 wurde auch das aktive und passive Wahlrecht fĂŒr Frauen eingefĂŒhrt, wenn sie ĂŒber Grundbesitz oder anderes Vermögen verfĂŒgten oder eine HĂŒtte besaßen und Steuern dafĂŒr bezahlten; nach abweichenden Quellen wurde dies erst 1947 beschlossen. Mit dieser Festlegung war zwar formal das allgemeine Wahlrecht fĂŒr beide Geschlechter erreicht, aber in der Praxis zielte das Gesetz auf die Diskriminierung von Frauen ab. Die einschrĂ€nkende Bedingung wurde in den 1970er Jahren abgeschafft, und die Verfassung von 1986 garantierte das uneingeschrĂ€nkte allgemeine Wahlrecht. Frauen ĂŒbten ihr Wahlrecht erstmals 1951 aus. Die erste Wahl einer Frau (Ellen Mills Scarborough) ins nationale Parlament fand 1960 statt.

Die Hafenstadt Monrovia entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Knotenpunkt im Seeverkehr. 1926 wurde den US-Firmen Firestone und Goodrich Corporation ein Teil des Staatsgebietes fĂŒr Gummiplantagen fĂŒr 99 Jahre ĂŒberlassen. Firestone begrĂŒndete daraufhin in Liberia die grĂ¶ĂŸte Kautschukplantage der Welt. 1950 stellte Kautschuk einen Anteil von fast 90 Prozent am Gesamtexportvolumen Liberias, es bestand somit eine totale wirtschaftliche AbhĂ€ngigkeit des Landes von den USA.

MilitĂ€rputsch und BĂŒrgerkrieg

Die Anhebung des Preises fĂŒr Reis löste 1979 landesweite Demonstrationen und Unruhen aus. Am 12. April 1980 ĂŒbernahm Samuel K. Doe nach einem MilitĂ€rputsch die Macht. Damit begann eine 20-jĂ€hrige Phase der politischen InstabilitĂ€t. Doe wurde 1990 abgesetzt, gefoltert und getötet. Es folgte ein 14 Jahre wĂ€hrender, extrem grausamer BĂŒrgerkrieg. Nachdem der Waffenstillstand der BĂŒrgerkriegsparteien 2003 besiegelt war, verließ der seit 1997 regierende PrĂ€sident Charles Taylor das Land.

Bevölkerung

Nach den amtlichen Endergebnissen der VolkszĂ€hlung von 2008 leben 3.476.608 Menschen in Liberia. Im Jahr 2019 geht man von fast fĂŒnf Millionen Einwohnern aus, wovon ĂŒber die HĂ€lfte in der Hauptstadt leben.

Bei einer hohen, jedoch seit den 1980er Jahren stetig sinkenden Geburtenrate zeigt die Pyramide eine sich nach unten exponentiell verbreiternde Basis. Dies geht einher mit einer geringen Lebenserwartung und einer frĂŒh einsetzenden, hohen Sterberate ĂŒber alle Lebensalter hinweg. Waren es 2007 noch 3,8 Millionen Einwohner, wird fĂŒr das Jahr 2050 eine Zahl von 9,3 Millionen Einwohnern prognostiziert.

Migration und Urbanisierung

2017 waren 2,1 % der Bevölkerung im Ausland geboren; dazu kommt starke interne Migration.

Der Prozess der Migration und Urbanisierung hĂ€lt in der Metropolregion Monrovia an; das Siedlungsgebiet reicht bis zu 30 Kilometer in das Hinterland und fĂŒhrt zu einem Anstieg sozialer Spannungen. Ein Großteil der lĂ€ndlichen Bevölkerung lebt in der nördlichen Grenzregion zu Guinea. Bei der letzten VolkszĂ€hlung wurden etwa 10.000 bewohnte Siedlungen in Liberia ermittelt.

Die sechs grĂ¶ĂŸten StĂ€dte waren 2008:

  • Monrovia (1.010.970 Einwohner)
  • Gbarnga (45.835 Einwohner)
  • Ganta (41.106 Einwohner)
  • Buchanan (34.270 Einwohner)
  • Zwedru (23.903 Einwohner)
  • Harper (17.837 Einwohner)

Bevölkerungsgruppen

Artikel 27 der liberianischen Verfassung legt fest, dass nur Personen afrikanischer Abstammung („persons who are Negroes or of Negro descent“) die StaatsbĂŒrgerschaft erlangen können. Es existiert eine von Afroamerikanern abstammende Bevölkerungsschicht, die Kreolen oder „Amerikoliberianer“ genannt werden; sie machen 2–5 % der Bevölkerung Liberias aus und sind grĂ¶ĂŸtenteils Christen. Als Minderheit leben noch etwa 8.000 Libanesen in Liberia.

Die 16 indigenen ethnischen Gruppen Liberias unterteilen sich in zwei unterschiedliche Kultur- und Sprachgruppen. Die einen gehören zu den Mandevölkern: Die Kpelle, die in der Landesmitte traditionell als Hackbauern leben, stellen 20,3 % der Bevölkerung. Im Norden leben Gio oder Dan mit 8 % und die Mano mit 7,9 %. Weitere bedeutende Mandevölker sind die Loma mit 5,1 % und die Vai mit 3 % Bevölkerungsanteil.

Die zweite Gruppe bilden die Völker, die Kwa-Sprachen sprechen: Davon sind die grĂ¶ĂŸte Volksgruppe die Bassa um Buchanan, die 13,4 % der Landesbevölkerung ausmachen und vielfach im Bergbau sowie als Hausbedienstete tĂ€tig sind. An der KĂŒste östlich von Greenville spielen die Kru mit einem Einwohneranteil von 6 % eine wichtige Rolle in seemĂ€nnischen und technischen Berufen; mehr als 400 Jahre lang waren sie als Matrosen auf der Westafrikaroute geschĂ€tzt. Weitere Kwa-Völker sind die Grebo mit 10 % und die Krahn mit 5 %. Weiterhin gibt es noch die Volksgruppen der Gola mit 4,4 %, der Kissi, Malinke (Mandingo) und Bela.

In der Praxis des Zusammenlebens der verschiedenen Teile der liberianischen Gesellschaft entwickelte sich seit den 1860er Jahren in Liberia ein Patronage-System, indem die Familien der ameriko-liberianischen Oberschicht in ihren Haushalten und im familiĂ€ren Umfeld Kinder und Jugendliche aus Familien der indigenen Bevölkerung aufnahmen, um sie durch Schul- und Berufsausbildung an sich zu binden. Im Ergebnis dieser zunehmenden Verflechtung mit der Oberschicht entstand eine tief verwurzelte AbhĂ€ngigkeit und Ergebenheit der autochthonen Bevölkerung gegenĂŒber den Ameriko-Liberianern.

Infolge der BĂŒrgerkriege in den NachbarlĂ€ndern Sierra Leone und ElfenbeinkĂŒste befanden sich 2008 noch etwa 12.600 FlĂŒchtlinge aus Sierra Leone in Liberia; gleichzeitig lebt eine etwa gleich große Anzahl von liberianischen BĂŒrgerkriegsflĂŒchtlingen in westafrikanischen Staaten oder hat um politisches Asyl in europĂ€ischen Staaten ersucht.

Sprachen und Schriften

Keine der westafrikanischen Sprachen hat bisher im nationalen Rahmen Liberias eine dominierende Position einnehmen können. Der Staat Liberia benutzt als Amtssprache de facto das Englische, bei dem es sich um das modifizierte liberianische Englisch handelt, das mit zahlreichen Lehnwörtern aus einheimischen Sprachen durchsetzt ist. Mittlerweile bezeichnen 2,5 Prozent der Bevölkerung – Nachfahren der aus den USA zurĂŒckgesiedelten befreiten Sklaven, Englisch als Muttersprache.

Im tĂ€glichen Leben ĂŒberwiegt der Gebrauch der Sprachen einzelner Volksgruppen. Mande wird im Westen und Norden des Landes gesprochen und Kru im Osten und SĂŒden. Weitere Sprachen in Liberia sind Gola und Kpelle.

Einige dieser Völker sind durch hohe Leistungen bei der Entwicklung eigener Schriften bekannt geworden. Die Vai-Schrift stellt eine Besonderheit unter den Schriften dar: Sie wurde entwickelt, um die westafrikanischen Familien- und Ortsnamen und weitere Personendaten in den KirchenbĂŒchern zu notieren. Die Schrift wurde von gebildeten Mitgliedern der Volksgruppe der Vai beherrscht, die derartige Daten an die Behörden melden mussten. Diese Silbenschrift besteht aus 226 Zeichen (Vokale oder Silben) und wurde 1849 vom Missionar S. W. Koelle erstmals beschrieben. Einheimische Quellen berichteten, dass die Vai-Schrift zwischen 1829 und 1839 erfunden wurde. Alle bekannt gewordenen Dokumente der Vai-Schrift werden im Museum Monrovias gesammelt.

Daneben haben auch die Bassa, die Kpelle, die Mende und Loma jeweils eigene Schriftsysteme und Alphabete fĂŒr ihre Muttersprachen (die Bassa Vah-Schrift, die Kpelle-Schrift und die Mende-Schrift). Inzwischen hat allerdings die lateinische Schrift die einheimischen Schriftsysteme weitgehend verdrĂ€ngt.

Religionen

Laut Zensus von 2008 sind etwa 85,6 Prozent der Bevölkerung (vorwiegend in der KĂŒstenregion) Christen, 12,2 Prozent sind Muslime und nur noch 0,6 Prozent bekennen sich zu den traditionellen Religionen. 1,4 % haben keine Religion. Die in der Folge angegebenen Zahlen der GlĂ€ubigen widersprechen diesem Ergebnis.

Der National Muslim Council of Liberia in Monrovia wurde von Shaykh Kafumba Konneh angefĂŒhrt und vertritt die etwa 670.000 glĂ€ubigen Muslime.

Die Römisch-katholische Kirche hat in Liberia 166.000 GlĂ€ubige. Es bestehen drei BistĂŒmer: das Erzbistum Monrovia mit 132.600 GlĂ€ubigen, das Bistum Cape Palmas mit 19.100 GlĂ€ubigen und das Bistum Gbarnga mit 14.300 GlĂ€ubigen. Die Einteilung erfolgte in den 1950er Jahren. Der Erzbischof von Monrovia, Lewis Zeigler, ist auch Vorsitzender der Bischofskonferenz von Liberia.

Die Bischöfliche Methodistenkirche begann in Liberia 1833 eine Arbeit. Sie war eine VorgĂ€ngerin der Evangelisch-methodistischen Kirche (englisch: The United Methodist Church). Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche fĂŒr Liberia ist Reverend Dr. Samuel J. Quire Jr. Diese Kirche hatte 281.007 Kirchenglieder im Land (Stand: ca. 2017). Die methodistische Kirche mit der zweithöchsten Mitgliederzahl in Liberia ist The African Methodist Episcopal Church (ca. 42.000 Kirchenglieder etwa 2005).

An der Spitze der 35.600 GlÀubigen der Lutherischen Kirche von Liberia steht Bischof Sumoward E. Harris.

Liberia ist Teil der Anglican Communion, Province of West Africa als Protestantische Eposkipalkirche von Liberia. Diese Kirche wurde bereits 1836 in Liberia gegrĂŒndet und trat 1982 der Kirchenprovinz Westafrika bei. Metropolit der Kirchenprovinz ist der amtierende Bischof von Accra in Ghana. Der Bischof von Liberia mit Amtssitz in Monrovia war bis 2011 Reverend Edward Neufville; sein Bistum hat gegenwĂ€rtig etwa 20.000 GlĂ€ubige.

Zu den Freikirchen in Liberia gehört die Pfingstkirche Assemblies of God mit 14.500 GlĂ€ubigen; sie hat 287 Gemeinden und wurde bereits 1908 gegrĂŒndet. An der Spitze steht der General Superintendent Jimmie K. Dugbe.

Die Providence Baptist Church in Liberia wird von Reverend A. Momolue Diggs geleitet und hat etwa 2500 GlĂ€ubige. Die Kirche hat 300 Pfarreien (congregations) und betreibt acht Schulen. The Liberian Baptist Missionary and Educational Convention Inc. wurde bereits 1880 in Monrovia (Hauptsitz) gegrĂŒndet; er steht gegenwĂ€rtig unter der PrĂ€sidentschaft von Reverend J.K. Levee und Reverend Charles W. Blake als GeneralsekretĂ€r.

Der Einfluss der USA ist auch in der ReligionsausĂŒbung fĂŒhlbar; hierbei wĂ€chst besonders der Einfluss der Methodisten, der Baptisten, Presbyterianer und der Episkopalen. Ihre ersten Missionsgesellschaften nahmen bereits kurz nach der GrĂŒndung der Republik Liberia ihre Arbeit auf.

Die Zeugen Jehovas zÀhlen in Liberia mehr als 6000 GlÀubige.

Bildung und Forschung

Das staatliche liberianische Bildungssystem ist kostenlos und besteht aus Grund- und Hauptschule (primary and secondary education). Der regulĂ€re Schulbesuch ist gesetzlich auf 9 Schuljahre festgesetzt. Nach Angaben der Regierung wurden seit 1999 jeweils 10 Prozent des jĂ€hrlichen Staatsbudgets in Bildung investiert. Die Einschulung erfolgt im Alter von 7 Jahren; der Besuch der Grundschule wĂ€hrt in der Regel sechs Schuljahre. Im Alter von 13 Jahren beginnt die Hauptschulausbildung, die auch in zwei aufeinanderfolgenden dreijĂ€hrigen Ausbildungsphasen zum Abitur fĂŒhren kann. Nach Angaben von Hilfsorganisationen können seit 2002 lediglich 40 Prozent der Schulpflichtigen wieder am Unterricht teilnehmen, da die schulische Infrastruktur in vielen lĂ€ndlichen Gebieten nur rudimentĂ€r vorhanden ist. Schulunterricht nach europĂ€ischem Maßstab wird demnach nur in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten und im Umkreis von christlichen Missionsstationen angeboten. Die Mehrzahl der aus muslimisch geprĂ€gten ElternhĂ€usern stammenden Kinder besucht nur die Koranschule.

Die lebensnotwendigen und traditionellen Kenntnisse der liberianischen Landbevölkerung werden in althergebrachter Weise vermittelt. Sowohl Jungen wie MĂ€dchen werden ab einem bestimmten Alter vor dem Erreichen der PubertĂ€t von ihren Familien getrennt und in abgeschotteten Gruppen auf ihr Leben als Erwachsene vorbereitet. Man nennt diese Gruppen „Poroschule“; MĂ€dchen werden in die „Sande“ aufgenommen. Sie erlernen dort von wenigen Ausbildern die traditionellen BrĂ€uche, auch geheime Riten und die zum Überleben notwendigen Fertigkeiten. Die Jugendlichen erwerben den erforderlichen Respekt fĂŒr die AutoritĂ€ten und Hierarchien in ihrer Gruppe und der Gesellschaft. Nach der drei- bis vierjĂ€hrigen „Ausbildung“ werden diese Jugendlichen festlich in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen und erhalten in der Gemeinschaft neue Rechte und Pflichten zugeteilt. Erst als Erwachsene finden sie die Möglichkeit, sich fĂŒr einen Schulbesuch zum Erlernen von Lesen und Schreiben zu entscheiden. MĂ€dchen erhalten tendenziell weniger Schulbildung.

Verschiedene Projekte der Regierung verfolgen das Ziel, die Bildungsangebote zu verbessern. Auch werden Alphabetisierungskampagnen durchgefĂŒhrt, um die in der BĂŒrgerkriegszeit entstandenen Defizite zu kompensieren. Mary Antoinette Brown-Sherman war die erste Rektorin einer afrikanischen UniversitĂ€t. In ihrer Amtszeit (1978–1984) wurde eine Internatsschule in Fendall (UniversitĂ€t Primary School) gegrĂŒndet.

Die Alphabetisierungsrate lag 2015 bei 47,6 % der Bevölkerung.

Bildungseinrichtungen

  • Liberia ist ein Schwerpunktland der African Methodist Episcopal Zion Church. Das Christian Education Department A.M.E. Zion Church betreibt in Monrovia die A.M.E. Zion University zur Ausbildung von Pastoren und Seelsorgern.
  • Das Booker T. Washington Institute (BWI) befindet sich in Kakata. Es wird in privater TrĂ€gerschaft gefĂŒhrt und besteht seit den 1950er Jahren. Es unterrichtet ĂŒber 5000 Jugendliche und ist somit die grĂ¶ĂŸte Berufsschule des Landes. Die BWI hat einen hervorragenden Ruf, kann aber trotz hoher GebĂŒhren der Anfragen nicht Herr werden.
  • Eine weitere, im Jahr 2000 aber endgĂŒltig geschlossene Bildungseinrichtung war das College of West Africa (CWA) in Monrovia. Seine Funktion ĂŒbernahm die J. J. Roberts United Methodist School (JJRUMS).
  • In Suacoco bei Gbarnga befindet sich eine der Ă€ltesten (privaten) UniversitĂ€ten Afrikas: das Cuttington University College. Es wurde bereits 1889 in Harper (Cape Palmas) gegrĂŒndet und 1948 in das Hinterland verlegt. Das College unterhĂ€lt enge Beziehungen zu Bildungseinrichtungen in den USA.
  • Mit auslĂ€ndischer UnterstĂŒtzung wurde ein Weiterbildungszentrum fĂŒr Forstwirtschaft – das Forest Development Autorithy (FDA) – und ein Institut fĂŒr Industrie- und Wirtschaftsförderung – das Liberian Opportunities Industralization Center (LOIC) – gegrĂŒndet.
  • Die staatliche University of Liberia ist die grĂ¶ĂŸte UniversitĂ€t des Landes und befindet sich in Monrovia. Die UniversitĂ€t hat die einzige rechtswissenschaftliche FakultĂ€t des Landes. 2011 wurde weit außerhalb Monrovias, in Fendall, ein riesiger UniversitĂ€tscampus vorsichtig in Betrieb genommen. Dieser war von der chinesischen Regierung erbaut worden; der Umzug musste jedoch wegen Pfusch und schweren BaumĂ€ngeln wieder gestoppt werden. 2013 fielen sĂ€mtliche rund 25.000 StudienplatzanwĂ€rter durch die AufnahmeprĂŒfung. Daraufhin wurden die Anforderungen gesenkt, so dass letztlich 1600 Studenten zugelassen werden konnten.
  • Ein Teil der dringend benötigten Mediziner werden an der neu gegrĂŒndeten (privaten) St. Luke School Of Medicine in Monrovia ausgebildet.
  • Das Stella Maris Polytechnic ist eine staatliche Technische Hochschule in Monrovia. Sie ging aus dem Arthur Barclay Technical Institute und dem Don Bosco Polytechnic College hervor.
  • Mit UnterstĂŒtzung der Evangelisch-methodistischen Kirche (The United Methodist Church; siehe oben: Religionen) wird gegenwĂ€rtig die United Methodist University of Liberia (UMU) aufgebaut.
  • Die William V. S. Tubman University in Harper ist die zweite staatliche UniversitĂ€t. Sie ging aus dem William V.S. Tubman College of Technology hervor, das 1978 in Tubmans Heimatstadt gegrĂŒndet worden war.

FĂŒr gemeinsame Bildungsprojekte und gegenseitige Anerkennung der HochschulabschlĂŒsse trat Liberia dem West African Examinations Council (WAEC) bei. Hierbei handelt es sich um eine Vereinigung englischsprachiger LĂ€nder.

Politik

Politisches System

Die seit 1847 bestehende Republik Liberia ist der zweitĂ€lteste unabhĂ€ngige Staat Afrikas (nach Äthiopien). Die erste Verfassung Liberias wurde bereits am 5. Januar 1839 mit den Hauptvertretern der American Colonization Society inhaltlich beraten und beschlossen. Die Textform bezeichnete das neue Staatswesen als prĂ€sidiale Republik des Commonwealth of Liberia.

1984 wurde eine neue Verfassung durch Volksabstimmung angenommen, die sich wie die vorhergehende eng an das US-amerikanische Modell anlehnt. Die Legislative liegt beim Parlament. Das Parlament besteht (nach amerikanischem Vorbild) aus zwei Kammern:

  1. der Senat verfĂŒgt ĂŒber 30 Senatoren
  2. das ReprĂ€sentantenhaus verfĂŒgt ĂŒber 64 gewĂ€hlte Abgeordnete. Alle Abgeordneten und Senatoren werden durch das Mehrheitswahlrecht bestimmt, wobei die 15 Verwaltungsbezirke („Counties“) Liberias jeweils zwei Senatoren fĂŒr eine Amtszeit von neun Jahren entsenden. Problematischer ist die Bestimmung der Wahlkreise fĂŒr das ReprĂ€sentantenhaus; hier bestimmt die Anzahl der registrierten WĂ€hler, wie viele Wahlkreise im jeweiligen County zu bilden sind. Durch die BĂŒrgerkriegsfolgen befinden sich noch immer zehntausende Menschen in Camps und FlĂŒchtlingslagern, sodass eine exakte ÜberprĂŒfung der Wahllisten erschwert wird.

Der fĂŒr sechs Jahre gewĂ€hlte PrĂ€sident ist nach der Verfassung von Liberia zugleich Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der liberianischen StreitkrĂ€fte.

Aus den PrĂ€sidentschaftswahlen vom November 2005 ging Ellen Johnson-Sirleaf (Unity Party) mit etwa 59,4 Prozent der Stimmen als Siegerin hervor. Damit setzte sie sich in zwei WahlgĂ€ngen gegen 22 Kandidaten durch, unter denen George Weah (Congress for Democratic Change) derjenige war, der mit ihr gemeinsam die Stichwahl erreichte, dort aber unterlag. Sie ist die erste Frau, die durch eine Wahl das Amt eines Staatsoberhauptes in Afrika erlangte. Bei der Wahl 2011 kam Sirleaf im ersten Wahlgang am 11. Oktober auf 43,9 Prozent der Stimmen, ihr Herausforderer Winston Tubman vom Kongress fĂŒr Demokratischen Wandel (CDC) auf 32,7 Prozent. Bei der Stichwahl im November erreichte Sirleaf rund 90 Prozent. Ihr Gegenkandidat war nicht angetreten. Die Wahl wurde ĂŒberschattet von gewaltsamen Ausschreitungen. Daher war die Wahlbeteiligung gering; sie lag nach Angaben von Experten bei 37 Prozent.

Zur Wahl 2017 trat Ellen Johnson-Sirleaf nicht mehr an und George Weah wurde zum PrĂ€sidenten Liberias gewĂ€hlt. Auch im Parlament wurde seine Partei Congress for Democratic Change stĂ€rkste Partei. Die MachtĂŒbergabe lief reibungslos und friedlich. In Anerkennung ihrer erfolgreichen RegierungsfĂŒhrung und ihrer Verdienste um die Demokratisierung Liberias wurde Ellen Johnson-Sirleaf 2018 mit dem Mo-Ibrahim-Preis ausgezeichnet.

Justizwesen

Nach dem Staatsstreich von 1980 wurde im Februar 1982 das zuvor aufgelöste People’s Supreme Court als Oberstes Gericht Liberias wieder „installiert“. ZustĂ€ndig fĂŒr die BestĂ€tigung von Wahlergebnissen ist seit Januar 1992 ein aus fĂŒnf Mitgliedern bestehender unabhĂ€ngiger Supreme Court (Oberster Gerichtshof). Henry Reed Cooper steht gegenwĂ€rtig als Chief Justice of the Supreme Court of Liberia an der Spitze des Justiz-Systems.

Liberias Justizwesen befindet sich ebenfalls im Aufbau; es gibt jedoch nur eine sehr geringe Anzahl von GerichtsgebÀuden, Richtern und StaatsanwÀlten. Die Kenntnis und Respektierung der Gesetze ist kaum ausgeprÀgt; in weiten Teilen des Landes erfolgen Prozesse nach althergebrachten archaischen Gesetzen oder den religiösen Vorschriften der Scharia.

Die Haftbedingungen in den liberianischen GefĂ€ngnissen sind hart und manchmal lebensbedrohend. Im Gegensatz zu europĂ€ischen Rechtssystemen regeln in weiten Teilen Liberias noch konservative Moralvorstellungen, indigene Gesetze und Traditionen das Zusammenleben in den lĂ€ndlichen Regionen. Dort existiert auch die Praxis der Vergewaltigung in der Ehe sowie hĂ€usliche Gewalt gegen Kinder und die international geĂ€chtete GenitalverstĂŒmmelung bei Frauen.

Innen- und Sicherheitspolitik

Der erfolgreiche Wiederaufbau des Staatsapparates ist eine wesentliche Voraussetzung fĂŒr die Zukunft des Landes. Seit 1990 ist die ECOWAS-Friedenstruppe ECOMOG im Land, die vorwiegend von Nigeria und Ghana gestellt wird. Auf Druck der ECOWAS wurde der Friedensprozess Mitte der 1990er Jahre fortgesetzt.

KorruptionsbekÀmpfung

Korruption ist immer noch ein Hauptproblem in allen Ebenen des Staatsaufbaus. Liberia war 2007 auf Platz 150 von 175 LĂ€ndern auf dem Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) von Transparency International. Bis 2010 konnte sich Liberia jedoch bis auf Platz 87 verbessern. Bis 2019 rutschte das Land wieder auf Platz 137 von 180.

Reorganisation der Polizei

Mit einem Mandat der UNO befinden sich seit dem Ende des BĂŒrgerkrieges etwa 15.000 Angehörige der UNMIL-Friedenstruppen und 1100 UNPOL-Offiziere im Land und helfen die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit zu gewĂ€hrleisten. Die liberianische Nationalpolizei (LNP) wird unter Beteiligung der UNPOL umstrukturiert, rekrutiert, geschult und mit modernisierter Technik ausgerĂŒstet. Seit 2004 wurden 3500 LNP-Offiziere eingesetzt. Die PolizeiprĂ€senz kann aber noch nicht verhindern, dass es zu FĂ€llen von Gewalt und Selbstjustiz kommt.

Außen- und Verteidigungspolitik

Liberia ist Mitglied folgender internationaler Organisationen und StaatenbĂŒnde:

  • Afrikanische Union (AU)
  • Gemeinschaft der Sahel-Saharanischen Staaten (CEN-SAD) seit 2004
  • Mano River Union (MRU) seit 1973 als GrĂŒndungsmitglied, seit 2004 nach Ausschluss wĂ€hrend des BĂŒrgerkrieges
  • Organisation fĂŒr Afrikanische Einheit (OAU) seit 1963 als GrĂŒndungsmitglied
  • Vereinte Nationen (UNO) seit 2. November 1945
  • Westafrikanische WĂ€hrungszone (WAMZ)
  • Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS)

Liberia zĂ€hlte seit den 1980er Jahren zu den instabilsten und gefĂ€hrlichsten Staaten der Welt. Nach dem BĂŒrgerkrieg versucht Liberias Regierung, ihre traditionellen Bindungen und Beziehungen zu den USA zu festigen. Im Vorfeld eines Staatsbesuch des US-PrĂ€sidenten George W. Bush am 21. Februar 2008 Ă€ußerte dieser, dass die Vereinigten Staaten keine neuen US-MilitĂ€rbasen in Afrika planten, obwohl die liberianische PrĂ€sidentin Sirleaf sich als bisher einziger FĂŒhrer eines afrikanischen Landes dafĂŒr eingesetzt hatte, das Hauptquartier des U.S. Africa Military Command in Liberia einzurichten. Die Ansiedlung des AFRICOM erfolgte in Europa (Stuttgart), da die Afrikanische Union und ihre Mitglieder den Zielen des AFRICOM misstrauten und die Vereinigten Staaten daher kein afrikanisches Gastgeberland fĂŒr die Behörde fanden.

Auch der vorherige PrĂ€sident Bill Clinton und seine Frau und ehemalige Außenministerin Hillary Clinton besuchten Liberia regelmĂ€ĂŸig, um UnterstĂŒtzung fĂŒr Hilfsprojekte zu organisieren.

Im Rahmen ihrer Afrikareise besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Oktober 2007 die Hauptstadt Monrovia. Bei dieser Gelegenheit wurde den mitreisenden Wirtschaftsvertretern eine Verbesserung der deutsch-liberianischen Wirtschaftsbeziehungen zugesichert.

Gleichzeitig wachsen die BemĂŒhungen der Volksrepublik China, in Liberia Einfluss zu gewinnen. Chinesische Entwicklungshelfer und Techniker bemĂŒhen sich um den Aufbau der zerstörten Infrastruktur – im Gegenzug erwartet China bevorzugte VertrĂ€ge bei der Rohstoffversorgung mit Kautschuk, Eisenerz und beim Import chinesischer Produkte durch Liberia. Als ein bleibendes Zeichen der „Guten Beziehungen“ ĂŒbergab der chinesische Botschafter in Liberia im Juni 2010 den neu erbauten Fendall-Campus der University of Liberia.

Diplomatische Vertretungen

Liberia hat auf Grund seiner pro-westlichen Haltung in den afrikanischen Staaten viel Ablehnung erfahren, daher haben nur wenige afrikanische Staaten mit Liberia diplomatische Beziehungen aufgenommen. Im Verlauf des BĂŒrgerkrieges verließen fast alle Diplomaten aus SicherheitsgrĂŒnden das Land und kamen nur zögerlich zurĂŒck. Die Botschaften der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz und Österreichs wurden nach Accra, die Hauptstadt von Ghana, evakuiert. Die Deutsche Botschaft im Stadtteil Congo Town in Monrovia hat (Stand 2019) keine Visaabteilung.

Unter der ehemaligen Regierung der PrĂ€sidentin Ellen Johnson Sirleaf wurden verstĂ€rkt asiatische Staaten zur Wirtschaftskooperation angesprochen und diplomatische Beziehungen vereinbart; jĂŒngstes Beispiel (Juni 2010) ist das Emirat Kuwait.

MilitÀr

Die StreitkrĂ€fte Liberias (engl. Armed Forces of Liberia (AFL)) gehen auf eine Miliz zurĂŒck, die im 19. Jahrhundert von den ersten schwarzen Kolonisten Liberias gegrĂŒndet wurde. Sie wurden 2008 neu organisiert und stehen unter dem Kommando von George Weah, dem PrĂ€sidenten Liberias. MilitĂ€rischer Befehlshaber ist Brigadier General Daniel Dee Ziankahn. Die AFL umfassen ca. 2100 Soldaten des Heeres und eine kleine KĂŒstenwache mit 2 Booten.

Verwaltungsgliederung

Der Staat Liberia gliedert sich in 15 Regionen (Countys). Die liberianische Regierung ernennt die 15 Verwaltungschefs (County Superintendent und District Commissioner) dieser nachgeordneten Einheiten. Die StĂ€dte verfĂŒgen ĂŒber gewĂ€hlte BĂŒrgermeister und StadtrĂ€te. Großen Einfluss auf das politische Geschehen im Lande ĂŒben traditionelle FĂŒhrer auf den unterschiedlichen Ebenen (Town Chief, Clan Chief und Paramount Chief) aus. Dieser Zwiespalt setzt sich auch im Rechtswesen fort, wo öffentliche und traditionelle Gerichtsbarkeit nebeneinander bestehen.

Wirtschaft

Die Wirtschaft von Liberia ist durch große GegensĂ€tze gekennzeichnet. Das Land zĂ€hlte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den fortschrittlichsten LĂ€ndern Afrikas und hatte unter der Herrschaft von William Tubman nach Japan das höchste Wirtschaftswachstum der Welt. Durch die liberianischen BĂŒrgerkriege wurden allerdings viele Errungenschaften zerstört. WĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs sank das Pro-Kopf-Einkommen auf unter 125 Euro.

Liberia ist heute daher eines der Ă€rmsten LĂ€nder der Erde. International wurden 420 Millionen Euro als Entwicklungshilfe bereitgestellt und Liberia ist in viele multinationale Gemeinschaften eingebunden. Nach einer Studie der Washingtoner Organisation Fund for Peace und des US-Politmagazins „Foreign Policy“ hat Liberia in den Jahren seit dem Ende des BĂŒrgerkrieges die deutlichste Verbesserung im Fragile State Index vollbracht; dieser bewertet die politische, soziale und wirtschaftliche Lage des jeweiligen Staates.

Die Wirtschaft ist stark von Erlösen aus Rohstoffexporten (Gummi) und den Erlösen aus dem Schiffsregister beeinflusst. Die internationalen Sanktionen gegen den liberianischen Staat zum Handel mit Diamanten und Holz konnten aufgehoben werden, so dass die Ausfuhren dieser Waren positiv zum Wirtschaftswachstum beitragen werden. PrĂ€sidentin Johnson-Sirleaf hat erste Schritte zur BekĂ€mpfung der Korruption, Anreize fĂŒr private Investitionen und eine Werbeinitiative zur UnterstĂŒtzung von internationalen Gebern unternommen.

Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Liberia Platz 131 von 138 LĂ€ndern (Stand 2016). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz 161 von 180 LĂ€ndern.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 743 Mio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 613 Mio. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 6,1 % des BIP.

Die Staatsverschuldung betrug 2016 39,5 % des BIP.

Außenhandel

Nach einer viele Jahrzehnte wĂ€hrenden AbhĂ€ngigkeit von den USA hat sich Liberia auf neue Handelspartner eingestellt. Wichtigste Abnehmer fĂŒr Liberias Exporte waren 2008 Belgien mit 48 Prozent und Italien mit 10 Prozent der Gesamterlöse des Landes; inzwischen wird eine deutliche Verschiebung zugunsten der Volksrepublik China erwartet. Als wichtigste Lieferstaaten fĂŒr Liberias Importe treten SĂŒdkorea mit 27 Prozent, Japan mit 25 Prozent und Singapur mit 7 Prozent in Erscheinung. Diese Staaten beliefern Liberia mit Schiffsneubauten und -reparaturdienstleistungen. Auch Deutschland besitzt mit 14 Prozent noch einen beachtlichen Marktanteil.

Export­gĂŒter sind Naturkautschuk und Gummi, Tropenholz, Eisenerz, Diamanten, Kakao, Kaffee, Ananas. Nach dem Eisenerz ist Kautschuk das zweitwichtigste Exportgut des Landes. Die PrĂ€sidentin Johnson-Sirleaf erwartet von dem Abkommen mit Arcelor Mittal eine Signalwirkung fĂŒr weitere auslĂ€ndische Investitionen in die liberianische Wirtschaft. Aber auch die AbhĂ€ngigkeit von auslĂ€ndischen Kapitalgebern trĂ€gt zu den Problemen des Landes bei.

Seewirtschaft

Liberia betreibt formal die zweitgrĂ¶ĂŸte Handelsflotte der Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg flaggten immer mehr europĂ€ische, amerikanische und asiatische Schiffsbetreiber ihre Schiffe nach Liberia aus. Das liberianische Schiffsregister umfasste 2019 Schiffe mit einer Gesamttonnage von 124,1 Millionen Bruttoregistertonnen. Die Handelsflagge Liberias gilt als „Billigflagge“.

Landwirtschaft

Etwas mehr als 70 Prozent der Liberianer leben von der Landwirtschaft, die zur Selbstversorgung betrieben wird. Meist arbeitet man im Brandrodungsbau, der nicht nur zur Auslaugung der Böden und zur Vernichtung wertvoller WaldbestĂ€nde beitrĂ€gt, sondern auch nicht geeignet ist, eine Marktproduktion zu errichten, d. h. eine Produktion, die ĂŒber die Selbstversorgung hinausgeht. Die Hauptnahrungsmittel sind Maniok, Reis, Mais und SĂŒĂŸkartoffeln. Liberia ist ein wichtiges Anbaugebiet fĂŒr Maniok, in Liberia unter dem Namen Cassava bekannt. Der Anbau wird im Familienbetrieb (Kleinbauern) betrieben und konzentriert sich auf die zentralen Provinzen Bong, Nimba und Grand Bassa.

Weitere, traditionell fĂŒr den Export in die USA bestimmte Anbauprodukte sind Zuckerrohr, Baumwolle, Kaffee, Kakao und Ölpalmprodukte. Große FlĂ€chen des Waldes wurden fĂŒr malaysische und britische Investoren gerodet, um Ölpalmen anzubauen. Die Vorkommen an ĂŒber 100 wertvollen Arten von Tropenhölzern aus den zehn staatlichen Forstbezirken (Gbi, Gio, Gola, Grebo, Krahn-Bassa, Kpelle, Nimba, Sapo, South-Belle, North-Belle und Vai) sind stark zurĂŒckgegangen. Ein Teil der Forstgebiete soll nun dauerhaft unter Naturschutz gestellt werden, kĂŒstennahe Gebiete sollen an auslĂ€ndische Holzkonzerne mit strengen Auflagen konzessioniert werden.

Fischereiwirtschaft

Auf den Fischereisektor entfallen rund fĂŒnfzehn Prozent des BIP des Landes. Seit Jahrhunderten betrieben Bewohner Liberias eine einfache KĂŒstenfischerei mit Netzen. Die Hochseefischerei wird seit den 1970er Jahren auch mit relativ modernen Fischkuttern betrieben; 1988 besaß Liberia 55 Fischtrawler. Die Fischerei und die damit verbundenen Zulieferindustrien und Gewerbe bieten BeschĂ€ftigung fĂŒr 20.000 Menschen.

1999 gab es fĂŒnf kommerzielle Unternehmen in Liberia, die mit den angegliederten Fischfabriken und KĂŒhlhĂ€usern rund 6000 Menschen im Fang und Verarbeitungsbereich beschĂ€ftigen. Die wirtschaftlich bedeutendste Speisefischart mit 80 Prozent im Fangaufkommen ist Ethmalosa (Ethmalosa fimbriata). Gefangen werden auch Garnelen, Westafrikanischer Kreuzwels (Arius seemani) und Blue Threadfin (Eleutheronema tetradactylum). In den FlĂŒssen des Landes werden Buntbarsche (Tilapia nilotica) und der Afrikanische Waller (Clarias luzerra) bevorzugt.

FĂŒr die ErnĂ€hrung werden auch Muscheln, KopffĂŒĂŸer und Krebstiere gefangen.

Dienstleistungssektor

Der Dienstleistungssektor gehört zu den am stĂ€rksten wachsenden Wirtschaftsbereichen. In der Hauptstadt markieren zahlreiche Neubauten von Banken die belebende Konjunktur. Das private Transportwesen entwickelt sich besonders in der Metropolregion Monrovias. Zahlreiche Taxis und Pick-Up-Unternehmen entstanden hier. Große Erwartungen setzt man in den Ausbau des Freihafens.

Industrie

Vor dem BĂŒrgerkrieg stĂŒtzte sich die Wirtschaft zu einem großen Teil auf die Förderung von Eisenerz. Mit Investitionen im Wert von 1 Milliarde US-Dollar des Stahlkonzerns Arcelor Mittal soll die Eisenerzindustrie nun wieder revitalisiert werden. Es werden direkt 3500 und indirekt 15.000 bis 20.000 neue ArbeitsplĂ€tze geschaffen, sobald die Produktion hochgefahren werden kann.

Eine weitere Dominante ist der Kautschuk. 1926 wurde den US-Firmen Firestone und Goodrich ein Teil des Staatsgebietes fĂŒr Gummiplantagen fĂŒr 99 Jahre ĂŒberlassen. Firestone grĂŒndete 50 Kilometer östlich von Monrovia in Harbel die grĂ¶ĂŸte Kautschukplantage der Welt. 1950 stellte Kautschuk einen Anteil von fast 90 Prozent am Gesamtexportvolumen Liberias. Noch immer besitzt Naturkautschuk einen hohen Wert und behauptet sich gegen chemische Derivate. Die liberianische Regierung hat deshalb ein Wiederaufbauprogramm fĂŒr die Kautschuk-Plantagen beschlossen; sie spricht von einer Agro-Industrie.

Die industrielle Herstellung von Beton-Formteilen besitzt eine große Bedeutung fĂŒr den Wiederaufbau der Infrastruktur. In mehreren KĂŒstenstĂ€dten befinden sich FabrikationsstĂ€tten.

Als Folge des BĂŒrgerkrieges musste 1982 der Betrieb der Liberia-Petroleum-Raffinerie eingestellt werden. In den 1970er Jahren Statussymbol fĂŒr den wirtschaftlichen Aufschwung Liberias, ist die Anlage bereits in wesentlichen Teilen demontiert worden.

Bergbau

Der wichtigste Bodenschatz ist Eisenerz. In der Nimba-Region wird noch etwa eine Milliarde Tonnen Erz prognostiziert; das Erz liefert gegenwĂ€rtig 60 Prozent der Exporterlöse. Mangan, Baryt, Kyanit, Columbit und Gold sind in abbauwĂŒrdigen Mengen vorhanden. Diamanten werden an der Grenze zu Sierra Leone gefunden.

Die in Liberia befindlichen Eisenerzvorkommen bildeten eine wesentliche Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Es gibt fĂŒnf Konzessionsgebiete, die mit liberianischer Beteiligung ausgebeutet werden:

Das bedeutendste Gebiet lag in der Nimba-Range, konzessioniert an die Liberian-American-Swedish Mining Company (LAMCO). Die bedeutenden LagerstÀtten setzen sich auch jenseits der Grenze (Guinea) fort, und dieses Land plant eine eigene Bahnlinie aufzubauen, um das Erz abzubauen. GegenwÀrtig arbeiten zudem chinesische Techniker an der Instandsetzung der Bahnlinie vom Erzhafen Buchanan nach Santiquelle im Nimba Range.

Bereits in den 1950er Jahren begann die DELIMCO – ein deutsch-liberianisches Stahlkonsortium (auf deutscher Seite: Thyssenkrupp und Hoesch AG) – mit dem Aufbau der Bergwerksanlagen in der Bong-Range- und Putu-Range-Region. Es wurden 500 Millionen US-Dollar investiert und die komplette Infrastruktur, zu der auch die Bong-Mining-Bahn gehört, aufgebaut. Die Abbaukonzessionen fĂŒr die LagerstĂ€tten im Wologizi Range wurden an die Liberia Iron and Steel Company (LISCO) vergeben, die im Westen des Landes gelegenen LagerstĂ€tten gingen an die National Ironore Company (NIOC) und die Liberian Mining-Company (LMC).

In einigen Gebieten im Westen des Landes werden Diamanten gefunden. Die Edelsteine wurden in den BĂŒrgerkriegsjahren auch als Blutdiamanten bezeichnet, da die AufstĂ€ndischen mit erbeuteten Diamanten ihre Waffen finanzieren konnten. Zur EindĂ€mmung des Konfliktes hatte die UNO deshalb ein Diamanten-Handelsembargo fĂŒr Liberia verhĂ€ngt, das inzwischen aufgehoben wurde.

WĂ€hrung

Die WĂ€hrung wird durch die Central Bank of Liberia verwaltet, die seit Oktober 1999 die ineffizient arbeitende National Bank of Liberia ersetzt. Die Bank fĂ€hrt eine Politik der GeldwertstabilitĂ€t und verweigert sich EinflĂŒssen aus der Regierung, die Haushaltsdefizite durch finanzpolitische Tricks abbauen möchte.

Liberia ist am 16. Februar 2010 der Eco-Zone beigetreten. Nach dem Vorbild des Euro soll in Teilen Westafrikas eine gemeinsame WĂ€hrung entstehen, um die Realwirtschaft und den Warenaustausch zu erleichtern. Geplant war die EinfĂŒhrung der WĂ€hrung im Januar 2015. Dieses Datum verstrich ereignislos, neues Ziel ist 2020. Mitglieder der „Eco-Zone“ sind neben Sierra Leone und Guinea auch die LĂ€nder Ghana, Nigeria und Gambia. Das Projekt ist wesentliche Grundlage der seit Jahrzehnten angestrebten Westafrikanischen Wirtschafts- und WĂ€hrungsunion.

Gesetzliches Zahlungsmittel ist der liberianische Dollar (KĂŒrzel: LRD), im Land umgangssprachlich kurz „Liberity“ genannt.

Banknoten sind im Wert von 500, 100, 50, 20, 10 und 5 LRD im Umlauf; MĂŒnzen sind nicht mehr im Umlauf.

Der Umrechnungskurs betrug Mitte 2019 1 US-Dollar rund 200 LRD,.

Übernahme internationaler Normen

In Liberia gilt das angloamerikanische Maßsystem. Hiervon abweichend wurde mit norwegischer UnterstĂŒtzung das Stromnetz auf die europĂ€ische Norm umgestellt.

Weiteres

Am 28. Januar 2016 legte die EU-Kommission ein Maßnahmenpaket zur BekĂ€mpfung von Steuerflucht vor, bei dem unter anderem Liberia auf der schwarzen Liste der Steueroasen auftaucht.

Verkehr und Infrastruktur

Straßennetz

Das liberianische Straßennetz ist aufgrund der topographischen und klimatischen Bedingungen starken Belastungen ausgesetzt. Im Umkreis der Verwaltungszentren und StĂ€dte bestehen asphaltierte Straßen, die Mehrzahl der Ortsverbindungsstraßen sind Naturstraßen und Pisten. In der Regenzeit bricht der Straßenverkehr wegen Unbefahrbarkeit der Straßen zusammen. Die ersten Automobile, Fahrzeuge der Briten, gelangten bereits um 1910 in das Land. Als Konsequenz mussten umgehend eine Straßenverkehrsordnung erlassen und erste Verkehrspolizisten in der Hauptstadt postiert werden. Im Land gilt der Rechtsverkehr. Zu dieser Zeit bestand in Monrovia kurzzeitig eine schienengebundene Pferdebahnlinie, die sich aber nicht zu rentieren schien.

Der Dakar-Lagos-Highway ist die wichtigste Fernstraße und Landverbindung zu den westafrikanischen Nachbarstaaten. Die Straße ist jedoch in Liberia nur rudimentĂ€r ausgebaut; ein etwa 100 Kilometer langer Abschnitt (Ganta-Tappita-Tobli-Grenze zur ElfenbeinkĂŒste) fehlt.

Von Monrovias zentralem Busdepot bei Wood Camp bestanden frĂŒher tĂ€gliche Busverbindungen in alle District-HauptstĂ€dte. FĂŒr Touristen wurde ein moderner Reisebus fĂŒr Stadtrundfahrten angeboten. Jetzt bedienen unzĂ€hlige Taxibetriebe die Innenstadt Monrovias. Als Geschenk der chinesischen Regierung gibt es einige Busse, die völlig ĂŒberfĂŒllt wenige Linien bedienen. Seit 2011 bieten auch Tausende von MotorrĂ€dern chinesischer Billigmarken Personentransporte an, sind jedoch teurer und gefĂ€hrlicher.

Liberia hatte die weltweit vierthöchste Anzahl an tödlichen VerkehrsunfĂ€llen in Relation zur Einwohnerzahl. 2013 starben 1448 Personen im Straßenverkehr.

Schienennetz

GegenwĂ€rtig hat Liberia kein eigentliches Schienennetz. Es existieren lediglich drei von der KĂŒste ins Binnenland fĂŒhrende Eisenbahnstrecken, zwischen denen keine Querverbindungen betrieben werden.

Die Mehrzahl der Bergbaugebiete befindet sich im nördlichen Grenzgebiet; der Abtransport der Erze wurde ĂŒber eine von der Hafenstadt Harper ausgehenden Bahnstrecke realisiert. Das Schienennetz wurde im BĂŒrgerkrieg streckenweise unterbrochen und der Bahnbetrieb musste wegen fehlender RentabilitĂ€t eingestellt werden. Inzwischen arbeiten chinesische Bautrupps an einer Erneuerung der Anlagen, da das Land an der weiteren Erschließung der BodenschĂ€tze interessiert ist. Die gegenwĂ€rtig wieder in Betrieb genommenen Streckenabschnitte ermöglichen schon wieder den Transport von Tropenholz und bieten auch in beschrĂ€nktem Umfang Transportmöglichkeiten fĂŒr Jeeps und Kleinkraftwagen an. Im Sommer 2010 wurden zudem PlĂ€ne einer brasilianischen Minengesellschaft bekannt, eine völlig neue Bahnstrecke und einen Erzhafen anzulegen, um ein guineisches Bergbaugebiet ausbauen zu können.

Luftverkehr

Direkte FlĂŒge von und nach Europa werden zurzeit (2014) von Brussels Airlines, Gambia Bird (nach London Gatwick) sowie British Airways angeboten sowie seit 2011 von Royal Air Maroc. Mit dem Sommerflugplan 2011 fliegt auch die französische Air France-KLM Monrovia wieder an. Es bestehen weiterhin Verbindungen zu benachbarten westafrikanischen HauptstĂ€dten, die von afrikanischen Fluggesellschaften angeboten werden. Im Gegensatz zur Handelsflotte gehören die liberianischen Fluggesellschaften zu den unsichersten der Welt. Liberia ist eines von nur sechs LĂ€ndern weltweit, aus denen kein einziges Luftfahrtunternehmen den Luftraum der EU benutzen darf oder gar innerhalb der EU landen darf.

Es existieren gegenwĂ€rtig zwei grĂ¶ĂŸere FlughĂ€fen in Liberia, der Roberts International Airport und der kleinere Spriggs Payne Airport. Beide haben eine Asphaltpiste. Weiterhin gibt es 51 unbefestigte FlugplĂ€tze, von denen keiner eine LĂ€nge von mehr als 2500 m hat. Diese können wegen der ĂŒberwuchernden Vegetation nahezu nirgends genutzt werden und sind auch von der Regierung gesperrt.

Schifffahrt

KĂŒstenschifffahrt

Die wichtigsten StĂ€dte Liberias befinden sich an der KĂŒste und besitzen HĂ€fen oder AnkerplĂ€tze. Die KĂŒstenschifffahrt bietet oft eine Alternative zum schlecht ausgebauten Straßennetz. Die Befahrbarkeit der FlĂŒsse ist dagegen wegen zahlloser Stromschnellen und Untiefen nur auf kĂŒstennahe Abschnitte beschrĂ€nkt.

Hochseeschifffahrt

Viele Schifffahrtsgesellschaften fahren unter liberianischer Flagge, was vor allem an den niedrigen Kosten (keine Steuern ĂŒber die GebĂŒhren fĂŒr die Registrierung hinaus) und der Verschwiegenheit der Behörden liegt. Dadurch hat Liberia, an Bruttoregistertonnen gemessen, die zweitgrĂ¶ĂŸte Flotte der Welt. 2020 waren es schon etwa 4600 registrierte Schiffe.

Die liberianische Flotte ist inzwischen zudem eine der sichersten; in den maßgeblichen Ranglisten der Hafenstaatenkontrollen (U.S. Coast Guard, Paris MOU, Tokyo MOU) nimmt die Flotte Liberias seit lĂ€ngerem einen Spitzenplatz ein. Der Sitz des Registers ist New York. Liberia verfĂŒgt ĂŒber fĂŒnf HĂ€fen; der Freeport Monrovia ist der grĂ¶ĂŸte Handelshafen des Landes und wurde im Zweiten Weltkrieg mit amerikanischer UnterstĂŒtzung errichtet.

Telekommunikation

Die staatliche liberianische Telekommunikationsbehörde hat ein Festnetz aufgebaut, das aber als sehr störanfĂ€llig gilt. Inzwischen ist fast das ganze Land durch Mobilfunknetze abgedeckt. In allen grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten wurden InternetcafĂ©s eröffnet, die Übertragungsgeschwindigkeit ist jedoch extrem gering. Äußerst selten noch sieht man in den Straßen immer noch kleine HolzhĂ€user, in denen ein öffentlicher Telefonanschluss verlegt ist und ein Betreiber beinahe Tag und Nacht gegen Entgelt anbietet, Verbindungen herzustellen oder Anrufe entgegenzunehmen.

Energieversorgung

Mit dem Aufbau des Energieversorgungsnetzes in Liberia wurde in den 1940er Jahren begonnen. Es blieb zunĂ€chst auf die KĂŒstenregion beschrĂ€nkt, wo die Industrie- und Hafenanlagen, Verwaltungs- und Handelseinrichtungen, KrankenhĂ€user und Hotels als verlĂ€ssliche Abnehmer vorhanden waren. Die landwirtschaftlichen Regionen im Hinterland waren nur punktuell an das Stromnetz angeschlossen. Die bisher grĂ¶ĂŸte Investition in das Energienetz stellte der Bau des Mount-Coffee-Staudamm dar. Dieses Wasserkraftwerk wurde 1966 in Betrieb genommen, aber noch 1990 im BĂŒrgerkrieg zerstört. Bereits Mitte der 1970er Jahre wurde das Kraftwerk auf vier Generatoren erweitert und die veralteten Übertragungsleitungen ersetzt. Dieses steht seit Jahren defekt still. Wer es sich von der Bevölkerung leisten kann, kauft sich winzige bis mittelgroße Klein-Generatoren fĂŒr sein Privathaus oder GeschĂ€ft. Es gibt im ganzen Land seit Kriegsende kein kommunales Stromnetz mehr. Selbst RegierungsgebĂ€ude benutzen eigene Anlagen, die nur das jeweilige Haus versorgen.

2005 wurden 320.000.000 kWh elektrische Energie erzeugt, was weniger als der HĂ€lfte der Energieproduktion von vor 20 Jahren entspricht. Die Infrastruktur wurde wĂ€hrend des BĂŒrgerkrieges beschĂ€digt und der Neubau verzögerte sich. Mit UnterstĂŒtzung aus dem Ausland gelang es das Kraftwerk des Mount-Coffee-Staudamms Ende 2016 wieder in Betrieb zu nehmen.

Abfallentsorgung

Zu den grĂ¶ĂŸten Problemen Liberias gehört die fehlende Infrastruktur zur Abfallbeseitigung. Selbst in der Metropolregion Monrovias sind zusammen nur acht MĂŒlltransporter vorhanden. Eine kontrollierte Deponierung der SiedlungsabfĂ€lle erfolgt seit FrĂŒhjahr 2012 in den Hauptstraßen Monrovias. Ein zweiter Aspekt dieses Problems sind die enormen NiederschlĂ€ge: Das Regenwasser wird in den MĂŒllhaufen kontaminiert und verteilt sich und Teile des Abfalls in der Innenstadt. Durch die fehlenden sanitĂ€ren Voraussetzungen ist der Ausbruch von Infektionskrankheiten und Seuchen abzusehen.

Gesundheitswesen

Aufgrund der schlechten Infrastruktur und fehlender finanzieller Mittel fehlt es im Gesundheitssystem an qualifiziertem Personal, Medikamenten und medizinischem GerĂ€t – insbesondere in den lĂ€ndlichen Regionen. Die medizinische Versorgung ist selbst in der Hauptstadt Monrovia auf niedrigstem Niveau. Apotheken sind zwar weit verbreitet, die QualitĂ€t der angebotenen Medikamente ist jedoch manchmal zweifelhaft. Rund drei Viertel aller medizinischen Einrichtungen werden von – zumeist  auslĂ€ndischen – Nichtregierungsorganisationen betrieben. Ein Problem stellt zudem die Korruption im Gesundheitswesen dar. Der Gesundheitszustand der Menschen ist daher eher schlecht und die durchschnittliche Lebenserwartung mit 63 Jahren gering. Zu den hĂ€ufigsten Todesursachen zĂ€hlen Malaria, Durchfallerkrankungen und Atemwegsinfektionen.

Die SĂ€uglingssterblichkeitsrate lag 1991 mit ĂŒber 17,7 % weit ĂŒber den vergleichbaren Zahlen aus anderen afrikanischen Staaten, hat sich jedoch bis 2019 auf 6,2 % reduziert. Die Kindersterblichkeit ist von 26,5 % im Jahre 1991 auf 8,5 % im Jahr 2019 zurĂŒckgegangen.

Die HIV-Rate liegt bei geschĂ€tzten 1,9 Prozent (2019). Damit liegt sie ĂŒber dem internationalen Durchschnitt von ca. einem Prozent, aber Liberia gehört damit nicht zu den HochprĂ€valenzlĂ€ndern. Im Alltag leiden HIV-infizierte Menschen unter starker Stigmatisierung und der Zugang zu HIV-spezifischer Gesundheitsversorgung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist auf ihren Informationsseiten zu Liberia auf gesundheitliche Risiken hin. Liberia gilt als ein Hochrisikogebiet fĂŒr verschiedene Krankheiten. HĂ€ufig auftretende Tropenkrankheiten sind Gelbfieber, Cholera und Dengue-Fieber. Malaria ist ganzjĂ€hrig und in allen Landesteilen ein Problem, fĂŒr die meisten KrankheitsfĂ€lle ist die gefĂ€hrliche Malaria tropica verantwortlich. Medikamente zur Malariaprophylaxe sind in vielen Apotheken erhĂ€ltlich, wobei vor allem die von Indern betriebenen eine mit westlichem Standard vergleichbare Auswahl und auch QualitĂ€t anbieten.

Ab Anfang 2014 breitete sich in Sierra Leone, Liberia und Guinea das tödliche Ebolavirus massiv aus. Es handelte sich um die grĂ¶ĂŸte Ebolafieber-Epidemie seit Entdeckung des Virus im Jahr 1976. WĂ€hrend der schweren Epidemie starben ĂŒber 11.000 Menschen. Nach Aussage der dort im Einsatz befindlichen Ärzte ohne Grenzen war die Epidemie seit Juni 2014 außer Kontrolle geraten. Seit 2016 gilt in Liberia Ebola als ausgerottet. Das ist unter anderem der Öffentlichkeitsarbeit der damals noch amtierenden PrĂ€sidentin und starker internationaler Hilfe zu verdanken.

Schwerpunkte der gegenwĂ€rtigen Gesundheitspolitik der WHO in Liberia sind die Verbesserung der medizinischen Infrastruktur. 250 Anlagen (einschließlich KrankenhĂ€user, Gesundheitszentren und Kliniken) wurden entweder saniert oder neu aufgebaut. So wurde 2011 in der Stadt Tapeta im Nimba County von der chinesischen Regierung ein großes Krankenhaus selbst mit Computertomographie errichtet, wofĂŒr aber noch das nötige Fachpersonal fehlt. Zudem sind viele GerĂ€te defekt und wegen hĂ€ufiger Korruption wird nicht repariert. UnterernĂ€hrung ist immer noch verbreitet; sie trifft hauptsĂ€chlich Frauen und Kinder. 2018 galten 37,5 % der Bevölkerung als unterernĂ€hrt.

Kultur

Riten und BrÀuche

Der Gedanke an die Geister der Ahnen, der Verstorbenen, an Idole und Amulette spielt bei den Völkern der westafrikanischen KĂŒste eine große Rolle. Gesang, Masken und MaskentĂ€nze werden bei allen Zeremonien genutzt. Sie dienen den MedizinmĂ€nnern bei ihren Beschwörungszeremonien, um den Kranken in starkem Maße psychologisch zu beeinflussen. Die afrikanischen Religionen bilden den Hintergrund fĂŒr die Einordnung der Heilkunde und Heilmethoden als magische Praktiken und realer Erfahrungsschatz. Alle wichtigen Lebensetappen – Geburt, Geschlechtsreife, Hochzeit, Krankheit, Tod –, aber auch praktische TĂ€tigkeiten wie Jagen und Fischen, Herstellung von Waffen und Werkzeugen waren mit Magie verbunden. Zum Leben der Volksgruppen gehört noch immer die Zugehörigkeit und die AusĂŒbung bestimmter Rituale in GeheimbĂŒnden, wie dem Poro.

Liberianische Literatur

Das Wissen und die Geschichte der indigenen Völker wurde ĂŒber Jahrhunderte in Form der Oralliteratur bewahrt und weitergegeben. Auch in den liberianischen Völkern lebten als Storyteller verehrte MĂ€nner, die auswendig gelernte Texte und Neuigkeiten aus den zuvor besuchten Orten verbreiteten. Diese hoch angesehenen MĂ€nner reproduzierten ihre Texte, verfeinert durch Gestik, Musik, Tanz und pantomimische Ausdrucksformen, als Mythen, MĂ€rchen, Fabeln und Lieder bei Dorffesten, Hochzeiten, Entbindungen, Heilungszeremonien, Totenfeiern oder wĂ€hrend der Durchreise und erhielten dafĂŒr Unterkunft, Speise und Trank.

  • Als bekanntester liberianischer Schriftsteller gilt Wilton G. S. Sankawulo, der auch eine Zeit PrĂ€sident Liberias war. Sankawulo gehörte zum Volk der Kpelle und ĂŒbersetzte die Bibel in diese Sprache. Er sammelte und publizierte MĂ€rchen und Fabeln seiner Heimat (beispielsweise: Marriage of Wisdom and Other Tales from Liberia), schrieb zahlreiche Abhandlungen und ErzĂ€hlungen und wirkte mehrere Jahrzehnte als Hochschullehrer fĂŒr Literatur und Englisch. Sein letzter Roman Sundown at Dawn: A Liberian Odyssey erschien 2005.
  • Aus der liberianischen Literaturszene stammt der in die USA ausgewanderte Lyriker und Autor Melvin Beaunorus Tolson, der sich in New York der Harlem group of Negro writers anschloss. Eine Sammlung von Gedichten erschien 1950 unter dem Titel Libretto for the Republic of Liberia.
  • Zu den Buchempfehlungen der New York Times und der Washington Post des Jahres 2008 gehört die autobiographische ErzĂ€hlung The House at Sugar Beach der in Monrovia geborenen Journalistin Helene Cooper. Die Autorin gehört zur ethnischen Gruppe der Congo.

Eine BewĂ€ltigung der jĂŒngsten Geschichte mit den traumatischen Erfahrungen des BĂŒrgerkrieges enthalten zahlreiche Werke junger Schriftsteller und Lyriker, von denen etliche in den 1990er Jahren ins Exil gingen, so auch Patricia Jabbeh Wesley.

  • Lynda Schuster: The final Days of Dr. Doe. 1994. 
  • Patricia Jabbeh Wesley: Before the Palm Could Bloom: Poems of Africa. In: New Issues Poetry & Prose. 1998. 
  • Patricia Jabbeh Wesley: Where the Road Turns. 2007. 

In den 1930er Jahren bereiste der britische Schriftsteller Graham Greene Westafrika und schilderte seine Erlebnisse in der 1936 erschienenen Reportage Journey without Maps. Zu den bemerkenswertesten Erlebnissen dieser Reise gehörte sein Zusammentreffen mit dem damaligen Chef der liberianischen GrenzschĂŒtzer, Colonel Elwood Davis. Dieser hatte im Auftrag der Regierung mit roher Gewalt die AufstĂ€nde verschiedener Volksgruppen niedergeschlagen und herrschte danach noch einige Jahre in der Region Grand Bassa als Archetypus eines gesetzlosen Warlords.

Musik und Tanz

Traditionelle Musik und Tanz

TĂ€nze sind in weiten Teilen Afrikas integraler Bestandteil des tĂ€glichen Lebens und fĂŒr die Menschen wichtige kulturelle Ausdrucksform, aber auch selbstverstĂ€ndliche Verbindung zu den Ahnen und deren Seelen. An den TĂ€nzen ist die ganze (Dorf-)Gemeinschaft beteiligt; es gibt zwar TĂ€nzer und Nicht-TĂ€nzer, diese erfĂŒllen jedoch auch eine wichtige Funktion. Die traditionellen TĂ€nze werden auch zunehmend bei staatlichen Feiertagen oder als folkloristisches Element aufgefĂŒhrt, die Gefahr einer Verfremdung und Verflachung nimmt damit zu.

In der Musik werden eine Vielzahl von Trommeln, Rasseln und Perkussionsinstrumenten verwendet. Besonders beliebt und weitverbreitet, weil auch billig, ist die sasa, eine Kalebassenrassel, die mit einem Netz mit SchlagkĂŒgelchen umgeben ist. Traditionelle Instrumente sind auch Xylophone, Schlitztrommeln, Saiteninstrumente (Rahmenzither, Pluriarc und Musikbogen), kleine Glocken und quer geblasene Hörner (tĂșru) aus Holz und Tierhorn oder Elfenbeintrompeten.

Cape-Palmas Military Band

Auf Wunsch des PrĂ€sidenten Tubman wurde 1963 die Cape-Palmas Military Band gegrĂŒndet. Sie war fĂŒr die musikalische Ausgestaltung von MilitĂ€rparaden und Staatsbesuchen zustĂ€ndig und wurde bei staatlichen Feiertagen und Festveranstaltungen eingesetzt. Die MilitĂ€rkapelle verfĂŒgte ĂŒber ein hohes musikalisches Können.

Aktuelle Musikszene

Die aktuelle liberianische Musikszene orientiert sich seit den 1980er Jahren verstĂ€rkt an westlichen Vorbildern und hat sowohl EinflĂŒsse von Reggae und Hip-Hop als auch westafrikanische Ethnomusik als Vorbilder. Eine Besonderheit stellte der Stimmimitator und in Chinesisch singende Entertainer Emmanuel Uwechue dar. Der wohl bekannteste traditionelle SĂ€nger Liberias ist Sundaygar Dear Boy, der meist in der Landessprache Bassa singt.

Bildende Kunst

Das Cavallabecken im westlichen Liberia ist seit Jahrhunderten die Heimat kunstbegabter Holzschnitzer, die sich auf die Anfertigung von rituellen Masken, Talismanen und Figuren sowie kleinformatigen MöbelstĂŒcken spezialisiert haben. Zahlreiche europĂ€ische Museen besitzen umfangreiche Kunstsammlungen mit Artefakten der Region. Die Masken haben kultisch-rituelle Bedeutung, waren aber auch als Statussymbol in Gebrauch. Nach einer bereits in den 1930er Jahren begonnenen Studie des deutsch-schweizerischen Völkerkundlers Eberhard Fischer vom Museum Rietberg in ZĂŒrich kommen in diesem Gebiet Westafrikas etwa 140 Typen von Masken vor, deren Symbolik und Verbreitung er untersuchen konnte.

Architektur

Die traditionelle Bauweise der indigenen Bevölkerungsgruppe hat sich ĂŒber Jahrhunderte an die Lebensbedingungen im tropischen Regenwald und der Savanne angepasst und besteht aus einfachen, mit BlĂ€tterdach gedeckten HolzhĂŒtten oder aus LehmhĂ€usern mit Strohdach in den Savannen. Von Volksgruppe zu Volksgruppe unterschiedlich sind Schmuckformen – beispielsweise schnitzwerkverzierte Balken, auch das Mobiliar wird oft kunstvoll verziert.

Das in der Regenwaldregion dominierende „Firstdachhaus“ besitzt eine LĂ€nge von 4 bis 5 Metern und einen Innenraum von etwa 20 Quadratmetern. Das zum Hausbau benötigte Material wird aus der unmittelbaren Umgebung des Siedlungsplatzes bezogen und besteht aus vegetabilen Baustoffen, beispielsweise geflochtenen Matten, PalmblĂ€ttern, Reisig und Stroh sowie bearbeiteten Hölzern fĂŒr die tragenden StĂ€nderkonstruktionen. Die Standzeit der HĂ€user ist wegen der verwendeten Baumaterialien begrenzt und setzt hĂ€ufige Instandhaltungsarbeiten voraus. PalmblattdĂ€cher mĂŒssen im Turnus von drei Jahren neu gedeckt werden. Deshalb sind WellblechdĂ€cher immer mehr im Kommen, jedoch fĂŒr viele Familien zu teuer.

Die Hausarchitektur der Savannenregion hat das zylindrische Rundhaus ĂŒbernommen, das ĂŒberwiegend aus Lehm erbaut wird. Die Errichtung dieser GebĂ€ude ist aufwĂ€ndiger und setzt meist die Mithilfe des Familienclans oder der Dorfbevölkerung voraus. Diese HĂ€user besitzen einen Durchmesser von drei bis fĂŒnf Metern und somit eine nutzbare FlĂ€che von maximal etwa 20 Quadratmetern.

Sonderformen der Architektur stellen die von den Muslimen errichteten Moscheen und verschiedentlich errichtete Palastbauten dar.

Die nach Afrika eingewanderten ehemaligen Sklaven wollten diese traditionellen Hausformen nicht ĂŒbernehmen und kopierten die in den SĂŒdstaaten der USA populĂ€re Architektur. Eine geringe Zahl von Regierungs- und VerwaltungsgebĂ€ude blieben aus dieser Zeit erhalten.

Bereits um 1900 begann als Ergebnis der fortschreitenden Missionierung ein reger Bau von KirchengebĂ€uden. Hierbei wurde die Ziegelsteinbauweise bevorzugt und man orientierte sich an der traditionellen europĂ€ischen (neoromanischen und neogotischen) Architektur. In den entstehenden StĂ€dten und grĂ¶ĂŸeren Siedlungen wurden nur wenige SteingebĂ€ude errichtet, da Holz in großer Vielfalt und preiswert verfĂŒgbar war.

Ein deutlicher Wandel im Baustil der europĂ€isch geprĂ€gten Architektur – sogenannte „Kolonialstilbauten“ – fand nach dem Ersten Weltkrieg statt. Billige Industriebaumaterialien – vor allem das Wellblech – verdrĂ€ngten die bisherigen Naturbaustoffe und wurden zum Statussymbol des modernen Bauens. Heute sind sie entwertet und Synonym fĂŒr die Slum-Architektur der Townships. Heute versucht nahezu jeder, der es finanziell ermöglichen kann, Wellblechplatten (zinc) fĂŒr sein Dach in unterschiedlicher QualitĂ€t zu verwenden, da dieses nicht wie die NaturdĂ€cher alle drei Jahre gewechselt werden muss.

Zu den bemerkenswertesten GebĂ€uden in der Altstadt Monrovias zĂ€hlt der Masonic Temple, das Haus der liberianischen Freimaurerloge – heute eine von Obdachlosen bewohnte Ruine.

Anfang der 1950er Jahre erhielt eine Gruppe junger afroamerikanischer Architekten aus den SĂŒdstaaten der USA, darunter Henry Clifford Boles, einen Lehrauftrag an der neu gegrĂŒndeten UniversitĂ€t of Liberia im Fach Architektur und StĂ€dtebau. Ihre Aufgabe bestand neben der Lehrausbildung einheimischer Architekten auch in der Planung von mehreren MustergebĂ€uden, die als amerikanische Entwicklungshilfe angesehen wurden: Die Monrovia Elementary School (1954) und das gleichfalls in Monrovia errichtete BĂŒrogebĂ€ude Mines and Geology Office of Liberia (1955) ebenfalls entsprachen dem amerikanischen Baustandard.


KĂŒche

Die traditionelle KĂŒche Liberias basiert auf der westafrikanischen KĂŒche und bietet ein reichhaltiges, abwechslungsreiches Nahrungsangebot, zu dem neben GemĂŒsen und FrĂŒchten auch Reis, Mais und Hirse als Grundlage gehören. Fisch und Fleisch (von Ziegen, Rindern, GeflĂŒgel, auch Wild) werden vor der Verwendung durch RĂ€uchern haltbar gemacht, in der Regel wird aber schlachtfrisches Fleisch verwendet. Als GetrĂ€nk ist Wasser gebrĂ€uchlich, bei Festen wird Ingwerbier, Palmwein und Rum gereicht. Durch den Einfluss der Anglo-Liberianer wurden auch neue Speisen und Rezepte ĂŒbernommen, zu denen auch die Kartoffel zĂ€hlt.

Landestypische Speisen sind: Cassava (Maniok) in unterschiedlichsten Zubereitungsvarianten, Kochbananen, genannt Plantains, Reis, Mais, Eintopfgerichte mit Kohl, Fufu und Palava Sauce. Nun nach dem Krieg kauft die Bevölkerung kaum den besseren, aber teuren Country Rice aus dem eigenen Land, sondern aus Asien importierten Broken Rice.

Kleidung

Die „traditionelle liberianische Kleidung“ gibt es nicht: Kleidung variiert nicht nur mit dem Geschlecht und Alter des TrĂ€gers, sondern wird auch von seiner sozialen und wirtschaftlichen Situation bestimmt. Spezielle Kleidung fĂŒr die Teilnahme an Zeremonien und Ritualen hat sich schon in vorgeschichtlicher Zeit herausgebildet. Die heute bevorzugte Kleidung ist durch EinflĂŒsse der westlichen und muslimischen Moralvorstellungen entstanden; afrikanische Vorstellungen werden bei der Textilherstellung in Muster und Farbigkeit beachtet. WĂ€hrend der Kolonialisierung Afrikas wurden erstmals Kleidungsstile ĂŒbernommen – zunĂ€chst waren es Uniformen der Soldaten und Matrosen. In den StĂ€dten und auf den kĂŒstennahen Plantagen wurde der Einfluss der europĂ€ischen und amerikanischen Mode fĂŒhlbar, man importierte entsprechende Kleidung als Statussymbole (dunkle oder helle AnzĂŒge, Amtsroben, auch Schuhwerk). Die heutige Kleidung ist auch stark durch Milieu-Zugehörigkeit geprĂ€gt. Bei den Jugendlichen bevorzugen bestimmte lĂ€ndliche Gruppen eine militĂ€risch anmutende Kleidung, die stĂ€dtische Jugend ist an europĂ€ischen Jeans- und T-Shirts als Statussymbolen interessiert.

Besonders im Landesinnern gilt es als Traditionsbruch, wenn die Frauen nicht den Wickelrock, genannt Lappa, tragen. Am Muster des Lappa kann eine Frau die Herkunft ihrer TrÀgerin erkennen.

Medien

Bei der Rangliste der Pressefreiheit 2017, die von Reporter ohne Grenzen herausgegeben wird, belegte Liberia Platz 94 von 180 LĂ€ndern. Bei der Situation der Pressefreiheit im Land gibt es laut der Nichtregierungsorganisation „erkennbare Probleme“.

Die ersten internationalen Nachrichtenverbindungen waren zwei Seekabel, die deutsche und französische Kabelgesellschaften vor der KĂŒste Westafrikas um das Jahr 1910 verlegten. Von der Station Monrovia aus wurden von der deutschen Betreibergesellschaft in den Folgejahren zwei weitere Kabel nach Togo, Kamerun und Namibia bzw. ĂŒber Brasilien und Uruguay nach Argentinien verlegt. Auch Frankreich nutzte eigene, von Monrovia ausgehende Seekabel, um die zentralafrikanischen Kolonien zu erreichen. Schon im Ersten Weltkrieg trafen die ersten FunkgerĂ€te ein; einen modernen Funktelegrafen erhielt die liberianische Regierung in den 1940er Jahren als Geschenk der USA. 1959 erhielten zwei liberianische Funkamateure die Lizenz fĂŒr den Aufbau eines Mittel- und Kurzwellensenders in Paynesville mit einer maximalen Sendeleistung von 10 Kilowatt. Die Amateurfunk-Kennung des Senders war ELRS und wurde zum Synonym fĂŒr den Liberianischen Rundfunk. Nach dem Testbetrieb wurde die Station 1960 verstaatlicht und diente als erstes elektronisches Massenmedium. Mit UnterstĂŒtzung des PrĂ€sidenten Tubman wurde 1964 auch das erste Fernsehstudio Liberias eröffnet. Der staatliche Fernsehsender ELTV war zunĂ€chst nur in der Umgebung der Hauptstadt zu empfangen. Die Modernisierung der Sendetechnik erfolgte in den Folgejahren, cofinanziert durch japanische und amerikanische StaatsvertrĂ€ge. Seit den 1960er Jahren bestanden auch mehrere, von den Bergwerksgesellschaften betriebene Funkstationen, die als Zusatzprogramm Nachrichten und Unterhaltungsmusik, auch in den wichtigsten Landessprachen, sendeten. ErwĂ€hnt sei auch die Sendetechnik der FlughĂ€fen und der Hafenbehörde von Monrovia und den anderen HafenstĂ€dten des Landes, die jedoch ausschließlich der Kommunikation mit der liberianischen Handelsflotte und den ankommenden Schiffen (Seefunk) diente. Als Reaktion auf die UnabhĂ€ngigkeitsbewegungen in den zerfallenden Kolonialreichen Afrikas installierte die USA bei Monrovia eine militĂ€rische Sendestation, die entsprechende Propagandasendungen von Voice of America in zahlreichen afrikanischen und europĂ€ischen Sprachen ĂŒbertrug.

Radio ELWA in Monrovia ist der Ă€lteste christliche Rundfunksender Afrikas. Neben Englisch sendet die Radiostation in den Sprachen Grebo, Kru, Gola, Bassa, Kpelle, Kissi, Dan, Krahn und Loma. Der Sender wurde am 18. Januar 1954 in Betrieb genommen. Seit den 1980er Jahren besaßen auch andere Missionsstationen und die katholische Kirche in Monrovia eigene Sendestudios (Radio Veritas) und Frequenzen, um christlich-religiöse Inhalte in Radiosendungen zu verbreiten. Auch diese Sender wurden ein Opfer des Krieges. Inzwischen ĂŒbertrĂ€gt ein neuer Sender der katholischen Kirche auch Bildungs- und Informationsprogramme, da der Radioempfang in dem Land das zurzeit sicherste Medium darstellt. Im BĂŒrgerkrieg wurden alle liberianischen Sendestationen im Land von den Rebellen erobert und zerstört. FĂŒr eine Übergangszeit wird der Rundfunkempfang liberianischer Programme ĂŒber Radio France Internationale und den BBC-Worldservice ermöglicht. GegenwĂ€rtig arbeitet eine Gruppe von Nachrichtentechnikern und Redakteuren an einem Neustart des staatlichen Rundfunk und Fernsehprogramms und war schon erfolgreich.

Durch auslĂ€ndische Lizenzpartner besteht bereits ein erstes Privatfernsehen DC-TV; die Mehrzahl der Programme wird ĂŒber Satellitenfernsehen empfangen.

Der liberianische Journalistenverband Press Union of Liberia (PUL) bemĂŒht sich um eine sachliche, unparteiische Darstellung der Nachrichten und Ereignisse. Einer der beliebtesten Radiosender ist das private Star-Radio oder der Sender der UN, genannt UNMIL-Radio.

2016 nutzten 8,6 % der Bevölkerung das Internet.

Sport

Liberia war mit der Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2012 in London insgesamt zum 12. Mal bei Olympischen Spielen vertreten. Die erste Teilnahme war 1956. Liberias Sportler – beispielsweise Kia Davis, Bobby Young und Abraham Morlu – sind besonders in der Leichtathletik erfolgreich. PopulĂ€rste Sportart ist Fußball, aber auch Basketball und zahlreiche andere Sportarten werden betrieben. In Monrovia befinden sich zwei neu erbaute Stadien; ansonsten ist keine nennenswerte sportliche Infrastruktur im Land vorhanden, die internationale Wettkampfbedingungen erfĂŒllt. Die meisten international erfolgreichen liberianischen Sportler trainieren und leben im Ausland. Außerdem gewann der Liberianer George Weah als bisher einziger Afrikaner die Auszeichnung zum Weltfußballer – dem Ballon d’Or.

NationaldenkmÀler

Als NationaldenkmÀler Liberias gelten:

  • der Centennial Pavilion – eine Art Ruhmeshalle der StaatsgrĂŒnder
  • das Nationalmuseum
  • der PrĂ€sidentenpalast – auch Symbol des ĂŒberwundenen BĂŒrgerkrieges

Alle Bauwerke befinden sich in Monrovias Altstadt.

Feiertage

Liberia versteht sich als christliches Land; staatliche Feiertage entsprechen dem Vorbild der USA. Es werden neben den Nationalen Feiertagen auch die religiösen Feste des Islam und des Christentums gefeiert. Neben diesen Feiertagen werden religiöse, traditionelle und kulturelle Feste zu bestimmten Zeiten im Jahr gefeiert.

Literatur

  • Stefan von Gnielinski: Liberia in maps. Hrsg.: University of London. London University Press, 1976, ISBN 0-340-15804-2, S. 111. 
  • Werner Korte: Liberia. A bibliography (1988–1998) with special references to the civil war. In: Institut fĂŒr Afrikanistik (Hrsg.): University of Leipzig papers on Africa. Politics and economics series. Band 23. Institut fĂŒr Afrikanistik, Leipzig 1999, ISBN 3-932632-33-8 (englisch: Liberia.). 
  • Werner Korte: Prozesse des Staatszerfalls in Liberia. In: WeltTrends. Zeitschrift fĂŒr internationale Politik und vergleichende Studien. Band 14, 1997, ISSN 0944-8101, S. 55–80 (opus.kobv.de – Volltext). 
  • Ruedi Kuster: Afrika – Liberia: ein Land zwischen Bangen und Hoffen. Portmann, Erlenbach 2006, ISBN 3-9523107-4-3. 
  • Patricia Levy, Michael Spilling: Liberia. In: Cultures of the World. Marshall Cavendish Benchmark, New York 2010, ISBN 978-0-7614-3414-6. 
  • J.W. Lugenbeel: The republic of Liberia: its geography, climate, soil and productions, with a history of its early settlements. G.S. Stockwell, New York 1868 (books.google.de). 
  • Mary H. Moran: Liberia: The Violence of Democracy. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2008, ISBN 9780812220285.
  • Gerold Schmidt: The New Constitutional Developments in the Republic of Liberia. In: Hamburger Ges. f. Völkerrecht u. AuswĂ€rtige Politik (Hrsg.): Verfassung und Recht in Übersee. Heft 3. Hamburg 1981, S. 243–268. 
  • Gerold Schmidt: Das Staatskirchenrecht der neuen Verfassung der Republik Liberia. In: Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart. Band 35 (Neue Folge). TĂŒbingen 1986, S. 643–683 (Textanhang: Constitution of the Republic of Liberia. (1983), S. 663–683). 
  • Gerold Schmidt: Tropenschicksale – Deutsche in Liberia/Westafrika auf dem Friedhof von Monrovia. In: Zeitschrift fĂŒr Kultur-Austausch. 33. Jg., Heft 2, 1983, ISSN 0044-2976, S. 240–247. 
  • Willi Schulze: Liberia: lĂ€nderkundliche Dominanten und regionale Strukturen. In: Wissenschaftliche LĂ€nderkunden. Band 7. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1973, ISBN 3-534-05821-6. 
  • Roland R. Wahl: Geologic, geophysical and mineral localities map of Liberia. Hrsg.: US Dep. of Geological Survey. Washington 2007, ISBN 978-1-4113-1985-1 (2 DVD-ROM). 

Weblinks

  • LĂ€nderinformationen des AuswĂ€rtigen Amtes zu Liberia
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Liberia
  • The World Factbook of the CIA, Liberia (englisch) LĂ€nderinformationen
  • Deutsch-Liberianische Gesellschaft
  • Liberia – Bilder (englisch)
  • The Liberian Collections Project der UniversitĂ€t von Indiana (englisch)
  • TLCafrica – News-Seite (englisch)
  • Linkliste der Stanford-UniversitĂ€t zu Liberia (englisch)
  • The Liberian Post (englisch)
  • The World Bank (Liberia Files) 290 Dokumente zur Wirtschaftsentwicklung Liberias seit den 1960er Jahren (englisch)
  • Andreas Mehler, Judy Smith-Höhn: Liberia: Ellen in Wonderland? (PDF; 436 KiB)
  • Liberiadistricts.com Informationsquelle ĂŒber Liberias Landkreise und Bezirke (englisch)
  • Dossiers zum Thema Liberia in der Pressemappe 20. Jahrhundert der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft.

Anmerkungen

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (0)

Abk Name O
LR.BM Bomi  
LR.BG Bong  
LR.GP Gbapolu  
LR.MG Grand Bassa  
LR.CM Grand Cape Mount  
LR.GD GrandGedeh  
LR.GK GrandKru  
LR.LF Lofa  
LR.MG Margibi  
LR.MY Maryland  
LR.MO Montserrado  
LR.NI Nimba  
LR.RI River Cess  
LR.RG River Gee  
LR.SI Sinoe  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Flagge: Liberia

Name englisch: Liberia
Hauptstadt: Monrovia
Kfz: LB
ISO: LR
ISO3: LBR
Fläche: 111370 km²
Tld: .lr
Wärung Einheit: LRD
Währung: Dollar
Vorwahl: 231

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 8.551986
südlichster Punkt: 4.3154139
westlichster Punkt: -11.4742481
östlichster Punkt: -7.3692549


 
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