Lšnder Länder/Staaten > Afrika > Madagaskar Madagaskar

Land Karte: Madagaskar | Grenzen der Regionen auf der Karte anzeigen | Nachbarstaaten auf der Karte anzeigen

Staaten Nachbarstaaten: (2)

Nachbarstaaten Info Die Nachbarstaaten werden automatisch anhand der Grenzen errechnet. Daher kann es vorkommen, dass ein Nachbarstaat fehlt oder zu viel angezeigt wird.
Wir versuchen diese im Laufe der Zeit manuell anzupassen. Bei Fehlern kŲnnt ihr euch jederzeit an uns wenden Łber das Kontaktformular.

Staat Informationen : Madagaskar

Informationen:


Madagaskar [madaňągaska…źŐĮ] (amtlich Republik Madagaskar, Malagasy Repoblikan‚Äôi Madagasikara, franz√∂sisch R√©publique de Madagascar) hat etwa 26,3 Millionen Einwohner (Stand 2018) und ist mit einer Fl√§che von 587.295 Quadratkilometern nach Indonesien der fl√§chenm√§√üig zweitgr√∂√üte Inselstaat der Welt. Die semipr√§sidentielle Republik liegt vor der Ostk√ľste Mosambiks im Indischen Ozean. Die ehemalige franz√∂sische Kolonie weist die typischen Wirtschaftscharakteristiken eines Entwicklungslandes auf.

Geographie

Die bei weitem größte Landfläche des Staates Madagaskar wird durch die gleichnamige viertgrößte Insel der Welt eingenommen, die bisweilen der achte Kontinent genannt wird, weil durch eine lange isolierte Entwicklung eine sehr eigenständige Natur entstanden ist: Madagaskar wurde vor 150 Millionen Jahren von Afrika und vor 90 Millionen Jahren vom indischen Subkontinent getrennt.

Das zentrale Madagaskar ist ein Hochland mit durchschnittlichen H√∂hen von 1100¬†Metern. Es f√§llt nach Osten schroff und steil ab, w√§hrend der Anstieg im Westen sanfter ausf√§llt. Aus dem Hochland erheben sich drei gro√üe Massive: Das mit Abstand gr√∂√üte ist das zentrale Ankaratra-Massiv; zudem im S√ľden das Andringitra-Gebirge und im Norden das Tsaratanana-Massiv, aus dem sich im Maromokotro mit 2876¬†Meter der h√∂chste Berg der Insel erhebt.

Geologie

Zwei Drittel der Insel werden von präkambrischen Gesteinen aufgebaut, die mehrfach, zuletzt während der Entstehung Gondwanas vor 540 Millionen Jahren, deformiert und metamorph geprägt wurden.

Im √§u√üersten Osten um die Bucht von Antongil und bei Mananjary sind archaische Gneise mit Altern um 3,2 Milliarden Jahren aufgeschlossen, die mit identischen Gesteinen im Dharwar-Kraton in West-Indien korreliert werden. Daran schlie√üt sich nach Westen eine schmale Zone mit hochmetamorphen Sedimentgesteinen und Basalten an, die √úberreste eines ehemaligen Ozeanbeckens dokumentieren, das am Ende des Pr√§kambriums subduziert wurde. Das zentrale Hochland wird von sp√§tarchaischen Graniten und Gneisen aufgebaut, in die drei gro√üe, rohstoffreiche Gr√ľnsteing√ľrtel eingefaltet sind.

Im S√ľden der Insel treten Gesteine mittelproterozoischen Alters auf, die besonders hohen Metamorphose-Temperaturen von mehr als 1000¬†¬įC ausgesetzt waren. Der n√∂rdliche Teil der Insel enth√§lt jungproterozoische Vulkanite, Granite und Sedimentgesteine eines Inselbogens, der erst im Kambrium angegliedert wurde.

Das westliche Drittel der Insel wird durch flach liegende Sedimentgesteine aufgebaut, deren Alter vom obersten Karbon bis in die Kreide reichen. Die lokal kohlef√ľhrenden Gesteine wurden vom Oberkarbon bis in die Trias in intramontanen Becken abgelagert; erst im Jura √∂ffnete sich der Mosambik-Kanal, wodurch ein Zugang zum offenen Ozean entstand.

Bei der Trennung Indiens von der Ostk√ľste Madagaskars in der Oberkreide wurden gro√üe Mengen Basalt gef√∂rdert, die entlang eines schmalen K√ľstenstreifens gut aufgeschlossen sind. Vulkanische Aktivit√§ten lassen sich vom Neogen bis ins Pleistoz√§n f√ľr das zentrale Hochland (mit dem Vulkanfeld Ankaratra), den Norden der Insel (Vulkanfeld Ankaizina und Schichtvulkan Ambre-Bobaomby) und die nordwestlich vorgelagerten Inseln Nosy Be und Nosy Mitsio nachweisen.

Entstehung von Madagaskar

Klima

Madagaskar liegt im tropischen Klima des S√ľd√§quatorialstromes. Die Niederschl√§ge nehmen von Ost nach S√ľdwest kontinuierlich ab. So fallen an der Westk√ľste teilweise nur 500¬†Millimeter pro Jahr, w√§hrend es an der Ostk√ľste regional bis zu 4000¬†Millimeter sein k√∂nnen. Diese Unterschiede zeigen auch hier abgebildete sieben Klimadiagramme. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 25¬†¬įC, wobei die Temperaturen an den K√ľsten h√∂her liegen und im Landesinneren im Hochland bis unter den Gefrierpunkt sinken k√∂nnen. Sommer und Winter entsprechen der tropischen Regen- und Trockenzeit. Fast j√§hrlich suchen Zyklone die Insel heim.

Gewässer

Seen

Der gr√∂√üte See des Landes ist der Lac Alaotra. Er liegt im n√∂rdlichen Osten des Landes und entw√§ssert √ľber den Maningory.

Fl√ľsse

Hydrologisch l√§sst sich Madagaskar je nach Messmethode in 12 bis 13 Einzugsgebiete mit √ľber 10.000¬†km¬≤ unterteilen. Das Gr√∂√üte ist dabei das des Mangoky mit etwa 56.000¬†km¬≤, gefolgt von Tsiribihina und Betsiboka. Zusammen haben etwa 40 Fl√ľsse ein Einzugsgebiet von √ľber 2000¬†km¬≤. Hinzu kommen zahlreiche K√ľstenfl√ľsse. Die Wasserscheide der Insel verl√§uft in etwa entlang ihrer L√§ngsachse von Nord nach S√ľd.

Natur und √Ėkologie

Madagaskar z√§hlt geo√∂kologisch zu den ‚Äě√§lteren Inseln‚Äú der Erdgeschichte. So werden Inseln bezeichnet, die seit einem langen geologischen Zeitraum vom Festland getrennt sind. Hier kommen ausgesprochen viele endemische Arten, Gattungen und Familien von Pflanzen und Tieren vor, die nirgendwo sonst auf der Erde zu finden sind. Diese Tatsache, sowie die gro√üe Artenvielfalt und Biodiversit√§t auf der Insel (die sich insbesondere an der gesamten regenfeuchten Ostk√ľste konzentriert), sowie das Vorhandensein von vielf√§ltigen √Ėkosystemen machen Madagaskar zu einem der Megadiversit√§tsl√§nder dieser Erde.

Von den etwa 12.000 Arten von Bl√ľtenpflanzen und den 109 S√§ugetierarten sind jeweils 80 Prozent, von den 250 Vogelarten rund die H√§lfte, von den 260 Reptilienarten 95 Prozent und von den 150 Froscharten alle endemisch. Diese einzigartige Pflanzen- und Tierwelt ist auf Madagaskar besonders bedroht. Das Verschwinden vieler Tierarten resultiert seit der Besiedlung der Insel aus dem Wachstum der Bev√∂lkerung, aus der Jagd, zunehmender Rinderhaltung, Abbau von Tropenh√∂lzern sowie insbesondere der Lebensraumzerst√∂rung durch Brandrodung. Drei F√ľnftel der tropischen Regenw√§lder wurden auf diese Weise bereits in Savannen bzw. Sekund√§rw√§lder verwandelt. Urspr√ľnglich war Madagaskar zu rund 90 Prozent bewaldet. Von den 53 Millionen Hektar Wald sind heute nur noch etwa zehn Prozent erhalten. Aufgrund der Gef√§hrdung aller Landschaften und des umliegenden Meeres wird Madagaskar als Biodiversit√§ts-Hotspot gef√ľhrt.

In der madagassischen Verfassung ist Umweltschutz als Staatsziel festgeschrieben. Die Fl√§che der Naturschutzgebiete soll nach einem Regierungsplan verdreifacht werden. Es bestehen 47 offizielle Naturschutzgebiete in Madagaskar. Allerdings erweist sich die Durchsetzung des Schutzstatus als sehr schwierig. So stand der Masoala-Nationalpark lange Zeit nur auf dem Papier und wurde von den Menschen vor Ort abgelehnt. Medienberichte und NGO-Recherchen legen nahe, dass auf Madagaskar weiter in gro√üem Stil Edelh√∂lzer ‚Äď vor allem Rosenholz genannte Dalbergienarten ‚Äď illegal geschlagen werden und auf dem internationalen Markt landen.

Im Juni 2021 warnte die Welthungerhilfe, dass aufgrund der langanhaltenden D√ľrre 14.000 Menschen im S√ľden Madagaskars akut in Lebensgefahr seien. Die zust√§ndige Regionaldirektorin Lola Castro vom Weltern√§hrungsprogramm der Vereinten Nationen warnte vor 500.000 vom Hungertod bedrohten Menschen in den n√§chsten Monaten.

Flora

Die Insel war vor dem Eintreffen der ersten Siedler vermutlich fast komplett bewaldet. Die k√ľstennahen Zonen sind dabei von tropischem Tieflandregenwald bedeckt, sofern der Niederschlag daf√ľr ausreicht. Von den urspr√ľnglichen Regenw√§ldern sind nur noch vier Prozent erhalten. Die gr√∂√üten zusammenh√§ngenden Regenwaldfl√§chen, die noch existieren, liegen auf der Masoala-Halbinsel. Von Osten nach Westen geht der Regenwald allm√§hlich √ľber die Feuchtsavanne in die Trocken- und im S√ľden auch Dornstrauchsavanne √ľber.

Fast 90 Prozent der Insel sind nur noch von sekund√§ren Savannen bedeckt, Wiederaufforstungsversuche waren bislang weitgehend erfolglos, eine nat√ľrliche Rekultivierung der Brachfl√§chen durch den Wald findet so gut wie nicht statt. Trotz gesetzlicher Verbote werden j√§hrlich etwa 50 Prozent der Savannen von Viehhirten abgebrannt, wodurch eine extrem verarmte sekund√§re Savanne mit resistenten, aber n√§hrstoffarmen Gr√§sern wie Aristida sp. entsteht.

Fauna

Bedingt durch seine lange geographische Isolation beherbergt Madagaskar eine einzigartige Fauna und Flora mit einem sehr hohen Anteil endemischer Arten. Die Raubtiere sind auf Madagaskar nur durch Eupleridae vertreten: die Fossa, die Fanaloka, den Falanuk und die Madagaskar-Mangusten. Außerdem fehlen auf der Insel Affen und Giftschlangen. Tiergruppen wie die Lemuren kommen dagegen nur hier vor.

Eine weitere fast ausschlie√ülich auf Madagaskar lebende Tiergruppe sind die Tenreks. Sowohl die Tenreks als auch die Lemuren gelten als klassische Beispiele einer adaptiven Radiation. Wie genau die Vorfahren der beiden Tiergruppen vom Festland aus nach Madagaskar gerieten, ist noch nicht endg√ľltig gekl√§rt. Die √§ltere Annahme, dass die Vorfahren dieser Gruppen bereits bei der Trennung Madagaskars vom Festland auf der Insel lebten, kann aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen als widerlegt gelten. In jedem Fall hat die Besiedlung der Insel durch die Vorfahren dieser Tierfamilien zur Folge, dass sie sich in zahlreiche Arten aufspalteten, die unterschiedliche √∂kologische Nischen besetzen. Eine √§hnliche Entwicklung verlief auch bei den Arten, deren Familien weltweit verbreitet sind.

Von den weltweit 22 Lappentaucherarten sind zwei nur auf Madagaskar beheimatet. Der Delacour-Zwergtaucher gilt mittlerweile als ausgestorben. Der Madagaskar-Zwergtaucher wird von der IUCN als gefährdet eingestuft. Die Bernierente, die heute zu den seltensten Wasservögeln der Welt gehört, ist ein weiteres Beispiel einer nur auf Madagaskar vorkommenden Spezies. Zu den Endemiten Madagaskars zählt außerdem die Madagaskarlerche. Auf der Insel sind 21 Ramsar-Gebiete ausgewiesen (Liste der Ramsar-Gebiete in Madagaskar).

Von den Reptilien sind sehr viele Chamäleonarten hervorzuheben, die ausschließlich auf Madagaskar heimisch sind. Dazu zählen beispielsweise auch mit Brookesia nana und Brookesia micra die kleinsten bekannten Reptilien weltweit. Weitere Beispiele sind das Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) sowie Furcifer labordi und Furcifer campani .

Derzeit sind rund 250 Amphibien-Arten inventarisiert. Darunter stellen Madagaskarfr√∂sche den gr√∂√üten Teil; die √ľbrigen Arten geh√∂ren vor allem zu den Engmaul- und den Riedfr√∂schen. Gegenw√§rtig werden immer noch neue Amphibienarten entdeckt und beschrieben, w√§hrend gleichzeitig ihr Lebensraum in hohem Tempo zerst√∂rt wird.

Die Familie der madagassischen Regenbogenfische (Bedotiidae) mit 14 wissenschaftlich beschriebenen und mehreren unbeschriebenen Arten kommt nur im S√ľ√üwasser im Ostteil der Insel vor. Viele davon sind von der IUCN mindestens als ‚Äěgef√§hrdet‚Äú gelistet.

Madagaskar verf√ľgte √ľber eine ausgepr√§gte, inzwischen aber ausgestorbene Megafauna, etwa die gewaltigen Elefantenv√∂gel, verschiedene Arten von Riesenlemuren, zum Beispiel Megaladapis und Palaeopropithecus sowie drei Arten von Madagassischen Flusspferden.

Endemisch kommen auch eine Reihe von Faltern, Motten und Schmetterlingen vor, wie z. B. der Kometenfalter (Argema mittrei), der zu den Ritterfaltern zählende Pharmacophagus antenor oder der farbenprächtige Chrysiridia rhipheus, (Regenbogenfalter), welcher unter Artenschutz steht.

Geschichte

Prähistorie

Obwohl vor der K√ľste Ostafrikas, der mutma√ülichen Wiege der Menschheit, gelegen, ist Madagaskar eines der letzten durch den Menschen besiedelten Gebiete der Erde. Konservative Sch√§tzungen datieren erste menschliche Pr√§senz auf der Insel um das Jahr 350¬†v.¬†Chr. Die Herkunft dieser ersten Bewohner ist ungekl√§rt, wobei aufgrund linguistischer und genetischer Erkenntnisse davon ausgegangen wird, dass Madagaskar von Ostafrika, S√ľd- und S√ľdostasien und dem Nahen Osten aus besiedelt worden ist. Laut einer Studie aus dem Jahr 2018 k√∂nnten aber bereits um 8500 v. Chr. Menschen die Insel betreten haben. Angenommen wird dies aufgrund einzelner Schnittspuren an Knochen von Elefantenv√∂geln von der Fundstelle Ilaka am Fluss Ihazofotsy im Isalo-Gebirge des s√ľd-zentralen Madagaskars. Madagaskar war zun√§chst d√ľnn besiedelt. Erst mit zunehmender Bev√∂lkerung bildeten sich K√∂nigreiche heraus, von denen die der Sakalava und Merina sowie der Betsileo die bedeutendsten wurden.

Schiffsreisen der Europäer

Am 10. August 1500 sichtete der portugiesische Seefahrer Diogo Dias als erster Europ√§er Madagaskar und nannte die Insel nach dem Namenstag des Laurentius von Rom S√£o Loren√ßo. Sp√§ter erschien die Insel auch als Santa Apolonia auf portugiesischen Karten sowie als France occidentale und √ģle Dauphine, bevor sie den Namen ‚ÄěMadagaskar‚Äú erhielt. Nachdem die wichtigsten europ√§ischen Handelsgesellschaften Handelsbasen auf den Routen im Indischen Ozean eingerichtet hatten, spielte Madagaskar nur eine untergeordnete Rolle im Handelsverkehr. Von 1641 an nutzten die Niederlande und sp√§ter auch unter britischer oder amerikanischer Oberhoheit fahrende H√§ndler die Insel, um Sklaven f√ľr ihre Kolonie Mauritius zu verschleppen, dabei kamen ihnen h√§ufige ethnische Konflikte unter der indigenen Bev√∂lkerung zugute. Die vorgelagerte Insel Sainte Marie diente dabei als Handelsumschlagsplatz. Ein erster franz√∂sischer Kolonialisierungsversuch (1643‚Äď1672) scheiterte zun√§chst. Daneben nutzten Piraten im 17. und 18.¬†Jahrhundert Madagaskar als Basis.

Königreich der Merina

Mit der von 1787 bis 1810 andauernden Herrschaft Andrianampoinimerinas, der die Merina einte, etablierte sich erstmals ein moderner Staat auf der Insel. Andrianampoinimerina war zun√§chst bis 1794 K√∂nig von Ambohimanga. 1794 eroberte er das kleine K√∂nigreich von Antananarivo und verlegte seinen Amtssitz in die heutige Hauptstadt. Nach und nach weitete Andrianampoinimerina seinen Einflussbereich auf gro√üe Teile der Insel aus, aber insbesondere im S√ľden des Landes konnte er aufgrund des starken Widerstandes den Staat nicht vollst√§ndig konsolidieren. Unter Andrianampoinimerinas autokratischer Herrschaft wurde der Staat modernisiert, unter anderem wurde ein neues Strafgesetzbuch erlassen; seine Untertanen teilte er in kastenartige Gruppen ein und trug somit zu einer rigiden und ungleichen Stratifikation der Bev√∂lkerung bei.

Sein Sohn Radama I., der ihm auf den Thron folgte, √∂ffnete die Insel gegen√ľber dem Ausland, wobei er vor allem Kontakte zum Vereinigten K√∂nigreich suchte, das mit Frankreich um die Vorherrschaft im Indischen Ozean rang. Er reorganisierte die Armee nach englischem Vorbild. W√§hrend seiner Regierungszeit gab es erste industrielle Ansiedlungen der Engl√§nder an der Ostk√ľste. Englische Missionare √ľbersetzten die Bibel ins Malagasy und f√ľhrten die lateinische Schrift ein.

Die traditionelle Geschichtsschreibung sieht die Herrschaftszeit seiner Witwe und Nachfolgerin Ranavalona I., die von 1828 bis 1861 regierte, als einen R√ľckfall von der Aufkl√§rung zu einem autorit√§ren Isolationismus. 1835/36 verbannte sie fast alle Ausl√§nder von der Insel und reduzierte die Beziehungen zum Ausland auf ein Minimum.

Radama II. (1861‚Äď1863) war der Sohn von Ranavalona I. Er war gem√§√üigt und begann w√§hrend seiner kurzen Regierungszeit wieder Kontakte zum Ausland aufzunehmen. Sein liberaler Kurs gefiel jedoch nicht allen und er fiel nach nur zweij√§hriger Regierungszeit einem Mordanschlag zum Opfer.

Rasoherina (1863‚Äď1868) war die (erste) Witwe von Radama II. Rasoherina wandte sich w√§hrend ihrer Regierungszeit den Engl√§ndern zu. Sie heiratete den Premierminister Rainilaiarivony, der die eigentliche Macht aus√ľbte und in der Folge auch die beiden Nachfolgerinnen auf dem K√∂nigsthron heiratete.

Die zweite Witwe von Radama II., Ranavalona II. (1868‚Äď1883), f√ľhrte den Protestantismus als Staatsreligion ein. Der traditionelle Ahnenkult wurde davon jedoch nur wenig ber√ľhrt und existiert bis heute parallel zu Christentum und Islam weiter. 1883 versuchten die Franzosen erneut, in Madagaskar gewaltsam Fu√ü zu fassen. Ein zweij√§hriger blutiger Krieg begann.

Die letzte Merina-K√∂nigin von Madagaskar, Ranavalona III. (1883‚Äď1896), war die Nichte ihrer Vorg√§ngerin. Sie bestieg den Thron w√§hrend der franz√∂sischen Invasion. Es gelang der madagassischen Armee noch einmal, die Eindringlinge zur√ľckzuschlagen. 1896 konnten sich die Franzosen schlie√ülich durchsetzen und errichteten ein franz√∂sisches Protektorat in Madagaskar. Ranavalona III. wurde von der franz√∂sischen Kolonialmacht zur Abdankung gezwungen und ins Exil nach Algerien geschickt.

Französische Kolonialzeit

Die ersten diplomatischen Beziehungen zwischen dem deutschen Kaiserreich und dem madagassischen K√∂nigreich wurden 1883 in einem Freundschaftsvertrag festgeschrieben. Das Ziel der madagassischen Regierung, Deutschland als Verb√ľndeten gegen die drohende franz√∂sische Kolonialisierung zu gewinnen, wurde allerdings nicht erreicht.

Auf der Kongo-Konferenz 1885 wurde Madagaskar Frankreich als ‚ÄěInteressengebiet‚Äú zugesprochen. 1896 konnte sich Frankreich gegen den Widerstand vieler Madagassen als Kolonialmacht etablieren. Als Manifestation und Symbol der Macht√ľbernahme wurde noch im gleichen Jahr die letzte K√∂nigin von Madagaskar Ranavalona III. abgesetzt; Madagaskar war nun eine franz√∂sische Kolonie. In dem folgenden halben Jahrhundert beuteten franz√∂sische Unternehmer Glimmer- und Grafitvorkommen aus und betrieben Kaffee- und Reisplantagen. Die einheimische Bev√∂lkerung wurde durch das Apartheid-√§hnliche System des Code de l‚Äôindig√©nat massiv unterdr√ľckt. Zwei nationalistische Rebellionen 1915 und 1929 wurden von Frankreich niedergeschlagen.

W√§hrend des Zweiten Weltkrieges wurde Madagaskar anfangs von einer vichytreuen Kolonialverwaltung beherrscht. Im sogenannten Madagaskarplan zog das NS-Regime 1940 die Deportation der europ√§ischen Juden nach Madagaskar in Erw√§gung. Britische Truppen landeten 1942 auf Madagaskar und eroberten die Insel innerhalb eines halben Jahres (Mai bis November). Mit der Landung wollte Gro√übritannien angeblich einer Landung der Japaner zuvorkommen. Zum Ende des Krieges √ľbergab das Vereinigte K√∂nigreich die Insel dem befreiten Teil Frankreichs unter Charles de Gaulle.

W√§hrend der Kolonialzeit 1896‚Äď1960 herrschten die Franzosen mit Milit√§rgewalt. 1945 wurden die nach (beschr√§nkter) Unabh√§ngigkeit strebenden Mouvement d√©mocratique de la r√©novation malgache (MDRM) (franz√∂sisch f√ľr: Demokratische Bewegung f√ľr die Erneuerung Madagaskars), PANAMA und JINA gegr√ľndet. Ende M√§rz 1947 kam es im Norden der Insel zu einem Aufstand gegen die Kolonialmacht. In den ersten zwei Wochen t√∂teten die Rebellen 200 franz√∂sische Soldaten und es gelang ihnen, ein Gebiet von der Gr√∂√üe √Ėsterreichs (ein Siebtel der Gesamtfl√§che) unter ihre Kontrolle zu bringen. Frankreich entsandte daraufhin 18.000 Soldaten, die die Rebellion bis Ende 1948 niederschlugen. Dabei kamen nach herrschender Meinung etwa 90.000 Madagassen ums Leben, wobei es Stimmen gibt, nach denen eine tats√§chliche Opferzahl von 10.000 nicht √ľberschritten worden sei. Aufgrund milit√§rischer Unterlegenheit und schlechter Organisation der Rebellen wurde der Aufstand von franz√∂sischen Truppen niedergeschlagen, die F√ľhrer des MDRM wurden verhaftet und viele von ihnen exekutiert. Tausende des Aufstands Verd√§chtige wurden gefoltert und in ein Lager nach Nosy Lava verschleppt.

Die populärste Befreiungsorganisation MDRM wurde von der Kolonialverwaltung beschuldigt, den Aufstand organisiert zu haben, obwohl wahrscheinlich die Geheimorganisationen PANAMA und JINA ihn organisiert hatten. Das MDRM lehnte den Aufstand ab.

Entsprechend der Loi Lamine Gu√®ye von 1946 hatten alle B√ľrgerinnen und B√ľrger bei Wahlen zum franz√∂sischen Parlament und auch bei lokalen Wahlen ein Wahlrecht. Es handelte sich um ein Zweiklassenwahlrecht, das den franz√∂sischst√§mmigen B√ľrgerinnen und B√ľrgern Vorteile verschaffte. Das passive Wahlrecht wurde in dem Gesetz nicht ausdr√ľcklich erw√§hnt, war aber auch nicht ausgeschlossen.

Das Kriegsrecht blieb bis 1950 bestehen. Bis 1955 waren alle politischen Aktivitäten verboten.

1956 wurde die loi-cadre Defferre eingef√ľhrt und damit das aktive und passive allgemeine Wahlrecht, also auch das Frauenwahlrecht.

Das MDRM wurde völlig zerschlagen.

Unabhängigkeit

Erste Republik

1958 wurde Madagaskar Republik in der Communauté française. Am 29. April 1959 wurde das Wahlrecht bestätigt.

Madagaskar erlangte als dritter Staat im ‚ÄěAfrikanischen Jahr‚Äú am 26. Juni 1960 schlie√ülich die Unabh√§ngigkeit. 1960 fanden die ersten Wahlen statt. Bereits ab 1958 hatte die Parti social d√©mocrate (PSD) massiv Mitglieder rekrutiert, so dass sie in den ersten Wahlperioden der neuen Republik die dominierende Partei war; 1960 erhielt sie bei 88,2 Prozent aller Stimmen 104 der 107 Sitze im ersten madagassischen Parlament. Die (von der SPD und Mapai unterst√ľtzte) PSD hatte einen sozialdemokratischen Kurs und pflegte zun√§chst eine Nostalgie f√ľr Gaullismus, die Ende der 1960er-Jahre jedoch einer mehr nationalistischen Rhetorik wich.

1971 wurde das Land von Bauernunruhen ersch√ľttert. Tsiranana war bei der Pr√§sidentschaftswahl am 30. Januar 1972 einziger Kandidat; er erhielt √ľber 99 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die unter der F√ľhrung intellektueller Merina stehende Opposition entschied sich zu Gro√üdemonstrationen gegen den Pr√§sidenten. Am 18. Mai 1972 berief Tsiranana General Gabriel Ramanantsoa zum Ministerpr√§sidenten. Ramanantsoa lie√ü am 8. Oktober ein Referendum abhalten und wurde drei Tage sp√§ter Pr√§sident Madagaskars. Er f√ľhrte eine Milit√§rdiktatur. Am 5. Februar 1975 trat er zur√ľck; sein Nachfolger wurde der bisherige Innenminister Richard Ratsimandrava. Ratsimandrava wurde am 11. Februar 1975 ermordet. Ihm folgte General Gilles Andriamahazo (bis zum 15. Juni 1975).

Sozialistische Republik

1975 kam in der Folge breiter B√ľrgerproteste ein stark sozialistisch ausgerichtetes Regime unter Didier Ratsiraka an die Macht, das den durch ausl√§ndische Banken und Versicherungsgesellschaften dominierten Finanzmarkt verstaatlichte und in drei Bankinstitute ‚Äď Banque Nationale de l‚ÄôIndustrie, Agricultural Bank und Trade Bank ‚Äď und zwei Versicherungsinstitute ‚Äď ARO und NY Havana ‚Äď konsolidierte. Eine Reihe multinationaler Industriekonzerne wurde ebenfalls nationalisiert, der Vertrieb von Landwirtschaftsprodukten wurde ein Staatsmonopol, so dass auch der Agrarsektor weitgehend sozialisiert wurde. Insbesondere die Ineffizienz, die sich aus diesen Verstaatlichungsma√ünahmen im Agrarsektor ergab, traf die madagassische Wirtschaft in der Folgedekade stark: Das j√§hrliche Wirtschaftswachstum schwankte in diesen Jahren zwischen minus zwei und einem Prozent; selbst Grundnahrungsmittel wie Reis wurden in der ersten H√§lfte der 1980er-Jahre nicht mehr in ausreichender Menge produziert, so dass regionale Hungersn√∂te auftraten. Unter diesen Umst√§nden entstanden ein gro√üer Schwarzmarkt und eine hohe Arbeitslosigkeit; aus dem Sammelbecken der Arbeitslosen rekrutierten dabei viele Kung-Fu-Vereine Mitglieder, die sich an Stra√üen- und Bandenk√§mpfen beteiligten, ohne jedoch eine offene politische Rebellion zu initiieren. Trotz dieser schlechten wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung entstand lange Zeit kein effektiver Widerstand gegen die regierende Avantgarde de la R√©volution Malgache. Zum einen gelang es Ratsiraka und Unterst√ľtzern, ein machtvolles informelles Netzwerk innerhalb der staatlichen Institutionen und der Regierungspartei aufzubauen sowie das Milit√§r bedeutend zu schw√§chen, zum anderen existierten keine Oppositionsparteien mit nennenswertem Organisationsgrad.

Dritte Republik

1992 wurde Ratsiraka durch eine breite Oppositionsbewegung, les Forces Vives, aus dem Amt gedr√§ngt; in der Folge l√§utete eine neue Verfassung, die die Macht des Pr√§sidenten wesentlich beschr√§nkte, die Dritte Republik ein. Durch sie wurde Madagaskar zu einer semipr√§sidentiellen Republik, deren erster Pr√§sident nach vier Jahren abgesetzt wurde, da er seine verfassungsm√§√üigen Kompetenzen √ľberschritt.

Daraufhin wurde 1996 Didier Ratsiraka von der Partei Association pour la Renaissance de Madagascar (kurz AREMA, etwa ‚ÄěVereinigung zur Wiedergeburt Madagaskars‚Äú, heutiger Name Avant-garde pour la r√©novation de Madagascar, etwa ‚ÄěAvantgarde/Vorhut zum Wiederaufbau Madagaskars‚Äú), die in den 1970er-Jahren als Einheitspartei unter dem Namen Avant-garde de la R√©volution Malgache (‚ÄěVorhut der madagassischen Revolution‚Äú) die Macht innehatte, mit knapper Mehrheit zum neuen Pr√§sidenten gew√§hlt, aber erst nach einigem Z√∂gern des Verfassungsgerichts vereidigt.

Ratsiraka setzte kurz nach seiner Vereidigung Mitte 1998 eine Verfassungsänderung durch, die ihm mehr Macht zusprach. Im April 2001 wurde zum ersten Mal die zweite Kammer, der Senat, gewählt.

Bei den Pr√§sidentschaftswahlen am 16. Dezember 2001 erhielt Marc Ravalomanana offiziell anfangs keine absolute Mehrheit (46¬†Prozent), weigerte sich aber, sich einem zweiten Wahldurchgang zu stellen, da er seinen Informationen nach 52¬†Prozent der Stimmen erhalten habe. Am 28.¬†April gab das Verfassungsgericht ein neues Ergebnis heraus, wonach er mit 51,3¬†Prozent (gegen√ľber 35¬†Prozent f√ľr den bisherigen Pr√§sidenten) gewonnen hatte. Ravalomanana wurde vom Verfassungsgericht zum Sieger erkl√§rt. Dazwischen lagen turbulente Monate mit b√ľrgerkriegs√§hnlichen Zust√§nden. Der bisherige Pr√§sident Didier Ratsiraka floh, Ravalomanana rief zu Generalstreiks auf, und es gab 30 bis 40¬†Tote. Auch wenn sich die Lage mittlerweile wieder stabilisiert hat, sind Unzufriedenheit und Armut in der Bev√∂lkerung weiterhin sehr verbreitet.

Am 18. November 2006 versuchte General Fidy Andrianafidisoa, in einem Milit√§rputsch den Pr√§sidenten zu st√ľrzen. Bei den Pr√§sidentschaftswahlen am 3. Dezember 2006 setzte sich der Amtsinhaber Ravalomanana mit 54,8¬†Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang durch und wurde am 19.¬†Januar 2007 f√ľr eine zweite Amtszeit vereidigt. Neuer Ministerpr√§sident wurde der bisherige Innenminister Charles Rabemananjara.

Im Fr√ľhjahr 2009 kam es in der Folge von Protestunruhen gegen die Regierung Ravalomananas, dem pers√∂nliche Bereicherung vorgeworfen wurde, abermals zu einem Regierungsumsturz. Andry Rajoelina, B√ľrgermeister von Antananarivo, gelang es, das madagassische Milit√§r auf seine Seite zu ziehen, so dass Ravalomanana abdankte und ins Exil fl√ľchtete. Ab Ende M√§rz 2009 regierte so eine demokratisch nicht legitimierte √úbergangsregierung unter Rajoelina, die international diplomatischen Sanktionen ausgesetzt war.

Dank der internationalen Vermittlung unter Leitung der Entwicklungsgemeinschaft des s√ľdlichen Afrika (SADC) wurde am 17. September 2011 ein Fahrplan zur Beendigung der Krise erarbeitet, der von den meisten politischen Gruppierungen unterst√ľtzt wurde. Er benannte wichtige Schritte und Ma√ünahmen auf dem Weg zu Wahlen und der R√ľckkehr zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Von der internationalen Staatengemeinschaft √ľberwachte Wahlen in Madagaskar wurden am 25. Oktober 2013 abgehalten. F√ľr die Wahl des Pr√§sidenten war eine Stichwahl am 20.¬†Dezember 2013 n√∂tig, die der Finanzminister der √úbergangsregierung Hery Rajaonarimampianina f√ľr sich entschieden hat und im Januar 2014 zum Staatspr√§sidenten vereidigt wurde.

Als einer der wenigen offenen und damit kritischen Punkte der R√ľckkehr zur Rechtsstaatlichkeit bestand die Frage nach der Rolle des ehemaligen Pr√§sidenten Marc Ravalomanana. Dieser kehrte am 13. Oktober 2014 nach f√ľnfj√§hrigem Exil zur√ľck und wurde kurz nach seiner Ankunft in Antananarivo "in Sicherheit gebracht", da er indirekt zum Putsch aufrief.

Die folgenden Pr√§sidentschaftswahlen in Madagaskar fanden am 7. November 2018 statt. Daran nahmen die vier ehemaligen Pr√§sidenten von Madagaskar, Hery Rajaonarimampianina, Andry Rajoelina, Marc Ravalomanana und Didier Ratsiraka teil. Am 19. Dezember kam es zur Stichwahl zwischen Andry Rajoelina und Marc Ravalomanana, die Rajoelina f√ľr sich entscheiden konnte. Am 19. Januar 2019 trat er sein Amt an. 2021 kam es nach drei Jahren Trockenheit zu einer Hungersnot vor allem im s√ľdlichen Amboasary-Distrikt.

Bevölkerung

Nach aktuellen Sch√§tzungen hat die Bev√∂lkerung von Madagaskar im Jahr 2017 die Zahl von 25 Millionen √ľberschritten.

Der Median der Lebensalter der madagassischen Bev√∂lkerung betr√§gt 19,5 Jahre, wobei der Median f√ľr M√§nner bei 19,3 Jahren liegt und der f√ľr Frauen bei 19,7 Jahren (Stand 2016). Zu diesem niedrigen Alter f√ľhrt eine Fertilit√§t von 4,12 Kindern pro Frau und ein hohes Bev√∂lkerungswachstum von 2,54 Prozent j√§hrlich. F√ľr das Jahr 2050 wird laut der mittleren Bev√∂lkerungsprognose der UN mit einer Bev√∂lkerung von √ľber 53 Millionen gerechnet und f√ľr das Jahr 2100 mit ca. 98 Millionen.

Ethnien

Die meisten ethnischen Madagassen haben √ľber die gemeinsame Sprache, Malagasy, eine gemeinsame Identit√§t herausgebildet; die gesellschaftlichen Institutionen und Traditionen unterscheiden sich jedoch erheblich entlang verschiedener Untergruppen, den foko. Der madagassische Staat erkennt offiziell 18 solcher ‚ÄěHauptethnien‚Äú an. Die Merina, die bis Ende des 19.¬†Jahrhunderts im Zentrum und S√ľdwesten des Landes ihr eigenes Staatswesen unterhielten, in dem sie eine Reihe anderer foko(s) unterdr√ľckten, ist die gr√∂√üte dieser Gruppen. Um 1970 z√§hlten sie etwa 1,6 Millionen Personen. Die Betsileo, die um 1830 von den Merina unterworfen wurden, √§hneln jenen in der Lebensweise sehr, indem sie vorwiegend Bew√§sserungsackerbau betreiben, z√§hlen aber nur etwa halb so viele Mitglieder. Betsileo haben einen effizienteren Reisanbau entwickelt, w√§hrend Merina vermehrt G√ľter produzieren. Die Zafimaniry, eine Untergruppe der Betsileo, sind f√ľr ihre Holzschnitzkunst bekannt, die 2003 von der UNESCO in die Liste der Meisterwerke des m√ľndlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen wurde.

Weitere foko, die im 19. Jahrhundert von den Merina unterworfen wurden, sind die Sihanaka und die Bezanozano, die um 1970 etwa 135.000 respektive 44.000 Mitglieder zählten. Zusammen mit den 1970 etwa 428.000 zählenden Tsimihety und den staatlich nicht als foko anerkannten Tankarana betreiben diese Gruppen eine Mischung aus Landbau und Kleingartenbewirtschaftung. Sihanaka siedeln vorwiegend im zentralen Hochland der Insel.

AntakaranŐąa, der zweitkleinste foko, deren Identit√§t im 17. und 18.¬†Jahrhundert entstand, sind vor allem im Nordwesten der Insel pr√§sent.

Antaimoro, die sich in einer Traditionslinie mit den im 15.¬†Jahrhundert eingewanderten Muslimen sehen und die Adelskaste des K√∂nigreiches Antaimoro stellten, das im 16.¬†Jahrhundert entstand und 1894 aufgel√∂st wurde, siedeln vor allem im K√ľstenbereich s√ľd√∂stlich Ikongos.

Antaifasy leben vorwiegend an der S√ľdostk√ľste.

Weitere staatlich anerkannte foko sind:

  • Antaisaka
  • Antambahoaka
  • Antandroy
  • Antonosy
  • Bara
  • Betsimisaraka
  • Mahafaly
  • Sakalava
  • Tanala
  • Vezo

Daneben gibt es eine Reihe kleinerer Gruppen wie die J√§ger und Sammler der Mikea, die zwischen AnŐąalabo und Lac Ihotry beheimatet sind.

Neben Madagassen leben auf der Insel auch Komorer, Franzosen, Chinesen und Inder. Im Jahre 2017 waren 0,1 % der Bevölkerung im Ausland geboren, womit das Land eine der niedrigsten Ausländeranteile der Welt aufweist. Madagaskar selbst ist ein Auswanderungsland. 2017 lebten ca. 120.000 Madagassen in Frankreich.

Religion

Verteilung:

  • 52¬†% indigener Glauben (Animismus, Ahnenkult)
  • 41¬†% Christentum
    • 23¬†% r√∂misch-katholisch
    • 18¬†% Protestanten
  • 7¬†% Islam (vor allem im Norden und Westen)

Die madagassische Ahnenverehrung geh√∂rt f√ľr nahezu alle Madagassen zu ihrer Religion. Auch die Vorstellung von Fady, festgelegten Regeln, was man an bestimmten Orten oder zu bestimmten Zeiten zu lassen hat oder zumindest aus R√ľcksicht auf zu erwartende negative Folgen lieber nicht tun sollte, ist auch unter offiziell christlichen oder muslimischen Madagassen √ľblich. Da schlie√ülich bei konfessionsverschiedenen Ehen einer der beiden Partner offiziell die Religion des anderen Partners annimmt, sind alle diese Zahlen mit Vorbehalt zu lesen.

Sprachen

Madagaskar ist vor allem durch die gemeinsame Sprache Malagasy geeint, das von der Mehrheit aller Madagassen gesprochen wird. Eine Ausnahme bilden die in wenige Westk√ľstend√∂rfer eingewanderten Mosambikaner, die Makoa sprechen, sowie die Menschen auf Nosy Be, wo es bilinguale Swahili-Sprecher gibt.

Neben Malagasy ist Franz√∂sisch ‚Äď die einst alleinige Amtssprache w√§hrend der Kolonialzeit ‚Äď Amtssprache. Von 2007 bis 2010 war auch Englisch Amtssprache von Madagaskar. Die wichtigsten Publikationen erscheinen in franz√∂sischer Sprache.

Gesundheit

Lebenserwartung

Im Jahr 2019 betrug die Lebenserwartung 67 Jahre. Die Fruchtbarkeitsrate liegt bei 4 Kindern pro Frau und f√§llt seit den 1970er Jahren ausgehend von einem Wert von √ľber 7 Kindern pro Frau kontinuierlich. Die S√§uglingssterblichkeit betr√§gt 27 pro 1000 Lebendgeburten, die M√ľttersterblichkeit 353 pro 100.000 Lebendgeburten. Jedes zweite Kind ist unterern√§hrt. Der Anteil an unterern√§hrten Personen in der gesamten Bev√∂lkerung betr√§gt 2018 41,7¬†% und geh√∂rt damit zu den h√∂chsten der Welt. In Madagaskar kommen auf 100.000 Personen etwa 16 √Ąrzte. Die Staatsausgaben f√ľr das Gesundheitswesen betrugen 2018 laut WHO 4,8¬†% des BIP.

Trinkwasserversorgung

Seit 2010 ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser laut UNO ein Menschenrecht. Dennoch besaßen 2017 erst 54 % Inselbewohner Zugang. Im Jahr 2000 waren es erst 36 %. Große Unterschiede gibt es zwischen den städtischen Regionen, in denen 86 % der Menschen Zugang zu Trinkwasser haben, und ländlichen Regionen, wo der Anteil bei nur 36 % liegt.

Krankheiten

Die Pest, die Madagaskar 1898 erreichte, ist seit den 1920er Jahren endemisch. Besonders in der Regenzeit treten immer wieder F√§lle auf. So wurden f√ľr das Jahr 2014 bis Ende November etwa 120 Infektionen best√§tigt, an denen bis zu 50¬†Menschen gestorben sind. Anfang September 2017 brach erneut eine Pestepidemie aus, die auf die Hauptstadt Antananarivo √ľbergriff und sich dort rasch ausbreitete. Erst zum Jahresbeginn 2018 konnte der Ausbruch der Seuche mit Hilfe von Pestbehandlungszentren und Gesundheitsagenten, die Kontaktpersonen von Patienten mit einem Schnelltest auf die Pesterreger kontrollierten, einged√§mmt werden. Insgesamt erkrankten 2348 Personen, von denen etwa 10¬†% an der Pest starben.

2012 wurden auf Madagaskar 1474 neue Fälle von Lepraerkrankungen registriert.

Im Jahr 2015 betrug die HIV-Rate unter der erwachsenen Bevölkerung geschätzt 0,36 %.

Malaria ist endemisch in Madagaskar. Zwischen 2010 und 2016 stieg die durchschnittliche Zahl der Malariaf√§lle von 14 auf 20 pro 1000 Einwohner an. Dabei wiesen die flachen K√ľstenstriche im Osten und Westen besonders hohe Fallzahlen von mehr als 50 pro 1000 Einwohner auf.

Bildung

Etwa ein Viertel der Bev√∂lkerung waren 2018 Analphabeten. Die Zahl ging in den letzten Jahren zur√ľck, da auch die durchschnittliche Schulbesuchsdauer steigt. W√§hrend sie bei den √ľber 25-J√§hrigen noch bei 6,1 Jahren lag, werden f√ľr die junge Generation 10,2 Jahre erwartet. Die Analphabetenquote ist bei weiblichen Jugendlichen weit h√∂her als bei m√§nnlichen. Die √∂ffentlichen Bildungsausgaben beliefen sich 2018 auf 3,2 Prozent der BIP. Madagaskar hat sechs Universit√§ten, die in der Hauptstadt und den Provinzhauptst√§dten liegen, sowie ein Nationales Institut f√ľr Nuklearwissenschaften.

Politik

Politische Indizes

Politisches System

Das politische System Madagaskars ist laut Verfassung eine zentralistische, pr√§sidentielle Republik mit direkt gew√§hltem Pr√§sidenten und Zweikammersystem: Die Nationalversammlung hat 160 auf vier Jahre gew√§hlte Mitglieder. Die zweite Kammer, der Senat, vertritt die sechs Provinzen Antananarivo, Antsiranana, Fianarantsoa, Mahajanga, Toamasina und Toliara. Ein Drittel der Senatsangeh√∂rigen wird vom Pr√§sidenten ernannt, die √ľbrigen gew√§hlt. Jede Provinz verf√ľgt √ľber ein Provinzparlament, deren Angeh√∂rige direkt vom jeweiligen Staatsvolk gew√§hlt werden. Die Regierungschefs der einzelnen Provinzen werden vom Pr√§sidenten ernannt. Im Zuge moderater Dezentralisierung wurde Madagaskar dar√ľber hinaus in 22 Regionen eingeteilt. Auch ihnen stehen vom Pr√§sidenten ernannte Chefs vor.

Politische Kultur

Menschenrechte

Laut Ausw√§rtigem Amt (Bundesrepublik) gab es bisher keine systematischen Menschenrechtsverletzungen, allerdings seien gewisse Menschenrechte in der von gro√üer Armut bestimmten und von b√ľrokratischen Schwierigkeiten gepr√§gten Alltagspraxis beeintr√§chtigt. Etwa ein Viertel der B√ľrger kann sein Wahlrecht nicht aus√ľben, da es nicht √ľber einen Personalausweis verf√ľgt. Die Todesstrafe wird verh√§ngt, aber seit der Unabh√§ngigkeit nicht vollstreckt. Kinderarbeit und Kinderprostitution stellen gravierende Probleme dar.

Amnesty International berichtete 2010, dass in Madagaskar die Sicherheitskr√§fte Menschen ohne rechtliche Grundlagen festnahmen und inhaftierten. Sie gingen demnach mit exzessiver Gewalt gegen Demonstranten vor und griffen Journalisten sowie f√ľhrende Mitglieder der Opposition t√§tlich an. Laut Amnesty International werden bei derartigen Menschenrechtsverletzungen die Verantwortlichen nur in Einzelf√§llen zur Rechenschaft gezogen. 2018 kritisierte AI weiterhin das Justizsystem wegen seiner schleppenden Gerichtsverfahren und √ľberf√ľllten Gef√§ngnisse.

Politischen Gegnern der Regierung wurde in der Vergangenheit immer wieder in unfairen Gerichtsverfahren der Prozess gemacht.

Meinungsfreiheit

Journalisten sind laut Amnesty International Schikanen und Einsch√ľchterungen ausgesetzt. Mindestens drei Radiosender wurden 2010 von der Regierung verboten. Am 6. Oktober 2010 schlossen Beamte des Kommunikationsministeriums den Radiosender Fototra. Der Sender geh√∂rte der Vorsitzenden der Gr√ľnen Partei, Saraha Georget Rabeharisoa. Sie wollte f√ľr das Pr√§sidentschaftsamt kandidieren.

Zehn Angestellte von Radio Fahazavàna, dem Radiosender der reformierten protestantischen Kirche in Madagaskar, wurden im Mai 2010 festgenommen und inhaftiert. Der Sender wurde vom Kommunikationsministerium geschlossen. Die Angestellten konnten das Gefängnis im September 2010 gegen Auflagen verlassen.

Frauenrechte

In l√§ndlichen Regionen haben Frauen h√§ufig ein h√∂heres Bildungsniveau als M√§nner und werden verst√§rkt zu Tr√§gern der landwirtschaftlichen Entwicklung. In Wirtschaft und Verwaltung sind Frauen in F√ľhrungspositionen in der Minderheit, auch wenn ihr Gesamtanteil an den Besch√§ftigten 40 Prozent betr√§gt. Im Parlament und in der Regierung sind Frauen stark unterrepr√§sentiert.

Willk√ľrliche Staatsgewalt

Im April 2010 wurde laut Amnesty International an der Université d’Antananarivo (Provinz Antsiranana) mindestens ein Student während einer Demonstration von einem Angehörigen der Sicherheitsorgane erschossen. Eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls fand nicht statt.

Politische Gegner der √úbergangsregierung und Anh√§nger des ehemaligen Pr√§sidenten Marc Ravalomanana wurden 2010 von den Sicherheitskr√§ften willk√ľrlich festgenommen und inhaftiert. 2010 begannen 18 H√§ftlinge einen Hungerstreik.

Immer wieder kam es zu willk√ľrlichen Inhaftierungen von Gegnern der √úbergangsregierung. So wurden der fr√ľhere Leiter der Sicherheitsabteilung am Verfassungsgericht von Madagaskar, Ralitera Andriamalala Andrianandraina, sowie mehrere Oppositionsmitglieder inhaftiert.

Außenpolitik

Bis zur so genannten sozialistischen Revolution 1975 unterhielt Madagaskar ausschließlich Beziehungen zur westlichen Welt, öffnete sich dann aber beiden Seiten. Die Volksrepublik China und die Sowjetunion eröffneten daraufhin Botschaften in Madagaskar.

Die Beziehungen zum Westen nahmen dadurch Schaden und normalisierten sich erst nach einigen Jahren wieder v√∂llig. Besonders Frankreich hat gro√ües Interesse an der ehemaligen Kolonie. Nach dem Ende des Kalten Krieges verlor Russland das Interesse am Inselstaat, China leistete dagegen weiterhin Entwicklungshilfe; es erhielt die Einwanderungsgenehmigung f√ľr 20.000 chinesische B√ľrger im Gegenzug f√ľr den Bau des Sportpalastes.

Das Land unterh√§lt gute Beziehungen zu Deutschland, das vor allem √ľber die Gesellschaft f√ľr Internationale Zusammenarbeit Entwicklungshilfe leistet.

Militär

Madagaskar gab 2017 knapp 0,6 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 67 Millionen US-Dollar f√ľr seine Streitkr√§fte aus.

Verwaltungsgliederung

Madagaskar ist in 22 Regionen aufgeteilt, die wiederum in 119 fivondronana (Kreise) gegliedert sind. Die unterste Verwaltungsebene bilden die Kommunen. Die fokontany (Stadtteile oder Dörfer) haben eine Selbstverwaltung.

Am 4. April 2007 lie√ü Ravalomanana ein Referendum √ľber eine √Ąnderung der Verfassung abhalten, das eine neue Verwaltungsgliederung ohne Provinzen (faritany mizakatena) ab Oktober 2009 festlegte.

Regionen

Städte

2016 lebten 35,7 % der Bevölkerung in Städten oder städtischen Räumen. Die größten Städte in Madagaskar sind Mitte 2014:

  1. Antananarivo, 1.334.300 Einwohner
  2. Toamasina, 282.100 Einwohner
  3. Antsirabe, 244.900 Einwohner
  4. Mahajanga, 226.600 Einwohner
  5. Fianarantsoa, 195.500 Einwohner

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaftsstruktur

Allgemein

Die Wirtschaft Madagaskars tr√§gt typische Z√ľge eines Entwicklungslandes. Laut dem Internationalen W√§hrungsfonds betrug das Bruttoinlandsprodukt im Jahre 2012 unter Ber√ľcksichtigung der Kaufkraftparit√§t 21,26 Milliarden US-Dollar, das entspricht 949 US-Dollar pro Einwohner. Madagaskar z√§hlt damit nach wie vor zu den √§rmsten L√§ndern der Welt: Noch 2003 belief sich der Anteil der Bev√∂lkerung mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag auf 49¬†%. Aufgrund des hohen Bev√∂lkerungswachstums bei gleichzeitig schwachem Wirtschaftswachstum sank das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von der Unabh√§ngigkeit 1960 bis zum Jahr 2014 um 42¬†%. Der Gini-Koeffizient lag 2004 bei 0,48, was eine relativ hohe Einkommensungleichverteilung reflektiert. Die Weltbank bewilligte im Februar 2016 f√ľr 3 Jahre j√§hrliche Hilfen von 260 Millionen US-Dollar.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Madagaskar Platz 128 von 138 L√§ndern (Stand 2016/17). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit liegt das Land 2017 auf Platz 113 von 180 L√§ndern.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (Kaufkraftparität) angeben. Im Jahre 2006 wurde Madagaskar ein großer Teil der Staatsschulden erlassen.

Außenhandel

Die Hauptexportprodukte sind Kaffee, Fischereiprodukte, Vanille, Gew√ľrznelken und Zucker sowie Bergbauprodukte, darunter vor allem Nickel, Ilmenitsande und Graphit. Importiert werden Nahrungsmittel, Investitionsg√ľter, Konsumg√ľter und Erd√∂l. 2015 wurden Waren f√ľr 2,3 Mrd. US-Dollar exportiert und 3,2 Mrd. US-Dollar importiert.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 (gesch√§tzt) Ausgaben von umgerechnet 1,616¬†Milliarden US-Dollar; dem standen Einnahmen von umgerechnet 1,171¬†Milliarden US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergab sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Die Staatsverschuldung betrug 2003 4,8 Milliarden US-Dollar oder 88,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, seitdem wurden dem Land Teile der Staatsschulden erlassen. 2016 lag die Verschuldung bei 42,3 % der Wirtschaftsleistung.

Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) an den folgenden Bereichen (Jahr in Klammern):

  • Gesundheit: 3,2¬†% (2006)
  • Bildung: 2,1¬†% (2013)
  • Milit√§r: 0,69¬†% (2012)

Verkehr

Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die Qualität der Infrastruktur misst, belegte Madagaskar 2018 den 128. Platz unter 160 Ländern.

Straßenverkehr

Der gr√∂√üte Teil des Verkehrs auf Madagaskar wird √ľber das 49.638¬†Kilometer lange Stra√üennetz abgewickelt, von dem 5289¬†Kilometer asphaltiert sind. Innerhalb der St√§dte wird dabei h√§ufig auf mensch- oder tierbetriebene Fahrzeuge zur√ľckgegriffen. Die wichtigsten √úberlandrouten sind die meistbefahrene Route Nationale 1, die von Antananarivo √ľber Analavory nach Tsiroanomandidy verl√§uft, die aus wirtschaftlicher Sicht bedeutendste Route Nationale 2, die die Hauptstadt mit dem Hafen von Toamasina verbindet, sowie die Route Nationale 4 zwischen Antananarivo und Mahajanga.

Schienenverkehr

Der Schienenverkehr auf Madagaskar wurde lange von der staatlichen R√©seau national des chemins de fer malagasy betrieben, im Zuge einer Privatisierung wurde der Eisenbahnverkehr jedoch 2003 f√ľr 25 Jahre an Madarail konzessioniert. Das insgesamt 1030¬†Kilometer lange Streckennetz besteht aus zwei Einheiten, von denen die zwischen 1901 und 1913 erbaute Tananarive-C√īte-Est-Linie (T.C.E.) die Hauptstadt mit dem Ostk√ľstenhafen Toamasina verbindet, w√§hrend die Fianarantsoa-C√īte-Est-Linie (F.C.E.) die Betsileo-Kapitale im Hochland mit der Hafenstadt Manakara verbindet. Die zwischen 1926 und 1936 errichtete T.C.E. verf√ľgt √ľber zwei Stichstrecken von Antananarivo nach Antsirabe und zwischen Moramanga und Lac Alaotra; vier der acht wichtigsten St√§dte sind somit an das kleine Eisenbahnnetz angeschlossen.

Wasserverkehr

Mit Abstand wichtigster Seehafen ist Toamasina, in dem 2005 68 Prozent des madagassischen Schiffsg√ľterverkehrs verladen wurde. Die inl√§ndischen Wasserwege sind aufgrund ihrer nat√ľrlichen Beschaffenheit oft nur f√ľr Kanus geeignet und sind deshalb, mit Ausnahme des Betsiboka, der auf einer L√§nge von 80¬†Kilometer schiffbar ist, nur von untergeordneter und lokaler Bedeutung.

Luftverkehr

Aufgrund der oft schlechten Stra√üenzust√§nde war der innermadagassische Flugverkehr bereits in den 1950er-Jahren von gro√üer Bedeutung; 58 der insgesamt etwa 400 Flugpl√§tze wurden zu jener Zeit mit Linienfl√ľgen bedient. Heute fliegt der staatlich betriebene innermadagassische Monopolist Air Madagascar 40 madagassische Flugziele an. Am Luftfahrt-Drehkreuz der Fluggesellschaft, dem internationalen Flughafen Antananarivo, der die Hauptstadt unter anderem mit Paris, Johannesburg und Bangkok verbindet, wurde 2006 mit 682.704 Passagieren etwas √ľber die H√§lfte des Passagierverkehrs abgewickelt. 2015 wurde der madagassische Luftverkehr liberalisiert; in der Folge √ľbernahm die neugegr√ľndete Fluggesellschaft Madagasikara Airways ab November 2015 innermadagassische Fl√ľge.

Telekommunikation

Madagaskars Telekommunikationsnetz ist r√ľckst√§ndig. Fortschritte in der Mobilfunktechnologie haben dazu gef√ľhrt, dass es 2012 39,38 Mobiltelefonanschl√ľsse pro 100 Einwohner gab. 2016 nutzten 4,2¬†% der Bev√∂lkerung das Internet.

Medien

Pressefreiheit

Bei der Rangliste der Pressefreiheit 2017, welche von Reporter ohne Grenzen herausgegeben wird, belegte Madagaskar Platz 57 von 180 L√§ndern. Bei der Situation der Pressefreiheit im Land gibt es laut der Nichtregierungsorganisation ‚Äěerkennbare Probleme‚Äú, sie geh√∂rt jedoch im innerafrikanischen Vergleich noch zu den besseren.

Printmedien

Die Zeitungsleserquote ist mit etwa drei Tageszeitungen pro 1000 Einwohner eher gering. 1992 erschienen vier französischsprachige Tageszeitungen, von denen Midi Madagasikara mit 25.000 täglichen Exemplaren die auflagenstärkste war. La Gazette de la Grande Ile 15.000, Madagascar Tribune erzielte eine Auflage von 12.000, L’Express de Madagascar 7.000 und Maresaka 5.000; die auf Malagasy erscheinenden Basy Vava, Imongo und Vaovao erzielten zusammen eine Auflage von 10.000.

Rundfunk

Radio

Auf der Insel gibt es zahlreiche privat betriebene Rundfunkstationen, die auch als Livestream zu empfangen sind. Daneben werden auch Kurzwellensender teilweise von religi√∂sen Gemeinschaften, so zum Beispiel die Madagascar World Voice der Radiomissionsgesellschaft World Christian Broadcasting (WCB), aber auch der staatliche Inlandsdienst Radio Nasionalny Malagasy betrieben. √úber letztere Einrichtung werden auch Relaissendungen u.¬†a. f√ľr das Adventist World Radio, den BBC World Service und die Deutsche Welle in Swahili ausgestrahlt.

Fernsehen

Durchschnittlich besitzt etwa jeder 25. Madagasse einen Fernseher, während ungefähr 12 Radios pro 100 Einwohner in Gebrauch sind.

Kultur

Sport

In Madagaskar gibt es mehrere traditionelle Sport- und Entspannungsm√∂glichkeiten. Moraingy, eine Art Kampfkunst, ist vor allem in den K√ľstengebieten beliebt. Es wird vor allem von M√§nnern ausgef√ľhrt, in den letzten Jahren nehmen jedoch auch zunehmend Frauen teil. Wrestling mit Zebus, tolon-omby, wird ebenfalls in mehreren Gebieten ausgef√ľhrt. Es werden auch mehrere Spiele gespielt, unter anderem fanorona, ein Brettspiel, das vor allem im Hochland beliebt ist.

In den letzten zwei Jahrhunderten etablierten sich auch westliche Entspannungsm√∂glichkeiten in Madagaskar. Rugby Union gilt als Nationalsport des Inselstaates und gelangte w√§hrend der franz√∂sischen Kolonialzeit mit Eisenbahningenieuren, die in der Hauptstadt Antananarivo arbeiteten und dort Rugby spielten, auf den Inselstaat. Der madagassischen Nationalmannschaft gelang jedoch noch nicht die Qualifikation f√ľr eine Rugby-Union-Weltmeisterschaft. Madagaskar ist einer der regelm√§√üigen Teilnehmer bei der Rugby-Union-Afrikameisterschaft und trifft dort auf andere aufstrebende Nationalmannschaften. Fu√üball ist in Madagaskar ebenfalls beliebt und Madagaskar brachte bereits einen Weltmeister im p√©tanque hervor, ein aus Frankreich stammendes Spiel, das dem Rollball √§hnelt und vor allem in st√§dtischen Gebieten Madagaskars und dem Hochland gespielt wird. Zum Schulsport geh√∂ren f√ľr gew√∂hnlich Fu√üball, Leichtathletik, Judo, Boxen, Frauenkorfball und Frauentennis. Madagaskar nahm 1964 erstmals an Olympischen Spielen teil und ist auch bei den Afrikaspielen regelm√§√üig vertreten. Das Pfadfindertum ist ebenfalls beliebt, und die drei Pfadfindervereine z√§hlten 2011 insgesamt 14.905 Mitglieder.

Dank der guten Sportinfrastruktur wurden bereits mehrere Basketball-Afrikameisterschaften in Antananarivo ausgetragen.

Literatur

  • Mervyn Brown: A History of Madagascar. Wiener, Princeton 2002, ISBN 1-55876-292-2.¬†
  • Wolfgang D√§rr, Klaus Heimer: Madagaskar. 7. Auflage. Reise Know-How Verlag, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8317-2060-6 (umfassendes Reisehandbuch f√ľr Individual- und organisiert Reisende).¬†
  • Mark Eveleigh: Madagaskar ‚Äď der sechste Kontinent. Goldmann, M√ľnchen 2003, ISBN 3-442-71192-4 (zu Fu√ü von der Nord- zur S√ľdk√ľste durch den Westteil Madagaskars).¬†
  • Michael Flach, Corina Haase: Madagasikara. Insel meiner Tr√§ume. Cuno, Calbe (Saale) 2007, ISBN 978-3-935971-40-9 (umfangreicher Bildband).¬†
  • Steven M. Goodman, Jonathan P. Benstead: The Natural History of Madagascar. University of Chicago Press, Chicago 2003, ISBN 0-226-30307-1.¬†
  • Gabriel Gravier: La cartographie de Madagascar. Martino, Mansfield Centre 2002, ISBN 1-57898-400-9 (Nachdruck der Ausgabe Rouen & Paris 1896).¬†
  • Franz Stadelmann, Ellen Spinnler (Fotos): Madagaskar. Tropenwunder im Indischen Ozean. Text-Bildband. St√ľrtz, W√ľrzburg 2016, ISBN 978-3-8003-4860-2
  • Pierre Verin: Madagaskar. Leipziger Universit√§tsverlag, Leipzig 2005, ISBN 3-86583-022-6.¬†

Weblinks

  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Madagaskar

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (0)

Abk Name O
MG.AV Antananarivo  
MG.AS Antsiranana  
MG.FI Fianarantsoa  
MG.MA Mahajanga  
MG.TM Toamasina  
MG.TL Toliary  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Madagascar

Name englisch: Madagascar
Hauptstadt: Antananarivo
Kfz: RM
ISO: MG
ISO3: MDG
Fläche: 587040 km²
Tld: .mg
Wärung Einheit: MGA
Währung: Ariary
Vorwahl: 261

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: -11.9519639
südlichster Punkt: -25.6065717
westlichster Punkt: 43.1851395
östlichster Punkt: 50.4837799


 
Madagaskar: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Madagaskar. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

Twitter twitter.com/deinebergede Instagram instagram.com/deineberge.de Facebook facebook.com/DeineBerge Frage Kontakt Fragen, Fehler, Lob, Kritik?
Schreib uns eine Nachricht.