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Staat Informationen : Somalia

Informationen:


Somalia (Somali Soomaaliya; italienisch Somalia, arabisch Ű§Ù„Ű”ÙˆÙ…Ű§Ù„, DMG aáčŁ-áčąĆ«māl) bzw. Bundesrepublik Somalia (Vollform des Staatsnamens seit 2012) bezeichnet einen föderalen Staat im Ă€ußersten Osten Afrikas am Horn von Afrika. Der Name ist vom Volk der Somali abgeleitet, das die Bevölkerungsmehrheit bildet und auch in den NachbarlĂ€ndern ansĂ€ssig ist. Der Staat entstand aus dem Zusammenschluss der Kolonialgebiete Britisch- und Italienisch-Somaliland, die 1960 („Afrikanisches Jahr“) gemeinsam unabhĂ€ngig wurden. Das Staatsgebiet grenzt an den Indischen Ozean im Osten, den Golf von Aden, sowie den international nicht anerkannten De-Facto-Staat Somaliland, im Norden, Dschibuti und Äthiopien im Westen und Kenia im SĂŒden.

Somalia gilt als Ă€ußerst fragiler und unentwickelter Staat, sowohl im Bezug auf die politische als auch die wirtschaftliche Entwicklung. Nach dem Sturz der autoritĂ€ren Regierung unter Siad Barre 1991 existierte aufgrund des noch andauernden BĂŒrgerkrieges mehr als 20 Jahre lang keine funktionierende Zentralregierung mehr. Die ab dem Jahr 2000 unter dem Schutz der internationalen Staatengemeinschaft gebildeten Übergangsregierungen blieben weitgehend erfolglos; sie vermochten zeitweise kaum die Hauptstadt unter ihrer Kontrolle zu halten. Weite Teile des Landes fielen in die HĂ€nde lokaler Clans, Warlords, radikal-islamistischer Gruppen oder Piraten. Auf dem Staatsgebiet bildeten sich regionale De-facto-Regimes. Von diesen Regimes entschied sich jedoch nur Somaliland im Nordwesten fĂŒr die GrĂŒndung einer eigenstĂ€ndigen neuen Nation. Die ĂŒbrigen beanspruchten zwar Autonomie als selbstverwaltete Teilstaaten, gaben die Idee des gemeinsamen somalischen Staates aber nicht auf.

Seit Inkrafttreten der neuen Verfassung am 1. August 2012 beteiligt sich eine Mehrheit der regionalen Regimes als Bundesstaaten am Wiederaufbau einer gemeinsamen Verwaltung. Erfolge gegen die radikal-islamistischen Milizen im Jahr 2012 ermöglichten es, im August 2012 erstmals auch wieder eine gemeinsame somalische Regierung zu wĂ€hlen. Weiterhin unklar ist der Status von Somaliland, welches von Somalia als Gliedstaat betrachtet wird, obwohl es sich weiterhin um internationale Anerkennung als von Somalia unabhĂ€ngiger Nachbarstaat bemĂŒht und das in einen noch ungelösten Grenzstreit mit Puntland verwickelt ist. Einige Regionen in der Mitte und im SĂŒden Somalias wurden auch im Jahr 2019 noch von al-Shabaab beherrscht.

Geographie

Somalia liegt im Osten des afrikanischen Kontinents, am Horn von Afrika auf der Somali-Halbinsel. Der nördliche Teil des Landes ist grĂ¶ĂŸtenteils bergig und liegt im Somali-Hochland durchschnittlich 900 bis 2100 m ĂŒber dem Meeresspiegel; der höchste Berg ist der Shimbiris (2460 m). Nach SĂŒden hin erstreckt sich ein Flachland mit einer durchschnittlichen Höhe von 180 m. Die FlĂŒsse Jubba und Shabeelle entspringen in Äthiopien und fließen durch den SĂŒden Somalias und damit durch die Somali-WĂŒste in den Indischen Ozean.

Somalia wird durch Monsunwinde, ein ganzjĂ€hrig heißes Klima, unregelmĂ€ĂŸige RegenfĂ€lle und stetig wiederkehrende Trockenperioden beeinflusst. Außer in den Berg- und KĂŒstenregionen liegt die durchschnittliche Maximaltemperatur am Tag zwischen 30 und 40 °C. Der sĂŒdwestliche Monsun sorgt in der Gegend um Mogadischu in den Monaten von Mai bis Oktober fĂŒr ein relativ mildes Klima. Zwischen Dezember und Februar bringt der nordöstliche Monsun ein Ă€hnliches mildes Klima. In der sogenannten Tangambili-Periode zwischen den beiden Monsunen (Oktober bis November und MĂ€rz bis Mai) ist es heiß und feucht.

Umwelt

Erosion und die Ausbreitung der WĂŒste sind die wesentlichen Umweltprobleme Somalias. Ursachen sind Überweidung und die Abholzung der verbleibenden WĂ€lder, da Holz die Hauptenergiequelle des Landes ist und seit Ausbruch des BĂŒrgerkrieges in grĂ¶ĂŸerem Umfang Holzkohle in die Staaten der Arabischen Halbinsel exportiert wird.

Die Mangrovengebiete zwischen Kismaayo und der kenianischen Grenze im SĂŒden des Landes und die Korallenriffe am Golf von Aden und nahe Kenia sind ebenfalls von Bodendegradation und SchĂ€digung betroffen.

In Abwesenheit einer wirksamen KĂŒstenwache wird vor der KĂŒste des Landes illegale AtommĂŒll- und GiftmĂŒllentsorgung (Verklappung) betrieben, und auslĂ€ndische Fangflotten ĂŒberfischen unkontrolliert die GewĂ€sser.

Bevölkerung

Die Einwohner Somalias heißen Somalier (der Somalier, die Somalierin). Gelegentlich wird auch unprĂ€zise die Bezeichnung Somali verwendet, die jedoch nur die ethnischen Somali einschließt, also die Nicht-Somali-Minderheiten im Land nicht umfasst.

Die letzte VolkszĂ€hlung, deren Ergebnisse veröffentlicht wurden, gab es 1975. Die UNFPA hat im Jahr 2014 eine Studie veröffentlicht, in der mit Hilfe von Umfragen und Satellitenaufnahmen eine Gesamtbevölkerung von ĂŒber 12,3 Millionen ermittelt wurde. 2019 hatte Somalia laut Berechnungen der UN 15,4 Mio. Einwohner. Die FertilitĂ€tsrate lag bei einem im weltweiten Vergleich sehr hohen Wert von 6 Kindern pro Frau, wenngleich Ende der 1990er-Jahre noch etwa 7,5 Kinder pro Frau geboren wurden. FĂŒr das Jahr 2050 wird laut der mittleren Bevölkerungsprognose der UN mit einer Bevölkerung von ĂŒber 35 Millionen gerechnet, was einen starken Druck auf die begrenzten Ressourcen des Landes ausĂŒben wird.

Heute leben ca. 25 Prozent aller Somalier teilweise oder vollstĂ€ndig als Nomaden. 22 Prozent der Menschen leben als Bauern, die sich in der fruchtbarsten Region des Landes zwischen den FlĂŒssen Shabeelle und Jubba niedergelassen haben. Der grĂ¶ĂŸte Teil der Bevölkerung (42 Prozent) lebt in stĂ€dtischen Gebieten. Es sind immer noch ĂŒber eine Million Menschen (9 Prozent der Gesamtbevölkerung) in Somalia auf der Flucht und leben ĂŒberwiegend in 107 FlĂŒchtlingscamps.

Ethnien

Somalia galt lange als eines der ethnisch homogensten LĂ€nder und als einer der wenigen „Nationalstaaten“ Afrikas, da die große Mehrheit der Bevölkerung zum Volk der Somali gehört. Dieses Bild hat sich gewandelt, seit im BĂŒrgerkrieg die Differenzen zwischen den verschiedenen Clans der Somali sowie zwischen Somali und ethnischen Minderheiten vor allem in SĂŒdsomalia deutlicher wurden.

Somali-Clans

Die anteilmĂ€ĂŸig bei weitem bedeutendste Ethnie sind die Somali, deren Siedlungsgebiet sich auch auf Ost-Äthiopien (Somali-Region), Dschibuti und Nordost-Kenia erstreckt und die nach heutiger Kenntnis von kuschitisch-afrikanischer und teilweise arabisch-persischer Abstammung sind.

Von großer Bedeutung fĂŒr Gesellschaft und Politik Somalias ist das Clansystem der Somali, das wahrscheinlich von der Stammesgesellschaft der Araber beeinflusst wurde. Jeder Somali gehört ĂŒber seine vĂ€terliche Abstammungslinie einem Stamm oder Clan an. Die fĂŒnf großen Clanfamilien (qabiil) sind:

  • Darod
  • Dir
  • Hawiya
  • Isaaq
  • Rahanweyn (bzw. Digil-Mirifle).

Dabei gelten die traditionell nomadisch lebenden Dir, Darod, Isaaq und Hawiya als „echte Somali“ oder Samaal, wĂ€hrend die sesshaft-bĂ€uerlichen Rahanweyn als „unechte Somali“ oder als Sab bezeichnet werden. Sie gelten, ebenso wie diverse ethnische Minderheiten, aus Sicht eines Teils der Samaal als nicht gleichberechtigt und unterliegen traditionell einer gesellschaftlichen Benachteiligung.

Jede dieser Clanfamilien zerfĂ€llt in eine große Zahl Subclans und „Geschlechter“ (Somali: reer, was „Leute aus“, „Nachkommen von“ bedeutet). Diese umfassen jeweils einige Hundert bis Tausend MĂ€nner, die das fĂŒr Verbrechen fĂ€llige Blutgeld (diya, mag) gemeinsam bezahlen bzw. erhalten. Dieses System verschafft dem einzelnen Somali traditionell Schutz fĂŒr Leben und Eigentum, fĂŒhrt jedoch auch zu Blutfehden, die sich nicht nur auf einzelne Verbrechen beziehen, sondern auch Auseinandersetzungen um Wasser- und Weiderechte und um die politische Macht umfassen.

Minderheiten

Nicht-Somali-Minderheiten machen etwa 15 % der Bevölkerung aus. Zu diesen gehören verschiedene schwarzafrikanische Volksgruppen in SĂŒdsomalia, die von den Somali zusammenfassend als Jarer („harthaarig“ oder „kraushaarig“) bezeichnet werden. Ein Teil von diesen stammt von Sklaven ab, die im 19. Jahrhundert durch den ostafrikanischen Sklavenhandel aus Tansania, Malawi, Mosambik und Kenia nach Somalia gebracht wurden und sich nach ihrer Flucht oder Freilassung grĂ¶ĂŸtenteils im Tal des Jubba niederließen. Sie sind seit den 1990er-Jahren als Somalische Bantu bekannt. FĂŒr andere Jarer-Gruppen wie etwa die Shidle gilt die Herkunft bis heute als ungeklĂ€rt; möglicherweise stammen sie von einer Bevölkerung vor den Somali ab.

Weitere Minderheiten sind Angehörige der Swahili-Gesellschaft und Gruppen von gemischter Herkunft an der KĂŒste (z. B. Bajuni, Brawanesen, Benadiri/Reer Hamar), im ganzen Land verbreitete Gruppen wie die Yibir und Midgan, die auf bestimmte Berufe beschrĂ€nkt sind, sowie einige Tausend Araber und einige Hundert Inder und Pakistaner.

Sprachen

Hauptsprache Somalias ist das Somali (Eigenbezeichnung Af-ka Soomaali-ga) – eine ostkuschitische Sprache aus dem Sprachzweig der kuschitischen Sprachen und damit Teil der afroasiatischen Sprachfamilie –, das heute von etwa 12 Millionen Menschen in Somalia und angrenzenden Gebieten gesprochen wird. Die Sprache des Somali-Volkes wird in Somalia auch von allen Minderheiten verwendet.

Als Handels- und Bildungssprachen werden auch Arabisch und – als Erbe der Kolonialzeit – Italienisch und Englisch genutzt. Ein kleiner Teil der somalischen Bantu hat die Bantusprache Zigula beibehalten. An der KĂŒste sprechen kleine Minderheiten (die Bajuni in und um Kismaayo und die Brawanesen in Baraawe) Dialekte des Swahili.

Als einziger afrikanischer Staat neben Tansania entwickelte sich Somalia nach seiner UnabhĂ€ngigkeit weg vom Gebrauch der europĂ€ischen Kolonialsprachen. Somalische Nationalisten strebten nach einer Standardisierung und Verschriftung des Somali. Diese wurde 1972 unter Siad Barre verwirklicht und zur Amtssprache gemacht. Somali setzte sich daraufhin rasch in Verwaltung, Bildungswesen und Medien durch, wĂ€hrend Italienisch, Englisch und Arabisch entsprechend an Bedeutung verloren. Als Basis fĂŒr das Standard-Somali diente die vor allem im Norden gesprochene Variante Maha Tiri (Maxaa Tiri); die andere Hauptvariante ist das im SĂŒden verbreitete Maay, daneben gibt es weitere Dialekte.

Die somalische Übergangsverfassung von 2004 legt als offizielle Sprachen Somali (Maay und Maha Tiri) und Arabisch fest. Italienisch und Englisch haben einen Status als SekundĂ€rsprachen.

Religion

Die Bevölkerung Somalias gehört zu fast 100 % dem sunnitischen Zweig des Islam an. Davon sind etwa 80 % Schafiiten und 20 % Hanafiten. Die einzigen Nicht-Muslime in Somalia sind einige hundert Christen, die fast sĂ€mtlich auslĂ€ndischer Herkunft sind. Die wenigen christlichen Somalier gehören der Ă€thiopisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche an. Einzelne Missionierungsversuche und der Bau einer Kathedrale von Mogadischu mit angeschlossenem katholischem Kloster in der Kolonialzeit blieben ohne grĂ¶ĂŸere Wirkung. Beide wurden wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs zerstört. Damit löste sich auch das römisch-katholische Bistum Mogadischu faktisch auf. Der letzte Bischof war bereits 1989 in der Kathedrale erschossen worden.

Die traditionelle AusĂŒbung des Islam in Somalia ist in den Dörfern und unter Nomaden eher gemĂ€ĂŸigt und vermischt mit dem Gewohnheitsrecht der Clans. Dort sind die durch missionierende Scheichs verschiedener Sufi-Orden im 19. Jahrhundert verbreiteten Glaubenschulen im Alltag prĂ€sent. Die Ă€lteste und grĂ¶ĂŸte dieser Bruderschaften ist die Qadiriyya, gefolgt von der Salihiyya im Norden. Kleinere Gruppen sind die Dandarawiyya, der Ende des 19. Jahrhunderts von Muhammad ibn Ahmad al-Dandarawi gegrĂŒndete, am weitesten verbreitete Zweig der Idrisiyya, und die Rifaiyya, ein Ableger der Qadiriyya, der unter arabischen Einwanderern in Mogadischu populĂ€r ist. Seit den 1970er-Jahren gibt es vor allem in den StĂ€dten radikale wahhabitische Strömungen, die wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs ebenso wie die Religion insgesamt an Bedeutung gewonnen haben.

Seit Ausbruch des BĂŒrgerkrieges gehören islamische Einrichtungen zu den wenigen Institutionen, die Bildung, medizinische Versorgung oder auch Rechtsprechung anbieten. Auf die Lage der Frauen wirkt sich der wachsende Einfluss des Islam unterschiedlich aus: Das islamische Recht bringt ihnen gegenĂŒber dem Gewohnheitsrecht gewisse erbrechtliche Verbesserungen, und einige Geistliche sprechen sich heute auch gegen die weit verbreitete MĂ€dchenbeschneidung aus; andererseits werden Frauen zunehmend gedrĂ€ngt, sich stĂ€rker zu verhĂŒllen oder ganz aus dem öffentlichen Raum zurĂŒckzuziehen. Al-Shabaab setzt in SĂŒd- und Zentralsomalia eine strenge Auslegung der Schari’a durch. Sie hat auch Verbindungen zu al-Qaida und hat Dschihadisten aus dem Ausland in ihren Reihen.

Die Verfassung der Übergangsregierung bestimmt den Islam als offizielle Religion der Republik Somalia und legt fest, dass die Gesetzgebung auf der Schari’a basieren soll. Auch die Verfassung des einseitig fĂŒr unabhĂ€ngig erklĂ€rten Somaliland erklĂ€rt den Islam zur Religion der Nation und verbietet das „Propagieren“ – darunter fĂ€llt bereits die öffentliche AusĂŒbung – anderer Religionen in Somaliland. Der Abfall vom Islam wird mit drakonischen Strafen, u. a. durch Auspeitschung bestraft.

Soziale Lage

Bildung

Nach den SchÀtzungen der UNESCO gingen 2007 nur rund ein Viertel der Kinder zur Schule. Aktuelle Quellen gehen von 30 bis 40 % aus. Unterricht findet heute in Abwesenheit eines offiziellen Bildungssystems hauptsÀchlich in Koranschulen und privaten Einrichtungen statt. Im faktisch autonomen Somaliland wurde das Bildungswesen seit der UnabhÀngigkeitserklÀrung ausgebaut.

2001 lag die Alphabetisierungsquote laut HDI bei 37,8 %. Rund die HĂ€lfte der MĂ€nner kann lesen und schreiben, aber nur rund ein Viertel der Frauen. Neuere Zahlen sind nicht verfĂŒgbar.

Gesundheit

MangelernĂ€hrung und Infektionskrankheiten sind verbreitet. 70 % der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Die MĂŒttersterblichkeit liegt bei 12 von 1000 Geburten. Die SĂ€uglingssterblichkeit und die Kindersterblichkeit sind hoch: Vor dem 1. Geburtstag sterben 67 und vor dem 5. Geburtstag 112 von 1000 lebend geborenen Kindern. Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt lag 2019 bei 57,5 Jahren.

Der Anteil von HIV-Infizierten wird auf 0,5 % geschĂ€tzt und ist damit im afrikanischen Vergleich sehr niedrig. BegrĂŒndet wird dies mit der islamischen Religion und damit, dass seit Kriegsausbruch verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig wenige Menschen von außen in das Land kamen. Das Wissen um Übertragungswege und PrĂ€vention von HIV/Aids ist kaum verbreitet.

2008 vermeldete die Weltgesundheitsorganisation, dass durch großangelegte Impfkampagnen das KinderlĂ€hmung verursachende Poliovirus in Somalia ausgerottet worden sei. Das Land war bereits 2002 poliofrei geworden, doch war das Virus zwischenzeitlich aus Nigeria wieder eingeschleppt worden.

Auf der anderen Seite gibt es auch Berichte ĂŒber einen starken Anstieg von Fehl- und Missbildungen bei Neugeborenen und kleinen Kindern. Bei der Suche nach Ursachen wird ein Zusammenhang mit der illegalen Verklappung von Atom- und GiftmĂŒll vor der KĂŒste angenommen. Aber die diagnostischen Möglichkeiten der KrankenhĂ€user reichen zu einer Ermittlung der Ursachen nicht aus, und die weiterhin politisch unsichere Lage, vor allem in von islamistischen al-Shabaab-Milizen kontrollierten KĂŒstengebieten, erlaubt keine nĂ€here Untersuchung bereits angespĂŒlter FĂ€sser auf einen radioaktiven oder giftigen Inhalt.

Hungerkrisen ab 2011

Die internationale Staatengemeinschaft hatte sich in kurzzeitige Interventionsmaßnahmen – gegen die Terroristen und die Piraten – verrannt und interveniert nun gegen den Hunger, ohne ein wirkliches Konzept zu haben. Mitte 2011 waren mehr als drei Millionen Menschen und damit mindestens ein Drittel der Bevölkerung Somalias auf humanitĂ€re Hilfe angewiesen. Die Notlage betrifft allerdings nur SĂŒdsomalia. Hier fielen der Krieg zwischen den islamistischen al-Shabaab-Milizen einerseits und der Übergangsregierung und den Truppen der AMISOM andererseits ab Anfang 2011 mit dem Höhepunkt einer DĂŒrre zusammen. Viele internationale Hilfsorganisationen hatten Somalia aufgrund der anhaltenden Unsicherheit schon lĂ€nger verlassen. Andere waren, wie das WelternĂ€hrungsprogramm (WFP), von den Islamisten aus den von ihnen kontrollierten Gebieten hinausgedrĂ€ngt worden. Al-Shabaab warf dem WFP vor, die UmsĂ€tze der somalischen Bauern zu drĂŒcken und Hilfe an Forderungen westlicher Politik zu binden. TatsĂ€chlich leisteten die USA ab 2009 ihre BeitrĂ€ge fĂŒr Hilfsorganisationen nur noch, wenn sichergestellt war, dass Leistungen nicht den „Terroristen“ zugutekommen. Krieg, Fanatismus und ausbleibender Regen fĂŒhrten zu einer Hungerkatastrophe, die viele Somalier das Leben kostete oder zu FlĂŒchtlingen im benachbarten Kenia machte. Die Lage im weitgehend friedlichen Nordsomalia, wo mit Somaliland und Puntland zwei de facto autonome Staatsgebilde bestehen, ist weit weniger dramatisch.

Einem Bericht der FAO zufolge starben zwischen Oktober 2010 und April 2012 258.000 Menschen an den Folgen der Nahrungsmittelknappheit im Land.

Eine weitere schwere Hungersnot folgte im Zuge der DĂŒrrekatastrophe im sĂŒdlichen Afrika und in Ostafrika ab 2015. Im Mai 2017 kam es zur London Somalia Conference von Vertretern zahlreicher Staaten und Organisationen in London, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Dabei wurde auch die Sicherheitslage in Somalia diskutiert und Schritte zu einer StĂ€rkung der nationalen SicherheitskrĂ€fte initiiert.

FlĂŒchtlinge

Somalia ist eines der LĂ€nder mit der weltweit grĂ¶ĂŸten Bevölkerung an FlĂŒchtlingen und Binnenvertriebenen. 2016 gibt es ungefĂ€hr 977.000 somalische FlĂŒchtlinge, die sich bei der UNHCR registriert haben. 414.000 von ihnen sind nach Kenia geflohen: 327.000 davon sind in Dadaab, dem weltweit grĂ¶ĂŸten FlĂŒchtlingslager, 54.000 im Lager Kakuma und 32.000 leben in der Hauptstadt Nairobi. 215.000 somalische FlĂŒchtlinge sind nach Äthiopien geflohen und leben dort in fĂŒnf Lagern in der Dollo-Ado-Region. 235.000 somalische FlĂŒchtlinge gibt es auch in Jemen und sie sind dort in den Lagern Al-Kharaz and Al-Mazrak untergebracht, aber auch in StĂ€dten wie Aden, 'Amran, Al Mukalla and Sana'a. In Jemen ist die Situation Ă€hnlich der in Somalia, da das Land sich ebenfalls im BĂŒrgerkrieg befindet: 10 % der Bevölkerung von Jemen verloren ihr Haus und sind intern vertrieben und 80 % sind auf humanitĂ€re Hilfe angewiesen. 37.000 Somalier sind nach Uganda geflĂŒchtet.

ZusĂ€tzlich zu den außer Landes geflĂŒchteten gibt es 2020 noch 2,7 Millionen Binnenvertriebene (IDPs) innerhalb Somalias. GrĂŒnde fĂŒr die Flucht innerhalb des Landes sind DĂŒrre und Überschwemmungen, gewaltsame Konflikte und Terrorismus sowie Zwangsvertreibungen. Zumeist suchen die Betroffenen Schutz in urbanen Regionen und erhöhen dadurch den Druck auf ohnehin schon schwache Strukturen in den Bereichen Gesundheit und Wasser- und SanitĂ€rversorgung. Die Mehrheit von Binnenvertriebenen lebt in Zentral- und SĂŒdsomalia (893.000), in Puntland (129.000) und in Somaliland (84.000). Es wird angenommen, dass zwischen 70 und 80 % dieser Haushalte von Frauen gefĂŒhrt werden und dass 60 % der intern Vertriebenen Kinder sind. Binnenvertriebene Frauen werden hĂ€ufig Opfer sexueller Gewalt oder sind sogar darauf angewiesen, sich Hilfe durch Sex zu erkaufen; Kinder werden eventuell von Milizen zwangsrekrutiert, ethnische Minderheiten werden stark diskriminiert und ihnen wird hĂ€ufig jegliche UnterstĂŒtzung verweigert. Auch gelangen internationale Hilfslieferungen hĂ€ufig nicht zu denen, die sie benötigen, und verschwinden stattdessen in dunklen KanĂ€len.

Trotz allem ist Somalia aber auch ein Land, das selbst FlĂŒchtlinge aufnimmt: viele Äthiopier, die vor DĂŒrre und Verfolgung flohen, und viele FlĂŒchtlinge aus Jemen. HĂ€ufig zeigt sich, dass diese in Somalia unerwĂŒnscht sind. So ist es Somaliern verboten, ihnen Wohnraum anzubieten. Deshalb befinden sich viele von ihnen in den Lagern fĂŒr die intern vertriebenen Somalis; einige haben aber auch Fuß gefasst und GeschĂ€fte eröffnet.

Geschichte

Die Ă€ltesten bekannten Spuren von Menschen im heutigen Somalia wurden in Buur Heybe in SĂŒdsomalia gefunden. Es handelt sich um Skelette, die mit der Radiokohlenstoffdatierung auf bis zu 6000 v. Chr. datiert wurden. Höhlenmalereien in Laas Geel bei Hargeysa stammen aus der Zeit von 4000 bis 3000 v. Chr.

Die Vorfahren der Somali wanderten um 500 v. Chr. bis 100 n. Chr. aus dem sĂŒdlichen Ă€thiopischen Hochland ein und vermischten sich – insbesondere in den HandelsstĂ€dten an der KĂŒste, wie Zeila, Hobyo und Mogadischu – mit arabischen und persischen Einwanderern, welche ab dem 7. Jahrhundert auch den Islam einfĂŒhrten. Es entstanden muslimische Sultanate und Stadtstaaten. Im 16. Jahrhundert gerieten die StĂ€dte an der NordkĂŒste unter tĂŒrkische bzw. Ă€gyptische Herrschaft, jene an der sĂŒdlichen BenadirkĂŒste kamen im 17. Jahrhundert unter die Oberhoheit Omans bzw. im 19. Jahrhundert Sansibars.

Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr das von Somali bewohnte Gebiet seine bis heute nachwirkende Aufteilung. Der Norden des heutigen Somalia wurde von Großbritannien als Britisch-Somaliland, der SĂŒden und Osten als Italienisch-Somaliland von Italien kolonialisiert. Am 1. Juli 1960 wurden die beiden Kolonien gemeinsam als Somalia unabhĂ€ngig. Erster PrĂ€sident des Landes wurde Aden Abdullah Osman Daar, ihm folgte 1967 Abdirashid Ali Shermarke.

Das VerhĂ€ltnis zu den Nachbarstaaten war wegen der von Somalia gestellten GebietsansprĂŒche (siehe Groß-Somalia), insbesondere auf die heute Ă€thiopische Region Ogaden, gespannt. Auch innenpolitische Spannungen zwischen dem Norden und dem SĂŒden und Osten, zwischen Clans und Parteien bestanden weiter. 1969 wurde PrĂ€sident Shermarke von einem LeibwĂ€chter getötet, woraufhin pro-sowjetische MilitĂ€rs unter Siad Barre die Macht ĂŒbernahmen.

Barre lehnte sich zunĂ€chst an die Sowjetunion an, versuchte einen „wissenschaftlichen Sozialismus“ einzufĂŒhren und den traditionellen Einfluss der Clans einzuschrĂ€nken. 1977/78 fĂŒhrte er den Ogadenkrieg gegen Äthiopien, den Somalia verlor. Weil die Sowjetunion in diesem Krieg das gegnerische, kommunistische Derg-Regime Äthiopiens unterstĂŒtzte, wandte sich Siad Barre wirtschaftlich und politisch von der Sowjetunion ab und den USA zu. Im Inneren regierte er zusehends diktatorisch, verschiedene Clans waren Repressionen ausgesetzt. Mehrere Rebellengruppen begannen einen bewaffneten Kampf gegen die Barre-Regierung, was 1991 zu deren Sturz fĂŒhrte.

BĂŒrgerkrieg

Die siegreichen Rebellengruppen konnten sich jedoch nicht auf eine Nachfolgeregierung einigen. Der am Sturz Barres fĂŒhrend beteiligte Vereinte Somalische Kongress zerbrach infolge des Machtkampfes seiner FĂŒhrer Mohammed Farah Aidid und Ali Mahdi Mohammed. Somalia zerfiel in umkĂ€mpfte Machtbereiche von Clans und Warlords. Der Norden des Landes erklĂ€rte sich als Somaliland einseitig fĂŒr unabhĂ€ngig, ohne hierfĂŒr internationale Anerkennung zu erreichen.

FĂŒr die Bevölkerung hatten die KĂ€mpfe und PlĂŒnderungen eine Verschlechterung der Versorgungs- und Sicherheitslage bis hin zur Hungersnot im SĂŒden des Landes zur Folge. Ab 1992 sollte deshalb die UN-Mission UNOSOM unter US-amerikanischer FĂŒhrung die Lieferung von Nahrungsmittelhilfe sichern und den Frieden wiederherstellen. Nach den Ereignissen der „Schlacht von Mogadischu“ im Oktober 1993 zogen die USA jedoch ihre Truppen wieder aus dem Land ab. 1995 musste sich auch die UNOSOM II ohne Erfolg zurĂŒckziehen. Die Kampfhandlungen gingen weiter, wenn auch weniger intensiv. Im praktisch autonomen Somaliland blieb es seit 1996 weitgehend friedlich. Nach diesem Vorbild grĂŒndete der Harti-Darod-Clan in Nordostsomalia die autonome Region Puntland. Die Rahanweyn versuchten in SĂŒdwestsomalia ebenfalls, eine Regionalregierung zu etablieren, scheiterten jedoch, weil SĂŒdwestsomalia wie auch Jubaland umkĂ€mpft blieb. In der Hauptstadt Mogadischu bekĂ€mpften sich verschiedene Kriegsherren und Milizen der Hawiya.

2000 wurde nach Friedensverhandlungen in Dschibuti eine nationale Übergangsregierung (engl.: Transitional Federal Government, abgekĂŒrzt TFG) unter PrĂ€sident Abdiqasim Salad Hassan gebildet. Sie war den moderaten Islamisten in Somalia gegenĂŒber freundlich gesinnt, wurde aber von den mĂ€chtigen Warlords im Land abgelehnt. Die nationale Übergangsregierung konnte keine Macht in Somalia gewinnen und zerfiel 2003. Auf einer Friedenskonferenz in Kenia wurde 2004 eine neue föderale Übergangsregierung unter PrĂ€sident Abdullahi Yusuf Ahmed etabliert. Sie hatte nicht die UnterstĂŒtzung der Islamisten und der meisten Hawiya, die Mogadischu kontrollierten. Diese neue Übergangsregierung ließ sich daraufhin in Baidoa nordwestlich von Mogadischu nieder. Mitte 2006 eroberte die Union islamischer Gerichte Mogadischu und weite Landesteile von den bis dahin dort herrschenden Kriegsherren, setzte ein gewisses Maß an — unterschiedlich streng gehandhabter — Ordnung nach der Scharia durch und kĂ€mpfte an den Grenzen der beiden Machtbereiche gegen die Übergangsregierung.

Das benachbarte Äthiopien fĂŒhlte sich von der Union bedroht, da es eine islamistische Vereinnahmung seiner eigenen muslimischen Bevölkerung fĂŒrchtete und Teile der Union zum Dschihad zur Eroberung des heute Ă€thiopischen, mehrheitlich von Somali bewohnten Gebietes Ogaden aufgerufen hatten. Am 24. Dezember 2006 erklĂ€rte Äthiopien der Union offiziell den Krieg, marschierte in Somalia ein und konnte in wenigen Tagen die Union verdrĂ€ngen. Die Übergangsregierung versuchte sich mit militĂ€rischer UnterstĂŒtzung Äthiopiens in Mogadischu und im ĂŒbrigen Land zu etablieren, stieß jedoch auf erheblichen Widerstand von Islamisten, verschiedenen Clans und weiten Teilen der Bevölkerung, die die Ă€thiopische MilitĂ€rprĂ€senz ablehnten.

2007 und 2008 lieferten sich regierungstreue Truppen und deren diverse Gegner vor allem in Mogadischu heftige KĂ€mpfe, die Hunderttausende in die Flucht trieben. Tausende Zivilisten wurden getötet, und ĂŒber eine Million mussten zeitweise aus ihren HĂ€usern vor allem in Mogadischu fliehen. Anfang 2009 zogen die Ă€thiopischen Truppen wieder aus Somalia ab. Die militanten Islamisten waren nicht besiegt worden, sondern waren im Gegenteil deutlich stĂ€rker geworden. Im Kampf gegen die brutale Ă€thiopische Besatzung hatten sie in den Augen vieler Somalier (auch in der Diaspora) an LegitimitĂ€t gewonnen. Der gemĂ€ĂŸigte Islamist Sheikh Sharif Sheikh Ahmed wurde neuer PrĂ€sident der Übergangsregierung, die jedoch weiterhin von der radikaleren al-Shabaab bekĂ€mpft wird. 2009 verloren die Regierungstruppen fast ĂŒberall im Land an Einfluss. Vor allem in SĂŒdsomalia ĂŒbernahmen die islamistischen Gruppierungen al-Shabaab und Hizbul Islam die Macht und bekĂ€mpften sich auch gegenseitig.

Die USA unterstĂŒtzen die somalische Übergangsregierung politisch, durch finanzielle Hilfen und mit Waffen. Sie stufen die radikalislamische Miliz al-Shabaab als Terrororganisation ein, die mit al-Qaida zusammenarbeitet. Die USA haben auch mehrmals gezielte Luftangriffe auf Einrichtungen der Islamisten durchgefĂŒhrt. Die EuropĂ€ische Union unterstĂŒtzt finanziell die Übergangsregierung und die Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AMISOM) zu ihrem Schutz.

Die Kampfhandlungen waren auch 2009 und 2010 vornehmlich auf Mogadischu konzentriert. Hier starben weiter tausende Menschen oder wurden zu FlĂŒchtlingen. Die militanten Islamisten, besonders al-Shabaab, kontrollierten bis Ende 2010 den Großteil SĂŒd- und Zentralsomalias. Die Übergangsregierung unter Sheikh Sharif Sheikh Ahmed musste sich in Teilen Mogadischus verschanzen und wurde tĂ€glich von mehreren tausend AMISOM-Soldaten beschĂŒtzt. Al-Shabaab unterwarf die Bevölkerung strikten Regeln, denen eine extreme Interpretation des Islam zu Grunde lag. Jede Zuwiderhandlung sowie der bloße Verdacht, mit dem Feind zusammenzuarbeiten, wurden hart bestraft. Es gab aber durchaus auch Somalier, die al-Shabaab zugutehielten, dass sie Ruhe und Ordnung herstellte und die KriminalitĂ€t wirksam bekĂ€mpfte.

Mitte August 2010, zu Beginn des Fastenmonats Ramadan, starteten al-Shabaab und Hizbul Islam eine gemeinsame, großangelegte MilitĂ€roffensive, um TFG und AMISOM endgĂŒltig zu besiegen. Zusammen hatten die Islamisten ungefĂ€hr 8000 KĂ€mpfer. AMISOM hatte inzwischen fast die SollstĂ€rke von 8000 Mann erreicht. Auch das TFG hatte 2010 ungefĂ€hr 3000 eigene Soldaten zur VerfĂŒgung, dank MilitĂ€rhilfe der USA und Training (auch durch private MilitĂ€runternehmen), das vornehmlich mit Geldern von EU-LĂ€ndern bezahlt wurde. Die Offensive geriet rasch ins Stocken. Die GrĂŒnde waren die militĂ€rische StĂ€rke des Gegners und Spannungen innerhalb des islamistischen Lagers. Hizbul Islam zerfiel zusehends. Viele ihrer Truppen desertierten, einige liefen zum TFG ĂŒber. Im Dezember 2010 wurden die Reste von Hizbul Islam offiziell in al-Shabaab integriert. Dies sorgte innerhalb von al-Shabaab fĂŒr Unruhe.

Der UNO-Sicherheitsrat gewĂ€hrte im Dezember 2010 die Erhöhung der maximalen TruppenstĂ€rke von AMISOM um 4000 auf 12.000 Soldaten. Ab Februar 2011 gingen das TFG und AMISOM, unterstĂŒtzt von ASWJ-Einheiten und Teilen der Ă€thiopischen und kenianischen Armee, gegen al-Shabaab vor. Die HauptkampfplĂ€tze waren Mogadischu, die Region Gedo in Westsomalia und Teile Zentralsomalias. Al-Shabaab war angeschlagen und verlor zunehmend an RĂŒckhalt in der Bevölkerung. Ein Grund dafĂŒr war die unbefriedigende Reaktion der al-Shabaab-FĂŒhrung um Emir Ahmed Abdi Godane auf die sich seit Monaten zuspitzende DĂŒrre in Somalia. Als der Hunger begann, weigerte sich al-Shabaab, internationale Hilfe zuzulassen. Die Hungersnot wurde vom Sprecher der Gruppe im Juli 2011 als westliche Propaganda dargestellt. Im August 2011 mussten sich al-Shabaab aus Mogadischu zurĂŒckziehen. Auch in anderen Teilen SĂŒd- und Zentralsomalia geriet al-Shabaab in BedrĂ€ngnis. Es gelang dem TFG und seinen UnterstĂŒtzern bis Mitte 2011 jedoch nicht, al-Shabaab entscheidend zu schlagen.

Intervention Kenias

Zwei Bataillone der kenianischen StreitkrĂ€fte (Kenya Defence Forces; KDF) mit rund 2.400 Soldaten marschierten in der Operation Linda Nchi (deutsch: Verteidigt die Nation) am 16. Oktober 2011 in Somalia ein, um al-Shabaab zu bekĂ€mpfen. Die kenianischen Truppen rĂŒckten auf Afmadow und die fĂŒr al-Shabaab wirtschaftlich und finanziell wichtige Hafenstadt Kismayu im SĂŒden Somalias zu. Auch die kenianische Luftwaffe flog EinsĂ€tze gegen Stellungen der al-Shabaab, u. a. gegen ein Ausbildungslager in Jilib. Auslöser fĂŒr die MilitĂ€raktion waren EntfĂŒhrungen von AuslĂ€ndern in Kenia. Bis Februar 2012 konnte die kenianische Armee rund 110 km tief nach Somalia vordringen und kontrolliert nach eigenen Angaben eine FlĂ€che von 95.000 kmÂČ.

Im Dezember 2020 brach Somalia die diplomatischen Beziehungen zu Kenia ab. GrĂŒnde waren der langjĂ€hrige Streit um einen KĂŒstenstreifen und weil Kenia im Kampf gegen al-Shabaab mit dem PrĂ€sidenten von Jubaland, Ahmed Mohamed Islam, einem Gegner der Regierung in Mogadischu, zusammenarbeitete.

Föderalisierung

Am 1. August 2012 nahm das Parlament Somalias eine neue provisorische Verfassung an. Mit ihr wurde die Übergangsregierung Somalias abgelöst und erstmals wieder eine normalisierte Staatsordnung hergestellt. Somalia wurde in eine Bundesrepublik umgewandelt, wobei zunĂ€chst noch keine Teilstaaten gebildet wurden. Laut Verfassung sollten die Abgeordneten bestimmen, ĂŒber wie viele Teilstaaten Somalia verfĂŒgen werde. Allerdings könnten sich zwei oder mehr Regionen von sich aus zu Bundesstaaten zusammenschließen.

Als erster Bundesstaat wurde im August 2013 Jubaland im Rahmen eines Versöhnungsabkommens von der Bundesregierung anerkannt. Es besteht aus den Regionen Gedo, Jubbada Hoose und Jubbada Dhexe. Ein Jahr spĂ€ter wurde ein zweiter Bundesstaat in Zentralsomalia mit den Regionen Mudug und Galguduud geschaffen, fĂŒr den die vor Ort existierenden De-facto-Regimes der Ahlu Sunna Waljama'a-Miliz, Galmudug und Himan & Heeb State of Somalia seither gemeinsame neue Strukturen etablieren. 2020 sind es sechs offizielle Bundesstaaten (Sortierung von Nord nach SĂŒd): Somaliland, Puntland, Galmudug, Hirshabelle, Jubaland und South West State. Neben den Bundesstaaten besteht noch eine separate Verwaltungseinheit fĂŒr die Hauptstadtregion Banaadir, die man aus der ehemaligen Verwaltungsgliederung Somalias beibehalten hat.

Politik

GemĂ€ĂŸ der Mo Ibrahim Foundation ist es das am schlechtesten regierte Land Afrikas. Im Jahr 2019 wurden drei Journalisten in Somalia getötet. Laut dem Bericht von Reporter ohne Grenzen steht der Tod der Opfer in direktem Zusammenhang mit deren journalistischer TĂ€tigkeit.

Somalia wird oft als „gescheiterter Staat“ bezeichnet. Seit dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 kĂ€mpfen dort unentwegt die etwa 13 grĂ¶ĂŸten StĂ€mme um die Macht. Es gibt im gesamten Land keine von allen Somaliern anerkannte nationale Regierung. Im Norden streben Teile des Landes ganz offen nach UnabhĂ€ngigkeit (Somaliland) oder haben sich zu autonomen Teilstaaten Somalias erklĂ€rt (Puntland und Galmudug). In weiten Teilen im SĂŒden und Zentrum von Somalia herrschten zumindest bis vor kurzem lokale Clans, Warlords, islamistische Gruppen oder unklare VerhĂ€ltnisse. In der Region Himan & Heeb bildet der ehemalige IT-Berater Mohamed Aden eine Art informelle Regierung.

Die Bundes-Übergangsregierung war international anerkannt und reprĂ€sentierte das Land in den Vereinten Nationen, der Arabischen Liga und anderen internationalen Organisationen. Seit ihrem Bestehen 2000 hatte sie sich im Land selbst aber nicht durch die Schaffung von Ruhe und Ordnung und die Bereitstellung von Dienstleistungen bewĂ€hrt. Die Übergangsregierung war intern seit Jahren zerstritten, und ihren AnfĂŒhrern wurde immer wieder vorgeworfen, korrupt zu sein und sich auf Kosten der eigenen Bevölkerung an auslĂ€ndischer Hilfe zu bereichern. Seit Anfang 2011 sah es zum ersten Mal so aus, als ob die Übergangsregierung die Macht in Mogadischu und Teilen SĂŒdsomalias ĂŒbernehmen könnte – bisher aber nur mit massiver militĂ€rischer Hilfe von AMISOM, Kenia und Äthiopien. Ob der mögliche militĂ€rische Sieg ĂŒber Dschihadisten-Miliz al-Shabaab schon eine wirkliche Wende fĂŒr Somalia nach ĂŒber 20 Jahren Staatslosigkeit und BĂŒrgerkrieg bedeutet, ist fraglich. Anfang 2012 tauchte erstmals die Idee auf, Somalia in eine Bundesrepublik zu verwandeln. Im August wurde dann die Übergangsregierung aufgelöst und durch eine international anerkannte föderale Regierung ersetzt. Seitdem verfĂŒgt Somalia ĂŒber ein Bundesparlament.

Politisches System

GemĂ€ĂŸ der provisorischen Verfassung von 2012 wird der PrĂ€sident mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit von den beiden Kammern des Parlaments fĂŒr eine vierjĂ€hrige Amtszeit gewĂ€hlt. Erster PrĂ€sident nach dieser neuen Verfassung wurde Hassan Sheikh Mohamud. Im Februar 2017 erhielt Mohamed Abdullahi Mohamed, bekannt unter dem Namen „Farmajo“, die notwendige Mehrheit. Jedoch werden die Abgeordneten des Parlaments nicht in freien Wahlen vom Volk gewĂ€hlt.

Die 54 Mitglieder des Senats (Oberhaus) werden durch die Parlamente der Bundesstaaten gewĂ€hlt. FĂŒr die Wahl der Bundesversammlung (Unterhaus) bestimmen seit 2016 135 Clan-Älteste insgesamt 275 Wahlkollegien mit je 51 Mitgliedern – insgesamt ĂŒber 14.000 Delegierte, von denen je 30 Prozent Frauen und 20 Prozent Jugendliche sind. Die Delegierten der Wahlkollegien wĂ€hlen schließlich je einen Abgeordneten ins Parlament.

Laut dem Politikwissenschaftler Stefan BrĂŒne von der Deutschen Gesellschaft fĂŒr AuswĂ€rtige Politik kann dieses mehrstufige Wahlsystem als Fortschritt im Vergleich zu den ersten Wahlen 2012 gewertet werden:

Die letzten Wahlen fanden 2016 statt. 24 % der gewÀhlten Abgeordneten sind Frauen. Beobachter kritisierten, dass die WahlmÀnner mit Schmiergeldzahlungen bestochen und unter Druck gesetzt wurden. Laut Wahlleiter zahlten die Kandidaten zwischen 1000 und 1,2 Mio. Euro, um ins Parlament gewÀhlt zu werden.

Die nĂ€chsten PrĂ€sidentschafts- und Parlamentswahlen sollten im November 2020 stattfinden, wurden dann aber auf den 8. Februar 2021 verschoben. Kurz vor dem Wahlgang wurden die Wahlen jedoch am 6. Februar wegen ungeklĂ€rter Verfahrensfragen und Uneinigkeit zwischen verschiedenen Clans auf unbestimmte Zeit erneut verschoben, was zu einer Verfassungskrise fĂŒhrte, da die Amtszeit des PrĂ€sidenten abgelaufen war. Insbesondere nachdem PrĂ€sident Mohamed seine Amtszeit mit Hilfe eines nicht verfassungsgemĂ€ĂŸ zustandegekommenen Gesetzes um zwei Jahre verlĂ€ngerte, kam es zu ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen Regierung und Opposition. In Folge dieser Proteste und internationalen Drucks kĂŒndigte Mohamed Neuwahlen an und forderte zu einer Einigung bezĂŒglich des Wahlprozesses auf.

PlĂ€ne fĂŒr eine direkte Wahl der Abgeordneten durch das Volk wurden aufgeschoben, da eine Registrierung der WĂ€hler zu viel Zeit in Anspruch genommen hĂ€tte. Auch eine Reform von Premierminister Mohamed Hussein Roble, nach der 30 % der Parlamentssitze fĂŒr Frauen reserviert werden sollten, stockt.

Innere Sicherheit

Die Sicherheitslage in Somalia ist aufgrund des anhaltenden BĂŒrgerkrieges und der PiratenĂŒberfĂ€lle vor der KĂŒste schlecht. Die SicherheitskrĂ€fte sind nicht in der Lage, die KriminalitĂ€t nachhaltig zu bekĂ€mpfen. Das deutsche AuswĂ€rtige Amt (AA) hat fĂŒr Somalia eine Reisewarnung ausgegeben und seine Botschaft geschlossen (Stand: Januar 2018). AuslĂ€nder werden immer wieder Opfer von MordanschlĂ€gen und EntfĂŒhrungen, in medizinischen oder kriminalitĂ€tsbedingten NotfĂ€llen ist keine ausreichende Infrastruktur zur Versorgung vorhanden.

Menschenrechte

Mitarbeiter von humanitĂ€ren Organisationen, Journalisten und Menschenrechtsverteidiger nehmen bei ihrer Arbeit in Somalia große Risiken auf sich und laufen unter anderem Gefahr, entfĂŒhrt oder ermordet zu werden. Auch 2009 wurden gravierende MenschenrechtsverstĂ¶ĂŸe, einschließlich Kriegsverbrechen, nicht bestraft.

Der UN-GeneralsekretĂ€r, der unabhĂ€ngige UN-Experte fĂŒr die Menschenrechtssituation in Somalia und der Beauftragte des UN-GeneralsekretĂ€rs fĂŒr die Menschenrechte Binnenvertriebener sprachen in ihren Berichten von MenschenrechtsverstĂ¶ĂŸen, einschließlich der Rekrutierung von Kindern fĂŒr den bewaffneten Kampf. Appelle aus dem Ausland und von KrĂ€ften in Somalia, Verbrechen im Sinne des Völkerrechts endlich strafrechtlich zu ahnden, blieben wirkungslos.

Alle am laufenden somalischen BĂŒrgerkrieg beteiligten Parteien haben in den letzten Jahren schwerste Menschen- und Kriegsrechtsverbrechen begangen. Äthiopische Truppen, die Armee der Übergangsregierung, AMISOM und die islamistischen Milizen al-Schabaab und Hizbul islam haben ihre Waffen unterschiedslos im dicht besiedelten Gebiet (in Mogadischu) eingesetzt. Zudem wurden die Feinde der jeweiligen Seite oft erbarmungslos verfolgt und VerdĂ€chtige ohne rechtliches Verfahren ermordet. Alle Kriegsparteien haben schwerste Übergriffe auf die Zivilbevölkerung SĂŒdsomalias begangen. Frauen wurden massenweise vergewaltigt und MĂ€nner, Jugendliche und sogar Kinder von allen Parteien im Krieg zwangsrekrutiert. Al-Shabaab-Milizen sind zusĂ€tzlich fĂŒr die Tötungen und Bestrafungen von Menschen verantwortlich, die sich ihrer Auslegung des islamischen Rechts nicht beugten. In den von ihnen kontrollierten Landesteilen war ein dramatischer Anstieg öffentlicher Hinrichtungen, darunter auch Steinigungen, zu verzeichnen. Gleiches galt fĂŒr die Zwangsamputation von Gliedmaßen und Auspeitschungen. Al-Shabaab-Milizen schĂ€ndeten auch GrĂ€ber fĂŒhrender Geistlicher der islamischen Sufi-Gemeinschaft. Außerdem mussten sich Frauen nach bestimmten Regeln kleiden und durften sich nicht frei bewegen. Auch die Situation vieler Kinder bereitet Sorgen. Dadurch, dass das Bildungssystem marode ist, haben die Kinder kaum die Möglichkeit, in die Schule zu gehen. Die HĂ€lfte aller Kinder zwischen fĂŒnf und 14 Jahren mĂŒssen arbeiten. SchĂ€tzungen zufolge gibt es ca. 70.000 Kindersoldaten, die von verschiedenen Milizen unter Waffen gehalten werden. In einer ErklĂ€rung der UNICEF wurde bekannt gegeben, dass in Somalia der Einsatz von Kindern ansteigt. Kinder ab neun Jahren werden mittlerweile rekrutiert. Die Kindersoldaten werden oft geschlagen oder gar exekutiert, wenn sie von der gegnerischen Seite gefangen genommen werden. Nicht zuletzt ist auch die Lage der Menschenrechte von Homosexuellen in Somalia extrem schlecht. Nach Angaben der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA) wird die Todesstrafe fĂŒr gleichgeschlechtliche Beziehungen bzw. homosexuelle Handlungen verhĂ€ngt. Somalia weist weltweit die höchste Rate von weiblicher GenitalverstĂŒmmelung auf. Etwa 98 % der MĂ€dchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren sind genitalverstĂŒmmelt. Sehr hĂ€ufig wird eine Infibulation des weiblichen Genitals vorgenommen. Diese Praktik war unter der Regierung Siad Barres gesetzlich verboten worden, blieb jedoch weitverbreitet. Im faktisch autonomen Puntland beschloss das Regionalparlament 1999 ein Verbot. Am 8. MĂ€rz 2004 begann eine landesweite Kampagne, in deren Rahmen der damalige PrĂ€sident der Übergangsregierung, Abdikassim Salat Hassan, von einem Verbrechen gegen die Religion und gegen die Menschlichkeit sprach. Am 26. Oktober 2005 veröffentlichten islamische Geistliche in Mogadischu eine Fatwa, die sich gegen die MĂ€dchenbeschneidung richtet. Darin wird diese in Afrika weit verbreitete traditionelle Praxis als „unislamisch“ verurteilt. Nach den Angaben des Somalia 2015 Human Rights Report, welcher jĂ€hrlich vom Außenministerium der Vereinigten Staaten herausgegeben wird, befinden sich die betriebenen GefĂ€ngnisse in einem sehr schlechten Zustand. 2013 teilte der damalige Premierminister von Somalia, Abdi Farah Shirdon, in einem Bericht mit, dass die ZustĂ€nde im ZentralgefĂ€ngnis von Mogadischu erbĂ€rmlich seien. Er bat die internationale Gemeinschaft um Rat, damit nachhaltige Verbesserungen erreicht werden können. Auch das BĂŒro der Vereinten Nationen fĂŒr Drogen- und VerbrechensbekĂ€mpfung (UNODC) teilte mehrfach mit, dass die ZustĂ€nde im ZentralgefĂ€ngnis unhaltbar seien. Nach Angaben der UNODC seien im ZentralgefĂ€ngnis etwa 1200 Gefangene untergebracht.

Außenpolitik

Somalia ist u. a. Mitglied der Afrikanischen Union, der Vereinten Nationen, der Organisation fĂŒr Islamische Zusammenarbeit und ist Vollmitglied der Arabischen Liga, obwohl Arabisch nicht die Muttersprache der meisten Somalier ist.

Aufgrund der schlechten Sicherheitslage im Land hat nur eine begrenzte Anzahl an Staaten vollwertige diplomatische Beziehungen und eine Botschaft in Mogadischu. Unter den außenpolitischen Partnerstaaten stechen vor allem die Staaten der arabischen Liga hervor, zu denen enge kulturelle und wirtschaftliche Bindungen bestehen. Schwerpunkt bei der Zusammenarbeit mit den europĂ€ischen Staaten bilden finanzielle Hilfe und UnterstĂŒtzung bei der Errichtung eines funktionalen Staatswesens. Die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten haben fĂŒr Somalia eine starke sicherheitspolitische Komponente. Die USA unterstĂŒtzten die somalische Zentralregierung in Mogadischu bei der BekĂ€mpfung der al-Shabaab-Miliz und leisten dabei direkte militĂ€rische UnterstĂŒtzung, u. a. durch den Einsatz militĂ€rischer Drohnen.

Die Beziehungen zu dem Nachbarland Äthiopien sind historisch stark belastet, inzwischen kooperieren beide Staaten jedoch bei der BekĂ€mpfung des Terrorismus und der Piraterie. Mit Dschibuti hat Somalia enge und gute Beziehungen aufgrund der starken ethnischen und kulturellen Gemeinsamkeiten der beiden LĂ€nder. In den letzten Jahren wuchs außerdem die Bedeutung der bilateralen Beziehungen mit der Volksrepublik China und der TĂŒrkei.

Verwaltungsgliederung

Das Land ist offiziell in 18 Regionen eingeteilt. Diese Einteilung hat seit dem Zerfall des Staates jedoch nur beschrÀnkte praktische Bedeutung:

Wirtschaft

Somalia gehört zu den Ă€rmsten und am wenigsten entwickelten LĂ€ndern der Welt, wobei die politische Lage die Erhebung genauer Wirtschaftsdaten schwierig macht. SchĂ€tzungsweise rund 70 % der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft. Ein Großteil davon lebt als Nomaden oder Halbnomaden mit Kamelen, Schafen und Ziegen, in fruchtbareren Gebieten auch mit Rindern. Ackerbau wird vor allem an den FlĂŒssen Jubba und Shabelle und zwischen diesen beiden FlĂŒssen in SĂŒdwestsomalia betrieben, daneben auch in kleineren Gebieten Nordsomalias. Vieh und Bananen sind wichtige ExportgĂŒter.

Des Weiteren werden Fisch, Mais, Hirse und Zucker fĂŒr den inlĂ€ndischen Bedarf angebaut oder hergestellt. Der kleine industrielle Sektor, der hauptsĂ€chlich landwirtschaftliche NutzgĂŒter produziert, betrĂ€gt nur 10 % des BIP. Viele Fabriken wurden wegen des BĂŒrgerkriegs geschlossen. Ein Großteil der somalischen Bevölkerung ist auf GeldĂŒberweisungen von Verwandten im Ausland angewiesen, sodass im Dienstleistungssektor GeldĂŒberweisungsinstitute – die meist nach dem informellen Hawala-System funktionieren – mit stetiger Nachfrage rechnen können.

2008 war auch Somalia infolge von hoher Inflation, Trockenheit, verschlechterter Sicherheitslage sowie globalen Faktoren von steigenden Nahrungsmittelpreisen betroffen. Die Vereinten Nationen gingen im Juni 2008 davon aus, dass in den Folgemonaten bis zu 3,5 Mio. Menschen von Nahrungsmittelhilfe abhÀngen könnten. Damit wurde die Situation als noch dramatischer eingeschÀtzt als in Darfur.

Teile der Wirtschaft profitieren von dem Zustand ohne funktionierende Regierung und damit ohne staatliche Steuern und Regulierungen. So gilt das Telekommunikationssystem mit Mobiltelefonnetz­betreibern wie NationLink Telecom als gĂŒnstiger und zuverlĂ€ssiger als in den Nachbarstaaten. Da keinerlei staatliche Regulierung vorhanden ist, können aber auch AktivitĂ€ten wie GeldfĂ€lschung, die Piraterie vor der somalischen KĂŒste oder der ökologisch problematische Holzkohleexport weitgehend ungestört stattfinden.

Der IWF schÀtzt das Bruttoinlandsprodukt des Landes im Jahre 2016 auf ca. 6 Milliarden US-Dollar. Pro Kopf ergibt sich damit eine Wirtschaftskraft von knapp unter 500 US-Dollar, womit Somalia zu den 10 Àrmsten LÀndern der Welt gehört. Die Wirtschaftsleistung wuchs in den letzten Jahren mit 3 bis 4 Prozent pro Jahr und damit nicht bedeutend schneller als die Bevölkerung des Landes.

Im Ease of Doing Business Index 2018 der Weltbank belegt Somalia den letzten Platz. Aufgrund der zusammengebrochenen staatlichen Ordnung ist es extrem schwierig im Land an Strom, Kapital oder qualifizierte ArbeitskrÀfte zu kommen.

Somalia soll ĂŒber erhebliche ungenutzte Rohstoffreserven verfĂŒgen. So verfĂŒgt das Land ĂŒber betrĂ€chtliche Öl- und Gasreserven. Die Ölreserven des Landes könnten sogar die zweitgrĂ¶ĂŸten in Afrika sein. Somalia besitzt zudem Vorkommen an Uran und anderen strategisch wichtigen und wertvollen Mineralien. Aufgrund der schlechten Sicherheitslage im Land können die Rohstoffe derzeit allerdings nicht gefördert werden.

Entwicklungszusammenarbeit

Die unsichere politische Lage erschwert vor allem in SĂŒd- und Zentralsomalia die TĂ€tigkeit internationaler Hilfsorganisationen, die hier vorwiegend in der humanitĂ€ren Hilfe tĂ€tig sind. UN-Organisationen wie UNICEF und das WelternĂ€hrungsprogramm der Vereinten Nationen liefern humanitĂ€re Hilfe. Im stabileren Norden (Somaliland und Puntland) wird auch (Wieder-)Aufbau betrieben, dies vor allem mithilfe der GeldĂŒberweisungen von Auslands-Somaliern, aber auch durch internationale Organisationen. Wegen des sichereren Umfeldes fließt die internationale Hilfe fĂŒr Somalia vermehrt in diese nördlichen Gebiete.

Einheimische Organisationen engagieren sich in diversen Bereichen.

Mitte 2008 töteten radikale Islamisten mehrere auslĂ€ndische und einheimische Helfer, die sie der „Spionage“ verdĂ€chtigten.

Piraterie

Somalia liegt in unmittelbarer NĂ€he wichtiger internationaler Schifffahrtswege. Zugleich besteht seit Anfang der 1990er-Jahre keine wirksame KĂŒstenwache. Unter diesen UmstĂ€nden hat sich die Piraterie vor der KĂŒste Somalias zu einem profitablen GeschĂ€ft und einer Gefahr fĂŒr die internationale Schifffahrt entwickelt. Somalische Fischer, BĂŒrgerkriegskĂ€mpfer und GeschĂ€ftsleute nehmen auslĂ€ndische Schiffsbesatzungen in Geiselhaft, um Lösegeld zu erpressen oder rauben sie aus. Als Ursache fĂŒr diese Piraterie gilt auch das illegale Eindringen europĂ€ischer und asiatischer Fangflotten in somalische GewĂ€sser, wodurch einheimische Fischer ihre Lebensgrundlage verloren und zum Teil auf Piraterie umstiegen. Die Zahl der Piratenangriffe vor der KĂŒste Somalias ist Anfang der 2010er-Jahre zurĂŒckgegangen, die Situation bleibt jedoch weiterhin angespannt und unsicher.

So stellt die Regierung der teilautonomen Region Puntland laut einem Artikel von IRIN fest, dass die illegale Fischerei durch fremde Fangflotten seit der PrĂ€senz von auslĂ€ndischen Kriegsschiffen an somalischen KĂŒsten noch zugenommen hat, und fordert, dass die Kriegsschiffe auch auslĂ€ndische Fischer kontrollieren.

Staatshaushalt

Die Staatsverschuldung wurde 2013 auf ca. 2,2 Mrd. USD (IWF) bzw. 3,2 Mrd. USD beziffert. Im Rahmen der HIPC-Initiative tilgten 2020 die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank, der Internationale WĂ€hrungsfonds und die GlĂ€ubiger des Pariser Clubs mit 800 Mio. US-Dollar einen Großteil der Schulden Somalias.

Kultur

Die Kultur Somalias ist vom Nomadentum, dem Islam und (mĂŒndlich ĂŒberlieferter) Dichtung geprĂ€gt.

KĂŒche

Die somalische KĂŒche variiert von Region zu Region, insbesondere vom Norden des Landes zum SĂŒden, und enthĂ€lt EinflĂŒsse von den traditionellen KĂŒchen der Somali, Äthiopier, und mit Abstrichen der Jemeniten, Perser, TĂŒrken, Inder und Italiener.

Zum FrĂŒhstĂŒck gibt es meist Tee und pfannkuchenartiges Brot, welches Canjeero genannt wird. Als Mittagessen wird oft ein gekochtes Hauptgericht auf Reisbasis gekocht, welches hĂ€ufig mit KreuzkĂŒmmel, Kardamom, GewĂŒrznelken oder Salbei verfeinert wird. Eine abgewandelte Form der italienischen Pasta wird ebenfalls hĂ€ufig gegessen. Als GetrĂ€nk dazu gibt es hĂ€ufig FruchtsĂ€fte oder Limonaden. Das Abendessen gibt es meist erst gegen 21 Uhr, in der Zeit des Ramadan sogar erst gegen 23 Uhr. Die beliebteste Abendspeise der Somali nennt sich Cambuulo und besteht hauptsĂ€chlich aus gekochten Adzukibohnen, Butter und Zucker. Die Kochzeit der Bohnen kann bis zu fĂŒnf Stunden betragen. Als GetrĂ€nk wird abends vor allem mit Kardamom gewĂŒrzte Milch getrunken. Zwischendurch werden neben vielen FrĂŒchten und SĂŒĂŸwarenspezialitĂ€ten wie Halva vor allem spezielle somalische Samosa gereicht.

Musik und Poesie

Aus dem 19. Jahrhundert berichtet der Forschungsreisende Richard Francis Burton (First footsteps in East Africa; or, An Exploration of Harar, 1856) von zahlreichen GesĂ€ngen der Somali fĂŒr unterschiedliche AnlĂ€sse (wie zum Beladen der Kamele, zum Wasserschöpfen und fĂŒr die Elefantenjagd). Philipp Paulitschke (Ethnographie Nordost-Afrikas, 2 BĂ€nde, 1893/96) bestĂ€tigt Burtons Eindruck einer sehr reichen Poesie der Somali und stellt eine Liste der Gesangsformen zusammen. Dennoch wurde die somalische Musik nachfolgend nicht weiter erforscht und Klaus Wachsmanns Lexikoneintrag (Somali, in Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 1. Auflage) blieb bis 1965 die erste musikethnologische Studie, die unter Vorbehalt die bis dahin bekannten Reiseschilderungen zusammenfasst. Auf eigener Anschauung basiert der Lexikonartikel Somalia von John W. Johnson, der zuerst im New Grove Dictionary of Music and Musicians, 1st edition (1980) erschien.

Die somalische Musik ist generell – wie die Musikstile Äthiopiens– pentatonisch, wobei unterschiedliche Tonhöhen und Intervalle angewendet werden, die nicht standardisiert sind. Die Musik der Somali-Clans wird im Wesentlichen mit ihrer Poesie gleichgesetzt, die melodisch-freirhythmisch oder als Lied mit Melodie und Rhythmus vorgetragen werden kann. Bestimmten poetischen Formen werden Melodien aus einer hierzu passenden Gruppe zugeordnet. Jeder poetische Text gehört entweder zur Kategorie maanso, deren Verfasser bekannt ist, oder zur Kategorie hees, deren Verfasser im Allgemeinen nicht bekannt ist. Die Poesie beider Kategorien ist stets auf eine komplexe Weise metrisch und alliterierend. In der SekundĂ€rliteratur geht die Einteilung der poetischen Gattungen bis auf J. W. C. Kirk (1905) zurĂŒck, der bei den somalischen Liedern zuerst „gerar, gabei und hes“ unterschied. In den nachfolgenden Beschreibungen wurden die poetischen Formen bekannter Autoren gabay, jiifto und geeraar als klassisch und mĂ€nnlich bezeichnet. Die Forschung unterscheidet je nach Einteilung bis zu sieben Genres innerhalb der maanso-Kategorie (gabay, geeraar, jiifto, burambur, wiglo, guurow und masafo). Vom Genre masafo, das solistisch unbegleitet gesungen wird, sind Verse von einem Scheich (religiöser FĂŒhrer) aus Merka ab dem Anfang des 19. Jahrhunderts ĂŒberliefert. Masafo beinhalten religiöse Verse, mit denen auf die Verpflichtungen dem Islam gegenĂŒber hingewiesen wird. Geeraar sind Preisgedichte, die sich an StammesfĂŒhrer richten, die auf einem Pferd reiten.

Das Somali-Wort fĂŒr „Musik“, muusiko, wurde wĂ€hrend der Kolonialzeit aus europĂ€ischen Sprachen ĂŒbernommen und bezeichnete bis zum Zweiten Weltkrieg hauptsĂ€chlich die Begleitung des poetischen Vortrags, auf den sich die Viehhirten konzentrierten. Die bis Ende der 1940er-Jahre praktisch nicht vorhandenen Musikinstrumente der nomadischen Somali verweisen auf das enge VerhĂ€ltnis von Musik und Poesie sowie auf die materielle Armut. Die Gesangsformen gabay, jiifto und geeraar werden ebenfalls unbegleitet vorgetragen. Bei manchen weniger strengen Genres werden die Rhythmen mit den HĂ€nden geklatscht oder auf Ölkanistern geschlagen. In Nordsomalia spielten frĂŒher nur Frauen eine Trommel zur Begleitung ihres bei Hochzeiten und sonstigen Festen vorgetragenen Liedgenres buraambur.

Nomadische Volkslieder der Kategorie hees („Lied“) basieren primĂ€r auf der einzelnen Stimme (Êżod), ferner auf einem mehrstimmigen Gesang (jiib) und werden von Klatschen (sa’ab) oder Stampfen (jaan) rhythmisch begleitet. Hees sind Arbeitslieder (hees howled), Tanzlieder (hees iyared), Wiegenlieder (hoobeeya) und alle Arten volksnaher Poesie. Tanzlieder (iyared) gehören zu Unterhaltungsformen und zu Besessenheitsritualen, die der Vertreibung von böswilligen Geistern (saar, mingus oder hayad, vgl. pepo in Ostafrika) dienen. Klassische gabey sind gesungene Lieder fĂŒr jahreszeitliche Feste, von denen mehrere Genres unterschieden werden: neben den Frauenliedern buraanbur auch die religiösen masafo, die guurow des Abgal-Clans, geeraar und jiifto.

Deutlich grĂ¶ĂŸer ist die Auswahl an Musikinstrumenten in der traditionellen Musik SĂŒdsomalias. Dort pflegen hauptsĂ€chlich die Benadiri an der KĂŒstenregion Banaadir und die Bajuni an der Ă€ußersten SĂŒdkĂŒste und auf den vorgelagerten Bajuni-Inseln eine Volksmusik mit Musikinstrumenten, deren Namen und Typen an das ostafrikanische Instrumentarium erinnern. Zu den Membranophonen gehören unter anderem die kleine Trommel gooma (vgl. Swahili ngoma), die Zeremonialtrommel chapua, die hoch tönende Zeremonialtrommel msondho sowie die kleinen Trommeln reeme, yoome und vuuma. Zu den Idiophonen gehören die GefĂ€ĂŸrassel kayaaba (vgl. die Floßrassel kayamba) und die hölzerne Klapper shambal. An Blasinstrumenten kommen die an der ostafrikanischen KĂŒste allgemein bekannte Kegeloboe zumaari, die Holztrompete malkat, Schneckentrompeten und Antilopenhörner (gees-goodir, vgl. phalaphala) hinzu. Weitere Musikinstrumente im SĂŒden verweisen ebenfalls auf ostafrikanische EinflĂŒsse, darunter ein Lamellophon, die Schalenleier shareero (Ă€hnlich der tanbura im Sudan und weiteren Leiern in Ostafrika) und die einsaitige Fiedel seese (vgl. zeze).

Mit der EinfĂŒhrung von RundfunkĂŒbertragungen wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs erfuhr die somalische Musik eine deutliche Internationalisierung. Die Somalier kamen in Kontakt mit der arabischen Musik, vor allem der Knickhalslaute oud, und mit Musikstilen der Italiener, Briten und der indischen Musik. Die Übernahme westlicher Instrumente ab den 1940er-Jahren fĂŒhrte zu einer wenig angemessenen Einstufung der Ă€lteren somalischen Musik als „traditionell“ und der jĂŒngeren als „modern“. TatsĂ€chlich unterlief die somalische Musik einen allmĂ€hlichen Wandel, bei dem einige Lieder ihre eigenstĂ€ndige geschlossene Form besser bewahrt haben als andere, die ĂŒberregionale EinflĂŒsse aufweisen.

Um die Mitte der 1940er-Jahre wurde eine neue Musikgattung namens hello (oder heello, wörtlich „singen“, „summen“) eingefĂŒhrt. Der ursprĂŒnglich balwo („verrĂŒckte Sache“) oder belaayo genannte Stil enthĂ€lt arabische Elemente und wird fĂŒr Liebeslieder oder fĂŒr sonstige soziale Themen verwendet. Belaayo (von arabisch baliyyah, eine Kamelstute, die am Grab ihres verstorbenen Besitzers festgebunden wird) enthielt, seiner in vorislamische Zeit zurĂŒckreichenden Wortbedeutung entsprechend, schreckenserregende Geschichten mit den Schilderungen von Katastrophen. Diese Gattung wurde in Nordsomalia als sozial unterhalb der islamischen Poesie stehend eingestuft. Aus dem hello entwickelten sich moderne Formen des hees, bei denen im stĂ€dtischen Umfeld MĂ€nner und Frauen zusammen Gedichte vortragen. In den 1950er-Jahren bildete hello das hauptsĂ€chliche Verbreitungsmedium fĂŒr die politischen Botschaften der stĂ€dtischen Jugendlichen, begleitet von einer neuen somalischen Instrumentalmusik. Die hierfĂŒr eingesetzten Metren wurden von traditionellen hees (Tanzliedern oder Arbeitsliedern) ĂŒbernommen.

In den 1960er-Jahren verbot die Regierung die Verwendung von Poesie und Liedern fĂŒr politische MeinungsĂ€ußerungen. Die SĂ€nger bemĂŒhten sich um traditionelle poetische Formen mit verklausulierten Versen, um der Zensur zu entgehen und im Radio gesendet zu werden. Heute sind EinflĂŒsse der populĂ€ren Musik aus dem Ă€thiopischen Hochland und der Swahili-KĂŒste (taarab) verbreitet. Als ein BegrĂŒnder der modernen Somali-Musik gilt der Oud-Spieler und SĂ€nger Ahmed Ismail Hussein Hudeidi (1928–2020). Eine bekannte somalische SĂ€ngerin war Magool (1948–2004). Maryam Mursal (* 1950) pflegt eine Stilmischung aus ostafrikanischen und arabischen Blues-Elementen. Magools Neffe ist K’naan (* 1978), der mit Wavin’ Flag in zahlreichen internationalen Charts Platz 1 erreichte. Er ist ein bekannter, in Kanada lebender Hip-Hop-Musiker.

Lange vor den kolonialzeitlichen KultureinflĂŒssen auf Somalia stand die Musik der Somali durch den Seehandel mit Daus im Austausch mit musikalischen Traditionen Omans und den ĂŒbrigen LĂ€ndern rund um den Persischen Golf. Mit somalischen Seefahrern und Musikern gelangten Rituale wie der saar/zar-Kult bis an die SĂŒdkĂŒste Irans und an die KĂŒste Belutschistans, wo fĂŒr Besessenheitsrituale unter anderem die Zupflaute damburag verwendet wird. Im 20. Jahrhundert flĂŒchteten viele Somali vor den BĂŒrgerkriegen in die Golfregion und in den Jemen.

Literatur

Im Land gab es seit langem viele MĂ€rchen und Volksgeschichten, welche oft von Generation zu Generation weitergegeben wurden und hĂ€ufig eine Verbindung zum Islam besaßen. In den 1960er-Jahren förderten die beiden Periodika Sahan (dt. etwa „AufklĂ€rung“) und Horseed (dt. etwa „Vorhut, Avantgarde“) die Niederschrift der reichen, bis dahin jedoch ausschließlich mĂŒndlichen traditionellen Literatur. Die moderne Literatur entwickelte sich erst nach der Verschriftung der somalischen Sprache. Von da an veröffentlichten verschiedene somalische Autoren Romane, welche zum Teil weltweit erschienen, so auch der somalische Romancier Nuruddin Farah, der mit Werken wie Maps (1986) zu einem der bedeutendsten afrikanischen Schriftsteller der Gegenwart wurde. Ein weiterer populĂ€rer somalischer Autor war Farah Mohamed Jama Awl, der vor allem durch sein Buch Ignorance is the enemy of love (1974/1982 englisch) berĂŒhmt wurde.

Siehe auch

  • IGAD

Literatur

  • Somalia. Aufstehen oder untergehen in Ruinen
 Inamo, Herbst 2012.
  • Hatem Elliesie: Statehood and Constitution Building in Somalia: Islamic Responses to a Failed State. In: Rainer Grote / Tilmann J. Roeder (Eds.), Constitutionalism in Islamic Countries: Between Upheaval and Continuity, Oxford University Press, Oxford 2012, S. 537–565. ISBN 978-0-19-975988-0.
  • Jutta Bakonyi: Land ohne Staat – Wirtschaft und Gesellschaft im Krieg am Beispiel Somalias, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-593-39528-9.
  • Markus Virgil Höhne und Virginia Luling (Hrsg.): Milk and peace, drought and war: Somali culture, society and politics (Essays in honour of I.M. Lewis). London 2010, ISBN 1-84904-045-1.
  • Abdirizak Sheikh, Mathias Weber: Kein Frieden fĂŒr Somalia? 2. Aufl., M.-W.-Verlag, Frankfurt 2010, ISBN 978-3-934517-11-0.
  • Ioan M. Lewis: Understanding Somalia and Somaliland: Culture, History and Society, 2008, ISBN 978-1-85065-898-6 (englisch).
  • Dieter H. Kollmer, Andreas MĂŒckusch (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte: Horn von Afrika. Schöningh, Paderborn 2007, ISBN 978-3-506-76397-6.
  • Michael Birnbaum: Krisenherd Somalia. Heyne Verlag, MĂŒnchen 2002, ISBN 978-3-453-86109-1.
  • Markus Virgil Höhne: Somalia zwischen Krieg und Frieden. Strategien der friedlichen Konfliktaustragung auf internationaler und lokaler Ebene IAK, Hamburg 2002, ISBN 3-928049-84-4.
  • Maria Brons: Society, Security, Sovereignty and the State in Somalia. From Statelessness to Statelessness? International Books, Utrecht 2001, ISBN 978-90-5727-038-3.
  • Jasmin Touati: Politik und Gesellschaft in Somalia (1890–1991), Hamburg 1997, ISBN 3-928049-45-3.
  • Ali Jimale Ahmed (Hrsg.): The Invention of Somalia, Red Sea Press 1995, ISBN 978-0-932415-99-8.
  • Said Sheikh Samatar: Somalia – Nation in Search of a State. Westview Press, Boulder (Colorado) 1987, ISBN 978-0-86531-555-6.
  • Marc Engelhardt: Somalia: Piraten, Warlords, Islamisten, Frankfurt am Main 2012. ISBN 978-3-86099-892-2

Weblinks

  • LĂ€nder- und Reiseinformationen des AuswĂ€rtigen Amtes
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Somalia
  • CIA – The World Factbook – Somalia
  • Somalia-Dossier der AG Friedensforschung Uni Kassel
  • Moshe Terdman: Somalia at War – Between Radical Islam and Tribal Politics. Tel Aviv University, Research Paper No. 2, MĂ€rz 2008 (englisch, PDF, 1,1 MiB)
  • Somalia-Aktuell: Aktuelle Meldungen aus Somalia, Chronologie des Somaliakonflikts, Literaturliste zum Thema Somalia, Reportagen aus Somalia.

Einzelnachweise


 

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Flagge: Somalia

Name englisch: Somalia
Hauptstadt: Mogadishu
Kfz: SO
ISO: SO
ISO3: SOM
Fläche: 637657 km²
Tld: .so
Wärung Einheit: SOS
Währung: Shilling
Vorwahl: 252

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 11.9886144
südlichster Punkt: -1.6620412
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