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Staat Informationen : Tunesien

Informationen:


Tunesien (arabisch ō™ŔąŔÜō≥, DMG TŇęnis; amtlich Tunesische Republik, arabisch ōßŔĄō¨ŔÖŔáŔąōĪŔäō© ōßŔĄō™ŔąŔÜō≥Ŕäō©, DMG al-«ßumhŇęriyya at-tŇęnisiyya) ist ein Staat in Nordafrika. Er besteht aus 24 Gouvernements. Tunesien hat knapp 12 Millionen Einwohner und z√§hlt mit 71 Einwohnern pro km¬≤ zu den weniger dicht besiedelten Staaten.

Tunesien grenzt im Norden und Osten an das Mittelmeer (1146 km K√ľstenlinie), im Westen an Algerien und im S√ľd-Osten an Libyen. Sein Name ist von dem Namen seiner Hauptstadt Tunis abgeleitet. Tunesien geh√∂rt zu den Maghreb-L√§ndern. Die gr√∂√üte vorgelagerte Insel ist Djerba (514¬†km¬≤). Das Land ist mit einer Fl√§che von 163.610¬†km¬≤ ungef√§hr doppelt so gro√ü wie √Ėsterreich.

Das Land unterlag im Laufe seiner Geschichte dem Einfluss mehrerer V√∂lker. Urspr√ľnglich war es von den Berbern besiedelt. Um 800 v. Chr. gr√ľndeten die Ph√∂nizier erste Niederlassungen im tunesischen K√ľstenstreifen. Die R√∂mer gliederten es in ihre Provinz Africa ein. Das Christentum herrschte in der Folge bis zur Arabisierung ab dem 7. Jahrhundert vor. Eine kulturelle Bl√ľtezeit erlebte die Region im 12. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert begann die Herrschaft des Osmanischen Reiches, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts andauerte, als das Land franz√∂sisches Protektorat wurde. Seine Unabh√§ngigkeit erlangte Tunesien im Jahre 1956. Von 1956 bis 2011 wurde es durchg√§ngig autorit√§r von der Einheitspartei Neo Destour/RCD regiert. Im Zuge der Revolution wurde eine Verfassunggebende Versammlung gew√§hlt, die 2014 eine neue Verfassung verabschiedet hat. Tunesien hatte laut dem von der Zeitschrift The Economist ver√∂ffentlichten Demokratieindex von 2014 bis 2020 den Status des einzigen demokratischen Landes in der arabischen Welt inne.

Geographie

Tunesien ist das n√∂rdlichste Land Afrikas und nur 140 Kilometer von Sizilien entfernt. Es erstreckt sich zwischen dem Mittelmeer und der Sahara, zwischen 37¬į 20‚Ä≤ und 30¬į 10‚Ä≤ n√∂rdlicher Breite sowie zwischen 7¬į 30‚Ä≤ und 11¬į 30‚Ä≤ √∂stlicher L√§nge. Die gr√∂√üte Nord-S√ľd-Ausdehnung zwischen Ra's al-Abyad (Cap Blanc) und der Grenzstation Bordj el Khadra betr√§gt rund 780¬†km, die gr√∂√üte Ost-West-Ausdehnung zwischen der Insel Djerba und Nefta etwa 380¬†km. Die Mittelmeerk√ľste hat eine ungef√§hre L√§nge von 1.300¬†Kilometern.

Der Nordwesten Tunesiens wird vom Tell-Atlas bestimmt. Parallel zur Nordk√ľste verlaufen von der algerischen Grenze bis zur Bucht von Bizerte die Gebirgsz√ľge der Kroumirie (700‚Äď800¬†m H√∂he). Daran schlie√üt sich nord√∂stlich das Mogod-Bergland (300‚Äď400¬†m H√∂he) an, das zum Beispiel am Ra's al-Abyad in einer meist steilen Felsk√ľste ins Mittelmeer abf√§llt. Auf der dem Wind abgewandten Seite des Gebirges schlie√üt sich das Talbecken des ganzj√§hrig wasserf√ľhrenden Medjerda an, dessen Unterlauf zur wichtigsten Agrarzone des Landes geh√∂rt.

Die Bergr√ľcken der Dorsale verlaufen von Nordost (am Westrand von Kap Bon beginnend) nach S√ľdwest mit dem h√∂chsten Berg Tunesiens (Djebel Chambi, 1544¬†m) mit einer L√§nge von 220¬†Kilometern. Die nord√∂stliche Verl√§ngerung dieser Gebirgsz√ľge bildet die Halbinsel Cap Bon mit fruchtbaren Ebenen und einigen Erhebungen (Djebel Beno Oulid, 637¬†m und Djebel Korbous, 419¬†m), die jedoch als eigenst√§ndige Landschaftsregion aufgefasst wird.

√Ėstlich der Dorsale, entlang der Mittelmeerk√ľste zwischen Hammamet und Skhira, Sousse und Sfax, liegt der Sahel (arabisch f√ľr K√ľste) genannte K√ľstenstreifen, der durch Regen bringende Ostwinde sehr fruchtbar ist und unter anderem gro√üe Olivenbaumkulturen erm√∂glicht.

S√ľdlich der Dorsale schlie√üt sich die Region des Zentraltunesischen Steppenlandes an, die an ihrem S√ľdrand mit dem N√∂rdlichen Gebirgssaum einen √úbergang zur Schottsenke (Chott el Djerid und Chott el Gharsa) bildet. Die von Salzseen und Oasen gepr√§gte Landschaft geht weiter s√ľdlich am √Ėstlichen Gro√üen Erg in die W√ľstenlandschaft der Sahara mit dem Jebil-Nationalpark √ľber. In s√ľd√∂stlicher Richtung folgt das bis zu 600¬†m hohe Kalksteinplateau Dahar, das mit einem Schichtstufenland an die W√ľstensteppe der Djeffara-Ebene anschlie√üt. Diese Landschaft erstreckt sich weiter √ľber die Landesgrenze nach Libyen.

Entlang des Mittelmeeres, um den Golf von Gab√®s liegt die Litoralzone, die durch sandige Flachk√ľsten, Lagunen und vorgelagerte Inseln (beispielsweise Djerba) gekennzeichnet ist.

Gewässer

Die Gew√§sser Tunesiens befinden sich fast alle im Norden des Landes. Der wichtigste Fluss ist der Medjerda, er bekommt die meisten Niederschl√§ge (400¬†mm pro Jahr) und f√ľhrt 82¬†% der Wasservorkommen. Daneben gibt es noch einige kleinere Wadis, also Fl√ľsse, die nicht ganzj√§hrig Wasser f√ľhren. Wichtigste Seen, Lagunen und Sabcha sind der See von Bizerte, der Ichkeul-See, der See von Tunis, die Lagune von Ghar El Melh, die Sabcha Ariana und die Sabcha Sijoumi.

Die Landesmitte und der S√ľden Tunesiens sind durch Aridit√§t und Abflusslosigkeit gekennzeichnet. Die Gew√§sser wie die Sabcha Sidi El H√©ni f√ľhren je nach Jahreszeit nur zw√∂lf Prozent bzw. sechs Prozent der tunesische Wasserressourcen. Allerdings existieren dort gro√üe Grundwasservorkommen, was die Fl√§che an Oasen in den letzten drei√üig Jahren von 15.000 auf 30.000 Hektar zu vergr√∂√üern erlaubt hat.

Bereits w√§hrend der Kolonialzeit wurde mit dem Bau von Stauseen begonnen, damals vor allem, um Tunis mit Trinkwasser zu versorgen. Nach der Unabh√§ngigkeit wurden die Projekte weitergef√ľhrt, damals mit dem Ziel der Bew√§sserung in der Landwirtschaft. Seit den 1980er Jahren ist die Verst√§dterung f√ľr den starken Anstieg des Wasserbedarfs verantwortlich. Mittlerweile gibt es in Tunesien 21 gro√üe Staud√§mme, zahlreiche kleinere Stauanlagen, sowie 98 Kl√§ranlagen. 80¬†% des Wasserverbrauchs entfiel im Jahr 2000 auf die Landwirtschaft. Ab dem Jahr 2030 wird mit ernsthaftem Ressourcendefizit an S√ľ√üwasser gerechnet.

Klima

In Tunesien sto√üen mediterranes und arides Klima aufeinander. Die Niederschl√§ge nehmen von Nord nach S√ľd ab und von Ost nach West leicht zu. Es lassen sich unterscheiden der winterfeucht-sommertrockene Norden, die vom wechselhaften Klima bestimmte zentraltunesische Steppenregion mit hei√üen Sommern, kalten Wintern und abnehmenden Niederschl√§gen, die vom Meer beeinflusste Mittelmeerk√ľste mit ausgeglichenerem Klima und das W√ľstenklima s√ľdlich der Schotts.

Mit zunehmender Entfernung vom Mittelmeer weicht sein ausgleichender Einfluss einem kontinentalen Klima. Die Mitteltemperaturen liegen im Januar bei 10¬†¬įC, im August bei 26¬†¬įC (Tunis). S√ľdlich des Atlas herrscht ganzj√§hrig trockenhei√ües W√ľstenrandklima mit sehr unregelm√§√üigen Niederschl√§gen. Die Temperaturen erreichen hier Maximalwerte bis 45¬†¬įC, wobei es zu 10¬†¬įC Temperaturdifferenz im Schatten kommen kann. Die extremsten Unterschiede werden in der Sahara mit sommerlichen Temperaturen von 50¬†¬įC und Bodenfr√∂sten im Winter erreicht. Unertr√§gliche Hitze kann der in Tunesien Chehili genannte Saharawind Schirokko bringen.

Niederschl√§ge fallen fast nur in den Wintermonaten und werden meistens von Tiefausl√§ufern des weiter n√∂rdlich gelegenen Westwinddrifts herangef√ľhrt. Im Sommer liegt das gesamte Land im Bereich der subtropischen Hochdruckzone, welche die Tiefdruckgebiete der Westwinddrift um das Mittelmeer herumleitet. Jedoch kann es in Ausnahmef√§llen auch im Sommer zu heftigen Regenf√§llen kommen, die vorher ausgetrocknete Wadis in rei√üende Str√∂me verwandeln. W√§hrend im Norden die j√§hrliche Niederschlagsmenge bei 500 bis h√∂chstens 1000¬†mm an der Nordk√ľste und im Gebirge liegt und damit f√ľr einen erfolgreichen Regenfeldbau ausreicht, ist im S√ľden die Verdunstung st√§rker als die unregelm√§√üige Niederschlagsmenge von allenfalls 200¬†mm pro Jahr.

Die Auswirkungen der globalen Erw√§rmung sind in Tunesien deutlich sp√ľrbar. So war hier das Jahr 2020 mit einer Durchschnittstemperatur von 20,2 ¬įC und einer positiven Anomalie von 0,9 ¬įC nach 2016 und 2014 das drittw√§rmste Jahr seit 1950.


Flora und Fauna

An der Nordk√ľste und im Atlasgebirge w√§chst mediterraner Laub- und Buschwald (Macchie) mit Steineiche, Korkeiche und Aleppo-Kiefer, wo neben Kleinwild auch Wildschweine Nahrung finden. Zwischen 1990 und 2000 hat der Waldbestand um 0,2¬†% zugenommen.

Im Nationalpark Djebel Chambi leben neben dem M√§hnenschaf die bedrohte Cuviergazelle. In den sich anschlie√üenden s√ľdlichen Steppen und Halbw√ľsten lebt die Dorkasgazelle und vereinzelt auch noch wenige Exemplare der D√ľnengazelle. Urspr√ľnglich kam auch die S√§belantilope in diesen Trockenzonen vor; diese wurde mittlerweile in weitl√§ufigen, eingez√§unten Bereichen im Bou-Hedma-Nationalpark wieder angesiedelt. In den W√ľstengebieten kommen dar√ľber hinaus zahlreiche kleinere Tierarten, wie etwa Heuschrecken-, Skorpion-, Schlangen- und verschiedene Vogelarten vor. Die Sumpfgebiete des Ichkeul-Nationalparks im Norden des Landes sind ein bedeutendes Vogelschutzgebiet und z√§hlen zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Bevölkerung

Tunesien √ľberschritt im Jahr 2014 die Schwelle von elf Millionen Einwohnern. Dies bedeutete eine Verdreifachung der Bev√∂lkerung seit 1956 und eine Verdoppelung seit 1970. Seit 1990 verlangsamte sich das Bev√∂lkerungswachstum jedoch. Tunesien hat heute die ‚Äě√§lteste‚Äú Bev√∂lkerung Afrikas (bezogen auf den Median, der bei 32,4 Jahren liegt), die niedrigste Geburtenrate in der arabischen Welt (1,9 Kinder pro Frau) und ein Bev√∂lkerungswachstum von etwa einem Prozent.

Ethnische Herkunft

Die große Mehrheit der Tunesier identifiziert sich kulturell mit den Arabern, wenngleich Studien belegen, dass sie aus ethnischer Sicht den Berbern und auch den Iberern näher stehen, während der genetische Anteil der Araber, die die Region im 7. und 8. Jahrhundert besiedelten, geringer ausfällt. Unter den Zivilisationen, die das Gebiet des heutigen Tunesiens besiedelt haben und die zu jeweils unterschiedlichen Graden assimiliert wurden, sind die Phönizier, die Römer, die aus Germanien kommenden Vandalen, die Osmanen und zuletzt die Franzosen. Dazu kamen im 15. Jahrhundert zahlreiche Mauren und Juden, die aus Spanien vertrieben wurden.

Die ersten Ostaraber kamen im 7. Jahrhundert mit der muslimischen Eroberung des Maghreb. Sie islamisierten den Gro√üteil der Ifrńęqiya. In dieser Epoche entstanden neue St√§dte wie Kairouan und Mahdia. Ab dem 11. Jahrhundert kamen die aus √Ągypten vertriebenen BanŇę HilńĀl im heutigen Tunesien an und besiegelten die sprachliche und kulturelle Arabisierung des Landes. Die berberische Sprache und Kultur ist nur in einigen geographisch isolierten Gebieten in den Bergen nahe Matmata, Tataouine, Gafsa oder Sbeitla erhalten geblieben. Anders als in Marokko oder Algerien, wo die Berber eine ethnische Minderheit darstellen, ist ihre Zahl in Tunesien eher gering.

Nur 0,5 % der Bevölkerung sind im Ausland geboren. Tunesien hat damit einen sehr niedrigen Ausländeranteil.

Sprache

Tunesien ist unter den Maghreb-Staaten das aus linguistischer Sicht homogenste Land, weil fast die gesamte Bev√∂lkerung Tunesisch-Arabisch spricht und auch das Schriftarabische, die Amtssprache des Landes, beherrscht. F√ľr das Tunesisch-Arabisch, das eigentlich eine Mischung mehrerer Dialekte ist, gibt es keine offizielle Regulierung. Es wird vor allem als Alltagssprache verwendet. Nur im S√ľden des Landes und auf der Insel Djerba werden noch vereinzelt berberische Dialekte benutzt.

W√§hrend der Zeit des franz√∂sischen Protektorats in Tunesien wurde die franz√∂sische Sprache eingef√ľhrt, zum Teil auch mit Zwang, insbesondere in den Bildungseinrichtungen. Nach der Unabh√§ngigkeit wurde in offiziellen Institutionen die arabische Sprache wieder eingef√ľhrt. Verwaltung, Justiz und Bildungswesen blieben noch lange Zeit zweisprachig. Tunesien ist dem Einfluss europ√§ischer Sprachen auf Grund seiner geographischen Lage sowie durch Medien und Tourismus stark ausgesetzt, was Kenntnis dieser Sprachen bei den Tunesiern f√∂rdert.

In den 1990er Jahren wurde das Franz√∂sische aus dem √∂ffentlichen Leben in Tunesien wieder zur√ľckgedr√§ngt, um einerseits den Zugang zu h√∂herer Bildung zu vereinfachen und um das arabisch-islamische Flair im √∂ffentlichen Raum zu beleben. Seit Oktober 1999 wird von allen Gesch√§ftstreibenden verlangt, in ihren Werbeaufschriften mindestens doppelt so viel Platz f√ľr arabische wie f√ľr lateinische Zeichen zu verwenden. Die Verwaltung wurde dazu angehalten, alle Kommunikation auf Arabisch umzustellen, obwohl dies bisher nur im Verteidigungs- und Justizministerium sowie im Parlament gelungen ist. Franz√∂sisch wird somit zu einem Symbol des h√∂heren B√ľrgertums. Der Einfluss durch Touristen aus Europa f√ľhrt dazu, dass neben dem Franz√∂sischen Englisch als Verkehrssprache vermehrt verwendet wird.

Nach Angaben der OIF beherrschten im Jahr 2010 etwa 6 639 000 Tunesier die französische Sprache.

Bildung

Tunesien investierte 2015 18¬†% des Staatshaushaltes in das Bildungssystem und weist mit √ľber 80¬†% eine hohe Alphabetisierungsrate auf. 91¬†% der Kinder schlossen die Primarschule ab und 71¬†% die Sekundarschulen. 30¬†% der Schulabg√§nger beginnen ein Studium.

In Tunesien stieg die mittlere Schulbesuchsdauer der √ľber 25-J√§hrigen von 3,4 Jahren im Jahr 1990 auf 7,1 Jahre im Jahr 2015 an.

Im PISA-Ranking von 2015 erreichen Tunesiens Sch√ľler Platz 69 von 72 L√§ndern in Mathematik und den jeweils 67. Platz beim Leseverst√§ndnis und den Naturwissenschaften.

Religion

Der Islam ist in Tunesien Staatsreligion; 98¬†% der Bev√∂lkerung bekennen sich zu dieser Religion. 85¬†% der tunesischen Muslime geh√∂ren der malikitischen Rechtsschule der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam an. Der Rest sind Hanafiten und Ibaditen. Christen und Juden sind kleine Minderheiten, aber das Land war gegen√ľber religi√∂sen Minderheiten tolerant. Seit der Revolution 2011 erhalten radikale salafistische Str√∂mungen starken Zulauf.

Im Volksglauben der Tunesier finden sich noch heidnische Reste wie etwa der Glaube an den B√∂sen Blick. Das ganze Land ist von Qubbas √ľbers√§t. Diese kleinen, meist wei√üen Kuppelbauten sind Pilgerorte, h√§ufig Grabst√§tten von islamischen Heiligen (Marabouts), von denen geglaubt wird, dass sie Botschafter zwischen Mensch und Gott seien. Im Volksislam werden Marabouts um Hilfe gebeten, auch wenn dies vom offiziellen Sunnitentum als Abg√∂tterei (Schirk) bezeichnet wird. Schwarzafrikanische Sklaven brachten den Stambali-Besessenheitskult mit, der sich als gesellschaftlich randst√§ndiges Ph√§nomen auch unter arabischen Tunesiern verbreitet hat.

Das Judentum war in Tunesien einst sehr bedeutend, heute gibt es nur noch rund 1500 Juden. Auf der Insel Djerba steht seit wahrscheinlich √ľber 1000 Jahren die al-Ghriba-Synagoge (Die Erstaunliche), eine der √§ltesten Synagogen der Welt. Jedes Jahr findet dort die gr√∂√üte j√ľdische Wallfahrt Nordafrikas statt, zu der Gl√§ubige aus der ganzen Welt erwartet werden. Auf Djerba leben mehrheitlich muslimische Kharidjiten.

Die Verfassung Tunesiens sieht die freie Aus√ľbung des Glaubens vor, so lange diese nicht die √∂ffentliche Ordnung st√∂rt. Dieses Grundrecht wurde von der tunesischen Regierung in der Regel respektiert. Religi√∂se politische Parteien waren jedoch nicht zugelassen, Proselytismus und Polygamie sind verboten. Das Tragen des Hidschab war eingeschr√§nkt und in der Verwaltung und √∂ffentlichen Schulen nicht gestattet, dieses Verbot wurde nach dem Sturz des Ben Ali-Regimes im Fr√ľhjahr 2011 aufgehoben. Islamische Feiertage (wie etwa das Islamische Opferfest, das Fest des Fastenbrechens oder der Geburtstag des Propheten Mohammed) sind in Tunesien gesetzliche Feiertage.

Auslandstunesier

F√ľr das Jahr 2007 wurde die Zahl der im Ausland lebenden Tunesier auf eine Million Personen gesch√§tzt. Davon entfallen 84¬†% auf Europa, 600.000 allein auf Frankreich, 143.000 auf Italien und 80.000 auf Deutschland. In Nordamerika leben 26.000 und in den arabischen Staaten insgesamt 140.000¬†Tunesier, davon 80¬†% in Maghrebl√§ndern (√ľberwiegend in den Nachbarstaaten Libyen und Algerien, wo sie sich als Nachbarn kulturell schnell integrieren k√∂nnen) und etwa 24.655 hochqualifizierte Arbeitskr√§fte in den Golfstaaten. Die Tunesier in den europ√§ischen L√§ndern besitzen in der Regel die doppelte Staatsb√ľrgerschaft. Die meisten waren entweder im 19.¬†Jahrhundert w√§hrend des franz√∂sischen Protektorats nach Europa ausgewandert oder kamen in den 1950er und 1960er Jahren als Gastarbeiter. Diese Auswanderer haben eine gro√üe Bedeutung f√ľr die tunesische Wirtschaft: Sie √ľberweisen einerseits hohe Summen, um die daheim gebliebenen Angeh√∂rigen zu unterst√ľtzen, andererseits investieren Heimkehrer aus dem Ausland viel in heimische Wirtschaftsbetriebe.

Geschichte

Vorgeschichte

Erste Spuren von nomadisch lebenden Jägern und Sammlern aus der Altsteinzeit wurden in der 20 km östlich von Gafsa gelegenen Oase El Guettar gefunden.

Auf das Ib√©romaurusien, eine an der nordafrikanischen K√ľste verbreitete Kultur, folgte das Capsien. Von dieser Kultur wurden 15.000 Jahre alte Skelette und Werkzeuge gefunden, die darauf hinweisen, dass die Capsien-Menschen neben Steinwerkzeugen auch Nadeln aus Knochen zum N√§hen von Kleidung aus Tierh√§uten herstellten.

W√§hrend der Jungsteinzeit formte sich die Sahara mit ihrem heutigen Klima. Diese Epoche ist gekennzeichnet von der Einwanderung der Berber. Es entstanden erste Kontakte mit den Ph√∂niziern in Tyros, die gegen Ende der Jungsteinzeit begannen, das heutige Tunesien zu besiedeln und sp√§ter das Karthagische Reich gr√ľndeten.

Punisches und Römisches Karthago

Das heutige Tunesien erlebte zu Beginn der geschichtlichen Aufzeichnungen die Gr√ľndung von Handelsniederlassungen durch Siedler aus dem √∂stlichen Mittelmeer. Gem√§√ü der Legende war die erste dieser Niederlassungen Utica im Jahr 1101 v.¬†Chr. Im Jahr 814 v.¬†Chr. gr√ľndeten aus Tyros kommende ph√∂nizische Siedler die Stadt Karthago. Nach der Legende war es die K√∂nigin √Člyssa, die Schwester des K√∂nigs von Tyr, Pygmalion, welche die Stadt gr√ľndete.

Karthago wurde innerhalb von 150 Jahren zur gr√∂√üten Macht des westlichen Mittelmeeres. Die Einflussnahme geschah teils durch Kolonisierung, gr√∂√ütenteils jedoch durch Handelsniederlassungen und Vertr√§ge. Diese Macht und das hohe landwirtschaftliche Potential des karthagischen Mutterlandes f√ľhrten dazu, dass das Interesse des jungen, erstarkenden R√∂mischen Reiches geweckt wurde und es kam zur Konfrontation, die in den drei Punischen Kriegen gipfelte. Karthago konnte mit seinen unter anderen von Hannibal gef√ľhrten Truppen w√§hrend des Zweiten Punischen Krieges (218‚Äď201 v.¬†Chr.) das R√∂mische Reich mehrmals an den Rand einer Niederlage bringen. Am Ende des Dritten Punischen Krieges (149‚Äď146 v.¬†Chr.) wurde die Stadt Karthago drei Jahre belagert und letzten Endes zerst√∂rt. Das Gebiet des heutigen Tunesien wurde Teil der r√∂mischen Provinz Africa mit Hauptstadt Utica. Im Jahr 44 v.¬†Chr. beschloss Caesar, eine Colonia in Karthago zu gr√ľnden, was jedoch von Augustus erst mehrere Jahrzehnte sp√§ter verwirklicht wurde, und im Jahr 14 wurde Karthago Hauptstadt von Africa.

Africa wurde, neben √Ągypten, zu einem der bedeutendsten Lieferanten landwirtschaftlicher Produkte Roms, vor allem lieferte Africa Getreide und Oliven√∂l. Es entstand ein dichtes Netz an r√∂mischen Siedlungen, deren Ruinen bis heute noch zu sehen sind, etwa Dougga (r√∂misch Thugga), Sbeitla (Sufetula), Bulla Regia, El Djem (Thysdrus) oder Thuburbo Majus. Africa war, zusammen mit Numidien, f√ľr sechs Jahrhunderte lang eine sehr wohlhabende Provinz, wo etwa die Mosaikkunst bl√ľhte. Dank seiner Rolle als Knotenpunkt der Antike siedelten sich in der Folge auch Juden und die ersten Christen im heutigen Tunesien an.

Christianisierung

Das Christentum breitete sich schnell aus, vor allem durch die Ankunft von Siedlern, H√§ndlern und Soldaten. Bekanntheit erlangte Karthago diesbez√ľglich, dass hier der einflussreiche christliche Apologet Tertullian lebte und wirkte, so dass Nordafrika sich in der n√§chsten Zeit zu einem von mehreren Zentren des Christentums entwickelte. Die heidnische Bev√∂lkerung widersetzte sich zun√§chst dem neuen Kult, sp√§ter wurde die Christianisierung auch mit Gewalt durchgesetzt. Ab 400 durchdrang das Christentum durch die Aktivit√§ten von Augustinus von Hippo und seiner Bisch√∂fe s√§mtliche Gesellschaftsschichten, indem sie die st√§dtische Aristokratie und die Landbesitzer auf ihre Seite brachten. Krisen wie etwa das donatistische Kirchenschisma, das mit dem Konzil von Karthago abgewendet wurde, √ľberwand das Christentum dank der guten wirtschaftlichen und sozialen Lage schnell. Davon zeugen Ruinen von Bauwerken wie die Basilika von Karthago oder die zahlreichen Kirchen, die auf heidnischen Tempeln (wie etwa in Sufetula) erbaut wurden.

Am 19. Oktober 439 eroberten die Vandalen und Alanen Karthago und errichteten ein K√∂nigreich, das ein Jahrhundert dauerte. Die Vandalen geh√∂rten dem Arianismus an, einer Glaubensrichtung, die auf dem Ersten Konzil von Nic√§a zur H√§resie erkl√§rt worden war. Sie forderten von der zumeist katholischen Bev√∂lkerung die Treue zu ihrem Glauben und antworteten auf deren Weigerung mit Gewalt. Besitzt√ľmer der katholischen Kirche wurden beschlagnahmt. Die Kultur der ans√§ssigen Bev√∂lkerung blieb aber unangetastet und auch das Christentum florierte, soweit es die neuen Herrscher tolerierten. Das Vandalenreich ging nach der verlorenen Schlacht bei Tricamarum unter, bei der die Vandalen unter K√∂nig Gelimer gegen die ostr√∂mischen Truppen von Belisar unterlagen. Kaiser Justinian I. machte aus Karthago eine Di√∂zese und 590 das Exarchat von Karthago, das gegen√ľber der kaiserlichen Zentralmacht hohe zivile und milit√§rische Autonomie besa√ü. Heiden, Juden und H√§retiker wurden bald darauf aber von der byzantinischen Zentralgewalt, die das Christentum zur Staatsreligion erheben wollte, verfolgt.

Islamisierung und Arabisierung

Die ersten arabischen Vorst√∂√üe auf das heutige Tunesien begannen im Jahre 647. 661 wurde in einer zweiten Offensive Bizerte erobert; die Entscheidung fiel nach der dritten, 670 von Uqba ibn Nafi angef√ľhrten Offensive und der Gr√ľndung von Kairouan, die sp√§ter Ausgangspunkt f√ľr die arabischen Expeditionen auf den n√∂rdlichen und westlichen Maghreb wurden. Der Tod von Uqba ibn Nafi 693 f√ľhrte nur zu einem vor√ľbergehenden Stillstand der arabischen Eroberung; 695 nahm der Ghassaniden-General Hassan Ibn Numan Karthago ein. Die Byzantiner, deren Seestreitkr√§fte den Arabern √ľberlegen waren, griffen 696 Karthago an und nahmen es ein, w√§hrend 697 die Berber unter al-Kahina die Araber in einer Schlacht besiegten. 698 jedoch eroberten die Araber Karthago erneut und besiegten auch al-Kahina.

Anders als vorherige Eroberer gaben sich die Araber nicht damit zufrieden, nur die K√ľstengebiete zu okkupieren, sondern machten sich auch an die Eroberung des Landesinneren. Nach einigem Widerstand konvertierten die meisten Berber zum Islam, vor allem durch die Aufnahme in die Streitkr√§fte der Araber. In den neugebauten Ribats wurden religi√∂se Schulen eingerichtet. Gleichzeitig jedoch schlossen sich zahlreiche Berber der Glaubensrichtung der Charidschiten an, die die Gleichheit aller Muslime unabh√§ngig von ihrer Rassen- oder Klassenzugeh√∂rigkeit verk√ľndigte. Das heutige Tunesien blieb eine Provinz der Umayyaden, bis es 750 an die Abbasiden fiel. Zwischen 767 und 776 wurde das gesamte Territorium Tunesiens von den berberischen Charidschiten unter Abu Qurra beherrscht, die sich sp√§ter in ihr K√∂nigreich Tlemcen zur√ľckziehen mussten.

Im Jahre 800 √ľbergab der Abbasidenkalif Harun ar-Raschid seine Macht √ľber Ifrńęqiya dem Emir Ibrahim ibn al-Aghlab und √ľbertrug ihm auch das Recht, seine Funktion zu vererben. Somit wurde die Aghlabiden-Dynastie gegr√ľndet, die ein Jahrhundert lang den mittleren und √∂stlichen Maghreb beherrschte. Das heutige Tunesien wurde zu einem bedeutenden Kulturraum mit der Stadt Kairouan und seiner Gro√üen Moschee im Mittelpunkt. Tunis wurde bis zum Jahr 909 die Hauptstadt des Emirates.

Das Aghlabiden-Emirat verschwand innerhalb von 15 Jahren (893‚Äď909) durch die Aktivit√§ten des proselytischen Ismailiten AbŇę  ŅAbdallńĀh asch-Schńę Ņńę, unterst√ľtzt durch eine fanatisierte Armee, die sich aus dem berberischen KutńĀma-Stamm rekrutierte. Im Dezember 909 rief sich Abdallah al-Mahdi zum Kalifen aus und gr√ľndete damit die Fatimiden-Dynastie. Gleichzeitig erkl√§rte er die sunnitischen Umayyaden und die Abbasiden zu Usurpatoren. Der Fatimidenstaat breitete seinen Einfluss auf ganz Nordafrika aus, indem er die Karawansereien und damit die Handelswege mit Schwarzafrika unter seine Kontrolle brachte. Eine letzte gro√üe Revolte des charidschitischen Banu-Ifran-Stammes unter Abu Yazid konnte niedergeschlagen werden. Der dritte Fatimidenkalif Ismail al-Mansur verlegte die Hauptstadt nach Kairouan und eroberte 948 Sizilien. 972, drei Jahre nachdem die Region vollst√§ndig erobert war, verlegte die Fatimiden-Dynastie ihre Basis in √∂stliche Richtung. Kalif Abu Tamim al-Muizz legte die Herrschaft √ľber Ifriqiya in die H√§nde von Buluggin ibn Ziri, der die Ziriden-Dynastie gr√ľndete. Die Ziriden erlangten schrittweise die Unabh√§ngigkeit vom Fatimiden-Kalifen, was mit einem kompletten Bruch mit den Fatimiden endete. Diese r√§chten sich f√ľr den Verrat damit, dass sie Beduinenst√§mme (die BanŇę HilńĀl und Banu Sulaym) aus √Ągypten mit Eigentumstiteln auf Land in Ifriqiya ausstatteten und gegen die Ziriden ziehen lie√üen. Kairouan wurde in der Folge nach f√ľnfj√§hrigem Widerstand erobert und gepl√ľndert. 1057 flohen die Ziriden nach Mahdia, w√§hrend die Eroberer in Richtung des heutigen Algerien weiterzogen. Die Ziriden versuchten danach erfolglos, das inzwischen von den Normannen besetzte Sizilien zur√ľckzuerobern, und 90 Jahre lang versuchten sie, Teile ihres fr√ľheren Territoriums zur√ľckzugewinnen. Sie verlegten sich auf Piraterie, um sich am Seehandel zu bereichern.

Diese Migration war das entscheidende Ereignis in der Geschichte des mittelalterlichen Maghreb. Sie hat das traditionelle Gleichgewicht zwischen nomadischen und sesshaften Berbern zerst√∂rt und zu einer Bev√∂lkerungsdurchmischung gef√ľhrt. Das Arabische, das bis dahin nur von den st√§dtischen Eliten und am Hof gesprochen wurde, begann, die berberischen Dialekte zu beeinflussen.

Ab dem ersten Drittel des 12. Jahrhunderts war Tunesien h√§ufigen Angriffen der Normannen aus Sizilien und S√ľditalien ausgesetzt. Das Territorium von Ifriqiya wurde gleichzeitig (1159) vom Almohaden-Sultan Abd al-Mu'min von Westen aus erobert. Wirtschaft und Handel bl√ľhten auf; Handelsbeziehungen wurden mit den wichtigsten St√§dten am Mittelmeer aufgenommen. Der wirtschaftliche Aufschwung bewirkte, dass das almohadische Jahrhundert als goldenes Zeitalter des Maghreb in die Geschichte einging, als sich gro√üe St√§dte mit pr√§chtigen Moscheen entwickelten und Wissenschaftler wie Ibn ChaldŇęn arbeiteten.

Die Almohaden legten die Verwaltung des heutigen tunesischen Gebiets in die H√§nde von Abu Muhammad Abdalwahid, doch bereits sein Sohn Abu Zakariya Yahya I. l√∂ste sich 1228 ab und gr√ľndete die Dynastie der Hafsiden. Zwischen 1236 und 1574 regierte somit die erste tunesische Dynastie. Die Hauptstadt wurde nach Tunis verlegt, das sich dank des Seehandels schnell entwickelte.

Osmanische Herrschaft

Ab der zweiten H√§lfte des 14. Jahrhunderts verloren die Hafsiden langsam die Kontrolle √ľber ihr Territorium und gerieten, speziell nach der verlorenen Schlacht von Kairouan (1348) unter den Einfluss der Meriniden des Abu Inan Faris. Die Pest von 1384 traf Ifriqiya mit voller Wucht und trug zum Bev√∂lkerungsschwund seit den Invasionen durch die BanŇę HilńĀl bei. Gleichzeitig begannen Mauren und Juden aus Andalusien einzuwandern. Die Spanier unter Ferdinand¬†II. und Isabella I. eroberten die St√§dte Mers-el-K√©bir, Oran, Bejaia, Tripolis und die Algier vorgelagerte Insel. Die Hafsidenherrscher sahen sich gen√∂tigt, die Hilfe der Korsarenbr√ľder Khair ad-Din Barbarossa und Arudsch in Anspruch zu nehmen.

In ihrer Bedr√§ngnis erlaubten die Hafsiden den Korsaren, den Hafen von La Goulette und die Insel Djerba als Basis zu benutzen. Nach dem Tod von Arudsch machte sich sein Bruder Khair ad-Din Barbarossa zum Vasallen des Sultans von Istanbul und wurde von ihm zum Admiral des Osmanischen Reiches ernannt. Er eroberte 1534 Tunis, musste sich aber 1535 aus der Stadt zur√ľckziehen, nachdem diese durch eine Armada von Karl¬†V. im Tunisfeldzug erobert worden war. 1574 wurde Tunis wieder von den Osmanen, diesmal unter F√ľhrung von KńĪlńĪ√ß Ali PaŇüa, erobert. Tunesien wurde damit eine Provinz des osmanischen Reiches. Die neuen Herrscher hatten aber wenig Interesse an Tunesien und ihre Bedeutung nahm st√§ndig auf Kosten von lokalen Machthabern ab; es waren nur 4000 Janitscharen in Tunis stationiert. Im Jahre 1590 kam es zu einem Janitscharenaufstand, als dessen Resultat ein Dey an die Staatsspitze gesetzt wurde. Ihm war ein Bey unterstellt, der f√ľr die Verwaltung des Landes und die Steuereintreibung verantwortlich war. Der den Bey gleichgestellte Pascha hatte nur die Aufgabe, den osmanischen Sultan zu repr√§sentieren. Im Jahre 1612 gr√ľndete Murad Bey die Dynastie der Muraditen, am 15. Juli 1705 machte Husain I. ibn Ali sich zum Bey von Tunis und gr√ľndete die Dynastie der Husainiden. Unter den Husainiden erreichte Tunesien einen hohen Grad an Selbst√§ndigkeit, obwohl es offiziell noch immer osmanische Provinz war. Ahmad I. al-Husain, der von 1837 bis 1855 regierte, leitete einen Modernisierungsschub ein mit wichtigen Reformen wie die Abschaffung der Sklaverei oder die Annahme einer Verfassung.

Französisches Protektorat, Unabhängigkeitskampf

Wirtschaftliche Schwierigkeiten, hervorgerufen durch eine ruin√∂se Politik der Beys, hohe Steuern und ausl√§ndische Einflussnahme zwangen die Regierung 1869, den Staatsbankrott zu erkl√§ren und eine internationale britisch-franz√∂sisch-italienische Finanzkommission ins Leben zu rufen. Aufgrund seiner strategischen Lage wurde Tunesien schnell zum Zielpunkt der franz√∂sischen und italienischen Interessen. Die Konsuln Frankreichs und Italiens versuchten, aus den finanziellen Schwierigkeiten der Beys ihre Vorteile zu ziehen, wobei Frankreich darauf vertraute, dass sich England neutral verhalten w√ľrde (England hatte kein Interesse daran, dass Italien den Seeweg √ľber den Sueskanal in seine Kontrolle bringen w√ľrde), und auch darauf, dass Bismarck die Aufmerksamkeit Frankreichs von der Elsa√ü-Lothringen-Frage ablenken wollte.

Einf√§lle von Pl√ľnderern aus der Kroumirie in das Territorium Algeriens lieferten Jules Ferry den Vorwand, Tunesien zu erobern. Im April 1881 drangen franz√∂sische Truppen in Tunesien ein und eroberten innerhalb von drei Wochen Tunis, ohne auf nennenswerten Widerstand zu sto√üen. Am 12. Mai 1881 wurde Bey Muhammad III. al-Husain zur Unterzeichnung des Bardo-Vertrages gezwungen, womit Tunesien ein franz√∂sisches Protektorat wurde. Aufst√§nde rund um Kairouan und Sfax wurden einige Monate sp√§ter schnell erstickt. Der Vertrag von la Marsa vom 8. Juni 1883 r√§umte Frankreich weitreichende Befugnisse in der Au√üen-, Verteidigungs- und Innenpolitik Tunesiens ein. Damit gliederte Frankreich das Land in sein Kolonialreich ein und vertrat es in der Folge auf dem internationalen Parkett. Der Bey musste fast seine gesamte Macht an den Generalresidenten abgeben. Auf wirtschaftlichem Gebiet gab es Fortschritte:

  • Banken und Unternehmen wurden gegr√ľndet,
  • die landwirtschaftliche Nutzfl√§che wurde erweitert und f√ľr den Anbau von Getreide und Oliven genutzt,
  • 1885 wurden betr√§chtliche Phosphatvorkommen in der Region Seldja entdeckt. Nach dem Bau einiger Eisenbahnlinien (siehe Geschichte der Eisenbahn in Tunesien) begannen Phosphatabbau und Eisenerzabbau.
  • Ein zweisprachiges Bildungssystem wurde eingef√ľhrt, das es den Eliten Tunesiens erlaubte, sich auf Arabisch und Franz√∂sisch fortzubilden.

Am Beginn des 20. Jahrhunderts begann der Widerstand gegen die franz√∂sische Besatzung. 1907 gr√ľndeten B√©chir Sfar, Ali Bach Hamba und Abdeljelil Zaouche die reformistische Intellektuellenbewegung Jeunes Tunisiens. Diese nationalistische Str√∂mung zeigte sich in der Djellaz-Aff√§re 1911 und im Boykott der Stra√üenbahn von Tunis 1912. Von 1914 bis 1921 herrschte in Tunesien der Ausnahmezustand und jegliche antikolonialistische Presse√§u√üerung wurde verboten. Trotzdem bekam die nationale Bewegung mehr Zulauf und zu Ende des Ersten Weltkriegs wurde von einer Gruppe um Abdelaziz Th√Ęalbi die Destur-Partei gegr√ľndet. Sie verk√ľndete nach ihrer offiziellen Gr√ľndung am 4. Juni 1920 ein Acht-Punkte-Programm. Der Anwalt Habib Bourguiba, der schon vorher in Zeitschriften wie La Voix du Tunisien oder L‚Äô√Čtendard tunisien das Protektoratsregime angeprangert hatte, gr√ľndete 1932 zusammen mit Tahar Sfar, Mahmoud Materi und Bahri Guiga die Zeitschrift L‚ÄôAction Tunisienne, die neben der Unabh√§ngigkeit auch f√ľr den Laizismus eintrat. Diese Position f√ľhrte zur Spaltung der Destour-Partei auf dem Kongress von Ksar Hellal am 2. M√§rz 1934:

  • Der islamistische Fl√ľgel blieb beim alten Namen Destour;
  • der modernistische und laizistische Fl√ľgel nannte sich N√©o-Destour. Er verlieh sich eine moderne Organisation nach dem Vorbild europ√§ischer sozialistischer Parteien und beschloss als Ziel, die Macht zu ergreifen, um die Gesellschaft zu ver√§ndern.

Nach dem Scheitern von Verhandlungen mit der Regierung L√©on Blum kam es 1937 zu einigen blutigen Zwischenf√§llen, die in den gewaltsam niedergeschlagenen Unruhen vom April 1938 gipfelten. Diese Unterdr√ľckung f√ľhrte dazu, dass der N√©o-Destour seinen Kampf im Untergrund fortf√ľhrte. 1940 lieferte das Vichy-Regime Bourguiba auf Verlangen Mussolinis an Italien aus, der sich erhoffte, damit die R√©sistance in Nordafrika zu schw√§chen. Bourguiba rief jedoch am 8. August 1942 zur Unterst√ľtzung f√ľr die Alliierten auf. Kurz darauf wurde das Land Schauplatz der Schlacht um Tunesien, an deren Ende die Truppen der Achsenm√§chte am 11. Mai 1943 zur Kapitulation am Kap Bon gezwungen wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der bewaffnete Widerstand Teil der Strategie zur nationalen Befreiung. Verhandlungen mit der franz√∂sischen Regierung wurden gef√ľhrt und Robert Schuman deutete 1950 sogar eine schrittweise Unabh√§ngigkeit Tunesiens an; nationalistische Auseinandersetzungen f√ľhrten 1951 jedoch zum Scheitern dieser Verhandlungen.

Nach der Ankunft des neuen Generalresidenten, Jean de Hauteclocque, am 13. Januar 1952 und der Verhaftung von 150 Destour-Mitgliedern am 18. Januar begann eine bewaffnete Revolte, w√§hrend sich die Fronten auf beiden Seiten verh√§rteten. Die Ermordung des Gewerkschafters Farhat Hached durch die kolonialistische Extremistenorganisation La Main Rouge f√ľhrte zu Kundgebungen, Unruhen, Streiks und Sabotageaktionen, wobei das Ziel immer mehr die Strukturen der Kolonisation und Regierung wurden. Frankreich mobilisierte 70.000 Soldaten, um die tunesischen Guerilla-Gruppen unter Kontrolle zu bringen. Diese Situation wurde erst mit der Zusicherung innerer Autonomie an Tunesien durch Pierre Mend√®s France am 31. Juli 1954 entsch√§rft. Am 3. Juli 1955 wurden schlie√ülich von Tunesiens Premierminister Tahar Ben Ammar und seinem franz√∂sischen Amtskollegen Edgar Faure die franz√∂sisch-tunesischen Vertr√§ge unterzeichnet. Trotz des Widerstandes von Salah Ben Youssef, der in der Folge aus der Neo-Destour-Partei ausgeschlossen wurde, wurden die Vertr√§ge vom Kongress des Neo-Destour am 15. November in Sfax ratifiziert. Nach neuen Verhandlungen erkannte Frankreich am 20. M√§rz 1956 die Unabh√§ngigkeit Tunesiens an, wobei es die Milit√§rbasis in Bizerte behielt.

Tunesien nach seiner Unabhängigkeit

Am 25. M√§rz 1956 wurde die konstituierende Nationalversammlung des Landes gew√§hlt. Die N√©o-Destour gewann alle Sitze, und Bourguiba √ľbernahm den Parlamentsvorsitz. Am 11. April wurde er von Lamine Bey zum Premierminister ausgerufen. Am 13. August wurde das fortschrittliche tunesische Personenstandsgesetz erlassen. Am 25. Juli 1957 wurde die Monarchie abgeschafft, Lamine Bey musste abdanken, und Tunesien wurde eine Republik. Bourguiba wurde am 8. November 1959 zu ihrem ersten Pr√§sidenten gew√§hlt.

Die Rechtsgrundlagen der Verfassung orientierten sich am franz√∂sischen Recht. Das aktive und passive Frauenwahlrecht wurde am 1. Juni 1959 eingef√ľhrt. Auf der Basis einer Verordnung √ľbten Frauen im Mai 1957 erstmals bei Stadtratswahlen das aktive und passive Wahlrecht aus.

Der Islam war Staatsreligion (Artikel 1); Tunesien war aber das einzige arabische Land, das das islamische Rechtssystem Scharia in seiner Verfassung vom 1. Juni 1959 abgeschafft hatte. Lediglich Artikel 38 der tunesischen Verfassung schrieb fest, dass der Pr√§sident ein Muslim sein muss. Nach der Unabh√§ngigkeit waren die Frauen im Familienrecht (Eheschlie√üung, Scheidung, Sorgerecht) den M√§nnern gleichgestellt worden. Tunesien verf√ľgte √ľber ein Parlament, das aus zwei Kammern bestand (‚ÄěZweikammersystem‚Äú):

  • Die Abgeordnetenkammer (Chambre des d√©put√©s) mit f√ľr f√ľnf Jahre gew√§hlten Mitgliedern. Das Wahlgesetz sah vor, dass mindestens 20¬†% der Parlamentssitze der Opposition zufallen sowie
  • Die (erst seit 2005 existierende) R√§tekammer (Chambre des conseillers) mit f√ľr sechs Jahre gew√§hlten R√§ten. Die R√§te wurden indirekt, d.¬†h. von der Abgeordnetenkammer, dem Pr√§sidenten oder Gemeinder√§ten ernannt. Die einzige in dieser Kammer vertretene Partei war die RCD. Die Gesetzesinitiative lag beim Pr√§sidenten oder bei der 'Chambre des d√©put√©s'; in der Praxis wurde sie meist vom Pr√§sidenten wahrgenommen.

Im Jahr 1958 kam es zu einem internationalen Zwischenfall mit vielen zivilen Opfern, als die Franzosen den Grenzort Sakiet Sidi Youssef als Vergeltungsma√ünahme gegen von Tunesien aus operierende K√§mpfer der FNL im Rahmen des Algerienkrieges bombardierten. Im Jahr 1961, als das Ende des Algerienkrieges absehbar war, forderte Tunesien die R√ľckgabe der Milit√§rbasis von Bizerte. Die folgende Bizerte-Krise forderte etwa 1000¬†Todesopfer, davon die Mehrheit Tunesier. Sie endete mit der R√ľckgabe der Basis am 15.¬†Oktober 1963.

Nach der Ermordung von Salah Ben Youssef, dem wichtigsten Oppositionellen seit 1955, sowie des Verbots der Kommunistischen Partei am 8. Januar 1963 wurde die tunesische Republik zu einem von der N√©o-Destour gef√ľhrten Einparteienstaat. Auch ihre Nachfolgerin, die 1988 gegr√ľndete Konstitutionelle Demokratische Sammlung (RCD), war bis Januar 2011 die dominierende Partei. Sie entsandte zuletzt (2010) 152 der 189 Parlamentarier.

Im M√§rz 1963 leitete Ahmed Ben Salah eine sozialistische Politik ein, unter der praktisch die gesamte tunesische Wirtschaft verstaatlicht wurde. Bereits 1969 wurde Ben Salah jedoch entlassen, nachdem es zu Unruhen wegen der Kollektivierung der Landwirtschaft gekommen war; das sozialistische Experiment war damit auch beendet. Die schw√§chelnde Wirtschaft und der von Muammar al-Gaddafi gepredigte Panarabismus f√ľhrten zu einem 1974 gestarteten politischen Projekt, das Tunesien und Libyen unter dem Namen Arabische Islamische Republik vereinigen sollte. Dieses Projekt wurde jedoch nach nationalen und internationalen Spannungen wieder fallengelassen.

Die Verurteilung Ben Salahs zu einer hohen Gef√§ngnisstrafe leitete eine Periode ein, in welcher der durch Ahmed Mestiri angef√ľhrte liberale Fl√ľgel der mittlerweile nach PSD umbenannten Partei die Oberhand gewann. Bourguiba wurde 1975 zum Pr√§sidenten auf Lebenszeit ernannt, der Gewerkschaftsbund UGTT gewann w√§hrend der Regierung von H√©di Nouira eine gewisse Autonomie, und die Tunesische Menschenrechtsliga konnte 1977 gegr√ľndet werden. Die erwachende Zivilgesellschaft konnte auch durch die Gewaltakte gegen die UGTT am Schwarzen Dienstag des Januar 1978 und die Angriffe auf die Bergbaustadt Gafsa im Januar 1980 nicht mehr mundtot gemacht werden.

Zu Beginn der 1980er Jahre geriet das Land in eine politische und soziale Krise, deren Ursachen in Nepotismus und Korruption, in der Lähmung des Staates angesichts der sich verschlechternden Gesundheit Bourguibas, in Nachfolgekämpfen und einer generellen Verhärtung des Regimes zu suchen sind. Im Jahre 1981 erweckte die teilweise Wiederherstellung des pluralistischen Systems Hoffnungen, die jedoch bereits mit der Wahlfälschung im November desselben Jahres zerstört wurden. Die blutige Niederschlagung der Brot-Unruhen im Dezember 1983, die erneute Destabilisierung der UGTT und die Verhaftung ihres Vorsitzenden Habib Achour trugen dann zum Sturz des alternden Präsidenten und zum sich verstärkenden Aufkommen des Islamismus bei.

Am 7. November 1987 setzte Ministerpr√§sident Zine el-Abidine Ben Ali den Pr√§sidenten Bourguiba aufgrund von Senilit√§t ab, was von der Mehrheit des politischen Spektrums begr√ľ√üt wurde. Im Dezember 1987 entlie√ü Ben Ali sechs der neun Politb√ľromitglieder der regierenden Parti Socialiste Destourien (PSD) und ersetzte sie durch pers√∂nliche Vertraute. Nach dem Machtwechsel kehrten auch mehrere Exilpolitiker nach Tunesien zur√ľck. Ende 1987 wurden 2500 Gefangene, darunter auch 600 islamische Fundamentalisten aus den Gef√§ngnissen freigelassen. Au√üenpolitisch setzte Ben Ali auf eine engere Zusammenarbeit mit den Maghreb-Staaten und nahm auch die 1985 abgebrochenen diplomatischen Beziehungen zu Libyen wieder auf.

Ben Ali wurde am 2. April 1989 mit 99,27¬†% der Stimmen gew√§hlt und schaffte es in der Folge, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Ben Ali bek√§mpfte den radikalen Islamismus aktiv und ersparte Tunesien somit die Gewalt, die das benachbarte Algerien ersch√ľtterte; die Ennahda-Partei wurde neutralisiert, zehntausende militante Islamisten verhaftet und in zahlreichen Prozessen zu Beginn der 1990er Jahre verurteilt. Der f√ľhrende Fl√ľgel der Ennahda-Bewegung lebte im Exil in Frankreich und Gro√übritannien. Die laizistischen Oppositionellen gr√ľndeten 1988 mit dem Pacte national eine Plattform mit dem Ziel, das Regime zu demokratisieren. Die politische Opposition und Nicht-Regierungsorganisationen begannen derweil, das Regime der Einschr√§nkung von B√ľrgerrechten zu beschuldigen, weil es die Repression √ľber die Bek√§mpfung des radikalen Islamismus hinaus ausweitete. In den Pr√§sidentschaftswahlen 1994 wurde Ben Ali mit 99,91¬†% der Stimmen wiedergew√§hlt; im Jahr 1995 unterzeichnete er ein Freihandelsabkommen mit der Europ√§ischen Union. Die Pr√§sidentschaftswahl am 24. November 1999 war die erste pluralistische Wahl in der Geschichte des Landes, wurde jedoch von Ben Ali mit einem √§hnlichen Stimmenanteil wie in den vorangegangenen Wahlen gewonnen. Die Verfassungs√§nderung des Jahres 2002 steigerte noch den Machtumfang des Pr√§sidenten. Im selben Jahr meldete sich der islamische Terrorismus mit dem Anschlag auf die al-Ghriba-Synagoge zu Wort.

2009 wurden die B√ľrger Tunesiens in ihrem Recht, die Regierung abzuw√§hlen, und ihrem Recht auf freie Meinungs√§u√üerung erheblich eingeschr√§nkt. Die Regierung f√ľhrte strenge Einschr√§nkungen der Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit im Vorfeld der Wahl im Oktober 2009 ein. √Ėffentliche Kritik wurde nicht geduldet. Es gab zahlreiche Berichte dar√ľber, dass oppositionelle B√ľrger durch strafrechtliche Ermittlungen, willk√ľrliche Verhaftungen, Reisebeschr√§nkungen und Kontrollen gezielt eingesch√ľchtert wurden, um Kritik zu verhindern. Lokale und internationale Nichtregierungsorganisationen berichteten, dass Sicherheitskr√§fte Gefangene misshandelten. Pr√§sident Zine el-Abidine Ben Ali wurde zuletzt im Oktober 2009 mit 89,28 Prozent Stimmenanteil im Amt best√§tigt; die n√§chste Pr√§sidentschaftswahl sollte Ende des Jahres 2014 stattfinden. Zine el-Abidine Ben Ali wurde aufgrund des √∂ffentlichen Drucks durch die massiven Proteste ab Dezember 2010 gest√ľrzt. Nach seiner Flucht nach Saudi-Arabien √ľbernahm Parlamentspr√§sident Fouad Mebazaa am 14. Januar 2011 vorl√§ufig die Amtsgesch√§fte.

Revolution und neue Verfassung (ab 2010)

Am 4. Januar 2011 starb in einem Krankenhaus in Tunis Mohamed Bouazizi, ein 26-j√§hriger Mann, an den Verletzungen, die er sich in der Provinzhauptstadt Sidi Bouzid bei einer Selbstverbrennung am 17. Dezember 2010 zugef√ľgt hatte. Der Gem√ľseh√§ndler hatte sich selbst vor dem Gouvernementsgeb√§ude in Brand gesetzt, um gegen die Konfiszierung seines Obst- und Gem√ľsestandes durch die Polizei zu protestieren. Es folgten Solidarit√§tskundgebungen im ganzen Land, die sich zu regimekritischen Kundgebungen ausweiteten. Forderungen nach Presse- und Meinungsfreiheit mischten sich mit Kritik an Korruption und Zensur. Der √Ąrger der Tunesier richtete sich auch gegen die Kleptokratie in der Umgebung Ben Alis, insbesondere durch die zahlreichen Familienmitglieder seiner Frau, Angeh√∂rige der Familie Trabelsi, die aufgrund von politischer Einflussnahme wichtige Unternehmen in Tunesien in Besitz genommen haben.

W√§hrend der Unruhen kam es im Januar 2011 zur Verh√§ngung einer Ausgangssperre √ľber die Hauptstadt und Teile ihrer Vororte. Pr√§sident Ben Ali reagierte auf die Unruhen mit der Ausrufung des Ausnahmezustandes. Er l√∂ste die Regierung auf und k√ľndigte vorgezogene Neuwahlen an, bevor er, aufgrund immer lauter werdender Proteste, am 14. Januar 2011 fluchtartig das Land verlie√ü. Die Amtsgesch√§fte wurden vom Verfassungsrat interimistisch auf den Parlamentspr√§sidenten Fouad Mebazaa √ľbertragen, nachdem sie kurzzeitig durch den Premierminister Mohamed Ghannouchi gef√ľhrt wurden. Die von Ghannouchi gebildete √úbergangsregierung k√ľndigte Pressefreiheit und die Freilassung aller politischen Gefangenen an. Am 3. Februar 2011 k√ľndigte Interimspr√§sident Mebaza√Ę in einer Rede an die Nation die Wahl einer Verfassunggebenden Versammlung an, die den ‚Äěendg√ľltigen Bruch‚Äú mit dem Ben-Ali-System einleiten sollte. Die tunesische Volkserhebung l√∂ste als ‚ÄěArabischer Fr√ľhling‚Äú im fast gesamten arabischen Raum √§hnliche Bewegungen aus, die unter anderem in Libyen und √Ągypten die dortigen Machthaber st√ľrzten.

Am 23. Oktober 2011 fanden die ersten freien Wahlen zu einer Verfassunggebenden Versammlung statt, aus denen die islamistische Partei Ennahda als stärkste mit 90 der 217 Sitze hervorging. Die Versammlung trat am 22. November 2011 erstmals zusammen. Mit Hilfe der Kongresspartei wurde Moncef Marzouki am 12. Dezember 2011 zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Er ernannte am 24. Dezember Hamadi Jebali zum Ministerpräsidenten.

In der Verfassunggebenden Versammlung waren u. a. folgende Parteien vertreten:

  • die islamisch gepr√§gte Ennahda-Bewegung mit 90 der 217 Sitze
  • der sozialliberale Kongress f√ľr die Republik (CPR) mit 29 Sitzen
  • die populistische Volkspetition f√ľr Freiheit, Gerechtigkeit und Entwicklung mit 26 Sitzen
  • das sozialdemokratische Demokratische Forum f√ľr Arbeit und Freiheit (Ettakatol ‚Äď FDTL) mit 20 Sitzen
  • die s√§kulare und liberale Progressive Demokratische Partei (PDP) mit 16 Sitzen
  • der linksgerichtete, s√§kulare Demokratisch-Modernistische Pol inklusive der postkommunistischen Ettajdid-Bewegung, mit f√ľnf Sitzen
  • die Partei Die Initiative, eine faktische Nachfolgepartei der verbotenen RCD, die das alte Ben-Ali-System vertritt, mit f√ľnf Sitzen
  • die b√ľrgerlich-liberale Partei Afek Tounes mit vier Sitzen und
  • die Tunesische Kommunistische Arbeiterpartei mit drei Sitzen

Die Ennahda-Bewegung wurde auch nach ihrem Wahlsieg zur Verfassungsgebenden Versammlung differenziert eingesch√§tzt: Deren Mitglieder seien ‚Äěb√ľrgerlich-konservative Muslime‚Äú, ‚Äěmoderate Islamisten‚Äú oder ‚Äěmilitante Islamisten‚Äú. Zwar hatte die Ennahda die Aktionen der Islamisten stets verurteilt und ihr Wahlprogramm war moderat verfasst (z.¬†B. Geschlechtergerechtigkeit), doch bef√ľrchteten nicht wenige Tunesier, dass diese Forderung als Deckmantel nach einem Wahlsieg abgelegt werden k√∂nnte.

2012/13 kam es zu √úbergriffen auf Abgeordnete und Politiker, die nicht der Ennahda-Partei angeh√∂rten. Die Ermordung des linken Oppositionspolitikers Chokri Bela√Įd am 6. Februar 2013, eines prominenten Kritikers der Ennahda-Partei, und Mohamed Brahmis am 15. Juli 2013 f√ľhrten zu Massendemonstrationen gegen die Regierungspartei. Auch viele Frauen f√ľhlten sich nach dem Sieg dieser Partei in ihren Rechten gef√§hrdet, die ihnen schon Bourguiba 1956 und danach Ben Ali zugestanden hatten. So sollten sie zum Beispiel dem Mann nicht mehr ‚Äěgleichgestellt‚Äú sein, sondern ihn ‚Äěerg√§nzen‚Äú (Verfassungsentwurf vom August 2012). Dagegen gab es Demonstrationen bis ins Jahr 2013. Ministerpr√§sident Jebali war bereits am 19. Februar zur√ľckgetreten. Sein Nachfolger wurde der bisherige Innenminister Ali Larajedh, der ein Jahr sp√§ter, am 29. Januar 2014, im Rahmen eines nationalen Dialogs Mehdi Joma√Ę und dessen Regierung von Technokraten Platz machte. Seit Ende 2014 war Beji Caid Essebsi erster demokratisch gew√§hlter Pr√§sident eines arabischen Landes; er ernannte am 5. Januar 2015 Habib Essid zum Premierminister. Am 25. Juli 2019 starb Essebsi im Amt.

Am 7. Februar 2014 wurde die neue Verfassung, auf die sich am 27. Januar eine Mehrheit von 200 Abgeordneten (von insgesamt 216) aus fast allen Parteien geeinigt hatte, feierlich verabschiedet. Sie garantiert die Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie die Gleichstellung von Mann und Frau und ist zum Zeitpunkt ihrer Verabschiedung ‚Äěeinzigartig in der arabischen Welt‚Äú.

Die Machtverteilung zwischen Pr√§sident und Premierminister soll ein autokratisches Regime k√ľnftig verhindern. Ein neu zu schaffender Verfassungsgerichtshof soll √ľber die Rechtm√§√üigkeit zuk√ľnftiger Gesetzesreformen wachen. Damit soll die Gewaltenteilung in Zukunft gesch√ľtzt werden.

Einer der gr√∂√üten Streitpunkte war bis zum Schluss die Rolle der Religion im neuen Tunesien. W√§hrend die Pr√§ambel und Artikel 1 der Verfassung zwar den Islam erw√§hnen, ohne auf seine Bedeutung f√ľr den Staat einzugehen, wird der Text an einigen Stellen konkreter. Der Artikel 6 garantiert Glaubens- und Gewissensfreiheit und sogar ‚Äď undenkbar in anderen arabischen L√§ndern ‚Äď das Recht auf gar keinen Glauben, um jedoch nur einen Halbsatz sp√§ter festzulegen, dass der Staat ‚Äědas Heilige‚Äú besch√ľtzt. Der Islam ist Staatsreligion, aber die Scharia nicht Rechtsquelle.

Am 1. Juni 2014 nahm die Kommission f√ľr Wahrheit und W√ľrde ihre Arbeit auf, die Menschenrechtsverletzungen zwischen 1955 und 2013 aufarbeiten sollte. Ihren Abschlussbericht pr√§sentierte sie am 26. M√§rz 2019.

Tunesien wurde 2015 auf der Freedom Map der Organisation Freedom House 2015 als erstes arabisches Land mit dem Status ‚Äěfrei‚Äú bewertet. 2017 erhielt es die Bestnote 1 bei der Bewertung der politischen Rechte. 2015 wurde das Tunesische Quartett f√ľr seine Bem√ľhungen um die Demokratisierung und den nationalen Dialog nach der Revolution mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Frauenrechte

Gleichberechtigung von Frauen und M√§nnern war in der Verfassung ein wichtiges Thema. Frauenf√∂rderung ist seit Mitte der 1950er Jahre ein Bestandteil der tunesischen Politik. Bereits 1956, nach der Unabh√§ngigkeit, wurden in Tunesien Frauen weitgehend gleichberechtigt, sie durften w√§hlen gehen und die Scheidung einreichen; lediglich das islamische Erbrecht, in dem S√∂hnen h√∂here Anteile als T√∂chtern zustehen, wurde beibehalten. Inzwischen stellen die neuen Artikel 20 und 45 M√§nner und Frauen nicht nur vollkommen gleich, sondern garantieren auch Chancengleichheit und sprechen sich daf√ľr aus, dass eine bestimmte Zahl der Sitze in Stadt- und Landr√§ten an Frauen vergeben werden muss. Dennoch wurde der ‚ÄöStaatsfeminismus‚Äė von tunesischen Frauenbewegungen kritisiert, da trotz aller staatlichen Bem√ľhungen weiterhin Benachteiligung von Frauen bestehe.

Politik und Verwaltung

Seit Beginn der Demokratisierung im Zuge des Arabischen Fr√ľhlings hat sich die Situation der Pressefreiheit deutlich verbessert. 2010 lag Tunesien noch auf Platz 164 der Rangliste. Die Lage wurde als ‚Äěschwierig‚Äú eingestuft. Auch der Demokratieindex zeigt deutliche Verbesserungen. 2010 lag das Land noch bei unter drei Punkten und wurde als autorit√§res Regime eingestuft. In den folgenden Jahren stieg der Wert sprunghaft an. Seit 2014 wird Tunesien als unvollst√§ndige Demokratie bezeichnet.

Menschenrechte

In Tunesien kommt es regelm√§√üig zu Folter durch staatliche Beh√∂rden. Laut einem Bericht von Amnesty International aus dem Jahr 2017 kommt es landesweit zu Folter, willk√ľrlichen Verhaftungen, Hausdurchsuchungen, Razzien und Reiseverboten. Verhaftungen erfolgen demnach wegen auff√§lligen Aussehens, religi√∂ser √Ąu√üerungen oder bereits verb√ľ√üter Delikte. Die Organisation bem√§ngelte die Straflosigkeit f√ľr Menschenrechtsverletzungen, die die Kultur der Gewalt f√∂rdere.

Beh√∂rden gingen bis zum Ende der Diktatur 2011 vielfach brutal gegen die eigenen B√ľrger vor. Im Jahr 2016 wurden Gesetze verabschiedet, die vor Menschenrechtsverletzungen sch√ľtzen sollen. Laut Amnesty International sind allerdings durch ein 2015 verabschiedetes Anti-Terrorgesetz die Beh√∂rden mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet und fassen den ‚ÄěBegriff des Terrorismus‚Äú sehr weit.

Verwaltungsgliederung

Tunesien ist in 24 Gouvernements gegliedert, deren geographische Größe ihrer Einwohnerzahl angepasst ist:

Die Gouvernement sind wiederum verwaltungstechnisch in insgesamt 264 Delegationen (ähnlich Landkreisen) untergliedert, die ihrerseits die eigentlichen Gemeinden oder, in größeren Städten, die Stadtteile, enthalten.

Städte

2016 lebten 67,0 % der Bevölkerung in Städten oder städtischen Räumen. Die 5 größten Städte sind (Stand 2017):

  1. Tunis: 638.845 Einwohner
  2. Sfax: 272.801 Einwohner
  3. Sousse: 221.530 Einwohner
  4. Ettadhamen: 142.953 Einwohner
  5. Kairouan: 139.070 Einwohner

Außenpolitik

F√ľr Tunesien besitzen die Beziehungen zu den Staaten der Europ√§ischen Union h√∂chste Priorit√§t, da diese die wichtigsten Investitions- und Handelspartner des Landes sind. Au√üerdem kommen ein Gro√üteil der Touristen, die das Land besuchen, aus den Staaten Europas. Die Weiterentwicklung der Beziehungen sind deshalb ein langfristiges strategisches Ziel der tunesischen Au√üenpolitik.

Mit Finanzhilfen sowie umfassenden Programmen f√∂rdert die EU im Rahmen ihrer Nachbarschaftspolitik gute Regierungsf√ľhrung und Rechtsstaatlichkeit, nachhaltiges Wachstum und Besch√§ftigung sowie den sozialen Zusammenhalt. Im Rahmen der Euro-Mediterranen Partnerschaft kooperiert Tunesien mit der Europ√§ischen Union.

Ein weiterer wichtiger au√üenpolitischer Partner sind die Vereinigten Staaten. Ein Freundschaftsvertrag zwischen beiden L√§ndern besteht bereits seit dem Jahr 1799. Die heutigen Beziehungen beruhen vor allem auf einer engen sicherheitspolitischen und milit√§rischen Zusammenarbeit. Nach der Verabschiedung der demokratischen Verfassung¬† 2014 haben sich die USA und Tunesien weiter angen√§hert. 2015 unternahm Pr√§sident Essebsi einen Staatsbesuch in die USA. Seit demselben Jahr geh√∂rt Tunesien zu der Gruppe der Major non-NATO ally und damit zu den engsten Verb√ľndeten der USA au√üerhalb der NATO. Innerhalb der arabischen L√§nder versucht Tunesien eine ausgleichende Haltung einzunehmen und vertritt vergleichsweise pro-westliche Positionen. Tunesien unterh√§lt freundschaftliche Beziehungen zu allen Staaten in Nordafrika. Der Sturz der Mursi-Regierung in √Ągypten verschlechterte die Beziehungen zu Tunesien unter der Ennahda-Regierung kurzzeitig. Mit der Pr√§sidentschaft Caid Essebsis ab 2015 verbesserten sie sich wieder. Im angrenzenden Libyen ist Tunesien an einer politischen L√∂sung des seit 2011 andauernden B√ľrgerkriegs interessiert und m√∂chte sich gemeinsam mit den Nachbarstaaten und den Vereinten Nationen aktiv an einer L√∂sung des Konflikts beteiligen.

Wichtige multilaterale Organisationen in denen das Land Mitglied ist, sind u. a. die Afrikanische Union, die Arabische Liga, die Organisation f√ľr Islamische Zusammenarbeit und die Vereinten Nationen.

Wirtschaft

Allgemeines

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von etwa 1990 bis 2009 stetig. Dies war aufgrund der politischen Stabilit√§t und Kontinuit√§t im Land m√∂glich. Tunesien wird deshalb von der Organisation f√ľr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) als Schwellenland eingestuft und gilt als eines der wettbewerbsf√§higsten L√§nder Afrikas. Das BIP Tunesiens betrug im Jahr 2016 41,8 Mrd. US-Dollar. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im selben Jahr rund 3730¬†US-Dollar. Die gr√∂√üten √∂konomischen Herausforderungen liegen f√ľr Tunesien insbesondere in der Bek√§mpfung der seit Jahren hohen Arbeitslosigkeit sowie der Erh√∂hung des Investitionsniveaus im privaten und √∂ffentlichen Sektor. Zudem werden Strukturreformen f√ľr notwendig erachtet. Die Arbeitslosenquote lag 2016 bei ca. 14¬†%. Bei jungen Menschen und Akademikern ist die Arbeitslosigkeit jedoch noch deutlich h√∂her und liegt bei √ľber 20¬†%.

Charakteristisch f√ľr die tunesische Wirtschaft ist die starke Ausrichtung auf Europa (Au√üenhandel und Tourismus). Das Land kann sich deshalb vom Konjunkturzyklus in der EU nicht abkoppeln.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Tunesien Platz 95 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2021 Platz 119 von 178 L√§ndern.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft besch√§ftigt 18¬†% der Arbeitskr√§fte und erwirtschaftete 2007 einen Anteil von 11,5¬†% am BIP. Im n√∂rdlichen Landesteil werden vor allem Getreide (Weizen, Gerste), Zitrusfr√ľchte, Datteln und Gem√ľse angebaut sowie Rinder gehalten. Charakteristisch sind die ausgedehnten Olivenkulturen; Tunesien ist einer der bedeutendsten Exporteure von Oliven√∂l. Bedeutend ist auch der Weinbau. Im S√ľden gibt es vereinzelt Oasenwirtschaft und extensive Viehzucht (Schafe, Ziegen).

Die Landwirtschaft verbraucht ca. 80¬†% des S√ľ√üwassers des Landes, die bew√§sserte Fl√§che ist von 65.000 Hektar (1956) auf heute 345.000 Hektar angestiegen. Der Sektor ist jedoch relativ unproduktiv und stagniert praktisch seit 1992; die Weltbank empfiehlt eine weitere Deregulierung, was jedoch mit den Armutsbek√§mpfungszielen der Regierung nicht vereinbar ist. Des Weiteren ist die Landwirtschaft von Desertifikation und Bodenerosion betroffen, jedes Jahr gehen 20.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfl√§che verloren. Nachdem die Weltmarktpreise f√ľr jene landwirtschaftlichen Produkte, auf deren Import Tunesien angewiesen ist, in den letzten Jahren stark gestiegen sind, hat die Regierung das Erreichen der Autarkie zum Ziel erkl√§rt.

Im Jahr 2006 wurden in Tunesien fast 110.000 Tonnen Fisch verarbeitet, das meiste davon in intensiv bewirtschafteten K√ľstengew√§ssern. Die Regierung versucht, die Hochseefischerei zu entwickeln; die K√ľhl- und Hafeninfrastruktur daf√ľr steht mittlerweile zur Verf√ľgung.

Bodenschätze und Energie

Die wichtigsten Bodensch√§tze sind Phosphate, Erd√∂l, Gold, Erdgas, Eisenerze, Zink sowie Blei. F√ľr Januar 2006 wurden die Erd√∂lreserven Tunesiens auf 308 Millionen Barrel gesch√§tzt. Im Jahr 2005 wurden t√§glich 75.000 Barrel √Ėl gef√∂rdert. Tunesien ist somit nur ein sehr kleiner √Ėlproduzent. In Tunesiens Erd√∂l- und Erdgasf√∂rderung wurde in den vergangenen Jahren viel investiert und die F√∂rderung wird 2009 bei etwa 8,4 Millionen Tonnen √Ėl√§quivalent liegen. Das bedeutet eine Steigerung gegen√ľber 2005 von 50¬†%. Dies hatte f√ľr das Jahr 2007 erstmals seit langem eine ausgeglichene Energiebilanz zur Folge. Neben eigener F√∂rderung bekommt Tunesien kostenlose Gaslieferungen als Zahlung f√ľr die Pipeline von Algerien nach Italien, die √ľber tunesisches Gebiet verl√§uft. Die eigene F√∂rderung von Energietr√§gern hilft dabei, die Effekte der steigenden Weltmarktpreise f√ľr Energie abzumildern. Tunesien hat nur eine einzige Raffinerie, die in Bizerte liegt und von der Soci√©t√© Tunisienne des Industries de Raffinage (STIR) betrieben wird. Sie hat aber nur eine Kapazit√§t von 34.000 Barrel pro Tag (‚Čą 1,7 Millionen Tonnen pro Jahr). Eine weitere Raffinerie in Skhira ist in Bau, sie wird eine Kapazit√§t von sechs Millionen Tonnen pro Jahr haben.

Die Gewinnung von Phosphatmineralen (etwa 60¬†% Calciumphosphat) im S√ľden des Landes begann um 1899. Die Lagerst√§tten entdeckte man im Zeitraum 1885‚Äď1886. Durch die Compagnie des phosphates et du chemin de fer de Gafsa wurde zwischen der Hafenstadt Sfax und dem Abbauzentrum M√©tlaoui eine 200 Kilometer lange Eisenbahnstrecke errichtet. Bis zum heutigen Zeitpunkt wurde die Eisenbahnerschlie√üung in N√§he der Lagerst√§tten weiter ausgebaut. Der Phosphatabbau besitzt f√ľr Tunesien gro√üe national√∂konomische Bedeutung. Um die erforderlichen Arbeitskr√§fte unterbringen zu k√∂nnen, wurden in der semiariden Region zahlreiche neue Siedlungen errichtet.

Im Jahr 2006 wurden in Tunesien 12,85 Milliarden Kilowattstunden elektrische Energie erzeugt. Davon kamen 12,66 Milliarden aus konventionellen W√§rmekraftwerken. Diese werden gr√∂√ütenteils mit Erdgas betrieben. Auf der Agenda steht die Installation von Atomreaktoren mit franz√∂sischer Unterst√ľtzung. Erneuerbare Energien spielen nur eine sehr untergeordnete Rolle, vor allem wird in die Gewinnung von Energie aus Wind investiert. Die staatliche Soci√©t√© Tunisienne de l‚ÄôElectricit√© et du Gaz (STEG) hatte bis 1996 ein Monopol auf die Stromerzeugung und -Vermarktung, und sie hat bis heute den gr√∂√üten Marktanteil. Sie gibt an, dass 96¬†% des Landes Zugang zu elektrischer Energie hat.

Industrie

Der Industriesektor machte 2005 29 % am BIP aus, und 32 % aller Erwerbstätigen sind hier beschäftigt.

Der wichtigste Industriezweig ist die Textil- und Lederbranche. 40¬†% aller Industrieunternehmen sind dieser Branche zuzurechnen, sie besch√§ftigen 43¬†% der in der Industrie angestellten Arbeitskr√§fte und erwirtschaften 35¬†% des Exportwertes. Die Textilindustrie hatte 2007 ein Wachstum von 5,6¬†%, obwohl nach der Aufhebung des Multifaserabkommens eine Krise bef√ľrchtet worden war. Es ist zu erwarten, dass ein Teil der Unternehmen die jetzt st√§rkere Konkurrenz aus der T√ľrkei, √Ągypten und Fernost nicht √ľberleben wird. F√ľr den Fall einer ernsthaften Krise der Textilindustrie werden Schwierigkeiten f√ľr die gesamte tunesische Wirtschaft und ernste soziale Konsequenzen bef√ľrchtet.

Die chemische Industrie ist vor allem auf die Verarbeitung der tunesischen Phosphatvorkommen ausgerichtet. Sie erh√§lt zurzeit vom Weltmarkt, wo Phosphatd√ľnger (Superphosphate) eine starke Nachfrage erleben, starke Impulse, weshalb mehrere Anlagen zur Herstellung von Phosphors√§ure im Bau sind.

Der Maschinenbau- und Elektrotechniksektor hat in den Jahren an Bedeutung stark gewonnen, vor allem durch die Auslagerung der Produktion von Kfz-Teilen. Im Jahre 2009 besch√§ftigten die 190 Unternehmen der Automobil-Zulieferindustrie 40.000 Mitarbeiter. F√ľr die Bauindustrie wird ein Boom vorhergesagt, weil einige Gro√üprojekte der Regierung und von arabischen Entwicklungsgesellschaften anstehen. Dar√ľber hinaus ist die Nahrungs- und Genussmittelindustrie bedeutsam; sie konzentriert sich auf die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte des Landes.

Tourismus

Tunesien hat mit 1300 Kilometern K√ľste, zumeist mit Sandstrand, und einem reichen kulturellen Erbe ein gro√ües touristisches Potential. Der Fremdenverkehr hat sich seit Anfang der 1970er Jahre auch zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt und erwirtschaftete 2009 5,8¬†% des BIP. Hatte Tunesien im Jahr 1971 221 Beherbergungsbetriebe mit 41.000 Betten, so waren es im Jahr 2005 816 Betriebe mit fast 230.000 Betten. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass es sich dabei vor allem um Gro√ühotelanlagen handelt. Viele dieser Clubhotels haben √ľber 400 Zimmer. Im Jahr 2007 besuchten 6,7 Millionen Auslandsg√§ste Tunesien; die Einnahmen beliefen sich auf 3,05¬†Milliarden Dinar. Ziele sind K√ľstenorte wie Hammamet, Nabeul, Sousse und Port El-Kantaoui, Monastir und Mahdia sowie die Insel Djerba zur Erholung; von hier aus werden die W√ľste Sahara im S√ľden erkundet oder arch√§ologische Fundstellen wie Karthago, nahe der im Norden des Landes gelegenen Hauptstadt Tunis, besichtigt.

Etwas mehr als die H√§lfte der Touristen stammt aus Mitteleuropa, danach folgen die Nachbarl√§nder Libyen und Algerien, die zusammen etwa 20¬†% der √úbernachtungszahlen ausmachen. Demgegen√ľber stammen 82¬†% der Tourismuseinnahmen aus der EU. 2001 besuchten etwa eine Million Touristen aus Deutschland Tunesien, diese Zahl hat sich seitdem um 50¬†% reduziert. Das Tourismusministerium Tunesiens versucht, in Europa gezielt Werbung zu schalten, um das Land vom billigen Image zu befreien. Der Erfolg ist bisher ausgeblieben, direkte Konkurrenten am Tourismusmarkt wie √Ągypten, Marokko oder die T√ľrkei haben h√∂here Zuw√§chse an Besuchern und Ums√§tzen zu verzeichnen.

Infolge der instabilen politischen Situation kam es im Tourismussektor Tunesiens 2011 zu einem starken Einbruch, der Mitte des Jahres vom deutschen Ausw√§rtigen Amt auf 60 Prozent beziffert wurde. ‚ÄěZudem seien seit Jahresbeginn knapp 3.000 Stellen im 400.000 an Besch√§ftigten umfassenden Tourismussektor gestrichen worden.‚Äú Die Einnahmen durch Touristen beliefen sich 2011 auf 1.805 Millionen US-Dollar.

Nach den Terroranschlägen von Tunis und Port El-Kantaoui in 2015 musste Tunesiens Tourismusbranche zwar Einbußen hinnehmen, erholte sich aber rasch und konnte 2018 eine Rekordzahl von 8,3 Millionen Touristen verzeichnen.

Infolge der COVID-19-Pandemie, die von tunesischen Offiziellen als katastrophal f√ľr den Tourismussektor bezeichnet wurde, schrumpften die Einnahmen um 60¬†% auf 563 Millionen US-Dollar.

Außenwirtschaft

Die tunesischen Exporte stiegen im Jahr 2007 um 25¬†% gegen√ľber dem Vorjahr, w√§hrend die Importe um 22¬†% zulegten. Diese Zahlen sind vor allem auf die leichte Abwertung des Dinar gegen√ľber dem Euro sowie auf die gestiegenen Preise f√ľr Roh√∂l, das exportiert, und f√ľr √Ėlprodukte, die reimportiert werden, zur√ľckzuf√ľhren.

Europa ist f√ľr Tunesien der mit gro√üem Abstand wichtigste Handelspartner: Etwa drei Viertel der Einfuhren stammen aus Europa, und f√ľr 80¬†% der Ausfuhren ist Europa der Abnehmer. Frankreich, Italien und Deutschland sind, traditionell in dieser Reihenfolge, die bedeutendsten Handelspartner.

Die wichtigsten Importg√ľter sind Lebensmittel, Raffinerieprodukte, Maschinen, Fahrzeuge, Telekom- und IT-Ausr√ľstung sowie Stoffe und Leder. Exportiert werden Textilien und Lederprodukte, Roh√∂l, Phosphatd√ľnger und Phosphors√§ure sowie Einzelteile f√ľr Kraftfahrzeuge.

Die Handelsbilanz Tunesiens ist negativ: Das Land importiert mehr, als es exportiert. Das Defizit wird durch den Tourismus und die Zahlungen der Tunesier an die zu Hause gebliebenen Verwandten ausgeglichen, so dass das Leistungsbilanzdefizit 3¬†% des BIP ausmacht, das durch Direktinvestitionen aus dem Ausland gestopft werden muss. Die Direktinvestitionen betrugen 2007 1180,5 Millionen Euro, die gr√∂√ütenteils in die Infrastruktur und den Textilsektor flossen. Seit den 1990er Jahren hat sich Tunesien f√ľr ausl√§ndische Direktinvestitionen ge√∂ffnet. Derzeit gibt es etwa 3000 Unternehmen, die mit ausl√§ndischem Kapital betrieben werden. Sie besch√§ftigen √ľber 300.000 Arbeitnehmer. Frankreich, Italien und Deutschland sind die wichtigsten Herkunftsl√§nder.

Seit 2008 sind alle Z√∂lle f√ľr Industrieg√ľter zwischen Tunesien und der EU abgeschafft. Das Abkommen von Agadir trat im Juli 2006 in Kraft und soll den freien Handel sowie den Abbau anderer Handelshemmnisse zwischen Tunesien, √Ągypten, Marokko und Jordanien erm√∂glichen. Tunesien hat ein Freihandelsabkommen mit der T√ľrkei unterzeichnet und bem√ľht sich auch um eines mit den USA. Beim wirtschaftlichen Zusammenschluss mit Libyen, Algerien, Marokko und Mauretanien zur Union des Arabischen Maghreb ist aber noch kein Ergebnis abzusehen.

Die Währungsreserven Tunesiens beliefen sich Februar 2016 auf 6,7 Milliarden US$.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 11,77 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 9,88 Mrd. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 4,5¬†% des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 2016 ca., 60,6¬†% der Wirtschaftsleistung.

Der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche beträgt:

  • Gesundheit: 7,2¬†% (2017)
  • Bildung: 6,6¬†% (2015)
  • Milit√§r: 2,6¬†% (2019)

Militär

Tunesiens Verteidigungsausgaben beliefen sich 2019 auf etwa 2,6¬†% des BIP. Es unterh√§lt eine Armee, die 2002 aus 27.000 Mann bestand, eine Marine mit 4.500 Mann und einer Luftwaffe mit 3.500 Mann. Daneben gibt es eine paramilit√§rische Nationalgarde, die 12.000 Mann umfasst. Die regul√§ren Streitkr√§fte sind unter anderem mit 84 M60-Kampfpanzern, 120 M113-Transportpanzern, 15 F-5-Jagdflugzeugen, 12 Aero L-59 und 11 Aermacchi MB 326-Ausbildungsflugzeugen sowie 40 Patrouillenbooten ausger√ľstet.

Es besteht Wehrpflicht f√ľr alle M√§nner √ľber 20. Der Milit√§rdienst dauert ein Jahr.

Tunesien ist Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrages, der Chemiewaffenkonvention und der Biowaffenkonvention. Das tunesische Milit√§r beteiligte sich an mehreren UN-Missionen in √Ąthiopien und Eritrea (UNMEE) und im Kongo (MONUC).

Infrastruktur

Verkehr

Tunesien verf√ľgt √ľber ein Stra√üennetz von fast 19.000¬†km, davon 257¬†km Autobahnen, fast 12.500¬†km befestigte Stra√üen, der Rest unbefestigt. Der Bau der Stra√üen begann in den 1880er Jahren. Ab den 1920er Jahren wurde die K√ľstenstra√üe (die heutige Route nationale 1) von Tunis √ľber Sfax und Sousse nach Gab√®s gebaut. Es folgte eine Vernetzung der Stra√üen im Norden des Landes, w√§hrend das Landesinnere bis in die 1950er bis 1970er Jahre auf seine verkehrsm√§√üige Erschlie√üung warten musste. Die erste Autobahn wurde 1986 eingeweiht.

Der Personenverkehr wird größtenteils auf der Straße abgewickelt, entweder per Bus, der vor allem von der staatlichen Société nationale de transport inter-urbain angeboten wird. Daneben sind Sammeltaxis beliebt, die in Tunesien louage genannt werden.

Tunesien verf√ľgt √ľber ein Eisenbahnnetz von 2145 Kilometern L√§nge, das gr√∂√ütenteils aus der Kolonialzeit stammt. Es bedient 200 Bahnh√∂fe. Der Fernverkehr und die Vorortbahnen von Tunis und Sousse werden von der staatlichen SNCFT betrieben, w√§hrend die Soci√©t√© des transports de Tunis die TGM und die Stadtbahn Tunis verwaltet.

Es gibt 30 Flugh√§fen in Tunesien, davon sieben internationale Flugh√§fen. Die wichtigsten sind Flughafen Tunis, Monastir und Djerba. Ende 2009 ist bei der Stadt Enfidha, Governorat Sousse, ein neuer Flughafen mit einer Kapazit√§t von f√ľnf Millionen Passagieren in Betrieb gegangen. Seine Endkapazit√§t wird bei 22 Millionen Passagieren liegen. Tunesien wird im Linien- wie im Charterverkehr von vielen europ√§ischen Flugh√§fen aus direkt angeflogen. Neben der 1948 gegr√ľndeten nationalen Fluglinie Tunisair gibt es eine weitere, private Fluggesellschaft, n√§mlich Nouvelair Tunisie.

Tunesien hat Handelsh√§fen in Bizerte, Gab√®s, La Goulette, Rad√®s, Sfax, Sousse, Skhira und Zarzis. Sie unterstehen alle der staatlichen Hafenbeh√∂rde Office de la Marine Marchande et des Ports, gelten aber als nicht besonders effizient. Im 100¬†km s√ľdlich von Tunis gelegenen Enfidha soll deshalb ein Tiefseehafen gebaut werden, der 1,4¬†Milliarden Euro kosten wird und 5¬†Millionen TEUs pro Jahr umschlagen kann.

Telekommunikation

Logistik und Informationstechnologie sind die momentan am schnellsten wachsenden Wirtschaftsbereiche Tunesiens, das Wachstum betrug 2007 14¬†%. Dieser Sektor hat auch in der langfristigen wirtschaftlichen Strategie der Regierung einen hohen Stellenwert. In den Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur sollen in den n√§chsten Jahren fast 4¬†Milliarden Euro investiert werden und es wird erwartet, dass innerhalb der n√§chsten f√ľnf Jahre der Anteil dieses Sektors am BIP auf 27,5¬†% steigt. Bereits jetzt hat Tunesien einen sehr hohen Rang im Network Readiness Index; es liegt vor einigen EU-Staaten und nimmt unter den arabischen Staaten den zweiten Platz ein.

Im Jahr 2019 nutzten 67 Prozent der Einwohner Tunesiens das Internet. Tunesien verf√ľgt mittlerweile √ľber eine starke und miteinander gut vernetzte Bloggerszene, welche die Jasminrevolution ma√ügeblich mitorganisiert hat.

Kultur

Da Tunesien √ľber die Jahrhunderte mehrere Einwanderungswellen aus Arabien, Spanien, Frankreich, der T√ľrkei und den nordwestafrikanischen Berber-Reichen erlebte, unterscheiden sich die Tunesier in ihrer Kultur von anderen arabischen Nationen. Dies zeigt sich im Stadtbild von Tunis (zum Beispiel auf dem Place de Barcelone oder im maurisch-andalusischen Ort Sidi Bou Sa√Įd), in der T√∂pferei- und Keramikkunst (zum Beispiel in Nabeul), an zahlreichen Bauten verschiedener Epochen (zum Beispiel dem Fort am Golf von Hammamet) und in der tunesischen K√ľche (zum Beispiel Baguette, K√§se, Croissant, ‚ÄěMakkarona‚Äú sowie einigen Berbergerichten wie zum Beispiel Brik).

Architekturgeschichte

Die Architektur Tunesiens hat viele externe Einfl√ľsse aufgenommen. Hierbei haben sich europ√§ische und nordafrikanische Stilrichtungen mit Bautraditionen aus dem arabisch beeinflussten Mittelmeerraum gemischt.

Fr√ľhe Spuren architektonischer Hinterlassenschaften wurden bei Ausgrabungen in pal√§olithischen Siedlungen gefunden. Die √§ltesten st√§dtischen Strukturen hinterlie√üen die Ph√∂nizier mit ihren ersten Handelsniederlassungen seit dem 12. Jahrhundert v. Chr. im Land. Davon sind nur wenige Zeugnisse erhalten geblieben. Zu ihren Gr√ľndungen z√§hlt die Stadt Karthago.

Die r√∂mische Epoche in Tunesien hat die alte Architektur des Landes stark beeinflusst. Sie ist in Form von arch√§ologisch gesicherten Stadtanlagen und Einzelbauten √ľberliefert. Dazu z√§hlen die Ruinen von Sbeitla.

Eine noch heute in besonderer Weise gepflegte und vielfach museal präsentierte Ausdrucksform des römischen Architekturerbes sind die zahlreich erhaltenen Mosaiken. Diese hatte man zum Zwecke der Verzierung von Fußböden und Wänden geschaffen.

Die nachfolgende byzantinische Epoche hinterließ einige Befestigungsanlagen (beispielsweise Gafsa, Sbeitla und Tebessa) und Kirchenbauten, wie die ehemalige Basilika von Sbiba.

Mit den im 7. Jahrhundert beginnenden arabischen Machtstrukturen wandelten sich architektonische und k√ľnstlerische Ausdrucksformen. Es mischen sich Gestaltungselemente aus dem Kulturkreis der Berber im Maghreb, aus den urspr√ľnglich r√∂mischen und byzantinischen Traditionen und hereinbrechenden orientalischen Einfl√ľssen. Die wichtigsten Bauten in dieser Epoche sind Palastst√§dte (Qasr al-Qadńęm) an den √§lteren Lagersiedlungen und weitere Befestigungsanlagen in Sfax und Sousse. Eine besondere Form stellen die Ribate dar, wobei ein Befestigungsturm auch als Minarett dienen konnte. Aus dieser Epoche stammen die ersten Moscheen in Tunesien, die in der fr√ľhen Phase noch wehrhafte konzipierte Bauten sind. Zu den bedeutendsten dieser Bauwerke z√§hlen die Hauptmoschee in Kairouan und die Ez-Zitouna-Moschee von Tunis. Sie wurden im 7. bzw. 8. Jahrhundert begonnen. Als deren bauliches Vorbild gilt die Umayyaden-Moschee in Damaskus. Die Hauptmoschee von Kairouan lieferte wiederum das Vorbild f√ľr weitere Bauten in Spanien und im nordafrikanischen Raum. An mittelalterlichen Bauten wurden Spolien verbaut, wenn sie aus zug√§nglichen Ruinen unter leichten Umst√§nden geborgen werden konnten. Typisch sind jedoch Fassaden mit zweifarbigen Backsteinen. Im 10. Jahrhundert entwickelten sich unter dem Einfluss der Fatimiden und sp√§ter der Ziriden immer mehr repr√§sentative Residenzbauten. Im 12. Jahrhundert regierten im Gebiet des heutigen Tunesiens die Almohaden, die hier Einfl√ľsse des marokkanischen Kulturkreises einbrachten.

Der umfangreichste Beitrag in der historischen Architektur von Tunesien stammt aus der Epoche vom 13. bis 15. Jahrhundert. Die berberisch gepr√§gten Hafsiden √ľbernahmen Formen und Schmuck ihrer Architektur aus den von Tunesien aus westlich gelegenen Regionen Afrikas und von der Iberischen Halbinsel. Hier hatte sich bereits eine eigenst√§ndige Richtung im Bauen entwickelt, die sich aus der Kombination marokkanischer und andalusischer Einfl√ľsse zu einer spezifischen Architektur entwickelte, die sp√§ter als allgemein Maurischer Stil bezeichnet wird. In dieser Epoche entstanden an der Ez-Zitouna-Moschee von Tunis eine islamische Hochschule und an weiteren Orten Medresen. Im Jahr 1420 er√∂ffnet hier das MaristńĀn, das √§lteste islamische Krankenhaus. Es erfolgte der Ausbau von Wasserversorgungsanlagen, teilweise unter Nutzung √§lterer r√∂mischer Einrichtungen. Unter Abd al-Aziz II. entsteht der Hafsiden-Palast Bardo in Tunis, eine fr√ľhe Gartenanlage, die um 1500 durch neue Geb√§ude eine Erweiterung erfuhr und danach sogar √ľber eine Bibliothek verf√ľgte.

Im 16. Jahrhundert erlitt Tunesien einen allgemeinen Niedergang. Konflikte mit Spanien behinderten weitere Entwicklungen. Spanische Truppen versuchten die Seeräuberherrschaft auf Inseln (Djerba 1511) und in Hafenstädten zu bekämpfen. Unter ihrer kurzen Herrschaft entstanden einige Festungsbauten, wie jene auf Djerba. Im Jahr 1570 mussten sie Tunis wieder aufgeben und verloren somit ihren Einfluss auf die Region.

Erst als im 17. Jahrhundert eine gro√üe Zahl von Auswanderern aus Spanien sich in Nordafrika ansiedelte, erhielt die tunesische Architektur wieder neue Impulse. Die moslemischen und j√ľdischen Emigranten aus Andalusien brachten ihre Erfahrungen, √§sthetischen Auffassungen und handwerklichen Fertigkeiten mit. Zusammen mit den parallel wirkenden t√ľrkischen Einfl√ľssen bildete sich in Tunis ein Mischstil heraus. In der Baukultur bedeutete das am Beispiel der Moscheen, dass ihr Minarett kaum noch mit quadratischen, sondern nun mit achteckigem Grundriss errichtet wurde. In diesem Zuge erhielten sie zunehmend eine Galerie und ein Spitzdach. Die Innenbereiche der Pal√§ste wurden durch die neuen Architekturentwicklungen zunehmend mit einer √ľppigen Dekoration im Maurischen Stil ausgestattet. Sp√§ter kamen italienische Stilelemente hinzu. Diese Prinzipien zogen sich bis in das 19. Jahrhundert hinein, wobei verst√§rkt Bauten des zeitgen√∂ssischen europ√§ischen Stils im Stadtbild von Tunis und einigen anderen St√§dten auftraten.

Die traditionell strukturierten alten Stadtkerne mit einer ummauerten Medina, den engen Gassen und den √ľberwiegend zweigeschossigen Wohngeb√§uden wurden von diesen Stadtentwicklungen weitgehend unber√ľcksichtigt gelassen und blieben bis in die heutige Zeit erhalten.

Durch die franz√∂sische Kolonialmacht wirkten neue Str√∂mungen und K√ľnstler in den tunesischen Kulturraum hinein. In Karthago lie√ü Le Corbusier mehrere Villen errichten. Die Viertel der Europ√§er unterschieden sich durch ihre Architektur markant von jenen der einheimischen Bev√∂lkerung. Auch in diesem Zeitabschnitt mischten sich wieder externe Architekturans√§tze mit den Erfahrungen regional verwurzelter Baumeister. Diese bauliche Entwicklung spiegelt sich in zahlreichen modernen Bauten sowohl von privaten als auch von √∂ffentlichen Auftraggebern wider. Aus dieser Zeit stammen einige Suqs mit Arkaden und Kuppeld√§chern. Ein herausragender Einzelbau ist beispielsweise das Zollgeb√§ude von Bizerte. Mit dem beginnenden 20. Jahrhundert dominieren europ√§ische Bauformen in den gr√∂√üeren St√§dten. Sie sind durch Stahlbetonanwendungen und die typische Kubatur von Stadtvillen gekennzeichnet. Die l√§ndlichen Siedlungen sind weiterhin von traditionellen Bauweisen, wie subterrane R√∂hrenbauten und befestigte Getreidespeicher (beispielsweise in Tataouine), bestimmt.

In der j√ľngsten Periode des Landes, nach der Unabh√§ngigkeit im Jahr 1956, erfolgten Stadterweiterungen und die Errichtung zahlreicher √∂ffentlicher Bauten. Eine besondere Rolle spielte dabei die Rekonstruktionsarbeiten in der Innenstadt von Tunis, die nach einem Wettbewerbsergebnis von bulgarischen Architekten durchgef√ľhrt wurde.

Bauten aus der j√ľngsten Architekturepoche Tunesiens binden Anspielungen auf einheimische Ornamente in moderne Formen des Bauens mit Beton und Naturstein ein. Die Nationalbibliothek in Tunis, ein moderner Zweckbau, ist ein Beispiel f√ľr diese Verkn√ľpfung.

Literatur

In Tunesien spielt sich das Literaturleben in zwei Sprachen ab: in arabisch und franz√∂sisch. Die arabische Literatur existiert seit dem 7. Jahrhundert, als die arabische Zivilisation sich auf das Gebiet Tunesiens ausbreitete; franz√∂sischsprachige Literatur gibt es erst seit 1881. Heute hat die arabischsprachige Literatur ein h√∂heres Gewicht als die franz√∂sischsprachige: Von den 1249 literarischen Neuerscheinungen des Jahres 2002 waren 885 auf arabisch; mehr als ein Drittel der Neuerscheinungen waren Kinderb√ľcher. Wichtige tunesische Autoren sind Abu al-Qasim asch-Schabbi, Moncef Ghachem und Mahmoud Messadi, weitere finden sich in der Liste tunesischer Schriftsteller.

Musik

Die Musik Tunesiens ist das Resultat der kulturellen Vermischung aus arabisch-andalusischer Musik, die Fl√ľchtlinge nach der spanischen Eroberung Andalusiens im 15. Jahrhundert mitbrachten, arabischer und westlicher Musik. Sie hat viele Facetten; die ber√ľhmteste klassische Musikrichtung ist der Malouf. Er wird von kleinen Orchestern gespielt, bestehend aus Violine, Kanun, Oud, Violoncello, Kontrabass, Nay, Darbouka und Nagharats (einem Paar kleiner Bechertrommeln). Klassische Ges√§nge haben bis heute Erfolg beim Publikum. Abgesehen von der Instrumentierung unterscheiden sich st√§dtische und l√§ndliche Musik kaum. Im st√§dtischen Umfeld dominieren Saiteninstrumente wie das Rebec, der Oud und das Kanun sowie Darbouka. Im l√§ndlichen Milieu und den Ges√§ngen der Beduinen dominieren neben der Perkussion Blasinstrumente wie der Mezwed und die Gasba.

Unter den bedeutendsten S√§ngern des Landes sind Saliha, Khema√Įs Tarnane, Ali Riahi, H√©di Jouini, Latifa Arfaoui, Mohamed Jamoussi, Cheikh El Afrit und Dhikra Mohamed zu nennen. Unter den Instrumentalisten sind der Oud-Spieler Anouar Brahem, Lotfi Bouchnak, Salah El Mahdi, Ridha Kala√Į, Ali Sriti und Youssef Slama die wichtigsten. El Azifet ist ein reines Frauen-Orchester, eine Seltenheit im arabischen Raum. Baron Erlanger ist eine wichtige Figur der modernen tunesischen Musik. Er sammelte die Regeln und Geschichte des Malouf, das sechs B√§nde f√ľllte, und gr√ľndete eine Rachidija, ein wichtiges Konservatorium, das heute noch genutzt wird.

Die Bevölkerung Tunesiens wird heute auch von ausländischer Musik angezogen, wobei hier vor allem die ägyptische Musik, libanesische und syrische Musik einflussreich sind. Westliche Musik kommt in Form von Rockmusik, Hip-Hop, Reggae und Jazz in das Land.

Gastronomie

Die tunesische K√ľche spiegelt die berberischen, arabischen, j√ľdischen, t√ľrkischen, franz√∂sischen und italienischen Einfl√ľsse wider, denen das Land im Laufe seiner Geschichte ausgesetzt war. Die Ern√§hrung beruht auf Getreide, vor allem Weizen in Form von Brot, Nudeln oder Grie√ü, Oliven und Oliven√∂l, verschiedenen einheimischen Gem√ľsesorten (Tomaten, Kartoffeln, Kichererbsen, Bohnen oder Karotten), Hammel- und Rindfleisch sowie Fisch und Meeresfr√ľchten.

Die tunesische K√ľche unterscheidet sich von jener der maghrebinischen Nachbarn durch die h√§ufige Verwendung von Tomaten und Paprika (daher die Bezeichnung rote K√ľche) und ihre Sch√§rfe, die sie Harissa verdankt. Daneben haben, anders als in anderen arabischen L√§ndern, K√§se und Pasta in die tunesische Esskultur Einzug gehalten. Typische Gerichte sind Couscous oder die Tunesische Tajine, das Kichererbsengericht Lablabi, Merguez-W√ľrste, Schakschuka oder die S√ľ√üspeise Baklava.

Die Tunesier haben auch traditionell eine relativ liberale Einstellung zum Alkohol. Es gibt daher den Feigenschnaps Boukha oder den Dattellikör Laghmi. Auch wird in Tunesien Bier (Celtia) gebraut und Wein gekeltert.

Kunsthandwerk

Tunesien hat ein reiches handwerkliches Erbe mit vielen regionalen Spezialit√§ten. Das Kunsthandwerk ist auch ein bedeutender Wirtschaftszweig, in dem gesch√§tzte 300.000 Personen t√§tig sind. Die T√∂pferei ist besonders um Guellala verbreitet, w√§hrend Nabeul ber√ľhmt f√ľr die Herstellung von Fayence ist. Die Mosaikkunst hat sich seit dem 2. Jahrhundert im Land verbreitet, die weltweit bedeutendste Sammlung von Mosaiken befindet sich im Nationalmuseum von Bardo. Das Schmieden kam mit den Fl√ľchtlingen aus Andalusien nach Tunesien, heute sind besonders die blauen Fenstergitter, die an Maschrabiyya erinnern, ber√ľhmt. Die Teppichkn√ľpferei wurde durch die Karthager in Tunesien eingef√ľhrt, in der ersten H√§lfte des 19. Jahrhunderts kamen noch einmal starke Impulse aus dem osmanischen Reich. Heute ist das Zentrum der Teppichherstellung in und um Kairouan angesiedelt. Im Jahr 2004 wurden 200.000¬†m¬≤ Woll- und 16.500¬†m¬≤ Seidenteppiche hergestellt. Die Tendenz ist, aufgrund sinkender Preise, fallend. Urspr√ľnglich hatten die tunesischen Teppiche weniger als 40.000 Knoten pro Quadratmeter; heute kann er eine Feinheit von bis zu 250.000 Knoten haben. Die traditionelle Tracht des Landes hei√üt Jebba, an den F√ľ√üen tr√§gt man Babuschen, die f√ľr M√§nner aus Leder, f√ľr Frauen aus Seide oder Baumwolle mit eingewebten Silber- oder Goldf√§den und meist mit Blumenmotiven versehen sind. Ber√ľhmt ist auch der Schmuck, besonders der Silberschmuck der Berber im S√ľden des Landes, in den h√§ufig M√ľnzen eingearbeitet werden.

Feiertage

Daneben gibt es mehrere islamische Feiertage, deren Datum sich nach dem Mondkalender richtet und daher von Jahr zu Jahr schwankt. Dazu zählen der Geburtstag Mohammeds, das Opferfest, das Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan sowie das islamische Neujahr.

Sport

Der wichtigste und meistbetriebene Sport in Tunesien ist der Fu√üball, sowohl was die Zahl der ihn Aus√ľbenden, als auch was die Berichterstattung betrifft. Danach folgen Taekwondo, Handball, Volleyball, Judo, Karate, Leichtathletik und Tennis. Alle anderen Sportarten, wie etwa der Radsport, sind wenig verbreitet, was an fehlender Infrastruktur, Ausr√ľstung und geringem Medieninteresse liegt.

Die tunesische Fu√üballnationalmannschaft kann bisher f√ľnf Weltmeisterschaftsteilnahmen (1978, 1998, 2002, 2006 und 2018) vorweisen, wobei sie jeweils jedoch in der Vorrunde ausschied. An der Fu√üball-Afrikameisterschaft nahm Tunesien 13 Mal teil und gewann den Titel 2004. 1963 konnte der Arab Cup im Libanon gewonnen werden. Bedeutende Spieler sind Zoubaier Baya, Hatem Trabelsi und Yassine Chikhaoui.

Der Klub Esp√©rance Sportive de Tunis ist der erfolgreichste tunesische Verein, sei es auf nationaler, oder internationaler Ebene mit 27 Meisterschaftstiteln und 15 Pokalerfolgen, sowie 2 CAF Champions League -Triumphen (1994 & 2011). Den ersten afrikanischen Titel als tunesisches Team, verbuchte der Verein Club Athl√©tique Bizertin 1988 mit dem Gewinn des Afrika-Cups der Pokalsieger (Coupe d'Afrique des clubs vainqueurs de coupes). Der Verein Club Africain war hingegen der erste tunesische Vertreter, der 1991 die CAF Champions League gewinnen konnte. √Čtoile Sportive du Sahel gelang dieser Erfolg als erstem tunesischen Vertreter nach der Neuorganisation dieses Wettbewerbs, am 9. November 2007, daneben hat noch der Club Sportif Sfaxien in regionalen und kontinentalen Wettbewerben zahlreiche Erfolge verzeichnen k√∂nnen. Das wichtigste Fu√üballereignis ist das Hauptstadtderby zwischen Club Africain und Esp√©rance Sportive de Tunis. Es findet zweimal j√§hrlich statt und zieht jedes Mal mehr als 60¬†000 Zuschauer an.

Die wichtigsten Meisterschaften, die in Tunesien ausgespielt werden, sind die tunesische Fu√üball-, die Handball-, die Volleyball- und Basketballmeisterschaften. Cups werden im Fu√üball, Handball, Volleyball und Basketball ausgetragen. Daneben gibt es eine Tunesische Radsportmeisterschaft und, unregelm√§√üig, die Tour de Tunisie. Auch internationale Meisterschaften wurden in Tunesien bereits ausgetragen, etwa die erste Ausgabe der Junioren-Fu√üballweltmeisterschaft im Jahr 1977. Die Fu√üball-Afrikameisterschaft war in Tunesien 1965, 1994 und 2004 zu Gast. Dar√ľber hinaus wurde die Handball-Weltmeisterschaft der Herren 2005 in Tunesien ausgetragen.

Im Mai 2007 waren in Tunesien 1673 Sportvereine registriert, davon 250 Fußball-, 206 Taekwondo-, 166 Karate-, 140 Behindertensport-, 85 Handball-, 80 Leichtathletik-, 66 Judo-, 60 Kung Fu-, 59 Kickboxing-, 48 Basketball-, 47 Pétanque-, 45 Tischtennis-, 40 Volleyball-, 37 Box-, 31 Schwimm- und 30 Tennisklubs.

Der bedeutendste Sportler des Landes ist der Leichtathlet Mohamed Gammoudi, der vier olympische Medaillen gewinnen konnte. Weltmeister, die aus Tunesien kommen, sind Anis Lounifi (Judo) und Oussama Mellouli (Schwimmen). Als erster Tennisspielerin aus dem arabischen Raum gelang der tunesischen Spielerin Ons Jabeur die TOP 10 der Weltrangliste zu erreichen. Im Juni 2022 stand sie auf Platz 2 der Weltrangliste. 2022 wurde sie auch zweite beim wichtigsten Rasenturnier der Welt, dem Grand Slam von Wimbledon.

Medien

Es gibt in Tunesien zwei √∂ffentliche Fernsehkan√§le namens T√©l√©vision Tunisienne¬†1 und T√©l√©vision Tunisienne¬†2. Privates Fernsehen gibt es erst seit Februar 2005, als der Betrieb von Hannibal TV begann. Seit 2007 sendet des Weiteren Nessma TV. Die Regierung betreibt vier nationale Radiostationen, n√§mlich Radio Tunis, Radio Tunisie Culture, Radio Jeunes und RTCI sowie f√ľnf lokale Stationen (Gafsa, El Kef, Monastir, Sfax, Tataouine). Seit November 2003 gibt es Privatradio, momentan existieren drei Stationen, n√§mlich Mosa√Įque FM in Tunis, Jawhara FM in Sousse und Zitouna FM. Zitouna FM ist gr√∂√ütenteils religi√∂sen Inhalten gewidmet. Die Programme aller dieser Sender werden gr√∂√ütenteils auf arabisch gesendet, ein kleinerer Teil ist auf Franz√∂sisch. Hinzu kommt der regierungskritische, private Sender ohne Sendelizenz Radio Kalima, dessen Programm √ľber den Satelliten Hot Bird und als Livestream √ľbers Internet ausgestrahlt wird.

Im Jahr 2007 wurden in Tunesien 245 Tageszeitungen und Zeitschriften gezählt, wovon 90 % von privaten Organisationen herausgegeben werden. Einige Zeitungen sind französischsprachig, darunter Le Temps Tunisie.

Die Meinungs- und Pressefreiheit wird von der Verfassung garantiert; in der Praxis jedoch √ľbernahmen bis zur Revolution in Tunesien 2010/2011 die Medien die Regierungslinie, die √ľber die staatliche Nachrichtenagentur TAP verbreitet wurde, und berichteten kritiklos √ľber die Arbeit des Staatspr√§sidenten, der Regierung, der regierenden Partei RCD. In Tunesien herrschte bis dahin Zensur, und die Regierung beeinflusste auch √ľber die Vergabe von F√∂rderungsgeldern die Berichterstattung der Medien.

Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen sieht in Tunesien erkennbare Probleme f√ľr die Pressefreiheit.

Gesundheitswesen

F√ľr das Gesundheitssystem wurden im Jahr 2008 2¬†% des BIP bzw. 8¬†% der √∂ffentlichen Ausgaben aufgewandt. Es ist relativ gut ausgebaut mit 968 Menschen pro Arzt, mehr als 90¬†% der Bev√∂lkerung sind sozialversichert, und die Lebenserwartung liegt bei 76 Jahren (M√§nner: 74 Jahre, Frauen: 78 Jahre), und konnte in den letzten Jahrzehnten enorm gesteigert werden. Dank mehrerer Familienplanungs-Programme der Regierung liegt das Bev√∂lkerungswachstum bei nur 1¬†%. Die HIV-Pr√§valenz war 2006 0,11¬†% der Bev√∂lkerung. Die Kindersterblichkeit liegt bei 11 pro 1.000 Geburten und die M√ľttersterblichkeit bei 43 pro 100.000 Geburten (Stand 2017).

Im Jahre 2016 waren 61,6¬†% der erwachsenen Bev√∂lkerung √ľbergewichtig und 26,9¬†% krankhaft fettleibig.

Entwicklung der Lebenserwartung

Quelle: UN

Wer nach Tunesien reist, sollte gegen Tetanus, Diphtherie, Polio, Hepatitis A und Hepatitis B geimpft sein. Bilharziose-Erreger kommen in vielen Gewässern Tunesiens vor.

Siehe auch

  • Revolution in Tunesien 2010/2011

Literatur

  • Kaouther Tabai: Jasminknospen. Von Tunesien nach Europa ‚Ķ und dann? Glar√© Verlag, Frankfurt/Main 2015. ISBN 978-3-930761-88-3
  • Kaouther Tabai: Das kleine Dienstm√§dchen. Aus dem Leben tunesischer Frauen. Glar√© Verlag, Frankfurt/Main 2004. ISBN 978-3-930761-39-5
  • Nicolas Beau, Jean-Pierre Tuquoi: Notre ami Ben Ali. L‚Äôenvers du ‚Äěmiracle tunisien‚Äú. Paris, Edition la Decouverte, 1999.
  • Sihem Bensedrine, Omar Mestiri: Despoten vor Europas Haust√ľr. Warum der Sicherheitswahn den Extremismus sch√ľrt. Kunstmann Verlag, M√ľnchen 2005.
  • Sophie Bessis, Souhayr Belhassen: Bourguiba: 1. A la conquete d‚Äôun destin 1901‚Äď1955. Groupe Jeune Afrique, Paris 1988.
  • Stefan Erdle: Ben Ali‚Äôs ‚ÄěNew Tunisia‚Äú (1987‚Äď2009). Klaus Schwarz Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-87997-366-8. (in englischer Sprache)
  • Khadija Katja W√∂hler-Khalfallah: Der islamische Fundamentalismus, der Islam und die Demokratie. Algerien und Tunesien: Das Scheitern postkolonialer ‚ÄěEntwicklungsmodelle‚Äú und das Streben nach einem ethischen Leitfaden f√ľr Politik und Gesellschaft. VS Verlag f√ľr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004.
  • Dr. Wolf-Ulrich Cropp: Tunesien ‚Äď Landschaft, Tier und Pflanzenwelt. Landbuch-Verlag, Hannover, 1989. ISBN 3-7842-0394-9
  • Anne-B√©atrice Clasmann: Der arabische (Alb-)Traum. Aufstand ohne Ziel. 2. Auflage. Passagen Verlag, Wien 2016, ISBN 978-3-7092-0217-3 (Passagen Thema), S. 93‚Äď118 (‚ÄěDas Vorbild Tunesien‚Äú) und passim

Weblinks

  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Tunesien
  • L√§nderinformationen Tunesien Ausw√§rtiges Amt (Deutschland)
  • L√§nderinformationsportal der Bundesagentur f√ľr internationale Weiterbildung und Entwicklung InWEnt
  • Website der tunesischen Regierung (arabisch, franz√∂sisch)
  • Informationen zur Menschenrechtslage in Tunesien

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (23)

Bezeichnung der Regionen: Gouvernement
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
B√©ja 37.167 36.355 8.896 9.856  
Ben Arous 36.816 36.443 9.971 10.417  
Bizerte 37.345 36.724 9.074 10.272  
Gab√®s 34.293 33.287 9.259 10.46  
Gafsa 34.751 34.091 8.028 9.563  
Jendouba 37.019 36.353 8.168 9.074  
Kairouan 36.133 35.014 9.272 10.306  
Kasserine 35.785 34.637 8.249 9.327  
Kebili 34.205 32.526 7.708 9.988  
Le Kef 36.438 35.621 8.241 9.15  
Mahdia 35.576 35.093 10.174 11.15  
Manouba 37.129 36.57 9.553 10.337  
M√©denine 33.896 32.263 9.741 11.564  
Monastir 35.79 35.458 10.48 11.028  
Nabeul 37.088 36.362 10.339 11.125  
Sfax 35.272 34.155 9.714 11.3  
Sidi Bouzid 35.493 34.237 8.806 10.061  
Siliana 36.454 35.481 8.917 9.758  
Sousse 36.375 35.418 10.159 10.691  
Tataouine 33.261 30.229 8.333 11.438  
Tozeur 34.537 33.411 7.479 8.669  
Tunis 36.892 36.685 9.997 10.347  
Zaghouan 36.651 36.009 9.572 10.366  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Flagge: Tunisia

Name englisch: Tunisia
Hauptstadt: Tunis
Kfz: TN
ISO: TN
ISO3: TUN
Fläche: 163610 km²
Tld: .tn
Wärung Einheit: TND
Währung: Dinar
Vorwahl: 216

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 37.347132
südlichster Punkt: 30.2280336
westlichster Punkt: 7.5223135
östlichster Punkt: 11.5992174


 
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