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Staat Informationen : Osttimor

Informationen:


Die Demokratische Republik Timor-Leste, im Deutschen auch als Osttimor bezeichnet, ist ein Inselstaat in S√ľdostasien. Es war der erste Staat, der im 21. Jahrhundert unabh√§ngig wurde. Die einzige Landgrenze trennt Osttimor vom indonesischen Westteil der Insel Timor, der zu der Provinz Ost-Nusa Tenggara (Nusa Tenggara Timur) geh√∂rt. N√∂rdlich liegen die zu Indonesien geh√∂renden Inseln Alor, Wetar und Liran und nord√∂stlich weitere Inseln der indonesischen Provinz Maluku. Australien liegt s√ľdlich, jenseits der Timorsee. Neben dem Ostteil Timors geh√∂ren zum Staat Osttimor auch die Exklave Oe-Cusse Ambeno in Westtimor und die Inseln Atauro und Jaco.

Landesname

Der international offizielle, portugiesische Landesname Timor-Leste bedeutet w√∂rtlich ‚ÄöTimor-Ost‚Äė. In der Amtssprache Tetum hei√üt das Land Tim√≥r Loro Sa‚Äôe, was √ľbersetzt ebenfalls ‚ÄöOsttimor‚Äė bedeutet (w√∂rtlich ‚ÄöTimor der aufgehenden Sonne‚Äė, wobei die aufgehende Sonne in dieser Sprache f√ľr die Himmelsrichtung Osten steht). Neuerdings findet man auch offizielle Dokumente, in denen der Landesname auf Tetum Tim√≥r-Leste lautet. Ber√ľcksichtigt man, dass auch das indonesische Wort timur ‚ÄöOsten‚Äė bedeutet und sich der Name der Insel Timor davon herleitet, erg√§be sich die w√∂rtliche Bedeutung ‚ÄöOsten des Osten‚Äė beziehungsweise ‚ÄöOsten der Ostinsel‚Äė. Auch der w√§hrend der indonesischen Besatzungszeit verwendete Provinzname Timor Timur bedeutet damit ‚ÄöOsttimor‚Äė.

Osttimoresische Stellen legen Wert darauf, dass der Landesname nicht in fremde Sprachen √ľbersetzt wird, haupts√§chlich in dem Bestreben, zu vermeiden, dass auf Indonesisch die mit negativen, historischen Konnotationen verbundene Bezeichnung Timor Timur (kurz: TimTim) verwendet wird. Seit der Unabh√§ngigkeit wird der offizielle Landesname im internationalen Sprachgebrauch (wie er beispielsweise von Organisationen wie UNO, ILO, EU gepflegt wird) daher in praktisch allen g√§ngigen Arbeitssprachen un√ľbersetzt in der portugiesischen Form Timor-Leste √ľbernommen. Ebenso wird es mittlerweile auch im amtlichen Sprachgebrauch der deutschsprachigen L√§nder (zumindest im zwischenstaatlichen Schriftverkehr) gehandhabt.

Die Bezeichnung der Einwohner und das vom Landesnamen abgeleitete Adjektiv werden nicht einheitlich gebraucht. Einwohner werden als Timorese/Timoresin oder weniger h√§ufig als Timorer/Timorerin bezeichnet, wobei die weiblichen Formen auch in gro√üen Korpora kaum auftauchen. Das Adjektiv timoresisch ist aber deutlich h√§ufiger als das konkurrierende timorisch. Auch in der Fachliteratur findet man zumeist die vom Portugiesischen abgeleiteten Formen Timorese/Timoresin und timoresisch, ebenso auf Webseiten von Interessengemeinschaften, die sich im deutschen Sprachraum mit dem Land besch√§ftigen. W√§hrend die deutschen amtlichen Stellen fr√ľher (Liste der Staatennamen 2002) Osttimorer(in) bzw. osttimorisch empfahlen, ver√∂ffentlichen das deutsche Ausw√§rtige Amt und der St√§ndige Ausschuss f√ľr geographische Namen seit der Umstellung des offiziellen Sprachgebrauchs von Osttimor auf Timor-Leste keine Vorgaben mehr f√ľr die Bezeichnung der Einwohner oder f√ľr das Adjektiv. Das √∂sterreichische Bundesministerium f√ľr Europa, Integration und √Ąu√üeres empfiehlt als Adjektiv timorisch.

Seit den 1970er Jahren wird teilweise die Bev√∂lkerung ethnisch auch als Maubere bezeichnet. Dieser Name war zuvor eine Bezeichnung f√ľr die Ethnie der Mambai, in der Kolonialzeit dann ein abwertendes Wort f√ľr die Landbev√∂lkerung, bis sie in der nationalen Bewegung zur Sammelbezeichnung der Osttimoresen wurde. Auch heute wird er immer wieder im Land verwendet, seltener im offiziellen Sprachgebrauch (so nur einmal in der Verfassung) oder im internationalen Sprachverkehr. Der negative Unterton ist inzwischen verschwunden. Manche Parteien verwenden die Bezeichnung auch in ihrem Namen, so die Movimentu Libertasaun ba Povu Maubere (MLPM).

Bereits zur ersten Ausrufung der Unabh√§ngigkeit 1975 gab es Stimmen, die das Land nach seiner Hauptstadt lieber ‚ÄěTimor-Dili‚Äú benennen wollten. Dieser Vorschlag setzte sich aber nicht durch.

Geographie

√úberblick

Die Insel Timor geh√∂rt zum √∂stlichen Teil des malaiischen Archipels und z√§hlt zu den Kleinen Sundainseln. Im Nordwesten der bergigen Insel liegt die Sawusee, n√∂rdlich die Bandasee, und s√ľdlich dehnt sich die Timorsee 500¬†km bis nach Australien aus. Die Timoresen nennen die raue Timorsee Tasi Mane, das M√§nnermeer, w√§hrend die ruhigen Gew√§sser n√∂rdlich der Insel als Tasi Feto, das Frauenmeer, bezeichnet werden. Bereits f√ľnf Kilometer von der Nordk√ľste entfernt f√§llt der Meeresgrund auf eine Tiefe von 1000¬†m ab. W√§hrend des Kalten Krieges konnten daher amerikanische Atom-U-Boote unentdeckt die Stra√üen von Ombai und Wetar passieren. In der Timorsee erstreckt sich s√ľdlich der Insel der schmale Timorgraben mit einer Tiefe von bis zu 3300¬†m.

Osttimor ist das einzige Land Asiens, dessen Staatsgebiet komplett s√ľdlich des √Ąquators liegt. Es umfasst nicht nur die √∂stliche H√§lfte Timors, sondern auch die Exklave Oe-Cusse Ambeno, die an der Nordk√ľste des indonesischen Teils der Insel gelegen ist, sowie die beiden kleinen Inseln Atauro, n√∂rdlich von der Hauptstadt Dili, und Jaco an der Ostspitze. Mit einer Gesamtfl√§che von 14.918,72¬†km¬≤ ist Osttimor etwas kleiner als Schleswig-Holstein oder die Steiermark. Die Hauptlandmasse ist 260¬†km lang und bis zu 80¬†km breit. Mit der Exklave und den zugeh√∂rigen Inseln betr√§gt die maximale Ost-West-Ausdehnung 364¬†km, die maximale Nord-S√ľd-Ausdehnung 149¬†km. Osttimors K√ľstenlinie hat eine L√§nge von 783¬†km. Sie ist umgeben von Korallenriffen.

Die Landgrenze zu Indonesien ist insgesamt 228¬†km lang, deren Verlauf seit 2019 mit Indonesien gekl√§rt ist. Seit 2015 laufen noch Verhandlungen √ľber die Seegrenzen zwischen den beiden Staaten.

Timor liegt auf dem √§u√üeren Rand des sogenannten Bandabogens, der Teil eines Ausl√§ufers des pazifischen Feuerrings ist und eine Inselkette um die Bandasee bildet. In einer ozeanischen Subduktionszone schiebt sich hier die Nordwestecke der Australischen Platte unter die Eurasische Platte. Dies f√ľhrt unter anderem zu einem Wachstum der Bergkette auf Timor, die als zentrales Bergland nahezu die gesamte Insel von S√ľdwesten nach Nordosten bis in die Region von Turiscai durchzieht. Ihre Spitze sind Osttimors h√∂chste Berge, der Tatamailau (2963¬†m) und der Ablai (2320¬†m). Weiter √∂stlich liegen isolierte Berge, wie der Curi (1763¬†m), der Monte Mundo Perdido (1332¬†m) und der Matebian (2316¬†m). An der S√ľdk√ľste der Ostspitze Timors verl√§uft die Bergkette des Paitchau (995¬†m). Einige Gebiete in Osttimor heben sich zwischen 1 und 1,6¬†mm pro Jahr. 32,1¬†% der Landesfl√§che liegt auf einer Meeresh√∂he zwischen 500 und 1500¬†m, 2,6¬†% √ľber 1500¬†m. Geologisch gesehen ist Osttimor noch sehr jung, da es erst in den letzten etwa vier Millionen Jahren aus dem Meer gehoben wurde. Durch die geologischen Aktivit√§ten besteht eine st√§ndige Gefahr durch Erdbeben und Tsunamis. Immer wieder sp√ľrt man in Dili auch Ersch√ľtterungen von Beben rings um Timor, die aber bisher keine Sch√§den verursachten. Der Nordosten der Exklave Oe-Cusse Ambeno bildet die j√ľngste und wildeste Oberfl√§chenstruktur der gesamten Insel. Er ist vulkanischen Ursprungs und erreicht mit dem Sapu (Fatu Nipane) eine H√∂he von 1259¬†m. Auch die Insel Atauro entstand durch Vulkanismus. Aktive Vulkane gibt es im Staatsgebiet Osttimors nicht mehr. Jedoch gibt es an verschiedenen Orten Schlammvulkane und hei√üe Quellen. Vulkanische Gase entweichen am sogenannten Bubble Beach (Suco Lauhata) aus dem Meeresboden.

Im Norden f√§llt das Gebirge teilweise steil ins Meer ab. Charakteristische K√ľstenterrassen und einige markante Plateaus mit 400 bis 700¬†m H√∂he, wie jene von Baucau, pr√§gen das Bild. Terrassen und Plateaus entstanden aus Korallen. Das bergige Landesinnere ist von T√§lern zerschnitten. Schwemmland findet sich zwischen Laut√©m und Baucau. Gr√∂√üere Fl√§chen sind die Ebenen von Batugade, Metinaro, Dili, Manatuto, Com und am L√≥isfluss. An der S√ľdk√ľste liegen weite K√ľstenebenen mit drei bis zehn Kilometern Breite, gepr√§gt von saisonalen S√ľmpfen, versumpften W√§ldern und Fl√§chen mit hohem Grasbewuchs. Sie erstrecken sich von der Landesgrenze bis Viqueque und dann schmaler bis Lore. Die gr√∂√üten sind die Ebene von Alas mit dem s√ľdlichen Lacl√≥fluss, die Kicrasebene mit dem S√°henfluss (Sahe), die Ebene von Luca mit dem Fluss Dilor und die Ebene von Bibiluto. An der Grenze zu Westtimor liegt das Flachplateau von Maliana, das fr√ľher eine Bucht war. Die auff√§lligste Hochebene Osttimors ist das Fuiloro-Plateau in der Gemeinde Laut√©m. Richtung S√ľden f√§llt es, aufgrund seiner gro√üen Fl√§che unmerklich, von einer H√∂he von 700¬†m auf 500¬†m ab. Urspr√ľnglich war das Plateau die Lagune eines urzeitlichen Atolls. Drei weitere Hochebenen umgeben das Plateau von Fuiloro: die Plateaus von N√°ri im Norden, Lospalos im Westen und Rere im S√ľden.

St√§dte in Osttimor mit √ľber 10.000 Einwohnern sind (Stand 2015) Dili (244.584 Einwohner), Baucau (17.357), Maliana (12.787), Lospalos (12.471) und Same (12.421).

Binnengewässer

Die Gew√§sser Osttimors sind noch wenig erforscht. Teilweise gibt es Kontroversen √ľber ihre Namensgebung, da den Gew√§ssern in den verschiedenen Regionen, die sie durchflie√üen, unterschiedliche Namen gegeben wurden. Fast alle Fl√ľsse Osttimors entspringen im zentralen Bergland und flie√üen, bedingt durch das steile Gef√§lle, in Richtung Norden oder S√ľden ab. Die Flie√ügew√§sser bilden im zentralen Inselgebiet ein dichtes hydrografisches Netz. Diese bestehen, wie bei vielen kleinen Inseln mit starken Erhebungen, fast nur aus B√§chen, welche eher kurz, gewunden und rasch flie√üend sind. Jedoch liegen diese Bachl√§ufe die meiste Zeit des Jahres trocken.

Intensive Niederschl√§ge w√§hrend der Regenzeit f√ľhren zur Entstehung von Sturzb√§chen und dadurch zu starker Erosion des Erdreiches. Mit dem Ende des Regens f√§llt der Pegel der B√§che jedoch wieder, sodass sie bequem durchwatet werden k√∂nnen. Mit der R√ľckkehr der trockenen Winde, die von Australien her kommen, verbleiben nur d√ľnne Rinnsale in breiten Flussbetten voller M√ľll und Ger√∂ll, die sich jedes Jahr verbreitern. Die allj√§hrlichen √úberflutungen, welche einige Monate andauern k√∂nnen, behindern auch den Warenverkehr zwischen den fruchtbaren Ebenen im S√ľden und dem restlichen Land. Es gibt Bestrebungen, mit Hilfe von Anpflanzungen die Erosion der Ufer einzuschr√§nken und somit das Zerst√∂rungspotential der B√§che zu verringern. Keiner der Fl√ľsse Osttimors ist schiffbar. Ganzj√§hrig wasserf√ľhrende Fl√ľsse gibt es genau genommen nur im S√ľden Osttimors. Der Grund daf√ľr liegt in der im Vergleich zum Norden l√§ngeren Regenperiode. Fl√ľsse, die auch im Norden ganzj√§hrig Wasser f√ľhren, werden aus dem S√ľden gespeist. Dies ist der Fall beim n√∂rdlichen Lacl√≥, der das gr√∂√üte hydrografische Becken Osttimors bildet, dem Sei√ßal in der Gemeinde Baucau und dem L√≥is, dem mit 80¬†km l√§ngsten Fluss Osttimors, der bei Maubara m√ľndet. Nach S√ľden flie√üend f√ľhren Irebere (Irabere), Bebui, Dilor, Tafara, Belulik (B√©-lulic), Caraulun (Carau-√ļlun, Karau Ulun), S√ľdlicher Lacl√≥ und Clerec das ganze Jahr Wasser. Der Hauptfluss der Exklave Oe-Cusse Ambeno, der Tono (Nuno-eno), m√ľndet westlich von Pante Macassar ins Meer. In einigen permanenten Fl√ľssen entlang der s√ľdlichen K√ľste sammelt sich durch die starken Gezeiten Sand an den Flussm√ľndungen, was den Abfluss immer mehr blockiert und zur Bildung von Marschland f√ľhrt.

Der größte See Osttimors ist der Ira Lalaro (auch Suro-bec) in der Gemeinde Lautém. Er hat eine Länge von 6,5 km und eine Breite von 3 km. Zu den weiteren Binnengewässern zählen der Maubarasee und die Tasitoluseen. Einen besonderen Reiz der bergigen Landschaft bilden die vielen Wasserfälle, am bekanntesten ist der Wasserfall von Bandeira nahe Atsabe.

Klima

Das lokale Klima ist tropisch, im Allgemeinen hei√ü und schw√ľl und von einer ausgepr√§gten Regen- und Trockenzeit charakterisiert. W√§hrend des Ostmonsuns zwischen Mai und November herrscht oft anhaltende D√ľrre, die Nordk√ľste erreicht dann praktisch kein Regen und die braune Landschaft ist ausged√∂rrt. In diesen D√ľrreperioden kommt die Landwirtschaft zum Erliegen. Die k√ľhleren Gebirgsregionen im Zentrum der Insel und die S√ľdk√ľste bekommen in der Trockenzeit gelegentlich Regen, daher bleibt hier die Landschaft gr√ľn. Die Regenzeit dauert von Ende November bis April. In dieser Zeit werden die Felder wieder bewirtschaftet. An das Ende der Regenperiode schlie√üt sich die Erntezeit an. Mit dem Regen kommen oft √úberschwemmungen, die trockenen Flussbetten k√∂nnen sich in k√ľrzester Zeit f√ľllen und zu gro√üen Str√∂men heranschwellen, die Erde und Ger√∂ll mit sich rei√üen und Stra√üen unterbrechen. Am 4. April 2021 f√ľhrten starke Regenf√§lle fast im gesamten Land zu gro√üen Sch√§den. Nahezu die gesamte Hauptstadt Dili wurde √ľberschwemmt. Es war die gr√∂√üte Naturkatastrophe in Osttimor seit √ľber 40 Jahren.

Dili besitzt einen durchschnittlichen Jahresniederschlag von 840¬†mm; der Regen f√§llt zum gr√∂√üten Teil von Dezember bis M√§rz. Dagegen erh√§lt die Stadt Manatuto, √∂stlich von Dili gelegen, durchschnittlich nur 565¬†mm Jahresniederschlag. Die S√ľdk√ľste Osttimors ist mit 1500 bis 2000¬†mm Jahresniederschlag regenreicher; der meiste Regen f√§llt an der mittleren S√ľdk√ľste und an den s√ľdlichen Bergen. Allerdings schaffen die Berge oft ein besonderes lokales Mikroklima, wodurch zum Beispiel der Ort Lolotoe in der Gemeinde Bobonaro die h√∂chste j√§hrliche Niederschlagsmenge in Osttimor mit 2837¬†mm aufweist. Auch gibt es im Laufe der Jahre sehr starke Unterschiede bei der Niederschlagsmenge (siehe Tabelle f√ľr Dili).

Die Temperatur in der Trockenzeit betr√§gt um die 30 bis 35¬†¬įC im Flachland (nachts 20¬†¬įC). Teile der Nordk√ľste erreichen am Ende der Trockenzeit Temperaturen bis √ľber 35¬†¬įC, allerdings bei geringer Luftfeuchtigkeit und fast keinen Niederschl√§gen. In den Bergen ist es tags√ľber ebenfalls warm bis hei√ü, nachts kann die Temperatur aber auf unter 15¬†¬įC absinken, in h√∂heren Lagen deutlich tiefer. Auf 500¬†m H√∂he liegt der j√§hrliche Temperaturdurchschnitt bei 24¬†¬įC, auf 1000¬†m bei 21¬†¬įC, 1500¬†m bei 18¬†¬įC und auf 2000¬†m bei 14¬†¬įC. Der Wind weht in Dili im Monatsdurchschnitt am schw√§chsten im Mai mit 7¬†km/h und am st√§rksten im August mit 12¬†km/h.

Fauna und Flora

Die Insel Timor geh√∂rt zu Wallacea, einem Gebiet der biogeographischen √úbergangszone zwischen der asiatischen und der australischen Flora und Fauna. Allerdings gibt es nur wenige australische Arten, wie den Grauen Kuskus. Die wenigen S√§ugetierarten auf Timor, wie der M√§hnenhirsch, Musangs, Arten der Taxa Flughunde, Spitzm√§use und Affen, sowie V√∂gel und Insekten √§hneln gew√∂hnlichen malaiischen Ph√§notypen. 23 Vogelarten kommen jedoch nur in der Timor and Wetar Endemic Bird Area vor, was Osttimor gerade f√ľr Ornithologen interessant macht. Zu den insgesamt etwa 240 Vogelarten geh√∂ren unter anderem zahlreiche Arten von Papageien sowie Amadinen, Kakadus und Tauben. Vor der Nordk√ľste finden sich Dugongs und Blauwale, Pottwal und andere Meeress√§uger ziehen regelm√§√üig direkt vor Dili vorbei.

Osttimor kann nur mit wenigen Froscharten aus der Klasse der Amphibien aufwarten, die meist auch nicht endemisch, also nur auf Timor beschränkt sind. Auch Reptilien bereichern die Tierwelt Timors, so etwa der nach der Insel benannte Timor-Waran (Varanus timorensis), der Timor-Wasserpython (Liasis mackloti) und die im Meer lebende Timor-Riffschlange (Aipysurus fuscus). Endemisch ist die an der Ostspitze der Insel lebende und erst 2007 entdeckte Timorschildkröte, die teils als Unterart von McCords Schlangenhalsschildkröte (Chelodina mccordi), teils als eigene Art Chelodina timorensis angesehen wird.

Eine besondere kulturelle Bedeutung hat das in Meer und Fl√ľssen lebende Leistenkrokodil, das ‚ÄěGro√üvater Krokodil‚Äú genannt wird. Die Insel Timor soll der Sage nach aus einem Krokodil entstanden sein. CrocBITE, die Datenbank f√ľr Krokodilangriffe der Charles Darwin University, registrierte seit 2007 (Stand: September 2016) 15 t√∂dliche und f√ľnf weitere Attacken auf Menschen in Osttimor. Auch Haustiere werden immer √∂fter gerissen, weswegen 2010 eine Crocodile Task Force aus zehn M√§nnern aufgebaut wurde.

Endemische S√ľ√üwasserfische in den Fl√ľssen Timors sind der nur vier Zentimeter lange Oryzias timorensis aus der Familie der Reisfische (Adrianichthyidae) und Craterocephalus laisapi aus der Gattung der Hartk√∂pfchen. Nicht wenige Arten Osttimors sind eher im Brackwasser der Flussm√ľndungen und Mangroven lebend, unter anderem aus den Familien der Kreuzwelse (Ariidae), der Grundeln (Gobiidae), der Sch√ľtzenfische (Toxotidae) und Kuhlia mugil aus der Familie der Flaggenschw√§nze (Kuhlia). Der Karpfen, der Afrikanische Raubwels und die Zahnk√§rpflinge Guppy, Koboldk√§rpflinge und Panchax wurden vom Menschen eingef√ľhrt. Die Gew√§sser um Timor geh√∂ren zum so genannten Korallendreieck, einer Region mit der gr√∂√üten Biodiversit√§t an Korallen und Rifffischen in der Welt. Den Spitzenwert f√ľr Fische liefern die Riffe um die Insel Atauro. Bis zu 314 Arten entdeckte man 2016 an einzelnen Stellen, ein Wert, der nirgends auf der Welt √ľbertroffen wird. Insgesamt wurden um Atauro 643 Fischarten nachgewiesen, mehrere sind wissenschaftlich noch nicht einmal beschrieben.

Man sch√§tzt, dass es in Osttimor etwa 2500 Pflanzenarten gibt. Die Vegetation Osttimors besteht haupts√§chlich aus Sekund√§rwald, Savannen und Grasland. Es gibt zumeist Arten aus der Familie Kasuarinengew√§chse, der Gattung Eukalyptus, der Gattung Sappanholz, Sandelholz (tetum Ai-kameli) und Palmyrapalmen (Lontarpalmen). Die Fl√§che des urspr√ľnglichen Prim√§rwaldes Osttimors ist auf 220.000¬†ha, oder ein Prozent des Territoriums, zusammengeschrumpft. Dichten Wald findet man nur noch im S√ľden des Landes und in den Bergregionen. Mangrovenw√§lder bedecken nur etwa 7500¬†ha Osttimors, da im Gegensatz zu anderen Inseln des Archipels nur wenige Ausbuchtungen in der K√ľstenlinie vorhanden sind. Diese kommen haupts√§chlich an der Nordk√ľste vor, an der das Meer ruhiger ist. Beispielsweise findet man Mangrovenw√§lder bei Metinaro, Tibar und Maubara. An der S√ľdk√ľste breiten sich die Mangroven nicht viel weiter als √ľber die Flussm√ľndungen und sumpfigen Gel√§nde hinaus aus.

Bevölkerung

Sprachen und Volksgruppen

Timor wurde von mindestens drei Einwanderungswellen (Veddo-Austronesen, Melanesier und Malaien) besiedelt, deren Nachkommen die verschiedenen einheimischen Völker der Insel stellen.

In der wissenschaftlichen Literatur wird im Falle Timors vereinfacht dargestellt, dass die einzelnen Sprachgruppen auch jeweils eine eigene Kultur haben und so jeweils eine eigene Ethnie bilden. Die Menschen definieren sich √ľber ihre Sprache. Es gibt auf Osttimor etwa 16 Ethnien, davon zw√∂lf gr√∂√üere Stammesverb√§nde. Sie sprechen meist austronesische (malayo-polynesische) Sprachen und Papuasprachen. Amtssprachen sind Portugiesisch und Tetum, die als Lingua Franca am weitesten verbreitete einheimische Sprache. Die 15 anderen Sprachen der einheimischen Ethnien sind als Nationalsprachen anerkannt, die nach der Verfassung ‚Äěwertgesch√§tzt und gef√∂rdert‚Äú werden sollen: Dies sind Atauru, Baikeno, Bekais, Bunak, Fataluku, Galoli, Habun, Idalaka, Kawaimina, Kemak, Makuva, Makalero, Makasae, Mambai und Tokodede. Englisch und Bahasa Indonesia sind als Arbeitssprachen aufgef√ľhrt.

Die malayo-polynesischen Tetum bilden mit etwa 433.000 Angehörigen die größte Ethnie Osttimors. Weitere malayo-polynesische Ethnien sind die Mambai (196.000), die Kemak (69.000), die Tokodede (47.000) und die Galoli (16.000). Die Baikeno in Oe-Cusse Ambeno (69.000) sprechen eine malayo-polynesische Sprache, stammen aber von der veddo-austronesischen Einwanderungswelle ab. Melanesischer Herkunft sind die Sprecher der Papuasprachen: die Makasae (130.000), die Bunak (65.000), die Fataluku (42.000) und die Makalero (9000).

Tetum war bereits vor der portugiesischen Kolonialzeit die Lingua franca des östlichen Timors. Nach der Annektierung Osttimors durch Indonesien wurde die portugiesische Sprache verboten. Die Katholische Kirche hielt ihre Messen jedoch nicht auf Bahasa Indonesia, sondern ab dem 7. April 1981 auf Tetum und trug so zur Herausbildung der Sprache und Identitätsstiftung bei. 62,5 % der Bevölkerung können Tetum sprechen, lesen und schreiben, weitere 1,3 % sprechen und lesen, 2,2 % nur lesen und 25,7 % nur sprechen.

W√§hrend Tetum weit verbreitet ist, sprechen, lesen und schreiben nur 30,8¬†% der Bev√∂lkerung Portugiesisch. Weitere 2,4¬†% k√∂nnen es sprechen und lesen, 24,5¬†% nur lesen und 3,1¬†% nur sprechen. Auch viele Lehrkr√§fte sprechen kein oder nur sehr schlecht Portugiesisch. Aufgrund dieser Probleme wird die ersten drei Jahre der Unterricht auf Tetum gehalten und erst danach Portugiesisch schrittweise eingef√ľhrt.

Dazu kommen noch Einwanderer aus der j√ľngeren Geschichte, wie etwa Chinesen (haupts√§chlich Hakka-H√§ndler), Araber und Portugiesen. Mit der Einrichtung der Dampfschifffahrtslinie um die Jahrhundertwende zwischen Macau und Dili nahm die Zuwanderung von Chinesen nach Portugiesisch-Timor zu. Unter den Einwanderern waren auch viele zu finden, die als Gegner der chinesischen Mandschu-Kaiser aus China flohen. 1912 war die chinesische Gemeinde bereits gut organisiert. Es gab ein Vereinsgeb√§ude, eine eigene Schule und einen buddhistischen Tempel. Die chinesische Bev√∂lkerung sprach urspr√ľnglich Hakka, Hochchinesisch und Kantonesisch. Vor der indonesischen Invasion 1975 gab es in Osttimor eine gro√üe und lebendige Hakkagemeinde. W√§hrend der Invasion kamen aber viele Hakka um oder flohen nach Australien. Heute leben die meisten timoresischen Hakka in Darwin und anderen australischen St√§dten, wie Brisbane, Sydney und Melbourne. In Osttimor nennen noch etwa 800 Menschen Chinesisch als ihre Muttersprache. Arabischer Herkunft ist zum Beispiel der ehemalige Premierminister Mar√≠ Alkatiri. Seine Vorfahren kamen am Ende des 19. Jahrhunderts aus dem heutigen Jemen nach Timor.

Ein kleiner Teil der Bevölkerung ist gemischter portugiesisch-timoresischer Herkunft. Auf Portugiesisch wird diese Bevölkerung Mestiços (deutsch: Mestizen) genannt. Zu ihnen gehört zum Beispiel der ehemalige Staatspräsident José Ramos-Horta. Zudem gibt es noch eine kleine Gruppe reiner Portugiesen. Etwa 1400 Osttimoresen bezeichnen Portugiesisch als ihre Muttersprache. Auch einige Einwanderer aus Indonesien sind nach der Unabhängigkeit Osttimors im Land geblieben. Bahasa Indonesia hat allerdings als Verkehrssprache an Bedeutung verloren, während Englisch durch die ausländischen UN-Soldaten gewonnen hat. 36,6 % der Bevölkerung können Bahasa Indonesia sprechen, lesen und schreiben, weitere 1,7 % sprechen und lesen, 17,6 % nur lesen und 6,2 % nur sprechen. 15,6 % der Bevölkerung können Englisch sprechen, lesen und schreiben, weitere 1,7 % sprechen und lesen, 19,8 % nur lesen und 1,9 % nur sprechen. Als Muttersprache sprechen etwa 2700 Einwohner Bahasa Indonesia und etwa 7300 nennen Englisch als ihre Muttersprache. An der Nationaluniversität in Dili werden aber weiterhin viele Studiengänge auf Bahasa Indonesia gehalten.

Die Besatzungszeit hat ein starkes osttimoresisches Nationalgef√ľhl entstehen lassen, doch haben die Unruhen von 2006 wieder eine ethnische Spaltung ins Bewusstsein der √Ėffentlichkeit gebracht, die schon vor der Kolonialzeit bestand. Diese Teilung des Landes in einen Ost- und einen Westteil hat einen deutlichen Einfluss auf das allt√§gliche Leben in Osttimor. Die westliche Bev√∂lkerung aus Loro Munu wird Kaladi, die √∂stliche aus Loro Sae wird Firaku genannt. Der Osten besteht aus den Gemeinden Laut√©m, Baucau, Viqueque und Manatuto. Loro Munu besteht aus den Gemeinden Dili, Aileu, Ainaro, Manufahi, Ermera, Bobonaro, Cova Lima, Liqui√ß√° und Oe-Cusse Ambeno.

Die Firaku sehen sich als diejenigen, die durch ihren langen Widerstand die indonesische Besatzungsmacht besiegt haben. Zu den Firaku geh√∂ren wichtige osttimoresische Pers√∂nlichkeiten aus dem Milit√§r. Dem Westen werfen die Firaku vor, mit den Indonesiern sympathisiert zu haben. Viele der Polizisten, die die Indonesier rekrutiert haben, waren Kaladi. Die Vereinten Nationen und das unabh√§ngige Osttimor haben die meisten dieser Polizisten in ihren Dienst √ľbernommen. Der schwelende Konflikt zwischen Polizei und Milit√§r resultiert daraus. Dili ist, als Schmelztiegel der verschiedenen Ethnien und Gruppen des Landes, Schauplatz von regelm√§√üigen Stra√üenk√§mpfen zwischen Banden aus dem Osten und dem Westen. Auch politisch ist eine Trennung zu erkennen. W√§hrend die √∂stlichen Gemeinden die Hochburgen der alten Unabh√§ngigkeitspartei FRETILIN sind, haben im Westteil Parteien die Mehrheit, die erst nach dem Unabh√§ngigkeitsreferendum gegr√ľndet wurden.

Trotzdem gibt es auch zahlreiche verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Gemeinden. Die engen Vernetzungen der einzelnen St√§mme und Ethnien durch Heirat haben eine lange Tradition, die schon vor der Kolonisation die Insel und ihre grobe Teilung in eine West-, eine zentrale und eine Ostregion verband. Die St√§mme am Westrand des Einflussgebietes von Wehale hatten gleichzeitig B√ľndnisse mit dem westlichen Timor und Oe-Cusse Ambeno, die St√§mme im Osten mit dem √∂stlichen Timor und seinen Zentren Atsabe und Lospalos. Auf diese Weise bildete die Insel aus Sicht vieler Timoresen trotz der verschiedenen Einflusssph√§ren eine Einheit, die erst durch die koloniale Spaltung durch Niederl√§nder und Portugiesen zerst√∂rt wurde. Doch auch von Fehden und Kriegen wird berichtet. Die alten Beziehungen und famili√§ren Strukturen haben noch heute einen erheblichen Einfluss auf die Politik des Landes.

Bevölkerungsentwicklung

Osttimor hatte Anfang 2006 knapp 950.000 Einwohner, die Volksz√§hlung von 2015 brachte ein Ergebnis von 1.183.643 Einwohnern, Die Bev√∂lkerung im Jahr 2019 wurde auf 1,3 Millionen Einwohner gesch√§tzt. 2011 hatten von den Einwohnern Osttimors 10.983 eine ausl√§ndische Staatsb√ľrgerschaft. Dazu geh√∂ren 5.501 Indonesier, 1.139 B√ľrger der Volksrepublik China, 726 Philippiner, 517 Australier und 318 Portugiesen.

Die Bev√∂lkerungsentwicklung im 20. Jahrhundert weist vor allem kriegsbedingt auff√§llige Schwankungen auf. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten etwa 450.000 Menschen in der damaligen portugiesischen Kolonie. Im Krieg verloren 40.000 bis 70.000 Timoresen ihr Leben. Bei der letzten portugiesischen Volksz√§hlung 1970 z√§hlte man 609.477 Einwohner. Durch die indonesische Invasion 1975, den Guerillakrieg und Repressalien durch die Besatzungsmacht starben zwischen 1974 und 1999 183.000 Menschen. Viele flohen auch aus dem Land, besonders direkt nach der Invasion und in den 1990er Jahren mit H√∂hepunkt bei den Vertreibungen von 1999, die schlie√ülich zum Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft f√ľhrten. Damals waren drei Viertel der Bev√∂lkerung auf der Flucht. Etwa 280.000 Osttimoresen wurden von Indonesien nach Westtimor zwangsdeportiert oder hatten dort Zuflucht gesucht.

Das j√§hrliche Bev√∂lkerungswachstum liegt bei 1,81¬†% (2015, 2004: 3,2¬†%) und ist damit, abgesehen von dem in Singapur, das h√∂chste aller L√§nder in der Region. Die Fruchtbarkeitsrate sank in den letzten Jahren von 6,9 (2004) auf 5,7 (2011). Dabei betrug sie in der Stadt durchschnittlich 4,9, auf dem Land 5,9. Der Anteil der Bev√∂lkerung mit einem Alter unter 15 Jahren betr√§gt 41,4¬†%, der der Personen √ľber 60 betr√§gt 8,2¬†% (2010), das Durchschnittsalter 2011 bei 18,4 Jahren. Auf 100 Personen im erwerbsf√§higen Alter von 15 bis 64 Jahren kommen 81 Kinder unter 15 Jahren und 9,6 Personen √ľber 64. Die Lebenserwartung lag 2006 bei 60,2 Jahren, 2016 betrug sie 68,1 Jahre. Der Anteil der st√§dtischen Bev√∂lkerung betr√§gt 29,6¬†% (2010, 2007:27¬†%). Auf 100 Frauen kamen 2015 statistisch 102 M√§nner. 2006 betrug das Verh√§ltnis noch 100 zu 103,2. Allerdings ist das Verh√§ltnis in der Gemeinde Dili mit 100 zu 106 besonders unausgeglichen. Grund ist der Zuzug vieler junger M√§nner in die Landeshauptstadt.

Religion

Fast alle Einwohner Osttimors sind christlichen Glaubens. Über 97 % gaben bei der Volkszählung 2015 an, Katholiken zu sein; Protestanten bilden eine christliche Minderheit (2,0 %). Davon gehören etwa 17.000 zur Protestantischen Kirche in Osttimor (IPTL). 0,2 % der Osttimoresen sind Muslime, zumeist Sunniten. Es sind Nachkommen von im 19. Jahrhundert eingewanderten Arabern und während der Besatzung angesiedelter Javaner. Die Annur-Moschee in Dili ist die größte Moschee des Landes. Weitere gibt es in Baucau, Lospalos und Liquiçá. Außerdem gibt es Minderheiten von Buddhisten und Hindus. Der Pura Girinatha in Dili ist der einzige hinduistische Tempel im Land, die chinesische Minderheit hat mit dem Guandi-Tempel seit hundert Jahren einen buddhistischen Tempel. Die traditionelle Religion Timors ist nur noch schwach vertreten (0,08 %). Allerdings werden animistische Glaubensinhalte immer noch im Alltag praktiziert.

Der katholische Glaube war w√§hrend der portugiesischen Kolonialherrschaft auf die Hauptstadt Dili und wenige gr√∂√üere Orte beschr√§nkt. Die Mehrheit der Bev√∂lkerung waren Animisten. Um 1975 betrug der Anteil der Katholiken an der Bev√∂lkerung nur etwa 30¬†%. W√§hrend des Freiheitskampfes gegen Indonesien wurde die katholische Kirche jedoch zur einigenden Klammer um die zw√∂lf gr√∂√üeren Stammesverb√§nde gegen die √ľberwiegend muslimischen Indonesier. In keinem anderen Land der Erde hat die katholische Kirche in den letzten Jahrzehnten einen derart gro√üen Zuwachs erreicht.

Sie verdankt das unter anderem dem damaligen Apostolischen Administrator des 1940 errichteten Bistums Dili, Martinho da Costa Lopes, der gegen die Menschenrechtsverletzungen der Indonesier predigte. 1983 musste er auf Druck Jakartas abdanken und wurde durch Carlos Filipe Ximenes Belo ersetzt. Doch auch er wandte sich gegen die Besatzer. In einem offenen Brief an den Generalsekret√§r der Vereinten Nationen forderte er ein Referendum √ľber die Eigenst√§ndigkeit Osttimors. Weiteren Auftrieb erhielt die katholische Kirche 1989 durch den Besuch von Papst Johannes Paul II. in Osttimor. 1996 erhielt Bischof Belo, zusammen mit Jos√© Ramos-Horta, f√ľr sein gewaltloses Eintreten f√ľr die Freiheit Osttimors den Friedensnobelpreis. Die Befreiungsbewegung FRETILIN hatte zwar kommunistische Z√ľge, deren F√ľhrer wurden aber stark durch die Befreiungstheologie Lateinamerikas von katholischen Priestern beeinflusst.

Im Jahr 1996 wurde das Bistum Baucau eingerichtet, 2010 folgte als drittes das Bistum Maliana. Alle Bist√ľmer waren bis 2019 kirchenrechtlich direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt. Am 11. September 2019 errichtete Papst Franziskus die Kirchenprovinz Dili durch die Erhebung des Bistums Dili in den Rang eines Erzbistums, dem die Bist√ľmer Baucau und Maliana als Suffragane unterstellt wurden. Zu den Feierlichkeiten f√ľr die Unabh√§ngigkeit wurde 2002 eine Marienstatue aus F√°tima (Portugal) nach Dili verschifft und das Land der Mutter Gottes von F√°tima geweiht. Im Mai 2005 wurde der Religionsunterricht in √∂ffentlichen Schulen nach wochenlangen Protestm√§rschen wieder als Pflichtfach in den Lehrplan aufgenommen. Premierminister Alkatiri hatte im Februar einen Gesetzentwurf eingebracht, nach dem das Fach nur freiwillig besucht werden solle.

Osttimor ist ein s√§kularer Staat und es herrscht laut Verfassung Religionsfreiheit. Ramos-Horta betonte aber in seiner Antrittsrede als Premierminister 2006 die Bedeutung der katholischen Kirche als ein das Land vereinigendes und zwischen den verschiedenen Konfliktparteien auss√∂hnendes Element. In einem n√§chsten Schritt entsandte 2007 die Regierung mit Justino Maria Apar√≠cio Guterres den ersten st√§ndig beim Heiligen Stuhl akkreditierten Botschafter, um die Beziehungen zum Vatikan weiterzuentwickeln. Au√üerdem wurde ein apostolischer Nuntius nach Osttimor entsandt. Am 14. August 2015 wurde anl√§sslich des 500. Jubil√§ums der Evangelisierung Timors zwischen Osttimor und dem Vatikan ein Konkordat unterzeichnet. Es definiert die Bereiche in denen die katholische Kirche unabh√§ngig vom Staat handeln kann, so bei der spirituellen Betreuung in Gef√§ngnissen, Kranken- und Waisenh√§usern und bei der F√ľhrung eigener Schulen auf jeder Bildungsstufe.

Eine Reihe von Bewegungen, wie etwa Colimau 2000 oder die Sagrada Fam√≠lia, tragen quasi-religi√∂se Z√ľge. Diese Gruppen verwenden daf√ľr christliche und animistische Elemente und kombinieren sie mit verschiedenen Kampfsportarten. Sie haben jeweils einige hundert bis einige tausend Mitglieder. In den letzten Jahren etablierte sich die Lesart, dass die Timoresen bereits vor Eintreffen der Missionare gl√§ubig waren. Premierminister Rui Maria de Ara√ļjo erkl√§rte in einer Rede 2015:

Dieses Bild griff auch der apostolische Nuntius Joseph Salvador Marino in einer Rede im selben Jahr auf, der erkl√§rte, die Timoresen h√§tten bereits vor den Missionaren ‚Äědas Licht Gottes‚Äú gekannt.

Frauen in Osttimor

49,2¬†% der Einwohner Osttimors sind Frauen (2015). 24¬†% der Frauen sind bereits vor ihrem 20. Geburtstag verheiratet. Bei M√§nnern sind es nur 5¬†%. Sie heiraten meist im Alter zwischen 25 und 29 Jahren. √úblicherweise sind die Ehem√§nner daher sieben bis zehn Jahre √§lter als ihre Frauen. Allgemein ist h√§usliche Gewalt ein gro√ües Problem. Die Gr√ľnde daf√ľr sind mit in den traumatischen Erlebnissen der Einwohner in der indonesischen Besatzungszeit zu suchen. Allein 2008 wurden √ľber 400 F√§lle registriert, die Dunkelziffer d√ľrfte diese Zahl aber weit √ľbersteigen. Studien des Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen f√ľr Frauen (UNIFEM) in zwei der damaligen Distrikten des Landes ergaben, dass Gewalt f√ľr timoresische Frauen ‚Äěnormal‚Äú sei und als Privatangelegenheit angesehen w√ľrde. 2009 wurde h√§usliche Gewalt als Straftat in das B√ľrgerliche Gesetzbuch aufgenommen, das erste Mal √ľberhaupt in der Geschichte des Landes, denn auch unter indonesischer Herrschaft war dies nicht der Fall. Am 3. Mai 2010 verabschiedete das Nationalparlament ein Gesetz, das Opfern von h√§uslicher Gewalt juristische Unterst√ľtzung gew√§hren soll.

Das Abtreibungsgesetz folgt noch immer dem alten indonesischen Recht. Schwangerschaftsabbr√ľche sind, auch wenn Lebensgefahr f√ľr die Mutter besteht, durch das Gesetz verboten, weswegen illegale Abtreibungen ohne √§rztliche Hilfe vollzogen werden. Ein neues Gesetz, das sich an portugiesischem und australischem Recht orientiert, ist zurzeit in Planung. Danach sollen Abtreibungen erlaubt sein, wenn die Schwangerschaft das Leben der Frau gef√§hrdet. Zun√§chst sprachen sich katholische Kr√§fte in der Politik, wie Fernanda Borges, gegen das Gesetz aus und kritisierten es als ‚Äěwestlichen Einfluss‚Äú. Doch weil Abtreibungen abseits der Ausnahmeregelung weiterhin als kriminell gelten sollen, bef√ľrwortete sp√§ter die Katholische Kirche die Neuregelung. Auch die Abbr√ľche bei Opfern sexueller Gewalt und bei Inzest werden, entgegen ersten Planungen, nun nicht mehr entkriminalisiert.

Gesundheit

Die medizinische Versorgung ist mangelhaft, verbessert sich aber langsam. Die Vielfalt der Sprachen im Land f√ľhrt oft zu Problemen bei der Verst√§ndigung zwischen Arzt und Patient. Es gibt 302 medizinische Einrichtungen (2003: 218): sechs √∂ffentliche Krankenh√§user (die zwei gr√∂√üten in Dili und Baucau), 66 kommunale Gesundheitszentren, 189 medizinische Stationen und 41 Privatkliniken (Stand 2008). Die Bev√∂lkerung erh√§lt in den √∂ffentlichen Einrichtungen kostenlose Behandlung. Auf 1000 Einwohner kommen durchschnittlich 0,3 √Ąrzte, 0,8 Krankenschwestern und 0,3 Hebammen (2008). Bis vor kurzem fehlten vor allem einheimische √Ąrzte. Von 40 √Ąrzten in den Hauptkrankenh√§usern von Dili und Baucau waren 2003 nur 10 Osttimoresen. Dank einer Kooperation zwischen Dili und Havanna waren 2007 300 kubanische √Ąrzte in Osttimor t√§tig, 90¬†% aller √Ąrzte im Land. 700 Timoresen studierten in Kuba Medizin. Ende 2012 gab es in Osttimor 152 √Ąrzte, davon 13 Spezialisten, 1271 Krankenschwestern und Pfleger, 427 Hebammen und 416 medizinisch-technische Assistenten. Im Dezember 2012 graduierten als √Ąrzte zus√§tzlich 400 Osttimoresen, nach vier Jahren Studium in Kuba und 2 Jahren in Osttimor. Weitere 80 hatten bereits 2010/11 erfolgreich ihr Medizinstudium beendet. Zwei Flugzeuge der Mission Aviation Fellowship Timor-Leste (MAF TL) transportieren Kranke und Verletzte aus l√§ndlichen Regionen in die Hauptstadt Dili.

Der Anteil am Staatshaushalt f√ľr Gesundheitsausgaben lag 2008 bei 4,73¬†%. 34,1¬†% (2010, 2006: 38¬†%) der Einwohner haben kein sauberes Trinkwasser und 60,8¬†% (2010, 2006: 59¬†%) keinen Zugang zu Sanit√§reinrichtungen (Stand 2006). Pro 100.000 Lebendgeburten 2004 starben 800 M√ľtter. 2008 lobte die UNICEF Osttimor, da es zwischen 1990 und 2006 die Kindersterblichkeit um 40¬†% gesenkt habe. Die Kindersterblichkeit lag 1990 bei 177, 2004 bei 80, 2005 bei 61 und 2010 bei 44. Die S√§uglingssterblichkeit lag 1974 bei 50¬†%, 1990 bei 133 von 1000 Geburten, 2004 bei 64, 2005 bei 52 und 2006 bei 47. Ein Grund f√ľr die sinkenden Raten bei der Kindersterblichkeit ist die zunehmende medizinische Versorgung. 2010 waren 53¬†% der Kinder im Alter von 12 bis 23 Monaten mit allen wichtigen Impfungen versorgt, 2003 waren es nur 18¬†%. Allerdings waren 2010 noch 23¬†% der Kinder ohne jegliche Impfungen.

Das Cruz Vermelha de Timor-Leste CVTL (Rotes Kreuz Osttimor) wurde im Jahr 2000 gegr√ľndet.

Problematisch ist die andauernde Mangelern√§hrung, gerade von Kindern. 46 Prozent der Kinder unter f√ľnf Jahren sind aufgrund von Unterern√§hrung fehlentwickelt, 24 Prozent der Kinder sind stark untergewichtig. √úbergewichtig sind nur 6 Prozent (Stand 2018). Am schlimmsten ist die Situation in den Gemeinden Ermera, Ainaro und der Sonderverwaltungsregion Oe-Cusse Ambeno. Auf dem Welthunger-Index belegt Osttimor 2019 Rang 106 von 107 mit einem Wert von 37,6 (2008: 46,8; 2019: 34,5). Die Lage wird als sehr ernst eingestuft. Grund f√ľr die kritische Lage sind die h√§ufigen Missernten in Osttimor und die geringe Produktivit√§t der Landwirtschaft (siehe auch: Kapitel Landwirtschaft und Handwerk). Der durchschnittliche m√§nnliche Osttimorese ist mit 160¬†cm sehr klein. Es ist weltweit die kleinste durchschnittliche K√∂rpergr√∂√üe.

Die Geburtenrate lag 2011 bei 36,85 Geburten auf 1000 Einwohner (2004: 43,6), die Sterberate 2011 bei 8,77 Sterbef√§llen auf 1000 Einwohner (2004: 10,8). Aufgrund der Berichte √ľber angebliche Zwangssterilisationen w√§hrend der indonesischen Besatzungszeit haben gerade Frauen ein erh√∂htes Misstrauen gegen√ľber staatlichen, medizinischen Einrichtungen, was besonders die Versorgung von Schwangeren erschwert. In einigen Gebieten ist der Anteil an jungen M√ľttern extrem hoch. Im Landesdurchschnitt kamen 2004 auf 1000 Lebendgeburten 59,2 Geburten bei M√ľttern im Alter zwischen 15 und 19 Jahren, in Tilomar waren es aber zum Beispiel 114,4, womit dieser damalige Subdistrikt √§hnlich hohe Zahlen wie einige lateinamerikanische L√§nder hatte.

Osttimor ist eines der L√§nder mit dem h√∂chsten Anteil an Rauchern in der Bev√∂lkerung. 33¬†% der Einwohner rauchen jeden Tag, bei den M√§nnern betr√§gt der Anteil sogar 61¬†%. Es fehlt an einer umfassenden Gesundheitserziehung und es gibt keinerlei Reglementierung des Zigarettenkonsums, des Tabakverkaufs oder der -werbung. Geraucht wird meist Importware aus Indonesien. Es gibt aber auch einheimische Tabakbauern, deren Produktion zum Selberdrehen von Zigaretten verwendet wird, was die ohnehin niedrigen Preise f√ľr Zigaretten weiter senkt.

In der Regenzeit ist Schutz vor M√ľcken notwendig, um sich vor von ihnen √ľbertragenen Infektionen zu sch√ľtzen. 2006 gab es 223.000 registrierte F√§lle von Malaria und 68 Tote. Mit Hilfe der WHO wurde ein landesweites National Malaria Control Programme (NMCP) gestartet. 2018 registrierte man in Osttimor keine Malarianeuerkrankung mehr. Weitere Krankheiten, wie die Tuberkulose und die japanische Encephalitis, sind noch weit verbreitet. Die Anzahl von F√§llen von Denguefieber ist in den letzten Jahren stark zur√ľckgegangen, von 2789 im Jahr 2006 auf 187 im Jahr 2008. Allerdings gab es 2014 und Anfang 2019 in Dili und 2020 in Ermera mit 117 Erkrankten und vier Toten gr√∂√üere Ausbr√ľche der Krankheit.

Bei der Lepra sind Fortschritte in der Bek√§mpfung festzustellen. Wurden 2004 noch 4,7 Neuinfektionen pro 10.000 Einwohnern registriert, waren es 2009 nur noch 1,3. Trotzdem bedeutete das zwischen 2004 und 2009 etwa 1300 neue F√§lle der Krankheit. Osttimor gilt seit 2018 als frei von Masern. Bislang gab es √ľber 2800 best√§tigte F√§lle von Corona in Osttimor. Aktuell z√§hlt man 1417 Infizierte (Stand 6. Mai 2021) und vier Verstorbene.

HIV spielt noch eine geringe Rolle, auch wenn die meisten Osttimoresen nichts √ľber das AIDS-Risiko oder seine Verh√ľtung wissen. 2002 gab es nur einen Todesfall durch HIV in Osttimor, 2003 waren sechs Infizierte bekannt. Im M√§rz 2011 z√§hlte man insgesamt 239 F√§lle, wovon 42 bereits verstorben waren. Die meisten Infizierten kommen aus Dili, aber es gibt auch F√§lle in Maliana (18) und Baucau (9). Im August 2012 waren 263 HIV-Infizierte registriert, darunter 28 neue F√§lle. 73 von ihnen erhalten antiretrovirale Medikamente. 17 der Infizierten sind Kinder unter f√ľnf Jahren, weitere f√ľnf Kinder starben bereits infolge von AIDS.

Augenprobleme sind innerhalb der Bev√∂lkerung Osttimors verh√§ltnism√§√üig weit verbreitet. 3,6¬†% der Einwohner, die √§lter als 40 Jahre sind, sind blind. H√§ufigste Ursache daf√ľr ist der Graue Star. Die sonst weltweit h√§ufige altersbedingte Makuladegeneration kommt dagegen kaum vor. Grund k√∂nnten die Gene des Gro√üteils der Bev√∂lkerung sein. Die Haplogruppen f√ľr das Y-Chromosom stammen zu 73¬†% von asiatischen Vorfahren, je 13¬†% aus Eurasien und Afrika und zu 1¬†% aus Ozeanien. Die Haplogruppen f√ľr die mitochondriale DNA (mtDNA) weisen dagegen zu 69¬†% eine Herkunft aus Asien, zu 15¬†% aus Afrika, aber nur zu 1¬†% aus Eurasien und daf√ľr zu 17¬†% aus Ozeanien auf. Die unterschiedliche Herkunft l√§sst darauf schlie√üen, dass es auf Timor entweder sehr viele verschiedene Einwanderungswellen gab oder die Osttimoresen von einigen wenigen M√§nnern mit sehr unterschiedlicher Herkunft abstammen. Studien zeigten, dass es klare Unterschiede zur westtimoresischen Bev√∂lkerung gibt, die eine andere ethnische Zusammensetzung hat. Tats√§chlich sprechen Historiker von mindestens vier Einwanderungswellen auf Timor.

Homosexualität

Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung ist gesetzlich verboten. In der Gesellschaft sind sexuelle Orientierung oder Gender keine großen Themen, doch sind Diskriminierung und Stigmatisierung alltäglich. Einige LGBT-Organisationen existieren.

Geschichte

Kleine Reiche und Fremdherrschaft

Die √§ltesten Spuren menschlicher Besiedlung auf der Insel wurden 2017 in der H√∂hle Laili bei Laleia, im Norden Osttimors gefunden. Sie sind mindestens 43.000 bis 44.000 Jahre alt. Neben Steinwerkzeugen, dem √§ltesten bekannten Angelhaken der Welt und Muschelschalen, die als Schmuck verwendet wurden, fand man in der Kalksteinh√∂hle Jerimalai nahe Tutuala die √úberreste von Schildkr√∂ten, Thunfischen und Riesenratten, die den H√∂hlenbewohnern als Nahrung gedient hatten. Au√üerdem wiesen die Funde erstmals nach, dass Menschen bereits vor 42.000 Jahren in der Tiefsee Fischfang betrieben. Diese Funde erh√§rten die Theorie, dass die Besiedlung Australiens √ľber die Kleinen Sundainseln erfolgte.

Ab 40.000 v. Chr. wurde Timor in mindestens drei weiteren Wellen von Austronesen, Melanesiern und Proto-Malaien besiedelt. Die Insel teilte sich nach Berichten der Portugiesen in drei lose Herrschaftsgebiete, die wiederum in zahlreiche kleine Reiche zersplitterten, deren Herrscher Liurais genannt wurden. Heirat- und B√ľndnispolitik bildeten ein Netzwerk, das praktisch die gesamte Insel miteinander verband, was aber st√§ndige Konflikte und K√§mpfe zwischen den Reichen bis in das 20. Jahrhundert hinein nicht verhinderte. 1515 landeten die Portugiesen erstmals auf Timor und gr√ľndeten die Kolonie Portugiesisch-Timor, deren endg√ľltige Grenzen zum niederl√§ndischen Teil der Insel erst 1916 festgelegt wurden. Beide Kolonialm√§chte waren bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts noch auf die traditionellen Herrschaftsstrukturen angewiesen, um ihre Territorien zu verwalten. St√§ndig kam es zu Aufst√§nden gegen die Europ√§er. Die gr√∂√üte Rebellion gegen die Portugiesen f√ľhrte im Jahre 1912 Boaventura von Manufahi.

Japanische Truppen besetzten die gesamte Insel von 1942 bis 1945, obwohl Portugal im Zweiten Weltkrieg ein neutrales Land war. Die Folge war ein Guerillakrieg, den alliierte Truppen gegen die Japaner auf der Insel f√ľhrten, der als die Schlacht um Timor bekannt wurde. Auf beiden Seiten k√§mpften auch Timoresen mit. Allein in Portugiesisch-Timor starben zwischen 40.000 und 70.000 Menschen. Nach Ende des Weltkriegs erlangte Indonesien seine Unabh√§ngigkeit von der niederl√§ndischen Kolonialmacht. Westtimor wurde Teil des neuen Staates, w√§hrend Osttimor 1951 nur den neuen Status einer portugiesischen √úberseeprovinz erhielt.

Erst 1974 √§nderte die Nelkenrevolution in Portugal die politischen Verh√§ltnisse. 1975 sollte die Kolonie f√ľr die Unabh√§ngigkeit vorbereitet werden, doch es kam zu einem B√ľrgerkrieg zwischen den beiden gr√∂√üten Parteien FRETILIN und UDT, aus dem die FRETILIN als Sieger hervorging. Sie rief am 28. November 1975 die Unabh√§ngigkeit aus, doch nur neun Tage sp√§ter begann Indonesien mit der Operation Seroja das Land offen zu besetzen und machte es 1976 formell trotz internationaler Verurteilung zu seiner 27. Provinz Timor Timur. Infolge der 24-j√§hrigen indonesischen Besatzung starben bis zu 183.000 der 800.000 Einwohner. Nach einem Referendum im Jahre 1999, das zu Gunsten einer Unabh√§ngigkeit ausging und weitere Gewalt durch pro-indonesische Milizen (Wanra) und die indonesische Armee zur Folge hatte, entsandten die Vereinten Nationen unter australischer F√ľhrung die Friedenstruppe INTERFET. Osttimor kam unter Verwaltung der UNTAET, bis es schlie√ülich am 20. Mai 2002 in die Unabh√§ngigkeit entlassen wurde. Am 27. September 2002 wurde Osttimor als 191. Mitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen.

Seit der Unabhängigkeit

Von Ende April bis Ende Mai 2006 erlebte Osttimor schwere Unruhen. 37 Menschen starben, 155.000 waren auf der Flucht. Ausgangspunkt daf√ľr war die Entlassung von etwa 40¬†% der Armeeangeh√∂rigen, die aus Protest gegen Missst√§nde bei den Verteidigungskr√§ften Osttimors Anfang des Jahres desertierten. √úber 3.000 Soldaten (Internationale Stabilisierungstruppe ISF) wurden aus verschiedenen L√§ndern nach Osttimor geschickt, um die Situation wieder zu stabilisieren. Premierminister Mar√≠ Alkatiri trat am 26. Juni zur√ľck. Bis M√§rz 2011 √ľbernahm die UNMIT (UN Integrated Mission in Timor-Leste) zusammen mit den ausl√§ndischen Truppen der ISF die Aufgabe, f√ľr Ordnung im Land zu sorgen. Das Mandat der UNMIT wurde bis zum 31. Dezember 2012 verl√§ngert. Sie unterst√ľtzte bis dahin die Nationalpolizei Osttimors (PNTL) und trug auch zur Sicherheit bei den Wahlen 2012 bei.

Die ersten Neuwahlen nach der Wiederherstellung der Unabh√§ngigkeit 2007 brachten einen Machtverlust f√ľr die FRETILIN. Der parteilose Jos√© Ramos-Horta setzte sich in der Stichwahl f√ľr das Pr√§sidentenamt gegen den FRETILIN-Kandidaten durch. Einer Vier-Parteien-Koalition gelang es, die Mehrheit im Parlament zu gewinnen und Xanana Gusm√£o als Premierminister einzusetzen. Die FRETILIN war zwar die st√§rkste Partei im Parlament, konnte aber keine Koalitionspartner finden. Dass sie als st√§rkste Kraft nicht die Regierung f√ľhrte, sah die FRETILIN als Verfassungsbruch, kam aber von anf√§nglichen Drohungen ab, das Parlament zu boykottieren oder vor das Oberste Gericht zu ziehen.

Der Anf√ľhrer der 2006 meuternden Soldaten Alfredo Reinado war noch im selben Jahr zusammen mit 56 Getreuen aus einem Gef√§ngnis ausgebrochen, in dem sie wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Mordverdachts im Laufe der Maiunruhen einsa√üen. 2007 eskalierte die Lage um die Fl√ľchtigen, die sich in den Bergen von Manufahi und Ermera versteckten. Bei einem √úberfall auf zwei Posten der Grenzpolizei raubten sie 23 teilweise schwere Waffen. Pr√§sident Gusm√£o erm√§chtigte die ISF zur Verhaftung von Reinado und bat auch Indonesien um Unterst√ľtzung. Ein Zugriffsversuch durch australische Spezialeinheiten im M√§rz 2007 scheiterte. Mehrfach drohte Reinado der Regierung mit B√ľrgerkrieg und Angriffen auf Dili.

Am 11. Februar 2008 kam es im Wohnhaus von Pr√§sident Ramos-Horta zu einem Schusswechsel zwischen Reinado, einigen seiner M√§nner und den Sicherheitskr√§ften. Ramos-Horta und einer seiner Leibw√§chter wurden dabei schwer verletzt, Reinado und ein weiterer Rebell kamen ums Leben. Kurz darauf wurde der Wagen von Premierminister Gusm√£o beschossen. Er entkam der Attacke aber unverletzt. Gusm√£o erkl√§rte den versuchten Staatsstreich f√ľr gescheitert. Pr√§sident Ramos-Horta √ľbernahm im April wieder die Amtsgesch√§fte, nachdem er in Darwin medizinisch behandelt worden war. Die Rebellenbewegung brach kurz nach den Attentaten endg√ľltig zusammen.

In den folgenden Jahren stabilisierte sich die politische Lage deutlich. Im Dezember 2012 wurden die letzten Soldaten und Polizisten von ISF und UNMIT verabschiedet. 75¬†% der Einwohner Osttimors erkl√§rten 2008, sie seien mit der Arbeit der UN zufrieden, 3¬†% empfanden sie als schlecht. 2015 kam es mit dem KRM nochmals zu einem Zwischenfall, bei dem die Armee schnell wieder f√ľr Ruhe und Ordnung sorgte. Bei den Grenzstreitigkeiten mit Australien konnte Osttimor sich gerichtlich durchsetzen. Am 4. April kam es zu schweren √úberschwemmungen, die zu dutzenden Toten f√ľhrten. Es war die schwerste Naturkatastrophe in Osttimor seit der portugiesischen Kolonialzeit.

Politik

Allgemeines

Die Verfassung Osttimors von 2002 wurde nach portugiesischem Vorbild gestaltet.

Von vielen Seiten wird Osttimor als eine ‚ÄěGesellschaft, die auf Ger√ľchten basiert‚Äú (rumor-based society) bezeichnet, was eine Folge der Traumatisierung durch die gewaltreiche Vergangenheit ist. Nach Beendigung der Eroberung hielt Indonesien das besetzte Land durch eine Art Strategie der Spannung in einem Zustand der permanenten Anspannung, um den innenpolitischen Widerstand gegen die Besetzung zu unterdr√ľcken. Es kam zu willk√ľrlichen Verhaftungen, √∂ffentlicher Ausstellung von Leichen, mysteri√∂sen Morden und dem Ausstreuen von Ger√ľchten. Die geheimen Widerstandsgruppen wandten wahrscheinlich √§hnliche Methoden an, um Angst unter den Besatzern zu sch√ľren. Die Bev√∂lkerung ist daher anf√§llig f√ľr Ger√ľchte und Verschw√∂rungstheorien, was von allen politischen Parteien und Akteuren ausgenutzt wird. Das beginnt mit Vermutungen √ľber die verfassungsm√§√üige Rechtm√§√üigkeit der ersten Koalitionsregierung unter Xanana Gusm√£o und geht √ľber unbelegte Korruptionsvorw√ľrfe und Behauptungen √ľber Fehlverhalten der ausl√§ndischen Sicherheitskr√§fte (zum Beispiel der ‚ÄěINTERFET-Frosch‚Äú) und Unf√§higkeit der Regierenden bis hin zu Ger√ľchten √ľber bewaffnete, paramilit√§rische Gruppen und Spekulationen √ľber den gewaltsamen Tod des Rebellen Alfredo Reinado und dessen Verbindungen ins Ausland. Im Mai 2009 appellierte der stellvertretende Polizeikommandant Alfredo de Jesus per Radio und Fernsehen an die Bev√∂lkerung, nicht dem Ger√ľcht zu glauben, eine Hexe namens Magareta w√ľrde n√§chtens √ľber Dili fliegen. Die Ger√ľchte verbreiten sich schnell durch Mundpropaganda, SMS und Internet-Blogs. Dazu kommen Ank√ľndigungen und Warnungen (zum Beispiel per SMS) vor gewaltt√§tigen Ausschreitungen oder Massendemonstrationen, die dann nie stattfinden, oder Machtdemonstrationen von militanten Gruppen, zum Beispiel mit inszenierten Flaggenzeremonien. Folge ist ein ‚ÄěReich der Angst‚Äú (Kingdom of Fear), das durch die immer wieder vorkommende wirkliche Gewalt verst√§rkt wird.

Nur 62 % der Einwohner Osttimors äußerten noch 2009, sie könnten ihre politische Meinung in ihrem Heimatort frei äußern; 24 % verneinten dies. 2017 waren 90 % der Meinung, sie könnten frei ihre Ansichten aussprechen, nur noch 2 % glaubten das nicht.

98 % von 1200 Befragten gaben im November 2016 an, zu den 2017 anstehenden Wahlen gehen zu wollen. 72 % erwarteten, dass es dem Land im nächsten Jahr besser gehen werde, und 49 % sahen es schon jetzt auf dem richtigen Weg. 29 % der Befragten waren der Meinung, dass die Regierung eine sehr gute Arbeit mache, 45 % nannten die Arbeit gut. 44 % nannten sich als der FRETILIN nahestehend, 75 % hatten eine positive Einstellung zu der Partei. Als wichtigstes Problem sahen 29 % den Zustand der Straßen im Land. 32 % fanden, dieser hätte sich im letzten Jahr verschlechtert, 29 % sahen eine Verbesserung. Eine Mehrheit der Befragten sah Verbesserungen in den Bereichen Gesundheitsversorgung (79 %), Bildung (78 %) und Stromversorgung (71 %). 66 % haben Angst vor gewalttätigen Ausschreitungen im Umfeld der Wahlen.

Beim Global Peace Index 2020 kam Osttimor auf Platz 54 und erhielt mit dem Wert 1,863 die Einordnung ‚ÄěHigh State of Peace‚Äú. Man steht damit vor Albanien (Platz 55) und Griechenland (Platz 57). Im Demokratieindex 2020 der britischen Zeitschrift The Economist belegt Osttimor Platz 44 von 167 L√§ndern und gilt damit als eine ‚Äěunvollst√§ndige Demokratie‚Äú. Im L√§nderbericht Freedom in the World 2020 der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation Freedom House wird das politische System des Landes als ‚Äěfrei‚Äú bewertet. In der Rangliste liegt es hinter Indien und vor Ungarn.

Transparency International listete Osttimor im Korruptionswahrnehmungsindex 2020 auf Platz 86 mit einem Wert von 40, was eine Verbesserung gegen√ľber den Vorjahren bedeutet, und der gleichen Platzierung, wie jene von Burkina Faso, Indien, Marokko, Trinidad und Tobago und der T√ľrkei entspricht. Zur Korruptionsbek√§mpfung nahm 2010 die Anti-Korruptionskommission (CAC) ihre Arbeit auf. 79¬†% der Einwohner begr√ľ√üten in einer Umfrage die Einrichtung der Kommission. Im Laufe der letzten Jahre gab es immer wieder Gerichtsverhandlungen gegen ehemalige Regierungsmitglieder wegen Korruptions- und Misswirtschaftsvorw√ľrfen. 2012 wurde mit L√ļcia Lobato erstmals eine ehemalige Ministerin wegen Missmanagements zu f√ľnf Jahren Haft verurteilt, verb√ľ√üte aber aufgrund einer Begnadigung nur 18 Monate davon. 2015 wurde der ehemalige Bildungsminister Jo√£o C√Ęncio Freitas wegen Korruption zu sieben Jahren Haft verurteilt. Daneben wurden bisher zwei Staatssekret√§re und vier h√∂here Beamte wegen Korruption zu Haftstrafen verurteilt.

Von Menschenrechtsorganisationen, der Katholischen Kirche und weiten Teilen der Bev√∂lkerung wurde der Umgang der Regierung mit den Verbrechen in der indonesischen Besatzungszeit kritisiert. Die f√ľhrenden Politiker sprachen sich seit der Wiedererlangung der Unabh√§ngigkeit f√ľr Vers√∂hnung und Vergebung aus, sowohl mit dem Nachbarn Indonesien als auch mit den Kollaborateuren innerhalb Osttimors. Die Aufarbeitung der Geschehnisse beschr√§nkte sich auf eine Registrierung der Vorf√§lle und lokale Friedensvermittlungen unter staatlicher F√ľhrung. Anfang 2015 rief die Regierung die Politik des ‚ÄěEnt-trauerns der Nation‚Äú (tetum Dez-lutu Nasional) oder ‚ÄěAblegen des Schwarzen‚Äú aus. Die Erinnerung an die Vergangenheit solle nun mehr in Gedenken vollzogen werden als wie bisher in Trauer. Kritiker merken an, dass viele Familien mit der Trauer noch nicht abschlie√üen k√∂nnen, da die sterblichen √úberreste ihrer Verwandten noch nicht gefunden wurden. Von vielen Opfern der Besatzung fehlt jede Spur, auch vom Volkshelden Nicolau Lobato, dessen Todestag am 31. Dezember 2015 den Abschluss des Dez-lutu Nasional darstellen sollte.

Exekutive

Der Pr√§sident von Osttimor wird alle f√ľnf Jahre gew√§hlt und hat eher symbolische Befugnisse; er besitzt aber ein Vetorecht bei der Gesetzgebung. Ihm steht der Staatsrat beratend zur Seite. Bei den Pr√§sidentschaftswahlen in Osttimor 2017 setzte sich Francisco L√ļ-Olo Guterres von der FRETILIN bereits in der ersten Runde mit 57,08¬†% der Stimmen durch. Es war das dritte Mal, dass Guterres sich um das Amt bewarb. Unterst√ľtzt wurde er dabei auch vom Congresso Nacional da Reconstru√ß√£o Timorense (CNRT), der zweiten gro√üen Partei des Landes. Guterres √ľbernahm von seinem Vorg√§nger Taur Matan Ruak um Mitternacht am 20.¬†Mai 2017 das Pr√§sidentenamt, zum 15.¬†Jahrestag der Unabh√§ngigkeit. Taur Matan Ruak kandidierte nicht mehr.

Nach den Parlamentswahlen bestimmt der Präsident einen Premierminister, der die Mehrheit einer Partei oder Koalition im Parlament hinter sich hat. Als Kopf der Regierung sitzt der Premierminister dem Kabinett vor.

Legislative

Das Parlament (Parlamento Nacional) besteht aus nur einer Kammer. Seine Mitglieder werden alle f√ľnf Jahre in freien Wahlen bestimmt. Gesetze und Verordnungen werden im Jornal da Rep√ļblica bekannt gegeben. Die Anzahl der Parlamentssitze kann zwischen 52 und 65 variieren. W√§hrend der ersten Wahlperiode wurden ausnahmsweise die 88 Sitze der Verfassungsgebenden Versammlung beibehalten.

Viele osttimoresische Parteien sind mehr auf ihre F√ľhrungspers√∂nlichkeiten als auf ein Programm ausgerichtet, das sie von anderen unterscheidet. Seit den Parlamentswahlen in Osttimor 2007 haben sich zwei dominante Parteien herausgebildet, die linksorientierte FRETILIN, aus der Staatspr√§sident Francisco Guterres kommt und die von Mar√≠ Alkatiri gef√ľhrt wird, und der von Xanana Gusm√£o gegr√ľndete CNRT. Als Vertreter der j√ľngeren Generation gelten mittelgro√üen Parteien im Parlament: die PLP von Taur Matan Ruak, die KHUNTO, die ihren Ursprung in der Ritual-Arts-Gruppe Kmanek Oan Rai Klaran hat und die PD deren Wurzeln in der Studentenbewegung RENETIL hat. Im Parlament sind au√üerdem mit je einem Abgeordneten die UDT, die FM und die PUDD vertreten. Sie sind als Parteienb√ľndnis FDD bei den Parlamentswahlen in Osttimor 2018 in das Parlament eingezogen.

Bei den Wahlen traten die CNRT, PLP und KHUNTO gemeinsam als Aliança para Mudança e Progresso (AMP) an und gewannen so die absolute Mehrheit. Im Parlament bildete jede Partei aber eine eigene Fraktion. Die FDD zerbrach bereits in den ersten Sitzungstagen. UDT und FM bildeten danach eine gemeinsame Fraktion, der Abgeordnete der PUDD sitzt alleine im Parlament.

Am 13. Juni 2018 trat das neue Parlament erstmals zusammen und w√§hlte Ar√£o No√© da Costa Amaral vom CNRT zum neuen Parlamentspr√§sidenten. Am 17. Januar 2020 scheiterte die Regierung mit ihrem Vorschlag zum Staatshaushalt, da die Abgeordneten des CNRT sich ihrer Stimme enthielten. Die AMP war damit beendet. Es bildete sich eine neue Sechs-Parteien-Allianz, unter Ausschluss von PLP und FRETILIN, die aber nur wenige Wochen hielt. Die Regierung st√ľtzt sich nun im Parlament auf eine Mehrheit von 36 Sitzen von PLP, FRETILIN und KHUNTO (siehe: Kapitel Innenpolitik).

Judikative

Das Tribunal de Recurso de Timor-Leste (deutsch¬†Berufungsgericht Osttimors) ist das h√∂chste Gericht Osttimors. Gegen dessen Urteile kann nicht in Berufung gegangen werden. Den Vorsitz f√ľhrt der Gerichtspr√§sident, der durch den Pr√§sidenten der Republik f√ľr vier Jahre ernannt wird. Das Amt hat seit dem 28. April 2017 Deolindo dos Santos inne.

Das Nationalparlament w√§hlt ein Mitglied des Obersten Gerichts, die anderen Mitglieder werden durch den Conselho Superior da Magistratura Judicial (deutsch¬†Oberster juristischer Rat) bestimmt. Generalstaatsanwalt ist seit dem 29. April 2021 Alfonso Lopez. Distriktsgerichte gibt es in Dili (2017 mit 16 Richtern), Baucau (sieben Richter), Oe-Cusse Ambeno (ein Richter) und Suai (sieben Richter). Ebenso Sitze der Defensoria P√ļblica.

Bis Ende 2014 arbeiteten viele Ausl√§nder, vor allem Portugiesen, in der Justiz Osttimors, sowohl als Berater des Generalstaatsanwalts und der Antikorruptionsbeh√∂rde als auch als Richter. Nachdem Osttimor aber mehrere Gerichtsverfahren um Steuerforderungen gegen Rohstoffkonzerne verloren hatte, wurden alle Ausl√§nder im Justizwesen durch Parlamentsbeschluss am 24. Oktober entlassen. Man warf den Beratern Inkompetenz und m√∂glicherweise Korruption vor. Ausl√§ndische Beobachter spekulierten aber, der Staat wolle ihm unliebsame Urteile r√ľckg√§ngig machen. Die Steuerverfahren wurden neu aufgerollt.

Die Todesstrafe und die lebenslange Gef√§ngnisstrafe sind in Osttimor abgeschafft. Die zul√§ssige H√∂chststrafe liegt bei 25 Jahren Gef√§ngnis. Strafgefangene m√ľssen f√ľr ihre Ern√§hrung und medizinische Versorgung selbst aufkommen.

Innenpolitik

Aus den vorgezogenen Parlamentswahlen am 12. Mai 2018 ging das B√ľndnis der AMP mit der absoluten Mehrheit der Parlamentssitze hervor. Der AMP geh√∂rte der konservative CNRT, die PLP von Taur Matan Ruak und die KHUNTO an. Taur Matan Ruak wurde am 22. Juni 2018 zum neuen Premierminister vereidigt. Mit Antritt der AMP-Regierung am 22. Juni 2018 ging der Machtkampf mit der FRETILIN weiter. Pr√§sident Guterres lehnte elf Kandidaten f√ľr das Kabinett ab, so dass zun√§chst nur ein Teil der Regierungs√§mter besetzt werden konnte. Zwei Kandidaten hingen laufende Verfahren wegen Korruption an (sie wurden sp√§ter von der AMP zur√ľckgezogen), bei sieben Kandidaten gab es Korruptionsvorw√ľrfe und zwei Kandidaten waren aus Sicht von Guterres aus ethnischen Gr√ľnden nicht amtsw√ľrdig. Die pr√§sidiale Weigerung betraf nur CNRT- und KHUNTO-Politiker.

Taur Matan Ruak arrangierte sich, indem Vizeminister und andere Minister die unbesetzten Ressorts f√ľhrten, w√§hrend der CNRT praktisch vom Regierungsgesch√§ft ausgeschlossen war. Am 17. Januar 2020 verweigerten die CNRT-Abgeordneten dem Entwurf zum Staatshaushalt im Parlament die Zustimmung. Die AMP zerbrach. Nach zahlreichen Krisengespr√§chen unterzeichneten am 22. Februar CNRT, KHUNTO, PD, UDT, FM und PUDD √∂ffentlich eine Koalitionsvereinbarung zur Bildung einer neuen Regierung. Taur Matan Ruak reichte den R√ľcktritt seiner Regierung am 24. Februar 2020 ein.

Aufgrund der drohenden COVID-19-Pandemie in Osttimor nahm Taur Matan Ruak aber nach Absprache mit Pr√§sident Guterres sein R√ľcktrittsgesuch am 8. April wieder zur√ľck. Indes schloss die FRETILIN mit der PLP ein B√ľndnis. FRETILIN-Generalsekret√§r Alkatiri erkl√§rte, man wolle die bestehende Regierung bis zum regul√§ren Ende der Legislaturperiode unterst√ľtzen. Unterst√ľtzung f√ľr die VIII. Regierung wurde auch von der KHUNTO signalisiert, obwohl sie im Parlament nun im gegnerischen B√ľndnis stand. Der Vorschlag dieser Sechs-Parteien-Allianz, Xanana Gusm√£o zum Premierminister zu ernennen, wurde von Pr√§sident Guterres nicht beantwortet.

Am 27. April stimmten Abgeordnete der KHUNTO und PD, entgegen der Koalitionsvereinbarung, f√ľr die Verl√§ngerung des Ausnahmezustands, und die KHUNTO erkl√§rte am 29. April ihren Austritt aus der Allianz, zugunsten der alten Regierung. Am 29. Mai wurde mit der Umstrukturierung der Regierung begonnen. W√§hrend die meisten CNRT-Mitglieder der Anweisung ihrer Partei folgten und aus der Regierung austraten, wurden nun Mitglieder der FRETILIN und der PD in das Kabinett aufgenommen.

Außenpolitik

Osttimor hat weitgehende, freundschaftliche Beziehungen zu zahlreichen Staaten und Regionen. Mit der ehemaligen Besatzungsmacht Indonesien hat es sich ausges√∂hnt, ebenso mit der Kolonialmacht Portugal. √úber die Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen L√§nder (CPLP) h√§lt Osttimor auch enge Kontakte mit den afrikanischen Mitgliedern, Brasilien und Macau. Portugal dient auch, zusammen mit Irland, als Tor zur Europ√§ischen Union. Der katholische Glauben dient als verbindendes Element mit den Philippinen. Sie und Indonesien geh√∂ren zu den st√§rksten Bef√ľrwortern des von Osttimor angestrebten Beitritts zu den ASEAN. Die melanesische Kultur einiger Ethnien Osttimors bildet die Grundlage der guten Beziehungen zu Papua-Neuguinea und den S√ľdseestaaten. So ist Osttimor ein assoziiertes Mitglied im Pacific Islands Forum und seit 2010 hat es Beobachterstatus bei der Melanesian Spearhead Group. 2016 trat Osttimor dem Pacific Islands Development Forum bei.

In Australien gibt es viel Sympathie, da Osttimoresen bei der Schlacht um Timor auf Seiten der Alliierten k√§mpften und so eine japanische Invasion Australiens verhinderten. Trotzdem gab es jahrelang Streit √ľber die Grenzziehung in der Timorsee und der Ausbeutung der dortigen Bodensch√§tze, was zu Spannungen und Verstimmungen f√ľhrte. Vor allem nachdem bekannt wurde, dass australische Agenten w√§hrend der Verhandlungen das osttimoresische Kabinett abgeh√∂rt hatten. Schlie√ülich konnte sich Osttimor vor Gericht gegen Australien durchsetzen.

Gro√üe Unterst√ľtzung erh√§lt Osttimor von Kuba und der Volksrepublik China, w√§hrend die Vereinigten Staaten ebenfalls enge Beziehungen zu dem s√ľdostasiatischen Land pflegen. Weitere Partner sind Neuseeland, das Vereinigte K√∂nigreich, S√ľdkorea und Japan.

Aufgrund seiner langen Geschichte der Fremdherrschaft hat Osttimor besondere Beziehungen zur Westsahara gekn√ľpft und unterst√ľtzt sowohl den Kosovo, als auch die Pal√§stinensischen Autonomiegebiete. Als ehemals fragiler Staat engagiert sich Osttimor in einer F√ľhrungsposition bei den g7+-Staaten.

Deutschland, √Ėsterreich und die Schweiz haben keine Botschaften in Osttimor. Zust√§ndig sind die Botschaften der L√§nder in Jakarta/Indonesien. In dringenden F√§llen k√∂nnen sich EU-B√ľrger an die Botschaft Portugals oder der Vertretung der Europ√§ischen Union im Casa Europa in Dili wenden. Au√üerdem haben folgende L√§nder Botschaften in Dili: Australien, Brasilien, Brunei, Volksrepublik China, Indonesien, Japan, Kuba, Malaysia, Neuseeland, Philippinen, S√ľdkorea, Thailand, Gro√übritannien und die USA. Seit 2010 gibt es auch eine Botschaft der Demokratischen Arabischen Republik Sahara in Dili. Man sieht Parallelen in der Geschichte als besetzte Staaten und nahm daher diplomatische Beziehungen auf.

Irland hatte bis Oktober 2012 ein Repr√§sentantenb√ľro, das von der Botschaft in Singapur verwaltet wurde. Mexiko hat in Dili ein Honorarkonsulat.

Die f√ľr Mitteleuropa zust√§ndige Botschaft Osttimors befindet sich in Br√ľssel. Sie ist auch die offizielle Vertretung Osttimors bei der Europ√§ischen Union. Der Br√ľsseler Botschaft ist zudem die st√§ndige Vertretung Osttimors bei den Vereinten Nationen in Genf untergeordnet. Dar√ľber hinaus unterh√§lt Osttimor Botschaften in Bangkok, Canberra, Hanoi, Havanna, Jakarta, Kuala Lumpur, Lissabon, Manila, Maputo, Peking, Phnom Penh, Pretoria, Seoul, Singapur, Tokio, beim Vatikan, in Washington, D. C. und Wellington sowie eine Mission bei den Vereinten Nationen in New York. Eine weitere Botschaft ist wegen des geplanten Beitritts zu den ASEAN in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw geplant und auch in Angola entstand eine Vertretung, w√§hrend der afrikanische Staat in Dili eine Botschaft er√∂ffnen will. In Denpasar, Kupang und Sydney befinden sich Generalkonsulate. Ein weiteres ist seit 2009 im indonesischen Surabaya geplant, da 2000 Osttimoresen in Universit√§ten der Provinz studieren. Au√üerdem werden hier mehrere Staatsb√ľrger in Krankenh√§usern behandelt. Mit der Provinzregierung soll eine Ausbildungs- und gesundheitspolitische Kooperation aufgebaut werden. In Berlin vertritt der Honorarkonsul Peter Badge Osttimor. Weitere Honorarkonsulate gibt es in Ankara, Beirut, Cebu, Dublin, √Čvora, Genf, Istanbul, Manila, Melbourne, Port Moresby und auf Tasmanien.

Sicherheitskräfte

Militär

Die Verteidigungskr√§fte Osttimors (portugiesisch For√ßas de Defesa de Timor Leste, tetum Forcas Defensa Timor Lorosae) oder FALINTIL-FDTL (F-FDTL) bestehen aus Landstreitkr√§ften und einer kleinen Marine. 2012 erhielten die ersten osttimoresischen Offiziere ihren Helikopterpilotenschein. Oberbefehlshaber ist seit 2011 der Generalstabschef Generalmajor Lere Anan Timor, sein Stellvertreter ist Falur Rate Laek. Minister f√ľr Verteidigung ist seit 2018 Filomeno Paix√£o.

Die Planst√§rke der Streitkr√§fte sieht 1500 Aktive und weitere 1500 Angeh√∂rige vor. Ihr Grundstock wurde am 1. Februar 2001 aus K√§mpfern der ehemaligen Guerillaarmee FALINTIL rekrutiert. Es blieben aber nur wenige aufgrund der geringen Altersversorgung. Nach den Unruhen von 2006 und den damit verbundenen Desertionen hat die Armee seit August 2008 wieder ihre alte St√§rke. Das Heer besteht aus zwei Infanteriebataillonen. Die Marine hatte zun√§chst die Patrouillenboote NRTL Oecusse und NRTL Atauro √ľbernommen. Diese wurden 2010 durch die in der Volksrepublik China neu gebauten NRTL Jaco und NRTL Betano ersetzt. Drei weitere Patrouillenboote wurden im September 2011 von S√ľdkorea √ľbernommen. Sie erhielten die Namen NRTL Kamenassa, NRTL D√≠li und NRTL Hera. Zwei der Boote wurden 2012 an die Nationalpolizei weitergegeben.

Im Juni 2007 wurde ein Aufr√ľstungsplan namens ‚ÄěFor√ßas 2020‚Äú bekannt. Nach diesem Plan sollten bis 2010 Marine und Armee massiv aufger√ľstet werden, um die osttimoresischen Interessen im Erd√∂lfeld in der Timorsee zu sichern und Schmuggel und illegale Fischerei zu unterbinden. Allein durch illegale Fischer entsteht Osttimor j√§hrlich ein Schaden von 45 Millionen US-Dollar. Schmuggel kostet den Staat j√§hrlich weitere 8 Millionen US-Dollar an Steuereinnahmen. 2008 betrug der Anteil der Verteidigung im Staatshaushalt 4,39¬†%.

2007 wurde die Wehrpflicht offiziell eingef√ľhrt, aber nicht angewendet. Man bef√ľrchtete, die kleine Armee k√∂nnte die gro√üe Anzahl von Rekruten nicht aufnehmen. Au√üerdem erschien es keine gute Idee, Mitglieder von Stra√üenbanden an Schnellfeuerwaffen und Handgranaten auszubilden. Taur Matan Ruak, damals Staatspr√§sident und ehemaliger Chef der Streitkr√§fte, propagierte die Anwendung als Mittel gegen die Jugendarbeitslosigkeit und zur Vertiefung des Nationalgef√ľhls. 2020 beschloss die Regierung, nun gef√ľhrt von Taur Matan Ruak als Premierminister, die Einf√ľhrung einer Wehrpflicht.

Im Mai 2008 unterschrieb Osttimor mit den sieben anderen Staaten der CPLP eine Vereinbarung √ľber ein Milit√§rb√ľndnis. Unter anderem sollen osttimoresische Soldaten in Brasilien und Portugal ausgebildet werden. Auch mit China, Polen, Kanada, Indien und Japan gibt es Pl√§ne zur milit√§rischen Zusammenarbeit bei der Ausbildung der osttimoresischen Soldaten.

Am 26. September 2018 unterzeichnete Osttimor den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen.

Polizei und Kriminalität

Chef der Nationalpolizei Osttimors (PNTL) ist seit 2019 Faustino da Costa. Seit dem 31. Oktober 2012 hat die PNTL von den Kr√§ften der Vereinten Nationen die alleinige Verantwortung f√ľr die innere Sicherheit in Osttimor √ľbernommen. In der Exklave Oe-Cusse Ambeno gibt es keine Milit√§reinheiten. Hier √ľbernimmt die Grenzpolizei (portugiesisch Unidade de Patrulhamento de Fronteira UPF) die Aufgaben der F-FDTL. Ende 2018 bestand die Polizei aus 4165 Beamten.

Nach UN-Angaben kam es in Osttimor 2008 zu 169 Fällen von Körperverletzung auf 100.000 Einwohner. Der Weltdurchschnitt lag bei 250, in den USA betrug der Wert 795. Außerdem kam es in Osttimor 2008 zu drei Morden pro 100.000 Einwohner (USA: sechs pro 100.000). 2017 wurden insgesamt 4504 Straftaten (381 Straftaten auf 100.000 Einwohner) registriert. Die höchste Zahl verzeichnete die Gemeinde Dili mit 714. In 1865 Fällen handelte es sich um Gewalttaten (158 pro 100.000 Einwohner). Nur zwei Mordfälle wurden registriert (im Vorjahr 25). Ende 2017 saßen 549 Personen in den Gefängnissen des Landes, davon 157 in Untersuchungshaft. 511 waren männlich, darunter auch die 38 Minderjährigen.

Nachrichtendienste

Osttimor hat drei Nachrichtendienste: den Servi√ßo Nacional de Intelig√™ncia (SNI), den Servi√ßo de Informa√ß√Ķes de Pol√≠cia (SIP) und den Sistema de Informa√ß√Ķes Militares (SIM). Die Nachrichtendienste unterst√ľtzen ihrem Auftrag nach den Staat in seinen Aktivit√§ten im Bereich der staatlichen Sicherheit durch Erhebung, Verarbeitung und Weitergabe von Informationen, die f√ľr den Erhalt der Unabh√§ngigkeit und der nationalen Souver√§nit√§t notwendig sind.

Verwaltungsgliederung

2004 wurden die Verwaltungsgrenzen √ľberarbeitet. 2009/2015 erfolgte eine Umbenennung der bisherigen Distrikte (portugiesisch Distrito) in Gemeinden (portugiesisch Munic√≠pio) und der Subdistrikte (portugiesisch Subdistrito) in Verwaltungs√§mter (portugiesisch Posto Administrativo).

Osttimor teilt sich in zwölf Gemeinden und die Sonderverwaltungsregion (portugiesisch Região Administrativa Especial) Oe-Cusse Ambeno, die eine Sonderrolle einnimmt. In Artikel 71 der Verfassung Osttimors wird Oe-Cusse Ambeno diese in Verwaltung und Wirtschaftspolitik garantiert. Am 18. Juni 2014 wurde mit dem Gesetz 03/2014 die Autoridade da Região Administrativa Especial de Oecusse (ARAEO) geschaffen.

Die Gemeinden sind in insgesamt 65 Verwaltungsämter, 452 Sucos und in 2.233 Aldeias unterteilt. Die Insel Atauro bildet ein eigenes Verwaltungsamt in der Gemeinde Dili, die Insel Jaco ist Teil des Sucos Tutuala in der Gemeinde Lautém.

Am 19. Februar 2021 beschloss der Ministerrat mit dem II. Anhang an das Gesetz 11/2009 die Insel Atauro zur eigenständigen Gemeinde zu erklären. In der Gemeinde Ermera werden die Sucos Lisapat, Mau-Ubo, Urahou, Fatubolo und Fatubessi von Hatulia abgetrennt als neues Verwaltungsamt Hatulia B. In der Gemeinde Lautém wird von Lospalos das neue Verwaltungsamt Loré abgetrennt.

Transport und Verkehr

2008 waren 4053 Motorr√§der (2004: 3512), 1159 PKW (2079), 241 Klein-LKW (614) und 216 Schwer-LKW (385) gemeldet. Wer, wie die meisten Timoresen, nicht √ľber ein allradbetriebenes Fahrzeug verf√ľgt, ist bei Reisen √ľber Land auf √∂ffentliche Verkehrsmittel angewiesen, die es in drei Formen gibt. Der Biskota ist ein gr√∂√üerer Bus. Solche Busse verbinden die bedeutenderen Ortschaften, wie Lospalos oder Baucau, mit Dili und fahren auf den gr√∂√ütenteils asphaltierten Hauptrouten. Sie verkehren aber nicht nach einem festen Fahrplan, sondern fahren erst dann ab, wenn sich genug Passagiere eingefunden haben. Um zu kleineren Orten zu gelangen, muss man auf Kleinbusse, sogenannte Mikrol√©ts, umsteigen. Die dritte Variante sind Lastwagen, die auf der Ladefl√§che mit Sitzb√§nken ausgestattet sind. Alle drei sind durchweg mit Menschen und Handelsware √ľberf√ľllt. Gerade in den bergigen Regionen sind die einheimischen Timor-Ponys noch ein allt√§gliches Transportmittel. Eisenbahnen gibt es in Osttimor nicht.

In Osttimor herrscht Linksverkehr. Die Stra√üenverh√§ltnisse erleichtern das Reisen nicht. 70¬†% der 5320 Kilometer Stra√üe sind reparaturbed√ľrftig. In der Regenzeit sind viele der Wege nur noch Schlammpisten und nicht mehr befahrbar. Es gibt 1426¬†km Nationalstra√üen, 869¬†km Gemeindestra√üen und 3025¬†km √∂rtliche Stra√üen. Hauptverkehrswege sind die beiden K√ľstenstra√üen an der Nord- und S√ľdk√ľste des Landes, die durch f√ľnf √úberlandstra√üen in Nord-S√ľd-Richtung miteinander verbunden sind. Daneben gibt es noch zwei Querverbindungen im Landesinneren. Der erste Abschnitt der Autobahn Suai‚ÄďBeaco, von Suai bis Fatukaho (Fatukahu), wurde 2018 er√∂ffnet und ist die erste Autobahn Osttimors √ľberhaupt. 2018 registrierte die Nationalpolizei insgesamt 1700 Verkehrsunf√§lle mit insgesamt 75 Todesopfern und 1030 Verletzten. 2019 wurde mit 1495 Verkehrsunf√§llen die geringste Zahl seit vier Jahren verzeichnet. Trotzdem gab es 70 Tote und mehr als 1900 Verletzte. Allein in der Hauptstadt Dili gab es 817 Unf√§lle. Am h√§ufigsten (1240 Unf√§lle) waren Motorr√§der an den Unf√§llen beteiligt, das h√§ufigste Verkehrsmittel im Land. Autounf√§lle wurden 475 gez√§hlt, Unf√§lle mit Fahrr√§dern 262.

Dilis Flughafen Presidente Nicolau Lobato liegt westlich des Stadtzentrums im Suco Madohi und wird als einziger international von Passagiermaschinen angeflogen. Es bestehen Verbindungen nach Australien und Indonesien. Regul√§re, zivile Flugverbindungen zu anderen Flugh√§fen Osttimors sind im internationalen Buchungssystem der Fluggesellschaften zurzeit nicht vermerkt. Zum Flughafen Oecusse gibt es eine Flugverbindung mit einer Zwei-Propeller-Maschine der lokalen Beh√∂rde. Auch der Flughafen Suai wurde inzwischen ausgebaut. Der Flughafen Baucau ist der einzige Flughafen Osttimors, auf dem gr√∂√üere Maschinen als die Boeing 737 landen k√∂nnen. Er wird in erster Linie f√ľr milit√§rische und Versorgungsfl√ľge genutzt.

Ausl√§ndische Fluglinien bieten Verbindungen von Dili nach Darwin und Denpasar (Bali) an. 2012 scheiterte der Versuch der Etablierung der Timor Air. Von 2008 bis 2019 flog die Air Timor (ehemals Austasia Airlines) mit von anderen Gesellschaften gecharterten Flugzeugen, musste aber nach der Beendigung des Vertrages durch die Silk Air ihre Fl√ľge einstellen. Im Mai 2019 vereinbarte Air Timor eine Kooperation mit der chinesischen Air Travel. Nun soll die Route Dili ‚Äď Hongkong bedient werden. Seit Juni 2019 fliegt die TransNusa Air Services in Kooperation mit Air Timor die Route Dili ‚Äď Kupang und seit dem 31. Oktober 2019 bedient Air Timor die Route Singapur‚ÄďDili mit einem Airbus A319 der Drukair.

Von 2018 an fliegt die Aero Dili auf den Inlandsstrecken. Ihr geh√∂ren die ersten Maschinen, die in Osttimor registriert wurden. Nach einer Bruchlandung eines Flugzeuges, bei dem die Insassen unverletzt davonkamen, ruhte der Verkehr der Gesellschaft zeitweise. Das Luftfahrzeugkennzeichen f√ľr Osttimor lautet ‚Äě4W‚Äú.

Wichtigster Frachthafen des Landes ist Dili. In der Bucht von Tibar entsteht seit 2019 ein neuer Hafen. In Beaco, an der S√ľdk√ľste, soll ein Fl√ľssigerdgasterminal f√ľr 943 Millionen US-Dollar von einer chinesischen Firma innerhalb von vier Jahren gebaut werden, sobald die Finanzierung gekl√§rt ist.

Eine F√§hrgesellschaft hat, mit finanzieller Unterst√ľtzung aus Deutschland, eine Verbindung nach Pante Macassar in der Exklave Oe-Cusse Ambeno hergestellt, zun√§chst mit der MV Uma Kalada, die im Februar 2007 durch die Berlin Nakroma ersetzt wurde. Auch dieses Schiff ist ein Geschenk Deutschlands an Osttimor. Sie f√§hrt dienstags und donnerstags von Dili in 12 bis 13 Stunden nach Pante Macassar und am selben Tag zur√ľck. Samstags wird von der Berlin Nakroma die Insel Atauro in zweieinhalb Stunden Fahrt angelaufen. Zus√§tzlich verbinden kleine Boote Atauro mit Dili. 2017 wurde als neue F√§hre die Haksolok (deutsch¬†Gl√ľck) von der portugiesischen Atlanticeagle Shipbuilding in Figueira da Foz zu Wasser gelassen. Sie hat eine L√§nge von 71,3 Metern. Die Haksolok f√ľr 377 Passagiere und 25 Autos sollte, wie die Berlin Nakroma, Oe-Cusse Ambeno, Atauro und Dili, aber auch andere Orte an der Nordk√ľste Timors miteinander verbinden. Die Auslieferung verz√∂gerte sich aber, weil ein Subunternehmer das Schiff bei der Werft pf√§nden lie√ü. Stattdessen wurde am 10. Mai 2021 die Berlin-Ramelau zu Wasser gelassen.

Wirtschaft

Situation

Bis Ende 1999 wurden ungef√§hr 70¬†% der √∂konomischen Infrastruktur durch pro-indonesische Milizen und Milit√§rs verw√ľstet. Neben diesen Folgen der Besatzung sind weitere Probleme ein eklatanter Fachkr√§ftemangel und das hohe Lohnniveau aufgrund der fr√ľheren internationalen Pr√§senz und der Einf√ľhrung des US-Dollars als W√§hrung. Diese Faktoren verringern die Konkurrenzf√§higkeit Osttimors gegen√ľber seinen Nachbarl√§ndern.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel durch die Krise 1999 um 30¬†%. W√§hrend der folgenden drei Jahre wurde das Gebiet mit einem massiven internationalen Hilfsprogramm unter F√ľhrung der UN wieder aufgebaut. Das Programm umfasste zivile Beobachter, eine 5000 Mann starke Friedenstruppe und 1300 Polizisten. Das Bruttoinlandsprodukt stieg daher, getragen von der Nachfrage an Dienstleistungen und vom Bausektor, kr√§ftig an (15,4 bzw. 18,3¬†%) und das Vorkrisenniveau wurde wieder erreicht. Nach der Entlassung in die Unabh√§ngigkeit stagnierte das Bruttoinlandsprodukt die ersten Jahre. 2005 war ein Wachstum von 2,9¬†% zu verzeichnen. Der Abzug des Gro√üteils des UN-Personals schadete der Wirtschaft. Die Unruhen 2006 brachten einen Einbruch. Trotz der Weltfinanzkrise konnte Osttimor 2008 dann ein Wirtschaftswachstum im Nicht-Erd√∂l-Bereich von 12,8¬†% erreichen. In einer Umfrage gaben im November/Dezember 2008 29¬†% der Befragten an, dass sich seit dem Regierungswechsel 2007 ihre finanzielle Situation gebessert habe. Besonders in Oe-Cusse Ambeno (58¬†%), Manufahi (49¬†%) und Laut√©m (42¬†%) sahen die Einwohner eine positive Entwicklung, w√§hrend in Ainaro (16¬†%) und Baucau (16¬†%) deutlich weniger Personen eine pers√∂nliche Verbesserung sehen. Bei insgesamt 47¬†% ist sie unver√§ndert, bei 20¬†% hat sie sich verschlechtert. 2012 wuchs die Wirtschaft um 10,9¬†%, womit Osttimor das viertst√§rkste Wirtschaftswachstum in Asien verzeichnen konnte. Der Trend ging auch 2013 so weiter. 2021 erreichte man eine Wirtschaftskraft, um offiziell die Liste der am wenigsten entwickelten L√§nder (Least Developed Countries LDC) verlassen zu k√∂nnen. Die Regierung entschied sich aber gegen eine Heraufstufung in die Gruppe der Entwicklungsl√§nder, um weiter von den Vorteilen durch zus√§tzliche Hilfen profitieren zu k√∂nnen.

Der Internationale W√§hrungsfonds sch√§tzte ein Pro-Kopf-BIP bei Kaufkraftparit√§t f√ľr 2019 auf 3.245 US-Dollar. Die Zahl spiegelt aber nicht die Einkommenssituation des einzelnen Osttimoresen wider, da die Gewinne aus den Erd√∂leinnahmen nicht direkt an die Bev√∂lkerung gehen, sondern in einen staatlichen Fonds wandern, aus dem zum Teil der Staatshaushalt finanziert wird. 2011 lag das durchschnittliche monatliche Pro-Kopf-Einkommen bei 62,12 US-Dollar. Auf dem Land waren es nur 50,08 US-Dollar. Osttimor ist damit, laut den Vereinten Nationen, heute vor Afghanistan das zweit√§rmste Land Asiens. Die Arbeitslosigkeit betr√§gt etwa 11¬†%, darunter viele junge Leute mit Abschluss. Grund der in den letzten Jahren steigenden Rate ist das mangelnde Jobangebot im eigenen Land (Stand 2016). Es fehlt vor allem an Industrie im Land. Ausnahme sind bisher nur eine Anlage von Heineken und Timor Cement Industries. Die Regierung versucht deswegen mit anderen L√§ndern Gastarbeitsvereinbarungen zu treffen, so mit Australien, S√ľdkorea, China, Japan und Malaysia. 16.000 Osttimoresen leben in Gro√übritannien. 37,5¬†% der Bev√∂lkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, die die Vereinten Nationen auf 1,25 US-Dollar pro Tag festgelegt haben. Im Index der menschlichen Entwicklung (HDI) lag Osttimor 2008 auf Platz 158 (2007: 150). 2009 fiel Osttimor auf Platz 162 zur√ľck, konnte aber seinen Wert von 0,483 auf 0,489 leicht steigern und erreichte 2010 mit 0,502 Platz 120. Nach √Ąnderungen der Kriterien kam Osttimor 2011 auf Platz 147 mit einem Wert von 0,495. Von 2000 bis 2011 steigerte Osttimor seine Entwicklungsstufe um 20¬†%, mehr als jedes andere Land auf der Welt. 2012 stieg Osttimor auf Platz 134 mit dem Wert 0,576. 2013 gab es einen erneuten Aufstieg auf Platz 128 mit einem Wert von 0,620. 2015 erhielt Osttimor mit einem Wert von 0,595 den Rang 133 von 188 und 2019 Rang 141 trotz einer Steigerung auf 0,606.

Nach der Volksz√§hlung von 2004 arbeiten 78¬†% in Land- und Forstwirtschaft und in der Fischerei. 6¬†% arbeiten in der √Ėffentlichen Verwaltung, Bildung, Gesundheits- und Sozialdienst, Gemeinden und Verteidigung, jeweils 4¬†% f√ľr die UN oder den diplomatischen Dienst, beziehungsweise f√ľr Handel, Hotels und Gastst√§tten. 3¬†% arbeiten in der Heimarbeit. 2¬†% arbeiten im Bereich Finanzen, Transport, Lagerung und Kommunikation, nur 1¬†% im Bereich Bergbau, √Ėlgewinnung, Elektrizit√§t und im Bau. Mit Macau und Australien gibt es Vereinbarungen √ľber die Entsendung von Gastarbeitern in diese L√§nder. Am 27. Oktober 2009 trafen die ersten osttimoresischen Gastarbeiter in S√ľdkorea ein. 2012 wurde der nationale monatliche Mindestlohn in Osttimor von der Regierung auf 115 US-Dollar festgesetzt. Dies gilt sowohl f√ľr den privaten wie f√ľr den √∂ffentlichen Sektor. Das durchschnittliche Einkommen wuchs von 367 US-Dollar im Jahre 2005 auf 3005 US-Dollar im Jahr 2011. Zwar √∂ffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich und Stadt und Land immer weiter, doch ist erkennbar, dass insgesamt immer mehr Einwohner √ľber Geld verf√ľgen.

F√ľr die S√ľdk√ľste plant die Regierung Osttimors ein umfassendes Infrastrukturprojekt namens Tasi Mane project. Die Weiterverarbeitung des Erdgases aus dem Greater-Sunrise-Feld in der Timorsee soll nach deren Willen dort erfolgen. Geplant sind weiter petrochemische Anlagen, eine LNG-Anlage, ein Flughafen und ein Tiefseehafen. Die bisher mit der F√∂rderung des Erdgases beauftragte Firma Woodside Petroleum zog aber eine Weiterverarbeitung in Australien oder Offshore vor, weswegen die Regierung die F√∂rderungslizenz stoppte. Au√üerdem gab es Unregelm√§√üigkeiten bei der Abrechnung der Gewinne und den Steuerzahlungen der Erd√∂lfirmen aus dem kleineren Gasfeld Bayu Undan, unter anderem durch ConocoPhillips. Der Streit mit Australien um die Aufteilung der Gewinne, die Ausbeutung des Greater Sunrise field und die Grenzziehung in der Timorsee wurde mit der Unterzeichnung eines neuen Grenzvertrages 2018 beendet (siehe Grenzstreitigkeiten zwischen Australien und Osttimor). 2018 kaufte die Regierung Osttimors den 30-Prozent-Anteil von ConocoPhillips am Erdgasfeld Greater Sunrise f√ľr 350 Millionen US-Dollar auf. Ende November √ľbernahm Osttimor auch die Anteile √ľber 26,56 Prozent von Royal Dutch Shell f√ľr 300 Millionen US-Dollar, womit der staatlich Anteil nun bei 56,56 Prozent liegt.

Bis 2028 rechnet man damit, dass das Gasfeld Bayu Undan, das den Großteil von Osttimors Gewinnen generiert, komplett ausgebeutet sein wird.

Telekommunikation

Das GSM-Netz wurde von der Timor Telecom aufgebaut, die zu 50,1 % der Portugal Telecom gehört. Weitere Anteilseigner sind der osttimoresische Staat und Vodatel. Mit der chinesischen ZTE wurde von der Timor Telecom 2009 ein Vertrag geschlossen, um das Mobilfunksystem weiter auszubauen und Wideband CDMA zu etablieren. Das Monopol der Timor Telecom wurde 2010 von der Regierung aufgehoben, um den freien Wettbewerb zu ermöglichen. Am 28. Juni 2012 wurde bekanntgegeben, dass PT Telekomunikasi Indonesia International (Telin) mit ihrer osttimoresischen Tochter Telkomcel und Digicel Pacific Limited (Digicel) Lizenzen erhalten. 2017 startete Telemor, eine Tochterfirma der vietnamesischen Viettel das erste 4G-Netz in Osttimor.

Im Jahre 2016 hatten 1,2¬†% der Bev√∂lkerung Zugang zu einem Internetanschluss. Das Internet wird in Osttimor daher vor allem mobil genutzt. Die Anzahl von Mobiltelefonen nahm nach 2006 deutlich zu. Hatten 2006 erst zehn Prozent der Bev√∂lkerung ein Mobiltelefon, stieg der Anteil 2012, mit 600.000 Handys, bereits auf mehr als die H√§lfte der Einwohner und 2014 lag der Anteil der Handybesitzer bei 63¬†% der Bev√∂lkerung. Festnetzanschl√ľsse gab es 2008 nur 2641 (2004: 2115).

Bei der Geschwindigkeit der Internetverbindung liegt Osttimor 2020 im weltweiten Vergleich auf dem sechstletzten Platz. Die durchschnittliche Downloadgeschwindigkeit betr√§gt 0,89 Megabit pro Sekunde. Der Download einer f√ľnf-Gigabyte-Datei dauert fast 13 Stunden. In Portugal dauert es nur 18 Minuten, im Spitzenreiterland Liechtenstein nur drei Minuten.

Energie- und Wasserversorgung

66¬†% der Haushalte haben laut Statistik Zugang zu sauberen Trinkwasserquellen, wobei nur 21¬†% das Wasser am oder im Haus haben. Die Bewohner der anderen Haushalte m√ľssen das Trinkwasser aus √∂ffentlichen Leitungen, Brunnen, Quellen oder Gew√§ssern holen. Allerdings f√ľhrt die unzureichende Abdichtung von Sanit√§ranlagen zu Kontaminationen des Grundwassers, weswegen Salvador Eug√©nio Soares dos Reis Pires, Minister f√ľr √∂ffentliche Bauvorhaben, 2018 davon ausging, dass etwa 73¬†% der Osttimoresen ihr Wasser von kontaminierten Quellen bekommen.

90¬†% der Haushalte benutzen Holz zum Kochen, was zu einem R√ľckgang der W√§lder f√ľhrt. Fast die H√§lfte verwendet Petroleum, um Licht zu erzeugen, 37¬†% Strom. Meistens werden Dieselgeneratoren zur Stromproduktion verwendet, weswegen in kleineren Orten, wenn √ľberhaupt, Elektrizit√§t zumeist nur f√ľr wenige Stunden am Abend verf√ľgbar ist. Der Stromversorger in Osttimor ist Electricidade de Timor-Leste (EDTL). Ihm geh√∂ren die gr√∂√üeren Kraftwerke des Landes.

Seit 2008 arbeitet das von Norwegen gebaute erste Wasserkraftwerk bei Gariuai (Gemeinde Baucau). Daneben gibt es Projekte mit Biogaskraftwerken, die von Dorfkooperativen betrieben werden, so in Loi-Huno (Viqueque) und Ponilala (Ermera).

2011 kamen aus Finnland sieben Generatoren f√ľr ein √Ėlkraftwerk in Hera an. Sie produzieren 11*¬†MW f√ľr das nahegelegene. Die finnische W√§rtsil√§ betreibt das Kraftwerk seit 2012. In Betano wurde mit dem Central El√©ctrica de Betano ein Kraftwerk mit 136¬†MW zur Versorgung der S√ľdk√ľste gebaut und am 20. August 2013 offiziell eingeweiht. Neun Substationen wurden errichtet. Von den geplanten 600¬†km Hochspannungsleitungen und 120¬†km Verteilungskabel waren im August 2013 90¬†% errichtet. Damit bestand eine zentrale Stromversorgung in 47 Verwaltungs√§mtern in den zw√∂lf Gemeinden. In der Sonderverwaltungsregion, der Exklave Oe-Cusse Ambeno ist seit 2015 das Inur-Sacato-Kraftwerk im Betrieb. Auch dieses wurde von W√§rtsil√§ gebaut. Die Insel Atauro soll mittels eines Unterwasserkabels mit Strom versorgt werden.

Außenhandel

Der Gesamtwert der Importe nach Osttimor hatte 2018 eine H√∂he von 519.437.000 US-Dollar (2016: 507.664.000 US-Dollar). 31¬†% der Importe 2018 in Osttimor stammen aus Indonesien, jeweils 15¬†% aus Hongkong und Singapur, 13¬†% aus der Volksrepublik China, 5¬†% aus Vietnam, 3¬†% aus Thailand und je 2¬†% aus Brasilien, Malaysia, Australien, Pakistan und Japan und 1¬†% aus den Vereinigten Staaten. Die restlichen 7¬†% kommen aus 23 anderen L√§ndern. Darunter finden sich auch √Ėsterreich mit einem Warenwert von 1.809.000 US-Dollar, Deutschland mit 437.000 US-Dollar und die Schweiz mit 417.000 US-Dollar.

2018 machten Erdöl und Treibstoffe 27,3 % der Importe aus. 10,8 % waren Fahrzeuge und Fahrzeugteile. Größere Anteile am Import stellen Elektrogeräte, Maschinen und Getreide (Reis). Außerdem weitere Lebensmittel und Medikamente.

2016 exportierte Osttimor Waren im Wert von 22.926.000 US-Dollar (2016: 25.275.000 US-Dollar). Die Handelsbilanz von 2008 wies nur Kaffee als Exportgut Osttimors aus. Erd√∂l und Erdgas fielen unter eine andere Statistik. 2016 hatte Kaffee mit 23.962.947 US-Dollar nur noch einen Anteil am Exportwert von 94,8¬†%. 2018 macht Kaffee an den Nicht-Erd√∂lexporten nur noch 19.243.641 US-Dollar (84¬†%) aus. 241.000 US-Dollar kamen zum Beispiel aus dem Export von Lichtn√ľssen und 43.000 US-Dollar von Aluminium. Bis 2013 geh√∂rte auch Teak und bis 2012 Sandelholz zu den Exportg√ľtern.

Die Vereinigten Staaten und Deutschland wechselten sich in den Jahren seit der Unabh√§ngigkeit Osttimors als Hauptabnehmer osttimoresischen Kaffees immer wieder ab. 2018 fiel Deutschland mit 10¬†% auf Platz 3 zur√ľck, knapp gefolgt von Indonesien. Die USA waren erneut die Hauptabnehmer osttimoresischen Kaffees mit einem Anteil am Warenwert von 28¬†%. Kanada folgte mit 17¬†%. Insgesamt exportierte Osttimor 7.656.620¬†kg Kaffee. 36¬†% der Menge gingen nach Indonesien, 19¬†% in die USA, je 12¬†% nach Deutschland und nach Kanada. Weitere Gro√üabnehmer (√ľber 500.000 US-Dollar) sind Japan, Portugal und Australien.

Wirtschaftspolitik

Osttimor ist Mitglied des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank sowie der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB).

Die Lage des Staatshaushalts ist stark abh√§ngig von den Einnahmen im √Ėl- und Gassektor und der wechselnden H√∂he des √Ėlpreises. Eine Staatsverschuldung existiert nicht, da die internationalen Hilfeleistungen bisher als Zusch√ľsse (grants) gew√§hrt wurden. Der Staatshaushalt f√ľr 2008 hatte urspr√ľnglich eine H√∂he von 348,1 Millionen US-Dollar. Aufgrund der rapide steigenden Preise f√ľr das Grundnahrungsmittel Reis auf dem Weltmarkt und der Schw√§che des US-Dollars entschloss sich die Regierung Ende Juli 2008 das Budget auf 612 Millionen US-Dollar zu erh√∂hen. Daf√ľr wurden erstmals die nationalen Reserven aus den Erd√∂lgesch√§ften angetastet. Im November 2008 wurden die Pl√§ne der Regierung aber vom Obersten Gericht des Landes als verfassungswidrig erkl√§rt. F√ľr 2009 hatte das Parlament einen Staatshaushalt von 1,05 Milliarden US-Dollar verabschiedet. F√ľr 2016 wurde der Haushalt auf 1,56 Milliarden US-Dollar festgelegt.

Ziel der Wirtschaftspolitik sind stabile Staatsfinanzen und die F√∂rderung des Privatsektors. Eine Aufsichtsbeh√∂rde f√ľr das Banken- und Zahlungssystem (Banking and Payments Authority) wurde bereits gegr√ľndet, ebenso das Nationale Statistische Amt. Die Politik wird gepr√§gt von einer moderaten Ausgabenpolitik, der Begrenzung der Zahl der im √∂ffentlichen Dienst Besch√§ftigten und den Bem√ľhungen um eine Verbreiterung der steuerlichen Basis. Seit 2009 wird √ľber eine eigene Nationalbank nachgedacht. Bankfilialen finden sich in Dili, Baucau, Viqueque, Gleno, Maliana und Suai.

Zurzeit wird ein Industriepark gebaut, um ausl√§ndische Investoren anzuziehen. Investitionshemmnisse m√ľssen aber noch abgebaut werden, um die Privatwirtschaft in Gang zu bringen. Mit Programmen zur Erleichterung des Zugangs zu Krediten f√ľr die klein- und mittelst√§ndische Industrie sollen weitere Anreize geschaffen werden. Die Regierung hat ein Investitionsgesetz verabschiedet, das Anlegern Rechtssicherheit garantiert. Hiermit soll die Attraktivit√§t Osttimors f√ľr Investoren gesteigert werden.

Vier Banken sind in Osttimor mit Filialen vertreten: die portugiesische Banco Nacional Ultramarino (BNU), die Australia and New Zealand Banking Group (ANZ), die indonesische Bank Mandiri und die osttimoresische Banco Nacional de Comércio de Timor-Leste (BNCTL).

Währung

Landesw√§hrung ist seit Januar 2000 der US-Dollar. Daneben sind seit 2003 eigene Centavo-M√ľnzen im Gebrauch. Ein Centavo entspricht dabei einem US-Cent. Die M√ľnzen gibt es in Werten von 1, 5, 10, 25 und 50 Centavos. Dazu wurde 2012 die erste Sonderm√ľnze des Landes im Wert von 100 Centavos ausgegeben. Landeseigene Banknoten gibt es nicht.

Die Einf√ľhrung des US-Dollars war eine politische Entscheidung. Als Alternativen standen die Einf√ľhrung einer eigenen W√§hrung oder sp√§ter die des Euros zur Auswahl. Eine eigene W√§hrung schien aufgrund der Landesgr√∂√üe als sinnlos. Der Euro wurde erst wenige Monate vor der Unabh√§ngigkeit Osttimors 2002 als Bargeld eingef√ľhrt. Der Wechselkurs zum US-Dollar war zu diesem Zeitpunkt sehr gering, die Zukunft schien noch unsicher. Der US-Dollar wurde schon zuvor von Privatleuten als sichere W√§hrung verwendet. Au√üerdem hat er auch f√ľr die Volkswirtschaften der Nachbarstaaten gro√üe Bedeutung, ebenso f√ľr den Erd√∂lhandel, auf den Osttimor gro√üe Hoffnungen setzte. Daher wurde trotz der engen Beziehungen zu Portugal der US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel eingef√ľhrt.

Durch die Dollarisierung verzichtete Osttimor zun√§chst auf eine eigenst√§ndige Geldpolitik. Die Seigniorage-Einnahmen beschr√§nken sich auf die Ausgabe der Centavo-M√ľnzen. 2011 wurde die Bank Payment Authority (BPA) in die Nationale Zentralbank Osttimors (BCTL) umgewandelt. Pr√§sident der Zentralbank wurde der ehemalige BPA-Chef Abr√°o Vasconcelhos (Stand 2011).

Bodenschätze

Erd√∂l ist das wichtigste Wirtschaftsgut Osttimors. 2010 machte der Erd√∂lsektor 79¬†% des Bruttoinlandsprodukts, 67¬†% des Bruttonationaleinkommens und 58¬†% des verf√ľgbaren Bruttonationaleinkommen aus. Erd√∂lvorkommen an Land waren schon fr√ľh bekannt. Bereits 1884 versorgte man die Lampen Dilis mit √Ėl aus Laclubar. 2012 wurden in Osttimor 3,965 Mio. t Roh√∂l produziert, damit nahm Osttimor die 47. Stelle der erd√∂lproduzierenden L√§nder ein. 2016 wurden 2,843 Mio. t Roh√∂l exportiert. Die nationale Erd√∂lgesellschaft hei√üt Timor Gap E.P.

Weitere Bodensch√§tze spielen derzeit keine Rolle. Abbauw√ľrdige Vorkommen von Marmor wurden in Uma Caduac, 36 km √∂stlich von Dili, entdeckt und in den 1990er-Jahren von einer indonesischen Firma genutzt. Au√üerdem verf√ľgt Osttimor √ľber Lagerst√§tten von Gold, Mangan und Kupfer. Entlang der Nordk√ľste wird in mehreren Orten durch das Verdunsten von Meerwasser in flachen Teichen Salz gewonnen. Hei√üe Quellen in einigen Regionen deuten auf geothermische Energie hin.

Landwirtschaft und Handwerk

Der Großteil der timoresischen Bevölkerung lebt von der Land- und Forstwirtschaft und der Fischerei. 89,8 % der Haushalte betreiben Ackerbau, 87,2 % halten Nutztiere. 219.250 Hektar werden bewirtschaftet. Die größten Flächen weisen die Gemeinden Bobonaro mit 41.000 und Ermera mit 40.000 Hektar aus. Dagegen sind es in Manatuto nur 3.371 Hektar. Die Flächen, die eine Familie bewirtschaftet ist dabei meist relativ klein. Bei 63 % ist sie nicht größer als ein Hektar. NUr 2 % der Haushalte bewirtschaften mehr als 5 Hektar Land.

Die unterschiedlichen Kulturen Timors h√§ngen √∂konomisch von Nahrungsmitteln wie Mais (Produktion 2008: 100.170 t), Reis (80.236 t), Maniok (35.541 t) und verschiedenem Obst und Gem√ľse (14.247 t) ab. Vom Osten von Manufahi und Manatuto bis in den Westen von Laut√©m, im Zentrum Bobonaros und im Osten Cova Limas dominiert der Reisanbau. Mais wird eher im zentralen Hochland angebaut.

Eine regionale Teilung gibt es auch bei domestizierten Tieren: B√ľffel und Schwein werden √ľberall auf Timor gez√ľchtet, aber der B√ľffel besitzt zum Beispiel f√ľr die Makasae eine gr√∂√üere Bedeutung als das Schwein. In anderen Regionen, bei den Ost-Tetum beispielsweise, ist das Schwein von wirtschaftlich gr√∂√üerer Bedeutung als der B√ľffel. √úberall in Osttimor spielen H√ľhner eine wichtige Rolle in der Versorgung der Bev√∂lkerung. Andere Haustiere sind Ziegen, Schafe und Pferde. Nur 0,5¬†% der Haushalte halten Nutztiere nur f√ľr den Weiterverkauf. 1,9¬†% halten sie rein f√ľr die Selbstversorgung.

33 % der Haushalte betreiben die Zucht von Fischen und Meerestieren oder gehen auf Fischfang. Davon betreiben 85 % nur eine Zucht, während 6 % nur Fischen gehen.

Durch D√ľrre, Ungeziefer und Pflanzenkrankheiten sanken 2007 die Ernteertr√§ge bei Mais um 30¬†% auf 70.000 Tonnen, bei Getreide, Maniok und Knollenfr√ľchten um 25 bis 30¬†% und bei Reis um 20¬†%. Zus√§tzlich wurde die Situation noch durch die 100.000 Binnenfl√ľchtlinge versch√§rft. Ein F√ľnftel der Bev√∂lkerung litt an Unterern√§hrung und musste mit Hilfslieferungen versorgt werden. Man sch√§tzt, dass Osttimor 86.000 Tonnen an Lebensmitteln einf√ľhren musste, um die Verluste auszugleichen, 15.000 Tonnen davon mussten durch internationale Nahrungsmittelhilfen aufgebracht werden. Laut dem Landwirtschaftsministerium litten Ende des Jahres noch elf Subdistrikte unter Nahrungsmittelknappheit. Anfang 2008 wurde die Situation erneut durch √úberflutungen und Sturmsch√§den in elf der dreizehn Distrikte und erneute Heuschreckenplagen versch√§rft. 2009 entsandte China ein Team vom Henan Hybrid Rice Institute nach Osttimor. Die timoresische Regierung gibt an, dass mit dessen Hilfe und der Einf√ľhrung des chinesischen Hybridreises die Erntemengen um das F√ľnffache gesteigert werden konnten. 2013 wurden 87.000 Tonnen Reis geerntet, nach 140.000 Tonnen im Vorjahr 2012 und 98.000 Tonnen im Jahr 2011. Auch bei Mais stiegen die Ertr√§ge: 2012 wurden 96.000 Tonnen und 2013 101.000 Tonnen Mais geerntet.

Seit 1815 wird Kaffee in Osttimor angebaut und exportiert. Gerade im Hochland w√§chst ein besonders aromatischer und milder Kaffee. Sein Potential wird aufgrund fehlender Transport- und Veredelungsm√∂glichkeiten bisher nur teilweise ausgesch√∂pft. Die Cooperativa Caf√© Timor (CCT) ist Osttimors gr√∂√üte Kooperative mit etwa 22.000 Pflanzern als Mitglieder. In der Erntezeit ist sie der gr√∂√üte Arbeitgeber Osttimors mit 3.000 Arbeitern. Die CCT bildet so die Lebensgrundlage f√ľr 44.000 Familien. Ein Viertel der Bev√∂lkerung Osttimors ist abh√§ngig von der Kaffeeproduktion. Hauptzentren sind die Gemeinden von Ermera, Ainaro und Liqui√ß√°. Die CCT ist der weltgr√∂√üte Produzent und Verk√§ufer von zertifiziertem Bio-Kaffee. Mit seinem Ruf f√ľr konstante Qualit√§t, der seit 1994 aufgebaut wurde, erzielt der √∂kologische fair gehandelte Arabica-Kaffee H√∂chstpreise am internationalen Markt. 2005 hat Starbucks ein Drittel der Kaffeeernte aufgekauft. 2004 wurden von der CCT 7.689¬†t Kaffee exportiert, 2005 waren es 7.210¬†t. 2006 kam es aufgrund der Unruhen aber zu Ernteausf√§llen von bis zu 20¬†%. Auch aufgrund der unsicheren Lage nach dem Attentat in Dili am 11. Februar 2008 kam es zu Behinderungen bei der Kaffeeernte, die zu Verlusten f√ľhrten. Trotzdem erzielte die CCT in diesem Jahr mit 19.000¬†t Kaffee und Kaffeeexporten im Wert von 12 Millionen US-Dollar ein Rekordergebnis. Der zweitgr√∂√üte Exporteur Timor Corp. verkaufte 6.000¬†t. Es gibt aber noch strukturelle Probleme. Die Kaffeepflanzen geh√∂ren zu den √§ltesten noch produzierenden Kaffeestr√§uchern der Welt. Meistens sind Str√§ucher 15 bis 20 Jahre alt, in Osttimor sind 90¬†% der Pflanzen √ľber 30, manche sogar √ľber 70 Jahre alt. Auch ging durch die indonesische Besatzungszeit viel Wissen √ľber Kaffeepflanzungen verloren. Im nahen Papua-Neuguinea wird auf vergleichbaren Fl√§chen die doppelte Ernte gewonnen. 2009 sank der Kaffeeexport auf 47¬†% der Vorjahresmenge. 2010 konnte die CCT nur noch eine Ernte von 11.000 t verzeichnen. F√ľr 2011 wurde aufgrund starker Regenf√§lle mit nur noch 8.000 Tonnen gerechnet. 2014 wurden insgesamt 10.258 Tonnen Kaffee geerntet. Damit lag Osttimor an 37. Stelle der Kaffee produzierenden L√§nder. Kaffeepflanzungen bedeckten 2014 eine Fl√§che von 49.000 Hektar. 2017 wurden 10.827 Tonnen Kaffee geerntet.

Durch den Anbau von Vanille, Kakao und Erdn√ľssen neben dem bereits als Exportgut etablierten Kaffee sind hier zuk√ľnftig Ertragssteigerungen zu erwarten. Im Jahr 2013 wurden 4.350 Tonnen Erdn√ľsse geerntet nach 4.200 Tonnen im Vorjahr 2012 und 4.071 Tonnen im Jahr 2011. Die Kakaoernte erbrachte 2016 insgesamt 172 Tonnen (2011 und 2012 jeweils 161 Tonnen, 2013 160 Tonnen und 2014 163 Tonnen), damit lag Osttimor 2016 an 49. Stelle von insgesamt 61 Kakao produzierenden L√§ndern. Bei Zimt ist Osttimor inzwischen mit 111 Tonnen (2016, 2014: 109 Tonnen, 2012: 108 Tonnen) der sechstgr√∂√üte Produzent weltweit, auch wenn dies nur 0,1¬†% der Weltproduktion entspricht. 2017 wurden 112 Tonnen Zimt geerntet. F√ľr den Eigenbedarf werden auch Bananen (2017: 535 Tonnen) angebaut. Auch Avocados gedeihen gut, 2017 wurden 4.930 Tonnen geerntet (2016: 4.737 Tonnen)

Vor und w√§hrend der Kolonialzeit war Timor f√ľr sein Sandelholz bekannt, dessen Vorkommen bereits im 19. Jahrhundert nahezu ersch√∂pft waren. Au√üerdem ist Osttimor in der Region ber√ľhmt f√ľr seine farbenfrohen gewebten Stoffe, die sogenannten Tais. Diese unterscheiden sich je nach Region des Landes. Auch traditioneller Silberschmuck wird hergestellt. Daneben gibt es kleine Schmieden, Holzverarbeitung, T√∂pfereien und M√∂belmacher.

Tourismus

Das Land bietet zum Wandern geeignete Berge, Str√§nde, Tauchgebiete, hei√üe Quellen (zum Beispiel die Termas do Marobo) und eine gro√üe kulturelle Vielfalt. Gerade die Korallenriffe geh√∂ren zu den artenreichsten der Welt. Die W√§lder und Feuchtgebiete bieten gute Gelegenheiten zur Vogelbeobachtung. Organisierte Touren bieten Walbeobachtung an. In Oktober und November (teils sogar von September bis Dezember) schwimmen Blauwale der Nordk√ľste Timors entlang und passieren selbst die Landeshauptstadt Dili in n√§chster N√§he. Nach Norden ziehen sie von Juli bis September an der Ost- und Westspitze Timors vorbei. Auch andere Meeress√§uger, wie Pottwale, Buckelwale, Delfine und Dugongs kann man hier beobachten, teilweise das ganze Jahr √ľber.

Vorteilhaft ist auch die unmittelbare Nähe zu den beliebten Touristenzielen Australien und Bali. Fehlende Infrastruktur bereiten immer noch Schwierigkeiten, weswegen bisher eher Rucksacktouristen den Weg hierher fanden. 2006 warb Osttimor zum ersten Mal auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin um Besucher und wiederholte dies 2012.

In den ersten Jahren kam es immer wieder zu Gewaltausbr√ľchen, die m√∂gliche Touristen zur√ľckschrecken lie√üen. Haupts√§chlich in Dili k√§mpften kriminelle Jugendbanden gegeneinander, bis 2008 mehrere Gruppen einen Friedensvertrag untereinander schlossen. Seitdem hat sich die Situation etwas beruhigt. Im Oktober 2008 wurden Pl√§ne f√ľr ein F√ľnf-Sterne-Hotel in Tasitolu, nahe Dili, bekannt. Es w√§re das erste Luxushotel dieser Art in dem Land. Weitere Gro√ühotels und Beach Resorts werden vor allem von Investoren aus Australien, China und Macau geplant. 2011 reisten 50.590 Ausl√§nder √ľber den internationalen Flughafen Dilis nach Osttimor ein. Die 18 registrierten Hotels des Landes mit 869 Zimmern und insgesamt 871 Betten registrierten 2011 17.422 G√§ste (2008: 12.026, 2006: 7.858) und 101.948 √úbernachtungen (59.512, 35.533). Der durchschnittliche Zimmerpreis betr√§gt 68 US-Dollar. 434 Menschen arbeiten in den 18 Hotels und verdienen durchschnittlich 183 US-Dollar monatlich. 2017 wurde Osttimor von 74.000 Touristen besucht (2016: 66.000 und 2015: 62.000) und war damit immer noch eines der am wenigsten von Touristen besuchten L√§nder der Erde.

Ab und zu ankern Kreuzfahrtschiffe vor Dili und ihre Passagiere besuchen die Stadt f√ľr einen Tagesausflug.

Kultur

Bildung

Im Staatshaushalt von 2015 bis 2017 macht der Bereich Bildung 7,9¬†% des Budgets aus, womit man √ľber dem regionalen Durchschnitt von 3,9¬†% im L√§ndervergleich liegt.

1974 waren noch 95 bis 99 % der Bevölkerung Analphabeten. 2004 waren es noch etwa 54,2 %; von den Frauen zwischen 15 und 60 Jahren konnten sogar 58,2 % nicht lesen und schreiben. Laut Zensus 2015 reduzierte sich inzwischen die Zahl der Analphabeten auf 15,7 % (Frauen: 16,0 %; Männer: 15,4 %), wobei 62,5 % in Tetum, 36,6 % in Indonesisch, 30,8 % in Portugiesisch und 15,6 % in Englisch lesen und schreiben können.

Von den Einwohnern, die drei Jahre oder √§lter sind, besuchten 2015 40,6¬†% eine Schule. 39.557 Sch√ľler besuchen die Vorschule (Pre-Prim√°rio), 209.225 die Grundschulen (Prim√°rio), 79.982 die Schulen zur Vorbereitung auf die Sekund√§rstufe (Pre-secund√°rio) und 63.285 die Sekundarschulen (Secund√°rio, Col√©gio) des Landes. 1.804 studieren auf einer Fachhochschule, 38.005 auf einer Universit√§t. M√§dchen sind in allen Stufen nahezu gleich gut vertreten wie Jungen. 29,0¬†% hatten 2015 die Schule verlassen. Nie eine Schule besucht haben 28,7¬†%. 4,6¬†% der Einwohner haben nur die Vorschule besucht, knapp ein Drittel die Grundschule. Weiterf√ľhrende Schulen haben 27¬†% der Einwohner abgeschlossen. Ein Diplom oder abgeschlossenes Studium k√∂nnen 7,0¬†% vorweisen.

In den ersten 15 Jahren seit der Unabh√§ngigkeit 2002 stieg die Zahl der Vor-, Grund- und Sekundarschulen von 93 auf 1.715 Einrichtungen, die Anzahl der Lehrer von 6.541 auf 13.948. Damit kommen durchschnittlich 28 Sch√ľler auf einen Lehrer. Privatschulen haben einen gro√üen Anteil an der Bildung. Bei den Grundschulen sind 13¬†% nicht in √∂ffentlicher Hand, bei den Pr√§-Sekundarschulen 27¬†% und bei den Sekundarschulen sogar 40¬†%. Insgesamt gibt es 14 von der Ag√™ncia Nacional para a Avalia√ß√£o e Acredita√ß√£o Acad√©mica (ANAAA) anerkannte Hochschulen im Land. In 21 weiterf√ľhrenden Schulen erhalten 3500 Sch√ľler eine berufliche Fachausbildung.

Die ersten drei Jahre wird auf Tetum unterrichtet, danach steigt sukzessiv der Anteil an Unterricht in Portugiesisch. Anfang 2012 begann eine heftige Diskussion √ľber Pl√§ne, in Grundschulen auch Unterricht in den jeweiligen Nationalsprachen zu halten. Demnach sollen die Kinder zun√§chst in der Vorschule in ihrer Muttersprache und m√ľndlich in Tetum unterrichtet werden. Mit Beginn der Grundschule folgt dann m√ľndlich Portugiesisch. Sobald die Sch√ľler ihre Muttersprache schriftlich beherrschen (2. Klasse), soll das Lesen und Schreiben in Tetum folgen, sp√§ter in Portugiesisch (ab der 4. Klasse). Dies f√ľhrt zu einer bilingualen Ausbildung in den beiden Amtssprachen, die Muttersprache wird zur Unterst√ľtzung verwendet. Die Lesef√§higkeit in der Muttersprache soll dann weiter gef√∂rdert werden. Schlie√ülich erfolgt der Unterricht nur noch in den Amtssprachen. In der 7. Klasse kommt Englisch als Fremdsprache dazu und Bahasa Indonesia als Wahlfach, zusammen mit anderen Sprachen in der 10. Klasse. W√§hrend Bef√ľrworter so die kulturelle Identit√§t der verschiedenen ethnolinguistischen Gruppen des Landes bewahren wollen, empfinden viele das Programm als Bedrohung der nationalen Einheit.

Medien

Aufgrund der vielen verschiedenen Sprachen, die in Osttimor im Gebrauch sind, erscheinen auch die Zeitungen in unterschiedlichen Sprachen. Die Diario Tempo, Diario Nacional und Seminario erscheinen in Portugiesisch. Die Lia Foun erscheint in Tetum. Timor Post (in Tetum und Bahasa Indonesia), East Timor Sun und Suara Timor Lorosae (in Englisch, Portugiesisch, Bahasa Indonesia und Tetum) erscheinen in mehreren Sprachen. Eine Zeitung erscheint wöchentlich, drei täglich und andere sporadisch.

Fernsehen spielt national eine geringe Rolle. Wohlhabendere Timoresen besitzen Satellitenfernseher und sehen oft indonesische und australische, teils auch chinesische Sender. Der nationale Sender ist Televis√£o de Timor Leste (TVTL). Er sendet auch Eigenproduktionen auf Tetum, wie zum Beispiel eine beliebte Comicserie √ľber Geschichte und Legenden Timors. 2015 ging der staatliche Bildungssender Televis√£o Educa√ß√£o Timor auf Sendung. Private, osttimoresische Fernsehsender sind TV-Suara Timor Lorosae (TV-STL) und Grupo de M√©dia Nacional-TV (GMN TV). Radio e Televis√£o Maubere (RTM) ist der Parteisender der FRETILIN.

Der Gro√üteil der Bev√∂lkerung nutzt das Radio, um sich zu informieren. Als Hauptquelle f√ľr politische Information geben 31¬†% das Radio, 27¬†% das Fernsehen, 13¬†% Freunde und Nachbarn, 9¬†% lokale F√ľhrungspers√∂nlichkeiten und 3¬†% Zeitungen an. 33¬†% der Haushalte verf√ľgen √ľber ein Radioger√§t. Auch hier sind viele Sprachen im Gebrauch. Derzeit gibt es in Osttimor mehr als 15 kommunale, einen nationalen staatlichen und drei weitere Radiosender. √úberregional sind Radio Falintil/Voz da Esperanca, Radio Nacional de Timor Leste (RTL), der Parteisender der FRETILIN Radio Maubere und der katholische Sender Radio Timor Kmanek (RTK) von Bedeutung. Der Radiosender R√°dio Communidade de Lospalos ist f√ľr die Gemeinde Laut√©m ein Beispiel der verschiedenen kommunalen Radiostationen, die die Bev√∂lkerung mit Nachrichten versorgen.

Seit 2016 gibt es mit der Tatoli (ehemals Agência Noticiosa de Timor-Leste ANTIL) eine staatliche Nachrichtenagentur.

Soziale Netzwerke, wie Facebook, haben immer mehr eine gr√∂√üere Bedeutung, als die traditionellen Medien, was aber zu Problemen f√ľhrt. Angesichts von geposteten Bildern von Festnahmen und Verletzten und Toten bei Unf√§llen wird eine mangelnde Privatsph√§re beklagt. Beleidigungen, Diffamierungen und Drohungen gegen√ľber Politikern und traditionellen F√ľhrern werden ebenso verbreitet, wie Falschmeldungen. Die Polizei verhaftete mehrere Personen, denen Beschimpfungen von Politikern vorgeworfen wird. Allerdings sieht das osttimoresische Strafrecht keine Konsequenzen bei Diffamierungen vor, weswegen die Festgenommenen wieder freigelassen wurden. Virg√≠lio da Silva Guterres, der Pr√§sident des Presserats, kritisierte, dass die Aktion sich nur gegen Personen richtete, die Politiker angriffen, nicht aber normale B√ľrger. Auch die Meinungsfreiheit k√∂nnte aufgrund der unklaren Rechtslage gef√§hrdet sein. Auch beim Recht auf Privatsph√§re, Unschuldsvermutung, Verletzung des Rechtsgeheimnisses und der journalistischen Deontologie sind juristische Fragen noch ungekl√§rt. So wurden Bilder der Verhafteten und Verh√∂re in auch in den traditionellen Medien ver√∂ffentlicht.

Tradition

Die osttimoresische Regierung erkl√§rte 2014 den Geburtstag des Poeten Francisco Borja da Costa, den 14. Oktober, zum ‚ÄěNationalen Tag der Timoresischen Kultur‚Äú. Die Kultur Osttimors weist, neben europ√§ischen und asiatischen Merkmalen, auch zahlreiche pazifische Einfl√ľsse auf. Die Lebensweise der Einwohner Osttimors hat mit derjenigen der Einwohner des indonesischen Westens der Insel wenig gemein. Der Einfluss der katholischen Kirche auf die Traditionen der Einwohner ist beschr√§nkt und die Gesellschaft sehr liberal. Obwohl sich fast alle Einwohner Osttimors zum katholischen Glauben bekennen, sind animistische Riten noch weit verbreitet und werden zum Teil in die christliche Religion integriert.

Die kulturellen Traditionen Timors zeichnen sich durch unterschiedliche soziale Institutionen aus. Die sozialen Organisationen der einzelnen Gesellschaften k√∂nnen matrilinear/uxorilokal oder patrilinear/patrilokal strukturiert sein; einzelne Gruppen schwanken zwischen diesen M√∂glichkeiten verwandtschaftlicher Organisation. W√§hrend die soziale Organisation der Baikeno wahrscheinlich durch eine symmetrische Allianz charakterisiert ist, findet sich die asymmetrische Allianz beispielsweise bei den Makasae, Naueti und Fataluku. Bei den Tetum herrschen bilaterale beziehungsweise kognate Abstammungsregeln vor. Lulik, als das Glaubensprinzip der alten Religion, hat noch immer Einfl√ľsse in das Alltagsleben. Vor allem in den l√§ndlichen Gebieten folgt man den lokalen, traditionellen Regeln des Tara Bandu.

Heiraten und wirtschaftlich-rituelle Allianzen, die sich entlang dieser Organisationsstrukturen bilden, werden √ľber die soziale Institution des sogenannten ‚ÄěBrautpreises‚Äú (Barlarke) gesteuert, bei dem Frauen und G√ľter, die zwischen den sozialen Gruppen zirkulieren, immer in eine bestimmte Richtung gehen. Patrilineare und patrilokale Organisationen zeichnen sich gegen√ľber matrilinearen und uxorilokalen durch eindrucksvolle G√ľtertransaktionen aus. In den meisten Kulturen Timors bestimmt die Vollst√§ndigkeit des √ľbergebenen ‚ÄěBrautpreises‚Äú die Residenz des Ehepaares. Wird kein oder nur ein unzureichender ‚ÄěBrautpreis‚Äú gezahlt, wohnt der Ehemann in der Frauengeberlineage; die Kinder verbleiben ganz in dieser Lineage.

Neben dem Krokodil (siehe Kapitel Fauna und Flora) haben auch Wasserb√ľffel eine gro√üe Bedeutung in der Kultur Timors. Sie gelten als das wertvollste Opfertier und werden daher nur zu den wichtigsten Zeremonien geopfert. So wird mit dem Blut eines B√ľffels der Boden symbolisch gen√§hrt und auf diese Weise Anspruch auf das Land erhoben. Die B√ľffelh√∂rner dienen dann als greifbares Symbol dieses Anspruchs. B√ľffelblut dient auch als ritueller Brautpreis und symbolisiert hier die Fruchtbarkeit der Frau und ihre Menstruation. Au√üerdem werden B√ľffel bei Totenzeremonien und Beerdigungen geopfert. B√ľffelh√∂rner finden sich noch heute auf Gr√§bern, zusammen mit dem christlichen Kreuz. B√ľffelherz und -kopf werden bei der Einweihung heiliger H√§user als Opfer dargebracht.

Auch Katzen gelten in Osttimor als heilig. Wenn man eine Katze t√∂tet, soll man selbst samt Nachkommen bis in die siebente Generation verflucht sein. Bei Beerdigungen werden Katzen vom Leichnam ferngehalten, weil laut einem Volksaberglauben der Tote, beherrscht von b√∂sen Geistern, wieder zum Leben erwacht, wenn eine Katze √ľber ihn springt.

Architektur

Bei den traditionellen H√ľtten unterscheidet man zwischen den Schlafh√§usern (tetum Uma tidor) und Heiligen H√§usern (tetum Uma Lulik). Ein weit verbreitetes nationales Symbol f√ľr Osttimor sind H√ľtten mit steilen D√§chern, quadratischem Grundriss und Stelzen. Diese ‚ÄěH√§user auf Beinen‚Äú (fataluku Lee-teinu) sind die heiligen H√§user der Fataluku an der Ostspitze der Insel. Sie waren w√§hrend der indonesischen Besatzung und vor allem der Gewaltwelle von 1999 fast alle verschwunden. Seit der Unabh√§ngigkeit werden sie wieder neu errichtet, ebenso wie die traditionellen heiligen H√§user der anderen Ethnien. Die steilen D√§cher der Fataluku-H√§user dienen auch als Vorbild f√ľr moderne Geb√§ude, wie zum Beispiel beim Pr√§sidentenpalast, dem Flughafen und Hafen von Dili oder der katholischen Kirche von Lospalos.

Pfahlh√§user sind bei mehreren Ethnien verbreitet. Markant im Vergleich zu den benachbarten Ethnien sind die traditionellen Rundh√ľtten der Mambai, die noch heute als Wohnh√§user weit verbreitet sind.

Traditionelle Tracht

Vor allem zu festlichen Anl√§ssen sieht man noch die traditionellen Wickelr√∂cke, die sowohl von M√§nnern als auch von Frauen getragen werden. Die gewebten T√ľcher werden Tais genannt. An ihren Mustern kann man die Herkunft aus den verschiedenen Regionen, Ethnien und Gruppen erkennen. M√§nner tragen sie um die H√ľfte, der Oberk√∂rper ist unbedeckt oder man tr√§gt ein einfaches Hemd oder ein wei√ües, √§rmelloses Unterhemd. Frauen wickeln sich die Tais zum Teil unter die Achseln um die Brust, so dass nur die Schultern frei sind. Manchmal werden diese mit einem weiteren Tais bedeckt. Andere wickeln den Tais um die H√ľfte und tragen am Oberk√∂rper eine Bluse, die Kebaya genannt wird. Kebayas stammen urspr√ľnglich von der Insel Java, sind aber im gesamten Malaiischen Archipel beliebt. Noch in den 1930er-Jahren trugen die Frauen bei vielen Ethnien Timors keine Oberbekleidung. Zu Festlichkeiten schm√ľcken sich M√§nner und Frauen auf dem Kopf mit Federn, die Manufulun genannt werden. Sie waren urspr√ľnglich ein Symbol der heimkehrenden, siegreichen Krieger. Ein anderer Kopfschmuck ist die Kaibauk, der timoresischen Krone. Sie ist ein Symbol der M√§nnlichkeit, w√§hrend das Belak, eine metallene Brustscheibe, die um den Hals geh√§ngt wird, die Weiblichkeit symbolisiert. Dazu kommen Halsketten, Haarnadeln bei den Frauen, Armreife und anderer Silberschmuck. An den Fu√ükn√∂cheln sieht man manchmal ebenfalls Schmuck, so tragen T√§nzer kleine Glocken. Die Halsketten mit orangefarbenen Steinen, die Mortel genannt werden, dienen oft als Brautpreis. Diese sogenannten Mutissalas haben teilweise den Gegenwert mehrerer Rinder.

Als Kopfbedeckung dienen bei Frauen und M√§nnern im westlichen Teil des Landes traditionell turban√§hnlich gewickelte Kopft√ľcher. Bei M√§nnern in der Region von Maubisse sieht man auch breitkrempige H√ľte, die an Cowboyh√ľte erinnern. Im Alltag hat sich westliche Kleidung in Form von Hemden, T-Shirts, Hosen und Jacken weit verbreitet. Statt barfu√ü zu laufen, benutzen viele Menschen nun Flip-Flops. Zum Teil wird westliche Kleidung mit der traditionellen Kleidung kombiniert.

Tätowierungen

Eine lange Tradition hat auf Timor auch das T√§towieren. So war es Teil der traditionellen Totenwache, dass auserw√§hlte Verwandte T√§towierungen im Gedenken des Verstorbenen erhielten. In Suai Loro wird die zuk√ľnftige Braut bei der rituellen Verlobung in der Armbeuge t√§towiert, womit das Versprechen f√ľr die Ehe G√ľltigkeit erlangt.

Als Farbe wird in manchen Teilen Osttimors mit Wasser vermischter Ru√ü verwendet, in anderen Regionen Pigmente aus gekochten Bl√§ttern oder Fr√ľchten. Die Farbe wurde urspr√ľnglich mit Dornen unter die Haut gebracht, seit der Ankunft der Portugiesen im 16. Jahrhundert auch mit Metallnadeln. In einigen Gebieten im S√ľdosten werden die Farben gewebter Taisstoffe mit dicken, erhitzten Metallspie√üen in den Arm gebrannt ‚Äď ein langsamer, ungenauer und schmerzhafter Prozess.

Neben Ornamenten finden sich auch Schriftzeichen in traditionellen T√§towierungen. Die Timoresen kopierten dabei die von den Portugiesen eingef√ľhrte lateinische Schrift, um den Namen toter Familienmitglieder oder Freunde auf der Haut festzuhalten. Da aber die wenigsten Timoresen fr√ľher lesen und schreiben konnten, wurden Schriftzeichen oft nur nachgeahmt oder schlichtweg erfunden. Mit der Weiterf√ľhrung des Gedenkens an Verstorbene auf diese Weise finden sich inzwischen auch lesbare T√§towierungen auf Oberarmen wieder. Im Unabh√§ngigkeitskrieg fanden sich die Symbole der FRETILIN und FALINTIL auf der Haut der K√§mpfer wieder. Indonesische Sicherheitskr√§fte schnitten oder brannten solche T√§towierungen bei Gefangenen aus. Mit dem Entstehen des Bandenwesens in Osttimor verbreiteten sich T√§towierungen mit mystischen Symbolen und das Anbringen von Schmucknarben, die sowohl als Erkennungszeichen als auch als Schutz vor Feinden dienen sollten. Dazu kommen heutzutage immer mehr christliche Symbole.

Musik

Die Musik Osttimors spiegelt den Einfluss der Fremdherrschaft wider, unter der das Land fast 500 Jahre stand. Portugiesen und Indonesier brachten beide ihre Musik wie etwa Fado und Gamelan mit. Die am weitesten verbreitete Volksmusikrichtung ist der Likurai-Tanz, der f√ľr die vom Krieg heimkehrenden M√§nner von den Frauen vorgef√ľhrt wird. Der Tanz wurde von einer kleinen Trommel begleitet. In fr√ľheren Zeiten trug man dazu die K√∂pfe erschlagener Feinde in einer Prozession durch das Dorf. Heutzutage wird dieser Tanz von den Frauen zur Werbung verwendet.

Die Gitarre ist seit langem ein wichtiger Bestandteil der osttimoresischen Musik. Sie wurde von den Portugiesen eingef√ľhrt, jedoch gibt es auch einheimische Saiteninstrumente, die ihr √§hneln. Ebenfalls von den Portugiesen beeinflusst ist die reichhaltige Kirchenchortradition.

Das Karau dikur ist ein Horn aus einem Wasserb√ľffelhorn. Es wird im Heiligen Haus (Uma Lulik) oder dem Wohnsitz des Liurais geblasen, um die Dorfbewohner f√ľr gro√üe Anl√§sse zusammenzurufen. Es wird auch bei traditionellen T√§nzen verwendet. Die Kakalo'uta ist ein Schlaginstrument aus drei aufgeh√§ngten H√∂lzern der Fataluku. Es wird aus dem Ai-Solda-Baum hergestellt.

Die moderne timoresische Musik hat enge Bindungen zur ehemaligen Unabh√§ngigkeitsbewegung. So hat etwa die Band Dili All Stars ein Lied ver√∂ffentlicht, das zu einer Hymne w√§hrend der Vorbereitung zum Unabh√§ngigkeitsreferendum 1999 wurde. Die Vereinten Nationen gaben den Auftrag zu dem Lied Hakotu Ba von Lahane, das die Bev√∂lkerung ermutigen sollte, sich f√ľr das Referendum zu registrieren.

Zu den osttimoresischen Popmusikern geh√∂rt Teo Batiste Ximenes, der in Australien aufwuchs und Folkrhythmen Osttimors in seiner Musik verwendet. Viele osttimoresische Auswanderer brachten ihre Volksmusik auch in die Welt, so nach Portugal und Australien. In Portugal wurde diese mit Musikrichtungen aus anderen portugiesischen Kolonien wie Angola und Mosambik vermischt. Weitere Einfl√ľsse stammen von Rock ‚Äôn‚Äô Roll, Hip-Hop und Reggae. Aktuelle Musiker und Bands aus Osttimor sind Ego Lemos, Cinco do Oriente, Rai Na‚Äôin, Detective und Diosis Putri.

Bei der zweiten Staffel der indonesischen Gesangs-Castingshow D‚Ä≤Academy Asia (Ende 2016), bei der Kandidaten aus mehreren s√ľdostasiatischen L√§ndern teilnehmen, erreichte die Osttimoresin Maria Vit√≥ria (MarVi) hinter drei Indonesiern den vierten Platz. Bei dem Wettbewerb wurden Dangdut-Lieder gesungen. 2018 gewann MarVi die 6. Staffel von The Voice Portugal.

Die in Osttimor geborene S√§ngerin Sandra Pires ist unter anderem in ihrer jetzigen Heimat √Ėsterreich erfolgreich. Ihre Eltern flohen vor dem B√ľrgerkrieg von 1975. 2007 trat Pires erstmals in ihrem Geburtsland auf.

Essen und Trinken

Die osttimoresische K√ľche spiegelt die verschiedenen Einfl√ľsse wider, denen das Land unterworfen war. Man findet in ihr chinesische, portugiesische und indonesische Elemente.

In den Bergen w√§chst Kaffee, der hocharomatisch und mild ist. Er wird gerne zum Fr√ľhst√ľck getrunken. Dazu gibt es Brot und Butter. Tee wird hei√ü und s√ľ√ü in Gl√§sern serviert. Drei Mahlzeiten am Tag sind √ľblich, wobei das Mittagessen gew√∂hnlich zwischen zw√∂lf Uhr mittags und zwei Uhr nachmittags eingenommen wird.

Mais, Reis, Erdn√ľsse, Sago, Maniok, Taro, Kartoffeln, Brotfrucht und S√ľ√ükartoffeln werden angebaut ebenso Obst wie Jackfr√ľchte, Melonen, Mangos und Bananen. Einheimische K√ľrbisse waren vor allem in den Notzeiten des Befreiungskrieges ein wichtiger Teil der Ern√§hrung der Unabh√§ngigkeitsk√§mpfer in den Bergen. Lokale Fr√ľchte, wie Salak, Jambul (Jamblang), Uha, Saramal√© und Aid√°k erg√§nzen den Speisezettel. Als Beilagen zu Hauptgerichten dienen Augenbohnen, Spinat und Kohl.

Daneben z√ľchten die meisten Familien f√ľr den Eigenbedarf Vieh, wie H√ľhner und Schweine, seltener auch Rinder, B√ľffel und Ziegen. Neben dem Muskelfleisch werden auch die Innereien gegessen. Wie in vielen anderen Teilen Ostasiens ist hier der Verzehr von Hundefleisch √ľblich. Allerdings soll sich diese Sitte erst in den 1980er Jahren von Sulawesi kommend hier eingeb√ľrgert haben, als in Colmera, einem Stadtteil von Dili, das erste Hundefleisch-Restaurant er√∂ffnete. Fisch hat aufgrund der Transportschwierigkeiten nur an der K√ľste f√ľr die Ern√§hrung der Bev√∂lkerung eine Bedeutung. Garnelen gelten als Delikatesse.

Traditionelle Alkoholika sind verschiedene Palmweine (Tuaka und Tua Mutin) und Palmweinbrand (Tua Sabu). F√ľr Bier und alkoholfreie Getr√§nke hat Heineken in Dili eine Abf√ľllstation errichtet. Hier wird mit Liurai auch eine einheimische Biermarke hergestellt. Ansonsten wird Bier aus Australien, Indonesien und Singapur importiert und die Portugiesen brachten in der Kolonialzeit den Wein nach Osttimor.

Literatur

Der bekannteste Autor der Moderne d√ľrfte wohl der ehemalige Freiheitsk√§mpfer und Politiker Xanana Gusm√£o sein. W√§hrend seines Kampfes f√ľr die Unabh√§ngigkeit schrieb er zwei B√ľcher. Auch als Dichter und Maler ist er t√§tig. Seine Werke beschreiben Kultur, Werte und F√§higkeiten der osttimoresischen Bev√∂lkerung. Weitere wichtige Schriftsteller sind Lu√≠s Cardoso, Fernando Sylvan, Domingos Francisco de Sousa, Ponte Pedrinha, Jorge Barros Duarte, Crisodio Ara√ļjo, Jorge Lauten, Francisco Borja da Costa, Afonso Busa Metan und Fitun Fuik.

Die timoresischen V√∂lker kannten urspr√ľnglich keine Schrift. Daf√ľr existiert eine reiche Tradition an m√ľndlichen √úberlieferungen, wie etwa beim Volk der Bunak im Zentrum der Insel. Die Geschichten wurden in wiederkehrenden Reimen und Alliterationen rezitiert. In jedem Dorf bringen die Alten den Jungen die Legenden des Clans bei, aber es gibt auch die Lian Nain (in etwa Herr der W√∂rter), die als Bewahrer der Traditionen stundenlang Verse rezitieren konnten. Meistens wurden Verse aus zwei Zeilen verwendet, bei denen jede Zeile aus zwei S√§tzen bestand. Der erste Satz der zweiten Zeile wiederholte dabei in anderen Worten den Inhalt des letzten Satzes der ersten Zeile. Die Sprache war reich an Metaphern und Symbolen aus der animistischen Kultur Timors. Die reiche Welt an timoresischen Sagen und Legenden wurde traditionell nur m√ľndlich weitergegeben und erst in moderner Zeit niedergeschrieben.

Bildende Kunst, Film und Theater

Der portugiesische K√ľnstler Fausto Sampaio kam 1937 in die damalige Kolonie Portugiesisch-Timor und malte dort mehrere Bilder von Dili, Baucau, Manatuto, Laclo und Vemasse, aber auch Portr√§ts, wie von Aleixo Corte-Real.

Die timoresischen Legenden, wie der Schöpfungsmythos um das Krokodil, werden oft bildlich dargestellt und Motive auch dekorativ verwendet.

Seit Februar 2003 gibt es in Dili die erste freie Kunstschule Arte Moris. Ihr Hauptziel ist Kunst als ein Baustein im psychologischen und sozialen Wiederaufbau eines Landes, das von Gewaltt√§tigkeit verw√ľstet worden ist, mit besonderer Betonung auf der Hilfe an seine jungen B√ľrger. Arte Moris bietet Malerei und Bildhauerei und ist mit der Dramaschauspieltruppe Bibi Bulak auch mit Theaterst√ľcken in der Landessprache Tetum aktiv.

Der Ort Maquili ist bekannt f√ľr seine Holzschnitzkunst. Urspr√ľnglich schnitzte man Tanzmasken, M√§nner- und Frauenfiguren. Dazu kamen Schnitzereien von Meerjungfrauen und Aalen, die auf den Sch√∂pfungsmythos der Insel Atauro hinweisen sollen. Das Christentum beeinflusste diese animistischen Darstellungen. So begann man die Genitalien der Figuren mit T√ľchern zu verh√ľllen und auch christliche Motive zu schnitzen. Noch heute findet man auf Atauro Masken, die an B√§umen h√§ngen und die G√§rten vor Dieben sch√ľtzen sollen. Auch Krieger und T√§nzer nutzten die Masken. Heute finden sie als Souvenirs neue Interessenten.

Mit A Guerra da Beatriz (deutsch¬†Der Krieg von Beatriz) erschien 2013 der erste osttimoresische Spielfilm. Regie f√ľhrten die Osttimoresin Bety Reis und der Australier Luigi Acquisito. In Osttimor wurde der Film oft in Open-Air-Vorf√ľhrungen pr√§sentiert, da es nur in Dili ein Kino gibt. Reis und Acquisito waren auch bei der Filmdokumentation Abdul & Jos√© (2017) und der Fernsehserie Laloran Justisa beteiligt.

Auf Antrag der Regierung Osttimors hat die UNESCO die filmischen Dokumente von Max Stahl zur Unabh√§ngigkeitsbewegung in Osttimor unter dem Titel Geburt einer Nation ‚Äď Wendepunkte in die Liste des Weltdokumentenerbes aufgenommen. Es ist bislang der einzige Beitrag aus Osttimor.

Sport

Der Sport in Osttimor leidet vor allem an einer dauernden Geldknappheit. Athleten fehlen teilweise die einfachsten Sportger√§te zur Aus√ľbung ihrer Disziplin. Erstmals erfolgreich bei internationalen Wettk√§mpfen waren osttimoresische Sportler in KempŇć Karate. Bei den S√ľdostasienspielen 2011 holten sie in dieser Sportart eine Gold- und eine Silbermedaille.

Der beliebteste Sport in Osttimor ist Fu√üball. Hier konnte das U23-Team als erstes osttimoresisches Team am 5. November 2011 ein L√§nderspiel gegen die Auswahl von Brunei mit 2:1 f√ľr sich entscheiden. Die A-Nationalelf erzielte ihren ersten L√§nderspielsieg am 5. Oktober 2012 in der Qualifikation zur ASEAN-Fu√üballmeisterschaft, als Kambodscha mit 5:1 besiegt wurde. Nationale Liga ist die Liga Futebol Amadora mit einer ersten und einer zweiten Division.

Des Weiteren sind osttimoresische Sportler international regelm√§√üig beim Marathon aktiv. Seit 2010 wird j√§hrlich der Dili-Marathon veranstaltet. 2009 fand erstmals das j√§hrliche internationale Mountainbikerennen ‚ÄěTour de Timor‚Äú statt, das als eines der h√§rtesten der Welt gilt.

Unter der Jugend ist Kampfsport beliebt, von dem es auch eine einheimische, traditionelle Form gibt. Sch√§tzungsweise betreiben 70¬†% der jungen M√§nner einen Kampfsport. Verschiedene Jugendbanden bezeichnen sich offiziell als Martial Arts-Clubs, weswegen das Erlernen und die Aus√ľbung von Kampfsport in Osttimor gesetzlich stark reglementiert sind. Weit verbreitet ist die Tradition des Hahnenkampfs, bei dem auch um Geld gewettet wird. Da das Pferd noch eine gro√üe Bedeutung als Transportmittel hat, sind auch Pferderennen beliebt.

Der Basketball in Osttimor wird durch die Federação Nacional de Basquetebol de Timor-Leste (FNBTL) in der FIBA vertreten.

Der in Frankreich geborene Yohan Goutt Goncalves nahm in Sotschi als erster Osttimorese an Olympischen Winterspielen teil. Er startete beim Ski-Alpin-Wettbewerb.

√Ėffentliche Feiertage

Da Osttimor mehrheitlich christlich ist und die katholische Kirche eine wichtige Rolle im Unabhängigkeitskampf hatte, sind die wichtigen katholischen Feste zugleich öffentliche Feiertage. Zudem sind seit 2005 auch zwei muslimische Feste öffentliche Feiertage. 2016 wurde der Todestag Nicolau dos Reis Lobatos zum Feiertag erklärt und der 7. Dezember umgewidmet.

Außerdem gibt es mehrere Feiertage, die an den Freiheitskampf des Landes erinnern:

  • Am 20. Mai 2002 wurde Osttimor endg√ľltig von der UN-Verwaltung in die Unabh√§ngigkeit entlassen (Unabh√§ngigkeitstag).
  • Am 30. August 1999 fand das Volksreferendum statt, in dem sich die Bev√∂lkerung f√ľr die Unabh√§ngigkeit von Indonesien aussprach.
  • Am 20. September 1999 landeten die ersten Soldaten der INTERFET, der internationalen Eingreiftruppe, die nach den vorangegangenen Gr√§ueltaten die Kontrolle √ľber Osttimor von Indonesien √ľbernahmen.
  • Am 12. November 1991 kam es zum Santa-Cruz-Massaker, bei dem das indonesische Milit√§r mindestens 271 Menschen t√∂tete, weitere 270 ‚Äěverschwanden‚Äú spurlos. Der Vorfall kippte endg√ľltig die √∂ffentliche Meinung in der westlichen Welt zu Gunsten der Timoresen.
  • Am 28. November 1975 erkl√§rte Osttimor seine Unabh√§ngigkeit von Portugal. Der Tag der Proklamation der Unabh√§ngigkeit am 28. November ist der Nationalfeiertag Osttimors. Alle B√ľrger, insbesondere Studenten, Beamte und zivile Angestellte des Staates, sind per Gesetz dazu verpflichtet, an den Feierlichkeiten teilzunehmen.
  • Am 7. Dezember 1975 begann offiziell die Invasion Osttimors durch Indonesien.
  • Am 31. Dezember 1978 starb Nicolau Lobato.

Neben den landesweiten Feiertagen sind auch lokale Feiertage möglich. Die Gedenktage sind keine Urlaubstage, Arbeitnehmern kann aber frei gegeben werden.

Die Feierlichkeiten zum Karneval sind in Dili eine noch sehr junge Tradition. Erstmals wurden sie 2010 vom Tourismusministerium organisiert, fanden aber in der Bevölkerung großen Anklang und spiegeln die Vielfalt der lokalen Musik- und Tanzgruppen wider, die bis zum Morgengrauen im Stadtzentrum Dilis spielen.

Umwelt

Seit 2000 ist die kommerzielle Holzgewinnung verboten, doch noch immer geht in geringerem Umfang Waldfl√§che verloren, meist durch Brennholzgewinnung (mehr als 94¬†% der Haushalte kochen auf Feuerholz, 80¬†% davon stammen aus dem Wald), Brandrodung, Abweidung und starke Regenf√§lle, die auch in vielen Teilen Timors eine starke Erosion verursachen. Darunter leidet auch die Wasserqualit√§t der K√ľste, was wiederum Korallen und Fischbest√§nde gef√§hrdet. Hausm√ľll und seine Entsorgung sind ein Problem in Dili. Oft wird M√ľll einfach in die Wassergr√§ben oder neben √ľberf√ľllte M√ľlltonnen gestellt, von wo der M√ľll in der Regenzeit in das Meer gesp√ľlt wird. Schon jetzt sieht das Gesetz Strafen f√ľr M√ľlls√ľnder von zwischen 5 und 500 US-Dollar vor. M√ľllbrigaden und Freiwillige sammeln in Dili regelm√§√üig M√ľll auf den Stra√üen und an den Str√§nden.

20¬†% dieses M√ľlls besteht aus Kunststoff. Bereits 2019 gab die Kmanek-Supermarktgruppe T√ľten aus, die aus Maniokst√§rke hergestellt und biologisch abbaubar sind. Am 23. September 2020 wurden mit dem Gesetz 37/2020 weitreichende Einschr√§nkungen beim Import, Produktion und Verbreitung von Plastik eingef√ľhrt. Unter anderem sind aus Plastik bestehendes Einweggeschirr, Tabletts f√ľr Mahlzeiten, Kapseln f√ľr Getr√§nkespender, Trinkhalme, Einwegplastikt√ľten, Flaschen oder andere Arten von Getr√§nkeverpackungen mit einem Fassungsverm√∂gen von weniger als 0,5 Litern, Eisbecher und M√ľlls√§cke verboten. Auch Verpackungen f√ľr Obst und Gem√ľse aus Plastik sind nicht mehr erlaubt. Am 17. Mai 2019 wurde der Bau einer neuen Chemiefabrik in Osttimor vereinbart, in der mittels eines katalytischen hydrothermalen Reaktors (Cat-HTR) soll dort Plastik in neue Rohstoffe umgewandelt werden. Ziel ist es, auf diese Weise Osttimor ‚Äěplastikneutral‚Äú zu machen.

Der Klimawandel f√ľhrt in Osttimor zu st√§rkeren Unwettern, die die Erosion weiter vorantreiben, und steigenden Temperaturen. Der El-Ni√Īo-Effekt erscheint √∂fter als bisher, weswegen extreme Wetterlagen zunehmen, was zu h√§ufigeren D√ľrren und √úberflutungen f√ľhrt. Die CO2-Emissionen pro Kopf betrugen 2006 etwa 0,2¬†t. 2009 unterzeichnete Osttimor das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht.

Mit der nationalen Kampagne ‚ÄěEin B√ľrger, ein Baum‚Äú will man f√ľr die Wiederaufforstung des Landes werben.

2000 gr√ľndete die UNTAET 15 Wildschutzgebiete (Protected Natural Areas PNA). Sie sind auch durch das Gesetz des unabh√§ngigen Osttimor gesch√ľtzt. Sowohl auf See als auch auf dem Land sollen sie Landschaften, seltene Arten und kulturelle Werte sch√ľtzen. Dazu z√§hlen Korallen, Feuchtgebiete und Mangroven ebenso wie historische, kulturelle und k√ľnstlerische Orte. Unter den gesch√ľtzten Gebieten sind unter anderem der Tasitolu-Friedenspark mit drei Salzseen und die Berge Tatamailau, Matebian, Saboria und Monte Mundo Perdido. Au√üerdem wurden von BirdLife International insgesamt 17 Gebiete zu Important Bird Areas erkl√§rt. Sie haben eine Gesamtfl√§che von 2.013¬†km¬≤, was in etwa 13,4¬†% der Gesamtfl√§che Osttimors entspricht.

Am 27. Juli 2007 wurde Osttimors erster Nationalpark, der Nationalpark Nino Konis Santana, gegr√ľndet und am 4. August 2008 feierlich er√∂ffnet. Er beinhaltet unter anderem die Important Bird Areas Paitchau, Ira Lalaro und Lore sowie Tutuala, die Insel Jaco und im Meer das Korallendreieck. Der Nationalpark hat eine Gesamtfl√§che von 123.600 Hektar (68.000 Hektar Landfl√§che und 55.600 Hektar des Meeres). Am 21. Oktober 2015 kam der Nationalpark Kay Rala Xanana Gusm√£o am Berg Cablac zwischen Ainaro und Manufahi dazu. Er umfasst 126,23¬†km¬≤.

Es gibt Pl√§ne, auch den Tasitolu-Friedenspark in einen Nationalpark umzuwandeln. Au√üerdem bereitet man zusammen mit australischen Wissenschaftlern ein Meeresschutzgebiet vor. Gerade die Nordk√ľste ist der Lebensraum von gesch√ľtzten Arten, wie dem Buckelwal und dem Grindwal. Zudem gibt es entlang der K√ľste viele Korallenriffe. Der Fischreichtum der Meeresgebiete wird durch illegale Fischerei durch ausl√§ndische Flotten gef√§hrdet. Zum Beispiel wurden 2017 bei einer gemeinsamen Aktion der Polizei mit Sea Shepherd 15 chinesische Fischerboote vor Com aufgebracht, die illegal 40 Tonnen Haie gefangen hatten.

Das Konzept des Luliks (in etwa heilig) wollte man sich vom Staat aus f√ľr den Umweltschutz zu Nutze machen. W√§lder und andere Landschaften wurden mit Unterst√ľtzung der Regierung durch animistische Rituale unter Schutz gestellt, um die dortigen Geister nicht zu st√∂ren. Doch die einheimische Bev√∂lkerung nahm das Verbot pragmatisch. Man nutzte weiter die nat√ľrlichen Ressourcen der Schutzgebiete, da man sich darauf verlie√ü, dass die Geister reagieren w√ľrden, wenn ihnen etwas missf√§llt. Au√üerdem k√∂nnte man im Problemfall mit ihnen verhandeln.

Siehe auch

¬†Wikipedia: WikiProjekt Osttimor ‚Äď Wikipedia-interne Fachredaktion zum Thema Osttimor

  • Liste von Pers√∂nlichkeiten aus Osttimor

Literatur

  • Andre Borgerhoff, Manuel Schmitz (Hrsg.): Osttimor am Scheideweg. Chaos oder Neuanfang? Focus Asien (Schriftenreihe des Asienhauses), Nr. 31, 2008, ISBN 978-3-933341-40-2.
  • Ruy Cinatti, Leopoldo de Almeida und Ant√≥nio de Sousa Mendes: Arquitetura Timorense, 2016, ISBN 978-989-8052-94-0.
  • Oliver Franz: Osttimor und das Recht auf Selbstbestimmung. Eine Untersuchung zur Anwendung des Selbstbestimmungsrechts der V√∂lker am Beispiel Osttimors. Schriften zum internationalen und zum √∂ffentlichen Recht. Bd. 59. Peter Lang, Frankfurt am Main u.¬†a. 2005, ISBN 3-631-53178-8.
  • Sibylle M. Gomes et al.: Human settlement history between Sunda and Sahul: a focus on East Timor (Timor-Leste) and the Pleistocenic mtDNA diversity, 22. Dezember 2014, BMC Genomics201516:70 doi:10.1186/s12864-014-1201-x
  • Alexander Loch: Haus, Handy & Halleluja. Psychosoziale Rekonstruktion in Osttimor. IKO Verlag, Frankfurt & London 2007, ISBN 978-3-88939-850-5.
  • Andrew McWilliam, Elizabeth G. Traube (Hrsg.): Land and Life in Timor-Leste. Ethnographic Essays. ANU E Press, The Australian National University, Canberra 2011
  • J√∂rg Meier: Der Osttimor-Konflikt (1998‚Äď2002). Gr√ľnde und Folgen einer gescheiterten Integration. Bewaffnete Konflikte nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes. Bd. 17. Dr. K√∂ster, Berlin 2005, ISBN 3-89574-560-X.
  • Henri Myrttinen, Monika Schlicher und Maria Tschanz (Hrsg.) f√ľr Watch Indonesia!: Die Freiheit, f√ľr die wir k√§mpfen‚Ķ ‚Äď Osttimor in der Unabh√§ngigkeit ‚Äď Ein politisches Lesebuch. Berlin 2011, Regiospectra Verlag, ISBN 978-3-940132-26-0 www.regiospectra.de
  • Jos√© Ramos-Horta: Funu. Osttimors Freiheitskampf ist nicht vorbei! Ahriman-Verlag, Freiburg 1997, ISBN 3-89484-556-2.
  • Monika Schlicher: Portugal in Ost-Timor. Eine kritische Untersuchung zur portugiesischen Kolonialgeschichte in Ost-Timor 1850 bis 1912. Abera, Hamburg 1996, ISBN 3-934376-08-8.
  • Monika Schlicher: Osttimor stellt sich seiner Vergangenheit. Die Arbeit der Empfangs-, Wahrheits- und Vers√∂hnungskommission. (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) In: Menschenrechte. Internationales Katholisches Missionswerk e.¬†V., Fachstelle Menschenrechte. Missio, Aachen 2005, ISSN¬†1618-6222 (PDF; 297¬†kB)

Weblinks

  • Offizielle Regierungswebsite (englisch)
  • Generaldirektorat f√ľr Statistik (Direc√ß√£o-Geral de Estat√≠stica) (englisch)
  • L√§nder- und Reiseinformationen des Ausw√§rtigen Amtes
  • East Timor & Indonesia Action News ETAN
  • Timor-Leste Studies Association (TLSA)

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