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Staat Informationen : Marshallinseln

Informationen:


Die Republik Marshallinseln (marshallesisch AolepńĀn AorŇćkin ŠĻāajeŠł∑) ist ein Inselstaat im mittleren Ozeanien. Er umfasst die gleichnamige Inselgruppe, die zu Mikronesien geh√∂rt. Mit 53.000¬†Einwohnern auf einer Fl√§che von nur 181¬†Quadratkilometern geh√∂ren die Marshallinseln zu den kleinsten Staaten der Erde. Die Republik mit Majuro als Hauptstadt ist mit den Vereinigten Staaten durch ein Assoziierungsabkommen verbunden. Amtssprachen sind die marshallesische Sprache und die englische Sprache. Bis zur Unabh√§ngigkeit am 21.¬†Oktober 1986 waren die Inseln ein von den USA kontrolliertes UN-Treuhandgebiet. Die √ľber 1000 Inseln ragen im Durchschnitt nur zwei¬†Meter √ľber den Meeresspiegel hinaus, weshalb sie sehr anf√§llig f√ľr den durch den Klimawandel bedingten Meeresanstieg sind. Zum Inselstaat geh√∂ren auch das Eniwetok-Atoll und das Bikini-Atoll, die f√ľr Kernwaffentests genutzt wurden.

Geographie

Die Marshallinseln bestehen aus zwei fast parallel verlaufenden Insel- und Atollketten: der Ratak-Kette (Sonnenaufgangsinseln) mit 14 Atollen und zwei Inseln im Osten sowie der Ralik-Kette (Sonnenuntergangsinseln) mit 15 Atollen und drei Inseln im Westen.

Zu den Inselketten geh√∂ren zusammen rund 1225¬†gr√∂√üere und kleinere Inseln sowie 870 Riffe, die sich √ľber ein Gebiet von knapp 2¬†Mio.¬†km¬≤ im mittleren Pazifik erstrecken. Die Landfl√§che von insgesamt 181¬†km¬≤ ragt im Mittel rund 2 Meter √ľber den Meeresspiegel hinaus.

Das Klima ist feucht und warm bis heiß mit einer Regenzeit von Mai bis November, wobei die beständigen Winde Erleichterung verschaffen. Die Inseln werden gelegentlich von Taifunen erfasst.

Zwei Drittel der Bev√∂lkerung leben auf den Inseln des Majuro-Atolls und auf Ebeye im Kwajalein-Atoll. Die anderen Inseln sind wegen fehlender Arbeits- und Entwicklungsm√∂glichkeiten nur d√ľnn besiedelt oder unbewohnt.

Hauptstadt ist die Gemeinde (Local Government Council, fr√ľher municipality) Majuro, die das gleichnamige Atoll umfasst.

Bevölkerung

Ungefähr 92,1 % der Bevölkerung sind Marshaller, 5,9 % Marshaller mit gemischten Wurzeln und 2 % sind sonstige.

Die Fertilitätsrate pro Frau betrug 2017 3,03 Kinder. Auf 1000 Einwohner kamen im selben Jahr 24,4 Geburten und 4,2 Todesfälle. Die Lebenserwartung bei der Geburt betrug im Jahr 2017 im Durchschnitt 73,4 Jahre (Frauen: 75,7 Jahre, Männer: 71,2 Jahre). Das Median-Alter betrug 22,9 Jahre. Das Bevölkerungswachstum lag 2017 bei 1,55 Prozent pro Jahr.

Das Land hatte eine der höchsten Raten an Fettleibigkeit in der Bevölkerung. 2016 waren 52,9 % der Bevölkerung adipös.

Entwicklung

Quelle: UN

Sprache

Die Amtssprachen der Marshallinseln sind Marshallesisch, mit den beiden Dialekten Ralik und Ratak, und Englisch.

Religion

90 Prozent der Bevölkerung gehören der Unabhängigen Protestantischen Kirche der Marshallinseln an, weitere 8,5 Prozent sind römisch-katholisch.

Bildung

Die Republik Marshallinseln betreibt zusammen mit elf weiteren Inselstaaten die University of the South Pacific. 98,2 % der Bevölkerung können lesen und schreiben (Stand: 2015). In Majuro befindet sich das Alele Museum & Public Library, ein Museum und die einzige öffentliche Bibliothek des Landes.

Geschichte

Abgesehen davon, dass sie wahrscheinlich im 2.¬†Jahrtausend vor Christus von Mikronesien aus besiedelt wurden, ist √ľber die Fr√ľhgeschichte der Inseln wenig bekannt. Als erster Europ√§er fuhr der spanische Entdecker Alonso de Salazar 1526 die Inseln an, 1529 erreichte sie der spanische Seefahrer √Ālvaro de Saavedra. Die Spanier machten jedoch keine Anspr√ľche auf die Inseln geltend, so dass sie f√ľr weitere zwei Jahrhunderte von den Europ√§ern unbeachtet blieben, bis sie der englische Kapit√§n John Marshall 1788 besuchte. Nach ihm wurden die Inseln sp√§ter benannt. Anfang des 19.¬†Jahrhunderts kartographierte sie erstmals der deutsch-baltische Entdecker Otto von Kotzebue als Offizier der russischen Marine.

In den 1850er-Jahren entstanden durch Missionare erste Schulen auf den Inseln. In der Folge legten deutsche Kaufleute Kokosplantagen zur Gewinnung von Kopra an. Nachdem am 15. Oktober 1885 als Zeichen der Inbesitznahme die deutsche Flagge auf der Insel Jaluit gehisst worden war, √ľbernahm 1886 der erste Kaiserliche Kommissar Wilhelm Knappe die Hoheitsrechte f√ľr das Deutsche Kaiserreich. Von 1894 bis 1897 war Georg Irmer Landeshauptmann der Marshallinseln. 1906 wurden die Inseln offiziell Teil der Kolonie Deutsch-Neuguinea.

Die Kaiserlich Japanische Marine besetzte im Ersten Weltkrieg nach der Kriegserkl√§rung Japans an das Deutsche Reich am 23.¬†August 1914 die unverteidigte Inselgruppe im September/Oktober 1914 und begann umgehend, Milit√§rbasen zu errichten und die Bewirtschaftung der Inseln zu √ľbernehmen. Nach dem Krieg wurde Japan im Rahmen des japanischen S√ľdseemandats vom V√∂lkerbund offiziell mit der Verwaltung der Inseln betraut. Dies nahm Japan zum Anlass, die Marshallinseln¬†‚Äď wie alle ihre S√ľdsee-Mandatsinseln¬†‚Äď fast komplett von der Welt abzuschotten, um ungest√∂rt japanische Einwanderer anzusiedeln, die einheimische Bev√∂lkerung weiter zu entrechten und auszubeuten und die Milit√§rpr√§senz auszuweiten. In den 1930er-Jahren wurden auch erste Flugpl√§tze f√ľr die neue Luftwaffe der kaiserlichen Marine angelegt.

Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges waren die Marshallinseln wichtige St√ľtzpunkte Japans, zumal sie die √∂stlichsten Besitzungen im Pazifik waren. Von dort aus wurden U-Boote und auch Flugboote in Richtung des wichtigsten US-amerikanischen Hauptst√ľtzpunktes Hawaii eingesetzt, ebenfalls in der Seeluftschlacht bei den Midwayinseln. Nach der dortigen japanischen Niederlage verlegte die kaiserlich japanische Marine 1942 und 1943 immer wieder gr√∂√üere Kriegsschiffverb√§nde in die Lagunen der Marshalls und verst√§rkte deren Verteidigung durch zahlreiche Soldaten, Bauarbeiter und auch durch die Marineluftwaffe, da nun eine amerikanische Offensive gegen die Inselgruppe zu erwarten war. Besonders stark verteidigt waren die Atolle Mili, Jaluit, Arno, Wotje und Kwajalein. Andere wie Majuro, Eniwetok, Bikini waren kaum bis gar nicht besetzt.

Nach ersten Luftangriffen von Flugzeugtr√§gern aus schon im M√§rz 1942¬†‚Äď noch mit geringer Wirkung¬†‚Äď begann dann am 31.¬†Januar 1944 die US-Offensive mit der Landung starker Marinetruppen unter dem Schutz einer gro√üen Flugzeugtr√§ger-Flotte auf dem Kwajalein-Atoll, das wegen der strategisch guten Lage im Archipel ausgew√§hlt wurde und schon nach wenigen Tagen unter Vernichtung der gesamten japanischen Besatzungstruppen erobert war. Die japanische Marine griff nicht ein, auch wurde die regionale Luftwaffe nicht weiter verst√§rkt, so dass sie rasch der weit √ľberlegenen US-Tr√§germacht unterlag. Anschlie√üend besetzten die US-Streitkr√§fte zahlreiche weitere Inseln, worauf vor allem das Atoll Majuro zu einer sehr gro√üen Marinebasis ausgebaut wurde. Andere schwer befestigte Inseln wie beispielsweise Mili und Jaluit wurden nur aus der Luft und durch Schiffsbeschie√üungen niedergehalten, so dass dort bis zum Kriegsende japanische Truppen verblieben.

Nach dem Krieg verlangten die USA von der neu geschaffenen UNO, ihnen die Marshallinseln zu √ľbergeben als Teil des Treuhandgebietes der Vereinten Nationen. Zum einen wollten die US-Milit√§rs dort dauerhafte St√ľtzpunkte behalten und zum anderen abgelegene Inseln f√ľr Atombomben-Tests nutzen. Nach der Umsiedlung der einheimischen Bev√∂lkerung wurden von 1946 bis 1958 zahlreiche Atom- und Wasserstoffbombentests auf dem Bikini-Atoll und auf Eniwetok durchgef√ľhrt, die schwere Sch√§den an den Inseln selbst und deren Flora und Fauna anrichteten. Vergeblich versuchen die ehemaligen Bewohner bis heute, auf ihre Heimatinseln zur√ľckzukehren, die immer noch gef√§hrlich hohe Radioaktivit√§t verhindert dies.

Unter der Verwaltung der USA wurde das aktive und passive Frauenwahlrecht am 1. Mai 1979 garantiert und bei der Erlangung der Unabhängigkeit 1986 bestätigt.

1979 wurden die Marshallinseln als Republik formal unabhängig. Sie schlossen ein Assoziierungsabkommen mit den USA ab, das am 21. Oktober 1986 in Kraft trat und jahrzehntelange weitere US-Militärpräsenz garantierte. Die vollständige formale Unabhängigkeit erreichten sie nach internationalem Recht erst 1990, als der Schutzauftrag durch die UNO an die USA offiziell endete (UN-Treuhandrat).

Die Bev√∂lkerung der Marshallinseln √ľbernahm vieles aus der amerikanischen Lebensweise, nicht zuletzt, weil sie sich von Einfuhren aus den USA bis hin zu Lebensmitteln abh√§ngig gemacht hatte. Der Gesundheitszustand der Bev√∂lkerung soll sich verschlechtert haben, insbesondere nahmen sogenannte Zivilisationserkrankungen aufgrund von √úbergewicht stark zu. Hohe Arbeitslosigkeit trug au√üerdem zum Niedergang der urspr√ľnglichen Lebensweise bei, da die Bev√∂lkerung dem Fischfang nicht mehr nachgehen wollte. Hauptarbeitgeber auf den Inseln sind heute eine k√ľnstlich vergr√∂√üerte Verwaltung (vor allem auf dem stark √ľberbev√∂lkerten Atoll Majuro) und der immer noch bestehende US-St√ľtzpunkt auf Kwajalein. Zahlreiche B√ľrger sind jedoch inzwischen als Seeleute bei ausl√§ndischen Reedereien besch√§ftigt und tragen mit ihrem Einkommen zum Lebensunterhalt der Bev√∂lkerung bei. Aus finanzieller Not heraus werden Fischfangrechte an asiatische Staaten verkauft, vor allem an China, so dass mittlerweile auch die ehemals sehr reichen Fischbest√§nde eingebrochen sind.

Die gr√∂√üte Bedrohung f√ľr die Republik ist jedoch der steigende Meeresspiegel. Da die meisten Atolle nur sehr wenige Meter √ľber dem Meeresspiegel liegen und Felseninseln ganz fehlen, besteht die reale Gefahr, dass zuk√ľnftig zahlreiche Atolle unbewohnbar oder gar verschwunden sein werden.

Die Geschichte der Marshallinseln, beginnend mit der deutschen Kolonie, kann auf Briefmarken des Postgebiets, zu dem unter anderem die Marken und Stempel von Nauru gehören, verfolgt werden. Insbesondere die modernen Ausgaben der Marshallinseln bilden Szenen aus der Geschichte des Inselstaates ab.

Politik

Die heutige Republik Marshallinseln besteht seit 1990, die Verfassung stammt aus dem Jahr 1979 (letzte √Ąnderungen 1990). Gesetzgebende Organe sind das Parlament (‚ÄěNitijeŠł∑ńĀ‚Äú) mit 33¬†Abgeordneten, die alle vier Jahre neu gew√§hlt werden, und der ‚ÄěRat der Stammesf√ľhrer‚Äú (‚ÄěCouncil of Iroij‚Äú) mit zw√∂lf Mitgliedern. Das Parlament w√§hlt den Pr√§sidenten, w√§hrend der Council of Iroij sich mit Dingen befasst, die das Land, die Sitten und die Tradition betreffen. Wird dem Kabinett zweimal hintereinander das Misstrauen ausgesprochen, kann der Pr√§sident das Parlament aufl√∂sen und Neuwahlen ausrufen. Staats- und Regierungschef war von Januar 2016 bis Januar 2020 Hilda Heine. Seit Januar 2020 ist es David Kabua. Die Gesetzgebung ist dem Parlament vorbehalten, denn Staaten und Provinzen bestehen nicht. Jede der 24 bewohnten Inseln und Atolle hat jedoch eine eigene Verwaltung.

Seit 1983 besteht ein freier Assoziierungsvertrag mit den USA, die mit der Verteidigungspolitik betraut sind.

Wirtschaft

Allgemeine Situation

Im 21. Jahrhundert wuchs das Bruttoinlandsprodukt um durchschnittlich 1¬†% j√§hrlich. F√ľr dieses eher geringe Wachstum sind im Wesentlichen ein Personalabbau in der √∂ffentlichen Verwaltung, D√ľrreperioden, ein Umsatzeinbruch im Baugewerbe und ein R√ľckgang des Tourismus verantwortlich. Auch die Auslandsinvestitionen waren infolge der Finanzkrise in Asien r√ľckl√§ufig. Schlie√ülich nahmen auch die Einnahmen aus der Erneuerung von Fischereilizenzen ab. In der Ausgabe 2007 des von der Weltbank edierten ‚ÄěDoing Business‚Äú werden die Marshallinseln hinsichtlich der dort vorherrschenden rechtlichen Rahmenbedingungen und der geringen Kosten bei der Einstellung und Entlassung von Arbeitnehmern als ‚ÄěBest Performer‚Äú unter den dargestellten Wirtschaftsgebieten bezeichnet. In Bezug auf Investitionssicherheit und Durchsetzungsm√∂glichkeiten von Vertragsrechten erhielten die Marshallinseln in der gleichen Studie eine √§u√üerst schlechte Bewertung. In der L√§nderrangordnung des Reports aus dem Jahre 2010 (Datenbasis 2008) liegen die Marshallinseln im gewichteten Mittel aller herangezogenen Kriterien auf Platz 98 von 183 gelisteten Staaten.

Am 28. Januar 2016 legte die EU-Kommission ein Maßnahmenpaket zur Bekämpfung von Steuerflucht vor, bei dem unter anderem die Marshallinseln auf der schwarzen Liste der Steueroasen auftauchen.

Im Jahre 2007 traten die Marshallinseln der Internationalen Arbeitsorganisation bei. Damit gelten auch hier arbeitsrechtliche Bedingungen, die einen internationalen Mindeststandard erf√ľllen.

Die Einkommensteuer beträgt je nach Höhe des Einkommens 8 % oder 14 %, die Körperschaftsteuer beläuft sich auf 11,5 %, die Umsatzsteuer auf 6 %. Eine Grundsteuer wird nicht erhoben.

Eine S√§ule der Wirtschaft des Landes ist die Unterst√ľtzung aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Rahmen der Vereinbarungen des freiwilligen Zusammenschlusses Compact of Free Association stellen die USA bis zum Jahre 2013 j√§hrlich 57,7 Millionen US-Dollar Unterst√ľtzungsleistungen und ab 2014 bis 2023 j√§hrlich 62,7 Millionen US-Dollar f√ľr die Marshallinseln bereit. Danach wird aus einem gemeinsam von den USA und der Republik Marshallinseln gebildeten Treuhandfonds unbefristet eine j√§hrliche Zahlung flie√üen.

Die Ronald Reagan Ballistic Missile Defense Test Site, besser bekannt als Kwajalein Missile Range oder Reagan Test Site, ist eine Raketen-Teststation mit Raketenstartanlagen unter anderem auf dem zu den Marshallinseln geh√∂renden Kwajalein-Atoll. Die Vereinigten Staaten entrichten hierf√ľr Zahlungen an die Marshallinseln. Au√üerdem sind zahlreiche einheimische Arbeitskr√§fte auf der Basis besch√§ftigt.

Landeswährung

Die Marshallinseln haben formal eine Dollar-W√§hrung. Im Umlauf sind jedoch nur Banknoten, keine eigenen Kursm√ľnzen. M√ľnzen mit der Marshall-Dollar-W√§hrung existieren ausschlie√ülich f√ľr den Sammlermarkt in Form von Gedenkm√ľnzen.

Seewirtschaft

Das kleine Land unterh√§lt formal die drittgr√∂√üte Handelsmarine der Welt. Schiffe mit einer Gesamtzahl von 90,3 Millionen Bruttoregistertonnen waren 2019 auf den Marshallinseln registriert. Die Marshallinseln sind eines der beliebtesten L√§nder f√ľr die Ausflaggung europ√§ischer Reeder in ein sogenanntes Offshore-Register. Neben erheblichen steuerlichen Vorteilen und lockeren arbeitsrechtlichen Regelungen profitieren die Betreiber von Kreuzfahrtschiffen auch von freien Regelungen f√ľr das Gl√ľcksspiel in den Schiffscasinos.

Weitere Wirtschaftszweige

Die landwirtschaftliche Produktion konzentriert sich auf kleine Betriebe, in denen haupts√§chlich Kokosn√ľsse, Tomaten, Melonen und Brotfr√ľchte angebaut werden.

Industriebetriebe sind auf den Marshallinseln nicht vertreten. Verschiedene Handwerksbetriebe, Fischverarbeitungsbetriebe und die Kopragewinnung sind aber in dem Inselstaat weit verbreitet. Im Jahre 1999 entstand zwar ein Unternehmen zur Filetierung von Thunfisch, in dem mehr als 400 Mitarbeiter, meist Frauen, besch√§ftigt wurden. Die Anlage wurde allerdings bereits im Jahre 2005 wieder geschlossen, nachdem vergeblich versucht worden war, die Produktion auf Thunfisch-Steaks umzustellen ‚Äď ein Produktionsvorgang, bei dem kaum die H√§lfte des besch√§ftigten Personals noch ben√∂tigt wurde. Dadurch √ľberschritten die Kosten bei weitem die Erl√∂se. Auch die Bem√ľhungen der Eigner des Unternehmens um eine staatliche Beteiligung scheiterten.

Im Tourismus, eine der wenigen Deviseneinnahmequellen, sind weniger als 10¬†% der Arbeitnehmer besch√§ftigt. Die Inseln verf√ľgen nur √ľber geringe Ressourcen, aus denen Exporte generiert werden k√∂nnen, sodass ein betr√§chtlicher Nettoimport verbleibt.

Die nationale Fluggesellschaft ist die Air Marshall Islands.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt machte im Jahre 2006 rund ein Drittel des Inlandproduktes aus (ca. 40 Millionen US-Dollar Ausgaben). Im gleichen Jahr betrug die das Land erreichende Internationale Hilfe etwa 69 Millionen US-Dollar.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 14,4¬†%
  • Bildung: 11,8¬†% (2004)
  • Milit√§r: 0,0¬†% (Die Marshallinseln haben kein Milit√§r, Verteidigung ist Aufgabe der USA.)

Umwelt

Atombombentests

Die Marshallinseln wurden weltweit bekannt durch zahlreiche Atombombentests der USA, die von 1946 bis 1958 auf dem Bikini-Atoll und auf Eniwetok durchgef√ľhrt wurden. 1966 wurden zwar die Inseln von den Amerikanern wieder als bewohnbar freigegeben, mussten jedoch Mitte der 1970er-Jahre erneut evakuiert werden, da die Strahlenbelastung zu stark war. Nach heutigen Erkenntnissen wird das Gebiet fr√ľhestens 2020 bis 2040 wieder bewohnbar sein. 2014 reichten die Marshallinseln gegen die Atomm√§chte USA, Russland, Gro√übritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel, Nordkorea vor dem Internationalen Gerichtshof Klage ein. Gro√übritannien, Indien und Pakistan akzeptierten die Zust√§ndigkeit des Internationalen Gerichtshofes. 2015 wurde das Volk des Inselstaates f√ľr sein Engagement in der Anti-Atombewegung mit dem Ehrenpreis des Right Livelihood Award bedacht.

Der Journalist Giff Johnson setzte sich in seinen B√ľchern mit den Folgen der Tests auseinander. In Don't ever whisper: Darlene Keju, Pacific health pioneer, champion for nuclear survivors (2013) setzt er seiner Frau, der Gesundheitsaktivistin Darlene Keju ein literarisches Denkmal. Sie hatte die gesundheitlichen Folgen der Experimente weltweit publik gemacht und vor allem auf die zahlreichen Totgeburten und Missbildungen bei Neugeborenen hingewiesen.

Klimawandel

Die Marshallinseln gehören neben anderen Inselstaaten wie Fidschi, Tuvalu, Kiribati und den Malediven zu den Regionen der Welt, die mit der Zunahme von Extremwetterereignissen und dem weltweiten Anstieg der Meeresspiegel zum Teil bereits mehr oder weniger stark vom globalen Klimawandel betroffen sind. Deswegen ist das Land Mitglied im Climate Vulnerable Forum. Ein Hauptproblem ist die aufgrund mangelhafter Infrastruktur, durch Salzwasserintrusion und versalzende Brunnen zusätzlich kriselnde Trinkwasserversorgung.

Anfang 2013 appellierten die Marshallinseln an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, den Klimawandel als Gefahr f√ľr die internationale Sicherheit anzuerkennen. Im Mai 2013 ver√∂ffentlichte der Au√üenminister der Marshallinseln, Phillip Muller, einen Appell in der Washington Post, in dem er die aktuelle Notlage beschrieb. 2012 habe eine anhaltende und jahreszeitunabh√§ngige D√ľrreperiode begonnen, die Folge seien Wasserknappheit und Infektionserkrankungen. Seit Januar 2013 m√ľsse Trinkwasser importiert werden, was auf Dauer jedoch die finanziellen Ressourcen √ľbersteige. Bereits jetzt mache sich der Meeresspiegelanstieg bemerkbar. Daher w√ľrden die Marshallinseln ihren Umstieg auf erneuerbare Energien, wie zum Beispiel Solarenergie, beschleunigen sowie vielversprechende Techniken zur Gewinnung von Meeresenergie erproben. Da der Hauptanteil der weltweiten CO2-Emissionen jedoch von anderen L√§ndern ausgehe, appellierte er an diese, mehr zum Klimaschutz beizutragen als bisher.

Literatur

  • Ferdinand Karl, Hermann M√ľckler: Oasen der S√ľdsee. Die gr√∂√üten ‚ÄěKleinststaaten‚Äú der Welt. Ostmikronesien: Marshall-Inseln, Gilbert-Inseln, Nauru. Weishaupt, Gnas 2002, ISBN 3-7059-0121-4.¬†
  • Steffen Ra√üloff: Wilhelm Knappe (1855‚Äď1910). Staatsmann und V√∂lkerkundler im Blickpunkt deutscher Weltpolitik. Glaux, Jena 2005, ISBN 3-931743-86-1.¬†
  • Fritz Kramer: Bikini. Atomares Testgebiet im Pazifik. Wagenbach, Berlin 2000, ISBN 3-8031-2380-1.
  • Martin M√ľhlbauer: Marshall Inseln. In: W. Kreisel (Hrsg.): Mythos S√ľdsee. L√§nderprofile Ozeaniens zu Wirtschaft und Gesellschaft. Merus, Hamburg 2006, ISBN 3-939519-29-4, S.¬†74‚Äď81.¬†
  • Carmen C.H. Petrosian-Husa: Traditional Plaiting Techniques in the Marshall Islands, (Traditionelle Flechttechniken auf den Marshall Inseln). In: Historic Preservation Office Majuro, Marshall Islands (Hrsg.): Alele Report. Majuro, Marshall Islands 2005 (Download).¬†
  • Peter Rudiak-Gould: Climate Change and Accusation: Global Warming and Local Blame in a Small Island State. In: Current Anthropology 55,4 (2014) 365‚Äď386.
  • Peter Rudiak-Gould: Climate Change and Tradition in a Small Island State: The Rising Tide. Routledge/Taylor & Francis, New York & London 2013, ISBN 978-0-415-83249-6. (Inhaltsverzeichnis)
  • Hermann M√ľckler: Die Marshall-Inseln und Nauru in deutscher Kolonialzeit. S√ľdsee-Insulaner, H√§ndler und Kolonialbeamte in alten Fotografien. Frank & Timme, Berlin 2016, ISBN 978-3-7329-0285-9.¬†

Weblinks

  • CIA World Factbook: Marshallinseln (englisch)
  • marshallinseln.net deutschsprachige Informationsseite von Martin M√ľhlbauer
  • L√§nderinformationen des Ausw√§rtigen Amtes zu den Marshallinseln
  • Foreign Ships in Micronesia: Marshalls, Entdeckung von und Landungen auf den Marshalls von 1526 bis 1885, englisch
  • Dossiers zum Thema Marshallinseln in der Pressemappe 20.¬†Jahrhundert der ZBW ‚Äď Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft.

Einzelnachweise


 

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Flagge: Marshall Islands

Name englisch: Marshall Islands
Hauptstadt: Uliga
Kfz: MH
ISO: MH
ISO3: MHL
Fläche: 181 km²
Tld: .mh
Wärung Einheit: USD
Währung: Dollar
Vorwahl: 692

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 14.673255
südlichster Punkt: 4.5729556
westlichster Punkt: 160.7979585
östlichster Punkt: 172.1701812


 
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