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Staat Informationen : Marshallinseln

Informationen:


Die Republik Marshallinseln (marshallesisch AolepńĀn AorŇćkin ŠĻāajeŠł∑) ist ein Inselstaat im mittleren Ozeanien. Er umfasst die gleichnamige Inselgruppe, die zu Mikronesien geh√∂rt. Mit 53.000¬†Einwohnern auf einer Fl√§che von nur 181¬†Quadratkilometern geh√∂ren die Marshallinseln zu den kleinsten Staaten der Erde. Die Republik mit Majuro als Hauptstadt ist mit den Vereinigten Staaten durch ein Assoziierungsabkommen verbunden. Amtssprachen sind die marshallesische Sprache und die englische Sprache. Bis zur Unabh√§ngigkeit am 21.¬†Oktober 1986 waren die Inseln ein von den USA kontrolliertes UN-Treuhandgebiet. Die √ľber 1000 Inseln ragen im Durchschnitt nur zwei¬†Meter √ľber den Meeresspiegel hinaus, weshalb sie sehr anf√§llig f√ľr den durch den Klimawandel bedingten Meeresanstieg sind. Zum Inselstaat geh√∂ren auch das Eniwetok-Atoll und das Bikini-Atoll, die f√ľr Kernwaffentests genutzt wurden.

Landesname

Der urspr√ľngliche Name der Marshallinseln lautet "jolet jen Anij", Geschenke von Gott. Ihren europ√§ischen Namen tragen sie nach Kapit√§n John Marshall, der sie 1788 als erster Engl√§nder besuchte. Die Benennung erfolgte einige Jahre sp√§ter durch den russischen Offizier Adam Johann von Krusenstern.

Territorium

Die Marshallinseln liegen bei 7¬į7‚Ä≤N 171¬į4‚Ä≤O im westlichen Pazifik, dort im Inselgebiet Mikronesien, etwa auf halbem Weg zwischen Hawaii und Australien, n√∂rdlich von Nauru und Kiribati, √∂stlich der F√∂derierten Staaten von Mikronesien, und s√ľdlich des umstrittenen Au√üengebiets der USA, der Wake-Insel, auf die die Marshall-Inseln Anspruch erheben.

Die Marshallinseln bestehen aus zwei fast parallel verlaufenden Inselketten bzw. Atollketten: der Ratak-Kette (Sonnenaufgangsinseln) mit 14 Atollen und zwei Inseln im Osten sowie der Ralik-Kette (Sonnenuntergangsinseln) mit 15 Atollen und drei Inseln im Westen.

Zusammen sind dies 29 Atolle, rund 1225¬†gr√∂√üere und kleinere Inseln sowie 870 Riffe mit einer Landfl√§che von insgesamt 181,43¬†km¬≤ und einer K√ľstenlinie von insgesamt 370,4 km. Die Ausschlie√üliche Wirtschaftszone des Landes umfasst eine Seefl√§che von 1.990.530 km¬≤, womit sie im weltweiten Gr√∂√üenranking auf Platz 19 steht.

In der Ralik-Kette liegt das gr√∂√üte Atoll: Kwajalein mit einer Landfl√§che von 16,39¬†km¬≤, die eine Lagune von 2174¬†km¬≤ Gr√∂√üe umschlie√üt. Damit ist es das weltgr√∂√üte Korallenatoll mit der gr√∂√üten umschlossenen Lagune. Das Atoll umfasst insgesamt 97 Inseln. Darunter ist die gleichnamige Insel Kwajalein die s√ľdlichste und mit einer Fl√§che von 3,1¬†km¬≤ die gr√∂√üte. Neben ihr liegt die mit 0,36 km¬≤ zweitgr√∂√üte Insel Ebeye.

Die Eckpunkte der Marshall-Inseln sind:

  • N√∂rdlichster Punkt: Bokak-Atoll (Taongi), Ratak-Kette
  • √Ėstlichster Punkt: Knox-Atoll, Ratak-Kette
  • S√ľdlichster Punkt: Ebon-Atoll, Ralik-Kette
  • Westlichster Punkt: Ujelang-Atoll, Ralik-Kette

Physische Geographie

Geologie und Geomorphologie

Die Entstehung der Marshallinseln folgte dem √ľblichen Muster der westpazifischen Kleininseln: Ausbruch untermeerischer Vulkane (hier vor 70‚Äď80 Millionen Jahre im Mesozoikum), Wachstum von Unterwasser-Bergen, Abklingen der vulkanischen Aktivit√§t und Wachstum von Korallen in den flachen K√ľstenwassern der inaktiven Vulkane, w√§hrend diese vulkanischen Kerne erodieren, der Meeresspiegel anstieg und damit auch die Korallen, die allm√§hlich Riffe ausbildeten.

Aufgrund der langfristigen Entwicklung der Koralle besteht die Oberfläche der Atolle im Wesentlichen aus von Korallen stammendem kalkigen Sand oder Kieseln, häufig in tieferen Schichten zu Kalkgestein verfestigt, gelegentlich ragt ein Kalkfels hervor.

Die 29 Atolle bestehen aus durch Korallen geschaffenen Inselringen bzw. durchgehenden Landg√ľrteln um eine Lagune herum (die dort entstand, wo die Vulkanspitze erodierte), manchmal durchbrochen durch gr√∂√üere L√ľcken, die die Atolle mit dem Ozean verbinden. Es gibt 5 Inseln (ohne Binnenlagune).

Die Landfl√§che ragt im Mittel 2,1 m und selten √ľber 3 m √ľber den Meeresspiegel hinaus. Die h√∂chsten Erhebungen liegen auf dem Likiep-Atoll auf 10 m und auf der Insel Airik im Maloelap-Atoll auf 14 m √ľber dem Meeresspiegel.

Die B√∂den der Marshallinseln geh√∂ren zu den n√§hrstoff√§rmsten der Welt. Zu ihnen geh√∂ren Sand, Kies, lehmiger Sand, saurer Torfboden, Sumpf oder hydromorphe organische B√∂den, ‚Äětaro mucks‚Äú und k√ľnstliche B√∂den.

Die hydrogeoraphische Analyse zeigt, dass die Marshallinseln keine bedeutenden Oberfl√§chen-Wasserquellen haben, da die durchl√§ssigen kalkigen B√∂den den Niederschlag schnell versickern lassen. In manchen Inseln gibt es kleine linsenf√∂rmige Grundwasserreservoirs, die v√∂llig vom Regenfall abh√§ngig sind, oberhalb von dichteren Salzwasserschichten liegen und unterirdisch ins Meer entw√§ssern. Sie k√∂nnen f√ľr menschliche Nutzung angebohrt werden.

Klima

Das Klima ist feucht und warm bis hei√ü mit einer Regenzeit von Mai bis November, wobei die best√§ndigen Winde Erleichterung verschaffen. Viele pazifische Taifune beginnen als Tropenst√ľrme im Gebiet der Marshallinseln und werden auf dem Weg nach Westen in Richtung Marianen und Philippinen st√§rker.

Der Niederschlag ist r√§umlich sehr ungleich verteilt: die s√ľdlichen Atolle erhalten j√§hrlich 2500 mm, die n√∂rdlichen nur bis zu 1250 mm.

Der Niederschlag ist trotz des Vorhandenseins von Regenzeiten und Trockenzeiten aufgrund der Innertropischen Konvergenzzone √ľber das ganze Jahr gew√§hrleistet, wobei Monsune verst√§rkten Niederschlag mit sich bringen. Jedoch schwankt der Niederschlag aufgrund der El Ni√Īo-Oszillation von Jahr zu Jahr. Bei diesem nat√ľrlichen Wetterph√§nomen des pazifischen Ozeans wechseln sich zwei extreme Phasen ab: El Ni√Īo und La Ni√Īa, dazwischen eine neutrale Phase. El Ni√Īo bringt w√§rmere Regenzeiten und w√§rmere, trockenere Trockenzeiten mit sich.

Extreme Wetterereignisse der Marshallinseln sind v.¬†a. Taifune, D√ľrren und Sturmwellen. In El Ni√Īo-Jahren ist die Wasseroberfl√§che w√§rmer und sind deshalb Taifune st√§rker. D√ľrren treten normalerweise 4‚Äď6 Monate nach einem El Ni√Īo-Jahr auf, Trockenzeiten k√∂nnen dann fr√ľher beginnen und sp√§ter enden; der j√§hrliche Niederschlag kann dabei um bis zu 80¬†% reduziert werden.

Klimawandel

Die Marshallinseln gehören neben anderen Inselstaaten wie Fidschi, Tuvalu, Kiribati und den Malediven zu den Regionen der Welt, die mit der Zunahme von Extremwetterereignissen und dem weltweiten Anstieg der Meeresspiegel zum Teil bereits mehr oder weniger stark vom globalen Klimawandel betroffen sind. Ein Hauptproblem ist die aufgrund mangelhafter Infrastruktur, durch Salzwasserintrusion und versalzende Brunnen zusätzlich kriselnde Trinkwasserversorgung.

Als Folge des Klimawandels wurden im Zeitraum 1950‚Äď2010 eine Erh√∂hung der Temperatur, eine Abnahme der j√§hrlichen Niederschl√§ge, ein Ansteigen des Meeresspiegels und eine Versauerung des Meereswassers beobachtet. Seit 1993 stieg der Meeresspiegel um j√§hrlich 7 mm, das Doppelte des globalen Durchschnitts. Die langfristigen Prognosen globaler Klimamodelle (f√ľr den Zeitraum bis zum Ende des 21. Jahrhunderts) sagen (wenn auch nicht einheitlich) f√ľr die Marshallinseln eine allgemeine Temperatursteigerung und eine Zunahme besonders hei√üer Tage voraus, ebenso eine tendenzielle Abnahme der D√ľrrezeiten, eine Zunahme besonders regenintensiver Tage und eine Abnahme der H√§ufigkeit von Taifunen.

Flora

Über 700 Pflanzenarten wurden auf den Marshallinseln beschrieben, etwa die Hälfte davon sind einheimisch. Von diesen einheimischen Pflanzen wachsen etwa 80 auf dem Land, der Rest sind Algen und Seegräser. Die meisten der einheimischen Pflanzen kommen im gesamten tropischen Pazifikraum vor. Über die Hälfte der einheimischen Pflanzen tragen marshallesische Namen, nur ein kleiner Prozentsatz hat einen englischen Namen.

Es werden folgende Zonen der Vegetation (Pflanzengesellschaften) der Marshallinseln unterschieden:

  • WŇęjooj-in-lojet: Aquatische Salzwasser-Vegetation, Seegras-Gesellschaften
  • Mar-in-ioon-kappe: K√ľstenvegetation auf sandigen und felsigen K√ľsten
  • Pat: Mangroven- oder Feuchtgebiets-Vegetation entlang der K√ľstenlinien oder in Inland-Niederungen mit salzigem oder brackigem Wasser
  • BuńľŇćn-mar: Wald im Atoll oder Inselinneren, Gruppen einheimischer B√§ume, B√ľsche und Kr√§uter in wilden oder aufgegebenen Gebieten
  • Kein-ikkan: Kulturpflanzen-Vegetation, einschl. Agroforst mit Kulturb√§umen und anderen vergesellschafteten Kulturpflanzen; sowie nat√ľrlichen oder ausgehobenen Niederungen, in denen bestimmte Wurzelgem√ľse und damit vergesellschaftete Gr√§ser wachsen

Fauna

Über 5000 Tierarten aus 19 verschiedenen Stämmen wurden auf den Marshallinseln beschrieben:

Ein bedeutsamer Stamm sind die Arthropoden (Gliederf√ľ√üer) mit 600 Spezies, davon sind die meisten Landtiere. In den terrestrischen √Ėkosystemen spielen Insekten, Landkrabben, Spinnen, Tausendf√ľ√üer und Skorpione eine wichtige Rolle. Im Meer kommt mit den Meerwasserl√§ufern die weltweit einzige ausschlie√ülich maritime Insekten-Familie vor.

Die 19 Eidechsenarten sind fast alle einheimisch, mit Ausnahme des inzwischen verbreitenden Pazifikwarans ("tokake", Varanus indicus), der auch schon im Meer beobachtet wurde.

Alle 9 Land-Säugetierarten wurden importiert. Verbreitet ist die Pazifische Ratte (Rattus exulans).

Vögel sind mit 106 Spezies die zweitgrößte Gruppe von Landtieren, davon sind 19 einheimisch, 6 importiert und 78 wandernde Vögel, die hier nur kurz Rast machen.

Das Meeresleben zeigt eine große Vielfalt.

K√ľstennah finden sich √ľber 800 Fischarten. In den tiefer gelegenen Gebieten d√ľrften mindestens 120 Fischarten leben, dieses Gebiet ist jedoch schwer zu erforschen. Im offenen Ozean sind bislang 67 Fischarten beschrieben worden.

In den Korallenriffen leben √ľber 250 Korallenspezies und etwa 100 Spezies des Stamms der Nesseltiere.

Der gr√∂√üte Stamm der Marshallinseln sind die Mollusken mit √ľber 1650 Spezies aus allen 5 gro√üen Klassen.

Weitere Tierst√§mme sind die Igelw√ľrmer (Echiura) and B√§rtierchen (Tardigrada). Der Unterstamm Kiemenlochtiere hat weltweit nur 85 Spezies, davon leben mindestens zwei in den Marshallinseln, und eines davon, "jaibo" (Pfeilwurm) ist in vielen Atollen ein beliebtes Nahrungsmittel.

Zu den beschriebenen Meeressäugetieren gehören Buckelwal, Japanischer Schnabelwal, Blainville-Schnabelwal, Blauwal, Seiwal, Finnwal, Pottwal, Ostpazifischer Delfin, Borneodelfin, Langschnäuziger Gemeiner Delfin und Zwerggrindwal.

Umweltbelastung

Atombombentests

Die Marshallinseln wurden weltweit bekannt durch zahlreiche Atombombentests der USA, die von 1946 bis 1958 auf dem Bikini-Atoll und auf Eniwetok durchgef√ľhrt wurden. 1966 wurden zwar die Inseln von den Amerikanern wieder als bewohnbar freigegeben, mussten jedoch Mitte der 1970er-Jahre erneut evakuiert werden, da die Strahlenbelastung zu stark war. Nach heutigen Erkenntnissen wird das Gebiet fr√ľhestens 2020 bis 2040 wieder bewohnbar sein.

Bevölkerung

Demografie

Die Fertilitätsrate pro Frau betrug 2017 3,03 Kinder. Auf 1000 Einwohner kamen im selben Jahr 24,4 Geburten und 4,2 Todesfälle. Die Lebenserwartung bei der Geburt betrug im Jahr 2017 im Durchschnitt 73,4 Jahre (Frauen: 75,7 Jahre, Männer: 71,2 Jahre). Das Median-Alter betrug 22,9 Jahre. Das Bevölkerungswachstum lag 2017 bei 1,55 Prozent pro Jahr.

Quelle: UN

Ethnien

Ungefähr 92,1 % der Bevölkerung sind Marshaller, 5,9 % Marshaller mit gemischten Wurzeln und 2 % sind sonstige.

Sprachen

Die Amtssprachen der Marshallinseln sind Marshallesisch, mit den beiden Dialekten Ralik und Ratak, und Englisch.

Religionen

90 Prozent der Bevölkerung gehören der Unabhängigen Protestantischen Kirche der Marshallinseln an, weitere 8,5 Prozent sind römisch-katholisch.

Gesundheit

Das Land hatte eine der höchsten Raten an Fettleibigkeit in der Bevölkerung. 2016 waren 52,9 % der Bevölkerung adipös.

Bildung

98,2 % der Bevölkerung können lesen und schreiben (Stand: 2015).

Geschichte

Urgeschichte

Seit etwa 2000 v.¬†Chr. wurden der S√ľdpazifik von mehreren Einwanderungswellen aus S√ľdostasien besiedelt; die Marshallinseln wurden im Lauf des 2. Jahrtausends von Mikronesien aus erreicht. Auf einfachsten Booten, aber mit ausgefeilten Navigationskenntnissen erschlossen diese neue Siedlungsgebiete. Typisch sind die Stabkarten, mit denen die Navigatoren sich zurechtfanden. Sie nannten diese Inseln "jolet jen Anij", Geschenke Gottes.

Spanische Kontakte

Als erster Europ√§er fuhr der spanische Entdecker Alonso de Salazar 1526 die Inseln an, 1529 erreichte sie der spanische Seefahrer √Ālvaro de Saavedra, 1530 der spanische Entdecker Miguel L√≥pez de Legazpi. Danach folgten viele weitere Besuche, zwecks Handel und Vorratsauffrischung. Da die Inselbewohner keine Immunit√§t gegen europ√§ische Krankheiten hatten, starben viele als Folge der Kontakte mit den Spaniern. Die Spanier machten jedoch keine Anspr√ľche auf die Inseln geltend, so dass sie f√ľr weitere zwei Jahrhunderte von den Europ√§ern unbeachtet blieben.

Weitere europäische Kontakte

1788 besuchte der englische Kapitän John Marshall die Inseln.

1804 erkundete der deutsch-baltische russische Offizier Adam Johann von Krusenstern den Pazifik und benannte die Inseln nach Marshall; etwa 1820 zeichnete er Karten dieser Region.

1816 und 1817 erkundete der auf Empfehlung Krusensterns mit der Rurik-Expedition ausgesandte deutsch-baltische Otto von Kotzebue als Offizier der russischen Marine unter anderem den Pazifik, besuchte dabei mehrfach die Marshallinseln und kartographierte viele Inseln.

1822‚Äď1824 erkundete der franz√∂sische Entdecker Louis Isidore Duperrey die Region und √ľbernahm Krusensterns Benennung in seinen Karten.

1824 meuterte die Mannschaft des US-amerikanischen Walfangschiffs Globe und die Mannschaft landete auf der von Europäern so genannten Mulgrave Island. Ein Jahr später erreichte der US-amerikanische Schoner Dolphin die Insel und nahm zwei Jungen auf, die letzten Überlebenden eines Massakers durch die Einheimischen, verursacht durch die brutale Behandlung ihrer Frauen.

Deutsches "Schutzgebiet"

In den 1850er Jahren entstanden durch Missionare erste Schulen auf den Inseln.

1859 fand der erste dokumentierte deutsche Besuch der Marshallinseln statt; Adolph Capelle erreichte von Samoa aus Ebon.

1864 erreichte der portugiesische Walfänger Jose deBrum die Marshallinseln und richtete gemeinsam mit Capelle einen Handelsposten ein; beide heirateten einheimische Frauen.

In der Folge erreichten mehrere deutsche Kaufleute die Marshallinseln. Dies war v. a. Joh. Ces. Godeffroy & Sohn (Hamburg) ab 1873, die bereits in vielen Regionen des Pazifiks tätig waren und nun auf Ebon Kokosplantagen zur Gewinnung von Kopra anlegten. Joh. Ces. Godeffroy & Sohn expandierte später mit Handelsposten auf Jaluit, Maloelap, Mili, und Namorik. Auch das deutsche Unternehmen Hernsheim & Co. handelte mit Jaluit. Später stieg auch das Unternehmen Capelle-deBrum auf Likiep in die sehr profitable Copra-Produktion ein. Diesen folgten später weitere Unternehmen.

Nachdem am 15. Oktober 1885 als Zeichen der Inbesitznahme die deutsche Flagge auf der Insel Jaluit gehisst worden war, √ľbernahm 1886 der erste Kaiserliche Kommissar Wilhelm Knappe die Hoheitsrechte f√ľr das Deutsche Kaiserreich. Von 1894 bis 1897 war Georg Irmer Landeshauptmann der Marshallinseln. 1906 wurden die Inseln offiziell Teil der Kolonie Deutsch-Neuguinea.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden alle deutschen Geb√§ude auf den Marshallinseln zerst√∂rt. Das einzige heute noch stehende Geb√§ude aus dieser Epoche ist das Haus deBrum auf Likiep, erbaut von Joachim deBrum 1904‚Äď05.

Japanische Kolonie

Die Kaiserlich Japanische Marine besetzte im Ersten Weltkrieg nach der Kriegserkl√§rung Japans an das Deutsche Reich am 23.¬†August 1914 die unverteidigte Inselgruppe im September/Oktober 1914 und begann umgehend, Milit√§rbasen zu errichten und die Bewirtschaftung der Inseln zu √ľbernehmen. Nach dem Krieg wurde Japan im Rahmen des japanischen S√ľdseemandats vom V√∂lkerbund offiziell mit der Verwaltung der Inseln betraut. Dies nahm Japan zum Anlass, die Marshallinseln¬†‚Äď wie alle ihre S√ľdsee-Mandatsinseln¬†‚Äď fast komplett von der Welt abzuschotten, um ungest√∂rt japanische Einwanderer anzusiedeln, die einheimische Bev√∂lkerung weiter zu entrechten und auszubeuten und die Milit√§rpr√§senz auszuweiten. In den 1930er-Jahren wurden auch erste Flugpl√§tze f√ľr die neue Luftwaffe der kaiserlichen Marine angelegt.

Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges waren die Marshallinseln wichtige St√ľtzpunkte Japans, zumal sie die √∂stlichsten Besitzungen im Pazifik waren. Von dort aus wurden U-Boote und auch Flugboote in Richtung des wichtigsten US-amerikanischen Hauptst√ľtzpunktes Hawaii eingesetzt, ebenfalls in der Seeluftschlacht bei den Midwayinseln. Nach der dortigen japanischen Niederlage verlegte die kaiserlich japanische Marine 1942 und 1943 immer wieder gr√∂√üere Kriegsschiffverb√§nde in die Lagunen der Marshalls und verst√§rkte deren Verteidigung durch zahlreiche Soldaten, Bauarbeiter und auch durch die Marineluftwaffe, da nun eine amerikanische Offensive gegen die Inselgruppe zu erwarten war. Besonders stark verteidigt waren die Atolle Mili, Jaluit, Arno, Wotje und Kwajalein. Andere wie Majuro, Eniwetok, Bikini waren kaum bis gar nicht besetzt.

Nach ersten Luftangriffen von Flugzeugtr√§gern aus schon im M√§rz 1942¬†‚Äď noch mit geringer Wirkung¬†‚Äď begann dann am 31.¬†Januar 1944 die US-Offensive mit der Landung starker Marinetruppen unter dem Schutz einer gro√üen Flugzeugtr√§ger-Flotte auf dem Kwajalein-Atoll, das wegen der strategisch guten Lage im Archipel ausgew√§hlt wurde und schon nach wenigen Tagen unter Vernichtung der gesamten japanischen Besatzungstruppen erobert war.

Die japanische Marine griff nicht ein, auch wurde die regionale Luftwaffe nicht weiter verst√§rkt, so dass sie rasch der weit √ľberlegenen US-Tr√§germacht unterlag. Anschlie√üend besetzten die US-Streitkr√§fte zahlreiche weitere Inseln, worauf vor allem das Atoll Majuro zu einer sehr gro√üen Marinebasis ausgebaut wurde. Andere schwer befestigte Inseln wie beispielsweise Mili und Jaluit wurden nur aus der Luft und durch Schiffsbeschie√üungen niedergehalten, so dass dort bis zum Kriegsende japanische Truppen verblieben.

US-Mandat

Nach dem Krieg verlangten die USA von der neu geschaffenen UNO, ihnen die Marshallinseln zu √ľbergeben als Teil des Treuhandgebietes der Vereinten Nationen. Zum einen wollten die US-Milit√§rs dort dauerhafte St√ľtzpunkte behalten und zum anderen abgelegene Inseln f√ľr Atombomben-Tests nutzen. Nach der Umsiedlung der einheimischen Bev√∂lkerung wurden von 1946 bis 1958 zahlreiche Atom- und Wasserstoffbombentests auf dem Bikini-Atoll und auf Eniwetok durchgef√ľhrt, die schwere Sch√§den an den Inseln selbst und deren Flora und Fauna anrichteten. Vergeblich versuchen die ehemaligen Bewohner bis heute, auf ihre Heimatinseln zur√ľckzukehren, die immer noch gef√§hrlich hohe Radioaktivit√§t verhindert dies.

Unter der Verwaltung der USA wurde das aktive und passive Frauenwahlrecht am 1. Mai 1979 garantiert und bei der Erlangung der Unabhängigkeit 1986 bestätigt.

Unabhängigkeit

1979 wurden die Marshallinseln als Republik formal unabhängig. Sie schlossen ein Assoziierungsabkommen mit den USA ab, das am 21. Oktober 1986 in Kraft trat und jahrzehntelange weitere US-Militärpräsenz garantierte. Die vollständige formale Unabhängigkeit erreichten sie nach internationalem Recht erst 1990, als der Schutzauftrag durch die UNO an die USA offiziell endete (UN-Treuhandrat).

Die Bev√∂lkerung der Marshallinseln √ľbernahm vieles aus der amerikanischen Lebensweise, nicht zuletzt, weil sie sich von Einfuhren aus den USA bis hin zu Lebensmitteln abh√§ngig gemacht hatte. Der Gesundheitszustand der Bev√∂lkerung soll sich verschlechtert haben, insbesondere nahmen sogenannte Zivilisationserkrankungen aufgrund von √úbergewicht stark zu. Hohe Arbeitslosigkeit trug au√üerdem zum Niedergang der urspr√ľnglichen Lebensweise bei, da die Bev√∂lkerung dem Fischfang nicht mehr nachgehen wollte. Hauptarbeitgeber auf den Inseln sind heute eine k√ľnstlich vergr√∂√üerte Verwaltung (vor allem auf dem stark √ľberbev√∂lkerten Atoll Majuro) und der immer noch bestehende US-St√ľtzpunkt auf Kwajalein. Zahlreiche B√ľrger sind jedoch inzwischen als Seeleute bei ausl√§ndischen Reedereien besch√§ftigt und tragen mit ihrem Einkommen zum Lebensunterhalt der Bev√∂lkerung bei. Aus finanzieller Not heraus werden Fischfangrechte an asiatische Staaten verkauft, vor allem an China, sodass mittlerweile auch die ehemals sehr reichen Fischbest√§nde eingebrochen sind.

Die gr√∂√üte Bedrohung f√ľr die Republik ist jedoch der steigende Meeresspiegel. Da die meisten Atolle nur sehr wenige Meter √ľber dem Meeresspiegel liegen und Felseninseln ganz fehlen, besteht die reale Gefahr, dass zuk√ľnftig zahlreiche Atolle unbewohnbar oder gar verschwunden sein werden.

Die Geschichte der Marshallinseln, beginnend mit der deutschen Kolonie, kann auf Briefmarken des Postgebiets, zu dem unter anderem die Marken und Stempel von Nauru gehören, verfolgt werden. Insbesondere die modernen Ausgaben der Marshallinseln bilden Szenen aus der Geschichte des Inselstaates ab.

Politik

Die heutige Republik Marshallinseln besteht seit 1990, die Verfassung stammt aus dem Jahr 1979 (letzte √Ąnderungen 1990).

Legislative

Es besteht ein Parlament (‚ÄěNitijeŠł∑ńĀ‚Äú) mit 33¬†Abgeordneten, die alle vier Jahre gew√§hlt werden. Die Gesetzgebung ist vollst√§ndig dem Parlament vorbehalten, denn Staaten und Provinzen bestehen nicht. Das Parlament w√§hlt und kontrolliert den Pr√§sidenten. Wird dem Kabinett zweimal hintereinander das Misstrauen ausgesprochen, kann der Pr√§sident das Parlament aufl√∂sen und Neuwahlen ausrufen.

Daneben gibt es einen ‚ÄěRat der Stammesf√ľhrer‚Äú (‚ÄěCouncil of Iroij‚Äú) mit zw√∂lf Mitgliedern. Er ber√§t den Pr√§sidenten und das Kabinett und pr√ľft Gesetzesvorlagen auf ihre Vertr√§glichkeit mit traditionellem Gewohnheitsrecht, insbesondere das der Landnutzung.

Diese beiden Institutionen werden auch als "Unterhaus" und "Oberhaus" eines Zweikammern-Parlaments bezeichnet.

Judikative und Rechtssystem

Das Justizsystem der Marshallinseln hat folgende Stufen:

  • Das H√∂chste Gericht (Supreme Court) ist das h√∂chste Berufungsgericht und f√§llt endg√ľltige Entscheidungen in allen ihm vorgelegten Sachen. Es besteht auf einem vorsitzenden und zwei beisitzenden Richtern.
  • Das Hohe Gericht (High Court) hat eigene Zust√§ndigkeiten und ist Berufungsgericht f√ľr alle untergeordneten Gerichte. Es besteht aus einem vorsitzenden und einem beisitzenden Richter.
  • Das Traditionsrechte-Gericht ist ein Spezialgericht, das mit drei oder mehr Richtern besetzt ist, die eine faire Vertretung aller (Landrechts-)Klassen der Gesellschaft gew√§hrleisten sollen: Iroijlaplap (Hoher Hauptling/high chief); wo m√∂glich Iroijedrik (Unterh√§uptling/ lower chief); Alap (Aufseher der B√ľrger/Arbeiter; head of commoner/worker clan) und Dri Jerbal (B√ľrger/ Arbeiter; commoner/worker). Es pr√ľft Gerichtsf√§lle auf Vertr√§glichkeit mit dem traditionell √ľberliefertem Gewohnheitsrecht und gibt dem Hohen Gericht Empfehlungen.
  • Das Distrikt-Gericht (District Court) sind zust√§ndig f√ľr einfachere Streitf√§lle (Privatsachen bis zu einem Gegenstandswert von 10.000 Dollar, Strafsachen bei F√§llen mit erwartbaren Strafen bis 5000 Dollar) und ist Berufungsgericht f√ľr die lokalen Gerichte. Es besteht aus einem vorsitzenden und zwei beisitzenden Richter; dies sind Laienrichter, die eine Zusatzausbildung erhalten haben.
  • Kommunalgerichte (Community Court) sind f√ľr die einfachen Angelegenheiten ihrer Kommunen zust√§ndig, von denen es 24 gibt. Sie bestehen aus einem vorsitzenden und einer variablen Zahl an beisitzenden Richtern.

Das Rechtssystem basiert auf einer Mischung aus Recht aus der US-Mandatszeit, vom Parlament verabschiedeten Gesetzen, kommunalem, allgemeinen und Gewohnheitsrecht. Wahlrecht haben alle B√ľrger ab 18 Jahren.

Exekutive

Die Regierung besteht aus der Präsidentin, die Staats- und Regierungschefin ist, und ihrem Kabinett mit 10 Ministern, denen diverse Ministerien unterstehen.

Von Januar 2016 bis Januar 2020 war Hilda Heine Präsidentin. Seit Januar 2020 ist es David Kabua.

Verwaltungsgliederung

Zwei Drittel der Bev√∂lkerung leben auf den Inseln des Majuro-Atolls und auf Ebeye im Kwajalein-Atoll. Die anderen Inseln sind wegen fehlender Arbeits- und Entwicklungsm√∂glichkeiten nur d√ľnn besiedelt oder unbewohnt.

Es gibt 24 bewohnte Inseln und Atolle mit je einer eigenen Verwaltung.

Hauptstadt ist die Gemeinde (Local Government Council, fr√ľher municipality) Majuro, die das gleichnamige Atoll umfasst.

Politikfelder

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt machte im Jahre 2006 rund ein Drittel des Inlandproduktes aus (ca. 40 Millionen US-Dollar Ausgaben). Im gleichen Jahr betrug die das Land erreichende Internationale Hilfe etwa 69 Millionen US-Dollar.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 14,4¬†%
  • Bildung: 11,8¬†% (2004)
  • Milit√§r: 0,0¬†% (Die Marshallinseln haben kein Milit√§r, Verteidigung ist Aufgabe der USA.)

Steuerpolitik

Die Einkommensteuer beträgt je nach Höhe des Einkommens 8 % oder 14 %, die Körperschaftsteuer beläuft sich auf 11,5 %, die Umsatzsteuer auf 6 %. Eine Grundsteuer wird nicht erhoben.

Am 28. Januar 2016 legte die EU-Kommission ein Maßnahmenpaket zur Bekämpfung von Steuerflucht vor, bei dem unter anderem die Marshallinseln auf der schwarzen Liste der Steueroasen auftauchen.

Außenpolitik

Seit 1983 besteht ein freier Assoziierungsvertrag mit den USA, die dadurch u. a. mit der Verteidigung der Marshallinseln betraut sind.

Eine S√§ule der Wirtschaft des Landes ist die Unterst√ľtzung aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Rahmen der Vereinbarungen des freiwilligen Zusammenschlusses Compact of Free Association stellen die USA bis zum Jahre 2013 j√§hrlich 57,7 Millionen US-Dollar Unterst√ľtzungsleistungen und ab 2014 bis 2023 j√§hrlich 62,7 Millionen US-Dollar f√ľr die Marshallinseln bereit. Danach wird aus einem gemeinsam von den USA und der Republik Marshallinseln gebildeten Treuhandfonds unbefristet eine j√§hrliche Zahlung flie√üen.

Die Ronald Reagan Ballistic Missile Defense Test Site, besser bekannt als Kwajalein Missile Range oder Reagan Test Site, ist eine Raketen-Teststation mit Raketenstartanlagen unter anderem auf dem zu den Marshallinseln geh√∂renden Kwajalein-Atoll. Die Vereinigten Staaten entrichten hierf√ľr Zahlungen an die Marshallinseln. Au√üerdem sind zahlreiche einheimische Arbeitskr√§fte auf der Basis besch√§ftigt.

Umweltpolitik

Atomwaffentests

2014 reichten die Marshallinseln gegen die Atomm√§chte USA, Russland, Gro√übritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel, Nordkorea vor dem Internationalen Gerichtshof Klage ein. Gro√übritannien, Indien und Pakistan akzeptierten die Zust√§ndigkeit des Internationalen Gerichtshofes. 2015 wurde das Volk des Inselstaates f√ľr sein Engagement in der Anti-Atombewegung mit dem Ehrenpreis des Right Livelihood Award bedacht.

Der Journalist Giff Johnson setzte sich in seinen B√ľchern mit den Folgen der Tests auseinander. In Don't ever whisper: Darlene Keju, Pacific health pioneer, champion for nuclear survivors (2013) setzt er seiner Frau, der Gesundheitsaktivistin Darlene Keju ein literarisches Denkmal. Sie hatte die gesundheitlichen Folgen der Experimente weltweit publik gemacht und vor allem auf die zahlreichen Totgeburten und Missbildungen bei Neugeborenen hingewiesen.

Schutzgebiete

Oktober 2011 erklärte die Regierung ihre Hoheitsgewässer zu einem Hai-Schutzgebiet. Dies ist das weltgrößte Hai-Schutzgebiet, das die vorherigen Schutzgebiete von ca. 2.700.000 auf 4.600.000 erweiterte. In solchen Schutzgebieten ist der Fang von Haien verboten und Beifang muss wieder ausgesetzt werden. Beobachter äußerten jedoch Zweifel, dass die Marshallinseln dieses Verbot auch durchsetzen könne.

Klimaschutz

Das Land ist Mitglied im Climate Vulnerable Forum.

Anfang 2013 appellierten die Marshallinseln an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, den Klimawandel als Gefahr f√ľr die internationale Sicherheit anzuerkennen. Im Mai 2013 ver√∂ffentlichte der Au√üenminister der Marshallinseln, Phillip Muller, einen Appell in der Washington Post, in dem er die aktuelle Notlage beschrieb. 2012 habe eine anhaltende und jahreszeitunabh√§ngige D√ľrreperiode begonnen, die Folge seien Wasserknappheit und Infektionserkrankungen. Seit Januar 2013 m√ľsse Trinkwasser importiert werden, was auf Dauer jedoch die finanziellen Ressourcen √ľbersteige. Bereits jetzt mache sich der Meeresspiegelanstieg bemerkbar. Daher w√ľrden die Marshallinseln ihren Umstieg auf erneuerbare Energien, wie zum Beispiel Solarenergie, beschleunigen sowie vielversprechende Techniken zur Gewinnung von Meeresenergie erproben. Da der Hauptanteil der weltweiten CO2-Emissionen jedoch von anderen L√§ndern ausgehe, appellierte er an diese, mehr zum Klimaschutz beizutragen als bisher.

Zum Start des UN-Klimagipfels COP26 in Glasgow warnte die Klima-Botschafterin der Marshallinseln Tina Stege vor dem drohenden Untergang der Inseln binnen 50 Jahren aufgrund des ansteigenden Meeresspiegels und bat um internationale Unterst√ľtzung.

Wirtschaft

Allgemeine Situation

Im 21. Jahrhundert wuchs das Bruttoinlandsprodukt um durchschnittlich 1¬†% j√§hrlich. F√ľr dieses eher geringe Wachstum sind im Wesentlichen ein Personalabbau in der √∂ffentlichen Verwaltung, D√ľrreperioden, ein Umsatzeinbruch im Baugewerbe und ein R√ľckgang des Tourismus verantwortlich. Auch die Auslandsinvestitionen waren infolge der Finanzkrise in Asien r√ľckl√§ufig. Schlie√ülich nahmen auch die Einnahmen aus der Erneuerung von Fischereilizenzen ab. In der Ausgabe 2007 des von der Weltbank edierten ‚ÄěDoing Business‚Äú werden die Marshallinseln hinsichtlich der dort vorherrschenden rechtlichen Rahmenbedingungen und der geringen Kosten bei der Einstellung und Entlassung von Arbeitnehmern als ‚ÄěBest Performer‚Äú unter den dargestellten Wirtschaftsgebieten bezeichnet. In Bezug auf Investitionssicherheit und Durchsetzungsm√∂glichkeiten von Vertragsrechten erhielten die Marshallinseln in der gleichen Studie eine √§u√üerst schlechte Bewertung. In der L√§nderrangordnung des Reports aus dem Jahre 2010 (Datenbasis 2008) liegen die Marshallinseln im gewichteten Mittel aller herangezogenen Kriterien auf Platz 98 von 183 gelisteten Staaten.

Im Jahre 2007 traten die Marshallinseln der Internationalen Arbeitsorganisation bei. Damit gelten auch hier arbeitsrechtliche Bedingungen, die einen internationalen Mindeststandard erf√ľllen.

Landeswährung

Die Marshallinseln haben formal eine Dollar-W√§hrung. Im Umlauf sind jedoch nur Banknoten, keine eigenen Kursm√ľnzen. M√ľnzen mit der Marshall-Dollar-W√§hrung existieren ausschlie√ülich f√ľr den Sammlermarkt in Form von Gedenkm√ľnzen.

Primärer Sektor

Landwirtschaft

Die landwirtschaftliche Produktion konzentriert sich auf kleine Betriebe. Die wichtigsten Agrarprodukte sind (Kopra), gefolgt von Kokosn√ľssen, Brotfr√ľchten, Pandanus, Bananen, Taro and Pfeilwurzel. Daneben werden auch Tomaten, Melonen u.¬†a. angebaut.

Die Viehhaltung besteht v.¬†a. aus Schweinen und H√ľhnern.

Fischerei

Die Fischerei ist seit Jahrtausenden eine wesentliche Nahrungsquelle der Bevölkerung. Sie fing in 2016 nach offiziellen Zahlen 64.795 Tonnen Fisch, dazu kommen 5 Tonnen aus der gering entwickelten Aquakultur, in der Summe sind das 64.800 Tonnen; damit stehen die Marshallinseln weltweit auf Platz 95. Im Jahr 1998 trug die Fischerei zu 7,40 % zum BIP bei.

Diese offiziellen Daten sind jedoch in der Wissenschaft umstritten. Neben der industriell betriebenen, exportorientierten Fischerei gibt es die Kleinfischerei, wobei beide aus verschiedenen Gr√ľnden nur unzureichend statistisch erfasst werden, insbesondere die Kleinfischerei, die deshalb teilweise dem informellen Sektor zuzurechnen ist. Vor dem Hintergrund des Klimawandels hat sie im Sinne der Ern√§hrungssicherheit in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Eine 2020 ver√∂ffentlichte Untersuchung pr√ľfte die Zahlen von 1950 bis 2017 und kommt auf folgende Zahlen:

  • Gesamte Fangzahlen: waren realistisch kalkuliert um 27¬†% h√∂her als die von den Marshallinseln an die FAO gemeldeten Zahlen
  • Industrielle Fischerei: ca. 84¬†% des gesamten Fangs, richtet sich v.¬†a. auf verschiedene Thunfisch-Arten, aber im Beifang sind auch z.¬†B. Haie und Schwertfische
  • Kleinfischerei: ca. 26¬†% des gesamten Fangs; um 1950 1.100 Tonnen/Jahr, seitdem wachsend und ab 1990 relativ stabil auf 4500 Tonnen/Jahr

Zahlen zur Industriellen Fischerei:

  • Ringwadenfischerei: 75¬†% des Fangs, f√ľr statistische Korrektur Erh√∂hung der absoluten Zahl um 5¬†% notwendig
  • Langleinenfischerei: 25¬†% des Fangs, f√ľr statistische Korrektur Erh√∂hung der absoluten Zahl um 30¬†% notwendig

Zahlen zur Kleinfischerei:

  • Kleinhandelsfischerei: 26¬†% (davon 45¬†% bisher statistisch nicht erfasst); seit 2009 leicht zunehmend um +3¬†%/ Jahr
  • Selbstversorgungsfischerei: 74¬†% der Kleinfischerei (davon 92¬†% bisher statistisch nicht erfasst); seit 2009 leicht abnehmend um ‚ąí2¬†%/ Jahr
  • Freizeitfischerei: verschwindend geringer Anteil; 1988 auf 4,9 Tonnen, 1998 auf 6 Tonnen.

Ein Beispiel f√ľr Selbstversorgungsfischerei: Gefischt wird nicht nur nach Fischen. Zum Beispiel werden mit der traditionellen Methode "kajiabo" die "jaibo" (Pfeilw√ľrmer) gefangen, Hemichordates, die in mancher Hinsicht mehr mit Fischen als mit W√ľrmern gemein haben. Sie leben im Schlamm und Sand vieler Lagunen. Sie werden gefangen mittels einer "nok" (einer Mittelrippe eines Kokosblatts), die geschickt in das Loch eingef√ľhrt wird, um das Tier aufzuspie√üen. Die "jaibo" roh zu essen gilt als Delikatesse.

Sekundärer Sektor

Industriebetriebe sind auf den Marshallinseln nicht vertreten. Verschiedene Handwerksbetriebe, Fischverarbeitungsbetriebe und die Kopragewinnung sind aber in dem Inselstaat weit verbreitet. Im Jahre 1999 entstand zwar ein Unternehmen zur Filetierung von Thunfisch, in dem mehr als 400 Mitarbeiter, meist Frauen, besch√§ftigt wurden. Die Anlage wurde allerdings bereits im Jahre 2005 wieder geschlossen, nachdem vergeblich versucht worden war, die Produktion auf Thunfisch-Steaks umzustellen ‚Äď ein Produktionsvorgang, bei dem kaum die H√§lfte des besch√§ftigten Personals noch ben√∂tigt wurde. Dadurch √ľberschritten die Kosten bei weitem die Erl√∂se. Auch die Bem√ľhungen der Eigner des Unternehmens um eine staatliche Beteiligung scheiterten.

Tertiärer Sektor

√Ėffentliche Verwaltung

Die öffentliche Verwaltung ist mit 30,6 % der größte Arbeitgeber auf den Marshallinseln.

Handel

Exporte beliefen sich in 2018 auf 130 Mio. US-Dollar. 2019 waren die Hauptabnehmer Polen mit 28¬†%, D√§nemark mit 19¬†%, S√ľdkorea mit 13¬†%, Indonesien mit 10¬†%, und Zypern mit 6¬†%. Hauptausfuhrprodukte waren 2019 Schiffe, Fisch, Freizeitboote, Funkger√§te und Steinkohlenteer.

Importe beliefen sich im Jahr 2018 auf 170 Mio. US-Dollar (2016: 103,8 Mio. USD). Hauptlieferanten waren S√ľdkorea mit 39¬†%, China mit 27¬†% und Japan mit 15¬†% (2019). Haupteinfuhrprodukte waren Schiffe, raffiniertes Petroleium, Zentrifugen, Freizeitboote und Schiffspropeller (2019).

Verkehr

Infrastruktur:

  • Stra√üennetz: 2,028 km (2007)
  • Schienennetz: 0 km
  • H√§fen: 3 gr√∂√üere Seeh√§fen
  • Flugh√§fen: 15

Verkehrswirtschaft:

  • √ĖPNV: Eine Buslinie in der Hauptstadt Majuro
  • Taxis: Sammeltaxi-System mit mehreren Taxiunternehmen
  • Autoverleih: 14 private Verleihunternehmen
  • Seewirtschaft: 3,817 registrierte Schiffe (2021), Details s.¬†u.
  • Flugverkehr: Eine staatliche Fluggesellschaft Air Marshall Islands, mit drei Flugzeugen, in 2018 Passagierzahl 24.313 und Frachtmenge 130,000 mt-km
Seewirtschaft

Das kleine Land unterh√§lt formal die drittgr√∂√üte Handelsmarine der Welt. Schiffe mit einer Gesamtzahl von 90,3 Millionen Bruttoregistertonnen waren 2019 auf den Marshallinseln registriert. Die Marshallinseln sind eines der beliebtesten L√§nder f√ľr die Ausflaggung europ√§ischer Reeder in ein sogenanntes Offshore-Register. Neben erheblichen steuerlichen Vorteilen und lockeren arbeitsrechtlichen Regelungen profitieren die Betreiber von Kreuzfahrtschiffen auch von freien Regelungen f√ľr das Gl√ľcksspiel in den Schiffscasinos.

Linienschiffe laufen regelmäßig die Marshallinseln an, seltener Kreuzfahrtschiffe. Staatliche Wassertaxis verbinden die Inseln. Staatliche und private Unternehmen bieten Charterreisen an. Kleine Frachtschiffe verkehren zwischen den Atollen.

Tourismus

Im Tourismus, eine der wenigen Deviseneinnahmequellen, waren 2015 etwas mehr als 600 Menschen besch√§ftigt, etwa 5,5¬†% der Erwerbst√§tigen des Landes. In Majuro gibt es zwei Hotels (150 und 40 Zimmer), dazu Ferienwohnungen und zwei Backpacker-Hostels. Das gr√∂√üere Hotel ist staatlich betrieben, hat eine Auslastung von nur 50¬†% und ist seit 2006 im Defizit. In den anderen Atollen stehen insgesamt ca. 100 Zimmer zur Verf√ľgung, v.¬†a. in Hotels und Ferienwohnungen; die Gesamtauslastung im Land lag 2006/2007 bei sehr niedrigen 23¬†%. Dazu gibt es diverse Anbieter f√ľr touristische Aktivit√§ten wie Angeln, Tauchen, Surfen und historische F√ľhrungen. Nach offiziellen Angaben lagen die Besucherzahlen seit einer Spitze von ca. 7500 G√§sten in im Jahr 2005 bei ca. 4000‚Äď6000, aber in 2019 gab es eine Steigerung auf 10.771 G√§ste (gemessen in Ank√ľnften im Luftverkehr), was einigen internationalen Konferenzen zugeschrieben wird. Der gr√∂√üte Teil der G√§ste kam aus den USA und Kanada sowie aus dem Pazifik. Die Regierung unterst√ľtzt den Tourismus u.¬†a. mit eigenen Angeboten sowie Ausbildungs- und Studieng√§ngen in Bildungseinrichtungen. Probleme des Tourismus sind unzuverl√§ssige Luftverkehrsverbindungen, Wasserknappheit und defekte Abwasserleitungen bzw. mangelnde Abwasserkl√§rung.

Nach einer anderen Quelle wurden in 2019 lediglich 6.100 Touristen verzeichnet. In absoluten Zahlen liegen die Marshallinseln damit auf dem weltweiten 200. Platz. In relativen Zahlen sind es 0,10 Touristen pro Einwohner, dort sind die Marshallinseln im weltweiten Ranking auf Platz 121 (zum Vergleich: innerhalb Mikronesiens liegt es auf Platz 5). Damit erwirtschafteten die Marshallinseln 20,10 Mio. US-Dollar und 8,2 % ihres BIP.

Bildungswesen

Das Bildungswesen ist nach dem Vorbild des US-amerikanischen Systems gestaltet. Es wird zum größten Teil vom US-Innenministerium und dem US-Bildungsministerium finanziert.

Das Bildungswesen untersteht dem Ministerium f√ľr Bildung der Marshallinseln:

  • Im √∂ffentlichen Bildungswesen gibt es 75 Grundschulen, eine "middle school" und zwei Sekundarschulen mit √ľber 10.000 Sch√ľlern.
  • Im privat gef√ľhrten Bereich, v.¬†a. von protestantischen Kirchen getragen, sind es 26 Grundschulen und 10 Sekundarschulen mit etwa 5000 Sch√ľlern.

Es besteht eine Schulpflicht vom Alter von 6 bis 14 Jahren bzw. bis zur achten Klasse. Der Unterricht wird auf Marshallesisch und Englisch erteilt. Ein Teil der öffentlichen Schulen hat Reparaturbedarf und keinen elektrischen Strom.

  • Das "College of the Marshall Islands", das zwei weitere Schuljahre anbietet, hat seinen Sitz in Majuro und unterrichtet 431 Sch√ľler.
  • Die Republik Marshallinseln betreibt zusammen mit elf weiteren Inselstaaten die University of the South Pacific. In Majuro befindet sich das Alele Museum & Public Library, ein Museum und die einzige √∂ffentliche Bibliothek des Landes.

Literatur

  • Ferdinand Karl, Hermann M√ľckler: Oasen der S√ľdsee. Die gr√∂√üten ‚ÄěKleinststaaten‚Äú der Welt. Ostmikronesien: Marshall-Inseln, Gilbert-Inseln, Nauru. Weishaupt, Gnas 2002, ISBN 3-7059-0121-4.¬†
  • Steffen Ra√üloff: Wilhelm Knappe (1855‚Äď1910). Staatsmann und V√∂lkerkundler im Blickpunkt deutscher Weltpolitik. Glaux, Jena 2005, ISBN 3-931743-86-1.¬†
  • Fritz Kramer: Bikini. Atomares Testgebiet im Pazifik. Wagenbach, Berlin 2000, ISBN 3-8031-2380-1.
  • Martin M√ľhlbauer: Marshall Inseln. In: W. Kreisel (Hrsg.): Mythos S√ľdsee. L√§nderprofile Ozeaniens zu Wirtschaft und Gesellschaft. Merus, Hamburg 2006, ISBN 3-939519-29-4, S.¬†74‚Äď81.¬†
  • Carmen C.H. Petrosian-Husa: Traditional Plaiting Techniques in the Marshall Islands, (Traditionelle Flechttechniken auf den Marshall Inseln). In: Historic Preservation Office Majuro, Marshall Islands (Hrsg.): Alele Report. Majuro, Marshall Islands 2005 (Download).¬†
  • Peter Rudiak-Gould: Climate Change and Accusation: Global Warming and Local Blame in a Small Island State. In: Current Anthropology 55,4 (2014) 365‚Äď386.
  • Peter Rudiak-Gould: Climate Change and Tradition in a Small Island State: The Rising Tide. Routledge/Taylor & Francis, New York & London 2013, ISBN 978-0-415-83249-6. (Inhaltsverzeichnis)
  • Hermann M√ľckler: Die Marshall-Inseln und Nauru in deutscher Kolonialzeit. S√ľdsee-Insulaner, H√§ndler und Kolonialbeamte in alten Fotografien. Frank & Timme, Berlin 2016, ISBN 978-3-7329-0285-9.¬†

Weblinks

  • Offizielle Website der Botschaft der Marshallinseln in den USA, mit Links zu allen Landesbeh√∂rden
  • Offizielle Website der Regierung der Marshallinseln
  • Offizielle Website des Parlaments der Marshallinseln
  • Offizielle Website der Justiz der Marshallinseln
  • CIA World Factbook: Marshallinseln (englisch)
  • L√§nderinformationen des Ausw√§rtigen Amtes zu den Marshallinseln
  • Foreign Ships in Micronesia: Marshalls, Entdeckung von und Landungen auf den Marshalls von 1526 bis 1885, englisch
  • Dossiers zum Thema Marshallinseln in der Pressemappe 20.¬†Jahrhundert der ZBW ‚Äď Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft.

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

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Flagge: Marshall Islands

Name englisch: Marshall Islands
Hauptstadt: Uliga
Kfz: MH
ISO: MH
ISO3: MHL
Fläche: 181 km²
Tld: .mh
Wärung Einheit: USD
Währung: Dollar
Vorwahl: 692

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 14.673255
südlichster Punkt: 4.5729556
westlichster Punkt: 160.7979585
östlichster Punkt: 172.1701812


 
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