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Staat Informationen : Haiti

Informationen:


Haiti (gesprochen [haˈiːti]; haitianisch Ayiti, französisch HaĂŻti [a.i.ti]) ist ein auf der Insel Hispaniola in den Großen Antillen gelegener Inselstaat. Er umfasst den westlichen Teil der Karibikinsel, deren Ostteil die Dominikanische Republik einnimmt. Die etwa elf Millionen Einwohner Haitis sind grĂ¶ĂŸtenteils subsahara-afrikanischer Abstammung. Hauptstadt des Landes ist Port-au-Prince.

Haiti war nach der französischen Kolonialzeit der erste unabhĂ€ngige Staat der Karibik. Es ist das einzige Land des amerikanischen Doppelkontinents, das zu den am wenigsten entwickelten LĂ€ndern der Welt gezĂ€hlt wird. Zur schwachen Wirtschaft kommt eine instabile politische Lage mit zahlreichen Unruhen, weshalb seit Mitte der 1990er-Jahre ĂŒber drei Millionen Haitianer ausgewandert sind.

Name des Landes

Der Landesname kommt aus der Sprache der Taíno, der Ureinwohner Hispaniolas, und bedeutet „bergiges Land“.

Geografie

Geografische Struktur

Das Staatsgebiet im Westen der Insel Hispaniola hat die Form eines nach Westen geöffneten „U“, das durch zwei lange Halbinseln gebildet wird. Dazwischen liegt der Golfe de la GonĂąve, an dessen östlichem Ende die Hauptstadt Port-au-Prince liegt.

Zu Haiti gehören auch vorgelagerte Inseln wie die Île de la Tortue, die Île de la GonĂąve und die Île de Vache.

Durch die U-Form Haitis befindet sich der geographische Mittelpunkt des Landes 13 Kilometer von der Île de la Gonñve entfernt außerhalb des Staatsgebiets im karibischen Meer.

Der höchste Berg ist mit einer Höhe von 2674 m der Pic la Selle. Er liegt im SĂŒdosten des Landes in der Sierra de Bahoruco, unweit der Grenze zur noch gebirgigeren Dominikanischen Republik. Mit diesem östlichen Nachbarstaat auf der Insel Hispaniola hat Haiti eine 388 km lange Landgrenze.

In der Landesmitte erreichen die Berge 1500–1800 Meter ĂŒber dem Meeresspiegel, im Massif du Sud auf der weit gegen Jamaika vorragenden Tiburon-Halbinsel bis etwa 2400 m.

Geologie/Erdbeben

Geologisch liegt die Insel Hispaniola ĂŒber der Grenze zwischen Karibischer und Nordamerikanischer Platte. Infolge dieser Verwerfung kommt es zu hĂ€ufigen seismischen AktivitĂ€ten. In den Jahren 1751, 1842, 1860, 2010 und zuletzt 2021 wurde Haiti von schweren Erdbeben getroffen.

WirbelstĂŒrme

Haiti liegt im Bereich tropischer WirbelstĂŒrme. Der Hurrikan Jeanne richtete im September 2004 erhebliche SchĂ€den in der Gegend um die Stadt GonaĂŻves an. Dabei kam es in Haiti zu etwa 3000 Todesopfern. Besonders schlimm traf es den Staat im August und September 2008, als vier aufeinanderfolgende tropische WirbelstĂŒrme durch Starkwind und Starkregen Zerstörungen anrichteten. Durch die Auswirkungen von Tropensturm Fay, Hurrikan Gustav, Tropensturm Hanna und Hurrikan Ike wurden in Haiti insgesamt rund 800 Personen getötet.

Bodenerosion

Haiti ist stark von Bodenerosion und Entwaldung betroffen, Behauptungen, der tropische Regenwald sei zu 98 % abgeholzt, sind aber stark ĂŒbertrieben. In der Landreform Anfang des 19. Jahrhunderts erhielten Bauernfamilien je 15 ha Farmland. Die Nachkommen dieser Landerben teilten das Land in immer kleinere StĂŒcke auf. 1971 war das auf eine Bauernfamilie entfallende Land nur noch knapp 1,5 ha groß. Um zu ĂŒberleben, musste das Land ĂŒbernutzt werden. Starke Erosion war die Folge und der Boden wurde innerhalb weniger Jahre unfruchtbar. Die Nachkommen machten noch steilere HĂ€nge fĂŒr die Landwirtschaft nutzbar. Landesweit fĂŒhrte der Verlust an landwirtschaftlichen FlĂ€chen fĂŒr den eigenen Verbrauch zu sozialer Destabilisierung des Landes.

Klima

Haitis Klima ist durchgehend tropisch und daher von stĂ€rkeren Temperaturunterschieden wĂ€hrend des Tages als wĂ€hrend des Jahres geprĂ€gt. Die NiederschlĂ€ge betragen im Großteil Haitis etwa 1300 mm, jedoch im Nordwesten nur etwa 500 mm, wo es nur im Sommer regnet. WĂ€hrend des Jahres gibt es zwei Hauptregenzeiten, von April bis Mai und von September bis Oktober. Durch die NĂ€he zum warmen Golfstrom betrĂ€gt die Wassertemperatur 25 °C.

Flora und Fauna

Da Hispaniola seit langer Zeit vom amerikanischen Festland getrennt ist, konnte sich eine relativ große Anzahl an Tieren und Pflanzen unabhĂ€ngig vom Festland entwickeln. So sind von etwa 5000 Pflanzenarten, die in Haiti vorkommen, etwa 35 Prozent endemisch. Durch die EinfĂŒhrung von Nutztieren und Kulturfolgern durch die Kolonisatoren wurde die Vielfalt der endemischen Arten immer weiter eingeschrĂ€nkt, sodass bis heute nur zwei der ursprĂŒnglich 28 dort vorkommenden SĂ€ugetierarten ĂŒberlebt haben: das Zaguti (Plagiodontia aedium) und der Haiti-SchlitzrĂŒssler (Solenodon paradoxus).

Zudem wird die Vielfalt von Flora und Fauna durch anhaltende Erosion und Übernutzung der Böden gefĂ€hrdet.

Nachbarstaaten

Haitis Nachbarn sind u. a. die Turks- und Caicosinseln, die Dominikanische Republik, Jamaika, Kuba und die Bahamas.

DĂ©partements

Haiti gliedert sich in zehn DĂ©partements. Am 4. September 2003 wurde das DĂ©partement Nippes als zehntes DĂ©partement durch Abspaltung von Grand’Anse gebildet.

Die Einwohnerzahlen in der folgenden Tabelle beziehen sich auf eine SchÀtzung zum Stand vom 1. Januar 2015.

Quelle fĂŒr die FlĂ€chenangaben: Direction des Statistiques DĂ©mographiques et Sociales (DSDS). Die Summe der FlĂ€che der DĂ©partements weicht von der oben angegebenen StaatsflĂ€che ab, da die BinnengewĂ€sser den FlĂ€chen der DĂ©partements nicht zugerechnet werden.

StÀdte

2016 lebten 59,8 % der Bevölkerung in StĂ€dten oder stĂ€dtischen RĂ€umen. Haitis grĂ¶ĂŸte Stadt ist mit Abstand die Hauptstadt Port-au-Prince, die 875.978 Einwohner zĂ€hlt. In der Metropolregion von Port-au-Prince leben 2.296.386 Personen und damit knapp 20 % der gesamten Bevölkerung des Landes. Die fĂŒnf grĂ¶ĂŸten StĂ€dte sind (Stand 2009):

  1. Port-au-Prince: 875.978 Einwohner
  2. Carrefour: 430.250 Einwohner
  3. Delmas: 359.451 Einwohner
  4. PĂ©tionville: 271.175 Einwohner
  5. Cité Soleil: 241.055 Einwohner
  6. GonaĂŻves: 228.725 Einwohner

Bevölkerung

Demografie

In Haiti wird nur ein sehr kleiner Teil der Geburten und TodesfÀlle amtlich registriert. Daher beruhen alle Zahlen auf SchÀtzungen und Projektionen. Die nachfolgenden Zahlen sind deshalb sehr unsicher.

Die Bevölkerung hat sich seit dem ersten Zensus 1950 etwa verdreifacht; damals wurden 3,1 Millionen gezÀhlt.

Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt wird fĂŒr die Jahre zwischen 2006 und 2016 (mit Ausnahme des Erdbebenjahrs 2010) mit Werten zwischen 61 und 65 Jahren angegeben. Das mittlere Alter der Bevölkerung liegt bei 24 Jahren (2020). Die SĂ€uglingssterblichkeit liegt bei 4,1 % und das durchschnittliche jĂ€hrliche Bevölkerungswachstum betrĂ€gt 1,22 % (2021). Die zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer lag im Jahr 2021 geschĂ€tzt bei 2,48 Kindern pro Frau.

Die haitianische Bevölkerung teilt sich in 95 % Schwarze, 0,1 % Weiße und 4,9 % Personen, die aus Verbindungen zwischen Schwarzen und Weißen hervorgingen, auf. Andere Quellen geben 60–80 % Schwarze, bis zu max. 5 % Weiße und 15–35 % fĂŒr die Personen mit schwarzen und weißen Vorfahren an. Diese nehmen in der Wirtschaft des Landes eine dominante Rolle ein.

Haitianer bilden durch Migration starke Minderheiten in den Vereinigten Staaten (etwa 600.000) und in der Dominikanischen Republik (800.000). Ein Viertel der Bevölkerung der Bahamas stammt aus Haiti. Fluchthelfer bieten den Transport von BootsflĂŒchtlingen fĂŒr einige Hundert US-Dollar an. Bedeutende ZiellĂ€nder haitianischer Einwanderung sind neben der Dominikanischen Republik, den Vereinigten Staaten und Frankreich auch Brasilien und Kanada sowie seit 2010 stark zunehmend Chile sowie Mexiko um ĂŒber die mexikanische Nordgrenze in die USA zu gelangen. Vielen bleibt dies verwehrt und so leben in Tijuana beispielsweise viele Haitianer.

Sprachen

Die beiden Hauptsprachen Haitis sind Haitianisch und Französisch. Letzteres hat besonders als Zweit- und Bildungssprache grĂ¶ĂŸere Bedeutung. Haiti ist somit der einzige unabhĂ€ngige französischsprachige Staat Lateinamerikas. Ausschließlich religiöse Bedeutung hat die Sprache Langaj (auch Langay oder Haitian Voodoo Culture Language). Die Sprachen der indigenen Bevölkerung sind ausgestorben.

Religionen

Bis zum Inkrafttreten der Verfassung des Jahres 1987 war die römisch-katholische Kirche in Haiti Staatskirche. Genaue Zahlen zur Religionszugehörigkeit waren nach US-amerikanischen Angaben 2003 noch nicht verfĂŒgbar; damals wurde geschĂ€tzt, dass etwa 80 Prozent der BĂŒrger von Haiti römisch-katholisch seien. Nach prĂ€ziseren SchĂ€tzungen waren 2003 rund 55 % der Haitianer römisch-katholisch, knapp 30 % gehören mit einer in den vergangenen Jahrzehnten stark anwachsenden Tendenz verschiedenen protestantischen Konfessionen an, vor allem Baptisten (mehr als 15 Prozent), Pfingstler (knapp 8 Prozent) und Adventisten (etwa 3 Prozent). Zwar geben nur wenige Prozent (2003: geschĂ€tzt 2,1) der Bevölkerung eine Zugehörigkeit zur Voodoo-Religion an, deren Ursprung in Westafrika liegt, doch praktizieren viele Einwohner, die sich offiziell zum Christentum bekennen, gleichzeitig Voodoo- oder spiritistische Rituale – insgesamt wohl etwa 75 Prozent der Bevölkerung, zumeist Schwarze und Personen aus einer schwarz/weiß-Beziehung. Voodoo diente PrĂ€sident François Duvalier zum Anlass, gegen Personen aus einer schwarz/weiß-Beziehung vorzugehen. Es wird zwar seit 2003 von den Behörden als religiöse Praxis anerkannt, erhielt aber nicht die vollen Rechte einer Religion. Andere Religionen werden mit 4,6 % angegeben, NichtglĂ€ubige machen rund 10 Prozent aus.

Geschichte

In den Jahrzehnten nach der Ankunft von Christoph Kolumbus im Jahr 1492 auf Hispaniola wurde deren indigene Urbevölkerung, u. a. die Taino, zur Gruppe der Arawaks gehörend, und die Ciboney, hauptsÀchlich durch Krankheit und Zwangsarbeit fast vollstÀndig ausgerottet. Im spÀten 17. Jahrhundert wurde die Insel vor allem durch afrikanische Sklaven, die auf den Zuckerplantagen eingesetzt wurden, wiederbevölkert.

Im Jahre 1697 trat Spanien im Frieden von Rijswijk das westliche Drittel der Insel an Frankreich ab. Dieses Gebiet wurde von da an Saint-Domingue genannt und im 18. Jahrhundert zur reichsten Kolonie der französischen Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent.

Am 23. August 1791 kam es unter der FĂŒhrung von Dutty Boukman und Georges Biassou zu einem Sklavenaufstand, der sich zu einem blutigen Krieg jeder gegen jeden entwickelte: EuropĂ€er kĂ€mpften gegen Afrikaner, kreolische Pflanzer gegen königstreue Franzosen, republikanische französische Truppen gegen die intervenierenden EnglĂ€nder und Spanier. Die Ex-Sklaven („Afrikaner“) setzten sich am Ende durch. Selbst eine von Napoleon gegen Haitis Nationalheld Toussaint Louverture gesandte Armee wurde letztlich geschlagen.

Saint-Domingue erklĂ€rte am 1. Januar 1804 unter dem Namen Haiti (französische Schreibung: Hayti) seine UnabhĂ€ngigkeit von Frankreich, General Dessalines erklĂ€rte sich nach dem Vorbild Napoleons zum Kaiser und regierte bis zu seinem gewaltsamen Tod 1806. Haiti, die erste unabhĂ€ngige Republik von Schwarzen, engagierte sich fĂŒr die Abschaffung der Sklaverei und unterstĂŒtzte auch Venezuela, Peru und Kolumbien bei ihrem UnabhĂ€ngigkeitskampf unter RevolutionsfĂŒhrern wie BolĂ­var und Miranda.

1806 zerfiel Haiti in den „Staat Haiti“ (État d’HaĂŻti) im Norden (ab 1811 ein Königreich), der von einer schwarzen Elite dominiert wurde, und in die „Republik Haiti“ im SĂŒden, die von einer mulattischen Elite dominiert wurde.

1820 gelang es PrĂ€sident Boyer, das geteilte Land wieder zu vereinen. Unter seiner FĂŒhrung eroberten haitianische Truppen den zu Spanien gehörenden östlichen Teil der Insel (die spĂ€tere Dominikanische Republik). 1822 annektierte Haiti den Osten Hispaniolas und schaffte auch dort die Sklaverei ab; 1844 erlangte dieses Gebiet, die spĂ€tere Dominikanische Republik, wieder seine UnabhĂ€ngigkeit.

Frankreich verlangte als Gegenleistung fĂŒr die Anerkennung der UnabhĂ€ngigkeit Haitis im Jahr 1825 EntschĂ€digungen fĂŒr ehemalige Plantagenbesitzer. Jahrzehntelang zahlte Haiti an Frankreich insgesamt 90 Millionen Gold-Franc. Bald nach der UnabhĂ€ngigkeit wurden die Großplantagen unter der Bevölkerung aufgeteilt, wodurch der Export von AgrargĂŒtern zusammenbrach. Mehrere Versuche, die ProduktivitĂ€t der Landwirtschaft zu heben (beginnend mit dem Code Rural von 1826), sind an der aus kleinen und kleinsten Parzellen bestehenden Agrarstruktur gescheitert. Dennoch galt das Land als Exporteur von Kaffee, Kakao, HĂ€uten und Blauholz.

Haiti hatte wĂ€hrend des grĂ¶ĂŸten Teils seiner Geschichte unter Gewaltherrschern und Kleptokraten zu leiden. Alleine zwei seiner Herrscher – Jean-Jacques Dessalines (1804–1806), auch Jakob I. bzw. Jacques I. genannt und Faustin Soulouque (1849–1859) – warfen sich zu verschiedenen Zeiten zu Kaisern auf.

1902 gab es einen Zwischenfall, bei dem es zu einem Seegefecht zwischen dem haitianischen Kanonenboot CrĂȘte-Ă -Pierrot und dem deutschen Kanonenboot SMS Panther kam (Markomannia-Zwischenfall), in dessen Verlauf das haitianische Boot sank und Admiral Hammerton Killick fiel.

WĂ€hrend der US-MilitĂ€rintervention in Haiti 1915–1934 wurde das Land vom United States Marine Corps besetzt, das eine haitianische Gendarmerie aufstellte, die Gendarmerie d’HaĂŻti. Es wurden Anstrengungen unternommen, die lĂ€ndliche Infrastruktur und das Bildungssystem zu verbessern; aber diese Reformen, die die BrĂ€uche und Traditionen Haitis nicht berĂŒcksichtigten, waren weder gern gesehen noch erfolgreich. FĂŒhrer des bewaffneten Widerstands gegen die Besatzungstruppen und die Gendarmerie d’HaĂŻti war Charlemagne PĂ©ralte.

Die US-Intervention leitete eine bis zum Ende der PrĂ€sidentschaft Élie Lescots (Leslie Lescot) im Jahr 1946 wĂ€hrende Periode ein, in der die Nachkommen aus einer schwarz/weiß-Beziehung die wirtschaftlichen und politischen FĂ€den in der Hand hielten. Es gab nur eine einzige Regierungszeitung. Die US-Truppen wurden 1934 im Rahmen der Good Neighbour Policy abgezogen. 1946 errangen die Schwarzen in der sogenannten „Revolution“ die Macht; ihre Vorherrschaft wurde unter den PrĂ€sidenten Dumarsais EstimĂ© (1946) und Paul EugĂšne Magloire (1950) ausgebaut.

Bis 1950 galt in Haiti ein Zensuswahlrecht, das bestimmte Einkommens- und Besitzgrenzen fĂŒr die Erlangung des Wahlrechts erforderlich machte. DarĂŒber hinaus gab es bis 1950 weder ein aktives noch ein passives Frauenwahlrecht.

Ab 1957 gelang es dem ehemaligen Landarzt François „Papa Doc“ Duvalier mit einem anti-US-amerikanischen, betont „schwarzen“ Programm, die Macht zu erlangen. Er setzte sich 1964 zum Diktator ein und wurde durch die sogenannten Tontons Macoutes bekannt, eine Freiwilligentruppe, die mit den Methoden mal einer Geheimpolizei, mal einer SchlĂ€gertruppe gegen Missliebige vorging. Auch der Voodoo-Kult wurde wieder toleriert. „Papa Docs“ Sohn Jean-Claude „Baby Doc“ Duvalier folgte ihm 1971 im Alter von 19 Jahren in der Regierung. Die Verfassung von 1985 dehnte das Wahlrecht auf alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger aus. 1986 wurde „Baby Doc“ aus dem Land vertrieben.

Nach der Verfassungsreform von 1987 putschte das MilitĂ€r, unterstĂŒtzt durch die reiche Oberschicht, im Juni 1988 gegen PrĂ€sident Leslie Manigat und regierte (nach einem weiteren Staatsstreich im September 1988) bis zu den Wahlen 1990, bei denen der katholische Armenpriester Jean-Bertrand Aristide mit ĂŒberwĂ€ltigender Mehrheit zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt wurde. Seine Gegner warfen ihm Klassenkampf vor, er selbst rechnete sich der Befreiungstheologie zu. Schon 1991 wurde er von Brigadegeneral Raoul CĂ©dras wieder aus dem Amt geputscht. Das Regime bemĂŒhte sich zunĂ€chst erfolgreich um UnterstĂŒtzung durch die USA. Auch unter dem Druck der Organisation Amerikanischer Staaten entschieden sich die USA aber 1994 zu der militĂ€rischen Intervention Operation Uphold Democracy und ließen Aristide in sein Amt zurĂŒckkehren, allerdings unter der Bedingung, dass er sich nun mit der Weltbank und dem Internationalen WĂ€hrungsfonds abstimme, an die Regeln der Marktwirtschaft halte und einen Teil seiner Rechte an das Parlament abtrete. 1996 ĂŒbergab Aristide entsprechend der Verfassung nach Ablauf einer Amtszeit das Amt an seinen WeggefĂ€hrten RenĂ© PrĂ©val. Das UNO-Mandat, unter welchem Haiti seit 1995 stand, lief 1997 wieder aus.

Im Januar 1999 hatte es PrĂ€sident PrĂ©val versĂ€umt, die Mandate der Parlamentarier zu verlĂ€ngern. Zudem endeten auch die Amtszeiten lokaler Regierungsvertreter, was dazu fĂŒhrte, dass es bis zum dritten Quartal des Jahres 2000 in Haiti praktisch keine gewĂ€hlten Amtsinhaber mehr gab und der PrĂ€sident per Dekret regierte. In der ersten HĂ€lfte 2000 fanden zunĂ€chst Kommunal- und Parlamentswahlen statt; die Wahlbeteiligung wurde auf 60 Prozent geschĂ€tzt. Dabei kam es nach EinschĂ€tzung von Amnesty International und des Ökumenischen Rats der Kirchen zu EinschĂŒchterungen und zu Gewalt bis hin zum Mord an Kandidaten beider Seiten und zu umstrittenen Entscheidungen bis hin zu WahlfĂ€lschungen bei der Wertung und AuszĂ€hlung der Stimmen durch die Regierung. Nach EinschĂ€tzung von Wahlbeobachtern kam die Regierung auf etwa 60 % der Stimmen, sie verschaffte sich aber fast alle Parlamentsmandate. Die Opposition bewirkte daraufhin einen weitgehenden Boykott der folgenden PrĂ€sidentenwahl, die Aristide daher im November 2000 mit ĂŒber 91 Prozent der Stimmen gewann. Nach dem Amtsantritt 2001 wurde seiner Regierung auch noch Misswirtschaft und Korruption vorgeworfen. Es kam zu landesweit zunehmendem Widerstand, der von KrĂ€ften des ehemaligen Diktators Duvalier unter Einschluss fĂŒr ihn tĂ€tiger Todesschwadronen angefacht wurde. Aristide versuchte, sich durch die Mobilisation seiner AnhĂ€nger – unter Einschluss der ebenfalls gewalttĂ€tigen „ChimĂšres“ der „Fanmi Lavalas“ (FL) – an der Macht zu halten. Unter bĂŒrgerkriegsĂ€hnlichen ZustĂ€nden kam es schließlich zum Zusammenbruch innerstaatlicher Ordnung und im Februar 2004 mit Billigung durch den UN-Sicherheitsrat zur militĂ€rischen Intervention, bei der Chile, Frankreich, Kanada und die USA Truppen schickten. Aristide verließ das Land – nach Darstellung der Opposition, der USA und Frankreichs freiwillig, nach eigener Darstellung infolge eines Putsches. An Stelle der ersten Interventionstruppen wurden 2004 im Rahmen von MINUSTAH rund 10.000 Blauhelm-Soldaten stationiert.

Das Land wurde 2004 nach Aristide zunĂ€chst von einer Übergangsregierung unter Boniface Alexandre als PrĂ€sidenten und GĂ©rard Latortue als Premierminister verwaltet, bis Februar 2006 die mehrfach verschobene PrĂ€sidentenwahl abgehalten wurde. Sie brachte mit einem Wahlergebnis von 51,15 % der Stimmen PrĂ©val als Sieger hervor, aber auch der Ablauf dieser Wahl war umstritten. Im Mai 2006 nominierte PrĂ©val den Politiker Jacques-Édouard Alexis als Premierminister. Anfang 2006 starb General Urano Teixeira da Matta Bacellar, der brasilianische Kommandeur der MINUSTAH, unter ungeklĂ€rten UmstĂ€nden, vermutet wurde Suizid.

Die hohe Inflation und die weltweit stark angestiegenen Preise fĂŒr Grundnahrungsmittel wie Reis oder Mais fĂŒhrten im FrĂŒhjahr 2008 zu Protesten der Bevölkerung, die in schweren Unruhen mit mehreren Todesopfern gipfelten. Obwohl PrĂ€sident PrĂ©val eine BekĂ€mpfung der gestiegenen Lebensmittelpreise angekĂŒndigt hatte, beruhigte sich die Lage nicht. Am 12. April 2008 beschloss der Senat die Entlassung von Premierminister Alexis.

Am 12. Januar 2010 forderte ein Erdbeben im sĂŒdlichen Teil Haitis bis zu 316.000 Tote und zerstörte das Zentrum der Hauptstadt. Gemessen an den Opferzahlen war es die schwerste Naturkatastrophe in der Geschichte Haitis und eines der verheerendsten Erdbeben weltweit.

Die fĂŒr den 28. Februar 2010 geplanten Wahlen wurden auf den 20. MĂ€rz 2011 verschoben, als 56. PrĂ€sident Haitis ging daraus bei der Stichwahl am 14. Mai 2011 letztendlich Michel Martelly hervor.

Neun Monate nach dem Erdbeben rief die Regierung nach dem epidemischen Ausbruch von Cholera-Erkrankungen den landesweiten sanitĂ€ren Notstand aus. Mehr als 300.000 Menschen infizierten sich im ersten Jahr der Epidemie, bis 2013 starben ĂŒber 8000 Menschen.

Die Infektionen traten zunĂ€chst in der lĂ€ndlichen Provinz Artibonite auf und breiteten sich innerhalb weniger Tage bis zur Hauptstadt Port-au-Prince aus. Am 17. August 2016 gestand die UNO ein, dass die Ursache fĂŒr den Ausbruch ein Erreger gewesen war, den nepalesische UNO-Soldaten eingeschleppt hatten.

Seit September 2019 gab es in Haiti Proteste gegen den seit 2017 amtierenden PrĂ€sidenten Jovenel MoĂŻse. Ausgelöst wurden die Proteste durch einen Bericht, in dem weitreichende Korruption der wirtschaftlichen und politischen Eliten aufgedeckt wurde, wĂ€hrend der Großteil der Bevölkerung des Landes in schwerer Armut lebt. Das gesellschaftliche Leben in Haiti wurde beeintrĂ€chtigt, unter anderem schlossen die Schulen. Bei den Auseinandersetzungen sind Dutzende Menschen gestorben, Amnesty International erhob schwere VorwĂŒrfe gegen die haitianische Polizei, wovon Teile Ende Februar 2020 das MilitĂ€rhauptquartier zu stĂŒrmen versuchten, um bessere Arbeitsbedingungen zu erlangen.

In der Nacht vom 6. auf 7. Juli 2021 um circa 1 Uhr drang eine Gruppe MĂ€nner in die Privatresidenz des amtierenden PrĂ€sidenten Jovenel MoĂŻse ein und ermordeten diesen mit mehreren SchĂŒssen. Die Frau des PrĂ€sidenten wurde durch mehrere Kugeln verletzt, ĂŒberlebte jedoch die Tat. Laut Medienberichten sprachen die TĂ€ter englisch und spanisch und wurden als AuslĂ€nder betitelt.

Im Zuge des PrĂ€sidentenmordes kam es zu Unruhen in Haiti. GewalttĂ€tige kriminelle Banden ĂŒbernahmen bis Oktober 2021 verschiedene Ortschaften und bis zur HĂ€lfte der Hauptstadt. Folgen dessen sind unter anderem eine Treibstoffknappheit, fehlender Strom, eine fast vollstĂ€ndige Einstellung des öffentlichen Nahverkehrs sowie ein Anstieg von Hungernden. Laut Vereinten Nationen benötigen 4,4 von 11 Millionen Haitianern Nahrungsmittelhilfe.

Politik

Politisches System

Nach der Verfassung vom 28. April 1987 ist Haiti eine prĂ€sidiale Republik. Staatsoberhaupt und oberster Inhaber der Exekutivgewalt ist der auf fĂŒnf Jahre vom Volk direkt gewĂ€hlte StaatsprĂ€sident. Der StaatsprĂ€sident ernennt den MinisterprĂ€sidenten, der vom Parlament bestĂ€tigt werden muss. Die Legislative liegt beim Zweikammer-Parlament, bestehend aus dem Senat (SĂ©nat) mit 30 Senatoren, die fĂŒr sechs Jahre gewĂ€hlt werden, und der Abgeordnetenkammer (Chambre des dĂ©putĂ©s) mit 99 Abgeordneten, die auf vier Jahre gewĂ€hlt werden.

Nachdem sich die Parteien und der PrĂ€sident bis zum Ende der Legislaturperiode nicht auf Regeln fĂŒr die DurchfĂŒhrung der anstehenden Neuwahlen verstĂ€ndigen konnten, löste PrĂ€sident Martelly am 13. Januar 2015 das Parlament auf und regierte fortan per Dekret.

Bei den Wahlen zur Abgeordnetenkammer und zum Senat am 9. August 2015 konnten 290.000 Wahlberechtigte nicht abstimmen, da ihre Wahllokale infolge gewalttĂ€tiger Ausschreitungen geschlossen wurden. Die Wahlbeteiligung lag bei 18 %, in der Hauptstadt nur bei 10 %. Das Wahlergebnis hĂ€tte einen Monat nach der Wahl, am 8. September 2015, bekanntgegeben werden sollen. Doch das unterblieb, u. a. infolge von Querelen unter den Mitgliedern der zustĂ€ndigen Wahlkommission (Conseil Électoral Provisoire). Nach der Wahlrunde am 25. Oktober 2015 (Stichwahlen zur Abgeordnetenkammer und zum Senat, erste Runde der PrĂ€sidentschaftswahlen, Kommunalwahlen) fehlten fĂŒnf Tage nach Schließung der Wahllokale noch 2113 Niederschriften der Ergebnisse der örtlichen AuszĂ€hlungen. FĂŒr die Stichwahl der PrĂ€sidentschaftswahl qualifizierten sich Jovenel MoĂŻse und Jude CĂ©lestin. Diese hĂ€tte am 27. Dezember 2015 durchgefĂŒhrt werden sollen, wurde jedoch sechs Tage zuvor abgesagt, mehrfach verschoben und schließlich fĂŒr den 24. April 2016 anberaumt. Am 14. Februar 2016 wurde SenatsprĂ€sident Jocelerme Privert vom Parlament zum ÜbergangsprĂ€sidenten gewĂ€hlt, der bis zur Wahl im April die AmtsgeschĂ€fte fĂŒhren sollte. Doch dann wurden die fĂŒr den 24. April 2016 anberaumte Stichwahl der PrĂ€sidentschaftswahl erneut – zum vierten Mal – verschoben. Ende Mai 2016 empfahl eine WahlprĂŒfungskommission, die erste Runde der PrĂ€sidentschaftswahl im Oktober 2015 fĂŒr nichtig zu erklĂ€ren und zu wiederholen, da damals viel zu viele Personen mit zweifelhafter Wahlberechtigung mitgewĂ€hlt hĂ€tten. Am 14. Juni 2016 lief Priverts auf 120 Tage befristete Mandat als ÜbergangsprĂ€sident ab, ohne dass er sein Ziel, die AmtsĂŒbergabe an einen vom Volk gewĂ€hlten Nachfolger, erreicht hĂ€tte. Zwei Versuche der verbliebenen Abgeordneten der Abgeordnetenkammer, ĂŒber eine Erneuerung von Priverts Mandat als ÜbergangsprĂ€sident bis zum 7. Februar 2017 zu entscheiden, scheiterten. Denn gewalttĂ€tige Demonstranten fĂŒr und gegen Privert verhinderten, dass die anberaumten Sitzungen am 21. Juni bzw. am 28. Juni 2016 zustande kamen. Gleichwohl betrachtete Privert sich selbst bis auf Weiteres als „de-facto-ÜbergangsprĂ€sident“, insofern die Abgeordnetenkammer nichts Gegenteiliges verfĂŒgt habe. Die mehrfach verschobene Stichwahl der PrĂ€sidentschaftswahl wurde schließlich am 20. November 2016 durchgefĂŒhrt. Dem am 28. November vom Conseil Électoral Provisoire verkĂŒndeten vorlĂ€ufigen Wahlergebnis zufolge gewann Jovenel MoĂŻse mit 55,7 % der Stimmen vor Jude CĂ©lestin (19,2 %), MoĂŻse Jean-Charles (11,0 %) und Maryse Narcisse (9,0 %). Nur etwa 1,3 Millionen der 6,2 Millionen Wahlberechtigten (= 21 %) gaben ihre Stimme ab.

Da die fĂŒr Oktober 2019 vorgesehene Parlamentswahl unter anderem wegen heftiger Proteste gegen MoĂŻse nicht durchgefĂŒhrt wurde, ist die Amtszeit von 20 der insgesamt 30 Senatoren abgelaufen, der Senat somit seit Januar 2020 nicht mehr beschlussfĂ€hig. Dennoch wĂ€hlten am 9. Juli 2021 acht der zehn noch amtierenden Mitglieder des Senats den bisherigen SenatsprĂ€sidenten Joseph Lambert zum Übergangsnachfolger des ermordeten StaatsprĂ€sidenten Jovenel MoĂŻse; zwei Senatoren enthielten sich. Allerdings ist Lamberts Wahl nicht verfassungsgemĂ€ĂŸ. Im Februar 2021 hatten mehrere Oppositionsparteien Joseph MĂ©cĂšne Jean-Louis, einen Richter des Obersten Gerichtshofs, zum ÜbergangsprĂ€sidenten erklĂ€rt, da aus ihrer Sicht MoĂŻses Amtszeit abgelaufen war.

Noch kurz vor seiner Ermordung hatte MoĂŻse den Neurochirurg Ariel Henry zum Regierungschef ernannt, der jedoch vor dem Attentat nicht mehr vereidigt wurde. Der Außenminister und bisherige Interims-Premierminister Claude Joseph erklĂ€rte sich daraufhin in Konkurrenz zu Ariel Henry zunĂ€chst selbst zum amtierenden Interims-Regierungschef. Am 19. Juli 2021 gestand Claude Joseph Ariel Henry das Amt des Premierministers zu und erklĂ€rte, er werde im Kabinett von Henry als Außenminister mitwirken.

Die einflussreichsten politischen Parteien sind:

  • Fanmi Lavalas (FL)
  • Mouvement ChrĂ©tien National (Mochrena)
  • Organisation du Peuple en Lutte (OLP), Mitglied der ConfĂ©rence permanente des partis politiques d’AmĂ©rique latine et des CaraĂŻbes (COPPPAL)

Haiti ist zweifellos ein schwacher Staat und nach EinschÀtzung von Foreign Policy gar ein gescheiterter Staat.

Politische Indizes

Innenpolitik

Die innenpolitische Situation in Haiti war in den letzten Jahrzehnten durch wiederholte Krisen wie Staatsstreiche, auslĂ€ndische Interventionen und/oder Diktaturen mit AusbrĂŒchen von gewalttĂ€tigen Konflikten, Verletzungen der Menschenrechte und chronischer InstabilitĂ€t gekennzeichnet. Der am 29. Februar 2004 zurĂŒckgetretene PrĂ€sident Jean-Bertrand Aristide hinterließ Interims-PrĂ€sident Boniface Alexandre ein Land im Chaos. Rechtsstaatliche Ordnung, institutionelle Strukturen und kollektive Verhaltensregeln fehlen weitgehend. Hinzu kommt ein Panorama an Korruption, mangelnde Strafverfolgung, Wahlbetrug, kriminellen Banden, Drogenhandel und die Bereitschaft, Konflikte gewaltsam auszutragen.

Ein weiteres Problem stellt die schlechte Überwachung des Luftraumes dar. Diese hat z. B. dazu gefĂŒhrt, dass Haiti ein beliebtes Transitland fĂŒr den Kokainschmuggel geworden ist.

Außenpolitik

In den 1960er und 1970er Jahren waren die Bundesrepublik Deutschland und die USA die einzigen Staaten, die Haiti Entwicklungshilfe gewĂ€hrten; jedoch war das VerhĂ€ltnis Haitis zu den USA, die sich als unzuverlĂ€ssiger Partner erwiesen, ĂŒber eine lange Zeit hinweg stark gestört.

Die entwicklungspolitische Zusammenarbeit zwischen Haiti und der Bundesrepublik Deutschland reicht also bis in die 1960er Jahre zurĂŒck, hat aber durch die innenpolitischen Auseinandersetzungen und die unzulĂ€nglichen strukturellen Rahmenbedingungen wiederholt ZĂ€suren erfahren. Im Jahr 2000 bildeten die Wahlmanipulationen erneut Anlass fĂŒr Deutschland und andere EU-Staaten, ihr Engagement zu reduzieren: Die laufenden Projekte der Technischen Zusammenarbeit wurden weitergefĂŒhrt, es wurden aber keine neuen Projekte vereinbart.

Vor dem Hintergrund der extrem schlechten sozioökonomischen Situation und der chronischen politischen InstabilitĂ€t hat die haitianische Übergangsregierung im Juli 2004 mit UnterstĂŒtzung der Gebergemeinschaft ein Rahmenabkommen fĂŒr die Entwicklungszusammenarbeit (Cadre de CoopĂ©ration IntermĂ©diaire) fĂŒr die zwei Jahre bis zu den Neuwahlen ausgearbeitet. Auch die deutsche Regierung beteiligte sich an diesem Programm. Damit ergaben sich neue Rahmenbedingungen fĂŒr die deutsch-haitianische Zusammenarbeit. Der Schwerpunkt der Technischen Zusammenarbeit liegt im lĂ€ndlichen Raum (kommunale/lokale Entwicklung).

Durch das Erdbeben 2010 wurde das Land vollstĂ€ndig abhĂ€ngig von internationaler Hilfe. Dabei kam es zu unkoordinierten Aktionen und auch zur Konkurrenz zwischen einer Reihe von Staaten um politischen Einfluss auf die fĂŒr die USA geostrategisch wichtige Insel. Etwa eine Million potenzieller amerikanischer WĂ€hler stammt außerdem aus Haiti.

Kuba hatte Haiti schon seit lĂ€ngerer Zeit unterstĂŒtzt, vor allem seit dem Hurrikan Georges 1998 durch medizinische Hilfe, und baute nach dem Erdbeben eine GesundheitsbrĂŒcke auf. Brasilien fĂŒhrte seit 2004 die UN-Stabilisierungstruppe an und konnte gewisse Erfolge vorweisen, u. a. bei der BekĂ€mpfung des Drogenhandels, was zu positiven Beziehungen beider LĂ€nder beitrug. Die Beziehungen zu Frankreich waren hingegen nur noch symbolischer Natur und durch Forderungen nach RĂŒckgabe der von Haiti fĂŒr die Anerkennung des Landes im 19. Jahrhundert an Frankreich gezahlten EntschĂ€digungen angespannt. Diese EntschĂ€digungen hatten zur langanhaltenden wirtschaftlichen Stagnation beigetragen.

Nach dem Beben stellten die USA u. a. durch USAid massive Hilfe bereit und entsandten auch Soldaten. Auch Venezuela versuchte durch Erdöl- und Hilfslieferungen Einfluss zu gewinnen.

Haiti ist u. a. Mitglied der CELAC.

Gesundheitspolitik

Die HIV-PrĂ€valenz in Haiti wird mit 1,9 % (1,7 %–2,2 %) angegeben (2009), allerdings liegen fĂŒr die Zeit nach dem Erdbeben vom Januar 2010 keine Daten vor. Knapp die HĂ€lfte (46 %) aller Menschen mit HIV/AIDS in der Karibik lebt in Haiti. Seit Anfang der 1990er Jahre nahm die HIV-PrĂ€valenz in Haiti von 5,9 % ab und scheint sich bei etwa zwei Prozent zu stabilisieren. Trotz positiver Entwicklungen sind die ökonomischen und sozialen Auswirkungen von HIV/AIDS wegen des unzureichenden Gesundheitssystems, der verbreiteten Armut und der Diskriminierung von HIV-positiven Menschen groß.

2016 betrug die Kindersterblichkeit in Haiti 6,7 %. Trotz der großen Probleme des Landes konnte die Lebenserwartung erhöht und die Kindersterblichkeit zurĂŒckgedrĂ€ngt werden.

Entwicklung der Lebenserwartung

Quelle: UN

Wirtschaft

Haiti ist das Ă€rmste Land der westlichen HemisphĂ€re. Das Land ist ein dicht bevölkerter Agrarstaat, dessen Pro-Kopf-Einkommen 2016 bei ca. 761 US-Dollar lag, was das geringste Pro-Kopf-Einkommen Lateinamerikas darstellt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fĂŒr 2017 wird auf 8,6 Milliarden US-Dollar geschĂ€tzt. In KaufkraftparitĂ€t betrĂ€gt das BIP 20 Milliarden US-Dollar oder 1800 US-Dollar je Einwohner. Das reale Wachstum betrug lediglich 1,2 % bei einer Inflationsrate von 14,7 %. Trotz hoher Hilfsgelder aus dem Ausland verbesserte sich die wirtschaftliche Lage in den letzten Jahren kaum.

Seit Juli 2017 betrĂ€gt der gesetzliche Mindestlohn 350 Gourdes pro Tag (= 4,85 € zum damaligen Wechselkurs).

58,5 % der Bevölkerung leben unter der relativen Armutsgrenze (Stand 2012). Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung im erwerbsfÀhigen Alter haben keine regulÀre Arbeit (Stand 2010).

Nach FAO-Angaben von 2010 ist mehr als die HĂ€lfte der Bevölkerung unterernĂ€hrt: 5,5 Millionen der 9,4 Millionen Einwohner Haitis. Als wesentlichen negativen Faktor fĂŒr die ErnĂ€hrungssicherung in Haiti bezeichnet der Entwicklungsökonom Hans-Heinrich Bass die VerdrĂ€ngung der Kleinproduktion in den 1980er und 1990er Jahren durch Importe von subventioniertem US-amerikanischen Reis und Zucker und die zeitgleiche Förderung von Kaffee- und Mangoplantagen, auch durch Gelder der US-amerikanischen Entwicklungszusammenarbeit. Zwar liege ein komparativer Kostenvorteil möglicherweise tatsĂ€chlich in diesem Spezialanbau, aber das Problem der landwirtschaftlichen Unterproduktion im VerhĂ€ltnis zur Bevölkerungszahl in Haiti habe damit in der Praxis nicht gelöst werden können, da die im Spezialanbau entstehenden Einkommen nicht hinreichend gewesen seien fĂŒr eine importbasierte Sicherung der ErnĂ€hrung.

Die Analphabetenquote liegt bei 38 % (Stand 2016), obwohl eine sechsjÀhrige Grundschulpflicht besteht. 1995 waren 55 % der Bevölkerung Analphabeten.

Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Haiti Platz 128 von 137 LĂ€ndern (Stand 2017–2018). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegte das Land 2017 Platz 159 von 180 LĂ€ndern.

Ein großes Problem des Landes ist der schlechte Zustand der Straßen und der Transportinfrastruktur. Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die QualitĂ€t der Infrastruktur misst, belegte Haiti 2018 den 153. Platz unter 160 LĂ€ndern.

Entwicklung

Das koloniale Haiti war seinerzeit reichstes Land der Karibik, wobei der Wohlstand freilich primĂ€r der Kolonialmacht und einer kleinen einheimischen Elite zugutekam. Zucker und Kaffee wurden auf Plantagen angebaut und nach Europa exportiert. Nach der haitianischen Revolution presste Frankreich 1825 seiner ehemaligen Kolonie ein „Lösegeld“ ab, um im Gegenzug die UnabhĂ€ngigkeit anzuerkennen. Haiti sollte 150 Mio. Franc bezahlen, die nach Verhandlungen zunĂ€chst auf 120. Mio. und 1838 dann auf 60. Mio. reduziert wurden, zahlbar in 30 Jahresraten bis 1867. Von gelegentlichen Zahlungsverzögerungen abgesehen wurde die Summe bis 1883 auch tatsĂ€chlich vollstĂ€ndig abbezahlt. FĂŒr die Bedienung dieser Raten nahm das Land aber immer wieder Kredite zu ausgesprochen schlechten Konditionen auf, sodass die Summe effektiv erst 1947 abbezahlt war.

WĂ€hrend des 19. Jahrhunderts setzte ein langsamer Niedergang der haitianischen Volkswirtschaft ein, deren Ursachen vielfĂ€ltig waren: Die Schuldenlast, außenpolitische Blockaden und Bedrohungen, hohe MilitĂ€rausgaben und ausbleibende Investitionen, politische InstabilitĂ€t, massive soziale und rassische Konflikte, chaotische Landreformen und eine Umstellung der Landwirtschaft von der Plantagenwirtschaft auf primitive kleinbĂ€uerliche Betriebe sorgten dafĂŒr, dass Haiti am Vorabend der US-amerikanischen Invasion 1915 zu den weniger entwickelten Staaten der Karibik zĂ€hlte. Die US-amerikanischen Besatzer bauten zwar die Infrastruktur und staatliche Verwaltung aus, was aber an den strukturellen wirtschaftlichen Problemen nichts Ă€nderte. Heute ist Haiti, das „Armenhaus Amerikas“, der einzige Staat in Amerika, der noch zu den klassischen EntwicklungslĂ€ndern zu zĂ€hlen ist.

Von 1990 bis 2003 kamen rund vier Milliarden US-Dollar Hilfen aus den USA und Europa. Zur gleichen Zeit litt das Land unter einer starken Talentabwanderung, denn 80 Prozent der Haitianer mit höherer Bildung wanderten aus.

Seit dem Sturz von Jean-Bertrand Aristide ist die Wirtschaft des Landes in einer schweren Krise. Doch erste Anzeichen der Normalisierung zeigten sich am 4. MĂ€rz 2004, denn in Port-au-Prince öffneten erstmals wieder die Banken. Der Industrieverband Haitis schĂ€tzt die entstandenen SchĂ€den der Unruhen auf mehr als 100 Millionen Euro. Die Deutsche Post gab die Zusage, Haiti beim Aufbau eines modernen Postleitzahlensystems zu unterstĂŒtzen. Ein großes Problem des Staates ist der hohe Grad an Korruption. Er belegt mit Platz 146 von 178 einen der untersten PlĂ€tze in der Statistik der Transparency International. Gegen Haiti wurde von der Bundesrepublik Deutschland ein ErfĂŒllungsverbot nach Totalembargo verhĂ€ngt.

Wirtschaftszweige

Die Landwirtschaft macht 22,1 Prozent des BIP aus (Stand 2017). Etwa zwei Drittel der Bevölkerung Haitis leben von der Landwirtschaft. Hauptprodukte sind Kaffee, Mangos, Rohrzucker, Sorghumhirse und Holz. Fast alle anderen Nahrungsmittel mĂŒssen im großen Umfang importiert werden. Daneben werden auch Reis, Mais, Mangos, Kaffee und Kakao exportiert. Etwa ein Drittel des Landes wird landwirtschaftlich genutzt, jedoch sind große FlĂ€chen an AckerflĂ€che durch Abholzung und Erosion verloren gegangen. Mangos und Kaffee werden in erster Linie fĂŒr den Export angebaut. Aus Haiti kommt rund die HĂ€lfte des weltweiten Vetiver-Öls. Caribbean Flavors and Fragrances ist 2013 mit 50 Angestellten Haitis grĂ¶ĂŸter Hersteller und Exporteur des fĂŒr die ParfĂŒmherstellung, Aromatherapie und Naturheilkunde verwendeten Öls. Der Export von Agrarprodukten kann nur ĂŒber den Hafen von Port-au-Prince abgewickelt werden, er scheitert aber oft an unzureichenden Verkehrsverbindungen von den Anbaugebieten zum Hafen.

Die Industrie macht rund 20,3 Prozent des BIP aus (Stand 2017). Industriebetriebe gibt es lediglich fĂŒr Textilien, Handwerk, Montage von Elektronikartikeln, Lebensmittelverarbeitung, GetrĂ€nke, Tabak, Möbel, Chemikalien und Stahl.

Dienstleistungen sind fĂŒr rund 57,6 Prozent des BIP verantwortlich (Stand 2017). Neben dem Handel gibt es Hotels und Restaurants sowie den Tourismus.

Tourismus

Haiti verfĂŒgt ĂŒber 1700 Kilometer KaribikkĂŒste, doch gab es ĂŒber viele Jahre keine auslĂ€ndischen Investitionen in Strandhotels. Eine der wenigen Ausnahmen bildet eine kleine Landzunge im Nordwesten: Der ĂŒberwiegende Großteil der Tourismuseinnahmen des Landes stammt aus der Verpachtung des Hafens Labadee samt angrenzenden StrĂ€nden im Norden des Landes an die Kreuzfahrtreederei Royal Caribbean Cruises. Labadee wird als regelmĂ€ĂŸiger Landgang auf den Karibikkreuzfahrten angesteuert. Die Reederei zahlt dem haitianischen Staat sechs US-Dollar pro Tourist. Das GelĂ€nde ist gegenĂŒber dem Rest des Landes streng abgeschottet. Der Grund hierfĂŒr sind die seit Jahren bestehenden Reisewarnungen der USA und EU aufgrund von u. a. gezielten bewaffneten RaubĂŒberfĂ€llen auf AuslĂ€nder.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (KaufkraftparitÀt) angeben.

Außenhandel

RĂŒckĂŒberweisungen von Emigranten und der Textilhandel machen den Großteil des Bruttoinlandsprodukts aus. 2009 wurden Haiti etwa 1,2 Milliarden US-Dollar an Auslandsschulden erlassen.

  • Exporte (Waren): 1,11 Milliarden US$ (2016): HauptsĂ€chlich Textilien
  • Importe (Waren): 2,95 Milliarden US$ (2016)

Seit vielen Jahren ist das Land einseitig von den Vereinigten Staaten abhÀngig: Es exportiert rund 80 Prozent dorthin und importiert etwa die HÀlfte von dort.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2017 Ausgaben von umgerechnet 1,65 Milliarden US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 1,567 Milliarden US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 1 % des BIP.

Die Staatsverschuldung betrug 2016 33,5 % des BIP.

Der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) betrug:

  • Gesundheit: 7,7 % (2018)
  • Bildung: 2,8 % (2018)
  • MilitĂ€r: 0,4 % (2006. Die StreitkrĂ€fte wurden entwaffnet, eine internationale Friedenstruppe war seit dem Umsturz 2004 bis 2017 im Land stationiert.)

Wissenschaft

Es gibt zwei UniversitĂ€ten, die staatliche UniversitĂ€t UniversitĂ© d’État d’HaĂŻti mit rund 20.000 Studenten sowie die katholische UniversitĂ© Notre Dame d’HaĂŻti. Beide sind stark durch das Erdbeben von 2010 beeintrĂ€chtigt.

Kultur

Die haitianische Kultur unterscheidet sich sehr stark von derjenigen der umgebenden LĂ€nder der Karibik und des amerikanischen Doppelkontinents. Sie ist besonders stark von französischen und westafrikanischen EinflĂŒssen geprĂ€gt. DarĂŒber hinaus können auch Reste der spanischen oder der Taino-Kultur ausgemacht werden.

BrÀuche

Ein wichtiges Fest ist der Karneval (der von der Bevölkerung als Kanaval oder Mardi Gras bezeichnet wird). Dieser wird in weit stĂ€rkerem Ausmaß gefeiert als in Deutschland. Das Rara-Fest wird kurz vor Ostern mit Rara-Musik gefeiert.

Malerei

Die fĂŒr Haiti typische Mischung der Kulturen findet sich beispielsweise in der haitianischen Malerei, die afrikanische, französische, spanische und indianische Wurzeln vereint. Leuchtende Farben, mythische ErzĂ€hlungen, das Paradies des Dschungels, Rituale, TĂ€nze und die Götter des Voodoo charakterisieren die Motive der haitianischen Malerei, die dazu dienen, an die haitianische Vergangenheit zu erinnern. FĂŒr diese Mischung wird auf den MĂ€rkten der internationalen Kunstszene hohe Preise erzielt.

Viele KĂŒnstler teilen die haitianischen Objekte in ‚Kunstschulen‘ ein, wie beispielsweise die Schule Cap Haitiens, die sich auf das Alltagsleben in den StĂ€dten spezialisiert hat, die Jacmel-Schule, welche die Tiefen TĂ€ler und Berge der KĂŒsten abbildet, oder die Saint-Soleil-Schule, die von abstrakten menschlichen Formen und dem Symbolismus des Vodou charakterisiert ist.

Musik

Die bekannteste haitianische Musikrichtung ist der „Kompa“, ein Genre, in dem spanische und französische Musikelemente mit afrikanischen Rhythmen und kreolischen GesĂ€ngen kombiniert werden. Weitere typische haitianische Musikrichtungen sind Rara, Mizik Rasin, Compas und Mini-Jazz. Rap-Musik ist in Haiti beliebt und es hat sich eine eigene Stilrichtung (Haitian Rap) gebildet.

Der international bekannteste Haitianer ist vermutlich Wyclef Jean, der mit seinem Cousin Pras Michel (Prakazrel Michel) und mit Lauryn Hill als The Fugees Karriere machte, sowie auch als SolokĂŒnstler und in Zusammenarbeit mit KĂŒnstlern wie Santana („Maria Maria“ auf dem Album „Supernatural“, 1999) oder Sarah Connor („One Nite Stand“, 2002).

Der bekannteste Deutsche mit haitianischer Abstammung ist der Rapper Torch, GrĂŒndungsmitglied der Band Advanced Chemistry, der als MitbegrĂŒnder der deutschen Hip-Hop-Szene gilt und unter dem Pseudonym DJ Haitian Star weltweit bekannt ist.

Auch die familiĂ€ren Wurzeln der Multi-Instrumentalistin RĂ©gine Chassagne (The Arcade Fire) reichen zurĂŒck bis nach Haiti. Sie floh mit ihren Eltern in den 1970er Jahren nach Chicago, um dem Regime von Diktator Duvalier zu entkommen. Zum Album „Funeral“ von Arcade Fire gehört ein Lied namens „Haiti“, das die Situation unter der Diktatur Duvaliers schildert.

Literatur

Die frĂŒhe haitianische Literatur war vor allem durch die Essayistik von Historikern wie Joseph Saint-RĂ©my (1818–1856) geprĂ€gt, welche die weltgeschichtliche Mission der haitianischen StaatsgrĂŒndung zu begrĂŒnden versuchten und dabei zwischen AufklĂ€rungspathos und Rassentheorie oszillierten.

Die Romantik wurde durch Oswald Durand (1840–1906) vertreten. Justin LhĂ©risson (1873–1907) begrĂŒndete zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Roman national als Form der Gesellschaftssatire im oral-kreolischen ErzĂ€hlstil.

Seit 1930 entwickelte sich ein haitianischer IndigĂ©nisme, der den Widerstand gegen die USA mit einer Neubewertung des schwarzen kulturellen Erbes verband. Zu den Autoren dieser Bewegung zĂ€hlte Jean Price-Mars (1876–1969). Seit den 1950er Jahren dominierte eine sozialkritische bis sozialistische Perspektive, so im Werk von Jacques Stephen Alexis (1922–1961). Danach, insbesondere seit Ende der 1960er Jahre wurde die intellektuelle Elite Haitis unter Duvalier ins Exil getrieben; die in Haiti selbst geschriebene Literatur versiegte bis in die 1990er Jahre. Marie-CĂ©lie Agnant (* 1953) emigrierte ins französischsprachige Kanada, ebenso taten dies Jacqueline BeaugĂ©-Rosier (* 1932), Gary Klang (* 1941), Claude C. Pierre (* 1941), Liliane Devieux-Dehoux (* 1942) und der Lyriker Serge Legagneur (* 1937). Reginald Crosley (* 1937), Arzt und Voodoo-Praktiker und -Forscher, wanderte in die USA aus, ebenso Josaphat-Robert Large (1942–2017). RenĂ© Depestre (* 1926) musste schon in den 1940er Jahren ins französische Exil gehen. Jean MĂ©tellus (1937–2014) folgte 1959 nach Frankreich.

Kontroversen gab es immer wieder um die LiteraturfĂ€higkeit der kreolischen Sprache, die den Verbreitungsbereich der BĂŒcher stark einschrĂ€nkt. Andererseits können wohl 80 Prozent der Bevölkerung keine französischen BĂŒcher lesen. So trĂ€gt das Schreiben in kreolischer Sprache zur Selbstmarginalisierung und -exotisierung bei; es ist aber auch ein Moment kĂ€mpferischer Selbstbehauptung. Der Dichter, Komponist und Theatermacher Jean Jacques Clark Parent (* 1951) schreibt in beiden Sprachen; ebenso FrankĂ©tienne (* 1936), dessen Meisterwerk DĂ©zafi, der erste kreolische Roman Haitis, 1975 erschien.

Wichtige haitianische Autoren der Gegenwart sind Faubert Bolivar (* 1979), Webert Charles (* 1988), Maggy de Coster (* 1962), Louis-Philippe Dalembert (* 1962), Edwidge Danticat (* 1969), Jean-Claude FignolĂ© (* 1941), Dany LaferriĂšre (* 1953), Fred Edson Lafortune (* 1982), Yanick Lahens (* 1953), Jean-Robert LĂ©onidas (* 1946), Kettly Mars (* 1958), Marie-SƓurette Mathieu (* 1949), James NoĂ«l (* 1978), Makenzy Orcel (* 1983), ThĂ©lyson OrĂ©lien (* 1988), Stanley Pean (* 1966), der Lyriker Anthony Phelps (* 1928), Emmelie ProphĂšte (* 1971), Rodney Saint-Éloi (* 1963), Evelyne Trouillot (* 1954), Lyonel Trouillot (* 1956), Gary Victor (* 1958), Marvin Victor (* 1981). Auch viele der jĂŒngeren Autoren leben im Ausland.

Haiti als Schauplatz in der Literatur:

  • Heinrich von Kleist: Die Verlobung in St. Domingo (1811)
  • Graham Greene: Die Stunde der Komödianten (1966)

Sport

Es gibt zahlreiche erfolgreiche Sportler haitianischer Herkunft wie Andre Berto, Samuel Dalembert, Dudley Dorival, Joseph Gaetjens, Olivier Occéan oder Jean Pascal.

Im Jahre 1974 qualifizierte sich Haiti ĂŒberraschend fĂŒr die Fußball-WM in Deutschland. Sensationellerweise ging der „Fußball-Zwerg“ im ersten Spiel gegen Vizeweltmeister Italien durch ein Tor von Emmanuel Sanon in FĂŒhrung, unterlag jedoch am Ende und konnte die erste Runde nicht ĂŒberstehen. Der TorhĂŒter der Haitianer, Henri Françillon, wurde nach dem Turnier fĂŒr die Saison 1974/75 vom TSV 1860 MĂŒnchen fĂŒr die Zweite Bundesliga verpflichtet.

Literatur

  • Philippe Girard: Haiti. The Tumultuous History – From Pearl of the Caribbean to Broken Nation. Palgrave Macmillan, New York 2010. ISBN 0-230-10661-7.
  • Paul Edward Farmer: The Uses of Haiti. Common Courage Press, Monroe 2005, ISBN 1-56751-344-1.
  • Holger Schrader: Die Lateinamerikapolitik der USA unter PrĂ€sident Clinton: Anspruch und Wirklichkeit. Studien zur Geschichte, Politik und Gesellschaft Nordamerikas. Bd. 25. LIT, Berlin/Hamburg/MĂŒnster 2007, ISBN 3-8258-0334-1.
  • Peter Hallward: Damming the Flood: Haiti, Aristide and the Politics of Containment. Verso, London/New York 2008, ISBN 1-84467-106-2.
  • Werner Pieper: Haiti besser verstehen – Vergangenheits-, Gegenwarts- & Beben-Mix. Pieper & The GrĂŒne Kraft, Löhrbach 2010, ISBN 3-930442-42-6.
  • Yanick Lahens: Und plötzlich tut sich der Boden auf: Haiti, 12. Januar. Rotpunktverlag, ZĂŒrich 2011, ISBN 3-85869-439-8.
  • Hans Christoph Buch: Haiti. Nachruf auf einen gescheiterten Staat. Wagenbach, Berlin 2010, ISBN 978-3-8031-2648-1.
  • Werner Golder: VerrĂŒckte Liebe: Haiti – Irritation und Faszination. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2009, ISBN 3-8260-4251-4.

Weblinks

  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Haiti
  • Geschichte, englisch
  • LĂ€nderinformationen des AuswĂ€rtigen Amtes zu Haiti
  • Seite der haitianischen Botschaft in den USA
  • Geologie Haitis Teil 1 (englisch, PDF, 403 KiB)
  • Geologie Haitis Teil 2 (englisch, PDF, 316 KiB)
  • Offizielle Seite des Tourismusverbandes Haiti (französisch)
  • Offizielle Seite des Tourismusministeriums (französisch)
  • The Louverture Project Geschichte der Haitianischen Revolution – Wiki (englisch)
  • Oliver Gliech: Haiti - Die "erste schwarze Republik" und ihr koloniales Erbe. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 5. Juli 2010, abgerufen am 30. Januar 2021. 

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (0)

Abk Name O
HT.CE Centre  
HT.GR Grand'Anse  
HT.AR L'Artibonite  
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HT.ND Nord  
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Flagge: Haiti

Name englisch: Haiti
Hauptstadt: Port-au-Prince
Kfz: RH
ISO: HT
ISO3: HTI
Fläche: 27750 km²
Tld: .ht
Wärung Einheit: HTG
Währung: Gourde
Vorwahl: 509

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 20.0896142
südlichster Punkt: 18.0220783
westlichster Punkt: -74.4809103
östlichster Punkt: -71.621754


 
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