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Staat Informationen : Brasilien

Informationen:


Brasilien (portugiesisch Brasil, gemĂ€ĂŸ Lautung des brasilianischen Portugiesisch [bÉŸaˈziuÌŻ] ) ist der FlĂ€che nach der fĂŒnftgrĂ¶ĂŸte und mit ĂŒber 211 Millionen Einwohnern der Bevölkerung nach der sechstgrĂ¶ĂŸte Staat der Erde. Nach FlĂ€che und Bevölkerung ist es auch das grĂ¶ĂŸte Land SĂŒdamerikas, von dessen FlĂ€che es 47,3 Prozent einnimmt. Bis auf die LĂ€nder Chile und Ecuador hat Brasilien mit jedem anderen sĂŒdamerikanischen Staat eine gemeinsame Grenze. Der Name Brasilien geht auf den portugiesischen Namen pau-brasil des Brasilholz-Baumes (Paubrasilia echinata) zurĂŒck.

Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung reichen ca. 30.000 Jahre zurĂŒck. Nach der europĂ€ischen Entdeckung Amerikas und der Aufteilung des sĂŒdamerikanischen Kontinents durch den Vertrag von Tordesillas wurde Brasilien eine portugiesische Kolonie. Diese mehr als drei Jahrhunderte andauernde Kolonialzeit, in der Einwanderer verschiedenster Herkunft (freiwillig oder gezwungenermaßen) nach Brasilien kamen, trug erheblich zur heutigen ethnischen Vielfalt Brasiliens bei. Nach der im Jahre 1822 erlangten staatlichen UnabhĂ€ngigkeit, auf die eine Zeit der konstitutionellen Monarchie folgte, wurde das Land 1889 als Vereinigte Staaten von Brasilien zu einer Republik. Nach der Zeit der MilitĂ€rdiktatur ab 1964 kehrte das Land 1985 zur Demokratie mit einem prĂ€sidentiellen Regierungssystem zurĂŒck.

Name

Der Name Brasilien geht auf den portugiesischen Namen pau-brasil des Brasilholz-Baumes (Caesalpinia echinata), der ein wichtiges Ausfuhrprodukt zur Zeit der frĂŒhen Kolonisation aus den WĂ€ldern der AtlantikkĂŒste war, zurĂŒck. Brasa bedeutet im Portugiesischen „Glut“ und „glĂŒhende Kohlen“; das Adjektiv brasil („glutartig“) bezieht sich auf die Farbe des Holzes, das, wenn geschnitten, rot leuchtet (Brasilin) und in Europa zum FĂ€rben von Stoffen benutzt wurde.

Seit 1325 findet sich auf Karten eine westlich von Irland gelegene Phantominsel namens Brasil. Laut dem Brief eines englischen Agenten an Christoph Kolumbus aus dem Jahr 1498 soll sie etwa 1480 von Seeleuten aus Bristol entdeckt worden sein. Der Verfasser des Briefes identifiziert sie mit dem von dem venezianischen Seefahrer Giovanni Caboto 1497 entdeckten Land, das heißt mit Neufundland.

Geographie

Brasiliens Landschaft ist von ausgedehnten tropischen RegenwĂ€ldern des Amazonas-Tieflands im Norden und Hochebenen, HĂŒgeln und Gebirgen im SĂŒden geprĂ€gt. WĂ€hrend die landwirtschaftliche Basis des Landes im SĂŒden und in den Savannengebieten des Mittelwestens (Cerrado) liegt, lebt der Großteil der Bevölkerung in der NĂ€he der AtlantikkĂŒste, wo sich auch fast alle GroßstĂ€dte befinden. Die KĂŒste hat eine LĂ€nge von 7491 km, der Großteil davon sind SandstrĂ€nde.

Brasilien hat zehn Nachbarstaaten. Es grenzt – mit Ausnahme von Chile und Ecuador – an alle sĂŒdamerikanischen Staaten (von Nordosten gegen den Uhrzeigersinn gesehen mit den GrenzlĂ€ngen): an Französisch-Guayana mit 730 km, Suriname mit 593 km, Guyana mit 1298 km, Venezuela mit 1819 km, Kolumbien mit 1645 km, Peru mit 2995 km, Bolivien mit 3400 km, Paraguay mit 1290 km, Argentinien mit 1132 km und Uruguay mit 985 km. Die gesamte GrenzlĂ€nge betrĂ€gt 15.887 km. Brasilien hat damit nach China und Russland die drittlĂ€ngste Landgrenze der Erde.

Der kontinentale Teil Brasiliens liegt in zwei Zeitzonen, einige vorgelagerte Inseln gehören zu einer dritten. Siehe hierzu: Zeitzonen in Brasilien.

Höchste Berge

Der höchste Gipfel ist der 2994 m hohe Pico da Neblina (Aussprache: ˈpiku dɐ neˈblÄ©nɐ), der im gleichnamigen Nationalpark nahe der Grenze zu Venezuela und Guayana liegt. Der zweithöchste Berg ist der Pico 31 de Março (2973 m) (Aussprache: ˈpiku ˈtÉŸÄ©tɐ jĆ© dʒi ˈmaʁsu). Der dritthöchste Berg – und der höchste im brasilianischen Bergland – ist der Pico da Bandeira (2891 m) (Aussprache: ˈpiku dɐ bɐ̃ˈdejɟɐ). BerĂŒhmter allerdings sind der 710 m hohe Corcovado mit der 30 m hohen Erlöser-Statue wegen seines Blickes ĂŒber Rio de Janeiro sowie der seiner konischen Form wegen berĂŒhmte 395 m hohe Zuckerhut.

GewÀsser

FlĂŒsse

Der Amazonas ist mit einer WasserfĂŒhrung von 209.000 mÂł/s der wasserreichste Fluss der Erde, grĂ¶ĂŸer auch als die weltweit sieben nĂ€chstkleineren FlĂŒsse zusammengenommen. Der ganze Fließweg des Amazonas misst 6448 km; in dieser Hinsicht wird er nur noch vom wesentlich wasserĂ€rmeren Nil in Afrika ĂŒbertroffen. Die bedeutendsten NebenflĂŒsse, der Rio Madeira und der Rio Negro, sind bereits mit den grĂ¶ĂŸten Strömen anderer Kontinente vergleichbar. Weitere FlĂŒsse Ă€hnlicher GrĂ¶ĂŸenordnung sind der Rio IcĂĄ und der Rio TapajĂłs.

Der SĂŒden Brasiliens gehört bis auf einen schmalen KĂŒstenstreifen zum Einzugsgebiet der FlĂŒsse Uruguay (1790 km) und ParanĂĄ (3998 km). Der ParanĂĄ ist fast durchgehend aufgestaut; in ItaipĂș liegt das zweitgrĂ¶ĂŸte Wasserkraftwerk der Welt. Einer seiner NebenflĂŒsse hat dem Staat Paraguay seinen Namen gegeben; ein anderer ist durch die IguazĂș-WasserfĂ€lle bekannt.

Seen

Die Lagoa dos Patos bei Porto Alegre ist mit ĂŒber 10.000 kmÂČ die grĂ¶ĂŸte Lagune Brasiliens und die zweitgrĂ¶ĂŸte SĂŒdamerikas. Danach kommt die weniger als halb so große Laguna MerĂ­n, sĂŒdlich der Stadt Rio Grande.

Inseln

Zum brasilianischen Hoheitsgebiet gehören auch einige Inseln im Atlantik, z. B. die etwa 800 km vor der KĂŒste gelegenen Sankt-Peter-und-Sankt-Pauls-Felsen, die nur mit einem Leuchtturm bebaut sind, und die ehemalige StrĂ€flingskolonie Fernando de Noronha, die nicht weit von der Felsgruppe entfernt ist. Beide liegen auf dem mittelatlantischen RĂŒcken. Vulkanischen Ursprungs sind die Inseln Trindade und Martim Vaz, die zum Bundesstaat EspĂ­rito Santo gehören. Das ovale Rocas-Atoll erstreckt sich ĂŒber mehrere Kilometer und wurde aufgrund der außergewöhnlichen Tier- und Pflanzenwelt als Weltnaturerbe aufgenommen.

Die grĂ¶ĂŸte Insel aber ist MarajĂł zwischen den MĂŒndungen des Amazonas und des Rio ParĂĄ, der zum MĂŒndungsgebiet des Rio Tocantins gehört. Sie ist mit einer FlĂ€che von etwa 48.000 kmÂČ grĂ¶ĂŸer als beispielsweise die Schweiz. Da aber große Teile in der Regenzeit ĂŒberschwemmt sind, ist die Insel nur an einigen Orten besiedelt. Da das Nordufer von MarajĂł eine MeereskĂŒste ist, gilt die etwas kleinere Ilha do Bananal im Rio Araguaia mit ihrer FlĂ€che von 20.000 kmÂČ als grĂ¶ĂŸte Flussinsel der Welt. Sie liegt in einem Nationalpark im Bundesstaat Tocantins und ist grĂ¶ĂŸer als beispielsweise Jamaika.

Klima

Das Klima Brasiliens, das zwischen 5° nördlicher Breite und 34° sĂŒdlicher Breite liegt, ist ĂŒberwiegend tropisch mit geringen jahreszeitlichen Schwankungen der Temperaturen. Nur im subtropischen SĂŒden herrscht ein gemĂ€ĂŸigteres Klima. Besonders im Amazonasbecken gibt es reichhaltige NiederschlĂ€ge, man findet jedoch auch relativ trockene Landstriche mit teilweise lang anhaltenden DĂŒrrezeiten, besonders im Nordosten des Landes. In den höheren Lagen im SĂŒden des Landes fĂ€llt im Winter der Niederschlag gelegentlich als Schnee.

Im SĂŒden befindet sich an der Grenze zu Bolivien und Paraguay ein ausgedehntes Feuchtgebiet, das Pantanal.

Flora und Fauna

Noch vor Kolumbien, Mexiko und Indonesien ist Brasilien das artenreichste Land der Erde. Entdeckt wurden bislang unter anderem rund 55.000 BlĂŒtenpflanzen-, ĂŒber 3000 SĂŒĂŸwasserfisch-, 921 Amphibien-, 749 Reptilien- und 51 Primaten-Arten. Aufgrund der enorm großen BiodiversitĂ€t (die im atlantischen KĂŒstenregenwald auf der Höhe des sĂŒdlichen Wendekreises die vierthöchste der Welt ist), der großen Zahl von endemischen Arten, Gattungen und Familien und den vielfĂ€ltigen Ökosystemen gehört Brasilien zu den MegadiversitĂ€tslĂ€ndern dieser Erde.

Vor allem, weil die WaldflĂ€chen stetig verkleinert werden, ist ein hoher Anteil der Tierarten in seinem Bestand gefĂ€hrdet. Dennoch ist die Vielfalt Amazoniens aufgrund der großen FlĂ€chen weitestgehend unberĂŒhrter Wildnisregionen noch nicht gefĂ€hrdet. Die Ökoregionen Mata AtlĂąntica (Regenwald) und Cerrado (Savannen) werden hingegen aufgrund der großen GefĂ€hrdungslage zu den BiodiversitĂ€ts-Hotspots der Erde gerechnet (vgl. Abschnitt Umwelt).

Der immergrĂŒne tropische Regenwald des Amazonasgebiets ist die grĂ¶ĂŸte zusammenhĂ€ngende WaldflĂ€che Brasiliens. Bislang wurden dort mehr als 2500 Baumarten entdeckt. Fast alle dieser bis zu 60 m hohen BĂ€ume finden sich im von Überschwemmungen verschonten EtĂ©-Wald der Terra Firme, die 98 % des Amazonasgebiets umfasst. In diesem Gebiet wachsen u. a. der Gummibaum (caucho), verschiedene Farb- und Edelhölzer (z. B. Palisander), FruchtbĂ€ume (z. B. Paranussbaum) und Heilpflanzen. AuffĂ€llig sind die etwa 1000 verschiedenen Farn- und Orchideenarten. Neben der Terra firme gibt es die VĂĄrzea, die bei Hochwasser ĂŒberschwemmt ist. Dort wachsen Jupati- und Miriti-Palmen. Das IgapĂł-Gebiet ist dagegen stĂ€ndig ĂŒberschwemmt. Als typische Pflanze in diesem Gebiet gilt die AçaĂ­-Palme. Auf dem Amazonas, aber vor allem auf seinen NebenflĂŒssen, wachsen Seerosen, deren BlĂŒten 30 bis 40 cm groß werden können. Entlang der KĂŒste Amazoniens (mit Ausnahme der eigentlichen AmazonasmĂŒndung) finden sich ausgedehnte MangrovenwĂ€lder, die allerdings mit sechs Mangrovenbaum-Arten verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig artenarm sind.

Besonders bekannt sind im gesamten Amazonasgebiet vor allem Papageien und Tukane. Es sind extrem viele Insekten- und Schmetterlingsarten bekannt. GrĂ¶ĂŸere Waldtiere sind der Tapir, das Pekari, der Jaguar und der Puma. Daneben bevölkern kleinere Wildkatzen, Affen, Faultiere, GĂŒrteltiere und AmeisenbĂ€ren den Regenwald. An den Ufern und FlachwĂ€ssern leben Anakondas, Kaimane und Capybaras („Wasserschweine“ – die grĂ¶ĂŸten Nagetiere der Welt) und weitere SĂ€ugetiere wie Riesenotter, Flussdelfine und SeekĂŒhe im tieferen Wasser. Auch zahlreiche Fischarten (etwa 1500) sind im Amazonas beheimatet. Darunter einer der grĂ¶ĂŸten bekannten SĂŒĂŸwasserfische der Welt: Der PirarucĂș ist 2 m lang und wiegt etwa 100 kg. Ein Zitteraal, der 800-Volt-StromschlĂ€ge austeilt, und die Piranhas, manche Arten gut 30 cm lang, sind ebenso außergewöhnlich.

Der Ă€ußerste Nordosten Brasiliens, frĂŒher ebenso aus Regenwald bestehend, wird mittlerweile fast ausschließlich fĂŒr Zuckerrohr-Plantagen und den Anbau von Baumwolle genutzt. Vereinzelt lassen sich noch Mangroven und Palmenhaine finden.

Die typische Vegetation des semiariden Berg- und Hochlandes im Zentrum (Cerrado) und im Nordosten des Landes (SertĂŁo) ist die Savanne, von Baum- und Grassavannen, nach Nordosten hin, zu mit LaubbĂ€umen durchsetzter Strauchsavanne. Typische Bewohner dieser Trockenzonen sind Großer AmeisenbĂ€r, MĂ€hnenwolf, Pampashirsch, Nandu und verschiedene GĂŒrteltiere. All diese Arten und daneben auch große Raubkatzen wie Jaguare und Pumas werden etwa im Nationalpark Emas, der eine WelterbestĂ€tte bildet, geschĂŒtzt.

Das Pantanal weist eine noch grĂ¶ĂŸere Tier- und Pflanzenvielfalt auf. Charakteristisch sind neben zahlreichen Vogelarten Flachlandtapir, Sumpfhirsch, Wasserschwein und Kaiman. Die Sumpfregion im Mittelwesten des Landes steht sieben Monate im Jahr unter Wasser. Höher gelegene Gebiete der Region sind ĂŒberwiegend Savanne. Wie auch in denen des Cerrado und sogar im Amazonasgebiet machen sich dort Weiden fĂŒr Rinder breit.

In den kĂŒstennahen Gebirgen des SĂŒdens und SĂŒdostens finden sich die Schwerpunkte der kolonialen Erschließung und die am dichtesten besiedelten Gebiete. Anstelle des ursprĂŒnglichen atlantischen Regenwaldes, Lebensraum fĂŒr Affen und zahlreiche andere Tierarten, dominieren Kaffeeplantagen. Die ursprĂŒngliche Vegetation ist nur noch in einigen Nationalparks zu finden.

Der SĂŒden zeigt subtropische Vegetation; die ursprĂŒnglichen WĂ€lder aus Araukarien, die eine Höhe von bis zu 40 m erreichen, wurden grĂ¶ĂŸtenteils fĂŒr Holzgewinnung zerstört. Heute sind Niedergrassteppen in dieser Region hĂ€ufiger.

Naturschutz

In Brasilien gibt es 62 Nationalparks (Parques Nacionais). Schutzgebiete Àhnlichen Charakters gibt es unter dem Namen Estação Ecológica. Es gibt auch Schutzgebiete der Bundesstaaten (Parques Estaduais) und auf Gemeindeebene. Diese und weitere FlÀchen wurden wegen ihrer ökologischen, wissenschaftlichen, touristischen und erzieherischen Bedeutung unter Schutz gestellt.

Einige Organisationen, die sich Natur- und Artenschutz verschrieben haben, sind:

  • Instituto Onca-Pintada (IOP): brasilianische NGO zum Schutz des Jaguars (Jaguar Concervation Fund – JCF)
  • Whale and Dolphin Conservation (WDC): internationale Organisation fĂŒr den Schutz von Delfinen und Walen im Amazonas
  • Amazon Region Protected Areas Program (ARPA): Schutzgebietsprogramm zum Erhalt des Regenwaldes

Umwelt

Zerstörung des Regenwaldes

WĂ€hrend der atlantische KĂŒstenregenwald bereits zu rund 93 % zerstört ist und die Reste stark fragmentiert sind, ist der tropische Regenwald des Amazonasgebietes eines der grĂ¶ĂŸten noch verbliebenen Urwaldgebiete der Welt. Bis zur Ankunft der EuropĂ€er wurde er von der indigenen Urbevölkerung extensiv und nachhaltig genutzt, so dass die herbeigefĂŒhrten VerĂ€nderungen der Ökosysteme der Artenvielfalt eher nutzten als schadeten. Viele der modernen LandnutzungsĂ€nderungen hingegen fĂŒgen den WĂ€ldern immense SchĂ€den zu. Das sind vor allem Rodungen fĂŒr die Schaffung landwirtschaftlicher FlĂ€chen, die plantagenartige Land- und Forstwirtschaft (z. B. Jari-Projekt), aber auch Infrastrukturprojekte wie Straßen (zum Beispiel die TransamazĂŽnica und die Perimetral Norte), Minen (z. B. Serra dos CarajĂĄs) und GroßstaudĂ€mme (selbst an direkten NebenflĂŒssen des Amazonas wie TucuruĂ­ oder Belo Monte). Dabei wirkt sich nicht nur der FlĂ€chenverbrauch durch die Bauvorhaben selbst aus. Die zugehörigen Straßen machen die Gebiete fĂŒr den (heute vorwiegend illegalen) Holzeinschlag verfĂŒgbar.

Das Holz aus diesen WĂ€ldern wird nur zum Teil von der lokalen Bevölkerung genutzt (z. B. als Feuerholz oder fĂŒr bereits in Brasilien hergestellte höherwertige Produkte wie Sperrholz, Zellstoff oder Baumaterial). Ein großer Teil wird international gehandelt. In Brasilien gibt es rund 2500 Unternehmen, die tropisches Hartholz kaufen und verkaufen. Die meisten von ihnen sind auslĂ€ndische Großunternehmen. Zwar sind einige Tropenhölzer wie z. B. Mahagoni mittlerweile gesetzlich geschĂŒtzt, der Handel geht jedoch illegal weiter.

Nach Angaben der FAO waren 2010 noch 60,1 % der LandesflĂ€che mit Urwald bedeckt, im Vergleich zu 66,9 % im Jahr 1990 (ohne BerĂŒcksichtigung aufgeforsteter FlĂ€chen). Im Zeitraum 2000–2005 lag der Urwaldverlust bei jĂ€hrlich 32.000 kmÂČ. Auf die GesamtflĂ€che der WĂ€lder bezogen gingen in den letzten 20 Jahren jĂ€hrlich rund 0,5 % verloren.

Von 2004 (ca. 27.000 kmÂČ jĂ€hrlich) bis 2012 waren die Raten rĂŒcklĂ€ufig. 2005 wurden 18.793 kmÂČ bekanntgegeben, 2006 waren es 14.039 kmÂČ. Nach Angaben des deutschen BMZ lag die Entwaldungsrate 2012 „nur“ noch bei rund 4570 kmÂČ (das ist etwas weniger als die FlĂ€che der Balearen oder 0,09 % der gesamten RegenwaldflĂ€che Brasiliens). Von August 2012 bis Juli 2013 hat die Rodung allerdings wieder auf 5800 kmÂČ zugenommen.

Den RĂŒckgang des Verlustes von PrimĂ€rwald fĂŒhrte die Regierung Brasiliens auf die Durchsetzung ihrer Umweltstandards zurĂŒck, UmweltschĂŒtzer sehen die StĂ€rke des Real und die fallenden Sojapreise als GrĂŒnde. In der Folge beriet im Januar 2008 ein Notfallkabinett der Regierung ĂŒber Maßnahmen. Die Behörden zum Schutz des Regenwaldes haben mit Geld- und Personalmangel sowie Korruption zu kĂ€mpfen. Nur im Rahmen von Schutzgebieten erfĂ€hrt der Amazonaswald eine relative Sicherung. So konnte 2002 das weltweit grĂ¶ĂŸte Schutzgebiet (Tumucumaque) eines tropischen Regenwalds im Norden Brasiliens gegrĂŒndet werden.

Brasilien hat Mitte 2008 einen Fonds zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes ins Leben gerufen und erstmals einen Zusammenhang zwischen diesem Schutz und der globalen ErwĂ€rmung akzeptiert. Die Regierung plant bis zum Jahr 2021 Investitionen von mehreren Millionen Euro, um an Stelle der Rodung nachhaltige wirtschaftliche Grundlagen fĂŒr die Amazonasbevölkerung zu entwickeln. Das Land verhĂ€lt sich aber gegenĂŒber auslĂ€ndischen Einflussnahmen in seine Amazonas-Politik abwehrend. Indigene, UmweltschĂŒtzer und Menschenrechtsaktivisten befĂŒrchten, dass die Entwaldung unter PrĂ€sident Jair Bolsonaro, welcher seit 2019 im Amt ist, verstĂ€rkt fortgefĂŒhrt werde.

Regenwaldböden sind nĂ€hrstoffarm, daher ist die Vegetation auf die Wiederverwertung der NĂ€hr- und Mineralstoffe aus der toten Biomasse angewiesen. Im tropisch heißfeuchten Klima zersetzen Mikroorganismen Laubstreu in sehr kurzer Zeit und fĂŒhren sie den Pflanzen wieder zu, wohingegen kaum bodenbildende Prozesse stattfinden. Wenn aber der Wald entfernt wird und die Humusschicht gegen Sonne und NiederschlĂ€ge ungeschĂŒtzt liegt oder sich somit keine neue mehr auf dem unfruchtbaren Unterboden bilden kann, trocknen diese aus und es kommt zu Erosion. Sind die gerodeten FlĂ€chen grĂ¶ĂŸer, kann sich der Wald dort nicht regenerieren.

BĂ€ume binden Kohlenstoffdioxid, das in der AtmosphĂ€re einen Treibhauseffekt bewirkt. Die in Brasilien freigesetzten Treibhausgase gehen zu drei Vierteln auf Brandrodungen und zu einem Viertel auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurĂŒck.

Weitere Umweltprobleme

Ein weiteres Umweltproblem ist der Bauxit- und Goldtagebau, der die FlĂŒsse vergiftet und die lokale Bevölkerung gefĂ€hrdet. Die GoldgrĂ€ber (Garimpeiros) verwenden zum Auswaschen des Goldes Quecksilber (Amalgamverfahren). Die giftigen DĂ€mpfe entweichen in die Luft, und das Schwermetall verseucht GewĂ€sser, Böden und Grundwasser und verursacht damit schwerwiegende GesundheitsschĂ€den bei Mensch und Tier.

Wie ĂŒberall zieht die Förderung von Erdöl Probleme nach sich: im Jahr 2000 gab es im Fluss Iguaçu eine Ölpest. Ein Jahr spĂ€ter sank vor der brasilianischen KĂŒste die damals grĂ¶ĂŸte Bohrplattform der Welt und bedrohte das dortige Ökosystem. StĂ€dte haben mit Luftverschmutzung und Abwasserproblemen zu kĂ€mpfen.

In Brasilien wird dem Kraftstoff eine gewisse Menge Alkohol beigemischt. Neben umwelttechnischen GrĂŒnden (Reduzierung der Schadstoffemissionen) sind dafĂŒr hauptsĂ€chlich die Kosten verantwortlich: Ethanol ist deutlich billiger als Automobil- und Flugbenzin. Der Anteil an Ethanol im Benzin ist gesetzlich geregelt und wurde 2006 von ehemals 25 % auf 20 % gesenkt. In Brasilien kann man Autos fahren, die einen Ethanol-, Benzin- oder einen Flex-Fuel-Motor besitzen. Das dreimillionste Flex-Fuel-Auto wurde im Dezember 2005 verkauft. Auch die ersten Flugzeuge fliegen mit Ethanol, was die Luftverschmutzung insgesamt reduziert. Das erste mit Alkohol betriebene Flugzeug der Welt, die EMB-202 Ipanema, wurde 2002 von Embraer in Brasilien gebaut. Brasilien ist der viertgrĂ¶ĂŸte Auto- und mit 12.000 Flugzeugen der zweitgrĂ¶ĂŸte Flugzeug-Produzent der Welt.

Zur Ölkatastrophe 2019:

Umweltabkommen

Brasilien hat sich an diesen Umweltabkommen beteiligt: Ramsar-Konvention (1971), Washingtoner ArtenschutzĂŒbereinkommen CITES (1973), BiodiversitĂ€tskonvention (1992), Basler Konvention (1989), RahmenĂŒbereinkommen ĂŒber Stoffe, die zum Abbau der Ozonschicht fĂŒhren, Kyoto-Protokoll (1997).

Bevölkerung

Demographische Struktur

Brasiliens Bevölkerung erlebte im Laufe des 20. Jahrhunderts eine enorme Expansion und wuchs von rund 52 Millionen im Jahre 1950 auf ĂŒber 212 Millionen heute (2020) an. In Zukunft wird allerdings nur noch ein moderater Zuwachs erwartet. Die brasilianische Bevölkerung ist noch sehr jung. 23,27 % sind unter 15 Jahre alt und nur 7,8 % ĂŒber 64 (Stand: 2015). Das mittlere Alter betrĂ€gt 31,1 Jahre, die mittlere Lebenserwartung liegt bei 74,7 Jahren. Sie lag 2015 bei der mĂ€nnlichen Bevölkerung bei 71,0 Jahren und bei der weiblichen bei 78,4 Jahren.

2014 betrug die Geburtenziffer 15 Neugeborene auf 1000 Einwohner. Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau betrug 1,8. Mit der Urbanisierung und dem steigenden Wohlstand ist die Geburtenziffer deutlich gesunken. In den 1950er Jahren lag die FertilitĂ€t pro Frau noch bei ĂŒber 6 Kindern. Die Sterbeziffer betrug sechs auf 1000 Einwohner und ist damit, dank noch jungem Durchschnittsalter und steigender Lebenserwartung, sehr niedrig.

Brasilien gehört somit zu den LĂ€ndern, in denen die Fruchtbarkeit innerhalb weniger Jahrzehnte rapide gefallen ist. Wegen frĂŒherer hoher Fruchtbarkeitsraten gibt es noch relativ viele junge Menschen, doch es befindet sich in der fĂŒnften Phase des demographischen Überganges. In dieser Phase liegt die Kinderzahl pro Frau unter dem langfristig zur Konstanthaltung der Bevölkerung notwendigen Niveau von 2,1 und die Bevölkerung wird langfristig gesehen ohne Zuwanderung abnehmen. Es wird angenommen, dass es ab 2025 zu einer Überalterung der Bevölkerung und somit zu einem Mangel an ArbeitskrĂ€ften bei gleichzeitiger Zunahme der Ă€lteren Bevölkerung kommen wird.

85,7 % der Bevölkerung lebten im Jahr 2015 in den StÀdten, die sich durch rasantes Wachstum und Wildwuchs auszeichnen; in zuvor unerschlossenen Gebieten der StÀdte haben sich Favelas genannte Armensiedlungen gebildet.

Bevölkerungsdichte Brasiliens

Etwa 90 % der Bevölkerung konzentrieren sich auf die Bundesstaaten der Ost- und SĂŒdkĂŒste Brasiliens mit einer Bevölkerungsdichte von 20 bis ĂŒber 300 Einwohner/kmÂČ. Der Rest Brasiliens, mit dem Amazonas und den Bergregionen, hat zwar die weitaus meiste FlĂ€che, aber nur eine Bevölkerungsdichte von unter fĂŒnf bis 20 Einwohnern/kmÂČ. Der Hauptstadtdistrikt Distrito Federal do Brasil als Stadtstaat und der Bundesstaat Rio de Janeiro haben eine Bevölkerungsdichte von ĂŒber 300 Einwohnern/kmÂČ.

Migrationssaldo

Der Migrationssaldo pro 1000 Einwohner liegt bei 0. Das bedeutet, dass ungefĂ€hr gleich viele Personen nach Brasilien einwandern wie auswandern. Obwohl ein großer Teil der Bevölkerung Brasiliens historische Wurzeln im Ausland hat, sind heute nur 0,1 % der Bevölkerung außerhalb Brasiliens geboren; damit hat Brasilien einen der niedrigsten AuslĂ€nderanteile der Welt. Insgesamt befanden sich 2015 ca. 713.000 Migranten im Land, wovon die grĂ¶ĂŸte Gruppe Portugiesen waren. Im selben Jahr lebten knapp 20.000 in Deutschland geborene Personen in Brasilien.

Ethnien

UrsprĂŒnglich vier Bevölkerungsgruppen bilden die brasilianische Bevölkerung. Sie sind heute jedoch so umfassend vermischt, dass eine klare Zuordnung oft nicht mehr möglich ist. Diese Gruppen sind:

  • die Portugiesen, die ursprĂŒnglichen Kolonialisten
  • die Afrikaner, die als Sklaven nach Brasilien verschleppt wurden (Afrobrasilianer)
  • verschiedene Einwanderergruppen, hauptsĂ€chlich aus Europa (Italiener, Deutsche, Spanier, Polen und Ukrainer) und Asien (Japaner, Koreaner, Libanesen und Syrer), die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Brasilien angesiedelt haben. Seit 1818 sind ĂŒber 300.000 Deutsche eingewandert (siehe auch Deutschbrasilianer), ĂŒberwiegend in den SĂŒden des Landes; in den Staaten ParanĂĄ, Rio Grande do Sul und Santa Catarina sind heute ca. 40 % der Bevölkerung deutscher Herkunft. Eine große japanische Bevölkerungsgruppe lebt in Brasilien (vor allem in SĂŁo Paulo), außerdem viele Polen und Ukrainer (vorwiegend in ParanĂĄ).
  • einheimische Volksgruppen der Tupi- und Guarani-Sprachfamilien (200 ethnische Gruppen mit insgesamt etwa 500.000 Mitgliedern). Etwa zwölf Prozent der FlĂ€che Brasiliens (grĂ¶ĂŸtenteils in Amazonien) ist fĂŒr Indianer reserviert.

Etwa die HĂ€lfte der brasilianischen Bevölkerung hat einen nicht unerheblichen Anteil afrikanischer Vorfahren, die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert als afrikanische Sklaven in das Land gebracht wurden. Die Schwarzen haben sich jedoch im Laufe der Zeit stark mit der europastĂ€mmigen Bevölkerung vermischt. Laut einer genetischen Studie aus dem Jahre 2013 ist die Bevölkerung Brasiliens im Durchschnitt zu ca. 60 % europĂ€ischer Abstammung, zu ca. 25 % afrikanischer Abstammung und zu ca. 15 % indianischer Abstammung. EuropĂ€ische Abstammungslinien sind am stĂ€rksten im SĂŒden des Landes verbreitet mit 74 % und am wenigsten im Norden mit 51 %. Afrikanische Gene sind am stĂ€rksten im Nordosten verbreitet mit 28 % und am schwĂ€chsten im SĂŒden mit 15 %. Indigene Abstammung ist am stĂ€rksten im dĂŒnn besiedelten Norden des Landes verbreitet mit 32 % und am schwĂ€chsten im SĂŒden mit 11 %. ÜbergĂ€nge zwischen ethnischen Gruppen sind in Brasilien oft fließend, da die große Mehrheit der Bevölkerung von mehr als einer Bevölkerungsgruppe abstammt. So waren Brasilianer, die sich selbst als Weiße bezeichnen, zu 75 % europĂ€ischer Abstammung, wĂ€hrend Brasilianer, die sich selbst als Schwarze bezeichnen, zu 58 % afrikanischer Abstammung waren.

Nach einer Erhebung des IBGE, das fĂŒnf Gruppen unterscheidet, im Jahre 2005 (2016) bezeichnen sich rund 49,9 % (45,5 %) der Brasilianer selbst als Weiße, 43,2 % (45 %) als Mischlinge (pardo) und 6,3 % (8,6 %) als Schwarze, 0,7 % (0,9 %) als Gelbe oder Indigene. Der grĂ¶ĂŸte Teil der afrobrasilianischen Bevölkerung lebt im Nordosten. Das SelbstverstĂ€ndnis und das VerhĂ€ltnis der Ethnien untereinander ist nicht frei von Konflikten und unbearbeitet. 70 Prozent der von Armut betroffenen sind Afrobrasilianer und auch bei der KriminalitĂ€t und deren Opfer sind drei Viertel der Betroffenen dunkelhĂ€utig.

Indigene Bevölkerung

Die indigenen Völker in Brasilien lebten teilweise von Jagd, Fischfang und Sammeln, zudem von dem fragilen Ökosystem angepasster Bodenbewirtschaftung. Ein großer Teil der einheimischen Bevölkerung starb im Zuge der europĂ€ischen Kolonialisierung, meist an eingeschleppten Krankheiten, aber auch infolge von Zwangsarbeit oder durch Versklavung. Der Großteil der außerhalb des Regenwalds lebenden Indianer, insbesondere in den StĂ€dten, wurde, soweit er Gewalt und Epidemien ĂŒberlebte, assimiliert und vermischte sich mit den europĂ€ischen Einwanderern. Von schĂ€tzungsweise fĂŒnf bis sechs Millionen Indios in der Zeit um 1500 brach die Bevölkerungszahl bis zum Jahr 1950 auf 100.000 ein.

Bis 1997 wuchs die indigene Bevölkerung wieder auf etwa 300.000. Nach Angaben der brasilianischen Botschaft leben heute ungefĂ€hr 410.000 Indios im Land, was rund 0,2 % der Bevölkerung entspricht. 2005 gab es Berichte ĂŒber einen erneuten Anstieg der Zahl der in Brasilien lebenden Indios auf etwa eine halbe Million. Das grĂ¶ĂŸte indigene Volk Brasiliens sind die GuaranĂ­ mit circa 46.000 Angehörigen in sieben Bundesstaaten.

100.000 bis 200.000 Indios leben heute in StĂ€dten, wodurch die indianische Kultur allmĂ€hlich verloren geht. Es bestehen zwar zahlreiche Reservate, in Brasilien als Terras IndĂ­genas bezeichnet, vorwiegend im Amazonasgebiet, doch leben nur wenige gemĂ€ĂŸ ihrer hergebrachten Kultur. Durch die Abholzung des Urwalds wird ihr Lebensraum rapide zerstört. Dabei werden die erwirtschafteten Erlöse aus dem Amazonasgebiet heraustransferiert, es mangelt also an Investitionen vor Ort, erst recht an EntschĂ€digungen. Bergleute und GoldgrĂ€ber belasten nicht nur FlĂŒsse und Böden mit schwerem GerĂ€t und giftigen Chemikalien, sie bringen auch Krankheiten und Gewalt. Der Regierung wird dabei Mitschuld vorgeworfen, da Mörder nur selten strafrechtlich verfolgt werden. Außerdem vergibt sie Genehmigungen zur wirtschaftlichen Nutzung von Gebieten (z. B. zur Ölförderung), die von Indios bewohnt sind. Aufgrund dieser extrem schlechten Erfahrungen meiden an die hundert Völker möglichst jeden Kontakt.

DemgegenĂŒber steht die offizielle Rechtsposition der Indigenen in Brasilien. Bereits 1988 wurden ihnen als Folge der internationalen Debatte um die ILO-Konvention 169 in der Verfassung (Art. 231) weitgehende Rechte garantiert, die das traditionelle Leben, die Selbstbestimmung sowie auch die Eigentums- und Nutzungsrechte an ihrem Land enthalten. Im August 2017 schĂŒtzte ein Gericht die Rechte der Indios gegen eine „Zeitgrenze“, wonach sie den Anspruch auf im Jahr 1988 nicht bewohnte Gebiete verloren hĂ€tten.

„Traditionelle Völker und Gemeinschaften“

Brasilien hat im internationalen Vergleich eine sehr entwickelte Debatte ĂŒber sogenannte „traditionelle Völker und Gemeinschaften“ (Povos e Comunidades Tradicionais). Mit dieser originĂ€r brasilianischen Bezeichnung werden alle lokalen Gemeinschaften zusammengefasst, die eine an Traditionen und Subsistenzwirtschaft orientierte Lebensweise fĂŒhren. Entscheidend dabei ist, dass die Zuordnung unabhĂ€ngig von der ethnischen Zugehörigkeit ist, und so zĂ€hlen hierzu nicht nur indigene Gruppen, sondern auch nichtindigene Gruppen wie die Quilombolas, die von schwarzen Sklaven abstammen, oder die Kautschukzapfer, die europĂ€ische und indianische Vorfahren haben.

Traditionelle Völker und Gemeinschaften sind Kulturen, die sich im Laufe ihrer Geschichte erkennbar hĂ€ufiger fĂŒr die Bewahrung der bestehenden Strukturen positioniert haben. Da dies immer ein aktiver Prozess ist, sind sie weder primitiver noch weniger dynamisch als die „modernen Kulturen“. Zudem muss man beachten, dass die Zuordnung relativ ist, da die Unterscheidung von „traditionell“ und „modern“ eine subjektive Wertung ist, die vom Zeitgeist abhĂ€ngt und die einseitig aus der Sicht der Modernen erfolgt.

Ganz im Gegenteil betrachtet die Wissenschaft sie heute als die Gruppen, die bisher am wenigsten zur ökologischen und klimatischen GefĂ€hrdung des Planeten beigetragen haben. Sie haben eine große Zahl von traditionell nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsweisen entwickelt, die an die jeweiligen Ökosysteme angepasst sind. Gleichzeitig sind es gerade diese Gruppen, die unter ökonomischen Erschließungsprojekten sowie ökologischen und klimatischen VerĂ€nderungen besonders zu leiden haben. Die vielfĂ€ltigen und massiven Konflikte lassen befĂŒrchten, dass viele lokale Gemeinschaften trotz politischer Verbesserungen ihre Territorien verlieren werden und damit ihre spezifischen kulturellen Ausdrucksformen.

WĂ€hrend die Landrechte der Indigenen seit der GrĂŒndung Brasiliens eine Rolle in der Politik spielen, begann die Debatte ĂŒber die Rechte fĂŒr nicht-indigene, lokale Gemeinschaften erst in den 1980er Jahren. Es begann mit den Kautschukzapfern im Bundesstaat Acre: Sie forderten gesicherte Territorien und das Recht auf eine nachhaltige regionale Wirtschaftsweise und entwickelten dazu die Idee der Sammelgebiete. Diese Bestrebungen fĂŒhrten bis 2007 zur Ausweisung von 65 solcher Nutzreservate (Reservas Extrativistas, RESEX) in Amazonien mit einer GesamtflĂ€che von 117.720 kmÂČ. Davon ermutigt stellten bald auch andere traditionelle Gemeinschaften wie beispielsweise die Amazonas-Flussanwohner und die Babaçu-Sammlerinnen Ă€hnliche Forderungen, die ebenfalls erfolgreich waren. 2004 wurde mit der „Nationalen Kommission fĂŒr traditionelle Völker und Gemeinschaften“ erstmals eine Vertretung eingerichtet, die nicht nur indigenen Völkern nutzen sollte. 2007 wurde schließlich das rechtlich bindende „Dekret fĂŒr Traditionelle Völker und Gemeinschaften“ (Decreto 6040) vom PrĂ€sidenten der Republik unterzeichnet. Darin wird neben der Festschreibung der traditionellen Rechte explizit auf eine nachhaltige Entwicklung und Ökonomie hingewiesen, ohne die die langfristige Existenz dieser Gruppen kaum vorstellbar ist. Im Gegensatz zu den von der Verfassung garantierten Landrechten der Indigenen und Quilombolas enthĂ€lt das Dekret allerdings keine Verpflichtung zur Ausweisung konkreter Gebiete. Zweifellos hat sich die Rechtsposition der lokalen Gemeinschaften seit den 1980er Jahren deutlich verbessert. Da die Entwicklungspolitik Brasiliens derzeit jedoch nach wie vor auf die Ausbeutung der Naturressourcen setzt und die Zerstörung der Ökosysteme und der destruktive Kulturwandel weiterhin dramatisch fortschreiten, ist gerade die Sicherung der Territorien der entscheidende Punkt fĂŒr den langfristigen Fortbestand der lokalen Kulturen.

Sprachen

Brasilien ist das einzige portugiesischsprachige Land Amerikas. Das brasilianische Portugiesisch hat einen eigenen Charakter. Es unterscheidet sich in der Aussprache und durch eine leicht abgewandelte Orthographie und Grammatik von der europĂ€ischen Variante. Das (brasilianische) Portugiesisch ist alleinige Amtssprache und fĂŒr mindestens 97 % der Bevölkerung Muttersprache.

Die Indianersprachen werden nur noch von etwa 0,1 % der Bevölkerung gesprochen, dazu zĂ€hlen GuaranĂ­, MakĂș, Tupi und GĂȘs, wobei die letzten beiden vorrangig im Amazonasgebiet verbreitet sind, wo der Einfluss der EuropĂ€er gering blieb. In den KĂŒstengegenden sind die Indianersprachen praktisch vollstĂ€ndig verdrĂ€ngt worden. GuaranĂ­ hatte zu Kolonialzeiten eine grĂ¶ĂŸere Bedeutung und ist nur knapp daran gescheitert, Amtssprache des Landes zu werden. Insgesamt werden in Brasilien 188 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen, die Dialektgeografie unterscheidet 16 Regiolekte.

Nicht-indianische Minderheitensprachen

Aufgrund der Einwanderung gibt es in Brasilien zahlreiche Minderheitensprachen.

Bis zu 1,5 Millionen Brasilianer sprechen Deutsch als Muttersprache. Damit ist Deutsch die zweithÀufigste Muttersprache des Landes. Nachfahren der Auswanderer aus Pommern beherrschen zuweilen das Ostpommersche (Niederdeutsch) wesentlich besser, wÀhrend ihr Hochdeutsch kein muttersprachliches Niveau erreicht. Eine besonders starke pommersche Minderheit lebt im Bundesstaat Espírito Santo.

Weiterhin sprechen etwa 500.000 Menschen Italienisch, 380.000 Japanisch und 37.000 Koreanisch.

Dabei muss berĂŒcksichtigt werden, dass bei den Sprachminderheiten die Zahl der Sprecher sehr optimistisch berechnet ist. Diese Volksgruppen gehörten teilweise zu den ersten Siedlern, und ihre Nachfahren verstehen fast nur noch Portugiesisch. In den Ortschaften, die als Zentren fĂŒr Einwanderer galten, entstanden oftmals brasilianische Dialekte der Einwanderersprache. Beispiele sind Talian, brasilianisches Italienisch, und das Riograndenser HunsrĂŒckisch, brasilianisches Deutsch. Bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es (besonders im SĂŒden) ganze Gemeinden, in denen ausschließlich Deutsch oder Italienisch gesprochen wurde, da insbesondere die deutschen Auswanderer und deren Nachfahren ĂŒber eine gute Infrastruktur aus Schulen, Vereinen u. Ä. verfĂŒgten und zumeist in relativ geschlossenen Kolonien lebten. Als wĂ€hrend des autoritĂ€ren Regimes des Estado Novo (1937–1945) eine Nationalisierungskampagne betrieben wurde, geriet die deutsche Gemeinschaft zunehmend unter Druck, da der Staat den Assimilierungsprozess forcierte. Der Eintritt Brasiliens in den Zweiten Weltkrieg bot den entsprechenden Anlass, um die Sprachen der Feindstaaten zu verbieten und deutsche und italienische Schulen zu schließen, woraufhin das Portugiesische auch in diesen Ortschaften Einzug hielt.

Gemeinden mit Deutsch als zweiter Amtssprache

Sortiert nach Bundesstaaten:

EspĂ­rito Santo
  • Domingos Martins
  • Laranja da Terra
  • Pancas
  • Santa Maria de JetibĂĄ
  • Vila PavĂŁo
Minas Gerais
  • Itueta (nur im Distrikt „Vila Nietzel“)
Rio Grande do Sul
  • Santa Maria do Herval
Santa Catarina
  • Pomerode
  • AntĂŽnio Carlos
  • Dreizehnlinden (Treze TĂ­lias)
Gemeinden, in denen Deutschunterricht verpflichtend ist
Rio Grande do Sul
  • Nova PetrĂłpolis

Santa Catarina

  • Blumenau

Fremdsprachen

Englisch ist als Fremdsprache nicht so etabliert wie in europĂ€ischen LĂ€ndern. Obwohl Englisch normalerweise in den Schulen unterrichtet wird, fasst die Sprache nur langsam Fuß in Brasilien. Auch in den GroßstĂ€dten ist es nicht selbstverstĂ€ndlich, dass die Leute Englisch sprechen oder verstehen. FĂŒr gewöhnlich verstehen die Brasilianer aber zumindest ansatzweise Spanisch, auch wenn sie die Sprache selbst nicht sprechen. Als Folge der verstĂ€rkten wirtschaftlichen Zusammenarbeit der lateinamerikanischen LĂ€nder im Mercosul wird die Bedeutung des Spanischen gegenĂŒber dem Englischen noch zunehmen. In den Grenzgebieten zu anderen sĂŒdamerikanischen LĂ€ndern bildete sich das sogenannte Portunhol heraus, eine Mischsprache aus Portugiesisch und Spanisch, die die VerstĂ€ndigung erleichtert. Besonders im Grenzgebiet zu Paraguay ist diese Mischsprache hĂ€ufig anzutreffen, dies vor allem deshalb, weil die Grenzstadt Ciudad del Este ein wichtiger Handelsplatz fĂŒr die brasilianischen StraßenhĂ€ndler („Sacoleiros“) ist.

Religionen

Laut dem Zensus des Jahres 2010 bekennen sich 64,6 % der Bevölkerung zur römisch-katholischen Kirche. Dieser Anteil schrumpft seit Jahren immer weiter: Lag er 1960 noch bei 91 %, nahm er bis 1985 auf 83 % ab und betrug im Jahr 2000 nur noch 73,6 %. Teile des brasilianischen Katholizismus sind stark von afrobrasilianischen Traditionen beeinflusst.

22,2 % der Bevölkerung sind Protestanten. Diese Konfession kam seit dem 19. Jahrhundert mit deutschen Einwanderern ins Land. Im 20. Jahrhundert haben aber vor allem nordamerikanische Missionskirchen Erfolge erzielt. So gab es seit etwa 1960 eine Zunahme protestantischer Sekten und Freikirchen. Heute gibt es 35.000 Freikirchen in Brasilien. 2,0 % sind AnhĂ€nger des Spiritismus, 0,3 % bekannten sich zu afro-brasilianischen Religionen wie CandomblĂ© und Umbanda. Bemerkenswert ist der laut einer Untersuchung von 2006 hohe Anteil von AnhĂ€ngern oder Sympathisanten der Pfingstbewegung (15 Prozent), was demnach prozentual der dritthöchste der Welt in einem Staat ist. Zu beachten ist dabei allerdings die betrĂ€chtliche UnschĂ€rfe der Zuordnung; ein Großteil der Zuordnung der AnhĂ€nger der Pfingstbewegung dĂŒrfte sich mit der allgemeineren Zuordnung Protestanten ĂŒberschneiden.

Des Weiteren gibt es knapp 1.400.000 Zeugen Jehovas, etwa 225.000 Mormonen, 245.000 Buddhisten, meist Nachkommen japanischer Einwanderer, 107.000 Juden (siehe auch: Geschichte der Juden in Brasilien), ĂŒber 35.000 Muslime, meist Nachkommen syrisch-libanesischer Einwanderer, und mehr als 5500 Hindus. 8,0 % erklĂ€rten, keiner Religion anzugehören.

Im Jahr 2000 zĂ€hlte man etwa 17.100 AnhĂ€nger indigener sĂŒdamerikanischer Religionen; das sind 0,01 % der Brasilianer und rund 4,1 % der indigenen Bevölkerung; Tendenz: stark rĂŒcklĂ€ufig. Aggressive MissionstĂ€tigkeiten – trotz Verbot der Zwangsmissionierung – fĂŒhren allerdings nicht nur zum christlichen Glauben, sondern gleichsam zu einem erheblichen Kulturwandel, der mit einer Zerstörung der traditionellen Weltanschauungen der Menschen einhergeht (u. a. Moralvorstellungen, VerhĂ€ltnis zur Umwelt, ĂŒberliefertes Wissen, Sozialstrukturen). Überdies setzen sich viele Missionare ĂŒber die geltenden QuarantĂ€nevorschriften hinweg, so dass viele Indigene an eingeschleppten Krankheiten sterben. Vielfach kam es jedoch zu synkretistischen Vermischungen ethnischer- und christlicher Religion(en) und es ist davon auszugehen, dass eine große Zahl Indigener sich nur nach außen zum Christentum bekennt.

Soziales

Land- und Vermögensverteilung

Brasilien weist eine stark ungleiche Verteilung der Vermögen auf. Der Gini-Koeffizient betrug im Jahr 2000 0,78 (0 bedeutet vollstĂ€ndige Gleichverteilung, 1 bedeutet, alles Vermögen gehört einem Haushalt). Dies steht im Zusammenhang mit der ungleichen Landverteilung. So waren bis 1998 2,8 % der Bauern Großgrundbesitzer mit zusammen 57 % der AgrarflĂ€che, wohingegen 90 % der Bauern sich 22 % der FlĂ€che teilen mussten. Etwa fĂŒnf Millionen Familien gelten als landlos. Laut einer Studie betrĂ€gt der durchschnittliche Vermögensbesitz je erwachsene Person 17.485 US-Dollar. Im Median liegt er jedoch bei nur 4.591 US-Dollar (Weltdurchschnitt: 3.582 US-Dollar), was auf eine hohe Vermögensungleichheit hindeutet. Mehr als 70 % der brasilianischen Bevölkerung besitzt weniger als 10.000 US-Dollar an Vermögen. Die Bevölkerung, die nur die HĂ€lfte des Mindestlohns verdient, hat Anspruch auf Sozialleistungen wie der Bolsa FamĂ­lia. Der Mindestlohn wurde zum 1. Januar 2021 auf R$ 1.100 festgesetzt.

Afro-Brasilianer, die sieben Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind ĂŒberproportional in der armen Bevölkerung vertreten. Nicht viel besser ergeht es den Indios. Ein Gleichstellungs- und Anti-Hunger-Programm gibt es seit 2003.

Bildungswesen und Wissenschaft

Die Alphabetisierungsrate des Landes lag 2015 bei 92,2 %, das Schulabgangsalter bei 16 Jahren. In Brasilien stieg die mittlere Schulbesuchsdauer aller Personen ĂŒber 25 von 3,8 Jahren im Jahr 1990 auf 7,8 Jahre im Jahr 2015 an. Die aktuelle Bildungserwartung betrĂ€gt bereits 15,2 Jahre. Die Schule zu besuchen ist Pflicht. In die Bildung fließt ein Ă€hnlich großer Teil des Bruttosozialprodukts wie in Europa; in absoluten Zahlen ist das Bildungsbudget etwa so groß wie das deutsche (2004). In Brasilien teilt sich diese Summe jedoch auf eine mehr als doppelt so große und im Durchschnitt wesentlich jĂŒngere Bevölkerung auf. Die staatlichen Schulen genießen einen schlechten Ruf. Deshalb schicken finanziell besser gestellte Eltern ihre Kinder auf private Schulen. Diese unterscheiden sich in der Höhe des Schulgeldes und der QualitĂ€t des Unterrichts erheblich. In den letzten PISA-Studien lag Brasilien im unteren Viertel der teilnehmenden Staaten. Im PISA-Ranking von 2015 erreichen brasilianische SchĂŒler Platz 66 von 72 LĂ€ndern in Mathematik, Platz 64 in Naturwissenschaften und Platz 60 beim LeseverstĂ€ndnis.

In 150 UniversitĂ€ten werden fast 2,8 Millionen Studenten unterrichtet. Etwas mehr als die HĂ€lfte der Hochschulen sind staatlich. Sie sind fĂŒr alle Menschen mit qualifizierendem Schulabschluss nach einer AufnahmeprĂŒfung frei zugĂ€nglich und gebĂŒhrenfrei. Die privaten Hochschulen finanzieren sich ĂŒber unterschiedlich hohe StudiengebĂŒhren. Entsprechend schwankt ihre Ausstattung und die QualitĂ€t der Lehre. An den staatlichen Hochschulen werden zweimal jĂ€hrlich einheitliche und offizielle AufnahmeprĂŒfungen, sogenannte vestibulares, abgenommen. Die Bewerberzahl ĂŒbersteigt meist bei weitem die Anzahl der vorhandenen StudienplĂ€tze. Bewerber bereiten sich deshalb nach dem Schulabschluss oft mit sogenannten cursinhos auf das vestibular vor, die von privaten Bildungseinrichtungen angeboten werden und dementsprechend kostenpflichtig sind. Wer im vestibular keinen Studienplatz erhĂ€lt, hat die Möglichkeiten, bis zum nĂ€chsten Semester zu warten und das vestibular erneut zu absolvieren oder auf einer der privaten Hochschulen zu studieren.

Bekannt sind die Forschungen zur Nutzung regenerativer Energien, die zum Beispiel beim Bau des Wasserkraftwerks ItaipĂș (Vorbild des Dreischluchtendamms) Anwendung fanden. Auch der Motorenbau verdient Beachtung: Das erste Auto mit Alkoholmotor lief 1979 in Brasilien vom Band, und der Ingenieur Vincente Camargo entwickelte im Jahr 2005 den ersten Alkoholmotor (Methanol) fĂŒr Flugzeuge, der von der Flugzeugbaufirma (Neiva-Embraer) als erstes erprobt wurde. Forschung zur Luftfahrt findet besondere Beachtung in Brasilien. Alberto Santos Dumont – nach dem der nationale Flughafen in Rio de Janeiro benannt ist – war um 1900 ein Erfinder und Luftfahrtpionier.

Gesundheit

Da dem staatlichen Gesundheitswesen nur wenig Geld zur VerfĂŒgung steht, sind viele KrankenhĂ€user stark renovierungsbedĂŒrftig und veraltet. Obwohl nur 15 % der Ausgaben fĂŒr Gesundheit in die KrankheitsprĂ€vention fließen, konnte die SĂ€uglingssterblichkeit seit 1970 um zwei Drittel gesenkt werden. Ein Arzt betreut im Durchschnitt 633 Patienten, 87 % der Bevölkerung erhalten sauberes Trinkwasser. Die hĂ€ufigsten Todesursachen sind Herzerkrankungen, Krebs, aber auch UnfĂ€lle und Gewalt.

Ab 2013 holte die brasilianische Regierung tausende auslĂ€ndische Ärzte ins Land, vor allem Kubaner. Aufgrund eines Konflikts mit dem designierten PrĂ€sidenten Jair Bolsonaro begann Kuba im November 2018 damit, ĂŒber 8000 Ärzte aus dem Land abzuziehen.

In Brasilien wird jeder im Krankenhaus oder beim Arzt behandelt, ohne eine Krankenversicherung zu besitzen. Dennoch haben viele eine Privatkrankenversicherung, die ihnen die Behandlung in privaten HÀusern ermöglicht.

Anfang des Jahrzehnts verklagten Pharmakonzerne aus der ganzen Welt den Staat wegen Patentrechtsverletzungen. Dem zugrunde lag die Forderung der brasilianischen Regierung, die teuren auslĂ€ndischen Medikamente zu verbilligen und somit auch den erkrankten Brasilianern zugĂ€nglich zu machen, die sich die entsprechenden Medikamente nicht leisten können. Da die Konzerne dieser Forderung nicht nachkamen, stellte Brasilien fĂŒr ĂŒber 100.000 der mittlerweile etwa 660.000 HIV-Infizierten kostenlose Medikamente fĂŒr die antiretrovirale Therapie zur VerfĂŒgung. 2001 wurde die Klage jedoch fallengelassen. 2005 kam es zu einem Ă€hnlichen Streit zwischen Brasilien und der US-Pharmaindustrie.

Entwicklung der Lebenserwartung

Quelle: UN

COVID-19-Pandemie

Seit 2020 ist Brasilien Teil der weltweiten COVID-19-Pandemie. Ein erster Fall der COVID-19-Pandemie in Brasilien wurde am 25. Februar 2020 berichtet.

Innere Sicherheit

KriminalitÀt

Die KriminalitĂ€tsrate liegt weit ĂŒber dem weltweiten Durchschnitt und die Mordrate gehört zu den höchsten der Welt. So starben gemĂ€ĂŸ einer Statistik von 2012 mindestens 56.337 Menschen durch Mord oder Totschlag. Dies entspricht einer Zahl von ĂŒber 154 Tötungsdelikten pro Tag. Die Polizei hat vor allem in den StĂ€dten mit Morden, EntfĂŒhrungen, RaubĂŒberfĂ€llen und organisierten Drogen- und Kriminellensyndikaten (wie etwa das Comando Vermelho in Rio de Janeiro und das Primeiro Comando da Capital in SĂŁo Paulo) zu kĂ€mpfen. Das Polizistengehalt ist niedrig, deswegen gilt die Polizei als besonders korruptionsanfĂ€llig. Es ereignen sich zudem zahlreiche FĂ€lle, in denen Polizeiangehörigen Machtmissbrauch bis hin zu Erpressung und Mord vorgeworfen wird. Auch innerhalb der Justiz ist Korruption weit verbreitet. Das Leben der Kleinbauern und Indios auf dem Land ist durch Konflikte mit Großgrundbesitzern und Unternehmen gefĂ€hrdet, die nach Rohstoffen suchen.

Um die hohe Zahl an Gewaltopfern zu verringern, wurde im Januar 2004 ein Gesetz vorgeschlagen, das den privaten Waffenbesitz verbieten sollte. Dieser Gesetzesvorschlag ist 2005 per Volksreferendum abgelehnt und deshalb ausgesetzt worden. Als einer der GrĂŒnde dafĂŒr wurde mangelndes Vertrauen in die Polizei genannt.

Laut einem Bericht der UNODC vom 7. Oktober 2011 lag die Mordrate bei 22,7 Delikten pro 100.000 Einwohner. SĂŁo Paulo wird im Bericht als vorbildlich bei der BekĂ€mpfung von Gewalt angefĂŒhrt. PrĂ€vention, Projekte und Maßnahmen der Repression gegen kriminelle Organisationen waren demnach die Hauptursachen.

Trotz als fortschrittlich geltender Gesetzgebung zur Gleichberechtigung Homosexueller ist die Anzahl der gewalttĂ€tigen Übergriffe auf Lesben und Schwule im internationalen Vergleich sehr hoch. Dies wird auf der jĂ€hrlichen Parada do Orgulho GLBT de SĂŁo Paulo, der weltweit grĂ¶ĂŸten Gay-Pride-Parade, thematisiert.

Polizeien

Alle Bundesstaaten verfĂŒgen ĂŒber jeweils zwei Behörden, welche die hauptsĂ€chliche Polizeiarbeit ĂŒbernehmen: die MilitĂ€rische Polizei und die Zivile Polizei. WĂ€hrend erstere fĂŒr die öffentliche Ordnung zustĂ€ndig ist, wird zweite hauptsĂ€chlich zu Zwecken der Strafverfolgung tĂ€tig. ZusĂ€tzliche verfĂŒgen einige GroßstĂ€dte ĂŒber eine stĂ€dtische Polizei (Guarda Municipal). Die Força Nacional de Segurança setzt sich aus Mitgliedern der verschiedenen Staatspolizeien zusammen und kann im Krisenfall von den Gouverneuren der Staaten zur Hilfe gerufen werden. Außerdem stellt die Força Nacional Feuerwehren und Rettungsdienste in einigen Regionen.

Auf Bundesebene ĂŒbernimmt die Bundespolizei (PolĂ­cia Federal) neben der allgemeinen Strafverfolgung die Grenzschutzaufgaben. Daneben unterstehen dem Bund jeweils eine eigene Polizei fĂŒr Bundesstraßen und Schienenwege.

GefÀngniswesen

Im Februar 2017 waren in 1.424 Strafanstalten 650.000 Menschen, davon ungefĂ€hr 40.000 Frauen, inhaftiert. Der Anteil lag bei 316 Gefangenen auf 100.000 Menschen. Im Jahr 2000 waren es noch 232.000 Gefangene. Ein Grund fĂŒr die Zunahme liegt an der hohen Zahl (ca. 30 %) von UntersuchungshĂ€ftlingen, die noch nicht gerichtlich verurteilt sind. Die Schaffung von HaftplĂ€tzen konnte mit dem Bedarf in den letzten Jahren nicht mehr mithalten. Es fehlten 2017 mindestens 250.000 PlĂ€tze. Einige GefĂ€ngnisse werden durch private, gewinnstrebige Unternehmen gefĂŒhrt.

Viele GefĂ€ngnisse werden durch kriminelle Banden beherrscht. Vor allem das Primeiro Comando da Capital ist in nahezu allen GefĂ€ngnissen in Brasilien prĂ€sent. Es kommt regelmĂ€ĂŸig zu organisierten AufstĂ€nden, Gefangenenmeutereien und Massakern unter rivalisierenden Bandenmitgliedern.

Geschichte

Indigene Kulturen

Die Ă€ltesten Spuren menschlichen Lebens wurden in der Caverna da Pedra Pintada im Bundesstaat PiauĂ­ gefunden. Die Ă€ltesten datierten Funde stammen aus der Zeit um 11.700 BP. Um 7580 BP wurde dort Keramik genutzt (Paituna-Phase). Ebenfalls zu den Ă€ltesten Kulturen zĂ€hlt die Itaparica-Phase, am Abrigo do Sol in Mato Grosso do Sul fanden sich Ă€hnlich alte Spuren aus der Zeit zwischen 11.500 und 6000 BP (Dourado-Tradition). Skelettfunde belegen, dass die KĂŒstengebiete des heutigen Brasilien um 8000 v. Chr. bewohnt waren. Die Nutzung von NussbĂ€umen lĂ€sst sich bis 8500 v. Chr. in Amazonien zurĂŒckverfolgen, echte Landwirtschaft setzte zwischen 6000 und 2700 v. Chr. ein – hier ist noch Vieles unklar. Vielfach wurde durch Brand das Wachstum bestimmter Pflanzen, wie etwa Palmen gefördert, die Nahrung lieferten, ein Prozess, der spĂ€testens im 4. oder 3. vorchristlichen Jahrtausend nachweisbar ist; hinzu kam Gartenbewirtschaftung und eine zunehmende Sesshaftigkeit vieler Gruppen. Im 2. Jahrhundert n. Chr. muss die Bodennutzung Ă€ußerst intensiv gewesen sein, worauf die sogenannte Amazonian Dark Earth hinweist.

Die frĂŒhen Bewohner verĂ€nderten durch Anpflanzung bestimmter Pflanzenarten sowie durch Bodenverbesserung das Ökosystem des Amazonasbeckens grundlegend. Auch ihre Ansiedlungen – etwa auf der riesigen Flussinsel MarajĂł – waren weit grĂ¶ĂŸer als lange angenommen. DarĂŒber hinaus bauten viele Gruppen sogenannte Mounds, hĂ€ufig BegrĂ€bnishĂŒgel, die an der KĂŒste Brasiliens, wenn sie aus Muscheln bestanden, als sambaquis bezeichnet werden. Andere stellten zeremonielle Zentren oder Residenzen dar. Der Mound-Komplex von Ibibate im bolivianischen Amazonien umfasst 11 ha, auf Marajo fanden sich allein 40 Mounds.

In der Provinz Mato Grosso fanden sich zahlreiche geplante Orte, in denen Fischzucht und Landwirtschaft bis in die Zeit um 1500 betrieben wurden. Die bis zu 60 ha großen StĂ€dte waren durch ein Straßennetz miteinander verbunden – obwohl in den meisten Gebieten das Kanu das Fortbewegungsmittel war –, es fanden sich DĂ€mme und kĂŒnstliche Teiche. Wie an vielen Stellen Amerikas dĂŒrften die Menschen am Xingu Epidemien zum Opfer gefallen sein, vor allem den Pocken.

Portugiesische Kolonialzeit

Schon 1494 beschlossen Portugal und Spanien die Aufteilung SĂŒdamerikas im Vertrag von Tordesillas. In diesem wurde unter Vermittlung von Papst Alexander VI. eine gedachte Linie etwa 480 Kilometer westlich der Kapverdischen Inseln festgelegt, und entlang dieser Linie die Welt zwischen beiden SeemĂ€chten aufgeteilt. Spanien wurde alles in Amerika noch zu entdeckende Land zugesprochen, Portugal dagegen Afrika und Asien. Weil man die Linie in Unkenntnis der KĂŒstenlinie der Neuen Welt vereinbart hatte, gehörte auch die (zu diesem Zeitpunkt noch allgemein unbekannte) Ostspitze SĂŒdamerikas in den Herrschaftsbereich Portugals. Voraussetzung fĂŒr eine legitime Insbesitznahme war dabei die konsequente Katholisierung der Einheimischen. Am 22. April 1500 landete der portugiesische Seefahrer Pedro Álvares Cabral beim heutigen Porto Seguro (im SĂŒden des Bundesstaates Bahia) und nahm das Land fĂŒr die portugiesische Krone in Besitz. Die Zeit von 1500 bis 1530 war von Tauschhandel mit den Einheimischen geprĂ€gt. Um jedoch den Franzosen, die den Vertrag von Tordesillas als nicht bindend betrachteten, und die mit den TupinambĂĄ TauschgeschĂ€fte fĂŒr Rotholz machten, Einhalt zu gebieten, beschloss die portugiesische Krone, europĂ€ische Siedler nach Brasilien zu schicken.

1549 wurde das heutige Salvador da Bahia (SĂŁo Salvador da BahĂ­a de Todos os Santos) zur Hauptstadt ernannt. Ab 1530 wurden Indios aus dem Landesinnern an die KĂŒste gebracht, die die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen im Nordosten verrichten mussten. Wegen harter Arbeit, Verfolgung und AnfĂ€lligkeit der Indios fĂŒr europĂ€ische Krankheiten starben viele von ihnen. Die Kolonialherren versuchten daraufhin, die verlorengegangene Arbeitskraft durch Sklaven aus Afrika zu ersetzen. Die Afrikaner wurden nach ihrer Verschleppung zwangsweise getauft, behielten jedoch faktisch ihre traditionellen Religionen bei. Dies war die Ursache fĂŒr die Entstehung der typisch brasilianischen synkretistischen Kulte CandomblĂ© und Umbanda. Bis 1580 brachten die Portugiesen das ganze Land faktisch unter ihre Kontrolle.

1629 hatten sich die NiederlĂ€nder in der NĂ€he des heutigen Recife niedergelassen und 1637 unter FĂŒhrung von Johann Moritz von Nassau-Siegen diese Anbaugebiete erobert, die daraufhin nochmals kurz aufblĂŒhten. Bis 1654 stand der Nordosten, v. a. das Gebiet um Pernambuco, unter niederlĂ€ndischer Kontrolle. In der Schlacht von Guararapes wurden die niederlĂ€ndischen Truppen im selben Jahr entscheidend geschlagen und wieder vertrieben.

Reiche BarockstĂ€dte entwickelten sich im 17. Jahrhundert, als Bandeirantes-Expeditionen das Hinterland erkundeten und neben anderen BodenschĂ€tzen auch Gold und Diamanten entdeckten. Im selben Jahrhundert bauten entflohene Sklaven einfache Siedlungen, sogenannte Quilombos, auf. Als in den Quilombos AufstĂ€nde gegen die UnterdrĂŒckung der Schwarzen ausbrachen, zerstörte man bis 1699 alle Siedlungen wieder. 1763 wurde Rio de Janeiro zur Hauptstadt ernannt, weil sich das wirtschaftliche Zentrum des Landes auf den SĂŒden verlagerte. 25 Jahre spĂ€ter fĂŒhrte der Offizier und Zahnarzt Tiradentes einen Aufstand an, der aber scheiterte. 1792 wurde der heutige Nationalheld Brasiliens hingerichtet. Gleichzeitig begann ein Konflikt mit Spanien, weil die Bandeirantes-Expeditionen die Westgrenze Brasiliens entgegen den Vereinbarungen verschoben.

König- und Kaiserreich Brasilien

1807 fielen französische Truppen von Napoleon Bonaparte nach Portugal ein, woraufhin der portugiesische König JoĂŁo VI. unter britischem Schutz nach Brasilien (erst Bahia, spĂ€ter Rio de Janeiro) flĂŒchtete und dort erstmals den bis dahin strikt verbotenen Auslandshandel erlaubte. Mit der Übersiedlung des Königs und des gesamten Hofstaates bekam Brasilien den Status eines gleichberechtigten Mitglieds des Mutterlandes, und die Hauptstadt Rio de Janeiro war faktisch das Zentrum des damaligen portugiesischen Weltreichs mit Ausnahme des französisch besetzten Portugals. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde Brasilien mit Portugal gleichgestellt.

Nach Abzug der französischen Truppen aus Portugal musste König JoĂŁo VI. 1821 gegen seinen Willen wieder nach Portugal zurĂŒckkehren, um seinen Thronanspruch zu sichern. Er ĂŒberließ die Herrschaft ĂŒber Brasilien seinem Sohn Pedro. Pedro I. erklĂ€rte am 7. September 1822 in SĂŁo Paulo die UnabhĂ€ngigkeit Brasiliens von Portugal und machte sich am 22. September zum ersten brasilianischen Kaiser. Zwei Jahre spĂ€ter begann die gezielte deutsche Einwanderung in Brasilien mit GrĂŒndung der ersten Kolonie SĂŁo Leopoldo in Rio Grande do Sul. 1828 löste sich die Provinz Uruguay, die man 1821 als Cisplatinische Provinz von Argentinien annektiert hatte, nach drei Jahren Krieg zwischen Brasilien und Argentinien und erklĂ€rte ihre UnabhĂ€ngigkeit von Brasilien. Drei Jahre spĂ€ter kam es zu einem MilitĂ€raufstand, weswegen Kaiser Pedro I. abdankte und die Herrschaft auf seinen fĂŒnfjĂ€hrigen Sohn Pedro II. ĂŒbertrug. Der ehemalige Kaiser Pedro I. ging zurĂŒck nach Portugal und trat dort als portugiesischer König Pedro IV. das Erbe seines Vaters an.

Ein Zusatzpunkt der 1822 geschaffenen Verfassung ermöglichte noch am Tag der Abdankung Pedros I. einige Reformen. So wurde die Einsetzung eines einzigen Regenten beschlossen. In der Farrapen-Revolution 1835 spaltete sich mit Rio Grande do Sul erneut eine Provinz ab, die fortan die Republik Piratini bildete, bis sie nach einem zehnjÀhrigen Krieg mit den Regierungstruppen wieder ins Kaiserreich eingegliedert wurde. In der Regentenzeit gab es eine Reihe von weiteren AufstÀnden im Norden und Nordosten, die relativ schnell niedergeschlagen wurden und vor allem viele Arme das Leben kosteten.

Zweites Kaiserreich Brasilien

Im Jahre 1840, also noch vor seiner VolljĂ€hrigkeit, wurde Pedro II. zum Kaiser gekrönt. 1864 erklĂ€rte Paraguay Brasilien den Krieg. Nach fĂŒnf Jahren besiegten Brasilien, Uruguay und Argentinien die Truppen Paraguays im blutigsten Krieg der lateinamerikanischen Geschichte. Obwohl die Kriegsjahre dem Land zusetzten, erlebte Brasilien aufgrund des Kautschukbooms eine gute wirtschaftliche Entwicklung. Brasilien besaß das Monopol auf Kautschuk und konnte deshalb durch dessen Export große Einnahmen erzielen.

Die Sklaverei wurde 1888 von Kronprinzessin Isabella, einer Tochter Pedros II., mit dem „Goldenen Gesetz“ (Lei Áurea) offiziell abgeschafft. Obwohl Sklaverei bereits seit 1853 geĂ€chtet worden war, fĂŒhrte das Verbot zu AufstĂ€nden von Großgrundbesitzern und der Armee. In der Folge putschte sich das MilitĂ€r an die Macht, woraufhin der Kaiser am 15. November 1889 ins Pariser Exil ging und den Weg fĂŒr die erste Republik freimachte.

Republik und Oligarchie

Marschall Manuel Deodoro da Fonseca rief am 15. November 1889 auf dem Praça Quinze de Novembro in Rio de Janeiro die Republik aus und leitete die provisorische Regierung, die am 24. Februar 1891 die erste republikanische Verfassung annahm als Vereinigte Staaten von Brasilien (RepĂșblica dos Estados Unidos do Brasil). In der Folgezeit etablierte sich ein oligarchisches System. Der Wohlstand schien durch die große Kaffee-Nachfrage gesichert und die Wirtschaft konzentrierte sich auf diesen Zweig, sie geriet jedoch bald in Krisen. In den Ersten Weltkrieg trat Brasilien offiziell auf Seite der Alliierten gegen Deutschland ein, beteiligte sich aber nicht aktiv. In den Kriegsjahren ging die Nachfrage nach Kaffee stark zurĂŒck. In den 1920er Jahren forderten große Teile der Bevölkerung ein Ende der Oligarchie. Diese erste oder alte Republik dauerte von der Proklamation der Republik 1889 bis 1930 und ging in die Geschichte als RepĂșblica Velha ein, abgelöst durch die Ära GetĂșlio Vargas.

Ära GetĂșlio Vargas und Folgezeit

Als 1930 die Kaffeepreise nochmals einbrachen, fĂŒhrte GetĂșlio Vargas, der „Vater der Armen“, einen Aufstand an und wurde so PrĂ€sident. In den ersten Monaten seiner Regierungszeit wuchs die Wirtschaft Brasiliens spĂŒrbar. Das Frauenwahlrecht, Wahlgeheimnis und die VerhĂ€ltniswahl wurden erstmals in Brasilien mit dem Wahlgesetz von 1932 eingefĂŒhrt, bei Ausrufung des Estado Novo 1937 wieder aufgehoben und 1945 erneuert. 1937 wurde die Herrschaft Vargas als „wohlwollender Diktator“ festgeschrieben, 1942 erklĂ€rte er auf Druck der USA den Krieg gegen die AchsenmĂ€chte. Er entsandte ein 25.000 Mann starkes Kontingent (Força ExpedicionĂĄria Brasileira) nach Italien, das unter anderem in der Schlacht um Monte Cassino eingesetzt wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Vargas von der Armee abgesetzt.

Schon fĂŒnf Jahre spĂ€ter wĂ€hlte ihn das Volk erneut zum PrĂ€sidenten. Weil sich die USA gegen die sozialistische Politik Brasiliens stellten und daraufhin Rechte und die Armee Vargas’ RĂŒcktritt forderten, beging er 1954 Selbstmord. Vargas’ Nachfolger Juscelino Kubitschek sorgte mit Hilfe der Partido Trabalhista Brasileiro (PTB) fĂŒr neue auslĂ€ndische Investoren, die die brasilianische Wirtschaft in den spĂ€ten 1950er Jahren ankurbelten. 1960 wurde dann JĂąnio da Silva Quadros zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. Nach seinem Amtsantritt 1961 versuchte er, die AbhĂ€ngigkeit von den USA zu lösen und den defizitĂ€ren Staatshaushalt zu konsolidieren. Nach nur wenigen Monaten im Amt trat er wieder zurĂŒck, sein Nachfolger wurde der Vize-PrĂ€sident JoĂŁo Goulart, kurz nachdem die neue Hauptstadt BrasĂ­lia nach drei Jahren Bauzeit eingeweiht worden war. Auch Goulart war in der Bevölkerung nicht unumstritten, weshalb seine Befugnisse in den ersten drei PrĂ€sidentschaftswahlen eingeschrĂ€nkt waren.

Zeit der MilitÀrdiktatur

Brasilien wurde 1964 bis 1985 vom MilitĂ€r regiert. In dieser Zeit litten vor allem die Indios unter Menschenrechtsverletzungen, die Wirtschaft wurde zwar unterstĂŒtzt, gleichzeitig wurden jedoch große Prestigeprojekte (TransamazĂŽnica, das Wasserkraftwerk ItaipĂș, das Kernkraftwerk Angra dos Reis, Autobahnen) angestoßen. Folge dieser Politik waren eine hohe öffentliche Verschuldung und unrentable Staatsbetriebe.

Im Jahre 1964 putschte das MilitĂ€r und setzte JoĂŁo Goulart ab. Das neue Regime unter Marschall Humberto Castelo Branco unterdrĂŒckte die linke Opposition und entzog etwa 300 Personen die politischen Rechte. Ein 1965 verabschiedetes Gesetz schrĂ€nkte die bĂŒrgerlichen Freiheiten ein, sprach der Nationalregierung weitere Machtbefugnisse zu und bestimmte die Wahl des PrĂ€sidenten und VizeprĂ€sidenten durch den Kongress.

Der ehemalige Kriegsminister Marschall Artur da Costa e Silva, Kandidat der Regierungspartei ARENA (Aliança Renovadora Nacional; deutsch: Allianz zur nationalen Erneuerung), wurde 1966 zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. Die Brasilianische Demokratische Bewegung (MDB, Movimento DemocrĂĄtico Brasileiro), die einzige legale Oppositionspartei, weigerte sich aus Protest, einen Kandidaten fĂŒr die Wahl aufzustellen, weil die Regierung alle ernst zu nehmenden Gegenkandidaten nicht zugelassen hatte. 1966 gewann die ARENA auch die National- und Parlamentswahlen. Das Jahr 1968 stand im Zeichen von Studentenunruhen und Streiks. Das MilitĂ€rregime reagierte mit politischen SĂ€uberungsaktionen und Zensur. Im August 1969 wurde Costa entmachtet. Das MilitĂ€r bestimmte General EmĂ­lio Garrastazu MĂ©dici zu seinem Nachfolger, der Kongress wĂ€hlte ihn zum PrĂ€sidenten. Unter MĂ©dici wurden die Repressionen verstĂ€rkt und in der Folge nahmen die revolutionĂ€ren AktivitĂ€ten zu. Der römisch-katholische Klerus erhob seine kritische Stimme immer öfter und prangerte die Bedingungen der armen Bevölkerung an.

1974 wurde General Ernesto Geisel, nach seiner MilitĂ€rkarriere PrĂ€sident der Petrobras, der staatlichen Ölmonopolgesellschaft, zum brasilianischen PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. Aufgrund der relativen politischen StabilitĂ€t und gezielter Förderung der Industrie war die Zeit der MilitĂ€rmachthaber zugleich eine Zeit des Wirtschaftsbooms; viele Investoren – auch aus Deutschland – haben in den 1970er Jahren in Brasilien investiert. So avancierte SĂŁo Paulo zur „grĂ¶ĂŸten deutschen Industriestadt außerhalb Deutschlands“ dieser Zeit.

Anfang der 80er Jahre schwĂ€chte die MilitĂ€rregierung die Repression deutlich ab, bis schließlich 1985, auch aus Mangel an eigenen Optionen aus dem MilitĂ€rkader und bereits inmitten einer Wirtschaftskrise mit galoppierender Inflation, freie Wahlen zugelassen wurden.

Demokratie seit 1985

Ab 1985 folgte die Nova RepĂșblica (Sechste Republik). Der Wahlsieger Tancredo Neves wurde kurz vor seiner Amtseinsetzung in BrasĂ­lia ins Krankenhaus eingeliefert. Wegen eines MagengeschwĂŒrs wurde er sieben Mal operiert. Er starb am 21. April 1985 an Infektionen, die er sich bei der Operation zugezogen hatte. PrĂ€sident wurde dann der zum VizeprĂ€sidenten gewĂ€hlte JosĂ© Sarney. Sarney hatte mit enormen Auslandsschulden, Hyperinflation und Korruption zu kĂ€mpfen, was er mit dem „Plano Cruzado“ zuerst recht erfolgreich versuchte. DarĂŒber hinaus musste er die neue Demokratie stabilisieren.

In demokratischen Wahlen wurde 1990 Fernando Collor de Mello zum Nachfolger Sarneys gewĂ€hlt. Die ersten Monate seiner Amtszeit verbrachte er mit der BekĂ€mpfung der Inflation, die zeitweise 25 % monatlich erreichte. Am 26. April 1991 wurde Mercosur (portugiesisch Mercosul) gegrĂŒndet. Dieser Gemeinsame Markt des SĂŒdens, den die Staaten Argentinien, Paraguay und Uruguay gemeinsam mit Brasilien grĂŒndeten, ist ein Binnenmarkt mit mehr als 230 Millionen Einwohnern, der die Wirtschaft der MitgliedslĂ€nder und dadurch die Stellung Lateinamerikas in der Welt stĂ€rken sollte.

Im Jahr 1992 wurde Collor von seinem Bruder Pedro der Korruption bezichtigt, was zu Untersuchungen durch Kongress und Presse fĂŒhrte. Die sich verdichtenden Hinweise auf Bestechlichkeit und Veruntreuung von Staatsmitteln gaben den Anstoß zu Massendemonstrationen und Unruhen in den großen StĂ€dten Brasiliens. Im Oktober des gleichen Jahres stimmte der Kongress fĂŒr Collors Absetzung, der daraufhin zurĂŒcktrat. VerfassungsgemĂ€ĂŸ wurde VizeprĂ€sident Itamar Franco sein Nachfolger.

Im Jahre 1993 konnte die Bevölkerung Brasiliens in einem Referendum sowohl ĂŒber die Staats- als auch ĂŒber die Regierungsform entscheiden. Die Wahl fiel dabei eindeutig auf Republik (statt Monarchie) mit prĂ€sidialem (statt parlamentarischem) Regierungssystem. 1994 wurde eine umfassende WĂ€hrungsreform beschlossen, wodurch die Hyperinflation beendet werden konnte. Hauptverantwortlich fĂŒr die EinfĂŒhrung der neuen WĂ€hrung sowie einer Reihe weiterer Maßnahmen (insgesamt als „Plano Real“ bezeichnet) war Fernando Henrique Cardoso, der diesen Erfolg bei seiner PrĂ€sidentschaftskandidatur nutzen konnte und im Oktober 1994 sowie ein weiteres Mal im Oktober 1998 zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt wurde. Zur Sanierung des Haushalts beschloss das Parlament die Privatisierung von Staatsmonopolen, dennoch stieg die Staatsverschuldung unter der PrĂ€sidentschaft von Cardoso von 28,1 % auf 55,5 % des Bruttoinlandsprodukts an. Von 2003 bis 2011 war Luiz InĂĄcio Lula da Silva von der Arbeiterpartei PT PrĂ€sident Brasiliens. Er legte Wert auf die Verringerung der Staatsverschuldung, setzte aber auch soziale Programme wie Fome Zero ("Null Hunger") und Bolsa FamĂ­lia ("Geldbörse fĂŒr Familien") um. 2004 fĂŒhrte Brasilien erstmals in seiner Geschichte UN-Friedenstruppen an, das MilitĂ€r entsandte 1.470 Soldaten nach Haiti.

Im Jahre 2011 wurde Dilma Rousseff als erste Frau zum Staatsoberhaupt Brasiliens gewĂ€hlt. Trotz ihres umstrittenen, harten Regierungsstils, der sich sehr von dem ihres Mentors Lula abhebt, betrugen im MĂ€rz 2012 ihre Zustimmungswerte 72 Prozent, im MĂ€rz 2013 waren sie auf 79 Prozent angestiegen. Mitte Juni begann jedoch eine Gruppe von jungen Menschen, welche die Fahrpreiserhöhungen bei öffentlichen Transportmitteln in SĂŁo Paulo ablehnte, zu protestieren. Die gewaltvolle Repression, mit der die Polizei auf die Demonstrierenden reagierte, löste eine Kette von landesweiten Protesten hervor: In den folgenden Wochen gingen die Menschen zu Hunderttausenden auf die Straße. GekĂ€mpft wurde zusĂ€tzlich gegen die Austragung der Fußballweltmeisterschaft 2014, Korruption und eine wenig soziale Politik, die die zunehmende Missachtung von Rechten der Indigenen, Frauen und Homosexuellen mit einschließt. PrĂ€sidentin Rousseff reagierte darauf mit dem Versprechen eines „großen Pakts“ fĂŒr ein besseres Brasilien. Von Juni auf Juli sanken die Zustimmungswerte von PrĂ€sidentin Rousseff auf 31 Prozent ab.

Bei der PrÀsidentschaftswahl 2014 wurde Dilma Rousseff jedoch wiedergewÀhlt.

Gestiegene Lebenshaltungskosten und die sinkende Wirtschaftsleistung Brasiliens im Zuge fallender Rohstoffpreise fĂŒhrten auch 2015 und 2016 zu landesweiten Großdemonstrationen.

Die tiefe Vertrauenskrise in das politische System wurde mit der Amtsenthebung Rousseffs im Jahr 2016 nicht behoben, sondern verstĂ€rkt, da die Amtsenthebung selbst ein Putsch war, um durch einen Machtwechsel Ermittlungen im Korruptionsskandal Lava Jato zu eigenen Gunsten zu sabotieren. So verlor Roussefs Nachfolger Michel Temer innerhalb eines halben Jahres sechs seiner Minister wegen KorruptionsvorwĂŒrfen, wĂ€hrend das Land schon das zweite Jahr in Folge in einer Rezession steckte. Im Mai 2017 begann das Oberste Gericht auch gegen den PrĂ€sidenten Temer wegen des Korruptionsskandals Lava Jato zu ermitteln. Nicht nur die staatliche Erdölfirma Petrobras, sondern damit auch der Baukonzern Odebrecht und der weltgrĂ¶ĂŸte FleischhĂ€ndler JBS waren in die Korruption verwickelt.

PrÀsidentschaft von Jair Bolsonaro (seit 2018)

Bei den PrĂ€sidentschaftswahlen 2018 waren die beiden aussichtsreichsten Kandidaten der rechtsextreme Ex-MilitĂ€r Jair Bolsonaro und der linksliberale Ex-PrĂ€sident Lula da Silva. Allerdings konnte Lula da Silva schlussendlich nicht zur Wahl antreten, weil der Oberste Richter Sergio Moro ihn basierend auf einer Anklage wegen angeblicher Korruption zu insgesamt 12 Jahren Haft verurteilte. Seine Partei PT ernannte daraufhin Fernando Haddad zum Ersatzkandidaten, welcher jedoch die Wahl gegen Jair Bolsonaro verlor. Unter der FĂŒhrung des PrĂ€sidenten Jair Bolsonaro hat sich die Menschenrechtslage in Brasilien weiter verschlechtert.

Justizskandal (2019)

Das investigative Journalistennetzwerk The Intercept veröffentlichte im Jahr 2019 private ChatverlĂ€ufe und GesprĂ€chsmitschnitte des Richters Sergio Moro mit den leitenden StaatsanwĂ€lten. Diese Veröffentlichungen belegen, dass der juristische Prozess und das einschlĂ€gige Urteil gegen Lula da Silva ohne ausreichende Beweismittel vollzogen wurde und demnach als politischer Schauprozess klassifiziert werden muss. Der Urteilsspruch gegen Lula da Silva verhinderte im Jahr 2018 seine PrĂ€sidentschaftskandidatur und ebnete somit den Weg fĂŒr Bolsonaros Wahlsieg. Nach der gewonnenen PrĂ€sidentschaftswahl ernannte Bolsonaro Sergio Moro zu seinem Justizminister. Im Zuge der Veröffentlichungen wurde Lula da Silva im November 2019 aus dem GefĂ€ngnis entlassen, nachdem Lulas AnwĂ€lte beim Obersten Gericht einen Berufungsantrag wegen Befangenheit des damaligen Richters Sergio Moro eingereicht hatten.

Politik

Brasilien ist eine prĂ€sidiale Bundesrepublik. Sie besteht aus Bund, Bundesstaaten und Kommunen. Die gesetzgebende Gewalt im Bund wird vom Nationalkongress ausgeĂŒbt (Abgeordnetenkammer und Senat). Die 513 Abgeordneten werden fĂŒr 4 Jahre, die 81 Senatoren fĂŒr 8 Jahre gewĂ€hlt. Die Verfassung wurde am 5. Oktober 1988 beschlossen und seither mehrfach ergĂ€nzt.

Die Bundesregierung besteht aus dem Staatsoberhaupt (zugleich Regierungschef), dem VizeprĂ€sidenten sowie den derzeit 26 Bundesministern. Der/die PrĂ€sident/in wird mit einer absoluten Mehrheit der Stimmen fĂŒr eine Amtsperiode von vier Jahren direkt vom Volk gewĂ€hlt. Im Anschluss daran kann die Person einmal wiedergewĂ€hlt werden (oder erneut nach Unterbrechung). Sie besitzt eine weitreichende exekutive Gewalt, ist Staatsoberhaupt und Regierungschef und stellt das Kabinett zusammen.

Brasilien gliedert sich in 26 Bundesstaaten sowie den Bundesdistrikt mit der Hauptstadt BrasĂ­lia. Die Bundesstaaten besitzen eigene Verfassungen und Gesetze, die den GrundsĂ€tzen der Bundesverfassung entsprechen mĂŒssen. Die Regierungschefs der Bundesstaaten, die Gouverneure, werden fĂŒr 4 Jahre direkt gewĂ€hlt.

Die letzten PrÀsidentschafts-, Gouverneurs- und Parlamentswahlen fanden Ende 2018 statt, die letzten Kommunalwahlen (EleiçÔes municipais) im November 2020 (erster Wahlgang am 15. November, Stichwahlen am 29. November).

Brasilianische Demokratie – Korruption

Nur Parteimitglieder können gewĂ€hlt werden. Eine ParteigrĂŒndung erfordert unter anderem die Beibringung von mindestens 500.000 Unterschriften aus mindestens einem Drittel aller Bundesstaaten.

Ein politisches Problem Brasiliens sind schwache Parteien ohne ideologisch begrĂŒndete Programme. Diese bilden Koalitionen, die bisher nur kurz hielten, somit mĂŒssen Gesetze meist durch Absprachen verabschiedet werden. Viele kleine Parteien und Korruption (1992 wurde der damalige PrĂ€sident Fernando Collor de Mello aus diesem Grund des Amtes enthoben) fĂŒhren zu einer politisch sehr instabilen Lage und zu einer nahezu zur UntĂ€tigkeit verdammten öffentlichen Verwaltung.

Parlament

Das brasilianische Parlament, der Nationalkongress oder Congresso Nacional, besteht aus zwei Kammern:

  • Der Bundessenat, portugiesisch Senado Federal do Brasil, setzt sich aus 81 Senatoren zusammen. In jedem der 26 Bundesstaaten und dem Bundesdistrikt werden nach dem Mehrheitswahlrecht drei Senatoren fĂŒr Amtsperioden von acht Jahren gewĂ€hlt. In der Liste der Senatoren Brasiliens sind derzeit (Juli 2019) 16 Parteien und zwei Parteilose vertreten, die meisten Senatoren stellt der MDB mit 12 Senatoren.
  • Die Abgeordnetenkammer, portugiesisch CĂąmara dos Deputados do Brasil, hat 513 Sitze. Die Abgeordneten werden nach einer Abwandlung des VerhĂ€ltniswahlrechts fĂŒr Amtsperioden von vier Jahren gewĂ€hlt. Ein WĂ€hler aus dem kleinsten Bundesstaat hat dabei etwa genau so viel Einfluss wie acht bis neun WĂ€hler aus dem grĂ¶ĂŸten. Nach den Wahlen von 2018 haben 25 Parteien und ein Parteiloser den Einzug in die Abgeordnetenkammer geschafft, wovon 14 Parteien mit 350 Abgeordneten dem regierungstreuen Block und 8 Parteien mit 141 Abgeordneten der Opposition zugeordnet werden, 22 Abgeordnete gelten als UnabhĂ€ngige. Die grĂ¶ĂŸten Fraktionen stellen der Partido Social Liberal (PSL) und der Partido dos Trabalhadores (PT) mit jeweils 55 Abgeordneten.

Politische Indizes

Parteien

In der Innenpolitik Brasiliens spielen Parteien insgesamt eine weniger zentrale Rolle als zum Beispiel in Deutschland. Die Parteienlandschaft ist stark zersplittert.

Im Senat sind derzeit in der 56. Legislaturperiode (Stand Januar 2019) folgende Parteien vertreten (in Klammern Anzahl der Senatoren):

  • ï»żMDB (12), keine klare Ideologie, von 1980 bis 2017 bekannt als Partido do Movimento DemocrĂĄtico Brasileiro (PMDB)
  • ï»żPSDB (8), politische Mitte
  • ï»żPSD (7), politische Mitte
  • ï»żPT (6), gemĂ€ĂŸigt politische Linke, gewerkschaftsnah
  • ï»żDEM (6), Mitte-rechts, konservativ und wirtschaftsliberal
  • ï»żPP (6), politische Rechte, rechtskonservativ
  • ï»żREDE (5), Mitte-links, umweltaktiv
  • ï»żPODE (5), politische Mitte, nationalistisch, bis 2016 bekannt als Partido Trabalhista Nacional (PTN)
  • ï»żPDT (4), Mitte-links, sozialdemokratisch, populistisch
  • ï»żPSL (4), rechts bis rechtsextrem
  • ï»żPTB (3), politische Mitte, national-populistisch
  • ï»żPSB (2), politische Linke, sozialdemokratisch, reformerisch
  • ï»żPPS (2), Mitte-links/politische Linke, sozialdemokratisch, sozialistisch
  • ï»żPHS (2), politische Mitte, humanistisch, distributistisch, christdemokratisch
  • ï»żPL (2), politische Mitte, republikanisch, sozialliberal, protektionistisch, von 2006 bis 2019 bekannt als Partido da RepĂșblica (PR) und nach der Wahl 2018 umbenannt
    • jeweils ein Senator kommt aus den folgenden sechs Parteien: SD, PROS, PRP, PTC, PRB und PSC
    • ein Senator ist parteilos, von den 81 Senatoren sind 13 weiblich.

    Im Abgeordnetenhaus sind derzeit in der 56. Legislaturperiode (Stand 2019) 25 Parteien (in Klammern Anzahl der Sitze):

  • ï»żPSL (55), rechts bis rechtsextrem
  • ï»żPT (55), gemĂ€ĂŸigt politische Linke, gewerkschaftsnah
  • ï»żPP (39), politische Rechte, rechtskonservativ
  • ï»żPL (38), umbenannt, vorher Partido da RepĂșblica (PR)
  • ï»żPSD (36), politische Mitte
  • ï»żMDB (34), umbenannt, vorher PMDB
  • ï»żPSB (32)
  • ï»żPRB (31)
  • ï»żPSDB (30)
  • ï»żDEM (28)
  • ï»żPDT (28)
  • ï»żSD (14)
  • ï»żPODE (11)
  • ï»żPTB (11)
  • ï»żPSOL (10)
  • ï»żPROS (10)
  • ï»żPCdoB (8)
  • ï»żPPS (8)
  • ï»żNOVO (8)
  • ï»żPSC (8)
  • ï»żAVANTE (7), 2017 umbenannt von Partido Trabalhista do Brasil (PTdoB)
  • ï»żPATRI (5), 2017 umbenannt von Partido EcolĂłgico Nacional (PEN)
  • ï»żPV (4)
  • ï»żPMN (1)
  • ï»żREDE (1)
  • ï»żParteiloser: 1
  • Wichtige Parteien des letzten Jahrhunderts, die mittlerweile aufgelöst sind:

    • Partido Comunista Brasileiro (PCB): kommunistisch, GrĂŒndung: 1922, Auflösung: 1992 (ersetzt durch die gemĂ€ĂŸigt-sozialdemokratische PPS)
    • UniĂŁo DemocrĂĄtica Nacional (UDN): konservativ und klassisch-liberal, GrĂŒndung: 1945, Auflösung: 1965
    • Aliança Renovadora Nacional (ARENA): vom MilitĂ€r kontrollierte Partei, GrĂŒndung: 1966, Auflösung: 1979 (ersetzt durch Partido DemocrĂĄtico Social, PDS)
    • Movimento DemocrĂĄtico Brasileiro (MDB): einzige legale Opposition gegen die MilitĂ€rregierung, GrĂŒndung: 1966, Auflösung: 1979 (ersetzt durch PMDB)

    Innenpolitik

    Die Wahl 2002, die in einem klaren Sieg der linken Arbeiterpartei PT endete, hatte einen hohen Stellenwert fĂŒr die Entwicklung der noch jungen Demokratie, denn erstmals wurde ein grĂ¶ĂŸerer Machtwechsel vollzogen. Im ersten Jahr der Regierung gelang eine wirtschaftliche Stabilisierung, der wieder einsetzenden Inflation und anderen Problemen wurde konsequent entgegengewirkt. Auch eine Rentenreform wurde gegen Protest aus den eigenen Reihen beschlossen. Der Kampf gegen die Armut wurde mit verschiedenen Programmen und durchwachsenem Erfolg angegangen.

    Die schwerste Krise der Legislaturperiode durchlebte die Regierung Lulas im Sommer 2005. Der PTB, Koalitionspartei in der Regierung, wurde Korruption vorgeworfen, was deren Vorsitzender Roberto Jefferson massiv bestritt und Ă€hnliche VorwĂŒrfe gegen zwei andere Regierungsparteien richtete. Sie wĂŒrden ein Monatsgeld erhalten und dann den GesetzesvorschlĂ€gen kollektiv zustimmen. Finanziert werde das angeblich durch Spenden großer Unternehmen, die dafĂŒr StaatsauftrĂ€ge bekommen hĂ€tten. Daraufhin nahmen die Polizei und UntersuchungsausschĂŒsse des Kongresses Ermittlungen auf, die immer mehr finanzielle NebengeschĂ€fte der Politiker aufdecken konnten. Dutzende Politiker – auch Berater des PrĂ€sidenten und Minister der Regierungsparteien, insbesondere des sich bis dahin als „sauber“ prĂ€sentierenden PT – legten ihr Mandat im Kongress nieder. Auch wenn eine persönliche Verwicklung bisher nicht nachgewiesen werden konnte, litt das Ansehen des PrĂ€sidenten stark unter den VorwĂŒrfen. Reformen zum Wahl- und Parteifinanzierungssystem wurden in Angriff genommen, aber noch nicht beschlossen.

    Antiamerikanismus ist in einigen Bevölkerungsteilen vorhanden. Manche Brasilianer betrachten die US-Politik als „neoimperialistisch“ oder zumindest „hegemoniell“ und befĂŒrchten eine zu starke Einflussnahme der USA auf Lateinamerika. Lula setzte sich seinerseits fĂŒr ein starkes Lateinamerika ein und ging auf vorsichtige Distanz zur amerikanischen Politik. In der bisherigen Außenpolitik wurde ein offener Streit mit den USA aber vermieden. Gleichzeitig distanzierte sich Lula jedoch vom sozialistischen/marxistischen Kurs des ehemaligen venezolanischen PrĂ€sidenten Hugo ChĂĄvez, obwohl in den folgenden Jahren die Wirtschaftsbeziehungen intensiviert wurden. Dilma Rousseff hat die Beziehungen zu Venezuela unter Maduro hingegen leicht abgeschwĂ€cht, mitunter wegen der weiter angespannten wirtschaftlichen, politischen und menschenrechtlichen Situation in Venezuela. Michel Temer bekrĂ€ftigte nach der amerikanischen PrĂ€sidentschaftswahl 2016 die amerikanisch-brasilianischen Beziehungen und setzt auf eine Intensivierung der Wirtschaftskooperation.

    Auch unter der Regierung Rousseffs nach Lula hat sich die innenpolitische Lage mit Hinsicht auf die Wirtschaft und Sicherheitslage nicht signifikant verĂ€ndert. Dies und der verspĂŒrte Stillstand im Land fĂŒhrten unter anderem zu sozialen Spannungen und Protesten im Vorfeld der Fußball-WM 2014 in Brasilien. Nachdem der Senat in einer Abstimmung am 31. August 2016 nach anhaltenden Skandalen und starker oppositioneller Kritik endgĂŒltig fĂŒr die Absetzung Rousseffs befand, ĂŒbernahm Michel Temer die Funktion des Staatschefs mit einer liberal-konservativen Regierung bis zur nĂ€chsten Wahl 2018. Nach seiner AmtsĂŒbernahme kĂŒndigte Temer KĂŒrzungen, Entlassungen, Privatisierungen, eine Rentenreform und die Liberalisierung des Arbeitsmarkts an, um der Rezession und schwierigen wirtschaftlichen Lage entgegenzuwirken sowie um den Staatshaushalt zu entlasten. Ein stark wachsender Teil des Staatshaushaltes von ĂŒber 10 Prozent wird allein fĂŒr die Renten aufgewendet.

    WĂ€hrend eines Polizeistreiks fĂŒr höhere Löhne im Februar 2017 kam es im SĂŒdosten Brasiliens im kleinen Bundesstaat Espirito Santo zu mehr als hundert Morden.

    Menschenrechte

    2014 machte die Nationale Wahrheitskommission in ihrem Schlussbericht eine Vielzahl an Menschenrechtsverletzungen publik, die wÀhrend der MilitÀrdiktatur der Jahre 1964 bis 1985 begangen worden waren. Aufgrund des Amnestiegesetzes von 1979 gibt es keine juristische Aufarbeitung.

    Die schwerwiegendsten derzeitigen Menschenrechtsverletzungen betreffen den Menschenhandel, wobei die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen hervorgehoben wird, dann die exzessive Gewaltanwendung durch Polizei und GefÀngnispersonal bis hin zu Folter und illegalen Hinrichtungen, die meist ungeahndet bleiben. Auch werden die Haftbedingungen als unzumutbar bezeichnet. Marginalisierte und Bewohner der Favelas sind am hÀufigsten Opfer dieser Gewaltanwendungen. In mehreren Bundesstaaten werden in einem Bericht Zwangsarbeit und Kinderarbeit konstatiert.

    Indigene Völker und ethnische Minderheiten werden diskriminiert. Konflikte um Land fĂŒhrten zu zahlreichen Tötungen, Tausende wurden Opfer von ZwangsrĂ€umungen. Die Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen verlĂ€uft schleppend oder versandet.

    Außenpolitik

    Brasilien als grĂ¶ĂŸtes Land Lateinamerikas (FlĂ€che, Bevölkerung, Wirtschaft) nimmt eine regionale und globale FĂŒhrungsrolle ein. Zu den wichtigsten Zielen und Schwerpunkten der brasilianischen Außenpolitik gehören:

    • Pflege der Beziehungen zu den LĂ€ndern in der Region, etwa im Rahmen der Regionalorganisationen UNASUR und MERCOSUL, sowie den traditionellen Partnern in Nordamerika und Europa, darunter Deutschland. DarĂŒber hinaus verfolgt Brasilien Ziele der wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Rahmen der sogenannten BRICS-Staaten (gemeinsam mit Russland, Indien, China und SĂŒdafrika).
    • Strukturelle StĂ€rkung des Einflusses Brasiliens als Stimme des SĂŒdens auf die Gestaltung der Globalisierung, namentlich durch Reform der UN (StĂ€ndiger Sitz fĂŒr Brasilien in einem zu erweiternden UN-Sicherheitsrat) und durch Besetzung von FĂŒhrungspositionen in internationalen Organisationen.
    • Inhaltliche Mitgestaltung der Politik zu globalen Fragen, neben Finanz- und Wirtschaftspolitik namentlich auch Umwelt-, Klima- und Entwicklungspolitik.

    Brasilien ist Mitglied u. a. folgender internationaler Organisationen:

    • Vereinte Nationen (seit 1945)
    • Organisation Amerikanischer Staaten (port. Organização dos Estados Americanos, OEA)
    • Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC)
    • Mercosur
    • G20 (Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und SchwellenlĂ€nder)
    • G20 der EntwicklungslĂ€nder
    • Bewegung der Blockfreien Staaten
    • Iberoamerika-Gipfel
    • Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen LĂ€nder
    • Rio-Gruppe
    • Union SĂŒdamerikanischer Nationen (hervorgegangen aus dem SĂŒdamerika-Gipfel)
    • BRICS-Staaten
    • Internationale Kakao-Organisation

    MilitÀr

    Nach den Jahrzehnten der MilitĂ€rdiktatur herrscht in Politik und Bevölkerung eine gewisse Vorsicht gegenĂŒber den StreitkrĂ€ften. DarĂŒber hinaus sieht sich das Land keiner wirklichen Ă€ußeren Bedrohung gegenĂŒber. Die lateinamerikanischen Staaten sind untereinander militĂ€risch verbĂŒndet, was Sicherheit und StabilitĂ€t in der Region festigt.

    Es besteht eine allgemeine Wehrpflicht fĂŒr wehrfĂ€hige MĂ€nner ĂŒber 18 Jahren. Der Etat des Verteidigungsministeriums lag nach einem Höhepunkt im Jahr 2014 mit 25 Milliarden im Jahr 2016 bei etwas ĂŒber 23 Milliarden US-Dollar. und seit 2006 im Bereich von 1,3 bis 1,5 Prozent des BIP. Noch im Jahr 1992 waren die Ausgaben auf 8 Milliarden gefallen im Vergleich zu 14 Milliarden im Jahr 1988.

    Mit etwa 190.000 Mann ist das Heer die bei weitem grĂ¶ĂŸte Teilstreitkraft Brasiliens. Mit etwa 500 Kampfpanzern und 1500 gepanzerten Fahrzeugen wĂ€re das Land im Ernstfall kaum in der Lage, das weite und schwer zugĂ€ngliche Hinterland zu sichern. In Friedenszeiten wird die Armee auch zum Katastrophenschutz und Rettungsdienst sowie fĂŒr wissenschaftliche Dienste (auf der Antarktis-Forschungsstation Comandante Ferraz) eingesetzt. Zudem werden die Bundesstraßen vom MilitĂ€r gebaut. Innerstaatliche Bedrohungen, wie KriminalitĂ€t oder Terrorismus sind in Brasilien Sache der PolizeikrĂ€fte. Das MilitĂ€r kann auf Anfrage des Gouverneurs im betroffenen Bundesstaat auch fĂŒr polizeiliche TĂ€tigkeiten eingesetzt werden, sofern der Notstand deklariert wird, so z. B. in der Stadt Rio de Janeiro 2008 und 2017.

    Die Luftwaffe beschĂ€ftigte im Jahr 2005 73.500 Personen und ist damit die grĂ¶ĂŸte in Lateinamerika. Ihrer aufgrund der riesigen LandflĂ€chen und weiten Seegebiete hohen Bedeutung gemĂ€ĂŸ ist die Luftwaffe modern ausgestattet. Flugzeuge und Helikopter stammten zumeist aus den USA oder aus Europa, aber auch vom brasilianischen Flugzeugbauer Embraer, um das MilitĂ€r unabhĂ€ngig von auslĂ€ndischen Importen zu machen. Auch die Marine ist modern und gut ausgerĂŒstet. Durch das große Flusssystem, das sich bis weit ins Landesinnere erstreckt, ist die Marine auch im Inland einsetzbar. Sie besitzt daher viele Patrouillenboote und leichte Kampfschiffe, die die BinnengewĂ€sser sichern. In dieser Funktion unterstĂŒtzt die Marine auch das brasilianische Heer und besitzt Amphibienfahrzeuge und sogar Kampfpanzer. FĂŒr den Einsatz auf hoher See stehen mehrere Kampfschiffe zur VerfĂŒgung sowie einige modifizierte U-Boote aus deutscher Fabrikation. Brasilien unterhĂ€lt außerdem einen FlugzeugtrĂ€ger.

    Brasilien ist der fĂŒnftgrĂ¶ĂŸte Waffenexporteur der Welt. WĂ€hrend der MilitĂ€rdiktatur bestand ein langjĂ€hriges, geheimes Kernwaffenprojekt. Deutschland war Brasiliens wichtigster Partner auf dem Gebiet der (friedlich genutzten) Kernenergie und unterstĂŒtzte das Land unter anderem mit der Lieferung von Kernreaktoren und Anlagen zur Uran-Anreicherung. Wie viel deutsches Wissen und Erfahrung tatsĂ€chlich in das Kernwaffenprogramm floss, und inwiefern die deutsche Regierung ĂŒber das brasilianische Atomprojekt wusste, lĂ€sst sich allerdings nur schwer sagen. Wahrscheinlich gab es auch eine Kooperation mit Argentinien, das ebenfalls ein geheimes Atomprogramm unterhielt. In den 80er Jahren war das Kernwaffenprojekt bereits sehr weit entwickelt.

    Mit dem Übergang in die Demokratie gab Brasilien schließlich das Vorhaben auf, Kernenergie fĂŒr militĂ€rische Zwecke zu nutzen. Offiziell wurde das Atomwaffenprogramm mit der Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags 1998 beendet.

    Im Jahr 2004 ĂŒbernahm das Land zum ersten Mal in seiner Geschichte eine grĂ¶ĂŸere Verantwortung und Rolle im Rahmen einer UN-Friedensmission in Haiti. 1.470 Soldaten waren im Karibikstaat stationiert, und im Juli 2004 ĂŒbernahm Brasilien die FĂŒhrung der internationalen Truppen bis zum Abzug im Jahr 2017.

    Am 10. Juli 2007 gab PrĂ€sident Luiz Inacio Lula da Silva bekannt, das brasilianische Atomprogramm einschließlich der Anreicherung von Uran und dem etwaigen Bau eines Atom-U-Boots auszuweiten. DafĂŒr sind im Haushalt bis 2015 insgesamt 1,040 Milliarden Real (rund 395 Millionen Euro) geplant.

    Administrative Gliederung

    Brasilien ist in 26 Bundesstaaten und einen Bundesdistrikt (Distrito Federal) gegliedert. Diese sind in fĂŒnf Regionen aufgeteilt:

    • Norden (RegiĂŁo Norte):
    Acre, AmapĂĄ, Amazonas, ParĂĄ, RondĂŽnia, Roraima, Tocantins
    Der Norden macht 45,27 % der FlĂ€che Brasiliens aus. Gleichzeitig ist es die Region mit den wenigsten Einwohnern. Der Nordwesten ist industriell vergleichsweise wenig entwickelt und nicht sehr gut erschlossen. DafĂŒr beherbergt er mit dem Amazonasbecken das grĂ¶ĂŸte Ökosystem der Erde.
    • Nordosten (RegiĂŁo Nordeste):
    Alagoas, Bahia, CearĂĄ, MaranhĂŁo, ParaĂ­ba, Pernambuco, PiauĂ­, Rio Grande do Norte, Sergipe
    Knapp ein Drittel der Brasilianer leben im Nordosten. Die Region ist kulturell sehr vielseitig. Sie ist geprĂ€gt von der portugiesischen Kolonialherrschaft, von der afrikanischen Kultur der ehemaligen Sklaven und nicht zuletzt von indianischen EinflĂŒssen.
    • Mittelwesten (RegiĂŁo Centro-Oeste):
    GoiĂĄs, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Distrito Federal do Brasil
    Die Region verdankt ihre Bedeutung vor allem ihrem Reichtum an Rohstoffen. Dennoch ist der Mittelwesten nicht besonders gut erschlossen. Es werden aber intensive BemĂŒhungen unternommen, die Region zu stĂ€rken, u. a durch die Verlegung der Hauptstadt nach BrasĂ­lia.
    • SĂŒdosten (RegiĂŁo Sudeste):
    EspĂ­rito Santo, Minas Gerais, Rio de Janeiro, SĂŁo Paulo
    Im SĂŒdosten leben mehr Menschen als in jedem anderen sĂŒdamerikanischen Land. Mit den BallungsrĂ€umen SĂŁo Paulo und Rio de Janeiro ist diese Region der wirtschaftliche Motor des Landes.
    • SĂŒden (RegiĂŁo Sul):
    ParanĂĄ, Santa Catarina, Rio Grande do Sul
    Der SĂŒden ist die kleinste Region Brasiliens. Die klimatischen VerhĂ€ltnisse entsprechen etwa denen SĂŒdeuropas. Die Region zeigt deutliche kulturelle EinflĂŒsse von deutschen und italienischen Einwanderern, die sich bevorzugt in diesem Gebiet niederließen. Etwa 85 % der Bewohner sind Weiße.

    Bundesdistrikt

    WĂ€hrend des brasilianischen Kaiserreichs war Rio de Janeiro Hauptstadt Brasiliens und hatte den Status MunicĂ­pio Neutro (Neutrale Stadt), was in etwa einem Hauptstadtdistrikt gleichzusetzen ist. Mit der Schaffung des Bundesstaats und der einhergehenden Umwandlung der Provinzen in Bundesstaaten wurde 1889 aus dem MunicĂ­pio Neutro ein Distrito Federal (Bundesdistrikt). 1960 wurde die Hauptstadt nach BrasĂ­lia verlegt, ebenso der Distrito Federal. Der Sonderdistrikt um Rio de Janeiro war zeitweilig in den Bundesstaat Guanabara umgewandelt, bis Guanabara 1975 in den Bundesstaat Rio de Janeiro eingegliedert wurde.

    Der Distrito Federal hat eine besondere Bedeutung. Er ist in der Verfassung festgeschrieben und ist direkt der brasilianischen Regierung unterstellt.

    Wichtige StĂ€dte und GroßrĂ€ume

    75 % der Bevölkerung Brasiliens leben in den StÀdten.

    Die bevölkerungsreichsten GroßrĂ€ume (jeweils mit ihrer Hauptstadt) sind SĂŁo Paulo mit etwa 21,4 Millionen Einwohnern (2017), Rio de Janeiro mit etwa 12,2 Millionen (2017), Belo Horizonte mit etwa 5,9 Millionen (2017), der Hauptstadtdistrikt BrasĂ­lia mit etwa 4,4 Millionen (2017), Porto Alegre mit etwa 4,2 Millionen (2017), Salvador da Bahia mit etwa 4,0 Millionen (2017), Fortaleza und Recife mit jeweils etwa 3,9 Millionen (2017) und Curitiba mit etwa 3,5 Millionen Einwohnern.

    SĂŁo Paulo ist die grĂ¶ĂŸte Stadt Brasiliens, SĂŒdamerikas und zugleich die grĂ¶ĂŸte der sĂŒdlichen HemisphĂ€re und der wirtschaftliche Motor Brasiliens. SĂŁo Paulo ist das grĂ¶ĂŸte deutsche Investitionszentrum außerhalb der EU und der USA. Als industrielles Zentrum des Landes zieht die Stadt kontinuierlich Einwanderer an, so dass sich die Einwohnerzahl innerhalb von 40 Jahren verdoppelte. Dieser rapide Bevölkerungszuwachs brachte der Stadt eine vorrangige Stellung in Bezug auf Finanzen, Kultur und Wissenschaft ein, aber auch Verkehrsprobleme, Umweltverschmutzung und KriminalitĂ€t.

    Rio de Janeiro war fast 200 Jahre lang Hauptstadt Brasiliens, bis im Jahre 1960 BrasĂ­lia zur Hauptstadt ernannt wurde. Dennoch ist Rio de Janeiro die bekannteste Stadt des Landes. Bei Touristen ist sie beliebt wegen des Karnevals und der StrĂ€nde, die zu den schönsten der Welt zĂ€hlen. Der Tourismus hat in Rio einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert, aber auch produzierende Industrie ist in der Stadt beheimatet. Abseits der Urlaubszentren hat die Stadt mit den typischen Problemen einer Großstadt zu kĂ€mpfen, vorrangig mit KriminalitĂ€t und Armut großer Bevölkerungsteile.

    Die Hauptstadt BrasĂ­lia wurde in den 1960er Jahren innerhalb von drei Jahren erbaut. Sie ist eine klassische Planhauptstadt, wurde von LĂșcio Costa im Auftrag des damaligen PrĂ€sidenten Kubitschek geplant, und Oscar Niemeyer entwarf die RegierungsgebĂ€ude. BrasĂ­lia sollte ursprĂŒnglich als glĂ€nzendes stĂ€dtisches Vorbild dienen. Allerdings ging die Entwicklung in wichtigen Punkten nicht so voran, wie es die PlĂ€ne vorsahen, und so ist BrasĂ­lia in den Ă€ußeren Bezirken mittlerweile ebenfalls von Favelas geprĂ€gt. Heute hat die Stadt knapp 200.000 Einwohner, die Metropolregion zĂ€hlt etwa 4,4 Millionen Menschen.

    Recht

    An der Spitze der brasilianischen Gerichtsbarkeit steht das Supremo Tribunal Federal mit Sitz in der Hauptstadt BrasĂ­lia.

    Wirtschaft

    Wirtschaftsstruktur

    Wirtschaftliche Indikatoren

    Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rd. 1800 Mrd. USD (2016) ist Brasilien die neuntgrĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft der Welt. Das Pro-Kopf-Einkommen betrug zur gleichen Zeit ca. 8.700 USD. Die wirtschaftliche Struktur Brasiliens ist gekennzeichnet durch die Kernsektoren Dienstleistungen mit ca. 65 %, Industrie mit 17 % und Agrarwirtschaft mit ca. 6,7 % BIP-Anteil („Agrarbusiness“/Produktion und Verarbeitung von Agrarrohstoffen insgesamt 25 % des BIP).

    Hohe Wachstumsraten und solider BeschÀftigungszuwachs erhöhten bis vor wenigen Jahren signifikant das globale wirtschaftspolitische Interesse an Brasilien. Dank der Explosion der weltweiten Rohstoffpreise, steigender Löhne und eines verbesserten Zugangs zu Verbraucherkrediten konnte das BIP krÀftig expandieren.

    Als sich vor wenigen Jahren jedoch das Ende des Wirtschaftsbooms angesichts sinkender Rohstoffpreise, steigender Verschuldung des Privatsektors und sehr niedriger ProduktivitĂ€t ankĂŒndigte, versuchte die Regierung, durch höhere Staatsausgaben und Subventionen das Wirtschaftswachstum kĂŒnstlich hochzuhalten – mit dem Ergebnis eines dramatischen Haushaltslochs (Fiskaldefizit liegt bei ca. 10 %) und eines zunehmend erodierenden Vertrauens von Unternehmern, Investoren und Konsumenten. Brasilien befindet sich nun in einer schweren Rezession.

    Nachdem das BIP 2015 um 3,8 % gesunken ist, dĂŒrfte es 2016 erneut deutlich geschrumpft sein (−3,4 %). FĂŒr 2017 wird mit einer leichten Erholung der Wirtschaftsleistung von rund 0,5 % gerechnet. Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich in den letzten zwei Jahren deutlich verschlechtert. Noch vor einem Jahr lag die Arbeitslosigkeit bei 8,6 % und ist mittlerweile bei ĂŒber 12 %. Mit ĂŒber 200 Mio. Einwohnern bleibt der starke Binnenmarkt mit ĂŒber 80 % Anteil am BIP der Haupt-Konjunkturmotor. Die Außenwirtschaft spielt mit rund 20 %-Anteil am BIP eine vergleichsweise geringe Rolle. Eine besonders große Herausforderung fĂŒr das Wirtschaftswachstum stellt die – auch im internationalen Vergleich – sehr niedrige und weiter sinkende Investitionsquote von deutlich unter 20 % des BIP dar. Brasilien ist ein GrĂŒndungsmitglied der BRICS-Staaten. Die grĂ¶ĂŸten Probleme des Landes sind zum einen der Verfall der Rohstoffpreise, der Korruptionsskandal um das Staatsunternehmen Petrobras, die allgemein hohe Korruption im Land, geringe ProduktivitĂ€t der Unternehmen und die schlechte Infrastruktur. Im Jahr 2017 könnte Brasilien wieder zum Wachstum zurĂŒckkehren.

    Die Arbeitslosenquote lag 2017 bei 11,8 % und ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Im selben Jahr arbeiteten 9,4 % aller ArbeitskrĂ€fte in der Landwirtschaft, 58,5 % im Dienstleistungssektor und 32,1 % in der Industrie. Die Gesamtzahl der BeschĂ€ftigten wird fĂŒr 2017 auf 104,2 Millionen geschĂ€tzt.

    Die sĂŒdamerikanische Zollunion Mercosul stĂ€rkt zwar den Markt in Lateinamerika, aber neben Brasilien haben auch andere lateinamerikanische LĂ€nder wirtschaftliche Probleme, wie z. B. Argentinien, Venezuela und Ecuador. Neben den lateinamerikanischen Staaten sind die Volksrepublik China, die USA und die EuropĂ€ische Union die wichtigsten Handelspartner. Im Außenhandel hat die Volksrepublik China die USA im MĂ€rz 2009 als wichtigsten Handelspartner Brasiliens ĂŒberholt.

    Ein besonderer Wachstumsschub wurde von der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Spielen 2016 erwartet, aber bei beiden Großveranstaltungen ĂŒbersteigen die Kosten die Einnahmen bei weiten. Deshalb ist es im Vorfeld der WM und der Olympischen Spiele zu massiven Protesten gegen die Veranstaltungen gekommen.

    Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Brasilien Platz 80 von 137 LĂ€ndern (Stand 2017–18). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegte Brasilien 2017 Platz 140 von 180 LĂ€ndern.

    „Brasilienkosten“

    Hauptproblem bei der Ausschöpfung dieses ökonomischen Potentials sind allerdings die sog. „Brasilienkosten“ (portugiesisch Custo Brasil). Darunter fallen vor allem Kosten durch Korruption, die schlechte logistische Infrastruktur sowie hohe Steuern und Finanzierungskosten verbunden mit FachkrĂ€ftemangel im Land. Laut Industrieverband CNI stiegen die Lohnkosten im Jahr 2012 mit 5,1 Prozent doppelt so stark wie die UmsĂ€tze der Unternehmen in Brasilien. Hohe Logistikkosten verbrennen 20 Prozent der UmsĂ€tze der Unternehmen. Der Custo Brasil bedeutet grundsĂ€tzlich hohe Steuern. BegĂŒnstigungen zur Förderung von Investitionen werden regional gewĂ€hrt, vor allem im Hinterland. Ein weiteres Problem sind hohe Finanzierungskosten. Die Notenbank hat seit Mitte 2011 die Zinsen zwar deutlich gesenkt, was auch die Überbewertung der LandeswĂ€hrung Real korrigiert hatte. Langfristige zinsgĂŒnstige Kredite mit einem Niveau von 5 Prozent p. a. vergibt lediglich die nationale Entwicklungsbank BNDES. Finanzierungskosten fĂŒr auslĂ€ndische Unternehmen in Brasilien sind höher als fĂŒr nationale Unternehmen.

    Wirtschaftliche Entwicklung

    Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts lebte die Bevölkerung vor allem vom Export von Agrarprodukten. Dann gab es aufgrund der beginnenden Industrialisierung des Landes einen zunehmenden Mangel an ArbeitskrĂ€ften, der sich nach Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1888 noch weiter verschĂ€rft hatte. Dies lockte eine große Zahl von Einwanderern an, die grĂ¶ĂŸten Gruppen unter ihnen, neben Portugiesen und Spaniern, waren Deutsche, Italiener, Polen und Japaner.

    WĂ€hrend des Ersten Weltkriegs geriet das Land in eine wirtschaftliche Krise, weil die wichtigsten Exportartikel (Kaffee, Zucker etc.) von einem enormen Preisverfall betroffen waren. Hilfe kam durch Kapital und Einwanderer aus Großbritannien. Mit Ausnahme des Ersten Weltkriegs wuchsen die Wirtschaft und das Verkehrsnetz in den ersten 30 Jahren des 20. Jahrhunderts stetig.

    1917 kam es zu ersten großen Streikwellen in SĂŁo Paulo und Rio de Janeiro, auf die die Regierung mit UnterdrĂŒckung reagierte. In den 1920er Jahren bildeten sich Arbeiterparteien und Gewerkschaften, doch dies brachte keine stĂ€rkere Stellung im Staat mit sich, da sie keine Vertretung in oberen Schichten hatten. Auch die Leutnantbewegung Tenentismo ab 1922 konnte daran nichts Ă€ndern, da Versuche einer Revolution scheiterten.

    Ein aktuelles Problem der brasilianischen Wirtschaft ist die steigende Urbanisierung und Zuwanderung der Landbevölkerung in die StÀdte. Allein in Brasilia steigt sie pro Jahr um drei Prozent, was in den Armenvierteln katastrophale Auswirkungen hat.

    Mit großen, gut entwickelten Landwirtschafts-, Bergbau-, Produktions- und Dienstleistungssektoren auf der einen Seite und einem großen Vorrat an ArbeitskrĂ€ften auf der anderen ist die brasilianische Wirtschaft heute die krĂ€ftigste SĂŒdamerikas und gewinnt auf dem Weltmarkt an Bedeutung. Die wichtigsten Exportprodukte sind Kaffee, Kakao, tropische FrĂŒchte, Sojabohnen, Zucker und Eisenerz. 40 % der brasilianischen Agrarausfuhren gehen in die EU, 17 % in die USA.

    Anfang 2011 betrug die AnbauflĂ€che fĂŒr Soja 24,08 Mio. Hektar (240 800 kmÂČ). Eine Steigerung von 611 000 Hektar im Vergleich zum Erntejahr 2009/2010. 2020 exportierte Brasilien fast seine gesamte Sojaernte nach China.

    Die Zuckerindustrie in Brasilien ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor des Landes. Mit einer Produktion von mehr als 500 Millionen Tonnen Zuckerrohr, die zu etwa gleichen Teilen zu Zucker und Bioethanol und zu einem kleinen Teil zu Zuckerrohrschnaps verarbeitet werden, ist die Zuckerindustrie Brasiliens mit Abstand die grĂ¶ĂŸte weltweit. Auf den meist von „Zuckerbaronen“ beherrschten Zuckerrohrplantagen herrschen Ă€ußerst schlechte Bedingungen. Menschen arbeiten teilweise in sklavenĂ€hnlichen VerhĂ€ltnissen in riesigen Monokulturen.

    Zu den grĂ¶ĂŸten Herausforderungen fĂŒr die brasilianische Wirtschaft zĂ€hlen nach wie vor die Inflation und die Kluft zwischen einer wohlhabenden, gut ausgebildeten Bevölkerungsminderheit und der schlecht ausgebildeten Mehrheit, die grĂ¶ĂŸtenteils am Rande des Existenzminimums lebt. Es gibt eine große Bewegung von Landlosen, die Movimento dos sem terra (MST), die fĂŒr eine Landreform kĂ€mpfen.

    Entwicklung wichtiger Wirtschaftskennzahlen

    Die wichtigen Wirtschaftskennzahlen Bruttoinlandsprodukt, Inflation, Haushaltssaldo und Außenhandel entwickelten sich in den letzten Jahren folgendermaßen:

    Landwirtschaft

    Die brasilianische Landwirtschaft hat eine große Bedeutung nicht nur fĂŒr das Land selbst, sondern auch fĂŒr den Rest der Welt. Theoretisch könnte Brasilien etwa eine Milliarde Menschen ernĂ€hren, weshalb es als ErnĂ€hrer der Welt gilt. Durchschnittlich werden 40 % des Bruttoinlandsproduktes mit der Landwirtschaft und den mit ihr verwandten Industriezweigen erwirtschaftet und etwa 43 % aller Exporte sind landwirtschaftliche GĂŒter. Insgesamt gibt es in Brasilien 248 Millionen Hektar landwirtschaftliche NutzflĂ€che, wozu jĂ€hrlich etwa 2 Millionen Hektar Neuland hinzukommen. Speziell in Mittelbrasilien gibt es Betriebe, die FlĂ€chen von 100.000 Hektar oder mehr bewirtschaften. Sie haben Brasilien zum KostenfĂŒhrer bei landwirtschaftlichen MassengĂŒtern wie Zucker, Sojabohnen, Mais, Kaffee, Orangensaft, Rindfleisch, Schweinefleisch und GeflĂŒgelfleisch werden lassen. Die Landwirtschaft Brasiliens hat ihr Potenzial dabei noch nicht ausgeschöpft, es gibt noch große Landreserven und auch durch Intensivierung der Landwirtschaft könnten die ErtrĂ€ge noch weiter gesteigert werden. Die Entwicklung der Landwirtschaft wird vor allem durch MĂ€ngel an der Infrastruktur des Landes, durch die Entfernung der Anbaugebiete zu den ExporthĂ€fen fĂŒr landwirtschaftliche Produkte und durch den hohen Kapitaleinsatz fĂŒr die DĂŒngung der Felder begrenzt.

    An der brasilianischen Landwirtschaft wird kritisiert, dass sie riesige Mengen an KunstdĂŒnger und Pestiziden einsetzt, dass Produkte fĂŒr den Export in Monokulturen auf sehr großen FlĂ€chen angebaut werden und dass die ArbeitsverhĂ€ltnisse fĂŒr die Landarbeiter sehr schlecht sind. Zahlreiche Felder werden heute fĂŒr den Anbau von Exportprodukten oder von Pflanzen fĂŒr die Energiegewinnung verwendet, anstatt Nahrungsmittel fĂŒr die lokale Bevölkerung darauf anzubauen. Des Weiteren sind die EigentumsverhĂ€ltnisse stark konzentriert: etwa 50 teils auslĂ€ndische Unternehmen dominieren die Landwirtschaft Brasiliens und ihre vor- und nachgelagerten Industriesektoren, wĂ€hrend 150.000 Landarbeiterfamilien kein Land besitzen.

    Wichtige Unternehmen

    Wichtige brasilianische Unternehmen sind Petrobras (Erdöl), Companhia Vale do Rio Doce (Bergbau), Gerdau (Metallverarbeitung), Embraer (Flugzeugbau), Organização Odebrecht (Baugewerbe) und BRF (Lebensmittel). Auch große auslĂ€ndische Unternehmen wĂ€hlten Brasilien zum Schwerpunkt ihrer sĂŒdamerikanischen AktivitĂ€ten, so der Volkswagen-Konzern (Volkswagen do Brasil), NestlĂ©, Parmalat, Anheuser-Busch InBev (Ambev) oder auch der Fiat-Konzern. Die Daimler AG (2016) und die Bayerischen Motorenwerke (2014) haben in IracemĂĄpolis bzw. Araquari Pkw-ProduktionsstĂ€tten eingerichtet.

    Der Ölkonzern Petrobras ist eine Staatsfirma und zĂ€hlt zu den grĂ¶ĂŸten Energieunternehmen der Welt. Seit 2014 wird der Konzern immer wieder vom bisher grĂ¶ĂŸten Korruptionsskandal in der Geschichte Brasiliens erschĂŒttert. Der Konzern wird stark vom Einbruch des Erdölpreises in Mitleidenschaft gezogen, so wurde im Jahr 2015 ein Verlust von 8,6 Mrd. € angehĂ€uft. Somit ist Petrobras einer der wenigen großen Energiekonzerne, der Verluste schreibt.

    Der Bergbaukonzern Vale ist der grĂ¶ĂŸte Eisenerzproduzent der Welt. Neben Bergwerken und VerladehĂ€fen gehört ihm auch ein Großteil des brasilianischen Bahnnetzes. 1997 wurde der Staatsbetrieb privatisiert. Indirekt hat allerdings die öffentliche Hand ĂŒber staatliche Pensionsfonds und die Investitionsbank BNDES noch großen Einfluss. 2007 ĂŒbernahm Vale, gefĂŒhrt von Roger Agnelli (1959/60–2016), den kanadischen Wettbewerber Inco, den grĂ¶ĂŸten Nickelproduzenten der Welt. Im Zuge des Verfalls der Rohstoffpreise, insbesondere von Eisen, kam auch Vale in massive BedrĂ€ngnis. Der Konzern wies im Jahr 2015 einen Verlust in Höhe von 13,2 Mrd. US-Dollar auf.

    Auch der Flugzeughersteller Embraer hat einen staatlichen Hintergrund, gehört inzwischen aber mehrheitlich privaten Eignern. Unter Mauricio Botelho entkam der Konzern einer schweren Krise. Embraer produziert heute Regional- und GeschĂ€ftsreiseflugzeuge sowie militĂ€risch umgerĂŒstete Regional-Jets und militĂ€rische Trainer mit Turbopropantrieb. Da Boeing und Airbus nur Flugzeuge oberhalb der GrĂ¶ĂŸe von Embraer-Maschinen verkauft, sind Embraer Jets heutzutage ein fester Bestandteil der weltweiten Linienluftfahrt. Lufthansa CityLine oder auch Air Dolomiti fliegen mit E-195. Air France RĂ©gional und die Air France Tochter CityJet fliegen ERJ135.

    BodenschÀtze

    Folgende Rohstoffe werden in Brasilien abgebaut: Eisen, Mangan, Kohle, Bauxit, Nickel, Erdöl, Zinn, Silber, Diamanten, Gold, Erdgas, Uran. TĂ€glich werden 1,5 Millionen Barrel Erdöl gefördert, Uran ist im Landesinnern vorhanden, der Bauxit-Tagebau verschmutzt die FlĂŒsse und gefĂ€hrdet so die Umwelt. Brasilien ist der weltgrĂ¶ĂŸte Lieferant fĂŒr Eisen. Die Vorkommen sollen den Eisenbedarf der Erde fĂŒr die nĂ€chsten 500 Jahre decken. Bei Tantal ist Brasilien zweitwichtigster Exporteur. Etwa 60 % aller verarbeiteten Edelsteine (ausgenommen Diamanten) stammen aus Brasilien. Auch hat Brasilien eine bedeutende Stahlproduktion, die allerdings durch die Eingriffe der USA geschmĂ€lert wurde. So durfte Brasilien nur Stahl minderer QualitĂ€t produzieren, welchen US-Unternehmen nicht verarbeiten wollten.

    Siehe auch: Aluminiumindustrie in Brasilien

    Dienstleistungen

    Tourismus

    Der Tourismus ist in Brasilien noch nicht sehr bedeutend und macht nur etwa 0,5 % des Bruttosozialprodukts aus. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 10 %. Die jĂ€hrliche Besucherzahl liegt bei etwa 4,8 Millionen. Beliebt sind vor allem die StrĂ€nde und der Karneval von Rio de Janeiro, die Hauptstadt BrasĂ­lia, das Amazonasbecken, der Nordosten mit seinen StrĂ€nden und Kultur und die IguazĂș-WasserfĂ€lle. Die relativ geringe Anzahl an Touristen (auf einen Besucher kommen in Brasilien 37 Einheimische, in Deutschland nur etwa 4,6) ist auf verschiedene Faktoren zurĂŒckzufĂŒhren. Die Infrastruktur ist dem Tourismus wenig förderlich, In- und AuslandsflĂŒge sind teuer, da es im ganzen Land nur wenige CharterflĂŒge gibt.

    Finanzmarkt

    Der brasilianische Finanzmarkt ist zunehmend in das internationale Finanzsystem integriert. Den Mittelpunkt des brasilianischen Finanzmarktes bilden die internationalen und nationalen Banken und der Aktienmarkt. Letzterer zeichnet sich dabei durch hohe Transparenz (im Vergleich zu anderen BRICS-Staaten) und Teilnahme internationaler Akteure aus. Auch in Amerika und Europa werden brasilianische Firmen mittels ADRs gehandelt. Heutige Zentralbank Brasiliens ist die Banco Central do Brasil. Die frĂŒhere Zentralbank Banco do Brasil gab 1986 diese Funktion ab und ist mittlerweile die grĂ¶ĂŸte Bank Brasiliens. GrĂ¶ĂŸte Regionalbank ist daneben die Banco do Estado de SĂŁo Paulo. Zu den grĂ¶ĂŸten Privatbanken Brasiliens gehören die Banco Bradesco, die ItaĂș Unibanco, die HSBC sowie die Banco Real. Die grĂ¶ĂŸten Banken sind dabei mittlerweile zumeist international tĂ€tig. Daneben existieren lokale Banken (Caixa), die den Bundesstaaten oder Bezirken zuzurechnen sind bzw. privatisiert wurden.

    Mittlerweile sind auch viele der großen deutschen Banken wie die Deutsche Bank, Commerzbank, Landesbank Baden-WĂŒrttemberg, WestLB und BHF-Bank in Brasilien vertreten.

    Internationalem Kapital sind wenig Schranken gegeben. Der brasilianische Real kann frei gegen andere WĂ€hrungen floaten, jedoch kann die Regierung mittels der Zentralbank durch sog. Open Market Aktionen Einfluss darauf ausĂŒben.

    Eine zunehmend wichtigere Rolle kommt lokalen Asset Managern wie Maua Investimentos zu, die zunehmend zu einer eigenstÀndigen Entwicklung brasilianischer Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften beitragen. Sie verringern so die AbhÀngigkeit von internationalen Managern und weiten den Derivatemarkt aus. Viele dieser brasilianischen Beteiligungsunternehmen haben auch Projekte in anderen lateinamerikanischen LÀndern.

    Eine wichtige Grundlage der weiteren Entwicklung liegt neben den politischen Rahmenbedingungen auch in der universitĂ€ren Ausbildung. Einige UniversitĂ€ten, wie etwa die PUC in Rio oder die USP in SĂŁo Paulo sind stark mit lokalen Finanzakteuren vernetzt und verfĂŒgen ĂŒber eine gute Reputation in Lateinamerika.

    AuslÀndische Direktinvestitionen (ADI) erreichten 18,2 Milliarden US$ im Jahre 2004 und Brasilien stieg auf den siebten Platz in der von AT Kearney publizierten Liste der attraktivsten ADI-LÀnder.

    Staatshaushalt

    Der Staatshaushalt umfasste 2015 Ausgaben von umgerechnet 641,2 Mrd. US-Dollar. Dem standen Einnahmen von umgerechnet 631 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 0,6 % des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 2015 67,3 % des BIP.

    2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

    • Gesundheit: 7,5 %
    • Bildung: 4,0 % (2004)
    • MilitĂ€r: 2,6 %

    Infrastruktur

    Verkehrsnetze

    Straßenverkehr

    Das Straßennetz Brasiliens ist mit etwa 1,5 Millionen km das viertlĂ€ngste der Welt, annĂ€hernd 350.000 km sind asphaltiert. Der brasilianische Name fĂŒr Fernstraße ist Rodovia. Annahmen zufolge nehmen jĂ€hrlich mehr als 1,2 Milliarden Reisende den Weg ĂŒber die Fernstraßen, nur 80 Millionen fliegen.

    Die Straßen befinden sich allerdings oft in desaströsem Zustand, im Norden allgemein schlechter als im SĂŒden. An allen grĂ¶ĂŸeren Überlandstraßen befinden sich deshalb auch Borracharias (Pannenstellen fĂŒr Reifen) am Straßenrand. Busse verkehren zwischen allen grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten in regelmĂ€ĂŸigen Intervallen und auch zwischen kleineren StĂ€dten einigermaßen zuverlĂ€ssig. Es gibt verschiedene Preisklassen vom einfachen Reisebus bis hin zum vollklimatisierten Bus mit Fernsehern und Reisebegleitern.

    Es herrscht Rechtsverkehr. Die Bezeichnung der Fernstraßen enthĂ€lt den Bundesstaat, in dem sie liegen, und die Richtung, in die sie verlaufen. Ein Sonderfall sind Fernstraßen, die nach BrasĂ­lia fĂŒhren:

    • Fernstraßen mit den Nummern 000–099 fĂŒhren nach BrasĂ­lia
    • Fernstraßen mit den Nummern 100–199 verlaufen von Norden nach SĂŒden
    • Fernstraßen mit den Nummern 200–299 verlaufen von Westen nach Osten
    • Fernstraßen mit den Nummern 300–399 verlaufen diagonal (von Nordwest nach SĂŒdost oder von Nordost nach SĂŒdwest)
    • Fernstraßen mit den Nummern 400–499 sind Fernstraßen von regionaler Bedeutung. Sie verbinden meist nur eine Stadt mit einer grĂ¶ĂŸeren Fernstraße in der NĂ€he.

    So liegt zum Beispiel die Autobahn SP-280 im Bundesstaat SĂŁo Paulo und verlĂ€uft von West nach Ost. Neben ihrem offiziellen Namen sind einige Straßenverbindungen auch noch nach berĂŒhmten Persönlichkeiten benannt.

    Der Straßenverkehr gilt als unsicher. 2013 kamen in Brasilien insgesamt 23,4 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 4,3 Tote. Insgesamt kamen damit ĂŒber 41.000 Personen im Straßenverkehr ums Leben. Nach Indien und China war Brasilien damit das Land mit den meisten Toten im Straßenverkehr. Die Rate an Verkehrstoten ist noch weitaus höher, wenn man sie der mittleren Motorisierungsrate des Landes gegenĂŒberstellt. 2016 kamen im Land 249 Kraftfahrzeuge auf 1000 Einwohner (in Deutschland waren es 610 Fahrzeuge).

    Schienenverkehr

    Die Bahnverbindungen wurden ausgedĂŒnnt, aber es besteht noch ein Schienennetz von fast 30.000 km LĂ€nge. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Eisenbahn fĂŒr den wirtschaftlichen Aufschwung besonders wichtig. Mit dem rasanten Ausbau des Straßennetzes verlor sie diese herausragende Stellung. Mittlerweile hat diese in Brasilien nur noch geringe bis gar keine Bedeutung mehr. Der GĂŒterverkehr wird mit LKWs oder Schiffen abgewickelt; fĂŒr den öffentlichen Personenfernverkehr werden normalerweise Busse verwendet. Auf Strecken durch die Berglandschaft verkehren noch nostalgische ZĂŒge, die als touristische Attraktionen dienen.

    Flugverkehr

    Wegen der sehr großen Entfernungen werden auch Flugreisen innerhalb Brasiliens immer wichtiger. Allerdings sind die Kosten fĂŒr die meisten Brasilianer zu hoch, so dass sie auch lange Reisen mit dem Bus unternehmen. Es etablieren sich aber immer mehr Fluggesellschaften, die nach Vorbild europĂ€ischer Billigfluglinien erschwingliche FlĂŒge innerhalb des Landes anbieten. Der grĂ¶ĂŸte Flughafen des Landes ist der Aeroporto Internacional de SĂŁo Paulo/Guarulhos in Guarulhos bei SĂŁo Paulo mit jĂ€hrlich fast 40 Millionen Passagieren. Um die zwei ĂŒberlasteten FlughĂ€fen von SĂŁo Paulo zu entlasten, ist in Campinas, in 80 km Entfernung von SĂŁo Paulo, der Ausbau des dortigen Flughafens Viracopos zum grĂ¶ĂŸten Flughafen Lateinamerikas mit einer KapazitĂ€t von jĂ€hrlich bis zu 55 Millionen Passagieren in Planung.

    Schiffsverkehr

    Die Binnenschifffahrtswege haben insgesamt eine LĂ€nge von rund 50.000 km. Die Handels- und Frachtflotte besteht aus etwa 475 Schiffen. Die grĂ¶ĂŸten brasilianischen HĂ€fen liegen in BelĂ©m, Fortaleza, IlhĂ©us, Imbituba, Manaus, ParanaguĂĄ, Porto Alegre, Recife, Rio de Janeiro, Rio Grande, Salvador, Santos und VitĂłria. Liste der SeehĂ€fen in Brasilien.

    Telekommunikation

    In Brasilien gab es 2005 39,7 Millionen Telefone, was einen Anstieg um 20 Millionen Anlagen im Vergleich zu 1997 bedeutet. Außerdem sind etwa 80 Millionen Mobiltelefone im Umlauf. Auch hier ist der Anstieg zu 1997 (4 Millionen Mobiltelefone) deutlich. Das Telefonsystem funktioniert gut. OrtsgesprĂ€che sind teilweise kostenlos. Es existieren drei Koaxial-Tiefsee-Kabel, national ist das Funk-Relais-System gut ausgebaut, auch das Satellitensystem funktioniert gut.

    Energie

    Die Stromerzeugung in Brasilien beruht weitgehend auf der Nutzung regenerativer Quellen, insbesondere auf der Wasserkraftnutzung, die im Jahr 2011 fĂŒr rund 80 % der gesamten Stromproduktion verantwortlich war. Die ĂŒbrigen erneuerbaren Energien hatten einen Anteil von 6,6 %, fossile Energien lagen bei ca. 10 % und die Kernenergie bei knapp 3 %. Der ursprĂŒnglich vorgesehene Neubau von vier Kernkraftwerksblöcken wurde nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima ĂŒberdacht, stattdessen soll nun die Windenergie erheblich ausgebaut werden (siehe auch Energiewende).

    Noch 2001 stammten ĂŒber 90 % der Stromerzeugung aus Wasserkraftwerken, deren Ausbaupotential mittlerweile jedoch weitgehend erschöpft ist. Problematisch erwiesen sich zudem wiederkehrende zwei- bis dreijĂ€hrige DĂŒrrephasen, die in den Jahren 2001 und 2002 zu StromausfĂ€llen und sozialen und politischen Problemen fĂŒhrten. Zudem fĂŒhrt das Wirtschaftswachstum zu einer stark steigenden Stromnachfrage, die eine Erweiterung des Kraftwerksbedarfes notwendig macht. Daher setzt Brasilien zur Diversifizierung der Erzeugungsstruktur stark auf den Ausbau der Windenergie, die sich insbesondere in Nordbrasilien komplementĂ€r zur Wasserkraft verhĂ€lt und dieses deshalb sehr gut ergĂ€nzt. Zudem verfĂŒgt Brasilien onshore wie offshore ĂŒber ein sehr großes Windenergiepotential mit hohen Windgeschwindigkeiten. 2001 wurde das PROEOLICA-Programm aufgelegt, das 2004 durch das PROINFA-Programm ergĂ€nzt wurde, das den allgemeinen Ausbau der erneuerbaren Energien (Kleinwasserkraft, Biomasse, Solar) vorsieht, die zu diesem Zweck mit EinspeisevergĂŒtungen gefördert wurden. Ende 2013 waren in mehr als 140 Windparks mehr als 3,3 GW Windenergieleistung in Brasilien installiert. Ende 2017 waren in Brasilien Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 12.763 MW installiert, womit Brasilien auf Rang 8 weltweit lag.

    Die Windenergie zĂ€hlt in dem Land aufgrund gĂŒnstiger Standortbedingungen zu den preiswertesten Stromerzeugungsformen. Auch weltweit gehört Brasilien zu den LĂ€ndern, in denen die Nutzung der Windenergie im internationalen Vergleich mit am gĂŒnstigsten ist. Die Stromgestehungskosten von Windkraftanlagen liegen mittlerweile bei unter 60 US-Dollar/MWh, umgerechnet ca. 53,1 Euro/MWh. Bei Ausschreibungen fĂŒr Energiekontrakte werden fĂŒr Windenergieprojekte Tiefstpreise bis zu 50,2 US-Dollar/MWh erzielt. Bis 2020 sollen Windkraftanlagen 10 % der Stromproduktion decken.

    Daneben verfĂŒgt Brasilien ĂŒber bedeutende Erdölreserven und fördert seit den 1980er Jahren die Ethanolproduktion mittels Zuckerrohr. Infolgedessen war Brasilien lange der weltweit wichtigste Bioethanolproduzent.

    Erdölpipelines haben in Brasilien eine LÀnge von knapp 3000 km, Erdöl-Produkte werden in einem Pipeline-Netz mit einer LÀnge von knapp 5000 km transportiert und die Erdgasleitungen haben insgesamt eine LÀnge von etwa 4250 km.

    Weiteres

    Siehe: Brasilianischer Verpackungsmarkt

    Kultur

    Medien

    Im Jahre 2002 wurde die Verfassung in der Hinsicht verĂ€ndert, dass die Anteile auslĂ€ndischer Unternehmen an den nationalen Medien nicht grĂ¶ĂŸer als 30 % sein dĂŒrfen.

    In Brasilien gibt es etwa 530 Tageszeitungen, die eine geschĂ€tzte Gesamtauflage von 6,5 Millionen Exemplaren haben. Die bekanntesten von ihnen sind Folha de SĂŁo Paulo, Estado de SĂŁo Paulo, O DĂ­a und O Globo. Letztere gehört zur Globo-Gruppe, die die brasilianische Medienlandschaft beherrscht und der vorgeworfen wird, einzelne Parteien oder Kandidaten zu favorisieren. Rede Globo ist auch einer der MarktfĂŒhrer, was die Produktion an Telenovelas angeht. Rund 80 % der Produktionen werden exportiert. Ihre jetzige Stellung wird aber von internationalen Konzernen und dem Internet bedroht. Ein staatlicher Radiosender stand 1997, neben ĂŒber 2.900 privaten Stationen, fĂŒr ganz Brasilien mit etwa 70 Millionen RadiogerĂ€ten zur VerfĂŒgung. DarĂŒber hinaus gibt es 19 staatliche und etwa 250 private Fernsehsender. Die Reichweite des Mediums Fernsehen ist in Brasilien relativ groß: 90,3 % der Haushalte hatten 2003 einen Fernseher. Im Jahr 2018 nutzten 70 Prozent der Einwohner Brasiliens das Internet. Eine Zensur des Online-Angebots gibt es nicht.

    Ein großes Hindernis fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit von Medien und Pressefreiheit ist, dass sich nahezu alle großen Medienkonzerne des Landes in den HĂ€nden einiger weniger Personen befinden.

    Kunst

    In Brasilien hat sich die Kunst in enger Verbindung mit der Religion entwickelt. WĂ€hrend der Kolonialzeit war die Sakralkunst dominierend. Unter anderem wurden zahlreiche Kirchen der kĂŒnstlerisch gestaltet. Die Zusammenarbeit zwischen Holzschnitzern, Steinmetzen und Malern verlief so eng, dass auch die Farbwahl untereinander abgestimmt war und die Kirchen heute zu den schönsten Amerikas zĂ€hlen. Üppig ausgestattet waren die Kirchen schon im 17. Jahrhundert, die grĂ¶ĂŸten und wertvollsten Kunstwerke entstanden aber erst im 18. Jahrhundert.

    Unter den klassizistischen Malern ragt der in Neapel geborene und ausgebildete Alejandro Ciccarelli hervor. Zu den frĂŒhen Impressionisten gehörte der ebenfalls aus Italien stammende Giovanni Battista Castagneto. Die Vertreter der informell sogenannten Grupo Grimm um den deutschen Landschaftsmaler Johann Georg Grimm festigten um 1880 die Freilichtmalerei in Brasilien. Doch erst im 20. Jahrhundert gewann der Impressionismus mit VerspĂ€tung gegenĂŒber Europa an Bedeutung.

    Wichtige KĂŒnstler der Zwischenkriegszeit waren Anita Malfatti, Manuel Santiago (1897–1987) und JosĂ© Pancetti (1902–1958), noch angesehener war aber CĂąndido Portinari. Er selbst gilt als grĂ¶ĂŸter KĂŒnstler Brasiliens des vergangenen Jahrhunderts. Da er mit hochgiftigen Farben malte, erkrankte er an Krebs und verstarb frĂŒh. Seine berĂŒhmten Kunstwerke hĂ€ngen in GebĂ€uden wie der UN-Zentrale in New York. Kunstkritikern zufolge wird in seinen Werken die OriginalitĂ€t Brasiliens am besten hervorgehoben. In den 1940er und 1950er Jahren entwickelte sich der soziale Realismus. Portinaris Kunstwerke mit sozialen Themen werden diesem Stil zugeordnet.

    Eine bedeutende Gruppe brasilianischer KĂŒnstler gab sich ihren Namen Gruppe der 19 (grupo dos dezenove) nach einer Ausstellung im Jahr 1947. Ihr gehören u. a. die surrealistisch-expressiven Maler und Grafiker Mario Gruber (* 1927) und Otavio Araujo an. Der Grafiker und Zeichner Marcelo Grassman (1925–2013), ebenfalls einer der 19, war von Alfred Kubin beeinflusst. Er erstellte Stiche in mittelalterlicher Technik. Das vierte bekannte Mitglied der 19 ist Lena Milliet, die zu den ersten brasilianischen Frauen zĂ€hlt, die in der Kunst Anerkennung fanden. LuĂ­s Andreatini malt in kubistischem Stil.

    Nora Beltran karikiert seit den 1950er Jahren die politischen und sozialen ZustĂ€nde in Brasilien. Aus der abstrakten Kunst der 1960er bis 1980er Jahre stechen vor allem die BrĂŒder Thomaz und Arcangelo Ianelli und die Grafikerin Fayga Ostrower hervor. Als MultimediakĂŒnstler dieser Zeit wurde Antonio Dias bekannt, als Schöpferin interaktiver Installationen Lygia Clark. Ein Vertreter des Neopop ist Romero Britto, ReprĂ€sentantin eines farbenfrohen folkloristisch-ornamentalen Pop ist Beatriz Milhazes. Gustavo Rosa (1946–2013) schuf fröhlich-ironische flĂ€chige Bilder.

    Heutzutage ist die Biennale von SĂŁo Paulo das grĂ¶ĂŸte Kunstereignis in Brasilien. In dieser Veranstaltung liegt der Schwerpunkt auf GemĂ€lden von international renommierten KĂŒnstlern. Auch Rio de Janeiro ist ein Kunstzentrum. Kleinere, weniger bekannte Orte haben bei Experten aber ebenfalls ein hohes Ansehen, beispielsweise der zentralbrasilianische Ort GoiĂĄs. Recife ist fĂŒr JoĂŁo CĂąmara und Gilvan Samico bekannt. Fortaleza ist fĂŒr Raimundo Cela und Antonio Bandeira bekannt. Brasiliens berĂŒhmtester und in den Augen vieler bester Holzschnitzer ist Maurino Araujo, weshalb auch seine Heimatstadt Minas Gerais unter Kunstliebhabern bekannt ist.

    Die Kunst der Indianer ist aus Naturstoffen gefertigt und daher sehr vergĂ€nglich. FĂŒr aufwĂ€ndige Körperbemalungen benötigt man oft mehrere Tage, doch die Farben halten selten viel lĂ€nger. Auch der bunte Federschmuck als Kopfbedeckung ist nur selten in Museen zu sehen. Zahlreiche Objekte sind im Museu de Arqueologia e Etnologia der UniversitĂ€t SĂŁo Paulo ausgestellt.

    Musik

    Die brasilianische Musik ist von portugiesischen, afrikanischen und indigenen Musiktraditionen beeinflusst worden. Über die indigene Musik der vorkolonialen Zeit ist kaum etwas bekannt, die erste Beschreibung datiert aus dem Jahre 1568. Ein französischer Pastor beschrieb damals in einem Buch ĂŒber seine Reise in das Land die TĂ€nze und GesĂ€nge der Ureinwohner. Die Musik verĂ€nderte sich unter dem Einfluss der europĂ€ischen Siedler und afrikanischen Sklaven.

    Die Kunstmusik wird in Brasilien als mĂșsica erudita, gelehrte Musik, bezeichnet. Lange Zeit beschrĂ€nkte sie sich auf die Kirchenmusik und konzentrierte sich wĂ€hrend dieser als barocco mineiro bezeichneten Epoche auf Minas Gerais und in geringerem Maße Rio de Janeiro. Zwischen 1760 und 1800 gab es in Minas Gerais fast 1.000 Musiker, viele davon freie Mulatten. Zu diesen gehörte JosĂ© MaurĂ­cio Nunes Garcia (1767–1830), dessen Werk vor allem Kirchenmusik, aber auch einige weltliche Werke umfasst und der von der Wiener Klassik beeinflusst war.

    Einen bedeutenden Entwicklungsschub erfuhr die brasilianische Musik, als 1808 der portugiesische Hof aufgrund des napoleonischen Krieges nach Rio de Janeiro flĂŒchtete. Das Königshaus beschĂ€ftigte nun zahlreiche einheimische Musiker und die neue Residenz zog auch europĂ€ische Musiker an. Auf diese Weise kamen neue, weltliche musikalische Impulse ins Land. Die RĂŒckkehr des portugiesischen Hofes nach Lissabon hatte 1822 eine schwere Krise fĂŒr die mĂșsica erudita zur Folge.

    Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entfaltete sich das musikalische Leben wieder durch die verstĂ€rkte Einwanderung europĂ€ischer Immigranten nach Brasilien. Nachdem in den 1830er Jahren verschiedene Musikgesellschaften und ein Konservatorium in Rio gegrĂŒndet worden waren, entstanden in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten mehrere Theater, von denen vier ein eigenes Orchester besaßen. Vor allem in der Hauptstadt Rio wurden europĂ€ische, vor allem italienische Opern bereits kurz nach ihrer ErstauffĂŒhrung gespielt. Mit der Oper A Noite de SĂŁo JoĂŁo von Elias Álvares LĂŽbo wurde 1860 die erste brasilianische Oper uraufgefĂŒhrt. 1870 feierte die Oper O Guarani von AntĂŽnio Carlos Gomes sogar an der MailĂ€nder Scala Premiere und wurde anschließend in ganz Europa gespielt. Weitere UrauffĂŒhrungen seiner Opern in Mailand folgten in den nĂ€chsten Jahren.

    Vor der Jahrhundertwende orientierten sich die brasilianischen Musiker zunehmend an der deutschen und französischen Kunstmusik, wenn auch die italienische Oper beim Publikum weiterhin großen Erfolg hatte. In den Vordergrund rĂŒckte jetzt kammermusikalische und symphonische Musik. Ihre Ausbildung hatten fast alle Komponisten in Europa erhalten.

    Im Jahre 1922 kam es durch die Semana de Arte Moderna (Woche der modernen KĂŒnste) zu einer musikalischen Revolution. Mit Heitor Villa-Lobos an der Spitze entstand eine Gruppe neuer Komponisten, die Elemente der brasilianischen Folklore in ihre moderneren Lieder einbauten. In den 1950er Jahren kam der Bossa Nova auf. Diese Musikrichtung gilt als die „brasilianische Variante des Jazz“: sie lehnt sich an nordamerikanischen Jazz an, bleibt aber geprĂ€gt von sĂŒdamerikanischen und afrikanischen Rhythmen. Als bekanntester Vertreter und MitbegrĂŒnder des Bossa Nova gilt AntĂŽnio Carlos Jobim. Zusammen mit SĂ€nger/Gitarrist JoĂŁo Gilberto und Texter VinĂ­cius de Moraes verhalf er dem Stil in den 1960ern zu großem internationalem Erfolg, nicht zuletzt aufgrund des berĂŒhmtesten Songs brasilianischer Herkunft, „Garota de Ipanema“, englisch „The Girl from Ipanema“. Jobim erreichte fĂŒr Brasilien eine derart große Bedeutung, dass man den internationalen Flughafen von Rio de Janeiro nach ihm benannte.

    Einen der grĂ¶ĂŸten Hits des Bossa Nova in den 60er Jahren hatte der Bandleader und Pianist SĂ©rgio Mendes mit seiner Version der Jorge-Ben-Komposition Mas que nada. Dieser Titel wurde noch weitere unzĂ€hlige Male kopiert. Heute wird der Bossa Nova vorwiegend von den Ă€lteren Brasilianern gehört. Der Tropicalismo (auch TropicĂĄlia) entstand Ende der 1960er Jahre zur Zeit der MilitĂ€rdiktatur. Musikalisch ist er eine Mischung aus Bossa Nova, Folk und Rock; das wesentliche Element ist aber ein gemeinsames politisches Bewusstsein der KĂŒnstler. Ihre Abneigung gegen die Diktatur und die EinschrĂ€nkung ihrer Rechte fand im Tropicalismo ihren Ausdruck. Die Texte sind daher im Allgemeinen regimekritisch. Nicht wenige Musiker mussten ins Exil gehen. Wichtige Vertreter sind Gilberto Gil und Chico Buarque, die es mit geschickter Chiffrierung ihrer Liedtexte sogar geschafft haben, die Zensur zu umgehen und ihre Lieder in Brasilien zu veröffentlichen. Gilberto Gil war vom 1. Januar 2003 bis zum 30. Juli 2008 Kulturminister von Brasilien; seine Zielsetzung war, den Zugang zur Kultur zu demokratisieren. Er unternimmt Reisen in entlegene Gebiete des Landes, um den Menschen dort zu sagen, dass sie wichtige TrĂ€ger der brasilianischen Kultur sind.

    Entgegen ihrem Namen hat die MĂșsica Popular Brasileira, oft mit MPB abgekĂŒrzt, nur wenig mit dem gemeinsam, was man hierzulande unter Popmusik versteht. Die Bezeichnung umfasst eine Vielzahl an Stilrichtungen, die aber stets typische Elemente aus einzelnen Regionen des Landes aufgreifen. In Brasilien gilt MPB als Ausdruck des musikalischen und nationalen SelbstverstĂ€ndnisses. In diesem Sinne stellt MPB gewissermaßen eine Weiterentwicklung der brasilianischen Folklore dar.

    Die wohl bekannteste brasilianische Musikform ist der Samba. Er entstand aus der Musik der afrikanischstĂ€mmigen Bevölkerungsteile und ist sehr rhythmuslastig. PopulĂ€r wurde der Samba durch den jĂ€hrlichen Karneval in Rio de Janeiro. Dort prĂ€sentieren sich die grĂ¶ĂŸten und renommiertesten Sambaschulen in riesigen Paraden im Wettstreit um den Titel der „besten Sambaschule Brasiliens“. Neben den UmzĂŒgen zur Karnevalszeit spielen die Bands manchmal auch auf den Straßen oder unterstĂŒtzen mit ihrer Musik politische Demonstrationen und Streiks.

    Es gibt eine unĂŒberschaubare Zahl an regionaltypischen Musikstilen, die sich entsprechend den verschiedenen kulturellen Eigenheiten der jeweiligen Gebiete entwickelt haben. MĂșsica Nordestina ist ein Sammelbegriff fĂŒr die Musik aus dem Nordosten, der eine besonders große musikalische Vielfalt besitzt. Hier sind Instrumente wie Akkordeon und Gitarre vorherrschend. Recife im Speziellen ist bekannt fĂŒr den Frevo, der auch EinflĂŒsse aus der MilitĂ€rmusik besitzt. ForrĂł wird von Trios mit Trommel, Triangel und Akkordeon gespielt. Ein traditioneller afro-brasilianischer Stil ist Maracatu, der mit großen Trommeln, Glocken und Rasseln gespielt wird.

    Eine besondere Rolle als musikalischer Impulsgeber spielt Salvador da Bahia. Seit 1949 nehmen hier AfoxĂ©-Blocos an den KarnevalszĂŒgen teil, die ihre Wurzeln in der Musik des CandomblĂ© haben und auch im Zusammenhang mit der Freiheitsbewegung der afrobrasilianischen Bevölkerung zu sehen sind. Seit den 1980er Jahren ist in Salvador der Samba-Reggae entstanden.

    Besonders in den regionaltypischen Musikrichtungen kommen Instrumente afrikanischen Ursprungs zum Einsatz, so zum Beispiel die Berimbau, ein bogenförmiges Rhythmusinstrument mit einem hohlen KĂŒrbis an einem Ende, oder die XequerĂȘ, ein mit Muscheln bestĂŒcktes SchĂŒttelinstrument.

    In den letzten Jahren setzte sich vor allem bei den Jugendlichen die Musikrichtung AxĂ© durch, insbesondere im Bundesstaat Bahia. AxĂ© ist eine Mischung aus Samba, Pagode und Pop, enorm rhythmusbetont und gut tanzbar. Sie wird gegenĂŒber dem Samba immer mehr bevorzugt (ausgenommen in der Karnevalszeit). Bekannte SĂ€ngerinnen des AxĂ© sind Daniela Mercury, Ivete Sangalo und Claudia Leitte. In den offenen CafĂ©s in Brasilien, in denen das Publikum meist um die 30 oder 40 Jahre alt ist, wird aber in erster Linie Pagode gespielt.

    Im brasilianischen Hinterland ist die MĂșsica Sertaneja (oder „MĂșsica Caipira“) ein populĂ€rer und typisch brasilianischer Musikstil. Er zeigt EinflĂŒsse der portugiesischen Musik und wird mit der viola caipira, einer zwölfsaitigen Variante der Gitarre, gespielt. Bekannte SĂ€nger des „MĂșsica Sertaneja“ sind SĂ©rgio Reis, Renato Teixeira und Almir Sater, sowie Duos wie ZezĂ© di Camargo & Luciano, ChitĂŁozinho & XororĂł und CĂ©sar Menotti & Fabiano.

    Im Bundesstaat Rio Grande do Sul gibt es eine besondere Musiktradition der Gauchos mit EinflĂŒssen aus Uruguay und Argentinien.

    Ende der 90er Jahre entwickelte sich „Brazilectro“, ein Mix aus dem englischen Drum and Bass und dem brasilianischen Bossa Nova.

    Literatur

    Das erste erhaltene Dokument, das als brasilianische Literatur bezeichnet werden kann, ist ein Brief von Pero Vaz de Caminha an Manuel I. von Portugal, in dem Brasilien im Jahre 1500 beschrieben wurde. In den nĂ€chsten beiden Jahrhunderten machten Beschreibungen von Reisenden ĂŒber das „Portugiesische Amerika“ und seine Einwohner die brasilianische Literatur aus, so wurden zum Beispiel die Berichte des deutschen Soldaten Hans Staden berĂŒhmt. Außerdem wurde aus dieser Zeit religiöse Literatur gefunden. Neoklassizismus war in der Mitte des 18. Jahrhunderts weit verbreitet. In der Kolonialzeit war der fĂŒr seine Goldminen bekannte Bundesstaat Minas Gerais Zentrum der Literatur. Ab etwa 1836 beeinflusste die Romantik die brasilianische Literatur. In dieser Zeit entstanden die ersten Standardwerke der Landesliteratur. Auf die Romantik folgte der Realismus, bei dem Joaquim Maria Machado de Assis als bester und populĂ€rster brasilianischer Schriftsteller hervorstach. Zwischen 1895 und 1922 ist kein einheitlicher Stil zu erkennen, doch einige ZĂŒge der Moderne gab es schon, so dass diese Periode „Vor-Moderne“ genannt wird. Seit der Semana de Arte Moderna (Woche der modernen KĂŒnste) 1922 wurde die Moderne der dominierende Stil.

    Die berĂŒhmtesten Autoren dieser Zeit sind MĂĄrio de Andrade und Oswald de Andrade; ebenfalls internationale Bekanntheit erlangt hat Jorge Amado. Der brasilianische Erfolgsautor Paulo Coelho ist zurzeit der weltweit meistgelesene Autor. 2004 erhielt Lygia Bojunga Nunes den bedeutenden Astrid-Lindgren-GedĂ€chtnis-Preis fĂŒr Kinderliteratur.

    Brasilien: mit 108 Lizenzen im Jahr 2004 Deutschlands zweitwichtigster Lizenzabnehmer auf dem amerikanischen Kontinent (nach den USA mit 175 Lizenzen). Fehlende Sprachkenntnisse und hohe Übersetzungskosten sind trotzdem noch Barrieren. Die Buchmesse SĂŁo Paulo ist die vielleicht wichtigste SĂŒdamerikas.

    2013 ist Brasilien Gastland der Frankfurter Buchmesse – als zweites Land zum zweiten Mal.

    KĂŒche

    Aufgrund der GrĂ¶ĂŸe des Landes ist es schwierig, die brasilianische KĂŒche zu definieren. Es ist gesichert, dass sie durch die portugiesische Kolonisation beeinflusst wurde. Als Nationalgericht gilt die Feijoada, ein Bohneneintopf aus schwarzen Bohnen mit allerlei Fleisch. Üblicherweise wird Feijoada mit Reis, Farofa (ein Maniokmehl) und Orangenscheiben serviert. Wegen des großen Abstands zwischen den Orten sind die Verpflegungsstationen an Fernstraßen wichtig. Hier wird zwischen kommerziell betriebenen Snackbars mit großem Angebot an Sandwiches und anderen einfachen Gerichten und kleinen, familiĂ€ren Haltepunkten, die meist nur ein Gericht (Reis, Kartoffeln oder Bohnen mit einer Fleischsorte) bieten, unterschieden.

    Architektur

    Im Amazonasbecken herrschen die primitiven IndianerhĂŒtten vor, in anderen Bundesstaaten, zum Beispiel Minas Gerais, sind dagegen prachtvolle und historische StĂ€dte, erbaut im Barock, und ebenso prachtvoll dekorierte Kirchen zu finden (Ouro Preto, Mariana, Congonhas). Kolonialarchitektur bestimmt in einigen KĂŒstenstĂ€dten des Nordostens noch das Bild (Olinda). Die grĂ¶ĂŸten Architekten des Landes Oscar Niemeyer, der als Wegbereiter der brasilianischen Architektur gilt, sein frĂŒherer Dozent LĂșcio Costa und Roberto Burle Marx gestalteten gemeinsam den schönsten brasilianischen Wohnpark „Pampulha“ in Belo Horizonte. Der damalige Initiator war der spĂ€tere PrĂ€sident Juscelino Kubitschek, der in einer seiner ersten Amtshandlungen als mĂ€chtigster Mann im Staat das dreiköpfige Team erneut zusammenrief, um das Projekt BrasĂ­lia zu beschließen. Denn die Hauptstadt BrasĂ­lia ist Höhepunkt brasilianischer Architektur, sie wurde erst in den 1960er Jahren errichtet und unterliegt einem genauen Plan. Nach einer Ausschreibung, bei der der Sieger mit LĂșcio Costa schon vorher feststand, plante Costa den Aufbau der Stadt, Niemeyer war wie schon in Pampulha fĂŒr die meisten GebĂ€ude zustĂ€ndig und Burle Marx entwarf PlĂ€tze und Parks. BrasĂ­lia ist heute berĂŒhmt fĂŒr modernistische GebĂ€ude.

    Zu den Meisterwerken der brasilianischen Moderne gehören auch die Bauwerke Paulo Mendes da Rocha, der 2006 den Pritzker-Preis erhielt, und in den Jahrzehnten ab 1954 das Bild der Metropole SĂŁo Paulo durch den Club Athletico Paulistano (1958), die Kapelle von Sankt Peter in Campos de JordĂŁo, Brasilien (1987) und das Museu Brasileiro de Escultura – Brasilianisches Skulpturenmuseum in SĂŁo Paulo (1988) formten. Diesen durch streng geometrischen Betonbauten geprĂ€gten Avantgarde-Stil bezeichnet man unzutreffend als „brasilianischer Brutalismus“.

    Sport

    National- und auch Volkssport des Landes ist Fußball. Das erste Fußballspiel fand 1894 statt, rund 10 Jahre spĂ€ter dĂŒrften die ersten Spieler mitgespielt haben, die keine europĂ€ischen Vorfahren hatten. Die brasilianische Fußballnationalmannschaft ist fĂŒnfmaliger Weltmeister und damit die erfolgreichste Nationalmannschaft der Welt. DarĂŒber hinaus gewann Brasilien achtmal die Copa AmĂ©rica, die SĂŒdamerika-Meisterschaft. FĂŒr viele Fußballfreunde gilt darĂŒber hinaus PelĂ© als einer der besten Fußballer aller Zeiten. Auch andere Spieler wie Arthur Friedenreich, Garrincha und Zico zĂ€hlten zu den besten ihrer Zeit. Die Auszeichnung als Weltfußballer des Jahres erhielten zudem RomĂĄrio, Ronaldo, Rivaldo, Ronaldinho und KakĂĄ. Auch in der aktuellen Mannschaft spielen viele international bekannte Stars. Die Nationalmannschaft der Damen gehört ebenfalls zur Weltspitze, auch wenn ihr ein WM- oder Olympiasieg noch nicht gelang, und hat mit Marta Vieira da Silva die wohl beste Spielerin der Welt in ihren Reihen. Ein Großteil der Bevölkerung spielt aber Fußball unter einfacheren VerhĂ€ltnissen, beispielsweise in den Favelas auf SandplĂ€tzen (Campos). FĂŒr viele Kinder und Jugendliche in den Favelas ist die Aussicht, Fußballprofi zu werden, eine der wenigen Möglichkeiten, der Armut zu entgehen.

    Futsal, eine populĂ€re Variante des Hallenfußballs, die mittlerweile von der FIFA als offizielle Hallen-Variante des Fußballs anerkannt worden ist, wurde zu einem Großteil in Brasilien entwickelt und erfreut sich dort großer PopularitĂ€t. Die Nationalmannschaft gehört wie beim Fußball zur Weltspitze.

    Brasilien war innerhalb von gut zwei Jahren Schauplatz der beiden bedeutendsten Sportereignisse der Welt: 2014 wurde in Brasilien die Fußballweltmeisterschaft ausgetragen. Das Land war einziger Bewerber fĂŒr den Austragungsort der WM. 2016 fanden die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro statt. Dies war die erste Austragung Olympischer Spiele auf dem sĂŒdamerikanischen Kontinent.

    Sehr beliebt ist auch Volleyball. Die Nationalmannschaft der Herren wurde 2002, 2006 und 2010 Weltmeister, die der Damen 2008 und 2012 Olympiasieger. Besonders fĂŒr Beachvolleyball ist das sĂŒdamerikanische Land bekannt, bei Weltmeisterschaften gewann es mehr Medaillen als jedes andere Land. Zudem wurde Footvolley, eine Mischung aus Fuß- und Volleyball, in Brasilien erfunden.

    Eine weitere beliebte Mannschaftssportart ist Basketball. Die Nationalmannschaft der Herren wurde zweimal Weltmeister, die Damen-Nationalmannschaft gewann 1994 den WM-Titel. Bekannte NBA-Spieler sind unter anderem Leandro Barbosa, NenĂȘ und Tiago Splitter.

    Motorsport hat ebenfalls eine große Beliebtheit und Tradition: Brasilien ist Gastgeber des Großen Preises von Brasilien, zur Zeit eins von zwei Formel-1-Rennen in Lateinamerika und das einzige in SĂŒdamerika. Das Land hat mit Emerson Fittipaldi, Nelson Piquet und Ayrton Senna drei mehrfache Weltmeister hervorgebracht, weitere erfolgreiche Formel-1-Fahrer sind Rubens Barrichello und Felipe Massa. Starke Anteilnahme fand in der Bevölkerung die Beerdigung Ayrton Sennas 1994. Zwei Rennstrecken wurden fĂŒr Formel-1-Rennen genutzt: Das AutĂłdromo Internacional Nelson Piquet bei Rio de Janeiro und das AutĂłdromo JosĂ© Carlos Pace bei Interlagos. Alex Barros ist ein erfolgreicher ehemaliger Motorradrennfahrer und war mit 276 Start zeitweise Rekordhalter fĂŒr die meisten WM-Starts.

    Erfolgreichster Tennisspieler Brasiliens ist Gustavo Kuerten, der drei Mal die French Open gewinnen konnte und 43 Wochen an der Spitze der Weltrangliste im Herreneinzel stand, bedeutendster Leichtathlet des Landes war der Dreispringer und zweifache Olympiasieger Adhemar da Silva. Der Olympiasieger und mehrfache Weltmeister CĂ©sar Cielo ist der erfolgreichste Schwimmer des Landes. Auch im Segelsport ist Brasilien erfolgreich. Mit Rodrigo Pessoa, Olympiasieger 2004 und Weltmeister 1998 und seinem Vater Nelson, Europameister 1966, besitzt Brasilien auch erfolgreiche Springreiter.

    Als typisch brasilianisch kann Capoeira bezeichnet werden, was besser mit dem Begriff Kampftanz denn mit Kampfsportart kategorisiert wird. Capoeira wurde von der schwarzen Bevölkerung praktiziert. Da es den Sklaven nicht erlaubt war, irgendeine Art von Waffen zu tragen, entwickelten sie Capoeira als Form der Selbstverteidigung: Sie verbindet kĂ€mpferische Elemente mit Akrobatik, Spielerei und Tanz. In den vergangenen Jahrzehnten entwickelte sich eine gewisse Mode um Capoeira. Sie ist mittlerweile in der ganzen brasilianischen Bevölkerung verbreitet und erfreut sich auch im Ausland Beliebtheit. Im Zuge der in den letzten Jahren wachsenden Verbreitung der Kampfsportarten und -kĂŒnste aus den Mixed Martial Arts (MMA), insbesondere Grappling, erlangten international Vale Tudo, Luta Livre und Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ) große Anerkennung.

    Rugby Union wird seit mindestens 1888 in Brasilien gespielt und ist damit fast so alt wie der Fußball, erreichte jedoch nie die gleiche Beliebtheit. In den letzten Jahren gehörte der Rugbysport zu den schnellwachsenden Sportarten Brasiliens und wird vor allem an UniversitĂ€ten gespielt. Der brasilianischen Nationalmannschaft gelang jedoch noch nicht die Qualifikation fĂŒr eine Rugby-Union-Weltmeisterschaft. Brasilien gilt als die viertstĂ€rkste Mannschaft SĂŒdamerikas nach Argentinien, Uruguay und Chile.

    Feiertage

    Siehe auch

    • Brasilianisierung
    • Liste der Bundesstaaten Brasiliens

    Literatur

    • The Brazil Reader: History, Culture, Politics (The Latin America Readers), hrg. von James N. Green, Duke UP, Second edition, 2019
    • Michael Reid: Brazil: The Troubled Rise of a Global Power. Yale University Press, New Haven 2014, ISBN 978-0-300-16560-9.
    • Ursula Prutsch, Enrique Rodrigues-Moura: Brasilien: eine Kulturgeschichte. Transcript, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-8376-2391-8.
    • Moritz Lamberg: Brasilien: Land und Leute. Salzwasser Verlag, Paderborn, 2011, ISBN 978-3-86195-995-3.
    • Dietrich Briesemeister, Gerd Kohlhepp, Ray-GĂŒde Mertin, Hartmut Sangmeister, Achim Schrader (Hrsg.): Brasilien heute. Politik – Wirtschaft – Kultur. (= Biblioteca Iberoamericana. 53). Vervuert, Frankfurt am Main 2. Auflage 2010, ISBN 3865275907.
    • Christian Haußer. Auf dem Weg der Zivilisation. Geschichte und Konzepte gesellschaftlicher Entwicklung in Brasilien (1808–1871). (= BeitrĂ€ge zur EuropĂ€ischen Überseegeschichte. 96). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-515-09312-5.
    • Geane Alzamora, Renira Gambarato, Simone Malaguti (Hrsg.): Kulturdialoge Brasilien-Deutschland: Design, Film, Literatur, Medien. Ed. TranvĂ­a, Verlag Frey, Berlin 2008, ISBN 978-3-938944-19-6.
    • Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann, RĂŒdiger Zoller: Eine kleine Geschichte Brasiliens. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-518-12150-2.
    • Robert M. Levine: The History of Brazil. St. Martin’s, New York 1999, ISBN 1-4039-6255-3.
    • Zeitschriften: Brasilien-Nachrichten, Lateinamerika Nachrichten

    Weblinks

    • CIA World Factbook: Brasilien (englisch)
    • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Brasilien
    • Offizielle brasilianische Portale (portugiesisch):
      • Regierung
      • PrĂ€sident
      • Abgeordnetenkammer
      • Senat
    • LĂ€nderinformationen des AuswĂ€rtigen Amtes
    • LĂ€nderprofil des Statistischen Bundesamtes
    • Website der brasilianischen Botschaft in Deutschland
    • Website der brasilianischen Botschaft in Österreich
    • HWWI-LĂ€nderprofil zum Thema Brasilien und Migration (PDF; 537 kB)
    • Facebook: BrasilNews: Website mit tagesaktuellen Politik- und Wirtschaftsnachrichten aus Brasilien in deutscher Sprache
    • Frederik Schulze: Vom Sklavenhandel zum Auswanderungsland – Brasilien und die Migration. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 29. Oktober 2020, abgerufen am 23. Januar 2021. 

    Einzelnachweise



    Quelle: Wikipedia

     

    Region Regionen (27)

    Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
    Acre -7.119 -11.141 -74.019 -66.649  
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    CearĂĄ -2.786 -7.854 -41.449 -37.236  
    Distrito Federal -15.49 -16.042 -48.278 -47.302  
    EspĂ­rito Santo -17.874 -21.274 -41.882 -28.877  
    GoiĂĄs -12.4 -19.486 -53.245 -45.912  
    MaranhĂŁo  
    Mato Grosso -7.339 -18.032 -61.611 -50.236  
    Mato Grosso do Sul -17.187 -24.05 -58.163 -50.937  
    Minas Gerais  
    ParĂĄ  
    ParaĂ­ba -6.022 -8.284 -38.744 -34.793  
    ParanĂĄ -22.522 -26.705 -54.613 -48.032  
    Pernambuco -7.27 -9.488 -41.371 -34.797  
    PiauĂ­ -2.745 -10.896 -45.981 -40.413  
    Rio de Janeiro -20.777 -23.353 -44.866 -40.959  
    Rio Grande do Norte 0.891 -6.978 -38.609 -29.345  
    Rio Grande do Sul -27.072 -33.742 -57.612 -49.7  
    RondĂŽnia -8 -13.663 -66.831 -59.822  
    Roraima 5.267 -1.418 -64.816 -58.871  
    Santa Catarina -25.972 -29.355 -53.841 -48.377  
    SĂŁo Paulo -19.781 -25.308 -53.172 -44.162  
    Sergipe -9.527 -11.569 -38.245 -36.405  
    Tocantins -5.164 -13.385 -50.743 -45.758  
     

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    Flagge: Brazil

    Name englisch: Brazil
    Hauptstadt: Brasilia
    Kfz: BR
    ISO: BR
    ISO3: BRA
    Fläche: 8511965 km²
    Tld: .br
    Wärung Einheit: BRL
    Währung: Real
    Vorwahl: 55

    Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
    nördlichster Punkt: 5.2716019
    südlichster Punkt: -33.7517528
    westlichster Punkt: -73.982817
    östlichster Punkt: -34.7929077


     
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