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Gebirge Karte: Kilimandscharo

Gebirge Lage und Zugehörigkeit

Zugehörigkeit: Afrika » Kilimandscharo
 

Gebirge Informationen zur Gebirgsgruppe: Kilimandscharo

Informationen zur Lage und Bezeichnung:


ausführliche Beschreibung:

Der Kilimandscharo (auch Kilimandscharo-Massiv, von 1902 bis 1964 Kaiser-Wilhelm-Spitze oder auch Wilhelmskuppe, englisch Kilimanjaro oder Mount Kilimanjaro) ist mit 5895 m Höhe ĂŒber dem Meeresspiegel das höchste Bergmassiv Afrikas. Das Massiv im Nordosten von Tansania hat mit dem Kibo den höchsten Berg des afrikanischen Kontinents.

Im Jahr 1987 wurde die Landschaft von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklĂ€rt. Bereits seit 1973 gibt es den Kilimandscharo-Nationalpark. Die Eiskappe des Kilimandscharo ist stark und in zunehmendem Maße von der globalen ErwĂ€rmung betroffen: So hat sich zwischen 1912 und 2020 die Eisschicht bereits um 85 % verringert und wird bis 2030 voraussichtlich vollends verschwunden sein.

Geographie

Rund 350 km sĂŒdlich des Äquators befindet sich das Kilimandscharo-Massiv im Nordosten von Tansania, etwa 500 km nordwestlich der Stadt Daressalam und nahe der kenianischen Grenze (Kenias Hauptstadt Nairobi liegt 200 km nordwestlich). Bis zur Mitte des Viktoriasees sind es knapp 560 km nach Nordwesten.

WĂ€hrend das 750 bis 1000 m hohe GelĂ€nde um das Kilimandscharo-Massiv in Richtung Osten nach dem 2463 m hohen Pare-Gebirge allmĂ€hlich zum Indischen Ozean hin abfĂ€llt, geht es nach Westen und Norden in die Gebirgswelten und HochlĂ€nder von Tansania und Kenia ĂŒber sowie nach SĂŒden in die Massai-Steppe. UngefĂ€hr 70 km sĂŒdwestlich des Bergmassivs ragt der 4562 Meter hohe Mount Meru auf.

Der höchste Gipfel des Massivs und damit höchster Punkt Afrikas ist mit 5895 Metern der Kibo. Vom Batian, dem im Mount-Kenya-Massiv befindlichen zweithöchsten Berg des Kontinents, ist der Kibo 325 km sĂŒdlich entfernt. Bis zum Margherita Peak im Ruwenzori-Gebirge sind es 900 km nach Nordwesten.

Das Massiv erstreckt sich ĂŒber eine FlĂ€che von rund 80 km × 60 km.

Geologie

Das Kilimandscharo-Massiv ist vulkanischen Ursprungs. Es befindet sich auf der östlichen Grabenschulter des Ostafrikanischen Grabenbruchsystems. In Verbindung mit kontinentalen GrabenbrĂŒchen besteht meist vulkanische AktivitĂ€t, was mit dem Aufstieg von AsthenosphĂ€renmaterial (oft auch Manteldiapire) und der dadurch einhergehenden LithosphĂ€renausdĂŒnnung zu begrĂŒnden ist. Im Gegensatz zum Roten Meer und dem Golf von Aden, die von einem mittelozeanischen RĂŒcken durchzogen werden, ist der Ostafrikanische Grabenbruch keine Plattengrenze. Allerdings stellt ein kontinentaler Grabenbruch das Anfangsstadium des Auseinanderbrechens kontinentaler LithosphĂ€renplatten dar. Dabei muss es nicht zwingend zum vollstĂ€ndigen Auseinanderbrechen und der damit verbundenen Bildung von mittelozeanischen RĂŒcken kommen. Ein Beispiel fĂŒr einen Grabenbruch, der nicht zum vollstĂ€ndigen Bruch zweier kontinentalen LithosphĂ€renplatten fĂŒhrte, ist die Oberrheinische Tiefebene.

Am Kilimandscharo-Massiv, das etwa zwei bis drei Millionen Jahre alt ist, fand die vermutlich grĂ¶ĂŸte Eruption vor rund 360.000 Jahren statt. Zuletzt soll der Kibo um 1700 ausgebrochen sein, seitdem verharrt die vulkanische AktivitĂ€t auf einem niedrigen Niveau (Fumarolen und Solfataren), ist jedoch keineswegs erloschen.

Unklar bleibt, wieso in den Eisschichten der Kilimandscharo-Gletscher keine nennenswerten Ascheablagerungen vergangener AusbrĂŒche gefunden wurden. Der Ausbruch von 1700 gilt als wissenschaftlich nicht erwiesen, sondern stammt aus mĂŒndlichen Überlieferungen der Chagga, die am Berg siedeln. Bergsteiger berichten aktuell immer wieder von starkem Schwefelverbindungsgeruch am Reusch-Krater. Der Schwefelverbindungsgeruch aus den nach wie vor aktiven Fumarolen des „Ash Pit“ kann je nach Windrichtung gelegentlich auch am Uhuru-Peak wahrgenommen werden.

Landschaft

Neben Gletschern beherbergt das felsige Gebirge Firn- und Schneefelder, FrostschuttwĂŒsten, zahlreiche GebirgsbĂ€che und eine ĂŒppige Vegetation, die in den tieferen Gebirgsregionen in den urwaldartigen Regenwald ĂŒbergeht.

Höchste Gipfel

Das Kilimandscharo-Massiv besteht im Wesentlichen aus drei erloschenen Vulkanen, deren höchster der bereits erwĂ€hnte Kibo („der Helle“) ist. Der auf 5895 m liegende Gipfel des Kibo wird Uhuru Peak genannt. Das Gipfelplateau beinhaltet den 1,9 Kilometer mal 2,4 Kilometer großen Kibo-Krater. In diesem liegt der Reusch-Krater (etwa 800 Meter Durchmesser; bis 200 Meter tief), an dessen Kraterrand wiederum liegt ein kleiner Krater, der Inner Cone (5835 m).

Etwa zehn Kilometer östlich des Kibo und durch einen weiten, durchschnittlich etwa 4300 m hohen Sattel mit ihm verbunden, ragt der felsige, 5148 m hohe Mawenzi („der Dunkle“) auf, der keinen Gletscher hat. Über einen circa 3700 m hohen Sattel ist circa 15 Kilometer westlich des Kibo der Shira (3962 m) erreichbar. Der Shira ist ein flacher Gipfel und ebenfalls ohne Gletscher.

Gletscher

Obwohl sich das Kilimandscharo-Massiv in den tropisch-heißen Regionen der Erde befindet, ist es neben dem Ruwenzori-Gebirge und dem kaum noch vergletscherten Mount-Kenya-Massiv, die ebenfalls in Äquatorial-Ostafrika liegen, der dritte vergletscherte Hochgebirgszug des Kontinents.

Die jĂŒngere Vergletscherung am Kilimandscharo beschrĂ€nkt sich auf den Kibo. Zwischen 1912 und 2009 schrumpfte die Eiskappe von 12 kmÂČ auf 1,85 kmÂČ, was einem Verlust von 85 % der FlĂ€che entspricht. Hauptgrund fĂŒr diesen RĂŒckgang ist ein regional trockeneres Klima seit Ende des 19. Jahrhunderts. Am Gipfelplateau bildeten das Nördliche und das SĂŒdliche Eisfeld die grĂ¶ĂŸten Einheiten, das Östliche Eisfeld mit dem Rebmann-Gletscher und der FurtwĂ€ngler-Gletscher waren bedeutend kleiner. Die Hanggletscher befanden sich vorrangig am SĂŒdhang des Kibo, zudem waren an der Westflanke noch Überbleibsel der einst mĂ€chtigen Vergletscherung zu sehen.

Die von verschiedenen Medien oftmals zitierten Satelliten-Fotos aus den Jahren 1993 und 2000, die den RĂŒckgang illustrieren sollten, sind bezĂŒglich des Gletscherschwunds nur bedingt aussagekrĂ€ftig. Das 1993er Foto zeigt die Situation unmittelbar nach einem Neuschneefall, wĂ€hrend im 2000er Foto kaum Neuschnee zu erkennen ist. Der markante Unterschied zwischen den beiden Bildern basiert also auf der rĂ€umlichen Ausdehnung der saisonalen Schneedecke.

Klima

Das typische Klima in der Region um das Kilimandscharo-Massiv folgt einem ausgeprĂ€gten Jahresgang des Niederschlags mit zwei Regenzeiten (MĂ€rz bis Mai, Oktober bis Dezember) und zwei Trockenzeiten, wobei die kleine Trockenzeit (Januar und Februar) in einzelnen Jahren ebenfalls niederschlagsreich sein kann. Die mittlere Monatstemperatur an der Basis des Berges erreicht ganzjĂ€hrig mehr als 20 °C. Am Massiv selber Ă€ndert sich das Klima vor allem in vertikaler Richtung stark, was sich in der Abfolge verschiedener Vegetationszonen widerspiegelt. Die tiefer gelegenen Gebiete (bis ca. 3000 m) sind feucht, oftmals in Wolken gehĂŒllt und von ĂŒppiger Regenwaldvegetation bedeckt. Mit der Höhe wird der Bewuchs immer karger, Temperatur und Niederschlag nehmen ab. Am Gipfelplateau des Kibo sind die beiden Regenzeiten zwar noch ausgeprĂ€gt, allerdings betrĂ€gt die jĂ€hrliche Niederschlagsmenge nur mehr ein Zehntel jener im RegenwaldgĂŒrtel. Die Temperatur steigt selbst in den Nachmittagsstunden nur selten ĂŒber den Gefrierpunkt. Dies gestaltet den Gipfelbereich zu einer trockenen, eisigen Umgebung.

GewÀsser

Am Kilimandscharo-Massiv entspringen zahlreiche GebirgsbĂ€che, die beispielsweise am vergletscherten Gipfel des Kibo entstehen und durch die dichten WĂ€lder die BerghĂ€nge hinab rauschen. Sie streben vom Massiv in alle Himmelsrichtungen davon. Aus der Vereinigung von solchen teils reißenden BĂ€chen und kleinen FlĂŒssen entstehen spĂ€ter der Pangani und der Galana.

Wegen der steil abfallenden BerghĂ€nge gibt es am Kilimandscharo-Massiv nur kleine Seen. Doch befindet sich an seinem SĂŒdostfuß der Chala-See (auch Dschalasee genannt; 877 m; 4 kmÂČ) und etwas weiter sĂŒdlich liegt der Jipe-See (707 m; 46 kmÂČ). Beide StillgewĂ€sser befinden sich auf der Grenze von Tansania und Kenia. Am SĂŒdwestfuß des Massivs, bereits im Arusha-Nationalpark, liegen die Momella-Seen.

Flora

Unterhalb der Gletscher, Schneefelder und FrostschuttwĂŒsten schließt sich teils ĂŒppig sprießendes Grasland an, das in Strauchland ĂŒbergeht. Im SĂŒden reicht die Baumgrenze bis auf maximal 3500 m Höhe, durchschnittlich liegt sie bei 2700 bis 3000 m ĂŒber dem Meeresspiegel.

Bedingt durch das feucht-heiße Klima hat sich nicht nur in den unteren Regionen der Gebirgswelt eine einzigartige Flora im feuchtheißen Urwald entwickelt, in dem ungezĂ€hlte Pflanzenarten mit prachtvollem Wuchs gedeihen – sie werden zumeist grĂ¶ĂŸer als anderswo. Der Regenwald befindet sich zwischen 1400 und 3000 m Höhe, maximal reicht er bis 3300 m Höhe. In der Umgebung des Bergriesen gibt es Gras- und Baum-Savannen sowie SĂŒmpfe.

Zur Flora am Kilimandscharo-Massiv und in dessen Umgebung gehören unter anderem:

  • Akazien
  • Baumheide
  • Farne
  • Flechten
  • Erika-StrĂ€ucher – bis 10 m hoch
  • Koniferen
  • Kreuzkraut – 5 bis 6 m hoch
  • Lianen
  • Lobelien
  • Moose
  • OlivenbĂ€ume
  • Orchideen
  • Palmen
  • Riesen-Senecien (Dendrosenecio)
  • Wacholder
  • Zedern

Fauna

Die Gebirgswelt des Kilimandscharo-Massivs und seine Umgebung birgt eine artenreiche Fauna.

Beispiele fĂŒr SĂ€ugetiere:

  • Affen (Anubispavian, Schwarz-weiße Stummelaffen und Diademmeerkatze)
  • Afrikanische Striemen-GrasmĂ€use
  • BĂŒffel
  • Buschböcke
  • Ducker
  • Elefanten – Bestandsentwicklung: 1197 (1976), 756 (1981), 1000 (1987), ca. 900 (1990)
  • HyĂ€nen
  • Leoparden
  • Löwen
  • Nashörner (wahrscheinlich noch einzelne Spitzmaulnashörner)
  • Riesenwaldschwein
  • Zebras

Beispiele fĂŒr Vögel:

  • Enten
  • Flamingos
  • GĂ€nse
  • Ibisse
  • Kuckuckarten
  • Pelikane
  • Reiher
  • Störche
  • Wasserhuhn
  • Zugvögel

Geschichte

Vorkoloniale Zeit

Das am Fuß des Berges lebende Volk der Chagga verehrte den Berg vor seiner Bekehrung zum Christentum jahrhundertelang. Nach der Missionierung wurden AltĂ€re noch auf den Berg ausgerichtet. Einer lokalen Legende nach stellen Kibo und Mawensi versteinerte Ehefrauen des Gottes Ruwa dar. Die Geschichte erzĂ€hlt, wie Mawensi wiederholt die Gastfreundschaft von Kibo missbraucht hatte, welche sie daraufhin verprĂŒgelte. Dies erklĂ€re den gezackten Rand von Mawensis Gipfel(krater) und der hĂ€ufig am Mawensigipfel stehende Nebel sei ein Versuch diese Schmach zu verdecken.

Um 100 n. Chr. berichtete der griechische Astronom und Geograph PtolemÀus von einem hohen, mit Schnee bedeckten Berg mitten in Afrika. Etwa 1000 Jahre spÀter folgte weitere Kunde von einem solchen Berg, diesmal durch chinesische Handelsreisende.

Ein ausfĂŒhrlicher spanischer Bericht von 1519 wurde in Europa nicht ernst genommen und geriet wieder in Vergessenheit.

Erst als am 11. Mai 1848 ein EuropĂ€er, der aus Gerlingen stammende deutsche Missionar, Geograph und Sprachforscher Johannes Rebmann, vor dem Kilimandscharo stand und von dem ĂŒberwĂ€ltigenden Anblick des Schneeberges nach Europa berichtete, trat der Berg in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit. Rebmann bezeichnete sich jedoch nicht als seinen Entdecker, da er schon vorher mehrfach sichere Kunde von dem Berg aus ErzĂ€hlungen von Afrikanern hatte. Rebmann, der von 1846 bis 1875 ohne Unterbrechung in Ostafrika wirkte, weilte 1848/1849 dreimal am Fuß des Kilimandscharo. WĂ€hrend die englischen Geographen seinem Bericht von dem Schneeberg aufgrund der NĂ€he zum Äquator jahrzehntelang keinen Glauben schenkten, erhielt er von der Geographischen Gesellschaft in Paris eine Ehrenmedaille. Bei der Höhe, die er, ohne sie vermessen zu haben, mit ca. 3800 m angab, verschĂ€tzte Rebmann sich jedoch stark. Von ihm stammen die Bezeichnung des Gebirges und die Namen der meisten Gipfel, die ihm sein afrikanischer Begleiter benannte.

Kolonialzeit

WĂ€hrend der kolonialen Besetzung durch das Deutsche Reich in der Zeit von 1885 bis 1918 bildete dieses Bergmassiv das höchste Gebirge des Reiches. Der Erstbesteiger Hans Meyer taufte den Kibo als höchsten deutschen Berg in Kaiser-Wilhelm-Spitze um. Die seinerzeit errichteten BerghĂŒtten erhielten deutsche Namen wie Bismarck- oder Peters-HĂŒtte. Die Sektion Hannover des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins plante Anfang des 20. Jahrhunderts den Bau einer AlpenvereinshĂŒtte zwischen dem Mawenzi und dem Kibo auf 4900 m Höhe. Das erforderliche Baumaterial war bereits zur Baustelle transportiert worden. Der Beginn des Ersten Weltkrieges verhinderte den Bau der am höchsten gelegenen HĂŒtte des Alpenvereins. Erst im Rahmen der UnabhĂ€ngigkeit wurde die Regierung der Republik Tanganjika darauf aufmerksam, dass die Bergspitze des Kibo weiterhin Kaiser-Wilhelm-Spitze hieß. 1964 wurde diese in Uhuru umbenannt, was auf Suaheli Freiheit bedeutet.

Erstbesteigung

Schon 1861 und 1862 hatte sich der deutsche Entdecker Karl Klaus von der Decken an eine Besteigung des Berges gewagt und erreichte nur eine Höhe von 4280 Metern. Die nĂ€chsten dokumentierten Besteigungsversuche wurden von dem Missionar Charles New am 14. und 26. August 1871 unternommen, der beim zweiten Anlauf am 28. August in Begleitung eines Dieners und eines Chagga-FĂŒhrers die Schneegrenze erreichte, bevor er umkehren musste. 1872 wurde ĂŒber die erfolglose Unternehmung in einer Publikation der Royal Geographical Society berichtet.

Die Erstbesteiger waren der Leipziger Bergsteiger, Geograph und Forscher Hans Meyer und der österreichische Alpinist Ludwig Purtscheller, die den Gipfel nach zwei fehlgeschlagenen Erstbesteigungs-Versuchen von 1887 und 1888 am 6. Oktober 1889 erklommen (als einheimischer BergfĂŒhrer diente Muini Amani).

Meyer entnahm eine Gesteinsprobe aus schwarzem Lavafels von der Mittelspitze des Kibo und brachte sie per Schiff nach Deutschland, um sie Wilhelm II. als Symbol fĂŒr die Inbesitznahme des Massivs durch Deutschland zu ĂŒberreichen. Eine weitere behielt er im Privatbesitz. Der Kaiser ließ den Felsbrocken 1890 mit anderen Steinen zu einem DekorationsstĂŒck verarbeiten, zuvor soll er ihn als einfachen Briefbeschwerer aufbewahrt haben. Es finden sich Quellen, die besagen, dass dieses Kunstwerk noch im Muschelsaal des Neuen Palais in Potsdam besichtigt werden kann. Allerdings scheint der Stein schon vor geraumer Zeit gestohlen und durch einen einfachen Lavabrocken ersetzt worden zu sein – ob das Original in der Zeit des Nationalsozialismus oder spĂ€ter in der DDR abhandenkam, ist nicht mehr nachzuvollziehen. 1980 erfolgte eine Untersuchung, bei der der Lavastein aus Biotitschiefer enttarnt wurde. Dieser Schiefer kommt nirgends auf dem Kilimandscharo vor. An der Stelle klebt nun dafĂŒr ein Lavagestein von der ersten Expedition aus Meyers Sammlung. Der zweite Stein befindet sich im Privatbesitz eines der Nachfahren Meyers.

Weitere Pioniertaten

  • Erste Abfahrt per Ski: 1912 waren Walter FurtwĂ€ngler und Siegfried König nach ihrer dritten Gipfelbesteigung die Ersten, die per Ski vom Kibo-Gipfel hinabfuhren.
  • Bei der vierten Gipfelbesteigung am 13. Februar 1914 erreichte Clara von Ruckteschell-TruĂ«b den Kraterrand am heutigen Gilman’s Point und war damit die erste Frau, die den Kilimandscharo erfolgreich bestiegen hat.
  • Erster Überflug: Am 8. Januar 1930 ĂŒberflog Walter Mittelholzer als erster den Kilimandscharo. Dabei machte er unter anderem aus etwa 6200 Metern Höhe Luftaufnahmen vom Krater des Kibo, die in Illustrierten veröffentlicht wurden und großes Aufsehen erregten.
  • Erste Live-FernsehĂŒbertragung: Am 21. Juli 2008 machte sich ein Reporterteam der ARD zusammen mit deutschen Bergsteigern vom Marangu Gate auf den Weg. Vier Tage spĂ€ter erreichten sie den Gilman’s Point und den Uhuru Peak. Die weltweit erste Live-Übertragung vom Kilimandscharo gelang. Die Regie- und Sendeanlage war rund 2000 Meter tiefer an der Horombo-Hut stationiert.

Bevölkerung und StÀdte

In den Ansiedlungen und Orten am und rund um das Kilimandscharo-Massiv leben die Chagga, die insbesondere von der Landwirtschaft, teils aber auch vom Tourismus leben.

StÀdte in der Region sind:

  • Arusha – Großstadt 80 km sĂŒdwestlich des Massivs; 50 km östlich der Stadt befindet sich ein internationaler Flughafen.
  • Marangu – Stadt am Massiv, etwa 25 km von Moshi entfernt; optimaler Ausgangspunkt fĂŒr Bergtouren auf der Marangu-Route
  • Moshi – Großstadt am Massiv mit Regionalflughafen

Wirtschaft

Ackerbau

Die Wirtschaft am Kilimandscharo-Massiv ist nach wie vor von Landwirtschaft geprÀgt, sodass die einheimischen Chagga vom Ackerbau sowie von Plantagen- und Viehzucht leben. Angebaut werden unter anderen Bananen, Kaffee, Mais, Weizen und Sisal.

Tourismus

Die Region um das Kilimandscharo-Massiv und den Kilimandscharo-Nationalpark erfreut sich bei Touristen und Naturfreunden großer Beliebtheit. Viele Touristen kommen auch zum Bergsteigen an den Kilimandscharo.

Das wenig sĂŒdlich des Massivs gelegene Moshi bietet eine Vielzahl von touristischen Einrichtungen. SĂŒdwestlich des Massivs und etwa 30 km westlich der Stadt befindet sich in Richtung der Nachbarstadt Arusha der Kilimanjaro International Airport, von dem Touristen in den Kilimandscharo- und Serengeti-Nationalpark gelangen können.

Bergsteigen

Die Besteigung des Kibo beziehungsweise des Uhuru Peak bietet dem Bergsteiger geringfĂŒgige technische Schwierigkeiten, weshalb trotz der großen körperlichen Anstrengungen immer mehr Menschen einen Aufstieg versuchen. Waren es Mitte der 1990er Jahre noch etwa 15.000 im Jahr, war diese Zahl rund zehn Jahre spĂ€ter auf 25.000 angestiegen. Darunter sind viele, die zuvor nie einen Mehrtagesmarsch unternommen haben. Doch infolge der mit der großen Höhe verbundenen Abnahme des Sauerstoff-Partialdrucks kommt es hĂ€ufig zur Höhenkrankheit, sodass aufgrund der physischen Anstrengungen nur etwa die HĂ€lfte aller Gipfelaspiranten den höchsten Punkt erreicht. Am Gipfel ist der Sauerstoffpartialdruck halb so hoch wie auf Meereshöhe. Dazu kommen plötzliche WetterumschwĂŒnge und deutliche Temperaturunterschiede zwischen dem Fuß des Berges, wo das Thermometer regelmĂ€ĂŸig ĂŒber 30 °C zeigt, und seinem Gipfel, wo die Temperatur unter −20 °C fallen kann. Durch den Windchill-Faktor kann die gefĂŒhlte Temperatur noch tiefer erscheinen.

FĂŒr die Besteigung sollten wegen der Anpassung an das Höhenklima fĂŒnf bis sieben Tage eingeplant werden. Die fĂŒnf Tage, die auf den meisten Routen normalerweise fĂŒr Auf- und Abstieg vorgesehen sind, bezeichnete der Höhenmediziner Oswald Oelz in der NZZ allerdings als „physiologisch versuchten Mord“. Wer sich vorher nicht ordentlich akklimatisiert, lĂ€uft Gefahr, ein Lungen- oder ein Hirnödem zu bekommen. „Am höchsten Berg Afrikas sterben nicht ohne Grund pro Jahr Dutzende Menschen“, erklĂ€rte Oelz.

Die Besteigung ist gebĂŒhrenpflichtig, zudem ist die Beauftragung eines Chagga-FĂŒhrers sowie die BeschĂ€ftigung einheimischer TrĂ€ger vorgeschrieben. Die GebĂŒhr betrug in Summe im Jahr 2008 pro Person 650 US-Dollar und ist an den Gates am Eingang zum Nationalpark zu entrichten. Weitere 170–250 US-Dollar kommen fĂŒr den FĂŒhrer und die TrĂ€ger hinzu. FĂŒr die Trinkgelder hat die Nationalparkverwaltung unverbindliche Richtpreise bekannt gegeben. Auf jeden Touristen kommen, je nach Organisation, zwei bis fĂŒnf TrĂ€ger, inkl. Guides und Koch („Vorschriften und GebĂŒhren“, auf der Website der Tansania-Nationalparks).

Marangu-Route

WĂ€hrend die fĂŒnf Routen Mweka, Umbwe, Lemosho, Shira und Rongai selten begangen werden, erfreuen sich die Marangu- sowie Machame-Route wesentlich grĂ¶ĂŸerer Nachfrage. Die laut Parkstatistik meistbegangene Marangu-Route („Coca-Cola-Route“), die im SĂŒdosten des Kilimandscharo-Massivs verlĂ€uft, bietet als einzige Route Übernachtung in HĂŒtten statt in Zelten und weist ein Kontingent von maximal 70 GĂ€sten pro Tag auf.

Der Marangu-Pfad beginnt am SĂŒdhang des Massivs und fĂŒhrt anfangs in Richtung Norden ĂŒber Marangu (Marangu Gate; 1879 m), das oft als Ausgangspunkt fĂŒr Bergtouren angesteuert wird, und durch den tropischen Regenwald zur BismarckhĂŒtte (Mandara Hut; 2720 m). Danach wird – oberhalb der Baumgrenze – durch das anfangs ĂŒppig sprießende Gras- und Strauchland in Richtung Nordwesten aufsteigend die PetershĂŒtte (Horombo Hut; 3719 m) erreicht, die sich rund fĂŒnf Kilometer sĂŒdlich des Mawenzi befindet. Von dort geht es in stets dĂŒnner werdender Luft auf den 4300 m hohen Sattel, weiter in Richtung Westen durch die FrostschuttwĂŒste laufend zur 1932 (erstmals) errichteten KibohĂŒtte (Kibo Hut; 4720 m) an der Ostflanke des Kibo. Von dort wird nach 987 m und maximal sechs Stunden steil bergauf durch zahlreiche Serpentinen und durch eine Gerölllandschaft der nur wenige Kilometer entfernten Gilman’s Point (laut der Aufschrift eines dort aufgestellten Schilds 5681 m) auf dem Rand des Kibo-Kraters erreicht. Auf dem sĂŒdlichen Kraterrand, weitere 214 m aufwĂ€rts, erreicht man den Uhuru Peak (5895 m) genannten Kibo-Gipfel.

Nach insgesamt rund 34 km Marsch ist man auf dem Kraterrand des Kibo, von dem aus große Teile von Tansania und Kenia zu sehen sind – wenn das teils unberechenbare Wetter mitspielt. Zum Beispiel kann der Mount Meru (4562 m) gesehen werden, der oft ĂŒber die Wolkendecke empor ragt und rund 70 km entfernt ist.

Weitere Routen

Auf das Kilimandscharo-Massiv fĂŒhren neben der Marangu-Route noch weitere Pfade, die zu den schwierigen Routen gehören. Unter anderen sind dies:

  • Barafu-Route – steile Teilroute von der bzw. ĂŒber die Barafu Hut (4600 m) auf den Kibo
  • Lemosho-Route – Ausgangspunkt Londorossi (2250 m)
  • Machame-Route – Ausgangspunkt Machame (1800 m)
  • Mweka-Route – Ausgangspunkt Mweka (1700 m)
  • Rongai- oder Kikelewa-Route – Ausgangspunkt Nalemoru (2020 m)
  • Shira-Route – Ausgangspunkt Londorossi (2250 m)
  • Umbwe-Route – Ausgangspunkt Umbwe (1700 m)
  • Western-Breach-Route – steile Teilroute vom bzw. vorbei am Lava Tower (4600 m) auf den Kibo
  • Thomas-Glacier-Route – Route fĂŒhrt ĂŒber den Gletscher des Nördlichen Eisfelds – Erstbegehung 28./29. Oktober 2009

Älteste und jĂŒngste Besteiger des Berges

Anfang Juli 2018 wurde die Amerikanerin Montannah Kenney aus Texas mit 7 Jahren zur jĂŒngsten Besteigerin des Berges.

Die Àlteste Frau, die den Uhuru Peak erreichte, war Angela Vorobeva im Alter von 86 Jahren und 267 Tagen.

Der Àlteste Mann auf dem Berg war der Amerikaner Robert Wheeler, der 85 Jahre und 201 Tage alt war, als er am 2. Oktober 2014 den Gipfel bestieg.

Aktuelle Forschung

Unter anderem betreibt die UniversitĂ€t Bayreuth seit vielen Jahren eine wissenschaftliche Forschungsstation am Kilimandscharo-Massiv. Sie ist primĂ€r der Erforschung der Flora und der Niederschlagsverteilung im RegenwaldgĂŒrtel gewidmet. In den vergangenen Jahren wurde durch Glazialkerne (Eisbohrungen) einzigartiges Datenmaterial zur Klimageschichte der letzten Jahrtausende gesammelt. Die UniversitĂ€ten Innsbruck und Massachusetts fĂŒhren seit 2002 zusammen ein Klimaforschungsprojekt durch mit dem Ziel, die klimatologischen GrĂŒnde des GletscherrĂŒckgangs zu verstehen. Die Vielzahl an wissenschaftlichen Studien legt nahe, dass das Schrumpfen der Kilimandscharo-Gletscher eine direkte Folge eines regional trockeneren Klimas seit dem spĂ€ten 19. Jahrhundert ist. Ausbleibender Schneefall verringert den Zufluss zur Masse der Gletscher, zudem schĂŒtzt heller, gut das Sonnenlicht reflektierender Neuschnee vor Sonnenstrahlung. Inwieweit und seit wann das regional trockene Klima durch die globale ErwĂ€rmung begĂŒnstigt wird, ist noch nicht vollkommen klar. Eine wahrscheinlich entscheidende Rolle spielt das seltenere Auftreten stark positiver Ereignisse des Indischer-Ozean-Dipols, dadurch verringert sich die Zufuhr feuchter Luftmassen nach Ostafrika. WĂ€hrend der Klimawandel ĂŒber eine direkte Erhöhung der Lufttemperaturen am Kilimandscharo keinen großen Einfluss auf die Massenbilanz der Gletscher hat, gilt es als wahrscheinlich, dass er auf die Dynamik des Indischen Ozeans einwirkt und so die Niederschlagsmuster am Kilimandscharo Ă€ndert.

Rezeption in Literatur und Kunst

Carl Falkenhorst schrieb in der Geschichte ĂŒber Adlers Kriegs- und Jagdabenteuer in Ostafrika, im Sachbuch Auf Bergeshöhen Deutsch-Afrikas (1890) und im 1896 erschienenen Roman Zum Schneedom des Kilimandscharo ĂŒber den Kilimandscharo.

Ernst Platz malte sein Bild vom Kilimandscharo wÀhrend er Hans Meyer auf seiner vierten Kilimandscharo-Expedition 1898 begleitete. Der Maler Rudolf Hellgrewe fertigte einige Gouache-GemÀlde mit dem Motiv des Kilimandscharo an. Der Maler und Bildhauer Walter von Ruckteschell stieg mit seiner Frau Clara und Carl von Salis 1914 auf den Kibo. Er malte den Kibo auch als farbiges Aquarell. Es befindet sich heute im Deutschen Historischen Museum Berlin.

Am Fuß des Bergs schrieb Ernest Hemingway seinen Kurzroman Schnee auf dem Kilimandscharo (The Snows of Kilimanjaro), der 1952 von Henry King als Schnee am Kilimandscharo verfilmt wurde. Mit Gregory Peck, Susan Hayward, Ava Gardner und Hildegard Knef in den Hauptrollen wurde der Film ein Hollywood-Klassiker.

Pascal Danel hatte 1966 einen Nummer-1-Erfolg mit dem Chanson Kilimandjaro (auch genannt Les Neiges du Kilimandjaro).

Die niederlĂ€ndische Jazzformation The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble grĂŒndete sich 2000 in Utrecht.

Der Kilimandscharo ist auf einer Banknote zu 2000 Tansania-Schilling zu sehen.

Der Name der Linux-Distribution Manjaro ist von dem Bergmassiv abgeleitet.

Literatur

  • Kurt Brunner: FrĂŒhe Karten des Kilimandscharo – Ein Beitrag zur Expeditionskartographie. In: „Cartographica Helvetica“, Heft 30 (2004), S. 3–9 (Volltext).
  • Richard Crane; Nicholas Crane: Kilimandscharo per Rad: Mit dem Mountain-Bike auf den höchsten Berg Afrikas. Schneider, MĂŒnchen 1987, ISBN 3-505-09602-4.
  • Jörg Diergarten: Kilimanjaro – Besteigung ĂŒber Marangu- und Machame-Route. Reihe SYRO-Individual-ReisefĂŒhrer Band 30, SYRO, Göttingen 1983, ISBN 3-921885-07-8 (mit einer Karte).
  • Christof Hamann, Alexander Honold: Kilimandscharo: Die deutsche Geschichte eines afrikanischen Berges. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2011, ISBN 978-3-8031-3634-3.
  • P. Werner Lange: Kilimandscharo – Der weiße Berg Afrikas. AS Verlag, ZĂŒrich 2005, ISBN 978-3-909111-16-9.
  • P. Werner Lange: Traumberg Kilimandscharo: Vom Regenwald zum tropischen Eis. Ein Reisebericht, AS Verlag, ZĂŒrich 2008, ISBN 978-3-909111-51-0
  • Hans Meyer; Heinrich Pleticha (Hrsg.): Die Erstbesteigung des Kilimandscharo, Ed. Erdmann, Stuttgart 2001, ISBN 3-522-60281-1 (= Alte abenteuerliche Reiseberichte).
  • Fritz Rodulph, Percy Stulz: Jambo, Afrika. Brockhaus Verlag Leipzig 1970

Weblinks

  • Eintrag auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).
  • Datenblatt der UNEP-WCMC zum Kilimandscharo-Nationalpark (Memento vom 2. August 2010 im Internet Archive) (PDF-Dokument, 330 kB; englisch)
  • NASA Earth Observatory: Snow and Ice on Kilimanjaro (englisch)
  • G-O.de: Kilimandscharo – Weißer Riese in Gefahr
  • Bericht der ARD zur ersten Live-Übertragung (Memento vom 17. Juli 2008 im Internet Archive)
  • Bilder und ein Reisetagebuch zur Besteigung des Kilimanjaro ĂŒber die Machame-Route

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia
 

Kommentar Meinungen und Kommentare


Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

Touren in diesem Gebirge Touren in diesem Gebirge

Bücher und Karten Bücher und Karten

Synonyme / Sprachen:
Kilimanjaro; Kilimandscharo-Massiv;Mount Kilimanjaro; frĂŒher: Kaiser-Wilhelm-Spitze oder auch Wilhelmskuppe


Staaten die sich in dieser Gebirgsgruppe befinden (1):
Tansania Tansania

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: -90
südlichster Punkt: 90
westlichster Punkt: 180
östlichster Punkt: -180


Das Gebirge hat eine Fläche
von etwa
4705 km²

Die Länge der Grenze
beträgt ca.
262 km
 
Kilimandscharo: Große Karte mit den Grenzen und Hütten, Gipfeln sowie Touren der Gebirgsgruppe
Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen der Gebirgsgruppe Kilimandscharo an. Höchste Gipfel, höchste Hütten und Touren.

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