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Gebirge Karte: Sengsengebirge

Gebirge Lage und Zugehörigkeit

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Gebirge Informationen zur Gebirgsgruppe: Sengsengebirge

Informationen zur Lage und Bezeichnung:


ausführliche Beschreibung:

Das Sengsengebirge ist ein nach Norden vorgeschobenes Faltengebirge der Ober√∂sterreichischen Voralpen und wird den N√∂rdlichen Kalkalpen zugerechnet. Das stark verkarstete Gebirge besteht vorwiegend aus Wettersteinkalk, entw√§ssert gr√∂√ütenteils unterirdisch und ist von mehreren gro√üen H√∂hlen durchzogen, darunter der Klarah√∂hle mit √ľber 31¬†Kilometern L√§nge. Die h√∂chste Erhebung ist mit 1963¬†m¬†√ľ.¬†A. der Hohe Nock. Seit 1976 ist ein Gro√üteil des Sengsengebirges Naturschutzgebiet und seit 1997 in den Nationalpark Kalkalpen integriert.

Der Name l√§sst sich auf die im Mittelalter einsetzende gro√üfl√§chige Nutzung seiner W√§lder durch Sensenschmieden zur√ľckf√ľhren, von denen heute nur wenige erhalten sind. Die Bauern der Region nutzten die herrschaftlichen W√§lder, welche heute gr√∂√ütenteils von den √Ėsterreichischen Bundesforsten bewirtschaftet werden, f√ľr die Herstellung von Holzkohle. Bis ins 19.¬†Jahrhundert diente eine Vielzahl von Bergweiden der Almwirtschaft. Touristisch wurde das Sengsengebirge Anfang des 20.¬†Jahrhunderts erschlossen und bietet vielf√§ltige M√∂glichkeiten f√ľr Wander-, Schneeschuh- und Skitouren sowie einige Kletterrouten.

Geographie

Das Sengsengebirge besitzt eine maximale Ausdehnung zwischen der Steyr im Westen und der Krummen Steyrling im Osten von 20¬†km und von Nord nach S√ľd von 6¬†km; es umfasst eine Gesamtfl√§che von etwa 75¬†km¬≤.

Die Westgrenze bildet das obere Steyrtal bei Klaus an der Pyhrnbahn und St.¬†Pankraz. S√ľdlich der Einm√ľndung des Hinteren Rettenbachs in die Teichl bis zum Haslersgatter 1154¬†m¬†√ľ.¬†A. schlie√üt das Windischgarstner Becken an. Die Krumme Steyrling bis Bodinggraben bildet die Ostgrenze und trennt das Sengsengebirge vom Reichraminger Hintergebirge. Die Nordgrenze verl√§uft von Bodinggraben √ľber den Schie√üplatz Ramsau-Molln bis zur Steyr.

Verwaltungsmäßig befindet sich das Sengsengebirge zur Gänze im Bezirk Kirchdorf. Anteil am Sengsengebirge haben (alphabetisch geordnet) die Gemeinden Molln, Rosenau am Hengstpaß, Roßleithen und St. Pankraz.

Im S√ľden verl√§uft im Steyr- und im Teichtal die Pyhrn Autobahn, und das Sengsengebirge ist √ľber die Anschl√ľsse bei St. Pankraz und Ro√üleithen erschlossen. Parallel zur A9 verl√§uft die Pyhrnpass Stra√üe. In St.¬†Pankraz und Ro√üleithen existieren Haltestellen der Pyhrnbahn. Im Norden befindet sich die Steyrtal Stra√üe und das Gebiet kann √ľber den Talort Molln, wo sich auch das Nationalparkzentrum befindet, erreicht werden.

Geomorphologie

Typisch f√ľr das Sengsengebirge ist die durch den steilen Schichtbau bedingte ausgepr√§gte Kettenform. Die Nordabst√ľrze sind sehr steil, felsig und erreichen Wandh√∂hen von bis zu 600¬†Metern. Die S√ľdh√§nge sind weniger exponiert und teilweise durch sekund√§re Plateaus unterbrochen. Zwischen Spering im Westen und Rohrauer Gr√∂√ütenberg im Osten weist das Gebirge einen gratartigen Charakter auf, der sich erst ab dem Rottalsattel verliert, wo sich das Gebirge zu einem kleinen Plateau weitet. In der breiten Kuppenlandschaft um den Hohen Nock und den Gamsplan (1700¬†m¬†√ľ.¬†A. ‚Äď 1900¬†m¬†√ľ.¬†A.) und in den sch√ľsself√∂rmig s√ľdwestw√§rts absinkenden Karen oder Gruben (1300¬†m¬†√ľ.¬†A. ‚Äď 1500¬†m¬†√ľ.¬†A.) ist eine alpine Karren- und Dolinenlandschaft ausgebildet. Zwischen Rettenbacher H√∂he und Koppenalm bilden die Kn√∂delb√∂den (auch Knodelboden) eine langgezogene Uvala. Die Untergrenze des Karren- und Dolinenph√§nomens kann generell mit rund 1200¬†m¬†√ľ.¬†A. angegeben werden.

Gipfel

Geologie

Tektonisch ist das Sengsengebirge eine m√§chtige, nach Norden gekippte (nordvergente) Antiklinale der Staufen-H√∂llengebirgs-Decke, die zur Tirolischen Deckeneinheit (Tirolikum) geh√∂rt, wobei im S√ľden der Hangendschenkel mit einem Winkel zwischen 30 und 40¬†Grad ansteigt und sich bis zum Sengsengebirgs-Nordrand allm√§hlich in eine saigere bis leicht √ľberkippte Schichtstellung dreht. Unmittelbar n√∂rdlich befindet sich die Grenze zur Reichraminger Decke des Bajuvarikums, welche beim tirolischen Deckenvorsto√ü teilweise √ľberschoben wurde.

In ihrem zentralen Teil besteht die H√∂llengebirgsdecke fast ausschlie√ülich aus Wettersteinkalk, der vom Anisium bis zum fr√ľhen Karnium der Trias vor etwa 247 bis 235¬†Millionen Jahren aufgebaut wurde. Im Gegensatz zum senkrecht stehenden Wettersteinkalk des Nordrands, wo dessen Deckschichten abgeplatzt sind, findet sich am Gebirgsfu√ü im S√ľden teilweise die lithostratigraphisch urspr√ľngliche Abfolge der Schichten wieder. Es sind dies die Lunz-Formation, Opponitz-Formation und Hauptdolomit. Der Hauptdolomit, der vor allem die Reichraminger Decke bildet, lagerte sich w√§hrend des sp√§ten Karniums und des Noriums vor etwa 235 bis 208¬†Millionen Jahren ab.

Ehemalige Vergletscherung

Das Sengsengebirge war w√§hrend der Eiszeiten teilweise vergletschert, wobei das Plateau um den Hohen Nock eisfrei war und die neogene Altlandschaft erhalten blieb. An den Nordflanken bildeten sich jedoch Gletscher, deren N√§hrgebiet wohl unter den steilen Nordabf√§llen zwischen Schillereck, Hochsengs und Seehagelmauer lag und sich nach Osten bis unter den Hohen Nock hin fortzog. Es wird angenommen, dass w√§hrend des Hochglazials dieser ‚ÄěSengsengebirgs-Gletscher‚Äú in einem Westabschnitt sich wenigstens bis in den Talboden von Hopfing erstreckte. Entsprechende Mor√§nenreste finden sich oberhalb der verfallenen Almfl√§che Mistleben, an den Feichtauer Seen sowie auf der Hochfl√§che Feichtau. Die Mor√§nenreste im Hochkar unter dem Hohen Nock geh√∂ren zu einem Ostabschnitt, der in das Bl√∂ttenbachtal nach Osten abfloss. S√ľdseitig d√ľrfte sich ein kleiner Lokalgletschers gebildet haben, der unter dem Schneeberg nahe dem Hohen Nock entsprang, im Kar zur Koppenalm und weiter √ľber das Budergrabenkar gegen den Rettenbach abfloss.

Hydrogeologie

Der tiefgr√ľndig verkarstete Wettersteinkalk entw√§ssert unterirdisch. So befinden sich in den H√∂henlagen keine Seen oder B√§che. Die Entw√§sserung des Karststockes erfolgt vorwiegend nach S√ľden √ľber die zwei Karstriesenquellen von Vorderem Rettenbach (Teufelskirche) mit einer mittleren Sch√ľttung von 1028¬†l/s und Hinterem Rettenbach mit einer mittleren Sch√ľttung von 1100¬†l/s. Das Merkensteinbr√ľndl am Hang des Gamsplan stellt mit 1610¬†m¬†√ľ.¬†A. den h√∂chstgelegenen Quellaustritt des Sengsengebirges dar. Im Sengsengebirge liegen nur wenige kleine Stillgew√§sser, zu erw√§hnen sind die beiden Feichtauer Seen, die auf 1400¬†m¬†√ľ.¬†A. H√∂he n√∂rdlich unterhalb der Seehagelmauer liegen. Der kleinere See besitzt weder Zu- noch Abfluss und ist als Weiher klassifiziert. Der gr√∂√üere der beiden Feichtauer Seen wird von einer auf 1510¬†m¬†√ľ.¬†A. Seeh√∂he austretenden perennierenden Quelle gespeist. Das Wasser der f√ľr die H√∂henlage kr√§ftigen beiden Quell√§ste d√ľrfte aus den Rauhwacken der hier wandbildenden Lunzer Schichten kommen. √Ėstlich der Feichtauer Seen liegt der Herzerlsee, ein Moorsee.

Höhlen

Der gut verkarstungsf√§hige Wettersteinkalk bietet im Zusammenwirken mit dem √ľbrigen Trennfl√§chengef√ľge g√ľnstige Voraussetzungen f√ľr die H√∂hlenbildung. Mit Stand 2019 sind in der Katastergruppe 1651 (Sengsengebirge) des √Ėsterreichischen H√∂hlenverzeichnisses 77¬†H√∂hlen eingetragen. Die meisten H√∂hleneing√§nge liegen zwischen einer H√∂he von 1300¬†m¬†√ľ.¬†A. bis 1600¬†m¬†√ľ.¬†A. Es handelt sich meist um schachtartige H√∂hlen, nur wenige weisen eine ausgepr√§gte Horizontalerstreckung auf. Mit einer vermessenen L√§nge von 31.086¬†m ist die Klarah√∂hle (Kat.Nr.¬†1651/xx) die l√§ngste H√∂hle im Sengsengebirge und die elftl√§ngste H√∂hle √Ėsterreichs. Unterhalb der Rettenbachh√∂hle (Kat.Nr.¬†1651/1), dem sogenannten Teufelsloch, entspringt der Hintere Rettenbach. Bekannt ist ebenfalls die Eiskapelle im Steyreck (Kat.Nr.¬†1651/3). Mit dem Kraterschacht (Kat.Nr.¬†1651/24) befindet sich im Sengsengebirge auch eine bedeutende Eish√∂hle, deren m√§chtige H√∂hleneisvorkommen Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen sind.

Klima

Im Rahmen der Forschungst√§tigkeit im Nationalpark Kalkalpen wurden seit 1993 rund 43¬†Klimastationen eingerichtet. Davon liegen einige im Sengsengebirge, wie die Messstationen auf der Kogleralm (s√ľdseitig) und der Feichtaualm (nordseitig). Die Klimadaten zeigen eine f√ľr die Gebirge der N√∂rdlichen Kalkalpen typische Temperatur- und Niederschlagsverteilung: k√ľhle und niederschlagsreiche Sommer und niederschlagsarme Winter. Die Jahresniederschl√§ge bewegen sich in einer Gr√∂√üenordnung von 1200 bis knapp 2100¬†mm, wobei der Niederschlag kontinuierlich mit der Seeh√∂he zunimmt. Maximalwerte werden im Bereich Rohrauer Gr√∂√ütenberg und Hoher Nock erreicht. In freien h√∂her gelegenen Bereichen dominieren West- und Nordwestwinde, die h√§ufig mit Niederschlag einhergehen. Bedingt durch den oftmaligen Wolkenstau am Kalkalpen-Nordrand f√§llt im Bereich des Hauptkammes √ľber dem Hopfingboden f√ľr die H√∂henlage √ľberdurchschnittlich viel Schnee. Auf der Feichtaualm (1350¬†m¬†√ľ.¬†A.) kann die Schneebedeckung auf eine durchschnittliche Dauer von 174¬†Tagen gesch√§tzt werden. Schneeh√∂hen von drei Metern sind keine Seltenheit. Die S√ľdseite profitiert bei Nordstaulage oftmals von deutlich besserem Wetter und weist auch geringere Niederschlagsmengen als die Nordseite auf. Durch die H√∂hendifferenz von etwa 1500¬†Metern ergeben sich markante Temperaturunterschiede zwischen den Tallagen und den Gipfelregionen des Sengsengebirges. Die durchschnittliche Jahrestemperatur betr√§gt am S√ľdfu√ü etwa 8,6 ‚Äď 10,0¬†¬įC, w√§hrend am Gipfel des Hohen Nock die Jahresdurchschnittstemperatur 1¬†¬įC nicht √ľberschreitet.

Flora und Vegetation

Bei den Waldgesellschaften dominieren an den Flanken des Sengsengebirge Fichten- und Rotbuchenw√§lder. Die Fichte (Picea abies) bildet mit etwa 45¬†% den Hauptteil des Baumbestandes. Ihre breite √∂kologische Potenz hinsichtlich der Boden- und Wasserhaushaltsanspr√ľche erm√∂glicht ihr ein Vorkommen in allen Waldgesellschaften. Sie w√§chst s√ľdseitig auf absch√ľssigen, trockenen Kalkplatten ebenso wie an der Nordseite rund um die Feichtauer Seen.

Die Buche (Fagus sylvatica) ist mit etwa 30¬†% im Gebiet vertreten. Sie bildet vor allem an der Nordabdachung ausgedehnte Bereiche. Die Europ√§ische L√§rche (Larix decidua) pr√§gt die h√∂heren Lagen bis 1500¬†m¬†√ľ.¬†A., wo sie die Waldgrenze bildet. Je nach Standort gibt es auch Wei√ü-Tannen (Abies alba), Waldkiefern (Pinus sylvestris), Gemeine Eschen (Fraxinus excelsior) und Berg-Ahorne (Acer pseudoplatanus).

Die Gesellschaft der Bergkiefer (Pinus mugo) dominiert die H√∂henlagen. An den S√ľdh√§ngen zieht sie in den Gr√§ben bis auf 600¬†m¬†√ľ.¬†A. tief hinunter, wie zum Beispiel im Schr√∂cksteingraben. Andererseits steigt sie bis in die Gipfelregion des Hohen Nock und l√§sst nur extreme Fels- und Windzonen frei. An windexponierten und im Winter teilweise abgeblasenen Lagen bilden sich alpine Rasen, in denen vor allem die Horst-Segge (Carex sempervirens) und das Kalk-Blaugras (Sesleria varia) dominieren. Im Norden des Gro√üen Feichtausee liegt ein kleines Fichtenhochmoor. Im Bereich der Mayralm liegen zwei Moore. Der Eisboden ist ein Versumpfungsmoor, der Vorderanger ein Verlandungsmoor. Im Vorderanger w√§chst das in Ober√∂sterreich sehr seltene Scheuchzers Wollgras (Eriophorum scheuchzeri).

Der Großteil der endemischen Pflanzenarten der Nordostalpen wächst im Sengsengebirge. Als Auswahl seien erwähnt:

  • Krainer Kratzdistel (Cirsium carniolicum)
  • Kerner-Lungenkraut (Pulmonaria kerneri)
  • Anemonen-Schmuckblume (Callianthemum anemonoides)
  • Traunsee-Labkraut (Galium truniacum)
  • √Ėsterreichische Wolfsmilch (Euphorbia austriaca)

Fauna

Das Sengsengebirge ist reich an Wildarten. Rehe (Capreolus capreolus), Rothirsche (Cervus elaphus) und Gämsen (Rupicapra rupicapra) sind in bedeutenden Populationen vorhanden; auch Schneehasen (Lepus timidus) leben im Gebiet. Von den Raubtieren (Carnivora) sind Eurasischer Luchs (Lynx lynx), Stein- (Martes foina) und Baummarder (Martes martes) sowie Rotfuchs (Vulpes vulpes) vorhanden. Der Braunbär (Ursus arctos) konnte seit 2004 nicht mehr nachgewiesen werden. Als Neozoon ist der Waschbär (Procyon lotor) im Sengsengebirge verbreitet.

Alpendohlen (Pyrrhocorax graculus) und Kolkraben (Corvus corax) sind h√§ufig anzutreffen. Mit Alpenschneehuhn (Lagopus muta), Birkhuhn (Lyrurus tetrix), Haselhuhn (Tetrastes bonasia) und Auerhuhn (Tetrao urogallus) sind vier Raufu√ühuhnarten im Gebiet heimisch. Das Sengsengebirge ist mit zwei bis drei Brutpaaren auch Verbreitungsgebiet des Steinadlers (Aquila chrysaetos). F√ľr den Alpensalamander (Salamandra atra) sind die alpinen Matten oberhalb der Baumgrenze von Bedeutung. Von den Reptilienarten sind Kreuzotter (Vipera berus) und Bergeidechse (Zootoca vivipara) weiter verbreitet. In der Rettenbachh√∂hle und in der Klarah√∂hle wurde der H√∂hlenlaufk√§fer Arctaphaenops muellneri nachgewiesen, ein Endemit des Sengsen- und Reichraminger Hintergebirges.

F√ľr viele Tiere der alpinen Regionen bildet das Sengsengebirge zusammen mit dem H√∂llengebirge die Nordgrenze ihrer Verbreitungsareale in Ober√∂sterreich. Dies gilt f√ľr den Alpensalamander ebenso wie f√ľr den Steinadler und die Alpendohle.

Geschichte

Die Bezeichnung Sengsengebirge l√§sst sich von der im Mittelalter einsetzenden gro√üfl√§chigen Nutzung seiner W√§lder durch die Sensenschmieden herleiten. Das Gebirge hie√ü vorher einfach Langer Berg. Im Umkreis entstanden fr√ľher eine Reihe von Sensenbetrieben (Innung in Kirchdorf an der Krems), von denen heute nur sehr wenige erhalten sind. In diesem Zusammenhang ist die Eisenwurzen zu erw√§hnen, wo seit 2500¬†Jahren Eisen verh√ľttet und verarbeitet wird. Die Sensenwerke bezogen die zur Eisenverarbeitung notwendige Holzkohle aus den herrschaftlichen W√§ldern und das Kohlebrennen war ein wichtiger Erwerbszweig der Bauern. Jeder Sensenschmiedemeister hatte daf√ľr gewidmete Waldungen und Bauern, die f√ľr ihn dort Kohle brannten. Vor zweihundert Jahren war etwa jeder vierte Bauer im Krems-, Steyr- und Teichltal ein ‚ÄěKohlbauer‚Äú. In einem Verlassbrief vom Jahr 1748 √ľberlie√ü Franz Anton von Lamberg dem Sensenschmiedmeister an der Rossleithen, Wolf Leopold Schreckenfux, eine Waldung am ‚Äěinneren Grestenberg und Steyreck‚Äú zur Nutzung. Die herrschaftlichen W√§lder waren demnach an die eisenverarbeitenden Betriebe ‚Äěverliehen‚Äú. Die Dauer einer solchen Verpachtung oder ‚ÄěVerlasses‚Äú war oft zeitlich nicht begrenzt.

Im Jahr 1666 erwarb Reichsgraf Johann Maximilian von Lamberg das Gebiet zusammen mit der Herrschaft Steyr von Kaiser Leopold¬†I. In der Folge wurden gro√üe Teile des Gebietes ausschlie√ülich als Jagdrevier und gr√§fliches Leibgehege der Familie Lamberg genutzt. Au√üer der Bewirtschaftung der Almen und der gr√§flichen Jagd war jede Nutzung und Ver√§nderung verboten. Erst nach dem Tod von Franz Emerich von Lamberg wurde das Jagdrevier mehrmals verpachtet. Der bekannteste P√§chter war Franz Ferdinand von √Ėsterreich-Este. Die B√§rnriedlau war einer der wichtigsten St√ľtzpunkte bei den gro√üen herrschaftlichen Jagden. 1901 wurde die H√ľtte revitalisiert und ausgebaut. Reitsteige zur Anreise wurden angelegt.

Im Jahr 1938 verkaufte Vollrath Raimund von Lamberg die gesamten Liegenschaften der Herrschaft Lamberg f√ľr 3,1¬†Millionen Reichsmark an das Deutsche Reich. Mit dem √Ėsterreichischen Staatsvertrag von 1955 ging ehemaliges Deutsches Eigentum und somit auch die Herrschaft Lamberg und der √ľberwiegende Teil des Sengsengebirges in das Eigentum der Republik √Ėsterreich √ľber. Der Rechtsstreit √ľber den R√ľckstellungsantrag des Grafen Lamberg wurde 1961 mit einem Vergleich und der Zahlung von 800.000¬†Schilling an dessen Erbin beendet. Seither wird der gr√∂√üte Teil des Sengsengebirges von den √Ėsterreichischen Bundesforsten bewirtschaftet.

Wilderei

Das wildreiche Sengsengebirge zog sowohl J√§ger als auch Wilderer an. Die Herrschaft in Steyr erlie√ü bereits 1657 Verordnungen zur Ausrottung der heimlichen Wildbretsch√ľtzen. Geld- und Freiheitsstrafen standen an der Tagesordnung. Nicht selten kamen auch Folterinstrumente zum Einsatz. Ab 1677 wurde der h√∂lzerne Esel angewandt. Selten eskalierte jedoch das Zusammentreffen von J√§gern und Wilderern.

So fand am 29. Oktober 1923 auf der Mayralm ein Zusammenstoß zwischen Jägern, Gendarmen und Wilderern statt, wobei der 33 Jahre alte Jäger Vinzenz Hobel und der Wilderer Johann Farnberger, vulgo Sperl Hans, erschossen wurden. Das Jägerkreuz, eine Inschrift auf einem großen Stein, auf der Mayralm erinnert an dieses Ereignis. In St. Pankraz gibt es ein Wilderermuseum.

Almwirtschaft

Eine gro√üe Anzahl von Almen diente der Almwirtschaft, deren Bedeutung bereits im 19.¬†Jahrhundert stark zur√ľckgegangen ist. Flurnamen wie Haidenalm und K√ľhb√∂den deuten auf die seinerzeit gr√∂√üere Verbreitung hin, und zahlreiche Grundmauern verfallener H√ľtten erinnern daran. Im Bereich der Gro√ümulden zwischen 1200¬†m¬†√ľ.¬†A. und 1400¬†m¬†√ľ.¬†A., an der S√ľdseite des Sengsengebirges, bestanden bis 1862 neun Almen: Kaltwasser, Fotzen, Pernkopf, Kogler, Brettstein, B√§rnriedelau, Koppen, Rettenbach-H√ľttstatt, Gyrer (Gierer). Aus Weideakten geht hervor, dass bis 1862 in diesem Gebiet Weiderechte f√ľr 200¬†St√ľck Hornvieh, 220¬†Schafe und 90¬†Gei√üen bestanden haben. Diese Zahlen wurden bei den Regulierungen 1862 allgemein reduziert und 1882 erfolgte die Abl√∂sung von Weiderechten f√ľr mindestens 108¬†St√ľck Hornvieh, 90¬†Schafe und 70¬†Gei√üen. Aufgrund der f√ľr das nat√ľrliche Gleichgewicht zu hohen Viehzahl kam es auf den Almb√∂den zu Degenerationserscheinungen bis hin zur Verkarstung. Die Wasserversorgung wurde zunehmend schwierig und die Auftriebszahlen sanken. Gegenw√§rtig (2018) werden nur noch die Feichtaualm n√∂rdlich des Sengsengebirges und die Mayralm im Osten bewirtschaftet. Das Servitutsrecht f√ľr die Feichtaualm umfasst 95¬†Hektar Weidefl√§che mit einem Auftriebsrecht f√ľr 104 St√ľck Hornvieh. Die Weidefl√§che der Mayralm betr√§gt 15¬†Hektar.

Siedlungen und Landwirtschaft

Im Sengsengebirge sind nur kleinfl√§chige Ansiedlungen angelegt. Dauerhaft bewohnte Siedlungen befinden sich am S√ľdfu√ü des Gebirges. Von West nach Ost sind dies: Pernkopf, Spering, Koppen und Ri√üriegl. Diese Rodungsinseln sind als Siedlungsraum und Weidegebiete die wesentlichen landwirtschaftlichen Betriebsfl√§chen. Im Gebiet Ri√üriegler werden im Bereich der Waldweide Schafe aufgetrieben. Weitere offene Wiesenbereiche befinden sich im S√ľdosten des Gemeindegebietes von St.¬†Pankraz (Rohrauer Fichten, Saubachgut und Rohraugut) und dem Spannriegl im Gemeindegebiet von Ro√üleithen.

Bergsport

Wandern

Touristisch wurde das Sengsengebirge mit der Pachtung der Feichtauh√ľtte durch die Alpenvereinssektion Steyr 1921 erschlossen. Der Hohe Nock entwickelte sich zu einem beliebten Bergziel, w√§hrend die anderen Gipfel kaum besucht wurden. Dies √§nderte sich erst in den 1970er Jahren mit der Errichtung des Sengsengebirgs-H√∂henwegs, wodurch der westliche Abschnitt des Sengsengebirge erschlossen wurde. 1976 wurde zwischen Hochsengs und Gamskogel auf 1583¬†m¬†√ľ.¬†A. das Uwe-Anderle-Biwak (Hochsengs-Biwak) der Sektion Molln-Steyrtal errichtet.

Das markierte und beschilderte Wegenetz im Sengsengebirge wird vom √Ėsterreichischen Alpenverein gewartet. Der Sengsengebirgs-H√∂henweg durchquert das Gebirge von Osten nach Westen. Dieser Weg tr√§gt die Nummer 469 und f√ľhrt √ľber die Gipfel Schillereck, Hochsengs, Gamskogel, Rohrauer Gr√∂√ütenberg und Hoher Nock, wo er seinen h√∂chsten Punkt findet. Anstiege auf das Gebirge gibt es an der Nord- und S√ľdseite. Die bekanntesten sind:

  • Weg 460: Vom Speringbauer zum Sattel Auf der Huttn (Funkstation) unterhalb des Spering
  • Weg 461: Von St. Pankraz √ľber die B√§renriedlau zum Hohen Nock
  • Weg 463: Budergrabensteig, vom Hinteren Rettenbach zum Hohen Nock
  • Weg 465: Vom Klauser Stausee zum Spering
  • Weg 466: Von der Feichtau zum Hohen Nock

Entlang des H√∂henwegs finden sich keine bewirtschafteten St√ľtzpunkte. N√§chtigungsm√∂glichkeiten befinden sich im Biwak bei der Funkstation unterhalb des Spering sowie im Uwe-Anderle-Biwak. N√∂rdlich der Feichtauer Seen befindet sich die Feichtauh√ľtte, eine Selbstversorgerh√ľtte des Alpenvereins. In der N√§he liegt die privat bewirtschaftete Polzh√ľtte. Im Gebiet √∂stlich des Hohen Nock gibt es keine markierten Wege.

Wintersport

Das Sengsengebirge ist auch f√ľr Schneeschuh- und Skitouren geeignet. Bekannte und in den Karten verzeichnete Skitouren sind etwa:

  • Weg 463: Budergrabensteig, vom Hinteren Rettenbach zum Hohen Nock
  • Vom Koppengut √ľber den Brettstein zum Rohrauer Gr√∂√ütenberg
  • Vom Haslersgatter √ľber die Mayralm zum Mayrwipfl

Alpinismus

Im Gegensatz zu anderen spektakul√§reren Gebirgsgruppen setzte die klettertechnische Erschlie√üung erst sp√§t etwa ab 1910 ein. Vor allem Franz Tham und Adam D√∂ppl gelangen in dieser Zeit schwierige Erstbegehungen an der Nordseite des Hohen Nocks. Heute gibt es am Nockpfeiler im Norden und auf der Nockplatte im S√ľden einige Kletterrouten bis zum Schwierigkeitsgrad V.

Naturschutz

1976 wurden die zentralen Teile um den engeren Karststock auf 3400¬†Hektar als Naturschutzgebiet Sengsengebirge ausgewiesen, das 1997 zur G√§nze in den Nationalpark Kalkalpen eingegliedert wurde. Heute ist mit Ausnahme s√ľdlicher und westlicher Randbereiche das gesamte Gebirge Teil des gesch√ľtzten Gebiets. Die Rodungsinsel Rie√üriegl oberhalb des Hinteren Rettenbachtales wird dauerhaft bewohnt und ist vom Nationalpark-Areal ausgenommen. Das Europaschutzgebiet Nationalpark Kalkalpen, 1.¬†Verordnungsabschnitt, etwas gr√∂√üer als der Nationalpark selbst, wurde gem√§√ü FFH- und Vogelschutzrichtlinie als Teil des Netzwerks Natura 2000 nominiert. Weiters erfolgte im Bereich der urspr√ľnglichen Nationalparkfl√§che auch eine Ausweisung als Ramsargebiet.

Mit der Teufelskirche existiert im Sengsengebirge ein einziges Naturdenkmal.

Rezeption

Numismatik und Philatelie

Der Hauptkamm des Sengsengebirges ist auf der 50¬†Euro-Goldm√ľnze ‚ÄěIm tiefsten Wald‚Äú aus der Serie ‚ÄěNaturschatz Alpen‚Äú abgebildet. Sie wurde am 17.¬†Februar 2021 in einer Auflage von 20.000 St√ľck ausgegeben.

Sagen

Der Ursprung der Feichtau-Seen wird in einer Sage erwähnt.

Literatur

  • Amt der O√∂. Landesregierung, Naturschutzabteilung (Hrsg.): Raumeinheit Sengsengebirge (=¬†Natur und Landschaft. Leitbilder f√ľr Ober√∂sterreich. Band¬†15). Linz 2007 (zobodat.at [PDF; 4,3¬†MB; abgerufen am 18.¬†November 2021]).¬†
  • Wolfgang Heitzmann, Otto Harant: Ober√∂sterreichische Voralpen. Ein √ĖAV F√ľhrer durch die Berge s√ľdlich von Linz, Wels uns Steyr. 3. Auflage. Ennsthaler Verlag, Steyr 1996.¬†
  • Josef Lueger, Andreas G√§rtner, Harald Haseke, Roswitha Schrutka, Norbert Steinwender: Atlas der Geologie M¬†1:20.000 des Nationalpark Kalkalpen ‚Äď 1.¬†Verordnungsabschnitt. Hrsg.: Amt der o√∂ Landesregierung, Nationalparkplanung im Verein Nationalpark Kalkalpen. Linz 1994 (kalkalpen.at [PDF; 26,4¬†MB; abgerufen am 7.¬†Januar 2019]).¬†
  • Helene Bachmann: Die submontanen und montanen Waldgesellschaften des Sengsengebirges in Ober√∂sterreich. Hrsg.: Amt der O√∂ Landesregierung, Nationalparkplanung im Verein Nationalpark Kalkalpen. Linz 1990 (kalkalpen.at [PDF; 26,4¬†MB; abgerufen am 7.¬†Januar 2019]).¬†

Weblinks

  • Nationalpark Kalkalpen

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia
 

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Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

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Touren in diesem Gebirge Touren in diesem Gebirge

Bücher und Karten Bücher und Karten


Staaten die sich in dieser Gebirgsgruppe befinden (1):
√Ėsterreich √Ėsterreich

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 47.894708
südlichster Punkt: 47.721427
westlichster Punkt: 14.156914
östlichster Punkt: 14.401188


Das Gebirge hat eine Fläche
von etwa
228 km²

Die Länge der Grenze
beträgt ca.
58 km
 
Sengsengebirge: Große Karte mit den Grenzen und Hütten, Gipfeln sowie Touren der Gebirgsgruppe
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