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Gebirge Lage und Zugehörigkeit

Zugehörigkeit: Europa » Alpen
Untergruppen:
 

Gebirge Informationen zur Gebirgsgruppe: Alpen

Informationen zur Lage und Bezeichnung:


ausführliche Beschreibung:

Die Alpen sind das höchste Hochgebirge im Inneren Europas. Es erstreckt sich in einem 1200 Kilometer langen und zwischen 150 und 250 Kilometer breiten Bogen vom Ligurischen Meer bis zum Pannonischen Becken.

Überblick

Die gesamte Alpenregion nimmt eine FlĂ€che von etwa 200.000 Quadratkilometern ein. Sie dehnt sich etwa 750 km von West nach Ost und ca. 400 km von SĂŒd nach Nord aus und wird vom Rhonetal, dem Schweizer Mittelland, dem Oberlauf der Donau, der Kleinen Ungarischen Tiefebene, der Po-Ebene und dem Golf von Genua umgrenzt.

Der Alpenbogen schließt im SĂŒdwesten am Golf von Genua an den Apennin an, umfasst die Po-Ebene, verzweigt sich zum Französischen und Schweizer Jura und endet fĂ€cherförmig im Osten vor dem westpannonischen Berg- und HĂŒgelland. Im Nordosten an der Donau bei Wien sind die Alpen durch das Wiener Becken von den geologisch verwandten Karpaten getrennt, im SĂŒdosten gehen sie in das stark verkarstete Dinarische Gebirge ĂŒber. Im Norden fallen die Alpen allmĂ€hlich zum österreichischen und deutschen Alpenvorland ab. Im SĂŒden ist der Abfall zur Po-Ebene steiler. Der Gebirgszug, zu dem die Alpen gehören, erstreckt sich vom afrikanischen Atlas bis nach SĂŒdostasien.

Die Gipfelhöhen in den westlichen Gebirgsstöcken liegen meist zwischen 3000 und 4300 Meter ĂŒber dem Meeresspiegel, in den Ostalpen sind die Berge etwas niedriger. Der höchste Gipfel der Alpen ist der Mont Blanc mit 4810 Metern. 128 Berge der Alpen sind Viertausender, etliche Berge mehr oder weniger vergletschert. Die Alpen sind in zahlreiche Gebirgsgruppen und -ketten gegliedert.

Die Alpen bilden im „Herzen Europas“ eine wichtige Klima- und Wasserscheide. Sie trennen den zentralen Mittelmeerraum mit dem Etesienklima vom atlantisch beeinflussten nördlichen Mitteleuropa und stehen am Ostrand unter kontinentalem Einfluss. Auch die EntwĂ€sserung folgt diesen Großrichtungen zu Mittelmeer, Nordsee und Schwarzem Meer.

Der Alpenraum umfasst Gebiete der acht Alpenstaaten Frankreich, Monaco, Italien, Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Österreich und Slowenien. Er bildet den Lebensraum von 13 Millionen Menschen und genießt europĂ€ische Bedeutung als Erholungsraum. Ungarn hat Anteile an Mittelgebirgen, die zu den Alpen gezĂ€hlt werden, beispielsweise an GĂŒnser und Ödenburger Gebirge, wird in der Regel jedoch nicht zum Alpenraum gezĂ€hlt. Seit der FrĂŒhgeschichte stellen AlpentĂ€ler und -pĂ€sse auch wichtige transeuropĂ€ische Verkehrsverbindungen dar.

Wortgeschichte

Die Alpen werden in der Literatur relativ spĂ€t als Gebirge benannt. Erst Hannibals Zug durch die Alpen 218 v. Chr. brachte sie zur Kenntnis. Eine klare Definition gibt Polybios († um 120 v. Chr.), der zuverlĂ€ssige Angaben zu AlpenpĂ€ssen macht. Die Bezeichnungen Alpeis (Singular) und Alpēs (Plural) treten ca. 150 n. Chr. in der griechisch geschriebenen Geographie des PtolemĂ€us auf (z. B. Alpes Poeninae/Summo Poenius fĂŒr Grosser St. Bernhard; siehe auch Peutingersche Tafel). Isidor von Sevilla bestĂ€tigt in Etymologiarum sive originum libri XX, dass die römischen Eroberer das Wort alp mit der Bedeutung ‚hoher Berg, Hochweide‘ von der ligurisch-keltischen Gebirgsbevölkerung ĂŒbernommen haben. Die frĂŒher oft angenommene Verbindung mit dem indogermanischen Farbadjektiv *albÊ°os ‚weiß‘ ist wenig wahrscheinlich.

Im Mittelalter wurde das Wort alp wie auch das lateinische mons gleichermaßen fĂŒr PĂ€sse, Passhöhen, ÜbergĂ€nge und Einzelerhebungen verwendet und dann allmĂ€hlich durch das alemannische berg ersetzt. Davon zeugen noch die Endungen -berg in Passnamen. Ab dem 18. Jahrhundert wird Berg zunehmend fĂŒr einzelne Gipfel und Erhebungen verwendet, und Alpen bezeichnet das ganze Gebirge.Literaturangabe benötigt

Die heutige Wortfamilie ist vielfÀltig:

  • Die ursprĂŒngliche Bedeutung von Alpe ist heute noch im alemannischen Sprachraum lebendig: in Vorarlberg und Tirol als Alpe, in der Schweiz seit dem Mittelalter zu Alp verkĂŒrzt, im SchwĂ€bischen als Alb.
  • Im Bairischen wurde das Wort zu Alm verschliffen und heißt ausschließlich „Bergweide“. In dieser Bedeutung ist das Wort auch hochsprachlich etabliert und ein gleichrangiges Synonym zu Alpe.
  • Reste der Bedeutung „Weide“ finden sich noch vielerorts (und nicht auf die Alpen beschrĂ€nkt) auch in Flurnamen wie Alpe oder Aelpli.
  • Die italienische und rĂ€toromanische Bezeichnung alpina fĂŒr einen Hochwald aus Zirbelkiefer und Legföhre entspricht ebenfalls diesem Konzept, wird aber nicht zur Deutung herangezogen.
  • Als ĂŒbertragener Name taucht Alpen in den Namen weiterer Gebirge auf, z. B. Apuanische Alpen, Australische Alpen, Japanische Alpen, NeuseelĂ€ndische Alpen.
  • Alpin bedeutet auch allgemein „gebirgig“, z. B. alpine Stufe (eine Hochgebirgsstufe), oder steht synonym fĂŒr „Berg-“, z. B. alpines Klettern, Ski alpin.
  • Alpid bezeichnet eine erdgeschichtliche Gebirgsbildungsphase. Der alpidische GebirgsgĂŒrtel erstreckt sich von Europa bis Ostasien.

Gliederung

Versuche zur Gliederung der Alpen wurden seit Jahrhunderten auf verschiedenen Grundlagen unternommen. Grundlage solcher Gliederungen sind kulturelle und humangeografische Merkmale oder natĂŒrliche Bestandteile und Strukturen wie Orografie, Geomorphologie, Geologie, Hydrologie, Klima oder Flora und Fauna. Diese Gliederungssysteme haben zu kleinrĂ€umigen Gliederungen gefĂŒhrt, die in ihrer Vielfalt kaum zu ĂŒberblicken sind und zahlreiche, lokal und regional unterschiedliche Bezeichnungen umfassen, die sich zum Teil ĂŒberschneiden und widersprechen.

Im Laufe der Zeit haben sich vor allem in Bezug auf die geografische Gliederung des Gesamtgebirges zwei Systeme herausgebildet, die sich nur teilweise miteinander vereinbaren lassen und weiten Raum fĂŒr grundlegende MissverstĂ€ndnisse offenlassen. Eine wesentliche Gemeinsamkeit beider Systeme ist allerdings die Dreiteilung entlang der gesamten Alpenkette in einen zentralen Teil sowie einen am Bogen Ă€ußeren (im Norden und Westen) und inneren Teil (SĂŒden).

Zweiteilung der Alpen

In Österreich, SĂŒdtirol und Deutschland werden die Alpen in die Haupteinheiten West- und Ostalpen unterteilt. Diese Gliederung greift die geologischen und die davon abgeleiteten geomorphologischen Unterschiede auf, die sich im Übergang von der Schweiz zu Österreich etwa an der Linie Alpenrheintal – Comer See vor allem in Bezug auf die nördliche HĂ€lfte der Alpenkette ergeben. Verbreitet ist diese Zweiteilung sowohl im wissenschaftlichen und legislativen Kontext wie auch in der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (Moriggl 1924, Rev. 1984), oder der SOIUSA (Suddivisione Orografica Internazionale Unificata del Sistema Alpino, Marazzi 2005)

Dreiteilung der Alpen

In Italien und Frankreich gibt es eine traditionelle einheitliche Dreigliederung der Alpen in West-, Zentral- und Ostalpen, die Partizione delle Alpi (1924), die weniger auf geologischen Kriterien, sondern auf historischer geografischer Übereinkunft beruht. Nach der in Frankreich und Italien angewandten geografischen Gliederung beginnen die Westalpen am Mittelmeer und reichen bis zur Linie Aostatal – Mont Blanc, die Zentralalpen liegen zwischen Aostatal / Mont Blanc und Brennerpass und die Ostalpen ziehen vom Brennerpass bis nach Slowenien.

Diese Dreiteilung findet sich auch in der Einteilung der Schweizer Alpen nach SAC, die die Zentralalpen in diesem Sinne großteils abdeckt.

Andere Gliederungen

Genauso vielfÀltig sind die Gliederungen, die auf Klima, Vegetation oder die Besiedelung der Alpen eingehen:

  • von außen nach innen drei Regionen: Alpenvorland, Voralpen und inneralpine Region
  • die topografische Grobgliederung in mittelgebirgige Randzonen und die Hochalpen mit Gipfelhöhen ĂŒber 1500 m
  • die biogeografisch definierten HöhengĂŒrtel der Alpen: die alpinen Tallagen einschließlich der HĂŒgellandstufe (bis etwa 700–900 m), die Gebirgsstufe bis zur oberen Waldgrenze (1500–2000 m), die Hochgebirgsstufe oder Alpinstufe bis zur Schneegrenze (2000–3100 m) und darĂŒber in die Nivalstufe mit den Gletscherregionen.

GebirgszĂŒge und Gebirgsgruppen

Ostalpen

Die Ostalpen erstrecken sich von schweizerischem Gebiet ĂŒber ganz Österreich (von Vorarlberg bis zum Burgenland) und italienische Alpenprovinzen (von der Provinz Sondrio ĂŒber das Trentino und SĂŒdtirol bis Friaul) bis nach Slowenien. Die Alpengebiete Deutschlands und das Staatsgebiet Liechtensteins gehören zu den Ostalpen. Höchster Gipfel der Ostalpen und ihr einziger Viertausender ist der Piz Bernina (4049 m) im Schweizer Kanton GraubĂŒnden.

Sie werden durch die großen LĂ€ngstalfurchen in drei Einheiten zerlegt:

  • Die Nordalpen teilen sich in Subalpine Molasse, Flyschzone, Nördliche Kalkalpen, Schieferalpen und Grauwackenzone. Nördlich schließt das bayerische und österreichische Alpenvorland an. Vorherrschend ist hier der Kontrast zwischen den gerundeten Formen der Sandsteine gegen die schroffen WĂ€nde der Kalkalpen.
  • Die Zentralalpen sind reich an Quellen, BĂ€chen und Karseen, im Westen gibt es mehrere Gletscher. Sie bestehen aus Granit, Gneis und Glimmerschiefer und bilden deshalb weitspannige Berggewölbe mit ĂŒberwiegend gerundeten Formen.
  • In den SĂŒdalpen bilden die SĂŒdlichen Kalkalpen den Hauptteil, mit schroffen Zinnen, TĂŒrmen und Stöcken. Das tief zerschnittene Bozener Porphyrplateau geht im Norden in die kristallinen Sarntaler Alpen ĂŒber. Im SĂŒden verlĂ€uft nur eine schmale Voralpenzone und bildet mit dem sĂŒdlichen Alpenvorland den Übergang zur Poebene.

Westalpen

Die Westalpen sind der Teil der Alpen, der westlich der Linie Bodensee – Rhein – SplĂŒgenpass – Comer See liegt. Sie schließen nördlich des Golfs von Genua an den Apennin an und umfassen in weitem Bogen nach Westen die Po-Ebene.

Folgende LĂ€nder haben Anteil an den Westalpen:

  • Monaco
  • Frankreich. Höchster Berg Frankreichs und der Alpen ist der Mont Blanc (4810 m).
  • Italien. Als höchster Berg Italiens gilt gemeinhin der Mont Blanc de Courmayeur (4748 m), ein Nebengipfel des Mont Blanc. Aus italienischer Sicht verlĂ€uft die Grenze allerdings ĂŒber den Hauptgipfel (vgl. Grenzverlauf auf dem Mont Blanc).
  • Schweiz. Höchster Berg der Schweiz ist die Dufourspitze (4634 m) im Monte-Rosa-Massiv der Walliser Alpen.

Die Westalpen sind höher als die Ostalpen, ihre zentrale Kette ist kĂŒrzer und stark gebogen. Die Westalpen weisen 81 Viertausender auf (laut Definition der UIAA). Hier finden sich auch die höchsten PĂ€sse der Alpen, unter ihnen der Col de l’Iseran in Savoyen, mit 2764 m der höchste Alpenpass.

Einheiten der Westalpen

Eine Reihe kristalliner Zentralmassive wird durch im Streichen des Gebirges teils langanhaltende TĂ€ler mehr oder weniger scharf von einer Gneiszone im SĂŒden sowie einer Kalkzone im Westen und Norden abgetrennt. Ebenso wie in den Ostalpen lĂ€sst sich somit eine grobe Dreigliederung der Westalpen in Nord-SĂŒd- oder Nordwest-SĂŒdost-Richtung vornehmen. Nach Westen und Norden bildet eine Kalkzone schroffe WĂ€nde und Zinnen gegen das jeweilige Vorland. Die Kette der voneinander isolierten Zentralmassive weist die höchsten Berge der Alpen auf, hier sind weite Berggewölbe und hohe Stöcke von oft bizarrer Form ausgebildet. Aufgrund ihrer Höhe sind viele Massive vergletschert, mit dem Aletschgletscher in den Berner Alpen ist hier der lĂ€ngste Gletscher der Alpen. Die Gebirge der Gneiszone fallen mit großen Höhenunterschieden zur Po-Ebene ab. Nach Norden fallen die zentralen Westalpen zum Schweizer Mittelland ab, im Westen sinken die provencalischen Ketten unter die jungen Ablagerungen des RhĂŽnetals.

Folgende Großeinheiten der Westalpen lassen sich unterscheiden:

In der Schweiz werden die im Landesgebiet liegenden Alpen auch in Alpennordflanke, westliche und östliche Zentralalpen sowie die im Tessin liegenden SĂŒdalpen unterteilt (→ Schweizer Alpen).

Geologie

Die Alpen sind ein geologisch junges Faltengebirge mit entsprechend charakteristischem Deckenbau.

Geologische Großeinheiten

Im Laufe der geologischen Erforschung hat sich eine Einteilung der Alpen in mehrere Großeinheiten eingebĂŒrgert, welche sich durch jeweils eigene Gesteinsabfolgen und Herkunftsgebiete auszeichnen. Von Norden nach SĂŒden werden folgende Einheiten unterschieden:

Die großen Einheiten werden in eine Vielzahl von Untereinheiten gegliedert. Die geologischen Zuordnungen weichen mancherorts von den primĂ€r orographischen Gebirgsgruppen ab, da die großen LĂ€ngstalzĂŒge der Alpen zwar vorrangig den Gesteinsgrenzen oder den tektonischen Bruch- und Verwerfungslinien folgen, aber stellenweise diese Zonen auch durchschneiden.

Entstehung der Alpen

Die geologische Auffaltung der Alpen als mehrstufiger Prozess begann vor etwa 135 Millionen Jahren an der Wende von der Jura- zur Kreidezeit, hatte die letzte wichtige Phase vor etwa 30 bis 35 Millionen Jahren im TertiĂ€r, hĂ€lt aber in abgemilderter Form noch weiter an. Aus plattentektonischer Sicht gehören die Alpen zu den jungen Deckengebirgen der alpidischen Gebirgsbildung, zu denen auch der Kaukasus und der Himalaya gezĂ€hlt werden. Die intensive geologische Forschung des vergangenen Jahrhunderts fĂŒhrte zur Vorstellung einer Einengung eines ehemals ĂŒber 1000 km breiten Ozeans mit KontinentalrĂ€ndern, Tiefseebecken und mittelozeanischem RĂŒcken auf die weniger als 100 km Breite der heutigen Alpen.

Plattentektonische AblÀufe

Im Mittelmeerraum kann die Gebirgsbildung auf die stetige Öffnung des Atlantiks zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Dadurch wurde der afrikanische Kontinent aus Pangaea herausgebrochen und in einer Drehbewegung gegen Europa gedrĂŒckt. Dazwischen befand sich die Adriatische Platte, die von zwei Ozeanarmen, die vom Atlantik bis zur Tethys reichten, umschlossen wurde. Am SĂŒdrand der kontinentalen Kruste Europas entstanden die Gesteine des Helvetikums. SĂŒdlich davon entstanden das Nord- und Mittelpenninikum im nördlichen der beiden Meeresarme um die Adriatische Platte. Noch weiter sĂŒdlich davon befand sich die Adriatische Platte mit dem Ost- und SĂŒdalpin.

Mit der Öffnung des Nordatlantik im mittleren Dogger nach palĂ€omagnetischen Daten vor etwa 170 Millionen Jahren begann in der Paratethys nördlich der adriatischen Platte die Bildung des SĂŒdpenninikums aus ozeanischer Kruste. Zur selben Zeit fanden im Ablagerungsbereich des Ostalpins die ersten gebirgsbildenden Prozesse statt, die schließlich zur Stapelung der oberostalpinen Decken fĂŒhrten. WĂ€hrend der Kreide setzte sich durch die Öffnung des SĂŒdatlantiks (vor etwa 125 Millionen Jahren) die Subduktion und Akkretion des SĂŒdpenninikums an das Ostalpin in Gang (Altalpidische Gebirgsbildung oder Eoalpine Orogonese genannt). Der penninische Ozean begann sich durch diese Prozesse wieder zu schließen.

Ab dem EozĂ€n vor etwa 53 Millionen Jahren fĂŒhrte Afrika eine direkt nordgerichtete Bewegung aus und trieb so die adriatische Platte wie einen Sporn in den sĂŒdlichen Bereich von Europa hinein. Die Kollision und damit die erste große kompressive Gebirgsbildungsphase dauerte nur etwa 5 Millionen Jahre vom ObereozĂ€n bis zum UnteroligozĂ€n (Jungalpidische Gebirgsbildung oder pyrenĂ€ische Phase). Dabei wurde das Ost- und SĂŒdalpin auf das Mittelpenninikum ĂŒberschoben, und Bereiche verdĂŒnnter Kruste wurden unterschoben. Mit der weiteren Kollision wurden das Nordpenninikum und schließlich das Helvetikum ĂŒberfahren, bis die Struktur des alpinen DeckengebĂ€udes im PliozĂ€n vollendet war. Diese Einengung fĂŒhrte mit Überschiebungsweiten von mehreren hundert Kilometern zum heutigen Deckenbau der Alpen. Im Maximum der alpidischen Orogenese wuchs das Gebirge um etwa 5 mm pro Jahr in die Höhe. Sie ist auch heute noch nicht zum Stillstand gekommen, da die Kontinentalplatten sich weiterhin mit etwa 5 cm pro Jahr aufeinander zubewegen.

Sedimentationsgeschichte

Im PalĂ€ozoikum entstand durch die Bildung von Pangaea ein gefalteter Sockel aus Graniten, Gneisen und anderen Gesteinsarten; zum Teil wurden diese in den Alpenfaltungen spĂ€ter wieder mit in die gebirgsbildenden Prozesse einbezogen. Seit der Trias brach der Superkontinent auseinander, und an den KontinentalrĂ€ndern der Adriatischen Platte im SĂŒden und der europĂ€ischen Platte im Norden begann eine marine Sedimentation. In der Untertrias entstanden im Ablagerungsraum der Ostalpen am Nord- und Ostrand der Adriatischen Platte salzfĂŒhrende Schichten (Werfener Schichten), die auf arides Klima schließen lassen. Im weiteren Verlauf der Trias lagerten sich hier die Kalksteine der ostalpinen Decken ab (Alpine Trias), die im Wesentlichen die heutigen Kalkalpen ausmachen. Im Gebiet der spĂ€teren helvetischen Decken wurden am SĂŒdrand der europĂ€ischen Platte in dieser Zeit vor allem Sand- und Tonsteine abgelagert (Germanische Trias).

In der Jura- und Kreidezeit kamen im Raum der Tethys an den RĂ€ndern des europĂ€ischen Kontinents und der Adriatischen Platte vielfach Kalke und Dolomite zur Ablagerung. In den sich dazwischen bildenden MeeresrĂ€umen kam es zur Bildung von tonigen Tiefseesedimenten, die mit untermeerischem Vulkanismus vergesellschaftet waren. Die SedimentmĂ€chtigkeiten aus dieser Zeit sind sehr unterschiedlich und wechselten oft abrupt ĂŒber kurze Entfernungen. Nach dem Beginn der Subduktion des Mittelpenninikums unter das Ostalpin begann vor dem Akkretionskeil die Bildung von Flysch. Auf dem RĂŒcken des nach Norden wandernden Deckenstapels drang das „Gosaumeer“ in Becken der entstehenden Ostalpen ein und lagerte fossilreiche Mergel und Sandsteine der Gosauschichten (Kreidezeit) ab.

Mit dem Einsetzen der Kollision mit dem europĂ€ischen Kontinent und der darauf folgenden vollstĂ€ndigen Heraushebung des Gebirgskörpers ĂŒber den Meeresspiegel unterlagen Teile davon verstĂ€rkt der Abtragung. Eine Sedimentation fand nur noch in den vorgelagerten Randzonen statt. Hier entstanden weiterhin Flyschablagerungen (Kreide – AlttertiĂ€r), die im weiteren Verlauf in zunehmendem Maße vom Gebirgskörper ĂŒberfahren wurden. Nach der Ausbildung eines nur noch schmalen Randmeeres ging die Flyschsedimentation in die Ablagerung der Molasse ĂŒber, tonig-sandige Sedimente aus dem Alpenkörper, die spĂ€ter vom Flysch randlich ĂŒberschoben und zum Teil in Faltung mit einbezogen werden.

Anhaltende Hebung und Ausformung

Zum Hochgebirge wurden die Alpen durch Hebung des gefalteten Gebirgskörpers, die bis in die Gegenwart anhĂ€lt. Durch den isostatischen Ausgleich in der Kruste hob sich das Gebirge, dessen Erosion ab dem Unter-OligozĂ€n das nördlich gelegene Molassebecken fĂŒllte. Der gebirgsbildende Druck dauert bis heute an, der Wuchs in die Höhe betrĂ€gt jedoch nur etwa 1 mm pro Jahr. Horizontale Erdkrustenbewegungen können jedoch regional etwas grĂ¶ĂŸer sein, etwa in Bebengebieten.

Die heutige Gebirgsform erhielten die Alpen durch Erosion, vor allem durch die abtragende TÀtigkeit der Gletscher wÀhrend der Glaziale des andauernden Eiszeitalters.

Das erdgeschichtlich jugendliche Alter der Alpen wird sichtbar an den schroffen FelswĂ€nden, den scharfen Graten und an den tiefen und steilen TĂ€lern mit unausgeglichenem GefĂ€lle. Das Wechselspiel von Hebung und Abtragung (durch Gletscher, FlĂŒsse, Frost, Sonne) mit der Lagerung und WiderstandsfĂ€higkeit der Schichten formt bis heute die Alpen. Durch die Modellierung (modellierende Überformung) in den Kaltzeiten prĂ€gten die Gletscher das Bild und schufen neue OberflĂ€chenstrukturen, wie Grate und Kare durch periglaziale Verwitterungen und Glazialerosion; nach ZurĂŒckweichen des Eises bildeten sich Seen und EndmorĂ€nen.

GesteinsabhÀngige OberflÀchenformen

Die OberflĂ€chenform und andere geomorphologische Gegebenheiten sind von den Gesteinen der jeweiligen Gebirgseinheiten abhĂ€ngig. Im Kalk entstehen Karsterscheinungen. WasserundurchlĂ€ssiger Dolomit ist stark zertalt, mit brĂŒchigen Felsbildungen und Schutthalden aus feinem Grus. In den harten Gneisen und Granitgneisen bildet sich wegen der großen AbstĂ€nde der KlĂŒftung bei der Verwitterung meist grobes Blockwerk, das ausgedehnte Blockschutthalden bilden kann. Aufgrund der fĂŒr Granit charakteristischen Wollsackverwitterung sind an vielen Stellen bizarre Felsbildungen zu beobachten.

Die Schichtenfolge der Gesteinseinheiten bedingt das Auftreten weiterer geomorphologischer Erscheinungen. An der Basis der mĂ€chtigen Kalkabfolgen wie etwa der der Nördlichen Kalkalpen und der helvetischen Gebirge befinden sich oft Quellhorizonte (Karstquellen) ĂŒber undurchlĂ€ssigen Schiefern. Auch Bereiche mit undurchlĂ€ssigen Glimmerschiefern unter Granit und Gneis mit ihren meist großen, gut wasserdurchlĂ€ssigen Spalten sind reich an Quellen, BĂ€chen und Karseen. Die in den Nördlichen Kalkalpen vorhandenen Salz- und Gipslager machen sich in der OberflĂ€chengestaltung Ă€hnlich wie bei Kalkgesteinen durch KarstphĂ€nomene bemerkbar.

Klima

Merkmale

Die Alpen sind eine der wichtigsten Klimascheiden Europas und trennen die atlantische Klimaprovinz, die pannonische Klimaprovinz und das mediterrane Klima. Generell sind die Alpen aufgrund des starken Reliefs durch ein sehr kleinrÀumiges Klima und Wettergeschehen ausgezeichnet.

Die wichtigsten klimatischen EinflĂŒsse sind Westwinde mit milden, feuchten Luftmassen vom Atlantik, kalte Polarluft von Norden, trockene kontinentale Luftmassen aus Osten (kalt im Winter, heiß im Sommer) und warme mediterrane Luft von SĂŒden, die jeweils typische Staulagen ausbilden.

Besondere Winde sind der Föhn, ein warmer Fallwind, primĂ€r bei einer SĂŒdstaulage als SĂŒdföhn, seltener auch in der anderen Richtung als Nordföhn, sowie der Mistral Frankreichs.

Die direkte Sonneneinstrahlung ist aufgrund der geringeren Dichte der AtmosphÀre in den Höhenlagen höher, zugleich die diffuse Strahlung geringer. Das erhöht den Unterschied zwischen sonn- und schattseitigen HÀngen.

Klimaregionen

  • Weite Teile der Nordalpen Ă€hneln in ihrem thermischen Jahresgang dem angrenzenden Flachland, mit Ausnahme der Abnahme der mittleren Jahrestemperatur (um 0,50 bis 0,65 °C je 100 m Höhenzunahme). Die Niederschlagsmaxima werden im Sommer erreicht. Die den Westwinden ausgesetzten Randzonen der Alpen erhalten vielfach 2000 bis 3000 mm Niederschlag pro Jahr (MitteleuropĂ€isches Übergangsklima).
  • Die sĂŒdlichen Alpenteile sind vom mediterranen Klima beeinflusst. Dies fĂŒhrt im Vergleich zu Mitteleuropa zu milden Wintern und heißen Sommern und zu einer Verlagerung der Niederschlagsmaxima Richtung FrĂŒhjahr und Sommer; mit den charakteristischen, nur bei Starkregenereignissen wasserfĂŒhrenden TrockenflusstĂ€lern (Torrentes der Italienischen Tiefebene) und ausgeprĂ€gter Schluchtenbildung (Gorges SĂŒdfrankreichs, Sočatal mit 2500 m Profil).
  • Der Ostrand der Alpen hat sommertrockenes kontinental-pannonisches Weinbauklima, gegen SĂŒden zunehmend wieder feuchter (Illyrische Klimaprovinz)
  • Die inneralpinen TĂ€ler und Becken (Wallis, Vinschgau, KĂ€rnten) liegen im Regenschatten und sind daher trocken (oft unter 800 mm pro Jahr). Im Winter stellt sich besonders in Beckenlagen (Lungau, Klagenfurter Becken) die Temperaturumkehr ein (Inversionswetterlage): in tiefen Lagen bilden sich durch Windstille Kaltluftseen, so dass es hier kĂ€lter ist als in mittleren Höhenlagen.

Folgen der globalen ErwÀrmung in den Alpen

Aufgrund des Klimawandels schmelzen die Gletscher drastisch ab. Klimaschwankungen sind nicht unbekannt, und Gletscher sind ein Klimaarchiv. Gletscher ziehen sich heute schneller zurĂŒck, als es frĂŒher der Fall war. Laut Messungen verloren die Gletscher seit Beginn der Industrialisierung bis 1980 ein Drittel ihrer FlĂ€che und die HĂ€lfte ihrer Masse. Seit 1980 sind zusĂ€tzliche 20 bis 30 Prozent des Eisvolumens abgetaut (siehe Gletscherschwund seit 1850). Auch Schneehöhen und Schneebedeckung gehen tendenziell zurĂŒck, besonders auf der AlpensĂŒdseite.

Zentrale Aspekte, die mit dem PhÀnomen Klimawandel in Zusammenhang gebracht werden, sind:

Auftauen des Permafrosts, höhere Niederschlagsmengen

VordergrĂŒndig ist zwar die auffallende Gletscherschmelze, die durch Abschmelzen von Gletschern und Schneefeldern Felsen weniger abstĂŒtzt. Bei der Destabilisierung des Bodens spielen aber zwei andere Punkte eine wesentlichere Rolle. Zum einen kommt es durch erhöhte Niederschlagsneigungen vermehrt zu einem Aufschwimmen von Erdschichten und vermehrt zu Erdrutschen unterhalb der Permafrostgrenze, zum anderen verlagert sich die Permafrostgrenze in höhere Bergregionen. Ehemalige durch den Dauerfrost stabilisierte Gebiete werden nun dem Wechsel von gefrierendem und wiederauftauendem Eis ausgesetzt und dadurch destabilisiert, zum einen weil Eis als Kitt entfĂ€llt, zum anderen weil durch die Anomalie des Wassers bei Gefrieren der Fels zertrieben wird.

In Gefahr sind zahlreiche Dörfer durch FelsstĂŒrze, Schutt- und Gerölllawinen, aber auch Straßen und Wanderwege. Mit Hilfe von SchutzdĂ€mmen können TĂ€ler und Infrastruktur geschĂŒtzt werden.

Rolle fĂŒr den Wasserhaushalt

Gletscher reduzieren mikroklimatisch durch ihr Reflexionsvermögen die Temperatur. Sie fördern damit den Austritt von Luftfeuchtigkeit durch Schneefall. FĂŒr die Wasserbilanz großer FlĂŒsse spielen sie dagegen so gut wie keine Rolle. Gletscher sind zum einen nur Wasserspeicher (es entsteht in ihnen kein Wasser, eher im Gegenteil: sie verdunsten verglichen mit BĂ€chen und FlĂŒssen erhebliche Mengen an Wasser), zum anderen sind die spezifischen Wassermengen (Wasser pro Zeiteinheit) trotz ihrer gewaltigen GrĂ¶ĂŸe gering, da die Speicherzeiten ebenso gewaltig sind.

Verlust der Artenvielfalt

Es wird heute davon ausgegangen, dass die KlimaverĂ€nderung bewirkt, dass viele Pflanzenarten in höhere Lagen umsiedeln. Da pro 100 m Höhendifferenz ein Temperaturunterschied von 0,6 K besteht und die Temperatur in den Alpen in den letzten hundert Jahren um durchschnittlich 1,5 K zugenommen hat, mĂŒsste rein rechnerisch deswegen eine Höhenverlagerung um rund 20 bis 25 m pro Jahrzehnt nachweisbar sein. Nach Untersuchungen im Jahre 1994 liegt diese aber bei rund 4 m pro Jahrzehnt, neuere Untersuchungen von 2005 sprechen dagegen von 28±14 m pro Jahrzehnt.

UnberĂŒcksichtigt bleibt bei dieser Rechnung, dass hochalpine Pflanzen sich an eine Vielzahl von Bedingungen angepasst haben, von denen die Temperatur zwar eine offensichtliche, aber nur eine von vielen Bedingungen ist. Ebenso zĂ€hlen UV-Einstrahlung, Wind, Wassermangel, Bodenbeschaffenheit, Nahrungs- und Lichtkonkurrenten. Insbesondere die Konkurrenzsituation spielt eine große Rolle: Die hochalpinen Pflanzen wachsen in den meisten FĂ€llen nicht deswegen in diesen unwirtlichen Regionen, weil sie mit besseren Bedingungen nicht zurechtkĂ€men, sondern weil Gebiete mit besseren Bedingungen schon von anderen Pflanzen besetzt sind. Solange diese Konkurrenten nicht nachrĂŒcken, werden die hochalpinen GewĂ€chse ihre Standorte nicht freiwillig verlassen. Langfristig wird es aber zu einem NachrĂŒcken kommen, dieser Vorgang ist aber zum Teil an sehr langsame Prozesse (z. B. Bodenbildungsprozesse) gebunden, so dass er erst nach Jahrhunderten und teilweise Jahrtausenden abgeschlossen sein wird.

Heute leben deswegen mehr Arten in höheren Lagen, als dies noch vor 100 Jahren der Fall war. Diesem 'AufrĂŒcken' ist aber mit der reinen Gipfelhöhe eine Grenze gesetzt. Im Moment sind aber keine Hinweise gegeben, dass die vorhandenen Pflanzen von den 'AufrĂŒckern' verdrĂ€ngt werden, da sie als Pioniere bei den starken Erosionen der Berggipfel eine solide ökologische Nische besetzen.

Einige Wissenschaftler schÀtzen dennoch, dass ein Viertel der 400 endemischen Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind, weil es letztendlich zu einer VerdrÀngung in den LebensrÀumen kommen wird. Die Temperaturproblematik ist allerdings nur eine, Erosion durch Tourismus und BautÀtigkeiten eine weitere.

Biogeografie

Die Alpen sind ein interzonales Gebirge, sie liegen zwischen dem Zonobiom VI (Winterkalte Gebirge mit laubwerfenden WĂ€ldern) im Norden und dem Zonobiom IV (mediterranes Zonobiom) im SĂŒden. Daher unterscheiden sich die Nord- und SĂŒdseite recht stark. Hinzu kommt die stark kontinental geprĂ€gte Vegetation der inneralpinen TĂ€ler. In den Alpen reicht die colline Höhenstufe bis etwa 400 m, die submontane Stufe von 400 bis 700 m. Neben der Exposition und der Höhenlage spielt auch die Bodenbeschaffenheit eine entscheidende Rolle fĂŒr die AusprĂ€gung der Vegetation. Hier sind vor allem verschiedene Kalk- und Silikatstandorte zu nennen. Hinzu kommen Faktoren wie die Dauer der Schneebedeckung und die Wasserversorgung.

In der Systematik der Biogeographischen Regionen der EuropÀischen Union (92/43/EEC) stellt die Alpine Region eine eigenstÀndige Einheit dar.

Flora

In den Alpen haben etwa 650 BlĂŒtenpflanzenarten ihren Verbreitungsschwerpunkt, insgesamt kommen im Alpenraum rund 4500 Arten vor.

Die Alpenflora enthĂ€lt viele arktisch-alpine Elemente, etwa den Steinbrech Saxifraga aizoon. Sie sind Relikte der ausgehenden letzten Kaltzeit, als in Mitteleuropa Tundren herrschten. Es bestehen auch Verbindungen zu den nordasiatischen Gebirgen (beispielsweise Gentiana verna). Die Alpenflora enthĂ€lt – bedingt durch die Vergletscherung – relativ wenige endemische Arten, lediglich in den eisfrei gebliebenen SĂŒdalpen sind Endemiten hĂ€ufiger.

Auffallend ist in den Alpen der Unterschied in der Artenzusammensetzung zwischen Kalkalpen und den silikatischen Gesteinen. Darauf hat bereits Franz Unger 1836 hingewiesen. Ursache ist neben dem unterschiedlichen Bodenchemismus die Tatsache, dass Kalkböden wĂ€rmer und trockener sind. Vielfach sind Gattungen durch nahe verwandte Arten vertreten (ökologische Vikarianz). Als Beispiel seien neben den bereits erwĂ€hnten Rhododendren erwĂ€hnt (Kalk – Silikat): die Farne Asplenium ruta-muraria und A. septentrionale; die Polsterpflanzen Sedum album und S. annuum; die Polster-Segge (Carex firma) und die Krumm-Segge (C. curvula).

Die Vegetation ist somit abhÀngig von den jeweils vorherrschenden Gesteinen, die verschiedenen Einheiten tragen eine jeweils typische regionale Vegetation. In den Ostalpen sind die Nordalpen vorwiegend von FichtenmischwÀldern bedeckt; in den Zentralalpen finden sich ausgedehnte Bergmatten, LÀrchen- und FichtenwÀlder.

Typischerweise mit den Alpen identifizierte Pflanzenarten sind oft Arten mit auffĂ€lligen BlĂŒten: allen voran das Alpen-Edelweiß (Leontopodium alpinum), die Rhododendren und die blauen Enzian-Arten (Gentiana spp.).

Montane Stufe

In der montanen Waldstufe ergibt sich folgende Stufenfolge der dominierenden Baumarten:

  • Helvetische Höhenstufenfolge: Im gemĂ€ĂŸigt mitteleuropĂ€ischen Klima am Nordrand ist die Reihenfolge von unten nach oben: Eiche – Rotbuche – Fichte.
  • Penninische Höhenstufenfolge: In den kontinental trockenen InnentĂ€lern der Zentralalpen ist die Reihenfolge Kiefer – Fichte – Arve/LĂ€rche. Hier liegt die Waldgrenze 400 bis 600 m höher als am Alpenrand.
  • Insubrische Höhenstufenfolge: Am submediterranen SĂŒdrand ist die Abfolge immergrĂŒne Stein-Eiche – Kastanie/Flaum-Eiche – Stiel-Eiche – Rotbuche.

Die obere Waldgrenze ist heute weitgehend vom Menschen bestimmt und variiert stark (1400 bis 2000 m). Die seit Jahrhunderten bestehende Almwirtschaft hat die Waldgrenze nach unten gedrĂŒckt.

FĂŒr die montane Waldstufe sind außerdem folgende Bezeichnungen eingefĂŒhrt:

  • unterster bewaldeter Teil (J. G. Sulzer 1745)
  • Waldgebirge (Albrecht Penck 1896)
  • Voralpen (Johann Gottfried Ebel 1808)

Subalpine Stufe

Die subalpine Stufe (bis etwa 1900–2200 m) bildet den Übergang (Ökoton) von der Waldstufe zur baumlosen alpinen Stufe. Sie ist durch eine Strauchstufe gekennzeichnet. An trockenen Standorten, wie sie auf Karbonatgestein aber auch auf Silikat-Blockwerk vorherrschen, ist dies die Latschen-Kiefer (Pinus mugo), auf lehmigen Böden, die in Silikatgebieten großflĂ€chig auftreten, die GrĂŒn-Erle. Beide werden hier bis etwa mannshoch. In Lawinenrinnen steigen beide Arten auch wesentlich tiefer, da sie aufgrund ihrer Biegsamkeit den Schneedruck ĂŒberstehen. Die hochsubalpine Stufe wird vom Zwergwacholder und den beiden Rhododendren (Almrausch) gebildet: Rhododendron hirsutum (auf Kalk) und Rh. ferrugineum (kalkarme Böden).

Weitere eingefĂŒhrte Begriffe:

  • Viehalpen (J. J. Wagner 1680)
  • Alpen (J. G. Sulzer 1745)
  • Kuhalpen (Karl Albrecht Kasthofer 1818)
  • Mattengebirge (Penck 1896)

Alpine Stufe

Die alpine Stufe (bis etwa 2500–3000 m), nach J. J. Wagner Hochalpen, ist eine Bergtundra, die durch verschiedene Rasen gebildet wird, welche den Boden noch weitgehend geschlossen bedecken. Bestimmend fĂŒr die Vegetation ist besonders die „Aperzeit“, also die Zeit ohne Schneebedeckung. Weitere Faktoren sind die Windexponiertheit (besonders die dadurch bedingte Schneefreiheit im Winter), sowie der Gesteinsuntergrund. Bedingt durch diese Faktoren und das unruhige Relief ergibt sich ein sehr kleinrĂ€umiges Vegetations-Mosaik.

Die wichtigsten Rasengesellschaften sind in den Kalkalpen auf tiefgrĂŒndigem Boden der Rostseggenrasen (Caricetum ferrugineae), auf flachgrĂŒndigerem das Seslerio-Caricetum sempervirentis und auf Kalkfelsen das Caricetum firmae. Auf saurem Gestein ist der Krummseggenrasen (Caricetum curvulae) dominierend, auf ĂŒberweideten Rasen der Borstgrasweide (Nardetum). Besonders die Kalkrasen zeichnen sich durch ihren Blumenreichtum aus.

Die Auswirkung der Aperzeit ist besonders deutlich in den SchneetĂ€lchen. Diese liegen meist am Fuß von NordhĂ€ngen der Silikatalpen in der oberen alpinen Stufe. Hier sammelt sich im Winter viel Schnee an, der im Sommer spĂ€t bis gar nicht abtaut, wodurch um den Schneerest verschiedene Zonen entstehen. Bei einer Aperzeit von ĂŒber drei Monaten wĂ€chst der normale Krummseggenrasen, mit kĂŒrzerer Aperzeit wird die Kraut-Weide hĂ€ufiger, die bald dominiert und das Salicetum herbaceae bildet. Charakteristische Arten sind Alpen-Mutterwurz und Alpenglöckchen. Bei einer durchschnittlichen Aperzeit von unter zwei Monaten dominieren Moose, vor allem Polytrichum sexangulare.

Im Bereich von AlmhĂŒtten bilden sich LĂ€gerfluren. Auf den vom Vieh gedĂŒngten und verdichteten – und dadurch feuchten – Stellen wachsen nĂ€hrstoffliebende Hochstauden.

Charakteristisch ist die Gesellschaft an den Windkanten mit der dominierenden Gamsheide (Loiseleuria procumbens).

Nivale Stufe

Die nivale Stufe (bzw. Region nach Oswald Heer 1838), nach Penk (1896) auch Schnee und Eisgebirge befindet sich ĂŒber der klimatischen Schneegrenze. Pflanzen gedeihen nur dort, wo der Schnee nicht liegenbleibt oder im Sommer frĂŒhzeitig schmilzt. Eine Vegetationsdecke ist nur sehr kleinflĂ€chig ausgebildet, oft wachsen Pflanzen vereinzelt. Rund 150 BlĂŒtenpflanzen-Arten steigen ĂŒber 3000 m, zudem viele Flechten. Zu den am höchsten steigenden BlĂŒtenpflanzen gehört der Gletscher-Hahnenfuß, den Höhenrekord hĂ€lt jedoch der Steinbrech Saxifraga biflora mit 4450 m am Dom de Mischabel im Wallis.

Die FirnflĂ€chen der Gletscher werden unter anderem von Chlamydomonas nivalis, einer GrĂŒnalge, besiedelt, die den „roten Schnee“ oder Blutschnee verursacht.

Fauna

In den unteren Lagen entspricht die Tierwelt der Alpen der des umgebenden Flachlandes. In den NadelwĂ€ldern finden sich etliche Arten des borealen Nadelwaldes. Sie sind an feucht-kĂŒhle Bedingungen gebunden, haben Europa nacheiszeitlich von Osten wiederbesiedelt und kommen heute in Mitteleuropa nur in den Hochlagen vor. Nur an wenigen in den pleistozĂ€nen Eiszeiten unvergletschert gebliebenen, rĂ€umlich isolierten Refugien konnten einige prĂ€glaziale Faunenelemente ĂŒberdauern, beispielsweise bestimmte Schnecken und KĂ€fer.

Viele charakteristische Alpentiere leben oberhalb der Baumgrenze, im Oreal. Bei einigen Arten ist dies wahrscheinlich als Ausweichen vor dem Menschen zu interpretieren. Viele sind verwandt mit Arten der Tundra und kommen dort ebenfalls vor. Ebenso bestehen enge Beziehungen zu anderen Hochgebirgen. Bei der Hochgebirgsfauna Europas handelt es sich oft um Überbleibsel (Reliktpopulationen) von eiszeitlicher Tierwelt, die postglazial in den tiefer liegenden Landschaften wieder verschwunden ist – ein Vorgang, der als Arealdisjunktion bezeichnet wird. Nach ihrem Ursprung werden arkto-alpine Verbreitungstypen (Herkunft aus Tundren) und boreo-alpine Verbreitungstypen (Herkunft aus der Taiga) unterschieden.

Typische Arten der SĂ€ugetiere sind unter anderen GĂ€mse, Alpensteinbock, Murmeltier und Schneemaus, unter den Vögeln sind Alpendohle, Kolkrabe, Ringdrossel, Schneefink, Steinadler, TannenhĂ€her und Alpenschneehuhn zu nennen. In den slowenischen Alpen und im Naturpark Adamello im Trentino, Italien, gibt es noch heute BraunbĂ€ren. Seit den 1990er Jahren gibt es durch Zuwanderung aus Slowenien und gezielte Auswilderungen wieder eine kleine Population dieser Raubtiere in den österreichischen Alpen. Die meisten davon leben im Gebiet des Naturparks Ötscher-TormĂ€uer. Wölfe wurden in den Alpen um 1900 ausgerottet, kehrten jedoch um 1990 von den Apenninen her kommend wieder zurĂŒck. Heute leben etwa 100 Wölfe in den italienischen und französischen Westalpen. Der Steinadler ist zwar in der nördlichen HemisphĂ€re weit verbreitet, in Mitteleuropa ist er jedoch auf die Alpen und Karpaten beschrĂ€nkt. Mehrere Großtiere wurden vom Menschen ausgerottet, darunter Luchs, Bart- und GĂ€nsegeier, die sich durch Schutzmaßnahmen und Auswilderungsprojekte inzwischen wieder zu etablieren beginnen. Bei einigen Wirbeltieren ist ein saisonbezogener Dimorphismus zu beobachten: Ein dunkles Sommerhaar- oder -federkleid wird im Winter durch eine weiße Tarntracht ersetzt (vergleiche: Schneehase, Alpenschneehuhn). Unter den Amphibien hat der schwarz gefĂ€rbte Alpensalamander eine spezielle Anpassung an die alpinen LebensrĂ€ume entwickelt. Als einziger mitteleuropĂ€ischer Lurch ist der Alpensalamander lebendgebĂ€rend. Die Entwicklung der Larven im Uterus des Weibchens dauert je nach Höhenstufe zwei bis drei Jahre. Damit ist die Art unabhĂ€ngig von OberflĂ€chengewĂ€ssern, in denen die Larven anderer Amphibienarten ihre Entwicklung vollenden. Der Alpensalamander kommt in Höhen von bis zu 2800 Metern (Österreich) vor.

Auch die Reptilienarten Waldeidechse und Kreuzotter – beide sind in den Alpen montan bis alpin verbreitet – haben sich mit der Umstellung von Eiablage auf das LebendgebĂ€ren an widrige Ă€ußere Bedingungen, hier insbesondere niedrige Temperaturen, angepasst. In der Schweiz wird die Aspisviper, eine weitere ovovivipare Schlangenart, bis in Höhen von 3000 Metern angetroffen. In den sĂŒdlichen Kalkalpen sind auch die Sandviper, auch EuropĂ€ische Hornotter genannt, und der Bergskorpion anzutreffen.

Unter den typischen Insekten der Alpen fallen beispielsweise „pelzige“ Vertreter der Hummeln auf (Alpenhummel, Bombus alpinus), wĂ€hrend unter den Schmetterlingen besonders dunkle Formen zu finden sind, beispielsweise der Eismohrenfalter (Erebia pluto). Allerdings kommen auch helle Arten wie der Helle AlpenblĂ€uling (Plebejus orbitulus) und der Alpenapollo (Parnassius phoebus) noch in Höhenlagen von 3000 Metern vor. Vermutlich aufgrund des zahlenmĂ€ĂŸigen ZurĂŒcktretens von Fluginsekten sowie wegen der Windexposition sind dagegen Radnetzspinnen in höheren Regionen offenbar nicht vertreten.

Zu den wenigen Tieren der Nivalzone gehören der behaarte, schwarz gefÀrbte Gletscherfloh (Isotoma saltans), ein Ur-Insekt aus der Klasse der SpringschwÀnze und der GletscherflinklÀufer (Trechus glacialis), eine Spezies der LaufkÀfer.

Der Alpenraum im Europa der Regionen

AlpenlĂ€nder und Alpenanrainerstaaten sind Österreich, Italien, Frankreich, Schweiz, Deutschland, Slowenien, Liechtenstein und Monaco (geordnet nach ihrem Anteil an der GesamtflĂ€che der Alpen).

Vor dem Hintergrund des europĂ€ischen Binnenmarkts wurde seit etwa 1970 die grenzĂŒberschreitende Zusammenarbeit im Alpenraum intensiviert. 1972 wurde die Arbeitsgemeinschaft AlpenlĂ€nder (Arge Alp) gegrĂŒndet. 1991 wurde schließlich die Alpenkonvention unterzeichnet, ein internationales Übereinkommen zum Schutz der Alpen. Auf dieses Ziel hatte die bereits 1952 gegrĂŒndete Internationale Alpenschutzkommission (CIPRA) lange hingearbeitet.

Im modernen regionalbezogenen europĂ€ischen Raumentwicklungskonzepts (EUREK) eines Europa der Regionen wird auf den Alpenraum als lĂ€nderĂŒbergreifende wirtschaftliche und kulturelle Einheit wieder vermehrtes Gewicht gelegt. So bilden die Alpen – mit den umliegenden AlpenvorlĂ€ndern und angrenzenden Regionen – eine der INTERREG-Gebiete des EuropĂ€ischen Fonds fĂŒr regionale Entwicklung, der die AttraktivitĂ€t und WettbewerbsfĂ€higkeit der gesamten Region mit seinem Alpenraumprogramm zu steigern versucht.

Besiedlung und Verkehr

SiedlungsrÀume

Besiedelt und wirtschaftlich erschlossen sind in den Alpen hauptsĂ€chlich die großen AlpentĂ€ler, insbesondere an den Achsen, die sich fĂŒr den Durchzugsverkehr eignen, sowie in den sich zu Becken öffnenden Regionen. Daneben sind auch die Bergbauregionen erschlossen, und seit Beginn des 20. Jahrhunderts rein touristische Zentren (Kurzentren, Alpinzentren). Hauptsiedlungsraum sind aber trotzdem die Alpenrandlagen, und der Gutteil der großen AlpenstĂ€dte liegt an den Austritten der FlĂŒsse in die VorlĂ€nder.

WĂ€hrend sich Handel, Gewerbe und Industrie in diesen HauptsiedlungsrĂ€umen konzentrieren, ist der landwirtschaftliche Siedlungsraum weitlĂ€ufig und dĂŒnn, und ĂŒber 40 % der AlpenflĂ€che sind ĂŒberhaupt nicht stĂ€ndig oder gar nicht bewohnt, sondern dienen als Sömmerungsgebiet (Alpen/Almen der Viehzucht), sind rein forstwirtschaftliche Region oder gĂ€nzlich unnutzbar.

Stadtflucht und Landflucht

Im Spannungsfeld zwischen den begrenzten Wirtschafts- und SiedlungsrĂ€umen ist das PhĂ€nomen der Stadtflucht zu sehen, das seit dem 16. Jahrhundert zu einer zunehmenden Entvölkerung der Alpen fĂŒhrte, und der spĂ€teren Bergflucht durch inneralpine Abwanderung in die Zentren. Der Trend ist erst im spĂ€ten 20. Jahrhundert, und auch nur in gewissen Regionen gestoppt worden. Heute leben in den Alpen etwa 13,6 Millionen Menschen, 1950 waren es etwa 10,8 Millionen im selben Raum, 1870 7,8 Millionen, diese Zunahme liegt aber unter der Durchschnittszunahme der gesamten Alpenstaaten. Nur Österreich, Deutschland und Slowenien konnten ihren Bevölkerungsstand vermehren (mit einem extremen Fokus auf Bayern einschließlich der österreichischen Grenzgebiete), in der Schweiz und Frankreich ist er langfristig etwa stabil, wobei aber knapp 90 % aller Alpengemeinden Frankreichs einen Bevölkerungsschwund verzeichnen (Bergflucht), Italien hat aber knapp ein Viertel seiner Alpenbevölkerung in andere Regionen verloren (Stadtflucht, Extremgebiete: Friaul, Piemonteser Alpen).

Zur Siedlungsgeschichte der Alpen gehören auch Lawinenkatastrophen (z. B. 1954 in Vorarlberg) sowie verheerende MurgĂ€nge und Überschwemmungen.

StÀdte

Innerhalb der Alpen ist das französische Grenoble die grĂ¶ĂŸte Stadt, gefolgt von Innsbruck in Österreich sowie von Trient und Bozen in Italien. In der Schweiz liegen Chur, Thun und Lugano in den Alpen. Weitere AlpenstĂ€dte in Österreich sind Klagenfurt und Villach, sowie im Rheintal Bregenz, Dornbirn und Feldkirch. Ferner zu nennen ist Vaduz, die Hauptstadt Liechtensteins. Die höchste Stadt der Alpen (und Europas) ist das schweizerische Davos.

In direkter Alpenrandlage ist Wien die weitaus grĂ¶ĂŸte Stadt, gefolgt von Genf (Schweiz) und Nizza (Frankreich). Weitere wichtige StĂ€dte sind – von Ost nach West – Maribor (Slowenien), Graz (Österreich), Ljubljana (Slowenien), Udine (Italien), Salzburg (Österreich), Vicenza (Italien), Verona (Italien), Brescia (Italien), Bergamo (Italien), St. Gallen (Schweiz), Lecco (Italien), Como (Italien), Varese (Italien), Luzern (Schweiz), Savona (Italien), Biella (Italien), San Remo (Italien), Cuneo (Italien), Bern (Schweiz) und Monaco.

Transitverkehr

Die Alpen sind ein wichtiger europĂ€ischer Verbindungsraum. Vor allem ökonomisch stellen die Alpen zwischen Nord- und SĂŒdeuropa einen wichtigen Transitraum dar. Sie können nur auf bestimmten Routen ĂŒber GebirgspĂ€sse oder Tunnel ĂŒberquert werden, da die Alpen ein natĂŒrliches Hindernis fĂŒr den transeuropĂ€ischen Verkehr sind. Problematisch ist insbesondere, dass durch hĂ€ufige Inversionswetterlagen sowie die Erhebungen der Alpen der Luftaustausch unter erschwerten Bedingungen stattfindet. Damit verweilen Schadstoffe ĂŒberdurchschnittlich lang in der alpinen TalatmosphĂ€re.

Besondere Bedeutung erlangten diejenigen PĂ€sse, die ĂŒber den Alpenhauptkamm direkt von Norden nach SĂŒden oder umgekehrt in gut erschlossene TĂ€ler fĂŒhren und somit eine zweite PassĂŒberquerung ersparten oder die Routen, die wenig durch Hochwasser und Lawinen beeintrĂ€chtigt waren. ÜbergĂ€nge wie der Col de MontgenĂšvre und der Grosse Sankt Bernhard in den westlichen sowie der Septimer und Julierpass in den Zentralalpen wurden bereits von den Römern zu Verkehrswegen ausgebaut, ebenso der Reschenpass und Brenner im Osten. Andere legendĂ€re Strecken wie der Weg Hannibals mit seinem Heer und Kriegselefanten – vermutlich ĂŒber den Col de Clapier – entwickelten sich nicht zu Hauptverkehrswegen. Am Ende der Antike verzeichnen Itinerarium Antonini und Tabula Peutingeriana sieben Überquerungen des Alpenhauptkamms. Im Mittelalter, als Zugangswege wie die Schöllenenschlucht und die Viamala (1473) gangbar gemacht wurden, wurden der St. Gotthard und der SplĂŒgenpass sowie der San Bernardino stĂ€rker genutzt, wĂ€hrend Septimer- und Lukmanierpass an Bedeutung verloren. Bereits um 1430 wurden ĂŒber 90 Prozent des Fernhandelsverkehrs zwischen Augsburg und Venedig – 6500 Frachtwagen pro Jahr – ĂŒber den Brenner abgewickelt. Der 1480 erfolgte Ausbau des Kunterswegs zur Fahrstraße im Eisacktal zwischen Bozen und Klausen sowie der Kesselbergstraße oberhalb von Kochel am See 1495 machte den Brenner endgĂŒltig zum wichtigsten Übergang der Ostalpen.

Eine Auswahl der wichtigsten alpenquerenden Verbindungen (Alpentransversalen, von West nach Ost, der Hauptpass kursiv):

  • Marseille – Nizza – Tendapass – Cuneo – Turin
  • Avignon – Sisteron – Barcelonnette – Col de Larche/Colle della Maddalena – Cuneo – MondovĂŹ – Genua
  • NĂźmes – Tarascon – Apt – Sisteron – Briançon – Col de MontgenĂšvre – Susa – Turin (Via Domitia)
  • Vienne – ChambĂ©ry – Albertville – Bourg-Saint-Maurice – Kleiner Sankt Bernhard – Aostatal – Mailand (Alpis Graia)
  • Lyon – ChambĂ©ry – Mont Cenis oder FrĂ©jus – Susa – Turin
  • Dijon – Genf – Chamonix – Mont Blanc – Aosta – Turin
  • Besançon – Lausanne – Martigny – Grosser St. Bernhard – Aostatal – Vercelli – Pavia – Piacenza – Parma (Alpis PƓnina)
  • Dijon – Lausanne – Brig – Simplon – Domodossola – Mailand
  • Karlsruhe – Freiburg im Breisgau – Basel – Bern – Lötschberg – Brig – Simplon – Domodossola – Mailand
  • Stuttgart – ZĂŒrich – Luzern – Göschenen – Sankt Gotthard – Airolo – Bellinzona – Mailand
  • Ulm – Memmingen – Bregenz – Chur – San Bernardino – Bellinzona – Mailand
  • Augsburg – FĂŒssen – Reutte – Fernpass – Imst – Landeck – Reschenpass – Meran – Bozen – Verona (Via Claudia Augusta)
  • Augsburg – Landsberg am Lech – (oder: MĂŒnchen –) Garmisch-Partenkirchen – Mittenwald – Seefelder Sattel – Innsbruck – Brenner – Bozen – Verona (Via Raetia)
  • MĂŒnchen – Rosenheim–Kufstein – Innsbruck – Brenner – Bozen – Verona
  • MĂŒnchen – Rosenheim – Bad Reichenhall – Salzburg – RadstĂ€dter Tauernpass – Spittal – Villach – Udine – Portogruaro – Mestre oder Spittal – Villach – Udine – Triest
  • Wels – Pyhrnpass – Liezen – Graz – Maribor – Ljubljana – Triest
  • Wien – Wiener Neustadt – Semmering – Bruck an der Mur – Graz – Maribor – Ljubljana – Triest

Die wichtigen inneralpinen Transitrouten, die auch die Verbindung zwischen den Alpenquerungen herstellen, im Besonderen die LĂ€ngstalfurchen, sind:

  • Nizza – Digne-les-Bains – Gap – Grenoble – ChambĂ©ry – Genf
  • Genf/Lausanne – Brig – Furkapass – Oberalppass – Chur – Bludenz – Arlberg – Innsbruck – Zell am See – Bischofshofen – Liezen – Semmering – Wiener Neustadt – Wien
  • Como – Sondrio – Stilfser Joch oder Tonalepass – Bozen – Lienz – Villach – Klagenfurt – Packsattel – Graz

Industrialisierung und Eisenbahn

Das Transitnetz durch die Alpen entwickelte sich im Laufe der Zeit immer schneller: von schmalen Wegen fĂŒr bepackte Maultiere und Pferde ĂŒber frĂŒhe Passstraßen des 19. Jahrhunderts zu den mehrspurigen Autobahnen und Eisenbahnlinien des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Eisenbahn hat im 19. Jahrhundert mit Pionierleistungen wie der Semmeringbahn als erste normalspurige Gebirgsbahn Europas oder der Gotthardbahn das Zeitalter des modernen Transitverkehrs eingelĂ€utet. In der neueren Zeit werden verschiedene Eisenbahntransversalen durch die Alpen neu gebaut:

  • in der Schweiz sind dies die unter Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) zusammengefasste Lötschbergachse und Gotthardachse
  • in Österreich die Neue Alpenbahnen, Brenner- und Tauernbahn, kĂŒnftig auch der Brennerbasistunnel
  • in Frankreich und Italien die neue Strecke durch den Mont Cenis

Verkehrsprojekte in den Alpen sind wegen Naturgefahren und der Topografie stets mit hohen Kosten und Gefahren verbunden, was sich auch am aktuellen Bau der NEAT, neu als AlpTransit bezeichnet, in der Schweiz zeigt. Die zunehmende Umweltbelastung durch den motorisierten Transitverkehr hat hĂ€ufig zu Protesten der betroffenen Bevölkerung gefĂŒhrt, wie zum Beispiel Straßenblockaden in Tirol, Savoyen, Piemont sowie zur Alpen-Initiative in der Schweiz. Derzeit wird die möglicherweise alpenweite EinfĂŒhrung einer Alpentransitbörse diskutiert.

Siehe auch:

  • Liste von Alpentunneln
  • Liste der AlpenpĂ€sse
  • AlpenĂŒberquerung

FrĂŒhere Passstaaten

BĂ€uerliche ZusammenschlĂŒsse zur gemeinsamen Nutzung von Ressourcen fĂŒhrten im SpĂ€tmittelalter zur Herausbildung von politischen Gebilden, die man Passstaaten nennt, weil sie sich ĂŒber beide Seiten des Alpenkammes erstreckten. Neben dem Bund von Briançon gehören die Alte Eidgenossenschaft, die Drei BĂŒnde, die Grafschaft Tirol und das Erzbistum Salzburg dazu. Damit sollte alpines Freiheitsdenken analog den stĂ€dtischen Freiheiten der ReichsstĂ€dte eingefordert werden. Diese Passstaaten kontrollierten durch ihre strategische Position den Transitverkehr und verlangten von Durchreisenden Zölle.

SpĂ€testens die Nationalstaaten des 19. Jahrhunderts trachteten jedoch danach, den aus ihrer Sicht peripheren alpinen Raum einzubinden, so dass beispielsweise Tirol zwischen Österreich und Italien geteilt werden musste. Die Schweiz ist der einzige der alpinen Passstaaten, der bis heute ĂŒberlebt hat. Der Staatenbund der Eidgenossenschaft wurde 1848 durch die GrĂŒndung des Bundesstaates in einen modernen Nationalstaat ĂŒberfĂŒhrt.

Kulturgeschichte

Berglandwirtschaft

In den Alpen verdrĂ€ngte die neolithische Landwirtschaft um etwa 4500 v. Chr. die JĂ€ger und Sammler der Mittelsteinzeit. Dichte Waldbedeckung erschwerte anfangs die Nutzung großer Weidegebiete, allmĂ€hlich entwickelte sich jedoch die Transhumanz im Alpenraum, bei der die Tiere den Sommer in der Höhe und den Winter im Tal verbringen. Etwa gleichzeitig kam die alpine Autarkiewirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht in bereits gerodetem GelĂ€nde hinzu, welche ganzjĂ€hrige Besiedlung ermöglichte.

Diese Autarkiewirtschaft entwickelte sich nördlich und sĂŒdlich der Alpen unterschiedlich: WĂ€hrend im germanischen Raum die Viehzucht klar dominierte, war der Ackerbau im romanischen Raum gleich stark vertreten. Dies fĂŒhrte zu unterschiedlichen ErnĂ€hrungsweisen und regionalen KĂŒchen sowie Unterschieden in der Familien- und Siedlungsstruktur.

Zwischen 1600 und 1850 entstand besonders im nördlichen Alpenraum eine selbststÀndige Bergbauernkultur, die sich etwa im Bau prÀchtiger BauernhÀuser aus Holz manifestierte und bei der die nachhaltige Naturnutzung als Schutz vor Naturgefahren im Vordergrund stand.

Im 19. Jahrhundert erreichte die Industrialisierung den Alpenraum. Es war weniger die Industrie als die Dienstleistungsgesellschaft des 20. Jahrhunderts, welche als Tourismus Geld in die AlpentĂ€ler brachte und die herausragende Stellung der Berglandwirtschaft beendete. Viele ĂŒberflĂŒssig gewordene landwirtschaftliche ArbeitskrĂ€fte wanderten daraufhin aus. Unter steigendem ökonomischem Druck schwindet seit der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts die Vielfalt der Land- und Forstwirtschaft in den Alpen, welche wegen der Maschinisierung zwar leichter zu betreiben ist, sich jedoch nicht mehr lohnt.

Kultur- und Sprachgruppen

Im frĂŒhen Mittelalter entwickelten sich die Alpen zur Sprach- und Kulturgrenze zwischen germanischen im Norden und romanischen Sprachgruppen im SĂŒden und Westen, unter BerĂŒcksichtigung der sĂŒdslawischen Slowenen am östlichen Alpenrand. Von der Vielfalt an Dialekten, die die ursprĂŒngliche Abgeschiedenheit der TĂ€ler mit sich brachte, bleibt heute immer weniger ĂŒbrig. Trotz der Konkurrenz durch die deutsche und die italienische Sprache konnten die alpinen Kleinsprachen RĂ€toromanisch, Ladinisch und Friaulisch ĂŒberleben. Ein interessantes PhĂ€nomen in sprachgeschichtlicher Hinsicht stellt die Ausbreitung des alemannischen Walser-Dialekts vom Oberwallis bis an die Grenze Tirols dar, die durch die Inbesitznahme und Bewirtschaftung hoch gelegener WeidegrĂŒnde zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert erfolgte.

Brauchtum

Festlichkeiten und BrĂ€uche im Alpenraum sind tief verwurzelt in Geschichte und Religion. Sie entstanden oft in Verbindung mit ĂŒberlieferten Dichtungen, Sagen oder ErzĂ€hlungen, die sich hĂ€ufig mit Göttern und DĂ€monen befassten. Die Menschen wollten die Urgewalten der Natur beschwören und sich vor Naturgefahren schĂŒtzen. Als das Christentum im FrĂŒhmittelalter in das Alpengebiet vordrang, vermischten sich heidnische BrĂ€uche mit christlichen Feiern. Die verbreiteten Steinsetzungen (SteinmĂ€nnchen) scheinen sowohl praktischen als auch kultischen Hintergrund zu haben. Das bĂ€uerliche Element spielte im alpinen Brauchtum und der alpinen Volksmusik stets eine herausragende Rolle (siehe auch: Alpsegen, Almabtrieb, Jodeln, AlpenlĂ€ndische Volksmusik).

Alpenmythos

Die Rezeption des Alpenraumes schwankt – wie bei allen Landschaften der Extreme – in der Moderne zwischen zwei engverwobenen Polen, dem Mythos der Naturgewalt und der Reinheit der Natur. Was vorher fĂŒr eine unwirtliche, von grobschlĂ€chtigen Bauern und gefĂ€hrlichen Drachen bewohnte Wildnis gehalten wurde, begannen Maler, Reisende und Literaten als „Traumlandschaft“ zu schildern.

Ein bekannter Genfer Naturforscher, Horace-BĂ©nĂ©dict de Saussure, verwob im spĂ€ten 18. Jahrhundert in seinen Reisebeschreibungen wissenschaftliche Erkundung und Ă€sthetisches Empfinden. Mit den Alpenreisen seines Zeitgenossen Goethe wurde das Gebirge auch im Norddeutschen erstmals als PhĂ€nomen wahrgenommen. E. T. Compton, der Alpenmaler, erfindet Ende des 19. Jahrhunderts die Bergmalerei als Sujet, die das Gebirge nicht zur Kulisse verwendet, sondern den Berg als „Persönlichkeit“ darzustellen versucht. Als Symbol der Mystifizierung der Alpen in ihrer „Reinheit und Erhabenheit“ von der Romantik bis ins 21. Jahrhundert wird das AlpenglĂŒhen – der Widerschein von Morgen- und Abendröte – in Bild und Literatur vielfach dargestellt.

Der Bergtourismus einer zunehmend bĂŒrgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts stellt die Alpen auch als Herausforderung an das Individuum dar, und der „Sieg am Berg“ wird zur Inszenierung, an der der Mensch sich bewĂ€hren kann, und Gott nĂ€her kommt. Das Gipfelkreuz symbolisiert dieses Spannungsfeld zwischen Ehrfurcht und Siegeswille. Darin Ă€ndert sich auch die Rezeption des Alpenbewohners, fĂŒr den das zum tĂ€glichen Brot gehört. Gerade die frĂŒher als „Alpendemokratie“ verklĂ€rte Schweiz und das „freie Land Tirol“ zehren noch heute vom Alpenmythos der frĂŒhen Romantik, auch wenn etwa Max Frisch oder Paul Flora in ihren Werken dagegen ankĂ€mpften. In Frankreich und Italien fehlt aber die kulturelle EigenstĂ€ndigkeit, hier bleiben die Alpenprovinzen bis heute in kultureller Randlage. Das moderne Slowenien in seiner Ablösung vom Balkan greift diese Mythen aber auf und integriert die Alpen in seine IdentitĂ€t als „Land der Vielfalt“.

Der Erste Weltkrieg macht weite Bereiche der Ostalpen zur Alpenfront, aber die Verheerungen des Zweiten Weltkrieges lassen den Alpenraum relativ geschont. Sowohl durch die mythische VerklĂ€rung des Alpenbewohners als KĂ€mpfer gegen Natur und Feind der Kriegs- und Zwischenkriegsjahrzehnte, von „Berge in Flammen“ ĂŒber den „Bau der Glocknerstraße“ bis zur „Alpenfestung“, wie auch die in den Nachkriegsjahren im Vergleich zum restlichen Europa relativ intakte Wirtschaftslage lassen den Alpenraum vom Ă€rmlichen und rĂŒckstĂ€ndigen „Entwicklungsraum“ der AufklĂ€rung zum Inbegriff der „heilen Welt“ werden (dargestellt etwa im Heimatfilm).

Dieser Mythenkomplex hĂ€lt ungebrochen bis heute an. Die Berge als Verkehrshindernis sind wohlerschlossen, als Kulturraum in ein gemeinsames Europa eingebunden, als Tourismusdestination frei verfĂŒgbar, und die Umweltschutzbewegung entdeckt den Alpenraum als „schĂŒtzenswertes Allgemeingut“. Als neue Komponente tritt aber ein ÜberlegenheitsgefĂŒhl des modernen Menschen hinzu, in dem die spezifischen Unbilden einer montanen Umwelt als zu reparierendes Hindernis im reibungslosen Funktionieren von Zivilisation beurteilt wird.

Tourismus

Die Alpen sind sehr intensiv touristisch erschlossen. Bereits im 19. Jahrhundert prĂ€gten die EnglĂ€nder den Begriff von den Alpen als „playground of Europe“. Die landschaftliche Vielfalt, kulturelle SehenswĂŒrdigkeiten sowie die besonderen klimatischen VerhĂ€ltnisse bieten beinahe optimale Voraussetzungen fĂŒr die touristische Nutzung der Alpen, da eine denkbar große Anzahl an touristischen Zielgruppen (beispielsweise Erholungssuchende, Aktivurlauber, Kurtouristen, Kulturbegeisterte etc.) mit entsprechenden Angeboten bedient werden kann.

Im Sommertourismus finden sich die diversen Spielarten des aktiven und passiven Erholungstourismus (Wandern, Badeurlaub an den randalpinen Seen) und vor allem der sportliche Urlaub in Form des Alpinismus. Dieser initiierte die touristische Entwicklung des Alpenraums. Im Wintertourismus sind die Alpen ein weltweit attraktives Ziel fĂŒr den Wintersport, wobei diesbezĂŒglich der Skisport und seine diversen Ausformungen dominieren. In den letzten Jahrzehnten hat in vielen Teilen der Alpen der Tourismus im Winter dem klassischen Sommertourismus den Rang abgelaufen.

Tourismusgeschichte

Erste am VergnĂŒgen beziehungsweise an Ruhm ausgerichtete Ereignisse finden in den Alpen schon Ende des 18. Jahrhunderts mit frĂŒhen Erstbesteigungen statt, die noch im Sinne eines den Landesherren verherrlichenden Absolutismus stehen. FĂŒr die einheimische bĂ€uerische Bevölkerung endete das Interesse an den Bergen bis dahin bei den Vegetationsgrenzen.

Insbesondere englische Touristen haben danach im und vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Alpentourismus als Individualtourismus entscheidend geprĂ€gt. Bereits im 19. Jahrhundert wurden vom EnglĂ€nder Thomas Cook organisierte Massenreisen von England in die Alpen durchgefĂŒhrt. WĂ€hrend der ersten Jahre betraf dies die Sommersaison, doch schon 1864 wurde im Kulm-Hotel im bĂŒndnerischen St. Moritz eine winterliche Öffnung gewagt und damit der Wintertourismus „erfunden“.

Die Belle Epoque erschließt die Alpen als Erholungsraum auch fĂŒr die gehobenen Schichten des Landes, und etabliert den Begriff der Sommerfrische in den Alpen. Seit der damaligen BlĂŒtezeit der Hotels und Villen in den Kurorten hat sich der alpine Tourismus auch auf den Winter auszubreiten begonnen. In den traditionellen Kurorten blieb jedoch die Sommersaison noch bis in die 1970er-Jahre die Hauptsaison.

Die Nachkriegsjahrzehnte machen die Alpen zum Ziel einer urbanen Gesellschaft, erst als Erholungsraum der Strapazen einer wirtschaftlichen ZerrĂŒttung, dann als Freizeitkulisse, als Statussymbol gehobenen Lebensstandards. Seit ungefĂ€hr 1965 konnte sich auch aufgrund besserer Verkehrsinfrastruktur der Massentourismus entwickeln. Der Wintersporttourismus mit seinen Bergbahnen und Liftanlagen bekam fĂŒr die Alpenbewohner eine zunehmende Bedeutung bis hin zu reinen RetortenstĂ€dten in den Französischen Alpen.

Wanderurlaub wurde nach der Jahrtausendwende eindeutig wieder beliebter und gilt als Musterbeispiel fĂŒr ökologisch vertrĂ€glichen Tourismus (sanfter Tourismus); insbesondere, wenn er in abgelegene, von Abwanderung bedrohte Talregionen fĂŒhrt und dazu beitrĂ€gt, der einheimischen Bevölkerung eine Einkommensquelle zu sichern. Solchem Tourismus dienen verschiedene Weitwanderwege, zum Beispiel die Kulturwege Schweiz, oder gar Fernwanderwege wie der alle acht AlpenlĂ€nder durchquerende Fernwanderweg Via Alpina. Der Weg wurde aus diesem Grund 2005 aus Anlass der Förderung von nachhaltiger Entwicklung als ein offizielles Umsetzungsprojekt der Alpenkonvention anerkannt. Der italienische Weg Grande Traversata delle Alpi beschrĂ€nkt sich im Gegensatz zu seinem Titel auf die Region Piemont. In der „Modellregion Göschenen“ wurden in der Schweiz Konzepte fĂŒr schwach erschlossene Gebiete entwickelt.

Siehe auch:

  • Alpiner Verein
  • Schweizerisches Alpines Museum
  • Alpines Museum in MĂŒnchen
  • BĂŒndner Naturmuseum

Nutzen und Gefahren

FĂŒr viele Alpengemeinden ist der Tourismus die einzige Einnahmequelle geworden. Durch den Massentourismus werden ArbeitsplĂ€tze geschaffen und regionale Einkommen generiert, wodurch die Gefahr einer Abwanderung verringert werden kann. Allerdings ist der Tourismus in den Alpen oft nur punktuell auf bestimmte Dörfer, StĂ€dte und Skiressorts konzentriert. In den flĂ€chig grĂ¶ĂŸeren Gebieten ohne Massentourismus kommt es erst recht zur Abwanderung. TatsĂ€chlich findet sich oft ein Nebeneinander von touristisch intensiv erschlossenen Gebieten und touristischem Niemandsland. Dies trifft vor allem auf das italienische Alpengebiet zu und wird als PhĂ€nomen der Bergflucht zusammengefasst.

Die Menschen in den Alpen sind vom Massentourismus stark abhĂ€ngig, es entstehen touristische Monostrukturen. Dem Massentourismus werden sĂ€mtliche Lebensbereiche unterworfen. Regionale Eigenheiten oder Besonderheiten verkommen unter UmstĂ€nden zu einem bloßen Klischee. Zudem sind die Arbeitsbedingungen im Tourismus oft wenig attraktiv (ungeregelte Arbeitszeiten, geringe Löhne, viele SaisonarbeitsplĂ€tze). Menschen, die sich diesen Arbeitsbedingungen nicht unterwerfen wollen, sind mangels alternativer BeschĂ€ftigungsmöglichkeiten erst recht zum Abwandern (oder zum Auspendeln) gezwungen.

UmweltschĂŒtzer ganz Europas und auch viele Einheimische bemĂ€ngeln immer öfter die SchĂ€den, die der Massentourismus in den Alpen hervorruft und weisen immer hĂ€ufiger auf die Grenzen der touristischen Nutzung der Alpen hin. So werden immer mehr Verkehrswege durch die Alpen gebaut und Dorfstrukturen zugunsten der fortschreitenden VerstĂ€dterung zerstört (Beispiel: Garmisch-Partenkirchen). Hinzu kommt es auch zu ökologischen Problemen wie MĂŒll- und Abwasserbelastung, Verkehrsproblematik und zu „optischer Umweltverschmutzung“ durch technische Infrastrukturen wie beispielsweise Seilbahnen. Der weitere Ausbau der touristischen Infrastrukturen stĂ¶ĂŸt bereits in vielen AlpentĂ€lern an seine Grenzen, vor allem, da durch Naturgefahren (beispielsweise Lawinen, Muren) das FlĂ€chenangebot begrenzt ist. Einige tragische UnglĂŒcke wie beispielsweise im tirolerischen GaltĂŒr im Februar 1999 haben diese Problematik aufgezeigt. Um den Urlaubern entgegenzukommen, werden Hotels hĂ€ufig unmittelbar vor die Skipisten gebaut. Löst sich an den HĂ€ngen einer Skipiste eine Lawine, trifft diese die Hotels besonders hart, da die Lawinen durch das Fehlen von Hindernissen ungebremst sind.

Literatur

Allgemein

  • Werner BĂ€tzing: Die Alpen – Geschichte und Zukunft einer europĂ€ischen Kulturlandschaft. 4. Auflage. C. H. Beck, MĂŒnchen 2015, ISBN 978-3-406-67339-9.
  • Jon Mathieu: Die Alpen. Raum – Kultur – Geschichte. Reclam, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-15-011029-4.
  • Bernhard Edmaier, Angelika Jung-HĂŒttl: Kunstwerk Alpen. Bergverlag Rother, Unterhaching 2012, ISBN 978-3-7633-7060-3.
  • Joseph Partsch: Alpes. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,2, Stuttgart 1894, Sp. 1599–1612.
  • Heinz Veit: Die Alpen – Geoökologie und Landschaftsentwicklung. 2. Auflage. UTB Ulmer, Stuttgart 2002.
  • Werner BĂ€tzing: Zwischen Wildnis und Freizeitpark. Eine Streitschrift zur Zukunft der Alpen. Rotpunktverlag, ZĂŒrich 2015, ISBN 978-3-85869-648-9

Schwerpunktthemen

  • Jakob Anderhandt: Die Alpen West-Ost. Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat, MĂŒnster 2008, ISBN 978-3-86582-662-6 (FernwanderfĂŒhrer).
  • Norman Backhaus, Claude Reichler, Matthias Stremlow: Alpenlandschaften – Von der Vorstellung zur Handlung. Thematische Synthese zum Forschungsschwerpunkt I „Prozesse der Wahrnehmung“ des Nationalen Forschungsprogramms „Landschaften und LebensrĂ€ume der Alpen“. (= Synthesebericht NFP 48, Schweizerischer Nationalfonds). vdf-Verlag, ZĂŒrich 2007, ISBN 978-3-7281-3119-5.
  • Andrea Bonoldi, Hannes Obermair: Verkehr und Infrastruktur – Trasporti e infrastrutture (= Geschichte und Region/Storia e regione 25/2). StudienVerlag, 2017, ISSN 1121-0303. 
  • Patrick Brauns: Die Berge rufen. Alpen Sprachen Mythen. Verlag Huber, Frauenfeld 2002. (Bergnamen und Sprachen im Alpenraum)
  • Martina Kopf: Alpinismus – Andinismus. Gebirgslandschaften in europĂ€ischer und lateinamerikanischer Literatur. Stuttgart: Metzler, 2016. ISBN 978-3-476-05594-1
  • Burkhart Lauterbach: Der Berg ruft – Alpentourismus und Kulturtransfer seit dem 18. Jahrhundert. In: EuropĂ€ische Geschichte Online. hrsg. vom Institut fĂŒr EuropĂ€ische Geschichte (Mainz), 2010. Zugriff am 14. Juni 2012.
  • Uwe A. Oster: Wege ĂŒber die Alpen. Von der FrĂŒhzeit bis heute. Darmstadt 2006, ISBN 3-89678-269-X. (Verkehrsgeographie und Kulturgeschichte)
  • Claude Reichler: Entdeckung einer Landschaft. Reisende, Schriftsteller, KĂŒnstler und ihre Alpen. Rotpunkt-Verlag, ZĂŒrich 2005. (Die Rezeption der Alpen in der Kunst)
  • Matthias Stremlow: Die Alpen aus der Untersicht. Von der Verheissung der nahen Fremde zur Sportarena. Haupt-Verlag, Bern, 1998, ISBN 3-258-05848-2. (Alpenmythos und Tourismus)
  • Roland Walter: Geologie von Mitteleuropa. BegrĂŒndet von Paul Dorn. 6. Auflage. Schweizerbart, Stuttgart 1998, ISBN 3-510-65167-7.
  • siehe auch Literatur der Hauptartikel: Alpenflora
  • Die Alpen – Natur- und Kulturraum im Blickpunkt Europas. Schwerpunkt in der Zeitschrift Geowissenschaften. Heft 5/6, 12. Jahrgang, 1994. 10 Artikel, Auswahl:
    • Helmut Heuberger: Die Stellung der Alpen in der Eiszeitforschung. doi:10.2312/geowissenschaften.1994.12.144
    • Klaus Aerni: Historische Verkehrswege in den Schweizer Alpen. doi:10.2312/geowissenschaften.1994.12.159
    • Helmuth Barnick: Der Tourismus in den Alpen. doi:10.2312/geowissenschaften.1994.12.170

Ältere Literatur

  • Albrecht von Haller: Die Alpen. Gedicht von 1729 – ĂŒber die Alpen und ihre Bewohner.
  • Eugen von Hartwig: Briefe aus und ĂŒber Tirol geschrieben in den Jahren 1843 bis 1845. Duncker & Humblot, Berlin 1846. Google Books, online
  • Fritz Machatschek: Die Alpen. 3. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Leipzig 1929.

Medien

  • Messners Alpen (2006–2007), TV-Dokumentation ĂŒber den alpinen Lebensraum in drei Teilen (3 × 52 Min.). Erstausstrahlung: 30. und 31. Dezember 2007 und 1. Januar 2008. Buch: Herbert Habersack, Hartmut Schwenk. Regie: Herbert Habersack. Schwenk Film, SWR/ARD, France 5, S4C, WEGA Film.
  • Die Alpen – das hohe Herz Europas. Komplett-Media (Januar 2015), ISBN 978-3-8312-8158-9, © Eine Produktion der Vidicom Media GmbH, Peter Bardehle in Zusammenarbeit mit ARTE, SWR, BR, ZDF, NDR. Gefördert durch den FFF Bayern, Cine Styria, Cine Tirol, Land Salzburg, BLS SĂŒdtirol Alto Adige
  • Mit offenen Karten: Die Alpen – Ein europĂ€isches Gebirge in der Arte-Mediathek (13 Min.), abrufbar bis 10. MĂ€rz 2028

Weblinks

  • Jean-François Bergier: Alpen. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Geologisches Portrait – Die Alpen im Mineralienatlas Wiki
  • ardmediathek.de, Das Erste, W wie Wissen, 2. August 2017: TV-Doku: Fossilien in den Alpen: Das Urmeer Tethys
  • cipra.org (Internationale Alpenschutzkommission CIPRA)
  • Spektrum.de: Die Alpen bröckeln 16. Oktober 2019

Einzelnachweise

 

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Staaten die sich in dieser Gebirgsgruppe befinden (8):
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Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 48.379058
südlichster Punkt: 43.02473
westlichster Punkt: 4.677429199
östlichster Punkt: 16.87774658


Das Gebirge hat eine Fläche
von etwa
0 km²

Die Länge der Grenze
beträgt ca.
0 km
 
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