Länder Länder/Staaten > Afrika > Eritrea Eritrea

Land Karte: Eritrea | Grenzen der Regionen auf der Karte anzeigen | Nachbarstaaten auf der Karte anzeigen

Staaten Nachbarstaaten: (5)

Nachbarstaaten Info Die Nachbarstaaten werden automatisch anhand der Grenzen errechnet. Daher kann es vorkommen, dass ein Nachbarstaat fehlt oder zu viel angezeigt wird.
Wir versuchen diese im Laufe der Zeit manuell anzupassen. Bei Fehlern könnt ihr euch jederzeit an uns wenden über das Kontaktformular.

Staat Informationen : Eritrea

Informationen:


Eritrea ([ʔeʁiˈtʁeːa]; Tigrinya ኀርቔራ Ertra, Erətra oder Ertəra, arabisch ۄ۱ŰȘŰ±ÙŠŰ§Â Iritriyā) ist ein Staat im nordöstlichen Afrika. Er grenzt im Nordwesten an den Sudan, im SĂŒden an Äthiopien, im SĂŒdosten an Dschibuti und im Nordosten an das Rote Meer. Der Landesname leitet sich von seinem griechischen Namen áŒ˜ÏÏ…ÎžÏÎ±ÎŻÎ± Erythraia ab, der auf die Bezeichnung ጐρυΞρᜰ ÎžÎŹÎ»Î±ÏƒÏƒÎ± erythrĂ  thĂĄlassa, deutsch ‚rotes Meer‘, zurĂŒckgeht und frĂŒher als ErythrĂ€a eingedeutscht wurde. Die Eigenbezeichnung Ertra (aus AltĂ€thiopisch bahĂŻrĂ€ ertra, "Rotes Meer") bezieht sich ebenfalls auf diese alte griechische Bezeichnung des Roten Meeres. Ein Viertel der knapp 6 Millionen Einwohner (2016) zĂ€hlenden Bevölkerung Eritreas konzentriert sich auf die Hauptstadtregion von Asmara, die weiteren StĂ€dte sind deutlich kleiner.

FrĂŒher lag im Hochland von Eritrea das Königreich Medri Bahri mit der Hauptstadt Debarwa, in welchem der Baher Negash herrschte; das Tiefland von Eritrea war mehr als 300 Jahre eine osmanische und Ă€gyptische Kolonie, Hauptstadt war Massaua. 1890 wurde Eritrea zur italienischen Kolonie. Ab 1941 stand das Land unter britischer Verwaltung und war seit 1952 föderativ mit dem damaligen Kaiserreich Abessinien in Personalunion verbunden, ehe es 1961 als Provinz Eritrea dem Äthiopischen Kaiserreich von Haile Selassie zentralistisch eingegliedert wurde. Nach dreißigjĂ€hrigem UnabhĂ€ngigkeitskrieg wurde Eritrea 1993 von Äthiopien unabhĂ€ngig.

Im 21. Jahrhundert hat das Land eine der Form nach republikanische Verfassung und wird seit der UnabhĂ€ngigkeit politisch von der autoritĂ€ren Volksfront fĂŒr Demokratie und Gerechtigkeit dominiert, die aus der UnabhĂ€ngigkeitsbewegung der Eritreischen Volksbefreiungsfront hervorgegangen ist. PrĂ€sident ist seither Isayas Afewerki. Hinsichtlich der Freiheitsrechte seiner BĂŒrger wird Eritrea von Menschenrechtsorganisationen stark kritisiert. Die US-amerikanische staatsnahe Nicht-Regierungsorganisation Freedom House charakterisierte Eritrea in ihrem LĂ€nderbericht 2019 als „hermetischen Polizeistaat“.

Geographie

Physische Geographie

Die beinahe wĂŒstenartige Trockensavanne am Roten Meer ist sehr heiß und trocken. Im Hochland des Landesinneren dagegen fallen jĂ€hrlich bis zu 600 Millimeter Regen, vor allem in der Zeit von Juni bis September. Die meisten großen StĂ€dte Eritreas finden sich im Hochland, auf ĂŒber 1600 Metern ĂŒber dem Meer. Im sĂŒdlichen Hochland befinden sich die wenigen fruchtbaren Regionen des Landes, wie die Gegend von Mendefera, das Umland von Badme und das Grenzdreieck mit Äthiopien und dem Sudan in der Region Gash-Barka. Auch die höchste Erhebung des Landes, der Dega mit 3047 Metern, sĂŒdöstlich von Asmara, liegt im Hochland von Abessinien.

Eritrea hat im Westen des Landes auch Anteil an der Sahara: westlich des Flusses Barka und nördlich des Flusses Gash setzt sich die östliche Sahara vom Sudan her fort und endet mit dem Anstieg zum Hochland von Abessinien. Die östliche Sahara erreicht Eritrea auch im Nordosten und zieht sich entlang der KĂŒste, bis sie bei Massaua endet. Massaua ist, verglichen mit anderen KĂŒstenstĂ€dten der Region wie Port Sudan und Assab, mit etwas mehr NiederschlĂ€gen gesegnet.

Im Grenzgebiet mit Dschibuti hat Eritrea Anteil an einer weiteren WĂŒste: An der sĂŒdlichen KĂŒste, in der Gegend von Assab, liegt die Danakil-WĂŒste, eine der heißesten und trockensten WĂŒsten der Welt. In der Danakilsenke befindet sich mit 110 Metern unter dem Meeresspiegel der tiefste Punkt des Landes.

Humangeographie

StÀdte

Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte sind (Berechnung 2012): Asmara 665.000 Einwohner, Assab 99.000 Einwohner, Keren 80.000 Einwohner, Massaua 52.000 Einwohner, Mendefera 25.000 Einwohner und Barentu 19.000 Einwohner.

Verwaltungsgliederung

Bis 1996 war Eritrea in neun Regionen (awraja) gegliedert. Diese Regionen stammten noch aus der italienischen Kolonialzeit und ihre RegionshauptstÀdte waren Akkele Guzay (Adi Keyh), Barka (Agordat), Denkalia (Assab), Gash Setit (Barentu), Hamasien (Asmara), Sahel (Nakfa), Semhar (Massaua), Senhit (Keren) und Seraye (Mendefera).

Mit der Verwaltungsreform vom 15. Juli 1996 wurde die Zahl der Regionen (zoba) auf sechs reduziert:

  • Maekel (Zentral-Region) (Asmara)
  • Debub (SĂŒd-Region) (Mendefera)
  • Gash-Barka (Barentu)
  • Anseba (Keren)
  • Semienawi Kayih Bahri (Region des nördlichen Roten Meeres) (Massaua)
  • Debubawi Kayih Bahri (Region des sĂŒdlichen Roten Meeres) (Assab)

Bevölkerung

Überblick

Die Anzahl der Einwohner wird in unterschiedlichen Quellen nicht einheitlich angegeben. FĂŒr das Jahr 2017 wird die Einwohnerzahl bei den Vereinten Nationen mit 5,1 Millionen, im CIA World Factbook mit 5,9 Millionen und bei Statista mit 6,7 Millionen angegeben.

  • Die Wachstumsrate der Bevölkerung betrĂ€gt 2,7 % (SchĂ€tzung 2012)
  • Altersstruktur der Bevölkerung (SchĂ€tzung 2002):
    • bis 14 Jahre: 43 % (ca. 1,9 Mio.)
    • 15–64 Jahre: 54 % (ca. 2,4 Mio.)
    • Ă€lter als 65 Jahre: 3,2 % (ca. 146.000)

Im internationalen Vergleich ist die Versorgungsquote mit VerhĂŒtungsmitteln in Eritrea schlecht. Es ist daher von einem starken Bevölkerungswachstum betroffen, welches zu einem großen Teil auf ungeplanten Schwangerschaften beruht.

So hatten nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung im Jahr 2015 nur 7 % der verheirateten Frauen Zugang zu modernen VerhĂŒtungsmitteln. Es wird daher geschĂ€tzt, dass die Bevölkerung von 6,8 Mio. im Jahr 2015 auf ca. 14 Mio. im Jahr 2050 anwachsen wird.

Volksgruppen

In Eritrea gibt es neun grĂ¶ĂŸere ethnische Gruppen. Das grĂ¶ĂŸte Volk des Landes sind die Tigrinya (55 Prozent, nach anderen Angaben 50 Prozent). Sie leben auch in Äthiopien in der Region Tigray. Ihre Sprache Tigrinya ist neben dem Arabischen die Amtssprache Eritreas. Die Volksgruppe, die in Eritrea Tigrinya genannt wird, entspricht sprachlich und kulturell den Tigray in Äthiopien. Die Ă€thiopischen Tigray und eritreischen Tigrinya sind aber aufgrund einer ĂŒber lĂ€ngere Zeit getrennt verlaufenden politischen Geschichte nicht mehr als eine einheitliche Gruppe zu betrachten. Historisch bezeichneten sie sich selbst als Habescha. Schon in der Vergangenheit vor der Kolonialzeit waren die Tigrinya-Sprecher ĂŒberaus vielgestaltig in Form verschiedener autonomer Provinzen und Abstammungsgruppen und politisch nur selten vereint.

Das zweitgrĂ¶ĂŸte Volk sind die Tigre (30 Prozent). Zu den grĂ¶ĂŸeren Volksgruppen zĂ€hlen noch die Saho (4 Prozent), die Bilen (2 Prozent) und die Rashaida (2 Prozent). Auch die Kunama machen zwei Prozent der Einwohner aus. Die kleinen ethnischen Gruppen Sokodas und Iliit an der sudanesischen Grenze betrachten sich als Kunama, sind aber geographisch und linguistisch getrennt (sie sprechen Dialekte des Ilit-Sokodas, auch West-Kunama genannt).

Die Minderheit der Bedscha wird offiziell als Hedareb bezeichnet, was auch als Name einer Untergruppe verwendet wird. Weitere Minderheiten sind die Nara und die Afar. Außerdem gibt es sehr kleine Gruppen westafrikanischen Ursprungs (meist Haussa-Sprecher), die in Eritrea Tokharir genannt werden. Die Informationslage in diesem Bereich ist dĂŒrftig. Außerdem leben inzwischen 500.000 bis eine Million Eritreer, zumeist orthodoxe Tigrinya, im Ausland, was bis zu einem FĂŒnftel der Bevölkerung entspricht. Seit 2015 zĂ€hlt Eritrea neben Nigeria und Somalia als Hauptherkunftsland afrikanischer FlĂŒchtlinge in Europa (siehe auch FlĂŒchtlingskrise in Europa ab 2015). Mit nur 0,3 % der Bevölkerung, im Jahre 2017, zĂ€hlt die AuslĂ€nderquote zu den niedrigsten weltweit. Zahlreiche im Ausland lebende politische FlĂŒchtlinge sind wieder in ihre Heimat zurĂŒckgekehrt. Eine verschwindend kleine Minderheit bilden europĂ€ischstĂ€mmige Eritreer, hauptsĂ€chlich im 19. Jahrhundert eingewanderte Italiener.

Religion

Die Bevölkerung Eritreas teilt sich offiziell zu fast gleichen Teilen in Muslime (Sunniten) und Christen (Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche, Eritreisch-Katholische Kirche, Protestanten). Der vom US State Department herausgegebene International Religious Freedom Report ging fĂŒr das Jahr 2007 von 50 Prozent Muslimen und 48 Prozent AnhĂ€ngern des Christentums in Eritrea aus, fĂŒr das Jahr 2006 noch von 60 Prozent Muslimen und 37 Prozent Christen. Die Association of Religion Data Archives beziffert 50,15 Prozent Muslime und 47,91 Prozent Christen. Daneben bestehen einige kleine einheimische traditionelle Religionen. Trotz der sehr unterschiedlichen Anschauungen und des daraus resultierenden Konfliktpotenzials bildet die Bevölkerung eine nationale Einheit. Die Christen leben vorwiegend in der Hochebene um Asmara und die muslimischen Teile der Bevölkerung hauptsĂ€chlich im Tiefland und in KĂŒstennĂ€he.

In den letzten Jahren kam es zur systematischen Verfolgung nicht anerkannter christlicher Minderheiten durch die Regierung, weil diese nicht den ideologischen Paradigmen der Regierungsseite entsprechen. Evangelikale Nachrichtenagenturen aus den USA berichten inzwischen regelmĂ€ĂŸig von Christenverfolgungen im Land. Amnesty International gab an, Angehörige staatlich verbotener Minderheitenkirchen seien bei extremer Hitze unter Erstickungsgefahr in Frachtcontainern gefangen gehalten worden.

Sprachen

Die neun Sprachen der neun grĂ¶ĂŸten Ethnien gelten formell als gleichberechtigte Nationalsprachen. Diese sind Tigrinya (2,3 Millionen Sprecher), Tigre (800.000), Afar (300.000), Saho, Kunama, Bedscha, Blin, Nara (je rund 100.000) und Arabisch, das von den Rashaida als Muttersprache und von etlichen anderen Eritreern als Zweitsprache gesprochen wird. Der Staat fördert die Verwendung dieser Sprachen in den Schulen bei den jeweiligen Volksgruppen und in Sendungen des nationalen Radiosenders.

Es gibt keine offiziell festgelegte Amtssprache. De facto dienen aber vorwiegend Tigrinya und Arabisch – die auch als Verkehrssprachen weit verbreitet sind – sowie Englisch als Arbeitssprachen der Regierung. Italienisch, ein Erbe der Kolonialzeit, wird vor allem von der Ă€lteren Bevölkerung verstanden. Viele Schilder und LĂ€den in Asmara sind auch auf Italienisch beschriftet. Tigrinya und Italienisch werden in der Wirtschaft, im Handel und im Gewerbe am hĂ€ufigsten gebraucht. Es existiert zudem eine Schule in Asmara, in der Italienisch gelehrt wird – die Scuola Italiana di Asmara. Italienisch verliert allerdings an Bedeutung, wĂ€hrend die Verbreitung des Englischen zunimmt.

Die Sprachen Eritreas gehören zu zwei der großen Sprachfamilien in Afrika: Tigrinya, Tigre und Arabisch sind semitische Sprachen, Saho, Bilen, Afar und Bedscha sind kuschitische Sprachen – beides Zweige der afroasiatischen Sprachfamilie. Nara (Baria) und Kunama/Baza gehören hingegen zur Familie der Nilosaharanischen Sprachen.

Das Dahalik, das auf Inseln des Dahlak-Archipels von einigen Tausend Personen gesprochen wird, wurde frĂŒher als Dialekt des Tigre betrachtet, ist aber nach neueren linguistischen Erkenntnissen eine eigenstĂ€ndige semitische Sprache.

Soziales

Bildung

Seit der UnabhĂ€ngigkeit konnten im Bildungssektor große Fortschritte gemacht werden: Der Alphabetisierungsgrad fĂŒr Menschen zwischen 15 und 24 Jahren war 2015 mit 93 % (2002: 78 %) einer der höchsten in Subsahara-Afrika.

Formal besteht Schulpflicht fĂŒr Kinder im Alter von 7 bis 13 Jahren, dennoch besuchen nur zwischen 39 und 57 Prozent der Schulpflichtigen eine Grundschule und nur rund 21 Prozent eine weiterfĂŒhrende Schule. Die Schulen sind schlecht ausgestattet, die durchschnittliche KlassenstĂ€rke liegt bei 63 (Grundschulen) beziehungsweise 97 (weiterfĂŒhrende Schulen) SchĂŒlern je Klasse. MĂ€dchen sind deutlich benachteiligt. Der Anteil der Analphabeten liegt bei 30 Prozent.

Gesundheit

Das Gesundheitswesen wird maßgeblich vom Staat finanziert und ist fĂŒr Personen mit Armutsausweis kostenlos.

Die Lebenserwartung wird fĂŒr 2010–2015 auf 63,4 Jahre geschĂ€tzt. Die Fruchtbarkeitsrate lag 2012 bei 4,7 Kindern pro Frau. Die Kindersterblichkeit liegt bei 74 auf 1000 Lebendgeburten, womit Eritrea auf dem 51. Platz weltweit liegt. Die MĂŒttersterblichkeit konnte zwischen 1990 und 2013 um 75 % gesenkt werden.

2002 waren noch fast 89 % der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren von der Weiblichen GenitalverstĂŒmmelung betroffen, nach 94,5 % im Jahr 1995. Deutlicher zeigte sich der Erfolg der AufklĂ€rungsarbeit an der 2002 auch erhobenen PrĂ€valenz unter den Töchtern, je nach Bildungsstand der MĂŒtter 40 % bis 67,5 %, im Mittel 62,5 %. Am 31. MĂ€rz 2007 trat ein gesetzliches Verbot der Frauenbeschneidung in Kraft.

Quelle: UN

Medien

Eritreas Medien sind staatlich. Es gibt die Zeitung Neues Eritrea (áˆ“á‹łáˆ” ኀርቔራ កaddas Erətra = ۧ۱ŰȘŰ±ÙŠŰ§ Ű§Ù„Ű­ŰŻÙŠŰ«Ű© Iritriya 'l-áž„adÄ«áčŻa = ኀáˆȘቔርዚ áˆá‹łáˆ” Eritrəya áž„addas), die Hörfunksender Stimme der Massen (ዔምáŒș ሓፋሜ DəmáčŁi áž„affaĆĄ = Ű”ÙˆŰȘ Ű§Ù„ŰŹÙ…Ű§Ù‡ÙŠŰ± áčąaut al-ǧamāhÄ«r), Zara FM und Radio Numa sowie den Fernsehsender ERi-TV.

Geschichte

Zwischen 500 vor Christus und dem 19. Jahrhundert

Seit der historisch erforschten FrĂŒhzeit um 500 v. Chr. herrschten verschiedene MĂ€chte ĂŒber das Land. Auf dem heutigen Staatsgebiet befand sich das Aksumitische Reich. WĂ€hrend des Mittelalters unterstand das christliche Hochland den Ă€thiopischen Kaisern, in den KĂŒstengegenden herrschten lokale FĂŒrsten. Mit der Eroberung durch die TĂŒrken wurde Eritrea 1554 fĂŒr mehr als 300 Jahre zur Provinz HabeƟ Eyaleti des Osmanischen Reiches. WĂ€hrend dieser Zeit wurden insbesondere die der Ă€thiopisch-orthodoxen Kirche angehörenden Einwohner der KĂŒstengegenden islamisiert. Die Hauptstadt auf dem Gebiet Eritreas war Massaua.

Seit 1870 bzw. 1882 war die Bucht von Assab italienisch, doch erst nach der Besetzung Massauas (1885) und Asmaras (1889) wurde daraus 1890 eine italienische Kolonie unter dem neu geschaffenen Namen Colonia Eritrea.

Im 20. Jahrhundert

Nach dem Überfall Italiens auf Äthiopien wurde Eritrea 1936 in das neu gegrĂŒndete Italienisch-Ostafrika eingegliedert. Es erhielt große Gebiete NordĂ€thiopiens dazu, so wurde der grĂ¶ĂŸte Teil Tigrays Teil von Eritrea. 1941 wurde die Zugehörigkeit zu Italien durch alliierte StreitkrĂ€fte beendet. Das Gebiet wurde unter die britische MilitĂ€rverwaltung gestellt und 1947 – nach der formellen Aufgabe Eritreas durch Italien – britisches Mandatsgebiet. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschieden sich die Vereinten Nationen fĂŒr eine Föderation der Provinz Eritrea mit dem Kaiserreich Abessinien.

Nachdem der Ă€thiopische Kaiser Haile Selassie die politischen Rechte der eritreischen Bevölkerung von 1952 bis 1961 systematisch ausgehöhlt und anschließend 1961 durch die (Selbst-)Auflösung des eritreischen Parlaments Eritrea annektiert hatte, griffen eritreische Separatisten zu den Waffen. Die UnabhĂ€ngigkeitsbewegungen erhielten in den 1960ern und den darauffolgenden Jahren großen Zulauf.

Der UnabhĂ€ngigkeitskrieg endete nach dreißig Jahren 1991 mit dem Sieg der Eritreischen Volksbefreiungsfront (EPLF) und verschiedener weiterer Ă€thiopischer Rebellengruppen (u. a. die EPRDF) und der Entmachtung des Ă€thiopischen Derg-Regimes. Die EPRDF bildete eine neue Regierung und erlaubte die UnabhĂ€ngigkeit Eritreas. Diese wurde nach einer durch die UN ĂŒberwachten Volksabstimmung am 24. Mai 1993 erklĂ€rt, bei der 99,83 Prozent der Teilnehmer fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit stimmten. Dieser Tag ist seither Nationalfeiertag Eritreas.

In den darauffolgenden Jahren verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Äthiopien und Eritrea. 1998 brach ein Grenzkrieg der beiden Staaten aus, der in einer Pattsituation endete. Seitdem war die UN-Beobachtermission UNMEE in der Grenzregion stationiert, um den rechtmĂ€ĂŸigen Grenzverlauf zu markieren.

Im 21. Jahrhundert

Im Jahr 2002 empfahl eine unabhĂ€ngige Grenzkommission die neuen Staatsgrenzen. Im Rahmen eines Schiedsspruches der Äthiopisch-Eritreischen Grenzkommission des StĂ€ndigen Schiedshofs in Den Haag unterzeichneten Äthiopien und Eritrea das Abkommen, in dem sich beide zur Anerkennung des Grenzverlaufs bereiterklĂ€rten. TatsĂ€chlich bestehen jedoch weiterhin Differenzen, zumal keine der beiden Seiten alle AnsprĂŒche erfĂŒllt bekam. Das umstrittene Gebiet um Badme wurde der eritreischen Seite zugesprochen, Äthiopien protestierte daraufhin und verlangte eine sofortige Korrektur des Schiedsspruchs. Bis 2018 konnte daher die Umsetzung der Grenzdemarkierung nicht wie vereinbart vollzogen werden. SĂ€mtliche UN-Truppen, die eigentlich zur Friedenssicherung abgestellt worden waren, wurden von eritreischer Seite aus Protest gegen die Ă€thiopische Blockadehaltung massiv in ihren Arbeiten behindert. 2008 entschied der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, das Mandat der UNMEE nicht weiter zu verlĂ€ngern.

Am 5. Juni 2018 erklĂ€rte die Ă€thiopische Regierung ihre Bereitschaft, die Regelungen des Grenzabkommens von 2002 zu akzeptieren. Dazu gehöre auch die Übergabe Badmes an Eritrea. Am 8. Juli 2018 erklĂ€rte Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed, dass Äthiopien und Eritrea wieder diplomatische Beziehungen aufnehmen. Zugleich wurde ein Friedensvertrag zwischen den beiden LĂ€ndern geschlossen.

Politik

Politisches System

Eritrea besitzt offiziell eine demokratische Verfassung. Wahlen finden auf regionaler und nationaler Ebene statt (Baito). Der PrÀsident ist Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der StreitkrÀfte ist Sebat Efrem.

Das Staatsoberhaupt und der Regierungschef sind die höchsten Instanzen der eritreischen Übergangsregierung. Zusammen mit der 24-köpfigen Staatsvertretung, bestehend aus 16 Ministern und weiteren Staatsvertretern, bilden sie die Exekutive Eritreas.

Die Legislative wird von einer 150 Mitglieder umfassenden eritreischen Nationalversammlung gebildet. Von den 150 sind 75 Mitglieder des Zentralkomitees der Volksfront fĂŒr Demokratie und Gerechtigkeit (PFDJ) und 75 Volksvertreter, die direkt vom Volk gewĂ€hlt werden. Unter diesen 75 Vertretern des Volkes mĂŒssen elf Frauen und 15 Emigranten sein. Die Nationalversammlung wĂ€hlt den PrĂ€sidenten, erlĂ€sst Gesetze und Verordnungen und kĂŒmmert sich um deren Einhaltung. Da Eritrea ab 1952 Teil von Äthiopien war, nahmen Eritreerinnen und Eritreer an den Ă€thiopischen Wahlen von 1957 auf der Basis eines ab dem 4. November 1955 in Äthiopien geltenden allgemeinen aktiven und passiven Wahlrechts teil. Damit war das Frauenwahlrecht Gesetz. Nach der UnabhĂ€ngigkeit von 1993 sah die Verfassung von 1997 ein allgemeines Wahlrecht fĂŒr die Wahlen zur Nationalversammlung und fĂŒr die PrĂ€sidentschaftswahlen vor.

Die regulĂ€re Gerichtsbarkeit Eritreas besteht aus einem Obergericht mit fĂŒnf Standorten, 36 Regionalgerichten und etwa 368 Gemeindegerichten; daneben gibt es eine Sonder- und eine MilitĂ€rgerichtsbarkeit.

Parteien

Die Politik Eritreas wird von der Volksfront fĂŒr Demokratie und Gerechtigkeit (PFDJ) dominiert. Die Volksfront fĂŒr Demokratie und Gerechtigkeit, die aus der frĂŒheren bewaffneten UnabhĂ€ngigkeitsbewegung der Eritreischen Volksbefreiungsfront (EPLF) hervorgegangen ist, nimmt mit ihrem Parteivorsitzenden Isayas Afewerki auch gleichzeitig den Posten des StaatsprĂ€sidenten und Regierungschefs in Anspruch. Eritrea gilt daher als Einparteienstaat. Auch wenn von offizieller Seite bekrĂ€ftigt wird, dass man sich fĂŒr ein Parteiengesetz einsetze, sind diese Behauptungen eher kritisch zu sehen. Neben der PFDJ gibt es noch eine Reihe anderer politischer Parteien im Lande, die aber alle nicht zu Wahlen zugelassen sind.

Innerhalb des Landes gibt es noch einige oppositionelle Splittergruppen, die aber bisher keinen Einfluss auf die Politik des Landes nehmen konnten:

  • Eritreische Befreiungsfront, gefĂŒhrt von Woldeyesus Ammar
  • Eritreische Nationale Allianz, gefĂŒhrt von Hiruy Tedla
  • Eritreische Volksbewegung, gefĂŒhrt von Abdellah Adem
  • Eritreische Demokratische Partei, gefĂŒhrt von Mesfin Hagos
  • Eritreische Befreiungsfront – Nationalrat, gefĂŒhrt von Ahmed Nasser.

Menschenrechtslage

Aufgrund andauernder Menschenrechtsverletzungen wurde im Oktober 2012 Sheila Keetharuth zur Sonderberichterstatterin zur Situation der Menschenrechte fĂŒr Eritrea der Vereinten Nationen ernannt. Ein erster Bericht wurde dem Menschenrechtsrat im Zuge der Resolution 20/20 am 28. Mai 2013 vorgestellt. Darin stellte sie schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen wie willkĂŒrliche Tötungen und Verhaftungen, erzwungenes Verschwindenlassen, Folter sowie fehlende Meinungs-, Religions- und Versammlungsfreiheit fest.

Amnesty International zufolge werden Regierungskritiker, Deserteure und Eritreer, die im Ausland um Asyl ersucht haben, inhaftiert. Insgesamt betrachten viele internationale Beobachter das politische System Eritreas als repressiv oder gar als Diktatur. Die Regierung hielt dem – vor FriedensgesprĂ€chen mit Äthiopien im Jahr 2018 – entgegen, dass sich Eritrea im Übergang zur Demokratie befĂ€nde, von Äthiopien bedrĂ€ngt wĂŒrde und sich deswegen praktisch im Krieg befĂ€nde. Ein Sturz der jungen Regierung wĂŒrde dadurch verhindert. In Eritrea saßen 2017 elf Journalisten in Haft.

Staatlich anerkannt sind die orthodoxe, die katholische und die evangelisch-lutherische Kirche sowie der Islam. Nicht anerkannte religiöse Minderheiten wie evangelikale Christen und die Zeugen Jehovas sind besonders seit 2002 von staatlichen Repressionen und Inhaftierung betroffen. Zu den wegen ihres Glaubens Inhaftierten gehörte Anfang 2008 auch eine Gruppe von etwa 70 Muslimen, die sich weigerten, den von der Regierung eingesetzten Mufti als ihr Oberhaupt anzuerkennen.

Ein UNHCR-Bericht vom Juni 2015 konstatierte „systematische, weit verbreitete und schwere Menschenrechtsverletzungen“ (systematic, widespread and gross human rights violations).

Die Haftbedingungen in den mindestens 37 teils geheimen, teils offiziellen Internierungslagern und MilitÀrgefÀngnissen sind prekÀr. Es kommt zu Folter, sexuellem Missbrauch und Gewalt. Es wird von TodesfÀllen berichtet.

In dem jĂ€hrlich veröffentlichten Weltverfolgungsindex (WVI) von Open Doors, welcher die LĂ€nder mit der stĂ€rksten Christenverfolgung aufzeigt und analysiert, lag Eritrea 2019 an siebter Stelle. Demnach gehört das Land zu den LĂ€ndern auf der Welt, in denen Christen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit am stĂ€rksten unterdrĂŒckt werden.

Das repressive politische System, die schwierige Wirtschaftslage und die Einberufungen zu zeitlich nicht begrenzter Zwangsarbeit sorgen dafĂŒr, dass Eritrea eines der LĂ€nder mit dem höchsten Anteil an außerhalb des Landes lebenden StaatsbĂŒrgern ist. Etwa ein FĂŒnftel der Bevölkerung lebt im Ausland.

Außenpolitik

Die Beziehungen Eritreas zu seinen Nachbarstaaten sind angespannt. Eritrea wie Äthiopien werden beschuldigt, insbesondere seit 2006/2007 ihre Streitigkeiten nunmehr als „Stellvertreterkrieg“ in Somalia auszutragen. Äthiopien unterstĂŒtzt die Übergangsregierung Somalias und intervenierte von Ende 2006 bis Anfang 2009 militĂ€risch; Eritrea beherbergt Teile der somalischen Opposition im Exil. VorwĂŒrfe, wonach es Islamisten und andere Gegner der Übergangsregierung illegal mit Waffen beliefert habe, hat es zurĂŒckgewiesen. Die separatistische Ogaden National Liberation Front in Äthiopien hat UnterstĂŒtzung von Eritrea erhalten.

Mitte 2008 kam es zu mehreren ZusammenstĂ¶ĂŸen eritreischer und dschibutischer Truppen im umstrittenen Grenzgebiet beider Staaten. Die USA und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschuldigten Eritrea daraufhin der militĂ€rischen Aggression.

Im Ausland lebende Eritreer mĂŒssen eine „Aufbausteuer“ in Höhe von zwei Prozent ihres Bruttoeinkommens an den eritreischen Staat zahlen. FrĂŒher wurde diese von den Botschaften Eritreas in den jeweiligen LĂ€ndern erhoben, da Botschaften aber keine Steuern mehr eintreiben dĂŒrfen, mĂŒssen im Ausland lebende Eritreer jetzt entweder selbst in die Heimat reisen oder einen dort lebenden Verwandten mit der Zahlung beauftragen. Bei Nichtbezahlung werden keine offiziellen Dokumente ausgestellt, es besteht keine Möglichkeit, Erbschaften anzutreten und GeschĂ€ftstĂ€tigkeiten aufzunehmen, zudem drohen Repressalien gegen im Land lebende Verwandte. SchĂŒler, Studenten oder Arbeitslose sind von der Abgabe befreit. Diese Abgabe, die von hunderttausenden Auslandseritreern erhoben wird, auch wenn sie eine andere StaatsbĂŒrgerschaft besitzen, stellt eine der grĂ¶ĂŸten Geldquellen der eritreischen Regierung dar.

Anfang Juli 2018 teilte Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed nach einem Treffen mit dem eritreischen PrĂ€sidenten Isayas Afewerki in Asmara mit, dass nach jahrzehntelanger Feindseligkeit die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen vereinbart wurde. So ist geplant, Botschaften und Grenzen wieder zu öffnen sowie Flugverbindungen wiedereinzurichten und HĂ€fen zugĂ€nglich zu machen. Der Anfang April 2018 neu gewĂ€hlte MinisterprĂ€sident Abiy Ahmed hatte bereits zu Beginn seiner Amtszeit eine Friedenslösung mit dem Nachbarland angestrebt. Anfang Juni 2018 hatte er angekĂŒndigt, den Beschluss einer von den Vereinten Nationen unterstĂŒtzten internationalen Schiedskommission ĂŒber den Grenzverlauf beider LĂ€nder aus dem Jahr 2002 „vollstĂ€ndig“ umzusetzen und sich aus den umstrittenen Gebieten zurĂŒckzuziehen.

Wirtschaft

Kennzahlen

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fĂŒr 2017 wird auf 5,8 Milliarden US-Dollar geschĂ€tzt. In KaufkraftparitĂ€t betrĂ€gt das BIP 9,4 Milliarden US-Dollar oder 1.580 US-Dollar je Einwohner. Das reale Wachstum betrug 5,0 %. Eritrea gehört damit zu den Ă€rmsten LĂ€ndern der Welt.

Folgende Tabelle gibt Überblick ĂŒber die Entwicklung der Wirtschaft seit dem Jahr 1995. Aufgrund der internationalen Isolation des Landes ist das Pro-Kopf-Einkommen seit der UnabhĂ€ngigkeit des Landes kaum gewachsen.

Tourismus

Der Tourismus im Land beruht weitestgehend auf wenigen Individualurlaubern, im Ausland lebenden eritreischen BĂŒrgern auf Heimatbesuch und einer kleinen Anzahl auslĂ€ndischer Reiseveranstalter, die mit in der Regel kleinen Gruppen das Land bereisen. Themengebiete sind unter anderem archĂ€ologische Studien, italienische Kolonialgeschichte, Reisen fĂŒr professionelle Fotografen zu den ethnischen Gruppen des Landes und Reisen fĂŒr Eisenbahnfans. Badeurlaub wird auch mangels einer geeigneten touristischen Infrastruktur kaum angeboten.

Landwirtschaft

Etwa 75 % der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschĂ€ftigt. Trotzdem mĂŒssen Nahrungsmittel importiert werden, auch weil wĂ€hrend des Krieges und darĂŒber hinaus mindestens 300.000 Personen zum MilitĂ€rdienst eingezogen waren und daher ArbeitskrĂ€fte in der Landwirtschaft und anderen Wirtschaftsbereichen fehlten. Durch DĂŒrre und wirtschaftspolitische Inkompetenz der autoritĂ€ren Regierung kam es zu schweren Hungersnöten.

Das Hauptanbaugebiet ist das westliche Tiefland und das Hochland. Angebaut wird vor allem Getreide, Baumwolle, Mais, diverse GemĂŒsesorten sowie auch eine Vielzahl an verschiedenen Obstsorten.

Industrie

Eritrea verfĂŒgt ĂŒber BodenschĂ€tze wie Gold, Silber, Kupfer, Schwefel, Nickel, Pottasche, Marmor, Zink und Eisen. Salz wird in großem Umfang produziert. Diese Rohstoffe fördert Eritrea schon seit lĂ€ngerer Zeit fĂŒr den weltweiten Export.

Es gibt Zement-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie, darunter mehrere Brauereiunternehmen, Alkohol- und Weinproduktion. Eritrea verfĂŒgt ĂŒber eine Vielzahl von Ersatzteil- und Möbelunternehmen. Seit einigen Jahren werden in der eritreischen Industriestadt Dekemhare Busse, Transport-, Reinigungs- und MĂŒllwagen von dem eritreischen Unternehmen Tesinma produziert.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 2.165 Millionen US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 1.580 Millionen US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 10,9 Prozent des BIP.

Im Jahr 2016 betrug die Staatsverschuldung 125,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) Eritreas.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 3,6 Prozent
  • Bildung: 2,4 Prozent
  • MilitĂ€r: 6,3 Prozent

MilitÀr

Die StreitkrĂ€fte Eritreas sind aus der Eritreischen Volksbefreiungsfront (EPLF) hervorgegangen, die fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit Eritreas von Äthiopien kĂ€mpfte. Die Beziehungen Eritreas zum Ausland sind gespannt. Unter anderem bedingt durch den dreißigjĂ€hrigen UnabhĂ€ngigkeitskrieg gegen Äthiopien wird die EigenstĂ€ndigkeit Eritreas stark betont, was zum Teil als Isolationismus bezeichnet wird. Es kam in der jungen Geschichte des Landes zu mehreren Grenzkonflikten, insbesondere zum erneuten Krieg gegen Äthiopien 1998–2000. Das MilitĂ€r in Eritrea nimmt eine große Rolle ein: sowohl MĂ€nner als auch Frauen mĂŒssen in Eritrea einen unbefristeten Wehrdienst leisten, der laut Amnesty International einer Zwangsarbeit gleichkommt. Wehrdienstverweigerer werden strafrechtlich verfolgt und als Deserteure gebrandmarkt. In Friedenszeiten droht ihnen eine Haftstrafe von bis zu fĂŒnf Jahren - in Kriegszeiten kann die Haftstrafe zwischen fĂŒnf Jahren bis lebenslĂ€nglich betragen und in schweren FĂ€llen droht gar die Todesstrafe.

Verkehr

Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die QualitÀt der Infrastruktur misst, belegte Eritrea 2018 den 155. Platz unter 160 LÀndern.

Das Straßennetz in Eritrea ist fĂŒr afrikanische VerhĂ€ltnisse relativ gut ausgebaut. Allerdings wurde die von den Italienern sehr gut ausgebaute Infrastruktur zunĂ€chst von den Briten und spĂ€ter von den Äthiopiern weitestgehend zerstört, so dass heute nur noch ein kleiner Teil davon ĂŒbriggeblieben ist. Die meisten Straßen sind Schotterpisten.

Zwischen Massaua und Asmara gibt es eine Eisenbahnverbindung, auf der planmĂ€ĂŸig aber nur ein Ausflugszug mit einer Dampflokomotive recht regelmĂ€ĂŸig zwischen Asmara nach Nefasit verkehrt. Zudem kommen immer wieder SonderzĂŒge fĂŒr Eisenbahnfans auf die Strecke. Es wird erwogen, die historische Strecke zwischen Asmara und Agordat (westliches Tiefland) wieder aufzubauen.

Große TiefwasserhĂ€fen sind Massaua und Assab, in T'Ă­'o befindet sich ein kleinerer Hafen im Aufbau.

FlughĂ€fen finden sich in Asmara, außerdem in Massaua, Sawa, Tesseney und Assab. In Nakfa und Barentu gibt es lange Schotterpisten, die jedoch kaum angeflogen werden. Flugverbindungen bestehen hauptsĂ€chlich nach Istanbul mit Turkish Airlines, nach Kairo mit Egypt Air, nach Dubai mit Flydubai, außerdem gibt es einige Strecken der staatlichen Eritrean Airlines, wie etwa nach Khartum.

Sport

Die grĂ¶ĂŸten internationalen Erfolge erzielten eritreische Sportler im Langstreckenlauf. Der wichtigste und am weitesten verbreitete Sport in Eritrea ist aber der Radsport. Er kam mit den italienischen Kolonialherren ins Land und 1946 wurde erstmals die Giro d’Eritrea ausgetragen. An den Wochenenden werden heute in Eritrea anspruchsvolle Straßenrennen abgehalten. International bekannte Straßenradsportler sind Daniel Teklehaimanot, Natnael Berhane und Merhawi Kudus, die zurzeit (Stand 2015) alle bei dem sĂŒdafrikanischen Radsportteam MTN-Qhubeka unter Vertrag stehen und Radrennen auf höchster sportlicher Ebene bestreiten. Im Jahr 2015 waren Teklehaimanot und Kudus die ersten Eritreer, die an der Tour de France teilnahmen. In deren Verlauf trug Teklehaimanot sogar fĂŒr mehrere Tage das Gepunktete Trikot des FĂŒhrenden in der Bergwertung, was auf den Straßen Asmaras mit einem Autokorso gefeiert wurde. Auch der wohl bekannteste eritreische Sportler, Zersenay Tadese, versuchte sich in seiner Jugend zunĂ€chst als Straßenradfahrer, bevor er zum Langstreckenlauf wechselte. Er ist mehrfacher Weltmeister und war bis Oktober 2018 Weltrekordhalter im Halbmarathonlauf. Der jĂŒngste Marathonweltmeister der Geschichte ist Ghirmay Ghebreslassie aus Eritrea. Erst 19-jĂ€hrig gewann er den Marathon der Weltmeisterschaften im August 2015 in Peking.

Literatur

  • Wolfgang Fengler: Politische Reformhemmnisse und ökonomische Blockierung in Afrika – Die Zentralafrikanische Republik und Eritrea im Vergleich. Baden-Baden, Nomos Verlagsgesellschaft 2001, ISBN 3-7890-7064-5.
  • Aklilu Ghirmai: Eritrea zwischen Einparteienstaat und Demokratie. Die Bedeutung der Opposition im Demokratisierungsprozess. Tectum, Marburg 2005, ISBN 978-3-8288-8922-4.
  • Ruth Iyob: The Eritrean Struggle for Independence – Domination, Resistance, Nationalism 1941–1993, Cambridge University Press, Cambridge 1995.
  • S. Klingebiel, H. Ogbamichael: Eritrea. In: Michael Neu, Wolfgang Gieler, JĂŒrgen Bellers (Hrsg.): Handbuch der Außenwirtschaftspolitiken: Staaten und Organisationen. LIT-Verlag, MĂŒnster 2004, S. 66–67
  • Dieter H. Kollmer, Andreas MĂŒckusch (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte: Horn von Afrika. (Herausgegeben im Auftrag des MilitĂ€rgeschichtlichen Forschungsamtes) Ferdinand Schöningh, Paderborn u. a. 2007, ISBN 978-3-506-76397-6.
  • Tanja R. MĂŒller: Bare life and the developmental State: the Militarization of Higher Education in Eritrea. In: Journal of Modern African Studies, Vol. 46 (2008), Nr. 1, S. 1–21.
  • David O’Kane, Tricia Redeker Hepner (Hrsg.): Biopolitics, militarism, and development: Eritrea in the twenty-first century. Berghahn Books, Oxford/New York 2009, ISBN 978-1-84545-567-5.
  • Michela Wrong: I Didn’t Do It for You. How the World Betrayed a Small African Nation. HarperCollins, New York 2005, ISBN 978-0-06-078092-0.
  • Martin Zimmermann: Eritrea – Aufbruch in die Freiheit. Verlag Neuer Weg, 2. Auflage, Essen 1991, ISBN 3-88021-198-1.

Weblinks

  • Offizielle WebprĂ€senz des Informationsministeriums (englisch)
  • WebprĂ€senz Botschaft des Staates Eritrea in der Bundesrepublik Deutschland
  • AuswĂ€rtiges Amt: LĂ€nderĂŒbersicht Eritrea
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Eritrea
  • Eritrea country profile – Overview und In pictures: Eritrea’s diversity auf der Website von BBC News (englisch).
  • EritreaEritrea.com (italienisch)
  • Country Studies: The Eritrean Movement (englisch)

Einzelnachweise


 

Region Regionen (6)

Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Anseba 15.576 15.154 38.786 39.326  
Debub 18.005 14.335 37.986 40.595  
Debubawi Keyih Bahri 14.955 12.36 40.354 43.124  
Gash Barka 16.435 14.106 36.423 38.788  
Maekel 15.176 14.417 38.213 39.723  
Semienawi Kayih Bahri 17.54 15.545 36.876 38.959  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Eritrea

Name englisch: Eritrea
Hauptstadt: Asmara
Kfz: ER
ISO: ER
ISO3: ERI
Fläche: 121320 km²
Tld: .er
Wärung Einheit: ERN
Währung: Nakfa
Vorwahl: 291

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 18.0212099
südlichster Punkt: 12.354723
westlichster Punkt: 36.4333479
östlichster Punkt: 43.1429772


 
Eritrea: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Eritrea. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

Twitter twitter.com/deinebergede Instagram instagram.com/deineberge.de Facebook facebook.com/DeineBerge Frage Kontakt Fragen, Fehler, Lob, Kritik?
Schreib uns eine Nachricht.