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Staat Informationen : Libanon

Informationen:


Der Libanon ([ˈliːbanɔn], amtlich: Libanesische Republik; arabisch Ű§Ù„ŰŹÙ…Ù‡ÙˆŰ±ÙŠŰ© Ű§Ù„Ù„ŰšÙ†Ű§Ù†ÙŠŰ©) ist ein Staat in Vorderasien am Mittelmeer. Er grenzt im Norden und Osten an Syrien und im SĂŒden entlang der Blauen Linie an Israel. Im Westen wird er vom Mittelmeer begrenzt. Der Libanon wird zu den Maschrek-LĂ€ndern und zur Levante gerechnet. Das bis zu 3000 Meter hohe Libanon-Gebirge ist im Winter schneebedeckt. Von dessen weißen Gipfeln wird der Landesname abgeleitet, der auf die semitischen Radikale L–B–N („weiß“) zurĂŒckgeht.

Im Libanon lebten im Juli 2019 etwa 6,9 Millionen Menschen, knapp die HĂ€lfte davon in der Hauptstadtregion Beirut. Weitere GroßstĂ€dte sind Tripoli, Sidon, Tyros, ZahlĂ©, Jounieh und NabatĂ€a.

Geographie

Das Land gliedert sich in vier Landschaftszonen, die parallel zur KĂŒste verlaufen:

  1. Der 225 Kilometer lange, schmale steile KĂŒstenstreifen, der sich nur im Norden und SĂŒden ausweitet.
  2. Das stark zerklĂŒftete Libanongebirge
  3. Die Bekaa-Ebene, die im Regenschatten des Libanon-Gebirges liegt, jedoch aufgrund von kĂŒnstlicher BewĂ€sserung sehr fruchtbar ist (Weinbau, Getreide, Milchwirtschaft, Obst)
  4. Der trockene Anti-Libanon-Gebirgszug und der Hermon, der die Grenze zu Syrien bildet.

Der Litani ist mit 140 Kilometer der lĂ€ngste Fluss des Libanon, dessen Lauf vollstĂ€ndig innerhalb des Staatsgebietes liegt. Weitere nennenswerte FlĂŒsse sind der nach Syrien und in die TĂŒrkei fließende Orontes und der Hasbani, einer der drei QuellflĂŒsse des Jordan.

Klima

Entsprechend den Unterschieden in der Landschaft des Libanon ist auch das Klima sehr unterschiedlich. An der KĂŒste herrscht mediterranes Klima mit trockenen, warmen Sommern und feuchten, regenreichen Wintern. Im Gebirge herrscht ausgesprochenes Gebirgsklima, wobei auch hier der Hauptniederschlag im Winter fĂ€llt und dann hauptsĂ€chlich in Form von Schnee. An der Grenze zu Syrien herrscht ein trockenes Steppenklima, welches den Übergang zum WĂŒstenklima des sĂŒdlichen Syriens und Jordaniens bildet. In Beirut liegen die Temperaturen am Tag bei durchschnittlich 18 °C im Januar und bei 30 °C im Juli und August. Im Dezember und Januar gibt es durchschnittlich 11 Regentage in Beirut, wĂ€hrend der August im Allgemeinen völlig trocken bleibt.

Bevölkerung

Der Libanon hat ungefĂ€hr 6,9 Millionen Einwohner (Stand 2019, geschĂ€tzt). Davon sind etwa 95 % arabischer, 4 % armenischer, 1 % anderer Abstammung. Im Land verteilt leben zudem kurdische, 408.438 bei UNRWA registrierte palĂ€stinensische sowie irakische und syrische FlĂŒchtlinge. Zudem gibt es arabischsprachige Mhallamis aus der TĂŒrkei, die hauptsĂ€chlich in den 1920er und 1940er Jahren in den Libanon eingewandert sind.

Da der Libanon fĂŒr die letzten 50 Jahre eine sehr starke Landflucht aufweist, lebt der Großteil der Bevölkerung in StĂ€dten, vor allem in der Hauptstadt Beirut und Vororten. Dort lebt und arbeitet fast die HĂ€lfte der Libanesen.

Der Libanon hat mit ca. 79 Jahren im Zeitraum von 2010 bis 2015 eine der höchsten Lebenserwartungen in der arabischen Welt. Gleichzeitig eine relativ niedrige FertilitÀtsrate von 1,6 Kindern pro Frau. Deshalb wird erwartet, dass die Bevölkerung des Landes in den nÀchsten Jahrzehnten stark altern wird.

  • Alphabetisierungsgrad Erwachsene (> 15 Jahre) 2015 (geschĂ€tzt): 93,9 %
  • Geburtenziffer 2011 (geschĂ€tzt): 1,6 Kinder pro Frau
  • Kindersterblichkeit 2011 (geschĂ€tzt): 1,5 %
  • Sterberate 2011 (geschĂ€tzt): 0,6 %

Die Bevölkerungsstruktur hatte sich ab 2011 durch den Zustrom zahlreicher FlĂŒchtlinge des syrischen BĂŒrgerkriegs stark verĂ€ndert, das Land nahm ca. 1,5 Mio. Syrer auf. FlĂŒchtlinge machen damit etwa ein Viertel der Wohnbevölkerung des Libanon aus. Der rapide Bevölkerungsanstieg binnen weniger Jahre stellt Wirtschaft und Infrastruktur vor große Belastungen. Es kommt zu EngpĂ€ssen bei der Versorgung mit elektrischem Strom und Trinkwasser, deren ohnehin schon defizitĂ€re Infrastruktur der zusĂ€tzlichen Nachfrage nicht gewachsen ist.

2013 lebten im Land mehr schulpflichtige syrische als libanesische Kinder, zu viele um sie alle im öffentlichen Bildungssystem zu unterrichten. Zwischen 2011 und 2013 verdoppelte sich die Arbeitslosigkeit auf 20 %, im Dezember 2012 entfielen 40 % aller Arztbesuche auf syrische FlĂŒchtlinge.

Laut einer SchÀtzung von Amnesty International lebten im Libanon im Jahr 2019 mehr als 250.000 AuslÀnder im Kafala-System, und damit etwa acht Prozent der Erwerbsbevölkerung des Landes.

Sprachen

Die große Mehrheit der Libanesen spricht als Muttersprache libanesisches Arabisch, einen dem syrischen Arabisch und dem palĂ€stinensischen Arabisch sehr Ă€hnlichen Dialekt; in Zeitungen, Magazinen und in den öffentlichen Rundfunkmedien wird oft das Hocharabische verwendet. Minderheiten sprechen Armenisch (Westarmenisch), Kurdisch und AramĂ€isch, das auch die Liturgiesprache der maronitischen Kirche und anderer syrischer Kirchen ist.

Daneben ist auch Französisch als Verkehrs- und Elitesprache und in letzter Zeit als Drittsprache auch Englisch verbreitet. Fast 40 % der Libanesen sind frankophon und weitere 15 % „teilweise frankophon“; zwei Drittel der SekundarschĂŒler Libanons verwenden Französisch als Unterrichtssprache. Von diesen verwenden noch gut 20 % Französisch tĂ€glich. Das Englische wird inzwischen in einem Drittel der Sekundarschulen des Libanon als Zweitsprache verwendet. Es gewinnt zunehmend in der Wissenschaft und in Wirtschaftsinteraktionen an Bedeutung, wĂ€hrend Französisch die Sprache ist, die allgemein von Intellektuellen verwendet wird.

Religionen

Die Berge des Libanon, namentlich das namengebende Libanon-Gebirge, stellen traditionell ein RĂŒckzugsgebiet fĂŒr verschiedenste religiöse Minderheiten dar. Es gibt im Libanon 18 anerkannte Religionsgemeinschaften, die grĂ¶ĂŸten davon sind maronitische Christen, schiitische und sunnitische Muslime. Daneben gibt es Drusen, rum-orthodoxe Christen, melkitische griechisch-katholische Christen, armenisch-apostolische Christen, Alawiten, armenisch-katholische Christen und protestantische Christen sowie koptische Christen und wenige Juden.

Im Jahr 1956 wurde der Anteil der Christen im Libanon mit 54 % der Bevölkerung angegeben, bildete damit die Mehrheit gegenĂŒber Muslimen und Drusen. Weil seit 1932 keine VolkszĂ€hlung mehr erhoben worden ist, liegen keine verlĂ€sslichen SchĂ€tzungen fĂŒr die GrĂ¶ĂŸe der einzelnen Glaubensgemeinschaften vor. Jedoch wird geschĂ€tzt, dass der Anteil der Christen aufgrund niedrigerer Geburtenraten, höherer Emigration sowie ĂŒberwiegend nicht-christlicher Immigration auf etwa 39 % zurĂŒckgegangen ist und sie somit nicht mehr die Bevölkerungsmehrheit des Landes stellen. Die Maroniten leben vor allem im Westen und Osten des Landes, die orthodoxen Christen insbesondere im Nordwesten.

Nach den neuesten Angaben mĂŒssten inzwischen Muslime einen Anteil von bis zu 59,7 % ausmachen. Die Sunniten leben hauptsĂ€chlich in den KĂŒstenstĂ€dten Beirut, Sidon und Tripoli sowie in lĂ€ndlichen Gebieten im SĂŒdosten und Norden des Landes, wĂ€hrend die Schiiten besonders in den sĂŒdlichen Vororten (Dahiya) von Beirut, im Nordosten und SĂŒden leben. Die Zahl der Schiiten betrug 1980 SchĂ€tzungen zufolge 780.000 und 1,37 Millionen im Jahr 1996. Daneben gibt es die Drusen, die 7 % der Bevölkerung stellen und nicht mehr den schiitischen Muslimen zugerechnet werden. Die Mehrheit der Drusen lebt verstreut im Zentrum des Landes.

Diaspora

Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind vor allem christliche Libanesen aufgrund von religiösen Repressionen aus ihren Heimatgebieten im damaligen Osmanischen Reich ausgewandert. Seither existiert eine mehrere Millionen Personen zĂ€hlende libanesische Diaspora, die grĂ¶ĂŸer als die Bevölkerung des Libanon selbst ist. Sie lebt vor allem in Nordamerika (USA und Kanada), Lateinamerika, Frankreich sowie in den frankophonen Staaten Subsahara-Afrikas. In den ersten Jahren des BĂŒrgerkriegs verließen vermutlich mehr als eine halbe Million Menschen das Land – da offizielle Zahlen nicht verfĂŒgbar sind, handelt es sich um SchĂ€tzungen.

Brasilien hat die grĂ¶ĂŸte Zahl an Menschen libanesischer Herkunft. GeschĂ€tzt auf etwa 7–9 Millionen, wird die libanesischstĂ€mmige Minderheit ĂŒberwiegend von Christen gebildet, deren Vorfahren bei einer Einwanderungsbewegung in den 1850er Jahren kamen. Eine große Anzahl von Libanesen emigrierte zudem nach Westafrika, speziell in die ElfenbeinkĂŒste (Heimat von ĂŒber 100.000 Libanesen) und in den Senegal (knapp 30.000 Libanesen). Australien ist die Heimat von ĂŒber 270.000 Libanesen (SchĂ€tzung 1999). Frankreich stellte seit dem spĂ€ten 19. Jahrhundert einen kulturellen Bezugspunkt vor allem fĂŒr die intellektuelle Oberschicht des Landes dar; eine dauerhafte Einwanderung von Libanesen nach Frankreich gibt es seit dem Beginn des BĂŒrgerkrieges im Jahr 1975.

Geschichte

Vorgeschichte

Im Altertum spielten den Libanon einbeziehende Großreiche wie Ägypten und Assyrien und die weitgehend unabhĂ€ngigen phönizischen Stadtstaaten Byblos, Tyros und Sidon eine bedeutende Rolle im Mittelmeerraum. Die frĂŒhesten Beweise fĂŒr Zivilisation im Libanon stammen aus mehr als siebentausend Jahren vor den Aufzeichnungen der Geschichte. Der Libanon war die Heimat der Kanaaniter / Phönizier und ihrer Königreiche. Sie bildeten eine Seekultur, die ĂŒber tausend Jahre blĂŒhte (ca. 1550–539 v. Chr.). Die Handelskolonien der Phönizier nahmen im westlichen und sĂŒdlichen Mittelmeer zuletzt als Karthagisches Reich unter der FĂŒhrung Karthagos bis zum Aufstieg des Römischen Reiches eine beherrschende Stellung ein. Phönizische SeehĂ€ndler vermittelten im 8. Jahrhundert v. Chr. die Alphabetschrift als phönizische Schrift ins archaische Griechenland, wo sie zur Grundlage des griechischen Alphabets wurde, aus dem auch das lateinische und kyrillische entstand, auch der Name „Europa“ geht wahrscheinlich auf das phönizische Wort erob (Westen/ Sonnenuntergang) zurĂŒck.

Ab dem 16. Jahrhundert v. Chr. standen die phönizischen Stadtstaaten unter der Oberhoheit des Ă€gyptischen Neuen Reiches. Der Niedergang begann mit dem Neuassyrischen Reich, das ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. das Gebiet eroberte. Ihm folgte als Fremdherrscher das Neubabylonische Reich, diesen im 6. Jahrhundert v. Chr. das altpersische AchĂ€menidenreich. Das Perserreich wurde von dem Makedonier Alexander dem Großen zerschlagen, nach dessen Tod 323 v. Chr. wurde das von ihm geschaffene Reich unter seinen Diadochen (Nachfolgern) Ptolemaios I. und Seleukos I. geteilt. Der Libanon wurde Teil des hellenistischen Seleukidenreiches.

Nachdem das Römische Reich im 1. Jahrhundert v. Chr. den Nahen Osten erobert hatte, gehörte das Gebiet zur römischen Provinz Syria, die durch die wieder aufstrebenden KĂŒstenstĂ€dte eine der reichsten Provinzen Roms war. Nach der Teilung des Römischen Reiches 395 n. Chr. war der heutige Libanon Teil des Oströmisch-Byzantinischen Reiches und wurde von Konstantinopel (Byzanz) aus verwaltet und entwickelte sich zu einem Zentrum des Christentums. Zwischen 634 und 640 n. Chr. wurde der Libanon im Zuge der islamischen Expansion erobert.

WĂ€hrend im KĂŒstenstreifen und anderen ebeneren Regionen bis ins 19. Jahrhundert Sunniten und rum-orthodoxe (griechisch-orthodoxe) Christen dominierten, entwickelten sich die Gebirgsregionen des Libanongebirges und des nördlich angrenzenden Nusairiergebirges in Syrien seit dem 6. Jahrhundert n. Chr. zum RĂŒckzugsgebiet islamisch-schiitischer und christlich-heterodoxer Strömungen und Sekten („religiöse Dissidenten“). Die schiitischen Gebirgsbewohner waren historisch die Qarmaten und Assassinen, aus denen sich im Mittelalter die Drusen mit dem historischen Zentrum im sĂŒdlichen Gebirgsabschnitt Chouf, die Alawiten (Nusairier) vorwiegend nördlich des Libanon in Syrien, teilweise auch im Ă€ußersten Norden des Landes, und die Ismailiten, nordöstlich außerhalb des Libanon, bildeten. Auch die schiitische Hauptströmung Zwölfer-Schia war seit dem 11. Jahrhundert anfangs im mittleren Gebirgsabschnitt Kesrouan nachweisbar, wurden aber bis auf wenige Dörfer von FeldzĂŒgen der Mamluken ab Ende 13. Jahrhundert bis zuletzt Sultan BarqĆ«q grĂ¶ĂŸtenteils aus dem Gebirge ins sĂŒdlibanesische HĂŒgelland und die Ost-Bekaa-Ebene vertrieben, wo sie bis heute die grĂ¶ĂŸte Bevölkerungsgruppe bilden. Eine von der Umgebung abweichende christliche Strömung sind besonders die Maroniten aus Syrien, die ein eigenstĂ€ndiges Patriarchat gegrĂŒndet hatten und sich anfangs wahrscheinlich im 6. Jahrhundert in der Umgebung des Wadi Qadischa im nördlichen Gebirge ansiedelten. Sie entwickelten sich im SpĂ€tmittelalter und der Neuzeit zur wichtigsten Bevölkerungsgruppe des Libanon, dessen toleranteres Klima spĂ€ter auch andere abweichende christliche Strömungen anzog: seit dem 18. Jahrhundert griechisch-katholische Christen (v. a. um ZahlĂ©, um Sidon und um Kaa im Ă€ußersten Nordosten), im 20. Jahrhundert Armenier (meist in Bourj Hammoud und in Anjar), in jĂŒngster Zeit auch syrisch-orthodoxe, assyrische und chaldĂ€ische FlĂŒchtlinge aus Syrien und dem Irak.

Ab 1098 begannen die ZĂŒge der christlichen Kreuzritter, die das "Heilige Land" (PalĂ€stina) aus den HĂ€nden der „UnglĂ€ubigen“ befreien wollten. Nach der Eroberung Jerusalems 1099 gehörte der SĂŒden des Libanon zum christlichen Königreich Jerusalem, der Norden spĂ€ter zur Grafschaft Tripolis (1109 gegrĂŒndet). Auch nachdem die Kreuzritter aus Jerusalem wieder vertrieben worden waren, blieben Tripoli (und Antiochia, Tyros und Tortosa) zunĂ€chst unter ihrer Herrschaft. EndgĂŒltig wurden das christliche Kreuzfahrerheer im 13. Jahrhundert vom Mamlukenreich, einer Ă€gyptischen Herrscherdynastie, aus der Region zurĂŒckgedrĂ€ngt (1291 Fall von Akkon). Die Mamluken ließen Beirut als regionales Handelszentrum bestehen und verfolgten im Übrigen gegen die anderen KĂŒstenstĂ€dte und HĂ€fen ab Baibars I. eine Politik des „verbrannten Ufers“. Sie herrschten bis 1516 ĂŒber das Gebiet des heutigen Libanon, bevor sie vom Osmanischen Reich verdrĂ€ngt wurden. Herrscher war nun der tĂŒrkische Sultan in Istanbul (frĂŒher Konstantinopel), der als Kalif sowohl weltliches als auch geistliches Oberhaupt des Osmanischen Reiches war.

Im Libanon wurden wie auch in anderen osmanischen Gebieten Statthalter eingesetzt, unter dem die vorhandenen verschiedenen Religionsgemeinschaften weitgehend toleriert wurden. Im Bergland des Libanongebirges entstand das Emirat der Drusen (16.–19. Jahrhundert), spĂ€ter „Emirat Berglibanon“ genannt,, dessen frĂŒher Emir Fachreddin II. mit europĂ€ischer Hilfe die UnabhĂ€ngigkeit von den Osmanen und die Expansion durchzufĂŒhren versuchte, bis er von den Osmanen hingerichtet wurde. Grundlage dieses Emirats war die Übernahme von offiziellen Posten innerhalb der osmanischen Verwaltung, spĂ€ter auch der Steuerpacht, durch Angehörige der lokalen Elite. In diesem „Emirat des Berglibanon“ entwickelten sich die mit dem Papst in Rom unierten christlichen Maroniten und die Drusen zu den dominierenden Bevölkerungsgruppen, deren Siedlungsgebiete sich durch Bevölkerungswachstum vergrĂ¶ĂŸerten. Die Maroniten besiedelten erst den von Schiiten meistens verlassenen mittleren Gebirgsabschnitt Kesrouan (Kisrawan), danach den Metn östlich von Beirut, siedelten sich seit dem 19. Jahrhundert auf Einladung der Emire auch in sĂŒdlichen Gebirgsabschnitten an und dominierten auch den KĂŒstenstreifen zwischen Batrun und Ost-Beirut. Die Drusen siedelten seit Fachreddin II. nach SĂŒdosten ins Hermon-Massiv, danach auch außerhalb des Libanon im Hauran, auf den Golanhöhen und schließlich im Karmelgebirge.

Eine spezifische libanesische IdentitĂ€t findet sich erstmals Anfang des 19. Jahrhunderts in Schriften von Historikern. 1840 und 1842 setzten die Osmanen die beiden letzten Emire ab, weil der vorletzte mit dem gegen die Osmanen rebellierenden Ă€gyptischen Khediven Muhammad Ali Pascha verbĂŒndet war, der letzte den dadurch von Frankreich und Großbritannien geschĂŒrten Konflikt zwischen drusischen und maronitischen Großgrundbesitzern nicht beenden konnte und die Osmanen ĂŒbernahmen direkt die Verwaltung des Berglibanon, den sie in einen nördlichen maronitischen und einen sĂŒdlichen drusischen Unterbezirk unterteilten. Nachdem sich ein erfolgreicher maronitischer Bauernaufstand 1858 im mittleren Gebirge im drusischen SĂŒdteil zu einem weiteren Maronitisch-Drusischen Konflikt mit Massakern an Christen bis Damaskus ausweitete, intervenierte 1860 die französische Armee. Der politische VorlĂ€ufer des Libanon war eine ab 1860 bis 1916 von einem christlichen Gouverneur, der aber nicht aus dem Libanon stammen durfte, gefĂŒhrte nunmehr autonome Provinz Libanonberg innerhalb des Osmanischen Reiches, die sich mit französischen Wirtschaftsinvestitionen zu einem Handels- und Bankenzentrum im Nahen Osten entwickelte.

Entstehung des Staates

Ab 1920 entstanden die heutigen Landesgrenzen unter einem französischen Völkerbundsmandat. Es war unter dem Namen État de Grand Liban Teil des Mandats fĂŒr Syrien und den Libanon und erhielt 1926 als Republik eine gewisse EigenstĂ€ndigkeit. Am 26. November 1941 kĂŒndigte der französische General Georges Catroux die UnabhĂ€ngigkeit des Libanon sowie seine Unterordnung unter die freifranzösische Regierung an. Im November 1943 fanden Wahlen statt, und am 8. November löste die neue libanesische Regierung das französische Mandat einseitig auf.

Am 22. November 1943 fand die Wiedereinsetzung der Regierung durch libanesische AmtstrĂ€ger statt; dies ist zugleich auch der offizielle UnabhĂ€ngigkeitstag. Direkt nach der UnabhĂ€ngigkeit des Libanon wurden etwa 20.000 Mann Freiwillige unter dem Kommando des spĂ€teren PrĂ€sidenten Fuad Schihab in die freifranzösische Armee unter Charles de Gaulle eingegliedert, wo sie in Bir Hakeim und bei Monte Cassino ihren Beitrag zum Erfolg der Alliierten im mediterranen Kriegsschauplatz leisteten. Der unabhĂ€ngige Libanon war im Zweiten Weltkrieg somit Teil der „Anti-Hitler-Koalition“ und spĂ€ter auch GrĂŒndungsmitglied der Vereinten Nationen, bei dessen GrĂŒndungsversammlung in San Francisco im Februar 1945 der libanesische Delegierte Charles Malik neben Eleanor Roosevelt eine dominierende Rolle spielte und wesentliche Teile der Charta der Vereinten Nationen und der Allgemeinen ErklĂ€rung der Menschenrechte mitverfasste.

Seit Ausrufung des Nachbarstaates Israel befindet sich Libanon im Kriegszustand mit Israel. Im Jahr 1958 kam es zur Libanonkrise zwischen pro-westlichen Christen und nationalistischen Muslimen in der Zeit des Kalten Krieges. Danach stabilisierte sich das Land unter PrĂ€sident Fuad Schihab (ChĂ©hab) und seinem Nachfolger Charles Helou durch eine weitgehende soziale, politische und wirtschaftliche Reformpolitik, die als Chehabismus (Schihabismus) bezeichnet wird. Wegen seiner wirtschaftlichen StabilitĂ€t und politischen NeutralitĂ€t (1949–1969) wurde der stark westlich oder französisch geprĂ€gte Libanon in den 1950er und 1960er Jahren auch als „Schweiz des Orients“ bezeichnet. Die Hauptstadt Beirut galt bis 1984 sogar als „Paris des Nahen Ostens“. Das Frauenwahlrecht wurde 1953 eingefĂŒhrt.

BĂŒrgerkrieg im Libanon

Der Abbruch der chehabistischen Reformpolitik durch den nur knapp mit Waffengewalt gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Suleiman Frangieh im August 1970 und die Ankunft der PLO-FĂŒhrung und -Milizen aus Jordanien nach dem „Schwarzen September“ 1970 im Libanon, die das Land zum Schauplatz des Nahostkonfliktes machten, gelten als Hauptursachen fĂŒr die SchwĂ€chung des Staates und die AufrĂŒstung „linker“ pro-palĂ€stinensischer und „rechter“ anti-palĂ€stinensischer Parteimilizen 1970–75. Von 1975 bis 1990 wurde das Land von einem langen BĂŒrgerkrieg heimgesucht. Der BĂŒrgerkrieg nahm im April 1975 mit dem Ausbruch offener Gefechte zwischen der maronitischen Kata’ib (auch Phalange-Miliz) und palĂ€stinensischen und libanesisch-muslimischen Milizen seinen Anfang. Als Beginn gilt der 13. April, als die Kata'ib nach einem Anschlag auf eine Kirche die palĂ€stinensischen Insassen eines Busses auf dem RĂŒckweg in ein FlĂŒchtlingslager massakrierten.

Die Ursachen des BĂŒrgerkrieges werden unterschiedlich diskutiert. WĂ€hrend die einen vor allem den Konflikt mit den PalĂ€stinensern in den Vordergrund stellen, sehen andere die sich verschĂ€rfenden sozialen Unterschiede allgemein und im Besonderen entlang konfessioneller Grenzen als Ursache. Wieder andere betonen die Einflussnahme Ă€ußerer MĂ€chte. Diejenigen, die den Konflikt mit den PalĂ€stinensern betonen, weisen dabei auf den Verlust des ethnischen Gleichgewichts nach der Ankunft der im Jordanischen BĂŒrgerkrieg 1970 aus Jordanien vertriebenen bewaffneten KrĂ€fte der PalĂ€stinensischen Befreiungsorganisation (PLO) hin.

1976 marschierten syrische Soldaten im Libanon ein und griffen zunĂ€chst auf Seiten der christlichen Fraktion in den Krieg ein. Die christlichen Libanesen fanden ihre stĂ€rkste UnterstĂŒtzung in Israel, wo auch zahlreiche ihrer KĂ€mpfer ausgebildet wurden.

Am 14. MĂ€rz 1978, nach mehreren AnschlĂ€gen der PLO, deren letzter der KĂŒstenstraßen-Anschlag bei Tel Aviv am 11. MĂ€rz 1978 war und den Tod von 37 Israelis verursachte und weitere 76 Menschen verletzte, marschierte die israelische Armee im Rahmen der Operation Litani in den SĂŒdlibanon ein und besetzte das Gebiet sĂŒdlich des Flusses Litani. Dabei wurden zwischen 1000 und 2000 Personen getötet und nach SchĂ€tzungen der libanesischen Regierung rund 280.000 vertrieben. FĂŒnf Tage nach dieser Invasion wurde die Resolution 425 des UN-Sicherheitsrates angenommen, zu deren Umsetzung United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL)-Truppen im SĂŒdlibanon stationiert wurden. 1982 besetzte Israel den SĂŒden des Landes und zwang die PLO in diesem Libanon-Feldzug am 21. August zum vollstĂ€ndigen RĂŒckzug aus dem Libanon. Dieser wurde unter Aufsicht einer multinationalen Schutztruppe, ĂŒberwiegend amerikanischer und französischer Soldaten, durchgefĂŒhrt. Am 17. September 1983 beschoss die US Navy erstmals Stellungen der Syrer in der NĂ€he von Beirut. Die multinationale Friedenstruppe verließ allerdings Ende Februar bis Anfang MĂ€rz 1984 den Libanon, nachdem am 23. Oktober 1983 bei zwei BombenanschlĂ€gen auf die multinationalen Hauptquartiere, die der Hisbollah zugeschrieben werden, 241 US-Soldaten und 58 Franzosen getötet wurden. 1985 richtete Israel eine Schutzzone im Vorfeld der israelischen Grenze ein.

Das Abkommen von Taif schuf erst 1989 die Grundlage fĂŒr die Beendigung des BĂŒrgerkrieges. Der BĂŒrgerkrieg forderte 90.000 Todesopfer, 115.000 Verletzte und 20.000 Vermisste. 800.000 Menschen flohen ins Ausland.

Syrischer und israelischer Einfluss

Mit dem syrisch-libanesischen Vertrag vom Mai 1991 konnte Syrien seine Funktion als Ordnungsmacht (Besatzungsmacht) im Libanon festigen.

1994 und 1995 bombardierte die israelische Armee wiederholt Stellungen der paramilitĂ€rischen, schiitischen Hisbollah im SĂŒdlibanon, um gegenĂŒber der libanesischen Regierung der israelischen Forderung nach Entwaffnung der pro-iranischen Miliz Nachdruck zu verleihen. Die israelische Armee zog sich am 24. Mai im Jahre 2000 mit Ausnahme des umstrittenen Gebietes der Schebaa-Farmen vollstĂ€ndig aus dem Libanon zurĂŒck. Seit dem Abzug der israelischen Truppen aus dem Libanon im Jahr 2000 gab es fast regelmĂ€ĂŸig im israelisch-libanesischen Grenzgebiet bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen der Hisbollah und der israelischen Armee.

Der syrienfreundliche PrĂ€sident des Libanon Émile Lahoud ließ Ende 2004 sein abgelaufenes Mandat vom Parlament durch VerfassungsĂ€nderung um drei Jahre verlĂ€ngern. Dies fĂŒhrte rasch zum RĂŒcktritt des anti-syrischen Premierministers Rafiq al-Hariri, nachdem sich dieser darĂŒber hinaus auch mit seiner Forderung nach einem Abzug der syrischen Truppen nicht durchsetzen konnte.

Zedernrevolution

Am 14. Februar 2005 wurde der anti-syrische Premierminister Rafiq al-Hariri durch ein Attentat auf seinen Fahrzeugkonvoi getötet. Dabei kamen auch weitere Menschen ums Leben.

Der Tod al-Hariris wurde zum Ausgangspunkt einer innenpolitischen Eskalation, der sogenannten Zedernrevolution. Eine breite oppositionelle Bewegung forderte vehement den RĂŒckzug der syrischen Truppen. Diese Bewegung stĂŒtzte sich vor allem auf Christen, Drusen und Sunniten, wurde aber auch von nennenswerten Teilen der schiitischen Bevölkerung mitgetragen. Auch die USA und Frankreich ĂŒbten seit Ende Februar immer mehr Druck auf Syrien aus. Am 28. Februar trat die syrienfreundliche libanesische Regierung zurĂŒck. Syrien verstĂ€ndigte sich am 7. MĂ€rz mit dem Libanon, seine Truppen als ersten Schritt bis zum Ende des Monats ins östliche Bekaa-Tal zurĂŒckzuziehen. Ende April waren dann bereits alle 14.000 syrischen Soldaten in ihre Heimat zurĂŒckgekehrt.

Am 8. MĂ€rz 2005 rief die antiwestliche Hisbollah zu einer Demonstration auf, um gegen die UN-Resolution 1559 (die schon seit 2. September 2004 eine Entwaffnung dieser Gruppe fordert) zu protestieren. Viele der etwa 500.000 Teilnehmer an der Demonstration dankten aber auch den Syrern und wandten sich gegen die USA und Israel. Dies gab der pro-syrischen Fraktion genug Kraft, um den wenige Tage zuvor zurĂŒckgetretenen Premier Omar Karami am 10. MĂ€rz neuerlich mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Am 14. MĂ€rz versammelten sich bei einer weiteren Demonstration der Opposition 300.000 Menschen im Zentrum Beiruts. Die pro-syrischen Demonstrationen am 8. MĂ€rz und die antisyrischen am 14. MĂ€rz gaben daraufhin den zwei Lagern des neu entstandenen politischen Spektrums ihren Namen.

Am 15. April wurde Nadschib Miqati MinisterprĂ€sident einer Übergangsregierung. Im Juni fanden Parlamentswahlen statt. Sie wurden von Saad al-Hariris oppositioneller anti-syrischer „Zukunftsbewegung“ gewonnen. Saad al-Hariri ist der Sohn des ermordeten Rafiq al-Hariri.

Am 30. Juli wurde der damalige Finanzminister Fuad Siniora von PrĂ€sident Lahoud mit der Regierungsbildung beauftragt. Die Duldung des bewaffneten Arms der Hisbollah durch die libanesische Regierung setzte sich auch nach dem Wahlsieg der Opposition fort. DarĂŒber hinaus wurde die Hisbollah nun erstmals an der Regierung beteiligt, dem Kabinett gehörte nun ein Minister (Energieminister) der schiitischen Hisbollah an. Die Freie Patriotische Bewegung (französisch Courant Patriotique Libre, CPL) des aus dem Exil zurĂŒckgekehrten ehemaligen christlichen Premierministers Michel Aoun, die seit 1990 friedlich gegen die syrische Besetzung gekĂ€mpft hatte, entschied sich gegen eine Regierungsbeteiligung.

Zweiter Libanonkrieg

Die Hisbollah machte Israel fĂŒr ein Attentat, dem Mahmoud Majzoub, FĂŒhrer der islamistischen Bewegung Islamischer Dschihad, und dessen Bruder zum Opfer fielen, verantwortlich und begann ab 28. Mai 2006 mit Raketenangriffen auf MilitĂ€rfahrzeuge und eine MilitĂ€rbasis in Israel. Israel reagierte mit Luftangriffen auf ein palĂ€stinensisches FlĂŒchtlingslager im Libanon. Am 29. Mai verstĂ€rkte die Hisbollah die Raketen- und Mörserangriffe, die Israel wiederum zu grĂ¶ĂŸeren Luft- und Artillerieangriffen veranlassten.

Vom 12. Juli bis zum 14. August 2006 fĂŒhrte Israel dann einen Krieg gegen die Hisbollah im Libanon, nachdem diese zwei israelische Soldaten im israelisch-libanesischen Grenzgebiet gefangen genommen hatte (Libanonkrieg 2006). Die Hisbollah reagierte mit von libanesischem Territorium abgefeuerten Raketen auf Ziele im Norden Israels. Die israelischen Luftangriffe und Bodenoffensiven verursachten massive Zerstörungen in den sĂŒdlichen Landesteilen, sĂŒdlichen Teilen Beiruts und auch vereinzelten Zielen im Norden des Landes. Bei dem Krieg starben ĂŒber 1100 Libanesen, davon laut libanesischen Quellen zur Mehrheit Zivilisten. Auf israelischer Seite kamen nach UN-Angaben ĂŒber 40 Zivilisten durch die Raketenangriffe der Hisbollah auf Nordisrael ums Leben. Der SĂŒden des Libanon ist seit Ende der Kampfhandlungen im Rahmen der UN-Resolution 1701 der internationalen Friedenstruppe UNIFIL und der libanesischen Armee unterstellt.

Innere Krise und neues Abkommen

In einer Anschlagserie von 2004 bis 2008 kamen ĂŒber ein Dutzend antisyrische Politiker und Intellektuelle ums Leben, darunter neben Rafiq al-Hariri auch Gebran Tueni, Samir Kassir, Walid Eido. Am 21. November 2006 wurde der maronitisch-christliche Minister Pierre Gemayel junior Opfer eines Mordanschlags.

Im Herbst 2006 traten die schiitischen und ein oppositionsnaher christlicher Minister aus Protest gegen die PlĂ€ne der Regierung zum Hariri-Tribunal zurĂŒck. Die antiwestliche Opposition unter FĂŒhrung der Hisbollah, der Amal und der Freien Patriotischen Bewegung des maronitischen Politikers Michel Aoun sah aufgrund der nun entgegen dem konfessionellen Proporzsystem des Libanons weggefallenen schiitischen Vertretung im Kabinett die Regierung als illegitim an und bekrĂ€ftigte ihre Forderung nach der Bildung einer neuen Regierung mit einem 18-monatigen Sitzstreik in der Innenstadt von Beirut. ParlamentsprĂ€sident Nabih Berri, der der oppositionellen Amal vorsteht, weigerte sich, Parlamentssitzungen einzuberufen.

Im palĂ€stinensischen FlĂŒchtlingslager Nahr al-Bared kam es von Mai bis Juli 2007 zu den heftigsten Gefechten im Libanon seit dem Abkommen von Taif. Bei den mehrwöchigen KĂ€mpfen zwischen der libanesischen Armee und der radikal-islamischen Untergrundorganisation Fatah al-Islam, die sich in dem Lager verschanzt hatte, wurden ĂŒber 200 Personen getötet.

Als Émile Lahouds Amtszeit als PrĂ€sident im November 2007 auslief, machte die Opposition ihre fĂŒr die notwendige Zweidrittelmehrheit erforderliche Beteiligung an der PrĂ€sidentenwahl des Parlaments von einer vorherigen Einigung auf eine Regierung der nationalen Einheit und ein neues Wahlgesetz abhĂ€ngig, obwohl das Mehrheitslager den Oppositionskandidaten, Armeechef Michel Sulaiman, akzeptiert hatte. Trotz zahlreicher Vermittlungsversuche blieb so das Amt des PrĂ€sidenten ĂŒber sechs Monate vakant. Im Mai 2008 fĂŒhrte eine Entscheidung der Regierung ĂŒber das Kommunikationsnetzwerk der Hisbollah schließlich zur Eskalation, in der Hisbollah- und Amal-KĂ€mpfer vorĂŒbergehend Westbeirut besetzten.

Die StraßenkĂ€mpfe und der Einsatz von Artillerie im Chouf-Gebirge erinnerten an den BĂŒrgerkrieg und bewegten die Arabische Liga dazu, eine Ministerdelegation unter Leitung des katarischen Außenministers und des GeneralsekretĂ€rs der Liga nach Beirut zu entsenden. Unter ihrer Vermittlung nahm die Regierung die BeschlĂŒsse gegen die Hisbollah zurĂŒck, die im Gegenzug ihre Barrikaden rĂ€umte. Bei anschließenden fĂŒnftĂ€gigen Verhandlungen in Doha, die mehrfach durch die katarische FĂŒhrung vor dem Scheitern bewahrt werden mussten, einigten sich alle libanesischen Parteien schließlich auf die Wahl Sulaimans zum PrĂ€sidenten, die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit mit 11 von 30 Posten fĂŒr die Opposition, die damit Regierungsentscheidungen blockieren kann, sowie ein neues Wahlgesetz. Am 25. Mai 2008 wurde Michel Sulaiman im Beisein sowohl des iranischen und syrischen als auch des saudischen und französischen Außenministers zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. Seine Amtsperiode endete am 25. Mai 2014. Mehrere WahlgĂ€nge seit MĂ€rz 2014 fĂŒhrten zu keinem Ergebnis, so dass das Amt des Staatsoberhauptes seit 26. Mai 2014 vakant blieb. Nach 29 Monaten Paralyse kehrte Michel Aoun dank neuer Allianzen im eigentlich ebenfalls ĂŒber seine Amtszeit hinaus agierenden Parlament am 31. Oktober 2016 als PrĂ€sident in den PrĂ€sidentenpalast zurĂŒck. Vom 18. Dezember 2016 bis zu seinem RĂŒcktritt am 4. November 2017 war Saad Hariri amtierender libanesischer MinisterprĂ€sident. Am 4. November 2017 verlas Hariri eine vom saudischen Fernsehen live ausgestrahlte ErklĂ€rung, worin er seinen RĂŒcktritt als MinisterprĂ€sident erklĂ€rte. Es gab Mutmaßungen, dass dieser RĂŒcktritt nicht freiwillig, sondern auf saudi-arabischen Druck erklĂ€rt wurde. Da sich Hariri in Saudi-Arabien aufhielt, konnte er seinen RĂŒcktritt nicht dem StaatsprĂ€sidenten persönlich erklĂ€ren, wie es formal in der Verfassung vorgesehen ist. Daher nahm der StaatsprĂ€sident diesen RĂŒcktritt nicht an. Am 18. November wurde Hariri vom französischen StaatsprĂ€sidenten Macron nach Frankreich eingeladen und reiste von dort aus in den Libanon zurĂŒck. Letztlich widerrief Hariri seinen RĂŒcktritt.

Regierungskrise Oktober–Dezember 2019

Nach einer latenten Krise aufgrund kontinuierlicher Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und des Unvermögens der Regierung, substantielle Probleme der Infrastruktur und Versorgung zu lösen, kam es nach einer stĂ€rkeren Abwertung des Wechselkurses des Libanesischen Pfunds zum US-$, aus der Kontrolle geratenen WaldbrĂ€nden, welche eine weitere Ohnmacht der Regierung offenbarten, sowie angekĂŒndigten Steuererhöhungen im Oktober 2019 zu den stĂ€rksten landesweiten Protesten seit dem Ende des BĂŒrgerkrieges 1990 mit der Forderung nach RĂŒcktritt der Regierung von Saad Hariri. In Teilen nahmen diese das Ausmaß politischer und sozialer Unruhen an. Die AnkĂŒndigung von Hariri am 29. Oktober 2019 erfolgte nach 13-tĂ€gigen Massenprotesten, bei denen der Abschied der gesamten politischen Elite des Landes gefordert wurde, und zwar unter wachsender Wut ĂŒber offizielle Korruption, schlechte öffentliche Dienste und jahrelange Misswirtschaft.

Siehe auch: Wirtschaftskrise im Libanon seit 2019

Der PrĂ€sident des Libanon hat am 9. Dezember 2019 UniversitĂ€tsprofessor Hassan Diab, einen von der Hisbollah unterstĂŒtzten ehemaligen Bildungsminister, gebeten, eine neue Regierung zu bilden. Michel Aoun ernannte Diab nach einem Tag der Konsultation zum MinisterprĂ€sidenten, nachdem Diab eine einfache Mehrheit des 128-köpfigen Parlaments erhalten hatte: 69 Parlamentarier, darunter der parlamentarische Block der schiitischen Hisbollah- und Amal-Bewegung, sowie mit PrĂ€sident Michel Aoun verbundene Gruppen gaben ihm ihre Stimmen. Erst am 21. Januar 2020 stellte Diab sein neues Kabinett vor.

Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut 2020

Am 4. August 2020 kam es im Hafen von Beirut zu einer Explosion, bei der mindestens 190 Menschen getötet und etwa 6500 verletzt wurden. Zahlreiche Menschen wurden vermisst. Die Detonation riss einen Krater mit einem Durchmesser von rund 200 Metern, der sich mit Meerwasser fĂŒllte. Große Teile des Hafens, der von zentraler Bedeutung fĂŒr die Versorgung des Landes ist, wurden zerstört oder beschĂ€digt. Die Katastrophe und die anschließenden Proteste fĂŒhrten zum RĂŒcktritt der Regierung Diab am 10. August. Erst im September 2021 gelang es dem frĂŒheren MinisterprĂ€sidenten Nadschib Miqati, eine neue Regierung zu bilden.

Politik

Staatsaufbau

Der Libanon ist seit 1926 eine Republik und derzeit eine parlamentarische Demokratie. Die innenpolitische Lage ist aufgrund des Konfessionalismus sehr komplex und wenig stabil. Mehrere PrĂ€sidenten, MinisterprĂ€sidenten und andere Politiker wurden in der Geschichte des Libanon wĂ€hrend oder nach ihrer Amtszeit ermordet. Die Verfassung von 1926 wurde zuletzt 1999 geĂ€ndert, ĂŒber deren Einhaltung wacht der Verfassungsrat des Libanon.

Die vier höchsten StaatsÀmter sind Mitgliedern bestimmter religiöser Gruppen vorbehalten:

  • Das Staatsoberhaupt muss maronitischer Christ sein,
  • der ParlamentsprĂ€sident muss schiitischer Muslim sein,
  • der Regierungschef muss sunnitischer Muslim sein,
  • der Oberbefehlshaber der Armee muss Christ sein.

Diese Regeln basieren nicht auf der Verfassung von 1926, sondern auf dem Nationalpakt von 1943 und wurden zwischen den Vertretern der Konfessionen zuletzt im Abkommen von Taif (1989) bestÀtigt.

Die Wahl des Staatsoberhauptes erfolgt alle sechs Jahre durch das Parlament (keine unmittelbare Wiederwahl). Das Wahlrecht besteht ab 21 Jahren. Am 31. Oktober 2016 wurde Michel Aoun zum Staatsoberhauptes gewÀhlt, Regierungschef Hassan Diab war als Nachfolger von Saad Hariri von Dezember 2019 bis August 2020 im Amt.

Seit Februar 2006 tagen in unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden zwölf ranghohe Politiker aller großen libanesischen Parteien und religiösen Gruppen an einem „runden Verhandlungstisch“ im Beiruter Regierungsviertel, um ĂŒber wichtige nationale Fragen zu verhandeln („Nationaler Dialog“). So hat man sich bisher darauf geeinigt, dass die Schebaa-Farmen libanesisches Gebiet sind. Offen sind bis heute Fragen der Entwaffnung der Hisbollah und der im Libanon ansĂ€ssigen palĂ€stinensischen Milizen. Seit 2008 wird hierfĂŒr an einer nationalen Verteidigungsstrategie gearbeitet, die den Rahmen fĂŒr die staatlichen StreitkrĂ€fte wie auch fĂŒr die „RĂ©sistance“ (der Hisbollah) bilden soll.

Parlament

Das Parlament (Maǧlis an-Nuwwāb) mit 128 Mitgliedern wird alle vier Jahre gewÀhlt. Es setzt sich seit dem Abkommen von Taif nach dem Grundsatz der konfessionellen ParitÀt wie folgt zusammen:

Die letzte Parlamentswahl fand im Jahr 2018 statt, zuvor waren 2005 und 2009 Parlamentswahlen abgehalten worden (siehe libanesische Regierung vom Juli 2005). Der ParlamentsprÀsident ist Nabih Berri (seit 1999).

Vor der UnabhĂ€ngigkeit wurde unter der Verwaltung als französisches Schutzgebiet die Gleichheit aller BĂŒrgerinnen und BĂŒrger vor dem Gesetz in Artikel 7 der Verfassung vom 26. Mai 1926 proklamiert, Frauen wurden nicht gesondert erwĂ€hnt. 1926 wurde zwar ein aktives Frauenwahlrecht eingefĂŒhrt, war aber an Bildungsvoraussetzungen gebunden. 1943 wurde das Land unabhĂ€ngig. Ab 1952 bestand fĂŒr alle MĂ€nner Wahlpflicht, wĂ€hrend Frauen ab 21 Jahren mit Grundschulbildung ein Wahlrecht hatten.

Parteien

Im Libanon herrscht – im Gegensatz zu vielen anderen arabischen Staaten in der Region – ein pluralistisches Parteiensystem vor.

StĂ€rkste Parteien der prowestlichen Koalition „14. MĂ€rz“:

  • Zukunftsbewegung (Courant du futur) unter dem sunnitischen FĂŒhrer Saad Hariri
  • Forces Libanaises (FL) als christliche politische Organisation, die im Jahre 1978 von dem gewĂ€hlten, aber noch vor Amtsantritt ermordeten PrĂ€sidenten Bachir Gemayel gegrĂŒndet wurde. Unter den pro-syrischen Regierungen litten die FL unter starken BeschrĂ€nkungen. Erst die „Zedernrevolution“ Anfang 2005 und der darauf folgende Abzug der syrischen Truppen brachte unter anderem mit der Haftentlassung ihres FĂŒhrers Samir Geagea den Forces Libanaises BetĂ€tigungsfreiheit.
  • Kataeb-Partei (Phalanges) unter dem christlichen ehemaligen PrĂ€sidenten Amin Gemayel
  • Sozialdemokratische Hntschak-Partei (Henchack) als Partei der Armenier

StĂ€rkste Parteien der antiwestlichen Koalition „8. MĂ€rz“:

  • Hisbollah: im BĂŒrgerkrieg entstandene schiitisch-religiöse Partei und Miliz, gefĂŒhrt von Hassan Nasrallah
  • Freie Patriotische Bewegung (FPM): Eine Bewegung, die seit 1990 gegen die syrische Besetzung des Landes protestiert hatte und noch bis zum Abzug der syrischen Armee verboten war. Ca. 16.000 Verhaftungen durch die syrische Besatzung und die Polizei musste die Bewegung hinnehmen. GefĂŒhrt von dem maronitischen General Michel Aoun.
  • Amal-Bewegung: traditionelle schiitische Bewegung, die gegen die Besetzung des Landes durch Israel kĂ€mpfte. Nach dem BĂŒrgerkrieg Versöhnung mit der Hisbollah.
  • Progressiv-Sozialistische Partei (PSP) des DrusenfĂŒhrers Walid Dschumblat. 2009 distanzierte sich Dschumblat vom 14. MĂ€rz und ordnete seine Partei in der Mitte ein.

Politische Indizes

Soziales

Neben den staatlichen Sozialstrukturen sind auch zahlreiche Nichtregierungsorganisationen wie die National Institution of Social Care and Vocational Training tĂ€tig. HomosexualitĂ€t wird seit 2014 nicht mehr verurteilt, aber die Polizei verwendet dennoch Artikel 534 des libanesischen Strafgesetzbuches zur EinschĂŒchterung und zur Registrierung der Betroffenen.

MilitÀr

Die StreitkrÀfte des Libanon bestehen aus den drei TeilstreitkrÀften Heer, LuftstreitkrÀfte und Marine und bestehen aus etwa 71.000 Soldaten. Alle drei TeilstreitkrÀfte werden vom Zentralkommando der libanesischen StreitkrÀfte in Jarzeh, im Osten von Beirut gelegen, kommandiert. Das MilitÀr des Libanon setzte sich vor Abschaffung der Wehrpflicht 2008 aus Wehrpflichtigen zusammen, die ab dem 4. Mai 2005 einberufen wurden. Der Wehrdienst dauerte sechs Monate und die verpflichtende Reservezeit endete nach zwei Jahren.

Der Libanon gab 2017 knapp 4,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 2,4 Milliarden US-Dollar fĂŒr seine StreitkrĂ€fte aus. Die MilitĂ€rausgaben als erheblicher Anteil der Staatsausgaben gehören mit 15,6 Prozent zu den höchsten der Welt.

Verwaltungsgliederung

Der Libanon ist in acht Gouvernements unterteilt, die sich aus insgesamt 25 Distrikten zusammensetzen:

Libanonberg*: Die Distrikte Jbeil und Keserwan sollen laut Beschluss des libanesischen Parlaments vom August 2017 das eigenstÀndige Gouvernement Keserwan-Jbeil mit Sitz in Jounieh bilden.

GrĂ¶ĂŸte StĂ€dte mit Einwohnerzahlen (geschĂ€tzt; seit 1932 gab es keine offizielle VolkszĂ€hlung):

  • Beirut (Hauptstadt): 2.100.000,
  • Tripoli: 500.000,
  • ZahlĂ©: 200.000,
  • Sidon: 100.000,
  • Tyros: 70.000.

Wirtschaft

Das BIP des Libanon betrug 2016 kaufkraftbereinigt 85,16 Mrd. US-Dollar. Das ergibt ein Pro-Kopf Einkommen von knapp 18.500 Dollar, womit das Land eines der reicheren in der arabischen Welt ist und das ungefÀhre Wohlstandsniveau von LÀndern wie Mexiko und dem Iran erreicht. Die Weltbank klassifiziert den Libanon 2017 als Land mittleren Einkommens. Das Wirtschaftswachstum lag 2016 bei 1 %.

Der Libanon hat eine traditionell relativ freie Wirtschaft und eine starke Handelstradition. Die meist wohlhabende und erfolgreiche libanesische Diaspora trĂ€gt in Form von Überweisungen und Investments einen bedeutenden Teil zur einheimischen Wirtschaftsleistung bei. Die Wirtschaft ist stark auf den Dienstleistungssektor ausgerichtet, in dem vor allem der Finanz- und Tourismussektor das Wachstum treiben, die industrielle Basis des Landes ist dagegen nur schwach ausgeprĂ€gt. Probleme im Land sind Korruption, eine umstĂ€ndliche BĂŒrokratie und dauerhafte politische InstabilitĂ€t. Zudem hat das Land aufgrund der BĂŒrgerkriege der letzten Jahrzehnte und der hohen Zahl an FlĂŒchtlingen im Land, die versorgt werden mĂŒssen, eine der höchsten Staatsverschuldungsquoten der Welt. Die belasteten Staatsfinanzen verursachen außerdem unzureichende Investitionen in die öffentliche Infrastruktur. Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Libanon Platz 105 von 137 LĂ€ndern (Stand 2017–2018).  Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit liegt das Land 2017 auf Platz 137 von 180 LĂ€ndern.

Libanon war in Zeiten des Friedens ein beliebtes touristisches Reiseziel, seit 2010 gibt es von mehreren Reiseveranstaltern BemĂŒhungen, den Libanon in dieser Hinsicht neu zu erschließen.

Das Libanesische Pfund ist an den US-Dollar gekoppelt, welcher im Land als ZweitwĂ€hrung verwendet wird. Jedoch ist der Wert der WĂ€hrung auf den KapitalmĂ€rkten seit der Entfaltung der Bankenkrise im FrĂŒhjahr 2020 um ein Vielfaches gefallen. Das strenge Bankgeheimnis des Libanon bringt ihm auch den Beinamen „Schweiz des Ostens“ ein.

Außenhandel

Das Land exportiert ErnĂ€hrungsgĂŒter (18,8 % der Exporte), Schmuckwaren (17,8 %), chemische Erzeugnisse (14,9 %), Maschinen und ElektrogerĂ€te (10,5 %), Metalle und Metallprodukte (8,8 %) sowie Papier und Papierprodukte (7,4 %). Importiert werden Maschinen und ElektroausrĂŒstung (21,8 %), ErnĂ€hrungsgĂŒter (18,2 %), mineralische Rohstoffe (17,6 %), chemische Erzeugnisse (12,0 %), Transportmittel (8,9 %), Edel- und Halbedelsteine (6,8 %), Metalle und Metallprodukte (6,1 %) sowie Textilien (5,7 %).

Da die meisten Lebensmittel und industrielle Erzeugnisse importiert werden mĂŒssen, hat das Land ein Leistungsbilanzdefizit. Die wichtigsten Importpartner waren 2015 die Volksrepublik China (11,5 % der Importe), Italien (7,1 %), Deutschland (6,8 %), Frankreich (6,0 %), die USA (5,7 %), Russland (4,6 %) und Griechenland (4,4 %). Die wichtigsten Exportpartner waren im selben Jahr Saudi-Arabien (12,1 % der Exporte), die Vereinigten Arabischen Emirate (10,6 %), der Irak (7,6 %), Syrien (7,1 %) und SĂŒdafrika (6,6 %).

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (KaufkraftparitÀt) angeben.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 14,4 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 9,9 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 8,6 % des BIP.

Die Staatsverschuldung betrug 2016 74,4 Mrd. US-Dollar oder 143,4 % des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 8,8 %
  • Bildung: 2,7 %
  • MilitĂ€r: 3,1 % (2005)

Der Libanon gehört seit Jahrzehnten zu den am höchsten verschuldeten Staaten der Welt. Dies ist auf den BĂŒrgerkrieg und die Kosten des Wiederaufbaus zurĂŒckzufĂŒhren, zuvor hatte der Libanon stets eine Ă€ußerst konservative Haushaltspolitik betrieben. Trotz der auch nach dem Ende des Krieges instabilen wirtschaftlichen und politischen Lage konnten die Schulden drei Jahrzehnte lang stets pĂŒnktlich bedient werden.

Am 7. MĂ€rz 2020 gab MinisterprĂ€sident Diab in einer Fernsehansprache an das Volk bekannt, der Staat könne erstmals in seiner Geschichte Schulden nicht fristgemĂ€ĂŸ zurĂŒckzahlen. Betroffen sind am 9. MĂ€rz 2020 fĂ€llige Eurobonds im Umfang von 1,2 Milliarden US-Dollar. Insgesamt habe das Land im Jahr 2020 Schulden von 4,6 Milliarden US-Dollar zu begleichen. Die Staatsverschuldung ist laut Diab inzwischen auf 90 Milliarden US-Dollar angewachsen, entsprechend 170 % des Bruttoinlandproduktes.

Am 1. Mai 2020 unterzeichnete MinisterprĂ€sident Diab ein Gesuch an den Internationalen WĂ€hrungsfonds mit der Bitte um Finanzhilfe. Tags zuvor hatte das Kabinett einen Reformplan fĂŒr das Land verabschiedet.

Verkehr

Schienenverkehr

Der zuletzt durch die Chemin de fer de l’État Libanais betriebene Schienenverkehr im Libanon wurde im libanesischen BĂŒrgerkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut. Derzeit wird ein Wiederaufbau nicht geplant.

HĂ€fen

Der wichtigste Hafen ist der Hafen von Beirut. Der derzeit einzige fĂŒr den zivilen Flugverkehr genutzte Flughafen ist der Rafiq-Hariri-Flughafen in Beirut.

Straßenverkehr

Der Libanon verfĂŒgt – speziell im Westen – ĂŒber ein zum Teil sehr dichtes Straßennetz. Die wichtigsten Strecken sind die teilweise als Autobahn ausgebaute Nord-SĂŒd-KĂŒstenstraße zwischen der syrischen und israelischen Grenze (228 km), die Ost-West-Fernverkehrsstraße nach Damaskus (112 km) und die Nord-SĂŒd-Binnenstraße von der syrischen Grenze ĂŒber Baalbek-ZahlĂ© nach Beirut. Obwohl die Hauptstraßen asphaltiert sind, ist die QualitĂ€t der meisten Straßen schlecht, in den Bergen sogar sehr schlecht. Die Pass-/Gebirgsstraßen (außer die wichtigsten Hauptrouten) sind nur im Sommer sicher befahrbar. In und um Beirut herrscht immenser Verkehr, ebenso auf der KĂŒstenautobahn Tripoli – Beirut – Tyros. UnfĂ€lle sind hĂ€ufig: 2008 gab es im Libanon mit seinen damals 4 Millionen Einwohnern ĂŒber 11.000 Verletzte und 850 Tote im Straßenverkehr.

Öffentliche Verkehrsmittel

Auch bei Überlandfahrten sind Taxen/Sammeltaxen das ĂŒbliche Verkehrsmittel. Einige ĂŒberörtliche und lokale Buslinien bestehen, sind aber fĂŒr AuslĂ€nder schwer zu nutzen, weil es weder gekennzeichnete Strecken noch bestimmte Haltestellen oder FahrplĂ€ne gibt.

GrenzĂŒbergĂ€nge

Kultur

Architektur

Die Architektur des Libanon zeigt seit der Renaissance einen starken italienischen Einfluss. Der LandesfĂŒrst Fachr ad-DÄ«n II. (1572–1635) brachte in dieser Zeit ein ehrgeiziges Programm zur Entwicklung des Landes auf den Weg. Als die Osmanen Fachr ad-DÄ«n 1613 in die Toskana ins Exil schickten, schloss er dort einen Bund mit den Medici. Nach seiner RĂŒckkehr 1618 begann er, den Libanon zu modernisieren. Er förderte die Entstehung einer Seidenindustrie, den Ausbau der Olivenölproduktion und brachte viele italienische Ingenieure ins Land, die ĂŒberall Herren- und WohnhĂ€user zu bauen begannen. Insbesondere die StĂ€dte Beirut und Sidon wurden im italienischen Stil erbaut. Diese Bauwerke, besonders die in Dair al-Qamar, beeinflussten den Baustil im Libanon bis in die Gegenwart. Das Erscheinungsbild vieler berĂŒhmter Straßen, wie die Rue Gouraud in Beirut, ist durch historische HĂ€user im italienischen Renaissance-Stil geprĂ€gt. Eines der schillerndsten jĂŒngeren Beispiele fĂŒr den Stil ist das im 19. Jahrhundert errichtete GebĂ€ude des Sursock-Museums.

Medienlandschaft

Aufgrund seiner konfessionellen Vielfalt und der politischen PluralitĂ€t hat der Libanon trotz seiner relativ kleinen Einwohnerzahl eine große Medienlandschaft. Gleichwohl wurden von Reporter ohne Grenzen EinschrĂ€nkungen der Pressefreiheit berichtet.

So kamen einige Journalisten bei AnschlĂ€gen ums Leben, beispielsweise Samir Kassir oder auch Gebran Tueni. Aus diesem Anlass wurde am 10. Oktober 2005 der Samir-Kassir-Preis fĂŒr Pressefreiheit durch die EuropĂ€ische Kommission gegrĂŒndet.

Die Fernsehsender gliedern sich grĂ¶ĂŸtenteils nach konfessionellen bzw. politischen Strömungen: LBCI steht der Forces Libanaises sehr nah, al-Manar-TV steht der Hisbollah nahe, Future TV wird den Politikern der Zukunftsbewegung um Saad Hariri zugesprochen, NBN der Amal-Bewegung. NewTV und NewTV-SAT, stehen den linken Parteien nahe. Orange TV (OTV) ist seit Juli 2007 auf Sendung und wird von der von General Michel Aoun gegrĂŒndeten Freien Patriotischen Bewegung unterstĂŒtzt. TĂ©lĂ© LumiĂšre ist ein religiöser Sender, der zur maronitischen Kirche gehört. Eine Ausnahme unter den Sendern bildet der staatliche Sender TĂ©lĂ© Liban, welcher ein eher kulturelles Programm ohne direkte politische Stellungnahmen hat.

Die Presselandschaft umfasst neben zahlreichen arabischsprachigen Zeitungen auch den seit 1952 erscheinenden englischsprachigen Daily Star sowie den französischsprachigen L’Orient-Le Jour, welcher 1971 aus dem Zusammenschluss zweier traditionsreicher frankophoner BlĂ€tter entstand.

Im Jahr 2017 nutzten 78 Prozent der Einwohner des Libanon das Internet.

Feiertage

Der Nationalfeiertag ist der 22. November, Tag der UnabhĂ€ngigkeit des Großlibanon von Frankreich 1943.

Aufgrund der konfessionellen Vielfalt im Libanon gelten sowohl muslimische als auch christliche Feiertage fĂŒr die ganze Bevölkerung. So haben libanesische SchĂŒler sowohl am Opferfest wie auch zu Ostern schulfrei.

Libanesische KĂŒche

Die libanesische KĂŒche ist Ă€hnlich den KĂŒchen vieler LĂ€nder dieser Region. Grundbestandteile sind GemĂŒse, Obst, getrocknete HĂŒlsenfrĂŒchte, Bulgur, Reis, Fisch, Fleisch, Huhn, NĂŒsse, Oliven, Joghurt und Tahini. Viele Speisen sind vegetarisch. Fett wird traditionell nur sparsam verwendet. Zu den bekanntesten Gerichten gehört Kibbeh, das in der gesamten Region gegessen wird oder auch Hummus und TaboulĂ©.

Literatur

Bekannte libanesische Autoren waren und sind Etel Adnan, Khalil Gibran, Elias Khoury, Amin Maalouf und Georges Schehadé.

Literatur

  • Stephan Rosiny: Religionsgemeinschaften als Verfassungssubjekte. Libanon als Modell fĂŒr Nahost? (PDF; 496 kB) GIGA Focus Nahost 2011/4, Hamburg.
  • Dar al Janub (Hrsg.): 
 und wo ist PalĂ€stina? Eine Reise in die palĂ€stinensischen FlĂŒchtlingslager im Libanon. Dar al Janub, Wien 2006, ISBN 3-9502184-0-8.
  • Hardy Ostry: Die Kunst der Machtverteilung – der Libanon nach den Wahlen. In: KAS-Auslands-Informationen. Konrad-Adenauer-Stiftung, Amman 2005, S. 82–94, ISSN 0177-7521.
  • Raoul Assaf: Atlas du Liban – gĂ©ographie, histoire, Ă©conomie. Presses de l'UniversitĂ© Saint-Joseph, Beyrouth 2003, ISBN 9953-9015-5-4.
  • Georges Corm: Le Liban contemporain – histoire et sociĂ©tĂ©. Éditions La DĂ©couverte, Paris 2003, ISBN 2-7071-3788-X.
  • Robert Fisk: Pity the Nation. Lebanon at War. University Press, Oxford 2001. ISBN 0-19-280130-9 (Das Standardwerk zum libanesischen BĂŒrgerkrieg vom damaligen Reporter der TIMES).
  • Issam A. Halifa: Des Ă©tapes dĂ©cisives dans l'histoire du Liban. Beirut 1997.

Weblinks

  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Libanon
  • LĂ€nderinformationen des AuswĂ€rtigen Amtes zu Libanon
  • Deutsche Botschaft Beirut
  • Seite der libanesischen Botschaft in Deutschland
  • Politisches System im Libanon

Einzelnachweise


 

Region Regionen (0)

Abk Name O
LB.NA An Nabatiyah  
LB.BA Beirut  
LB.BI Beqaa  
LB.JL Mount Lebanon  
LB.AS North Lebanon  
LB.JA South Lebanon  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Flagge: Lebanon

Name englisch: Lebanon
Hauptstadt: Beirut
Kfz: RL
ISO: LB
ISO3: LBN
Fläche: 10400 km²
Tld: .lb
Wärung Einheit: LBP
Währung: Pound
Vorwahl: 961

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 34.69209
südlichster Punkt: 33.0550256
westlichster Punkt: 35.1037781
östlichster Punkt: 36.62372


 
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