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Staat Informationen : Sri Lanka

Informationen:


Sri Lanka (singhalesisch ŗ∑Āŗ∑ä‚Äćŗ∂Ľŗ∑ď ŗ∂Ĺŗ∂āŗ∂öŗ∑Ź, Ňõrńę laŠĻÉkńĀ, [ňĆ…ēriňźňąlaŇčkaňź]; Tamil ŗģáŗģ≤ŗģôŗĮćŗģēŗĮą, ilaŠĻÖkai), bis 1972 Ceylon (seither Demokratische Sozialistische Republik Sri Lanka), ist ein Inselstaat im Indischen Ozean, 237¬†km (Westk√ľste der Insel) √∂stlich der S√ľdspitze des Indischen Subkontinents, und z√§hlt 21,7¬†Millionen Einwohner. Die k√ľrzeste Entfernung zwischen Indien (Kodiyakkarai) und Sri Lanka (Munasal) betr√§gt 54,8¬†km.

Durch ihre Lage bildete die Insel von der Antike bis zur Moderne einen strategischen Knotenpunkt f√ľr die Seefahrt zwischen Vorder- und S√ľdostasien. Der S√ľden und die Gebiete um Anuradhapura waren Zentren des antiken Buddhismus, wohingegen im Norden und Osten hinduistische Tempelkomplexe existierten. Heute ist das Land eine multireligi√∂se und multiethnische Nation, in der neben dem Buddhismus und dem Hinduismus das Christentum und der Islam bedeutende Religionen sind. Die Singhalesen machen den gr√∂√üten Teil der Bev√∂lkerung aus. Die Tamilen stellen die gr√∂√üte Minderheit. Andere ethnische Minderheiten sind die Moors, Malaien, Burgher und die indigene Bev√∂lkerung Sri Lankas, die Veddas.

Sri Lanka ist bekannt f√ľr die Produktion und den Export von Tee (Ceylon), Kaffee, Kautschuk und Kokosn√ľssen. Die Insel ist aufgrund ihrer landschaftlichen Sch√∂nheit und ihres reichen Kulturerbes (zum Beispiel des Ayurveda, einer traditionellen Heilkunst) ein beliebtes Touristenziel.

Sri Lanka wurde √ľber zwei Jahrtausende von verschiedenen lokalen K√∂nigreichen regiert, bis im 16.¬†Jahrhundert gro√üe Teile der Insel von den Portugiesen und danach von den Niederl√§ndern kolonisiert wurden. Nur das K√∂nigreich Kandy im Hochland der Insel konnte sich gegen die Kolonisatoren behaupten. 1815 jedoch wurde schlie√ülich das ganze Land Teil des Britischen Weltreichs. W√§hrend des Zweiten Weltkriegs diente Sri Lanka den Alliierten als eine strategisch wichtige Basis im Kampf gegen das japanische Kaiserreich. Seit Anfang des 20.¬†Jahrhunderts gab es immer st√§rker werdende Unabh√§ngigkeitsbestrebungen. Im Jahr 1948 wurde Sri Lanka nach friedlichen Verhandlungen von den Briten unabh√§ngig. Im Gegensatz zu den meisten Staaten der sogenannten ‚ÄěDritten Welt‚Äú besteht seit der Unabh√§ngigkeit ein stabiles, demokratisches System, das allerdings durch die Gegens√§tze zwischen der singhalesischen Bev√∂lkerungsmehrheit und der tamilischen Minderheit belastet war und immer noch ist. Zwischen 1983 und 2009 herrschte offener B√ľrgerkrieg in Sri Lanka zwischen tamilischen Separatisten und der von Singhalesen dominierten Zentralregierung, der zahlreiche Todesopfer, vor allem aus der Zivilbev√∂lkerung forderte. Die Menschenrechtsverbrechen des B√ľrgerkrieges sind bis heute nicht unabh√§ngig aufgearbeitet. Zwischen 2005 und 2015 war Mahinda Rajapaksa Pr√§sident des Landes und regierte das Land mit autorit√§rem Gestus. Von Januar 2015 bis November 2019 war Maithripala Sirisena Pr√§sident, der eine Abkehr vom Autoritarismus versprochen hatte. Danach wurde Gotabaya Rajapaksa, der Bruder von Mahinda, zum Pr√§sidenten gew√§hlt. Mahinda wurde Regierungschef.

Name

In vedischer Zeit (ca. 1500‚Äď400 v. Chr.) hie√ü die Insel ‚ÄěLaŠĻÉkńĀ‚Äú, ‚ÄěLaŠĻÖkńĀdvńępa‚Äú, ‚ÄěLakdiva‚Äú und ‚ÄěLakbima‚Äú; in Pali wurde sie auch ‚ÄěSihala‚Äú genannt; zur Zeit des indischen Maurya-Reiches unter Ashoka (ca. 3.¬†Jahrhundert v. Chr.) Sanskrit ‚ÄěTńĀmraparnńę‚Äú bzw. Pali ‚ÄěTambapanni‚Äú. Von letzteren beiden Bezeichnungen, die sich in den antiken buddhistischen Chroniken Sri Lankas (Mahavamsa und Dipavamsa) und in den Felsinschriften des Ashoka finden, leitet sich auch der von den alten Griechen √ľberwiegend benutzte Name ‚ÄěTaprobane‚Äú (ő§őĪŌÄŌĀőŅő≤őĪőĹŠŅÜ) ab. Unter dieser Bezeichnung wird die Insel von Onesikritos, einem griechischen Geschichtsschreiber und Teilnehmer des Alexanderzuges, und sp√§ter auch in der ‚ÄěGeographie‚Äú des Claudius Ptolem√§us (2.¬†Jahrhundert n. Chr.) erw√§hnt und beschrieben. Der Name wurde auch durch alle sp√§teren r√∂mischen Autoren, beispielsweise in der Naturalis historia Plinius des √Ąlteren √ľbernommen. Zur Gupta-Zeit (um 400 n. Chr.) und zur Zeit des indischen Gro√ük√∂nigs Harshavardhana (7.¬†Jahrhundert) wurde sie ‚ÄěSinghala‚Äú genannt; im Sp√§tmittelalter (13./14.¬†Jahrhundert) ‚ÄěSilan‚Äú und ‚ÄěSarandib‚Äú (wovon sich ‚ÄěSerendip‚Äú ableitete), was die alte persische Bezeichnung f√ľr die Insel ist. Die Portugiesen nannten die Insel ‚ÄěCeil√£o‚Äú, Niederl√§nder und Briten ‚ÄěCeylon‚Äú. Mit dem Inkrafttreten der neuen Verfassung am 22.¬†Mai 1972 wurde der Staat in ‚ÄěSri Lanka‚Äú umbenannt (ab 1978 ‚ÄěDemokratische Sozialistische Republik Sri Lanka‚Äú), das ist Sanskrit f√ľr ‚Äěehrenwerte Insel‚Äú (‚ÄěSri‚Äú ist ein allgemeiner Ehrentitel). Die Insel hei√üt auf Sinhala ŗ∂Ĺŗ∂āŗ∂öŗ∑Źŗ∑Ä (laŠĻÉkńĀva), auf Tamil ŗģáŗģ≤ŗģôŗĮćŗģēŗĮą (ilaŠĻÖkai). Die Einwohner der Insel werden im Deutschen ‚ÄěSri Lanker‚Äú bzw. ‚ÄěSri-Lanker‚Äú genannt und das zugeh√∂rige Adjektiv ist ‚Äěsri-lankisch‚Äú. Viele staatliche Institutionen behielten auch nach der Umbenennung den alten Namen ‚ÄěCeylon‚Äú als Namensbestandteil (Beispielsweise die Bank of Ceylon). Am 1.¬†Januar 2011 verk√ľndete die sri-lankische Regierung ihre Absicht, diese Namen konsequent nach ‚ÄěSri Lanka‚Äú zu √§ndern.

Geographie

In der Urzeit war der indische Subkontinent fl√§chenm√§√üig deutlich gr√∂√üer als heute; zu dieser Zeit war Sri Lanka mit Indien verbunden. Die Landmassen wurden wahrscheinlich zwischen 6000 und 3500 v.¬†Chr. getrennt. Die ‚ÄěAdamsbr√ľcke‚Äú (eine Inselgruppe zwischen Talaimannar und Rameswaram in Indien) ist die letzte sichtbare Spur dieser Verbindung.

Geographische Lage

Sri Lanka liegt im Indischen Ozean, s√ľd√∂stlich des indischen Subkontinents, zwischen 6¬į und 10¬į n√∂rdlicher Breite und zwischen 79¬į und 82¬į √∂stlicher L√§nge. Es misst etwa 445¬†Kilometer in Nord-S√ľd und 225¬†Kilometer in Ost-West. Von Indien (Bundesstaat Tamil Nadu) ist es durch die Palkstra√üe und den Golf von Mannar getrennt. Die Korallenfelsinseln der Adamsbr√ľcke stellen eine lose Verbindung zwischen dem Nordwesten Sri Lankas und dem indischen Festland dar. Laut Berichten aus der britischen Kolonialzeit soll dieser nat√ľrliche Damm fast komplett gewesen sein, sei aber durch einen starken Sturm im Jahr 1480 zerst√∂rt worden. Die Palkstra√üe ist so schmal, dass man von Rameswaram die K√ľste Sri Lankas sehen kann. Die S√ľdspitze der Insel ist der Dondra Head.

Sri Lanka kann in drei verschiedene Landschaften eingeteilt werden: zentrales Hochland mit den ber√ľhmten Teeanbaugebieten und bis zu 2500¬†m hohen Bergen, Tieflandebenen, die schon vor Jahrhunderten durch k√ľnstliche Bew√§sserung fruchtbar gemacht wurden und den K√ľstenbereich mit Fischerei und Palmenstr√§nden.

Das zentrale Hochland im S√ľdzentrum Sri Lankas ist das Herz des Landes. Im Kern des Hochlandes liegt ein in Nord-S√ľd-Richtung 65 Kilometer langes Hochplateau. H√∂chste Erhebung des Landes ist der Pidurutalagala mit 2524¬†m √ľber dem Meeresspiegel. Vom s√ľdlichen Ende des Plateaus aus erstrecken sich zwei Gebirgsmassive, eines 50 Kilometer in den Osten zum Namunakula (2036¬†m) und eines 50 Kilometer in den Westen zum Sri Pada (2243¬†m). Der Sri Pada ist der wichtigste Berg f√ľr verschiedene Religionen. Im Westen und Osten grenzt das Zentrum des Hochlandes an zwei Plateaus; im Norden und S√ľden liegen weitere Gebirge, die jeweils durch T√§ler vom Zentrum getrennt sind. Die 240 Meter hohen Bambarakanda-Wasserf√§lle sind die h√∂chsten Wasserfalle Sri Lankas.

Der gr√∂√üte Teil der Insel besteht aus gro√üen tropischen Ebenen, die 30 bis 200 Meter √ľber dem Meeresspiegel liegen. Im S√ľdwesten gehen Gebirgsgrate und T√§ler langsam in das zentrale Hochland √ľber. Im S√ľdosten finden sich mit Laterit bedeckte Ebenen und H√ľgel. Der √úbergang von der Ebene zum zentralen Hochland ist abrupt, sodass das Gebirge wie eine Wand wirkt. Die Ebene im Norden und im Osten ist flach und von engen Granitgraten in Richtung Hochland zergliedert.

Die Insel wird von einem 30 Meter √ľber dem Meeresspiegel liegenden K√ľsteng√ľrtel umschlossen. Die K√ľsten Sri Lankas bestehen zumeist aus Sandstr√§nden.

Geologie

Mehr als 85 Prozent der Oberfl√§che Sri Lankas liegen auf einer zum Teil √ľber zwei Milliarden Jahre alten Pr√§kambriumschicht. Die metamorphe Gesteinsoberfl√§che entstand durch die Transformation von sehr alten Sedimenten. Die Theorie der Plattentektonik vermutet, dass diese Felsmassive, die den gr√∂√üten Teil des indischen Subkontinents bilden, Gondwana angeh√∂rten. Vor 200 Millionen Jahren trennte sich der indische Subkontinent von Gondwana und steuerte auf die asiatische Platte zu. Nachdem vor 45 Millionen Jahren Indien mit der asiatischen Platte kollidiert war, trennte sich Sri Lanka durch Erdbeben oder vulkanische Ereignisse vom indischen Festland.

Sri Lanka ist reich an Bodenschätzen. So kommen neben Eisenerz auch Zinnerz, Mangan, Molybdän, Nickel, Cobalt, Arsen, Wolfram, Tellur und etwas Gold vor. An Edelsteinen werden Rubine, Saphire, Topase und Spinelle gewonnen.

Klima

Das Klima Sri Lankas ist tropisch mit unterschiedlichen Niederschlagsverh√§ltnissen, bedingt durch die Monsune. Durch seine Lage zwischen dem 5. und 10. n√∂rdlichen Breitengrad hat das Land ein warmes Klima mit milden Meeresbrisen und hoher Luftfeuchtigkeit. Die Durchschnittstemperaturen reichen von 16¬†Grad Celsius in Nuwara Eliya im zentralen Hochland (wo es im Winter sogar Schnee und Frost geben kann) bis zu 32¬†Grad Celsius in Trincomalee an der Nordostk√ľste des Landes. Die Durchschnittsjahrestemperatur f√ľr das gesamte Land liegt zwischen 28¬†Grad Celsius und 30¬†Grad Celsius. Der k√§lteste Monat ist der Januar und der Mai der w√§rmste.

W√§hrend der S√ľdwesten des Landes (siehe Klimadiagramm Colombo) immerfeucht mit zwei deutlichen Niederschlagsmaxima im Mai und Oktober ist, bringt der S√ľdwestmonsun an der Nordost- und Ostk√ľste nur geringe Niederschl√§ge, da sich dieser Bereich im Lee des zentralen Gebirges befindet. Dort fallen die meisten Niederschl√§ge w√§hrend des Nordostmonsuns im November und Dezember (siehe Klimadiagramm Trincomalee). Das Niederschlagsmuster wird durch die Monsunwinde aus dem Indischen Ozean und dem Golf von Bengalen beeinflusst und wird durch vier Jahreszeiten bestimmt. In der ersten Jahreszeit von Mitte Mai bis Oktober bringen S√ľdwestwinde Feuchtigkeit aus dem Indischen Ozean. Wenn diese Winde auf das zentrale Hochland treffen, entstehen heftige Regenschauer am Gebirge und im S√ľdwesten des Landes. Der Osten und der Nordosten der Insel bekommen in dieser Zeit wenig Regen. In der zweiten Jahreszeit von Oktober bis November treten periodische Windb√∂en und manchmal auch Zyklone auf, die tr√ľbes Wetter zur Insel bringen. In der dritten Jahreszeit, von Dezember bis M√§rz, bringt der Nordostmonsun Feuchtigkeit aus dem Golf von Bengalen in den Norden und Nordosten des Landes. Die letzte Jahreszeit von M√§rz bis Mitte Mai bringt wenig Niederschlag.

Flora und Fauna

Sri Lanka ist mit einer großen Anzahl an endemischen Pflanzen- und Tierarten einer der Biodiversitäts-Hotspots in Asien.

Entsprechend den Niederschlagsverh√§ltnissen ver√§ndert sich die Vegetation von West nach Ost: Im Bereich der h√∂chsten Niederschl√§ge herrscht tropischer Regen- und Bergwald vor, w√§hrend im Norden und Osten xerophytische Buschvegetation anzutreffen ist. Neben ausschlie√ülich auf Sri Lanka beheimateten Pflanzen finden sich auch vorderindische, s√ľdostasiatische und malaiische Arten.

In Anuradhapura steht der Bodhibaum, der √§lteste historisch bekannte Baum der Welt. Es handelt sich um einen Ficus religiosa, und zwar um einen unmittelbaren Ableger des urspr√ľnglichen Bodhibaumes in Bodh-Gaya in Indien, unter dem Buddha erleuchtet worden sein soll. Je ein direkter Ableger des Baumes in Anuradhapura steht in jedem buddhistischen Tempel auf Sri Lanka.

Wichtige Kulturpflanzen sind Kokos, Reis, Zuckerrohr, Teestr√§ucher, Indigo, Tabak, Kaffee und Chinarinde sowie eine Vielzahl von Gew√ľrzpflanzen (Chili, Zimt, Kurkuma).

Auf Sri Lanka gibt es Warane, Krokodile und auch Riesenschlangen wie den Hellen Tigerpython, der in einer Unterart vorkommt. Weiterhin findet man verschiedene Affen (Hutaffen, Hanuman-Languren und Weißbart-Languren) sowie Sambars, Axishirsche und Wildschweine. Auf Sri Lanka gibt es noch größere wild lebende Bestände der stark gefährdeten Asiatischen Elefanten. Außerdem ist die Insel Heimat des Sri-Lanka-Leoparden. Diese Unterart ist mit weniger als 400 bis 600 Tieren vom Aussterben bedroht. Auffällig ist eine große Population verwilderter Hunde. Allgegenwärtig sind Geckos. Die artenreiche und bunte Vogelwelt Sri Lankas bietet weiße und andere Reiher, riesige Schwärme von Kormoranen, die reiche Fischbeute aus den vielen Stauseen gewinnen, Papageien und Krähen.

Administrative Aufteilung

Sri Lanka ist administrativ in neun Provinzen und 25 Distrikte unterteilt. Jede Provinz wird durch einen direkt gewählten Provinzrat verwaltet:

Von 1987 bis 2007 waren Nord- und Ostprovinz zur Nordostprovinz vereinigt. Die Vereinigung wurde 2006 jedoch durch das oberste Gericht f√ľr ung√ľltig erkl√§rt, so dass die Provinz ab 2007 wieder in die urspr√ľnglichen Provinzen getrennt wurde.

Städte

Im Jahre 2016 lebten 18,4¬†% der Bev√∂lkerung in St√§dten oder st√§dtischen R√§umen. Die f√ľnf gr√∂√üten St√§dte sind (Stand Zensus 2012):

  1. Colombo: 561.314 Einwohner
  2. Kaduwela: 252.041 Einwohner
  3. Maharagama: 196.423 Einwohner
  4. Kesbewa: 185.122 Einwohner
  5. Dehiwala-Mount Lavinia: 184.468 Einwohner

Geschichte

Prähistorie

Neuzeitliche Menschen erreichten, von Afrika kommend, etwa vor 60.000 Jahren S√ľdasien. Bis etwa 5.000¬†v.¬†Chr. bestand zwischen dem indischen Subkontinent und Sri Lanka eine Landbr√ľcke, so dass sich menschliche Populationen hier hin- und herbewegen konnten. Die √§ltesten Zeugnisse f√ľr die Siedlung moderner Menschen in Sri Lanka datieren ungef√§hr auf den Zeitraum 28.000 Jahre¬†v.¬†Chr., allerdings gibt es auch Spuren archaischer Hominiden, die bis 125.000 Jahre alt sind.

Es gibt wenig fundiertes Wissen √ľber die Herkunft der indigenen Bev√∂lkerung Sri Lankas. Ob die auf ein Alter von 12.000¬†Jahren datierten, als Homo sapiens balangodensis bezeichneten Fossilien zum Kreis ihrer Vorfahren geh√∂ren, ist ungekl√§rt. Meist werden Sagen und Legenden als Quelle f√ľr Informationen √ľber die indigene Bev√∂lkerung der Insel herangezogen. So spielen Teile des hinduistischen Epos Ramayana auf Sri Lanka. Als Hauptquellen werden jedoch das Mahabharata und das Mahavamsa angesehen. Laut diesen Schriften bilden die Nagas und die Yakkas die indigene Bev√∂lkerung Sri Lankas. Die Draviden und Indoarier sind h√∂chstwahrscheinlich erst im ersten vorchristlichen Jahrtausend nach Sri Lanka gekommen.

Die Nachfahren der sogenannten Yakkas, die Veddas, leben noch heute auf Sri Lanka. Durch die Rodung des Dschungels und die Umwandlung in Ackerland wurde ihr Lebensraum schon fr√ľh zerst√∂rt. Sie wurden in D√∂rfer umgesiedelt, wo sie sich mit Singhalesen und Tamilen vermischten. Noch kritischer wurde es f√ľr die indigene Bev√∂lkerung im 20.¬†Jahrhundert, als sie durch Siedlungsprojekte immer mehr aus ihren angestammten Lebensr√§umen vertrieben wurde. Heute leben nur noch wenige von ihnen ganz nach ihren Traditionen. Man sch√§tzt, dass es noch etwa 600¬†Veddas gibt, womit sie eine deutliche Minderheit der Landesbev√∂lkerung bilden und vom Aussterben bedroht sind. Somit droht den Veddas das Schicksal aller indigenen V√∂lker. Sie werden aufgrund von Assimilation ihre eigenst√§ndige Kultur und Sprache in absehbarer Zeit verlieren.

Indoarische Einwanderung

Um 500 v. Chr. kamen nordindische Siedler (zu den Indoariern geh√∂rend), die sp√§teren Singhalesen, nach Sri Lanka. Die indoarischen Einwanderer nannten sich SiŠĻÉha VaŠĻÉsa (in Sanskrit beziehungsweise Pali: SiŠĻÉha = ‚ÄěL√∂we‚Äú, VaŠĻÉsa = ‚ÄěStamm, Herkunft‚Äú). Deshalb wurde der L√∂we zum Nationalsymbol der Singhalesen. Vijaya (543‚Äď504 v.¬†Chr.) war der mythische Stammesvater der Singhalesen und der erste K√∂nig Sri Lankas. Er soll im 6.¬†Jahrhundert v.¬†Chr. mit seinem Gefolge aus dem K√∂nigreich Vanga im Nordosten Indiens nach Sri Lanka verbannt worden sein. Sprachgeschichtliche Fakten legen aber eine Herkunft der ersten indoarischen Siedler aus Nordwestindien nahe.

Buddhistische Mission

Um 247 v. Chr. machten Mahinda und seine Schwester Sanghamitta, von ihrem Vater, dem Maurya-Kaiser Ashoka nach Sri Lanka entsandt, dort den Buddhismus in Form der Theravada-Tradition bekannt. Auf dem Missaka-Berg etwa sieben Kilometer östlich von Anuradhapura entstand Mihintale, eines der ersten buddhistischen Klöster. Seit etwa 200 v. Chr. war der Buddhismus die Staatsreligion des Königreichs von Anuradhapura.

Mittelalter

Vom 6. Jahrhundert v.¬†Chr. bis ins 11.¬†Jahrhundert n.¬†Chr. war die Hauptstadt des singhalesischen K√∂nigreichs Anuradhapura. Bis zum 14.¬†Jahrhundert wechselte die Hauptstadt mehrfach, unter anderem waren es Polonnaruwa und Sigiriya. Sp√§testens seit dem 13.¬†Jahrhundert gab es ein tamilisches K√∂nigreich mit der Hauptstadt Jaffna. Diese K√∂nigreiche standen immer wieder unter dem Druck des benachbarten S√ľdindien, die Chola-Dynastie beherrschte im 11.¬†Jahrhundert f√ľr einige Jahrzehnte die gesamte Insel. In der Folgezeit entwickelten sich mehrere regionale (singhalesische und tamilische) K√∂nigreiche. Das bedeutendste war das K√∂nigreich von Kotte (heute Sri Jayewardenepura).

Im 1. Jahrtausend n.¬†Chr. begann auch der Handel und kulturelle Austausch mit anderen gro√üen Reichen der Welt, wie etwa dem R√∂mischen Reich und China. Die Seidenstra√üe entwickelte sich zu einer wichtigen Handelsroute f√ľr die sri-lankischen K√∂nigreiche. √úber sie erreichte auch der chinesische Pilgerm√∂nch Faxian um 414 n.¬†Chr. die Insel.

Konflikte mit dem chinesischen Kaiserreich

Im Jahr 1284 entsandte das Yuan-Reich unter Kublai Khan eine Expedition nach Sri Lanka, um die Zahnreliquie von Buddha in ihren Besitz zu bringen, kehrte aber ohne Erfolg nach China zur√ľck.

Sp√§ter im Jahr 1410/1411 keimte aufgrund von Piraterie und abermals wegen der Zahn-Reliquie ein Konflikt zwischen der Ming-Dynastie und dem K√∂nigreich Kotte auf. Der chinesische Admiral Zheng He brach mit 2000¬†Mann in die Hauptstadt von Kotte ein, nahm den damals herrschenden K√∂nig Vira Alakesvara gefangen und brachte ihn nach China. Der K√∂nig wurde sp√§ter wieder freigelassen, hatte aber aufgrund des Ansehensverlustes seine Macht eingeb√ľ√üt. Um 1414 erreichte abermals eine chinesische Delegation Kotte, um einem neuen, von den Chinesen favorisierten K√∂nig zur Macht zu verhelfen, der die Interessen der Ming-Dynastie an dem strategisch wichtigen Handelsknotenpunkt vertreten w√ľrde. Inzwischen hatte jedoch der sp√§tere K√∂nig Parakramabahu IV. beinahe die gesamte Insel vereint und konnte 1415 selbst den Thron von Kotte besteigen und die Chinesen vertreiben.

Kolonialzeit

In der Neuzeit verlor das Land teilweise seine Eigenst√§ndigkeit und wurde mehrfach von europ√§ischen Kolonialm√§chten in Besitz genommen, die allerdings nur die K√ľstenebenen beherrschten; im Hochland konnte sich zun√§chst das K√∂nigreich Kandy behaupten. Zun√§chst eroberte Portugal 1518 die K√ľstenregionen der Insel. Nachdem Colombo bereits zwei Jahre zuvor niederl√§ndisch geworden war, fiel im Jahr 1658 auch der restliche portugiesische Teil der Insel an die Niederl√§ndische Ostindien-Kompanie (siehe dazu Niederl√§ndische Besitzungen in S√ľdasien). 1796 begann die britische Herrschaft √ľber Ceylon und 1803 erhielt es den Status einer Kronkolonie.

Nachdem 1815 das K√∂nigreich Kandy erobert, der letzte sri-lankische K√∂nig Vikrama Rajasinha verhaftet und nach Indien verbracht und mehrere Aufst√§nde niedergeschlagen worden waren, wurde die gesamte Insel 1818 endg√ľltig vertraglich britisch. Danach wurde die Infrastruktur ausgebaut und der Anbau von Kaffee in Plantagen gef√∂rdert. Ab 1840 wurden indische Tamilen zur Arbeit auf den Plantagen im Hochland angeworben. Seit 1860 l√∂sten Teeplantagen den Kaffeeanbau ab. W√§hrend des Ersten Weltkriegs kamen erste nationale Bewegungen auf. Die 1917 gegr√ľndete Ceylon Reform League, die zwei Jahre sp√§ter in dem Ceylon National Congress aufging, konnte eine Verfassungsreform durchsetzen, bei der 19 von 27¬†Mitgliedern der Gesetzgebenden Versammlung gew√§hlt werden sollten. Diese Nationalbewegung zerbrach aufgrund von Streitigkeiten zwischen Singhalesen und Tamilen. Auch nach der Donoughmore-Kommission (1927/28) kam es zu keiner wirklichen Mitbestimmung der einheimischen Bev√∂lkerung in der Regierung. Zwar wurden sieben der zehn Minister gew√§hlt, doch die drei wichtigsten Ministerposten wurden weiterhin vom britischen Gouverneur vergeben. Sri Lanka war eines der ersten L√§nder in Asien und Afrika, in denen das Frauenwahlrecht erreicht wurde. Im Rahmen der Donoughmore Verfassungsreformen von 1931 wurde am 20. M√§rz 1931 das aktive und passive Wahlrecht f√ľr Frauen √ľber 21 eingef√ľhrt. Die Kommission hatte zwar ein eingeschr√§nktes Wahlrecht f√ľr Frauen √ľber 30 empfohlen, aber als die Reformen 1931 eingef√ľhrt wurden, erhielten alle Frauen √ľber 21 das Wahlrecht. Seitdem waren Frauen jedoch nur in verschwindend geringer Anzahl in den politischen Gremien vertreten. Von den Abgeordneten der gesetzgebenden Versammlung auf nationaler Ebene stellten sie nie mehr als 4¬†% der Abgeordneten, und die Teilhabe auf der Ebene der lokalen leitenden Gremien war auch unbedeutend.

Unabhängigkeit

Im Juni 1947 wurde Ceylon britisches Dominion, am 4. Februar 1948 schließlich unabhängig innerhalb des Britischen Commonwealth. Das Zwei-Kammer-System bestand aus dem Parliament of Ceylon als Oberhaus und dem House of Representatives als Unterhaus. Bei der Erlangung der Unabhängigkeit 1948 wurden das aktive und passive Frauenwahlrecht bestätigt.

Am 22.¬†Mai 1972 wurde Ceylon eine Republik mit dem Namen ‚ÄěSri Lanka‚Äú.

Am 26. Dezember 2004 traf eine verheerende Naturkatastrophe Sri Lanka. Ein Tsunami, ausgel√∂st durch das Seebeben im Indischen Ozean 2004 zerst√∂rte gro√üe Teile der Ost- und S√ľdk√ľste sowie der Westk√ľste s√ľdlich von Colombo und riss √ľber 45.000¬†Menschen in den Tod.

Am 17. November 2005 wurde Mahinda Rajapaksa von der Sri Lanka Freedom Party (SLFP) mit 50,33¬†% der Stimmen zum Pr√§sidenten gew√§hlt. Die Wahlbeteiligung in den tamilischen Gebieten betrug nach Sch√§tzungen nur ein Prozent. Rajapaksa wurde am 26.¬†Januar 2010 nach einer vorgezogenen Wahl mit 57,88¬†% der Stimmen f√ľr weitere sechs Jahre im Amt best√§tigt. Sarath Fonseka, der Oppositionsf√ľhrer und Gegenkandidat, erhielt etwa 40¬†% der Stimmen. Dieser k√ľndigte zwei Tage nach der Wahl an, das Wahlergebnis anfechten zu lassen, und √§u√üerte sich besorgt √ľber seine Sicherheitslage. Am 8.¬†Februar 2010 wurde Sarath Fonseka von der Regierung festgenommen. Ein Regierungssprecher erkl√§rte, dass Fonseka wegen Verschw√∂rung gegen die Regierung vor ein Milit√§rtribunal gestellt werde. Die Regierung warf Fonseka vor, einen Putsch gegen sie geplant zu haben. Die Opposition warf der Regierung dagegen vor, eine Beteiligung Fonsekas an den bevorstehenden Parlamentswahlen verhindern zu wollen. Sarath Fonseka, dem als fr√ľherem Armeef√ľhrer Kriegsverbrechen gegen die Tamilen vorgeworfen wurden, k√ľndigte an, den internationalen Tribunalen Informationen √ľber Kriegsverbrechen im 25-j√§hrigen B√ľrgerkrieg auszuh√§ndigen. Die Parlamentswahl am 8. April 2010 wurde mit deutlicher Mehrheit von Rajapaksas United People‚Äôs Freedom Alliance (UPFA) gewonnen. Am 21.¬†April 2010 wurde D. M. Jayaratne als neuer Premierminister im Parlament vereidigt.

Im Oktober 2014, etwa 1¬Ĺ Jahre vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit, k√ľndigte Rajapaksa √ľberraschend die Abhaltung von Neuwahlen im Januar 2015 an. Auf sein Betreiben hin war zuvor die Verfassung ge√§ndert worden, um ihm eine Kandidatur f√ľr eine dritte Amtsperiode zu erm√∂glichen, was zuvor nicht m√∂glich gewesen war. √úberraschenderweise lie√ü sich danach sein Parteikollege Maithripala Sirisena zum Spitzenkandidaten der Opposition ausrufen und gewann die Pr√§sidentschaftswahl am 8. Januar 2015.

Bevölkerung

Ethnien

Die dominierende Bev√∂lkerungsgruppe Sri Lankas sind die Singhalesen. Nach der Volksz√§hlung 2012 stellen sie 74,9 Prozent der Bev√∂lkerung der Insel. Die gr√∂√üte ethnische Minderheit sind mit insgesamt 15,4 Prozent der Bev√∂lkerung die Tamilen, die sich in Sri-Lanka-Tamilen und indische Tamilen aufteilen. Die einheimischen Sri-Lanka-Tamilen stellen 11,2 Prozent der Bev√∂lkerung und siedeln in der Nord- und Ostprovinz. Die indischen Tamilen sind Nachfahren von Tamilen, die w√§hrend der britischen Kolonialzeit aus S√ľdindien (Tamil Nadu) als Plantagenarbeiter nach Sri Lanka einwanderten. Ihr Bev√∂lkerungsanteil betr√§gt 4,2 Prozent, die meisten von ihnen leben in den Teeanbaugebieten im zentralen Hochland. 9,2 Prozent der Bev√∂lkerung Sri Lankas sind Moors, tamilischsprachige Muslime, die sich selbst als Nachfahren arabischer H√§ndler identifizieren. Sie sind √ľber die ganze Insel verstreut, am h√∂chsten ist ihr Bev√∂lkerungsanteil in der Ostprovinz. Kleinere Minderheiten sind die 40.000 Malaien, deren Vorfahren w√§hrend der niederl√§ndischen und britischen Kolonialzeit aus dem heutigen Indonesien und Malaysia einwanderten, und die 37.000 Burgher, Nachfahren europ√§ischer Kolonisten und einheimischer Frauen. Die Ureinwohner Sri Lankas, die Veddas, sind fast v√∂llig verdr√§ngt worden und werden nur noch auf einige hundert Individuen gesch√§tzt.

Die Singhalesen sprechen Singhalesisch (Sinhala), eine indoarische Sprache, die Tamilen und Moors dagegen Tamil, das zur Gruppe der dravidischen Sprachen gehört. Englisch ist als Verkehrs- und Bildungssprache weit verbreitet. Nach der Verfassungsergänzung von 1987 sind Singhalesisch und Tamil die Amts- und Nationalsprachen Sri Lankas, Englisch ist als Verbindungssprache anerkannt.

Ethnischer Konflikt

Seit √ľber 2000 Jahren leben Singhalesen und Tamilen auf Sri Lanka. Bei den Tamilen auf Sri Lanka wird zwischen indischen Tamilen und Sri-Lanka-Tamilen unterschieden. Die indischen Tamilen sind diejenigen Tamilen, die w√§hrend der englischen Kolonialzeit aus S√ľdindien (Tamil Nadu) als Plantagenarbeiter nach Sri Lanka gebracht wurden. Sie sind in den zentralen Gebirgen Sri Lankas angesiedelt, w√§hrend die einheimischen Tamilen in den nord√∂stlichen K√ľstengebieten leben. H√§ufig verwechselt man die Geschichte der Indien-Tamilen mit derjenigen der einheimischen Tamilen, was zu dem gelegentlich ge√§u√üerten Irrtum f√ľhrt, Tamilen seien erst ab dem 19. Jahrhundert nach Sri Lanka eingewandert. Der B√ľrgerkrieg wurde zwischen den Singhalesen und den einheimischen Tamilen ausgetragen.

Kolonialzeit

Das haupts√§chliche Konfliktpotential zwischen Singhalesen und Tamilen stammt aus der Kolonialzeit. Damals wurden die Tamilen als mehrheitlich schriftkundige Bev√∂lkerungsgruppe bevorzugt als Verwaltungsbeamte herangezogen und deshalb von den Singhalesen mit der Kolonialmacht identifiziert. Mit der Unabh√§ngigkeit wollten nationalistische Singhalesen diesen Machtvorsprung der Tamilen beseitigen. Tamil sollte ebenso wie Englisch aus den Amtsstuben und dem √∂ffentlichen Leben verbannt werden; Sinhala sollte die allgemeine Sprache sein. F√ľr die Mehrheit der Tamilen, die es zum gro√üen Teil nicht beherrschte, war das weder praktikabel noch akzeptabel. Es kam im Tamilengebiet zu bewaffneten Protesten und zur Bildung politischer Bewegungen mit einem Spektrum von Zielen zwischen f√∂deralen Gebietsl√∂sungen, Separationsbestrebungen und Anschlussbestrebungen an Indien.

Unabhängigkeit

Kurz vor der Unabh√§ngigkeit 1948 hatten die Tamilen einen verfassungsm√§√üigen Minderheitenschutz mit der Garantie f√ľr die Erhaltung ihrer Menschenrechte verlangt. G.¬†G.¬†Ponnambalam, der F√ľhrer des Tamil Congress, hatte von der britischen Soulbury-Kommission, welche f√ľr die Leitung des Unabh√§ngigkeitsprozesses Sri Lankas verantwortlich war, ein Gleich-Wahlrecht f√ľr die Tamilen gefordert. Laut diesem Wahlrecht sollten die Tamilen trotz ihres relativ geringen Anteils an der Gesamtbev√∂lkerung (ca. 15¬†%) als gleich stark vertretene Stimme angesehen werden. Diese Forderung blieb jedoch erfolglos, und die Briten verlie√üen die Insel, w√§hrend die politische Macht an die United National Party (UNP) ging. Zum Gr√ľndungszeitpunkt bestand die Koalition aus singhalesischen, tamilischen und muslimischen Parteien. So waren mit G.¬†G.¬†Ponnambalam und C.¬†Sundaralinkam zwei tamilische Minister im Kabinett.

Der Wahlsieg der Sri Lanka Freedom Party (SLFP) 1956, die mit patriotischen Parolen geworben hatte, f√ľhrte zu einer pro-singhalesischen Politik. Die Bevorzugung der tamilischen Bev√∂lkerungsminderheit w√§hrend der Kolonialzeit hinsichtlich Bildung und Profession (etwa in der Kolonialverwaltung) wurde von der singhalesischen Mehrheit als soziale Ungerechtigkeit angesehen. Ziel der Regierung war es, die √ľberproportionale Vertretung tamilischer Minderheiten in Verwaltungs-, Bildungs- und Wirtschaftsbereichen zu reduzieren und an die aktuelle Demographiesituation anzupassen. Dies f√ľhrte zur Bevorzugung der singhalesischen Sprache und des Buddhismus und zu einer Quotenregelung auf Basis der regionalen Zugeh√∂rigkeit f√ľr die Universit√§tszulassungen. Diese Entwicklung wurde von der tamilischen Minderheit als k√ľnftige Bedrohung betrachtet.

Die sri-lankische Bev√∂lkerungsexplosion und Jugendarbeitslosigkeit von Tamilen und Singhalesen erschwerte die politische Situation, da die Regierungen nach der Unabh√§ngigkeit keine konkreten Ma√ünahmen zur Minderung der Jugendarbeitslosigkeit anbieten konnten. Daraus resultierte der marxistische Aufstand eines Teils der singhalesischen Jugend (‚ÄěJanatha Vimukthi Peramuna‚Äú) im Jahr 1971. Gleichzeitig entwickelte sich eine Tendenz eines Teils der tamilischen Jugend zum bewaffneten Aufstand, unterst√ľtzt durch marxistische Ideologie.

1970 schlossen sich mehrere tamilische Parteien zur Tamil United Liberation Front (TULF) zusammen, die einen eigenen Tamilenstaat (Tamil Eelam, gesprochen ňątami…≠ ňĆiňźlam, dt. tamilisches Lanka) im Norden und Osten der Insel fordert.

Am Ende der Regierungszeit der SLFP unter Sirimavo Bandaranaike war der Konflikt vor√ľbergehend beruhigt. Trotz dieser Ann√§herungen gab es weiterhin Konflikte zwischen beiden Ethnien. Radikale tamilische Gruppierungen bestanden noch immer auf einer Separation. Aus diesen Gruppen stach besonders die radikale LTTE hervor, welche auch moderate Tamilen, die anderen Konfliktl√∂sungen gegen√ľber offen waren, wie z.¬†B. Alfred Dureiappa (B√ľrgermeister von Jaffna 1975) oder Amirthalingam, F√ľhrer der TULF, ermorden lie√ü. Sp√§ter wurden der LTTE auch ethnische S√§uberungen in Jaffna und Massenmord an singhalesischen Bauern vorgeworfen.

Die United National Party (UNP), bestehend aus Singhalesen, Tamilen und Muslimen, siegte 1977 mit verfassungs√§ndernder Mehrheit unter Junius Richard Jayawardene. Er verweigerte den tamilischen Abgeordneten ihre quotenm√§√üig garantierten Parlamentssitze unter dem generalisierten Vorwurf des Separatismus und erkl√§rte sie s√§mtlich zu Staatsfeinden. Ferner ver√§nderte er die Verfassung und setzte sich an die Spitze eines Pr√§sidialsystems nach franz√∂sischem Vorbild. J.¬†R.¬†Jayawardene war im Vergleich zu seinen Nachfolgern relativ erfolgreich, weil er von au√üen die Unterst√ľtzung der westlichen M√§chte und im Innern die der Minderheiten der Tamilen, Muslimen und Christen bekam.

B√ľrgerkrieg

Durch Jayawardenes Politik eskalierte der Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen ab dem Juli 1983. Die radikalen Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), die einen unabh√§ngigen Tamilenstaat im Norden und Osten der Insel forderten, erhielten starken Zulauf. 1986 eroberten die Milizen der LTTE die fast ausschlie√ülich von Tamilen bewohnte Jaffna-Halbinsel und weite Teile der Nordzentral- und der Ostprovinzen, die haupts√§chlichen Siedlungsgebiete der Tamilen. Die Entsendung indischer Friedenstruppen unter Zustimmung der Regierung Sri Lankas im Juni 1987 stie√ü auf Ablehnung der LTTE, wodurch die K√§mpfe sich ausweiteten. Durch h√§ufiges Fehlverhalten machten sich die indischen Truppen zudem bei beiden Konfliktparteien unbeliebt, so dass es sogar zur Zusammenarbeit zwischen der sri-lankischen Regierung und den Rebellen (mitsamt verdeckten Waffenlieferungen) kam, um die Friedenstruppe zu vertreiben. Nach zwei Jahren zogen sich die indischen Truppen zur√ľck, ohne dass der Konflikt gel√∂st worden war.

Mitte der 1990er Jahre eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen Singhalesen und Tamilen erneut, als Regierungstruppen im Dezember 1995 die Jaffna-Halbinsel zur√ľckeroberten. Im November 1999 lancierten die Liberation Tigers eine Gro√üoffensive im zentralen Norden des Landes, ehe im Februar 2002 ein Waffenstillstand zwischen der sri-lankischen Regierung und den tamilischen Rebellen geschlossen wurde. Dem folgten Friedensverhandlungen zwischen Singhalesen und Tamilen in Genf, die aber im Februar 2006 scheiterten. Durch ihr brutales Vorgehen, zum Beispiel den Einsatz von Selbstmordkommandos (Black Tigers), haben sich die LTTE viele ausl√§ndische Sympathien verspielt und werden von der EU und den USA mittlerweile als terroristische Vereinigung angesehen.

Am 12. August 2005 wurde Au√üenminister Lakshman Kadirgamar ermordet. Ein politischer Hintergrund lag nahe, wobei die T√§terschaft nicht gekl√§rt werden konnte. Die LTTE bestritt, den Anschlag ver√ľbt zu haben.

Anfang August 2006 fl√ľchteten nach Sch√§tzungen des Roten Kreuzes 6.000 bis 7.000 Familien aus der √ľberwiegend von Muslimen bewohnten Stadt Mutur (Mooduthara auf Sinhala), in der der B√ľrgerkrieg wieder aufflammte. Im August versch√§rften sich die Gefechte massiv. Alleine am 12. August wurden weit √ľber 200 Menschen get√∂tet, darunter ein ranghoher Vermittler im Friedensprozess. Auch im August war der Zugang zur Krisenregion durch ausl√§ndische Helfer erschwert, Lebensmittel waren knapp. Im M√§rz 2007 stand Sri Lanka kurz vor einem Kriegsausbruch, nachdem die Armee im Januar eine Gro√üoffensive gegen die LTTE startete. Etwa 150.000 Menschen fl√ľchteten.

Am 2. November 2007 kam der Chef des politischen Fl√ľgels und Verhandlungsf√ľhrer der LTTE, S. P. Thamilselvan bei einem Luftschlag der sri-lankischen Luftwaffe ums Leben, was einen weiteren R√ľckschlag f√ľr die Friedensverhandlungen bedeutete.

Das Waffenstillstandsabkommen zwischen der LTTE und der Regierung wurde am 2. Januar 2008 von der Regierung aufgek√ľndigt. Wenige Stunden vor Ablauf des mit einer zweiw√∂chigen K√ľndigungsfrist versehenen Abkommens kam es in der N√§he des s√ľd√∂stlich gelegenen Ortes Buttola zu einem Sprengstoffanschlag auf einen Bus, bei dem mindestens 22 Menschen starben. Als Urheber wird die LTTE vermutet.

Zun√§chst konnten mehrere Gebiete durch Regierungstruppen wieder zur√ľckerobert werden, der Vormarsch kam jedoch vor der Stadt Kilinochchi ins Stocken. Erst am 1. Januar 2009 nahm die Armee Sri Lankas die LTTE-Hochburg im Norden nach einer Offensive ein.

Am 25. Januar 2009 wurde Mullaitivu von der sri-lankischen Armee eingenommen. Die LTTE verlor damit die letzte noch von ihr kontrollierte Stadt. Im Kampfgebiet waren nach Angaben der Vereinten Nationen rund 250.000 Zivilisten eingeschlossen. Im Mai konnte das Milit√§r auch den letzten von der LTTE kontrollierten K√ľstenstreifen einnehmen. Der Machtbereich der LTTE konzentrierte sich nur noch auf eine wenige Quadratkilometer gro√üe Region im Nordosten der Insel.

Die K√§mpfe zwischen der LTTE und der sri-lankischen Armee forderten im Fr√ľhjahr 2009 tausende von Todesopfern unter der Zivilbev√∂lkerung, bis zu 200.000 Menschen mussten die von den Rebellen gehaltene Region verlassen und konnten nur unzureichend versorgt werden. Angesichts der humanit√§ren Situation hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 13. Mai 2009 erstmals eine offizielle Stellungnahme zum B√ľrgerkrieg in Sri Lanka formuliert und die Konfliktparteien aufgefordert, sich f√ľr die Sicherheit der noch eingeschlossenen Bev√∂lkerung einzusetzen und die Fl√ľchtlinge zu versorgen.

Ende des B√ľrgerkriegs

Angesichts der Gel√§ndegewinne im Mai 2009 erkl√§rte der sri-lankische Pr√§sident Mahinda Rajapaksa am 16. Mai 2009 die LTTE f√ľr besiegt und den B√ľrgerkrieg f√ľr beendet. Die verbleibenden Rebellen seien vom Milit√§r eingekesselt, √ľber das Schicksal des Rebellenf√ľhrers Velupillai Prabhakaran war zun√§chst nichts bekannt. √úber die Website Tamilnet erkl√§rte die LTTE, die Waffen ruhen zu lassen, um die Zivilbev√∂lkerung nicht weiter zu gef√§hrden.

Nach best√§tigten Angaben der Armee Sri Lankas wurde Velupillai Prabhakaran und die gesamte F√ľhrungselite der LTTE bei der Flucht vor Regierungstruppen am 18. Mai 2009 von einer Sondereinheit erschossen.

2021

Auf dem Protestmarsch von Pottuvil nach Polikandy vom 3. bis 7. Februar 2021 artikulierten tamilische und moorische Minderheiten wiederum ihren Willen zu politischer Teilhabe.

Demografie

Die Bev√∂lkerung Sri Lankas ist von 7,9 Millionen 1950 auf √ľber 20 Millionen im Jahr 2017 gewachsen. Inzwischen hat sich das Bev√∂lkerungswachstum jedoch deutlich abgeschw√§cht und betrug 2016 noch 0,8¬†%. Die Geburtenrate pro Frau betrug 2,1 Kinder. Auf 1000 Einwohner kamen j√§hrlich 15,5 Geburten und 6,2 Todesf√§lle. Das Median-Alter betrug 32,5 Jahre. Sri Lanka ist ein Auswanderungsland und Millionen Sri Lanker leben im Ausland, vor allem in den arabischen Golfstaaten und in den USA bzw. Gro√übritannien. Im Jahre 2017 waren nur 0,2¬†% der Bev√∂lkerung im Ausland geboren.

Religionen

Nach der Volkszählung 2012 sind 70,2 Prozent der Bevölkerung Sri Lankas Buddhisten, 12,6 Prozent Hindus, 9,7 Prozent Muslime und 7,4 Prozent Christen (6,1 Prozent Katholiken und 1,3 Prozent andere). In der Verteilung der Religionen spiegelt sich die ethnische Aufteilung der Bevölkerung Sri Lankas wider: Die Singhalesen sind größtenteils Buddhisten, die Tamilen mehrheitlich Hindus und die Moors ausschließlich Muslime. Daneben gibt es unter Tamilen und Singhalesen christliche Minderheiten.

Vom 8. bis 11. Jahrhundert war unter den Buddhisten das Mahayana weit verbreitet. Seit dem 12. Jahrhundert geh√∂ren die Buddhisten in Sri Lanka der Theravada-Schule an. Als buddhistisch gepr√§gtem Land kommt Sri Lanka im mehrheitlich hinduistischen S√ľdasien eine Sonderstellung zu. Dem Buddhismus wird in der Verfassung Sri Lankas eine besondere Stellung einger√§umt: Demnach ist der Staat verpflichtet, den Buddhismus ‚Äězu sch√ľtzen und zu f√∂rdern‚Äú. Unter den Hindus Sri Lankas ist, wie bei den Tamilen auf dem indischen Festland, der Shivaismus die am weitesten verbreitete Glaubensstr√∂mung. Die Muslime Sri Lankas sind Sunniten der schafiitischen Rechtsschule. Unter den Christen dominiert als Resultat der portugiesischen Missionierung w√§hrend der Kolonialzeit der Katholizismus, es gibt aber auch Anglikaner (Church of Ceylon) und protestantische Gruppen. Die folgenden Karten zeigen den prozentualen Bev√∂lkerungsanteil der gr√∂√üten Religionsgemeinschaften nach Distrikten.

Seit 2015 häuft sich die Zahl der Übergriffe seitens buddhistischer Extremisten auf Angehörige religiöser Minderheiten. Vor allem Christen, Muslime und Hindus werden seither gehäuft zu Opfern religiös motivierter Gewalt.

Der gr√∂√üte Terroranschlag in Sri Lanka wurde am Ostersonntag 2019 ver√ľbt. Muslimische Terroristen zielten dabei in einer Serie von Anschl√§gen an einem Tag vor allem auf Christen, so wurden vier der Anschl√§ge w√§hrend des Ostergottesdiensts auf christliche Kirchen ver√ľbt. Insgesamt wurden 253 Menschen get√∂tet und etwa 500 verletzt. Der islamische Staat reklamierte den Anschlag f√ľr sich. Die ersten sechs Explosionen wurden durch Selbstmordattent√§ter ausgef√ľhrt.

Gesundheit

Im Jahr 2015 betrug die weibliche Lebenserwartung 78,0 und die m√§nnliche 71,2 Jahre. Die Regierungsausgaben f√ľr das Gesundheitswesen betrugen 2006 etwa 105 US-Dollar (Kaufkraftparit√§t).

In Sri Lanka kommen auf 100.000 Personen etwa 48,9 √Ąrzte. Die Organisation √Ąrzte ohne Grenzen ist im Land aktiv.

Politik

Politisches System

Die zurzeit g√ľltige Verfassung in Sri Lanka wurde 1977 unter der Regierung der United National Party verabschiedet. Demzufolge ist Sri Lanka eine Pr√§sidialdemokratie mit einer starken Stellung des Pr√§sidenten. Der Pr√§sident, dessen regul√§re Amtszeit 6 Jahre betr√§gt, wird direkt vom Volk gew√§hlt. Er ernennt den Premierminister, der die Regierungsgesch√§fte f√ľhrt. Das Parlament, das sich aus 225 Abgeordneten zusammensetzt, wird ebenfalls alle sechs Jahre in einer Mischung aus Verh√§ltnis- und Mehrheitswahlrecht gew√§hlt.

Die Politik in Sri Lanka ist seit der Unabh√§ngigkeit von zwei gro√üen Parteien gepr√§gt (Zweiparteiensystem), auf der einen Seite der United National Party (UNP), die dem konservativ-liberalen Spektrum angeh√∂rt, auf der anderen Seite der Sri Lanka Freedom Party (SLFP), einer sozialistischen Partei. Daneben gibt es kleinere Interessenparteien, z.¬†B. der Tamilen in der Nord- und Ostprovinz (Tamil National Alliance, TNA) der Tamilen im Binnenland (Tamil Progressive Alliance, TPA), der Muslime (Sri Lanka Muslim Congress, SLMC), singhalesisch-buddhistische Parteien (Jathika Hela Urumaya, JHU) und andere. Fr√ľher waren auch die Kommunisten bedeutsam (z.¬†B. Janatha Vimukthi Peramuna, JVP), deren Stimmenanteil jedoch seit l√§ngerem zur√ľckgeht. UNP und SLFP haben sich in unregelm√§√üigen Abst√§nden an der Regierung abgewechselt. Mehr oder weniger durch das Wahlsystem gezwungen schlie√üen sich die kleineren Parteien des Landes vor Parlamentswahlen meist einer der beiden gro√üen Parteien an und bilden Parteienallianzen, z.¬†B. die United People‚Äôs Freedom Alliance unter der SLFP oder die United National Front (UNF) unter der UNP. Dadurch werden den kleineren Parteien einige Sitze im Parlament garantiert.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 15,5 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 10,9 Mrd. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 5,6¬†% des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 2016 77,3¬†% des BIP. Aufgrund der relativ hohen Auslandsschulden werden die Staatsanleihen des Landes von der amerikanischen Ratingagentur Standard & Poor‚Äôs mit der Note B+ bewertet (Stand November 2018). Staatsanleihen von Sri Lanka gelten damit als ‚ÄěRamsch‚Äú.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 4,2¬†%
  • Bildung: k.¬†A.
  • Milit√§r: 2,6¬†%

Außenpolitik

Sri Lanka geh√∂rt zu den Gr√ľndungsmitgliedern der Bewegung der Blockfreien Staaten. Als ehemalige Kolonie ist dessen Prinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten eine der Leitlinien der Au√üenpolitik des Landes. Sri Lanka ist zudem u.¬†a. Mitglied des Commonwealth of Nations, der Vereinten Nationen und der SAARC. Sri Lanka ist Hauptsitz des Colombo-Plan, eine Organisation, die die regionale Entwicklung in S√ľd- und S√ľdostasien f√∂rdern soll.

Die Beziehungen des Landes zu den westlichen Nationen schwankten in den letzten Jahrzehnten, wobei die United National Party f√ľr eine engere Anbindung des Landes an die westliche Staatengemeinschaft eintritt und die Sri Lanka Freedom Party eher f√ľr eine Ann√§herung an die L√§nder der sogenannten Dritten Welt steht. Als Konstante blieb √ľber die Zeit jedoch die √ľbergro√üe Bedeutung Indiens in der Au√üen- und Innenpolitik des Landes. So unterst√ľtzte Indien im B√ľrgerkrieg die Zentralregierung von Sri Lanka gegen√ľber den Aufst√§ndischen, um sein direktes geographisches Umfeld stabil zu halten und ein m√∂gliches √úbergreifen des tamilischen Separatismus auf sein eigenes Staatsgebiet zu verhindern. Von 1987 bis 1990 griff Indien direkt in den Krieg ein, weshalb tamilische Extremisten 1991 aus Rache den indischen Premierminister Rajiv Gandhi ermordeten. F√ľr die Tat wurden sp√§ter zehn Inder und 16 Sri-Lanker verurteilt. Aufgrund dieser Vorkommnisse und der Rolle Indiens als gro√üer Bruder gestalteten sich die Beziehungen zwischen beiden Staaten als nicht immer frei von Spannungen. Seit dem Ende des Krieges 2009 verbesserten sie sich jedoch deutlich. Wirtschaftlich, politisch und diplomatisch sind beide L√§nder enge Partner geworden und Sri Lanka unterst√ľtzt Indiens Antrag auf einen permanenten Sitz im UN-Sicherheitsrat.

Ab dem Jahr 2007 begann die Volksrepublik China, ihre Pr√§senz in Sri Lanka stetig zu steigern. Angefangen mit diplomatischer und milit√§rischer Unterst√ľtzung f√ľr die Regierung im Krieg gegen die Tamil Tigers intensivierten sich sp√§ter vor allem die wirtschaftliche Zusammenarbeit, und China begann gezielt in die Infrastruktur des Landes zu investieren. Pekings strategische Intention dahinter ist der Aufbau der sogenannten maritimen Seidenstra√üe, in der Sri Lanka eine wichtige Position zwischen Persischem Golf und Stra√üe von Malakka einnimmt. Diese verst√§rkte Pr√§senz im Indischen Ozean (Perlenkettenstrategie) wird wiederum von Indien als Einkreisung wahrgenommen, was zu steigenden Spannungen im Indischen Ozean f√ľhrt. Als problematisch erweisen sich zudem die hohen Schulden des Landes gegen√ľber China f√ľr diverse Bauprojekte, die zudem teilweise von Korruptionsaff√§ren √ľberschattet wurden. 2017 konnte das Land einen Kredit nicht mehr bedienen und musste den neugebauten Hafen in Hambantota f√ľr 99 Jahre an das chinesische Unternehmen China Merchants Port Holdings verpachten.

Weitere Länder, zu denen das Land enge Beziehungen unterhält, sind das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten und die arabischen Golfstaaten, in denen der Großteil der Diaspora des Landes lebt. Die Beziehungen zu Deutschland werden vom Auswärtigen Amt als gut und freundschaftlich charakterisiert. Auf Einladung von Bundeskanzlerin Merkel war Staatspräsident Sirisena am 17./18. Februar 2016 zu Besuch in Deutschland. 2017 besuchten 130.000 deutsche Touristen Sri Lanka (2010 waren es nur 46.000). 2018 feiern beide Länder das 65. Jubiläum ihrer gemeinsamen diplomatischen Beziehungen.

Militär

Die Streitkräfte Sri Lankas setzen sich aus der Armee (Sri Lanka Yuddha Hamudawa), der Marine (Sri Lanka Navika Hamudawa) und der Luftwaffe (Sri Lanka Guwan Hamudawa) zusammen. Die Streitkräfte Sri Lankas hatten 2020 eine Personalstärke von etwa 250.000 Personen. Das Militärbudget wurde zwischenzeitlich stark ausgeweitet und betrug 2021 umgerechnet 1,89 Mrd. US$.

Im von 1983 bis 2009 dauernden B√ľrgerkrieg in Sri Lanka konnte die Armee letztlich die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) besiegen. Der B√ľrgerkrieg endete am 18. Mai 2009 mit dem vollst√§ndigen milit√§rischen Sieg der sri-lankischen Regierungstruppen √ľber die Rebellen. Die Zahl der Todesopfer w√§hrend des Krieges zwischen 1983 und 2009 wird auf 80.000 bis 100.000 gesch√§tzt.

Wirtschaft

Wirtschaftsgeschichte

Im 19. und 20. Jahrhundert dominierte die Plantagenwirtschaft und die Insel wurde vor allem durch den Anbau von Zimt, Gummi und Tee (Ceylon) bekannt. Unter der britischen Herrschaft wurden die H√§fen modernisiert, dadurch wurde die Insel als Knotenpunkt des Fernhandels strategisch wichtig. W√§hrend des Zweiten Weltkriegs stationierten die Alliierten Ausr√ľstung und Truppen auf der Insel. Sri Lanka war 2013 der drittgr√∂√üte Exporteur von Tee weltweit hinter Kenia und der Volksrepublik China, gemessen an der Exportmenge.

Nach der Unabhängigkeit 1948 bis 1977 war die Wirtschaftspolitik der amtierenden Regierungen sozialistisch geprägt. Plantagen aus der Kolonialzeit wurden abgeschafft und industrielle Einrichtungen wurden verstaatlicht. In dieser Zeit wurden die Lebensstandards verbessert, die Analphabetenquote sank, jedoch litt die Volkswirtschaft unter Ineffizienz, langsamem Wachstum und Mangel an ausländischen Investitionen. 1977 brach die Regierung mit der Verstaatlichung und fördert seither die Privatwirtschaft.

Im ‚ÄěDoing Business Index‚Äú der Weltbank erreichte Sri Lanka 2016 Rang 110 von 190. 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes werden von der privaten Wirtschaft erbracht. Allerdings stellen eine nach wie vor sozialistisch gepr√§gte Arbeitsgesetzgebung und unklare b√ľrokratische Entscheidungsabl√§ufe f√ľr ausl√§ndische Investoren ein Hindernis dar. 2015 betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 81,1 Mrd. USD, das waren pro Kopf der Bev√∂lkerung 3.920 USD. In Kaufkraftparit√§t betr√§gt das BIP 274,7 Milliarden US-Dollar oder ca. 12.800 US-Dollar je Einwohner (2017). Das reale Wachstum betrug im selben Jahr 3,1¬†%. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Sri Lanka Platz 85 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegte das Land 2017 Platz 112 von 180 L√§ndern.

Die Arbeitslosigkeit liegt bei ca. 4,2 %. Problematisch ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit von ca. 20 %. Laut Zahlen der Weltbank lebten 2012 1,9 % der Bevölkerung von weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag und damit in extremer Armut. 1985 hatte der Anteil noch 13,3 % betragen.

Sri Lanka ist ein Land mittleren Einkommens und hat es im Vergleich zum S√ľdasiatischen Umfeld (Indien, Pakistan, Bangladesch) zu relativem Wohlstand gebracht.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (Kaufkraftparität) angegeben.

Sektoren

Die wichtigsten Exportwaren Sri Lankas sind Textilien, Bekleidung, Tee, Edelsteine und Kokosnussprodukte. Nach dem Ende des B√ľrgerkrieges stieg die Zahl der Besucher. F√ľr Dezember 2017 wurden √ľber 240.000 ankommende Touristen registriert.

Entwicklungshilfe

Sri Lanka ist seit 1950 Mitglied des Internationalen W√§hrungsfonds; nach knapp drei Jahrzehnten hat der IWF sein B√ľro im Land vor kurzem geschlossen, dieser Schritt wurde von der Regierung begr√ľ√üt. Laut einem IWF-Beamten war der Grund f√ľr die Schlie√üung der IWF-Vertretung, dass die sri-lankische Regierung die Hilfe der Organisation ablehnte und es keine laufenden Programme mehr von der Seite des IWF gab. Der Weltbank zufolge sollte das Land seine Devisenreserven aufstocken, da es gegen√ľber externen Schocks ungesch√ľtzt sei. Im Laufe des Jahres 2006 verkaufte die Regierung Sri Lankas etwa 400 Mio. $, um die unter Druck geratene Landesw√§hrung abst√ľtzen zu k√∂nnen.

Die Bundesrepublik Deutschland leistet finanzielle Hilfe an Sri Lanka. Die wirtschaftlichen Beziehungen der beiden L√§nder werden durch mehrere Handelsabkommen (1950, 1955, 1958), ein Doppelbesteuerungsabkommen (1979), ein Rahmenabkommen √ľber technische Zusammenarbeit (1973) sowie durch ein Investitionsf√∂rderungs- und -schutzabkommen (2000) geregelt.

Verkehr

Die meisten Städte Sri Lankas sind durch das Schienennetz der staatlichen Eisenbahngesellschaft Sri Lanka Railways miteinander verbunden. Die erste Strecke wurde am 26. April 1867 eingeweiht und verband Colombo mit Kandy. Das gesamte Straßennetz umfasste 2012 etwa 114.093 km, wovon 16.977 km asphaltiert sind. Die Regierung startete mehrere Projekte zum Bau von Hochgeschwindigkeitsstrecken, um die Wirtschaft und das nationale Verkehrssystem zu verbessern.

Die staatlich gef√ľhrte Sri Lanka Transport Board ist verantwortlich f√ľr das Busverkehrssystem auf der ganzen Insel. Sri Lanka besitzt auch ein Wasserverkehrssystem mit einer L√§nge von 430 Kilometern. Die drei gr√∂√üten H√§fen Sri Lankas sind in Colombo, Trincomalee und Galle. Zudem gibt es einen Hafen f√ľr Binnenschiffe in Kankesanturai, n√∂rdlich von Jaffna.

Sri Lanka besitzt 16 zivile Flugh√§fen (Stand 2020, siehe die Liste der Flugh√§fen in Sri Lanka). Offiziell befinden sich darunter f√ľnf internationale Flugh√§fen, wobei bisher nur der Bandaranaike International Airport im internationalen Linienflugverkehr in gr√∂√üerem Ma√üe angeflogen wird. Er befindet sich in Katunayake, etwa 35 Kilometer n√∂rdlich von Colombo. Betreiber ist das Unternehmen Airport & Aviation (Sri Lanka) Limited. SriLankan Airlines ist nach der aufgel√∂sten Air Ceylon der zweite offizielle Flagcarrier Sri Lankas und wurde von Skytrax als beste Fluglinie S√ľdasiens bezeichnet.

Kultur

Sri Lanka hat bei der UNESCO acht historische und nat√ľrliche St√§tten als UNESCO-Welterbe sowie mit dem Marionettentheater RŇękada NńĀtya einen Eintrag auf der Liste des immateriellen Weltkulturerbes registrieren lassen.

Siehe auch: Welterbe in Sri Lanka

Bildung

Es besteht allgemeine Schulpflicht von 5 bis 14 Jahren. An die f√ľnfj√§hrige Grundschule (Primary School) schlie√üen sich im Sekundarschulbereich die dreij√§hrige Junior Secondary School (mittlerer Bildungsabschluss) und die dreij√§hrige Senior Secondary School (Abschluss: Hochschulreife) an. Unterrichtssprachen sind Sinhala und Tamil. Englisch ist Pflichtfach. Die Alphabetisierungsrate betr√§gt (2006) rund 91 Prozent, die der 15- bis 24-J√§hrigen rund 96 Prozent. Dies ist vor allem dem Einf√ľhren der kostenlosen Bildung im Jahre 1945 durch den ersten Bildungsminister von Sri Lanka C. W. W. Kannangara zu verdanken. Es gibt 13 Universit√§ten, darunter die University of Colombo und die University of Peradeniya.

Sport

Obwohl der offizielle Nationalsport Sri Lankas Volleyball ist, f√ľhrt Cricket mit gro√üem Abstand die Rangliste der beliebtesten Sportarten an. Die sri-lankische Cricket-Nationalmannschaft geh√∂rt zu den besten der Welt. Auch wenn Sri Lanka 1982 den Status einer Test-Cricket-Mannschaft bekam, drangen sie erst Anfang der 1990er Jahre an die Weltspitze des Crickets vor, welches mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft im Jahr 1996 und dem Asia Cup 1997 ihren H√∂hepunkt erreichte. Seitdem spielt Sri Lanka regelm√§√üig um die Krone der Weltspitze mit. So teilte man sich die ICC Champions Trophy 2002 mit Indien, wurde sowohl 2007 (gegen Australien) als auch 2011 (gegen Indien) Vizeweltmeister, genauso wie bei den ICC T20 World Cups 2009 und 2012. Ebenso gewann Sri Lanka die ICC World Twenty20 2014 in Bangladesch, nachdem man Indien im Finale besiegte. Die Nationalmannschaft gewann auch die Asia Cups der Jahre 1986, 1997, 2004, 2008 und 2014. Sri Lanka war Mitgastgeber der World Cups 1996 und 2011, sowie der ICC World Twenty20 2014. Der Asia Cup wurde auch mehrere Male in Sri Lanka ausgetragen.

Weitere beliebte Sportarten sind Rugby, Wassersport, Leichtathletik, Fußball, Basketball und Tennis. Sri-lankische Schulen und Universitäten veranstalten regelmäßig Wettbewerbe, um sich auf regionaler oder nationaler Ebene zu messen.

Sri-Lankas Rugby-Union-Nationalmannschaft gilt als die viertst√§rkste in Asien nach Japan, Hongkong und S√ľdkorea, ihnen gelang jedoch noch nicht die Qualifikation f√ľr eine Rugby-Union-Weltmeisterschaft. Sri Lanka nimmt an der Asia Rugby Championship teil, wo man gegen andere aufstrebende Nationalmannschaften antritt. Mit etwa 103.000 registrierten Rugbyspielern ist Sri Lanka die zweitgr√∂√üte Rugbynation Asiens nach Japan.

Sri Lanka hat eine gro√üe Anzahl an Sportstadien ‚Äď zu den bekanntesten geh√∂ren der Sinhalese Sports Club Ground und das R. Premadasa Stadium in Colombo sowie das Rangiri Dambulla International Stadium in Dambulla und das Galle International Stadium in Galle.

Aufgrund der zahlreichen Strände sind auch Bootfahren, Surfen, Schwimmen und Tauchen beliebte Sportarten und ziehen eine große Zahl an ausländischen Touristen an.

Medien

Die gr√∂√üten Rundfunk- und Fernsehsender stehen unter Regierungskontrolle. Die Regierung ist auch Eigent√ľmer des gr√∂√üten Verlagshauses. 2019 nutzten 34¬†% der Bev√∂lkerung das Internet.

Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen berichtet, dass alle Medien, einschlie√ülich der Nachrichtenportale im Internet, eine staatliche Lizenz ben√∂tigen. Gesetze, die noch aus der Zeit des B√ľrgerkrieges stammen, regulieren die Medien stark und f√ľhrten dar√ľber hinaus zur Selbstzensur der Journalisten.

Musik

An der traditionellen Musik Sri Lankas sind die kulturellen Einfl√ľsse seit den Einwanderern aus Nordindien Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. erkennbar. Aus ihnen gingen die Singhalesen hervor, die seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. Anh√§nger des Theravada-Buddhismus sind. Da nach der buddhistischen Lehre keine Rituale erforderlich sind und die Erl√∂sung nur von jedem Einzelnen angestrebt werden kann, w√ľrde es demzufolge weder eine Zeremonialmusik noch eine Musik in der Gemeinschaft der Gl√§ubigen ben√∂tigen. Die dennoch vorhandene religi√∂se Musik der Singhalesen ist aus der Volksreligion entstanden und besteht √ľberwiegend aus den Anl√§ssen entsprechenden Trommelrhythmen und Ges√§ngen, mit denen Schutzg√∂tter, Ahneng√∂tter und D√§monen angerufen und verehrt werden. Ansonsten wurde Musik durch die singhalesischen K√∂nige bef√∂rdert, die laut der Chronik Mahavamsa (5. Jahrhundert n. Chr.) die Insel seit der Ankunft der Nordinder regierten.

Die Tamilen als die zweitst√§rkste Bev√∂lkerungsgruppe pflegen eigene Musiktraditionen mit einer aus S√ľdindien stammenden hinduistischen Kultmusik. Diese geht bis auf das 11. Jahrhundert zur√ľck, als das tamilische Chola-Reich √ľber Sri Lanka herrschte. Weitere musikalische Verbindungen sind der geographischen Lage der Insel zuzuschreiben, die seit der zweiten H√§lfte des 1. Jahrtausends an einer Seehandelsroute zwischen der ostafrikanischen K√ľste, Arabien und S√ľdostasien lag. Ein solches Bindeglied ist die Rahmentrommel rabana, deren Namen in Indien nicht bekannt ist. Sie kam mit der arabisch-islamischen Kultur auf die Malaiischen Inseln, wo sie als rebana von den Muslimen in der religi√∂sen Musik gespielt wird, und gelangte von dort nach Sri Lanka. Es folgten ab dem 16. Jahrhundert musikalische Einfl√ľsse der europ√§ischen Kolonisten: Portugiesen (ab 1505), die im 17. Jahrhundert afrikanische Sklaven mitbrachten, Niederl√§nder (ab 1658) und Briten (ab 1796), die im 19. Jahrhundert Afrikaner in den Reihen ihrer Armee f√ľhrten.

Zun√§chst wird die rituelle und religi√∂se Musik der Singhalesen, Tamilen und der Muslime unterschieden. Stilistisch gliedert sich die singhalesische Kultmusik in drei gro√üe Kulturregionen, die sich ungef√§hr mit der Verwendung bestimmter singhalesischer Trommeltypen deckt. Der weit √ľberwiegende Anteil des Repertoires an Trommelrhythmen geh√∂rt zu rituellen Tanzstilen und volksreligi√∂sen Praktiken. Am bekanntesten ist die Kulturregion des zentralen Hochlandes um Kandy. Die Tanz- und Trommelstile des Hochlandes (bevorzugt mit der Fasstrommel gata bera und der gro√üen Zylindertrommel dawula) werden als singhalesische Nationalstile propagiert und auf B√ľhnen inszeniert, weil das K√∂nigreich Kandy erst 1815, also sp√§ter als die K√ľstenregionen, von der britischen Herrschaft abgel√∂st wurde und daher die dortige Musikkultur als die traditionellste gilt. Auch wenn die Tanz- und Musikstile fr√ľher nur bei rituellen Anl√§ssen von m√§nnlichen Mitgliedern sozial niedrigstehender Berufskasten praktiziert wurden, geh√∂ren sie heute zum Spielplan bei Unterhaltungsveranstaltungen und werden von beiden Geschlechtern und allen sozialen Schichten aufgef√ľhrt. Die zweite Kulturregion ist das Tiefland im S√ľden mit der S√ľdwest- und S√ľdk√ľste, wo eine lange schlanke Zylindertrommel (yak bera) die T√§nze bei an Schutzgottheiten gerichteten Kulthandlungen (deva tovil) und bei privaten Besessenheitszeremonien begleitet. Die dritte Kulturregion liegt dazwischen und deckt sich mit der Provinz Sabaragamuwa (in der die Zylindertrommel dawula bevorzugt wird).

Zu den buddhistischen Ritualen geh√∂ren die gesungene Rezitation religi√∂ser Texte durch M√∂nche und Tempelprozessionen (perahera), besonders die j√§hrliche Prozession Esala Perahera um den Sri Dalada Maligawa (‚ÄěZahntempel‚Äú) in Kandy. Hierbei treten eine Gruppe von Loblieds√§ngern (kavikara maduva), die Buddha in Lobliedern (prashasti) preisen, und gro√üe Trommelensembles auf. Dreimal t√§glich spielt √ľblicherweise bei Tempeln ein eigenes Tempelensemble (hevisi) eine musikalische Opferzeremonie mit der stets als Zeremonialtrommel dienenden Zylindertrommel dawula, einem Kesseltrommelpaar tamattama und einer kleinen Kegeloboe horanewa, manchmal erg√§nzt um Handzimbeln (talampata). Bei besonderen Anl√§ssen ert√∂nt zu Beginn ein Schneckenhorn.

Das ehemals rituelle Maskentheater Kolam an der S√ľdwestk√ľste wird heute zur Unterhaltung an manchen Festtagen aufgef√ľhrt. Alle Rollen werden nur von M√§nnern dargestellt und bis auf die Rezitationen werden alle Szenen von Zylindertrommeln (yak bera) begleitet. Weitere traditionelle Volkstheater der Singhalesen sind das aus Fruchtbarkeitsriten entstandene Tanz- und Maskentheater Sokari im Hochland und das in der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts popul√§r gewordene Nadagam, das auf das √§ltere, heute verschwundene tamilischen Volkstheater Nattukuttu zur√ľckgeht.

Zur hinduistischen Tempelmusik der Tamilen geh√∂ren die aus S√ľdindien bekannte Fasstrommel tavil und das lange Doppelrohrblattinstrument nadaswaram. F√ľr sonstige Rituale, etwa Beerdigungsprozessionen, spielt die niedrige tamilische Berufskaste der Paraiyar die zweifellige Zylindertrommel parai und das Kesseltrommelpaar tampattam. Die Muslime pflegen Koranrezitationen und Formen von Sufi-Musik. Die tamilsprachige Bev√∂lkerung im Norden und an der Ostk√ľste kennt eigene Formen von Volksdramen wie Vada modi, Ten modi und Koothu. Die malaiische Minderheit, die sich in einer Kombination aus Malaiisch, Singhalesisch und Tamil unterh√§lt, besitzt eine Tradition m√ľndlich √ľberlieferter Balladen, die vornehmlich zum Genre Pantun geh√∂ren. Hinzu kommen bei den Malaien religi√∂se Lieder zur Verehrung Mohammeds.

Neben den in den D√∂rfern auf offenen B√ľhnen inszenierten Maskenspielen Sokari und Kolam und der Tanzauff√ľhrung Nadagam wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Colombo das popul√§re Musiktheater Nurti entwickelt, das in Theaters√§len vor einem zahlenden Publikum auftrat. Nurti war von den wandernden Musiktheatern der Parsen gepr√§gt und setzte entsprechend auf opulent ausgestattete B√ľhnen, Kost√ľme und Musik. Geboten wurden historisch-mythische und religi√∂se Erz√§hlungen. Der Nurti-Musikstil war in den St√§dten bis in die 1930er Jahre vorherrschend, als er durch die indische Filmmusik abgel√∂st wurde. Ein bis heute popul√§rer Tanzmusikstil, der auf den Einfluss der Portugiesen und der von ihnen verschleppten schwarzafrikanischen Sklaven zur√ľckgeht, ist Baila. Die Portugiesen f√ľhrten die Gitarre ein, die zusammen mit H√§ndeklatschen die schlichte Begleitung der √§lteren akustischen Baila-Lieder bildete. Moderne Baila-Ensembles verwenden E-Gitarren, Synthesizer und Schlagzeug zur Begleitung der schnulzigen Lieder, die zum Standard bei Hochzeiten und sonstigen Partys geh√∂ren. Typischerweise verwendet ein Baila-Ensemble mit elektrischen Instrumenten au√üerdem Gitarre, Banjo oder Mandoline, Violine, die Rahmentrommel rabana und ein Paar Congas.

Ab den 1960er Jahren entwickelte sich ein Sinhala Pop aus einer Mischung aus indischer Filmmusik, westlicher Popmusik und Reggae. Eine solche Band besteht aus einem Sänger, E-Gitarre, Synthesizer und einem elektrischen Drumset. Die in den Städten gehörte light classical music (singhalesisch sarala gi) instrumentiert eingängige Melodien mit aus der klassischen indischen Musik bekannten Instrumenten wie Violine, sitar, sarod, Flöte (bansuri) und tabla.

Siehe auch

  • Sri Lankabhimanya, h√∂chste nationale Auszeichnung von Sri Lanka

Literatur

  • Heinz Bechert: Buddhismus, Staat und Gesellschaft in den L√§ndern des Theravada-Buddhismus. Band I: Grundlagen. Ceylon. Hamburg 1966, Nachdruck 1988.
  • Michael B. Carrithers: ‚ÄěSie werden die Herren der Insel sein‚Äú: Buddhismus in Sri Lanka. In: Heinz Bechert, Richard Gombrich (Hrsg.): Der Buddhismus. Geschichte und Gegenwart. M√ľnchen: C.H. Beck ¬≥2008. S. 140‚Äď168.
  • Manfred Domr√∂s: Sri Lanka. Die Tropeninsel Ceylon. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1976 (Wissenschaftliche L√§nderkunden 12).
  • Ren√© Frank: Britisches Kolonialgeld aus Ceylon ‚Äď Beliebte Elefanten-Motive auf Kupfer- und Silberm√ľnzen. M√ľnchen 2019
  • Wilhelm Geiger: Culture of Ceylon in Mediaeval Times. 2., unver√§nderte Auflage, Wiesbaden 1986.
  • Partha S. Ghosh Colonial Origins of Sinhala-Tamil Ethnic Conflict in Sri Lanka. In: Ramakant and B.C. Upreti Nationbuilding in South Asia. Vol. 1, S. 309‚Äď326, New Delhi 1991.
  • Richard Gombrich: Der Theravada-Buddhismus: Vom alten Indien bis zum modernen Sri Lanka. Kohlhammer, Stuttgart/ Berlin/ K√∂ln 1996.
  • John Clifford Holt (Hrsg.): The Sri Lanka Reader. History, Culture, Politics. Duke University Press, 2011.
  • Jakob R√∂sel: Der B√ľrgerkrieg auf Sri Lanka. Der Tamilenkonflikt: Aufstieg und Niedergang eines singhalesischen Staates. Nomos, Baden-Baden 1997, ISBN 978-3-7890-4611-7.
  • Jakob R√∂sel: Die Gestalt und Entstehung des singhalesischen Nationalismus. Duncker und Humblot, Berlin 1996, ISBN 3-428-08849-2.
  • R. Thapar: The Penguin History of Early India from the Origins to AD 1300. London 2002.
  • Albert Hermann: Taprobane. In: Paulys Realencyclop√§die der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band IV A,2, Stuttgart 1932, Sp.¬†2260‚Äď2272.

Weblinks

  • Offizielle Website der Botschaft der Demokratischen Sozialistischen Republik Sri Lanka in Deutschland
  • Offizielle Homepage
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Sri Lanka

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (25)

Bezeichnung der Regionen: Distrikt
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Ampara 7.739 6.51 80.988 81.89  
Anuradhapura 8.917 7.815 79.955 80.987  
Badulla 7.615 6.542 80.781 81.271  
Batticaloa 8.263 7.403 81.227 81.823  
Colombo 6.978 6.712 79.848 80.222  
Galle 6.441 5.964 79.982 80.495  
Gampaha 7.325 6.91 79.814 80.207  
Hambantota 6.579 5.976 80.612 81.712  
Jaffna 9.83 9.446 79.656 80.626  
Kalutara 6.82 6.325 79.893 80.382  
Kandy 7.49 6.942 80.422 81.014  
Kegalle 7.395 6.831 80.15 80.546  
Kilinochchi 9.681 9.209 80.053 80.615  
Kurunegala 8.196 7.257 79.9 80.574  
Mannar 9.237 8.522 79.698 80.398  
Matale 8.012 7.388 80.494 80.998  
Matara 6.397 5.924 80.379 80.73  
Moneragala 7.456 6.296 80.83 81.634  
Mullaitivu 9.455 8.937 80.175 80.958  
Nuwara Eliya 7.272 6.754 80.432 80.966  
Polonnaruwa 8.341 7.654 80.756 81.34  
Puttalam 8.572 7.272 79.697 80.153  
Ratnapura 6.925 6.232 80.177 80.948  
Trincomalee 8.989 8.15 80.753 81.417  
Vavuniya 9.126 8.546 80.174 80.784  
 

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Flagge: Sri Lanka

Name englisch: Sri Lanka
Hauptstadt: Colombo
Kfz: CL
ISO: LK
ISO3: LKA
Fläche: 65610 km²
Tld: .lk
Wärung Einheit: LKR
Währung: Rupee
Vorwahl: 94

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 9.8358504
südlichster Punkt: 5.9190779
westlichster Punkt: 79.6289063
östlichster Punkt: 81.8787029


 
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