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Staat Informationen : Mongolei

Informationen:


Die Mongolei ([m…ĒŇč…°oňąlaÕúi], amtlich in mongolisch –ú–ĺ–Ĺ–≥–ĺ–Ľ –£–Ľ—Ā Mongol Uls, Š†ģŠ†§Š†©Š†≠Š†§Š†Į
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mong…£ol ulus, w√∂rtlich: Mongolischer Staat) ist ein Binnenstaat im √∂stlichen Teil Zentralasiens und liegt zwischen Russland im Norden und der Volksrepublik China im S√ľden. Seine Fl√§che umfasst den gr√∂√üten Teil des Mongolischen Plateaus. Territorial knapp viereinhalbmal so gro√ü wie Deutschland, ist das Land mit rund 3 Millionen Einwohnern der am d√ľnnsten besiedelte Staat der Welt. Die gr√∂√üte Stadt ist die Hauptstadt Ulaanbaatar, in der mehr als 40 Prozent der Landesbev√∂lkerung leben.

Aufgrund der Bodenbeschaffenheit und des Klimas kann in der Mongolei wenig Ackerbau betrieben werden. Die Landschaft dominieren grasbewachsene Steppen, mit Bergen im Norden und Westen, sowie die W√ľste Gobi im S√ľden. Bedeutendste Wirtschaftszweige sind die nomadische Viehwirtschaft und der Bergbau. Das Land z√§hlt zu den zehn rohstoffreichsten L√§ndern der Erde. Die Mehrheit der Einwohner sind Buddhisten. Insgesamt geh√∂ren bei steigender Tendenz rund 62 Prozent der Bev√∂lkerung einer Religionsgemeinschaft an, wovon sich 91,6 Prozent zum Lamaismus bekennen.

Ausgrabungen in der Gobi belegen, dass schon vor 500.000 Jahren der Homo erectus auf dem Gebiet der heutigen Mongolei lebte. Bereits vor Beginn der christlichen Zeitrechnung vereinigten sich Reiternomaden, wie die Xiongnu oder Xianbei, zu gro√üen Volksst√§mmen. 1206 gr√ľndete Dschingis Khan das Mongolische Reich, das sich √ľber Asien bis nach Europa erstreckte und das gr√∂√üte territorial zusammenh√§ngende Imperium der Menschheitsgeschichte darstellte. Sein Enkel Kublai Khan eroberte China und begr√ľndete die Yuan-Dynastie. Nach dem Zerfall dieses Reiches entwickelte sich der Buddhismus zunehmend als Staatsform. W√§hrend der Qing-Dynastie entstand 1644 auf dem Gebiet des heutigen mongolischen Staates als Provinz die √Ąu√üere Mongolei. Ab 1912 erlangte die Region weitgehende Autonomierechte. 1921 etablierte die Sowjetunion eine Marionettenregierung, welche 1924 die Mongolische Volksrepublik proklamierte. Diese war zeit ihres Bestehens politisch, milit√§risch und wirtschaftlich v√∂llig von der Sowjetunion abh√§ngig.

Im Zuge der Revolutionen im Jahr 1989 vollzog das Land den friedlichen √úbergang zu einem demokratisch-parlamentarischen Regierungssystem. Am 12. Februar 1992 besiegelte das Parlament mit der Annahme einer neuen Verfassung das Ende des kommunistischen Systems. Zugleich verzichtete die verfassungsgebende Gewalt des neuen Staates Mongolei auf die Bezeichnung Volksrepublik.

Geographie

Die Mongolei ist ein Staat in Zentralasien. Ihr Territorium erstreckt sich zwischen 41¬į¬†35‚Ä≤ und 52¬į¬†06‚Ä≤ n√∂rdlicher Breite sowie 87¬į¬†47‚Ä≤ und 119¬į¬†57‚Ä≤ √∂stlicher L√§nge. Unter allen Staaten der Erde nimmt sie hinsichtlich ihrer Fl√§che den 18. Platz ein. Trotzdem hat die Mongolei nur zwei Nachbarn: Mit Russland im Norden teilt das Land eine 3485¬†km lange Grenze und mit der Volksrepublik China im S√ľden eine 4677¬†km lange Grenze; au√üerdem beginnt Kasachstan nur 38¬†km westlich des westlichsten Punktes der Mongolei. Ihre Ost-West-Ausdehnung betr√§gt 2392¬†km und ihre Nord-S√ľd-Ausdehnung 1259¬†km. Sie ist zu 40¬†% von Halbw√ľste, zu 35¬†% von Baumsteppe und zu 20¬†% von Grassteppe bedeckt; den Rest machen Wald und Sandw√ľste aus.

Die größte Stadt der Mongolei ist die Hauptstadt Ulaanbaatar (Ulan Bator) mit ca. 1,3 Millionen Einwohnern, fast der Hälfte der Bevölkerung des ganzen Landes. Durch die Entstehung von Maidar City wird die Zentralisierung der Bevölkerung um Ulaanbaatar nicht behoben werden, da die beiden Städte nur ca. 30 km auseinander liegen werden. Bedeutende Städte sind Erdenet mit 79.649 Einwohnern, Darchan mit 72.386 Einwohnern und Tschoibalsan mit 44.367 Einwohnern; weitere Städte sind in der Liste der Städte in der Mongolei zu finden.

Oberflächengestalt

Etwa ein Drittel des Staatsgebietes wird von Hochgebirgen eingenommen, vor allem im Norden, Westen und S√ľdosten. Den S√ľden und Osten dominieren trockene Hochebenen. Die mittlere Landesh√∂he liegt bei etwa 1580 Meter √ľber dem Meeresspiegel.

Als Westmongolei wird die Region zwischen Changai-Gebirge und Altai bezeichnet. Hier, an der Grenze zum chinesischen Xinjiang, erreichen zwei Gipfel des Altai fast 4400 Meter, darunter der Ch√ľiten-Gipfel, der mit 4374¬†m die h√∂chste Erhebung der Mongolei darstellt. Von dort ziehen die 3000 bis 4000¬†m hohen Gebirgsketten Mongolischer Altai und Gobi-Altai 2000¬†km nach Osts√ľdost, entlang der Grenze zu China, bis zum Mongolischen Plateau; weitere Gebirge in der Westmongolei sind das Tannu-ola-Gebirge und das Sajangebirge. In der Mongolei gibt es hunderte Gletscher, wenngleich alle im internationalen Vergleich sehr klein sind.

Im Landeszentrum liegt das Changai-Gebirge mit zahlreichen Dreitausendern, dessen Nordflanke bereits zum sibirischen Baikalsee entw√§ssert, und √∂stlich davon die Region um die Hauptstadt Ulaanbaatar (1350¬†m). √Ėstlich davon schlie√üt das Chentii-Gebirge an. S√ľdlich dieses Gebirgszuges ist das Land h√ľgelig, bis es in die Gobi √ľbergeht. Im Osten der Mongolei befindet sich am See Choch Nuur der niedrigste Punkt der Mongolei, auf 532¬†m.

Gewässer

In der Mongolei gibt es etwa 1200 Fl√ľsse mit einer Gesamtl√§nge von fast 70.000¬†km. Das Land wird in drei Richtungen entw√§ssert: in Richtung des Pazifischen Ozeans, in Richtung des Arktischen Ozeans und in Richtung der abflusslosen zentralasiatischen Tiefebene. Als Binnenstaat hat die Mongolei selbst keinen Zugang zu Meeren oder Ozeanen.

Den Norden durchziehen die wasserreichen Fl√ľsse Selenga und ihre gro√üen Nebenfl√ľsse Ider, Orchon und Tuul. Diese entspringen im Changai-Gebirge und m√ľnden in den Baikalsee. Ebenfalls im Norden und Osten flie√üen der Onon und der Cherlen, die im Chentii-Gebirge entspringen und √ľber den Amur in Richtung Pazifik entw√§ssern, au√üerdem Ulds und Chalchyn. Die gr√∂√üten Fl√ľsse des Westens sind der Chowd und der Dsawchan, die beide in Richtung des abflusslosen Zentralasien flie√üen. Alle Fl√ľsse der Mongolei frieren im Winter zu. Die Eisdecke kann bis zu einem halben Jahr bestehen bleiben und eine Dicke von mehr als einem Meter erreichen. Die zugefrorenen Fl√ľsse werden im Winter h√§ufig von Fahrzeugen als Stra√üe benutzt, wodurch sie mit √Ėl verschmutzt werden.

Zu den fast 4000 Seen der Mongolei geh√∂ren der 3350¬†km¬≤ gro√üe Salzwassersee Uws Nuur und der 2760¬†km¬≤ umfassende Ch√∂wsg√∂l Nuur. Letzterer geh√∂rt zu den bedeutendsten S√ľ√üwasserseen der Welt. 95¬†% der anderen Seen haben eine Gr√∂√üe von unter 5¬†km¬≤; 80¬†% sind S√ľ√üwasserseen. Da sie h√§ufig von Gletschern gespeist werden und fernab jeglicher Industriezentren liegen, sind sie fast nicht verschmutzt und besitzen ein sehr klares Wasser. Sie sind wichtige Raststationen f√ľr Zugv√∂gel.

Die Gew√§sser in der Mongolei sind von erheblicher Desertifikation betroffen, 852 der Fl√ľsse und B√§che und mehr als 1000 der Seen sind ausgetrocknet oder verschwunden (Angaben von 2007).

Klima

Die Lage im zentralasiatischen Hochland beschert der Mongolei eines der extremsten Klimate unter den kontinentalen und auch den ariden Klimaten der Welt. Aufgrund des trockenen, ausgepr√§gten Kontinentalklimas schwanken die Temperaturen im Laufe des Jahres sehr stark: Im Winter liegen die durchschnittlichen Tagestemperaturen bei ‚ąí25¬†¬įC, im Sommer bei +20¬†¬įC, womit die Schwankungen zwei- bis dreimal gr√∂√üer sind als in Westeuropa. Der mittlere Jahresniederschlag erreicht 200 bis 220 Millimeter und nimmt von √ľber 400¬†mm im Norden des Landes auf weniger als 100¬†mm im S√ľden der W√ľste Gobi ab. Im Jahresgang fallen 80 bis 90¬†% der Niederschl√§ge von Mai bis September. Auch die Temperaturdifferenzen zwischen Nacht und Tag sind ungew√∂hnlich hoch und erreichen bis zu 32¬†¬įC. Die absolute Temperaturamplitude zwischen Sommer und Winter erreicht bis zu 100¬†K.

Auswirkungen des Klimawandels

Die Mongolei ist erheblich von der globalen Erw√§rmung betroffen. Zwischen 1940 und 2001 ist die j√§hrliche mittlere Lufttemperatur um mehr als 1,5 Grad Celsius gestiegen. Die Wintertemperatur ist in diesem Zeitraum sogar um mehr als 3,6 Grad gestiegen. Das uralte Eis der Mongolei schmilzt aufgrund des sich √§ndernden Klimas und der warmen Sommertemperaturen schnell. Da der Zufluss von den Eisfeldern im Sommer h√§ufiger trocken l√§uft, wird die Trinkwasserversorgung zunehmend eingeschr√§nkt. Dies wird sowohl das kulturelle Erbe als auch die traditionelle Rentierhaltung in den kommenden Jahren einem extremen Risiko aussetzen. Infolgedessen gef√§hrdet die Klimakrise heimische Rentierz√ľchter in niedrigen Breiten, die in den bergigen Tundra-Zonen der Nordmongolei leben.

Vegetation

W√§hrend der Nordteil der Mongolei noch Bestandteil der borealen Nadelwaldzone mit ausreichender Niederschlagsversorgung ist, nehmen die Niederschl√§ge in S√ľdrichtung kontinuierlich ab. Die nat√ľrlichen Bedingungen wie das Niederschlagsgef√§lle in Nord-S√ľd-Richtung und die Luv-Lee-Effekte der das Land durchziehenden Bergz√ľge f√ľhren zu einer ausgepr√§gten Vegetationszonierung, die Hilbig 1995 entsprechend den Niederschlagsverh√§ltnissen von Nord nach S√ľd wie folgt unterschied (in Klammern ist ihre Verbreitung in den entsprechenden geographischen Gebieten und Florenregionen nach Grubov 1982 genannt):

  • Gebirgstaiga (Chubsugul, Chentei, Nordrand Changai)
  • (Gebirgs-)Waldsteppe (Changai, Chubsugul, Chentei, mongolisch-daurische Florenregion, Mongolischer Altai, Hinggan)
  • (Trocken-)Steppe (S√ľdteil Changai, Mittel-Chalcha, Ost-Mongolei, Randgebiet des Beckens der Gro√üen Seen)
    • Grassteppe
    • Bergsteppe
    • Wiesensteppe
    • Sandsteppe
  • Alpine Vegetation (Chubsugul, Chentei, Changai, Mongolischer Altai)
  • Halbw√ľste (W√ľstensteppe) (s√ľdliche H√§lfte der Mongolei, Becken der Gro√üen Seen, Gobi-Altai, Dsungarische Gobi)
  • W√ľste (Dsungarische Gobi, Transaltai-Gobi, Alashan-Gobi und Ost-Gobi)

Extrazonale Vegetation:

  • Alpine Vegetation (ausgebildet im Chubsugul-Gebiet, im zentralen Changai, im mongolischen Altai, teilweise im Chentei)

Fauna

Die Fauna der Mongolei hat sich an die Bedingungen der Steppe angepasst. Von den Menschen werden Schafe, Ziegen, Rinder, Kamele und Pferde gehalten. An wilden S√§ugetieren der Steppe sind Saiga, Springmaus-Arten, Murmeltier, Wolf, Yak, eine Wildkatzen-Art und der Steppeniltis zu nennen. An den Seen kommt eine Kranich-Art vor, als weitere Vogel-Arten der Mongolei sind Bussard-Arten, Steppenadler, die Lerche und eine Steinschm√§tzer-Art bekannt. Eine Besonderheit ist das Przewalski-Pferd, das bereits ausgestorben war und erfolgreich wieder ausgewildert wurde. Die Wald- und Gebirgsgebiete des Landes werden vom Argali, einer Wildziegen-Art, einer Gazellen-Art, dem Hermelin, dem Schneehasen, Bekassinen-Arten und dem Altai-K√∂nigshuhn (Tetraogallus altaicus) bewohnt. Eine Besonderheit ist hier der Schneeleopard, der aufgrund von Jagd und der Einschr√§nkung seines Lebensraumes stark bedroht ist. In der Gobi leben der Asiatische Esel, die Kaschmirziege, zahlreiche Arten von Nagetieren und Eidechsen und Agamen. In der Gobi lebt auch der stark bedrohte Gobib√§r, eine kleine Form des Braunb√§ren, die sich haupts√§chlich vegetarisch ern√§hrt. In den Gew√§ssern der Mongolei kommen Karpfenfische, Schmerlenartige, Hechte, die Quappe, der Flussbarsch, der Lenok, der Taimen und verschiedene √Ąschenarten vor. Der Baikal-St√∂r (Acipenser baerii baicalensis Nikolskii) migriert √ľber mehr als 300¬†km √ľber den Orchon, um in der Selenga und dem Oberlauf des Orchon abzulaichen. Zugv√∂gel, die nur den Sommer in der Mongolei verbringen, sind die Schwanengans, H√∂ckerschwan und Krickente. Es gibt auch Zugv√∂gel, die in der Mongolei √ľberwintern, wie die Schneeammer oder die Schnee-Eule.

Paläontologie

Aufgrund des fr√ľher warmen und feuchten Klimas der Region, das sp√§ter trocken und k√ľhl wurde, sind zahlreiche √úberreste von Dinosauriern erhalten geblieben. Seit den 1920er Jahren wurden zahlreiche spektakul√§re Funde in der Mongolei gemacht. So entdeckte der amerikanische Wissenschaftler Roy Chapman Andrews hier die ersten Dinosauriereier. Au√üerdem wurden Fossilien von Oviraptor, Protoceratops, Velociraptor, Therizinosaurus, Pachycephalosauria und Tarbosaurus gefunden.

Naturkatastrophen

Die Mongolei liegt in einem seismisch sehr aktiven Gebiet; Erdbeben sind h√§ufig. Aufgrund der niedrigen Bev√∂lkerungsdichte und weil es relativ wenige Geb√§ude gibt, die einst√ľrzen k√∂nnten, verursachen die Beben allerdings in der Regel nur geringe Sch√§den. Die heftigsten Erdbeben ereigneten sich 1905 in der Zentral-Mongolei sowie 1931, 1957 und 1967 in der S√ľdwest-Mongolei. Das Beben von 1905 hatte eine St√§rke von 8,2 bis 8,7 auf der Richter-Skala, jenes von 1957 eine St√§rke von 7,9 bis 8,3 und das Beben von 1967 kam auf 7,5. Die zahlreichen von den Beben hinterlassenen Erdspalten f√ľhren allerdings nicht selten dazu, dass Flussl√§ufe, von denen die Nomaden und deren Herden abh√§ngen, austrocknen oder sich verlagern.

Als Dsud bezeichnet man urspr√ľnglich sehr schneereiche Winter, in denen die Tiere nicht mehr in der Lage sind, Futter unter der Schneedecke zu finden und deshalb verhungern. Inzwischen wird der Begriff aber auch f√ľr andere, insbesondere winterliche meteorologische Bedingungen benutzt, unter denen das Grasen des Viehs unm√∂glich wird. So unterscheidet man neben dem genannten Wei√üen Dsud, bei dem die Tiere nach starkem Schneefall keine Nahrung mehr unter der Schneedecke finden, den sogenannten Schwarzen Dsud, bei dem die Tiere aufgrund von zu wenig Schnee verdursten (da Brunnen und Gew√§sser gefrieren, ist Schnee bei kalten Temperaturen die einzige Wasserquelle). Eine weitere Form ist der Eisige oder Eiserne Dsud, bei dem gefrierender Regen das Land mit Eis √ľberzieht und so die Tiere daran hindert, sich von Gras und Kr√§utern zu ern√§hren. Eine vierte Form schlie√ülich ist der Sturm-Dsud aufgrund von Sandst√ľrmen. Dsuds sind in der Mongolei relativ h√§ufige Ph√§nomene, denen innerhalb eines Winters Millionen von Tieren zum Opfer fallen k√∂nnen und die dadurch die Bev√∂lkerung um ihre Ern√§hrungsgrundlage bringen.

Verwaltungsgliederung

Die Mongolei gliedert sich in 21 Aimags (Provinzen) und die Hauptstadt Ulaanbaatar (Ulan Bator), die eine eigenst√§ndige Verwaltungseinheit bildet. Letzteres galt bis 1994 auch f√ľr die Stadt Erdenet. Aus dieser wurde aber 1994 zusammen mit einigen Sum des Bulgan-Aimags der Orchon-Aimag geschaffen. Ebenso die Stadt Darchan, f√ľr welche der Darchan-Uul-Aimag als Enklave aus dem Selenge-Aimag ausgegliedert wurde.

Jeder Aimag ist in eine Anzahl Sum unterteilt (vergleichbar mit Landkreisen/Bezirken), diese wiederum in Bag (vergleichbar mit Gemeinden). Es existieren √ľber 300 Sum, die sich in mehr als 1500 Bag gliedern. Ein Bag existiert h√§ufig nicht als feste Ansiedlung, da seine Mitglieder alle als Nomaden umherziehen.

Städte

2016 lebten 72,8 % der Bevölkerung in Städten oder städtischen Räumen. Die Hauptstadt Ulaanbaatar ist dabei sehr stark dominant, weil etwa 43 % der mongolischen Bevölkerung dort wohnt. (Stand: 9. Januar 2020) Die 5 größten Städte sind (Stand: 2017):

  1. Ulaanbaatar: 1.311.251 Einwohner
  2. Erdenet: 98.050 Einwohner
  3. Darchan: 82.247 Einwohner
  4. Tschoibalsan: 43.106 Einwohner
  5. Mörön: 38.582 Einwohner

Bevölkerung

Bevölkerungsgruppen und Entwicklung

Die gro√üe Mehrheit der Bev√∂lkerung der Mongolei (ca. 85¬†%) geh√∂rt zum Volk der Mongolen. Die Untergruppen dieses Volkes werden im Wesentlichen durch ihren jeweiligen Dialekt unterschieden. Vor allem im Westen des Landes (Bajan-√Ėlgii-Aimag und Chowd-Aimag) leben Minderheiten aus verschiedenen Turkv√∂lkern, wie Kasachen und Tuwiner (Urianchai). Zugewanderte Russen und Han leben vorwiegend in den St√§dten oder als Fachkr√§fte im Bergbau. Der Anteil der Russen ist nach der Demokratisierung allerdings stark zur√ľckgegangen.

Die Mongolei ist neben der Westsahara der am d√ľnnsten bev√∂lkerte Staat der Welt. Allerdings hatte sich die Bev√∂lkerungszahl in den Jahren 1960 bis 1990 mehr als verdoppelt. Im Rahmen des F√ľnfjahrplanes (1948‚Äď1952) der sozialistischen Volksrepublik war ein Bev√∂lkerungswachstum angestrebt worden, um die Ziele in Landwirtschaft und Industrialisierung erreichbar zu machen. Es wurden in der Folge Anreize zu hohen Kinderzahlen geschaffen: Frauen mit mehr als vier Kindern bekamen Auszeichnungen, kostenlosen Erholungsurlaub, h√∂heres Kindergeld und vorzeitige Pensionierung.

Die Fertilit√§t fiel zu Beginn der 1990er Jahre aufgrund des √úberganges zur Marktwirtschaft und den damit neu auftauchenden Problemen abrupt ab; 1993 lag sie bei 2,6 Geburten pro Frau und 2015 (gesch√§tzt) bei 2,2; ein weiteres Sinken wurde erwartet. Die Volksz√§hlung von 2000 stellte noch ein Bev√∂lkerungswachstum von 1,54¬†% fest; f√ľr 2015 wurde ein gesch√§tzter Wert von 1,31¬†% angegeben. 45¬†% der Bev√∂lkerung sind j√ľnger als 25 Jahre, 27¬†% unter 15.

Im Jahre 2017 waren 0,6¬†% der Bev√∂lkerung im Ausland geboren. Die meisten Ausl√§nder stammen aus China, Russland und S√ľdkorea.

Gesundheit

In der Mongolei gibt es Zeiten extremer Kälte, welche Einwirkungen auf die Lebenserwartung der ländlichen Bevölkerung hat. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 69 Jahre (Schätzung 2015), wobei Männer im Schnitt 65 und Frauen 73 Jahre alt werden. 2006 betrugen die Gesundheitsausgaben der Regierung 124 US-Dollar (Kaufkraftparität) pro Kopf.

Sprachen und Schriften

Die Chalcha-mongolische Sprache als wichtigster Vertreter der Mongolischen Sprachfamilie ist die Muttersprache von etwa 85 Prozent der ethnischen Mongolen. Der Rest setzt sich gr√∂√ütenteils aus Burjaten im Norden, Durbet im Nordwesten, Dariganga im S√ľdosten und den Westmongolen (Oiraten u.¬†√§.) im Westen zusammen. Die √ľbrigen Minderheiten im Westen sprechen verschiedene t√ľrkische Sprachen (vorwiegend Kasachisch, daneben Tuwinisch). W√§hrend des Sozialismus wurde den Sch√ľlern Russisch unterrichtet. Seit 2005 wird stattdessen Englisch an den Schulen als offizielle erste Fremdsprache gelehrt. Etwa 30.000 Mongolen sprechen Deutsch als Fremdsprache.

Die Alphabetisierungsrate unter Erwachsenen √ľbersteigt nach Angaben der UNO 98 Prozent. Die mongolische Sprache wird in der Mongolei heute in einem geringf√ľgig erweiterten kyrillischen Alphabet geschrieben. Die urspr√ľnglich dem Uigurischen entstammende traditionelle mongolische Schrift wird senkrecht geschrieben. Nach Ende der kommunistischen Vorherrschaft wurde offiziell ihre Wiedereinf√ľhrung beschlossen, diese hat in der Praxis jedoch schon aus √∂konomischen Gr√ľnden kaum Chancen, verwirklicht zu werden. In der Inneren Mongolei ist die traditionelle Schrift aber immer noch in Gebrauch.

Religion

Die urspr√ľngliche Religion der zentralasiatischen Steppenbewohner war der Schamanismus. Elemente des Schamanismus leben im Buddhismus bis heute fort (‚Üí Synkretismus). Heute spielen schamanistische Traditionen wieder zunehmend eine Rolle. So sind zum Beispiel Oboo ‚Äď Steinhaufen auf Anh√∂hen oder Wegkreuzungen, bei denen jeder, der ein Gebet spricht, einen Stein hinzuf√ľgt ‚Äď wieder h√§ufiger anzutreffen und selbst von offizieller Seite wurde der Kult der Berggottheiten des Berges Burchan Chaldun gew√ľrdigt.

Der Buddhismus wurde mehrere Male in der Mongolei eingef√ľhrt: Im 1. Jahrhundert v.¬†Chr. durch die Xiongnu, im 6.¬†Jahrhundert durch die Jujuan, im 10. Jahrhundert durch die Kitan. Im Weltreich des Dschingis Khan, wo alle Religionen gef√∂rdert wurden, war der Buddhismus nur eine unter mehreren Religionen. Im 16. Jahrhundert etablierte sich in der Mongolei die tibetische Form des Buddhismus (Vajrayana). Altan Khan, der Ambitionen hatte, die mongolischen St√§mme unter seiner F√ľhrung zu vereinigen, unterst√ľtzte die Priester der Gelugpa-Schule bei der Verbreitung ihrer Lehre und bei der Erlangung der Vormachtstellung in Tibet. Im Gegenzug lie√ü er sich zur Reinkarnation Kublai Khans erkl√§ren. 1578 verlieh man zum ersten Mal den Titel Dalai Lama an Sonam Gyatso (seine zwei Vorg√§nger wurden posthum ernannt); von diesem Jahr ab verbreitete sich der Buddhismus, von Hohhot ausgehend, in mehreren Wellen √ľber die ganze Mongolei. 1586 wurde aus den Steinen der ehemaligen Hauptstadt Karakorum auf einem 16 Hektar gro√üen Gel√§nde das buddhistische Kloster Erdene Dsuu errichtet, das √ľber 60 buddhistische Tempel beherbergte.

Der Lamaismus, insbesondere dessen tibetische Linie Gelugpa, wurde langsam zu einer dominierenden Kraft. Die Qing nutzten ab 1740 den Buddhismus dazu, die Mongolen zu kontrollieren, indem sie bestimmten, dass der Jebtsundamba Khutukhtu nur noch in Tibet zu finden sei, um sicherzustellen, dass die Tempel kein Ort der Rebellion werden w√ľrden. Gleichzeitig wurde den Kl√∂stern ein Da Lama vorgesetzt, der in der Regel ein Mandschu war und die Aktivit√§ten des Klosters zu √ľberwachen hatte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren etwa 40¬†% der M√§nner als Lamas oder Laien in den Kl√∂stern, von denen es mehr als 800 in der ganzen Mongolei gab. Die Kl√∂ster besa√üen eine gro√üe wirtschaftliche Macht und hatten hohe Verm√∂gen angeh√§uft.

Ab den 1920er Jahren wurden alle Religionen nach sowjetischem Vorbild bek√§mpft. Viele Kl√∂ster und Tempel wurden zerst√∂rt, darunter auch 1937 Erdene Dsuu, tausende von Lamas wurden ermordet oder verbannt. Es √ľberdauerten nur einige wenige Kl√∂ster die sozialistische Periode. Gleichwohl wurden bestimmte Traditionen, wie z.¬†B. das buddhistische Begr√§bnis, nicht angetastet. Nach der Demokratisierung 1991 lebte die Aus√ľbung der Religion aber wieder stark auf. 2007 gab es etwa 100 Tempel und Kl√∂ster, wenngleich ein gewisser Teil der Bev√∂lkerung der Religion skeptisch gegen√ľbersteht.

Da es keine offiziellen Religionsstatistiken gibt und aufgrund der nicht quantifizierbaren Überschneidungen zwischen Lamaismus und Schamanismus sind keine zuverlässigen Zahlen bekannt. So werden 50 bis 96 Prozent der Bevölkerung als Buddhisten angegeben. Die religionswissenschaftliche Datenbank Association of Religion Data Archives gibt 54,2 Prozent Buddhisten und 18,6 Prozent ethnische Religionen an.

Die meisten der als Minderheiten in der Mongolei lebenden Turkv√∂lker, wie z.¬†B. die vorwiegend im Bajan-√Ėlgii-Aimag lebenden Kasachen, sind Anh√§nger des Islam, mit Ausnahme der Tuwiner. Sie machen etwa f√ľnf Prozent der Gesamtbev√∂lkerung aus.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es zu ersten Missionierungsbem√ľhungen seitens europ√§ischer und amerikanischer Priester f√ľr das Christentum, die Missionare wurden jedoch bei der Macht√ľbernahme durch die Sowjets deportiert. Das Ende des Sozialismus bedeutete auch die R√ľckkehr der Missionare, speziell evangelischer Glaubensgemeinschaften. Umfragen zufolge bezeichnen sich ein bis sieben Prozent der Bev√∂lkerung als Christen, wobei das Christentum h√§ufig mit dem hohen westlichen Lebensstandard assoziiert wird. Auch die Katholische Kirche in der Mongolei erh√§lt verst√§rkt Zulauf.

Bildung

Vor dem Umsturz des Jahres 1921 war Bildung in der Mongolei fast ausschlie√ülich eine Dom√§ne der buddhistischen Kl√∂ster. Nur ein geringer Anteil der Bev√∂lkerung hatte Zugang zu Bildung, weshalb nur M√∂nche und Beamte der Regierung des Schreibens und Lesens kundig waren. Die sozialistische Regierung f√ľhrte in der Folge ein allgemeines und kostenloses Bildungssystem ein, wof√ľr sie etwa ein F√ľnftel des Budgets ausgab. In den drei√üiger Jahren wurden in allen gr√∂√üeren festen Ansiedlungen des Landes Schulen gebaut, denen in der Regel ein Wohnheim f√ľr Kinder von Nomadenfamilien angeschlossen war. In den 1940er Jahren wurde die traditionelle mongolische Schrift abgeschafft und ein neues kyrillisches Alphabet eingef√ľhrt, was zur Folge hatte, dass Erwachsene noch einmal lesen und schreiben lernen mussten. Die Erfolge der sozialistischen Bildungspolitik wirken bis heute, die Mongolei hat heute eine der h√∂chsten Alphabetisierungsraten der Welt: 97,8¬†% der Einwohner k√∂nnen lesen und schreiben. In der Mongolei gehen Kinder heute mit sieben Jahren zur Schule. Es besteht eine achtj√§hrige Schulpflicht, j√§hrlich beginnen etwa 120.000 Sch√ľler eine h√∂here Ausbildung.

Nach dem Sturz der kommunistischen Herrschaft verlangten ausl√§ndische Geldgeber von der neuen Regierung, die Ausgaben im Bildungsbereich zu k√ľrzen und Schulgeb√ľhren einzuf√ľhren. Dies f√ľhrte zu einer Verschlechterung der Zust√§nde an den Schulen, Lehrer erhielten ihre Geh√§lter nicht mehr und der Anteil der Schulabbrecher stieg. Speziell Jungen verlassen heute die Schule wieder fr√ľher, um arbeiten zu gehen.

Die erste Universit√§t der Mongolei wurde im Jahre 1942 gegr√ľndet. Diese Einrichtung ist heute unter dem Namen Nationaluniversit√§t der Mongolei die f√ľhrende akademische Bildungseinrichtung des Landes. Durch Abspaltung von der Staatsuniversit√§t entstanden im Laufe der Zeit weitere spezialisierte Universit√§ten und Institute. Seit der Demokratisierung sind auch zahlreiche Privatuniversit√§ten und Berufsschulen entstanden. Sie wurden von der Bev√∂lkerung zwar nur z√∂gerlich angenommen, bieten heute aber eine Alternative zu staatlichen Einrichtungen. Ende 2008 gab es schlie√ülich 31 staatliche Universit√§ten und 55 offiziell zugelassene private akademische Bildungseinrichtungen. Bis in die 1980er Jahre studierten zahlreiche Mongolen in der Sowjetunion, der DDR oder in anderen Staaten des Ostblocks; heute orientiert man sich nach Ostasien, Europa und Nordamerika.

Geschichte

Vorgeschichte und Altertum

Vor 500.000 Jahren war das Territorium der heutigen Mongolei vom Homo erectus bewohnt. Damals war das Klima milder als heute. Im Tal des Flusses Tolbor, einem Nebenfluss der Selenga, wurden in der Fundstelle Tolbor-16 ann√§hernd 45.000 Jahre alte Steinwerkzeuge entdeckt, die √§ltesten Belege f√ľr die Anwesenheit der anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) auf dem Gebiet der heutigen Mongolei. Aus der sp√§teren Steinzeit, also von vor 40.000 bis 12.000 Jahren, stammen H√∂hlenmalereien in der Provinz Chowd. Im Mesolithikum, etwa vor 12.000‚Äď7000 Jahren, begann man, Pfeil und Bogen zu benutzen und Haustiere zu halten.

Die ersten schriftlichen Belege stammen aus chinesischen Chroniken. In der Bronzezeit, etwa 2500 v.¬†Chr. bis 1000 v.¬†Chr., entwickelte sich die Kultur der Region aufgrund der zahlreich vorhandenen Lagerst√§tten an Kupfer in der Mongolei schnell. Zur gleichen Zeit k√ľhlte das Klima jedoch weiter ab, so dass es zu kalt wurde, um Ackerbau zu betreiben, wodurch die Menschen hier endg√ľltig zu viehz√ľchtenden Nomaden wurden.

Im dritten Jahrhundert v. Chr. fiel der Stamm Xiongnu in die s√ľdlich gelegenen chinesischen Staaten ein. Er wurde erfolgreich zur√ľckgeschlagen, und als Antwort auf die h√§ufigen mongolischen Einf√§lle begann Kaiser Qin Shihuangdi mit dem Bau der Chinesischen Mauer. Die V√∂lker aus der Steppe, wie die Xianbei, die Tuoba und die Rouran, √ľberwanden die Mauer jedoch wiederholt und pl√ľnderten die chinesischen Gebiete, zeitweise errichteten sie sogar ihre eigenen Reiche und akkulturierten sich.

Das mongolische Großreich

Der Name Mongolen d√ľrfte w√§hrend der Tang-Dynastie (7. bis 10. Jahrhundert) aufgekommen sein. Im 8.¬†Jahrhundert √ľbernahmen Turkv√∂lker, vor allem die Uiguren die Vormachtstellung, im 10. Jahrhundert gr√ľndeten die Kitan die Liao-Dynastie, die bis 1125 √ľberdauerte.

Im 12. Jahrhundert gelang es Tem√ľdschin, die zahlreichen untereinander zerstrittenen mongolischen St√§mme zu vereinigen und aus ihnen einen Staat zu formen, der es mit seinen m√§chtigen Nachbarn aufnehmen konnte. Um das Jahr 1206 wurde er unter dem Titel Dschingis Khan als F√ľhrer aller Mongolen anerkannt. Er stellte eine m√§chtige Armee auf, zu der mit wenigen Ausnahmen alle M√§nner zwischen 15 und 70 Jahren verpflichtet wurden, wobei er darauf bedacht war, in allen Gruppen M√§nner von verschiedenen St√§mmen zusammenzufassen. Neu war auch eine streng hierarchische Organisation der Armee und die Spezialisierung der Soldaten.

Um seine milit√§rische Organisation zu unterst√ľtzen, f√ľhrte er Neuerungen wie eine Volksz√§hlung, ein Kommunikationssystem mit Fahnen und eine berittene Post ein. Spirituell orientierte sich Dschingis Khan am Tengrismus.

In der heutigen Zentralmongolei entstand die Hauptstadt Karakorum. Sie lag an der Kreuzung zweier wichtiger Handelsrouten; die Mongolen ermutigten Menschen aus anderen Teilen Asiens, sich in Karakorum anzusiedeln. Die Bewohner hatten Religionsfreiheit, in der Stadt entstanden Moscheen, Kirchen und buddhistische Tempel.

Das von Dschingis Khan erlassene Gesetzbuch Jassa beinhaltete traditionelle mongolische Gesetze, wurde jedoch um neue Gesetze, die die Erweiterung des mongolischen Reiches verlangte, erg√§nzt. Die Gesetze sahen Strafen f√ľr L√ľgner vor, verlangten die R√ľckgabe von verlorenem Eigentum, beschr√§nkten den Alkoholgenuss und errichteten ein soziales Sicherheitsnetz f√ľr die Hinterbliebenen von get√∂teten mongolischen Kriegern. Eine weitgehend einheitliche Rechtsordnung trug wesentlich zur Pax Mongolica vom sp√§ten 12. Jahrhundert bis ins 14. Jahrhundert bei.

Vor seinem Tod hatte Dschingis Khan sein Reich bereits in vier Khanate aufgeteilt. Sein Sohn Tschagatai bekam die Herrschaft √ľber den s√ľdwestlichen Teil des Reiches, wozu Afghanistan, Turkestan und Zentralsibirien geh√∂rten. Sein Enkel Batu bekam die Macht √ľber Zentralasien und gr√ľndete dort die Goldene Horde. Pol Uri bekam die Macht √ľber die Mongolei und √Ėgedei wurde mit der Herrschaft √ľber China und Ostasien betraut. √Ėgedei Khan gelang es, das Reich weiter auszubauen und sein Territorium s√ľdlich und westlich zu erweitern. Als √Ėgedei zw√∂lf Jahre sp√§ter starb, standen seine Armeen in S√ľdchina und vor den Toren Wiens. Sein Nachfolger M√∂ngke eroberte den gr√∂√üten Teil S√ľdchinas und den Nordteil des heutigen Vietnam. 1261 wurde Kublai Khan sein Nachfolger. Kublai war nicht nur ein talentierter Heerf√ľhrer, sondern auch ein weitsichtiger Herrscher. Er f√∂rderte Handel und Seefahrt, die Wissenschaften und f√ľhrte Verbesserungen in der chinesischen Landwirtschaft ein. Unter seiner Herrschaft wurde die mongolische Schrift entwickelt und 1280 verlegte er seinen Wintersitz nach Dadu, das heutige Peking, wo er die Yuan-Dynastie gr√ľndete. Obwohl die Eroberung Japans zweimal fehlschlug, erreichte das Mongolische Weltreich unter Kublai Khan seinen H√∂hepunkt der Machtentfaltung. Die Thronfolge blieb jedoch nach dem Tod eines jeden Herrschers unklar, die K√§mpfe um die Macht schadeten der territorialen Integrit√§t des Reiches.

Nach dem Tode Kublai Khans konnten die Mongolen ihre Macht nicht halten. Das Mongolische Reich kannte auch nach Kublai Khan noch die Institution des Gro√ükhans, allerdings wurde er nicht mehr von allen Khanaten vollst√§ndig anerkannt. Der letzte Gro√ükhan, der alle mongolischen Teilreiche beherrschte, war Timur Khan (bis 1307). Danach kam es zwar wiederholt zu Tributzahlungen der anderen Khane an den jeweiligen Gro√ükhan, insbesondere an Toqa Timur, sowie zu √§hnlichen Gesten der Unterwerfung und Verbundenheit, allerdings wurden die politischen Geschicke des Mongolischen Reiches nach Timur Khan in Wahrheit weitgehend dezentralisiert gelenkt. Insbesondere unterst√ľtzten sich die Khane gegenseitig ‚Äď beziehungsweise ihren Gro√ükhan ‚Äď nur mehr bedingt bei milit√§rischen Aktionen; oft wurden nur symbolisch Soldaten entsandt. Insofern war das Mongolische Reich ab 1307 die meiste Zeit √ľber eher ein dem Heiligen R√∂mischen Reich √§hnlicher Staatenbund unter mehr formeller denn tats√§chlicher Leitung durch den Gro√ükhan als ein einheitlicher Staat im modernen Sinn.

Trotz mangelhafter politischer Einheit war der Zusammenhalt innerhalb des Mongolischen Reiches auch nach 1307 noch deutlich erkennbar. Er manifestierte sich unter anderem im Rechtssystem, dem Post- und Kommunikationssystem (√Ėrt√∂√∂ und Pa√Įza), und dem gemeinsamen Kunst- und Kulturgut wie insbesondere Schrift und Sprache. Damit ist die Einheit des Mongolischen Reiches durchaus vergleichbar mit der anderer gro√üer Reiche des Sp√§tmittelalters und der fr√ľhen Neuzeit.

15. bis 20. Jahrhundert

Wie vor der Zeit Dschingis Khans griffen die mongolischen Stämme wiederholt das chinesische Kaiserreich an, was die Herrscher der Ming-Dynastie bewog, die chinesische Mauer weiter auszubauen und zu verstärken. Auch begannen zahlreiche, durch China angestachelte Kämpfe der mongolischen Stämme untereinander. Im Ergebnis eines langen Krieges zwischen den beiden bedeutendsten mongolischen Stämmen, den Oiraten und den Chalcha, wurden die Oiraten aus der heutigen Mongolei vertrieben. In der Herrschaftszeit von Altan Khan begann der tibetische Buddhismus zur Staatsreligion der Mongolen zu werden.

Davor war der Buddhismus noch eine von mehreren Religionen gewesen, die in seinem Reich praktiziert wurden. Gleichzeitig stiegen √∂stlich der heutigen Mongolei die Mandschu zur dominierenden Macht auf. 1634 besiegten sie Ligdan Khan, ab 1644 wurde die mandschurische Qing-Dynastie gegr√ľndet, in deren Regierung auch zahlreiche mongolische Beamte t√§tig waren. Es wurden effizientere Waffen eingef√ľhrt, gegen die die berittenen Mongolen mit Pfeil und Bogen nicht ank√§mpfen konnten. Die nomadische mongolische Gesellschaft war jedoch nicht darauf eingerichtet, solche Waffen selbst herzustellen. Die Grenzen des mongolischen Reiches begannen somit enger zu werden. Sowohl die √Ąu√üere Mongolei als auch die Innere Mongolei, welche heute eine autonome Region der Volksrepublik China ist, wurden Anfang des 17. Jahrhunderts zur Besiedelung durch Han freigegeben. Die √Ąu√üere Mongolei geriet zunehmend in den Einflussbereich des russischen Zarenreiches. Unterteilt war das gesamte Mongolische Hochland in sogenannte Banner, deren Vorsteher das chinesische Kaiserhaus ernannte.

Der Buddhismus f√ľhrte zum Entstehen von festen Ansiedelungen um Kl√∂ster und wurde zu einer einflussreichen Macht. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts blieb es in der Mongolei relativ friedlich und stabil. Es war eine verarmte Provinz mit weniger als 500.000 Einwohnern, die oftmals hoch bei russischen und chinesischen H√§ndlern verschuldet waren. Den Zusammenbruch der chinesischen Qing-Dynastie nutzte der 8. Jebtsundamba Khutukhtu und erkl√§rte 1911 mit russischer Unterst√ľtzung die √Ąu√üere Mongolei f√ľr unabh√§ngig. 1915 unterzeichneten Vertreter Russlands, Chinas und der √Ąu√üeren Mongolei den Vertrag von Kjachta, nach welchem die √Ąu√üere Mongolei einen gewissen Autonomiestatus erhielt, jedoch weiterhin der Souver√§nit√§t Chinas unterlag.

Kommunistische Herrschaft

Nach der Oktoberrevolution in Russland nahmen die Nationalchinesen die Gelegenheit wahr und gliederten 1919 die Mongolei wieder vollst√§ndig in die Republik China ein. Im Zuge des Russischen B√ľrgerkriegs wich ein Teil der Wei√üen Armee unter der F√ľhrung von Roman von Ungern-Sternberg 1920 in die √Ąu√üere Mongolei aus, besetzte das Land und versuchte mit Vorst√∂√üen auf das russische Territorium, die Rote Armee zu bek√§mpfen. Am 13.¬†M√§rz 1921 rief Ungern-Sternberg eine unabh√§ngige Monarchie aus und setzte nominell Bogd Khan als Staatsoberhaupt ein. Am selben Tag gr√ľndeten S√ľchbaatar und Tschoibalsan, die sich in der Sowjetunion befanden, eine kommunistische Gegenregierung und marschierten am 3.¬†Juli 1921 mit der 400 Mann starken Mongolischen Revolution√§ren Volksarmee nebst 10.000 sowjetischen Soldaten der Roten Armee in die Mongolei ein und besetzten innerhalb kurzer Zeit Urga. Am 11.¬†Juli 1921 verk√ľndete die Mongolische Revolution√§re Volkspartei (MRVP) erneut die Unabh√§ngigkeit der √Ąu√üeren Mongolei. Ungern-Sternberg wurde an die Sowjetarmee ausgeliefert und hingerichtet. Bogd Khan blieb formal das Staatsoberhaupt; erst nach seinem Tod verabschiedeten die neuen Machthaber am 25.¬†November 1924 eine kommunistische Verfassung, womit die Mongolische Volksrepublik als Satellitenstaat der Sowjetunion entstand.

Die weiterhin nomadisch lebende Bev√∂lkerung setzte der neuen kommunistischen F√ľhrung keinen Widerstand entgegen. Aufgrund der fast nicht vorhandenen Organisationsstrukturen des Landes und der niedrigen Bev√∂lkerungsdichte brauchte der Kommunismus eine lange Zeit, um sich in der Mongolei durchzusetzen. In der Folge wurde allen Einwohnern des Landes √ľber 18 Jahren das Wahlrecht verliehen. Nur H√§ndler, Geldverleiher, fr√ľhere Adelige und M√∂nche wurden davon ausgeschlossen. Die F√ľhrung des Einparteienstaates wurde von der MRVP √ľbernommen. Die dem Obersten Sowjet entsprechende gesetzgebende Kraft der Mongolischen Volksrepublik war der Gro√üe Staats-Chural. Dieser w√§hlte den Kleinen Staats-Chural. Der Kleine Chural w√§hlte ein Pr√§sidium und einen Ministerrat, die Exekutive, der zw√∂lf Mitglieder hatte. Der Gro√üe Volks-Chural trat nur zweimal im Jahr zusammen. In der Zwischenzeit konnte das Pr√§sidium Dekrete verabschieden und Kabinettsmitglieder entlassen und ernennen. Seine Entscheidungen mussten nachtr√§glich vom Plenum best√§tigt werden. Weiterhin ernannte der Gro√üe Chural die Mitglieder des Obersten Gerichtes.

Mit der Verfassung vom 1. November 1924 wurde das allgemeine aktive und passive Frauenwahlrecht eingef√ľhrt. Land, Weiden, Wasser und Bodensch√§tze wurden verstaatlicht. Alle Schulden gegen√ľber ausl√§ndischen H√§ndlern (besonders Chinesen) wurden annulliert und das private Geldverleihsystem wurde abgeschafft. Der Staat √ľbernahm ein Monopol im Au√üenhandel und die wirtschaftliche Macht der Kl√∂ster wurde gebrochen. Im Jahre 1924 wurde die erste mongolische W√§hrung, der T√∂gr√∂g, eingef√ľhrt. Die erste staatliche Bank war die Mongolbank. Gleichzeitig wurden mit den ersten industriellen Aktivit√§ten, wie dem Bergbau oder der Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten, begonnen. Im Jahre 1931 wurde das Eigentum von mehr als einem Drittel der Haushalte konfisziert und neu verteilt. Als Reaktion darauf schlachteten die betroffenen Familien sieben Millionen Tiere. Dies und das Faktum, dass die neu gegr√ľndeten Kooperativen nicht wie gew√ľnscht funktionierten, f√ľhrten 1931/1932 zu einer Hungersnot und einer Rebellion. Ein B√ľrgerkrieg konnte nur mit M√ľhe vermieden werden. Die √Ąnderungen im Wirtschaftssystem wurden von nun an langsamer durchgef√ľhrt.

Auf der politischen B√ľhne griffen, parallel zu √§hnlichen Ereignissen in der Sowjetunion, politische S√§uberungen um sich, zu deren Opfern Bogd Khan, Chakdorjab, Togotkho, Puntsuk Dorji und Dindub geh√∂rten. 1924 wurde Dandsan, der Vize-Premier und Kriegsminister sowie Oberkommandierender der Armee, erschossen. 1937 wurde Genden, der als Premierminister f√ľr die Politik der schrittweisen Umsetzung der kommunistischen Politik verantwortlich war, hingerichtet. Sein Rivale Tschoibalsan war nun gleichzeitig Premier- und Kriegsminister. Seine stalinistische Politik bek√§mpfte die Religion, zwang M√∂nche in Fabriken oder die Armee; Kl√∂ster wurden zerst√∂rt, Statuen aus Gold und Silber wurden in die Sowjetunion verbracht und dort eingeschmolzen. 1932 installierte Japan mit Mandschukuo in der Inneren Mongolei ebenfalls einen Satellitenstaat, woraufhin die Sowjetunion ihre Milit√§rpr√§senz in der Mongolischen Volksrepublik erh√∂hte. Dieses Vorgehen betrachtete Japan als Bedrohung seiner Interessen und verlagerte ebenfalls weitere Truppen an Mandschukuos Grenze. Beide Aggressoren gaben als offizielle Begr√ľndung die Unterst√ľtzung ihrer ‚ÄěBruderl√§nder‚Äú bei der Bek√§mpfung von Banden und Warlords an. Ab Januar 1935 nahmen die Konflikte zwischen russischen und japanischen Sto√ütrupps aufgrund ungekl√§rter Grenzverl√§ufe zwischen der Mongolischen Volksrepublik und Mandschukuo dramatisch zu, die 1939 im Japanisch-Sowjetischen Grenzkrieg endeten. Im Zweiten Weltkrieg musste die Mongolische Volksrepublik die Sowjetunion mit der Lieferung von Vieh und Kleidung unterst√ľtzen.

1952 starb Tschoibalsan; sein Nachfolger wurde Tsedenbal, der das Land 32 Jahre lang regierte. Spätestens ab 1958 gehörten fast alle nomadisch lebenden Haushalte einer Kooperative, Negdel genannt, an. Neben der Entwicklung der Landwirtschaft entstanden einige Industriezentren, in denen Bergbau und die Verarbeitung von Wolle, Fleisch und Holz betrieben wurden. Tsedenbal wurde 1984 abgesetzt; unter Nachfolger Dschambyn Batmönch bekam die Mongolische Volksrepublik zunehmend mehr Handlungsspielraum, was durch die Politik von Gorbatschow in der Sowjetunion ermöglicht wurde.

Demokratisierung

Ab 1988 formierte sich in der Mongolischen Volksrepublik eine Opposition aus verschiedenen Kr√§ften, die ein Mehrparteiensystem und Wirtschaftsreformen forderte. Mit dem Zerfall der Sowjetunion vollzog die Mongolei ab 1990 einen friedlichen √úbergang zu einem demokratisch-parlamentarischen Regierungssystem. Am 12. Februar 1992 besiegelte das Parlament mit der Annahme einer Verfassung, die sich an den Grunds√§tzen eines demokratischen Rechtsstaates und einer marktwirtschaftlichen Ordnung orientiert, das Ende des kommunistischen Systems. Zugleich wurde die Bezeichnung ‚ÄěVolksrepublik‚Äú aus dem Namen gestrichen. Die neuen Erfahrungen mit einem marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystem waren f√ľr viele Mongolen schwierig; in den fr√ľhen 1990er Jahren herrschten Inflation und Knappheit. Trotz Vorw√ľrfen von Korruption und Vetternwirtschaft gilt die Mongolei heute als eine der stabileren Demokratien des fr√ľheren Ostblocks.

Politik

Rechtssystem und Verfassung

Die Mongolei ist eine parlamentarische Demokratie. Die 1992 in Kraft getretene Verfassung lehnte sich inhaltlich an das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und die Verfassung Frankreichs an. Als Grundwerte des Staates gelten Demokratie, Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit, nationale Einheit und Achtung vor dem Gesetz.

Das Einkammerparlament wird Großer Staats-Chural genannt, umfasst 76 Abgeordnete und wird alle vier Jahre gewählt. Kurz vor der Wahl 2016 wurde das Verhältniswahlrecht in ein Mehrheitswahlsystem mit Einerwahlkreisen umgestellt, wobei auf die Hauptstadt Ulaanbaatar 28 und auf den Rest des Landes 48 Wahlkreise entfallen.

Der Staatspr√§sident wird f√ľr jeweils vier Jahre direkt gew√§hlt, mit einer Beschr√§nkung auf zwei Amtszeiten. Er ist gleichzeitig Staatsoberhaupt, Oberkommandierender der Streitkr√§fte und Vorsitzender des nationalen Sicherheitsrates. Seit 2021 ist in diesem Amt Uchnaagiin Ch√ľrels√ľch.

Die Judikative ist von Exekutive und Legislative unabh√§ngig. Der oberste Gerichtsrat ernennt alle Richter und sch√ľtzt ihre Rechte. Der Oberste Gerichtshof erarbeitet eine abschlie√üende Interpretation der Gesetze und entscheidet in letzter Instanz in allen Berufungsverfahren. Auf allen Ebenen existieren auch spezialisierte Gerichte f√ľr Zivil-, Kriminal- und Verwaltungsbeschwerdeverfahren. Der Verfassungsgerichtshof, dessen neun Mitglieder f√ľr sechs Jahre ernannt werden, ist demgegen√ľber f√ľr Verfassungsbeschwerden zust√§ndig.

Politische Indizes

Wahlen

Bei der Parlamentswahl am 28. Juni 2012 errang die Demokratische Partei den Sieg √ľber die bislang regierende Mongolische Volkspartei (MVP), wie die ehemalige MRVP seit dem 5.¬†November 2010 wieder hei√üt. Die MVP war geschw√§cht worden, weil ehemalige Parteimitglieder eine neue Partei unter dem alten Namen MRVP gegr√ľndet hatten, die drittst√§rkste Kraft wurde. Bei der Parlamentswahl am 29. Juni 2016 l√∂ste die Mongolische Volkspartei (MVP) die Demokratische Partei (DP) als Regierungspartei ab. Die MVP hielt 65 Sitze, w√§hrend die DP (9 Sitze), die MRVP (1 Sitz) und die √ľbrigen Kandidaten (1 Sitz) stark verloren, was zu einem gro√üen Teil an der kurzfristigen √Ąnderung des Wahlrechts lag.

Nach der Parlamentswahl am 24. Juni 2020 h√§lt die MVP nun 62 der 76 Sitze, die DP 11 und die √ľbrigen 3 Sitze gingen an Kleinparteien und Unabh√§ngige.

Außenpolitik

Die traditionell wichtigsten bilateralen Beziehungen sind die zu den beiden Nachbarstaaten China und Russland. Aufgrund seiner Binnenlage ist es stark auf gute Beziehungen zu seinen Nachbarn angewiesen. So f√ľhrt der gegenw√§rtig einzig nutzbare Weg zum Meer √ľber den chinesischen Hafen von Tianjin, w√§hrend das Land aus Russland seine Energieimporte bezieht. Historisch bestand w√§hrend der kommunistischen √Ąra eine enge Anlehnung an die Sowjetunion, die bis heute starke wirtschaftliche, politische und kulturelle Spuren hinterlassen hat. Seit dem Ende des Kalten Krieges ist jedoch die Volksrepublik China zum wichtigsten au√üenpolitischen Bezugspunkt f√ľr das Land geworden. 2016 entfielen √ľber 80¬†% des mongolischen Au√üenhandels auf China und ein gro√üer Teil der ausl√§ndischen Direktinvestitionen im Land stammen aus der Volksrepublik, vor allem im Bergbausektor. In der mongolischen Wirtschaft ist zudem eine steigende Zahl an chinesischen Arbeitskr√§ften besch√§ftigt, vor allem im Baugewerbe, dem Bergbau und im Einzelhandel. Diese sp√ľrbare wirtschaftliche Dominanz Chinas f√ľhrt allerdings auch teilweise zu einer anti-chinesischen Stimmung in der Bev√∂lkerung und Furcht vor einer zu gro√üen Abh√§ngigkeit innerhalb der politischen F√ľhrung des Landes. Das Land ist deshalb daran interessiert, seine au√üenpolitischen Kontakte zu diversifizieren und sucht so im Rahmen der ‚ÄěDrittnachbarpolitik‚Äú vertiefte Beziehungen mit den Staaten der Europ√§ischen Union, den Vereinigten Staaten und Japan, wobei vor allem ein Interesse an gemeinsamen Handels- und Investitionsabkommen besteht.

Die Mongolei ist u.¬†A. Mitglied der Organisation f√ľr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, der Bewegung der Blockfreien Staaten und der Vereinten Nationen. Die Mongolei ist ein Beobachterstaat in der Shanghaier Organisation f√ľr Zusammenarbeit.

Militär

Entwicklung

Die Mongolei gab 2017 knapp 0,7 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung, was lediglich 83 Millionen US-Dollar waren, f√ľr ihre Streitkr√§fte aus. Da Russland und China gute Beziehungen zur Mongolei haben und die Mongolei sich auch sonst keiner Bedrohung gegen√ľbersieht, werden Modernisierungsprogramme bisher als √ľberfl√ľssig angesehen.

Es wird aber diskutiert, innerhalb der n√§chsten 15 Jahre zwei Sch√ľtzendivisionen aufzustellen, eine als ‚ÄěNationalgarde‚Äú und eine f√ľr internationale Eins√§tze. Die Ausr√ľstung daf√ľr wird m√∂glicherweise von Russland gestellt.

Zurzeit ist mongolisches Militär u. a. an internationalen Einsätzen im Irak, in Afghanistan und in Sierra Leone (UNMIL) beteiligt.

Landstreitkräfte

Das heutige Heer ist dementsprechend mit ehemals sowjetischem Ger√§t ausger√ľstet. So gibt es 650 alte Kampfpanzer T-54/55 und T-62 und Sch√ľtzenpanzer vom Typ BMP-1 und BTR-60/80; dazu kommen auch vereinzelte Luftabwehrkomplexe. Es gibt 9300 Mann unter Waffen und 137.000 Reservisten.

Luftstreitkräfte

Die Luftwaffe der Volksrepublik besaß bis 1990 90 Kampfflugzeuge, eine Jägerstaffel mit MiG-21 und eine Bodenangriffsstaffel mit MiG-17. Derzeit sollen noch neun MiG-21 flugfähig sein; der letzte Übungsflug soll 2003 stattgefunden haben. Außerdem sind zwölf Kampfhubschrauber vom Typ Mil Mi-24 vorhanden. Wie viele allerdings noch fliegen, ist unbekannt.

Wirtschaft

Allgemein

Die Mongolei zählt zu den Transformationsländern des ehemaligen Ostblocks. Die Wirtschaft der Mongolei ist vorwiegend agrarisch.

Die Mongolei erreichte nach langer Stagnation (1990‚Äď2002, +3¬†% bis ‚ąí3¬†%) in den Jahren bis 2011 ein Wirtschaftswachstum von 5,3 bis 17 (2011) Prozent; der Anstieg ging gro√üteils auf das Wachstum des Dienstleistungssektors und h√∂here Weltmarktpreise f√ľr Kupfer und Gold zur√ľck. Das Wirtschaftswachstum lag 2015 bei nur noch 2,4¬†%. Die offizielle Arbeitslosenquote lag 2016 bei ca. 8¬†%. Die Weltbank geht jedoch von einer wesentlich h√∂heren Arbeitslosigkeit aus.

Das Wachstum der letzten Jahre ging allerdings am armen Teil der Bevölkerung vorbei: Etwa 40 % leben unterhalb der extremen Armutsgrenze, ähnlich wie im Jahr 1990. Die schwierigen Reformjahre haben den Anteil der Privatwirtschaft zwar auf 80 % gesteigert, aber die sozialen Unterschiede und das Stadt-Land-Gefälle vergrößert.

Aus der Karte der WFP ergibt sich eine chronische und bedrohliche Unterern√§hrungsquote von durchschnittlich 43¬†%. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch. Von 1000 Neugeborenen sterben 58 im S√§uglingsalter. Viele Kinder und Jugendliche leben in der kalten Jahreszeit in den Heizungstunneln von Ulaanbaatar. Der Boden dieser Tunnel ist mit Exkrementen bedeckt und von Ratten bev√∂lkert. Die hygienischen Umst√§nde sind entsprechend. Die Anzahl der in den Tunneln lebenden jungen Menschen wird auf ‚Äěungef√§hr 4.000‚Äú bis ‚Äěmindestens 10.000‚Äú gesch√§tzt.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Mongolei betrug im Jahr 2015 11,7 Mrd. USD. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im selben Jahr 3952 USD. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt die Mongolei Platz 101 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz 129 von 180 L√§ndern.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (Kaufkraftparität) angegeben.

Landwirtschaft

Wegen der geographisch bedingt sehr kargen B√∂den, der langen Winter, der geringen Niederschl√§ge, der nomadischen Tradition des Landes und der kurzen Vegetationsperiode von nur 95‚Äď110¬†Tagen hat sich in der Mongolei nur sehr wenig Ackerbau entwickelt. Im Unterschied dazu ist aber eine hoch spezialisierte Viehwirtschaft entstanden. Dabei werden f√ľnf Nutztierarten gehalten, deren Produkte und Nutzen genau aufeinander abgestimmt in die nomadische Lebensweise eingebunden sind: Schaf (Wolle, Milch, Fleisch), Ziege (Fell, Milch), Yak (Milch, Leder, Fleisch), Pferd (Milch, Transport) und Kamel (Milch, Lasttransport).

Traditionelle Erzeugnisse der Landwirtschaft sind Fleisch (sechs Millionen Gro√ütier-Schlachtungen 2002), Milch, Schaf- und Kaschmirwolle; au√üerdem Getreide (auf wenigen Promille der Landesfl√§che), Kartoffeln und Gem√ľse.

Viele bedeutende Kulturpflanzen k√∂nnen in dem rauen Klima der Mongolei allerdings nicht gedeihen. Nur ein Prozent der nutzbaren Fl√§che des Landes wird f√ľr den Anbau genutzt (1998: 1.322.000¬†ha, entsprechend 3.266.000¬†acres). Daher konzentriert sich die Landwirtschaft auf die Viehzucht, und der Anbau besch√§ftigt nur drei Prozent der arbeitenden Bev√∂lkerung. Angebaut werden haupts√§chlich Weizen, Gerste, Hafer und Kartoffeln. In geringem Umfang werden auch Mais, Hirse und Raps angebaut.

Die moderne Landwirtschaft entwickelte sich in der Mongolei nur langsam. Erste Versuche der Kollektivierung begannen mit der Gr√ľndung von Staatsfarmen in den 1930er Jahren. 1940 bestanden zehn Staatsfarmen und 91 ‚ÄěNegdel‚Äú genannte landwirtschaftliche Kooperativen. In diesem Jahr erwirtschaftete die Landwirtschaft 61¬†% des Nationaleinkommens und besch√§ftigte rund 90¬†% der arbeitenden Bev√∂lkerung. Die Zahl der landwirtschaftlichen Kooperativen stieg von 139 im Jahr 1950 auf 364 im Jahr 1960. 1959 war die Landwirtschaft zu 100¬†% kollektiviert.

1960 war der Anteil der Landwirtschaft am Nationaleinkommen (nach der in den damaligen sozialistischen Staaten angewandten Methodik) bereits auf 22,9¬†% gesunken, doch sie besch√§ftigte noch 60,8¬†% der arbeitenden Bev√∂lkerung. Nach 1960 stieg die Anzahl der Staatsfarmen, und die Zahl der Kooperativen nahm durch Zusammenlegung ab, auch wurden Spezialfarmen zum Anbau von Futterpflanzen gegr√ľndet. Nachdem die Mongolei 1962 Mitglied des Rates f√ľr gegenseitige Wirtschaftshilfe (Comecon) geworden war, erhielt ihre Landwirtschaft in gr√∂√üerem Umfang Unterst√ľtzung durch die Sowjetunion und andere Mitglieder des Comecon, vor allem aus der Tschechoslowakei und Ungarn.

Die Negdels, die sich auf Viehzucht konzentrierten, wurden in Brigaden und diese in ‚ÄěSuuri‚Äú genannte Basen, bestehend aus mehreren Familien, eingeteilt. Jeder Suuri hatte seine eigenen Aufgaben und seine eigenen Ger√§te. Ein durchschnittlicher Negdel produzierte 1985 500¬†t Korn und verf√ľgte √ľber 61.500 St√ľck Vieh, 438.500¬†ha Land, von denen 1200¬†ha beackert werden konnten, 43¬†Traktoren, zwei Erntemaschinen und 18¬†Kraftfahrzeuge. Jedes einzelne Mitglied des Negdels durfte auch Vieh in Privatbesitz halten: In der Gebirgssteppe waren zehn St√ľck Vieh pro Person und bis zu¬†50 pro Haushalt zul√§ssig sowie in W√ľstengebieten bis zu¬†15 pro Person und bis zu¬†75 pro Haushalt. Mitglieder des Negdels durften ebenfalls ein St√ľck Land privatwirtschaftlich nutzen.

Die Staatsfarmen (1985: 52) verf√ľgten im Vergleich zu den Negdels (1985: 255) √ľber mehr Kapital und √ľber mehr Maschinen. Sie dienten mehr dem Ackerbau und lagen allgemein in ertragreicheren Gebieten oder in der N√§he von Bergbau- und Industriebetrieben. Zus√§tzlich bestanden 1985 17 Spezialfarmen haupts√§chlich f√ľr den Anbau von Futterpflanzen. Eine Staatsfarm besch√§ftigte 1985 im Durchschnitt 500 Arbeiter und verf√ľgte √ľber 26.200 St√ľck Vieh, 178.600¬†ha Land, von denen 15.400 ackerbaulich genutzt werden konnten, 265 Traktoren, 36 Erntemaschinen und 40 Kraftfahrzeuge, und sie erntete im Durchschnitt 12.100¬†t Getreide.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in verst√§rktem Umfang begonnen, Neuland f√ľr den Ackerbau zu gewinnen. Erst im Jahr 1960 begann die Regierung der Mongolei, statistische Angaben √ľber die ackerbaulich nutzbare Fl√§che zu ver√∂ffentlichen. Sie betrug in diesem Jahr 532.000¬†ha, von denen 77,5¬†% auf die vorhandenen 25¬†Staatsfarmen und 22,5¬†% auf die Kooperativen (Negdels) entfielen. 1985 lag die ackerbaulich nutzbare Fl√§che bereits bei 1,2¬†Millionen ha, die zum gr√∂√üten Teil von den 52¬†Staatsfarmen bearbeitet wurden, und in diesem Jahr plante man, weitere 120.000‚Äď130.000¬†ha ackerbaulich nutzbarer Fl√§che zu gewinnen.

Die Mechanisierung der Landwirtschaft begann mit sowjetischer Hilfe in den 1950er Jahren in gr√∂√üerem Umfang. Sie erreichte in den Staatsfarmen einen gr√∂√üeren Umfang als in den Kooperativen (Negdels). In den 1960er Jahren wurde mit ungarischer Hilfe mit verschiedenen Projekten zur k√ľnstlichen Bew√§sserung von Staatsfarmen begonnen, und bis 1985 waren 81.600¬†ha landwirtschaftlicher Nutzfl√§che k√ľnstlich bew√§ssert.

Bei dem Anbau konzentrierte man sich anfangs auf Getreide, w√§hrend der Anbau von Futterpflanzen erst in den 1950er Jahren begann. 1941 dienten 95,1¬†% der ackerbaulich genutzten Fl√§che dem Getreide-, 3,4¬†% dem Kartoffel- und 1,5¬†% dem Gem√ľseanbau. Seit 1960 war die Mongolei bei der Getreideproduktion Selbstversorger. 1985 wurden auf 60,6¬†% der bebauten Fl√§che Getreide, auf 17,7¬†% Futterpflanzen, auf 1,3¬†% Kartoffeln und auf 0,4¬†% Gem√ľse angebaut. Die wichtigsten Feldfr√ľchte waren Weizen, Gerste, Hafer und Kartoffeln. Zwischen 1960 und 1980 wuchs die ackerbaulich genutzte Fl√§che erheblich an, doch blieben die Ernteertr√§ge wegen Naturkatastrophen und Missmanagement konstant.

Gegen Ende der 1980er Jahre war die Landwirtschaft immer noch ein bedeutender Teil der Wirtschaft der Mongolischen Volksrepublik. Sie besch√§ftigte 1985 33,8¬†% der arbeitenden Bev√∂lkerung, erbrachte aber nur 18,3¬†% des Nationaleinkommens. Die Industrie des Landes verarbeitete haupts√§chlich Nahrungsmittel und Holz f√ľr den Inlandsbedarf sowie tierische Produkte wie H√§ute und Felle f√ľr den Export. 1986 bestanden fast 60¬†% der Exporte der Mongolei aus landwirtschaftlichen Produkten.

Nach dem Ende des sog. sozialistischen Wirtschaftssystems fanden auch in der mongolischen Landwirtschaft tiefgreifende Ver√§nderungen in der Eigentumsstruktur statt. Die wirtschaftliche Ausrichtung bleibt jedoch von den nat√ľrlichen Bedingungen und den Traditionen abh√§ngig. Im Jahr 2006 entfielen 80¬†% der landwirtschaftlichen Ertr√§ge auf die Viehwirtschaft. Die Haltung der Tiere erfolgte nunmehr zu 97¬†% im Privatbesitz.

Die Bedeutung der Land- und Viehwirtschaft f√ľr das Bruttosozialprodukt (nach internationaler Methodik) hat mit einem Anteil von nur noch unter 20¬†% (2011) weiter abgenommen (1995: 38¬†%). Jedoch besch√§ftigt der Landwirtschaftssektor weiterhin ein Drittel der Bev√∂lkerung.

2009 wurden 151.211 t Kartoffeln (Anbaufl√§che: 13.525¬†ha), 388.122¬†t Weizen (Anbaufl√§che: 248.908¬†ha) sowie 1844¬†t Gerste (Anbaufl√§che: 1460¬†ha) und 1512¬†t Hafer (Anbaufl√§che: 1416¬†ha) geerntet. Gem√ľse wie z.¬†B. Erbsen, Bohnen, Zwiebeln, Knoblauch, Auberginen, Tomaten, M√∂hren und Gurken werden u.¬†a. in verschiedenen Oasen der W√ľste Gobi angebaut, wie z.¬†B. in der Oase Dal im Aimag √Ėmn√∂gobi. Einige der von Touristen zur √úbernachtung bevorzugten Jurtencamps verf√ľgen √ľber eigene Gew√§chsh√§user, in denen zur Bewirtung der Touristen ebenfalls Gem√ľse angebaut wird.

Obwohl die Fl√ľsse und S√ľ√üwasserseen der Mongolei fischreich sind, ist die Fischerei von untergeordneter Bedeutung, da Fisch in der Ern√§hrung der Bev√∂lkerung traditionell nur eine geringe Rolle spielt. In den 1980er Jahren begann man mit dem Aufbau einer fischverarbeitenden Industrie f√ľr den Export. 1986 wurden jedoch nur 400¬†t Fisch in der Mongolei gefangen.

Umwelt und Naturschutz

Die Waldbest√§nde sind seit den 1960er Jahren aufgrund des Bev√∂lkerungswachstums durch Holzschlag und von Menschen verursachte Waldbr√§nde deutlich reduziert worden. Im Sozialismus wurde eine nicht-nachhaltige Form der Landwirtschaft betrieben, die den B√∂den schadete. Nach der Wende kam die Gefahr der √úberweidung durch die Nomaden hinzu. Durch √úberweidung, Landwirtschaft und Entwaldung zusammen sind fast 90¬†% der Fl√§che der Mongolei von W√ľstenbildung bedroht. Anders als in China gibt es in der Mongolei kein staatliches Aufforstungsprogramm.

In den Städten sind teils noch Kohlekraftwerke ohne Rauchgasreinigung in Betrieb, die damit eine Gesundheitsgefahr darstellen. Auch in den Jurtenquartieren wird vorwiegend mit Holz und Kohle geheizt und gekocht, was ebenfalls zur Luftbelastung beiträgt. Schließlich sind viele veraltete und schlecht gewartete Kraftfahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß in Betrieb.

Kleine und große Heizkraftwerke sowjetischer Bauart verschmutzen zusammen mit Textil-, Leder- und Bergbaubetrieben unverhältnismäßig große Mengen an Wasser. Weniger als die Hälfte der Abwässer wird gereinigt, zudem meist mit veralteten Anlagen. Die Fließgewässer in der Nähe von größeren Siedlungen sind darum stark belastet, der Fluss Tuul bei Ulaanbaatar etwa enthält mehr als das Zehnfache der zulässigen Schadstoffe.

Die Abfallbewirtschaftung des Landes verf√ľgt nur √ľber eine unzureichende Infrastruktur. Auch in der Bev√∂lkerung ist das Umweltbewusstsein bisher kaum entwickelt. Offizielle und wilde Deponien stellen ein Umweltrisiko dar, zusammen mit dem h√§ufig in die Natur geworfenen Abfall, der auch eine wachsende Zahl von Reisezielen f√ľr den Tourismus unattraktiv zu machen beginnt.

Dennoch beherbergt die d√ľnn besiedelte Mongolei noch heute gro√üe Naturlandschaften, die auch gro√üen S√§ugern noch ausreichend Lebensraum bieten. Zahlreiche Schutzgebiete, wie der Nationalpark Gobi Gurwan Saichan wurden zum Erhalt dieser Lebensr√§ume geschaffen.

Siehe auch: Transnationale Umweltverschmutzung in Ostasien

Bergbau, Bodenschätze und Industrie

Die Mongolei gilt als eines der zehn rohstoffreichsten L√§nder der Welt, wurde jedoch bisher nur zu einem Drittel geologisch voll exploriert. Nachgewiesen wurden gut 6000 Vorkommen von 80 verschiedenen Mineralien, darunter Kohle, Kupfer, Uran (etwa 2¬†% der Reserven der Welt), Erd√∂l, Gold, Silber, Flussspat, Molybd√§n, Zink und Diamanten. Im S√ľdteil der Gobi wurden Kohle- und Kupferlagerst√§tten nachgewiesen, die zu den gr√∂√üten der Welt geh√∂ren. Zwischen 1963 und 1971 waren DDR-Bergbauexperten an Suche und Aufschluss von Goldlagerst√§tten beteiligt, und von 1973 bis 1975 erkundeten sie Wolframit-Vorkommen im Gebiet von B√ľrentsogt.

Kupfer- und Kohlevorkommen werden bisher vorwiegend im Tagebau abgebaut. Dies f√ľhrt zu gro√ür√§umigen Ver√§nderungen der Landschaft mit entsprechenden Folgen f√ľr Flora und Fauna. Abraumhalden und Abw√§sser der Aufbereitungsanlagen weisen zudem einen erh√∂hten Gehalt an Schwermetallen auf. Eine zus√§tzliche Gef√§hrdung wird auch von dem geplanten Abbau von Kupfer und Gold in der W√ľste Gobi erwartet. Durch das Goldsch√ľrfen trocknete bereits der Fluss Ongi aus. Anderseits bieten die gro√üen Rohstoffvorkommen, bei der relativ kleinen Bev√∂lkerung der Mongolei, auch die Chance auf eine deutliche Erh√∂hung des allgemeinen Lebensstandards.

Wirtschaftsentwicklung

Die Arbeitslosenquote wird auf 8,3¬†% beziffert (Sch√§tzung 2015). Die hohe Inflation wurde seit 1996 teils erfolgreich bek√§mpft. F√ľr 2014 wurde ein Sch√§tzwert von 12,9¬†%, f√ľr 2015 noch 5,9¬†% angegeben. Die Auslandsverschuldung betrug 2014 etwa 21 Milliarden US-Dollar.

Außenwirtschaft

Im Jahr 2007 exportierte die Mongolei Waren im Wert von 1,95 Milliarden US-Dollar, davon entfielen 41,6¬†% auf Kupferkonzentrat, 12,1¬†% auf Gold, 9¬†% auf Zinkkonzentrat, 9¬†% auf Kaschmirwolle in verschiedenen Verarbeitungsstufen und 6¬†% auf Kohle. Importiert wurden vor allem Erd√∂lprodukte, Maschinen, Anlagen, Fahrzeuge und Elektronikprodukte und Lebensmittel. 2016 gingen 84¬†% aller Exporte nach China, zweitwichtigster Abnehmer war die Schweiz, die einen Anteil von 9¬†% hatte. Die wichtigsten Lieferl√§nder im Jahr 2016 waren China (40¬†%), Russland (28¬†%), Japan (6,4¬†%) und S√ľdkorea (6,2¬†%).

Der Handel mit Deutschland erreichte im Jahr 2008 ein Volumen von 82 Millionen Euro, mit stark steigender Tendenz. Die Mongolei exportierte Waren im Wert von 15,4 Millionen Euro nach Deutschland, vor allem Textilien (Kaschmir) und tierische Produkte. Dagegen betrug der Wert von Importen aus Deutschland 66,6 Millionen Euro. Aus Deutschland eingef√ľhrt werden haupts√§chlich Fahrzeuge und Maschinen. Die Mongolei hat starkes Interesse daran, die Handelsbeziehungen zu vertiefen und etwa Technologien zur Kohleverfl√ľssigung, im Bausektor oder der Landwirtschaft einzuf√ľhren.

Um die Abhängigkeit von seinen beiden direkten Nachbarn zu verringern, verfolgte die Mongolei erfolglos eine Dritt-Nachbarschafts-Politik mit Japan, den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union. Die Abhängigkeit von den Exporten nach China wuchs weiterhin, vor allem wegen der Wachstumsschwäche Europas und des enormen chinesischen Rohstoffbedarfs. 2014 bestanden 90 % der Exporte von insgesamt 5,4 Mrd. US-Dollar aus Rohstoffen.

Durch den Verfall der Rohstoffpreise seit 2014 brachen jedoch die Erl√∂se aus den Rohstoffexporten ‚Äď insbesondere aus dem Export von Kupfererz ‚Äď stark ein. Die ausl√§ndischen Direktinvestitionen, die vor allem im Bergbau get√§tigt wurden, gingen von 2012 auf 2014 um 80¬†% zur√ľck.

Internationale Handelsbeziehungen

Auch einige Abkommen mit der EU √ľber Handelspolitik, Zoll und Textilwaren existieren. Die Mongolei ist Mitglied wichtiger internationaler Organisationen ‚Äď neben der UNO und ihren Unterorganisationen z.¬†B. bei WTO, Weltbank und Asiatischer Entwicklungsbank. Daneben hat sich die Mongolei bislang aber als einziges Land der WTO keinem regionalen Handelsabkommen angeschlossen. Mit dem ASEAN, dem SAARC, der APEC und der CIS bestehen einige gr√∂√üere regionale Freihandelsabkommen in Asien, denen sich die Mongolei anschlie√üen k√∂nnte. Gerade das 'Commonwealth of Independent States', eine Gruppe, die die Schwellenl√§nder Mittel- und Osteuropas und die Gemeinschaft Unabh√§ngiger Staaten zusammenfasst, k√∂nnte dabei an die fr√ľhere Verbindung zwischen der Mongolei und der Sowjetunion ankn√ľpfen.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2015 Ausgaben von gesch√§tzt 3,4 Milliarden US-Dollar, dem standen Einnahmen von 3,0 Milliarden US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergab sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 7,3¬†% des BIP.
Die Staatsverschuldung betrug 2016 60,0 % des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 5,7¬†%
  • Bildung: 4,6¬†% (2011)
  • Milit√§r: 1,0¬†% (2015)

Durch den R√ľckgang der Exporterl√∂se seit 2014 wurde auch der Staatshaushalt gef√§hrdet; die Staatsverschuldung stieg auf √ľber 60¬†% des Bruttoinlandsprodukts (zum Vergleich 2012: 51,7¬†%).

Verkehr

Eisenbahn

Die Mongolei verf√ľgt √ľber ein Schienennetz von etwa 1815¬†km L√§nge, dessen Herzst√ľck die Transmongolische Eisenbahn ist. Sie f√ľhrt quer durch die Mongolei von der Grenze zu Russland an die Grenze zu China und ist Teil der Verbindung von Moskau nach Peking. Die in 1520-mm-Breitspur trassierte Strecke wickelt etwa 90¬†% des Warenverkehrs mit den Nachbarstaaten ab. An die transmongolische Eisenbahn sind neben der Hauptstadt Ulaanbaatar auch wichtige Industriest√§dte wie Erdenet, Darchan und Baganuur angeschlossen. Tschoibalsan ist mit einer Strecke an die Transsibirische Eisenbahn bei Borsja angebunden, hat aber keine innermongolische Eisenbahnverbindung. Um bedeutende Kohle- und Erzlagerst√§tten zu erschlie√üen, sind weitere Bahnstrecken geplant, etwa eine Verbindung von Sainschand zur Industriestadt Tschoibalsan und eine Kohlebahn von Uchaa Chudag an die chinesische Grenze; f√ľr letztere ist die DB International, eine Tochter der Deutschen Bahn, f√ľr die Bau√ľberwachung und Projektsteuerung verantwortlich. Im Jahr 2016 wurde die Erzbahn T√∂m√∂rtei‚ÄďChandgait in Betrieb genommen.

Straßennetz

Das Stra√üennetz bestand 2007 aus 6500¬†km befestigter Stra√üe, davon waren 2600¬†km asphaltiert. In das Stra√üennetz sollen in den kommenden Jahren hohe Investitionen flie√üen, geplant oder bereits in der Umsetzung sind der Bau von 1000¬†km Autobahn, einer Millennium Road in der Region um Ulaanbaatar, die Sanierung bzw. der Neubau des Stra√üennetzes der Hauptstadt selbst und eine befestigte Stra√üe von Bajanchongor nach Tsagaan Tolgoi. Vor allem die Provinzhauptst√§dte wurden und werden durch asphaltierte Stra√üen mit der Hauptstadt verbunden. Nach wie vor sind jedoch die meisten kleineren Ortschaften nur √ľber Erdpisten zu erreichen.

Ebenfalls 2007 waren auf den Stra√üen 110.000 PKW, 33.700 LKW und 13.000 Busse unterwegs. Die H√§lfte der Fahrzeuge war mehr als zehn Jahre alt; fast 60¬†% aller Fahrzeuge waren in Ulaanbaatar registriert. Private Busse und Minibusse stellen die wichtigste M√∂glichkeit f√ľr Reisen im Land dar. Aufgrund des nach wie vor d√ľnnen Stra√üen- und Eisenbahnnetzes werden etwa 30¬†% der Lasten von Kamelen transportiert.

Flugverkehr

In der Mongolei gibt es mit dem Flughafen Bujant-Uchaa und dem Chinggis Khaan International Airport zwei internationale Flughafen, welche die Mongolei regelmäßig mit Frankfurt am Main, Berlin und Moskau sowie mit Peking, Seoul und weiteren wichtigen Städten verbinden. Weiter existieren Flugplätze und -felder in allen Teilen des Landes, die mehr oder weniger regelmäßig bedient werden. Wichtige mongolische Fluggesellschaften sind Aero Mongolia, Eznis Airways und Hunnu Air sowie die staatliche MIAT Mongolian Airlines.

Schifffahrt

Fast keine Bedeutung kommt den Wasserwegen zu, da sie monatelang gefroren sind. Die Flagge der Mongolei gilt jedoch nach ITF-Kriterien derzeit (M√§rz 2015) als ‚ÄěBilligflagge‚Äú und wird von Schiffseignern zur Ausflaggung von Schiffen verwendet.

Kultur

Literatur

Die Mongolen verf√ľgten √ľber keine Schriftsprache, bis Dschingis Khan eine von den Naimanen √ľbernommene Schrift an die mongolische Sprache adaptieren lie√ü. Das √§lteste und auch bekannteste Werk der mongolischen Literatur ist Die Geheime Geschichte der Mongolen. Sie erz√§hlt die Geschichte von Dschingis Khans Umfeld und seines Aufstiegs. Bis heute geh√∂rt sie zu den wichtigsten Quellen f√ľr das Studium des mongolischen Weltreiches, wenngleich das Original verlorengegangen ist. Teile davon finden sich aber in sp√§teren mongolischen Werken wieder, au√üerdem existieren chinesische √úbersetzungen aus der Ming-Dynastie. Gleich wie die Geheime Geschichte war auch das Goldene Buch, eine offizielle Hofchronik, nur f√ľr mongolische Leser bestimmt gewesen.

Nach dem Zerfall des mongolischen Weltreiches entstanden zahlreiche semihistorische Werke √ľber das Leben Dschingis Khans und anderer mongolischer F√ľhrer. Au√üerdem wurden m√ľndliche √úberlieferungen (√úliger) und Geschichten aufgezeichnet. Ab 1578, als der Buddhismus zur Staatsreligion wurde, dominierte die √úbersetzung buddhistischer Texte. Gleichzeitig machten die Mongolen Bekanntschaft mit indischen Dichtungen, deren Stoffe sie in eigenen Werken weiterverarbeiteten. Das Gesar-Epos ist eine aus Tibet stammende Heldengeschichte, die nicht nur in der mongolischen Literatur einen wichtigen Platz einnimmt.

Als Begr√ľnder des mongolischen Romans gilt Injannasi aus China. Sein Lebenswerk Das Blaue Buch √ľber den Aufstieg der Y√ľan-Dynastie ist eine Darstellung von Dschingis Khans Leben in Prosaform, wobei sein Stil sehr von chinesischen Werken wie Der Traum der Roten Kammer beeinflusst ist. Neben Dulduityn Rawdschaa gilt Injannasi als ein Klassiker der mongolischen Literatur in China und in der Mongolei.

Der Wegbereiter der modernen mongolischen Literatur war Dschamsrangiin Tseveen, der aus Burjatien stammte und die erste mongolische Literaturzeitschrift gr√ľndete. Er √ľbersetzte westliche Literatur aus dem Russischen in die mongolische Sprache. In seinen eigenen Werken √ľbte er Kritik am Bestehenden, wie der Herrschaft der Qing-Dynastie oder an den Zust√§nden des Buddhismus. Als eigentlicher Gr√ľnder der mongolischen Moderne gilt Daschdordschiin Natsagdordsch. Er wurde in der Sowjetunion und in Deutschland ausgebildet, schrieb zahlreiche Prosa- und Epikwerke und arbeitete als √úbersetzer. Das bekannteste mongolische Gedicht, Mein Vaterland, stammt von ihm. Er wurde von der neu etablierten kommunistischen Regierung als Nationalist gebrandmarkt. Tsendiin Damdins√ľren war Sprachwissenschaftler und -reformator. Er adaptierte im Auftrag der Regierung das kyrillische Alphabet, womit das Mongolische eine weitgehend phonemische Schrift erhielt. Er schrieb Kurzgeschichten und Gedichte, textete die Nationalhymne und gab Neufassungen klassischer Texte heraus. Wegen Letzterem stand er in Konflikt mit der Regierung. √Ąhnlich ging es Bjambyn Rintschen, der Romane, Kurzgeschichten und √úbersetzungen herausbrachte und ebenfalls als Nationalist kritisiert wurde.

Seit der Demokratisierung der Mongolei hat sich das Literaturschaffen belebt. Neue Verlage sind entstanden und zeitgen√∂ssische Autoren nutzen alle ihnen zur Verf√ľgung stehenden Medien. Jedoch werden nur sehr wenige Werke in westliche Sprachen √ľbersetzt. Als vielleicht bekanntester Autor im Westen gilt Galsan Tschinag, der √ľber 30 Gedichtb√§nde und Romane ver√∂ffentlichte. Galsan Tschinag schreibt viele seiner B√ľcher, die √ľber das Leben der Menschen in der Mongolei handeln, in Deutsch. Er wurde mit mehreren deutschen Literaturpreisen ausgezeichnet.

Kunst

Die Mongolei war zwischen 1600 und 1920 ein Zentrum der buddhistischen Kunst. Malerei und Bildhauerei dienten vor allem dazu, Darstellungen als Meditationsobjekt f√ľr Geistliche oder als Betobjekt f√ľr Laien zu schaffen. Verbreitet war die Kunst des Mandala, wo als kontemplative √úbung Darstellungen des Samsara als Sandbild geschaffen wurden. Diese wurden in der Regel nach ihrer Fertigstellung zerst√∂rt. Eine mongolische Besonderheit sind die Thangka, Bildrollen, die der Dekoration von Kl√∂stern dienen. Sie folgen weitgehend dem tibetischen Stil, binden aber die Darstellung von Tieren ein. Die Kunst der Thangka wurde nach Gr√ľndung der Volksrepublik nicht verboten, sondern mit sozialistischen Darstellungen weitergef√ľhrt.

Der bedeutendste Bildhauer und Maler des Landes war Dsanabadsar, der auch der erste Jebtsundamba Khutukhtu war. Er gilt als der bedeutendste buddhistische K√ľnstler seiner Zeit und als solcher hat er die mongolische Kunst sp√§terer Zeiten gepr√§gt. Seine Arbeiten zeichnen sich durch starke Anlehnung an die indisch-tibetischen Traditionen und durch au√üergew√∂hnliche lebens√§hnliche Sch√∂nheit aus; einige der Skulpturen sind erhalten und befinden sich im Gandan-Kloster von Ulaanbaatar. Es ist bekannt, dass Dsanabadsar auch ein bedeutender Maler war, es gibt jedoch kein Bild, das ihm zweifelsfrei zugeordnet werden k√∂nnte. Scharab war ein K√ľnstler, der die Thangka-Kunst weiterentwickelte. Beeinflusst von der sowjetischen Kunst schuf er neben mongolischen Dsurag-Malereien auch Buchillustrationen, Banknoten und Portr√§ts von Politikern. Zahlreiche seiner Werke sind jedoch verlorengegangen. Dem sozialistischen Realismus zuzurechnen sind K√ľnstler wie Dolgoryn Manibadar oder Monkor Erdenbajar. Ein zeitgen√∂ssischer K√ľnstler ist Otgonbayar Ershuu, er lebt und arbeitet zwischen Deutschland und Mongolei. Otgonbayar Ershuu ist auf dem Weg, einer der wichtigsten mongolischen Maler zu werden. Purewbat Gankhuu ist ein bedeutender Maler der heutigen Zeit, der den Traditionen der buddhistischen Kunst folgt, er wurde im Film Buddhas Maler dargestellt.

Musik und Tanz

Die traditionelle mongolische Musik wird bis heute gepflegt und Konzerte k√∂nnen gro√üe Scharen an Zuh√∂rern anziehen. Das wichtigste und identit√§tsstiftende Instrument ist die mongolische Pferdekopfgeige, daneben gibt es zahlreiche Blas-, Streich- und Schlaginstrumente. Mongolische Lieder handeln h√§ufig von Helden fr√ľherer Zeiten, oder es werden einfache Lieder von Nomaden aufgef√ľhrt. Der mongolische Gesang hat zwei Besonderheiten zu bieten: erstens den Obertongesang, der durch eine spezielle Atemtechnik den Eindruck vermittelt, als h√§tte der S√§nger zwei Stimmen. Beim Vortragen eines langen Liedes (Urtyn duu) werden die einzelnen Silben sehr langgezogen, wodurch der Gesang sehr spirituell und getragen wirkt.

Popmusik war w√§hrend der sozialistischen Zeit verp√∂nt und Musiker durften nur offiziell freigegebene Texte der mongolischen Autorenvereinigung verarbeiten. Gegen Ende der 1980er Jahre widersetzte sich eine Popgruppe namens Dschingis Khan dem Verbot und f√ľhrte ihre Lieder bei Protestkundgebungen √∂ffentlich auf. Sie trug damit ma√ügeblich zum Ende der sozialistischen Herrschaft in der Mongolei bei. Heute machen Mongolen wie die S√§ngerinnen Ariunaa und Nominjin, die Boygroup Camerton, die Rockbands Soyol Erdene und Altan Urag moderne Musik aller Richtungen.

Die Volkst√§nze, √ľber die Reisende durch das mongolische Weltreich berichteten, sind w√§hrend der Ausbreitung des Buddhismus verloren gegangen; traditionelle T√§nze haben sich nur in peripheren Gegenden erhalten. Ausnahmen hiervon sind Zeremonielle T√§nze wie der Tsam, der von M√∂nchen zur Bes√§nftigung wilder Gottheiten aufgef√ľhrt wurde. Bei dieser Art des Tanzes, dessen Ursprung im Tibet des 13. Jahrhunderts liegt, tragen die Vorf√ľhrenden bunte und fantasievollen Masken, die die jeweiligen Charaktere darstellen. Nach einem symbolischen Kampf zwischen G√∂ttern und D√§monen werden diese Masken zerst√∂rt und ein wei√üer alter Mann erscheint, der den Erdgott der Fruchtbarkeit verk√∂rpert. Im Westen der Mongolei hat sich ein Tanz namens Bielgee √ľberliefert, der zur Musik von traditionellen Instrumenten wie der Pferdekopfgeige aufgef√ľhrt wird. Beim Bielgee bewegt sich fast ausschlie√ülich der Oberk√∂rper, dargestellt werden Szenen aus dem Alltag der Nomaden.

In der Zeit des Sozialismus wurden westliche T√§nze in der Mongolei eingef√ľhrt. Im Jahre 1931 wurde das Staatliche Zentraltheater er√∂ffnet, im Jahre 1963 das Staatliche Theater f√ľr Oper und Ballett. Professionelle T√§nzer wurden in der Sowjetunion ausgebildet, wobei der T√§nzer Baldschinnjam Dschamjandagwa besonders herausstach und mithin als Vater des mongolischen Ballett gilt. Aufgef√ľhrt wurden Klassiker wie Schwanensee oder Der Nussknacker. Seit der Demokratisierung hat die Bedeutung des Ballett nachgelassen, vor allem aufgrund fehlender finanzieller Mittel.

Neben den traditionalen Klassikern wie Urtyn duu sind moderne Musikrichtungen wie Pop, Hip-Hop, Folk-Rock und Volkslieder weit verbreitet.

Kleidung

Ein seit Jahrhunderten traditionell getragenes Kleidungsst√ľck ist der Deel, ein spezieller Mantel. Der typische mongolische Stiefel ist der Gutul. Symbolkraft hat die Khata, ein traditioneller Begr√ľ√üungsschal.

Kino und Film

Das Kino wurde in der Mongolei durch die Sowjets eingef√ľhrt. Bereits nach der Macht√ľbernahme im Jahr 1920 begannen mobile Kinos im Land umherzuziehen, um Propagandafilme zu zeigen und die Bev√∂lkerung zu bilden. Das erste Kino wurde 1934 in Ulaanbaatar gebaut; ein Jahr sp√§ter entstand mit sowjetischer Hilfe die Produktionsfirma Mongol Kino. Die mongolischen Filmemacher studierten in der Regel in der Sowjetunion und produzierten Streifen, die dem sozialistischen Realismus zuzuordnen sind. Nennenswerte Filme aus der Zeit des Kommunismus sind Erwachen, der die Geschichte eines sowjetischen Arztes in der Mongolei erz√§hlt, S√ľchbaatar, die Biographie des Revolutionshelden, und Tsogtu Taidschi. Die Demokratisierung in den fr√ľhen 1990er Jahren und die Einstellung sowjetischer Hilfe f√ľhrte fast zur Ausl√∂schung des mongolischen Kinos aufgrund fehlender finanzieller Mittel. In Zusammenarbeit mit neuen ausl√§ndischen Partnern entstanden seitdem Filme wie Dschingis Khan sowie Die Geschichte vom weinenden Kamel und Die H√∂hle des gelben Hundes von Byambasuren Davaa.

K√ľche

Die traditionelle mongolische K√ľche besteht in erster Linie aus Milchprodukten und Fleisch. Da in weiten Teilen des Landes kein Ackerbau m√∂glich ist, m√ľssen die Produkte der Weidetiere verwertet werden.

Stutenmilch wird zum Nationalgetr√§nk Airag vergoren. Daneben wird Milch vielf√§ltig verarbeitet, von Rahm, Kefir, K√§se, getrocknetem Quark (Aruul) bis zu Milchschnaps. Tee wird mit Milch und Salz zubereitet und je nach Bedarf mit festen Zutaten in eine Suppe verwandelt. Fleisch (in erster Linie Schaffleisch) wird normalerweise gekocht oder mit Nudelteig zu verschiedenen Gerichten wie z.¬†B. Teigtaschen kombiniert. Als Vorrat und Reiseproviant wird Fleisch auch getrocknet und gemahlen (Borts). Dieses ‚ÄěPulverfleisch‚Äú l√§sst sich dann mit hei√üem Wasser aufkochen.

Sport

Die Mongolen lieben die drei Sportarten Ringen, Bogenschießen und Pferderennen. Bogenschießen und Pferderennen haben ihren Ursprung in den militärischen Anforderungen der mongolischen Geschichte und finden ihren jährlichen Höhepunkt jeweils im Naadam-Fest.

Bei den Pferderennen treten Kinder auf ein- bis f√ľnfj√§hrigen oder ausgewachsenen Pferden gegeneinander an. Je nach Altersklasse werden verschiedene Distanzen geritten, beim gro√üen Rennen am Naadam-Fest in Ulaanbaatar √ľber volle 30¬†Kilometer.

Beim mongolischen Bogenschie√üen werden traditionelle Reflexbogen verwendet, um Pfeile mit stumpfer Spitze auf spezielle, aus Leder geflochtene Ziele abzuschie√üen. Obwohl der Ursprung in den berittenen Bogensch√ľtzen des Mittelalters liegt, werden die Wettbewerbe heute √ľberwiegend zu Fu√ü durchgef√ľhrt. Jedoch findet durch Unterst√ľtzung von japanischen Bogensch√ľtzen das berittene Bogenschie√üen immer mehr Anh√§nger.

Mongolische Athleten sind aber auch im modernen Schie√üsport vertreten. Am bekanntesten ist die deutsch-mongolische Pistolensch√ľtzin Dordschs√ľrengiin M√∂nchbajar, welche eine ganze Reihe von Weltcupsiegen und Weltmeistertiteln errungen hat und an mehreren Olympischen Spielen teilgenommen hat. 1992 gewann sie in Barcelona die Bronzemedaille mit der Sportpistole.

Der Ringkampf ist die einzige der drei Sportarten, welche bis heute den M√§nnern vorbehalten ist. Der eher gedrungene und kr√§ftige K√∂rperbau der meisten Mongolen kommt ihnen dabei sehr entgegen. Der Verlierer eines Kampfes b√ľckt sich traditionell unter dem ausgestreckten Arm des Siegers hindurch. Der Sieger darf den Adlertanz ausf√ľhren, bei dem er mit ausgestreckten Armen h√ľpfend das Turnierbanner umkreist.

Seit etwa 1992 haben mehrere mongolische Ringk√§mpfer zum japanischen SumŇćsport gewechselt und dort beachtliche Erfolge errungen. Die Athleten nehmen daf√ľr japanische Namen an. Die bisher gr√∂√üten Erfolge erzielte AsashŇćryŇę Akinori (Dolgors√ľrengiin Dagwadordsch), welcher 2003 den Titel eines Gro√ümeisters (Yokozuna) errang und 2005 als erster Ringer alle sechs Turniere des Jahres hintereinander gewann. HakuhŇć ShŇć (M√∂nchbatyn Dawaadschargal) wurde am 30. Mai 2007 zum Yokozuna ernannt, Harumafuji KŇćhei am 26. September 2012 und KakuryŇę RikisaburŇć am 26. M√§rz 2014. Momentan ist der einzige amtierende Yokozuna geborener Mongole.

Das Nationale Olympische Komitee der Mongolei wurde 1956 gegr√ľndet und 1962 vom Internationalen Olympischen Komitee aufgenommen. Seither haben mongolische Athleten insgesamt mehr als ein Dutzend Medaillen gewonnen.

Medien

Vor 1989 wurden die staatlichen Zeitungen landesweit bis in die kleinste Verwaltungseinheit verteilt. Dieses System brach in den fr√ľhen 1990er Jahren zusammen; die staatlichen Zeitungen wurden 1999 privatisiert. Die seit den fr√ľhen 1990er Jahren gegr√ľndeten unabh√§ngigen Zeitungen leiden unter Finanz- und Arbeitsmittelknappheit, ihre Verbreitung reicht kaum √ľber die gro√üen St√§dte hinaus. Die Leserschaft ist aufgrund des in Relation zum Einkommen hohen Preises der Printmedien ebenfalls gering. Zeitschriften kommt nur eine geringe Bedeutung zu. Die gr√∂√üte Zeitung ist Udriin Sonin, die im Jahr 2000 eine t√§gliche Verbreitung von 17.700 Exemplaren hatte.

Die erste mongolische Radiostation wurde 1934 gegr√ľndet. Seit den 1960er Jahren deckte diese Station das gesamte Staatsgebiet ab und erst 1994 entstand eine zweite Radiostation f√ľr Ulaanbaatar. Seitdem sind in den St√§dten mehrere private Sender entstanden, w√§hrend die lokalen Stationen, die vor 1989 Sendezeiten in der landesweiten Station zugeteilt bekommen hatten, verschwunden sind. Mehrere Aimags verf√ľgen deshalb nur unregelm√§√üig √ľber lokalen Rundfunk.

Fernsehen gibt es in der Mongolei erst seit der Gr√ľndung von MNB im Jahre 1967. Bis zum Ende der sozialistischen Zeit wurden nur wenige Stunden Programm pro Woche gesendet, au√üerdem wurde das Programm der sowjetischen Station Orbit √ľbernommen. Im Jahre 1990 hatten nur 41¬†% der Haushalte einen Fernseher. Seit 1990 sind in Ulaanbaatar mehrere kommerzielle und christliche Stationen entstanden. In den Kabelfernsehnetzen der gr√∂√üeren St√§dte sind zahlreiche ausl√§ndische Sender zu empfangen. Satellitenfernsehen auf dem Land war 2010 noch nicht verbreitet.

Im Jahr 2019 nutzten 51 Prozent der Einwohner der Mongolei das Internet.

Nationalfeiertage

Das mongolische Nationalfest dauert vom 11. bis zum 13. Juli und hei√üt Naadam (–Ě–į–į–ī–į–ľ, vollst√§ndig Eriin Gurwan Naadam = ‚Äědie drei m√§nnlichen Spiele‚Äú). Das Fest ist religi√∂sen Ursprungs und d√ľrfte mehrere Jahrhunderte alt sein. Es wird auch in der Inneren Mongolei in China gefeiert. In der Mongolei gilt der 11. Juli heute als Revolutionstag, zu Ehren der Ereignisse von 1921. Den wichtigsten Teil des Festes nehmen die drei namensgebenden Spiele ein (siehe auch unter Sport), mongolische Ringk√§mpfe, Wettbewerbe im Bogenschie√üen und Pferderennen auf ein- bis f√ľnfj√§hrigen und ausgewachsenen Pferden. Wettbewerbe werden fast √ľberall in der Mongolei durchgef√ľhrt, mit der gr√∂√üten Teilnehmerzahl in der Hauptstadt Ulaanbaatar.

Der zweite gro√üe Feiertag ist das buddhistische Neujahr, welches in der Mongolei Tsagaan Sar hei√üt (–¶–į–≥–į–į–Ĺ –°–į—Ä = Wei√üer Mond). Der Termin ist normalerweise Anfang Februar, kann aber um einige Wochen zwischen Ende Januar und Anfang M√§rz schwanken und f√§llt meist nicht mit dem chinesischen Neujahrsfest zusammen. An diesem Tag besuchen die Mongolen ihre Freunde und Verwandten und √ľberbringen Geschenke. Auf der Festtafel finden sich Spezialit√§ten wie geschmorter Schafsr√ľcken und ein Turm aus ‚ÄěSohlenkuchen‚Äú und anderen S√ľ√üigkeiten.

√Ėffentliche Feiertage sind weiterhin:

  • Neujahrstag am 1. Januar
  • Internationaler Frauentag am 8. M√§rz
  • Internationaler Kindertag am 1. Juni
  • Unabh√§ngigkeitstag am 26. November

Literatur

  • Christopher P. Atwood: Encyclopedia of Mongolia and the Mongolian empire. Facts On File, New York (NY) 2004, ISBN 0-8160-4671-9.
  • Timothy Michael May: Culture and customs of Mongolia. Greenwood Press, Westport CN 2009, ISBN 978-0-313-33983-7.
  • Jennifer L. Hanson: Mongolia (= Nations in transition.). Facts On File, New York, NY 2004, ISBN 0-8160-5221-2.
  • Olaf Schubert: Mongolei. Kahl, Dresden 2005; 2011, ISBN 978-3-938916-00-1.

Galerie

Weblinks

  • L√§nderinformation des Ausw√§rtigen Amtes ‚Äď zu Politik, Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in der Mongolei
  • Botschaft der Mongolei in Deutschland ‚Äď mit Reiseinformationen und Wirtschaftsdaten
  • Linkkatalog zum Thema Mongolei bei curlie.org (ehemals DMOZ)
  • Renate Bormann: Mongolei. In: LIPortal
  • Dossiers zum Thema Mongolei in der Pressemappe 20.¬†Jahrhundert der ZBW ‚Äď Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft.

Einzelnachweise


 

Region Regionen (0)

Abk Name O
MN.AR Arhangay  
MN.BO Bayan-√Ėlgiy  
MN.BH Bayanhongor  
MN.BU Bulgan  
MN.DA Darhan-Uul  
MN.DD Dornod  
MN.DG Dornogovi  
MN.DU Dundgovi  
MN.DZ Dzavhan  
MN.GA Govi-Altay  
MN.GS Govis√ľmber  
MN.HN Hentiy  
MN.HD Hovd  
MN.HG H√∂vsg√∂l  
MN.ER Orhon  
MN.SL Selenge  
MN.SB S√ľhbaatar  
MN.TO T√∂v  
MN.UB Ulaanbaatar  
MN.UV Uvs  
MN.OG √Ėmn√∂govi  
MN.OH √Ėv√∂rhangay  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Mongolia

Name englisch: Mongolia
Hauptstadt: Ulan Bator
Kfz: MGL
ISO: MN
ISO3: MNG
Fläche: 1565000 km²
Tld: .mn
Wärung Einheit: MNT
Währung: Tugrik
Vorwahl: 976

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 52.1486965
südlichster Punkt: 41.5815201
westlichster Punkt: 87.73762
östlichster Punkt: 119.9319489


 
Mongolei: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Mongolei. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

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