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Staat Informationen : Russland

Informationen:


Russland (russisch Đ ĐŸŃŃĐžŃ [rɐˈsÊČijə] , Transkription Rossija), amtlich die Russische Föderation (oder der russischen Bezeichnung entsprechend RusslĂ€ndische Föderation; russisch Đ ĐŸŃŃĐžĐčсĐșая Đ€Đ”ĐŽĐ”Ń€Đ°Ń†ĐžŃ, , Transkription Rossijskaja Federazija) ist ein Bundesstaat in Osteuropa sowie in Nordasien. Mit etwa 17 Millionen Quadratkilometern ist Russland flĂ€chenmĂ€ĂŸig der grĂ¶ĂŸte Staat der Welt und umfasst etwa ein Neuntel der Landmasse der Erde. Mit 144,5 Millionen Einwohnern (2019) steht es an 9. Stelle der bevölkerungsreichsten Staaten und ist zugleich eines der am dĂŒnnsten besiedelten.

Der europĂ€ische Teil des Staatsgebiets ist viel dichter besiedelt und verstĂ€dtert als der ĂŒber dreimal so große asiatische Teil: Etwa 77 % der Bevölkerung (110 Millionen Einwohner) leben westlich des Urals. Die Hauptstadt Moskau ist eine der grĂ¶ĂŸten StĂ€dte und Metropolregionen der Welt; als weiteres wichtiges Zentrum gilt Sankt Petersburg, das zwischen 1712 und 1918 Hauptstadt war und eine BrĂŒcke fĂŒr Kunst und Kultur aus Westeuropa bildete. Die nĂ€chstgrĂ¶ĂŸten MillionenstĂ€dte Russlands sind Nowosibirsk in Sibirien, Jekaterinburg am Ural und Nischni Nowgorod an der Wolga. Weitere Großstadtregionen sind Tscheljabinsk, Ufa, Kasan und Samara. Insgesamt gibt es in Russland 15 MillionenstĂ€dte und fast 70 Agglomerationen mit mehr als 500.000 Einwohnern. Die föderale Gliederung Russlands besteht aus acht Föderationskreisen und 85 Föderationssubjekten.

Die heutige Russische Föderation entwickelte sich aus dem GroßfĂŒrstentum Moskau, einem TeilfĂŒrstentum des frĂŒheren ostslawischen Reiches Kiewer Rus, zu einem ĂŒber 100 Ethnien zĂ€hlenden Vielvölkerstaat, wobei ethnische Russen heute fast 80 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Sie ist die Rechtsnachfolgerin der Sowjetunion in internationalen Organisationen und stĂ€ndiges Mitglied des Weltsicherheitsrates. Sie gehört zu den anerkannten NuklearmĂ€chten und besitzt das weltgrĂ¶ĂŸte Arsenal an Massenvernichtungswaffen. Russland ist Groß- und Regionalmacht und wird teilweise als potentielle Supermacht betrachtet. Es ist zudem Mitglied des Europarates, der APEC, der Shanghaier Organisation fĂŒr Zusammenarbeit (SCO), der OSCE, der WTO; es ist fĂŒhrendes Mitglied in der Gemeinschaft UnabhĂ€ngiger Staaten (GUS), der Organisation des Vertrags ĂŒber kollektive Sicherheit (OVKS) und der Eurasischen Wirtschaftsunion (mit Armenien, Belarus, Kasachstan und Kirgisistan).

Russland ist ein Schwellenland im Bereich des oberen mittleren Einkommens. Nach der Erholung von der postkommunistischen Transformationskrise der 1990er Jahre wurde Russland die nach KaufkraftparitĂ€t sechstgrĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft der Welt, zwischen Deutschland und Brasilien (SchĂ€tzung fĂŒr 2016). Russlands Rohstoffreserven sind mit etwa 20 bis 30 % die wahrscheinlich grĂ¶ĂŸten der Welt, mit erheblichen Vorkommen von PrimĂ€renergietrĂ€gern, vor allem Erdgas.

Das Regierungssystem Russlands wird von Politikwissenschaftlern entsprechend dem Wortlaut der Verfassung meist formal als Verbindung prĂ€sidentieller und parlamentarischer Formen eingeordnet. Die Verfassungswirklichkeit des politischen Systems entspricht jedoch eher den Modellen defekter Demokratien oder der Postdemokratie, zumal der PrĂ€sident fast autokratische Macht ausĂŒbt. FĂŒr die politische Ordnung wird in Russland gelegentlich von offizieller Seite der Begriff „Gelenkte Demokratie“ im affirmativen Sinne gebraucht.

Die Annexion der Krim im MÀrz 2014 belastet die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen. Der russischen Regierung wird vorgeworfen, die europÀische Friedensordnung zu verletzen.

Geographie

Russland ist mit 17.075 Millionen Quadratkilometern das mit Abstand flĂ€chengrĂ¶ĂŸte Land der Erde. Es umfasst elf Prozent der WeltlandflĂ€che, das entspricht in etwa der FlĂ€che Australiens und Europas zusammen. Bis auf die Tropen sind alle Klimazonen vertreten.

Von Westen nach Osten erstreckt sich Russland auf einer GesamtlĂ€nge von 9000 Kilometern, von 19° östlicher bis 169° westlicher LĂ€nge ĂŒber zwei Kontinente. Auf Europa entfallen 23 Prozent der LandflĂ€che, auf Asien 77 Prozent. Von SĂŒden nach Norden betrĂ€gt die Ausdehnung bis zu 4000 Kilometer, vom 41. bis zum 81. Grad nördlicher Breite.

Auf dem Gebiet Russlands befinden sich einige der lĂ€ngsten FlĂŒsse sowie der Ă€lteste und tiefste Binnensee der Welt (Baikalsee). Wenn man die Reliefstruktur und die Flusssysteme Russlands miteinander vergleicht, so entsteht ein Gitternetz aus breitenparallel verlaufenden Wasserscheiden bzw. dem SteppengĂŒrtel im SĂŒden und den meridional ausgerichteten Stromwegen.

Lage und Grenzen

Russland hat neben der Volksrepublik China mit 14 die grĂ¶ĂŸte Anzahl Nachbarstaaten mit einer gemeinsamen Landgrenze. Die GesamtlĂ€nge der Landesgrenzen betrĂ€gt 20.027 Kilometer. Russland grenzt des Weiteren an fĂŒnf Meere, wobei die KĂŒstenlinie 37.653 km umfasst.

Das russische Kernland grenzt an die Staaten Norwegen (196 km) und Finnland (1340 km), gefolgt von einem kurzen KĂŒstenstreifen zur Ostsee. Zudem teilt sich Russland eine Grenze mit den baltischen LĂ€ndern Estland (334 km) und Lettland (217 km), weiter sĂŒdlich gefolgt von Belarus (959 km) und der Ukraine (1586 km, mit Landgrenze der Krim). Das Schwarze Meer trennt die europĂ€ischen Grenzen Russlands von den asiatischen. Im Kaukasus grenzen Georgien (723 km) und Aserbaidschan (284 km) an. Es folgt ein KĂŒstenstreifen am Kaspischen Meer und eine lange gemeinsame Grenze mit Kasachstan (6846 km). In Ostasien grenzt Russland erstmals an die Volksrepublik China (etwa 40 km) und dann an die Mongolei (3485 km). Danach trifft das russische Hoheitsgebiet zum zweiten Mal mit chinesischem zusammen (3605 km). Mit Nordkorea (19 km) besteht die letzte Landverbindung zu einem anderen Staat.

Danach folgen die KĂŒstenlinien zum Japanischen Meer, dem Ochotskischen Meer, zum Pazifischen Ozean und schließlich zur Beringsee. Über die nur etwa 85 km schmale und 30 bis 50 Meter tiefe Beringstraße ist Russland im Ă€ußersten Osten von Alaska getrennt. Die inmitten der Beringstraße befindliche russische Große Diomedes-Insel liegt nur vier Kilometer von der US-amerikanischen Kleinen Diomedes-Insel entfernt. Der gesamte nördliche Teil des Landes grenzt an den Arktischen Ozean. Dort liegen verschiedene zu Russland gehörende Inseln, als nördlichste Franz-Josef-Land. Russland betrachtet zudem noch weitere Gebiete des Arktischen Ozeans und der EisflĂ€che als Teil seines Hoheitsgebietes.

Neben dem Kernland besitzt Russland noch eine Exklave, den nördlichen Teil des ehemaligen Ostpreußen, die heutige Oblast Kaliningrad. Dieses Gebiet, ĂŒber das 1945 die Sowjetunion die territoriale SouverĂ€nitĂ€t beanspruchte, grenzt an Litauen (227 km) und den sĂŒdlichen Teil des frĂŒheren Ostpreußen, der jetzt zu Polen gehört (206 km). Es ist somit vollstĂ€ndig von EU-LĂ€ndern umgeben.

Russland ist in elf Zeitzonen eingeteilt (von UTC+2 bis UTC+12), wobei mit der Abschaffung der Zeitumstellung im Jahr 2011 bis 2014 ĂŒberall ganzjĂ€hrig die Sommerzeit galt. Nach anhaltender Kritik aus der Bevölkerung kehrte Russland am 26. Oktober 2014 zur Normalzeit zurĂŒck.

Großlandschaften und Relief

Russland umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher NaturrĂ€ume, die vielfĂ€ltige Potenziale, aber auch sehr verschiedenartige Nutzungen aufweisen. Russland gliedert sich geographisch betrachtet hauptsĂ€chlich in die acht Großlandschaften (etwa in West-Ost-Richtung):

  • Die OsteuropĂ€ische Ebene nimmt den grĂ¶ĂŸten Teil des europĂ€ischen Russlands ein. Es besteht aus weiten Niederungen, die von schwach gegliederten HöhenrĂŒcken unterbrochen werden. Nur wenige Erhebungen erreichen Höhen von mehr als 300 Metern. In Karelien und auf der Halbinsel Kola, die geologisch zum Baltischen Schild gehören, ist das Relief im Norden differenzierter. Dort wird in den Chibinen der zentralen Kola-Halbinsel eine maximale Höhe von 1191 Metern erreicht. Im SĂŒden geht das OsteuropĂ€ische Tiefland in die unterhalb des Meeresspiegels gelegene Kaspische Senke ĂŒber. WĂ€hrend der letzten Eiszeit entstand eine Kette von EndmorĂ€nen, die vom Grenzgebiet zu Belarus aus nach Osten und nördlich von Moskau zur arktischen KĂŒste westlich des Flusses Petschora verlĂ€uft. Die Region nördlich davon besteht aus vielen Seen und SĂŒmpfen.
  • Östlich des Uralgebirges setzt sich bis zum Jenissei die weit gespannte Ebene im Westsibirischen Tiefland fort. Dieses ĂŒberaus flache Gebiet wird von weitrĂ€umigen Sumpflandschaften eingenommen.
  • Das Nordsibirische Tiefland schließt sich nördlich des Mittelsibirischen Berglands an, das nach Norden zur Taimyrhalbinsel bis sĂŒdlich des Arktischen Ozeans ansteigt.
  • Östlich des Jenissei erstreckt sich bis zur Lena das wellige Mittelsibirische Bergland mit durchschnittlichen Höhen zwischen 500 und 700 Metern. Im Nordwesten dieser Region erhebt sich das Putorana-Gebirge, das eine maximale Höhe von 1701 Metern erreicht. FlĂŒsse prĂ€gten die Gestalt der Landschaft, an einigen Stellen haben sich tiefe Canyons eingeschnitten.
  • Im SĂŒden von Mittel- und Ostsibirien setzen sich weitere GebirgszĂŒge ostwĂ€rts bis zum Pazifischen Ozean fort (SĂŒdsibirische Gebirge). Dazu gehören Altai, Sajangebirge, Jablonowygebirge, Stanowoigebirge und Dschugdschur.
  • Die Mitteljakutische Niederung umfasst vor allem die UnterlaufstĂ€ler von Lena und Wiljui, aber auch das untere Aldantal. Die etwa 1 Million kmÂČ umfassende Niederung wird im Westen vom Mittelsibirischen Bergland begrenzt und im Osten vom Ostsibirischen Bergland.
  • Östlich von Lena und Aldan schließt sich das Ostsibirische Bergland an, das aus verzweigten Gebirgsketten besteht. Die höheren Gebirge in dieser Region, wie das Werchojansker Gebirge, das Tscherskigebirge und das Kolymagebirge, erreichen Höhen zwischen etwa 2300 und 3200 Metern. Auf der Halbinsel Kamtschatka gibt es etwa 160 Vulkane. Die vulkanische Gebirgskette von Kamtschatka setzt sich im SĂŒden auf den Kurilen fort. Dort gibt es rund 100 Vulkane.
  • SĂŒdlich der Ostsibirischen See erschließt sich das weitlĂ€ufige Ostsibirische Tiefland, welches sich ausschließlich nördlich des Polarkreises befindet. Die Landschaft umfasst die UnterlĂ€ufe der FlĂŒsse Jana, Indigirka und Kolyma. Der westliche Teil ist das Jana-Indigirka-Tiefland, der östliche das Kolyma-Tiefland. Im Westen, SĂŒden und Osten grenzt das Ostsibirische Tiefland an das Ostsibirische Bergland.

FlĂŒsse und Seen

Mit 120.000 FlĂŒssen und Strömen und fast zwei Millionen Seen ist Russland sehr wasserreich. Der WaldgĂŒrtel, der zwei Drittel der FlĂ€che einnimmt, wirkt zusammen mit dem NiederschlagsĂŒberschuss als riesiger Wasserspeicher, der ein ganzes Netz an WasserlĂ€ufen speist.

Im europĂ€ischen Teil Russlands ist der wichtigste Fluss die Wolga. Sie ist der lĂ€ngste Fluss Europas und verlĂ€uft ausschließlich in Russland. Zusammen mit ihren beiden NebenflĂŒssen Kama und Oka entwĂ€ssert sie einen großen Teil der OsteuropĂ€ischen Ebene nach 3534 Kilometern zum Kaspischen Meer im SĂŒdosten. Als Wasserweg hat die Wolga besondere Bedeutung, da sie Osteuropa mit Zentralasien verbindet. Der Nordrussische LandrĂŒcken bildet die Wasserscheide zwischen Wolgabecken und Weißem Meer bzw. Barentssee im Norden. Eine große Bedeutung fĂŒr die slawischen Staaten besitzt der Dnepr (auch Dnjepr genannt). Der Strom entsteht westlich von Moskau und fließt anschließend durch Belarus und die Ukraine, wo er ins Schwarze Meer mĂŒndet. Über den Dnepr-Bug-Kanal ist er mit den polnischen FlĂŒssen Bug und Weichsel sowie mittelbar ĂŒber das Oginskische Kanalsystem mit der Memel verbunden, was den Dnepr zu einer wichtigen Wasserstraße macht.

Die lĂ€ngsten FlĂŒsse Russlands liegen in Sibirien und dem fernöstlichen Russland. Der Ob entspringt im sĂŒdsibirischen Altai und mĂŒndet in das Nordpolarmeer. Der mit seinem Quellfluss Katun ĂŒber 4300 Kilometer lange Fluss bildet – zusammen mit dem Irtysch – eines der lĂ€ngsten Flusssysteme Asiens mit einer GesamtlĂ€nge von ĂŒber 5400 Kilometern. Eine noch etwas lĂ€ngere Fließstrecke hat das Flusssystem des Jenissei, dessen Wasser (teilweise) aus der Mongolei nach Norden durch Westsibirien zum Nordpolarmeer fließt. Sein Hauptzufluss, die Angara, stellt den einzigen Abfluss des Baikalsees dar. Der Jenissei fĂŒhrt dem Nordpolarmeer jĂ€hrlich etwa 600 Kubikkilometer Wasser zu. Damit verzeichnet er die höchste Durchflussmenge aller russischen FlĂŒsse. Die rund 4300 Kilometer lange Lena, der lĂ€ngste Strom, der ausschließlich in Russland verlĂ€uft und dessen Einzugsgebiet sich ausschließlich in Russland befindet, entspringt nur 5 Kilometer vom Baikalsee entfernt. Sie fließt zunĂ€chst in nordöstliche Richtung, biegt nach dem EinmĂŒnden des Aldan nach Norden und mĂŒndet in einem ausgedehnten Delta in die Laptewsee, ein Nebenmeer des Nordpolarmeers. Weitere wichtige FlĂŒsse, die ins Nordpolarmeer mĂŒnden, sind die Petschora, die Nördliche Dwina, die Chatanga sowie die Kolyma und die Indigirka.

Ein weiteres wichtiges Flusssystem bildet der Amur mit seinem Zufluss Schilka. Mit dessen Quellfluss Onon hat es eine GesamtlĂ€nge von etwa 4400 Kilometern und fĂŒhrt vom Nordosten der Mongolei in östlicher Richtung entlang der chinesischen Grenze zur PazifikkĂŒste. Amur und Anadyr sind die grĂ¶ĂŸten russischen FlĂŒsse, die in den Pazifischen Ozean fließen.

Viele andere Ströme sind als Verkehrswege und als Energiequellen bedeutend, oder sie dienen in trockenen Regionen der BewĂ€sserung. Der Don nimmt dabei eine herausragende Stellung ein. Er liegt im bevölkerungsreichen OsteuropĂ€ischen Tiefland und entwĂ€ssert nach SĂŒden in das Asowsche Meer. Andere wichtige FlĂŒsse sind Moskwa, Selenga, Tobol, Steinige Tunguska, Untere Tunguska, Ural und Ussuri.

In Russland gibt es, besonders im ehemals vergletscherten nordwestlichen Teil des Landes, viele natĂŒrliche Seen. Das Kaspische Meer ist mit 386.400 kmÂČ der weltgrĂ¶ĂŸte Binnensee. Der Seespiegel des Salzwassersees befindet sich etwa 28 Meter unterhalb des Meeresniveaus. Da das Kaspische Meer keinen Abfluss hat, entweicht Wasser nur durch Verdunstung, wodurch es bei dem hier herrschenden trockenen Klima zur Auskristallisation von Salzen kommt. Der Baikalsee hat als Ă€ltester SĂŒĂŸwassersee eine Tiefe von 1642 Metern, womit er nicht nur der tiefste See, sondern zugleich auch das grĂ¶ĂŸte Reservoir flĂŒssigen SĂŒĂŸwassers weltweit (ca. ein FĂŒnftel aller flĂŒssigen SĂŒĂŸwasserreserven) ist. Weitere wichtige und große Seen sind Ladogasee (grĂ¶ĂŸter Binnensee Europas), Onegasee und Taimyrsee.

Gebirge und Naturschutzgebiete

Rund 40 Prozent der FlĂ€che Russlands ist von Gebirgen ĂŒberzogen. Dabei bildet der Ural die Trennlinie zwischen dem europĂ€ischen und asiatischen Teil des Landes; er stellt allerdings wegen seiner geringen Höhe von knapp 2000 Metern (Narodnaja, 1895 m) keine wirkliche Barriere dar. Östlich des Ural erstreckt sich das sehr flache Westsibirische Tiefland, das bis zum Fluss Jenissej reicht und von weitrĂ€umigen Sumpflandschaften durchzogen ist. SĂŒdöstlich wird das Westsibirische Tiefland durch das Mittelsibirische Bergland abgeschlossen, das sich bis zum Fluss Lena erstreckt und im Norden zum schmalen Nordsibirischen Tiefland abfĂ€llt. Zum Mittelsibirischen Bergland gehören die Gebirge Sajan (Munku Sardyk, 3491 m) und das höchste Gebirge Sibiriens, der Altai (Belucha, 4506 m), im russisch-kasachisch-chinesisch-mongolischen Grenzgebiet. Östlich der Lena erhebt sich das Ostsibirische Bergland, das sich in verschiedene Gebirgsketten, wie das Werchojansker Gebirge (2389 m in Orlugan) und Tscherskigebirge (Pobeda, 3003 m), verzweigt und Höhen bis gut 3000 m erreicht. Die Halbinsel Kamtschatka ist durch ihre 160 Vulkane mit Höhen bis zu 4688 m geprĂ€gt, von denen 29 noch aktiv sind.

Weitere Gebirge in Russland sind: Baikalgebirge, Chibinen, Kaukasus, Kolymagebirge, Putorana-Gebirge, Stanowoigebirge, Stanowoihochland, Tannu-ola-Gebirge. Der höchste Berg in Russland ist der Elbrus (5642 Meter) im Kaukasus. Neben weiteren 5000ern im Kaukasus sind der Kasbek mit 5047 Meter und die Kljutschewskaja Sopka mit 4750 Meter bekannte Gipfel.

Russland besitzt ein ausgeprĂ€gtes Naturschutzsystem mit einer langen Tradition. Zu den klassischen russischen Schutzgebietskategorien wie den streng geschĂŒtzten Sapowedniki oder den Sakasniki kamen seit den 1980er Jahren die nach internationalen Kriterien errichteten Nationalparks und andere internationale Schutzgebietsklassen hinzu. Russland besitzt flĂ€chenmĂ€ĂŸig eines der grĂ¶ĂŸten Schutzgebietssysteme der Welt:

  • Sapowedniki (streng geschĂŒtzte Gebiete): Ist die wichtigste nationale Schutzgebietskategorie in Russland, die international zur höchstmöglichen Schutzgebietskategorie gehört. In ihnen darf keinerlei Nutzung und keine menschliche Beeinflussung der natĂŒrlichen Prozesse erfolgen. Daher ist das Betreten der Kernzone eines Sapowedniks durch Besucher verboten, wobei es fĂŒr Wissenschaftler in beschrĂ€nktem Umfang Ausnahmegenehmigungen gibt. Derzeit gibt es 100 von diesen Totalreservaten in Russland, die in ihrer FlĂ€che von 2,31 bis 4169 kmÂČ reichen und insgesamt 27.000 kmÂČ umfassen.
  • Sakasniki (Wildschutzgebiete): Hierbei handelt es sich um Gebiete die bis zu 6000 kmÂČ FlĂ€che umfassen, in denen BeschrĂ€nkungen fĂŒr die wirtschaftliche Nutzung gelten. Sie dienen als Landschaftsreservate dem Schutz und der Regeneration natĂŒrlicher Ökosysteme, dem Schutz von seltenen Tier- und Pflanzenarten, von Fossilienfundstellen oder auch dem Schutz hydrologisch, bzw. geologisch bedeutender StĂ€tten. Insgesamt gibt es etwa 3000 Sakasniki in Russland mit einer GesamtflĂ€che von etwa 78.000 kmÂČ.
  • Nationalparks in Russland: Erst seit Anfang der 1980er Jahre gibt es in Russland auch die in anderen LĂ€ndern schon lĂ€nger bekannte Schutzgebietskategorie der Nationalparks. Diese besitzen einen geringeren Schutzstatus als die Sapowedniki und dienen neben dem Schutz von Natur- und KulturschĂ€tzen auch der Forschung und Bildung sowie dem kontrollierten Tourismus. Derzeit gibt es 35 Nationalparks in Russland, die in ihrer FlĂ€che von 7 kmÂČ bis 18.900 kmÂČ reichen und zusammen 90.000 kmÂČ des Staatsgebietes umfassen.
  • Naturparks: Sie sind eine relativ neue Schutzkategorie und dienen neben dem Naturschutz auch der Erholung.
  • Naturerbe: 1972 wurde die Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt verabschiedet, der Russland 1988 beigetreten ist. Als Naturerbe gelten einzigartige physikalische, biologische und geologische Formationen oder Gebiete, deren Erhaltung fĂŒr die Wissenschaft oder wegen ihrer natĂŒrlichen Schönheit von außergewöhnlichem Wert sind, sowie LebensrĂ€ume bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Bisher wurden folgende Gebiete von der UNESCO als Naturerbe aufgenommen:
    • 1995 – UrwĂ€lder von Komi
    • 1996 – Baikalsee
    • 1996 – Vulkanregion von Kamtschatka mit Naturpark
    • 1998 – Altai-Gebirge
    • 1999 – Westlicher Kaukasus
    • 2001 – Naturschutzgebiet Zentral-Sichote-Alin
    • 2003 – Uws-Nuur-Becken
    • 2004 – Naturreservat Wrangelinsel
    • 2010 – Putorana-Gebirge

Klima- und Vegetationszonen

Die Jahresdurchschnittstemperatur fĂŒr Russland wird mit -5,5 °C angegeben. Große Teile des Landes sind vom Kontinentalklima mit heißen Sommern und sehr kalten Wintern geprĂ€gt. Je weiter man in Richtung Osten des Landes reist, desto deutlicher spĂŒrt man die prĂ€genden Temperaturen zu den verschiedenen Jahreszeiten, das heißt, der Sommer ist extrem heiß und die Temperaturen in den Wintermonaten mitunter eisig kalt. Kaum ein anderes Land bietet solche Temperaturunterschiede wie Russland. Die sĂŒdliche HĂ€lfte des Fernen Ostens hat Monsunklima. Die durchschnittlichen Januartemperaturen liegen mit Ausnahme der SchwarzmeerkĂŒste ĂŒberall unter dem Gefrierpunkt. In Ostsibirien sinken sie bis auf −35 bis −60 °C ab, sind aufgrund der meist sehr niedrigen Luftfeuchtigkeit jedoch leichter auszuhalten. Die Sommertemperaturen sind sehr unterschiedlich. Die Durchschnittstemperaturen im hohen Norden liegen bei +1 bis +2 °C, in den Halbsteppen und Steppengebieten des SĂŒdens hingegen bei +24 bis +25 °C.

Die Klima-, Vegetations- und Ökozonen verlaufen in Russland weitgehend breitenkreisparallel, so dass eine Nord-SĂŒd-Abfolge entsteht:

Im Nördlichen Eismeer herrscht die lebensfeindliche KĂ€ltewĂŒste. Dies betrifft unter anderen den nördlichen Teil der Taimyrhalbinsel und weitere dort befindliche Inseln. Es herrscht ein ausgeprĂ€gtes Eisklima, in dem es kaum Pflanzen gibt. In dieser Zone gibt es nur wenige stĂ€ndige Siedlungen. Die Durchschnittstemperaturen steigen nur fĂŒr drei Monate knapp ĂŒber den Gefrierpunkt und in den kĂ€ltesten Monaten Januar und Februar erreichen sie bis −30 °C. Die jĂ€hrlichen Niederschlagsmengen in Form von Schnee steigen selten ĂŒber 250 Millimeter.

Beginnend vom nördlichsten Eurasischen Festland schließt sich ein baumloser und durch Permafrost gekennzeichneter LandschaftsgĂŒrtel an, der eine Nord-SĂŒd-Ausdehnung zwischen 200 und 800 Kilometer aufweist und sich etwa bis zum Polarkreis, im Mittelsibirischen Bergland bis 70° nördlicher Breite erstreckt. Die KĂŒstenlandschaft im Norden ist mit Ausnahme der Bucht um das Weiße Meer von der Tundra geprĂ€gt. Die Sommer sind dort zu kurz und zu kĂŒhl, als dass sich Wald ausbilden könnte. Die Durchschnittstemperaturen liegen nur vier bis fĂŒnf Monate im Jahr ĂŒber dem Gefrierpunkt, wobei die wĂ€rmsten Monate in den Randgebieten ein Mittel ĂŒber 10 °C aufweisen. Daher taut auch der Boden nur an der OberflĂ€che auf, sodass sich die reichlichen NiederschlĂ€ge auf dem gefrorenen Unterboden stauen und die Tundra im Sommer in ein Meer von SĂŒmpfen und Mooren mit einer Vegetation aus Flechten, GrĂ€sern und ZwergstrĂ€uchern verwandeln. Landwirtschaft ist nicht möglich, nur die indigenen Rentiernomaden finden dort ihr Auskommen. Daher gibt es nur wenige menschliche Siedlungen. Weiter sĂŒdwĂ€rts der KĂ€ltesteppe beginnen Fichten zunĂ€chst einzeln zu wachsen, um dann zusammen mit Moor-Birken und Espen von SĂŒmpfen durchsetzte Waldtundra zu bilden. An ihrer SĂŒdgrenze geht die Waldtundra dann fließend in die Waldzone ĂŒber.

Diese 1000 bis 2000 Kilometer breite Zone verlĂ€uft nördlich entlang der Linie St. Petersburg–Ufa–Irkutsk–Sachalin und bildet die boreale Zone bzw. die Taiga. Die Waldzone durchzieht ganz Nordeurasien. Wegen dieser gewaltigen Ausdehnung gliedert sie sich in mehrere breitenparallele Unterzonen: In den der FlĂ€che nach bei weitem dominierenden NadelwaldgĂŒrtel (eigentliche Taiga) im Norden, in Mittelsibirien weiter in die Sub-Taiga als Übergangszone zur Steppe sowie in einen MischwaldgĂŒrtel, der sich jedoch lediglich im europĂ€ischen Russland sĂŒdlich anschließt. Die Taiga ihrerseits bildet drei breitenparallel hintereinander geschaltete Unterzonen:

  • Westlich des Urals besteht die nördliche Taiga aus niedrigen FichtenwĂ€ldern mit vereinzelten Birken. Nur in Karelien herrscht die Kiefer vor.
  • Die mittlere Taiga bildet dunkle FichtenwĂ€lder mit EinschlĂŒssen von Birken, nach SĂŒden hin zunehmend auch Kiefern sowie ersten Vorboten von Laubhölzern wie der Winterlinde. Geringe Fruchtbarkeit des Bodens und Artenarmut der Vegetation macht diese Landschaft fĂŒr eine Landwirtschaft ungeeignet.
  • Die sĂŒdliche Taiga zeichnet sich durch einen hohen Anteil von Laubhölzern am Unterwuchs aus, bedingt durch ergiebigere Böden. Die Taiga Sibiriens ist durch lichte WĂ€lder, bestehend aus Sibirischen LĂ€rchen, Fichten und Zirbelkiefern gekennzeichnet.

Die Waldzone ist durch kontinentales Klima mit einem starken TemperaturgefĂ€lle zwischen heißen Sommern und kalten Wintern geprĂ€gt. Die mittlere Jahrestemperatur nimmt von Westen nach Osten deutlich ab. In Pskow betrĂ€gt sie noch 5,1 °C, sinkt aber bis zum Ural auf 2,3 °C ab und erreicht im westsibirischen Tomsk nur noch 0,1 °C. Im ostsibirischen Jakutsk liegt sie dann bei −10 °C. Die niedrigen Jahresmittel sind auf den langen und sehr kalten Winter in Sibirien zurĂŒckzufĂŒhren. Dagegen entsprechen die durchschnittlichen Sommertemperaturen dem mitteleuropĂ€ischen Mittel.

In den von kĂŒhlgemĂ€ĂŸigten Klimaten beherrschten Gebieten, die sich der Taiga sĂŒdlich anschließen, wĂ€chst sommergrĂŒner Laub- und Mischwald. Diese Zone verlĂ€uft innerhalb Europas im Dreieck St. Petersburg–Odessa–Ufa, in Westsibirien in einem Streifen von Tscheljabinsk bis Krasnojarsk sowie im Amur-Gebiet. Die Mischwaldzone verlĂ€uft damit in einem nach Osten hin sich verjĂŒngenden Dreieck von den mittleren Karpaten und von der baltischen KĂŒste bis an den SĂŒdural. Die Vegetation besteht primĂ€r aus Fichten, Kiefern und Eichen, ehe sie weiter sĂŒdwĂ€rts in reinen Laubwald ĂŒbergeht. Leithölzer bilden dort die Eiche sowie in der Westukraine Buche und Hainbuche. Kiefern wachsen, wie auch im Mischwaldbereich, vor allem in sandigen Senken wie im Pripjetbecken. Östlich des Urals gibt es aus klimatischen GrĂŒnden keinen Mischwald. Stattdessen leiten in Westsibirien Birkenhaine unmittelbar von der Taiga in die Waldsteppe ĂŒber. Der Mischwald tritt dann wieder im Fernen Osten auf. Die Mischwaldzone bietet fĂŒr die Landwirtschaft im Allgemeinen akzeptable, die Laubwaldzone gute Existenzbedingungen.

Weiter sĂŒdlich folgt ein SteppengĂŒrtel, der am Unterlauf von Don und Wolga, Nordkaukasus, Kaspische Senke und Tuwa verlĂ€uft. Der SteppengĂŒrtel untergliedert sich im Norden in die Waldsteppe und im SĂŒden in die eigentliche Steppe. Der Wald löst sich von Norden nach SĂŒden in Inseln auf und verschwindet schließlich fast ganz. Das hĂ€ngt mit dem nach SĂŒdosten abnehmenden Niederschlag bei gleichzeitig wachsender VerdunstungsintensitĂ€t zusammen. Außer in FlusstĂ€lern (als Auwald) oder in Senken mit gĂŒnstigen GrundwasserverhĂ€ltnissen reicht das im Lössboden gespeicherte Wasser nicht aus, um den FlĂŒssigkeitsbedarf von Laubhölzern zu decken. Daher bilden in der Waldsteppe Wiesen-, in der eigentlichen Steppe Federgrasformationen die Pflanzendecke. Der SteppengĂŒrtel ist aufgrund der fruchtbaren Schwarzerdeschicht ideal fĂŒr den Getreideanbau.

An der SchwarzmeerkĂŒste zwischen Noworossijsk und Sotschi folgt eine Hartlaubwaldzone. An der SchwarzmeerkĂŒste herrschen im Durchschnitt um die 20 Grad Celsius. Dieser subtropische Teil Russlands ist geprĂ€gt von dichten WĂ€ldern.

Russland beherbergt nach Kanada die grĂ¶ĂŸten noch verbliebenen nordischen Wildnisregionen. Nach Global Forest Watch sind rund 26 Prozent der WĂ€lder noch intakte UrwĂ€lder. Sie liegen zum allergrĂ¶ĂŸten Teil in Sibirien. Im europĂ€ischen Teil haben noch 9 Prozent der WĂ€lder diesen Status.

Fauna

Das polare Klima an der NordkĂŒste Russlands ist Lebensraum fĂŒr PolarbĂ€ren, Robben, Walrosse und Seevögel. In der sich sĂŒdwĂ€rts anschließenden Tundra leben PolarfĂŒchse, Eulen, Schneehasen und Lemminge. Im Sommer wandern große Herden von Rentieren und Wölfen in die Tundra ein. Diese Tiere sind an die lebensunfreundlichen UmstĂ€nde dieser Zone perfekt angepasst. In den WĂ€ldern von Russland nimmt die Artenvielfalt in der Tierwelt zu. So leben in der Taiga und den borealen NadelwĂ€ldern Russlands Elche, Rentiere, Wölfe, BĂ€ren, Zobel, Eichhörnchen, FĂŒchse und der Vielfraß. Weiter sĂŒdlich haben sich Wildschweine, Nerze und Hirsche ausgebreitet. Vereinzelt gibt es auch Sibirische Tiger. Die Steppenzone Russlands ist der Lebensraum fĂŒr Hamster, Ziesel sowie fĂŒr den Iltis und den Steppenfuchs.

Bevölkerung

Bevölkerungsdichte

Die Bevölkerung Russlands ist sehr ungleichmĂ€ĂŸig verteilt. 85 Prozent der Einwohner (etwa 123 Millionen Menschen) leben im europĂ€ischen Teil, der dabei lediglich 23 Prozent des russischen Territoriums umfasst. Dementsprechend leben nur 15 Prozent (etwa 22 Millionen Menschen) im flĂ€chenmĂ€ĂŸig weit grĂ¶ĂŸeren asiatischen Teil, der 77 Prozent der GesamtflĂ€che ausmacht. Die Bevölkerungsdichte variiert von 362 Einwohner/kmÂČ in der Hauptstadt und ihrer Umgebung (Gebiet Moskau) und unter 1 Einwohner/kmÂČ im Nordosten und im russischen Fernen Osten. Im Schnitt betrĂ€gt sie 8,3 Einwohner/kmÂČ. Da in vielen FĂ€llen ein betrĂ€chtlicher Bevölkerungsanteil im jeweiligen Gebietshauptort lebt, liegt die Bevölkerungsdichte im lĂ€ndlichen Raum auch in den relativ dicht besiedelten zentralrussischen Verwaltungsgebieten selten höher als 40 bis 50 Einwohner/kmÂČ.

Demografische Entwicklung

Russlands Bevölkerungszahl sank von 147,0 Millionen bei der VolkszĂ€hlung im Januar 1989 bis 2007 auf 142,2 Mio. Danach verlangsamte sich der BevölkerungsrĂŒckgang, so dass die Einwohnerzahl 2010 bei 141,9 Mio. lag. Durch die Ergebnisse der VolkszĂ€hlung 2010 wurde die Bevölkerungszahl korrigiert. Diese lag fĂŒr 2011 bei 142,9 Mio. Die FertilitĂ€tsrate sank zwischen 1988 und 1999 von zwei auf 1,16 Geburten pro Frau. Gleichzeitig verdoppelte sich bei den MĂ€nnern die Sterblichkeitsrate von 9,4 (1970) auf 18,7 pro 1000 Einwohner (2005). Die Durchschnittslebenserwartung der MĂ€nner sank von 63,9 Jahren 1986 auf 57,5 Jahre (1994). Bis 2004 stieg sie auf 58,9 Jahre an; 2011 lag sie bei 64,3 Jahren, 2014 bei 70,36 Jahren. Die höhere mĂ€nnliche Sterberate fĂŒhrt zu einem FrauenĂŒberschuss. 2010 gab es in Russland 10,7 Millionen mehr Frauen als MĂ€nner. Hauptursache: Ungesunde Lebensweise durch Alkohol, Rauchen sowie VerkehrsunfĂ€lle, Suizid und Mord. Als hĂ€ufigste Todesursache gelten mit 56,7 Prozent diverse Herzkrankheiten, sehr hĂ€ufig sind auch Krebserkrankungen. Die Zahlen von TodesfĂ€llen infolge Drogenkonsums, Tuberkulose und HIV sind seit dem Ende der Sowjetunion merklich gestiegen. 2015 war von einer jĂ€hrlichen Zunahme von 10 Prozent bei den HIV-Ansteckungen die Rede, vor allem durch Drogenkonsum. Der Leiter der Föderalen Zentrale fĂŒr die PrĂ€vention und Kontrolle von AIDS Wadim Pokrowski sprach Mitte 2015 von fĂŒnfzehn Regionen Russlands mit einer generalisierten Epidemie mit mehr als einem Prozent angesteckter Bevölkerung, Ă€hnlich wie in SĂŒdafrika. Laut Angaben zu Beginn der Welt-Aids-Konferenz 2018 nahmen die Neuinfektionen in Osteuropa und Zentralasien als einziger Weltregion zwischen 2010 und 2016 zu, zu 80 Prozent betreffe dies Russland, wo die Anzahl der Neuinfektionen 2017 laut UNAIDS doppelt so hoch lag wie 2005. Im Jahr 2019 zĂ€hlte die Verbraucherschutzbehörde knapp ĂŒber eine Million Infizierte und zirka 80 tĂ€gliche Neuansteckungen, so Wadim Pokrowski.

Die russische Regierung hat mehrere nationale Programme eingeleitet, die helfen sollen, die Geburtenrate zu steigern. Seit 2007 erhielten Eltern ab ihrem zweiten neugeborenen Kind eine einmalige staatliche Beihilfe (Mutterschaftskapital) in Höhe von fast 10.000 Euro (2012). So hatten sich die Geburtenzahlen in Russland von 1,48 Mio. (2006) auf 1,9 Mio. (2012) erhöht. 2018 erhielten Familien vergĂŒnstigte Hypotheken und ZuschĂŒsse teils schon ab dem ersten Kind; fĂŒr 3 Jahre wurden 9 Milliarden Dollar budgetiert. Im Februar 2019 erklĂ€rte PrĂ€sident Putin, sich nicht mit der sinkenden Geburtenrate abzufinden, und kĂŒndigte weitere Erleichterungen fĂŒr Familien mit Kindern an.

Der Anteil der Stadtbevölkerung blieb konstant bei 73 Prozent.

Zur Auswanderung neigten besonders höher Gebildete, teilweise wegen der herrschenden Rechtsunsicherheit. Auch infolge der demografiepolitischen Anstrengungen der Regierung verlangsamte sich dieser Trend zeitweise. Nach der Annexion der Krim 2014 verließen wĂ€hrend des folgenden Wirtschaftseinbruchs wieder deutlich mehr Hochqualifizierte das Land. Im FrĂŒhjahr 2018 beklagte der Chef der Russischen Akademie der Wissenschaften eine Zahl von 44.000 Auswanderern, welche der russischen Forschung fehlten.

Russland ist das zweitwichtigste Einwanderungsland der Welt. 2017 waren 8,1 % der Bevölkerung Migranten. Herkunftsregionen sind hierbei vor allem die Ă€rmeren, sĂŒdlichen ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens und des Kaukasus, aber in zunehmender Zahl auch Afrika und SĂŒdostasien. Die Mehrheit der Einwanderer stellen bisher jedoch die Nachkommen von Russen, die im Kaiserreich und der Sowjetzeit in anderen Teilrepubliken angesiedelt wurden und meist mit ihren Familien gemeinsam nach Russland zurĂŒckkehrten. Der Zustrom dĂ€mpfte sich nach der Annexion der Krim durch die Wirtschaftsflaute, aber auch durch Protektionismus und Nationalismus – im ersten Halbjahr 2017 glich die Immigration die Sterblichkeit nicht mehr aus.

Die Bevölkerung Russlands wird Ă€hnlich wie in anderen LĂ€ndern Europas in den nĂ€chsten Jahrzehnten voraussichtlich weiter abnehmen, die ILO erwartet bis 2050 einen RĂŒckgang auf 130 Millionen Einwohner. Unter Annahme einer Nettozuwanderung von jĂ€hrlich 300.000 Personen wĂ€re der RĂŒckgang nur schwach ausgeprĂ€gt. Bis 2012 stabilisierte sich die Lage etwas, die Einwohnerzahl stieg sogar leicht an und lag bei etwa 143,5 Millionen. FĂŒr die Zeit ab 2015 war aufgrund der geburtenschwachen JahrgĂ€nge der 1990er-Jahre eine Verschlechterung der demografischen Situation erwartet worden. Dieses leichte Bevölkerungswachstum schwenkte im weiteren Verlauf der 2010er Jahre wieder zu einer negativen demografischen Entwicklung um. 2020 umfasste der RĂŒckgang der russischen Bevölkerung laut Rosstat erstmals seit 2005 wieder mehr als 500.000 Menschen in einem Jahr. 2021 rechneten die russischen Behörden mit einem BevölkerungsrĂŒckgang von 1,2 Millionen Menschen bis 2024.

StÀdte

Schon ab 800 war die Kiewer Rus von vielen stĂ€dteĂ€hnlichen Siedlungen gekennzeichnet, weshalb die skandinavischen WarĂ€ger das Gebiet Gardarike („Reich der StĂ€dte“) nannten. Zu den Ă€ltesten erhaltenen StĂ€dten in diesem Bereich zĂ€hlen Nowgorod, Smolensk, Pskow, Rostow, Murom und Beloosero, die alle noch im ersten Jahrtausend nach Christus gegrĂŒndet wurden. Im 11. und 12. Jahrhundert wurden weitere StĂ€dte im Zentrum Russlands von slawischen Siedlern gegrĂŒndet. In dieser Zeit entstanden Moskau, Jaroslawl, Twer, Wladimir, Wologda, Kirow, Tula, Kursk, Kostroma, Rjasan und etwas spĂ€ter Nischni Nowgorod. Aufgrund der LandesgrĂ¶ĂŸe war eine Vielzahl großer StĂ€dte als StĂŒtzpunkte notwendig. Mit der Eroberung Kasans und Astrachans zur Mitte des 16. Jahrhunderts grĂŒndeten russische Kolonisten weitere StĂ€dte im Osten, SĂŒdosten und SĂŒden. Zahlreiche StĂ€dte wurden zunĂ€chst als Grenzfestungen gegrĂŒndet. Im SĂŒden waren dies StĂŒtzpunkte der Verhaulinie gegen die Krimtataren, wie Orjol (1566) und das heutige Woronesch (1586). Weiter östlich, an der Wolga entstanden in dieser Zeit weitere StĂ€dte wie Samara (1586), Zarizyn (1589) und Saratow (1590). In Sibirien entstanden nach dessen Eroberung zahlreiche Kosakenforts, sogenannte Ostrogs. Aus ihnen wuchsen spĂ€ter StĂ€dte wie Tobolsk, Irkutsk, Bratsk, Tomsk und Jakutsk heran. StĂ€dte im Ural- und Altai-Gebirge wie Perm (1723), Jekaterinburg (1723) oder Barnaul (1730) entstanden in der Epoche Peters des Großen im Zusammenhang mit den dort vorhandenen Erzen und kostbaren Mineralen. Mit dem Niedergang der Krimtataren und dem weiteren Vorstoßen Russlands in den Kaukasus entstanden im 18. Jahrhundert neue Festungen und StĂ€dte. 1784 wurden Stawropol und Wladikawkas gegrĂŒndet, 1793 Krasnodar, 1805 Nowotscherkassk, 1818 Grosny, 1844 Port Petrowsk.

Trotz der GrĂŒndungen behielten große TeilrĂ€ume ihren lĂ€ndlichen Charakter. Der Bauer gehörte einem Mir (Bauerngemeinde) an. StĂ€dte stellten außerhalb der Agglomerationen isolierte Erscheinungen dar und bildeten ein nur weitmaschiges Netz. Bis 1712 fungierte Moskau als Hauptstadt und wurde dann nach dem Willen Peters I. vom 1703 neugegrĂŒndeten Sankt Petersburg abgelöst, um 1918 wieder offiziell den Status der Hauptstadt anzunehmen. Im 19. Jahrhundert war sogar hĂ€ufig von den beiden HauptstĂ€dten die Rede. Die Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts brachte in allen Landesteilen einen bedeutenden Impuls fĂŒr die nachfolgende Urbanisierung. Sie fĂŒhrte zur Entstehung zahlreicher neuer StĂ€dte und zum raschen Wachstum alter StĂ€dte. Viele russische StĂ€dte entstanden als Folge einer administrativen Umstrukturierung mehrerer benachbarter Dorfsiedlungen zu einer Stadtsiedlung. NeugrĂŒndungen von StĂ€dten und Stadterhebungen sind bis heute ein Charakteristikum der russischen Urbanisierung.

Mehr als die HĂ€lfte aller russischen StĂ€dte sind erst in den letzten 90 Jahren, besonders in den 1960er-Jahren gegrĂŒndet worden. Deshalb gibt es unter den 160 russischen GroßstĂ€dten, in denen die HĂ€lfte der russischen Bevölkerung lebt, viele neue StĂ€dte (etwa ein Viertel). Die russischen GroßstĂ€dte sind in erster Linie Industrie- und Verwaltungszentren, besitzen aber auch andere hochrangige Funktionen. Beispiele neuer GroßstĂ€dte sind Magnitogorsk, Nowokusnezk oder Bratsk, zu den gewachsenen zĂ€hlen unter anderem Samara und Tambow.

Zu Zeiten der Sowjetunion wurde die stĂ€dtische Entwicklung zentral geplant und gesteuert. Es herrschte der Typus der Sozialistischen Stadt vor. Dazu zĂ€hlt beispielsweise die Herausbildung neuer Stadttypen, etwa der HauptstĂ€dte kleiner nationaler Republiken (u. a. Tscheboksary, Naltschik) oder der WissenschaftsstĂ€dte (z. B. Dubna). Die in der Sowjetzeit betriebene massive VerstĂ€dterungspolitik fĂŒhrte dazu, dass heute 73 Prozent der Bevölkerung in stĂ€dtischen Siedlungen leben. Aus den politischen und wirtschaftlichen UmbrĂŒchen im Russland der 1990er-Jahre gingen die StĂ€dte als eigenstĂ€ndige und selbstverantwortliche kommunale Einheiten hervor. Dazu erhielten sie lokale und regionale Steuerungsinstanzen. Mit den neuen Staatsgrenzen brachen aber auch stark arbeitsteilig organisierte, spezialisierte Produktions- und DistributionsablĂ€ufe zusammen. Viele StĂ€dte waren plötzlich von den bisherigen Netzwerken abgeschnitten. Ehemals zentral gelegene StĂ€dte stellten plötzlich GrenzstĂ€dte dar und waren geopolitisch peripher gelegen. Dadurch verĂ€nderten sich grundlegend die funktionale Struktur und die wirtschaftliche Entwicklungsbasis der russischen StĂ€dte und fĂŒhrte zu Verschiebungen im StĂ€dtesystem Russlands, mit Auf- und Absteigern. Zu den Gewinnern der Transformation gehören bisher vor allem die Metropolen, allen voran Moskau. Weil Kapital zur Gewinnung und zum Transport von Rohstoffen unter extremen Bedingungen fehlte, gerieten viele BergbaustĂ€dte des Nordens in eine Überlebenskrise.

Die zehn grĂ¶ĂŸten StĂ€dte Russlands (ehemalige Namen aus sowjetischer Zeit in Klammern):

  1. Moskau – Zentralrussland (12,23 Mio. Einwohner)
  2. Sankt Petersburg (Leningrad) – Nordwestrussland (5,28 Mio. Einwohner)
  3. Nowosibirsk – Sibirien (1,60 Mio. Einwohner)
  4. Jekaterinburg (Swerdlowsk) – Ural (1,46 Mio. Einwohner)
  5. Nischni Nowgorod (Gorki) – Wolga (1,26 Mio. Einwohner)
  6. Kasan – Wolga (1,23 Mio. Einwohner)
  7. Tscheljabinsk – Ural (1,20 Mio. Einwohner)
  8. Omsk – Sibirien (1,18 Mio. Einwohner)
  9. Samara (Kuibyschew) – Wolga (1,17 Mio. Einwohner)
  10. Rostow am Don – SĂŒdrussland (1,13 Mio. Einwohner)

FĂŒr weitere StĂ€dte siehe Liste der StĂ€dte in Russland.

Völker

Streng genommen wĂŒrde Rossijskaja Federazija wörtlich ĂŒbersetzt „RusslĂ€ndische Föderation“ (von Rossija „Russland“) und nicht „Russische Föderation“ heißen. Man hat bewusst nicht Russkaja Federazija („Russische Föderation“) als Staatsbezeichnung gewĂ€hlt, um auch die nichtrussischen NationalitĂ€ten mit einzubeziehen. Ist von dem russischen Volk oder der russischsprachigen Kultur die Rede, spricht man daher im Russischen von russkij (russisch), fĂŒr den russischen Staat hingegen verwendet man das Adjektiv rossijskij (russlĂ€ndisch). Trotzdem wird im Deutschen in beiden FĂ€llen zumeist das Adjektiv „russisch“ verwendet. Der Gebrauch des Wortes „russlĂ€ndisch“ beschrĂ€nkt sich weitgehend auf Fachpublikationen. Auch die amtliche Übersetzung der Verfassung Russlands verwendet diese Variante.

Die Russische Föderation begreift sich auch heute noch als Vielvölkerstaat. Die grĂ¶ĂŸte Gruppe sind die Russen, die mit 79,8 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung stellen, doch leben nahezu 100 weitere Völker auf dem Gebiet des Landes. Trotz der HeterogenitĂ€t ist die russische Bevölkerung in allen stĂ€dtischen und industriell geprĂ€gten RĂ€umen landesweit dominant und die Titularnationen bilden auch in ihren „eigenen“ Territorien hĂ€ufig die Minderheit. So zĂ€hlen nur 23 Völker bzw. Titularnationen mehr als 400.000 Personen. Der Grad der ethnischen Identifikation variiert.

GrĂ¶ĂŸere Minderheiten sind die Tataren (4,0 Prozent), die Ukrainer (2,2 Prozent), die Armenier (1,9 Prozent), die Tschuwaschen (1,5 Prozent), die Baschkiren (1,4 Prozent), die Deutschen (0,8 Prozent) und andere. Zu den kleineren Minderheiten zĂ€hlen beispielsweise die Mescheten und verschiedene Minderheiten jĂŒdischen Glaubens. Die nichtrussischen Minderheiten sprechen ĂŒberwiegend Sprachen aus dem Kreis der Turksprachen, kaukasische Sprachen, uralische Sprachen (samojedische Sprachen), altaische oder palĂ€osibirische Sprachen. FĂŒr viele nichtrussische Völker wurden Republiken mit weitgehender Autonomie errichtet. WĂ€hrend manche Minderheiten, wie etwa Armenier, Koreaner und Deutsche, auf die verschiedensten Regionen Russlands verteilt sind, gibt es auch im europĂ€ischem Russland mehrere indigene Völker. Groß ist die Zahl der NationalitĂ€ten im Kaukasusgebiet, das erst im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts zu Russland kam.


Sprachen

Russisch ist die einzige ĂŒberall geltende Amtssprache, parallel dazu wird in den einzelnen autonomen Republiken jedoch hĂ€ufig die jeweilige Volkssprache als zweite Amtssprache verwendet. Die Verwendung dieser Sprachen wird im Unterricht, in den Massenmedien und in der Kulturpolitik gefördert. Die Regierungen und Parlamente der Republiken betrachten dies als unabdingbare Voraussetzung, um ein Aussterben von Volksgruppen zu verhindern. Allerdings nimmt die Beherrschung der indigenen Muttersprache unter den betroffenen Volksgruppen ab.

Das kyrillische Alphabet ist die mit der Ausnahme Tatarstans einzige offizielle Schrift, und es besteht die Richtlinie, dass alle jeweiligen Sprachen kyrillisch zu schreiben sind. Tatarisch wurde als einzige Ausnahme ab 2001 gegen den Widerstand der in Tatarstan ansĂ€ssigen russischsprachigen Bevölkerung ausschließlich in lateinischer Schrift geschrieben. Diese Praxis verbot das russische Verfassungsgericht jedoch im November 2004 mit der BegrĂŒndung, dass fĂŒr die Einigkeit Russlands eine einheitliche Schrift notwendig sei.

Religionen

Nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem damit verbundenen Verschwinden der atheistischen Staatsideologie des Marxismus-Leninismus fand eine RĂŒckbesinnung auf religiöse Werte statt. Die in Russland am weitesten verbreiteten Religionen sind das Christentum – vor allem der russisch-orthodoxe Glaube – sowie der Islam (→ Islam in Russland). Vertreten sind darĂŒber hinaus zahlreiche andere Konfessionen wie der römisch-katholische Glauben, der Protestantismus, das Judentum, der Buddhismus sowie traditionelle Glaubensrichtungen einiger Volksgruppen. Etwa ein Drittel der Bevölkerung bezeichnet sich als Atheisten oder Konfessionslose.

Was die Zugehörigkeit zu einzelnen Religionsgruppen angeht, gibt es keine zuverlĂ€ssigen Zahlen, da die Mitglieder von Kirchen und Gemeinden in Russland nicht registriert werden und keine Kirchensteuer erhoben wird. Umfragen weichen oft erheblich voneinander ab. So hat die Stiftung fĂŒr öffentliche Meinung (FOM) 2012 nur noch 41 Prozent Orthodoxe festgestellt, gegenĂŒber 13 Prozent Atheisten und nur 6,5 Prozent Muslimen. Weitere 25 Prozent aber bezeichneten sich als Agnostiker bzw. gaben an, an eine höhere gottĂ€hnliche Macht zu glauben. Das Gesamtrussische Zentrum fĂŒr Meinungsforschung (VCIOM) ging hingegen 2010 von 75 Prozent Orthodoxen und nur 8 Prozent Atheisten aus, seine Zahlen werden auch von der Russischen Botschaft in Deutschland zitiert.

Abweichend von den genannten Umfragen wird der Anteil der Orthodoxen meist zwischen 51 und 72 Prozent angegeben, die der anderen Christen mit zusammen kaum 2 Prozent, die der Buddhisten mit knapp 1 Prozent und die der Juden mit etwa 0,35 Prozent. Der Fischer Weltalmanach und der Religious Freedom Report des US-Außenministeriums geben 14 Prozent Muslime an.

Das CIA World Factbook ging 2006 von folgenden groben SchĂ€tzungen fĂŒr praktizierende GlĂ€ubige aus, also von solchen, die ihren Glauben aktiv ausĂŒben: 15 bis 20 Prozent Russisch-Orthodoxe, 10 bis 15 Prozent Muslime, 2 Prozent andere christliche Konfessionen.

Russisch-Orthodoxe Kirche

Der russisch-orthodoxe Glaube reicht bis ins frĂŒhe Mittelalter zurĂŒck. Die engen Kontakte zu dieser Glaubensrichtung resultierten aus dem hauptsĂ€chlich auf Konstantinopel ausgerichteten Handel und den damit engen Kontakten mit Byzanz. Die FĂŒrstin Olga von Kiew (893–924) ließ sich als erste Herrscherin aus der rurikidischen Dynastie taufen, konnte den christlichen Glauben im Reich aber nicht durchsetzen. Nach der Belagerung von Konstantinopel (860) kamen ab 911 verstĂ€rkt orthodoxe Missionare ins Land, angeblich sollen bereits WarĂ€ger und Russen, die am Angriff von 860 teilgenommen hatten, getauft zurĂŒckgekehrt sein. Unter Olgas Enkel, Wladimir dem Heiligen, begann 988/989 die Christianisierung der Rus, wobei die Kiewer Bevölkerung in Massentaufen bekehrt wurde. Nach Wladimirs Tod 1015 wurden die bisher heidnischen Völker noch jahrzehntelang weiter christianisiert. Byzanz betrieb zu dieser Zeit seine Kirchenpolitik im bewussten Gegensatz zu Rom und vermittelte den Ostslawen bei ihrer Bekehrung antirömische Tendenzen. Die Kirche Kiews wurde als Teilkirche des Patriarchates von Konstantinopel zunĂ€chst von Exarchen verwaltet, was keine Auswirkungen auf die politische SelbstĂ€ndigkeit der Kiewer GroßfĂŒrsten hatte. Die Orthodoxe Kirche und ihre Werte bilden bis heute eine tragende gesellschaftliche SĂ€ule des russischen Reiches.

Nach der Vernichtung der Kiewer Rus im Mongolensturm und unter der nachfolgenden Goldenen Horde ĂŒbersiedelte der Kiewer Metropolit im 14. Jahrhundert zunĂ€chst nach Wladimir, dann 1328 nach Moskau. Im 15. Jahrhundert löste sich die Russisch-Orthodoxe Kirche endgĂŒltig vom griechisch-orthodoxen Patriarchat in Konstantinopel, nachdem sich dieses infolge des politischen Niedergangs von Byzanz zu ZugestĂ€ndnissen an den Papst bereit erklĂ€rt hatte. Die Konzeption von Moskau als Drittem Rom, das als einziges den „wahren christlichen Glauben“ aufrecht erhalte, war geboren. 1589 wurde ein eigenes Patriarchat gegrĂŒndet. Peter I. hob dieses auf und setzte 1721 stattdessen an die Spitze der Kirche den Heiligsten regierenden Synod, der 1918 in Sowjetrussland abgeschafft wurde. Die Sowjets stellten zunĂ€chst das Patriarchat wieder her, ehe 1988 ein Heiliger Synod der Russisch-Orthodoxen Kirche wiedererrichtet wurde.

Im Russland vor 1917 durften AnhĂ€nger der Russisch-Orthodoxen Kirche nicht zu einer anderen Konfession, auch wenn sie christlich war, ĂŒbertreten und durften keine „Nichtchristen“ heiraten. Dieser Kirche war es als einziger Religion erlaubt, zu missionieren; Kinder aus „gemischten“ Ehen mit Nicht-Orthodoxen galten als orthodox. Erst mit der Revolution von 1905 wurden die Gesetze gelockert. Nach der HerrschaftsĂŒbernahme der Kommunisten wurden hauptsĂ€chlich Mitglieder dieser Kirche unterdrĂŒckt, da sie als Symbol der Autokratie galt. Zwischen 1918 und 1939 wurden ca. 40.000 orthodoxe Geistliche hingerichtet. Die 77.800 Gemeinden von 1917 wurden bis 1941 auf etwa 3100 reduziert.

Heute erlebt die Russisch-Orthodoxe Kirche eine Wiederbelebung, insbesondere in lĂ€ndlichen Gebieten. Viele Klöster wurden gegrĂŒndet oder wiedererrichtet. Die Kirche zĂ€hlt gegenwĂ€rtig etwa 100 Millionen Mitglieder, von denen jedoch nur fĂŒnf bis zehn Prozent regelmĂ€ĂŸige Gottesdienstbesucher sind. Religionsunterricht an Schulen wurde 2006 wieder eingefĂŒhrt. Die Russisch-Orthodoxe Kirche sieht sich als Vertreter der Interessen des Volkes, ohne im Gegensatz zur Regierung zu stehen. Der Staat selbst hingegen sieht die Kirche als Garant fĂŒr den Zusammenhalt der Gesellschaft. Die Mehrheit der Bevölkerung vertraut der Kirche und sieht in ihr eine Institution, die Werte vermittelt und den inneren Zusammenhalt in der Gesellschaft stĂ€rkt.

Daneben haben sich im Verlauf der Geschichte Abspaltungen vom orthodoxen Glauben vollzogen. Die Ă€lteste Abspaltung sind die Altorthodoxen oder AltglĂ€ubigen. Weitere aus der Orthodoxie hervorgegangene Glaubensrichtungen sind die Molokanen. Aus ihnen gingen wiederum die Duchoborzen hervor. Beide Religionsgemeinschaften lehnen Reichtum ab, versuchen ein Leben in Bescheidenheit zu fĂŒhren und suchen nach einer wahrhaft biblischen Gemeinschaft. Von einigen Leibeigenen wurde die Gemeinschaft der Subbotniki gegrĂŒndet. Diese berufen sich in erster Linie auf das Alte Testament. Viele dieser Sekten oder Gruppierungen waren im Zarenreich willkĂŒrlichen Verfolgungen ausgesetzt.

Andere christliche Konfessionen

In Russland gibt es neben der russisch-orthodoxen Ausrichtung weitere christliche Konfessionen:

  • Die Römisch-katholische Kirche in Russland war durch die byzantinischen EinflĂŒsse unbeliebt. So dauerte es bis 1705, bis Peter I. erstmals den Bau einer römisch-katholischen Kirche erlaubte. Die Katholiken waren sehr strengen staatlichen Kontrollen unterstellt. KĂŒmmerten sich die Bolschewiki in erster Linie nach der Oktoberrevolution um die Kontrolle der orthodoxen Kirche, wurden die Katholiken spĂ€ter wieder stĂ€rker beobachtet. Bis 1930 waren alle Strukturen der Kirche aufgelöst. Nach 1945 gab es im russischen Teil der Sowjetunion nur 20 Gemeinden, denen es untersagt war, Verbindungen untereinander aufzubauen. Heute existieren ungefĂ€hr 200 katholische Gemeinden mit etwa 400.000–800.000 Mitgliedern in Russland. Die Kathedrale der Unbefleckten EmpfĂ€ngnis (Moskau) wurde restauriert und wieder ihrer Bestimmung zugefĂŒhrt. Seit 2010 gibt es wieder einen Apostolischen Nuntius in Moskau.
  • Die evangelische Kirche in Russland war frĂŒher fast nur unter den Russlanddeutschen und in ihren Kolonien verbreitet. Erst nach der Revolution von 1905 wurden auch fĂŒr Russen und Ukrainer andere Konfessionen legalisiert. Jedoch gab es auch durch die russlanddeutschen Adventisten und Baptisten erfolgreiche Missionierungsversuche unter der einheimischen Bevölkerung vor der Lockerung der Religionsgesetze. Der Protestantismus erlebte in den 1920er-Jahren trotz des Atheismus der Regierung der Sowjetunion eine BlĂŒtezeit (insbesondere die Baptisten, Siebenten-Tags-Adventisten und die Pfingstler). Jedoch wurden die Baptisten, Evangeliums-Christen und die Pfingstler zu zentralistischen Ordnungen gezwungen, um sie besser kontrollieren zu können. Mit den Siebenten-Tags-Adventisten und den Mennoniten geschah dasselbe im Jahr 1963. In der Zeit des Stalinismus wurden viele evangelische Christen aller Strömungen hingerichtet und verfolgt.
  • Wie den meisten Konfessionen war es auch der Neuapostolischen Kirche (NAK) unmöglich vor dem Fall der Berliner Mauer (1989) und des eisernen Vorhangs in Russland zu missionieren. Seitdem wĂ€chst die Zahl der neuapostolischen Christen in Russland stetig. WĂ€hrend es um die Jahrtausendwende 23.500 waren, zĂ€hlt die Neuapostolische Kirche heute beinahe 40.000 GlĂ€ubige. Auch ist sie seit Beginn der 1990er-Jahre staatlich anerkannt.
  • Mit Stand vom April 2017 gibt es etwa 170.000 aktive Zeugen Jehovas in Russland. In der Sowjetunion wurden insbesondere vom Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bis 1965 viele Zeugen Jehovas inhaftiert und nach Sibirien deportiert (siehe Operation Nord). Seit einigen Jahren fĂŒhrte der russische Staat insgesamt sieben Verbotsklagen gegen die Zeugen Jehovas. Der EuropĂ€ische Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte verurteilte Russland mehrfach zu Schadenersatzzahlungen wegen seines Vorgehens gegen die Religionsgruppe. Am 20. April 2017 wurde die Gemeinschaft von Russlands oberstem Gericht als extremistische Organisation eingestuft und verboten. Der Besitz aller RegionalverbĂ€nde wurde beschlagnahmt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte die Gerichtsentscheidung.

Islam

Der Islam in Russland ist im Nordkaukasus schon seit dem 7. Jahrhundert verbreitet und damit auf dem heutigen russischen Staatsgebiet Ă€lter als die erste russische StaatsgrĂŒndung und die Christianisierung des Landes. Im Jahr 922 traten auch die Wolgabulgaren zum Islam ĂŒber und gaben ihn im 13. Jahrhundert an die Tataren weiter. Die einheimischen Völker des Kaukasus und die Turkvölker sind zumeist sunnitische GlĂ€ubige. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts waren im Russischen Reich 11,1 Prozent der Gesamtbevölkerung muslimischer Herkunft. Im heutigen Russland ist der Anteil der Muslime mit rund 14 Prozent etwa ebenso groß wie einst in der Sowjetunion. Von 1990 bis 1994 bestand in Russland die „Islamische Partei der Wiedergeburt“. Daneben gibt es auch eine „Islamische Partei der Wiedergeburt Tadschikistans“ sowie zahlreiche weitere Organisationen und Abspaltungen. Zentren des Islam in Russland sind heute neben Kasan und Moskau auch Ufa und Dagestan. Die zunehmende Bedeutung des Islam im Kaukasus gehe gemĂ€ĂŸ Recherchen der Nowaja Gaseta im 2018 einher mit dem Vertrauensverlust in den Staat.

Judentum

Die Geschichte der Juden in Russland lĂ€sst sich seit dem 4. Jahrhundert nachweisen, als Juden aus Armenien und von der Krim sich auch in Tmutarakan niederließen. Im spĂ€ten 8. oder frĂŒhen 9. Jahrhundert konvertierte ein Großteil der Chasaren zum Judentum. Nach der Vernichtung des Chasaren-Reiches durch Swjatoslaw I. (969) beschrĂ€nkte sich das Judentum im Wesentlichen auf Kiew, die Krim und den Kaukasus. Im GroßfĂŒrstentum Moskau wurden Juden 1471 das erste Mal erwĂ€hnt. Bis zur Zeit Iwans des Schrecklichen (1533–1584) wurden Juden bis auf einige gegen sie gerichtete Gesetze toleriert. Ab 1721 wurden sie aus dem Russischen Kaiserreich ausgewiesen, bis dies durch die Eingliederung der östlichen Teile Polens (1793 und 1795) unmöglich wurde. Die Juden mussten ab 1791 innerhalb des Ansiedlungsrayons leben, die sich auf dem heutigen Gebiet der Ukraine, Belarus’ und des Baltikums befand.

Im 19. Jahrhundert unterstĂŒtzten fĂŒhrende Beamte wie Konstantin Pobedonoszew antisemitische Strömungen in der Bevölkerung. So kam es im sĂŒdlichen Russland 1881 zu vielen Pogromen, nachdem den Juden fĂ€lschlich der Anschlag auf Alexander II. unterstellt wurde. Die Maigesetze von 1882 vertrieben die Juden selbst im Ansiedlungsrayon aus den lĂ€ndlichen Gebieten; mit Quoten begrenzte man die Anzahl der Juden, die zu höherer Bildung zugelassen wurden, auf drei bis zehn Prozent. Zwischen 1880 und 1920 flohen mehr als zwei Millionen Juden aus Russland, besonders nach Amerika. 1903 brachen neue Pogrome aus, die sich in der Russischen Revolution nochmals verstĂ€rkten und zu zwischen 70.000 und 250.000 Opfern in der jĂŒdischen Zivilbevölkerung fĂŒhrten. WĂ€hrend des Stalinismus wurde in Russisch-Fernost die JĂŒdische Autonome Oblast mit dem Hauptort Birobidschan gegrĂŒndet, wo sich nur wenige Juden ansiedelten. Im Vergleich zu den Jahrzehnten davor, gibt es heute nur noch wenige Juden, da viele von ihnen nach Deutschland oder nach Amerika, die meisten aber nach Israel ausgewandert sind. Heute gibt es in Russland 87 Synagogen, die meisten davon in Sankt Petersburg und in Moskau, darunter die Moskauer Gedenksynagoge. Die Juden im europĂ€ischen Russland sind meist Aschkenasim, östlich davon leben daneben auch einige Bergjuden und Bucharische Juden, die zu den Mizrachim gezĂ€hlt werden.

Buddhismus

In Russland ist auch die tibetische Form des Buddhismus verbreitet, wobei er sich ursprĂŒnglich auf die asiatischen Völker (KalmĂŒcken, Tuwiner) beschrĂ€nkte. Ebenso wie Geistliche und AnhĂ€nger praktisch aller anderen Religionen wurden in der Sowjetunion wĂ€hrend der kommunistischen Herrschaft auch buddhistische Mönche verfolgt und unterdrĂŒckt. Seit der politischen Wende in Russland und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion verzeichnen die buddhistischen Gemeinschaften hingegen wieder Mitgliederzuwachs unter den Angehörigen der traditionell buddhistischen Völker, aber auch seitens der Russen und anderen NationalitĂ€ten.

Schamanismus

Der Schamanismus ist unter der indigenen Bevölkerung in Sibirien wieder weit verbreitet; insbesondere bei den kleinen Völkern des russischen Nordens. Zwar sind heute die meisten Bewohner Sibiriens Christen, dennoch sehen sie es nicht als Widerspruch, die Rituale ihrer Vorfahren zu praktizieren.

Gesellschaft und MentalitÀt

Die Sowjetunion war ein ausgesprochener Vielvölkerstaat, und auch im heutigen Russland treffen sich viele unterschiedliche MentalitĂ€ten. Die Verschmelzung dieser Völker und Konfessionen sowie EinflĂŒsse westlicher wie östlicher PrĂ€gungen schufen aber auch markante Eigenarten, die sich im Stereotyp der russischen Seele manifestieren. Dieser Begriff prĂ€gt bis heute das Russlandbild; im westlichen Ausland diente der Begriff Russophilen und Kritikern der westlichen Lebensweise als Projektion zu der als gefĂŒhlskalt empfundenen eigenen Zivilisation. Die „russische Seele“ wird als ein Hang zu extremen GegensĂ€tzen beschrieben, der sich aus der geschichtlichen Entwicklung der russischen Volkskultur ergeben hat. Diese Extreme Ă€ußern sich z. B. in dem Streben nach dem absolut Äußersten, verbunden mit der Bereitschaft zu einer plötzlichen RichtungsĂ€nderung; dazu kommen eine ausgeprĂ€gte Schicksalsergebenheit, ein Hang zur Geduld, Neigung zum Aberglauben, LeidensfĂ€higkeit oder auch eine sehr starke Heimatverbundenheit. Die bereits erwĂ€hnte Alles-oder-nichts-MentalitĂ€t kennt keinen Kompromiss oder goldene Mitte. Bekannt ist auch die Offenheit von GefĂŒhlsĂ€ußerungen, positiven wie negativen, denen im Vergleich mit rationalen ErwĂ€gungen hĂ€ufig mehr Gewicht zugemessen wird, was westliche AuslĂ€nder oft irritiert. Wichtig ist zudem weiterhin ein starkes SolidaritĂ€ts- und GemeinschaftsgefĂŒhl.

Die russische Gesellschaft ist traditionell kollektivistisch geprĂ€gt, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe sehr wichtig. Dieses Wertesystem beruht ursprĂŒnglich auf der Lebensweise der bĂ€uerlichen Dorfgemeinschaft, dem Mir. Da auch Grund und Boden lange Zeit Gemeingut waren, definiert man sich in Russland seit jeher ĂŒber die Gemeinschaft und achtet auf die Stimmigkeit von eigenem Verhalten und eigener MeinungsĂ€ußerung mit denen des Kollektivs.

Die Familie ist fĂŒr viele Russen eine wichtige Bezugsgruppe, besonders auf dem Land lebt man in jeder Beziehung eng zusammen. Dort wohnen oft mehrere Generationen in einer Wohnung oder in einem Haus. Die traditionelle Familie unterstĂŒtzt sich finanziell und hilft einander bei der Kinderbetreuung und Seniorenpflege. Die Kollektivorientierung zeigt sich bisweilen auch heute noch im Berufsalltag. Das Kollegium wird als Gemeinschaft erlebt und es ist sehr wichtig, diese Gruppenorientierung zu stĂ€rken. Vetternwirtschaft (Nepotismus) bei der Stellen- oder Auftragsvergabe ist dabei eine Nebenwirkung.

Seit der Auflösung der Sowjetunion orientieren sich nun aber insbesondere gebildete Bevölkerungsschichten in den GroßstĂ€dten, die von der neu gewonnenen Reisefreiheit profitieren können, an Prinzipien des Individualismus, was inzwischen ein massives innergesellschaftliches SpannungsverhĂ€ltnis zur Folge hat und zu einem zentralen Thema in zeitgenössischer Literatur und Filmschaffen geworden ist. Bildungsnahe, ehrgeizige und kritische Menschen suchten nach dem markanten Bruch mit der westlichen Welt 2014 vermehrt Lebensmöglichkeiten im Ausland; die Duma diskutierte 2015 gar ein Verbot von Fremdsprachenunterricht, weil dieser die Abwanderung fördere.

Gesundheitswesen

Artikel 41 der Verfassung Russlands garantiert allen BĂŒrgern das Recht auf kostenlose medizinische Grundversorgung. Dieser seit Sowjetzeiten bestehende Grundsatz ist zum Teil die Ursache dafĂŒr, dass Russland im internationalen Vergleich eine vergleichsweise hohe Anzahl Ärzte und KrankenhĂ€user pro Kopf der Bevölkerung aufweist. Dennoch ist der gesundheitliche Zustand der russischen Bevölkerung schlecht. Gerade beim wirtschaftlichen Niedergang der 1990er Jahre in Russland wurde das Gesundheitswesen stark getroffen. Infolge Ă€ußerst niedriger Entlohnungen der Ärzte und Krankenschwestern wurde die medizinische Versorgung der breiten Öffentlichkeit massiv verschlechtert. So ist inzwischen jede dritte Klinik der 7000 KrankenhĂ€user im Land dringend renovierungsbedĂŒrftig. Schrittweise werden in letzter Zeit die GehĂ€lter fĂŒr das medizinische Personal angehoben sowie staatliche Mittel in die Einrichtung neuer und Modernisierung bestehender Kliniken investiert. Zwischen 1999 und 2003 betrugen die Gesamtausgaben fĂŒr den Gesundheitssektor in Russland im VerhĂ€ltnis zum BIP durchschnittlich 5,70 Prozent.

In Russland ist der Gesundheitssektor dezentral organisiert. Das Gesundheitsministerium ist auf föderaler Ebene fĂŒr den gesamten Sektor zustĂ€ndig. Konkrete medizinische Leistungen (inklusive die Bereitstellung von KrankenhĂ€usern) obliegen aber den Föderationssubjekten und Gemeinden, die rund zwei Drittel der gesamten Budgetausgaben bestreiten. Das russische Gesundheitssystem wird durch einen Mix aus Budgetmitteln und Mitteln aus der Sozialversicherung finanziert. Auf die Verschlechterung der Beziehungen zum Westen folgten ab 2015 ZulassungsbeschrĂ€nkungen fĂŒr medizinische GerĂ€te aus dem Ausland.

Armut

Nach dem Zerfall der UdSSR stieg die Armut bis 1999 auf ĂŒber 40 % Bevölkerungsanteil und sank danach spĂŒrbar. 2002 betrug der Anteil 19,6 % und reduzierte sich bis 2011 auf 12,8 % der Bevölkerung oder 18 Millionen Russen. Offiziell lag dabei das Existenzminimum bei 170 Euro fĂŒr einen Menschen im arbeitsfĂ€higen Alter; bei Kindern liegt der Wert unwesentlich niedriger, bei Rentnern betrĂ€gt er 125 Euro. Der Lebensstandard verbesserte sich regional sehr unterschiedlich. WĂ€hrend besonders in Moskau und St. Petersburg einige Viertel in neuem Glanz zu erstrahlen begannen, war in Regionen die Armut nach wie vor groß. In Tschetschenien und Dagestan lebten mehr als die HĂ€lfte der Menschen in Armut; weitere arme Regionen sind Inguschetien, Tuwa und Kabardino-Balkarien, Mari El, KalmĂŒckien, Burjatien und Altai und Mordwinien. 2011 betrug der Durchschnittslohn 576 € pro Monat. Die großen Einkommensdifferenzen konnten ab 2005 verringert werden, insbesondere die mittlere Einkommensschicht nahm prozentual erheblich zu. Die Renten lagen 2010 das erste Mal seit vielen Jahren ĂŒber dem Existenzminimum und sollten gemĂ€ĂŸ Prognosen bis 2014 auf 268 Euro steigen. 2012 zĂ€hlte etwa die HĂ€lfte der Bevölkerung zu der einkommensschwachen Schicht, die zentrale soziale BedĂŒrfnisse wie Wohnraum oder zusĂ€tzliche Ausbildung nicht finanzieren kann. TatsĂ€chlich betrug im Jahr 2014 die durchschnittliche Rente 10.000 Rubel, was 160 Euro entsprach. Renten und GehĂ€lter mussten eingefroren werden. Seit 2014 wurden Gelder der zweiten, kapitalgedeckten SĂ€ule der Altersvorsorge zur Deckung des Finanzbedarfs herangezogen.

Die Verringerung der Armut zĂ€hlte im FrĂŒhjahr 2019 zu einem der FĂŒnfjahresziele des PrĂ€sidenten Putin: Fast 19 Millionen Russen galten als arm, das entsprach 12,9 % der Bevölkerung.

Die Àrmeren Bevölkerungsschichten litten bis 2009 unter zweistellig steigenden Verbraucherpreisen, die sich bis 2012 wieder verringerten. Von 2014 bis 2019 verringerte sich das Realeinkommen.

Die Arbeitslosenquote hatte mit der Überwindung der Finanzkrise 2008 zu sinken begonnen. In Wachstumsregionen wie Moskau, Kaluga und St. Petersburg tendierte die Erwerbslosigkeit gegen Null. Die Arbeitslosigkeit betrug nach Berechnung nach Standards der Internationalen Arbeitsorganisation 2005 7,1 %, 2010 7,6 % und 2011 6,6 %. Bis 2014 sank sie auf 5,2 % und begann wieder zu steigen. Das Arbeitslosengeld betrug zwischen 60 und 70 Euro im Monat. Die Arbeitslosigkeit ist aber aufgrund einer Besonderheit des russischen Arbeitsrechts ein problematischer Indikator fĂŒr die Konjunkturlage: Betriebsbedingte KĂŒndigungen sind in Russland zumeist unzulĂ€ssig, stattdessen dĂŒrfen Arbeitgeber einseitig Arbeitsentgelte reduzieren. Daher verbleiben russische Arbeitnehmer auch bei Auftragsmangel lieber in ihrem Betrieb und nehmen hohe Lohneinbussen in Kauf, anstatt die mit 20 bis 110 Euro im Jahr 2019 eher symbolische ArbeitslosenunterstĂŒtzung in Anspruch zu nehmen.

Im Human Development Index der Vereinten Nationen stand Russland 2016 mit 0,8 (von 1) auf Platz 49, der Gini-Koeffizient lag bei 37,7.

Umweltschutz

Zur Zeit der Sowjetunion wurde die russische Natur schwer belastet: von FabrikabfĂ€llen vermĂŒllt, chemisch und radioaktiv verunreinigt. Auch heute gibt es ernsthafte Umweltprobleme in Russland – aber auch ein wachsendes Umweltbewusstsein in der Bevölkerung. Das Recht des BĂŒrgers auf gesunde Umwelt und auf verlĂ€ssliche Informationen ĂŒber ihren Zustand ist im Artikel 42 der russischen Verfassung verankert. Allerdings hat der Umweltschutz in der russischen Politik eine vergleichsweise niedrige PrioritĂ€t, was von internationalen Umweltorganisationen wie WWF oder Greenpeace immer wieder kritisiert wird. So wurden in der Vergangenheit oft gĂ€ngige Umweltstandards bei der Erschließung neuer Erdöl- oder Erdgasvorkommen nur unzureichend eingehalten. Ein bekanntes Beispiel der jĂŒngsten Zeit ist die Erschließung der Fördergebiete Sachalin II, bei der in höherem Maße gegen Umweltauflagen verstoßen worden sein soll. Hinzu kommt eine verbreitete Korruption innerhalb staatlicher Umweltbehörden, die mehrfache VerstĂ¶ĂŸe gegen Umweltauflagen beim Bau von HĂ€usern oder massenhaften illegalen Holzeinschlag ermöglicht. Auch eine Vielzahl von Altlasten aus den Sowjetzeiten, darunter marode Fabriken, die die heutigen Umweltstandards nicht einhalten können, belasten die Umwelt in Teilen des Landes erheblich. Einige StĂ€dte mit solchen Fabriken, wie Norilsk oder Dserschinsk, gelten als ökologisches Notstandsgebiet.

Je stĂ€rker die LebensqualitĂ€t steigen wird, um so wichtiger und dringlicher werden in Zukunft Umweltfragen in Russlands Öffentlichkeit und Politik diskutiert. Seit 2004 werden vereinzelte BemĂŒhungen der russischen Staatsmacht zum Vorantreiben des Umwelt- und Klimaschutzes sichtbar. So wurde in Russland die Ratifizierung des Kyoto-Abkommens am 5. November 2004 mit der Zustimmung des PrĂ€sidenten zum Beschluss der Staatsduma abgeschlossen. Am 30. Januar 2008 Ă€ußerte sich der designierte PrĂ€sident Dmitri Medwedew fĂŒr eine schnelle Entwicklung des einheimischen Marktes fĂŒr Innovationstechnik im Umweltschutz. Inzwischen gibt es PlĂ€ne der Regierung, die Energieeffizienz in Russland zu steigern, um den erheblichen Verlust an WĂ€rmeenergie fĂŒr den Wohnungssektor zu begrenzen.

Geschichte

Russlands Geschichte erlebte seit ihrem Beginn im 9. Jahrhundert vielfĂ€ltige BrĂŒche. So ist die russische Geschichte eine Eigenentwicklung, die sich von der Entwicklung seiner Nachbarn in Europa deutlich unterscheidet. UrsĂ€chlich dafĂŒr ist ein stĂ€ndiges In- und Gegeneinanderspiel typisch russischer Merkmale aus sozialen Begebenheiten und geographischen EinflĂŒssen, die seine Geschichte auf weiten Strecken begleiteten. So gab die erdrĂ€umliche Lage Russland eine BrĂŒckenstellung zwischen Europa und Asien, die je nach KrĂ€ftelage die Aggression fremder MĂ€chte (grĂ¶ĂŸere EinfĂ€lle u. a. 1240, 1242, 1609, 1709, 1812, 1917, 1941) oder die eigene Expansion begĂŒnstigte. Dazu trug das Fehlen von natĂŒrlichen Grenzen bei, was Russland im Wechselspiel mit der Erfahrung fremder EinfĂ€lle dazu veranlasste, die Grenzen so weit auszudehnen, bis natĂŒrliche Grenzen einen wirksamen Schutz bilden konnten (vgl. Russische Kolonisation). Dieses starke, aus historischen EinfĂ€llen resultierende SicherheitsbedĂŒrfnis Russlands setzt sich bis heute fort.

Die Spannung zwischen wirtschaftlichen Notwendigkeiten und der BewÀltigung bzw. NichtbewÀltigung durch die jeweils herrschenden Gruppen gehört ebenso zu den Konstanten der russischen Geschichte. Beispielhaft zu nennen sind die NichtbewÀltigung der sozialen Unruhen im Zuge des Industriezeitalters mit ihren Höhepunkten in der Revolution 1905, der Februar- und der Oktoberrevolution 1917 oder die postkommunistische Systemtransformation der 1990er-Jahre.

Die aus der byzantinischen Orthodoxie ĂŒbernommenen Denkweisen fĂŒhrten zu Spannungen mit modernistischen Tendenzen und begrĂŒndeten das markante SpannungsverhĂ€ltnis zwischen Beharrung und Fortschritt, das sich z. B. bei der Kirchenspaltung 1666/1667 oder den Petrinischen Reformen 1700–1720 deutlich zeigte. Aufgrund der fehlenden römischen Rechtstradition fehlte lange Zeit ein Widerstandsrecht gegen herrscherliche Übergriffe, so dass die Beziehung zwischen Staatsgewalt und der wirtschaftlichen und politischen Freiheit des Einzelnen belastet blieb. Dies zeigte sich besonders im 19. Jahrhundert, als liberale Ideen in Russland vermehrt AnhĂ€nger fanden und sich in mehreren Attentaten gegen den russischen Selbstherrscher Ă€ußerten (z. B. Dekabristenaufstand).

Die bis zum Ende der Sowjetunion ausgeprĂ€gte Verbindung von genossenschaftlichen mit herrschaftlichen Elementen liegt ursprĂŒnglich in der orthodoxen Kirche begrĂŒndet, wo die Gemeinschaft der GlĂ€ubigen eine viel grĂ¶ĂŸere Rolle spielte als das Gott gegenĂŒber verantwortliche Individuum. An diese Vorstellungen des Kollektivs knĂŒpften im 19. und 20. Jahrhundert Marxisten und Sozialisten an und setzte diese in der Sowjetunion fort. Der Ausgleich zwischen zentralistischer und dezentraler Herrschaft war in der Geschichte Russlands ein konstantes Problem. Insbesondere in Übergangszeiten (z. B. zwischen 1240 und 1480, nach 1917 und nach 1994) nahmen zentrifugale Strömungen an den RĂ€ndern des Landes zu.

Altrussland, Mongolensturm und Aufstieg Moskaus

Der alte ostslawische Name fĂŒr das Gebiet des von Slawen bewohnten Teils des europĂ€ischen Russlands, Belarus’ und der Ukraine war Rus (siehe Kiewer Rus), auf Griechisch Rossia. Auf diese Form geht der heutige russische Landesname Rossija zurĂŒck. Die frĂŒheste Geschichte des europĂ€ischen Russlands (zur Geschichte des asiatischen Teils siehe Geschichte Sibiriens) ist im Norden geprĂ€gt von finno-ugrischen Völkern und Balten, im SĂŒden von den indogermanischen Steppenvölkern des Kurganvolks, der Kimmerer, Skythen, Sarmaten und Alanen; spĂ€ter kamen hier noch Griechen, Goten, Hunnen und Awaren hinzu. In die Mitte, zwischen Dnepr und Bug, kamen die slawischen Völker, die sich ab dem 6. Jahrhundert auch nach Norden und Osten auszudehnen begannen.

Ab dem 8. Jahrhundert befuhren skandinavische Wikinger die osteuropĂ€ischen FlĂŒsse und vermischten sich spĂ€ter mit der slawischen Mehrheitsbevölkerung. Diese auch WarĂ€ger oder Rus genannten Kriegerkaufleute waren maßgeblich an der GrĂŒndung des ersten ostslawischen Staates, der Kiewer Rus mit Zentren in Kiew und Nowgorod, beteiligt. Im sĂŒdlichen Steppengebiet und an der Wolga waren hingegen Reiche der aus Asien eingeströmten Turkvölker der Chasaren und Wolgabulgaren entstanden, mit denen die Rus Handel trieben, aber auch Kriege fĂŒhrten. Intensive Kontakte mit dem Byzantinischen Reich fĂŒhrten schließlich 988 zur orthodoxen Christianisierung der Kiewer Rus.

Das mangelhafte Senioratsprinzip zur Regelung der Erbfolge förderte die Zersplitterung der Kiewer Rus im 12. Jahrhundert und erleichterte die Unterwerfung der zerstrittenen russischen FĂŒrstentĂŒmer im Mongolensturm. Die mongolische Invasion der Rus begann 1223 mit der Schlacht an der Kalka; die Übergangsphase bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts wird als „dunkles“ Zeitalter bezeichnet. Die russische Nationalhistoriographie spricht vom „Tatarenjoch“ dieser Zeit. Die mongolische Fremdherrschaft fĂŒhrte demnach fĂŒr zwei Jahrhunderte zu einem Abbruch der Beziehungen zum Westen und förderte die Abkapselung des orthodoxen Russlands. Die russischen FĂŒrstentĂŒmer lagen im Machtbereich der Goldenen Horde, konnten jedoch eine gewisse innere Autonomie bewahren. Derweil mussten die russischen FĂŒrstentĂŒmer im Norden und Westen Angriffe von Schweden, Ordensrittern und Litauern abwehren. Unter den zersplitterten und verfeindeten russischen FĂŒrstentĂŒmern erwies sich das kleine und unbedeutende FĂŒrstentum Moskau als das durchsetzungsstĂ€rkste. Dmitri Donskoi, der verschiedene russische FĂŒrstentĂŒmer einen konnte, besiegte im Jahre 1380 die Goldene Horde in der Schlacht auf dem Schnepfenfeld.

Der Moskauer GroßfĂŒrst Iwan der Große beendete die Mongolenherrschaft und wurde de facto zum BegrĂŒnder eines zentralisierten russischen Staates, indem er Schritt fĂŒr Schritt die umliegenden russischen LĂ€nder „einsammelte“ (russisch ŃĐŸĐ±ĐžŃ€Đ°ĐœĐžĐ” Đ·Đ”ĐŒĐ”Đ»ŃŒ, sobiranije semel), darunter die Republik Nowgorod. Sein Titel „Herrscher der ganzen Rus“ drĂŒckte auch den Anspruch auf den vom GroßfĂŒrstentum Litauen im 14. Jahrhundert beherrschten westlichen Teil der Rus aus. Dies fĂŒhrte zu langanhaltenden Kriegen im 16. und 17. Jahrhundert mit Polen und Litauen (vgl. Russisch-Litauische Kriege). Unter Iwan dem Großen wurde die russische Gesetzgebung reformiert und der Großteil des heutigen Moskauer Kremls erbaut. Sein Enkel Iwan IV. begrĂŒndete 1547 das Zarentum Russland. Unter seiner Herrschaft begann nach der Einnahme der Tatarenhauptstadt Kasan auch die Eroberung Sibiriens, die russische Kosaken erstmals im 17. Jahrhundert bis an den Pazifik brachte.

Öffnung Russlands unter Peter dem Großen und Aufstieg zur europĂ€ischen Großmacht

An der Wende zum 18. Jahrhundert öffnete Zar Peter der Große das in den alten Strukturen erstarrte Zarentum Russland westeuropĂ€ischen EinflĂŒssen und förderte Wissenschaft und Kultur. 1703 grĂŒndet er die Stadt Sankt Petersburg, die – seit 1712 als neue Hauptstadt – das Symbol fĂŒr den russischen Fortschritt werden sollte. Mit dem Sieg gegen Schweden im ĂŒber 20 Jahre wĂ€hrenden Großen Nordischen Krieg erlangte Russland nach mehr als 150 Jahren der Auseinandersetzung mit Schweden die Vormachtstellung im Ostseeraum (vgl. Nordische Kriege). Russland ĂŒbernahm die Position Schwedens als nordische Großmacht in Europa. Zur Unterstreichung des neuen Status im diplomatischen RanggefĂŒge Europas ließ Zar Peter das Russische Zarentum in „Russisches Kaiserreich“ umbenennen und Ă€nderte den Monarchentitel offiziell von „Zar“ in „Kaiser“ (russisch Đ˜ĐŒĐżĐ”Ń€Đ°Ń‚ĐŸŃ€, Imperator).

Katharina die Große fĂŒhrte Peters Expansionspolitik weiter. Unter ihrer Regierung wurde das Krimkhanat („Neurussland“) erobert. Durch die Beteiligung an den drei Teilungen Polens wurde die Westgrenze Russlands weit in Richtung Mitteleuropa vorgeschoben. 1812 fielen Napoleons Truppen in Russland ein und eroberten Moskau, wurden schließlich jedoch vernichtend geschlagen. Dies gab den Auftakt zu den Befreiungskriegen, bei denen russische Truppen mit ihren VerbĂŒndeten (Preußen, Österreich, Vereinigtes Königreich u. a.) Napoleon endgĂŒltig besiegen und zur Abdankung zwingen konnten. Alexander I. zog als „Befreier Europas“ in Paris ein. Nach dem Wiener Kongress 1814/15 erlangte Russland eine dominierende Rolle auf dem europĂ€ischen Festland, die bis zum Krimkrieg 1853–1856 andauerte. Aufgrund der festgefahrenen gesellschaftlichen Strukturen wie der Autokratie und der Leibeigenschaft konnte das agrarisch geprĂ€gte Reich jedoch mit den sich rasant entwickelnden Industriestaaten immer weniger Schritt halten. Der verlorene Krimkrieg gegen die WestmĂ€chte legte die inneren SchwĂ€chen des Reiches offen und gab Anstoß zu einer Phase der inneren Reformen. Diese beschleunigten Russlands wirtschaftliche Entwicklung, doch das Land wurde immer wieder von inneren Unruhen destabilisiert, da die politischen VerĂ€nderungen nicht weitreichend genug waren und große Teile der Bevölkerung ausgeklammert wurden. Den „Westlern“, die eine Übernahme westeuropĂ€ischer Lebensformen und politischer Institutionen propagierten, standen aber immer auch die nationalromantisch geprĂ€gten „Russophilen“ oder „Slawophilen“ gegenĂŒber, die einen eigenen, spezifisch russischen Weg in die Moderne forderten und die pauschale Übernahme westlicher Werte ganz oder zum großen Teil ablehnten.

In den großen StĂ€dten entstand um die Jahrhundertwende ein Industrieproletariat, aber sehr rasch auch eine bĂŒrgerliche Mittelschicht. Diese forderte ihren Anteil an der VerfĂŒgung ĂŒber die Staatseinnahmen und die Mitverantwortung fĂŒr die öffentlichen Angelegenheiten. Die Angehörigen der Mittelschicht besaßen aber kein gemeinsames politisches Bewusstsein. Sie verstanden unter politischer Freiheit kein moralisches Ziel, sondern meinten damit die Freiheit der materiellen Entfaltung und gerechte Besteuerung. So ließ sich die Mittelschicht auch nicht auf Dauer von den utopischen EntwĂŒrfen der Intelligenzija leiten. Eine Anpassung der Verfassungswirklichkeit des Staates, der die Mittelschicht nĂ€her eingebunden hĂ€tte, fand aber nicht statt. Stattdessen flammte der Terror wieder auf. Die Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg fĂŒhrte letztlich zur Russischen Revolution von 1905. Der russische Kaiser Nikolaus II. war jedoch nicht bereit, grundlegende Reformen einzuleiten und ließ ein weitgehend funktionsloses Parlament, die Duma, das er notgedrungen genehmigt hatte, nur kurze Zeit spĂ€ter wieder auflösen.

Russische Revolution und Sowjetunion

Als im Jahre 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, erfasste Russland als Mitglied der Entente eine patriotische Welle – eine Stimmung, die anfĂ€nglich alle Kriegsparteien bestimmte, einschließlich des Deutschen Kaiserreichs und dessen VerbĂŒndeten (MittelmĂ€chte). Die anfĂ€nglichen Erfolge, vor allem gegen Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich, wurden bald abgelöst von einem Stellungskrieg, bis 1917 die Moral der russischen Soldaten nachgab und die Front zusammenbrach. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung und die trostlose Versorgungslage fĂŒhrten in der Hauptstadt Petrograd zu Demonstrationen der Arbeiter und Bauern. Nach blutiger Niederschlagung der Demonstranten stĂŒrmten diese den Winterpalast und Kaiser Nikolaus II. wurde zum Abdanken gezwungen.

In Folge kam im Februar 1917 eine provisorische Regierung (unter Beteiligung der Menschewiki und von SozialrevolutionĂ€ren) an die Macht, die als Doppelregierung mit Arbeiter- und Soldatensowjets amtierte. Die radikalrevolutionĂ€ren Bolschewiki stellten hier zunĂ€chst eine Minderheit dar. Da die provisorische Regierung zur EnttĂ€uschung weiter Teile der Bevölkerung den Krieg nicht beendete und nötige innenpolitische Reformen nicht in Angriff nahm, gewannen die Bolschewiki unter dem im April aus dem Exil zurĂŒckgekehrten Wladimir Iljitsch Lenin an Zulauf und stĂŒrzten diese im Oktober 1917.

Nach der Februarrevolution 1917 erlangten die Frauen in Russland das aktive und passive Wahlrecht. Sie waren sowohl an den Wahlen zu den Sowjets als auch zu den Stadtdumas zugelassen. Im Mai 1917 wurde ein Gesetz beschlossen, das russischen StaatsbĂŒrgerinnen und StaatsbĂŒrgern ĂŒber 20 das Recht verschaffte, die Konstituierende Versammlung zu wĂ€hlen. Nach der Oktoberrevolution wurde das aktive und passive Frauenwahlrecht in der Verfassung der RSFSR vom 10. Juli 1918 festgeschrieben.

Aus dem der Oktoberrevolution folgenden BĂŒrgerkrieg zwischen den sozialistischen „Roten“ und den gegenrevolutionĂ€ren „Weißen“ gingen die Bolschewiki als Sieger hervor. Die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, wie auch Finnland, errangen dagegen durch Abwehr der Roten Armee bzw. durch lĂ€ngere BĂŒrgerkriege ihre UnabhĂ€ngigkeit von Russland. Im Laufe des BĂŒrgerkriegs sowie des darauf folgenden Polnisch-Russischen Kriegs verlor Russland 1920 Teile Belarus’ und der Ukraine („Ostpolen“) an Polen. 1921 wurde die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) ausgerufen, die den wichtigsten Teil der spĂ€teren Sowjetunion darstellte.

Am 30. Dezember 1922 wurde aus dem bisher bestehenden Sowjetrussland die Sowjetunion gegrĂŒndet und eine staatlich kontrollierte Wirtschaftspolitik ausgerufen. Die Sowjets wurden als EigentĂŒmer von Boden und Produktionsmitteln erklĂ€rt. Lenins Tod am 21. Januar 1924 fĂŒhrte zu einem erbitterten Nachfolgekampf, in dem sich Josef Stalin gegen Leo Trotzki durchsetzte. Der Stalinismus zeichnete sich durch gezielten Terror aus. Seit 1928 wurde die staatliche Wirtschaft FĂŒnfjahresplĂ€nen unterworfen und die Industrialisierung der Sowjetunion vorangetrieben. Die Zwangskollektivierung in der Sowjetunion wurde von der Kampagne der „Entkulakisierung“ begleitet.

Im August 1939 schloss die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt mit dem NS-Staat, wobei in einem geheimen Zusatz auch eine einvernehmliche Aufteilung Osteuropas aufgenommen wurde. Dies ermöglichte Hitler Anfang September 1939 den geplanten Angriffskrieg gegen Polen, der mit einem sowjetischen Angriff gegen Ostpolen Mitte September abgestimmt war. Im Winterkrieg ĂŒberfiel die Sowjetunion Finnland und gewann kleinere Teile des Landes. 1940 wurden Litauen, Lettland und Estland besetzt.

Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941, der zum Deutsch-Sowjetischen Krieg fĂŒhrte (in der Sowjetunion Großer VaterlĂ€ndischer Krieg genannt), trat das Land der Anti-Hitler-Koalition bei. Allein wĂ€hrend der Leningrader Blockade verhungerten ĂŒber eine Million Menschen in Leningrad. Insgesamt starben in diesem Krieg geschĂ€tzt 27 Millionen SowjetbĂŒrger, davon 14 Millionen Zivilisten. Sie konnte aber im Kriegsverlauf den deutschen Truppen schwere Niederlagen zufĂŒgen und siegte im Mai 1945 in der abschließenden Schlacht um Berlin. Nach dem Krieg sicherte sich die Sowjetunion großen Einfluss in den angrenzenden LĂ€ndern Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, RumĂ€nien, Bulgarien, Albanien und in der DDR. In diesen LĂ€ndern blieben Hunderttausende sowjetischer Soldaten stationiert. Der Kalte Krieg dominierte bis 1989 die Weltpolitik.

Der letzte sowjetische PrĂ€sident Michail Gorbatschow leitete ab 1987 mit der „Perestroika“ einen Umbau des politischen und wirtschaftlichen Systems in der Sowjetunion ein und förderte mit der Politik der „Glasnost“ die Transparenz und Offenheit der StaatsfĂŒhrung gegenĂŒber der Bevölkerung, worauf einzelne Unionsrepubliken die UnabhĂ€ngigkeit von der Sowjetunion anstrebten. Nach dem misslungenen Augustputsch in Moskau 1991 konservativer Kommunisten beschlossen der PrĂ€sident Russlands Boris Jelzin und Vertreter der Sowjetrepubliken die Auflösung der UdSSR zum 31. Dezember 1991.

Russische Föderation seit 1992

Die Russische Föderation ĂŒbt seit 1992 als grĂ¶ĂŸte ehemalige Sowjetrepublik (Russische SFSR) die völkerrechtlichen Rechte und Pflichten der UdSSR aus. In den ersten Jahren ergaben sich innenpolitische Konflikte ĂŒber den einzuschlagenden Kurs: In der russischen Verfassungskrise 1993 löste Jelzin per Ukas den Volksdeputiertenkongress sowie den Obersten Sowjet Russlands auf, die sich seinen BemĂŒhungen und den Resultaten einer Volksbefragung am 25. April 1993 widersetzt hatten, Wirtschaftsreformen durchzusetzen. Jelzin ordnete eine gewaltsame StĂŒrmung des ParlamentsgebĂ€udes (Weißes Haus) an, in dem sich etwa 100 Parlamentarier und weitere AnhĂ€nger verbarrikadiert hatten. Bei der gewaltsamen Niederschlagung eines weiteren Aufstandes gegen ihn am 3. und 4. Oktober gab es in Moskau 190 Tote. Im Dezember billigte die russische Bevölkerung per Volksabstimmung die neue Verfassung der Russischen Föderation (Zweikammersystem, PrĂ€sidialverwaltung).

Unter Jelzin wurden in Russland Teile der Wirtschaft privatisiert und Reformen versucht. Dabei gelangten wertvolle Unternehmen in die HĂ€nde von Leuten, die gute Beziehungen zu Herrschenden hatten bzw. diesen Schmiergelder und Schutzgelder zahlten („Oligarchen“).

1991/92 gab es eine Rubelkrise. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) lag 1993 um 12 % unter dem von 1992 und um 29 % unter dem von 1991. Die Industrieproduktion war 1993 um 31,3 %, die KonsumgĂŒterproduktion um 24,8 % und die Nahrungsmittelproduktion um 27,3 % niedriger als 1991. Im Oktober 1993 waren 2400 Produktionsbetriebe vorĂŒbergehend stillgelegt, im Februar 1994 4280. Wegen Nichtzahlung von Löhnen und GehĂ€ltern kam es zu gesamtwirtschaftlich folgenschweren Streiks, z. B. in den Kohlerevieren.

Die Inflation war jahrelang hoch und große Teile der Bevölkerung verarmten. 1998 rutschte das Land in die ZahlungsunfĂ€higkeit (→ Russlandkrise). Insbesondere in der Übergangszeit nahmen aufgrund des Erstarkens regionaler Autonomien nach dem Ende der stark zentralistischen Sowjetzeit zentrifugale Strömungen an den RĂ€ndern des Landes zu. So sah sich seit Mitte der 1990er Jahre die russische Regierung mit UnabhĂ€ngigkeitsbewegungen und MachtkĂ€mpfen in zahlreichen Teilrepubliken konfrontiert, insbesondere im Ersten Tschetschenienkrieg 1994/96, bei dem zehntausende Menschen starben. Von FrĂŒhherbst 1999 bis Anfang 2000 brachten russische Truppen den Großteil Tschetscheniens wieder unter ihre Kontrolle (vgl. Zweiter Tschetschenienkrieg).

Die chaotischen Jahre unter Jelzin verunsicherten viele Menschen. Die Geburtenrate war niedrig; KriminalitĂ€t, Alkoholismus etc. waren verbreitet. In der Endphase von Jelzins Herrschaft bestand die russische Außenpolitik fast nur noch aus leeren Drohungen und Reaktionen. Dies betraf z. B. die NATO-Osterweiterung und den Kosovokrieg. Auch einige markante Ereignisse wie der Untergang der Kursk im August 2000, der tagelange Brand des Moskauer Fernsehturms Ostankino und das Ende der Mir im MĂ€rz 2001 förderten bei vielen Russen das GefĂŒhl, Russland sei von der Rolle einer Supermacht auf die eines Schwellenlands zurĂŒckgefallen.

Hohe Rohstoffpreise (Öl, Gas, Stahl), eine Steuerreform und KapitalrĂŒckfluss förderten die wirtschaftliche Erholung nach dem Amtsantritt Wladimir Putins. Nach der Geiselnahme von Beslan im September 2004 leitete Putin einen grundlegenden Umbau des Staatswesens ein, der Macht und Kontrolle in noch stĂ€rkerem Maß als bisher in den HĂ€nden des PrĂ€sidenten konzentrierte. „FĂŒr Putin ging es spĂ€ter darum, mit Hilfe einer ‚Machtvertikale‘ der Exekutive auf allen staatlichen Ebenen die Alleinherrschaft des Kreml zu sichern.“ Die Machtvertikale wird von westlichen Beobachtern wie z. B. Margareta Mommsen (2012) als in jeder Hinsicht unvereinbar mit Vorstellungen einer eigenstĂ€ndigen Rolle des Parlaments, von wechselnden parlamentarischen Mehrheiten sowie vom freien Wettbewerb politischer Parteien gesehen. Selbst die höchsten politischen AmtstrĂ€ger verfĂŒgten ĂŒber kein klares VerfassungsverstĂ€ndnis; mit diesem Ansatz könne weder eine VerfassungslegitimitĂ€t noch eine Verfassungskultur entstehen. „Unterdessen wird der praktizierte Autoritarismus als ein notwendiges Provisorium gerechtfertigt. So beruft sich Putin gerne auf eine ‚Herrschaft per Handsteuerung‘. [
] Damit gab er sich ĂŒberzeugt, dass der politische Prozess weiterhin der persönlichen Lenkung und der ad hoc-Arrangements anstatt der Verfassung folgen mĂŒsse.“

Am 21. MĂ€rz 2014 wurde der Föderationskreis Krim gegrĂŒndet, nachdem pro-russische KrĂ€fte in der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol im Zuge der Krimkrise ihre UnabhĂ€ngigkeit von der Ukraine erklĂ€rt und am 18. MĂ€rz 2014 einen Beitrittsantrag an Russland gestellt hatten. Die völkerrechtliche LegitimitĂ€t dieser Schritte ist außerhalb Russlands, aber auch in Russland selbst umstritten. Ebenfalls am 18. MĂ€rz 2014 stellte auch Transnistrien einen Beitrittsantrag.

Politik

Föderale Gliederung

Der russische Föderalismus ist sehr asymmetrisch geprĂ€gt, da das föderale System eine Kombination aus ethnoföderalen Republiken und territorial-föderalen Gebieten darstellt. Die Einteilung des Landes wurde im Wesentlichen aus der Sowjetzeit ĂŒbernommen, sieht man von der Statusanhebung der meisten Autonomen Gebiete zu Republiken und der Aufteilung der vormaligen Tschetscheno-Inguschetischen ASSR in zwei Republiken ab. Russland gliedert sich laut Artikel 65 der russischen Verfassung in 85 Föderationssubjekte. Dazu zĂ€hlen 22 Republiken, 9 Regionen (Krai), 46 Gebiete (Oblast), 3 StĂ€dte föderalen Ranges (Moskau, Sankt Petersburg und Sewastopol), 1 Autonomes Gebiet und 4 Autonome Kreise. Dass die Völkerrechtssubjekte Krim und Sewastopol zu Russland gehören, ist international nicht anerkannt. Die Republiken wurden nach den jeweils dominierenden nichtrussischen Volksgruppen definiert, wenngleich ihre Grenzen nicht immer mit den ethnischen ĂŒbereinstimmen, wĂ€hrend die Gebiete in den ĂŒbrigen, mehrheitlich von Russen bewohnten Teilen des Landes nach rein administrativen Gesichtspunkten gebildet wurden. Territorien, in denen kleinere nichtrussische Minderheiten leben, erhalten den niedrigeren Rang eines Autonomen Gebietes, beziehungsweise Autonomen Kreises. Bezogen auf Bevölkerung, FlĂ€che und relativen Wohlstand unterscheiden sich die Föderationssubjekte mitunter erheblich.

Obwohl alle Föderationssubjekte formal gleichgestellt sind, sind nur die Republiken berechtigt, eine eigene Verfassung zu erlassen. Sie können zudem internationale VertrÀge unterzeichnen, solange sich diese an die russische Verfassung halten. Besonderheiten der Republiken bestehen zudem in der traditionellen Namensgebung, der Anzahl der Abgeordneten in Regionalparlamenten und spezifischen Gesetzgebungskompetenzen.

Die Oblaste und Kraje sind im Unterschied zu den Republiken keine Staaten. Sie verfĂŒgen nur ĂŒber Statuten anstelle von Verfassungen. An der Spitze der Republiken steht meist ein PrĂ€sident. Die ĂŒbrigen Föderationssubjekte werden von dem Leiter der Administration gefĂŒhrt, dem Gouverneur. Die gesetzgebenden Körperschaften in den Republiken sind sowohl Einkammer- als auch Zweikammersysteme. In den Gebieten besteht die parlamentarische Vertretung nur aus einer Kammer.

Seit 2005 werden die RepublikprÀsidenten und Gouverneure nicht mehr von der Bevölkerung, sondern vom regionalen Parlament gewÀhlt. Die Kandidaten schlÀgt der PrÀsident vor.

Im Jahr 2000 schuf PrĂ€sident Putin per Dekret sieben Föderationskreise, welche jeweils mehrere Föderationssubjekte zu einer grĂ¶ĂŸeren Einheit zusammenfassen. Ziel dieser Reform war die StĂ€rkung der vertikalen Machtverteilung und eine VerschĂ€rfung der Kontrolle ĂŒber die regionalen Machthaber. Die Einwohnerzahlen in der folgenden Tabelle beziehen sich auf die VolkszĂ€hlung vom 9. Oktober 2002. Im Jahr 2010 wurde zudem der Föderationskreis Nordkaukasus, durch Ausgliederung aus dem Föderationskreis SĂŒdrussland, als achter Föderationskreis geschaffen.

Die Krim bildete nach ihrem (umstrittenen) Beitritt zur Föderation ab dem 21. MĂ€rz 2014 einen eigenen (neunten) Föderationskreis, der per 28. Juli 2016 aufgelöst und dem Föderationskreis SĂŒdrussland angeschlossen wurde.

Neben den genannten zwei hierarchischen föderalen Ebenen (1. Föderationskreis, 2. Föderationssubjekt) gibt es noch eine dritte eigenstĂ€ndige Verwaltungsebene, die der kommunalen Selbstverwaltung (Rajon). Deren administrative Leiter werden von der Bevölkerung direkt gewĂ€hlt. Die Regionen sind gegenĂŒber den kommunalen Selbstverwaltungsorganen administrativ höherstehend und weisungsberechtigt.

Politische Geschichte

Mit dem Untergang der Sowjetunion Ende 1991 kam die Chance fĂŒr demokratische und liberale Reformen. Diese wurden durch den kommunistisch dominierten Volksdeputiertenkongress blockiert. PrĂ€sident Boris Jelzin griff deswegen zu harten und verfassungswidrigen Mitteln und löste den Volksdeputiertenkongress im Herbst 1993 durch den Einsatz des MilitĂ€rs auf. Es wurde eine Verfassung geschaffen, die den PrĂ€sidenten weitgehend der Kontrolle von Volk und Parlament entzog. Die gĂŒltige Verfassung der Russischen Föderation wurde am 12. Dezember 1993 durch eine Volksabstimmung angenommen und trat am 25. Dezember 1993 in Kraft. Sie stellt einen Bruch mit der sowjetischen Vergangenheit dar. Im Mittelpunkt steht gemĂ€ĂŸ der Verfassung der Mensch: Menschenrechte und Freiheitsrechte wie Rede-, die Presse- und die Reisefreiheit sind die höchsten Werte. In der seither umgesetzten Praxis wird wegen der EinschrĂ€nkung von Grundrechten Russland als Gelenkte Demokratie bezeichnet oder aber mit dem Fachbegriff Autoritarismus umschrieben. Die Kluft zwischen Rhetorik und Handlungen in diesen SphĂ€ren ist eklatant.

Die Bilanz der Ära Jelzin war gespalten: Zwar konnten in Russland demokratische und liberale Reformen eingefĂŒhrt werden. Doch wurden Liberalisierung und Privatisierung in einem derartigen Ausmaß betrieben, dass die Verbraucherpreise in die Höhe schnellten und eine neue Oberschicht von Oligarchen entstand, die aktiv politische Macht ausĂŒbten. In der Bevölkerung wurde diese Demokratisierungs- und Liberalisierungsphase jedoch eher als Auflösung einer gesicherten und berechenbaren staatlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung empfunden. Hinzu kam, dass der mit der Privatisierung verbundene Gang an die Börse von der internationalen Finanzkrise ab 2007 ĂŒberschattet wurde. WĂ€hrend 2007 neun Aktiengesellschaften an der internationalen Londoner Börse neues Kapital einwerben konnten, gelang 2009 auf dem Höhepunkt der Krise mit RusHydro nur noch einem russischen Unternehmen der Gang an die Börse. Erst ab der Jahrzehntwende stabilisierten sich die politischen VerhĂ€ltnisse nach und nach, nicht zuletzt aufgrund der fortschreitenden Konzentration der Staatsmacht auf einen starken PrĂ€sidenten, die allerdings auch zu Lasten von Pluralismus und demokratischen Freiheiten ging.

Politisches System

Russland ist nach der Verfassung vom 12. Dezember 1993 ein „demokratischer föderativer Rechtsstaat mit republikanischer Regierungsform“ und einem semiprĂ€sidentiellen Regierungssystem. So ist das Staatsoberhaupt der PrĂ€sident Russlands, der vom Volk fĂŒr jeweils sechs Jahre direkt gewĂ€hlt wird. Der PrĂ€sident gehört unmittelbar keiner der drei Staatsgewalten an, sichert aber ihr Funktionieren und Zusammenwirken. Die Haupteinwirkungsform des PrĂ€sidenten ist das Dekret, mit dem er jeden Sachverhalt mit unmittelbarer Rechtswirkung regeln kann. Der PrĂ€sident bestimmt die Hauptrichtungen der Außenpolitik und kann internationale VertrĂ€ge unterzeichnen. Er ist der Oberste Befehlshaber der StreitkrĂ€fte Russlands, ernennt und entlĂ€sst das Oberkommando der StreitkrĂ€fte.

  • Die Legislative wird durch die Föderationsversammlung ausgeĂŒbt, die aus zwei Kammern besteht. Der Föderationsrat ist das Oberhaus und der Vertreter der Föderationssubjekte. Alle von der Staatsduma verabschiedeten Gesetze mĂŒssen dem Föderationsrat vorgelegt werden, dem es frei steht, sie innerhalb von zwei Wochen zu behandeln oder nicht, was als Zustimmung gilt. Die Staatsduma ist das Unterhaus und besteht aus 450 Abgeordneten, die fĂŒr fĂŒnf Jahre nach Parteilisten gewĂ€hlt werden. Um im Parlament Einzug zu halten, muss eine Partei bei der Wahl mindestens 7 Prozent der Stimmen erhalten. Die Hauptaufgabe der Staatsduma ist die Verabschiedung von Gesetzen.
  • Die exekutive Gewalt liegt bei der Regierung der Russischen Föderation, deren Ministerien aber teilweise direkt dem PrĂ€sidenten und nicht dem Parlament unterstellt sind. Das bedeutet, dass die Regierungszusammensetzung nicht die politischen KrĂ€fteverhĂ€ltnisse der Staatsduma widerspiegeln muss. Deshalb ist sie im Allgemeinen keine politische Regierung, sondern ein Technokratenkabinett, das hauptsĂ€chlich fĂŒr Wirtschafts- und Finanzfragen und fĂŒr Verwaltungsaufgaben zustĂ€ndig ist. Das Kabinett tagt wöchentlich öffentlich. Der PrĂ€sident hat das Recht des Kabinettsvorsitzes, das er aber nicht immer wahrnimmt. Der MinisterprĂ€sident von Russland, auch als Premierminister bezeichnet, wird vom PrĂ€sidenten vorgeschlagen und muss von der Duma bestĂ€tigt werden. Die Regierung ist nicht an die Legislaturperiode des Parlaments, sondern an die Amtszeit des PrĂ€sidenten gebunden, denn bei einem neu gewĂ€hlten PrĂ€sidenten legt die Regierung ihre Vollmachten nieder. Die Staatsduma kann der Regierung mit der Mehrheit aller Abgeordneten das Misstrauen aussprechen oder die Vertrauensfrage der Regierung abschlĂ€gig bescheiden. Die Regierung hat die Budgethoheit und gewĂ€hrleistet eine einheitliche Finanz-, Kredit- und Geldpolitik. Die weiteren Politikfelder sind Kultur-, Wissenschafts-, Bildungs-, Gesundheits-, soziale Sicherheits- und Ökologiepolitik.
  • Die judikative Gewalt bildet das oberste Verfassungsschutzorgan, das Verfassungsgericht der Russischen Föderation, an dem sich staatliche Organe und auch BĂŒrger wenden können (vgl. Rechtsgeschichte Russlands). HĂ€ufig wird vom Verfassungsgericht zugunsten des BĂŒrgers entschieden.

De facto stellt das politische System Russlands eine Mischung aus instabilen demokratischen Institutionen und autoritĂ€ren Praktiken dar. Seit der Jahrtausendwende lĂ€sst sich dabei eine deutliche „Ent-Demokratisierung“ dieses Systems und eine Zentralisierung der politischen Macht beim PrĂ€sidenten und seiner Verwaltung beobachten. Unter PrĂ€sident Putin (2000 bis 2008 und erneut seit 2012) wurde die Macht des Staatsoberhaupts durch die Schaffung einer „Machtvertikale“ ausgebaut: Der PrĂ€sident Russlands schlug ab 2005 bis Mai 2012 die Gouverneure vor – die Regionalparlamente konnten diese nur noch bestĂ€tigen. Diese von Russland „souverĂ€ne Demokratie“ genannte Variante beschnitt politische Rechte der Regionen, die unter PrĂ€sident Jelzin ein politisches Gegengewicht aufgebaut hatten. Die Gouverneure wiederum ernannten (seit 2002 anstelle der regionalen Parlamente) die Vertreter fĂŒr den Föderationsrat und auch lokale Vertreter wie BĂŒrgermeister. Kritische Beobachter sprachen nach der Entmachtung der Regionen auch von einer „Surrogatsföderation“ anstelle einer richtigen Föderation. Durch eine GesetzesĂ€nderung infolge der Proteste im Zuge der Parlamentswahlen im Dezember 2011 folgte die WiedereinfĂŒhrung von Wahlen der Gouverneure in Russland ab Oktober 2012. „Im Ergebnis entstand“, so Margareta Mommsen, „ein autoritĂ€res System mit der Besonderheit förmlich fortbestehender demokratischer Einrichtungen. Diese gaukeln demokratische VerhĂ€ltnisse lediglich vor. Nicht zufĂ€llig sprechen kritische Beobachter von einer ‚simulierten Demokratie‘.“ So enden polizeiliche und staatsanwaltliche Ermittlungen dort bzw. werden erst gar nicht begonnen, wo sie einflussreiche Politiker berĂŒhren. Im Demokratieindex der britischen Zeitschrift The Economist belegt Russland unter den 167 untersuchten Staaten den 124. Rang und wird als „autoritĂ€res Regime“ eingestuft (Stand 2020). 2007 wurde er noch als hybrides System eingestuft. Etwas weniger negativ ist die Einstufung im Transformationsindex der Bertelsmann-Stiftung, wo Russland 2017 (bezogen auf Demokratie) auf Platz 70 von 129 LĂ€ndern zwischen der ElfenbeinkĂŒste und Guinea liegt.

Politische Willensbildung

Politische Parteien

Seit dem Verzicht der KPdSU auf ihre verfassungsmĂ€ĂŸige FĂŒhrungsrolle 1990 vollzog sich ein Wandel von einem totalitĂ€ren Einparteienstaat zu einer Mehrparteiendemokratie. Es bildeten sich Hunderte von politischen Gruppierungen, Splittergruppen, Bewegungen und Parteien, die ein breites politisches Spektrum von Monarchisten bis hin zu Kommunisten abdecken. Die russischen Parteien sind eher schwach und verfĂŒgten selten ĂŒber eine stabile IdentitĂ€t.

Seit der Parlamentswahl in Russland 1995 unterstĂŒtzt die Regierung jeweils eine neue, eigene Hausmacht. Diese administrativen, von oben gegrĂŒndeten „Parteien der Macht“ (партоо ĐČластО, Regierungspartei, „PrĂ€sidentenwahlverein“) sind lose Ad-hoc-BĂŒndnisse, die sich auf BĂŒrokraten stĂŒtzen, die dem PrĂ€sidenten loyal ergeben sind.

Seit der Jahrtausendwende funktionieren einige wenige Parteien als gesellschaftliche Netzwerke, die spezifische WĂ€hlergruppen mobilisieren können. Von 2008 bis 2011 bestanden in Russland nur sieben Parteien. Im Zuge der Demonstrationen zur Parlamentswahl im Dezember 2011 wurde ein neues Parteiengesetz verabschiedet, das die Zulassung neuer Parteien ab einer Mitgliederzahl von 500 Personen vorsieht (bisher 40.000). Nach einer Entscheidung des EGMR zugunsten der regierungskritischen Partei der Volksfreiheit stieg die Zahl der russischen Parteien bis Jahresende 2012 auf 48 an. GegenwĂ€rtig wird die Politik Russlands von einer einzigen Partei, Einiges Russland, dominiert. Einiges Russland entstand 2001 aus den Parteien Einheit (Jedinstwo) und Vaterland – ganz Russland (Otetschestwo – wsja Rossija), die sich wiederum zum Teil aus der untergegangenen Partei Unser Haus Russland rekrutierten (der Partei von Putins VorgĂ€nger Boris Jelzin). Neben dieser großen Partei existieren weitere und Splitterparteien. Zu ihnen zĂ€hlen die Kommunistische Partei der Russischen Föderation, die Liberal-Demokratische Partei Russlands und die sozialdemokratische Partei Gerechtes Russland. Daneben gibt es noch außerhalb der Duma die Partei Jabloko, die Patrioten Russlands und Rechte Sache.

Nichtregierungsorganisationen

Bis zum Amtsantritt des neuen PrĂ€sidenten Wladimir Putin hatten sich die russischen NGOs weitgehend frei von staatlichen EinflĂŒssen entwickeln können. Wahrscheinlich war ihr Einfluss auf den Staat grĂ¶ĂŸer als umgekehrt. Das sollte sich schnell Ă€ndern. Putin ging sofort daran, die bis dahin zwar nicht autonom agierenden, aber von unterschiedlichen Machtzentren kontrollierten Bereiche der russischen politischen Öffentlichkeit systematisch der Regierung zu unterwerfen. Er nannte das, die „Machtvertikale stĂ€rken“ und eine „Diktatur des Rechts“ aufbauen. Hinter diesem Vorgehen steckt die Überzeugung, dass der russische Staat in den 1990er-Jahren kurz vor dem Zerfall gestanden habe und dass das ursĂ€chlich mit der SchwĂ€che der Zentralmacht zusammengehangen habe.

Der erste Versuch, die NGOs einzubinden, war die Initiative zu einer großen BĂŒrgerversammlung 2001 im Kreml. Bei dieser Versammlung wurden ausgewĂ€hlte Themen diskutiert. Allerdings wurden aus Regierungssicht nicht konstruktive NGOs, die sich nicht einfach unterordnen wollten, ausgeschlossen. Dies sollte eine Art „Burgfrieden“ zwischen NGOs und der russischen Regierung darstellen. Jedoch wurde Anfang 2002, trotz Protesten und Verhandlungen, die steuerliche Gleichsetzung von „kommerziellen“ und „nichtkommerziellen“ Unternehmen verabschiedet. EndgĂŒltig brach der „Frieden“, als Michail Chodorkowskij verhaftet wurde. Dieser hatte mit seiner Stiftung „Offenes Russland“ begonnen, in großem Maße Projekte von NGOs zu finanzieren, und war somit die letzte Hoffnung auf langfristige und nachhaltige Finanzierung von NGOs im Inland gewesen. Der zweite Bruch war die „Rosenrevolution“ in Georgien, die als Misserfolg der russischen Politik gewertet wurde und in der Wahrnehmung der russischen Regierung ein Werk der vom Westen finanzierten NGOs war. Dies wurde auch beim Machtwechsel in der Ukraine vermutet. Putin drĂŒckte das am 26. Mai 2004 in seiner alljĂ€hrlichen Ansprache vor beiden Parlamentskammern so aus:

Letztlich blieb das VerhĂ€ltnis zwischen Regierung und NGOs ambivalent in Putins erster Amtszeit, was aus der Tatsache resultiert, dass marktwirtschaftliche Systeme ein gewisses Maß an Freiheit erfordern. Das Taktieren der Regierung mit den NGOs ist Ausdruck dessen, das man verhindern möchte, dass diese Freiheit ins Politisch-Gesellschaftliche ĂŒbergreift.

Die zweite Amtszeit war in Bezug auf die NGOs in erster Linie geprĂ€gt durch das NGO-Gesetz mit dem der russischen Regierung weitreichende Kontroll- und Sanktionsinstrumente in die Hand gegeben wurde. Die Rosregistracija ĂŒberwacht nun die TĂ€tigkeiten der NGOs. Sich dagegen zu beschweren, ist in einer hoch korrupten Gesellschaft, wie der russischen, in der Beschwerde- und Berufungsinstanzen insbesondere gegen staatliches Handeln, etwa Gerichte, nur sehr eingeschrĂ€nkt funktionieren mit hohem administrativen Aufwand verbunden. Die Registrierungsbehörden setzen verstĂ€rkt auf Bestimmungen des Arbeitsrechts, Steuerrechts, Arbeitsschutzes oder Brandschutzes um staatliches Vorgehen gegen die NGOs zumindest teilweise zu kaschieren.

Am 23. Mai 2015 unterschrieb PrĂ€sident Putin ein Gesetz, dank dem es russischen Behörden ohne Vorwarnung möglich ist, internationale NGOs auf eine schwarze Liste zu setzen. Hohe Strafen drohen jedermann, der mit solchen „unerwĂŒnschten Organisationen“ in Kontakt tritt. Das Gesetz schrĂ€nkt die Arbeit der Medien und der Zivilgesellschaft ein. Als ein Fall der Anwendung dieses Gesetzes wurde der Entzug des Abgeordnetenmandates des Jabloko-Politikers Lew Schlosberg bekannt, der 2014 von den Beisetzungen wohl in der Ukraine gefallener russischer Soldaten berichtet hatte.

Politische Kultur

Menschenrechte

Von internationalen BĂŒrgerrechtsorganisationen und dem AuswĂ€rtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland werden die EinschrĂ€nkungen der Pressefreiheit seit dem Jahr 2001 kritisiert. Die staatliche Einflussnahme im Bereich des Fernsehens ist komplett, alle landesweit sendenden TV-Stationen sind entweder direkt in staatlichem Besitz oder unter staatlicher Kontrolle. Im Radiobereich ist die Situation Ă€hnlich. Offiziell gibt es keine Zensur durch die Regierung – durch die EigentumsverhĂ€ltnisse ist die Zensur in den Köpfen der Leute. Drei von insgesamt sechs Voten beim Treffen des Menschenrechtsrates des PrĂ€sidenten im Oktober 2017 hatten den durch die staatlichen Medien und deren Propaganda geschĂŒrten Hass in der Gesellschaft beklagt. Die Tötungsrate in Russland unterlag zwischen 1990 und 2017 ausgeprĂ€gten Schwankungen zwischen 30.5 Tötungen (im Jahr 1995) und 9.2 Tötungen (im Jahr 2017), je 100.000 Einwohner. Der Staat schĂŒtze die BĂŒrger nicht, klagte 2017 die Nowaja Gaseta sowie die geflĂŒchtete Julija Latynina. Auch ist hĂ€usliche Gewalt in Russland ein gesellschaftliches Problem. 40 Prozent aller Gewaltverbrechen in Russland werden in den eigenen vier WĂ€nden, innerhalb der Familie, begangen. Diese Gewalt richtet sich insbesondere gegen Frauen. So sterben dadurch in Russland laut Angaben des Innenministeriums 12.000 bis 14.000 Frauen jĂ€hrlich.

Wiederholt kommt es zu AnschlĂ€gen auf Oppositionelle oder BrandanschlĂ€ge auf deren Eigentum. Wiederholt kursierten Listen mit Adressangaben von Oppositionellen im Internet. Polizeiliche und staatsanwaltliche Ermittlungen enden dort bzw. werden erst gar nicht begonnen, wo sie einflussreiche Politiker berĂŒhren. Seit 2015 drohen auch jeder Einzelperson, die sich mit einem improvisierten Protestplakat auf die Straße stellt, bis zu fĂŒnf Jahre Haft. In Russland saßen im Jahr 2013 geschĂ€tzte 600.000 Menschen in „strenger Lagerhaft“, darunter nicht nur nach Meinung der Menschenrechtsorganisation Memorial auch politische Gefangene. Etwa 140.000 Gefangene waren im FrĂŒhjahr 2019 in Haft aufgrund des Paragraphen 228.2 zu Drogen, dessen Missbrauchsmöglichkeiten schon lĂ€nger bekannt waren und der durch den Skandal um den Journalisten Iwan Golunow international bekannt wurde. Im August 2020 ist die Zahl der inhaftierten StrĂ€flinge, VerdĂ€chtigen und Angeklagten in russischen Straf- und Untersuchungshaftanstalten laut dem BundesgefĂ€ngnisdienst (FSIN) erstmals auf weniger als 500.000 gesunken. Dies ist den Angaben der FSIN zufolge auf den Einsatz alternativer, nicht-inhaftierender Strafen sowie die allgemeine Liberalisierung des Strafvollzugssystems zurĂŒckzufĂŒhren.

Im Dezember 2015 unterschrieb Putin ein Gesetz, wonach das russische Verfassungsgericht auf Antrag der Regierung Urteile internationaler Gerichte außer Kraft setzen kann, was in erster Linie Urteile des EuropĂ€ischen Gerichtshofs fĂŒr Menschenrechte (EGMR) betreffen könnte. Auch fĂŒr den Kulturbereich wurde eine „nicht greifbare Zensur“ beschrieben.

HomosexualitĂ€t in Russland ist weitgehend tabuisiert. Die gesetzlichen Regelungen beinhalten unter anderem ein Verbot „homosexueller Propaganda“, was von Kritikern als Verstoß gegen die EuropĂ€ische Menschenrechtskonvention, die Versammlungsfreiheit und MeinungsĂ€ußerungsfreiheit gewertet wird.

Unter dem Vorwand der ExtremismusbekĂ€mpfung werden die Freiheiten religiöser Minderheiten stark eingeschrĂ€nkt. 2016 wurde es Angehörigen nicht registrierter Religionsgemeinschaften verboten, mit anderen ĂŒber ihre religiöse Überzeugung zu sprechen. Im MĂ€rz 2017 beantragte das russische Justizministerium ein Verbot der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas und all ihrer AktivitĂ€ten, das im April 2017 umgesetzt wurde.

Auf der Krim hat sich die Menschenrechtslage seit der Besetzung durch Russland erheblich verschlechtert. Laut einem Bericht des UNHCHR kommt es immer wieder zu willkĂŒrlichen Verhaftungen und Folter, auch eine außergerichtliche Hinrichtung ist dokumentiert. Am brisantesten ist die Menschenrechtslage seit Jahren im Kaukasus, namentlich in Tschetschenien. Die ÜberprĂŒfung von BĂŒrgerrechten, z. B. bei VerstĂ¶ĂŸen gegen die EuropĂ€ische Menschenrechtskonvention, findet vor dem Obersten Gerichtshof Russlands statt.

Korruption

Im Corruption Perception Index von Transparency International lag Russland mit 29 von möglichen 100 Punkten im 2017er-Ranking weltweit auf Platz 135 unter 180 Staaten und an letzter Stelle aller europĂ€ischen Staaten. Im Jahr 2016 ordnete PrĂ€sident Putin persönlich fĂŒr Kontrollbehörden eine „Kontrollpause“ an. Die angeblichen Sicherheitskontrollen hatten kaum je der Sicherheit gedient, sondern zum grĂ¶ĂŸeren Umfang der Bereicherung. Ein Durchbrechen der Korruptionsketten sei auch deshalb kaum möglich, weil saubere Beamten kein Geld nach oben abgeben können und deshalb aus dem Amt gedrĂ€ngt werden oder Posten fĂŒr ehrliche Beamte wegen Ablösesummen erst gar nicht zugĂ€nglich seien, schreibt Jens Siegert. Die NĂ€he zur Staatsmacht ermöglicht Geld und Privilegien: Jelena Tschischowa beschreibt denn auch nicht nur die alltĂ€gliche Korruption, sondern auch, wie der Umfang mit der NĂ€he zur Macht im Kreml zunimmt, und nennt die Gemeinsamkeit: „In einem autoritĂ€ren Land ist «Freund» ein SchlĂŒsselbegriff.“

Finanzpolitik

WĂ€hrung

Die russische WĂ€hrung ist der russische Rubel (Đ ŃƒĐ±Đ»ŃŒ; KĂŒrzel RUB) zu 100 Kopeken (ĐšĐŸĐżĐ”ĐčĐșĐ°). Ein Euro entspricht gegenwĂ€rtig 83,3 Rubel. Nach starker Inflation in den 1990er-Jahren wurde im Jahr 1998 eine WĂ€hrungsreform durchgefĂŒhrt, bei der 1000 alte Rubel (RUR) durch je einen neuen Rubel (RUB) ersetzt wurden. Seitdem war der Rubel bis 2008 gegenĂŒber US-Dollar und Euro im Wesentlichen stabil, die Inflation betrug 2006 8,2 Prozent. Dazu hat bisher vor allem die Wechselkurspolitik der russischen Zentralbank beigetragen. Um eine rasche Aufwertung des Rubels mit einer Verschlechterung der preislichen WettbewerbsfĂ€higkeit russischer Produzenten zu verhindern, intervenierte sie am Devisenmarkt. Sie kaufte die Russland mit den hohen LeistungsbilanzĂŒberschĂŒssen zufließenden Devisen gegen Rubel auf. Die umlaufende Rubelgeldmenge stieg stark an. Das Inflationspotential wuchs. Im Zuge der Internationalen Wirtschaftskrise verlor der Rubel im zweiten Halbjahr 2008 rund 20 Prozent seines Wertes gegenĂŒber dem Euro. Seit der Annexion der Krim 2014 verlor der Rubel mehr als die HĂ€lfte seines Wertes gegenĂŒber Euro, US-Dollar oder Renminbi.

Neben dem Rubel finden im Alltag auch US-Dollar und Euro Verwendung. Bis zum Januar 2007 wurden Preise auch oft in Verrechnungseinheiten angegeben, die je einem US-Dollar entsprachen. Da die Verwendung von DrittwĂ€hrung in Russland nicht erlaubt ist, wurde dennoch in Rubel gezahlt. Diese Praxis ist aber seit Januar 2007 verboten. Wegen hĂ€ufiger Bankeninsolvenzen und Finanzkrisen sind viele Russen dazu ĂŒbergegangen, ihre Ersparnisse als Bargeld in Euro- und Dollar-Scheinen oder in Immobilien anzulegen.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 236,6 Mrd. Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 186,5 Mrd. Dollar gegenĂŒber. Damit hatte das Land ein Haushaltsdefizit in Höhe von 3,9 Prozent des BIP. Der Abschluss der Duma- und PrĂ€sidentenwahl gibt ab Mitte 2012 Anlass zu neuen umfangreichen Modernisierungsausgaben zugunsten der Infrastruktur, Wirtschaft und der Landesverteidigung. AngekĂŒndigt ist auch eine weitere Steigerung der Sozialausgaben. Somit werden die Ausgaben tendenziell weiter steigen, was aufgrund einer geringen Verschuldungsquote kein Problem darstellt. Die Staatsverschuldung betrug 2016 17,0 Prozent des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben vom BIP folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 5,3 Prozent
  • Bildung: 3,8 Prozent (2005)
  • MilitĂ€r: 3,9 Prozent (2005)

Außenpolitik

Außenpolitische Situation

Nach dem Ende der Sowjetunion ist Russland darum bemĂŒht, seinen Einfluss in der Welt, aber insbesondere in seiner direkten Nachbarschaft zu konsolidieren. Hierbei verfolgt Russland die Idee einer multipolaren Weltordnung, in der GroßmĂ€chte eigenverantwortlich ihre nationalen Interessen vertreten. Russland ist in eine Anzahl regionaler Konflikte verstrickt, von denen viele kriegerischen Charakter haben und nur teilweise oder noch gar nicht gelöst wurden – darunter die Tschetschenienkriege (1994 bis 2009), die Kriege um Abchasien und SĂŒdossetien (Georgienkrieg), der Konflikt in Transnistrien und zuletzt der Krieg in der Ukraine und die Besetzung der Krim.

Im außenpolitischen Konzept sieht sich Russland als Großmacht, die selbststĂ€ndig nationale Interessen verfolgt. Der Großmachtanspruch leitet sich in erster Linie aus Russlands imperialem Erbe und zweitens aus seinem bedeutenden Arsenal an Atomwaffen ab. Seinen Einfluss generiert Russland daneben ĂŒber die militĂ€rischen StreitkrĂ€fte (derzeit ca. 1.000.000 Soldaten, MilitĂ€rbasen in verschiedenen ehemaligen Sowjetrepubliken und in Syrien (Marinebasis Tartus)), RĂŒstungsexporte, die Vollmitgliedschaft mit Vetorecht im UN-Sicherheitsrat und die Stellung als bedeutender Energielieferant. DarĂŒber hinaus bestehen jedoch enorme Schwierigkeiten, dem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Dies rĂŒhrt insbesondere aus der ökonomischen SchwĂ€che her. Daneben verfĂŒgt es im Gegensatz zur Sowjetunion nicht mehr ĂŒber ein attraktives Herrschafts- und Kultursystem. Die Möglichkeit, militĂ€rische Macht in politischen Einfluss umzuwandeln, ist auf Russlands unmittelbare Umgebung beschrĂ€nkt. Es fehlt Russland an verlĂ€sslichen VerbĂŒndeten, wie die Nichtanerkennung Abchasiens und SĂŒdossetiens durch die restlichen GUS-Staaten zeigt.

Die politische FĂŒhrung in Moskau drĂ€ngt auf die PrĂ€rogative des UN-Sicherheitsrats. Ein Beispiel hierfĂŒr ist die Forderung, dass die NATO nur mit Zustimmung des UN-Sicherheitsrats tĂ€tig werden soll. Selbst besteht die FĂŒhrung Russlands aber auf dem Recht, unilateral handeln zu dĂŒrfen, was das Verhalten im Georgienkrieg belegt. Um seinem Ziel nĂ€her zu kommen, sieht sich Russland nach Gegenpolen zu den USA um. Besonders Asien gewinnt dabei eine stetig wachsende Bedeutung. Die BRICS werden im außenpolitischen Konzept als strategische Partner betrachtet. WĂ€hrend Russland und Indien traditionell gute Beziehungen pflegen und diese weiter ausgebaut haben, hat sich das russisch-chinesische VerhĂ€ltnis durch die Lösung alter Spannungen stetig verbessert. Abgesehen vom gemeinsamen Ziel, der weltpolitischen Dominanz des Westens etwas entgegenzusetzen, stehen vor allem Wirtschafts- und RĂŒstungsprojekte sowie russische Rohstofflieferungen im Vordergrund der Kooperation.

Russland gewÀhrte 2013 dem US-amerikanischen Whistleblower Edward Snowden eine Aufenthaltserlaubnis.

Beziehungen

Mitgliedschaften

Russland ist stÀndiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates, aller UN-Unterorganisationen, der OSZE und des Europarates und zudem Mitglied der EBRD sowie des IWF und der Weltbank. Beim G8-Gipfel im Mai 1998 wurde Russland formal in die damalige Gruppe der Sieben (G7) aufgenommen; diese wurde dadurch zur G8. Im MÀrz 2014 schlossen diese sieben Russland wegen des Kriegs in der Ukraine aus der G8 aus.

Unter Putin gewannen zwei Sicherheitsorganisationen besonderes Gewicht – die Organisation des Vertrages ĂŒber Kollektive Sicherheit (OVKS) und die Shanghai-Organisation fĂŒr Zusammenarbeit (SOZ):

  • Die Organisation des Vertrags ĂŒber kollektive Sicherheit zielt auf eine engere Zusammenarbeit in Sicherheits- und Verteidigungsfragen, wie auch auf eine gemeinsame Verteidigung im Falle eines Angriffes (Artikel 4 des Vertrags) ab. UrsprĂŒnglich eine sicherheitspolitische Institution der GUS, wurde die OVKS 2002 zu einer eigenstĂ€ndigen sicherheitspolitischen Organisation mit dem Fokus auf Zentralasien aufgewertet. Mitgliedstaaten neben Russland sind: Armenien, Belarus, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan. Auf russische Initiative wurde 2009 im Rahmen der OVKS eine schnelle Eingreiftruppe geschaffen, die in Krisensituationen eingesetzt werden kann.
  • Hauptziel der Shanghaier Organisation fĂŒr Zusammenarbeit, zu der auch China gehört, ist die StĂ€rkung des gegenseitigen Vertrauens und guter nachbarschaftlicher Beziehungen zwischen den Mitgliedsstaaten. Neben dem Ausbalancieren der sicherheitspolitischen Interessen Russlands und Chinas in Zentralasien soll sie auch der Durchsetzung gemeinsamer Sicherheitsinteressen in der Region dienen. UrsprĂŒngliches Ziel Russlands und Chinas war es, durch sicherheitspolitische Kooperation die USA aus der Region herauszuhalten.
Beziehung zum "Nahen Ausland"

Die Auflösung der Sowjetunion stellte Russland zunĂ€chst vor die Aufgabe, das VerhĂ€ltnis zu den aus Russlands Sicht oft als „Nahes Ausland“ (Đ±Đ»ĐžĐ¶ĐœĐ”Đ” Đ·Đ°Ń€ŃƒĐ±Đ”Đ¶ŃŒĐ”) bezeichneten Nachfolgerepubliken neu zu gestalten. Die aus der Sowjetzeit geerbten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den einzelnen Republiken erforderten eine neue rechtliche Form der Kooperation und der Integration. Zugleich waren fĂŒr Russland zahlreiche Objekte von strategischem Interesse, die nun außerhalb der Russischen Föderation lagen. Hierzu zĂ€hlten u. a. der Weltraumbahnhof Baikonur, militĂ€rstrategische Einrichtungen in Aserbaidschan und Belarus sowie der FlottenstĂŒtzpunkt der Schwarzmeerflotte in Sewastopol.

Zur Nachfolgeorganisation der Sowjetunion wurde die Gemeinschaft UnabhĂ€ngiger Staaten (GUS), der zunĂ€chst 12 der 15 ehemaligen Sowjetrepubliken beitraten. Dieser eher lockere Staatenbund hat jedoch bis zur heutigen Zeit seine Bedeutung weitgehend eingebĂŒĂŸt. Mit Belarus hat sich Russland in der Russisch-Belarussischen Union zusammengeschlossen, auf die sich Boris Jelzin mit Aljaksandr Lukaschenka (belarussischer StaatsprĂ€sident seit 1994) verstĂ€ndigte. Nach EinschĂ€tzung von Politologen hing ihre Entwicklung jedoch stark mit persönlichen Ambitionen Lukaschenkas zusammen, der Nachfolger Jelzins in einem kĂŒnftigen Unionsstaat zu werden. Als nach Jelzin 1999 Wladimir Putin russischer PrĂ€sident wurde, kĂŒhlte sich das VerhĂ€ltnis zu Belarus ab, dem Putin einen Beitritt zur Russischen Föderation vorschlug. Bis 2011 verlief die weitere Integration sehr schleppend, viele Projekte wie die gemeinsame WĂ€hrung wurden nicht umgesetzt. Die Beziehungen waren vielmehr von Energiekonflikten ĂŒberschattet. 2011 trat Belarus jedoch der gemeinsamen Zollunion mit Russland und Kasachstan bei, die bereits seit 2000 im Rahmen der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft in Planung war. Zu den weiteren Zielen dieser Gemeinschaft zĂ€hlt ein gemeinsamer Wirtschaftsraum und die Schaffung einer politischen Union, die fĂŒr weitere Staaten des postsowjetischen Raumes offensteht.

Beziehungen zur Ukraine

Ein ambivalentes VerhĂ€ltnis hat Russland mit der Ukraine. Trotz enger historischer und kultureller Verbindungen und einer fortbestehenden wechselseitigen AbhĂ€ngigkeit, vor allem in den Energiefragen, haben geschichtsbezogene Meinungsverschiedenheiten (vgl. Holodomor) sowie der erklĂ€rte Westkurs der Ukraine das VerhĂ€ltnis schwer belastet. Vor allem westlich orientierte Regierungen der Ukraine wurden von Russland wiederholt unter Druck gesetzt, so zum Beispiel nach der PrĂ€sidentschaftswahl in der Ukraine 2004, als es zum Russisch-ukrainischen Gasstreit kam. Nach der Abwahl des russlandfreundlichen Politikers Wiktor Janukowytsch und dem Euromaidan, bei dem sich die Demonstranten fĂŒr eine Westorientierung der Ukraine aussprachen, kam es zur Annexion der Krim durch Russland und zum Krieg in der Ukraine seit 2014, wobei sogenannte Separatisten fĂŒr eine Autonomie des Donbass kĂ€mpften. Diese wurden durch Russland personell und militĂ€risch unterstĂŒtzt. Bereits im Jahr 2009 war in ukrainischen Medien offen ĂŒber die Möglichkeit eines militĂ€rischen Angriffs durch Russland diskutiert worden.

In diesem Konflikt kam es auch zum Abschuss des Fluges MH17.

Beziehung zur EuropÀischen Union

Als Antwort auf die Annexion der Krim 2014 wurden von der EuropĂ€ischen Union Sanktionen gegen Russland ergriffen. Dabei geht es vorwiegend um bestimmte AusrĂŒstungen fĂŒr die russische Öl- und Gasindustrie, zudem wird verschiedenen russischen Finanzinstituten der Zugang zum Finanzmarkt erschwert. Der Beschluss dieser Sanktionen erfolgt jeweils befristet fĂŒr ein halbes Jahr (letztmals bis Januar 2019) und bedarf der Einstimmigkeit des Rates der EuropĂ€ischen Union.

Deutsch-russische Beziehungen

Deutsche waren die ersten „westlichen“ EuropĂ€er, mit denen Russland intensiver in Kontakt kam. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts bestand der Peterhof in Nowgorod als Handelsniederlassung der Hanse. Zu militĂ€rischen Auseinandersetzungen kam es seit dem 12. Jahrhundert mit dem SchwertbrĂŒderorden in Livland. Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschen und Russen waren besonders eng unter Peter dem Großen. Russische Deutsche haben einen großen Beitrag zur Entwicklung der russischen Kultur geleistet, beispielsweise Kaiserin Katharina II., Admiral Adam Johann von Krusenstern, der MilitĂ€ringenieur Graf Eduard Iwanowitsch Totleben, der Musiker Swjatoslaw Teofilowitsch Richter und viele andere. Der historische Beitrag Deutschlands wird daher bis heute in Russland anerkannt und geschĂ€tzt. Auch politisch blickten Deutschland und Russland bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf lange BĂŒndnistraditionen zurĂŒck. Insbesondere das Königreich Preußen lehnte sich seit dem Ende des SiebenjĂ€hrigen Krieges 1763 bis zur Deutschen ReichsgrĂŒndung von 1871 eng an das russische Zarenreich an, da es zweimal in seiner Geschichte letztlich durch Russland vor der fast völligen Vernichtung bewahrt worden war – 1762 durch den Seitenwechsel Zar Peters III. im SiebenjĂ€hrigen Krieg und 1807 durch die FĂŒrsprache Zar Alexanders I. bei Napoleon im Frieden von Tilsit. WĂ€hrend der Befreiungskriege kĂ€mpften Russen und Deutsche gemeinsam gegen die französische Fremdherrschaft. So waren russische Soldaten maßgeblich an der Befreiung Deutschlands beteiligt. Die „Allianz der drei Schwarzen Adler“ – Russland, Österreich und Preußen –, die bereits in der ersten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts bestanden hatte, setzte sich in der Folge nach dem Wiener Kongress als Heilige Allianz fort. Die schweren kriegerischen Auseinandersetzungen im 20. Jahrhundert haben bis heute Nachwirkungen. Die rechtliche Grundlage der Beziehungen des wiedervereinigten Deutschlands und der Russischen Föderation bilden der Vertrag ĂŒber die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland vom 12. September 1990, der Vertrag ĂŒber gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit vom 9. November 1990 sowie die Gemeinsame ErklĂ€rung des PrĂ€sidenten der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik und des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland vom 21. November 1991. Im Zeichen der friedlichen deutschen Wiedervereinigung war die deutsche Seite einerseits dankbar fĂŒr die problemlose Abwicklung der Folgeauswirkungen, andererseits fĂŒhlte sich Deutschland als Impulsgeber und Motor fĂŒr eine stĂ€rkere Integration Russlands in europĂ€ische Strukturen und warb fĂŒr Kredite und Investitionen in Russland. Ab der Kanzlerschaft Gerhard Schröders und dem Wirtschaftsaufschwung in Russland unter Wladimir Putin intensivierten sich die deutsch-russischen Beziehungen insbesondere im Bereich der Wirtschaft, aber auch beim politischen Dialog. Ab 1998 fanden jĂ€hrlich bilaterale Regierungskonsultationen auf höchster Ebene unter Beteiligung beider Regierungen statt.

Es gab in Russland zwischenzeitlich mehr als 6000 Unternehmen mit deutscher Beteiligung, einschließlich mehr als 1350 russisch-deutscher Joint Ventures.

Zwischen Deutschland und Russland entwickelte sich ein enger kultureller und bildungspolitischer Austausch. 2003 wurde ein Regierungsabkommen zur Förderung des gegenseitigen Erlernens der Partnersprache abgeschlossen. Rund 12.000 junge russische StaatsbĂŒrger studierten an deutschen Hochschulen. Im April 2005 wurde eine gemeinsame ErklĂ€rung fĂŒr eine strategische Partnerschaft auf dem Gebiet der Bildung, Forschung und Innovation unterzeichnet. Ab 2006 gab es KoordinierungsbĂŒros in Hamburg und Moskau fĂŒr den bilateralen SchĂŒler- und Jugendaustausch. Das Goethe-Institut ist an vielen Orten in Russland prĂ€sent, in Moskau, St. Petersburg und seit FrĂŒhjahr 2009 in Nowosibirsk. Daneben sind zahlreiche weitere deutsche Kulturmittler in Russland vertreten.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier stellte 2014 klar, dass eine im Jahre 2008 vorgeschlagene Modernisierungspartnerschaft aufgrund der formulierten Voraussetzungen von der russischen Seite ausgeschlagen worden war.

Obwohl die Tendenz stieg, hatten 2011 trotz starker Wirtschaftsbeziehungen und eines bedeutenden Austausches zwischen den Zivilgesellschaften nur ein Drittel der Deutschen Russland als Partnerland vertraut. Dies lĂ€sst sich auf die Rolle der Medien zurĂŒckfĂŒhren, die einen entscheidenden Einfluss bei der Wahrnehmung Russlands haben (vgl. Russlandberichterstattung in Deutschland). Bis zum Amtsantritt Wladimir Putins herrschte in den deutschen Medien das Bild eines „armen“ und „unberechenbaren“ Russlands vor. Durch die wirtschaftliche Stabilisierung nach der Jahrtausendwende und hohe Einkommen aus den Ölvorkommen verschwand dieses Bild allmĂ€hlich. An seine Stelle rĂŒckte die Angst vor Putins Energie-Imperium und der AbhĂ€ngigkeit von ihm. Die Berichterstattung der politischen Situation in Russland wurde durch die Stagnation der Medien und deren Personalabbau zuweilen als zu wenig differenziert wahrgenommen; PrĂ€sident Medwedew galt den Einen als „liberal“, den anderen als PrĂ€sident eines Landes, welchem ein Umsturz bevorstand.

Die AbkĂŒhlung der russisch-deutschen Beziehungen begann schon im Herbst 2012, als der Bundestag eine Resolution mit Kritik an Russlands Innenpolitik verabschiedete. Die Putin-Regierung betreibt seit Mai 2012 eine „nationalpatriotische und gegen westliche EinflĂŒsse gerichtete Politik“.

Im Februar 2014 kritisierte Russland die deutsche Rolle beim Euromaidan in der Ukraine. Im Verlauf der Ukraine- und Krimkrise zeigte sich, dass russische Geheimdienste zunehmend versuchen, mittels gezielter Infiltration sozialer Netzwerke wie Facebook sowie der Kommentarbereiche westlicher, auch deutscher Onlinemedien (betroffen sind etwa die Deutsche Welle und die SĂŒddeutsche Zeitung), die öffentliche Meinung im Ausland zu Gunsten Russlands zu manipulieren. Wie die SĂŒddeutsche berichtet, sind zu diesem Zweck hunderte bezahlte Manipulatoren im Einsatz.

Unmittelbar nach der Annexion der Krim 2014 wurden in der EuropÀischen Union Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhÀngt. Als Folge brach der deutsch-russische Handel binnen Monaten um rund ein Drittel ein. Im Sommer 2017 wurden die Sanktionen wiederum verschÀrft.

Im Februar 2020 warf der deutsche Außenminister Heiko Maas der russischen Regierung angesichts des russischen MilitĂ€reinsatzes im Rahmen des syrischen BĂŒrgerkriegs vor, das humanitĂ€re Völkerrecht gebrochen und Kriegsverbrechen im Gouvernement Idlib begangen zu haben.

Rolle im Syrischen BĂŒrgerkrieg

Der Syrienkonflikt ist einer der wenigen internationalen Konflikte, in denen die russische Regierung eine zentrale Rolle spielt. Dabei brachte ihre Verweigerungshaltung gegenĂŒber jeglichen Versuchen, im Rahmen des UN-Sicherheitsrats internationalen Druck auf die Regierung Assad auszuĂŒben, der russischen Regierung scharfe Kritik westlicher und regionaler Akteure ein und beschĂ€digte das Ansehen Russlands in der arabischen Welt. Russland nahm von Anfang an die klare Haltung ein, dass die KĂ€mpfe zwischen Regierung und Opposition nur innersyrisch zu lösen sei. Dies sei erstens durch ergebnisoffene Verhandlungen zwischen beiden Seiten zu erreichen und sollte zweitens ohne externe Einmischung geschehen, sei es durch Waffenlieferung an die Rebellen oder durch militĂ€rische Intervention. Dementsprechend blockierte Russland nicht nur ResolutionsentwĂŒrfe im UN-Sicherheitsrat, die Sanktionen vorgesehen hĂ€tten (Oktober 2011, Juli 2012), sondern auch solche, die lediglich die Gewaltanwendung durch die syrische Regierung verurteilt hĂ€tten, ohne dass zugleich die Regimegegner ebenfalls verurteilt und zum Gewaltverzicht aufgerufen wĂŒrden (Februar 2012).

Die FĂŒhrung Russlands gibt vor, damit eine neutrale Haltung einzunehmen. Mehrmals betonten PrĂ€sident Putin, Außenminister Lawrow und MinisterprĂ€sident Medwedew, dass ihr Land – im Gegensatz zu den westlichen Staaten oder den Golfmonarchien – nicht einseitig Partei ergreife.

Jedoch unterstĂŒtzt die russische Regierung die Regierung Assads auf vielfĂ€ltige Weise. Erstens stĂŒtzt man auf internationaler BĂŒhne die Legitimationsstrategie der syrischen FĂŒhrung. Durch eine Darstellung der Opposition primĂ€r als einer Gruppe von „Fanatikern“, Islamisten oder Terroristen wird die Schuld am Gewaltausbruch implizit ihr zugewiesen. Zweitens liefert Russland weiterhin Waffen an die syrische Regierung, darunter Luftabwehrsysteme (Buk-M2 [Nato-Code: SA-17 Grizzly] und Panzir-S1 [Nato-Code: SA-22 Greyhound]) und Helikopter. Russland verweist darauf, dass die Exporte nach internationalem Recht zulĂ€ssig seien. Schließlich hat der UN-Sicherheitsrat – aufgrund russischer und chinesischer Weigerung – bislang kein Waffenembargo verhĂ€ngen können. Als verlĂ€sslicher Exporteur – so die russische Rechtfertigung – sei die russische Regierung daher verpflichtet, bestehende VertrĂ€ge zu erfĂŒllen. „Neue Lieferungen“ seien aber suspendiert worden, erklĂ€rte Wjatscheslaw Dsirkaln vom Föderalen Dienst fĂŒr MilitĂ€rtechnische Zusammenarbeit im Juli 2012. Drittens hilft die russische Regierung der Regierung Assad auch, indem sie Banknoten fĂŒr die syrische Regierung druckt.

Die Motive der russischen Syrienpolitik gehen ĂŒber materielle Interessen hinaus. Sie betreffen grundlegende Fragen der internationalen Ordnung und regionalen Machtbalance, aber auch konkrete sicherheitspolitische Risiken fĂŒr Russland selbst. Der „arabische FrĂŒhling“ warf fĂŒr die internationale Gemeinschaft erneut die Frage auf, wie mit dem SpannungsverhĂ€ltnis zwischen staatlicher SouverĂ€nitĂ€t und Schutzverantwortung („responsibility to protect“ – „R2P“) umzugehen ist. Es geht um kontrĂ€re Ansichten zur Ausgestaltung der internationalen Ordnung und den Anspruch Russlands, diese mitzubestimmen. Die russische Regierung lehnt die „R2P“ nicht prinzipiell ab, will es aber an enge Grenzen gebunden wissen, ohne das Ziel eines „Regime Change“ von außen. Dahinter steht eine traditionelle Interpretation staatlicher SouverĂ€nitĂ€t. Diese hat auch eine innenpolitische BegrĂŒndung. Schließlich stellt eine Aufweichung des Nichteinmischungsgebots fĂŒr die autoritĂ€re FĂŒhrung in Moskau auch aus GrĂŒnden des eigenen Machterhalts ein Gefahrenszenario dar.

Nach den Giftgas-Angriffen von Ghuta und der Drohung der US-amerikanischen Regierung mit einem MilitĂ€rschlag gelang es Russland, zwischen der US-amerikanischen und der syrischen Regierung zu vermitteln. Am 14. September 2013 wurde vereinbart, dass die syrische Regierung zunĂ€chst binnen einer Woche das gesamte Giftgasarsenal offenlegen und den UN-Inspektoren uneingeschrĂ€nkten Zugang zu den LagerstĂ€tten gewĂ€hren muss. Mitte November sollen die UN-Inspekteure die Arbeit aufnehmen. Die Chemiewaffen sollen außerhalb von Syrien vernichtet werden. Am 16. September sprach sich Russland erneut gegen eine UN-Resolution aus, die eine Drohung im Falle einer Nicht-ErfĂŒllung der Vereinbarung gegen die syrische Regierung vorsah.

HumanitĂ€re Hilfe leistet Russland in dem Konflikt hingegen kaum, so stellte die Regierung im Jahr 2015 fĂŒr das UN-Hilfsprogramm zur Versorgung der rund 4 Millionen Syrer, die vor dem Krieg in die NachbarlĂ€nder geflohen sind, bislang einen Betrag von 300.000 US-Dollar zur VerfĂŒgung, was 0,02 % der fĂŒr die Hilfsmaßnahmen veranschlagten Gesamtkosten deckt. In Russland selbst halten sich SchĂ€tzungen zufolge zwischen 8000 und 12.000 syrische FlĂŒchtlinge auf, viele davon illegal. Im Jahr 2015 wurde kein einziger Syrer in Russland offiziell als FlĂŒchtling anerkannt, 482 Asylsuchende wurden geduldet.

Durch den russischen MilitĂ€reinsatz sind bis Ende September 2019 laut der syrischen Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte etwa 19.000 Menschen (davon ca. 8300 Zivilisten) ums Leben gekommen. Insbesondere im Gouvernement Idlib sind durch die Offensiven der russischen und syrischen StreitkrĂ€fte hunderttausende Menschen zur Flucht genötigt worden. Auch hinterließ die Offensive einen immensen Schaden der lokalen Infrastruktur. So sind laut einem Bericht von Amnesty International zwischen Mai 2019 und Februar 2020 mindestens 18 Angriffe auf KrankenhĂ€user und Schulen in Syrien durch die russischen und syrischen StreitkrĂ€fte verĂŒbt worden. In der Folge haben fĂŒnf Kliniken darum schließen mĂŒssen. Im Juli 2020 blockierte die russische Regierung mit einem Veto im UN-Sicherheitsrat den Fortbestand eines Großteils der UN-Hilfslieferungen von medizinischen GĂŒtern und Nahrungsmitteln nach Syrien, sodass das UN-Hilfsprogramm fĂŒr Syrien nur noch eingeschrĂ€nkt fortgesetzt wurde.

Verteidigungspolitik

MilitÀrdoktrin

Mit der Unterschrift PrĂ€sident Putins trat am 31. Dezember 2015 Ukas 683 und damit eine neue MilitĂ€rdoktrin in Kraft, welche erstmals die USA sowie deren Alliierte, die NATO und die EU als Bedrohung fĂŒr Russland und seine Nachbarn benannte. Im MĂ€rz 2018 widmete PrĂ€sident Putin ein Drittel seiner Rede an die Nation der PrĂ€sentation angeblich unbesiegbarer Nuklearwaffen.

MilitÀr

Der russische Staat besitzt den 1949 noch als Sowjetunion erlangten Status einer Atommacht und verfĂŒgt mit 6500 StĂŒck ĂŒber das weltweit grĂ¶ĂŸte Arsenal an nuklearen Sprengköpfen, vor den Vereinigten Staaten mit 6185 (Stand: 2019).

In Russland gilt eine allgemeine Wehrpflicht fĂŒr wehrfĂ€hige MĂ€nner ab 18 bis maximal 27 Jahren. 2007 wurde sie von 24 auf 18, 2008 dann auf 12 Monate verkĂŒrzt. Da die wehrpflichtigen Soldaten frĂŒher auch in Krisengebieten wie Tschetschenien eingesetzt wurden und es im Rahmen der Dedowschtschina nicht selten zu Misshandlungen von jungen Rekruten durch Vorgesetzte kommt, gibt es in der Bevölkerung, besonders durch die MĂŒtter Wehrpflichtiger, immer wieder Kritik an der Wehrpflicht.

Die StĂ€rke der StreitkrĂ€fte betrug 2001 1.183.000 Mann, davon 321.000 LandstreitkrĂ€fte, 171.500 Marine, 184.600 LuftstreitkrĂ€fte und 149.600 AtomstreitkrĂ€fte. 40.000 dienen in Staaten der GUS als Friedenstruppen und 316.900 werden als „sonstige MilitĂ€rs“ gefĂŒhrt.

Im Jahr 2018 gab Russland 61,4 Mrd. Dollar fĂŒr sein MilitĂ€r aus. Es liegt damit im internationalen Vergleich hinter den Vereinigten Staaten mit 649 Mrd. Dollar, der Volksrepublik China mit 250 Mrd. Dollar, Saudi-Arabien mit 67,6 Mrd. Dollar, Indien mit 66,5 Mrd. Dollar und Frankreich mit 63,8 Mrd. Dollar auf Platz 6, gefolgt vom Vereinigten Königreich und Deutschland. Die schon ab 2000 massiv gestiegenen RĂŒstungsausgaben Russlands hatten sich noch von 2004 bis 2014 verdoppelt und sollen ab 2014 rund ein FĂŒnftel der gesamten Staatsausgaben betragen. FĂŒr 2016 wurde gar mit einem Anteil von beinahe 25 Prozent an den Staatsausgaben gerechnet unter Annahme eines spĂ€teren Sinkens. Mittels einer grundlegenden Reform wird versucht, die russische Armee den Erfordernissen einer modernen KriegfĂŒhrung und den finanziellen Möglichkeiten des Landes anzupassen. Elemente dieser MilitĂ€rreform waren: Vorrang der konventionellen vor der nuklearstrategischen RĂŒstung, personelle Verkleinerung der Armee auf 835.000 Soldaten, schrittweiser Übergang zur Berufsarmee, Vereinfachung der Kommandostrukturen sowie Erhöhung des Verteidigungsbudgets, das je zur HĂ€lfte fĂŒr den Unterhalt der StreitkrĂ€fte und fĂŒr Forschung, Entwicklung, UnterstĂŒtzung der RĂŒstungsindustrie sowie Beschaffung neuer Waffen ausgegeben werden soll. Vorgesehen war, fĂŒr die Modernisierung der Armee und die Instandsetzung von Waffen und MilitĂ€rtechnik bis 2020[veraltet] insgesamt ungefĂ€hr 400 Mrd. Euro bereitzustellen. Im Jahr 2015 wurden neue Raketen fĂŒr die NuklearstreitkrĂ€fte angekĂŒndigt. Die „stationierten“ Atomsprengköpfe stiegen von 1400 im Jahr 2013 auf 1796 im Jahr 2016. Paradoxerweise ist die Zahl der stationierten Sprengköpfe damit aufgrund neu eingeflotteter U-Boote grĂ¶ĂŸer als beim Inkrafttreten des New-START-Abkommens im Jahr 2011 (jedoch absehbar wieder sinkend).

Spezialeinheiten

Es gibt in Russland eine Reihe von Spezialeinheiten (SpezNas), welche dem Innenministerium (MWD) unterstellt sind. Die StreitkrĂ€fte des MWD umfassten im Jahre 2007 insgesamt 170.000 Mann. Ihr Oberbefehlshaber, ein Armeegeneral, ist gleichzeitig Stellvertreter des Innenministers. Die Inneren Truppen gliederten sich 2007 in fĂŒnf Divisionen (ODON), zehn Brigaden (OBRON) und eine Anzahl selbstĂ€ndiger Einheiten. Sie sind mit SchĂŒtzenpanzern und eigener Artillerie ausgerĂŒstet. Dem MWD unterstehen mit der Polizija (ĐżĐŸĐ»ĐžŃ†ĐžŃ) außerdem die regulĂ€ren PolizeikrĂ€fte, welche bis MĂ€rz 2011 als Miliz bezeichnet wurden. Diese sind z. B. fĂŒr die Aufsicht ĂŒber die Staatsstraßen zustĂ€ndig. Daneben gibt es die rund 20.000 Mann der Polizei-Spezialeinheit OMON (ОМОН), die fĂŒr NotfĂ€lle, Großlagen und den Schutz des Nukleararsenals zustĂ€ndig sind. Dem MWD untersteht schließlich auch der russische Inlandsgeheimdienst, FSB. Dem Föderalen Sicherheitsdienst FSB wurden unter PrĂ€sident Putin die von Jelzin geschaffenen selbststĂ€ndigen Sicherheitsdienste – die Grenztruppen Russlands – untergeordnet, die etwa 160.000 Mann ausmachen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaftsstruktur und Wirtschaftsgeschichte

Allgemeines

Russland ist ein entwickeltes Industrie- und Agrarland. Das Land ist zudem GrĂŒndungsmitglied der seit dem 1. Januar 2015 existierenden Eurasischen Wirtschaftsunion. Die fĂŒhrenden Industriebranchen sind Maschinenbau sowie die Eisen- und Nichteisenmetallverarbeitung. Gut entwickelt sind auch die chemische und petrolchemische Industrie sowie die Holz-, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie.

Das russische Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2015 ca. 1.192 Mrd. EUR. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im selben Jahr 8.137 Euro. Der Dienstleistungssektor steuert 62,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Auf den industriellen SekundÀrsektor entfallen rund 32,7 Prozent, auf den Agrarsektor (Bauwirtschaft und Landwirtschaft) 4,7 Prozent. Die Weltbank schÀtzte, dass rund ein Viertel der gesamtwirtschaftlichen Produktion von der Rohstoffproduktion gestellt wird.

Laut einer Studie der Bank Credit Suisse betrĂ€gt der durchschnittliche Vermögensbesitz je erwachsene Person in Russland 16.773 US-Dollar. Im Median liegt er jedoch bei nur 3.919 US-Dollar (Weltdurchschnitt: 3.582 US-Dollar), was auf eine hohe Vermögensungleichheit hindeutet. Mehr als 70 % der russischen Bevölkerung besitzen weniger als 10.000 US-Dollar an Vermögen. Russland belegte Platz 19 in der Rangliste der LĂ€nder nach totalem Privatvermögen, einen Platz vor Indonesien und einen hinter Schweden. Russland war 2017 das Land mit der fĂŒnfthöchsten Anzahl an MilliardĂ€ren (insgesamt 96). Die sogenannten Oligarchen im Land sind teilweise zum Symbol fĂŒr korrupte Strukturen und Ungleichheit geworden.

Die Gesamtzahl der BeschĂ€ftigten betrĂ€gt 73,5 Millionen (2006). 30 Prozent der ErwerbstĂ€tigen arbeiteten 2005 in der Industrie. In der Landwirtschaft waren 10 Prozent, im Dienstleistungsbereich 22 Prozent und im öffentlichen Sektor nochmals 22 Prozent aller ErwerbstĂ€tigen beschĂ€ftigt. Im Jahr 2013 sagte die russische Vize-MinisterprĂ€sidentin Olga Golodez, nur 48 Millionen (statt 86 Millionen) ArbeitsfĂ€hige seien fĂŒr die Regierung sichtbar, je nach SchĂ€tzung macht die Schattenwirtschaft die HĂ€lfte der Wirtschaftsleistung aus. Kleine und mittlere Betriebe leisteten ein FĂŒnftel, wohingegen die staatlichen Konzerne 70 Prozent beitrugen. Auch aufgrund der minimalen Renten weiterhin arbeitstĂ€tige Rentner gehörten zum Heer der selbstĂ€ndig erwerbenden Kleinverdiener, welche ihr Einkommen kaum je deklarierten: Die Steuermoral lag angesichts der bekannten korrupten Ausschweifungen der Politiker darnieder.

Nach Jahren des Aufschwungs steckte die russische Wirtschaft um die Jahre 2015/16 in der Rezession. Nachdem das russische Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2014 noch um 0,6 % gewachsen war, schrumpfte die russische Wirtschaft 2015 um 3,7 %. FĂŒr das Jahr 2016 wurde offiziell ein RĂŒckgang der Wirtschaftsleistung um 0,2 % vermeldet. Als HauptgrĂŒnde fĂŒr die Rezession wurden zumeist der sehr niedrige Ölpreis, der Verfall des Rubels sowie die westlichen Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise genannt. Allerdings werden der russischen Wirtschaft auch grundsĂ€tzliche strukturelle Probleme bescheinigt. Des Weiteren hatte Russland mit erhöhten Inflationsraten im Falle des Jahres 2015 von bis zu 15 Prozent zu kĂ€mpfen. Die Inflation fiel 2018 wieder auf um drei Prozent. Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Russland Platz 38 von 137 LĂ€ndern (Stand 2017/18). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz 114 von 180 LĂ€ndern.

Nach der Transformationskrise

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Russlands nach der Auflösung der Sowjetunion war zunĂ€chst von einem drastischen Einbruch der Produktion geprĂ€gt. Dazu trug der Wegfall eingespielter Handelsbeziehungen im Verbund der Sowjetunion bei. Der Übergang von der Planwirtschaft zu einer marktwirtschaftlichen Ordnung war schwierig und gelang nur in Teilbereichen. Insgesamt verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt um gut 40 Prozent. Kurz nach Beginn der Asienkrise begann im Herbst 1997 die Russlandkrise. Am 17. August 1998 erklĂ€rte Russland den Staatsbankrott und musste die Dollarbindung des Rubel aufgeben. Die „Politik des Minimalstaates“ unter Jelzin fĂŒhrte dazu, dass die föderale Regierung nicht imstande war, Steuern einzutreiben und fĂŒr Rechtssicherheit zu sorgen. Dies Ă€nderte sich unter der PrĂ€sidentschaft von Wladimir Putin ab dem Jahr 2000. Um die politische Kontrolle im Staat wieder zu erlangen, stĂ€rkte er den Staatsapparat auf Kosten des Einflusses der Oligarchen.

Putin fĂŒhrte in Russland bis 2008 eine staatlich gefĂŒhrte korporatistische Wirtschaft. Im Jahr 2007 fĂŒhrte er per Gesetz sechs Institutionen zur BĂŒndelung von StaatsaktivitĂ€ten in strategisch wichtigen Bereichen ein, unter alleiniger FĂŒhrung des PrĂ€sidenten. Darunter fallen die Nukleartechnik bei Rosatom, die Bank fĂŒr Außenwirtschaft VEB, der Reformfonds fĂŒr Immobilien, Rusnano oder das RĂŒstungsgĂŒter-Konglomerat Rostec, dazu Olimpstroi, die 2014 aufgelöste Staatsgesellschaft fĂŒr Bauten der Olympischen Spiele in Sotschi 2014. Die VEB war aus der Außenhandelsbank der UdSSR hervorgegangen. An diesen durch Gesetz geschaffenen Staatskonglomeraten kritisierte unter anderem MinisterprĂ€sident Medwedew die Verwendung von Staatseigentum oder Staatsmitteln zur GrĂŒndung, was zu einer versteckten Privatisierung fĂŒhre. Bei einer PrĂŒfung der Korporationen im Jahr 2009 durch Medwedew wurden Missbrauch und Ineffizienz festgestellt. PrĂ€sident Medwedew nannte in seiner Rede an die Nation im November 2009 die Organisationsform der Korporationen „ohne Perspektive“. Wenige Tage spĂ€ter erwiderte MinisterprĂ€sident Putin, Staatskorporationen seien schlicht eine Notwendigkeit, und betonte, dass darĂŒber in der StaatsfĂŒhrung Einigkeit herrsche.

In den ersten vier Jahren von Putins PrĂ€sidentschaft folgte die EinfĂŒhrung einer Flatrate bei der Einkommensteuer (vgl. Steuerrecht (Russland)), der vollen KonvertibilitĂ€t des Rubels und eines Drei-Jahres-Budgets (dies bis zu den Finanzproblemen im Jahr 2015). Um von den Einnahmen des Energiesektors zu profitieren, wurden private Unternehmen aus diesem Bereich zurĂŒckgedrĂ€ngt. Auch außerhalb des Energiesektors baute der Staat seinen Einfluss aus. Die Regierung förderte die Bildung staatlicher Großkonzerne, die strategische Branchen dominieren sollen. So wurden beispielsweise private Unternehmen fĂŒr Maschinen- und Automobilbau von Staatsbetrieben ĂŒbernommen und durch Subventionen gestĂŒtzt, um modernisiert werden zu können.

Große ProduktionskapazitĂ€ten aus der Zeit der UdSSR waren nicht ausgelastet, so dass sich die russische Regierung daran orientierte, durch eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik mittels expansiver, wachstumsorientierter Geldpolitik diese KapazitĂ€ten wieder voll auszulasten. Dies brachte eine zweistellige Inflationsrate mit sich. Das von PrĂ€sident Putin gesetzte Ziel, das Bruttoinlandsprodukt innert zehn Jahren zu verdoppeln, sollte mittels staatlichem Ausgabenprogramm erreicht werden. DafĂŒr wurden GehĂ€lter im öffentlichen Dienst sowie Renten, sonstige Sozialleistungen und Ausgaben fĂŒr den Wohnungsbau erhöht. Möglich wurde das Sozialprogramm durch den Ölboom, der neben hohen Mehreinnahmen fĂŒr den Staat eine Reduzierung der Auslandsverschuldung ermöglichte, die 2000 noch 166 Mrd. Dollar betrug. Ein Teil der Öleinnahmen floss in den 2004 errichteten Stabilisierungsfonds, der sinkende Staatseinnahmen abfedern und eine mögliche Inflation abschwĂ€chen sollte. Dieser Stabilisierungsfonds wurde 2008 in einen Reservefonds und einen Wohlstandsfonds (zur Rentensicherung) aufgegliedert. Der Wohlstandsfonds betrug 2011 68,4 Mrd. Euro, der Reservefonds 19,9 Mrd. Euro.

Die russische Wirtschaft hatte sich vom Produktionseinbruch im Zuge der Finanzkrise des Jahres 1998 rasch erholt, da die 1998 eingetretene deutliche Abwertung des Rubels der russischen Wirtschaft Auftrieb verschaffte und auslĂ€ndische GĂŒter verteuerte, so dass Produkte aus Russland dort wettbewerbsfĂ€higer wurden. Außenwirtschaftlich verstĂ€rkte sich die AbhĂ€ngigkeit der russischen Wirtschaft vom Energiesektor allerdings weiter. Trotz krĂ€ftig gestiegener Investitionen wurde in Russland im internationalen Vergleich zu wenig investiert. Investoren kritisierten fehlende Rechtssicherheit, weit verbreitete Korruption, eine ĂŒberbordende BĂŒrokratie und die geringe LeistungsfĂ€higkeit des russischen Bankensystems.

In der internationalen Wirtschaftskrise

Im Zuge der Internationalen Wirtschaftskrise wies die russische Wirtschaft seit Mitte 2008 deutlich negative Entwicklungen auf, was in hohem Maße auf ihre große AbhĂ€ngigkeit vom Rohstoffsektor zurĂŒckzufĂŒhren war. Aufgrund des drastischen Preisverfalls beim Erdöl und Erdgas sanken die Staatseinnahmen. Die weltweite Finanzkrise hatte Russland 2009 hart getroffen. Russland konnte durch seine Antikrisenpolitik grĂ¶ĂŸere BankenzusammenbrĂŒche verhindern, so dass das russische Finanzsystem wieder als stabil gilt. Die Pflichteinlagen bei der Zentralbank wurden hochgeschraubt, Banken bekamen staatliche Hilfen. Die Russische Zentralbank verwendete fast 300 Milliarden Dollar an Reserven, um den als Folge des auslĂ€ndischen Kapitalabzugs unter Abwertungsdruck gekommenen Rubel zu stĂŒtzen. 2010 und 2011 setzte eine wirtschaftliche Erholung in Russland ein.

Durch diese Krise wurde sichtbar, dass die Fixierung auf den Rohstoffreichtum das Land in eine Sackgasse fĂŒhrt und die AbhĂ€ngigkeit von den Weltmarktpreisen fĂŒr Erdöl, Erdgas oder Metalle zu hoch ist. Bereits zu Beginn des 21. Jahrhunderts hatte in Russland eine intensive Diskussion ĂŒber Sonderwirtschaftszonen eingesetzt. Unter Wladimir Putin wurde 2005 ein entsprechendes Gesetz ĂŒber Sonderwirtschaftszonen in der Russischen Föderation verabschiedet. Bis Ende 2009 wurden 15 dieser Zonen konzipiert und bestĂ€tigt, darunter unter anderem zwei Industrie-Sonderwirtschaftszonen (Jelabuga, Lipezk), vier technikorientierte Sonderwirtschaftszonen (Moskau, St. Petersburg, Dubna, Tomsk) sowie sieben Zonen fĂŒr Tourismus und Erholung. Zinsen wurden gesenkt, um Investitionen in die Produktion zu ermöglichen. Die Inflationsrate erreichte 2011 ihren niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Die Regierung war bemĂŒht, preistreibende Faktoren wie die Verteuerung von Treibstoffen und Strom ĂŒber Quartalsvereinbarungen mit den Anbietern unter Kontrolle zu halten.

WĂ€hrend das Land 1999 noch auf Platz 22 der grĂ¶ĂŸten Wirtschaftsnationen lag, hatte es 2012 den neunten Platz in der Welt nach nominalen BIP inne. Lag der Wert des russischen BIP in Relation zum deutschen im Jahr 2004 bei 21,7 Prozent, waren es 2011 bereits 51,7 Prozent. Der Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) erfolgte 2012 nach 18 Verhandlungsjahren, wodurch die Importzölle sanken und der Modernisierungsdruck der heimischen Wirtschaft stieg. Im Jahr 2015 lag Russlands Wirtschaftsleistung wieder hinter der Italiens auf Rang 10 oder 11. Die Regierung hatte es bis 2018 nie gewagt, das Renteneintrittsalter, welches Stalin im Jahr 1932 festgelegt hatte, zu erhöhen – die Renten, welche Frauen ab 55 Jahren, MĂ€nner ab 60 Jahren erhalten, sind jedoch so niedrig, dass sich viele in der Schattenwirtschaft Geld dazuverdienen. Gleichzeitig fehlten dem Arbeitsmarkt ArbeitskrĂ€fte.

Nach der Annexion der Krim 2014

Durch die Sanktionen des Westens aufgrund der russischen Annexion der Krim sowie des von Russland gefĂŒtterten Krieges in der Ukraine seit 2014 stagnierte die wirtschaftliche Entwicklung in Verbindung mit einem Einbruch des Erdölpreises. Es akzentuierten sich die strukturellen Probleme der russischen Wirtschaft, welche ĂŒber Jahre auf den Rohstoffexport ausgerichtet war. Die NZZ schrieb im August 2015 in einem Vergleich mit der Rubelkrise von 1997: „Heute ist die Lage weniger bedrohlich, aber die Besserungschancen sind geringer“; so konnte die RubelschwĂ€che wegen der Finanzrestriktionen nicht dazu genutzt werden, die Wirtschaft zu modernisieren und zu diversifizieren. Das russische Haushaltseinkommen 2015 sank durchschnittlich um 8,5 Prozent, wĂ€hrend die Lebensmittelpreise bis 25 Prozent anstiegen. Die Jahresinflation 2015 betrug 12,9 Prozent. Eine Kapital-Amnestie sollte ab Dezember 2014 Geld nach Russland zurĂŒckbringen. WĂ€hrend bei PrĂ€sidentensprecher Peskow bei der EinfĂŒhrung von einem absolut einmaligen, fĂŒr ein Jahr gĂŒltigen Angebot die Rede war, wurde die Amnestie im Dezember 2015 bis Juni 2016 verlĂ€ngert und Anfang 2018 nach neuen amerikanischen Sanktionen erneuert.

Alle staatlichen Ausgaben mussten gekĂŒrzt werden, nur die RĂŒstung war nicht davon betroffen. Der russische MinisterprĂ€sident Medwedew hatte wiederholt erklĂ€rt, das Land werde „unbefristet“ mit den westlichen Sanktionen leben mĂŒssen. Die Wirtschaftsentwicklung blieb gelĂ€hmt, weil die Techniken des Machterhalts des Putin-Regimes nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Reformen verhinderten. Der Anteil der Staatswirtschaft stieg an, die Schattenwirtschaft blĂŒhte, die Realeinkommen waren zwischen 2014 und 2018 mehrmals gesunken. Ein Steuersatz von 0 Prozent fĂŒr die Jahre 2017/2018 hĂ€tte SelbstĂ€ndigerwerbende zur Registrierung ihrer TĂ€tigkeit animieren sollen; von den vermutlich rund neun Millionen derart WerktĂ€tigen hatten sich gerade mal 936 registrieren lassen. Nach einem erneuten Gesetzesvorschlag von 2018 sollte diesen Kleinverdienern beim Auffliegen der TĂ€tigkeit der gesamte Ertrag abgenommen werden, also eine hĂ€rtere Strafe, als sie Gutverdienende zu befĂŒrchten hĂ€tten. Eine GeschĂ€ftseröffnung war fĂŒr die Mehrzahl befragter Russen im Februar 2019 nicht erstrebenswert, da es nicht möglich sei, ohne Mogeleien zu wirtschaften. Die auslĂ€ndischen Direktinvestitionen, welche 2013 noch 69 Milliarden Dollar umfasst hatten, waren laut Le Monde bis 2018 auf weit unter 5 Milliarden gefallen.

Im Juli 2018 wurde entschieden, die Mehrwertsteuer um zwei Prozent zu erhöhen, womit sie ab 1. Januar 2019 20 Prozent betrug.

Landwirtschaft

Die Holzindustrie ist hauptsĂ€chlich im Nordwesten des europĂ€ischen Teiles, im zentralen Uralgebirge, in SĂŒdsibirien und im SĂŒden des fernöstlichen Russlands vertreten. Russland verfĂŒgt ĂŒber etwa ein FĂŒnftel des Waldbestandes der Erde und ĂŒber rund ein Drittel des Weltbestandes an Nadelwald; der grĂ¶ĂŸte Teil der russischen Nutzholzproduktion besteht aus Weichholz, hauptsĂ€chlich von Kiefern, Tannen und LĂ€rchen. Wichtigstes Laubholz fĂŒr den Handel ist Birke.

Die Landwirtschaft ist nach wie vor eine wichtige Branche der russischen Wirtschaft. Einst die Kornkammer Europas, erlitt die russische Landwirtschaft in den 1990er-Jahren einen drastischen Einbruch der Agrarproduktion – jedoch schon in den 1980er-Jahren war Russland der weltweit bedeutendste Weizenimporteur. Der Produktionswert der russischen Landwirtschaft lag 2009 wieder bei umgerechnet 38 Milliarden Euro. Im Jahr 2016 unterstrich PrĂ€sident Putin den Willen, eine Agrar-Exportnation zu sein. Von der Rekordernte von 75 Millionen Tonnen Weizen im Jahr 2016 könnten knapp 7 Millionen Tonnen (Ă€hnlich wie 2015) exportiert werden. FĂŒr den Transport ist die staatliche Agrar-Transportbehörde Rusagrotrans zustĂ€ndig. Der Wert der exportierten LandwirtschaftsgĂŒter lag 2016 bei 17 Milliarden Dollar. Die Bedingungen fĂŒr die Landwirtschaft sind vor allem im europĂ€ischen Teil Russlands sowie in SĂŒdrussland gut, das russische Schwarzerdegebiet ist das grĂ¶ĂŸte der Welt. Die landwirtschaftliche NutzflĂ€che betrĂ€gt 219 Millionen Hektar, das sind 13 Prozent der LandflĂ€che Russlands. Davon sind 122 Millionen Hektar AckerflĂ€che, was neun Prozent des weltweiten Ackerlandes entspricht. Mehr als 80 Prozent der SaatflĂ€chen liegen an der Wolga, im Nordkaukasus, am Ural und in Westsibirien innerhalb des sogenannten Agrardreiecks. Der Ackerbau macht 36 Prozent der landwirtschaftlichen Bruttoerzeugung Russlands aus, die Tierzucht ĂŒber 60 Prozent. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse in Russland sind Getreide, ZuckerrĂŒben, Sonnenblumen, Kartoffeln und Flachs. Die Binnenfischerei liefert mit dem Stör den begehrten russischen Kaviar. In der Transformationsphase zwischen 1990 und 1997 gingen die Schweine- und GeflĂŒgelbestĂ€nde fast um die HĂ€lfte zurĂŒck. Russland importierte seitdem einen Teil seiner Nahrungsmittel. Es war schon zuvor, aber insbesondere seit seinen Gegen-Sanktionen gegen den Westen nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 das Ziel der russischen Regierung, die FĂ€higkeit zur Eigenversorgung zu steigern und die ImportabhĂ€ngigkeit zu reduzieren. Der Bestand an Rindern betrĂ€gt 12,1 Millionen Tiere, an Schweinen 7 Mio. sowie an Schafen und Ziegen 4,6 Mio. Rinderzucht wird vorwiegend im Wolgagebiet, in Westsibirien und dem europĂ€ischen Zentrum betrieben, Schweinezucht findet sich ebenfalls im Wolgagebiet, aber auch in Nordkaukasien und im zentralen Schwarzerdegebiet. Schafzucht weist Schwerpunkte in den Regionen Ostsibirien, Nordkaukasiens und dem Wolgagebiet auf.

Rohstoffwirtschaft

Die NaturreichtĂŒmer Russlands sind eine wichtige Basis fĂŒr die Wirtschaft des Landes. In Russland befinden sich 16 Prozent aller mineralischen Naturressourcen der Welt, davon 32 Prozent aller ErdgasvorrĂ€te (erster Platz in der Welt), 12 Prozent aller VorrĂ€te an Erdöl, die sich insbesondere in Westsibirien, auf der Insel Sachalin, in Nordkaukasien, der Republik Komi und den Erdölgebieten im Wolga-Ural-Bereich (Kaspische Senke) finden. Mit der krĂ€ftigen Zunahme der Ölexporte bei steigenden Ölpreisen von 2002 bis 2011 war die Bedeutung der Förderung besonders von Öl und Gas in Russland angewachsen und spielte eine wichtige Rolle fĂŒr die Wirtschaft auch außerhalb Russlands. Russische Unternehmen wie Gazprom, Rosneft oder Lukoil sind an der Erdöl- und Erdgasförderung beteiligt, welche hauptsĂ€chlich in den nördlichen und östlichen Landesteilen stattfindet.

Mit seinen GoldvorrĂ€ten belegt Russland den dritten Platz in der Welt. Weltbekannt sind die Diamantenvorkommen im nordostsibirischen Jakutien. Seit 1996 werden hier Diamanten in einer der weltweit grĂ¶ĂŸten Kimberlit-LagerstĂ€tten, in Mirny, gewonnen.

Russlands Anteil an den WeltvorrĂ€ten an Eisen und Zinn betrĂ€gt ĂŒber 27 Prozent, an Nickel 36 Prozent, an Kupfer 11 Prozent, an Kobalt 20 Prozent, an Blei 12 Prozent, an Zink 16 Prozent und an Metallen der Platingruppe 40 Prozent. 50 Prozent der weltweit bekannten Kohlevorkommen finden sich in Russland. Entsprechend den mineralischen Vorkommen spielt die Steinkohle- und Eisenerzförderung eine sehr wichtige Rolle in der Wirtschaft Russlands. GrĂ¶ĂŸere Erzvorkommen finden sich vor allem in den altgefalteten Gebirgen (Chibinen auf der Kola-Halbinsel, Ural, Altai, Sajangebirge sowie andere sibirische GebirgszĂŒge). LagerstĂ€tten von Steinkohle finden sich in einigen Vorsenken dieser Gebirge, vor allem am Ural (u. a. KohlelagerstĂ€tten von Workuta) sowie im Donezbecken an der Grenze zur Ukraine. Die Kohlenförderung litt an fehlenden Investitionen und hat im Vergleich zur Sowjetzeit an Bedeutung verloren.

Energiewirtschaft

Mit Öl, Erdgas oder Kohle betriebene WĂ€rmekraftwerke erzeugten 2003 rund 63 Prozent der gesamten Stromproduktion von rund 851 Mrd. Kilowattstunden. Auf Wasserkraftwerke entfielen 21 Prozent, auf Kernkraftwerke 16 Prozent. Die russische Regierung plant, den Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung bis 2020 auf etwa ein Drittel zu verdoppeln, um noch mehr Erdöl und Erdgas exportieren zu können. Das Stromnetz und die meisten Großkraftwerke sind nach wie vor unter staatlicher Kontrolle. Um von den Einnahmen des Energiesektors zu profitieren, war die russische Politik darauf ausgerichtet, die staatliche Kontrolle ĂŒber die Energiewirtschaft wieder zu verstĂ€rken und private Unternehmen aus diesem Bereich zurĂŒckzudrĂ€ngen. Das wurde durch die Zerschlagung des Erdölkonzerns Yukos und die Übernahme des Ölkonzerns Sibneft durch die halbstaatliche Erdgasgesellschaft Gazprom erreicht. Zu den grĂ¶ĂŸten Gas- und Ölförderungskonzernen gehört heute Surgutneftegas, wo PrĂ€sident Wladimir Putin 37 Prozent der Aktien kontrolliert. Alle russischen Kernkraftwerke sind Eigentum des staatlichen Unternehmens Rosatom und werden vom ebenfalls staatlichen Unternehmen Rosenergoatom betrieben. Den grĂ¶ĂŸten Anteil an der Stromproduktion hatte bis 2008 Unified Energy System, das zu ĂŒber 50 % dem russischen Staat gehörte und inzwischen in kleinere Unternehmen aufgeteilt wurde.

Industrie

Neben den alten Industriegebieten Moskau, Nischni Nowgorod, Sankt Petersburg, Saratow, Rostow und Wolgograd sind seit dem Zweiten Weltkrieg weitere Industriestandorte vorzugsweise im asiatischen Teil des Landes entstanden. Die Schwerindustrie konzentriert sich im Ural um Jekaterinburg. Russland nimmt eine fĂŒhrende Rolle in der weltweiten Produktion von Stahl und Aluminium ein. In den letzten Jahren haben sich in Russland weltbekannte Stahlkonzerne mit hoher Finanzkraft gebildet. Dies sind zum Beispiel Evraz, Severstal, Magnitogorsk Iron and Steel Works und Novolipetsk Steel, die zu den weltweit 30 grĂ¶ĂŸten Stahlkonzernen gehören. Wichtige Zentren der Schwerindustrie sind Magnitogorsk, Tscheljabinsk, Nischni Tagil, Nowokusnezk, Tscherepowez und Lipetsk.

An den alten Hauptindustriestandorten Moskau, dem Wolgagebiet, dem Nordwesten und dem Ural produzieren zahlreiche Maschinen- und Fahrzeugindustrien, aber auch GerĂ€te- und Anlagenbauherstellung ist hier angesiedelt. Mehrere Zweige des Verarbeitenden Gewerbes wie Maschinenbau, Autoindustrie und RĂŒstungsindustrie einschließlich Luftfahrtindustrie fielen nach dem Ende der Sowjetunion in eine tiefe Krise. Die Produktion ging stark zurĂŒck. In den 2000er-Jahren ging es aber auch in der verarbeitenden Industrie wieder bergauf. Vor allem auf MĂ€rkten in der GUS konnten Marktanteile zurĂŒckgewonnen und neue MĂ€rkte in Asien gefunden werden, weil sich einige russische Erzeugnisse als einfacher und preiswerter als westliche Konkurrenzprodukte profilieren konnten. Die Inlandsproduktion von Maschinen und AusrĂŒstungen erreichte 2006 ein Volumen von rund 63 Milliarden Euro. Um die notwendige Modernisierung im Maschinenbau zu forcieren, steuert der Staat die weitere Entwicklung des Maschinenbaus von oben. Dazu gehörte die GrĂŒndung der Staatsholding Rostechnologii, in die Staatsanteile von fast 500 Unternehmen (RĂŒstungsbetriebe, Fluggesellschaften, Lkw- und Waggonhersteller und Maschinenbauer) eingebracht wurden.

Der Flugzeugbau war eine der wichtigsten und technisch am höchsten entwickelten Branchen der russischen Industrie. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Produktionsketten zwischen den ehemaligen Unionsrepubliken unterbrochen. Das hatte tiefgreifende negative Auswirkungen auf den russischen Flugzeugbau. Die wichtigsten Entwickler und Produzenten von Flugzeugen in Russland wurden 2006 in der OAK zusammengefasst. 2010 lieferte die OAK 75 Flugzeuge aus bei einem Erlös von vier Milliarden US-Dollar. Die bekanntesten russischen Autohersteller sind AwtoWAS, KAMAZ, Ischmasch oder die GAZ-Gruppe. Sehr oft sieht man noch die in Russland hergestellten Automarken Schiguli, Moskwitsch, Lada Niva und Oka sowie die Lkw KAMAZ, Ural und andere. Inzwischen kooperieren die russischen Autohersteller mit auslĂ€ndischen Konzernen. Aktuell arbeiten die Volkswagen Group Rus mit GAZ, Ford mit Sollers, Renault-Nissan und AwtoWAZ sowie General Motors (GM) mit Avtotor zusammen. Dadurch entstanden und entstehen derzeit neue Montagewerke in Kaluga, Nischni Nowgorod, Togliatti, St. Petersburg und Kaliningrad. Koordiniert wird Russlands RĂŒstungsindustrie vom staatlichen RĂŒstungsexporteur Rosoboronexport. Rosoboronexport koordiniert die Arbeit der verschiedenen RĂŒstungsunternehmen und schließt diese ĂŒber Beteiligungen zu einem Konzern zusammen.

Die chemische Industrie Russlands ist eine der Hauptbranchen der Volkswirtschaft Russlands, deren Anteil am Umfang der Warenproduktion sechs Prozent erreicht. Der chemische Komplex Russlands schließt 15 große Industriegruppen ein, die sich auf den Ausstoß einer vielfĂ€ltigen Produktion spezialisiert haben. Die fĂŒhrenden Unternehmen in diesem Bereich sind die hochrentablen, erdölverarbeitenden Unternehmen und Produzenten von chemischen DĂŒngemitteln. DarĂŒber hinaus sind in Russland die Herstellung von Chemiefasern, Kunststoffen und Autoreifen stark entwickelt. Die Wirtschaft Russlands wird auch durch die Herstellung von Baustoffen, die Leichtindustrie (hauptsĂ€chlich Textilindustrie) und die Nahrungsmittelindustrie geprĂ€gt.

Dienstleistungen

Handel

Einzelhandel

Zu den fĂŒhrenden lokalen Einzelhandelsketten gehören mit großem Abstand die X5-Retail Group (zu dem u. a. die Ketten Pjatjorotschka und Perekrjostok gehören), Magnit, bei den internationalen Ketten fĂŒhren die Metro Group und Auchan. Den Bankenmarkt dominieren Staatsinstitute wie Sberbank, WTB, Rosselchosbank und Wneschekonombank. Allein die Sberbank, die frĂŒhere WerktĂ€tigensparkasse der Sowjetunion, hĂ€lt etwa die HĂ€lfte aller Spareinlagen. Über ein landesweites Filialnetz verfĂŒgt nur die Sberbank. Der Anteil der staatlich kontrollierten Banken am Gesamtmarkt betrĂ€gt im Schnitt etwa 50 Prozent. Die grĂ¶ĂŸten russischen Privatbanken (Gazprombank, Alfa Group, MDM Bank, Rosbank) sind Teil von Industrieholdings und nehmen hauptsĂ€chlich Aufgaben im Rahmen der Holding wahr.

Außenhandel

Von der Lieferstruktur her wichtigster Handelspartner Russlands ist Deutschland, das vor allem industrielle Fertigerzeugnisse wie Maschinen, Anlagen und Spitzentechnik nach Russland liefert. Russland ist im Gegenzug Deutschlands grĂ¶ĂŸter Rohöllieferant und deckt rund ein Drittel des deutschen Erdgasbedarfs. Der deutsch-russische Handel stieg 2018 um 8,4 % auf 61,9 Mrd. Euro. Die deutschen Importe aus Russland legten im Vorjahresvergleich um 14,7 % zu und betrugen rund 36 Mrd. Euro. Auch die Exporte nach Russland sind um 0,6 % auf 25,9 Mrd. Euro gestiegen. Die Volksrepublik China hat 2010 Deutschland als wichtigsten Außenhandelspartner abgelöst, ebenfalls von Bedeutung fĂŒr Russland sind die Niederlande, Ukraine, Italien, Belarus und die TĂŒrkei. Schon heute ist Russland weltweit zweitgrĂ¶ĂŸter Exporteur von Rohöl und weltweit grĂ¶ĂŸter Exporteur von Erdgas. Der Export von EnergietrĂ€gern und ElektrizitĂ€t hat einen Anteil von 62,8 Prozent an den Gesamtausfuhren (Metalle, Metallprodukte: 9,9 Prozent, Chemikalien: 4,1 Prozent). Russlands Anteil am weltweiten Warenhandel ist trotz seiner bedeutenden Stellung als Rohstofflieferant jedoch vergleichsweise gering. Er betrĂ€gt zwei Prozent, knapp ein Drittel des Anteils Deutschlands.

Russlands Warenaustausch mit dem Ausland war 2019 rĂŒcklĂ€ufig. Auf US-Dollarbasis sank der Handelsumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 3,1 Prozent, er belief sich auf umgerechnet rund 595 Milliarden Euro. Die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen legten um 2,2 Prozent zu, die Ausfuhren gingen hingegen um 6 Prozent zurĂŒck. Erstmals seit zehn Jahren bremste der Export somit das BIP-Wachstum.

Tourismus

Das Land verfĂŒgt ĂŒber sehenswerte Naturlandschaften, darunter UNESCO-Weltnaturerbe, sowie SehenswĂŒrdigkeiten von hohem kulturellen Wert. 2010 besuchten 2,4 Millionen auslĂ€ndische Touristen Russland, wohingegen 13,1 Mio. Russen zur Erholung ins Ausland reisten. Der Binnentourismus brachte es auf 29,1 Mio. Reisende. Obwohl der Touristenstrom aus Asien und SĂŒdamerika zunimmt, machen GĂ€ste aus Europa – mit Deutschland an der Spitze – den Großteil der Besucher in Russland aus. So waren auch die Einreisezahlen von Urlaubs- und GeschĂ€ftsreisenden kontinuierlich gestiegen; waren es 2002 rund 360.000 Deutsche, die das Land bereisten, so kamen 2008 558.000 deutsche Besucher. Allerdings waren davon nur 66.000 Urlaubsreisen Deutscher und der Rest GeschĂ€ftsreisen sowie Familien- und Freundschaftsbesuche. 2017 besuchten 580.000 Deutsche die Russische Föderation. Individualtouristen wurden hĂ€ufig durch Visa-Beschaffung und sprachliche HĂŒrden abgeschreckt, wĂ€hrend das Land bei Reisegruppen beliebter ist.

Touristen waren lange durch ein unattraktives Markenimage abgeschreckt, wonach „Russland ein unbehagliches Land“ und „nicht bereit dazu sei, Touristen aufzunehmen. Dass die Menschen dort unfreundlich seien und dass ĂŒberall rundherum die Gefahr lauere“, meinte Alexander Radkow, Chef der staatlichen Tourismusagentur Rostourismus, im Jahr 2012. Trotz vermehrter AktivitĂ€ten durch die Föderale Tourismusagentur fehlt bislang eine wirksame PR- und Marketingstrategie, die das schlechte Image des Landes im Westen, verursacht u. a. durch mediale Berichterstattung, welche vor allem Nachrichten ĂŒber AnschlĂ€ge, Korruption und Unfreiheit enthĂ€lt, beeinflussen könnte.

Der Tourismus in Russland konzentriert sich vor allem auf die beiden Metropolen Moskau und Sankt Petersburg. Sankt Petersburg gilt als Venedig des Nordens und besitzt ein reiches kulturelles Angebot und eine historische Innenstadt, die vollstĂ€ndig UNESCO-Weltkulturerbe ist. Typisch fĂŒr St. Petersburg sind die Weißen NĂ€chte mit den hochgeklappten Newa-BrĂŒcken von Ende Mai bis Mitte Juli. DarĂŒber hinaus werden Schifffahrten auf der Wolga sowie Besichtigungen von altrussischen StĂ€dten nordöstlich von Moskau, dem sogenannten Goldenen Ring mit mehr als 20 StĂ€dten, angeboten. Natururlaub ist vor allem in Karelien und dem Altai-Gebirge (Weltnaturerbe) möglich. Die Transsibirische Eisenbahn (Transsib) fĂŒhrt auf rund 9300 Kilometern von Moskau ĂŒber Jekaterinburg, Nowosibirsk, die Hauptstadt Sibiriens, Irkutsk, das auch „Paris“ Sibiriens genannt wird, sowie die Region um den Baikalsee, ebenfalls ein UNESCO-Weltnaturerbe, bis nach Wladiwostok. Die Transsib wird sowohl von Individualtouristen in den RegelzĂŒgen der russischen Eisenbahn befahren als auch von Gruppenreisenden, die Fahrten in SonderzĂŒgen buchen.

Auch Kaliningrad, das frĂŒhere Königsberg, zieht immer mehr deutsche Besucher an. Die Kurische Nehrung, eine schmale Landzunge, 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklĂ€rt, liegt teils in der Oblast Kaliningrad, teils in Litauen.

Im innerrussischen Fremdenverkehr sind die Badeorte der SchwarzmeerkĂŒste sowie eine Reihe von nordkaukasischen Thermalquellen-Kurorten wie Kislowodsk oder Pjatigorsk von Bedeutung. 400 Kilometer liegen zwischen dem nördlichsten und dem sĂŒdlichsten Punkt der russischen SchwarzmeerkĂŒste. Auf diesem relativ kleinen KĂŒstenabschnitt, der auf dem gleichen Breitengrad gelegen ist wie die Badeorte der Adria und der italienischen und französischen MittelmeerkĂŒste, konzentriert sich innerhalb der Saison von Mai bis Oktober der Großteil des Seebadbetriebes Russlands.

Zunehmender Beliebtheit erfreut sich der Skitourismus im Nordkaukasus. Vor allem fĂŒr die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi wurde die entsprechende Infrastruktur ausgebaut.

Verkehr

Verkehrsinfrastruktur

Mit einer GrĂ¶ĂŸe von 17.075.400 kmÂČ liegt das besondere Augenmerk des Landes auf einer möglichst breit gefĂ€cherten und funktionierenden Infrastruktur. Nach der politischen Wende Russlands hatte sich das Verkehrsaufkommen zunĂ€chst aufgrund des Wirtschaftsabbaus ĂŒberwiegend reduziert, erlebte dann aber ein starkes Wachstum. Die derzeitige Infrastruktur stammt noch zu einem grĂ¶ĂŸeren Teil aus den Zeiten der Sowjetunion und ist inzwischen modernisierungsbedĂŒrftig, und die bestehenden Verkehrssysteme erzeugen kaum Netzwerkeffekte. Die Erweiterung und Modernisierung der Transport-Infrastruktur besitzt fĂŒr die russische Regierung daher hohe PrioritĂ€t. 2005 beschloss die Regierung eine Strategie zur Erneuerung der Verkehrswege, mit Schwerpunkt auf fortgesetzten Modernisierungen und Verbesserungen im Schienen-, Straßen- und Luftverkehr sowie der Sanierung der HĂ€fen des Landes. Zudem sollen Konzessionen und andere öffentlich-private Partnerschaftsmodelle im Transportsektor forciert werden, um auch in diesem Sektor Finanzierungsmittel privater Investoren zu mobilisieren.

Trotz schwieriger Bedingungen will sich Russland programmatisch als ein wichtiges Drehkreuz im Asien-Europa-Verkehr und zum Teil auch auf der Nord-SĂŒd-Achse von Nordeuropa Richtung Indien etablieren. Die Logistikinfrastruktur soll dazu vor allem an den Knotenpunkten Moskau und Sankt Petersburg ausgebaut werden.

WĂ€hrend die Verkehrsinfrastruktur Russlands westlich des Urals insgesamt gut ausgebaut ist, ist die Infrastruktur von Straßen- und Eisenbahnen im Trans-Ural und in Sibirien technisch bestenfalls veraltet und nicht wettbewerbsfĂ€hig. GrĂ¶ĂŸtes verkehrstechnisches Hindernis zur wirtschaftlichen Anbindung der riesigen Territorien Sibiriens an die boomenden sĂŒd- und sĂŒdostasiatischen Staaten sind fehlende Verkehrswege in Nord-SĂŒd-Richtung. Demzufolge vereinbarten Wladimir Putin und Xi Jinping 2015, die respektive von Russland und China initiierte Eurasische Wirtschaftsunion und die Silk Road Belt Initiative in ein Projekt, die Central Eurasia Initiative, zu integrieren. Darin soll eine logistische Strategie zu einem neuen TransportgerĂŒst fĂŒr Sibirien und den Fernen Osten Russlands ausgearbeitet werden.

Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die QualitÀt der Infrastruktur misst, belegte Russland 2018 den 75. Platz unter 160 LÀndern.

Straßenverkehr

Seit 2000 ist in Russland der Trend zur Straße deutlich zu erkennen. Die Straßendichte ist mit 40 Meter Straße pro Quadratkilometer sehr gering. Dies ist unter anderem auf die in großen Teilen des Landes sehr geringe Bevölkerungsdichte zurĂŒckzufĂŒhren. Das Straßennetz in Russland ist von sehr unterschiedlicher QualitĂ€t, sein Ausbau kann mit dem immer stĂ€rker werdenden Straßenverkehr nicht Schritt halten. Die Dichte des Netzes nimmt von West nach Ost stark ab: Je weiter man sich von Moskau nach Osten entfernt, desto mehr verschlechtern sich die StraßenverhĂ€ltnisse. Trotzdem wird der Großteil des GĂŒterverkehrs zwischen Westeuropa und Russland ĂŒber die Straße abgewickelt – im Transit ĂŒber Polen und Belarus oder ĂŒber die Nordroute via Polen und die baltischen Republiken sowie ĂŒber Finnland. Dazu trĂ€gt auch der Spurweitenunterschied der Eisenbahnen bei.

Das russische Autobahn- und Fernstraßennetz umfasst zusammen etwa 540.000 Kilometer (2001), davon sind zwei Drittel befestigt. Erst seit 2003 existiert eine rĂ€umlich und saisonal durchgehende Straßenverbindung von der Ostsee zum Pazifik. Die Fernstraßen sind außerhalb der Ballungsgebiete in der Regel nicht als Autobahnen oder Schnellstraßen ausgebaut und auch bei grĂ¶ĂŸeren breiten Straßen sind die Richtungsfahrbahnen nicht durch Leitplanken voneinander getrennt. Die wichtigste Fernstraße in Russland ist die Europastraße 30, die in Sibirien endet.

Der Anteil der Transportkosten an den Produktionskosten liegt aufgrund der schlechten Straßen bei bis zu 20 Prozent. Die schlechte Infrastruktur kostet das Land bis zu neun Prozent seiner Wirtschaftsleistung; Verkehrsexperten schĂ€tzen, dass jĂ€hrlich umgerechnet mindestens 32 Milliarden Euro in den Ausbau der Straßen investiert werden mĂŒssten.

Im Straßenverkehr passieren relativ viele tödliche UnfĂ€lle. Im Jahr 2013 kamen in Russland insgesamt 18,9 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 4,3 Tote. Insgesamt kamen damit 27.000 Personen im Straßenverkehr ums Leben. Die Motorisierungsrate des Landes liegt weltweit im oberen Mittelfeld. 2017 kamen im Land 324 Kraftfahrzeuge auf 1000 Einwohner. Mit ca. 46,9 Millionen Fahrzeugen verfĂŒgt Russland ĂŒber den fĂŒnftgrĂ¶ĂŸten Fuhrpark aller LĂ€nder.

Öffentlicher Nahverkehr

Fast die HĂ€lfte der Passagierbeförderung findet im Nahverkehr statt, vorwiegend ĂŒber das Busnetz, das in 120 StĂ€dten existiert. DarĂŒber hinaus verfĂŒgen 90 russische StĂ€dte ĂŒber ein Obusnetz, in 66 StĂ€dten gibt es Straßenbahnen und VorortzĂŒge und in sieben StĂ€dten auch eine U-Bahn sowie in vier weiteren S-Bahnlinien.

In den 1990er Jahren verfielen viele der guten Nahverkehrsnetze und wurden zunehmend durch private Bus- oder Linientaxibetriebe ergĂ€nzt oder ersetzt. Auch in jĂŒngster Zeit wurden in mehreren GroßstĂ€dten Straßenbahn- oder Obussysteme zugunsten von Bussen stillgelegt (so 2008 der Obus in Archangelsk und die Straßenbahn in Iwanowo, oder 2009 die Straßenbahn in Woronesch).

Schienenverkehr

Als Massentransportmittel ĂŒber lange Distanzen nimmt die Eisenbahn in Russland einen wichtigen Teil des Verkehrsmarktes ein. Aufgrund der großen Entfernungen bildete im frĂŒhen 20. Jahrhundert die Anbindung des Fernen Ostens eine große Herausforderung, die das Land mit der berĂŒhmten Transsibirischen Eisenbahn herstellen konnte. Parallel dazu wurde Ende des 20. Jahrhunderts zur Erschließung des fernen Ostens Sibiriens die Baikal-Amur-Magistrale vom Baikalsee zum Fluss Amur gebaut. Durch diese beiden und die abzweigenden Strecken wird das Land in west-östlicher Richtung erschlossen. Durch sie kann beispielsweise die Beförderung von GĂŒtern zwischen Pusan und Helsinki von etwa 47 Tagen auf dem Seeweg auf ca. 16 Tage reduziert werden.

Im Mai 2001 beschloss die russische Regierung die Umsetzung der Bahnreform. Die Hauptziele war die Liberalisierung des Eisenbahnmarktes und Freigabe der Tarife im Eisenbahnverkehr. Im Rahmen der Bahnreform wurde im Oktober 2003 das ehemalige Bahnministerium (MPS) aufgelöst und Russlands zweitgrĂ¶ĂŸtes staatliches Unternehmen, die Rossijskije schelesnyje dorogi (RZhD) gegrĂŒndet. In den letzten Jahren sind in Russland auch 85 Privatbahnunternehmen entstanden, die heute mehr als 25 Prozent der GĂŒter transportieren und rund 30 Prozent (etwa 200.000 GĂŒterwagen) des gesamten GĂŒterwagen-Bestands in Russland besitzen. Das Streckennetz in Russland wird von der RZhD betrieben. Insgesamt umfasst das gut entwickelte Eisenbahnnetz (Breitspur mit 1520 Millimeter Spurweite) rund 87.000 Kilometer, davon ist knapp die HĂ€lfte (40.000 Kilometer) elektrifiziert. Auf der Insel Sachalin existieren fast 1000 Kilometer in 1067 Millimeter Breite. Daneben gibt es zusĂ€tzlich 30.000 Kilometer nicht öffentlicher Industriebahnen (alle Angaben 2004). WĂ€hrend in Westeuropa schon seit Jahrzehnten der StraßengĂŒterverkehr der dominierende VerkehrstrĂ€ger ist und die Bahn eine nachrangige Bedeutung hat, konnte der Lkw in Russland erst seit 2000 aufholen. Daher besitzt die Bahn in Russland mit 83 Prozent einen ĂŒberdurchschnittlich hohen Marktanteil am GĂŒterverkehr.

Wasserverkehr

Russland verfĂŒgt ĂŒber eine betrĂ€chtliche Anzahl von HĂ€fen und befahrbaren Wasserstraßen. 72.000 Kilometer Binnenwasserwege verbinden im europĂ€ischen Teil Russlands die Ostsee, das Schwarze Meer, die Binnenseen und das Weiße Meer miteinander. Wichtige Wasserstraßen dabei sind die Wolga, die Kama, die Nischni Nowgoroder Oka, die Wjatka, der Don und die KanĂ€le, die diese FlĂŒsse miteinander verbinden.

In Sibirien sind 24.000 Kilometer schiffbar. Durch die EntwĂ€sserung der großen FlĂŒsse Ob, Jenissei und Lena in das Polarmeer fehlt eine Ost-West Erschließung auf dem Wasserweg; durch Eisbildung ist die Polarroute nur wenige Monate im Sommer möglich, diese Periode verlĂ€ngert sich aber durch den Klimawandel. Die Schiffbarkeit der FlĂŒsse und KanĂ€le wird durch meteorologische EinflĂŒsse (Wasserstand) und mangelhaften Ausbau stark beeintrĂ€chtigt. Seit 1990 ist in Russland ein Abbau des Bestands der Binnenschiffsflotte zu beobachten. Die Zahl der Binnenschiffe betrug 2002 noch etwa 8800, davon waren 8000 GĂŒterschiffe und 800 Passagierschiffe. Die wichtigsten russischen BinnenhĂ€fen sind Archangelsk, Perm, Jaroslaw, Saratow und Tscheboksary.

Die Seeschifffahrt gehört zu den stark wachsenden Verkehrsbranchen in Russland. Wesentlicher Grund dafĂŒr ist das steigende Exportaufkommen an Rohöl und Mineralölerzeugnissen. Die wichtigsten SeehĂ€fen befinden sich in St. Petersburg und Kaliningrad an der Ostsee, Noworossijsk und Sotschi am Schwarzen Meer sowie Wladiwostok, Nachodka, Magadan und Petropawlowsk-Kamtschatski am Pazifischen Ozean; Murmansk ist der einzige ganzjĂ€hrig eisfrei gehaltene (Nord-)Atlantikhafen. Im Jahr 2003 betrug der GĂŒterumschlag in den russischen HĂ€fen 285,7 Millionen Tonnen. FĂŒr den GĂŒterverkehr zwischen dem russischen Kernland und der Exklave Kaliningrad ist der FĂ€hrverkehr von Bedeutung.

Luftverkehr

In Russland und der Sowjetunion kam der Luftfahrt aufgrund der FlĂ€che des Landes schon frĂŒh eine große Bedeutung zu. Der nationale Flugverkehr verbindet entlegene Gebiete, deren Erschließung auf dem Landweg sich nie lohnte. Zu Zeiten der Sowjetunion war die staatliche Aeroflot die grĂ¶ĂŸte Fluggesellschaft der Welt und ihre Preise teils gĂŒnstiger als die der Eisenbahn. Die Flugscheine in den fernen Osten Russlands werden auch heute vom Staat subventioniert. Neben der weiterhin halbstaatlichen Aeroflot fliegen als grĂ¶ĂŸere Gesellschaften die ebenfalls mit dem Staat verbundene Rossija, S7 Airlines oder UTair. Die Zahl von FlughĂ€fen in Russland verringerte sich zwischen 1992 und 2011 von 1302 auf 496, wobei die Zahl internationaler FlughĂ€fen von 19 auf 70 gestiegen war und 55 FlugplĂ€tze ĂŒber eine befestigte Piste von mehr als 3000 Metern LĂ€nge verfĂŒgten. Mehrere internationale Fluggesellschaften fliegen außer Moskau auch andere russische StĂ€dte an. Die grĂ¶ĂŸten und wichtigsten FlughĂ€fen sind Scheremetjewo-2 und Domodedowo in der NĂ€he von Moskau. Die Flugzeugflotte Russlands umfasste im Jahr 2011 rund 6000 Flugzeuge, davon knapp 2000 Frachtflugzeuge. Zur Belebung der russischen Luftfahrtindustrie dienen staatliche Förderung und Regulierungen. Im Herbst 2018 erteilte die Regierung den Banken Sberbank und VTB den Auftrag zur GrĂŒndung einer großen Regionalfluglinie, Mit deren Hilfe sollte eine Aufwertung der RegionalflughĂ€fen zur Entlastung des Drehkreuzes Moskau erreicht werden. Im Januar 2020 erteilte PrĂ€sident Putin der Regierung die Anweisung, eine Gesellschaft fĂŒr die Erschließung der abgelegenen östlichen Regionen zu bilden mit einer rein aus russischen Flugzeugen bestehenden Flotte. Diese Gesellschaft wurde auf Basis der Red Wings geschaffen.

Raumfahrt

In den 1990er-Jahren litt die russische Raumfahrt unter großen Finanzierungsproblemen, so dass viele Programme stillstanden. Durch die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation konnte sich die russische Raumfahrt erholen. Das Staatsunternehmen Roskosmos ist als nationale Weltraumorganisation fĂŒr das zivile Raumfahrtprogramm des Landes zustĂ€ndig; sein Sitz befindet sich im SternenstĂ€dtchen nahe Moskau. Es wurde 1992 als Behörde gegrĂŒndet und ĂŒbernahm die wesentlichen Ressourcen der sowjetischen Raumfahrt. Roskosmos nutzt aktuell drei Raumfahrtbahnhöfe: das Kosmodrom Plessezk bei Archangelsk, das Kosmodrom Wostotschny im Amur-Gebiet sowie das Kosmodrom Baikonur in Kasachstan, die Hauptbasis der sowjetischen und russischen Raumfahrt. Russland ist seit Jahrzehnten einer der erfolgreichsten Anbieter von kommerziellen Raketenstarts.

Im Juli 2005 wurde ein neues Raumfahrtprogramm fĂŒr die Jahre 2005 bis 2015 von der russischen Regierung genehmigt. Ziel war es, das Weltniveau der russischen Raumfahrt zu sichern und die Position Russlands unter den weltweit fĂŒhrenden RaumfahrtmĂ€chten zu festigen. PrioritĂ€t hatten dabei die Entwicklung und Nutzung der Raumfahrttechnik und -dienstleistungen sowie der Bau von Raumschiffen fĂŒr bemannte FlĂŒge, Transport- und interplanetare Missionen, darunter auch ein wiederverwendbares Raumfahrtsystem. Russland beteiligt sich maßgeblich an der ISS, zu deren Versorgung, seit der Einstellung des Space-Shuttle-Programms, vermehrt die Sojus-Rakete mit dem Sojus-Raumschiff und dem Progress-Raumtransporter eingesetzt werden.

Weiterhin sollen die wissenschaftlich-technischen Grundlagen fĂŒr einen bemannten Flug zum Mars und eine Raumstation der neuen Generation geschaffen werden. In einem ersten Schritt wollte Russland dazu bis 2015 seine Satellitenflotte vorrangig mithilfe westlicher Elemente an den Weltstandard heranfĂŒhren. Zudem sollten zu diesem Zeitpunkt vom neuen Kosmodrom Wostotschny im Amur-Gebiet die ersten unbemannten Starts mit modernisierten Versionen der bisherigen TrĂ€gerraketen erfolgen. TatsĂ€chlich startet dort seit 2016 das Ă€ltere Modell Sojus-2.1. FĂŒr 2020 waren von Wostotschny erste bemannte Starts von Raumschiffen mit der neuen TrĂ€gerrakete Angara A5 geplant; dies verschiebt sich auf Mitte der 2020er Jahre. Zugleich sind fĂŒr die 2020er Jahre Missionen zur vertieften Erforschung des Mondes sowie des Planeten Venus vorgesehen.

Die russische Raumfahrtindustrie war seit Sowjetzeiten mit der der Ukraine verwoben; mehrere Raketen wie die Dnepr und die Zenit wurden gemeinsam entwickelt und produziert. Durch den Krieg mit der Ukraine zerbrach diese Zusammenarbeit, sodass Russland etwa die HÀlfte seiner Auswahl an TrÀgerraketen verlor. Neue Eigenentwicklungen wie die Sojus-5 und -6 sollen dies im Laufe der 2020er Jahre kompensieren.

Kommunikation und Information

Post

Der ĂŒberwiegende Teil des russischen Postwesens wird vom staatlichen Unternehmen Potschta Rossii abgewickelt. Dieses wurde 2002 aus dem zugleich aufgelösten föderalen Post- und Telekommunikationsministerium ausgegliedert, das auch zu Sowjetzeiten fĂŒr den Postverkehr zustĂ€ndig war. Heute bietet die Potschta Rossii ihre Dienstleistungen in insgesamt ĂŒber 42.000 PostĂ€mtern an, die flĂ€chendeckend ĂŒber ganz Russland verteilt sind. Die Zahl der BeschĂ€ftigten im Unternehmen belĂ€uft sich russlandweit auf rund 415.000. In vielen StĂ€dten bieten Postfilialen seit Anfang des 21. Jahrhunderts neben grundlegenden Postdienstleistungen – wie etwa dem Versenden und Empfangen von Briefen, Paketen und Telegrammen sowie dem Postgiro – auch ergĂ€nzende Dienste an, darunter öffentliche ComputerarbeitsplĂ€tze mit Internetzugang.

Im Briefzustellungsbereich ist Potschta Rossii in Russland Monopolist. Im Bereich der Paketpost sind seit den 1990er Jahren auch international tÀtige Kurierunternehmen wie DHL oder TNT Express in Russland tÀtig.

Telekommunikation

Das gesamtrussische Telekommunikationsunternehmen Rostelekom ist das grĂ¶ĂŸte Unternehmen dieser Branche in Russland. Seit dem 1. April 2011 gehören zu ihm die Regionalfilialen Dalny Wostok (Ferner Osten), Sibir, Ural, Wolga, Jug (SĂŒden), Sewero-Sapad (Nord-West) und Zentr (Zentrum). Den Mobilfunkmarkt teilen sich landesweit im Wesentlichen die drei grĂ¶ĂŸten Anbieter des Landes Mobile TeleSystems, Beeline und MegaFon, ferner einige kleinere regionale Anbieter. Diese Branche erlebte in Russland ab dem Jahr 2000 einen rasanten Wachstum: Besaß noch im Jahr 2000 weniger als ein Prozent der russischen Bevölkerung ein Mobiltelefon, ĂŒberschritt 2006 die landesweite Anzahl von Handys bereits die Bevölkerungszahl und betrug mit dem Stand vom 31. MĂ€rz 2007 gut 155 Millionen.

Im Jahr 2019 wurde per Gesetz verfĂŒgt, dass der Internet-Datenverkehr ĂŒber eigene Server zu laufen hat, sodass fortan eine UnabhĂ€ngigkeit gegenĂŒber dem Ausland gewĂ€hrleistet ist.

Internet

Die Geschichte des Internets in Russland beginnt im September 1990, als die Top-Level-Domain „.su“ fĂŒr die damalige Sowjetunion angemeldet wurde. Diese Domain wird von russischen Websites teilweise bis heute benutzt. Im MĂ€rz 1994 wurde die offizielle Top-Level-Domain „.ru“ fĂŒr russische Internet-Adressen angemeldet. Websites unter dieser Domain machen einen betrĂ€chtlichen Teil des russischen Internets – oft kurz Runet genannt – aus. Inzwischen hat das Land auch eine kyrillische Top-Level-Domain (.рф). Das russische Internet-Segment rangierte um 2012 mit insgesamt mehr als 3,6 Millionen Domainnamen auf Platz vier weltweit.

In den 2000er-Jahren stieg die Anzahl der Internetnutzer in ganz Russland kontinuierlich an: Gab es im Jahre 2000 nur 3,1 Millionen Nutzer (2,1 Prozent der Bevölkerung) landesweit, betrug ihre Anzahl 2007 bereits 28 Mio. (19,5 Prozent). Mit mehr als 50 Millionen Internet-Usern wurde Russland 2011 zum europĂ€ischen Spitzenreiter. 2016 nutzten 102 Millionen Russen das Internet, oder 71,3 Prozent der Bevölkerung. Zu den bedeutendsten Internet-Projekten des Runet gehören die Suchmaschinen Rambler und Yandex, das Online-Netzwerk W Kontakte sowie die Informations- und Nachrichtenportale RBC Informations Systems, Lenta.ru und Gazeta.ru. Zu den bekanntesten Providern gehören grĂ¶ĂŸere Telekommunikationsunternehmen wie CenterTelekom, MGTS, North-West Telecom oder WolgaTelekom. Im Zuge einer staatlichen Förderung des Internet-Ausbaus verzeichneten die Social-Media-AktivitĂ€ten in Russland einen außergewöhnlich starken Auftrieb, entsprechende Plattformen spielen in Russland eine bedeutende Rolle. Besonders populĂ€r sind die in Russland entstandenen Plattformen Vkontakte.ru und Odnoklassniki.ru, die höhere Wachstumsraten auswiesen als internationale, wie etwa Facebook. Auch LiveJournal wurde in Russland im internationalen Vergleich ĂŒberdurchschnittlich genutzt und schließlich russisch. Die Bruttoreichweite der Social Networks betrug im Jahr 2010 49,2 Millionen der in Russland lebenden Personen. Seither wurden viele Regulierungen mit schwammigen Formulierungen erlassen, welche den Behörden ein Durchgreifen gegen Dienste und Nutzer erlauben. Ab 2018 mĂŒssten sĂ€mtliche Kommunikationsinhalte gespeichert (und dem Staat zur VerfĂŒgung gestellt) werden, eine Verschiebung dieser Pflicht um 5 Jahre musste wegen des Aufwandes im Jahr 2017 erwogen werden.

Medien

Medienstruktur

Seit dem Zusammenbruch des Sowjetsystems gab es viele Umstrukturierungsphasen im russischen Mediensektor. Staatliche Reformen haben den Medienmarkt zu Beginn der 1990er-Jahre privatisiert. Viele Zeitungen, Verlage und Fernsehsender gingen seitdem Allianzen mit Oligarchen ein, um ihr Überleben zu sichern. Dabei gerieten sie aber unter deren Kontrolle, die durch Manipulationen politischen Einfluss ĂŒber die Medien ausĂŒben. Die Medienimperien von Boris Beresowski und Wladimir Gussinski (Media Most) wurden sodann unter Putin wieder aufgelöst. Die grĂ¶ĂŸten russischen Medienholdings sind die Gazprom-Media und die WGTRK, die Allrussische Staatsgesellschaft fĂŒr Fernsehen und Radio. Obwohl die Medienzensur durch Roskomnadsor (Aufsichtsbehörde fĂŒr Massenmedien, Kommunikation und den Schutz des kulturellen Erbes) praktiziert wird, ist laut der russischen Verfassung, Kapitel 2, Artikel 29 die Freiheit der Meinung und des Wortes garantiert. Propaganda und Agitation, die soziale, rassische, nationale und religiöse Feindschaft schĂŒrt, ist verboten. Die meisten Russen bevorzugen das Fernsehen als Informationsquelle Nummer eins, gefolgt von Zeitungen. Nach Angaben von Roskomnadsor sind in Russland (Stand: Jahr 2012) 66.032 Medien gelistet. Darunter finden sich 5254 TV-Sender, 3769 Radiosender, 28.449 Zeitungen und 21.572 Zeitschriften.

Druckmedien

Die tagesaktuelle Presse der UdSSR wurde jahrzehntelang vor allem durch die halbamtliche Presseagentur TASS mit Informationen versorgt. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR entwickelte sich in Russland eine freie Presse, die sich jedoch heute wieder zunehmenden Repressionen durch die Regierung ausgesetzt sieht. Freedom House bewertet die Pressefreiheit als „nicht frei“ und mit einem generellen AbwĂ€rtstrend (2002 war das Land noch als „teilweise frei“ verzeichnet). In der Rangliste der Pressefreiheit der Reporter ohne Grenzen rangiert Russland im Jahr 2019 auf dem 149. Platz; in Europa schnitten nur das benachbarte Belarus (Rang 153), die TĂŒrkei (Rang 157) und Kasachstan (Rang 158) schlechter ab. Im FrĂŒhjahr 2017 wurde der Journalist Nikolai Andruschtschenko getötet. Laut dem Bericht von Reporter ohne Grenzen steht der Tod des Opfers in direktem Zusammenhang mit seiner journalistischen TĂ€tigkeit.

Unter den Printmedien gilt die Boulevardzeitung Moskowski Komsomolez als die beliebteste im Land. Nach eigenen Angaben erreicht die Boulevardzeitung etwa 1,3 Millionen Leser. Sie ist auch die gĂŒnstigste. Wichtigste Tageszeitung ist die Komsomolskaja Prawda, mit einer Auflage von heute 830.000 Exemplaren. Die Tageszeitung Rossijskaja gaseta (Auflage: 430.000 Exemplare) ist ein Verlautbarungsblatt der russischen Regierung mit Sitz in Moskau. Russische Gesetze und Erlasse treten erst mit der Veröffentlichung in der Rossijskaja Gaseta in Kraft. Eine staatliche Informations- und Analyseagentur ist seit 1993 die RIA Novosti mit eigenen Korrespondenten in mehr als 40 LĂ€ndern.

Radio

Neben dem staatlichen Radio Rossii gibt es zahlreiche private Hörfunksender – meist Lokalsender. Einige Moskauer Stationen haben auch Lizenzen in den Regionen. Der Sender Echo Moskwy gilt als einziger verbliebener Vertreter regierungskritischer Medien. Russische Radiosender nutzen heutzutage die auch in Deutschland ĂŒblichen UKW-Frequenzen (87,5 MHz bis 108,0 MHz) unter der englischen Bezeichnung „FM“. Zu Sowjetzeiten wurde das so genannte OIRT-Band (65,9 bis 73,1 MHz) genutzt, wo heute unter dem Namen UKW noch einzelne Sender laufen. Viele russische Wohnungen haben einen Radiostecker, mit dem man in der Art des Drahtfunks ein bis drei Sender empfangen kann. Die simplen GerĂ€te benötigen keine weitere Stromversorgung und haben oftmals als einziges Bedienelement einen LautstĂ€rkeregler. Unter der Bezeichnung „Stimme Russlands“ wird der umfangreiche Rundfunk-Auslandsdienst betrieben.

Fernsehen

Das Fernsehen ist fĂŒr 85 % der russischen Bevölkerung die hauptsĂ€chliche und oft einzige Informationsquelle und eignet sich daher besonders als Propaganda-Instrument der Regierung, die die inhaltliche Ausrichtung der Programme sorgfĂ€ltig steuert. In den meisten Teilen Russlands können drei landesweite und ein bis zwei regionale Fernsehsender empfangen werden. In Moskau sind je nach Lage mehr als ein Dutzend Fernsehanbieter terrestrisch empfangbar. Der Perwy kanal, dt.: Erster Kanal, ist landesweit der Sender mit der grĂ¶ĂŸten Reichweite und kann von 99,8 % der russischen Bevölkerung empfangen werden, die wöchentliche Zuschauerschaft beim Sender erreicht ĂŒber 80 % der Bevölkerung. Ein Teil der russischen Fernsehsender wird vom staatlichen Medienkonzern WGTRK betrieben. Zu dessen Angebot gehört der Kanal Rossija 1, der laut eigenen Angaben von ca. 98,8 % der russischen Bevölkerung empfangen wird. Auch ein Sportsender namens Sport (russisch: ĐĄĐżĐŸŃ€Ń‚) und ein Kultursender namens Rossija K werden von WGTRK betrieben. Daneben gibt es seit 2005 den international ausgerichteten, englischsprachigen Sender Russia Today mit Sitz in Moskau, dessen erklĂ€rte Ziele sind, alte Vorurteile und Klischees ĂŒber Russland abzubauen und dem Publikum die russische Sichtweise auf das internationale Geschehen vorzustellen. Auch Entwicklungen innerhalb Russlands sollen hier aus russischer Perspektive beleuchtet werden. Vesti ist einer der wichtigsten NachrichtenkanĂ€le Russlands. Er ist ein Teil von Telekanal Rossija und RTR. Der TV-Sender Russian TV international wird speziell fĂŒr die im Ausland lebenden Russen produziert.

In den 1990er-Jahren entwickelten sich in Russland mehrere teils landesweite private Fernsehsender, die auch unabhĂ€ngige und auch regierungskritische Informationssendungen im Programm hatten. Zu Beginn der 2000er-Jahre gerieten jedoch die landesweit empfangbaren Sender unter die indirekte Kontrolle des Staates oder wurden geschlossen und durch staatliche Sender ersetzt. So sendet Sport heute auf der Frequenz von TW-6. Russland sendet mit der Fernsehnorm SECAM (Variante Osteuropa). Russland plant langfristig (in den 2010er-Jahren) DVB-T einzufĂŒhren. Angeblich sollen derartige GerĂ€te subventioniert werden, damit sich die Bevölkerung das verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig teure GerĂ€t anschaffen kann.

Bildung

Bildungssystem

Das Bildungssystem in Russland gliedert sich in vier Abschnitte: allgemeine Schulausbildung, Berufsausbildung, Hochschulausbildung und die Postgraduierten-Ausbildung. Die allgemeine Schulausbildung bedeutet nicht, dass das Kind eine Schule besuchen muss. Auf Wunsch der Eltern kann ein Kind eine hĂ€usliche Ausbildung erhalten, wenn sein Kenntnisstand dem Schulprogramm entspricht, was zweimal jĂ€hrlich geprĂŒft wird. Dieses Recht ist in Russland durch die Staatsverfassung (der Artikel 43) sowie durch das Bundesgesetz №273-ЀЗ (das Föderalgesetz ĂŒber Bildung in der Russischen Föderation) garantiert.

Der Staat wendete um 2017 vier Prozent des Zentralhaushalts fĂŒr Bildung auf. Im PISA-Ranking von 2015 erreichen russische SchĂŒler Platz 23 von 72 LĂ€ndern in Mathematik, Platz 32 in Naturwissenschaften und Platz 26 beim LeseverstĂ€ndnis.

Allgemeine Schulausbildung

Die Allgemeine Schulausbildung untergliedert sich wiederum in die Abschnitte Grundstufe, Hauptstufe und Oberstufe.

  • Grundstufe: Der Schuleintritt erfolgt im Alter von sieben Jahren. Sowohl das Studienjahr als auch das Schuljahr beginnen in ganz Russland einheitlich am 1. September jedes Jahres. Das vorgezogene Schuleintrittsalter von sechs Jahren wird durchschnittlich etwa 35 Prozent der Kinder nach einem psychologischen Gutachten empfohlen. Die vierjĂ€hrige Primarstufe der Grund- oder Anfangsschule absolvieren die mit sieben Jahren eingeschulten Kinder binnen drei Jahren. Sie gelangen auf diese Weise aus dem dritten sofort in das fĂŒnfte Schuljahr.
  • Hauptstufe: Danach folgt eine obligatorische sechsjĂ€hrige Hauptschulstufe. Sie fĂŒhrt zum Erwerb der „grundlegenden allgemeinen Bildung“ – in der Regel am Ende der neunten Klasse und nach dem Erreichen des Pflichtschulalters von 15 Jahren. Dieser Abschluss berechtigt zum Besuch der oberen Sekundarstufe (zweijĂ€hrig). Nach der neunjĂ€hrigen Pflichtschulbildung kann statt der Oberschulstufe auch eine Berufsausbildung an der mittleren Fachschule (Berufsschule) beziehungsweise dem Technikum absolviert werden. Diese Einrichtungen stehen im vertikal durchlĂ€ssigen gesamten beruflichen Bildungswesen weiterhin fĂŒr den Erwerb der vollstĂ€ndigen mittleren Bildung zur VerfĂŒgung (dualer Ausbildungsgang). Denn zusĂ€tzlich zu den berufsspezifischen FĂ€chern werden auch die allgemeinbildenden FĂ€cher unterrichtet, inhaltlich allerdings an der beruflichen Ausrichtung orientiert.
  • Oberstufe: Der Abschluss der Oberstufe erfolgt durch das „Zeugnis ĂŒber die vollstĂ€ndige mittlere Bildung“ (das traditionell so genannte „Reifezeugnis“) – zu Deutsch Abitur, das aber noch nicht den UniversitĂ€tseintritt garantiert. Dazu ist eine anspruchsvolle AufnahmeprĂŒfung erforderlich. Wer mit sehr guten Ergebnissen das Abitur abgelegt hat, hat nur eine oder zwei AufnahmeprĂŒfungen zu bestehen. Bei schlechteren Abiturnoten werden mehrere FĂ€cher geprĂŒft.

Hochschulen

FĂŒr die Hochschulausbildung steht den Studierenden in Russland ein vielfĂ€ltiges Hochschulwesen zur VerfĂŒgung. Außer der klassischen UniversitĂ€t mit einem breiten FĂ€cherangebot gibt es verschiedene Hochschulen und Akademien mit einer speziellen technischen, pĂ€dagogischen oder ökonomischen Ausrichtung. Das Abitur ist zwar Voraussetzung fĂŒr den Hochschulbesuch, es muss jedoch zusĂ€tzlich eine AufnahmeprĂŒfung bestanden werden. Die Studienfinanzierung gibt es fĂŒr leistungsstarke SchĂŒler kostenfrei, fĂŒr einen immer grĂ¶ĂŸer werdenden Teil der Bevölkerung aber nur gebĂŒhrenfinanziert. Die Hochschulen haben nach 1992 grĂ¶ĂŸere Rechte zur Selbstverwaltung erhalten. Hochschulen werden neu aufgestellt; altehrwĂŒrdige Einrichtungen erhalten neue Namen und moderne Strukturen.

Die Dauer der meisten Studienprogramme betrĂ€gt fĂŒnf Jahre, wobei die ersten zwei Jahre wie in Deutschland auch, einem allgemeinen Grundstudium dienen, dem dann die fachliche Spezialisierung im Hauptstudium folgt. Bis 1991 gab es als einzigen Abschluss nur das Diplom. Mit der schrittweisen EinfĂŒhrung neuer StudiengĂ€nge sind neben dem Diplom auch der Bachelor und Master als AbschlĂŒsse möglich, den die meisten Studenten auch anstreben.

Insgesamt lassen sich vier Kategorien von Hochschuleinrichtungen in folgender Hierarchie aufstellen:

  • UniversitĂ€ten
  • Akademien
  • Institute (= Hochschulen)
  • Colleges

Zu den bekanntesten russischen UniversitĂ€ten gehören die Staatliche Moskauer Lomonossow-UniversitĂ€t, die Staatliche UniversitĂ€t Sankt Petersburg, die Staatliche UniversitĂ€t Kasan und die Staatliche Technische UniversitĂ€t Nowosibirsk. Inzwischen ist in Russland die GrĂŒndung von privaten Schulen und Hochschulen erlaubt. Ihr Besuch ist nicht kostenlos und meist nur fĂŒr eine kleine Schicht erschwinglich. In Russland gab es 2005 1061 UniversitĂ€ten und Hochschulen, wovon 413 private Hochschulen waren.

Forschung

Erste AnfĂ€nge der wissenschaftlichen TĂ€tigkeiten gab es in Russland bereits zu Zeiten der Kiewer Rus. So stammen die ersten ĂŒberlieferten Chroniken, die Nestorchroniken, aus dem Jahr 1070. Dort wurden vor allem historische Ereignisse und auch meteorologische Beobachtungen festgehalten.

Wissenschaft als soziale Einrichtung entstand in Russland aber erst Anfang des 18. Jahrhunderts unter der Herrschaft Peter des Großen. Zu dieser Zeit wurden die ersten wissenschaftlichen Einrichtungen des Russischen Reichs gegrĂŒndet, vor allem 1724 die Akademie der Wissenschaften. 1755 wurde in Moskau mit der heutigen Lomonossow-UniversitĂ€t die erste UniversitĂ€t Russlands gegrĂŒndet. Im Jahre 1916 gab es in ganz Russland rund 100 Hochschulen, davon 10 UniversitĂ€ten, sowie einige Dutzend Forschungseinrichtungen. Damit befand sich die Wissenschaft des Russischen Reichs im Vergleich zu vielen anderen europĂ€ischen LĂ€ndern auf einem niedrigen Entwicklungsniveau. Dennoch genossen schon damals bestimmte Bereiche der russischen Wissenschaft internationales Ansehen. So waren unter den ersten NobelpreistrĂ€gern zwei russische Akademiker, Iwan Pawlow (1904) und Ilja Metschnikow (1908).

Einen erheblichen Entwicklungsschub bekam die russische Wissenschaft zu Sowjetzeiten. Die Sowjetunion besaß insgesamt ein gut ausgebautes Forschungs- und Entwicklungssystem. Charakteristisch fĂŒr diese Zeit war der hohe Zentralisierungsgrad der Forschung. So waren die meisten Wissenschaftler bei der Akademie der Wissenschaften oder in ihren regionalen Abteilungen angestellt. Zentrale Merkmale waren die Trennung von Forschung und Produktion, die Dominanz der Akademie der Wissenschaften der UdSSR in der Grundlagenforschung und in der anwendungsbezogenen Forschung und die geringe Bedeutung des Hochschulbereichs in der Forschung. Alle Unternehmen im Wirtschaftsbereich waren in Staatsbesitz und fĂŒhrten selbst wenig Forschung durch. Ein Großteil der Forschung wurde durch spezialisierte Forschungsinstitute vorgenommen, die im Allgemeinen organisatorisch von den staatlichen Unternehmen getrennt waren. Da der Sowjetstaat der Industrialisierung und militĂ€rischer Überlegenheit eine sehr hohe PrioritĂ€t einrĂ€umte, förderte er die Forschung und Entwicklung auf diesen Gebieten besonders großzĂŒgig. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs förderte der Staat die Entwicklung der sowjetischen Raumfahrt sehr intensiv. Dies alles fĂŒhrte dazu, dass die Sowjetunion in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts zu einem Industrieland aufgestiegen war. Die Forschung und Entwicklung galt auf bestimmten Gebieten, wie der RĂŒstungsindustrie und der Raumfahrt, als weltweit fĂŒhrend.

Die Wissenschaft erlebte in der Russischen Föderation in den 1990er-Jahren eine schwere Krise, da es permanent an finanziellen Mitteln fehlte, um die vorhandenen Forschungseinrichtungen zu unterstĂŒtzen. Das fĂŒhrte zu Entwicklungsstopps auf vielen Gebieten und zur Abwanderung qualifizierter Forschungs- und LehrkrĂ€fte ins europĂ€ische Ausland oder in die USA. Die Institutionen und Arbeitsweisen in der russischen Forschung und Entwicklung haben viele Merkmale des ehemaligen sowjetischen Systems beibehalten, die Mehrheit der Forschungsorganisationen sind vom Wirtschaftssektor getrennt. Forschungseinrichtungen in Unternehmen sind in der Regel gering ausgebildet. Die Russische Akademie der Wissenschaften hat eine dominierende Stellung inne. Fast zwei Drittel aller Forschungseinrichtungen waren (Stand April 2012) in Staatsbesitz und beschĂ€ftigen 78 Prozent des Forschungspersonals. Dagegen sind 14 Prozent der Einrichtungen privatwirtschaftlich organisiert. Aufgrund dieser Übermacht des Staates wird die russische Forschung vorrangig durch große Forschungsinstitute angefĂŒhrt, kleine Organisationen haben nur eine geringe Bedeutung. Dementsprechend beschĂ€ftigten 2008 die grĂ¶ĂŸten aller russischen Forschungseinrichtungen insgesamt 53 Prozent des Forschungspersonals und waren fĂŒr 44 Prozent der gesamten Forschungsausgaben verantwortlich. Bei der Finanzierung von Forschung und Entwicklung ĂŒberwiegt die Förderung durch den Staatshaushalt. Anfangs 2010er-Jahre versuchte die Regierung, den Forschungsbeitrag der UniversitĂ€ten zu erhöhen. Am gesamten Finanzierungsumfang der Forschung macht der Hochschulsektor gerade sechs bis sieben Prozent aus. Zwölf Prozent des Lehrpersonals werden als Forscher eingestuft. Fast die HĂ€lfte aller UniversitĂ€ten und anderen Hochschuleinrichtungen beteiligt sich ĂŒberhaupt nicht an ForschungsaktivitĂ€ten.

Trotz Krisen in den 1990er-Jahren nehmen einige Bereiche der Wissenschaft Russlands nach wie vor im internationalen Vergleich obere Positionen ein. So wurden fĂŒnf russische Physiker mit dem Nobelpreis ausgezeichnet: Schores Alfjorow im Jahr 2000, Alexei Abrikossow und Witali Ginsburg im Jahr 2003 sowie Andrei Geim und Konstantin Nowosjolow im Jahr 2010.

Zur Förderung der einheimischen Forschung und Entwicklung ab 2000 wurden spezielle nationale Zielprogramme entworfen, die unter anderem eine Erhöhung der GehĂ€lter fĂŒr Angestellte in der Wissenschaft, die Förderung von Nachwuchsakademikern und die landesweite Einrichtung von Technologieparks vorsehen. Dabei wird besonders auf die Weiterentwicklung in den Bereichen Wert gelegt, in denen Russland frĂŒher Spitzenergebnisse erzielte, also vor allem in Naturwissenschaften und der RĂŒstungsindustrie. PrĂ€sident Medwedew startete eine Modernisierungsoffensive durch Förderung zahlreicher SchlĂŒsselprojekte, so die Stadt der Innovationen (Innograd), in Skolkowo. Dort sollen kĂŒnftig neue Techniken erforscht und bis zur Marktreife entwickelt werden. Der neue Forschungs- und Entwicklungskomplex sollte vorrangig in fĂŒnf Bereichen arbeiten: Energie, Informationstechnik, Telekommunikation, Biomedizin und Kerntechnik. Die russische Regierung plant weiterhin den Einstieg in die Produktion von Mikroelektronik. Auch bei der Satellitennavigation will Russland seinen Markt stĂ€rker auf die Nutzung des einheimischen Systems GLONASS trimmen.

Kultur

Kulturelle Entwicklung

Die russische Kultur besteht aus einer europĂ€ischen Hochkultur und einer gewachsenen russischen Volkskultur. Zeitweise verstand sich Russland als das radikale Andere des Westens, auch weil die russische Kultur im Vergleich zu der westeuropĂ€ischen ĂŒber lange Zeit eine andere Entwicklung nahm, bedingt durch ihren Standort an der Peripherie der westlichen Kulturentwicklung. Weiterhin fĂŒhrte das Schisma von 1054 zu einem sich völlig anders entfaltenden orthodoxen Christentum mit einer wachsenden Ablehnung des Katholizismus. Die russische Staats- und Rechtsauffassung, die dem byzantinischen CĂ€saropapismus entstammt, im Unterschied zur römischen Rechtstradition im Westen, trug ebenso zu der Abgrenzung der russischen Kultur zu der westeuropĂ€ischen bei (vgl. Rechtsgeschichte Russlands). Im Gegensatz zu der Entwicklung von Nationalstaaten im restlichen Europa vollzog sich in Russland ab 1550 der Wandel zu einem Vielvölkerreich, der die kulturelle Entwicklung mitprĂ€gte.

Die russische Kultur ist weiterhin durch zeitlich verschiedene Entwicklungsphasen zur westeuropĂ€ischen Kultur geprĂ€gt. Dies lĂ€sst sich durch die geokulturelle Randlage und gleichzeitige Ausdehnung Russlands nach Osten erklĂ€ren, die ein unterschiedliches Evolutionstempo im Wechselspiel verlangsamter und beschleunigter Nachhol- und Entwicklungsphasen hervorrufen, wodurch es in der russischen Geschichte wiederholt zu gesellschaftlichen UmbrĂŒchen und politischen Radikalisierungen kam. Demnach kann Russland als eine Übersetzungskultur angesehen werden, allerdings nicht in passiver Nachahmung, sondern aus dem BedĂŒrfnis des Nachholens und Überbietens. Dies erzeugt produktive Wechselwirkungen, indem Eigenes nach dem imitierten Fremden modelliert wird und so Neues hervorbringt.

Russlands Kulturgeschichte beginnt weitgehend mit seiner Christianisierung (988/989) am Ende des 10. Jahrhunderts, wobei auf Ersuchen des Kiewer FĂŒrsten Wladimir I. die byzantinische Kultur in ihren slawisierten Formen fĂŒr die nĂ€chsten sieben Jahrhunderte bei den Russen die Vorherrschaft gewann. Es folgte ein rasches AufblĂŒhen ihres Schrifttums, ihrer Kunst und Architektur nach der EinfĂŒhrung des Christentums.

Gerade die Orthodoxie bedingte ein anderes, auf Beharrung und Traditionen basierendes KulturverstĂ€ndnis. Die religiöse Weltanschauung und kirchliche Textauffassung bestimmte und verlangsamte im Moskauer Reich die kulturelle Entwicklung. Eine Erstarrung der russisch-orthodoxen Kultur setzte ab 1500 ein, nachdem der Impulsgeber Byzanz durch den Fall Konstantinopels unter osmanische Herrschaft gelangt war. Unter Peter I. begann ab dem 17. Jahrhundert eine forcierte SĂ€kularisierung und EuropĂ€isierung des gesellschaftlichen Lebens. Der erste Kaiser des Russischen Reiches holte westeuropĂ€ische Architekten und KĂŒnstler ins Land und wollte durch die Ă€ußere EuropĂ€isierung – z. B. Ablegung der BĂ€rte und Annahme der europĂ€ischen Kleiderordnung – eine Änderung der inneren Einstellung erreichen. Die EuropĂ€isierung Russlands erreichte aber nur eine kleine Oberschicht. Russland fand im 19. Jahrhundert den Anschluss an die europĂ€ische Kultur und gehörte um 1900 zu ihrer Avantgarde. Neben einer verwestlichten Hochkultur der Oberschicht bestand die traditionelle russische Volkskultur im Volk fort, so dass bis 1914 immer noch zwei Kulturen nebeneinander bestanden. In der Sowjetunion wurde dann unter Stalin der Sozialistische Realismus zur einzigen verbindlichen Kulturnorm erklĂ€rt. Nicht systemkonforme schriftliche oder gesungene Ausdrucksformen von Kultur konnten nur im Untergrund als Samisdat erscheinen. Im neuen russischen Staat erlebte die russische Kultur in den 1990er-Jahren eine erneute Krise. So mussten die russischen Kunstschaffenden mit den wegfallenden staatlichen Förderungen und der Konkurrenz in der kapitalistischen Massenkultur in den 1990er-Jahren zuerst den daraus resultierenden Stillstand ĂŒberwinden.

Volkskultur

Holzbaukunst

Die WohnhĂ€user in Russland wurden lange in Blockbauweise (Isba) errichtet. Diese BlockhĂ€user findet man heute noch auf den Dörfern. Sie sind meist in blauen oder grĂŒnen Farbtönen gestrichen und besitzen phantasievolle geschnitzte, meist weiße Fensterrahmen. Blau und GrĂŒn sollen als Farben der Orthodoxie böse Geister vertreiben.

Handwerkskunst

Russisches traditionelles Handwerk bildet einen wichtigen Aspekt der russischen Volkskultur. In der Waldzone der Nordost-Rus entwickelten sich das Drechslerhandwerk und die Holzschnitzerei. An Orten, an denen Lehm vorhanden war, entwickelte sich das Keramikhandwerk. In den nördlichen Regionen Russlands mit seinen ausgedehnten Flachsfeldern wurden Spitzen geklöppelt. Der Ural mit seinen reichen Vorkommen von Eisenerz sowie von Halbedel- und Schmucksteinen ist fĂŒr seine Gießkunst, den Waffenschmuck und Schmuckartikel berĂŒhmt. BerĂŒhmt ist das Dymkowo Keramik-Spielzeug (siehe Anna Afanassjewna Mesrina), Chochloma, Keramik aus Gschel und Lackminiaturen aus Palech. Matrjoschka ist das beliebteste russische Souvenir. Schon ein paar Jahre nach ihrem Aufkommen wurde die Matrjoschka auf der Pariser Weltausstellung von 1900 demonstriert, wo sie eine Medaille verdiente und weltweiten Ruhm erlangte.

Kleidung

Zur traditionellen russischen Kleidung gehörten Kaftan, Kossoworotka und Uschanka fĂŒr MĂ€nner, Sarafan und Kokoschnik fĂŒr Frauen, mit Lapti aus Bast und Walenki (Filzstiefel) als ĂŒbliches Schuhwerk. Zur traditionellen Kleidung der Kosaken aus dem sĂŒdlichen Russland gehören Burka und Papacha.

KĂŒche

Die russische KĂŒche, ursprĂŒnglich eine typische BauernkĂŒche, verwendet viele Zutaten aus Fisch, GeflĂŒgel, Pilzen, Beeren und Honig. Gegessen wird Brot, Pfannkuchen, getrunken wird Kwas, Bier und Wodka. Wodka ist ein Teil der russischen Kultur. Laut russischen Chroniken entstanden im Russland des 12. Jahrhunderts erste Brennereien. ZunĂ€chst wurde Wodka fĂŒr medizinische Zwecke verwendet. Russischer Wodka wird aus Getreide hergestellt. Traditionell bevorzugt man in Russland einen reinen, nicht aromatisierten Wodka, der bei Zimmertemperatur meist in Gesellschaft getrunken wird. Zu Wodka wird oft etwas Salziges (beispielsweise Salzgurken, Salzpilze oder Salzhering) serviert. Schmackhafte Suppen und Eintöpfe wie Schtschi, Borschtsch, Rassolnik, Ucha, Soljanka und Okroschka kennzeichnen die russische KĂŒche. BerĂŒhmt sind auch russische Teigspeisen wie Piroschki, Blini und Syrniki. Kiewer Kotelett, BƓuf Stroganoff, Pelmeni und Schaschlik sind beliebte Fleischgerichte, die letzten beiden sind tatarischen und kaukasischen Ursprungs. Weitere verbreitete Fleischgerichte sind Kohlrouladen (russ. Đ“ĐŸĐ»ŃƒĐ±Ń†Ń‹) in der Regel mit Fleisch gefĂŒllt. Typisch russisches Salate sind Vinaigrette (russ. ĐČĐžĐœĐ”ĐłŃ€Đ”Ń‚), Oliviersalat und Hering im Pelzmantel (russ. ĐĄĐ”Đ»ŃŒĐŽŃŒ ĐżĐŸĐŽ ŃˆŃƒĐ±ĐŸĐč). Tee wird in Russland bereits seit dem 17. Jahrhundert in jedem Haushalt getrunken, sodass sich in Russland eine richtige Teekultur entwickelte. Zur Zubereitung des Tees wird in Russland traditionell ein Samowar verwendet, er gilt in Russland als eine Art Nationalsymbol. Neben den traditionellen russischen Desserts, wie Baranki, Prjaniki, Warenje und Pastila (bzw. Sefir), werden zum Tee auch gerne orientalische SĂŒĂŸigkeiten, wie Halva, Gosinaki und Lokum, sowie diverse Schokoladen und Torten serviert.

Volksmusik

Russlands große Anzahl von ethnischen Gruppen verfĂŒgt ĂŒber ausgeprĂ€gte Traditionen der Volksmusik. Typische russische Musikinstrumente sind Gusli, Balalaika, Schaleika und Garmon. Das russische Volk besitzt eine reiche Tanzfolklore. Berichte ĂŒber russische TĂ€nze finden sich seit dem 11. Jahrhundert. TĂ€nze spielen fĂŒr das russische Volk eine große Rolle. In vielen TĂ€nzen kommen die nationalen ZĂŒge des russischen Charakters sehr klar zum Ausdruck. Die Ă€lteste Art des russischen Tanzes ist der so genannte Chorowod, ein Reigentanz einer Gruppe von Teilnehmern, die sich an den HĂ€nden halten. Die zweite Art von TĂ€nzen, die fĂŒr die russische Tanzkunst charakteristisch ist, sind die ImprovisationstĂ€nze. Sie werden als SolotĂ€nze (Mann oder Frau), in Paaren oder von mehreren Tanzenden aufgefĂŒhrt. In diesen TĂ€nzen kommt die IndividualitĂ€t des Tanzenden besonders stark zum Ausdruck. Der Perepljas ist eine Art Tanz um die Wette, wobei jeder der Reihe nach auftretende TĂ€nzer bestrebt ist, den anderen durch seine Tanzmeisterschaft, Phantasie und bessere AusfĂŒhrung der Bewegungen zu ĂŒbertrumpfen.

Badekultur

Russland besitzt eine ausgeprĂ€gte Dampfbadkultur, die Banja. Der Besuch der Banja ist ein Ritual. Dort finden bis heute wichtige GesprĂ€che, GeschĂ€ftsverhandlungen und politische Besprechungen statt. Sogar im Kreml gibt es eine Banja. Nach alter russischer Tradition klopft man sich vorsichtig mit Weniks ab – in warmes Wasser getauchte, getrocknete BirkenzweigbĂŒndel.

Datschenkultur

Zur Erholung und zum Entspannen verbringen russische Stadtbewohner die Wochenenden oder ihren Urlaub gerne in einer Datscha, einem Land- bzw. Ferienhaus mit Garten. Seit drei Jahrhunderten gehören die Datschen zur russischen Geschichte und Kultur. Auch in vielen russischen Balladen und in der russischen Literatur findet die Datscha oftmals ErwÀhnung. Ab Mitte Mai beginnt die Datscha-Saison. Rund um St. Petersburg und Moskau gibt es sehr viele Datschen-Vororte, die sich im Laufe ihrer Geschichte immer weiter von der Stadt entfernt haben.

ErzÀhlkultur

Bekannt sind auch die russischen MĂ€rchen, die ihre UrsprĂŒnge in der heidnischen Zeit der Rus haben. Sie bildeten die Grundlage fĂŒr die berĂŒhmten sowjetischen MĂ€rchenfilme. Sie haben MĂ€rchengestalten wie „VĂ€terchen Frost“, das „Schneeflöckchen“ oder die „Hexe Baba Jaga“ auch nach Mitteleuropa gebracht.

Gastfreundschaft

Die russische Gastfreundschaft selbst in wirtschaftlich schwierigsten Zeiten ist sprichwörtlich. Bei einer Einladung versucht der Gastgeber bewusst, so viele verschiedene Gerichte wie möglich zuzubereiten. Das zeigt, dass fĂŒr die GĂ€ste an nichts gespart wird. Bis heute lebt der Brauch, bei offiziellen AnlĂ€ssen ein rundes Brot mit einem SalzgefĂ€ĂŸ in der Mitte an den wichtigsten Gast auszuhĂ€ndigen. Brot war lange Zeit das Hauptnahrungsmittel in Russland. Salz war rar und deswegen sehr teuer.

Troika

Ein im 19. Jahrhundert sehr verbreitetes Straßenbild im Winter war die Troika, das typisch russische Dreigespann. Dazu werden drei Pferde vor einer Kutsche oder einem Schlitten nebeneinander angeschirrt. Am Bogen hĂ€ngt ein Glöckchen, das wĂ€hrend der Fahrt stĂ€ndig bimmelt und die Pferde in Trab hĂ€lt. Die Troika stammt von den Waldai-Höhen, einer HĂŒgellandschaft zwischen Moskau und St. Petersburg, und wird heute als Folklore gepflegt.

Feiertage

Als Nationalfeiertage gelten in Russland der sogenannte Tag der Einheit des Volkes am 4. November, der an die Befreiung Moskaus im Jahre 1612 von polnisch-litauischen Fremdherrschern erinnert, sowie der Tag Russlands am 12. Juni anlĂ€sslich der ErklĂ€rung der StaatssouverĂ€nitĂ€t der Russischen SFSR an diesem Tag im Jahr 1990. Daneben gibt es jĂ€hrlich mehrere gesetzliche Feiertage, von denen vor allem das Neujahrsfest (durchgehend vom 1. bis 5. Januar) gefeiert wird. Das Neujahrsfest wurde 2005 verlĂ€ngert, dafĂŒr aber der fĂŒr die Kommunisten wichtigste Nationalfeiertag, der Tag der Oktoberrevolution am 7. November, abgeschafft. Die russisch-orthodoxen Christen feiern Weihnachten nicht wie bei den Christen anderer Konfessionen am 24. Dezember. Sie feiern nach dem Julianischen Kalender am 7. Januar das Fest der Erscheinung des Herrn. WĂ€hrend der Sowjetzeit waren religiöse Feste nicht erlaubt. Doch seitdem im Jahr 1991 der 7. Januar zu einem offiziellen Feiertag erklĂ€rt wurde, wird Weihnachten in Russland wieder richtig gefeiert. Den Heiligen Abend am 6. Januar nennt man in Russland Sotschelnik.

Jedes Jahr begeht die russisch-orthodoxe Kirche das Epiphaniasfest. Es ist einer der Ă€ltesten orthodoxen Feiertage und geht zurĂŒck auf die Taufe Jesu im Jordan. Trotz Frost zieht es Jahr fĂŒr Jahr Millionen Russen in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar ans Eisloch. An diesem einen Tag im Jahr ist das Wasser aller FlĂŒsse und Seen Russlands heilig, besonders wenn es zuvor von einem orthodoxen Priester gesegnet wurde. Dreimal mĂŒssen Teilnehmende vollstĂ€ndig untertauchen. Vor jedem Eintauchen des Kopfes bekreuzigen sie sich. Die Prozedur soll die GlĂ€ubigen von SĂŒnden reinigen und ihnen neue Kraft verleihen.

Der „Tag des Sieges“ ĂŒber das nationalsozialistische Deutschland (am 9. Mai) besitzt nach wie vor einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung. Anfang Mai kommen dazu ĂŒberall in Russland festlich gekleidete Kriegsveteranen zusammen und gedenken der gefallenen Kameraden. Oft fĂ€ngt so ein Treffen an einem Grab oder Grabmal des unbekannten Soldaten oder an einem Ewigen Feuer an. Danach wird die Gedenkfeier entweder bei einem offiziellen Empfang oder privat an einer Festtafel fortgesetzt. Zum Siegestag schenkt man Kriegsveteranen Nelken. Jedes Jahr finden am Siegestag in vielen StĂ€dten Russlands (2011: 23) MilitĂ€rparaden statt.

FĂ€llt ein gesetzlicher Feiertag auf einen Dienstag oder einen Donnerstag, ist die Einrichtung eines arbeitsfreien BrĂŒckentags am Montag bzw. Freitag ĂŒblich, indem der vorhergehende Samstag bzw. der nachfolgende Sonntag im Gegenzug zu Arbeitstagen erklĂ€rt werden.

Kulturelle Zentren

Moskau und St. Petersburg sind die kulturellen Zentren Russlands mit einer großen Anzahl kultureller Einrichtungen. Allein Moskau weist mehr als 120 Theater, fĂŒnf OpernhĂ€user, sechs professionelle Symphonieorchester sowie zahlreiche Museen und Galerien auf. Das Moskauer Bolschoi-Theater genießt Weltruf, die Eremitage in St. Petersburg und die Staatliche Tretjakow-Galerie in Moskau beherbergen weltbedeutende Kunstsammlungen. In anderen regionalen Zentren haben sich auch kulturelle Szenen entwickelt, so etwa in Nowosibirsk (Theater, Oper), Jekaterinburg (Theater, zeitgenössischer Tanz) und Nischni Nowgorod (zeitgenössische Kunst).

Literatur

In Russland genießt die Literatur eine sehr große WertschĂ€tzung. Die in Westeuropa ĂŒblichen und gĂŒltigen Ordnungsmuster der Poetik und Gattungslehre, wie auch literarische Epochenbezeichnungen werden aber in Russland anders, weil zeitversetzt und in anderer Funktion, verwendet. Der Romanik entsprach in der Kiewer Rus die „Periode der stilistischen Einfachheit“ (11. Jh.), der Gotik das „Zeitalter des ornamentalen Stils“ (12. und 13. Jh.), fĂŒr die folgenden Jahrhunderte vom 14. bis zum 16. gibt es gebrĂ€uchliche ideologische und geopolitische Epochennamen („Periode der geistigen Auseinandersetzungen“ und „Moskauer Literatur“). Im 17. und 18. Jahrhundert fĂŒhrte die Nachahmung barocker Stilverfahren zu einem spĂ€ten Gleichklang mit dem westeuropĂ€ischen Zeitstil.

Der aus der byzantinischen Geschichtsschreibung ĂŒbernommene Grundbestand an geistlichen Texten und Gattungen legte die Grundlage der kirchenslawische Tradition fest, was im slawischen Mittelalter als Literatur und als literarischer Text galt. Es herrschte die Dominanz eines geistlich-kirchlichen Literaturbegriffs (d. h. Lesen und Schreiben – Ă€hnlich wie in der Ikonenmalerei – zum Nutzen der Seele). Andererseits fehlten die Ă€sthetische Funktion, Individualstil, FiktionalitĂ€t (Trennung von Wahrheit und Dichtung), literarische Gattungen im neuzeitlichen Sinn und ein moderner Autorenbegriff. Literatur mit nicht vorherrschend geistlicher Funktion im alten Russland (vor 1700) ist vergleichsweise wenig vertreten. Der literarische Übergang zur Neuzeit vollzog sich im Namen einer möglichst festen und unmittelbaren Anbindung Russlands an Westeuropa unter Peter dem Großen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erfĂŒllte die Literatur vorrangig Erziehungs- und ReprĂ€sentationsfunktionen fĂŒr den Staat. Gegen 1800 emanzipierte sich die literarische Kommunikation von den AnsprĂŒchen des Hofes, der Bildungsinstitute sowie des MĂ€zenatentums. Russische Autoren konnten ihre Werke erstmals auf einem eigenen Buchmarkt veröffentlichen. FĂŒr Jahrzehnte dominierte nun das Genre des realistischen Gesellschaftsromans, der die Leser in Europa nachhaltig beeindruckte. Der russische realistische Roman entwickelte seine eigenen Verfahren zur Abbildung der Wirklichkeit und bildete Metastandpunkte bezĂŒglich der destabilisierenden Wirkung westlicher Modernisierung auf traditionelle Lebensformen und gesellschaftliche Strukturen heraus.

Puschkin gilt als BegrĂŒnder der modernen russischen Literatur. Weitere russische Schriftsteller von Weltrang sind: Michail Bulgakow, Fjodor Dostojewski, Nikolai Gogol, Maxim Gorki, Boris Pasternak, Alexander Solschenizyn, Lew Tolstoi, Anton Tschechow, Iwan Turgenew, der Exilant Vladimir Nabokov und Iwan Bunin, der erste russische Schriftsteller, der mit dem Nobelpreis fĂŒr Literatur ausgezeichnet wurde.

1990 verzeichneten BĂŒcher in Russland eine AuflagenstĂ€rke von insgesamt 1,6 Milliarden BĂŒchern. 2004 waren es nur noch 562 Millionen. AuflagenstĂ€rkste Autorin war dabei Darja Donzowa mit 99 BĂ€nden und einer AuflagenstĂ€rke von 18,1 Mio. BĂŒchern.

Der russische BuchhĂ€ndler-Verband beklagte im Jahr 2016 die gestiegenen Preise sowohl fĂŒr die Produktion als auch fĂŒr den Verkauf durch kleine BuchhĂ€ndler mit HandelsgebĂŒhren. So gebe es in Moskau nur noch eine Buchhandlung pro 58.000 Einwohner; die 12 Millionen Einwohner Moskaus teilten sich 199 Buchhandlungen im Vergleich zu den 3 Millionen Einwohnern von Paris mit deren 700 Buchhandlungen.

Bildende Kunst

Malerei

Auch auf dem Gebiet der Malerei leistete Russland einen großen Beitrag. Die PortrĂ€tmalerei war im 18. Jahrhundert sehr populĂ€r. Aber auch andere Stilrichtungen, wie Historienmalerei und religiöse Malerei wurden hĂ€ufig verwendet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam die europĂ€ische Moderne, wie Impressionismus und Jugendstil, in abgeleiteter Form nach Russland.

Im Zusammenhang mit dem Impressionismus und der Russische Avantgarde sind Namen wie Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch, Alexej von Jawlensky, Wladimir Tatlin, Michail Larionow und Natalja Gontscharowa zu erwĂ€hnen. Zu den großen russische Malern zĂ€hlen außerdem Andrei Rubljow, Ilja Repin, Marc Chagall, Michail Wrubel, Walentin Serow, Wassili Surikow, Iwan Aiwasowski, Isaak Lewitan, zu den bedeutenden Landschaftsmalern gehören Nikolai von Astudin und viele mehr. In neuerer Zeit machen vor allem provokative KĂŒnstler und KĂŒnstlergruppen wie „Die blauen Nasen“ Furore, welche international ausgezeichnet, von der russisch-orthodoxen Kirche und den Behörden aber immer wieder in die Schranken verwiesen werden.

Siehe auch: Liste russischer Maler, Peredwischniki, Mir Iskusstwa, Russische Avantgarde, Suprematismus, Kubofuturismus, Konstruktivismus (Kunst)

Architektur

In Russland befinden sich 25 WelterbestÀtten, davon 14 als UNESCO-Weltkulturerbe (Stand 2013); darunter befinden sich die AltstÀdte und historische Zentren von Derbent, Jaroslawl, Sankt Petersburg, Weliki Nowgorod, Wladimir oder die Kreml von Kasan und Moskau sowie die Holzkirchen von Kischi Pogost.

Die frĂŒhe Architektur Russlands orientiert sich an der des Byzantinischen Reichs: frĂŒhe Sakralbauten orientieren sich wie die byzantinischen am Griechischen Kreuz, das von fĂŒnf Kuppeln gekrönt wird. Beispiele hierfĂŒr sind die Sophienkathedrale in Nowgorod, oder die Kirche Sankt Demetrios in Wladimir. WesteuropĂ€ische EinflĂŒsse breiteten sich mit dem Barock aus. BarockeinflĂŒsse (Russischer Barock) begannen sich Ende des 17. Jahrhunderts in Russland zu zeigen (Kirche der Gottesmutter-Ikone von Wladimir zu Kurkino in Moskau).

Ein eigenstĂ€ndiger russischer Stil hatte sich wahrscheinlich ursprĂŒnglich nur im Bereich der Holzbauten entwickelt, von denen aufgrund des Baumaterials aber keine Bauten erhalten sind, die Ă€lter als das 17. Jahrhundert sind. Die Kirchen, die daraus entstanden, zeichnen sich durch eine einfachere zentrale Anlage und einen großen oktogonalen Mittelturm aus. Diese wurden im Laufe der Zeit immer dekorativer ausgestaltet. Ein berĂŒhmtes Beispiel ist die Basilius-Kathedrale auf dem Moskauer Roten Platz von 1555. Ihren Durchbruch erreichte sie jedoch im von Zar Peter I. gegrĂŒndeten Sankt Petersburg. EuropĂ€ische Architekten wie Andreas SchlĂŒter oder Domenico Trezzini kamen nach Russland, sie bauten GebĂ€ude wie das Menschikow-Palais oder die Peter-und-Paul-Festung.

Architektur von Weltniveau erreichten die Baumeister unter Katharina II. (Bartolomeo Francesco Rastrelli). Die PalĂ€ste wie der Winterpalast in St. Petersburg, das Schloss Peterhof oder der Katharinenpalast zeigen an den Fassaden einen großen und gewaltigen Rokoko-Stil und sind im Inneren exorbitant luxuriös ausgestattet.

Mit dem Klassizismus, der in Russland ungefĂ€hr zur selben Zeit einsetzte wie im restlichen Europa, begannen erstmals originĂ€r russische Baumeister wie Iwan Jegorowitsch Starow eine herausragende Stellung einzunehmen. Die meisten GebĂ€ude der Petersburger Innenstadt sind bis heute klassizistisch geprĂ€gt. Ein Paradebeispiel dafĂŒr ist die Rossistraße in Sankt Petersburg, benannt nach dem Architekten Carlo Rossi, deren Gesamtanlage einschließlich der HĂ€user einem streng geometrischen Gesamtmuster folgt. In den Sakralbauten wie der Isaakskathedrale allerdings mischen sich klassizistische und historistische Stilelemente.

Anfang des 20. Jahrhunderts waren avantgardistische Strömungen in der gesamten russischen Kultur stark. Nach der Oktoberrevolution konnten ihre Verfechter diese einige Jahre lang umsetzen. Beispielgebend ist hier El Lissitzky oder neuartige Prototypen fĂŒr Wohnungsbau, Industriebau und fĂŒr die öffentliche Verwaltung. Internationale Architekten wie Le Corbusier, Walter Gropius, Peter Behrens und Ludwig Mies van der Rohe konnten in Moskau bauen. Unter Stalins Herrschaft erfolgte jedoch schnell ein RĂŒckschlag auf monumental gesteigerte klassische Muster. Der ZuckerbĂ€ckerstil begann vorherrschend zu werden, die ReprĂ€sentativitĂ€t stand gegenĂŒber kĂŒnstlerischen EntwĂŒrfen klar im Vordergrund. In der spĂ€tsowjetischen Phase der 1970er-Jahre bis zum Zusammenbruch des Sowjetreiches entstanden in allen Teilrepubliken einzigartige, teils futuristische Bauwerke, deren radikale Ästhetik und eigenwillige Formensprache im Gegensatz zur konformistischen Staatsarchitektur stand. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion wird zunehmend ein historisierender Baustil modern, der AnknĂŒpfungspunkte in der traditionellen russischen Architektur sucht. Beispiele hierfĂŒr sind neben vielen anderen GebĂ€uden die wiederaufgebaute Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, oder die gleichnamige Kathedrale in Kaliningrad.

Darstellende Kunst

Musik

Die russische Musik reicht weit zurĂŒck. Ihre UrsprĂŒnge liegen im heidnischen Brauchtum der Ostslawen. Nach der Annahme des Christentums entwickelte sich zuerst die kirchliche Musik. UrsprĂŒnglich aus Byzanz gekommen, gewann sie schnell nationale russische Merkmale. Im 11. Jahrhundert bildete sich ein besonderer Typ des orthodoxen Kirchengesangs, der sogenannte Snamenny raspew heraus. Erst im 16. bis 17. Jahrhundert verbreitete sich das lyrische Volkslied. Einige Lieder sind weltberĂŒhmt, wie z. B. Lied der Wolgaschlepper, Kalinka, Katjuscha, Kosakenwiegenlied, Dubinuschka, Korobeiniki, Schwarze Augen.

Die AnfĂ€nge der russischen Kunstmusik begannen sich im 18. Jahrhundert zu entwickeln und standen seit Peter dem Großen unter Beeinflussung westeuropĂ€ischer Musik. Der wichtigste Komponist dieser Zeit war Dmytro Bortnjanskyj, in dessen Schaffen sowohl Kunstmusik wie auch die typisch russisch anzusehenden A-cappella-GesĂ€nge der orthodoxen Kirchenmusik vertreten sind. Jewstignei Ipatowitsch Fomin, der bedeutendste Opernkomponist Russlands des spĂ€ten 18. Jahrhunderts, war immer noch westlich geprĂ€gt. Wendungen aus der russischen Volksmusik tauchen erstmals verstĂ€rkt in den Opern und OrchesterstĂŒcken Michail Glinkas und Alexander Dargomyschskis auf, wodurch sie den Weg zu einer nationalrussischen Komponistenschule ebneten. Im Anschluss daran formierte sich aus fĂŒnf jungen Komponisten die sogenannte Gruppe der FĂŒnf (Alexander Borodin, CĂ©sar Cui, Mili Balakirew, Modest Mussorgski, Nikolai Rimski-Korsakow), welche es sich zur Aufgabe machte, gezielt die EigentĂŒmlichkeiten russischer Volksmusik fĂŒr Symphonien, Opern, Tondichtungen und Kammermusik nutzbar zu machen.

In Kontrast dazu entwickelte sich eine eher an westlicher Musik (besonders der deutschen Romantik) orientierte Gegenströmung, die durch Anton Rubinstein begrĂŒndet wurde. Ihr gehörte auch der bedeutendste russische Komponist des 19. Jahrhunderts, Pjotr Tschaikowski, an, dessen Werke (Symphonien, Opern, Ballette, Kammermusikwerke) der russischen Musik erstmals auch im Ausland zu grĂ¶ĂŸerem Ansehen verhalfen. Die nachfolgenden Komponisten wie Anatoli Ljadow, Sergei Tanejew, Anton Arenski, Alexander Gretschaninow, Alexander Glasunow und Wassili Kalinnikow setzten in ihren Kompositionen vor allem auf eine aussöhnende Vereinigung des westlich-internationalen und des russisch-nationalen Stiles. WĂ€hrend Sergei Rachmaninow in seinen Klavierkonzerten und Symphonien den Stil Tschaikowskis eigenstĂ€ndig weiterentwickelte, hielt mit Alexander Skrjabin, Schöpfer eines eigenwilligen harmonischen Systems, erstmals die musikalische Moderne in Russland Einzug.

Der Expressionismus ist in der russischen Musik durch das FrĂŒhwerk Igor Strawinskis und Sergei Prokofjews reprĂ€sentiert. In den 1920er-Jahren experimentierten viele Komponisten mit neuartigen musikalischen Gestaltungsmitteln, so auch der junge Dmitri Schostakowitsch, dessen frĂŒhe Werke sich besonders durch satirischen Tonfall auszeichnen. Die meisten Ă€lteren Komponisten hielten dagegen an der Romantik fest, wie Glasunow, Reinhold GliĂšre und Nikolai Mjaskowski, spĂ€ter dann auch Prokofjew. Ab Mitte der 1930er-Jahre wurde fĂŒr russische Musiker auf Anordnung Stalins die Doktrin des Sozialistischen Realismus bindend, die avantgardistische Experimente verbot und eine „volksnahe“ Kunst forderte. Dieser Zwang lockerte sich erst nach Stalins Tod 1953 allmĂ€hlich. HauptreprĂ€sentanten einer sowjetischen Musikkultur wurden im Anschluss neben Schostakowitsch vor allem Dmitri Kabalewski und der Armenier Aram Chatschaturjan. Seit etwa 1980 machen sich auch wieder die einst verpönten avantgardistische Elemente in russischen Kompositionen bemerkbar, so bei Edisson Denissow, Sofia Gubaidulina und Alfred Schnittke. Dagegen hielten Komponisten wie der gebĂŒrtige Pole MieczysƂaw Weinberg oder Boris Tschaikowski die Tradition in der Nachfolge Schostakowitschs aufrecht.

Neben der althergebrachten Unterhaltungsmusik aus der Zeit der Sowjetunion, der sogenannten Estrada, gibt es eine Reihe unterschiedlicher Genres russischer Popmusik. Als bedeutender russischer Liedermacher/Chansonnier des 20. Jahrhunderts wird der Dichter, SĂ€nger und Schauspieler Wladimir Wyssozki angesehen, dessen Lieder grĂ¶ĂŸtenteils in den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden. Zu Beginn der 1980er-Jahre und in der Zeit der Perestroika entwickelte sich in Russland eine vitale, russischsprachige Rockmusikszene, welche die gestandenen Bands wie Maschina Wremeni ergĂ€nzte. Als Galionsfigur dieser Jahre gilt gemeinhin der im Jahre 1990 verstorbene Frontmann von Kino, Wiktor Zoi, dessen Lieder und Texte fĂŒr viele Bands der nachfolgenden Jahre prĂ€gend waren. Neben originĂ€ren russischen Bands wie Kino, Ljube, Aquarium, DDT und Nautilus Pompilius, oder den Punkbands Graschdanskaja Oborona und Sektor Gasa wurde die Popkultur im Bereich der Musik stark vom internationalen Mainstream beeinflusst.

In den 1990er-Jahren etablierte sich in den kulturellen Zentren des Landes, aber insbesondere in St. Petersburg ein weitlĂ€ufiger Underground, der bis heute das gesamte Spektrum der Musik abdeckt. Gegen Ende des Jahrhunderts startete auch das russische MTV. WĂ€hrend dieser Zeit wurde eine Vielzahl von Rockbands gegrĂŒndet und aufgelöst, vor allem aber feierten die bereits in den 1980er-Jahren gegrĂŒndeten Formationen große Erfolge. Auch die ersten Bands der Untergrundkultur konnten viele Zuhörer gewinnen, so z. B. Leningrad. Sehr bekannt wurde in dieser Zeit auch Semfira. SpĂ€testens seit Beginn dieses Jahrzehnts hat auch russische Popsa bedeutende Marktanteile inne. Dabei handelt es sich um tanzbare Musik mit einem hohen Elektroanteil, die besonders Teenager zur Zielgruppe hat und sich musikalisch vollstĂ€ndig an international erfolgreichen Projekten orientiert (Walerija, VIA Gra). Das Duo t.A.T.u. ist die bislang einzige international erfolgreiche russische Popband. Ein weiteres, in der Zeit der Sowjetunion weitgehend an den Rand gedrĂ€ngte Genre erlebt die letzten Jahre ebenfalls eine Renaissance – das russische Chanson. Ein populĂ€rer Star dieser Richtung ist der SĂ€nger Michail Schufutinski.

Siehe auch: Anthologie der russischen weltlichen A-cappella-Chormusik des 19. bis frĂŒhen 20. Jahrhunderts, Russischer Hip-Hop

Ballett, Theater und Oper

Das Ballett hat in Russland eine lange Tradition und ist eine sehr beliebte Form der Unterhaltung. Peter I. lernte Ballett auf einer seiner Reisen nach Westeuropa kennen und war begeistert. An seiner Residenz gab es zwar auch TanzvergnĂŒgungen, aber sie waren anders, folkloristischer, volksnaher. So wurden Ballettspezialisten aus Europa nach Russland engagiert. Damit begann die eindrucksvolle Entwicklung des russischen Balletts, deren TĂ€nzer und Choreographen bald durch das Patronat der russischen Monarchie fĂŒr das Bolschoi- und Mariinski-Ballett zu den fĂŒhrenden Europas aufstiegen. In der choreographischen Arbeit Marius Petipas, zu denen insbesondere Pjotr Iljitsch Tschaikowski die Musik lieferte, entstanden mit Der Nussknacker, Schwanensee und Dornröschen die klassischen Meisterwerke im romantischen Ballett in Russland.

Auf Initiative des Impresarios Sergei Pawlowitsch Djagilew wurden 1909 die wegweisenden Ballets Russes gegrĂŒndet. Auf Tourneen in den KulturhauptstĂ€dten Europas in Paris und London wurde die Kompagnie zum Fixpunkt der europĂ€ischen Kunstavantgarde. Das europĂ€ische Publikum geriet angesichts der, teils dem zeitgenössischen Faible fĂŒr Folklore und Orientalismus, teils der revolutionĂ€ren Neuerungen von Musik, Choreographie und Interpretation, wie beispielhaft in der Inszenierung von Petruschka durch Igor Strawinsky, Michel Fokine und Vaslav Nijinsky, in BegeisterungsstĂŒrme. Das russische Ballett hatte damit in seiner allgemeinen Entwicklung Frankreich als fĂŒhrende Ballettnation entthront. Russische Technik und russisches Repertoire waren nun allgemeine Synonyme des klassischen Balletts. Der Einfluss ging so weit, dass auch bekannte westliche TĂ€nzerinnen (wie Alicia Markova) ihre Namen sogar russifizierten, um Chancen auf ein Engagement zu verbessern.

Auch die weltweite Entwicklung des Balletts im 20. Jahrhundert wurde in der Emigration zahlreicher in Russland ausgebildeter TĂ€nzer und Choreographen entscheidend geprĂ€gt. George Balanchine hatte fundamentalen Einfluss auf den choreographischen Stil im zeitgenössischen Ballett und Rudolf Nurejew initiierte mit der Wiederaufnahme des klassischen Repertoires die anhaltende PopularitĂ€t der romantischen Ballette, die bis heute Standardwerke geblieben sind. Durch interpretatorischen Anspruch und technische Bravour setzen sie hier auch nach wie vor MaßstĂ€be.

Zwar leitete die weitere politische Entwicklung in der Sowjetunion auch im Ballett eine kĂŒnstlerische Stagnation im Vergleich zu den Entwicklungen im modernen Tanz ein, jedoch blieb durch staatliche Ausbildung wie an der Waganowa-Ballettakademie und der finanziellen Förderung neuer Produktionen das hohe Niveau erhalten. Das sowjetische Repertoire wurde, wie in Sergei Prokofjews „Romeo und Julia“ und „Cinderella“ teilweise unmittelbar im Westen adaptiert. Die Entwicklung einer dramaturgischen Inszenierung eines sozialistischen Balletts wurde auf wirkungsvolle Weise in Juri Grigorowitschs Choreographie von „Spartakus“ umgesetzt, die weiterhin Höhepunkt im Ballettschaffen geblieben ist.

Russland brachte so große TĂ€nzerpersönlichkeiten wie Anna Pawlowa, Tamara Platonowna Karsawina, LĂ©onide Massine, Galina Ulanowa, Mikhail Baryshnikov, Natalja Romanowna Makarowa und Maja Plissezkaja hervor. Die heute wohl bekannteste Ballettgruppe ist das Russische Staatsballett mit bisher 20 Millionen Besuchern. Es wurde 1981 von Irina Tichimisowa gegrĂŒndet und ist seit 1984 unter der Leitung von Wjatscheslaw Gordejew, Ex-Bolschoi-Star.

Auch in diesem Bereich gibt es staatliche Einflussnahme und regimekritische Kulturschaffende werden bedrĂ€ngt: Im Juni 2017 rief der Regisseur Kirill Serebrennikow gar das Publikum auf zu bestĂ€tigen, dass es das StĂŒck Ein Sommernachtstraum gesehen hatte; dies, um dem Irrsinn ein Ende zu bereiten, nachdem ein staatliches Komitee ihm vorgeworfen hatte, den fĂŒr diese Produktion bewilligten Beitrag unterschlagen zu haben.

Film

Die russische Filmgeschichte begann bereits in der Epoche des Russischen Kaiserreichs mit Stummfilmpionieren wie Alexander Chanschonkow, Iwan Mosschuchin und Wera Cholodnaja. Zur Sowjetzeit brachte Russland auch einige der wichtigsten europĂ€ischen Filmregisseure hervor, beispielsweise Sergei Eisenstein und Andrei Tarkowski. Zahlreiche bemerkenswerte russische Filme und Regisseure blieben jedoch aufgrund des Ost-West-Konfliktes im Westen weitgehend unbekannt. WĂ€hrend der Sowjetzeit unterlag das Kino einer strengen ideologischen Zensur, innerhalb des erlaubten ideologischen Rahmens wurde jedoch eine beachtenswerte Talentförderung und staatliche UnterstĂŒtzung des Kinogewerbes betrieben. Auch heute noch betrachten viele Russen die Sowjetzeit, die viele beliebte Schauspieler und Filme hervorbrachte, als den Höhepunkt der russischen Filmkunst und der Schauspielschule.

Trotz der postsowjetischen Krise der russischen Filmindustrie erreichten seit den 1990er-Jahren russische Filme gelegentlich internationale Erfolge: Zu nennen ist beispielsweise der oscarprĂ€mierte Streifen Die Sonne, die uns tĂ€uscht (1994) von Regisseur Nikita Michalkow, das Jugenddrama The Return – Die RĂŒckkehr (2003) von Andrei Swjaginzew, der hierfĂŒr mit dem Goldenen Löwen bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet wurde, sowie die Fantasy-Verfilmung WĂ€chter der Nacht – Nochnoi Dozor (2004), die zur kommerziell bislang erfolgreichsten russischen Filmproduktion wurde.

Insgesamt lĂ€sst sich in den letzten Jahren ein enormer Anstieg der Kinobesuche in Russland nachvollziehen – wĂ€hrend im Großteil des ĂŒbrigen Europa die Kinobesuchszahlen in den letzten Jahren bestenfalls stagnierten. Ebenfalls außergewöhnlich ist hierbei, dass die russische Filmproduktion bei der beinahen Verdoppelung der Kinobesuche ihren – im Vergleich mit Europa ĂŒberdurchschnittlich hohen – Marktanteil, der seit 2005 stets ĂŒber einem Viertel an allen Kinobesuchen in Russland liegt, halten konnte. Der wichtigste Filmpreis in Russland ist der Nika, welcher von der Russischen Filmkunst Akademie verliehen wird. Zu den grĂ¶ĂŸten russischen Filmstudios gehören Goskino, Sowkino, Mosfilm, Lenfilm, Gorki Filmstudio (vormals Meschrabpom), sowie das Animationsstudio Sojusmultfilm.

Video

Video-Art ist im modernen Russland sehr beliebt. Russland ist einer der wichtigsten MĂ€rkte fĂŒr YouTube. Die beliebteste Episode aus der russischen Zeichentrickserie Mascha und der BĂ€r hat ĂŒber 3 Milliarden Aufrufe. Besonders populĂ€r ist die Show +100500, die Video-Rezensionen fĂŒr lustige Videos und BadComedian beherbergt, der populĂ€re Filme rezensiert. Viele russische Filmtrailer wurden fĂŒr Golden Trailer Awards nominiert. Viele Videos von Nikolai Kurbatow, dem BegrĂŒnder der Trailer-Poetik und der Dialog-Konstruktion des Trailers, wurden auf die großen YouTube-KanĂ€le hochgeladen, als Haupttrailer verwendet und ins Buch der Rekorde eingetragen.

Sport

In Russland hat Sport einen relativ hohen Stellenwert, was man auf die umfassende sportliche Förderung in der UdSSR zurĂŒckfĂŒhren kann (vgl. Sport in der Sowjetunion). 2008 besaß Russland 2687 Stadien ab 1500 SitzplĂ€tze und mehr als 3762 SchwimmbĂ€der und 123.200 Sportanlagen. Der Breitensport ist bedeutend, so liegt die Zahl der Mitglieder in den Sportvereinen bei 22,6 Millionen Menschen, darunter 8,1 Millionen Frauen. Die beliebteste Mannschaftssportart der Russen ist Fußball (vgl. Fußball in Russland), das einen Boom erlebt – begĂŒnstigt durch starke finanzielle Sponsorenförderung aus der Wirtschaft. Eishockey (vgl. Eishockey in Russland) ist die zweitbeliebteste Mannschaftssportart. Basketball ist die drittbeliebteste Mannschaftssportart, aber auch Schach und Tennis erfreuen sich großer Beliebtheit. Russland hat bereits zahlreiche Weltklassesportler hervorgebracht. Besonders in den Sportarten Leichtathletik, Wintersport, Eiskunstlauf, Turnen/Gymnastik und Gewichtheben dominieren russische Sportlerinnen und Sportler. Aus keiner Nation stammen mehr aktuelle und ehemalige Schachweltmeister und Großmeister als aus Russland.

Russland nahm inklusive der Teilnahmen als Teil der Sowjetunion bisher 19-mal an Olympischen Sommerspielen und 17-mal an Olympischen Winterspielen teil. Bislang konnten Sportler aus Russland und der Sowjetunion 1911 olympische Medaillen bei den Sportwettbewerben erringen und belegen damit Platz zwei des ewigen Medaillenspiegels. 1980 war die damals sowjetische Hauptstadt Moskau zum ersten Mal Ausrichter der Olympischen Sommerspiele. Der Schwarzmeer-Kurort Sotschi richtete 2014 zum ersten Mal die Olympischen Winterspiele in Russland aus. DarĂŒber hinaus ist Russland hĂ€ufig Austragungsort von internationalen Wettbewerben wie Welt- und Europameisterschaften. So trug Russland 2018 zum ersten Mal die Fußball-Weltmeisterschaft aus, die unter anderem in Moskau, Sankt Petersburg, aber auch in der Exklave Kaliningrad statt fand. Im Motorsport stellt Russland mit Witali Petrow einen ehemaligen und mit Daniil Kwjat einen aktiven Formel-1-Piloten. Auch die DTM und die Superbike-WM waren schon in Moskau zu Gast.

Eine DomÀne stellt Russland auch im Eisspeedwaysport dar und die russischen Eisspeedway-Piloten stellten Eisspeedway-Weltmeister in Serie. Die StÀdte Togliatti und Balakowo sind die Zentren des russischen Speedway-Motorrad-Rennsports.

Im Boxen zĂ€hlt das Land ebenfalls weltweit zur Spitze. Seit Ende der Sowjetunion gewannen russische Amateurboxer ab 1996 bei Olympischen Spielen 10× Gold, 6× Silber und 15× Bronze. Zusammen mit 14× Gold, 19× Silber und 18× Bronze bei Olympischen Spielen aus Sowjetzeiten, liegt Russland derzeit mit insgesamt 84 Olympiamedaillen auf Platz 2 des ewigen Medaillenspiegels hinter den USA mit 114 Medaillen und vor Kuba mit 73 Medaillen (Stand nach den Olympischen Spielen 2016). Von 1993 bis 2017 gewannen russische Boxer und Boxerinnen zudem 45 Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften.

Rugby Union erfreut sich ebenfalls zunehmender Beliebtheit. Die russische Nationalmannschaft qualifizierte sich bisher fĂŒr zwei Rugby-Union-Weltmeisterschaften (2011 und 2019), erreichte jedoch noch nicht die K.O.-Phase. Russland ist einer der Teilnehmer bei der Rugby-Union-Europameisterschaft und trifft dort auf andere aufstrebende Nationalmannschaften. Vor allem Spiele gegen den politischen Rivalen Georgien stoßen auf großes Interesse und gelten als eine Art „David gegen Goliath“, auch aufgrund Russlands negativer Gewinnbilanz gegen den sĂŒdlichen Nachbarn. Seit 2021 spielen Russland und RumĂ€nien den Kiseleff Cup aus; diese TrophĂ€e ist nach dem Herzog Pawel Kisseljow benannt, einem Russen, der bei der Ausarbeitung der ersten Verfassung fĂŒr die beiden FĂŒrstentĂŒmer Walachei und Moldau (heutiges RumĂ€nien und Republik Moldau) entscheidend mitgewirkt hatte. Als Heimatstadion dient das Zentralstadion in Sotschi.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) wirft Russland vor, seit Jahren systematisches, staatlich gesteuertes Doping zu betreiben; die Manipulationen wĂŒrden vom Sportministerium „geleitet, kontrolliert und ĂŒberwacht“, vom Inlandsgeheimdienst FSB unterstĂŒtzt und betrĂ€fen fast alle Sportarten, insbesondere im russischen Leichtathletikverband herrsche eine „tief verwurzelte Betrugskultur“. Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2013 in Moskau seien zahlreiche positive Doping-Proben russischer Sportler ausgetauscht worden, aber auch bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 und bei den Schwimmweltmeisterschaften 2015 in Kasan. Im November 2015 entzog die WADA der nationalen russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA die Akkreditierung; wenige Tage spĂ€ter schloss der Weltleichtathletikverband (IAAF) die russischen Leichtathleten bis auf weiteres von allen internationalen WettkĂ€mpfen – also auch von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro – aus. Auch die russischen Gewichtheber durften nach einer entsprechenden Entscheidung des Weltverbands IWF nicht in Rio antreten.

Auch die russische sportwissenschaftliche Forschung ist hiervon betroffen. WĂ€hrend die Trainingswissenschaft lange von den Erfolgen der Sportlerinnen und Sportler durch systematische Planung und Entwicklung wie z. B. der Periodisierung des sportlichen Trainings profitierte, ist der Innovationsvorsprung in den letzten Jahren geschrumpft, da die Methoden bei gleichzeitiger Reduktion des Dopings sich als weniger erfolgreich erwiesen. Eine Langzeitanalyse der fĂŒhrenden sowjetischen/russischen trainingswissenschaftlichen Zeitschrift Theorie und Praxis der Körperkultur (Moskau) zeigte, dass die in der Zeitschrift verwendete Literatur immer Ă€lter wurde und die Zeitschrift heute mit einem Durchschnittsalter der Literatur von 15 Jahren sich um mehr als zehn Jahre gegenĂŒber den 1980er Jahren verschlechtert hat. Inzwischen wird auch ĂŒber die Einbeziehung von verdeckten Dopingmethoden publiziert, da sich die Nanotechnologie noch immer weitgehend den Kontrollen der WADA entzieht.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hatte im Dezember 2019 die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA nach diversen Dopingskandalen – unter anderem wurden Daten von Athleten manipuliert – fĂŒr vier Jahre gesperrt und einen Olympia-Bann fĂŒr die russische Mannschaft ausgesprochen. Das Verfahren zum russischen Staatsdoping soll im Herbst 2020 vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) verhandelt werden. Der CAS setzte als Termin fĂŒr die Anhörung den 2. bis 5. November an. Die RUSADA hat dagegen Einspruch beim CAS eingelegt.

Literatur

Allgemeines
  • RĂŒdiger von Fritsch: Russlands Weg. Als Botschafter in Moskau. Aufbau Verlag, Berlin 2020. ISBN 978-3-351-03814-4.
  • Matthias Platzeck: Wir brauchen eine neue Ostpolitik: Russland als Partner. PropylĂ€en Verlag 2020. ISBN 978-3-549-10014-1.
  • Gabriele Krone-Schmalz: Eiszeit: Wie Russland dĂ€monisiert wird und warum das so gefĂ€hrlich ist, C.H.Beck, ISBN 978-3-406-71412-2.
  • Volker Ullrich (Hrsg.): Russland und der Kaukasus. Reihe: Fischer Weltalmanach aktuell, 72303. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-72303-5
Aktuelle Politik
  • Margareta Mommsen: Wer herrscht in Russland? Der Kreml und die Schatten der Macht. 2. durchg. und erw. Auflage, Beck, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-406-51118-X.
  • Peter Patze: Wie demokratisch ist Russland?. Ein tiefenorientierter Ansatz zur Messung demokratischer Standards (= Schriftenreihe „Demokratiestudien“. Bd. 2). Nomos, Baden-Baden 2011, ISBN 978-3-8329-6255-5.
  • Heiko Pleines, Hans-Henning Schröder (Hrsg.): LĂ€nderbericht Russland (Memento vom 10. Februar 2013 im Webarchiv archive.today), Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Schriftenreihe, 1066. Bonn 2010, ISBN 3-8389-0066-9.
  • Dmitri Stachow, Lilia Shevtsova, Roland Götz, Jutta Scherrer, Eva-Maria Auch: Russland, Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Bonn 2006 (PDF).
Geschichte
  • Orlando Figes: Hundert Jahre Revolution. Russland und das 20.Jahrhundert. Hanser, MĂŒnchen 2015, ISBN 978-3-446-24775-8.
  • Christoph Schmidt: Russische Geschichte 1547–1917. 2. Auflage, Oldenbourg, MĂŒnchen 2009, ISBN 3-486-56704-7.
  • Carsten Goehrke: Russland. Eine Strukturgeschichte. Schöningh, Paderborn 2000, ISBN 978-3-506-76763-9 (Rezension).
  • Richard Pipes: Russland vor der Revolution. Staat und Gesellschaft im Zarenreich. Beck, MĂŒnchen 1984, ISBN 3-406-06720-4
  • Abraham Ascher: Geschichte Russlands. Magnus, Essen 2005, ISBN 3-88400-432-8.
  • Tim Guldimann: Moral und Herrschaft in der Sowjetunion. Erlebnis und Theorie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-518-11240-6.
  • Andreas Kappeler: Russland als Vielvölkerreich. Entstehung, Geschichte, Zerfall. 2. durchgesehene Auflage, C.H. Beck, MĂŒnchen 2008, ISBN 3-406-36472-1.
  • Andreas Kappeler: Russische Geschichte, 4. aktualisierte Auflage, Beck, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-406-47076-9.
  • Tanja Wagensohn: Russland nach dem Ende der Sowjetunion. Pustet, Regensburg 2001, ISBN 3-7917-1751-0
Soziologie und Kultur
  • Norbert Franz (Hrsg.): Lexikon der russischen Kultur. Primus, Darmstadt 2002, ISBN 3-89678-413-7.
  • Hans-Joachim Frey, JĂŒrgen Helfricht: Russland lieben lernen. Einblicke in eine Welt-Kulturnation. Husum-Verlag, Husum 2. Auflage 2019, ISBN 978-3-89876-910-5
  • Carsten Goehrke: Russischer Alltag. Chronos, ZĂŒrich 2003, ISBN 3-0340-0583-0.
  • Orlando Figes: Nataschas Tanz. Eine Kulturgeschichte Russlands. Berlin Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-8270-0487-X.
  • Dorothea Redepenning: Geschichte der russischen und sowjetischen Musik. Das 19. und 20. Jahrhundert in 2 BĂ€nden. Laaber-Verlag, Laaber 1994, ISBN 978-3-89007-206-7.

Weblinks

Deutsche offizielle und wissenschaftliche Websites
  • LĂ€nderinformationen zu Russland des AuswĂ€rtigen Amtes
  • LĂ€nderprofil des Statistischen Bundesamtes
  • Dossier Russland der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung
  • Publikationen zu Russland der Stiftung Wissenschaft und Politik
Sonstige Websites
  • Wirtschaftsdaten fĂŒr Russland Online (englisch)
  • Russland HEUTE
  • Englischsprachige und russischsprachige Kurznachrichten von Kawkasski Usel aus Russland (aufgrund des Korrespondentennetzes vorwiegend aus SĂŒdrussland und dem Nordkaukasus)

Anmerkungen

Einzelnachweise


 

Region Regionen (91)

Bezeichnung der Regionen: Oblast
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Adygeja 45.194 43.751 38.672 40.754  
Altay 54.488 50.635 77.785 87.187  
Amur  
Archangelsk  
Astrachan 48.869 45.448 44.984 49.306  
Autonome Kreis der Chanten und Mansen 65.717 58.589 59.223 85.974  
Autonomer Kreis der Aginer Burjaten 51.691 50.423 112.334 115.962  
Autonomer Kreis der Ewenken  
Autonomer Kreis der Jamal-Nenzen 73.528399 62.216756 62.127686 86.022949  
Autonomer Kreis der Komi-Permjaken 61.094 58.634 51.774 56.294  
Autonomer Kreis der Nenzen 70.48 65.808 43.267 65.654  
Autonomer Kreis der Tschuktschen  
Autonomer Kreis der Tschuktschen  
Bashkortostan  
Belgorod 51.422 49.804 35.282 39.272  
Brjansk 54.033 51.827 31.247 35.314  
Burjatien  
Burjatien  
Chakassien 55.446 51.316 87.835 91.846  
Chechnya 44.015 42.47 44.839 46.676  
Chelyabinsk 56.376 51.993 57.136 63.34  
Chita  
City of St. Petersburg 60.266 59.604 29.418 30.756  
Dagestan 45.001 41.193 45.105 48.579  
Inguschetien 43.62 42.61 44.497 45.18  
Irkutsk  
Ivanovo 57.75 56.368 39.386 43.863  
Jaroslawl 58.954 56.538 37.346 41.164  
JĂŒdische Autonome Oblast 49.486 47.662 130.53 134.987  
Kabardino-Balkarien 44.0208 42.8908001 42.4059 44.4739002 Kabardino-Balkarien  
Kaliningrad 55.29 54.343 19.61 22.848  
KalmĂŒckien 48.259 44.752 41.647 47.538  
Kaluga 55.32 53.271 33.424 37.259  
Kamchatka  
Karatschai-Tscherkessien 44.495 43.181 40.69 42.683  
Karelia 66.684 60.646 29.276 37.942  
Kemerovo 56.833 52.168 84.41 89.449  
Khabarovsk  
Kirov 61.059 56.073 46.3 53.922  
Komi 68.431 59.208 45.427 66.21  
Kostroma 59.633 57.276 40.385 47.604  
Krasnodar 46.863 43.389 36.577 41.729  
Krasnoyarsk  
Kurgan 56.842 54.163 61.967 68.734  
Kursk 52.433 50.906 34.079 38.505  
Leningrad 61.321 58.44 26.944 35.692  
Lipetsk 53.592 51.879 37.712 40.703  
Mari El 57.33 55.828 45.629 50.198  
Mordwinien 55.177 53.661 42.184 46.743  
Moskau 56.954 54.245 35.171 40.206  
Moskva 55.885 55.551 37.388 37.85  
Murmansk 80.175 80.14 36.594 36.854  
Murmansk 69.97 66.055 28.41 41.39  
Murmansk 80.175 80.14 36.594 36.854  
Nischni Nowgorod 58.089 54.471 41.782 47.768  
Nordossetien-Alanien 43.831 42.552 43.386 44.944  
Novgorod 59.432 56.931 29.653 36.237  
Novosibirsk 57.25 53.327 75.087 85.079  
Omsk 58.581 53.43 70.384 76.319  
Orel 53.644 51.927 34.795 38.038  
Orenburg 54.377 50.475 50.767 61.663  
Penza 54.017 52.316 42.087 46.983  
Perm 61.682 56.1 53.703 59.472  
Primorje 48.451066 42.269179 130.462646 139.130859  
Pskov 59.014 55.578 27.328 31.511  
Republik Altai 52.668 49.071 84.005 89.869  
Rjasan 55.34 53.335 38.672 42.7  
Rostov 50.226 45.947 38.188 44.334  
Sacha 77.3102287 55.4876715 105.508341 163.105983  
Sakhalin  
Samara 54.676 51.76 47.945 52.539  
Saratov 52.81 49.81 42.48 50.794  
Smolensk 56.075 53.414 30.762 35.398  
Stawropol 46.241 43.652 40.841 45.717  
Sverdlovsk 61.993 56.054 57.219 66.197  
Tambov 53.823 51.594 39.951 43.238  
Tatarstan 56.676 53.969 47.242 54.231  
Taymyr  
Tjumen 59.989 55.132 64.827 75.159  
Tomsk 61.047 55.681 75.069 89.391  
Tschuwaschien 56.335 54.63 45.92 48.412  
Tula 54.838 52.962 35.91 38.922  
Tuva 53.729 49.726 88.736 99.25  
Twer 58.869 55.632 30.781 38.308  
Udmurtien 58.544 55.857 51.116 54.4  
Uljanowsk 55.016 52.567 45.792 50.257  
Ust-Orda Buryat 54.054 52.386 102.048 106.061  
Vladimir 56.825 55.109 38.293 42.948  
Volgograd 51.24 47.445 41.166 47.434  
Vologda 61.594 58.49 34.73 47.137  
Voronezh 52.105 49.542 38.139 42.905  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Russia

Name englisch: Russia
Hauptstadt: Moscow
Kfz: RUS
ISO: RU
ISO3: RUS
Fläche: 17075400 km²
Tld: .ru
Wärung Einheit: RUB
Währung: Ruble
Vorwahl: 7

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 82.1673907
südlichster Punkt: 41.185353
westlichster Punkt: 19.6161
östlichster Punkt: 180


 
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