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Staat Informationen : Spitzbergen

Informationen:


Spitzbergen ist eine zu Norwegen geh√∂rende Inselgruppe im Nordatlantik wie im Arktischen Ozean. Im norwegischen Sprachgebrauch hei√üt die Inselgruppe seit dem Spitzbergenvertrag von 1920 Svalbard (deutsch ‚ÄěK√ľhle K√ľste‚Äú). Im deutschen Sprachgebrauch ist dieser Name nicht verbreitet und die Inselgruppe wird gemeinhin Spitzbergen genannt, was zugleich der Name der Hauptinsel des Archipels ist.

Spitzbergen wurde ab etwa 1900 in erster Linie wegen der Ausbeutung seiner reichen Kohlevorkommen besiedelt. In neuerer Zeit gilt Spitzbergen als ‚Äěgr√∂√ütes Labor der Welt‚Äú f√ľr Arktisforschung, zu dem auch ein Startplatz f√ľr Forschungsraketen geh√∂rt (SvalRak). Die Inselgruppe ist gem√§√ü dem Spitzbergenvertrag eine demilitarisierte Zone.

Geologie

Die Geologie der Inselgruppe Spitzbergen (Svalbard) hat eine ungew√∂hnlich abwechslungsreiche und komplizierte geologische Geschichte, die mit Laurentia und insbesondere mit Ost-Gr√∂nland im Zusammenhang steht. Sie waren mit Ost-Spitzbergen Bestandteile des Superkontinents Rodinia vor 900 Millionen Jahren. Nach dessen Zerfall vollzogen diese separierten Fragmente gemeinsam eine Kontinentaldrift, die im Pr√§kambrium vor 550 Millionen Jahren in hohen s√ľdlichen Breiten nahe am S√ľdpol begann und zur heutigen Position in hohe n√∂rdliche Breite f√ľhrte.

Die geodynamische Entwicklung Spitzbergens kann in mehrere Phasen unterteilt werden: Zwischen dem sp√§ten Pal√§oproterozoikum und dem unteren Pal√§ozoikum entstand das Grundgebirge mit bis zu 1750 Millionen Jahre altem Gestein und der Kaledonischen Orogenese vor 450 Millionen Jahren. M√§chtige Sedimente lagerten sich w√§hrend des Phanerozoikums, beginnend im Devon bis zum Terti√§r, ab. In karbonischen bis terti√§ren S√ľmpfen entstanden periodisch Kohlefl√∂ze. Vor 40 Millionen Jahren hatte sich der Atlantik ge√∂ffnet, und Spitzbergen wurde von Gr√∂nland getrennt. Ab dem Quart√§r traten wiederholte Vergletscherungen auf. Sie hatten ma√ügeblichen Einfluss auf die Geographie und formten die heutige Geomorphologie. Ab dem Ordovizium fossilierten zahlreiche und diverse Fauna- und Flora-Lebewesen in sediment√§ren Ablagerungen.

Geografie

Die √ľber 400 Inseln und Sch√§ren liegen n√∂rdlich des Polarkreises zwischen 74 und 81 Grad n√∂rdlicher Breite sowie zwischen 10 und 35 Grad √∂stlicher L√§nge. Es soll noch einige weitere Inseln geben, deren Existenz aber bisher nicht an vorgegebener Position nachgewiesen werden konnte. M√∂glicherweise wurden sie aufgrund mangelnder Orientierungsmittel mit anderen Inseln verwechselt oder von einem Gletscher bedeckt.

Die gr√∂√üten Inseln sind Spitzbergen (norwegisch Spitsbergen), Nordostland (Nordaustlandet), Barents√łya, Edge√łya und Prins Karls Forland, die vergleichsweise nahe beieinander liegen und sich insgesamt √ľber rund 450¬†km (243¬†sm) in nord-s√ľdlicher und 330¬†km (178¬†sm) in west-√∂stlicher Richtung erstrecken.

Zur Inselgruppe Spitzbergen geh√∂ren des Weiteren auch die 240¬†km (130¬†sm) s√ľdlicher gelegene B√§reninsel (Bj√łrn√łya) sowie die √∂stlich gelegenen Inseln Hopen, K√∂nig-Karl-Land (Kong Karls Land) und im √§u√üersten Nordosten Kvit√łya. N√∂rdlich von Nordostland liegt der Archipel der Siebeninseln (Sju√łyane), zu dem mit Ross√łya die n√∂rdlichste Insel Spitzbergens geh√∂rt.

Die Inselgruppe bildet insgesamt den nord√∂stlichen Abschluss der Gr√∂nlandsee, den n√∂rdlichen des Europ√§ischen Nordmeers und den nordwestlichen der Barentssee. Im Norden liegt das Nordpolarmeer. Gr√∂nland und Norwegen sind jeweils mehr als 600¬†km (325 sm) und der Nordpol √ľber 1000¬†km (590 sm) entfernt. Im Osten liegt 190¬†km (100 sm) von Nordaustlandet bzw. 65¬†km (35 sm) von Kvit√łya entfernt die russische Victoria-Insel. Nach weiteren 170¬†km (90 sm) beginnt die russische Inselgruppe Franz-Josef-Land, s√ľdlich davon liegt die Doppelinsel Nowaja Semlja.

W√§hrend die K√ľsten Spitzbergens im Sommer in der Regel eisfrei sind, kann das Packeis im Winter bis zur S√ľdspitze der Inselgruppe reichen.

Die h√∂chste Erhebung von Spitzbergen ist der Newtontoppen mit einer H√∂he von 1713 Metern, dicht gefolgt vom Perriertoppen mit 1712 Metern, dem Ceresfjellet mit 1675 Metern, dem Chadwickryggen mit 1640 Metern und dem Galileotoppen mit 1637 Metern. Alle f√ľnf Berge liegen im Nordosten der Hauptinsel Spitzbergen im Gebiet Ny-Friesland.

Die K√ľsten der Inseln sind stark zerkl√ľftet und von Fjorden durchsetzt. Das Boot ist ein wichtiges Verkehrsmittel, besonders im Sommer, wenn die sumpfige Tundra nicht auf dem Landweg durchquert werden kann. Mehr als 60 Prozent der Landfl√§che von Spitzbergen sind von Gletschern bedeckt. Einer von ihnen, der Austfonna, ist der nach Fl√§che gr√∂√üte Gletscher Europas.

Die Inselgruppe ist tektonischen Aktivit√§ten ausgesetzt, die gelegentlich zu kleineren Erdbeben f√ľhren. Am 6. M√§rz 2009 ereignete sich das bisher st√§rkste Beben mit der St√§rke 6,5 auf der Richterskala. Dieses Erdbeben war zugleich das st√§rkste in ganz Norwegen seit Beginn der Aufzeichnungen (ca. 100 Jahre).

Einige der Gesteinsformationen auf der Inselgruppe entstanden vor mehr als 600¬†Millionen Jahren in S√ľdpoln√§he.

Klima

Das Klima um Spitzbergen ist arktisch. Es ist das ganze Jahr k√ľhl bei zwar regelm√§√üigen, aber geringen Niederschl√§gen. Die K√ľstenregionen sind im Sommer nur f√ľr etwa sechs Wochen schneefrei, die Fjorde frieren im Winter nur zeitweise zu. Bei k√ľhlen Sommern sind die Winter trotz der n√∂rdlichen Lage sehr mild, da der Westspitzbergenstrom, ein Ausl√§ufer des Golfstromes, entlang der Westk√ľste relativ warmes Wasser ins Nordpolarmeer transportiert. Er ist der Hauptgrund daf√ľr, dass die Inselgruppe √ľberhaupt bewohnbar ist.

Im Sommer, der Anfang Juni sonnig beginnt und im September mit Nebel, Regen und Schnee endet, liegen die Temperaturen zwischen ‚ąí2¬†¬įC und 17¬†¬įC. Im Winter ist es zwischen ‚ąí25¬†¬įC und 5¬†¬įC kalt, und es gibt h√§ufig Schneefall und Nebel. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei ‚ąí6,7¬†¬įC.

Spitzbergen liegt weit nördlich des Polarkreises. In Longyearbyen dauert die Polarnacht vom 26. Oktober bis zum 16. Februar. Von Mitte November bis Ende Januar bleibt die Sonne mehr als sechs Grad unter dem Horizont, es tritt also nicht einmal eine Dämmerung ein. Im Sommer geht die Sonne vom 20. April bis zum 26. August nicht unter. Die jährlichen Sonnenstunden betragen 1150 Stunden, wobei die meisten auf die Zeit zwischen Mai und Juli fallen.

Auswirkungen der globalen Erwärmung

Durch die Klimakrise haben sich auf Spitzbergen sp√ľrbare klimatische Ver√§nderungen ergeben. Zwischen 1970 und 2020 ist die Durchschnittstemperatur auf Spitzbergen um 4 Grad Celsius gestiegen, in den Wintermonaten um 7 Grad. Am 25. Juli 2020 wurde mit 21,7 Grad Celsius f√ľr das Spitzbergenarchipel eine neue Rekordtemperatur gemessen, welche zugleich die h√∂chste je im europ√§ischen Teil der Arktis gemessene Temperatur darstellt; zudem wurden im Juli 2020 vier Tage in Folge Temperaturen √ľber 20 Grad gemessen. Wie in weiten Teilen der Arktis l√§sst sich auch auf Spitzbergen die gef√ľrchtete Eis-Albedo-R√ľckkopplung feststellen: Durch die substanzielle Eisschmelze wandeln sich Eisfl√§chen in offenes Wasser, dessen dunkle Oberfl√§che mehr Sonnenenergie absorbiert statt sie als zuvor helles Eis zur√ľckzustrahlen; dadurch erw√§rmen sich diese Gew√§sser und weiteres Eis in der Umgebung schmilzt immer schneller, wodurch weitere offene Gew√§sser entstehen usw. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird auf Spitzbergen ein Temperaturanstieg zwischen 7 und 10 Grad erwartet.

Fauna

An gr√∂√üeren Lands√§ugetieren kommen nur das Spitzbergen-Ren, der Eisb√§r und der Polarfuchs vor. Der Eisb√§r, dessen Population im Gebiet der Inselgruppe auf rund 3500 Tiere gesch√§tzt wird, ist eigentlich ein maritimes Tier, da er sich haupts√§chlich auf dem umliegenden Meereis aufh√§lt. Er wandert mit der Packeisgrenze der K√ľste entlang, da sich dort seine bevorzugte Beute, die Robben, findet. Trotzdem muss auf der ganzen Insel jederzeit und √ľberall mit dem Auftauchen des Beutegreifers gerechnet werden. Das zeigt auch das Auftauchen eines Eisb√§ren im Ortsteil Nybyen im Juni 2010. Zum Schutz von Kreuzfahrttouristen gibt es Eisb√§renw√§chter, die die Kreuzfahrer auf Landausfl√ľgen begleiten. Seit 1973 stehen die Eisb√§ren auf Spitzbergen ganzj√§hrig unter Schutz. Es ist verboten, Eisb√§ren anzulocken oder aktiv aufzusuchen.

Die hier lebende Unterart der Rentiere, das Spitzbergen-Ren, ist kleiner als seine Verwandten in anderen Gebieten der Arktis. Es kommt nur auf der Inselgruppe Spitzbergen vor. Der Polarfuchs ist das kleinste der verbreiteten Säugetiere. Wegen des weißen Polarfuchsfells wurde er eine Zeit lang intensiv mit Fallen bejagt.

Im Zuge der Errichtung von Farmen zur Versorgung der sowjetischen Bev√∂lkerung mit Nahrungsmitteln wurde die Osteurop√§ische Feldmaus aus der Ukraine eingeschleppt und hat sich etabliert. Die Feldmaus wurde um Longyearbyen schon gesichtet, vermutlich ist sie durch Schiffe eingeschleppt worden. Moschusochsen wurden in den Jahren 1925, 1926 und 1929 eingef√ľhrt und entwickelten sich anfangs gut, starben jedoch im Jahre 1985 wieder aus. √Ąhnlich verliefen Versuche, den Schneehasen anzusiedeln. Andere Lands√§ugetiere sind sehr selten oder fehlen.

Die Zahl der Meeress√§uger war vor dem Beginn des gro√ü angelegten Walfangs bedeutend h√∂her. Lange Zeit waren gro√üe Fangflotten unterwegs, die erst Gr√∂nlandwale und Nordkaper und sp√§ter auch verschiedene Furchenwale bejagten. Narwale gab es schon immer nur wenige in diesem Gebiet, und die Anzahl der Wei√üwale, die noch im 19. Jahrhundert in den Fjorden der Inselgruppe gefangen wurden, ist heute stark dezimiert. Das Gleiche gilt im verst√§rkten Ma√ü f√ľr Walrosse, die vollst√§ndig von den westlichen K√ľsten vertrieben wurden. Andere Robben, die auf Spitzbergen vorkommen, sind die Sattelrobbe, die Ringelrobbe, die Bartrobbe und vereinzelt auch die Klappm√ľtze.

Die Vogelwelt ist arm an Arten, lediglich 30 br√ľten auf den Inseln. Am h√§ufigsten sind die Alkenv√∂gel, die in riesigen Kolonien br√ľten. Dazu geh√∂ren die Dickschnabellumme, die Gryllteiste, der Krabbentaucher (ca. 1¬†Million Brutpaare), der Papageientaucher und die Trottellumme. Au√üerdem kommen verschiedene M√∂wenarten vor (Dreizehenm√∂we, Eism√∂we, Elfenbeinm√∂we u.¬†a.), alle vier europ√§ischen Raubm√∂wen, der Eissturmvogel, verschiedene Limikolen (am h√§ufigsten der Meerstrandl√§ufer), die K√ľstenseeschwalbe, Thorsh√ľhnchen, und der Sterntaucher. An Entenv√∂geln br√ľten die Kurzschnabelgans, die Ringelgans, die Wei√üwangengans, die Eiderente und selten die Prachteiderente auf Spitzbergen. Im Landesinneren kommt das Alpenschneehuhn vor, die einzige Vogelart, die auch den Winter hier verbringt. Als einzige Singvogelart besiedelt die Schneeammer die Inselgruppe.

Folgende Vogelarten, von denen fast alle auch hier br√ľten, kommen auf dem Archipel vor und entsprechen dem Vorkommen auf Helgoland und Teilen der Nordseek√ľste:

  • Sterntaucher
  • Eistaucher
  • Eissturmvogel
  • Kurzschnabelgans (kommt nicht auf der B√§reninsel vor)
  • Wei√üwangengans (nicht auf der B√§reninsel)
  • Eiderente (ebenfalls kein Vorkommen auf der B√§reninsel)
  • Prachteiderente (selten, nicht B√§reninsel)
  • Eisente (nicht B√§reninsel)
  • Alpenschneehuhn (einzige Vogelart, die nicht im Winter fortzieht, nicht B√§reninsel)
  • Meerstrandl√§ufer
  • Steinw√§lzer (nicht B√§reninsel)
  • Thorsh√ľhnchen (nicht B√§reninsel)
  • Sandregenpfeifer (nicht B√§reninsel)
  • Schmarotzerraubm√∂we
  • Falkenraubm√∂we (nicht B√§reninsel)
  • Spatelraubm√∂we (nicht B√§reninsel, br√ľtet nicht auf Spitzbergen)
  • Heringsm√∂we (nur B√§reninsel)
  • Eism√∂we
  • Dreizehenm√∂we
  • Elfenbeinm√∂we (nicht B√§reninsel)
  • Schwalbenm√∂we (selten, nicht B√§reninsel)
  • Rosenm√∂we (selten)
  • Krabbentaucher (mit 1 Mio. Brutpaaren h√§ufigster Brutvogel)
  • Gryllteiste
  • Papageitaucher
  • Tordalk (nur B√§reninsel)
  • Trottellumme (nur B√§reninsel)
  • Dickschnabellumme (sehr gro√üe Kolonien, manche, wie am Alkefjellet, mit mehr als 100.000 Brutpaaren)
  • K√ľstenseeschwalbe (nicht B√§reninsel)
  • Schneeammer (einziger Singvogel, nicht B√§reninsel)

In S√ľ√üwasseransammlungen leben unz√§hlige kleine Krebstiere, wobei die Art Lepidurus (Apus) glacialis, die an Kaulquappen erinnert, besonders ins Auge f√§llt.

Flora

Die Pflanzenwelt ist typisch f√ľr die hiesige Tundrenvegetation. Die meisten der hier vorkommenden 130 Bl√ľtenpflanzen findet man auch im skandinavischen Gebirge und auf Nowaja Semlja. Es gibt Steinbrecharten, Fingerkraut, Wei√üe Silberwurz und viele Wiesenpflanzen wie Gr√§ser, L√∂wenzahn und Wollgras. Es gibt mehrere Weidenarten, von denen jedoch nur die Polarweide (Salix polaris) h√§ufig ist. Dar√ľber hinaus ist die seltene Zwergbirke (Betula nana) der einzige ‚ÄěBaum‚Äú, der jedoch wie auch s√§mtliche Weidenarten nur am Boden kriecht und noch nicht einmal als Busch bezeichnet werden kann.

Moose bilden an vielen Stellen zusammenh√§ngende Decken, die in den Senken im Landesinneren bedeutende Ausma√üe erreichen. Den reichsten Bewuchs findet man entlang der Fjorde, die oft wolkenfrei sind, so dass das Sonnenlicht lange Zeit den Boden erreicht. Das umliegende Meer ist reich an Algen, die auch im Polarwinter unter der Eisdecke leben. Besonders auff√§llig sind Braunalgen, die bis zu drei Meter lang werden k√∂nnen. In S√ľ√üwassert√ľmpeln leben Kieselalgen und Armleuchteralgen (Charophyceae). Schneealgen leben auf dem Schnee und f√§rben ihn gr√ľn oder rot. Diese F√§rbung tritt vor allem im Sommer in der N√§he von Vogelkolonien auf, da der Kot der Tiere Stickstoff liefert.

An den K√ľsten wird eine gro√üe Menge von Treibholz angesp√ľlt, das vorwiegend aus Nadelgeh√∂lzen besteht und sehr hart ist, die von den sibirischen Str√∂men ins Nordpolarmeer transportiert wurden.

Bevölkerung

Der norwegische Hauptort der Inselgruppe ist Longyearbyen auf der Insel Spitzbergen. Dort befindet sich auch die Universit√§t UNIS. Daneben gibt es die russische Siedlung Barentsburg. Ny-√Ölesund ist eine norwegisch-internationale Ansiedlung mit Forschungsstationen. Eine polnische Forschungsstation steht am Hornsund. In Svea arbeiten Grubenarbeiter, die aber als Pendler dort keinen festen Wohnsitz haben. Weitere Wissenschaftler und Techniker betreuen die meteorologische Station und den Funksender in Herwighamna auf der B√§reninsel. Die russische Kohlegrube in Pyramiden wurde 1998 stillgelegt, die Siedlung selbst (zu Spitzenzeiten bis zu 1000¬†Einwohner) hat man im Jahr¬†2000 aufgegeben. Ebenfalls aufgegeben wurde die ehemalige sowjetische Siedlung Grumant. Insgesamt hat Spitzbergen heute etwa 2700¬†st√§ndige Einwohner, daraus folgt eine Bev√∂lkerungsdichte von etwa 0,04 Einwohnern pro km¬≤. Besonders die Bev√∂lkerung in Longyearbyen ist international, durch den Austausch der Studierenden halbj√§hrlich bis j√§hrlich gibt es viele Zuz√ľge und Wegz√ľge. Neben Norwegern, Schweden, Finnen und D√§nen gibt es eine gr√∂√üere Gruppe von Deutschen und anderen Westeurop√§ern sowie hin und wieder US-Amerikaner, vornehmlich im Hotelservice aber auch Thail√§nder. In den russischen Siedlungen vornehmlich Russen, Belarussen und Ukrainer.

  • Longyearbyen: ca. 2100 permanente Einwohner
  • Barentsburg: 434 permanente Einwohner aus Russland (Stand Juli 2014)
  • Kap Linn√©, Isfjord Radio und Hotel: 3 Personen
  • Kap Wijk (Isfjord), Trapperstation: 1 Person
  • Svea: vormals 225 Pendler, keine festen Anwohner - aufgelassen
  • Hornsund, polnische Forschungsstation: 10 Personen
  • Pyramiden: 10‚Äď12 Personen f√ľr den Hotelbetrieb
  • Ny-√Ölesund: 25 permanente Bewohner, dazu im Sommer etwa 100 Gastforscher
  • Aksel√łya und Kap Schollin (Van Mijenfjord), Trapperstation: 1 Person
  • B√§reninsel (Bj√łrn√łya), norwegische Wetterstation: 9 Personen
  • Hopen, norwegische Wetterstation: 4 Personen

Geschichte

Entdeckung Spitzbergens

Schon 1194 wurde in norwegischen Schriften Svalbardi fundinn (‚Äědie kalte K√ľste gefunden‚Äú) erw√§hnt. Es wird vermutet, dass damit Spitzbergen gemeint war, es k√∂nnte jedoch auch Jan Mayen oder Gr√∂nland gewesen sein. Als eigentlicher Entdecker gilt Willem Barents, der die Inselgruppe am 19. Juni 1596 sichtete, w√§hrend er auf der Suche nach der Nordostpassage war. Die Entdeckung dieser Passage h√§tte der aufstrebenden Kolonialnation der Niederlande neue Wege nach Osten erm√∂glicht, die nicht von Spanien oder Portugal kontrolliert wurden. Nach Barents sind der Ort Barentsburg und die Barentssee benannt. Er selbst benannte das Land nach den spitzen Bergen an der Westk√ľste. Spitzbergen ist heute der Name der gr√∂√üten Insel der Inselgruppe, er wird aber im deutschen Sprachgebrauch auch f√ľr die ganze Inselgruppe verwendet.

Barents fuhr anschlie√üend weiter nach Osten, wurde aber vom aufkommenden Eis zur √úberwinterung auf Nowaja Semlja gezwungen. Das war die fr√ľheste √ľberlieferte √úberwinterung so weit im Norden. Barents selber starb jedoch im Fr√ľhling 1597 dort, bevor seine Mannschaft gerettet wurde.

Die Walfangperiode

Barents und nach ihm Henry Hudson (1607) fanden enorme Mengen an Walen, besonders von Gr√∂nlandwalen, Robben und Walrossen vor. In der Folgezeit wurden daher zahlreiche Fangexpeditionen durchgef√ľhrt, die zu einer sehr schnellen Dezimierung der Wal- und Walrossbest√§nde f√ľhrten. Diese haben sich bis heute nicht nennenswert erholt. Walprodukte, besonders das aus dem Blubber gewonnene Wal√∂l, waren in dieser Zeit in Europa, das gerade dabei war, zur Weltmacht aufzusteigen, √§u√üerst gefragt. Die Ausbeutung der Nordpolarmeere, besonders durch England, Frankreich und die Niederlande, erm√∂glichten diesen die Verbesserung ihrer Stellung gegen√ľber Spanien und Portugal, die ihren Reichtum aus den √úberseekolonien bezogen. Durch den reichen Jagdertrag aus dem Gebiet um Spitzbergen bekam die Suche nach der Seestra√üe nach Osten immer geringere Priorit√§t.

Anfänglich gab es oft Streitigkeiten zwischen den Schiffen der verschiedenen Länder. Daraufhin wurde 1619 entschieden, die Häfen zwischen den Nationen aufzuteilen. Britische Fangschiffe waren hauptsächlich zum Ende des 18. Jahrhunderts und am Anfang des 19. Jahrhunderts westlich von Spitzbergen unterwegs. Im Jahre 1788 gab es zum Beispiel 255 britische Fangschiffe. Zwischen 1669 und 1778 reisten 14.167 niederländische Schiffe zur Inselgruppe, die zusammen 57.590 Wale fingen. Der niederländische Hauptort war Smeerenburg.

Konzentrierte sich bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts der Walfang auf die K√ľstengebiete und die Fjorde Spitzbergens, verlegte er sich danach in die offene See hinaus, da die Ertr√§ge im ufernahen Gebiet bereits merklich zur√ľckgegangen waren. Die K√ľste beheimatete noch einige H√§fen, an denen sich die Schiffe trafen, und die Gr√§ber f√ľr jene, die das Abenteuer im Nordatlantik nicht √ľberlebten. Viele dieser Gr√§ber sind noch heute an den Ufern zu finden, wegen des Permafrostbodens sind die Skelette noch ziemlich gut erhalten. Die Tranbrenn√∂fen hingegen wurden abgerissen oder zerfielen, die noch brauchbaren Ger√§tschaften wurden abtransportiert.

Fuchs- und Robbenjagd

Nachdem zur Mitte des 18. Jahrhunderts der Walfang ziemlich abrupt eingestellt werden musste, da die Ertr√§ge ausblieben, verlor die Inselgruppe vor√ľbergehend praktisch jede Bedeutung. Bereits zuvor war Spitzbergen als Ausgangspunkt f√ľr den Walfang nur noch Nebenschauplatz, da wie erw√§hnt im offenen Meer gejagt wurde und oft auch die Verarbeitung der Tiere bereits auf See stattfand. Nur einige russische Pomoren verblieben auf Spitzbergen. Diese machten vor allem in der ersten H√§lfte des 18. Jahrhunderts unter dem Protektorat des Zaren Peters des Gro√üen Jagd auf Wei√üwale, Eisb√§ren, Polarf√ľchse, Walrosse und Robben, mit deren Fellen sie Handel betrieben. Die russischen Fellj√§ger waren die ersten, die systematisch auf Spitzbergen und damit in der langen Polarnacht √ľberwinterten. Erst f√ľr 1795/96 gibt es erste Berichte √ľber eine norwegische √úberwinterung, die allerdings auch von Russen begleitet wurde. Weitere √úberwinterungsaktivit√§ten norwegischer J√§ger gab es offenbar erst 1822 wieder. Bis 1892 wurden insgesamt 21 √úberwinterungen gez√§hlt, nur 14 davon jedoch freiwillig. Neben den Fellen von Fuchs, Rentier und Eisb√§r war das Walross das Hauptziel der J√§ger. Nach 1892, bis zur Evakuierung von Spitzbergen im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges, nahmen die √úberwinterungen deutlich zu, obwohl die Ertr√§ge aus den Fellen deutlich geringer waren als jene aus der Robbenjagd. Vermutlich war aber das erwartete Ansehen, das einem durch eine √úberwinterung zuteilwurde, hinreichende Kompensation daf√ľr.

Die Zeit der Naturwissenschaften

W√§hrend der Zeit bis etwa 1900 dominierten naturwissenschaftliche Expeditionsreisen, besonders zu kartografischen Zwecken (siehe unten dazu auch den Abschnitt Geschichte der Kartografie von Spitzbergen). Langsam entwickelte sich das Bewusstsein, dass die Polarregionen f√ľr das Verst√§ndnis fundamentaler physischer, biologischer und geologischer Vorg√§nge auf der Erde zentral sind. Die Forschungen befassten sich besonders mit Meteorologie, Geomagnetismus und Polarlichtern. 1882/83 fand das Erste Internationale Polarjahr statt, in dessen Verlauf elf Nationen insgesamt vierzehn Forschungsstationen errichteten, zw√∂lf davon in der Arktis. Die Forschungsstation auf Spitzbergen wurde vom schwedischen Meteorologen Nils Ekholm geleitet und befand sich im bereits zehn Jahre zuvor auf Anregung Adolf Erik Nordenski√∂lds von der schwedischen Bergbaugesellschaft AB Isfjorden errichteten Svenskhuset (Schwedenhaus) bei Kap Thordsen am Isfjorden. Die dort w√§hrend des Winters gesammelten Daten waren sehr wertvoll f√ľr die Forschung. Nennenswerte Probleme hatte das Forschungsteam nicht, was f√ľr eine √úberwinterungs-Expedition im 19. Jahrhundert nicht selbstverst√§ndlich war. Ein Beispiel ist die Trag√∂die, die sich im Winter 1872/1873 im Svenskhuset abspielte. 17 norwegische Robbenj√§ger waren an einer Bleivergiftung durch den Verzehr von Dosennahrung gestorben, wie eine Forschungsexpedition von 2008 bewies.

Deutsche Expeditionsreisende dieser Zeit waren unter anderen 1870 Karl Graf von Waldburg-Zeil in Begleitung von Theodor von Heuglin, die bedeutsame Grundlagenforschung f√ľr die Kartografie dieser Region und f√ľr die Nautik betrieben, die umfangreichen Aufschluss √ľber die Str√∂mungs- und Eisverh√§ltnisse in diesem Teil des Nordmeers erbrachte.

Im Jahr 1897 startete Salomon August Andr√©e von der Insel Dansk√łya eine Ballonexpedition Richtung Norden. Diese Expedition war weniger wissenschaftlich ambitioniert, sondern vielmehr von dem Wunsch getragen, den Nordpol erreichen zu wollen. Der Versuch misslang, die drei Teilnehmer fanden im Laufe ihres R√ľckmarschs √ľber das Packeis auf der Insel Kvit√łya den Tod, wo sie erst 1930 entdeckt wurden.

Die Zeppelin-Studienexpedition nach Spitzbergen diente der Vorbereitung einer Forschungsfahrt mit einem Luftschiff und erfolgte im Sommer 1910 als Schiffsexpedition mit dem Dampfer Mainz.

1912 steckte die deutsche Reederei Norddeutscher Lloyd im nordwestlichen Bereich von Spitzbergen L√§ndereien ab, um diese f√ľr touristische Zwecke f√ľr ihre seit 1908 stattfindenden Polarfahrten mit Passagierschiffen zu nutzen. Der Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 lie√ü das Projekt hinf√§llig werden.

Bergbauperiode

Um die Jahrhundertwende wurde Spitzbergen wieder wirtschaftlich interessant, denn es fanden sich weitreichende Kohlevorkommen, die noch dazu sehr leicht abzubauen waren, da die Flöze teilweise bis an die Oberfläche drangen.

John Munroe Longyear gr√ľndete 1906 die erste st√§ndige Grubensiedlung. Sie wurde sp√§ter nach ihm Longyear-City genannt, woraus im Norwegischen Longyearbyen wurde, die heutige Hauptstadt der Inselgruppe. In der Zeit zwischen 1900 und 1920 entstanden mehrere Bergbauunternehmungen in Norwegen und in anderen Staaten, die Kohlegruben auf Spitzbergen er√∂ffneten oder zumindest gedachten, das zu tun. Spitzbergen galt als No-Mans-Land, die √ľbliche Vorgehensweise, wie man sich ein St√ľck vom Kuchen abschnitt, war das Ausstecken eines eigenen Claims. Genaue Regeln dar√ľber gab es jedoch nicht, weshalb es auch oft zu Streitigkeiten kam. Das Ersetzen fremder Claim-Anspruchsschilder durch eigene war h√§ufig. Das Spitzbergen-Museum in Longyearbyen besitzt eine ansehnliche Sammlung solcher alter Claim-Annexionsschilder. Die meisten der in dieser Zeit gegr√ľndeten Bergbaufirmen existierten nur sehr kurz. Sie wurden entweder von anderen Firmen √ľbernommen oder gingen in Konkurs, weil der Abbau nicht wirtschaftlich war. Beispielsweise begann die englische Firma The Spitsbergen Coal and Trading Company Bergbau in Advent City, wo der Abbau jedoch schon wenige Jahre sp√§ter aufgegeben wurde. Das ganze Material (inklusive der H√§user) wurde nach Hiorthamn einige Kilometer nach S√ľden verlegt, wo die A/S De Norske Kulfelter Spitsbergen operierte. Diese Firma wiederum wurde sp√§ter an die Norske Kulfelter AS verkauft.

1916 √ľbernahm die norwegische Store Norske Spitsbergen Kulkompani die Grubenanlagen und Steinkohlevorkommen in und um Longyearbyen vom Det Norske Spitsbergensyndikat, das kurz zuvor die Anlagen von der amerikanischen The Arctic Coal Company von John Longyear erworben hatte. Heute ist sie die gr√∂√üte Bergbaufirma auf Spitzbergen und geh√∂rt dem norwegischen Staat. Daneben wird in Barentsburg von der russischen Firma Trust Arktikugol Kohle abgebaut. Das dritte noch existierende Bergbauunternehmen jener Zeit ist die Kings Bay A/S, die aber heute nur noch die Infrastruktur f√ľr die Forschung in Ny-√Ölesund zur Verf√ľgung stellt, selber aber keinen Bergbau mehr betreibt. Die gr√∂√üte Mine auf Spitzbergen liegt in Svea, urspr√ľnglich eine schwedische Gr√ľndung, die sp√§ter auch von der Store Norske √ľbernommen wurde. Ebenfalls eine schwedische Gr√ľndung ist die Siedlung Pyramiden, in der seit 1926 die Russen Kohle f√∂rderten. Seit 1998 der Bergbau dort aufgegeben wurde, ist Pyramiden eine Geisterstadt. Auch das russische Grumant, 1951/1952 die gr√∂√üte Siedlung auf Spitzbergen, ist heute verlassen.

1920 wurde der Spitzbergenvertrag geschlossen, womit insbesondere die Gebietsanspr√ľche formell geregelt wurden. 1925 erlangte Norwegen aufgrund dieses Vertrages die Souver√§nit√§t √ľber Spitzbergen, muss aber allen B√ľrgern der unterzeichnenden L√§nder, die sich auf Spitzbergen niederlassen wollen, die gleichen Rechte einr√§umen. Auch darf Norwegen keinen Gewinn aus auf Spitzbergen erhobenen Steuern erzielen, weshalb die Einkommensteuern sehr niedrig sind und √ľberhaupt keine Mehrwertsteuern oder Steuern auf Tabakprodukte und Alkohol erhoben werden. Die Preise f√ľr Lebensmittel und Wohnfl√§che sind dennoch, wegen der Transportkosten, vergleichbar hoch.

Weiterhin war und ist Spitzbergen Ausgangspunkt f√ľr Reisen zum Nordpol. Max Raebel besuchte 1908 den Archipel und f√ľhrte geologische, botanische, meteorologische und geographische Untersuchungen durch, er traf hier 1910 Ferdinand Graf von Zeppelin, der eine Polarexpedition mit einem Luftschiff plante. Erst Roald Amundsen erreichte mit einem Luftschiff von Ny-√Ölesund aus dann im Jahr 1926 vermutlich als erster den geographischen Nordpol der Erde, 14 Jahre nachdem er bereits den S√ľdpol bezwungen hatte.

Die dramatische Suche und Rettungsaktion nach der von Umberto Nobile gef√ľhrten Nordpol-Expedition mit dem Luftschiff Italia im Mai 1928 machte die Inselgruppe weltweit bekannt. Amundsen, der sich auch an der Suche beteiligt hatte ‚Ästobwohl Nobile die Expedition allein gestartet hatte, weil er sich mit Amundsen zerstritten hatte¬†‚Äď, kam in der Folge bei einem Flugzeugungl√ľck in der N√§he der B√§reninsel ums Leben.

Zweiter Weltkrieg

Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion wurde Spitzbergen im August 1941 von den Alliierten evakuiert und die Infrastruktur von Longyearbyen und Barentsburg von kanadischen Royal Engineers während der Operation Gauntlet zerstört. Die geförderten Kohlevorräte von etwa 400.000 Tonnen und Treibstoff wurden in Brand gesetzt, damit sie nicht der Wehrmacht in die Hände fallen konnten.

Ab September 1941 operierten auf West-Spitzbergen im Lillieh√∂√∂kfjord mit dem Unternehmen Knospe ein Wettertrupp der Wehrmacht, der Kriegsmarine und einer der Luftwaffe, um Wetterbeobachtungen sowohl f√ľr den operativen wichtigen Zugang zum russischen Nordmeer, als auch f√ľr die strategische Wettervorhersage in Mitteleuropa durchzuf√ľhren.

In anderen Regionen wurden zur meteorologischen Datenerfassung von der Luftwaffe und Kriegsmarine automatische Wetterstationen eingesetzt, die selbstst√§ndig die Wetterlage erfassten und ihre Ergebnisse an die Wetterdienste der Wehrmacht √ľbermittelten. Die Wetterstation WFL 21 der Kriegsmarine, Codename Gustav, befand sich im Nordwesten der Insel Spitzbergen am Billefjord. U 737, das gegen die alliierten Nordmeergeleitz√ľge eingesetzt wurde, war auch mit dem Ausbringen von automatischen Wetterfunkger√§ten betraut, die selbst√§ndig Wetterdaten erheben und weitergeben konnten. Unter dem Kommando von Oberleutnant zur See Paul Brasack griff U 737 zudem alliierte Wetterbeobachtungseinrichtungen auf Spitzbergen an. Die Wetterfunkstation der Luftwaffe Kr√∂te befand sich in der Mitte der Insel, an der s√ľdlichen K√ľste des Van Mijenfjord.

Am 14. Mai 1942 landete eine norwegische Einheit und besetzte Longyearbyen wieder f√ľr den Rest des Krieges, musste jedoch vor deutschen Kr√§ften beim Unternehmen Sizilien zeitweilig ausweichen.

Am 8. September 1943 zerstörte ein deutscher Gefechtsverband aus den Schlachtschiffen Tirpitz und Scharnhorst sowie neun Zerstörern mit eingeschiffter Infanterie während des Unternehmens Sizilien die Siedlungen. Es gab Tote und Verletzte. Longyearbyen wurde vollständig zerstört.

Im September 1944 wurde auf Nordostland mit dem Unternehmen Haudegen eine Wetterstation der Kriegsmarine unter Leitung des Meteorologen Wilhelm Dege eingerichtet. Sie konnte durch die Umstände der Kapitulation jedoch erst nach Kriegsende im September 1945 von den Norwegern aufgelöst werden.

S√§mtliche √úberbleibsel menschlicher Kultur aus der Zeit vor 1946 sind als Kulturdenkmal eingestuft und unterliegen dem Denkmalschutz. Sie d√ľrfen nicht ver√§ndert werden. Das gilt zum Beispiel f√ľr die √úberreste von Grubenbahnen und H√ľtten, die sich in den verlassenen Minensiedlungen finden.

Hin und wieder werden auch heute noch alte Munition und Landminen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gefunden, die dann vom norwegischen Kampfmittelräumdienst beseitigt werden.

Nachkriegszeit und Moderne

Spitzbergen war nach 1945 entmilitarisiert, aber trotzdem von Bedeutung, da es nahe der GIUK-L√ľcke liegt. Zur Aufkl√§rung russischer U-Boote wurde in dieser geografischen L√ľcke das Sonarsystem SOSUS installiert.

Nach dem Krieg nahmen mehrere Bergbaugruben die Arbeit wieder auf, insbesondere die in Longyearbyen, Sveagruva, Barentsburg, Pyramiden, Grumant und Ny-√Ölesund. 1962 wurde Grumant aufgegeben, bald nach der Kings-Bay-Aff√§re auch der Bergbau in Ny-√Ölesund. Schlie√ülich ist seit 1998 auch Pyramiden bis auf ein paar Touristenf√ľhrer verlassen.

Die gr√∂√üte Umstellung der Lebensweise auf Spitzbergen brachte die Er√∂ffnung des internationalen Flughafens in Longyearbyen im Jahr 1975, mit dem die Inselgruppe ganzj√§hrig vom Festland aus erreichbar wurde, was die Abgeschiedenheit, besonders w√§hrend der Wintermonate, deutlich reduzierte. Auch dauert die Reise von Troms√ł aus nun nur noch gut zwei Stunden, statt mehrerer Tage wie fr√ľher per Schiff. Dadurch hat besonders auch die Zahl der Touristen deutlich zugenommen. Diese sind heute, neben Forschung und Bergbau, Haupteinnahmequelle der Bev√∂lkerung auf Spitzbergen.

Zur Aufrechterhaltung der norwegischen Hoheit √ľber Spitzbergen patrouilliert die norwegische K√ľstenwache mit der KV Svalbard rund um den Archipel. Die staatliche russische Bergbaugesellschaft Arktikugol hat in Barentsburg f√ľr Verbindungs- und Versorgungsfl√ľge einen eigenen Mil Mi-8 Hubschrauber stationiert, der jedoch nur f√ľr innerbetriebliche Fl√ľge eingesetzt werden darf.

Spannungen verursachen auf Spitzbergen zuweilen die russischen √úbertretungen der geltenden Vereinbarungen. So war Dmitri Rogosin 2015 mit einem Einreiseverbot f√ľr die EU belegt, als er auf der Insel landete. Im April 2016 nutzten tschetschenische Spezialkr√§fte, die unter dem unmittelbaren Kommando von Ramsan Achmatowitsch Kadyrow standen, nach einer Ausbildungs√ľbung nahe dem russischen Forschungslager Barneo am Nordpol den Flughafen von Longyearbyen. Kadyrow begr√ľ√üte die R√ľckkehrer seiner Speznas pers√∂nlich auf dem Flughafen von Grosny. Bei der Gro√ü√ľbung Sapad 2017 des russischen und belarussischen Milit√§rs wurde auch eine Besetzung von Spitzbergen ge√ľbt.

Geschichte der Kartografie von Spitzbergen

Bei dem seit sp√§testens 1194 bezeugten altnordischen Namen ‚ÄěSvalbard‚Äú, der ‚ÄěKalte K√ľste‚Äú bedeutet, ist nicht gesichert, dass damit die Inselgruppe bezeichnet war. Es k√∂nnte auch Ostgr√∂nland oder Jan Mayen gewesen sein.

Willem Barents benannte bei seiner Entdeckung das Land nach seinen spitzen Bergen Spitzbergen, niederl√§ndisch spitse Bergen, daher die niederl√§ndische Originalbezeichnung Spitsbergen, wie sie auch im Spitzbergenvertrag verwendet wird. Dazu legte er acht weitere Namen f√ľr Teile der Inseln fest. Barents Entdeckung war der Startpunkt f√ľr die sogenannte ‚ÄěWalfangperiode‚Äú auf Spitzbergen, die etwa von 1600 bis 1710 dauerte. Diese Periode war vorwiegend durch d√§nische und englische Aktivit√§ten gepr√§gt. Giles & Rep ver√∂ffentlichten im Jahr 1710 die erste Karte Spitzbergens, auf der die K√ľstenlinien vollst√§ndig verzeichnet wurden. Vorl√§ufig diente Spitzbergen vorwiegend als Ausgangspunkt f√ľr den Walfang, womit besonders die K√ľstenlinie f√ľr die Kartographie zentral war. Die Karte enthielt auch schon eine ganze Reihe von Ortsnamen, die jedoch sehr willk√ľrlich gew√§hlt waren. Die Namen attributierten zu allem M√∂glichen:

  • L√§nder und Gebiete aus den Heimatl√§ndern der J√§ger
  • Landmarken f√ľr die Navigation, H√§fen
  • Landschaftsformen
  • Personen
  • Pflanzen
  • Religion, Heilige
  • Tiere

Viele dieser Namen waren in den jeweiligen Sprachen der Walf√§nger verfasst, was sp√§ter zu absichtlichen oder unabsichtlichen √úbersetzungen in andere Sprachen (vorwiegend ins Norwegische) f√ľhrte. Dabei entstanden Fehler oder Missverst√§ndnisse, so dass die abgeleiteten Namen eine neue Bedeutung erhielten.

Nachdem der Walfang nach 1710 praktisch zum Erliegen gekommen war, da der Gr√∂nlandwal fast ausgerottet war, blieb Spitzbergen bis 1858 weitgehend unbewohnt. Bis auf einige russische J√§ger, die auf den Inseln F√ľchse, Rentiere, Walr√∂sser, Robben und Eisb√§ren jagten, war das Interesse der Menschen an der Inselgruppe gering. Aus dieser Zeit sind entsprechend keine neuen Flurnamen √ľberliefert. Einige englische, franz√∂sische oder schwedische Expeditionen fielen in diese Zeit, ihre Nachwirkung war jedoch ebenfalls sehr gering.

Das Jahr 1858 markiert einen wichtigen Meilenstein in der Entdeckungsgeschichte von Spitzbergen. Ab diesem Datum fanden fast dauernd Expeditionen zur Inselgruppe statt, mit rein naturwissenschaftlichem Hintergrund. Fast alle europ√§ischen L√§nder organisierten solche Expeditionen oder beteiligten sich daran, darunter Norwegen, Schweden, Deutschland, England, die Schweiz, √Ėsterreich, Monaco und Schottland.

Die dabei neu entstandenen Karten enthalten auch neue Namen, diese sind jedoch zwischen den verschiedenen Kartografen nicht einheitlich und h√§ufig durch √úbersetzungsfehler entstellt. Der erste, der versuchte, diese Ungereimtheiten zu bereinigen, war Adolf Erik Nordenski√∂ld. Seine wichtigste Karte von Spitzbergen wurde 1875 publiziert. Als Dank f√ľr Unterst√ľtzung oder Beteiligung an der Expedition begann er, neue Namen aus den Personennamen dieser Unterst√ľtzer zu bilden, was viele weitere Entdecker nach ihm genauso handhabten.

Als Kartograf von Spitzbergen ist auch August Petermann in Erscheinung getreten. Nachdem er die deutsche Besiedlung in Afrika unterst√ľtzt hatte, regte er zwei Arktisexpeditionen an, die 1868 und 1870 unter der Leitung von Carl Koldewey zun√§chst nach Spitzbergen, dann nach Ostgr√∂nland f√ľhrten. Petermann verwendete f√ľr seine Karten auch Namen von deutschen Entdeckern Afrikas. Seine Publikationen erschienen um 1870.

Nach der Jahrhundertwende fanden verschiedene Fahrten statt, die vorwiegend oder ausschlie√ülich die Kartographie zum Ziel haben. Zu den wichtigsten Unterst√ľtzern dieser Projekte geh√∂rte Albert¬†I. von Monaco, der im Jahr 1899 selbst nach Spitzbergen gereist war. 1906/1907 finanzierte er die Expedition von Gunnar Isachsen, der auch sp√§ter noch mehrfach den Archipel bereiste. Auch Adolf Hoel leistete w√§hrend seiner Reisen einen wesentlichen Beitrag zur Kartographie Spitzbergens.

Als weitere wichtige Kartografen Spitzbergens gelten Sir William Martin Conway, der erstmals ausf√ľhrliche Karten des Landesinneren zeichnete, was zur Einf√ľhrung zahlreicher neuer Namen f√ľhrte, sowie Gerard De Geer. Letzterer versuchte, m√∂glichst konsistente Regeln f√ľr die Namensgebung der geografischen Punkte festzulegen. Zusammenh√§ngende Namen sollten f√ľr zusammenh√§ngende Gebiete verwendet werden (beispielsweise die Vornamen einer K√∂nigsfamilie), Namen in der einheimischen Sprache sollten bevorzugt werden, um falsche √úbersetzungen zu vermeiden (falls n√∂tig mit latinisierter Transkription). Auch vermied er bewusst lange, komplizierte Namen, da diese im t√§glichen Gebrauch abgek√ľrzt und damit verf√§lscht wurden. Allzu allgemeine Namen sollten vollst√§ndig vermieden werden, wie etwa Tierarten f√ľr geografische Bezeichnungen (bereits verbreitete Namen wie Bj√łrn√łya ‚ÄstB√§reninsel¬†‚Äď blieben nat√ľrlich). Bei ihrer Kartografie beeinflussten sich De Geer und Isachsen gegenseitig, Isachsen verwendet jedoch bevorzugt franz√∂sische Namen, De Geer englische. Dabei entstanden erneut durch √úbersetzungsfehler bedingte, unlogische Namenskombinationen wie Mt Vortefjell (fjell ist das norwegische Wort f√ľr Berg) oder Glacier Verdebr√¶ (br√¶ bedeutet Gletscher auf norwegisch).

Die vollständigsten Karten dieser letzten wichtigen Entdeckerperiode wurden um 1923 publiziert. In diesem Jahr demonstrierte die Junkers-Spitzbergen-Expedition, der die ersten Luftbilder des Archipels zu verdanken sind, die Vorteile der Landaufnahme aus der Luft.

Politik

Spitzbergen wird direkt von einem Repr√§sentanten der norwegischen Regierung geleitet. Er tr√§gt den Titel Sysselmester und ist gleichzeitig Polizeichef, Hilfsrichter und Inhaber anderer offizieller Funktionen. Vor Juli 2021 lautete der Titel Sysselmann. Er soll auch die Rechte und Pflichten sicherstellen, die Norwegen laut Spitzbergenvertrag obliegen. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wurde in mehreren politischen Vorst√∂√üen die Selbstverwaltung durch die Bev√∂lkerung gest√§rkt. Im Oktober 2007 fanden auf Spitzbergen erstmals Wahlen f√ľr ein lokales Parlament statt. Zur Geschichte der Verselbst√§ndigung der Verwaltung siehe den Geschichtsabschnitt im Artikel Longyearbyen.

Die Hoheitsrechte innerhalb der 200-Meilen-Zone werden von Norwegen beansprucht, was allerdings umstritten ist, auch weil in der Arktis Bodenschätze vermutet werden. Mehrere andere Länder erheben Anspruch auf die Abbaurechte im Nordpolarmeer.

Die Landung des in der Folge der Annexion der Krim 2014 auf europäischen Sanktionslisten stehenden russischen Vize-Ministerpräsidenten Rogosin im Jahr 2015 und eines russischen Truppentransporters im Jahr 2016 wurde als Provokation empfunden.

Zur Unterst√ľtzung des Sysselmester sind norwegische Polizisten in Longyearbyen stationiert. Sie √ľbernehmen die Fluggastkontrolle und betreiben den Ordnungs- und Verkehrsdienst mit Verkehrskontrollen sowie den Sicherheitsdienst bei einer Eisb√§rsichtung in Longyearbyen. Au√üerdem sind sie auch f√ľr die Einhaltung der Umweltschutzvorschriften zust√§ndig. Die Norwegische K√ľstenwache f√ľhrt den Schutz und die √úberwachung der See vornehmlich mit der Svalbard durch.

Infrastruktur

Spitzbergen ist durch den 1975 er√∂ffneten internationalen Flughafen in Longyearbyen mit Norwegen und anderen L√§ndern verbunden. W√§hrend der Polarnacht sind die f√ľnf w√∂chentlichen Fl√ľge von und nach Troms√ł faktisch die einzige Verbindung zum Festland. Der gr√∂√üte Arbeitgeber der Inselgruppe, die norwegische Bergbaugesellschaft Store Norske Spitsbergen Kulkompani, hat zwei eigene Flugzeuge, die f√ľr Transporte zwischen Sveagruva und Longyearbyen sowie Ny-√Ölesund eingesetzt werden. In Ny-√Ölesund und Sveagruva gibt es jeweils Verkehrslandepl√§tze, in Barentsburg und Pyramiden gibt es je einen Hubschrauberlandeplatz, weitere gibt es an im Gel√§nde verteilten Feldtankpunkten. Bis zur Er√∂ffnung des Flughafens wurde ein Verkehrslandeplatz im Osten von Longyearbyen benutzt.

Bebauung mit fester Besiedlung gibt es nur in den vier Ortschaften. Das gesamte Gel√§nde von West-Spitzbergen ist von H√ľtten durchsetzt, die vormals meist als Wetterh√ľtten oder Trapperstationen dienten und die nur f√ľr Wochenendausfl√ľge durch Einheimische genutzt werden k√∂nnen. Eine Anmietung durch Touristen ist nicht m√∂glich.

Im Sommer kommen verschiedene Forschungs- und Touristenschiffe in die Häfen. Nur in den Ortschaften gibt es befestigte Wege sowie in Longyearbyen zur Gruve 7. Transporte erfolgen mittels Flugzeug, Hubschrauber, Schiff oder Boot, Motor- oder Hundeschlitten. Das Kennzeichen der wenigen Kraftfahrzeuge auf Spitzbergen beginnt mit ZN.

In Longyearbyen befindet sich die einzige Bank des Inselarchipels, diese ist zugleich die n√∂rdlichste Bank der Welt. Am 21. Dezember 2018 erfolgte der erste Bankraub der Arktis durch einen arbeitslosen russischen Staatsb√ľrger, er erbeutete 9000 Euro, konnte die Insel aber nicht ungesehen verlassen, es folgte die √úberstellung an ein norwegisches Gericht in Troms√ł.

F√ľr die umfangreichen Forschungsprojekte auf Spitzbergen, vorwiegend das UNIS und die Satellitenstationen in der Umgebung von Longyearbyen, wurde ein 20-Gbit/s-Unterwasserkabel, das Svalbard Undersea Cable System, vom norwegischen Festland aus gelegt. Somit sind in allen gr√∂√üeren Siedlungen Spitzbergens schnelle Internetanschl√ľsse verf√ľgbar.

F√ľr Spitzbergen und Jan Mayen existiert die eigene l√§nderspezifische Top-Level-Domain (ccTLD) .sj. Sie wird derzeit nicht verwendet, ist aber f√ľr potenzielle zuk√ľnftige Nutzung reserviert. Sie wird von der Firma UNINETT Norid AS verwaltet, die auch f√ľr die norwegische Domain .no sowie f√ľr die Domain der Bouvetinsel .bv zust√§ndig ist.

Wirtschaft

Da Norwegen aufgrund des Spitzbergenvertrags von S√®vres vom 9. Februar 1920 keine Eink√ľnfte aus Spitzbergen beziehen darf, bleiben die eingezogenen Steuern auf der Inselgruppe. Das hat zur Folge, dass das Steuerniveau im Gegensatz zu anderen norwegischen Gebieten sehr niedrig ist. Die Einkommensteuer liegt unter 20¬†%, eine Umsatzsteuer existiert √ľberhaupt nicht. Das wird jedoch dadurch kompensiert, dass viele Produkte, insbesondere Frischwaren wie Gem√ľse und Obst, aufgrund der hohen Transportkosten deutlich teurer als auf dem Festland sind.

Außerdem beinhaltet der Vertrag, dass die Inseln zwar zu Norwegen gehören, gleichzeitig aber alle Vertragsparteien ein Recht auf Nutzung der Bodenschätze haben, was mit der Entdeckung von Kohlevorkommen relevant wurde. Von diesem Recht machen von den 39 Ländern, welche den am 30. Juni 1925 in Kraft getretenen Spitzbergenvertrag bisher unterzeichnet haben, heute nur Norwegen und Russland (Arktikugol) Gebrauch. Die Kohleförderung ist gemessen am Weltmarktpreis relativ teuer und damit unwirtschaftlich.

Heute arbeitet die Bev√∂lkerung (haupts√§chlich Norweger und Russen) der d√ľnnbesiedelten Insel in der Forschung, im Tourismus oder im Bergbau, vorwiegend in den St√§dten Longyearbyen, in Sveagruva und Barentsburg. Die drei Ortschaften sind untereinander nicht durch Stra√üen oder Wege verbunden.

Auf Spitzbergen befindet sich ein Startplatz f√ľr H√∂henforschungsraketen (SvalRak). Au√üerdem existieren zahlreiche Satelliten-Bodenstationen wie etwa die Svalbard Satellite Station (SvalSat) in Longyearbyen und die BIRD-Bodenstation in Ny-√Ölesund.

Pflanzensamenbank

Am 26. Februar 2008 wurde eine Pflanzensamenbank eingeweiht, die von der norwegischen Regierung mit Unterst√ľtzung der EU, der Nordic Gene Bank und dem Global Crop Diversity Trust (GCDT) errichtet wurde. Die Svalbard Global Seed Vault ist eine internationale Organisation zur weltweiten Erhaltung von Nutzpflanzen, welche die Ern√§hrung der Weltbev√∂lkerung sicherzustellen helfen soll. Im Samenbunker auf Spitzbergen lagern die Samenproben 120 Meter tief im Permafrost-Felsmassiv bei ‚ąí18¬†¬įC. Insbesondere soll die Erhaltung der Sortenvielfalt von Nutzpflanzenarten wie Reis, Weizen oder Gerste sichergestellt werden, gesch√ľtzt vor genetischer Verunreinigung, Naturkatastrophen, Pflanzenepidemien oder gar vor Verlusten durch Atomkriege. Es wurde mit einem Bedarf von 4,5¬†Millionen Pflanzensamenproben der weltweiten Nutzpflanzen gerechnet, die Kapazit√§t reicht f√ľr 2,25¬†Milliarden Samen. Eine Probe enth√§lt durchschnittlich 500 Samen. Im Oktober 2017 lagerten dort √ľber 933.000 Samenproben von 5.384 Arten aus 992 Gattungen, davon allein 70.000 Reissorten und 15.000 Bohnensorten. Die Samen kommen aus der ganzen Welt. 175 L√§nder planten, Samenproben nach Spitzbergen zu schicken. Eigent√ľmer der Proben bleiben die einreichenden Saatgutbanken im Ausland. Bis Anfang 2018 gab es nur eine einzige Anforderung zur R√ľckf√ľhrung von Proben, und zwar durch das International Center for Agricultural Research in the Dry Areas nach Syrien im Jahr 2015.

Tourismus

Longyearbyen lebt vom Tourismus, der mittlerweile eine Gr√∂√üe von j√§hrlich 70.000 Touristen erreicht hat, davon die meisten mit Kreuzfahrtschiffen. Hauptsaison ist w√§hrend des Lichtwinters zwischen M√§rz und Anfang Mai, wenn noch gen√ľgend Schnee f√ľr Schlittentouren liegt und schon ausreichend Tageslicht vorhanden ist, sowie im Sommer zwischen Anfang Juli und Mitte August. Ab Mitte April geht die Sonne in Longyearbyen nicht mehr unter. In der Zwischensaison von Anfang Mai bis Juli nimmt der Touristenstrom wieder ab, weil Schmelzwasser die T√§ler weitgehend unpassierbar macht.

Der Tourismus findet haupts√§chlich um Longyearbyen statt oder auf Schiffen, die die Inselgruppe umrunden und dabei auch Landg√§nge anbieten. Liegt Schnee, wird verbreitet auf Schneemobile als Transportmittel zur√ľckgegriffen, f√ľr den Tourismus auch auf Hundeschlitten. Pyramiden ist verlassen und soll zuk√ľnftig als Ausgangspunkt von Trekkingtouren dienen. Barentsburg dient vor allem dem Bergbau und Tagesausfl√ľgen, Ny-√Ölesund der wissenschaftlichen Forschung und wird stundenweise von Kreuzfahrern angelaufen.

Spitzbergen geh√∂rt zur trocken-kalten Klimazone (Polargebiet), die Verh√§ltnisse sind daher nicht mit denen in Skandinavien zu vergleichen. Wanderungen haben Expeditionscharakter. Es existieren keine Stra√üen oder Wanderwege und keine Wegmarkierungen und dementsprechend auch keine Br√ľcken √ľber die zahlreichen im Sommer offenen Wasserl√§ufe. Sommer wie Winter muss mit den Gefahren von schnell wechselndem Wetter oder unwegsamem Gel√§nde gerechnet werden und Notausr√ľstung sollte griffbereit sein.

Um sich gegen Angriffe von Eisb√§ren sch√ľtzen zu k√∂nnen, ist durch den Sysselmester jedermann angehalten, au√üerhalb von Ortschaften mit geeigneten Abwehrmitteln ausger√ľstet zu sein. Dabei wird das F√ľhren gro√ükalibriger B√ľchsen empfohlen. Eisb√§ren sind gesch√ľtzt und d√ľrfen nur in Notwehr get√∂tet werden. Man ist verpflichtet, vor dem Waffengebrauch zu versuchen, den Eisb√§ren mit geeigneten Mitteln, wie beispielsweise einer Signalpistole, abzuschrecken oder abzulenken. Es ist verboten, Eisb√§ren anzulocken oder sie aktiv aufzusuchen. Lager sollten mit einem B√§renzaun gesch√ľtzt sein. In der Vergangenheit kam es mehrfach zu Todesf√§llen bei der Begegnung mit Eisb√§ren. Zuletzt starb ein 38-j√§hriger niederl√§ndischer Angestellter des Campingplatzes von Longyearbyen, der in der Nacht auf den 28.¬†August 2020 in seinem Zelt angegriffen worden war. Davor wurde am 5.¬†August 2011 ein 17-j√§hriger britischer Sch√ľler t√∂dlich verletzt, nachdem ein Eisb√§r in dessen Zelt eingedrungen war. Mehrere Begleiter des Sch√ľlers wurden ernsthaft verletzt. Davor starb im Jahr 1995 ein Mann auf der Kiepert√łya in der s√ľdlichen Hinlopenstra√üe infolge eines Eisb√§renangriffs. Insgesamt wurden auf Spitzbergen seit 1970 sechs Touristen von Eisb√§ren get√∂tet.

Im Verwaltungsgebiet¬†10 k√∂nnen Touren ohne Genehmigung unternommen werden. Dieses Gebiet umfasst im Wesentlichen Nordenski√∂ld-Land (mit Longyearbyen), B√ľnsow-Land, Dickson-Land und den Kongsfjord. F√ľr Touren au√üerhalb des Verwaltungsgebiets¬†10 ben√∂tigt man eine Genehmigung des Sysselmesters. Eine Versicherung f√ľr einen Search-and-Rescue-Einsatz ist eine Voraussetzung f√ľr die Genehmigung. Arktistaugliche Ausr√ľstung und Bewaffnung sind immer erforderlich ‚Äď grunds√§tzlich mit Iridium und Rettungsger√§tfunkstelle als Notfunkbake. Au√üerhalb von Longyearbyen gibt es keine Stra√üen oder Wanderwege.

Die Richtlinien √ľber das Entleihen von Waffen bei Ausr√ľstern in Longyearbyen wurden im Jahr 2009 versch√§rft.

Aktuelle Gefahrenlagen rund um Spitzbergen und Longyearbyen können unter einem Blog des Sysselmesters abgerufen werden.

Medien

Auf Spitzbergen existieren mit Svalbardposten eine eigene norwegische Wochenzeitung und mit Longyearbyen TV ein lokaler Fernsehkanal. Bedingt durch die in allen gr√∂√üeren Siedlungen Spitzbergens vorhandenen Internetanschl√ľsse (siehe Infrastruktur) ist ein internationaler Medienzugang gew√§hrleistet.

Siehe auch

  • Geschichte Norwegens
  • Liste norwegischer Inseln
  • Jan Mayen

Literatur

  • Thor B. Arlov: Svalbards historie. H. Aschehoug & Co., Oslo 1996. ISBN 82-03-22171-8.
  • Wilhelm Dege: Im Vorfeld des Nordpols. Fahrten und Abenteuer auf Spitzbergen. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 1957.
  • Christian Kempf: A Journey to Svalbard Polar Territory Eigenverlag, Orl√©ans 1999.
  • Hugo N√ľnlist: Spitzbergen. Gipfel √ľber dem n√∂rdlichen Eismeer. Erlebnisse und Ergebnisse der Schweizer Spitzbergen-Expedition 1962. Orell F√ľssli, Z√ľrich 1963.
    • Englisch: Spitsbergen. The story of the 1962 Swiss-Spitsbergen expedition. Aus dem Deutschen von Oliver Coburn. Kaye, London 1966.
  • Andreas Umbreit: Spitzbergen mit Franz-Joseph-Land und Jan Mayen. Stein, Welver 2007, ISBN 3-89392-282-2.
  • Horst-G√ľnter Wagner: Klimatologische Beobachtungen in S√ľdostspitzbergen 1960 Steiner, Wiesbaden 1960.
  • Norsk Polarinstitutt (Hrsg.): The Place-Names of Svalbard. Oslo 2001, ISBN 82-90307-82-9.
  • Norsk Polarinstitutt (Hrsg.): Cruise Handbook for Svalbard. Oslo 2009, cruise-handbook.npolar.no (englisch).
  • Spitzbergen-Expedition 1999. Deutscher Alpenverein, Sektion Regensburg, Regensburg 1999.
  • Manfred Hausmann, Fotos: Klaus D. Francke: Spitzbergen ‚Äď Konkurrenz um eine kalte Sch√∂nheit. In: Geo-Magazin. Hamburg 1978/9, ISSN¬†0342-8311, S. 60‚Äď82 (informativer Erlebnisbericht, u.¬†a. mit politischen Hintergr√ľnden).

Belletristik

  • Die √∂sterreichische Malerin und Autorin Christiane Ritter verbrachte mit ihrem Mann Hermann Ritter und einem Jagdkollegen den Winter 1934/35 auf Spitzbergen und schrieb das Buch Eine Frau erlebt die Polarnacht.
  • Der deutsche P√§dagoge Wilhelm Dege, der als Wehrmachtssoldat w√§hrend des Zweiten Weltkriegs auf Spitzbergen einen Wettertrupp geleitet hatte, ver√∂ffentlichte mit J√§ger in Nacht und Eis (Reutlingen 1953) einen Abenteuerroman √ľber Pelztierj√§ger, die auf West-Spitzbergen √ľberwintern.
  • Der deutsche Schriftsteller Bernd Sp√§th, der auf Spitzbergen zwischen 1982 und 1995 f√ľnf arktische Expeditionen absolvierte und 1983 als erster Deutscher die Nordspitze der Insel √ľber das Inlandeis erreichte, ver√∂ffentlichte zu Spitzbergen drei Romane und einen Band mit arktischen Erz√§hlungen.
  • Die norwegische Schriftstellerin Anne B. Ragde verfasste den Roman Mord in Spitzbergen.
  • Die drei Staffeln umfassende britische Krimiserie Fortitude, ausgestrahlt zwischen 2015 und 2018, spielt in einer fiktiven 800-Einwohner-Siedlung namens Fortitude auf der Inselgruppe Spitzbergen.
  • Die norwegische Journalistin Line Nagell Ylvis√•ker, seit 2006 in Longyearbyen lebend, schrieb das Buch "Meine Welt schmilzt. Wie das Klima mein Dorf verwandelt". Es erschien in deutscher √úbersetzung 2021 bei Hoffmann und Campe (Hamburg). Darin schildert sie die Folgen des Klimawandels f√ľr den Ort und die gesamte Inselgruppe.

Weblinks

Karten, Fotos und Videos

  • TopoSvalbard ‚Äď Interaktive Karte des Norwegischen Polarinstituts
  • Svalbard 2009 ‚Äď Fotoserie von einem Field Trip
  • Terra X: Verschollen vor Spitzbergen ‚Äď Video (31. Januar 2010, 3:15 Uhr, 43:29 Min.)
  • Longyearbyen September 2012 ‚Äď Video mit Eindr√ľcken von Longyearbyen
  • [1] The Svalbard Treaty Explained: Geopolitics in the Arctic
  • Longyearbyen Community Guidelines

Andere

  • Spitzbergen.de ‚Äď Umfangreiche Spitzbergen-Infoseite
  • Das Universit√§tszentrum in Longyearbyen mit zahlreichen Informationen √ľber die Insel (englisch)
  • Offizielle Seite des norwegischen Regierungsbevollm√§chtigten f√ľr Spitzbergen (norwegisch und englisch)
  • Visitsvalbard ‚Äď Portal (englisch)
  • Svalbard Global Seed Vault ‚Äď Pflanzensamenbank in Spitzbergen (englisch)
  • Geowissenschaftliche Spitzbergen-Expedition (SPE) 1990‚Äď1992 mit Beschreibung von Spitzbergen bei der Universit√§t der Bundeswehr M√ľnchen
  • Spitzbergen Exkursion der Universit√§t Bochum 2012
  • Peter Neuber: Arktisches Trekking ‚Äď ‚Ä¶ am Beispiel Svalbard / Spitzbergen auf der Website europeonline-magazine.eu.
  • Regulations relating to large nature conservation areas and bird reserves in Svalbard as established in 1973. In: regjeringen.no. Ministry of Climate and Environment, 4. April 2014.
  • Svalbard auf der Website Yr.no, Norwegian Meteorological Institute and NRK.
  • BIRD PHOTOGRAPHY | NIKON Z9 on Svalbard
  • Cecilia Blomdahl Impressionen von Svalbard und Longyearbyen

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (0)

Abk Name O
SJ.SV Svalbard  
 

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Flagge: Svalbard

Name englisch: Svalbard
Hauptstadt: Longyearbyen
Kfz:
ISO: SJ
ISO3: SJM
Fläche: 62049 km²
Tld: .sj
Wärung Einheit: NOK
Währung: Krone
Vorwahl: 47

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 80.834053
südlichster Punkt: 70.827446
westlichster Punkt: -9.07814
östlichster Punkt: 33.497093


 
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